Kreuzfahrtschiffe – Umweltbomben zum Quadrat

Man nennt sie die „Riesen der Ozeane“ – tatsächlich sind Kreuzfahrt-schiffe schwimmende Kleinstädte, die keinen Wunsch unerfüllt lassen. Ich müsste lügen, würde ich sagen, dass ich mir das nicht auch gerne mal von innen ansehen möchte. Ich glaube, es war damals die Doku über den Bau der Norwegian Breakaway, die mich derart begeisterte.

https://www.youtube.com/watch?v=vWYsRUxmt3A

Doch wie alles hat auch das Bereisen der Weltmeere seine Schattenseiten. Damit 20.000 Tonnen bewegt werden können, jeder fliessend kaltes und warmes Wasser in der Kabine hat, ein üppiges Kapitäns-Dinner abge-halten werden kann und auch tatsächlich das Licht angeht, wenn der Schalter betätigt wird, dazu ist ein ungeheuerlicher Energieaufwand vonnöten. Daneben produzieren bis zu 8.000 Menschen einen ganz ordentlichen Haufen Müll und Abwässer.
Rollen wir das Ganze mal von hinten auf:
Gab es in grauen Vorzeiten einen Donnerbalken am Heck eines Schiffes, so wurden immer wieder Seeleute vermisst. Sie nahmen das Wort „Runterspülen“ wohl zu ernst. Bei der grossen Anzahl der Reisenden und Crew wäre dies heutzutage wohl nicht mehr zumutbar. Da muss nur einer dabei sein, der Zeitung liest!!! Aber – Spass beiseite. Grau- und Schwarz-wasser werden häufig nach wie vor teils geklärt, teils nicht geklärt in den Ozean abgelassen. Was auf hoher See wohl ohne weiteres möglich ist, kann am windstillen Äquator oder in einem Binnenmeer wie etwa der Ostsee zu einem ganz gewaltigen Problem werden. Deshalb entsorgen rund 70 bis 80 % der Ostsee-Schiffe dies in den Häfen – ab 2021 wird es für alle Kreuzfahrtschiffe zur Pflicht: Entweder direkt an Bord klären oder abpumpen und entsorgen. Hierfür wurde beispielsweise in Kiel am Ostseekai eine eigene Abwasseranlage gebaut. 300 Kubikmeter können pro Stunde abgepumpt und vorbehandelt (Ozon und Natronlauge) in das städtische Kanalsystem weitergegeben werden. Die Ostsee stand nahe am Umkippen. Sie ist sehr sauerstoffarm – durch die Abwässer würden komplett sauerstofflose Zonen entstehen. Aufgrund solcher Massnahmen konnte sie davor bewahrt werden. Für all jene, die es noch nicht wissen sollten: Grauwasser sind die Abwässer aus Waschbecken und Dusche, Schwarzwasser hingegen aus der Toilette – näher möchte ich hierauf nicht Eingehen. Damit Sie einen Einblick in die Dimensionen erhalten: Nach Angaben des WWF reisen jedes Jahr rund 80 Millionen Menschen über bzw. durch die Ostsee. Es sind nicht nur Skandinavien-Kreuzfahrten, sondern auch Fährschiffe. Einige davon (v.a. die grossen Kolosse) besitzen eigene Kläranlagen und müssen somit nurmehr den Klärschlamm entsorgen. Weitaus mehr jedoch verfügen nicht über eine solche Möglichkeit.
Zweites Problem: Der Müll! Sie selbst werden wissen, wieviel Müll und „Wertstoff-Abfall“ Sie innerhalb von neun bis zehn Tagen (Durchschnitts-dauer einer Kreuzfahrt) produzieren. Somit können Sie sich vorstellen, wieviel 2-8.000 Menschen auf einem solchen Schiff zurücklassen. Auch der Müll muss in den Häfen entsorgt werden. Durchaus eine Herausforderung – nicht nur für die Crew sondern auch die angelaufenen Häfen. Besonders problematisch wird es bei Hotspots wie Venedig oder Mallorca!
Der wohl aber gewichtigste Umstand, weshalb ich niemals eine Kreuzfahrt machen werde, sind die Abgase und das verwendete Schweröl. Der deutsche Naturschutzbund hat Berechnungen angestellt, deren Zahlen ich nun wiedergeben möchte. Ein Kreuzfahrtschiff produziert pro Tag folgende Emissionen im Vergleich:
.) 476.850 kg Kohlendioxid (CO2) – 84.000 Autos
.) 5.250 kg Stickoxide (NOx) – 42.100 Autos
.) Feinstaub – 1 Mio Autos
.) 7.500 kg Schwefeldioxid (SO2) – 376 Mio Autos
Da kann der Aufenthalt auf dem Sonnendeck schon mal gesundheits-schädigend werden.

„Lungenkranke, die sich auf eine Kreuzfahrt begeben, sollten sich vor den Abgasen des Schiffes in Acht nehmen.“
(Deutsche Lungenstiftung)

Ein Schelm also, der denkt, dass er mit einer Kreuzfahrt seiner Lunge etwas gutes gönnt, da der Effekt der durchaus gesunden Seeluft dadurch mehr als aufgehoben wird. Ein französischer sowie der britische TV-Sender Channel-4 führten unabhängig voneinander hierzu im Jahr 2017 verdeckte Messungen durch. Nabu bezieht sich auf diese Daten der Franzosen und spricht von einer 200-fach höheren Partikel-Belastung als in der normalen Umgebungsluft etwa zu Lande. Matthew Loxham von der University Southampton vergleicht die Werte mit jenen von Shanghai bzw. Neu Delhi, die bekanntermassen stark belastet sind. Diese Unter-suchungen werden auch durch Luftmessungen des ZDF-Magazins „Wiso“ bestätigt. Durchgeführt an Bord der „Aida Sol“ auf der Fahrt von den Kanaren nach Madeira, wurden mit einem mobilen Messgerät bei Stichproben bis zu 475.000 ultrafeine Partikel pro Kubikzentimeter Umgebungsluft gezählt. Auch in der Kabine lag die Belastung bei 40-70.000 Partikel. Die Redakteure zogen einen Vergleich zu Stuttgart: Bei Feinstaubalarm werden an einer Hauptverkehrsachse 40.000 dieser Partikel gemessen. Aida Cruises hat inzwischen reagiert: Nach eigenen Angaben sollen nach und nach Systeme zur Abgasnachbehandlung in die Schiffe der Flotte eingebaut worden sein bzw. noch werden. Aufgrund solcher Werte schlagen alsdann auch Mediziner Alarm: Die Partikel sind extrem klein, sodass sie direkt in den Blutkreislauf gelangen. Messungen ergaben, dass in grossen Hafenstädten wie Hamburg, Bremerhaven oder Wilhelmshaven die Schadstoffwerte von stark befahrenen Strassen um das 50- bis 80-fache übertroffen werden. In einer internationalen Studie, an der sich auch das Helmholtz-Zentrum aus München beteiligte, konnten Schädigungen der Makrophagen in der Lunge festgestellt werden. Makrophagen sind die Fresszellen des Immunsystems. Sie reagieren gerade in der Lunge wesentlich empfindlicher als die Lungenepithelzellen und spielen auch bei etwa der Lungenerkrankung COPD eine entscheidende Rolle.

„Ich kann keinem Passagier empfehlen, sich lange an Deck eines Kreuzfahrtschiffes aufzuhalten!“
(Dr. Michael Barczok, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Pneumologen)

Verantwortlich für derart hohe Abgaswerte ist vornehmlich das verwendete billige Schweröl. Rund 150 Tonnen dieses giftigen Schweröles blasen die meisten dieser Ozeanriesen pro Tag zum Schornstein raus. Bei dessen Verbrennung entstehen neben den bereits genannten Abgasen und dem Feinstaub zudem Russ und Schwermetalle. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat bereits darauf hingewiesen, dass der Mix dieser Luftschadstoffe krebserregend sein kann. Daneben das bereits erwähnte Schwefeldioxid (7 Tonnen pro Tag und Schiff), das in den 70er und 80er Jahren für das Waldsterben verantwortlich zeichnete. In Verbindung mit Wasser entsteht schwefelige Säure, die selbst-verständlich auch im Meer ihre Spuren hinterlässt. Die erreichten Werte würden wohl in den meisten Ländern der industrialisierten Welt für ein Verbot ausreichen – der in der EU geltende Grenzwert wird zumeist um das 3.500-fache überschritten. Erst im kommenden Jahr soll der Schwefelanteil von derzeit 3,5 auf 0,5 % mittels Grenzwert gesenkt werden.

„Dass im Jahr 2018 immer noch Schiffe auf den Markt kommen, die auf Schweröl als Treibstoff ausgelegt sind und keine wirkungsvolle Abgastechnik einsetzen, ist ein Skandal!“
(Nabu)

Nur die „Aida Nova“ ist als einziges Kreuzfahrtschiff mit Flüssiggas unterwegs. Auch nahezu 90 % der erst kürzlich vom Stapel gelaufenen Schiffe fahren mit Schweröl. Übrigens auch im Hafen. Kreuzfahrtschiffe liegen zu rund 40 % im Hafen – auch dann laufen selbstverständlich die Maschinen, schliesslich muss der Betrieb auf dem Schiff weitergehen. Die „Aida Prima“ kann als eines der wenigen Schiffe im Hafen auf Flüssiggas (LNG) umgestellt werden, sofern der Hafenbetreiber dieses anbietet. Chapeau übrigens an Hamburg: In der Hansestadt versorgt eine Land-stromanlage im Hafen liegende Schiffe. Doch bei vielen ist eine externe Stromversorgung technisch gar nicht möglich (Ausnahmen: Die Schiffe der beiden deutschen Anbieter Hapag-Lloyd Cruises und TUI Cruises).
Das alles nahm sich Norwegen zu Herzen. Seit 2017 wird hier heftigst über ein Fahrverbot von Schiffen in die Fjorde diskutiert, die einerseits die Grenzwerte weit überschreiten und andererseits immer wieder ihre Abwässer vorort abliessen. So beauftragte der dortige Umweltminister Helgesen die Erstellung eines entsprechenden Gesetzes, das bis Ende 2018 fertig sein sollte. Es ist also nurmehr eine Frage der Zeit, dass bestimmte Ozeanriesen bzw. Schiffe bestimmter Reedereien dort zu „navibus non gratae“ werden. Betroffen sind dann alle Schiffe, die vor dem Jahr 2000 erbaut wurden, und dies vorerst in den Fjorden Näroyfjord, Synnulvsfjord, Aurlandsfjord und dem Tafjord. Recht hat er, sind doch die Norweger durchaus berechtigt stolz auf ihr Weltkulturerbe.
Besonders problematisch aber sind Unfälle auf See, in deren Rahmen Schweröl austritt, wie zuletzt bei dem Transportschiff „Grande America” vor der französischen Küste – es hatte 2.200 Tonnen des Öls geladen. Wir kennen diese Bilder noch von der Bohrkatastrophe im Golf von Mexico: Der Ölfilm verteilt sich zuerst auf dem Wasser. Ein Teil davon wird an die Küste gespült, der weitaus grössere Teil sinkt auf den Meeresboden ab. Tiere krepieren elendigst durch Ertrinken, Verhungern oder Vergiftungen, auch jegliches pflanzliche Leben wird ausgelöscht.
Galten Kreuzfahrten früher als Privileg der Reichen, so können sich dieses Vergnügen aufgrund des Massentourismuses schon viele mehr finanziell leisten. Im Jahr 2015 wurde nur mit den Hochseekreuzfahrten in Deutschland ein Umsatz von 2,9 Milliarden Euro erzielt – weit mehr als das Doppelte im Vergleich zehn Jahre zuvor. Alleine 2017 nutzten dies über zwei Millionen Deutsche (Platz 3 nach den USA und China), insgesamt waren es 22 Millionen Menschen auf rund 300 Ozeanriesen. Tendenz. Steigend! Das deutsche Umweltbundesamt empfiehlt deshalb jenen, die unbedingt eine Fahrt buchen wollen, die Abgase zu kompensieren: Anstatt mit dem Auto viele Fahrten mit dem Rad zu machen oder gar zu Fuss, regionale Lebensmittel zu verwenden etc. Auf der Website der atmosfair gGmbH (Link siehe unten) können Sie für alle möglichen Aktionen ihren CO2-Fussabdruck berechnen!
Selbstverständlich sollte nicht vergessen werden, dass all das bislang Geschriebene nicht nur bei den Kreuzfahrtschiffen, sondern auch bei Handels- und Kriegsschiffen zutrifft. 90 % des weltweiten Warenverkehrs wird mit rund 40.000 Handelsschiffen (Container- und Transportschiffen sowie Öltanker etc.) verbracht. Doch erfüllt ein solches Handelsschiff eine durchaus berechtigte Funktion, ohne die auch in den heimischen Haushalten wohl vieles nicht mehr möglich wäre. Obwohl der Ärmelkanal ebenso wie die Nord- und Ostsee eigentlich Emissionskontrollgebiete sind, in welchen Schweröl nicht, sondern vielmehr Marinediesel verwendet werden muss, wird dies dem Containerschiff aus Südamerika oder dem Motorschiff aus Australien wohl gleichgültig sein.
Unbestritten: Reizen würde auch mich eine solche Kreuzfahrt. Aufgrund der genannten Fakten jedoch werde ich wohl ohne auskommen müssen. Und dabei habe ich die wirtschaftlichen Aspekte noch gar nicht genannt: Viele Attraktionen beispielsweise bei Landgängen werden auf dem Schiff gebucht, gegessen wird ebenso dort, sodass der Bevölkerung der angelaufenen Hotspots nur ein Minimum an Wertschöpfung durch diese Art des Tourismus zukommt. Ist das Schiff zudem noch für ein Billigland wie etwa Liberia ausgeflaggt, so fallen viele Staaten alsdann um Steuern in Milliardenhöhe um und die Arbeitsbedingungen (inkl. der Löhne) werden den Standards des Registrierungslandes angepasst!
Also: Schiff ahoi!!!

Filmtipps:

.) Kreuzfahrtschiffe: Dreckige Luft durch Feinstaub?; NDR
.) Kreuzfahrtfieber – zwischen Traum und Albtraum; 3sat
.) Auf Kreuzfahrt – Urlaub und Arbeit auf hoher See; Welt
.) Kreuzfahrten – Traumgeschäft mit Schattenseiten
.) Kreuzfahrt Wundercover – die Schattenseite der Lucusdampfer; WDR

Links:

- www.umweltbundesamt.de
- www.lungenstiftung.de
- www.helmholtz-muenchen.de
- www.nabu.de
- www.channel4.com
- www.schiffe-und-kreuzfahrten.de
- www.kreuzfahrten-zentrale.de/kreuzfahrtschiffe
- www.atmosfair.de/de/kompensieren

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Kindersoldaten – die brutalsten unter den Brutalen

Wir alle haben sie noch in Erinnerung: Die Bilder von verletzten und blutverschmierten Kindern in Syrien, die Bilder von kleinen Kindern, die mit ihrem Teddybären alleine durch die zerstörte Stadt irren, die Bilder von weinenden Kindern, die gerade ihre Eltern oder Geschwister verloren haben. Ausgerechnet unsere Kleinsten sind jene , die am meisten unter bewaffneten Konflikten und Kriegen zu leiden haben. Überleben sie, hat man ihnen die wohl wichtigste Phase im Leben genommen: Ihre Kindheit. Diese Menschen denken anders über das Leben, als die in Friedenszeiten wohlgehütet aufgewachsenen Sprösslinge. Und dann gibt es noch die Härtesten unter den Harten: Die Kindersoldaten! Sie kennen keine Moral oder Ethik – sie sind psychisch zerstörte Kampfmaschinen, die zum Töten ausgebildet wurden.
Es ist wohl die grausamste Art der Kriegsführung: Bei der „Säuberung“ von Dörfern und Städten nicht nur die zivile Bevölkerung umzubringen, sondern auch deren Kinder zu entführen und sie unter einem Druck zu Kämpfern auszubilden, dem die meisten Erwachsenen nicht standhalten würden. Dabei haben es jene, die hinter den Fronten als kostenlose „Funktionssoldaten“ wie Koch oder Träger arbeiten müssen, noch gut erwischt. Viele unter ihnen stehen an vorderster Front, da sie weitaus brutaler als Erwachsene vorgehen und trotzdem nicht derart „wertvoll“ sind, wie etwa die Söldner. Deshalb müssen sie auch häufig Landminen verlegen oder entschärfen. Werden Kinder verwundet, lässt man sie sehr häufig zum Sterben zurück. Dass es zudem gegen das internationale Kinderrecht verstösst und bei unter 15-jährigen sogar ein Kriegs-verbrechen ist, interessiert die dafür Verantwortlichen zumeist wenig bis überhaupt nicht. Die Vereinten Nationen sprechen bei Rekruten unter 18 Jahren, die bewaffneten Streitkräften oder Gruppen angehören, von „Kindersoldaten“. Sie sind nicht erst eine Erscheinung dieses Jahr-hunderts, gab es sie doch schon in früheren Zeiten. So werden die sog. „Rossbuben“ bereits zu römischen Zeiten erwähnt – sie kümmerten sich vornehmlich um die Pferde der berittenen Truppen; während des Dreissigjährigen Krieges werden Kindersoldaten ebenso wie in den Napoleonischen Kriegen oder dem Sezessionskrieg in den USA literarisch erwähnt. Im Zweiten Weltkrieg griffen v.a. die Luftabwehr und die SS auf Jugendliche zurück – im abschliessenden Volkssturm wurde die komplette Hitlerjugend eingezogen.
Um auf diese Unmenschlichkeit hinzuweisen, haben die Vereinten Nationen den 12. Februar zum „Welttag gegen den Einsatz von Kindersoldaten“ gemacht. Niemand weiss, wie viele es wirklich sind. Schätzungen gehen von rund 250.000 aus. Die meisten von ihnen im Südsudan, der Zentralafrikanischen Republik, der Demokratischen Republik Kongo, aber auch in Asien (Afghanistan, Myanmar) oder Südamerika (Kolumbien). Viele werden derzeit auch im Jemen-Konflikt im Einsatz stehen.
Kinder sind leicht zu manipulieren, ideologisch zu indoktrinieren und kosten nichts. Viele unter ihnen haben noch nie ein Klassenzimmer von innen gesehen, dafür können sie ein Sturmgewehr innerhalb kürzester Zeit zerlegen, zusammenbauen und damit auch treffen. Alle wurden sie eingeschüchtert, die meisten während der Ausbildung sexuell miss-braucht. Schliesslich sollen sie seelenlos gemacht werden, Unmenschen werden, die die Zahl ihrer Opfer nicht mehr kennt und zwischen Soldaten, alten Menschen, Frauen oder Kindern keinen Unterschied machen. Sie sind es auch, die einmal aus dieser Hölle befreit, mit dem normalen Leben nicht mehr zurecht kommen. Viele haben deshalb das Morden zu ihrem Beruf gemacht und kennen später als Söldner oder Milizionäre nichts anderes.
Doch gibt es sie auch – die Freiwilligen, die sich einer Miliz anschliessen um dadurch der Armut zu entgehen oder sich beispielsweise für den Tod ihrer Eltern oder Geschwister rächen wollen.

http://www.un.org/ga/search/view_doc.asp?symbol=S/2018/465&Lang=E&Area=UNDOC

Jedes Jahr veröffentlichen die Vereinten Nationen einen Bericht über die Situation der Kinder in Unruhegebieten („Annual Report of the Secretary-General on Children and Armed Conflict“). Ein eigenes Kapitel ist auch der Rekrutierung von Kindern gewidmet. Nicht weniger als 50 Armeen und bewaffnete Gruppierungen, die Kindersoldaten einsetzen, sind hier namentlich genannt. 19.000 sollen es alleine im Südsudan seit 2013 sein. In den acht Bürgerkriegsjahren in Liberia (1989 bis 1997) kämpften bis zu 20.000 Kindersoldaten. Die jüngsten unter ihnen wurden mit 9 Jahren zwangsrekrutiert. Die Liste liesse sich nahezu endlos fortsetzen: Sierra Leone, Irak, Syrien, …
In den letzten zehn Jahren konnten 65.000 befreit werden. Sie werden in ein Programm der UNICEF aufgenommen, durch das sie Schritt für Schritt wieder in das normale Leben eingegliedert und zu Ihren Familien rückgeführt werden sollen. In vielen Fällen aber vertane Liebesmüh’, da sie entweder zu stark traumatisiert sind oder als Mörder durch die Dorfgemeinschaft schlichtweg nicht mehr aufgenommen werden. Aller-dings bestehen auch Erfolgschancen – die guten Beispiele: Nach einer Studie von Christopher Blattmann (Columbia University) und Jeanne Annan (International Rescue Committee) konnten nach dem Ende des Bürgerkrieges in der Elfenbeinküste viele der Kindersoldaten und ehemaligen Milizionäre wieder in die Gesellschaft Liberias eingegliedert werden, wenn ihnen eine berufliche Perspektive geboten wurde. Auch mit nur einem Zehntel des früheren Söldnergehaltes gelang das Projekt.
Nicht weniger als 168 Staaten haben das Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention unterschrieben, das am 12. Februar 2002 in Kraft getreten ist („Fakultativprotokoll zum Übereinkommen über die Rechte des Kindes betreffend die Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten“). Es besagt, dass Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr nicht gegen ihren Willen in Kampfhandlungen einbezogen werden dürfen – sind sie jünger als 15 ist es gar ein Kriegsverbrechen. Die Internationale Arbeitsorganisation ILO spricht hierbei von einer „extremen Form von ausbeuterischer Kinderarbeit“ (Resolution 182). Freiwillige, älter als 15 Jahre hingegen sind und bleiben wohl auch legal. So können etwa – mit Zustimmung der Eltern – 17-jährige freiwillig in die Bundeswehr bzw. das Bundesheer einrücken. Noch enger sehen es die „Cape Town Principles“ aus dem Jahr 1997. Sie beziehen auch jene Kinder mit ein, die als Koch, Träger, Informant oder bei Mädchen als Zwangsprostituierte eingesetzt werden. Sie kämpfen zwar nicht direkt an der Front, helfen oder müssen jedoch hinter den Linien arbeiten.
Die beiden Kriegsparteien im Südsudan haben sogar ein eigenes Abkommen unterschrieben, dass sie keine Kinder mehr rekrutieren. Einzig – sie halten sich nicht daran.
Deshalb ist es wichtig, Zeichen zu setzen. Und das geschah gottlob bereits 2012: Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag verurteilte den Milizenchef Thomas Lubunga aus dem Kongo zu 14 Jahren, den ehemaligen Präsidenten von Liberia, Charles Taylor zu 50 Jahren Haft wegen der Rekrutierung von Kindersoldaten und im zweiten Falle auch anderer Kriegsverbrechen.
Erschreckend sind die Zahlen, die der Sonderbeauftragte des „UNO-Generalsekretärs für Kinder in bewaffneten Konflikten“ – nicht nur zu den Kindersoldaten – veröffentlichte. Nach Angaben von Clara Ottuno sollen zwischen 1990 und 2000 etwa 2 Millionen Kinder gefallen sein. Weitere 6 Millionen wurden zu Invaliden und 10 Millionen zogen sich schwere psychische Schäden zu.
Als krassestes Beispiel möchte ich die Lord’s Resistance Army aus Uganda etwas genauer beleuchten. Joseph Kony gründete diese „Widerstands-Armee des Herrn“ im Jahre 1987. Sie sollte fortan den Kampf gegen die von Präsident Yoweri Museveni geführte Regierung im Norden des Landes führen. Mit einem indigenen, christlichen Hintergrund war es die dritte esoterisch-militante Organisation im Land. Sie kämpfte für die Errichtung eines auf den zehn Geboten beruhenden Gottesstaates. Mit der Religion dürfte es jedoch nicht weit her sein, wurde doch gegen das fünfte Gebot „Du sollst nicht töten“ gleich in rund 100.000 Fällen zumeist auf das Grauenvollste verstossen. Noch während des ugandischen Bürgerkrieges zogen sich die Milizionäre stets in den Südsudan zurück. Dort mischten sie – nach der Niederlage gegen die Armee Ugandas – für die Regierung in Khartum auch im südsudanesischen Bürgerkrieg gegen die Sudanesische Volksbefreiungsarmee (SPLA) mit. Im Kongo terrorisierten sie häufig die Bevölkerung. Zuletzt haben sich mehrere afrikanische Staaten in der „Regional Cooperation Initiative for the Elimination of the Lord’s Resistance Army“ unter der Aufsicht der Afrikanischen Union zusammengetan, um diese Miliz zu sprengen. Seit 2017 soll sie nach Regierungsangaben aus Uganda keine wichtige Rolle mehr spielen und somit auch keine grosse Gefahr mehr darstellen. Dennoch gehen viele Raubzüge im Garamba Nationalpark auf ihre Kosten, da sie mit dem Elfenbein der geschossenen Elefanten die Waffenkäufe finanzieren. Die UNO bezeichnete im Jahr 2005 die LRA offiziell als die „brutalste Rebellengruppe der Welt“. Am 28. Dezember 2008 soll die Terrorgruppe in einer katholischen Kirche in der Region von Doruma in der Demokratischen Republik Kongo 45 Menschen zu Tode gehackt haben („Weihnachtsmassaker von Doruma“). Ein Entwicklungshelfer bestätigte die Beschuldigung der ugandischen Armee. Bei weiteren Überfällen auf Kirchen sollen nach Angaben der Caritas International bis zu 485 Menschen umgebracht worden sein. Bei einem Massaker in der Makombo-Region (ebenfalls im Kongo) wurden etwas später mindestens 321 Menschen getötet und 250 Menschen entführt. Insgesamt bis zu 100.000 Menschen getötet und zwischen 60 bis 100.000 Menschen entführt. Die Lord’s Resistance Army in Uganda bestand zu 90 Prozent aus Jugendlichen im Alter von 13 bis 16 Jahren. 12.000 davon waren zwangsrekrutiert.
Die Flucht von Minderjährigen vor einer solchen Zwangsrekrutierung gilt jedoch hierzulande nicht als Asylgrund!

Filmtipps:

.) Invisible Children; 2003; Buch: Carol Mansour
.) Slaves – Auf den Spuren moderner Sklaverei; 2016; Regie: Marc Wiese
.) Lost Children; 2005; Buch und Regie: Ali Samadi Ahadi, Oliver Stoltz
.) I killed people; 1999; Buch: Alice Schmid

Lesetipps:

.) I killed people – wenn Kinder in den Krieg ziehen; Margit R. Schmid/Alice Schmid; Lamuv 2001
.) Kindersoldaten, neue Kriege und Gewaltmärkte; Michael Pittwald; Sozio-Publishing 2008
.) The causes of child soldering: Theory and evidence from Northern Uganda; Christopher Blattman; University of California 2007.) Du sollst Bestie sein!; Uzodinma Iweala; Ammann 2008
.) Sie nahmen mir die Mutter und gaben mir ein Gewehr – Mein Leben als Kindersoldatin; China Keitetsi; Ullstein-Verlag 2003
.) Sie zwangen mich zu töten – Afrikas verlorene Kinder; Annette Rehrl; Knaur-Taschenbuch-Verlag 2006
.) Rückkehr ins Leben – Ich war Kindersoldat; Ishmael Beah; Campus Verlag 2007

Links:

- www.child-soldiers.org
- www.kindersoldaten.info
- invisiblechildren.com
- www.unicef.de
- www.hrw.org/de
- www.worldvision.de
- www.tdh.de
- www.amnesty.org
- www.ilo.org
- www.ag-friedensforschung.de
- crisistracker.org

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Plastik – ein wertvoller Rohstoff

Vollgemüllte ehemalige Traumstrände, elendig erstickte oder anders krepierte Fische und Meerestiere, riesige im Meer treibende Plastik-Müll-Inseln. Ein Beitrag aus „Unser lebenswerter Planet“!

Als ich kürzlich gelesen habe, dass deutscher Haushalts-Kunststoffmüll in Malaysia und Hamburger Kunststoffabfall in den Anden gesichtet wurde, stieg in mir die Wut auf: Es kostet viel Überzeugungsarbeit, die über Jahre hinweg geleistet werden muss, damit Otto Normalverbraucher den Sinn des Wertstoffsammelns versteht und seinen Müll tatsächlich trennt. Ist dies dann geschehen (Recyclingquote Österreich 58 % gleich hinter Deutschland mit 66 %; Zahlen: Institut der deutschen Wirtschaft), gibt es Unternehmensbosse, die diesen unsortierten Kunststoffmüll in ferne Länder verschiffen oder auf hoher See löschen lassen (zirka 100.000 Tonnen Kunststoff landen jährlich in den europäischen Meeren). Es kommt sie günstiger als die aufwendige Sortierung und fachgerechte Entsorgung. Trotzdem werden die öffentlichen Gelder und Zuschüsse eingestreift. Es ist ein Milliardengeschäft, das Geschäft mit dem Müll.
Und das Plastik leistet hierzu einen schwergewichtigen Anteil. Während sortenreiner Industrie-Abfall zumeist durch etwa Extrusion, Spritzguss- oder Spritzpressverfahren, Intension bzw. Sinterpressverfahren meist direkt wieder in der Kunststoffproduktion eingesetzt werden kann, stellt der zumeist unreine und vermischte Haushaltskunststoff ein grosses Problem dar. Dabei ist gerade dieser ein wertvoller Grundstoff für die Gewinnung von Öl, dem sog. „ReOil“. Beim österreichischen Treibstoff-Riesen OMV etwa wird auf diese Weise synthetisches Rohöl gewonnen. Verantwortlich dafür ist Wolfgang Hofer. Er managt den Raffineriebereich für neue Technologie- und Rohstofflösung. Hofer entwickelte im Jahre 2010 ein Verfahren, das drei Jahre später in den Testbetrieb ging. Wird das Plastik nun auf 400 Grad erhitzt, so werden die Kunststoff-molekülketten depolymerisiert. Klingt einfach – ist es aber nicht, da Kunststoff unheimlich schlecht Wärme leitet. Damit ein derartiges Schmelzen überhaupt möglich ist, wird gleich zu Beginn des Vorganges ein bereits heisses Lösungsmittel hinzugeführt, das die Wärmeleitungs-fähigkeit des Ganzen wesentlich verbessert. Die somit flüssig gewordene Masse wird verdampft. Dadurch erst lösen sich die langen Molekülketten und können zu kleineren Ketten erneut zusammengefügt werden. Das Resultat: „ReOil“! Der Testanlage folgte 2018 eine Anlage mit einer rund 20-fach grösseren Kapazität. Sehr zufrieden zeigt sich der für die her-kömmliche Raffinerie verantwortliche Michael Fadler mit dem Endprodukt:

„Die Qualität der Produkte aus dem ReOil-Prozess war schon bei der Anlage im Technikum großartig und das hat sich auch jetzt nicht verändert. Wir bekommen hier am Ende ein so sauberes, hochwertiges Produkt, dass man es mit dem besten Rohöl vergleichen kann.“

Deshalb wird dieses ReOil auch dem anderen Öl beigemischt, das für Kraftstoffe oder andere Raffinerie-Produkte verwendet wird. Aus 100 Kilogramm Kunststoffen entstehen auf diese Art 100 Liter Rohöl. Die Planungen für eine noch grössere Anlage haben bereits begonnen – sie wird 2.000 kg Altkunststoff pro Stunde verarbeiten können. Auf dies Weise sollten dann auch die Müllberge kleiner werden.

https://www.youtube.com/watch?v=z3oSb1adzu8

Damit wird jede achtlos weggeworfene Kunststoffverpackung auch wirtschaftlich zum No-Go. Das, was niemand für möglich gehalten hat, ist damit zur Realität geworden: Der Kunststoffkreislauf! Ganze Forscher-Generationen haben sich mit einer solchen Lösung beschäftigt – bislang ohne Erfolg. Plastik benötigt zur Verrottung zwischen 10 bis 20 Jahre. Bei den Bildern, die immer wieder zu sehen sind, wurde es also höchste Zeit, dass ein solches Verfahren entwickelt worden ist.
Problemlos wiederverwertbar waren nämlich bislang nur bestimmte Kunststoffabfälle, wie etwa PET-Flaschen oder Joghurtbecher. Sie werden geschnetzelt, die rund 12 mm grossen „Flakes“ in eine 50 %-ige Natriumhydroxid-Lauge gegeben, auf bis zu 207 Grad erhitzt und mit reinem Wasser abgewaschen. Diese nun sauberen Flakes werden erneut auf rund 250 Grad erhitzt – aus der Masse entstehen dann zwar keine neuen PET-Flaschen mehr (deutsche Lebensmittelverordnung – in anderen Staaten jedoch sehr wohl), jedoch Windeln, Kunststofftextilien oder anderes. So ist etwa in einem Paar Socken aus China eine PET-Flasche enthalten – in einem T-Shirt bis zu sechs Flaschen.

https://vimeo.com/17486598

Das System funktioniert in Deutschland aufgrund des Pfandsystems wesentlich besser als in Österreich, da die relativ sauberen Flakes bereits auf diese Weise zur Wiederverwertung gelangen. Beim PET liegt die Recyclingrate bei rund 91 %, bei den Pfandflaschen sogar bei 98 %. In Österreich müssen die PET-Flaschen erst aus dem alles andere als sauberen Haushalts-Kunststoff sortiert werden. In der Schweiz stehen rund 200.000 PET-Sammelcontainer, die ebenfalls eine raschere Wieder-verwertung möglich machen.
Jedes Jahr werden weltweit über 280 Mio Tonnen Plastik produziert, 19,5 Mio Tonnen davon alleine in Deutschland – 58 Milliarden Euro jährlich werden an Umsatz eingefahren. Ein gut florierender Industrie- und Wirtschaftszweig. 90 % der jährlich anfallenden deutschen 6 Mio Tonnen Plastikabfälle (900.000 Tonnen in Österreich) werden auch wieder eingesammelt – jedoch nur 43 % davon recycelt. 55 % werden verbrannt („thermisches Recycling“). Ich überlasse es Ihren Rechenkünsten, was es bedeuten würde, wenn 45-50 % dessen wieder zu Rohöl umgewandelt werden könnten. Europaweit übrigens fallen jedes Jahr nicht weniger als 25 Mio Tonnen Kunststoffabfall an. Auch das deutsche Umweltbundesamt spricht alsdann beim Recycling von „viel Potenzial nach oben“!

„In Deutschland tobt ein Preiskampf zwischen Verbrennungs- und Recyclingindustrie!“
(Matthias Franke, Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik)

2016 exportierte Deutschland nicht weniger als 750.000 Tonnen Alt-Kunststoffe nach China. In früheren Jahren waren es aus Europa nicht weniger als 2,5 Millionen. Dann jedoch führte das Reich der Mitte mit März 2018 aufgrund der systematischen Vermüllung des Landes den Importstop von Kunststoffen mit einem Verschmutzungsgrad von mehr als 0,5 % ein („National Sword“). In Form von Textilien, Spielzeug bzw. anderen Produkten aus Kunststoff gelangt dieser ehemalige Kunst-stoffabfall wieder zurück nach Europa. Werden bei den Waren Made in China so manche Grenzwerte überschritten, so sollte deshalb beachtet werden, dass diese Gifte zumeist eigentlich hausgemacht sind, sprich aus den Industrieländern des Westens stammen!
Die zu hohe Kunststoffverbrennung erfolgt jedoch nicht nur in Deutschland. Österreichs Bundeshauptstadt Wien sammelte Kunststoff ebenfalls getrennt. Als der Brennwert des Restmülls plötzlich in den Keller sackte, liess man Kunststoffabfälle wieder im Restmüll zu. In deutschen Landen muss aufgrund dessen sogar Müll aus dem Ausland importiert werden, damit die rund 70 Müllverbrennungsanlagen auch wirklich ausgelastet sind – 2012 etwa waren dies 5,9 Mio Tonnen (inkl. Altmetall, Kunststoffe, Bauschutt und Sondermüll). Fragt man sich also, weshalb nach wie vor deutscher Kunststoff verschifft wird! Zudem sollte bedacht werden, dass fossiler Treibstoff nurmehr für begrenzte Zeit zur Verfügung steht. Deshalb ist es sehr schade, dass Kunststoff, der zu ReOil recycelt werden kann, verbrannt wird – schliesslich steht dieser später nicht mehr zur Verfügung.

„Immer wieder gelangen Plastiksackerln und Kunststoffteile im Biomüll!“
(Hans Roth, Präsident des Verbands Österreichischer Entsorgungsbetriebe)

Eine aktuelle Studie aus Deutschland ergab: In einem kg Kompost befinden sich bis zu 900 kleine Teile Kunststoff! Dabei gäbe es so viele Alternativen, die biologisch abbaubar sind:

- Folien aus Milchproteinen (thermoplastische Stärken)
- Gemüsenetze aus Buchenholzfasern (Celluloseprodukte) …

Aber auch der Abbau von herkömmlichem Kunststoff könnte biologisch erfolgen. In Spanien konnte Federica Bertocchini vom Institut für Biomedizin und Biotechnologie an der Universidad de Cantabria in Santander beobachten, wie sich die Larven der Grossen Wachsmotte über Polyethylen-Folien hermachten. Mit ihren Beisswerkzeugen erfolgte die erste Zerkleinerung, den Rest übernahm dann offenbar die mikrobielle Zersetzung im Darm. Diese Mottenart ist bei Imkern höchst gefürchtet, legt sie doch ihre Eier in Bienenstöcken ab. Die Larven zerfressen schliesslich die kompletten Brutwaben. Fischer hingegen verwenden diese Larven als Köder. Am Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik in Oberhausen werden ebenfalls Versuche mit Mehl-würmern durchgeführt. So beobachtete die Biologin Elma Mehovic, dass Mehl-würmern offenbar Polystyrol schmeckt. Das auch gerne als „Styropor“ bezeichnete Material fällt gerade im Hausbau oder als Verpackungsmaterial in großen Mengen an und gilt eigentlich seit einiger Zeit als Sondermüll. Die Mehlwürmer verfügen offenbar über Bakterien in ihrem Verdauungstrakt, die das Styropor zersetzen können. Sollten dadurch keine Giftstoffe mehr übrig bleiben, könnten hiermit zwei Fliegen mit einer Larve geschlagen werden: Der Kunststoffmüll wird auf biologisch-natürliche Weise dezimiert und die Vögel und Fische bekommen wieder Futter.
Allerdings sind dies im Vergleich zur ReOil-Möglichkeit nur kleine Lösungsansätze. Mit der Rückumwandlung zu ReOil nun könnte auch der schwierige Mischkunststoff (wie die Zahnpastatube, die Chipstüte oder Autokunststoffe) dem Kreislauf zugeführt werden. Das wäre notwendig, bedenkt man doch, dass jeder Deutsche im Jahr 2016 statistisch rund 628 kg Müll verursachte. Platz vier im EU-weiten Ranking, die Dänen führen mit 777 kg pro Kopf. Die Recycling-Zielquote der EU liegt bei 55 % für das Jahr 2025 und 65 % zehn Jahre später – obgleich 72 % schon fast heute technisch möglich wären. Deutschland hat diese Zielvorgaben schon heute erreicht – allerdings nur dann, wenn auch der Bioabfall, also Kompost hinzugezählt wird. Betrachten wir uns die EU-relevanten Zahlen etwas genauer, so versteht Brüssel unter Recycling nur jenes Material, das als Rohstoff wiederverwertet, nicht hingegen dem thermischen Recycling zugeführt wird. Das nun wirft die Bundesrepublik um Meilen zurück: 47-52 %. Auch für Österreich sind keine besseren Zahlen zu erwarten: Rund ein Drittel der Kunststoffabfälle!

„Im Prinzip lässt sich jedes Kunststoff-Produkt aus Recycling-Material herstellen!“
(Wolfgang Beier, Umweltbundesamt).

Allerdings hat auch das beste Recycling irgendwann mal ein Ende. Wird PET zu Textilfasern verarbeitet, so kann dieser Kunststoff nicht mehr wiederverwertet werden. Bei PP sinkt die Qualität des Kunststoffes. Auch hier könnte die ReOil-Methode weiterhelfen.
Nahezu 300.000 Menschen sind in der deutschen Recycling-Industrie (Kreislaufwirtschaft) beschäftigt – beim Abfall sind es 129.000 (in Österreich in beiden Sektoren gemeinsam 40.000). Jeder Einzelne vollbringt eine immens wichtige Arbeit für unsere Umwelt und nachfolgende Generationen. Sorgen wir also durch qualitativ hochwertige Mülltrennung, damit wir diese Menschen bei Ihrer Arbeit unterstützen können.
Noch besser ist nur das Müllvermeiden!!!

PS:
Bevor ich nun wieder hunderte Mails erhalte – verzeihen Sie mir bitte, dass ich ab und an das Wort „Plastik“ verwendet habe. Plastik ist umgangssprachlich und beinhaltet auch sog. „Gummi-Produkte“ – also Produkte aus Kautschuk!

Einige recyclingfähige reine Kunststoffe:

Polyamid PA …
Polyethylen PE
Polyethylenterephthalat PET
Polypropylen PP
Polystyrol PS
Polyvinylchlorid PVC

Lesetipps:

.) Besser leben ohne Plastik; Anneliese Bunk//Nadine Schubert; oekom verlag 2016
.) Umweltpolitik und Abfallwirtschaft – Ein Ratgeber für Unternehmen, Behörden, Ratsmitglieder und Verbraucher; Hrsg.: B. Kummer, R. Brinkmann; TK Verlag 2003
.) Die Wiederverwertung von Kunststoffen; Hrsg.: J. Brandrup, M. Bittner, W. Michaeli, G. Menges; Carl Hanser Verlag 1995
.) Makromolekulare Chemie; M. D. Lechner/K. Gehrke/E. H. Nordmeier; Birkhäuser Verlag 2010
.) Improving Markets for Recycled Plastics: Trends, Prospects and Policy Responses; OECD; OECD Publishing 2018
.) Ein Leben ohne Müll; Olga Witt; Tectum Wissenschaftsverlag 2017

Links:

- www.umweltbundesamt.de
- www.bvse.de
- www.vaboe.at
- www.fcio.at
- www.circularfutures.at
- www.petrecycling.ch
- www.bioeconomy-austria.at
- nabu.de
- www.ara.at
- www.voeb.at
- www.kunststoffe.de
- www.gkv.de
- www.plasticseurope.org
- www.plasticstoday.com

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UFOs – und es gibt es sie doch???

Als der eidgenössische Autor Erich von Däniken im Jahr 1977 sein Buch „Beweise. Lokaltermin in fünf Kontinenten“ veröffentlichte, lachte ein Grossteil der Welt über ihn. Ursprung dieser Heiterkeit war die Behauptung von Dänikens, dass vor langer Zeit Ausserirdische auf der Erde gelandet sind und die Menschenaffen „veredelt“ haben – die Geburtsstunde der Menschheit! Man mag von dieser These halten, was man will, doch hat sich inzwischen ein kompletter pseudowissen-schaftlicher Zweig rund um diese Schilderungen gebildet: Die Prä-Astronautik! Vor allem zwei Punkte heizen zudem immer wieder die Gemüter an: Das Leben auf der Erde kann nicht die einzige Existenzform im riesigen Weltall sein – und – manche Phänomene lassen sich einfach nicht wissenschaftlich bzw. rational erklären.
Im November 2018 erreichte der Funkspruch der Pilotin des Fluges BA 94 die irische Flugsicherung Air Traffic Control (ATC) in Shannon: „Findet gerade ein Militäreinsatz statt?“ Nur wenig später wiederholte sich der Funkspruch. Emsige Recherche am Boden – dann die Antwort: Über einen Militäreinsatz sei nichts bekannt! Dann schilderte die Pilotin ihre Eindrücke: Kurz zuvor – in den frühen Morgenstunden – habe sich ein grelles Licht der linken Seite des Flugzeuges angenähert und dann mit rasender Geschwindigkeit in Richtung Norden abgedreht. Auch andere Personen, die sich zu diesem Zeitpunkt gerade im Cockpit befanden, hatten dies gesehen. Nur wenig später meldete sich ein weiterer Pilot, der ebenfalls Lichter bzw. „etwas Glühendes“ gesehen haben will. Der Pilot des Virgin-Fluges VS 76 betonte, die Besatzung habe die aufeinander folgenden Flugkörper mit „astronomischer Geschwindigkeit“ („mindestens Mach 2“) vorbeifliegen gesehen. Die irische Flugbehörde Irish Aviation Authority hat sich der Sache angenommen – bislang ohne Erfolg. Schliesslich war auf dem Radar nichts zu erkennen. Was es tatsächlich war, das diese beiden Flugkapitäne unabhängig voneinander gesichtet hatten, ist nach wie vor unbekannt. Obgleich Meteoriten nicht ganz ausgeschlossen werden können, entspricht dies jedoch nicht den Schilderungen der Pilotin.

https://www.youtube.com/watch?v=kulU88RyhCI

Nach Meldungen der BBC hätten sich 2018 derartige Sichtungen gehäuft.
Ähnlich dürfte sich auch die Begegnung der dritten Art des JAL1628-Fluges am 17. November 1986 von Paris nach Tokio zugetragen haben. Das Frachtflugzeug hatte u.a. Alkohol geladen. Über Alaska kam es dann zu der im Video nachgedrehten Sichtung.

https://www.youtube.com/watch?v=DXNfyOVoi7g

Der Pilot einer in der Nähe befundenen Maschine von United Airlines sowie auch eine eigens aufgestiegene Militärmaschine konnten die Sichtung jedoch nicht bestätigen. War es etwa der Alkoholdampf im Flugzeug???
Solche Beobachtungen von Phänomenen durch voneinander komplett unabhängigen Menschen gibt es immer wieder. Wird den Schilderungen nur einer Person meist nicht wirklich Glauben geschenkt, so werden Mehrfachmeldungen durchaus ernst genommen. Selbstverständlich bemüht man sich von offizieller Seite, eine logische Erklärung zu finden, damit in der Bevölkerung keine Panik aufkommt. Ein Astronom meint in dem zuvor geschilderten Fall, es könnte sich wohl um Sternenstaub in der Grösse einer Walnuss oder eines Apfels gehandelt haben. Könnte – muss aber nicht! Auch bei all den anderen Schilderungen weltweit geht es darum, nur keine Verschwörungs- oder gar Weltuntergangstheorien aufkommen zu lassen. Schliesslich reichen den US-Amerikanern die Erfahrungen mit Area 51! Auch das Hörspiel „Krieg der Welten“, das im Radiosender CBS New York ausgestrahlt wurde, in dem die Landung von Marsmenschen auf der Erde gespielt wurde, löste eine riesige Panik damals aus, da die Hörer es für tatsächlich real hielten. Alles andere als erstrebenswert für die öffentliche Sicherheit eines Landes!
Auch hierzulande gab es einige Sichtungen, die für Unruhe sorgten.
1344 beobachtete in der Karwoche die erschrockene Bevölkerung der Stadt Feldkirch/Vorarlberg einen feurigen Klotz in Form eines Eimers, der in die Marktgasse fiel. Dort brannte er eine zeitlang vor sich hin bis er schliesslich wieder startete und in den Wolken verschwand.
Von November 1896 bis Mai 1897 wurde in zumindest 19 US-Bundesstaaten von mehreren zehntausend Menschen ein Flugkörper wahrgenommen, der bislang noch nicht erklärt werden konnte. Ein Luftschiff kann es noch nicht gewesen sein, da diese Technik v.a. aufgrund der Steuerung noch nicht soweit ausgereift war. Auch Thomas Alva Edison meinte hierzu, es sei „unvorstellbar, dass jemand ein erfolgreiches Luftschiff konstruieren und diese Tatsache geheimhalten könne“! Was es war, steht bis heute noch nicht fest – es könnte auch ein Betrug durch Falschmeldung gewesen sein. In der Geschichte hat dieser Fall als „Mystery Airship“ den Eintritt in die Bücher gefunden.
Der 25. Februar 1942 erschütterte ganz Amerika. Flugobjekte wurden über Los Angeles gesichtet, worauf die US-amerikanische Luftabwehr (37th Coast Artillerie Brigade) um 03.15 Uhr mit unzähligen Flaks das Feuer eröffnete. Befürchtet wurde rund zweieinhalb Monate nach dem Überfall auf Pearl Harbor eine japanische Invasion auf dem Kontinent mit Hilfe einer Superwaffe, wie es in den geheimen Akten zu lesen stand. Ein ranghoher Offizier hatte den Anflug von zirka 25 Flugzeugen in rund 12.000 Fuss Höhe gemeldet. 1.400 Granaten wurden abgeschossen. Nach Sonnenaufgang wurde jedoch trotz zumindest vier gemeldeter Abschüsse nichts gefunden – mit Ausnahme der Überreste der Flakgranaten. Der Fall ging als „The Great Los Angeles Air Raid“ in die Geschichte ein. Bis heute ist nicht bekannt, was damals wirklich in der Luft war, da von japanischer Seite nach dem Krieg zwar zugestimmt wurde, dass Angriffe geplant waren – an diesem 25. Februar aber nichts stattgefunden habe. 1983 versuchte das Office of Air Force History Licht in die Sache zu bringen: Es soll sich angeblich um Wetterballons gehandelt haben. Sehr schnelle Ballons, da sie nur kurz vor dem Spektakel mehr als 100 km entfernt erstmals vom Radar wahrgenommen wurden.
Nur fünf Jahre später, im Juni 1947 soll nahe der Kleinstadt Roswell im US-Bundesstaat New Mexiko sogar ein UFO samt Besatzung abgestürzt sein. In einem geheimen Kommandounternehmen sollen US-Truppen dieses Flugobjekt geborgen und unter strengster Geheimhaltung in Sicherheit gebracht haben („Area 51“). Dieser Fall ging als „Roswell-Zwischenfall“ in die Geschichte ein. Rund um dieses Ereignis entwickelte sich der „Roswell-Mythos“! Nach Militärangaben soll es sich auch hierbei um Wetterballons gehandelt haben.
Ein Jahr zuvor werden mehrere raketenähnliche Flugkörper über Skandinavien entdeckt, einige sollen auch in Seen gestürzt sein (Skandinavische UFO-Wellte mit „Spökraketer“).
Am 18. September 1976 stand das Telefon des Flughafens Mehrabad in Teheran/Iran nicht mehr still. Besorgte Bürger hatten ein sehr helles, ungewöhnliches Licht über der Stadt gesichtet. Der diensthabende Flugleiter beobachtete dies ebenso und erstattete Meldung beim nächsten Luftwaffenstützpunkt. Der diensthabende General schickte nacheinander zwei Phantom-F4 Abfangjäger in die Luft. Piloten und Navigatoren berichten unisono, dass die Bordelektronik und das Kommunikationssystem ausfielen, als sie sich dem Licht genähert hatten. Deshalb kehrten beide Maschinen um. Den zweiten Jet umkreiste dabei ein kleiner Lichtkegel, den der Pilot zuvor – in der Annahme es sei eine Rakete – versucht hatte, mit einer Wärmerakete abzuschiessen. Ohne Erfolg!. Kurz nach der Landung des zweiten Kampf-Jets waren beide Objekte plötzlich verschwunden. Auch hier ist unklar, was dies wirklich war. Das zu Hilfe gerufene US-amerikanische Committee for the Scientific Investigatives of the Paranormal (heute: Committee for Skeptical Inquiry) versuchte zu beruhigen: Es war der Planet Saturn. Die Piloten seien schlecht ausgebildet gewesen und hätten aufgrund des Alarmstarts unter starkem Stress gestanden. Dass das Objekt auf dem Bordradar der zweiten Maschine gesichtet wurde, sei der Inkompetenz der Piloten zuzuschreiben! Der Ausfall der Bordelektronik hätte seinen Ursprung im schlechten Wartungszustand der Maschinen. Dieses Ereignis ging als „Teheran-Zwischenfall“ in die Geschichte ein.

https://www.youtube.com/watch?v=KF-uftRQfAM

Die brasilianische Luftwaffe hat vor kurzem bislang geheim gehaltene Akten über ausserirdische Zwischenfälle in den Jahren 1952 bis 2016 veröffentlicht – sie können im brasilianischen Nationalarchiv (Arquivo Nacional) in Rio de Janeiro eingesehen werden. Beschrieben werden insgesamt 743 Sichtungen. Darunter sind auch jene 21 unbekannte Flugobjekte, die in der Nacht vom 19. März 1986 für Panik sorgten. Sie wurden über allen grösseren Städten des Landes gesichtet, vom Radar erfasst, konnten jedoch durch die brasilianische Luftwaffe nicht abgefangen bzw. identifiziert werden. Auch hier gibt es bis heute nur Vermutungen, keine rationalen Erklärungen. Etwa dass die damals herrschende Inversionswetterlage das Sternbild verzerrte. Oder dass die sowjetische Raumstation Saljut 7 zu diesem Zeitpunkt Müll ausbrachte, der beim Eintritt in die Atmosphäre verglühte. Das Spektakel ging als „Offizielle Brasilianische UFO-Nacht“ in die Geschichtsbücher ein. Über ähnliches wussten auch die Belgier von der „Belgischen UFO-Welle“ vom 29. November 1989 bis April 1990 zu berichten.

https://youtu.be/YS2zkaLYMzY

Sehr dubios hingegen sind einige Entführungsmythen, wovon ich einen genauer schildern möchte: Die Geschichte von Betty und Barnes Hill. Das Paar lebte in Portsmouth im US-Bundesstaat New Hampshire – beide sind inzwischen verstorben. Sie berichteten, dass ihnen in der Nacht vom 19. auf den 20. September 1961 auf dem Highway 3 ein UFO begegnet sei. Nach ihren Schilderungen beobachteten sie zuerst ein sehr helles Objekt am Himmel. Einige Zeit später sind sie im Auto sitzend 60 Meilen entfernt wieder zu sich gekommen. Es folgten Albträume und Angstzustände, weshalb sie psychiatrische Hilfe in Anspruch nahmen. Einer der Psychiater, der sie betreute, versetzte sie in Hypnose. Es muss wohl ein sehr starker Joint gewesen sein, der das Paar zu folgender Schilderung veranlasste: Zwergenhafte graue Wesen sollen sie in das Flugobjekt gebracht haben. Dort wurden sie befragt und medizinisch untersucht. Von Betty wurden Proben der Haare, der Fingernägel, ihrer Haut und des Ohrenschmalzes entnommen. Danach sollen die Wesen durch Gedanken-übertragung dafür gesorgt haben, dass die beiden Erdlinge alles vergessen sollten (kennen Sie das aus Men in Black?). Der Psychiater sah die Ursache in tiefliegenden ungelösten Konflikten des Paares. All das ist bis heute nicht bewiesen, Ufologen jedoch betrachten dies als den ersten wirklichen Entführungsfall durch Ausserirdische. Alle anderen Entführungsfälle, wie etwa jener von Travis Walton 1975, gleichen im grossen und ganzen diesem ersten Szenario!
Die Aufzählung könnte noch irrsinnig lange fortgeführt werden. Manches Mal sind es auch nur irgendwelche Spinner, die für diesen kurzen Augenblick bekannt werden möchten. Für Verschwörungstheoretiker steht jedoch eines fest: Immer wieder kommen Ausserirdische auf die Erde. Sie sollen sogar unbemerkt unter uns leben. Bei allen unauf-geklärten Fällen handelt es sich somit um einen dieser Alien-Besuche. Irgendwann werden sie zuhauf auftauchen, die Weltherrschaft übernehmen und die Menschheit ausrotten oder versklaven. US-Präsident Donald Trump liefert hierzu noch weiteren Zündstoff, hat er doch die Star Wars-Pläne seines Vorgängers aus den 80er-Jahren, Ronald Reagan, wieder aus der Schublade geholt und gemeint: „Wir müssen vorbereitet sein!“

https://www.youtube.com/watch?v=1cvumX6IJJs

Ja – es gibt Leben – irgendwo da draussen. Auch wenn es keine Lebensform nach unserem Verständnis ist. Da sind sich die klugen Köpfe der Wissenschaft (inkl. Stephen Hawking) einig. Schliesslich wurden erdähnliche Planeten bereits entdeckt. Es wäre absurd zu denken, dass Gott oder eine andere übergeordnete Kraft nur das Leben auf der Erde geschaffen hat. Ansonsten hätte der Astronom und Ufologe J. Allen Hüne ja sein komplettes Klassifizierungssystem für UFO-Begegnungen umsonst entworfen. Auch vonseiten der NASA geht man davon aus, schon sehr rasch Kontakt mit Ausserirdischen zu bekommen. Ob diese dann allerdings den Tesla, den Tesla-Chef Elon Musk gemeinsam mit SpaceX als Versuch eines ersten Frachttransportes in’s Weltall geschossen hatte, als Scherz beurteilen, wird wohl deren Geheimnis sein. Das E-Mobil hat bereits im November den Mars passiert!

Filmtipps:

- Kidnapped by UFOs? (1997)
- Experiencer. Stephane Allix (2004)

Lesetipps:

.) Beweise. Lokaltermin in fünf Kontinenten; Erich von Däninnen; Econ- Verlag GmbH 1977
.) UFOs Generäle, Piloten und Regierungsvertreter brechen ihr Schweigen; Hrsg.: Leslie Kean; Kopp Verlag 2012
.) UFOs: The Public Deceived; Philip J. Klass; Prometheus Books 1986
.) Captured! The Betty and Barney Hill UFO Experience: The True Story of the World’s First Documented Alien Abduction; Stanton T. Friedman/Kathleen Pardon; Kindle Edition
.) Die unterbrochene Reise. Zwei verlorene Stunden an Bord einer fliegenden Untertasse; John G. Fuller; Kopp Verlag 1996
.) Ufos Over Africa; Cynthia Hind; Horus House Press 1997
.) Geheimnisvolles Österreich; Reinhard Habeck; Ueberreuter Verlag 2006

Links:

- www.csicop.org
- www.grenzwissenschaft-aktuell.de
- LiveATC.net
- https://www.ufo-forschung.de/tag/cenap
- www.degufo.at
- ufoevidence.org

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Wettrüsten – Das Schreckenskabinett

1987 unterzeichneten der US-amerikanische Präsident Ronald Reagan und sein sowjetischer Amtskollege Michail Gorbatschow die INF-Verträge. Jene Verträge, die inzwischen sowohl die USA als auch Russland aufgekündigt haben. Trump macht dafür die Russen verantwortlich, Putin die Amerikaner. Fakt ist, dass gerade diese Mittelstreckenraketen für Europa ein brandheißes Thema darstellen. Das einzige Land auf dem Alten Kontinent, das nicht mehr in der Reichweite solcher russischen Waffen liegt, ist Portugal. Zu Zeiten des Kalten Krieges standen hüben wie drüben ganze Batterien von Kurz- und Mittelstreckenraketen und warteten auf den Abschussbefehl, der gottlob jedoch nicht kam. Umso härter verliefen in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts auch die Verhandlungen. Nur einige Jahre später zerbrach der Ostblock, die Sowjetunion wurde zur Russischen Föderation sowjetischer Teil-republiken. Michail Gorbatschow hatte einen vorher niemals zu erwartenden Friedenskurs eingeleitet. Ohne ihn wäre auch der Fall der Mauer in Deutschland nicht möglich gewesen. Und genau dieser Michail Gorbatschow warnt derzeit eindringlich vor einem neuen Wettrüsten. So schrieb er kürzlich in einem Artikel der Moskauer Zeitung Wedomosti:

„Und alle verstehen, dass eine neue Runde eines Raketen-Wettlaufs noch gefährlicher werden kann.”

Dabei beschuldigt der 87-jährige die Regierung Trump mit ihrem Streben nach „absoluter militärischer Überlegenheit“. Die fleissigen Leser dieses Blogs wissen, dass ich nicht wirklich ein Freund der Trump’schen Presslufthammerpolitik bin, doch: Dass Russland schon seit geraumer Zeit wieder derartige Mittelstreckenraketen herstellt – davon ist nichts in dem Artikel zu lesen. Ansonsten wäre er wohl auch der Zensur zum Opfer gefallen.
Über die Abrüstungsverträge habe ich an dieser Stelle schon mal geschrieben. Deshalb möchte ich mich heute dem Wettrüsten und dem Kalten Krieg widmen.
Der sog. „Kalte Krieg“ begann unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Die USA fürchteten eine sowjetisch-kommunistische Vormachtstellung, die Russen einen übermächtigen kapitalistischen Westen. Also wurden Waffen auch weiterhin wie zu Kriegszeiten en gros produziert. Dabei hatten es die USA einfacher, war doch deren Industrie nicht im Krieg nahezu komplett zerstört worden. In der Sowjetunion musste sie erst wieder aufgebaut werden. Das erklärt auch den riesigen Vorsprung der Amerikaner. So kamen im Jahr 1950 auf 300 atomare US-Sprengköpfe nur 10 sowjetische. Die Sowjetunion glich dies jedoch durch ein massives konventionelles Waffenarsenal aus.
Unter Präsident Dwight D. Eisenhower kam erstmals der Ausdruck der „massiven Vergeltung“ an die Öffentlichkeit: Sollte die Sowjetunion zum Erstschlag ausholen, würden die USA mit Atomwaffen reagieren und alles dem Erdboden gleich machen. Das kam Washington wesentlich günstiger als ein weiterer Ausbau der konventionellen Waffen. Bei all diesen Überlegungen aber vergass Eisenhower Europa.

„Von Stettin an der Ostsee bis Triest an der Adria ist ein eiserner Vorhang über den Kontinent heruntergegangen.“
(Winston Churchill, britischer Premierminister am 05. März 1946)

Dort fürchtete man sich davor, von den sowjetischen Truppen einfach überrollt zu werden. Auch Grossbritannien und Frankreich erprobten immer wieder atomare Waffen. Deutschland jedoch waren diese durch die Siegermächte verboten worden – zu gross war die Furcht vor einem erneuten Aggressor. Also setzte Bonn mit der Gründung der Bundeswehr im Jahre 1955 auf konventionelle Waffen. Mit den USA wurde später die Vereinbarung getroffen, dass amerikanische Trägersysteme in Deutschland stationiert werden dürfen. Kurzstreckenraketen (wie zuerst die SSM-A-14 Redstone, später dann die MGM-31 Pershing I) für die westlichen Staaten des Warschauer Paktes und die MGM-31B Pershing II-Mittelstreckenraketen und BGM-109 Tomahawk-Marschflugkörper (mit Düsenantrieb – Unterschall) für die westliche Sowjetunion. Jenseits des Eisernen Vorhangs standen zuerst sowjetische R-12 und T-14, später dann RSD-10 Mittelstreckenraketen.
Während Kurzstreckenwaffen eine Reichweite von bis zu 750 km besitzen, reicht jene der Mittelstreckenraketen auf bis zu 5.500 km (MRBMs zwischen 800 bis 2399 km/IRBMs zwischen 2400 bis 5500 km). Sie haben deshalb, wie kaum ein anderes System, vornehmlich die Bedeutung, als Trägersystem für atomare Sprengköpfe zu agieren. Deshalb zählen sie zu den substrategischen Nuklear-Waffen. Diese Raketen erreichen in ihrer elliptischen Flugbahn eine Höhe von mehreren hundert Kilometern. Dabei knacken sie Geschwindigkeiten von bis zu 5 Kilometern/Sekunde bzw. beim Einschlag 1-3 Kilometer/Sekunde (rund 10.000 Stundenkilometer). Bevor sie wieder in die Atmosphäre eintreten, koppeln sie ein oder mehrere Gefechtsköpfe und Tauschkörper aus.
Um nun die durchaus berechtigte Angst etwas zu schüren – es ist erschreckend, wie viele Staaten inzwischen über derartige Mittelstrecken-raketen verfügen:

.) MRBMs
- China (Dongfeng-2/3 und 4, Dongfeng-21)
- Frankreich (SSBS S1)
- Grossbritannien (Blue Streak)
- Indien (Nirbhay, Agni-I und II)
- Iran (Ghadr, Shahab-3, Fadschr-3, Ashoura, Sedchil)
- Israel (Luz YA-2 Jericho II)
- Nordkorea (Rodong-I, Pukguksong-2, Hwasong-12)
- Pakistan (Ababeel, Ghauri-I und II, Sahin-II)
- Russland (R-5 Shyster und 12 Skandal, R-14 Skean, RT-15 Scamp, RT-21 M Saber)
- Südkorea (Hyunmoo-3)
- USA (MGM-31 Pershing II)

.) IRBMs
- China (Dongfeng-5/6/22/25/26/31/31A und 41)
- Frankreich (SSBS S2 und S3)
- Grossbritannien (PGM-17 Thor)
- Indien (Agni-III und IV, K-4)
- Israel (Luz YA-3 Jericho III)
- Nordkorea (Hwasong-13/14 und 15, Taepodong-1 und 2, Musudan)
- Russland (R-7 Sapwood, R-9 Saison, R-16 Saddler, R-36 Sharp, R-36 M Satan, UR-200 Scrag, UR-100 Sego, UR-100 N Stiletto, RT-2 Savage, RT-2 PM Sickle, RT-2 PM 2/RS-24 Sickle-B, RT-20 P Scrooge, RT-21 Sinner, RT-23 Scalpel, MR UR-100 Spanker, RSD-10 Pioneer)
- USA (CGM-16 Atlas, HGM-25 A Titan I, HGM-25 B Titan II, LGM 30 A/B Minuteman I, LGM-30 F Minuteman II, LGM-30 G Minuteman III, LGM-118 A Peacekeeper, MGM-13 A Midgetman, PGM-17 Thor, Poseidon C3)

Wie viele und welche dieser Raketen noch jeweils im Einsatz sind bzw. auf Stand-by stehen, darüber herrscht selbstverständlich höchste Geheim-haltung. Und: Die INF-Verträge wurden nur durch die USA und Sowjetunion unterschrieben. China drängte zwar die beiden Staaten, die Verträge nicht aufzukündigen, trat aber niemals selbst diesen bei!

„Generalsekretär Jens Stoltenberg behauptet, die NATO wende sich entschlossen gegen die Verbreitung von Nuklear-Waffen. Das ist eine Lüge!“
(US-Friedensaktivist Daniel Ellsberg)

Ellsberg war während des Kalten Krieges Militäranalyst und als solcher mitverantwortlich für die Nuklearstrategie seines Landes. 1971 veröffentlichte er über die New York Times und die Washington Post die sog. „Pentagon-Papiere“, die zumindest etwas Licht in dieses Schreckenszenario brachten.
Auch spezielle Typen der Kurzstreckenraketen können (neben ihren Kollegen aus dem Gefechtseinsatz BSRBM wie die russische SS-21 Scarab oder die amerikanische ATACMS) mit atomaren Sprengköpfen ausgestattet werden. Der Vollständigkeit auch hier die Liste mit jenen Staaten, die über solche „Short-Range Nuclear Forces“ (SNF) verfügen:

- China (Dongfeng-11/15 und 16)
- Frankreich (Pluton, Hades)
- Israel (Luz YA-1 Jericho I)
- Nordkorea (Pukguksong-1)
- Russland (R-11/R17 Scud, TR-1 Temp Scaleboard, Totschka, R-400 OKA Spider, Iskander)
- USA (MGR-1 Honest John, MGM-5 Corporal, MGM-18 Lacrosse, MGM-29 A Sergeant, MGM-31 A Pershing I, MGM-52 Lance, Redstone,

Über mehr als vier Jahrzehnte dauerte der Kalte Krieg zwischen der Sowjetunion und den USA. Immer wieder hielt die Welt den Atem an: Berlin-Blockade, Korea-Krieg, Vietnam-Krieg, Afghanistan-Einmarsch der Sowjets, … Tatsächlich war wohl die Kuba-Krise jener Moment, als die Welt nur wenige Millimeter von einem Atomkrieg entfernt war. US-Aufklärungsflugzeuge hatten auf Kuba Raketen-Abschussrampen entdeckt. 200 km von Florida entfernt. Nur der Einsicht der beiden Staatsoberhäupter John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow ist es zu verdanken, dass die Welt, die wir kennen, noch besteht. Das ging aus der Öffnung der Archive 30 Jahre danach hervor.
Erst in der 80er-Jahren entspannte sich die Situation. Der Grund dafür: Die sowjetische Wirtschaft lag am Boden! Der Westen zog technisch davon, der Osten konnte nicht mehr mithalten. Sicherlich auch ein Grund für den politischen Kurs unter Gorbatschow, der schliesslich im Fall der Mauer und der Auflösung des riesigen Landes sowie des Warschauer Paktes mündete. Die Sowjetunion schloss bis 1991 auch zahlreiche ausländische Militär-Stützpunkte – derzeit verfügt Russland noch über zwei (Syrien und Vietnam). Doch kündigte Wladimir Putin an, diese erneut aufstocken zu wollen (China öffnete im Vergleich dazu den ersten Auslandsstützpunkt vor zwei Jahren in dem ostafrikanischen Kleinstaat Dschibuti – eine Marine-Base direkt an der Mündung des Roten Meeres in den indischen Ozean). Wäre die sowjetisch-kommunistische Planwirt-schaft besser gelaufen – wer weiss, ob Putin heute nicht über jenes Reich regieren würde, das im Grossen und Ganzen auf die Zaren und schliesslich Josef Stalin zurückging. Allerdings sollte das Lebenswerk des deutschen Bundeskanzlers Willy Brandt, die „Ost-Verträge“ nicht vergessen werden, der damit ganz wesentlich zur Entspannung beitrug.
Als am 01. September 1988 die ersten neun von 40 Pershing-Raketen aus Deutschland abgezogen wurden, war auf einem der US-Militär-fahrzeuge zu lesen: „We gave peace a chance!“ Eigentlich ein Oxymoron: Ein mehrfacher Overkill sichert den Frieden! Doch auch nicht unbedingt falsch. So sorgte etwa der ABM-Vertrag dafür, dass nur jeweils ein Abwehrsystem punktuell aufgebaut werden durfte. Hätte sich eine der beiden Nationen atomsicher machen können, wäre dieses Gleichgewicht nicht mehr vorhanden gewesen. Was folgen würde, kann sich wohl jeder selbst vorstellen.
1983 brachte US-Präsident Ronald Reagan das SDI-Projekt in’s Spiel und reizte damit die Sowjets bis auf’s Blut. Bei diesem „Krieg der Sterne“ geht es um die Aufrüstung im Weltall. Mittelstrecken-Raketen, vor allem aber Interkontinentalraketen, die vom Boden aus nahezu nicht abgefangen werden können, sollten durch leistungsstarke Laser im Orbit unschädlich gemacht werden. Waren die Russen vielleicht noch in den 50er Jahren mit ihren Weltraumplänen den Amerikanern voraus („Sputnik-Schock“), so hätten sie dreissig Jahre später auf jeden Fall den kürzeren gezogen. Deshalb spielte SDI bei allen anderen Abrüstungsbemühungen eine ganz entscheidende Rolle. Auch Donald Trump hat nun die Pläne wieder aus der Schublade geholt.
Wenn nun die Amerikaner die Zahl der Raketen-Abwehr-Basen in den ehemaligen europäischen Staaten des Warschauer Paktes verstärken (Bruch des ABM-Vertrages) und die Russen ihre damalige Rüstungs-niederlage durch erneute Massenproduktion auszumerzen versuchen (Bruch des INF-Vertrages): Was soll dadurch erreicht werden? Erneut eine Friedenssicherung durch den Einsatz von High-Tech-Waffen, die ihren Vorgängern bei Weitem überlegen sind und trotz computer- und satellitengestützter Zielnavigation ganze Landstriche verwüsten? Alte Menschen, Kinder, Frauen und Männer vernichten, die niemals einen solchen Krieg haben wollten!

„Wer zuerst schiesst, stirbt als Zweiter!“
(Leitsatz der 1960er Jahre zur nuklearen Aufrüstung)

Beginnt dieses „Gleichgewicht des Schreckens“ nun erneut? Ein Kampf, bei dem niemand als Sieger vom Schlachtfeld gehen wird! Wenn auch möglicherweise die Raketenbasen durch einen Erstschlag ausser Gefecht gesetzt werden können, Grossstädte dem Erdboden gleich gemacht, Millionen Menschen umgebracht werden, so bleibt noch genügend Zeit, den Knopf für die mobilen Basen, für die Schiffe und U-Boote zu drücken, die dann nichts mehr übrig lassen werden. Ist das die Apokalypse, die in der Bibel beschrieben wird? Wenn zwei möglicherweise Verrückte wetten, wer die meisten Sprengköpfe hat? Und alle anderen einstimmen, da sie Angst haben, selbst den Kürzeren zu ziehen? Wenn sich der Schatten von gerade Mittagspause machenden Arbeitern in die Häusermauern einbrennt, weil es eine Handvoll von Menschen, die selbst im sicheren Atombunkern sitzen, so haben will? Ist das wirklich der Frieden, den die meisten unter uns gerne hätten??? Bei den INF-Verträgen war von Kontrolle die Rede. Beides ist seit Beginn des Jahres Teil der Geschichte!
Viele andere Beispiele könnten an dieserStelle genannt werden. Indien-Pakistan, Nordkorea-Südkorea, China-Taiwan, Griechenland-Türkei, … Doch sind dies alles regionale Konflikte, die nur bei einer Beteiligung der Supermächte zu weltweiten Kriegen und Zerstörung werden würden.

Factbox – der Status Quo

Anzahl der Soldaten:
USA 2 Millionen
Russland 3,6 ;Millionen
China 2,7 Millionen

Anzahl der Kampf- und Angriffsflugzeuge:
USA 4.792
Russland 2.234
China 2.652

Anzahl der Kampfpanzer
USA 5.884
Russland 20.300
China 7.716

Anzahl der Flugzeugträger:
USA 20
Russland 1
China 1

Anzahl der Zerstörer, Fregatten und Korvetten
USA 75
Russland 100
China 118

Anzahl der U-Boote:
USA 66
Russland 62
China 73

Anzahl der nuklearen Sprengköpfe (Stand Januar 2018):
USA 6.450
Russland 6.850
China 280
Frankreich 300
Grossbritannien 215
Pakistan 145
Indien 135
Israel 80
Nordkorea 15 (geschätzt)

Militärausgaben 1992 bis 2017:
USA +16,8 %
Russland +62,6%
China +740,0 %

(Alle Angaben: SIPRI)

Lesetipps:

.) The Nuclear Crisis. The Arms Race, Cold War Anxiety, And The German Peace Movement Of The 1980s; Hrsg.: Christoph Becker-Schaum/Philipp Gassert/Martin Klimke/Wilfried Mausbach; Berghahn Books 2016
.) Rüstungspolitik und Rüstungsdynamik: Fall USA; Erwin Müller; Nomos 1985
.) Die Rüstung der Sowjetunion: Rüstungsdynamik und bürokratische Strukturen; Hrsg.: Dieter S. Lutz; Nomos 1979
.) Der Kalte Krieg oder: Die Totrüstung der Sowjetunion; Jürgen Bruhn; Focus 1995
.) Der amerikanische Rüstungswahn; Richard J. Barnet; Rowohlt 1984
.) The Cold War: A Study In U.S. Foreign Policy; Walter Lippmann; Harper; 1st edition (January 1, 1947)

Links:

- www.sipri.org
- armscontrol.de
- www.bpb.de
- bik.ac.at
- www.bundesstiftung-aufarbeitung.de
- www.au.af.mil
- www.peterhall.de
- zeitgeschichte-online.de
- zeithistorische-forschungen.de
- kein-wettruesten.de

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Der Rücken…!!!

In meiner Zeit bei der Antenne Tirol ist mir eines Tages etwas abstruses passiert: Nachdem ich einige Tage lang – meines Wissens grundlos – unter leichten Rückenschmerzen gelitten hatte, benötigte ich während der Live-Sendung Unterlagen aus der Redaktion. Also stand ich auf, meine Beine versagten mir jedoch den Dienst und fiel der Länge nach zu Boden. Dieses Spektakel blieb in einem gläsernen Studio natürlich nicht unbemerkt. Während sich einige köstlichst amüsierten, kam eine Kollegin in’s Studio und hatte, nachdem ich geschildert habe, um was es geht, mit drei Handgriffen die Schmerzen behoben. Es dürfte sich um einen eingeklemmten Nerv gehandelt haben, der meine Motorik beeinflusst hatte. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie dankbar ich der Frau war!!!
Aktuelle Studien haben ergeben, dass nahezu jeder zweite Deutsche und 60 % der älteren erwachsenen Österreicher unter Rückenschmerzen leidet. Doch ist Schmerz nicht gleich Schmerz. Deshalb ist es wichtig, bevor der Arzt, die Physiotherapie, der Ergotherapeut oder die Massage aufgesucht wird, den Herd zu lokalisieren, sich Gedanken darüber zu machen, welcher Art dieser Schmerz ist (Stich, Druck, Zug,…) und ob in den Tagen zuvor vielleicht eine atypische Bewegung gemacht wurde, die das Ganze ausgelöst haben könnte. In diesem heutigen Blog möchte ich etwas genauer auf dieses Thema eingehen – wer weiss, vielleicht sind einige nützliche Informationen auch für Sie dabei.
Der Arzt Ihres Vertrauens unterscheidet als erstes zwischen akuten, subakuten und chronischen Schmerzen. In allen Fällen ist eine körperliche Untersuchung empfehlenswert. Durch die Diagnose des Experten kann die Ursache herausgefunden und eine entsprechende Behandlung angesetzt werden.

.) Akute Rückenschmerzen
Dauert der Schmerz maximal 6 Wochen an, so wird dabei von einem akuten Schmerz gesprochen. Akute Schmerzen sollten durchaus ernst genommen werden. Sie weisen entweder auf eine Entzündung oder eine Verletzung hin. Wird dies nicht behandelt, kann es weitreichende Folgen haben.

.) Subakute Schmerzen
Dieser Schmerzzustand hält zwischen 6-12 Wochen an.

.) Chronische Schmerzen
Sollten sich die Schmerzen allerdings über mehr als 12 Wochen hinwegziehen, so bedeutet dies, dass sich bereits ein eigenes Krankheits-bild entwickelt hat. Der Schmerz wird zum täglichen Begleiter („Schmerz-gedächtnis“). Dies kann nicht nur zu körperlichen, sondern auch zu psychischen Auswirkungen führen. Hier ist eine tiefergehende Schmerz-behandlung unbedingt vonnöten.

Ein grober Fehler bedeutet der Griff zu starken Schmerzmitteln, sofern gar nicht bekannt ist, was tatsächlich dahintersteckt. Derartige Medikamente haben meist auch jede Menge Nebenwirkungen und verstehen sich möglicherweise mit anderen Arzneimitteln oder Gebrechen nicht (Kontraindikationen). Daneben können sie bei längerem Gebrauch Organe wie Magen oder Leber angreifen. Deshalb sollte zuerst eine ärztliche Untersuchung stattfinden – wenn die Medizinerin solche Mittel verschreibt, hat dies seinen Grund.
Um die richtige Therapie zu wählen, wird der Arzt im Vorfeld der Diagnose nach der Dauer und der Art der Schmerzen fragen (Anamnese). Danach erfolgt die Überprüfung der Beweglichkeit und der unterschied-lichsten Funktionen. Dazu zählt auch die Prüfung der Reflexe und anderer neurologischer Tests. Sollte dies zu noch keiner Diagnose führen, wird die Technik zu Hilfe genommen: Röntgen, Ultraschall, Computer-tomographie, Kernspintomographie – zumeist begleitend mit Blutunter-suchungen im Labor, damit eine andere Erkrankung ausgeschlossen werden kann. Nach den erzielten Ergebnissen erfolgt die Diagnose und anschliessende Behandlung.
Die Ursachen für Kreuzschmerzen sind vielfältig und können direkt mit unseren Lebensumständen zusammenhängen. Bewegungsmangel – aber auch übertriebener Sport, Übergewicht, eine zu grosse Oberweite, falsches Heben oder Tragen, Fehlhaltung bei der Arbeit und nicht zuletzt auch Stress zeigen sehr rasch Auswirkungen: Zumeist verspannen sich die ansonsten stützenden Muskeln, Bandscheiben nutzen sich ab oder es besteht eine Entzündung. Allerdings: 85 % der Rückenbeschwerden gehören zu den nicht-spezifischen Schmerzen.
Viele von uns gehen einer sitzenden Tätigkeit nach. Einer meiner Arbeitsplätze etwa bestand aus einem Konferenztisch, einem Bürostuhl und einem Laptop. Kam ich abends aus dem Büro, machte sich automatisch mein Rücken bemerkbar. Erst als ich den Stuhl in seine niedrigste Sitzhöhe stellte, wurde es besser, da ich nun gerade sitzen konnte. Zuvor war die Haltung gebeugt. In diesem Falle verspannte sich die ansonsten gut dehnbare Rückenmuskulatur – sie verhärtet. Durch die Reizung der darin befindlichen Nerven kommt es zu kleinen, aber sehr schmerzhaften Entzündungsherden. Nicht immer sind diese auch durch etwa Rötungen oder Schwellungen äusserlich erkennbar. Hier empfiehlt sich, den Arbeitsplatz ergonomisch einzurichten. Dabei ist der Bürostuhl enorm wichtig. Viele bevorzugen Sitzbälle. Dies ist eigentlich nur dann sinnvoll, wenn man sich damit auch bewegt, da die Muskulatur dadurch zur Arbeit gezwungen wird. Sitzt man steif darauf, wird durch die gerade Sitzhaltung und dem Nachgeben das Balles nur die Wirbelsäule entlastet bzw. die Pomuskeln trainiert (etwa der Gluteus maximus). Bei Computerarbeitsplätzen hilft auch ein Monitor, da sich jeder automatisch über einen Laptop beugt, wenn reinen solchen im Einsatz hat. Grundsätzlich gilt jedoch: Der Arbeitsplatz muss immer an den Körper angepasst werden – nicht umgekehrt! Zudem sollten öfters Pausen eingelegt werden, in welchen man sich im Gehen bewegt.
Auch Ausgleichsgymnastik wie Yoga oder Pilates bzw. natürlich Rückengymnastik können die Muskulatur zusätzlich stärken, damit diese ihrer angestammten Funktion wieder nachgehen können. Medikamentös werden in solchen Fällen zu Beginn Schmerzsalben verschrieben, die auch etwaige Entzündungen behandeln (wie z.B. Diclofenac, Ibuprofen). Allerdings sollte sich unbedingt die Ursache ändern – eine reine Symptombehandlung wirkt nicht wirklich nachhaltig.
Gleiches gilt für Ihre Matratze. Vergessen Sie nicht, dass Sie jeden Tag zwischen sechs bis acht Stunden im Bett verbringen (manche auch etwas mehr). Eine durchgelegene, zu weiche oder zu harte Matratze oder einfach nur die falsche sorgen nicht nur für wache Nächte sondern auch schmerzhafte Tage.
Oftmals ist die Ursache für Rückenschmerzen psychisch bedingt. Abgabedruck, Stress oder vielleicht gar die unterschiedlichsten Ängste können für viele körperliche Erkrankungen verantwortlich sein. Sie kennen den Ausspruch vielleicht von dem Schifahrer, der im Starthaus steht: „Das Adrenalin schiesst durch den Körper. Seine Augen sind starr und konzentriert nach vorne gerichtet. Jeder einzelne Muskel im Körper ist angespannt!“ Das geschieht jedoch nicht nur beim Profisportler. Jemand, der ständig unter Druck steht, mit dem Stress per Du ist, reagiert ebenso. Vielen Workaholics etwa sieht man dies an ihrer Körperhaltung an: Kein Bauch rein, Brust raus, Schultern zurück und Kopf nach oben!
Menschen, die körperlicher Arbeit nachgehen, werden zudem ein Lied davon Singen können – auch wenn die Arbeit vielleicht nicht mal so schwer ist: Falsches Anheben von Lasten oder Tragen derselben bzw. einseitige Bewegungen, da macht sich sofort das Kreuz bemerkbar. Das Anheben sollte grundsätzlich aus den Knien erfolgen. Beim Tragen ist ein gerader Rücken enorm wichtig, zudem sollte niemals einseitig getragen werden. Der volle Einkaufskorb kann durch eine Tasche auf der anderen Seite etwas leichter gemacht werden. Und die Männer haben eine Ausrede für eine zweite Kiste Bier! Bei einseitigen Bewegungen wie dem Laubkehren, dem Schaufeln etc. sollte der Rechen oder die Schaufel auch mal von der anderen Seite angepackt werden. Hält man sich nicht an derartige Tipps, so kann sich dies rasch äussern:

- Hexenschuss
Hier werden ein oder mehrere Wirbelgelenke blockiert oder ein Nerv ist gequetscht. Vor allem ein falsches Anheben kann dafür verantwortlich sein. Nach rund einer Woche sollten die Schmerzen von selbst wieder nachlassen.
- Bandscheibenvorfall
Bandscheiben sind kleine Fettpolster, die dafür sorgen, dass die Wirbelkörper nicht unmittelbar aufeinander reiben oder gegeneinander stoßen. Bei einem Bandscheibenvorfall wird das Gewebe dieser Bandscheibe zwischen den Wirbelkörpern immer mehr nach aussen gedrückt. Wird dadurch auch eine Nervenwurzel gepresst, so führt dies zu Schmerzen – in seltenen Fällen auch zur Schädigung oder dem Absterben des Nervs. Derartige Vorfälle haben zumeist eine jahrelange Vorgeschichte: Fehlhaltung, Abnutzung,… Zumeist reicht dann schon ein kalter Windzug, ein nasses T-Shirt im Sommer oder eine ungeschickte Bewegung. Der Schmerz schiesst urplötzlich ein. Normalerweise baut der Körper diese vorgefallene Bandscheibe selbst wieder ab. Eine OP ist nicht immer sinnvoll, da nach einem Jahr dasselbe Problem erneut auftauchen kann. Sollte nun ein Nerv dabei eingeklemmt werden, so kann dies zu Bewegungsstörungen und gar Lähmungen führen. Unter diesen Umständen muss operiert werden.
- Gereizter Ischias-Nerv
Ein schmerzender Ischias-Nerv ist das Feinste vom Feinsten für einen Masochisten. Die Schmerzen ziehen dabei vom Rücken über das Gesäss bis in die Oberschenkel und Füsse. Der Ischias-Nerv besteht aus mehreren im Lendenbereich der Wirbelsäule austretenden Nervenfasern. Falsches Sitzen, Heben oder Tragen und auch ein Bandscheibenvorfall – die Ursachen für diese teuflischen Schmerzen sind mannigfaltig. Ist „nur“ der Hüftmuskel („Piriformis“) verspannt, so kann dies mit leichten Dehnübungen recht einfach beseitigt werden. Auch die sog. „Stufenhaltung“ kann die Schmerzen beseitigen. Dabei liegt die Person mit dem Rücken auf dem Boden. Die Unterschenkel werden im rechten Winkel zu den Oberschenkeln auf einen Stuhl gelegt. Und schliesslich kann ein Wärmeumschlag oder Wärmepflaster, Infrarotbestrahlung oder ein Saunagang Entspannung bringen. Auch beim Ischias hilft – wie grundsätzlich bei allen Rückenschmerzen, leichte Bewegung (Spaziergang beispielsweise), damit sich die Muskulatur entspannen kann! Bettruhe ist falsch, da die Muskulatur dadurch zu wenig durchblutet bzw. sogar abgebaut wird. Sollten sich auch Taubheitsgefühle, Lähmungen oder plötzliche Inkontinenz dazu gesellen, muss sofort der Arzt konsultiert werden, der höchstwahrscheinlich zu einer Operation raten wird.

Die Angst vor einer OP ist jedoch auch bei einem Bandscheibenvorfall oder dem Ischias in den meisten Fällen unbegründet. Das Skalpell ist grundsätzlich immer die letzte Lösung. Ansonsten bewirken Physio-therapie und/oder Massage wahre Wunder. Auch geeignete Übungen zur Stärkung der Rücken- und Bauchmuskulatur können bei einer Abnutzung der Bandscheiben („Scheuermann“) bereits ausreichen. Wie bereits angesprochen, können Medikamente auch die ärgsten Schmerzen lindern (etwa nichtsteroidale Antirheumatika). Doch sollten diese maximal ein bis zwei Tage genommen werden, andere nicht-verschreibungspflichtige 3-5 Tage. Bestehen die Beschwerden nach wie vor, führen alle Wege zum Arzt Ihres Vertrauens. Er kann dann auch andere Therapien anordnen oder durchführen:
.) Infiltrationen
.) Lokale Injektionen
.) Elektrotherapie
.) Hydrotherapie
.) TENS-Therapie (transkutane elektrische Nervenstimulation mit Reizstrom) …
Aber auch aus einem anderen Grund ist die Beiziehung eines Arztes empfehlenswert: Die Ursache von Rückenproblemen können ferner innere Erkrankungen sein. Etwa eine Nierenbeckenentzündung, Eierstockent-zündung, Tumor, Rheuma oder auch Osteoporose. Zudem kann ein verengter Wirbelkanal, brüchige oder poröse Wirbelkörper oder auch eine Stoffwechselerkrankung dahinterstecken. Hierbei ist es wichtig, die Grunderkrankung zu behandeln. Ist diese im Griff, verschwinden meist auch die Rückenschmerzen. Zudem – bei einem Unfall wie einem Sturz mit dem Rad oder auf der Treppe könnte möglicherweise ein Wirbel-körper zu Schaden gekommen sein, was eine Operation erforderlich macht.

Wichtiger Hinweis:

Dieser Blog ist kein Hilfsmittel zur Selbstdiagnostik und Selbstbehandlung! Grundsätzlich empfiehlt sich immer, die Meinung eines Mediziners einzuholen!

Lesetipps:

.) Rückenschmerz: Verbreitung, Ursachen und Erklärungsansätze; S. Schneider; GRIN Verlag 2007
.) Wirksame Hilfe bei Rückenschmerzen; Klaus-Dieter Thomann; Trias 1998
.) Lendenwirbelsäule. Ursachen, Diagnostik und Therapie von Rückenschmerzen; Jan Hildebrandt/Gerd Müller/Michael Pfingsten; Elsevier 2005
.) Rückhalt für den Rücken – das Programm gegen Kreuzschmerzen; M. Friedrich/H. Mezei; ´Verlagshaus der Ärzte 2009
.) Was für den Rücken gut ist; Dietmar Krause/Helga Freyer-Krause; Verlag im Kilian 2006
.) Nie wieder Rückenschmerzen; E. Gokhale; Riva Verlag 2013
.) Betriebssicherheitsmanagement nach BetrSichV: Leitfaden zur Umsetzung in den einzelnen Unternehmensbereichen; Gabriele Janssen/Volker Neuer; ecomed Sicherheit 2012

Links:

- www.gesundheit.gv.at
- schmerzkongress2018.de
- www.leitlinien.de
- www.dgnc.de
- www.dgom.info
- www.physio-deutschland.de
- www.oss.at
- www.medcenter.info
- www.rehaclinic.ch
- www.iqwig.de
- rueckenschmerzen.behandeln.at
- www.rueckenfit.net

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LKW – Rollende Bomben auf der Autobahn

Es ist nun schon etliche Jahre her, als sich ein Bekannter und ich nach verschiedenen Terminen in Vorarlberg auf dem Rückweg über die Inntalautobahn nach Innsbruck befanden. Wohl gegen 22.00 Uhr tauchte plötzlich vor uns ein ausländischer LKW auf. Er fuhr Schlangenlinien über beide Spuren sowie dem Pannenstreifen. Wir setzten uns hinter ihn und warteten auf eine Gelegenheit, den Brummi zu überholen. Nach einer erneuten Kurvenaktion über zwei Spuren dürfte er sich gefangen haben und fuhr eine zeitlang geradeaus. Mein Bekannter, der gleichzeitig als Fahrer agierte, schaltete runter, setzte sich auf die Überholspur, gab Lichthupe und Vollgas. Als wir nahe der Zugmaschine angelangt waren, scherte der Lastwagen erneut auf die Überholspur aus. Gottlob reagierte mein Fahrer ausgezeichnet, legte eine Beinahe-Vollbremsung hin und setzte sich wieder hinter den LKW. Wir hatten zwar ein Handy im Auto – leider jedoch war der Akku leer. Also fuhren wir bei der nächsten Ausfahrt raus. Über die Bundesstrasse ging’s weiter und bei der nächsten Auffahrt wieder auf die Autobahn. Es dauerte nicht lange, hatten wir den LKW erneut vor uns. Gütigerweise kurz vor Innsbruck, sodass wir eine Ausfahrt vorher wählten.

https://www.youtube.com/watch?v=b0Tp2W6FCv4

(Dieses Video kann zu nachhaltigen, verstörten Eindrücken führen, weshalb es nicht für den Konsum von jedermann geeignet ist)

Ein Szenario, wie es in letzter Zeit immer häufiger vorkommt, liest man die Unfallberichte der Autobahn-Polizei durch. So gab etwa die Statistik Austria bekannt, dass in den Jahren zwischen 2012 und 2017 nur auf Österreichs Strassen 370 Menschen bei Unfällen mit LKW-Beteiligung starben. Im ersten Halbjahr 2018 kamen bei 262 Unfällen mit Schwer-fahrzeugen nur in Berlin und Brandenburg 282 Menschen zu Schaden – die Liste könnte nun beliebig fortgesetzt werden. Der Verkehrstechniker des Österreichischen Automobil- und Touring-Clubs, David José, meint hierzu:

„87 % der bei LKW-Unfällen tödlich Verunglückten waren andere Verkehrsteilnehmer!“

Diese Zahlen sind leider nach wie vor im Steigen begriffen. Die beiden besonders gefährlichen Szenarien sind einerseits das Abbiegen an Kreuzungen (aufgrund des toten Winkels) und andererseits das Auf-fahren. Bei beiden Unfallursachen sollen künftig technische Einrichtungen helfen, die Zahl der Unfälle drastisch zu senken – dazu etwas später.
Welche Ausmaße ein solcher LKW-Unfall auf der Autobahn haben kann, möchte ich im folgenden anhand mehrerer Beispiele aus dem Dezember letzten Jahres erörtern.
Auf der A2 auf Höhe Bad Qeynhausen ereigneten sich innerhalb nur weniger Stunden gleich zwei schwere Unfälle. Zwischen Porta und Bad Oeynhausen kam gegen 05.30 Uhr ein 54-jähriger Lenker aus Dessau aus ungeklärter Ursache nach rechts von der Fahrbahn ab, durchbrach die Leitplanke und stürzte mitsamt des mit Metallteilen beladenen Last-wagen-Gespannes über eine drei Meter hohe Böschung ab. Auf dem darunter vorbeiführenden Fahrradweg kam das Gefährt zum Liegen, der Fahrer musste schwer verletzt von der Feuerwehr geborgen werden. Ein acht Kilometer langer Stau war die Folge, da an diesem Tag die Bediensteten der Deutschen Bahn streikten, waren wesentlich mehr Privatfahrzeuge als üblich auf dem Weg. Einige Stunden später fuhren auf Höhe der Anschlussstelle Veitheim gleich zwei Brummis auf. Dabei verlor ein mit Getreide beladener LKW seine Ladung – die Verbindung musste für die Dauer der Reinigungsarbeiten komplett gesperrt werden. Der Sachschaden des ersten Unfalles lag bei ca. 100.000 € – beim zweiten ist er nicht bekannt.
Fatal endete ein LKW-Unfall auf der A1 auf Höhe Bremen. Vier Lastwagen krachten dabei ineinander. Die Wucht des Aufpralls war dermassen gross, dass vom Führerhaus eines der Schwerfahrzeugen so gut wie nichts übrig blieb. Der 37-jährige Lenker aus Tschechien kam dabei zu Tode. Zwei weitere hatten Glück – sie wurden nur leicht verletzt.
Auf der österreichischen A2 auf Höhe Krumbach kam ein rumänischer Sattelzug von der Fahrbahn ab und prallte auf die Mittelbetonleitwand. Dort schlitterte das Fahrzeug noch der Wand entlang weiter, bis es schliesslich gegen einen Brückenpfeiler krachte. Die Glücksengel der beiden Insassen hatten alle Hände voll zu tun – sie blieben unverletzt. Der Schaden, auch durch rund 300 l ausgelaufenem Diesel, war erheblich. Ursache: Die mangelhafte Bereifung des Schwerfahrzeuges.
Auf der A4 touchierte zwischen Uhysi und Burkau ein LKW die Mittelleit-schiene und kippte um. Der polnische Fahrer war übermüdet und eingeschlafen.

https://www.youtube.com/watch?v=YjUvkA4_vew

(Dieses Video kann zu nachhaltigen. verstörten Eindrücken führen, weshalb es nicht für den Konsum von jedermann geeignet ist)

In Europa regelt u.a. die „Fahrpersonal-Verordnung“ FPersV (VO EU Nr. 561/2006) bzw. der „Anhang zum Europäischen Übereinkommen über die Arbeit des im internationalen Straßenverkehr beschäftigten Fahr-personals“ (AETR) die Lenk- und Ruhezeiten der Fahrer von Güter-Fahrzeugen über 2,8 t – somit fallen auch einige Klein-LKW in diese Regelung – und Fahrzeugen zur Personenbeförderung mit mehr als 9 Insassen. Jeder Fahrer ist nach §1 dieser Verordnung dazu verpflichtet, ein „Tageskontrollblatt“ (Fahrtenbuch) zu führen. Dort sind alle relevanten Informationen einzutragen, so auch die Fahr- und Ruhezeiten. Nachdem dies nicht handschriftlich ausgefüllt werden darf, muss auch ein analoges oder digitales Aufzeichnungsgerät (Tachograph) mitgeführt werden. Die Lenkzeiten belaufen sich alsdann auf 9 Stunden täglich (zweimal die Woche 10 h), wobei nach 4,5 h eine Pause von mindestens 45 Minuten einzulegen ist. Diese Pause kann auch in zwei kürzere Pausen von 1×15 min und 1×30 Minuten aufgeteilt werden, die längere ebenfalls nach einer Lenkzeit von 4,5 h. Die wöchentliche Gesamtlenkzeit beläuft sich somit auf 56 h in einer Einzelwoche, jedoch maximal 90 h in zwei aufeinanderfolgenden Wochen. Die Tagesruhezeit erstreckt sich auf 11 h – kann nach etwa dem österreichischen Kollektivvertrag auf 3x pro Woche auf 9 h verkürzt werden. Die Wochenruhe beläuft sich auf 45 ununterbrochene Stunden. Da sowohl in Deutschland als auch in Österreich am Sonntag Fahrverbot herrscht, wird daraus meist eine „Wochenendruhe“. Auch hier sind Verkürzungen möglich, diese Zeit muss jedoch zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.
Seit dem Jahr 2015 müssen neue LKW mit Notbremssystemen ausgestattet sein. Bis November sollten diese die Geschwindigkeit des Fahrzeuges um zumindest 10 Stundenkilometer, seit diesem Zeitpunkt um 20 km/h reduzieren (von 80 auf 60 km/h), was einem starken Bremsmanöver des Brummis gleichkommt. Aufgrund verschiedener technischer Neuerungen und grösserer Reichweite des Radars sollte das Tempo gar bis zum Stillstand reduziert werden. Doch was nutzt all die Technik, wenn die Fahrer selbst das System ausschalten, damit sie dem Vordermann näher auffahren können oder weil sie es schlichtweg nicht wissen um was es hierbei geht. Schliesslich sind die Auffahrunfälle an Stauenden beispielsweise die katastrophalsten und opferträchtigsten. Unsitten wie Zeitungslesen, Mails schreiben, telefonieren – ja sogar Filme anschauen sind keine Einzelfälle. Schliesslich fährt das Fahrzeug über den Spurassistenten und dem Abstandsregeltempomaten nahezu von selbst. Zudem sorgen Übermüdung für schlechtere Reaktionszeiten und mangelndes Deutsch für das Nicht-Verstehen der Verkehrsmeldungen im Radio.
Auch bei den Abbiege- oder Rangiermanöver sollte die Technik helfen – doch appellieren die Experten auch an die Vernunft der Fussgänger und Radfahrer, dass sie für den LKW-Lenker im toten Winkel unsichtbar sind und am besten hinter dem Fahrzeug zum Stehen kommen sollten.
Der Leiter der Unfallforschung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, Siegfried Brockmann, nimmt indes die Gesetz-gebung in’s Gebet, dass derartige Notbrems- und Abbiegeassistenz-systeme dringend in die Gesetze einfliessen müssen.

„So könnten viele der jährlich etwa 300 schweren Lkw-Unfälle mit Toten und Schwerverletzten verhindert, oder zumindest gemildert werden!“

Alleine In Deutschland sterben jedes Jahr rund 900 Personen bei LKW- oder Busunfällen, weitere 8500 werden schwer verletzt! Eine Analyse, durchgeführt im Jähr 2016 in Brandenburg, ergab, dass 84 % der Auffahrunfälle von LKW hätten vermieden werden können, wäre ein funktionierendes Notbremssystem nach modernstem Standard in dem Unfall-Fahrzeug installiert bzw. eingeschaltet gewesen. Daimler etwa bestätigt: Seit bereits dem Jahre 2012 wäre eine Vollbremsung eines LKW durch ein Notfallbremssystem möglich. Erst seit 2018 wird es in LKW dieses Herstellers für den Fall des sich bewegenden Fussgänger eingebaut. Die aber gibt es gottlob auf den Autobahnen nicht wirklich sehr häufig!

https://www.youtube.com/watch?v=SmoZk-JCVd0

Zwei Millionen LKW-Berufskraftfahrer sind tagtäglich auf den Strassen Europas unterwegs. Teils unter menschenunwürdigen Bedingungen. Angesichts dieser Situation tagte Ende 2018 eine eigens einberufene Kommission. Erörtert wurden dabei vornehmlich die Arbeitsbedingungen der Brummifahrer. Viele sind oft tage- bzw. wochenlang unterwegs, schlafen in den Kabinen, können oftmals aufgrund Termindrucks die Ruhezeiten gar nicht einhalten und sich vielfach das Essen in den Raststationen nicht leisten. Hinzu kommt die ständige Angst vor dem Verlust der Ladung durch Diebstahl während des Stehens und zu wenige Stellplätze. Die deutsche Regierung beschloss daraufhin das zwangsweise Übernachten in Pensionen. Ein Ding der Unmöglichkeit. Einerseits lassen die Fahrer ihren LKW aus dem genannten Grund nicht gerne alleine stehen, andererseits sind Pensionen oder Hotels oftmals in den Ortschaften neben den Autobahnen – dort aber herrscht gerade in der Nacht Fahrverbot für den Schwerverkehr. Und schliesslich wollen viele der Lenker das Übernachtungsgeld sparen, damit sie damit ihren Lohn aufbessern können. Ein Gesetz also, das für viel Unmut bei den Fahrern und Frächtern sorgt. Die Logistik-Experten fordern deshalb anstatt dessen schärfere Kontrollen der Fahr- und Ruhezeiten sowie des Mindestlohnes. Gerade bei ost- und südosteuropäischen LKW-Fahrern herrschen sehr häufig Dumping-Verhältnisse, die es für mitteleuro-päische Fahrer, die sich an Regeln und Gesetze zu halten haben, sehr schwer machen. Hier schwenkt auch der österreichische Verkehrsminister Norbert Hofer ein. Er fordert für gleiche Arbeit gleichen Lohn. Dieser Missstand war absehbar, noch bevor die Europäische Gemeinschaft im Jahr 1996 die sog. „Entsenderichtlinie“ (Richtlinie 96/71/EG) auf den Weg gebracht hatte. Schon damals gab es Mitgliedsstaaten, die nicht unbedingt das Lohnniveau aller teilten. So wurde u.a. die Grundlage für die Misere der Sub-Unternehmerschaft geschaffen, obgleich dies eigentlich mit dieser Richtlinie verhindert werden sollte. Basierend auf den Art. 53 und 62 des „Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union“ (AEUV) werden hier die Vorschriften dargelegt, die für die Arbeitsverhältnisse von jenen Arbeitnehmern zu gelten haben, die von einem Unternehmen eines EU-Mitgliedsstaates in einen anderen Mitgliedsstaat zum Zwecke der Erfüllung einer Dienstleistung „entsendet“ werden. Während für EU-Bürger, die in einem anderen Staat als ihrem Heimatland einer Arbeit im Rahmen der Arbeitnehmerfreizügigkeit nachgehen, das Arbeitsrecht jenes Staates zur Anwendung kommt, in dem sie der Beschäftigung nachgehen, gilt für die Entsendung von Arbeitnehmern das Arbeitsrecht des Entsendestaates. Wird also etwa ein Rumäne nach Deutschland entsendet, so gilt für ihn rumänisches Arbeitsrecht und Entlohnung – nicht deutsches. Dies jedoch ist zeitlich begrenzt – die Schutzbereiche sind dezidiert aufgelistet (Höchstarbeits-zeit, Mindestruhezeit, Mindestlohnsätze etc.). So werden etwa Schlachter aus Ungarn, Bauarbeiter aus Polen usw. durch dortige Subunternehmer „verliehen“ bzw. „überlassen“. Im Speditionsgewerbe war dies nur eingeschränkt möglich. So durften ausländische Fahrer mit ihrem LKW nur eine gewisse Anzahl von Folgefahrten im Bestimmungsland über einen gewissen Zeitraum absolvieren („Kabotage“). Dies wurde jedoch nicht eingehalten, da es nur schwer zu überprüfen war. Die EU-Minister wollen nun dieses „Nomadentum“ einschränken. Durch die neue Regelung müssen diese Fahrer nach ihrem Dienst im Ausland (max. 1 Monat) für mindestens drei Wochen wieder in ihr Heimatland zurückkehren. Das stiess auf erbitterte Gegenwehr der Visegrad-Staaten, die dadurch wirtschaftliche Einbussen erwarten. Dem gegenüber bildete sich der westeuropäische Block, die „Road Alliance“, die ihre Fahrer gegen den unlauteren Wettbewerb schützen will. Die Kabotage soll auch weiterhin in jener Form möglich sein, dass die Fahrer bei den Fahrten zum Bestimmungsort Transporte aufnehmen können. Dass aber ein LKW von Sofia mit Bestimmungsort Hamburg aufbricht, dort entlädt und noch über Monate hinweg in Deutschland weitere Fahrten, die mit dem ursprünglichen Auftrag gar nichts mehr zu tun haben, absolviert, soll damit unterbunden werden. Dadurch nämlich kam es zu dem Missstand, dass viele der ausländischen Berufsfahrer ihre wöchentliche Ruhezeit in der Kabine der Zugmaschine verbrachten. Aus diesem Grunde wurde zusätzlich das Übernachtungsverbot in den Führerhäusern eingerichtet. Es gilt nicht für die normale Tagesschicht. Schliesslich ist es ja auch Autofahrern erlaubt, mal eben rauszufahren um ein kurzes Nickerchen zu machen – besser als Sekundenschlaf während der Fahrt. Alles andere widerspräche somit der Freizügigkeit. Experten empfehlen hierzu die nötige Infrastruktur zu schaffen: Motels mit bewachten Parkplätzen etwa. Künftig sollen Fahrer nurmehr vier Wochen am Stück unterwegs sein dürfen. Widerstand kommt jedoch erneut aus den osteuropäischen Ländern. So betonte Polens Verkehrsminister Andrej Adamczyk, dass es noch Nachverhandlungen bedürfe. Sein ungarischer Amtskollege Tabor Stelbaczkys sprach sogar von einem „eindeutig protektionistischen Ergebnis“.
Zuletzt noch ein Beispiel, wie sich Frachter bzw. Fahrer an Gesetze und Regeln halten. Zwischen dem Kasseler Westkreuz und dem Dreieck Kassel-Süd wurde vor der sanierungsbedürftigen Berghäuser Brücke auf der A44 eine Waage eingebaut, die während der Fahrt das Gesamtgewicht der LKW misst. Um die Brücke nicht noch weiterhin zu schädigen, besteht hier eine maximale Gesamtlast von 3,5 Tonnen. Wird dieses Gewicht überschritten, wird der LKW durch eine Schranke an der Weiterfahrt gehindert. Nur einen Tag nach der Freigabe übersah ein 72-jähriger Lenker die Fahrbahnbegrenzung, schlitterte mit seinem LKW rund 30 Meter weit über die Absperrung und krachte genau auf diese Waage. Verletzt wurde niemand. Der LKW hatte in einem Kühlaufhänger Schweinehälften geladen. Sein Gewicht: 40 Tonnen!
All das sorgt für ein mehr als schlechtes Image der gesamten Branche und führt verbunden damit auch zum Mangel an Nachwuchsfahrern. In West- und Mitteleuropa werden erfahrungsgemäss alle drei bis fünf Jahre neue Fahrzeuge angeschafft. Es wäre also kein Problem, technische Neuerungen innerhalb kürzester Zeit nahezu flächendeckend zum Einsatz zu bringen. Etwas länger dauert es schon bei den Diskont-Frächtern aus dem Osten, da diese zuhauf diese gebrauchten LKW aufkaufen. Wenn nun mit den Gigalinern noch grössere Kolosse auf die Autobahnen los-gelassen werden, ist über eine Dringlichkeit der Lösung dieses Problems gar nicht erst zu diskutieren.

Tipps für das Stauende:
- Warnblinkanlage so früh als möglich einschalten
- Häufiger Blick in den Rückspiegel (wird der LKW dahinter nicht spürbar langsamer – nach rechts oder links ausweichen)
- Wenn möglich auf der linken Spur einordnen
- Drei Wagenlängen Abstand zum Vordermann
- Rettungsgasse nicht vergessen – hier kann ein LKW notfalls auch zum Abbremsen ausweichen

Lesetipps:

.) Lkw-Unfall: Die Rettung (Die Roten Hefte, Band 81); Ernst-Peter Döbbeling/Rainer Zinsen; Kohlhammer W., GmbH 2005
.) Das große Buch der Lkw-Technik; Erich Hoepke; Motorbuch 2010
.) Fachkunde Nutzfahrzeugtechnik; Rolf Gescheidle/Berthold Hohmann; Europa-Lehrmittel 2015
.) Formeln für Berufskraftfahrer; Helmut Felder/Markus Moormann; Europa-Lehrmittel 2015
.) Berufskraftfahrer Lkw/Omnibus: Lehrbuch und Nachschlagewerk (Lehrbuch Verkehr); Hrsg.: Wolfgang Schlobohm u.a.; Verlag Heinrich Vogel 2015
.) Berufskraftfahrer: Weiterbildung LKW; ecomed Stock GmbH 2016
.) Der Lkw im europäischen Straßengüter- und kombinierten Verkehr: Verkehrspolitische, technische, logistische, kalkulatorische und ökologische Aspekte; Erich Hoepke; expert 1997
.) Osteuropäische Lastwagen & Busse: Tschechische Marken seit 1945 (Typenkompass); Michael Dünnebier; Motorbuch 2017

Links:

- bast.opus.hbz-nrw.de
- udv.de
- mlv.sachsen-anhalt.de
- www.adac.de
- www.oeamtc.at
- www.logistik-express.com
- www.dekra-roadsafety.com
- telematik-markt.de
- www.eurotransport.de
- presse.mercedes-benz.at
- www.volvotrucks.at
- www.radlobby.at

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Braunkohle – das stinkt zum Himmel

“Die Kommission hält es für wünschenswert, dass der Hambacher Forst erhalten bleibt.“
(Abschlussbericht der Kohle-Kommission)

Nach einem nahezu 21-stündigen Verhandlungsmarathon präsentierte dieser Tage die Kohle-Kommission Deutschlands das Ergebnis: Ausstieg aus der Braunkohle bis 2038, mit 27 von 28 Stimmen beschlossen! Wahrlich kein Grund zum Feiern! Schliesslich könnte der „Point of no return“ dann bereits schon überschritten sein. Von Nachhaltigkeit und Klimaschutz somit keine Spur – es ist eine Zumutung für unsere Kinder und Enkel. Deutschland hat sich zur Einhaltung des Klimaziels 2030 verpflichtet. Zudem müssen bis 2050 die CO2-Emissionen um 80 bis 95 % unter den Wert von 1990 gesenkt werden. Mit diesen Rauchbomben ist es wohl nicht möglich. Doch war es ohnedies zu erwarten, nachdem Grenzwerte und Tempolimits in Frage gestellt werden. Um es bildlich auszudrücken: Der Fussball wird noch weiter in Richtung des Tores getrippelt, doch keiner traut sich, den Torschuss abzugeben. Deshalb ist auch der Ausdruck des „historischen Kraftaktes“ (Ex-Kanzleramtschef und Vorsitzender der Kohlekommission Ronald Pofalla) ein Widerspruch in sich. Zudem sollte man sich nicht dermaßen überschwänglich selbst beweihräuchern, wenn zuvor tatenlos iim „politischen Wachkoma“ verharrt wurde, so Greenpeace-Deutschland-Geschäftsführer Martin Kaiser.
Schliesslich gehören kalorische Kraftwerke, die mit Braunkohle betrieben werden, zu den grössten Umweltverschmutzern unserer Zivilisation.
Braunkohle entsteht durch Druck und Luftabschluss aufgrund einer „Inkohlung“ der organischen Substanzen. Dabei sammeln sich abge-storbene Sträucher und Bäume im Moor an – Torf wird gebildet. Über-lagern nun zusätzlich Sedimente den Torf, so kommt es zum notwendigen Druck und dem Luftabschluss. Braunkohle besitzt einen wesentlich höheren Schwefelgehalt als Steinkohle. Daneben ist in der Rohkohle der Wassergehalt höher (bis zu 55 %). Zwischen 5 bis 20 % sind nicht brennbare Stoffe, die in Form von Asche entsorgt werden müssen. Braunkohle wird zu 90 % zur Stromerzeugung herangezogen, der Rest wandert als Briketts in private Öfen bzw. wird für die Herstellung von Montanwachs oder als Ersatz von Rindenmulch verwendet. Der Heizwert der getrockneten Braunkohle beläuft sich auf rund 1/3 jenes der Steinkohle. Entstanden ist sie vornehmlich im Tertiär (bis etwa 2 Millionen Jahre vor heutiger Zeit). Die deutsche Bundesanstalt für Geowissen-schaften und Rohstoffe schätzt das weltweite Braunkohle-Aufkommen auf rund 283,2 Milliarden Tonnen – davon 40,8 Milliarden in deutschen Landen. Bei gleichbleibender Förderung von 966,8 Millionen Tonnen per anno könnte alsdann der Bedarf bis zum Jahr 2300 gedeckt sein. Gefördert wird Braunkohle in Deutschland in der Niederrheinischen Bucht (RWE Power AG) sowie im Mitteldeutschen (MIBRAG) und Lausitzer Revier (LEAG) im Tagebau. In Österreich wurde im Bundesland Oberösterreich bis zur Mitte der 90er-Jahre auch untertage abgebaut. Der Energieträger hielt die komplette DDR am Laufen. Recherchen ergaben, dass seit 1949 250 Ortschaften deshalb abgebaggert und 80.000 Menschen umgesiedelt wurden. Die Bagger standen bis kurz vor Cottbus und Leipzig.
Bei der Verwendung dieser Kohle gibt es nun zwei ganz entscheidende Nachteile:

1.) Bei der Gewinnung im Tagebau wird die komplette Ökologie zerstört! SIe werden dies bei Vergleichsbilder des Hambacher Forsts gesehen haben. Alle Pflanzen- und Tierarten fallen den Baggern zum Opfer. Auch die Rekultivierung nach dem Abbau schafft anstelle eines über Jahrtausenden entstandenen Naturjuwels nur eine künstliche Landschaft, die ebenfalls wieder Jahrhunderte brauchen wird, bis sie sich erholt hat. Apropos Jahrhunderte: Auch das Grundwasser benötigt in etwa diese Zeit, bis es entsprechend verwendet werden kann. Der als „Abraum“ bezeichnete Bodenanteil aus Sedimentpaketen ist nämlich ein über Jahrhunderte gewachsener Leiter und Filter für das Grundwasser gewesen. Das komplette Grundwasser muss während des Abbaus abgepumpt werden („gesümpft“). Damit geht es alsdann dem Trinkwasser an den Kragen. Die Niederrheinische Bucht ist mit einer Fläche von rund 6.000 km2 die wichtigste Grundwasserreserve Nordrhein-Westfalens. Bereits heute schon sind mit 3.000 km2 rund zehn Prozent der Landesfläche NRWs durch die bergbaubedingte Absenkung des Grundwasserspiegels betroffen. Experten sprechen von einem „hydrologischen Infarkt“, sollte die Braunkohlenutzung unverändert bis zum Jahr 2045 weiter fortschreiten. Alleine im Jahr 2017 wurden nicht weniger als rund 562 Millionen Kubikmeter Grundwasser gesümpft. Auswirkungen waren nicht nur in deutschen (beispielsweise im Raum Mönchengladbach), sondern auch in niederländischen Brunnen zu spüren. Ein fatales Vorgehen, sollte sich der trockene Sommer von 2018 vermehrt wiederholen. Damit ein Eindruck entsteht, über welche Ausmaße wir hier sprechen: Bis Ende 2017 lag der Flächenverbrauch durch Braunkohle-Tagebau bei insgesamt 32.995 ha – nur im Rheinland. Rekultiviert wurden bis zu diesem Zeitpunkt 23.270 ha – der Rest ist noch aktuelle Betriebsfläche. Über 17.000 ha sollen bis 2045 bearbeitet werden. Dieser rekultivierte Boden braucht über Jahre hinweg besondere Pflege, da ihm die kompletten Nährstoffe des Humus entzogen wurden. Und Wasser! Bis sich hier wieder ein halbwegs funktionierendes Trennungs- und Sickerungssystem durch die natürliche Schichtabfolge gebildet hat, geht Jahr um Jahr vorüber. Bis dahin gelangt kontaminiertes Kippenwasser in die Grundwasserreservoirs.

2.) Der in der Braunkohle enthaltene Schwefel wird durch die Verbrennung zu Schwefeldioxid. Dieses war in den 70er und 80er Jahren entscheidend für den sauren Regen verantwortlich, da aus dem Gas in Verbindung mit Wasser Schwefelige Säure entsteht. Und der bislang im Boden gebundene Kohlenstoff wird als Kohlendioxid in die Atmosphäre abgegeben, ohne wie etwa beim Holz einen Ausgleich zu schaffen. Somit tragen diese fossilen Brennstoffe zu einem wesentlichen Teil am Klimawandel bei. Ausserdem sind in den Abgasen Schwermetalle (wie Quecksilber) und Feinstaub. In modernen kalorischen Kraftwerken können durch entsprechende Filter das Schwefeldioxid (zu 90 %) und die Flugasche (zu 99,5 %) herausgefiltert werden. Bleiben also neben den Schwermetallen vornehmlich der Wasserdampf, Stickoxide und das CO2. Moderne Braunkohleblöcke stossen pro erzeugter Kilowattstunde 980 – 1230 g Kohlendioxid aus. Im Vergleich dazu Gas- und Dampf-Kombi-Kraftwerke: 410 – 430 g CO2/kWh – das ist weniger als die Hälfte!!! Durch die CCS-Technologie könnte das CO2 vom restlichen Abgas getrennt werden. Im Jahr 2008 errichtete der Energiekonzern Vattenfall im brandenburgischen Schwarze Pumpe eine solche Versuchsanlage. Der dadurch entstandene Kohlenstoff sollte unterirdisch gespeichert werden. Das Resultat: Der Wirkungsgrad der Anlage war weitaus geringer als bei anderen vergleichbarer Grösse, der Kohlebedarf dadurch weitaus höher. Und schliesslich lehnten sich die Bürger des Ortes gegen die Lagerung des Kohlenstoffes auf.
Ein Beispiel gefällig? Das RWE-Kohlekraftwerk BoA 2/3 Niederaußern bläst nicht weniger als 32 Millionen Tonnen CO2 jedes Jahr in die Atmosphäre. BoA ist die Abkürzung für „Braunkohlekraftwerk mit optimierter Anlagentechnik“ – es handelt sich hierbei also um ein moderneres Kraftwerk, das dennoch pro Kilowattstunde 950 g CO2 ausstösst (alle Angaben: BUND). Und dann waren da noch die CO2-Emissions-Zertifikate. Nach Angabe von BUND soll der Konzern RWE dafür bis zum Jahr 2012 überwiegend nichts bezahlt haben – dennoch sollen die fiktiven Kosten an die Stromverbraucher weitergereicht worden sein. Das Problem der Stickoxide könnte durch den Einbau von Katalysatoren oder der Zufuhr von Harnstoff (wie beim Dieselmotor) zumindest um zwei Drittel gelöst werden. Derartige Katalysatoren sind seit den 1980er-Jahren ein ausschlaggebender Faktor für die Betriebsbewilligung von Steinkohlekraftwerken. Einzig: Es kostet sehr viel Geld! Deshalb versuchen die Kraftwerksbesitzer seit Jahren, die EU-Schadstoffgrenzwerte auf ein höheres Niveau zu bringen. Da kommt ihnen die derzeitige Diskussion über die Grenzwerte durchaus mehr als gelegen!

Diese Kraftwerke sind zumeist abbaunah errichtet worden. Dadurch kann auch die Prozesswärme nicht etwa als Fernwärme für Haushalte oder Betriebe verwendet werden (Kraft-Wärme-Kopplung) – der Wasserdampf wird ebenfalls ausgestossen, die Wärme entweicht ungenutzt. Bei Alt-Kraftwerken sprechen wir somit über einen Wirkungsgrad von gerade mal 30 %, bei BoAs von 40 %. Zum Vergleich: Jener eines Gas-Kraftwerkes mit dieser KW-Kopplung liegt bei über 80 %.
Klar – es gibt einige kleine Eingeständnisse. So sollen in den kommenden vier Jahren 24 Kohleblöcke vom Netz gehen, viele davon dürften eigentlich gar nicht mehr laufen. Einige davon sind älter als 50 Jahre! Nach Angaben des Energieverbandes BDEW sollen alsdann in den kommenden 20 Jahren 45 Gigawatt an derzeitiger Kohle-Leistung ersetzt werden. Dadurch leiste man einen wesentlichen Anteil zum Klimaschutz, weiss der Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung Stefan Kapferer. Auch bei der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie zeigt man sich zufrieden: Durch dieses Ergebnis könne man die Beschäftigten vor sozialen Härtefällen schützen. Alles eitel Sonnenschein! Doch kommt ein solcher Kompromiss um Jahre zu spät!
Kalorische Kraftwerke sind vornehmlich dazu bestimmt, Schwankungen bei den erneuerbaren Energieproduzenten wie Sonne und Wind auszu-gleichen. Der Kohlestrom-Anteil ging ohnedies die letzten Jahre zurück. Schliesslich muss es zu jeder Abschaltung Alternativen geben. Bedenkt man, dass bis 2022 die Atommeiler runtergefahren werden, besteht nach wie vor grosser Nachholbedarf an Ökostrom-Anlagen und Speicher-möglichkeiten. Beides war schlichtweg wesentlich teurer als der Kohle- oder Atomstrom, weshalb entsprechende Pläne immer wieder nach hinten geschoben wurden.
Ich möchte fairerweise hier nicht verheimlichen, dass ein ganzer Industriezweig mit sehr vielen Arbeitsplätzen von dieser Entscheidung betroffen ist (rund 21.000 bundesweit) So beschäftigt etwa RWE nur im Tagebau Hambach 4.600 Arbeitnehmer, 1.300 davon in der Förderung und 1.500 in der Veredelung der Braunkohle. Vor allem im rheinischen, dem mitteldeutschen Kohlerevier und Lausitz blickte man deshalb gespannt nach Berlin. Jetzt werden milliardenschwere Strukturwandel-Programme die riesigen Löcher in Mutter Erde stopfen und die betroffene Bevölkerung dadurch abfangen. Der Vorschlag der Kommission beläuft sich auf 40 Milliarden Euro.

https://www.youtube.com/watch?v=91kUj69_iZI

Der Kraftwerksbetreiber Vattenfall, aber auch der BayWa-Konzern haben nun angekündigt, so richtig in die Tagebau-Regionen zu investieren. Geplant sind riesige Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen, die etwa alleine in der Region Lausitz rund 40 Gigawatt Energie liefern könnten – das entspräche der Leistung von 40 Atomkraftwerken (Quelle: Handelsblatt). Dadurch könnten zudem tausende neue Arbeitsplätze entstehen. Auch der Ökostrom-Produzent Greenpeace Energy will hier mitmischen. Geplant ist der Ankauf des Rheinischen Reviers, die sukzessive Stilllegung und Installation von Wind- und Sonnenparks. Erwartete Gesamtleistung: 8,2 Gigawatt. Wieso gibt es derartige Projekte erst jetzt, kurz vor 12.00 Uhr???
Einen Text über Braunkohleabbau zu verfassen und dabei den Hambacher Forst aussen vor zu lassen, wäre ein nicht wieder gut zu machender Fauxpas. Deshalb hier noch einige Informationen, damit auch Nicht-Anrainer die wilden Proteste dort verstehen können. Der Tagebau in Hambach wird gerne als „das grösste Loch Europas“ bezeichnet. Im Jahr 1978 begann der Abbau in der Niederrheinischen Bucht bei Köln. Bagger der RWE Power AG graben seither auf einer Fläche von 85 Quadrat-kilometern bis zu 450 m tief in die Erde um das begehrte Gut zu fördern. Bis 2040 sollten nicht weniger als 2,4 Milliarden Tonnen Braunkohle gefördert werden. Das Erdmaterial über der Kohle (2,2 Milliarden m3) wurde zur Sofienhöhe aufgeschüttet, einer künstlichen Hügellandschaft von 10 Quadratkilometern und bis zu 280 m Höhe. Die Pläne von RWE sehen vor, nach dem Abbau einen riesigen See aufzufüllen. Dafür soll über eine eigens angelegte Pipeline Rheinwasser herangeführt werden, das jedoch zuerst aufbereitet werden muss. Wissenschaftler und Umweltschützer befürchten jedoch, dass der Kunstsee aufgrund der Schadstoffe der umliegenden Region mit der Zeit versauert. Auch hier einige Zahlen: Grösse 4.000 ha, Fassungsvermögen 4 Milliarden Kubikmeter (die doppelte Menge des Chiemsees), jährliche Wasserent-nahme vom Rhein 270 Millionen Kubikmeter.
Der Hambacher Forst beherbergt viele geschützte Pflanzen und Tiere, wie die Winterlinde, die Bechsteinfledermaus, den Springfrosch und die Haselmaus. Daneben ist immer wieder der ebenfalls geschützte Mittelspecht (Rote Liste II) zu hören und rund 2.000 Arten von Käfern und anderen Insekten zu finden. Biologen schliessen eine Wiederansiedelung in rekultiviertem Gebiet aus. Obgleich alle Kriterien der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie im Hambacher Wald erfüllt sind, wurden nur drei Gebiete mit einer Gesamtfläche von 155 ha als Natura 2000-Gebiete ausgewiesen. Die Naturschutzorganisation BUND geht deshalb hart mit der Landesregierung zu Gericht: Das sei rechtswidrig! Daneben habe es weder eine Umweltverträglichkeitsprüfung noch eine FFH-Verträglichkeitsprüfung gegeben.
Derzeit ruhen die Abholzungen aufgrund eines gerichtlichen Entscheides. RWE rechnet damit, dass ab Ende 2019 die Maschinen in der obersten Sohle still stehen werden. Dann hat nämlich die Abbruchkante den Waldrand des Forstes erreicht. Die tiefer gelegenen Sohle folgen rasch nach und nach. Wie es dann weitergehen wird, ist noch unklar – ein bestandsfester Gerichtsbeschluss des Verwaltungsgerichtes Köln wird nicht vor Ende 2020 erwartet. Auch die Kohle-Kommission hat empfohlen, den mehr als 12.000 Jahre alten Wald (erste urkundliche Erwähnung im 10. Jahrhundert während der Herrschaft Kaiser Ottos II.) nicht anzutasten. Stellt sich abschliessend nur die Frage, ob der Konzern auf die 4.100 ha verzichten will!!!

Lesetipps:

.) Unternehmen Braunkohle. Geschichte eines Rohstoffs, eines Reviers, einer Industrie im Rheinland; Arno Kleinebeckel; Greven 1986
.) Die Braunkohlenindustrie in Mitteldeutschland. Geologie, Geschichte, Sachzeugen; Otfried Wagenbreth; Sax 2011
.) Auf der Straße der Braunkohle: Eine Entdeckungsreise durch Mitteldeutschland; Hrsg.: Dachverein Mitteldeutsche Straße der Braunkohle; Pro Leipzig 2009
.) Stoffliche Nutzung von Braunkohle; Hrsg.: Steffen Krzack/Heiner Gutte/Bernd Meyer; Springer 2018
.) Das Bergbau-Handbuch; Hrsg.: Wirtschaftsvereinigung Bergbau; Glückauf 1994
.) Klütten und Kraftwerke. Impressionen aus dem Norden des rheinischen Braunkohlenreviers; Manfred Coenen/Volker Schüler; Sutton Verlag GmbH 2016
.) 50 Jahre mitteldeutscher Braunkohlenbergbau. Festschrift zum 50jährigen Bestehen des Deutschen Braunkohlen-Industrie-Vereins 1885–1935; Hrsg.: Deutscher Braunkohlen-Industrie-Verein; Knapp 1935
.) Braunkohle an Rur und Inde; Manfred Loenen/Volker Schüler; Sutton 2011

Links:

- www.braunkohle.de
- www.bgr.bund.de
- www.umweltbundesamt.de
- mwe.brandenburg.de
- www.bund-nrw.de
- www.group.rwe
- www.bergbau.sachsen.de
- www.et-energie-online.de
- kohlenstatistik.de
- www.umweltlexikon-online.de

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The Cleaners – so viel Schmutz

Im Kino ist vergangenen Sommer eine Doku angelaufen (inzwischen auch auf DVD), die durchaus empfehlenswert wäre, mal wieder die Popcorntüte auszupacken – sofern dieses Ihnen nicht im Rachen stecken bleibt: „The Cleaners“ berichtet über jene mehr als 100.000 Menschen, die das Internet und v.a. die Social Media wie Facebook, Twitter und Instagram, aber auch die unzähligen Apps säubern. Doch nicht den Staub oder das Nicht-mehr-Gebrauchte mit dem üblichen Reinemachen, sondern viel-mehr von Hass, Schmutz, Pornos, Pädophilie, Tierquälerei und vieles andere mehr. Eigentlich tragisch, dass eine derartige Kontrolle im WWW nötig ist, doch befinden sich viel mehr moralisch nicht mehr vertretbare Asoziale auf den Datenhighways rund um den Globus als man annehmen könnte. Idioten, deren Grosseltern sich sofort von Facebook abmelden würden, wenn sie die Bilder oder Videos ihrer eigenen Enkel sehen oder das lesen, was diese schreiben („Grandma-Problem“).
Bezahlt werden sie von den großen Platzhirschen der digitalen Welt – mit einem Minilohn von sage und schreibe rund 312,- US-Dollar/Monat. Deshalb agieren sie auch in Billiglohnländern wie den Philippinen. Doch kann dieser Gehalt, dieses wenige an Geld niemals das rechtfertigen, was sie tagtäglich zu sehen bekommen. Der kritische Punkt soll nach Aussage der Betroffenen irgendwann zwischen dem dritten und fünften Monat kommen. Deshalb macht diesen Job auch niemand sehr lange, außer er verliert jegliches Gefühl von Moral: Albträume, Phobien, Verfolgungswahn – posttraumatische Belastungsstörungen sind nur einige wenige der psychischen Konsequenzen, mit welchen diese Menschen leben müssen. Vergewaltigungen, Ermordungen, Folterungen, grauenvolle Unfälle – es ist der pure Wahnsinn, was von manchen Usern in’s Netz gestellt wird. Und die meisten sind sogar noch stolz darauf!!! Die sog. „Klick-Arbeiter“ (Formulierung aus einer Anhörung in Washington) entscheiden im Akkord, ob Videos, Bilder oder Texte zumutbar sind oder gelöscht werden müssen. Schliesslich ist die Macht des Internets nicht zu unterschätzen. Der Arabische Frühling und damit der Sturz vieler Machthaber fand vornehmlich über die Social Medias wie YouTube, Twitter und Facebook statt. In Myanmar führten Fake-News und Hasspostings zu einem sehr blutigen Pogrom, in dem viele Menschen ihr Leben lassen mussten. US-Präsident Donald Trump twittert täglich seine Entscheidungen – in Personalrochaden sogar noch bevor es der Entsprechende selbst weiss. Autokraten, wie auch der türkische Staats-chef Erdogan oder der chinesische Staatschef Xi Jinping, blockieren immer wieder Plattformen. Die digitale Welt hat schon längst eine zweite Realität aufgebaut, in der niemand mehr wirklich zwischen Wahrheit und Unwahrheit unterscheiden kann.
Die sog. „Content-Moderatoren“ tragen das Ihre dazu bei, die Daten-Autobahnen von all dem Schmutz und Exkrementen der Gesellschaft zu säubern. Ein Zehn-Stunden-Job, der bis auf die Knochen geht. Und ja: Es ist ein wichtiger Job! Schliesslich soll Perversen nicht die Möglichkeit gegeben werden, Millionen nicht-perverser Menschen anzusprechen. Allerdings auch ein sehr umstrittener Job! Liegt doch nicht alles wirklich und eindeutig auf dem Tisch, damit man es wegwischen kann. Wird das Posting eines chinesischen Polit-Aktivisten gelöscht, so ist dies ganz eindeutig Meinungsbeeinflussung. Weisen etwa Umweltorganisationen mittels Schockvideos darauf hin, wie nahe unsere Erde wirklich am Abgrund steht, indem sie ölverschmierte See-Vögel, gequälte Tiere aus Tiertransportern oder Insekten im Todeskampf zeigen – wenn derartiges gelöscht wird, ist das Zensur. Niemand kann dann noch aufstehen und sagen: „Es reicht!“, da die Information hierzu fehlt. Einseitige Bericht-erstattung – ein Gräuel für jeden verantwortungsvollen Journalisten. Deshalb gehört es zur wichtigsten Aufgabe dieser Branche, zu entscheiden, wie etwas geschrieben bzw. weitergegeben wird, mutiert doch die einfache Information als Basis für die Meinungsbildung sehr rasch zur Meinungsbeeinflussung. Im schlimmsten Fall kann das Aufdecken so manchen Missstandes einem breiten Publikum nicht mehr nahe gebracht werden. Das war niemals im Interesse der Erfinder des Internets. So mancher dieser Content-Moderatoren hat schon nach kurzer Zeit verständlicherweise das Fingerspitzengefühl für diese Grat-wanderung verloren. Und so kommt es immer wieder vor, dass hochgelobte Werke aus dem Bereich der darstellenden Kunst plötzlich nicht mehr auf Facebook und Co zu sehen sind, da primäre Geschlechtsteile darauf abgebildet wurden. Die Welt wäre um viele grossartiger Kunstwerke auch von da Vinci, Rubens, Manet, Goya oder Picasso, über deren Stellenwert in der Kunst wohl nicht diskutiert werden muss, ärmer, hätten sie nicht auch die weibliche Brustwarze darstellen dürfen. In den Social Medias werden diese sofort gelöscht. Obwohl sie für uns alle als Säugling eine lebenswichtige Bedeutung hatte.
Wer entscheidet, wann beispielsweise die Satire das Spielfeld verlassen hat und nurmehr beleidigt? Auch der UN-Sonderbeauftragte für Medien, David Kaye, warnt vor einem solchen Szenario. Etwa wenn Aufnahmen aus Kriegsgebieten gelöscht werden, die nachweisen könnten, dass es zu Gräueltaten gekommen ist, dass die abgestrittenen Luftschläge doch stattfanden, dass verbotenes Giftgas eingesetzt wurde … Nur rund 3 % der Fälle werden von den Vorgesetzten der Minimallöhner entschieden.
Nicht, dass Sie mich nun falsch verstehen: Auch ich bin der Meinung, dass vieles keine Daseinsberechtigung als Bit oder Byte hat und weg sollte. Eine Frage der Ethik und Moral. Und genau über diese sehr wichtigen Werte entscheiden unterbezahlte, traumatisierte Menschen meist ohne Ausbildung. Na ja, höre ich da schon die ersten sagen: Eine Enthauptung oder eine Bombenexplosion mit Opfern, denen die Gliedmaßen abgerissen wurden, das kann wohl jeder erkennen und löschen. Versetzen Sie sich mal bitte in die Lage dieser bedauernswerter Reinemacher. Sie sitzen täglich zehn Stunden in einem Grossraumbüro und starren unentwegt auf den Monitor. Dabei sehen Sie das Grauenvollste unserer Zivilisation. Zumeist schlimmer, als es die Traumfabrik Hollywood in ihren Horrorfilmen darstellen darf. Delete oder Ignore! Ehrlich? Ich würde bereits nach spätestens einer Stunde das Handtuch werfen und mich an den Schöffel-Werbespot halten: „Ich bin raus!“ Vor allem wenn der erste Kinderporno ansteht!

https://www.youtube.com/watch?v=1EAGKklGOdA

In der Doku ist u.a. ein Mann zu sehen, der meint, dass er über 100 Enthauptungen islamistischer Extremisten habe sehen müssen. Er könne inzwischen sogar sagen, ob das Schwert scharf oder stumpf war. Wenn nun viele Jugendliche als sog. „Gaming-Opfer“ zu Amokläufern werden: Was hält dann diese Menschen davon ab, nachts massakrierend durch die Strassen Manilas zu laufen? Schlimmer, als das was sie jeden Tag sehen, wird’s schon nicht werden.
Ich denke mir, Sie werden verstehen, weshalb ich nun keine Beispiele bringen werde. Mit einer Ausnahme: Hasspostings! Auf dieses Thema werde ich im Folgenden etwas genauer eingehen. Unter „Hate Speech“ oder „Hassposting“ versteht man, wenn ein Mensch absichtlich mit Worten oder nachbearbeiteten Bildern angegriffen oder abgewertet wird. Derartige Postings sind zumeist rassistisch, sexistisch oder antisemitisch. Sie betreffen Menschen anderer Hautfarbe, anderer Religion, anderer sexueller Ausrichtung usw. Dabei reicht es beispielsweise bereits, wenn jemand die Aussage tätigt, dass z.B. „alle dieser Hautfarbe abartig sind“! Kommt dann vielleicht noch eine Verschwörungstheorie hinzu, wie z.B. „alle Mitglieder dieser religiösen Vereinigung werden 2020 die Welt-herrschaft übernehmen“, ist die Sache komplett. Dabei sass der Betreffende vielleicht etwas angetrunken des nächtens am PC – im nüchternen Zustand hätte er das wohl nicht verfasst. Oder doch? Völlig egal ob nüchtern, betrunken oder eingeraucht – gibt es in dem entsprechenden Staat kein passendes Gesetz für Hasspostings, so werden in den meisten Fällen Straftatbestände erfüllt:
- üble Nachrede
- gefährliche Drohung
- Cyber-Mobbing
- Verhetzung
- Wiederbetätigung …
Hasspostings sind kein Spass! Damit Trittbrettfahrer nicht aufspringen und es nachmachen, muss dagegen vorgegangen werden, da auch in der zivilisierten Welt Zustände wie in Myanmar durchaus möglich sind. Die schon längst nicht mehr den ursprünglichen Zielen folgenden Demonstrationen der Gelbjacken in Frankreich werden wohl zum grössten Teil via Internet organisiert und angefeuert. Oder die Demonstrationen von Rechtsradikalen in Chemnitz.
Jeder kann gegen derartige Hasspostings vorgehen:
Zuallererst ist es wichtig, Beweise zu sichern. Dazu sollte ein Screenshot angefertigt und abgespeichert werden. Nun kann der Betroffene gemeldet und blockiert werden. Ist man selbst Opfer solcher Postings, kann mit den Screenshots auch Anzeige bei der Polizei erstattet werden. In anderen Fällen geht es um die Parteienstellung, soll heissen, dass nicht jeder etwa eine bösartige Beleidigung gegenüber eines anderen anzeigen kann. Das könnte zu einer abgewiesenen Klage oder Einstellung des Verfahrens führen, obgleich vielleicht eindeutige Beweise vorliegen. Bei der Wiederbetätigung hingegen ist es möglich! Aber nur mit Beweisen!!! Ob ein Gegenargument sinnvoll ist oder nicht, muss jeder selbst entscheiden. Wenn ja, sollte dies auf alle Fälle auf einer sachlichen Ebene erfolgen. Wichtig ist zudem, dass nicht alles im Internet für bare Münze genommen werden sollte. So würde ich inzwischen jede Aussage des vorhin bereits angesprochenen US-Präsidenten zuerst auf seinen Wahr-heitsgehalt hin überprüfen („Was geschah letzte Nacht in Schweden?“, „In Finnland gibt es keinen Waldbrand, weil der Waldboden sauber und aufgeräumt ist!“ …). Er toppt sich nahezu täglich mit Fake-News!
Mark Zuckerberg, der Erfinder von Facebook, behauptete einst, dass Netzwerke wie das seine eine bessere Welt schaffen würden. Mag sein, aber: Hat er dabei das Schlechte dieser Welt unterschätzt???

Filmtipp:

.) The Cleaners; Drehbuch und Regie: Hans Block, Moritz Riesewieck; Gebrüder Beete Filmproduktion 2018

Lesetipps:

.) Digitale Öffentlichkeit: Neue Wege zum ethischen Konsens; Christian Kolbe; Berlin University Press 2008
.) Recht und Ethik im Internet / Law and Ethics on the Internet; Hrsg.: Joachim Hruschka/Jan C. Joerden; Duncker & Humblot 2018
.) Straftaten in virtuellen Welten: Eine materialrechtliche Untersuchung; Sebastian Bosch; Duncker & Humboldt 2018

Links:

- www.taskus.com
- www.help.gv.at
- www.bpb.de
- www.onlinesicherheit.gv.at
- www.bkms-system.net
- www.saferinternet.at
- www.ispa.at
- www.stopline.at
- www.zara.or.at
- www.watchlist-internet.at
- www.staysafe.at
- www.hoax-info.de
- www.mimikamera.at
- www.beratungsstelleextremismus.at
- www.yourreputation24.com

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