Archive for März, 2010

Der grosse Blonde mit dem – na ja nicht immer – schwarzen Schuh!

Er gilt als der derzeit umstrittenste Showmaster im deutschsprachigen Raum: Thomas Gottschalk! Bei so manch Einem steht er auf der Abschussliste ganz oben – doch ich denke: Unberechtigt!!!
“Wetten, dass…” bedeutet Samstagabend-Unterhaltung für die ganze Familie auf der heimischen Couch. Doch: Was fruher die Strassen leer fegte, ist heutzutage immer mehr der bessser wissenden Kritik ausgesetzt. Dabei sollte eines auf gar keinen Fall vergessen werden: Die Show ist die einzig erhalten gebliebene grosse Samstagabend-Show im deutschsprachigen Raum, deren Schwerpunkt nicht in der Musik liegt, denn schliesslich gibt es auch noch den Andy Borg, den Arnulf Prasch, die Carmen Nebel und auch den Florian Silbereisen (um nur einige in alphabetischer Reihenfolge zu erwähnen). Doch sind ihre Sendungen vornehmlich musikalisch ausgerichtet!
Die Samstagabend-Show ist noch ein Rest-Überbleibsel aus den 60ern und 70ern des 20. Jahrhunderts, also aus jenen Zeiten, in welchen gerade mal ein Fernsehgerät pro Haushalt sein Dasein fristete. Bei Hans-Joachim Kulenkampf, Peter Frankenfeld, “Blacky” Fuchsberger machte es sich die ganze Familie gemütlich -  auch die Kinder, die unter der Woche nur bis zum Sandmännchen schauen durften. Die Showmaster wurden als Halbgötter in den Olymp der Fernsehstars gehievt. Das war die wirklich grosse Welt! In den 80ern dann hatte der eigentlich bei Radio Luxemburg gross gewordene Frank Elstner die Idee zu “Wetten, dass…”. Die Quote gab ihm Recht – es war ein mehr als erfolgreiches Format, das noch Tage danach für Gesprächsstoff sorgte. Dann aber kamen die privaten TV-Stationen auf, das Angebot wurde grösser, der Blick in die Welt einfacher und schneller – es begann die Reizüberflutung über die Mattscheibe! Die bislang unerreicht gebliebenen Unterhalter verabschiedeten sich nach und nach in die Pension. “Wetten, dass…” aber blieb. Das Zweite Deutsche Fernsehen suchte sich einen Platz in einer Nische – ab sofort sollte vornehmlich die ältere Zielgruppe beliefert werden, da sich die Privaten auf die hippen Jungen stürzten. “Wetten, dass…” allerdings sollte auch weiterhin den Geschmack aller Zuschauer treffen. Deshalb wurde versucht, eine Gratwanderung anzustellen: Schlager und Oldies etwa für das Zielpublikum des ZDF, gemischt mit Pop und zeitweise Rock für die Zielgruppe der Privaten. Dementsprechend wurden die Wettpaten ausgesucht. Die Show blieb Quotenkönig, was sie auch heute noch (in ihrem Format) ist!

Selbstverständlich sind die Akteure im Laufe der Jahre gealtert. So manchen Spruch haben wir sicherlich schon mal gehört, so manche Wette war schon mal interessanter! Doch das ist die Erscheinung der Zeit, unserer globalisierten Welt. Wir haben einfach mehr Möglichkeiten, über unseren Tellerrand hinaus zu sehen! Mit diesem Problem kämpfen auch die heimischen Musikstars: Galt der Deutsch-Rock oder Austropop früher als das Maß der Gefühle, so bestimmen gegenwärtig vornehmlich amerikanische und britische Pop- und Rock-Grössen die Charts. Doch der Lauf der Zeit beschreibt ein “O” (siehe auch Chronobiologie!) – es kommt alles wieder! Gottlob auch die deutschsprachige Musik!
Zurück zu Gottschalk & Co. Aufgrund der technischen Möglichkeiten kennen wir Extreme; die an sich ausgezeichnete Leistungen neben sich verblassen lassen. Wir werden über Satellit oder Internet vollgepflastert mit quotenträchtigem Material aus der ganzen Welt. Umso schwerer wird es, vor heimischen Kameras mitzuhalten. Andere Shows sind deshalb gleich nach ihrer Geburt wieder in der Schublade verschwunden – “Wetten, dass…” aber gibt es noch immer! Die Quote zeigt es auch auf, dass die Show nach wie vor gut angenommen wird. Nichts ist leichter als der Griff zur Fernbedienung, sollte etwas nicht gefallen. Wenn Sie nun die Kritiken nach einer solchen Sendung durchlesen, so fällt dabei eines auf: Einige der sog. “Meinungsbildner” haben Thomas Gottschalk zur “persona non grata” – zur unerwünschten Person erklärt. Da kann der Vorabend noch so gut gewesen sein, es hagelt Buh-Rufe. Zusätzlich gibt es die notorischen Nörgler, die v.a. in Foren ihr Unwesen treiben und teilweise die Show gar nicht mal gesehen haben. Trotzdem aber schimpfen sie wie die sprichwörtlichen “Rohrspatzen”.
Wenn das Format wirklich so schlecht ist, weshalb hat es denn nach wie vor eine zumeist zweistellige Quote, nach welcher sich die unmittelbaren Mitbewerber wie Dieter Bohlen etc. erfolglos strecken und dabei auch vor strafbaren, persönlichen Beschimpfungen nicht zurückschrecken???
Ok – da sind die Gebühren, die vornehmlich als Stein des Anstosses herangezogen werden. Doch mal ehrlich: Wer hat über den Aufwand der Berichterstattung bei den Olympischen Spielen in Vancouver geschimpft? Dabei hätten zwei bis drei Reporter bzw. Kameraleute vor Ort ausgereicht – die Moderatoren mitsamt ihrer Ko-Moderatoren könnten ihrem Tagewerk auch von zuhause aus nachgehen (machen ja andere Sportkanäle ebenso)! Und mit der Fussball-WM in Südafrika steht demnächst die nächste grosse Herausforderung an (auch in finanzieller Hinsicht!). Deshalb ist für mich diese Argumentation nicht stichhaltig!
Auf die Gefahr hin, dass ich mich “oute” (was mir ehrlich gesagt “wurscht” ist!): “Wetten, dass…” bleibt für mich DIE grosse, deutschsprachige Show, Samstagabend-Unterhaltung für die ganze Familie. Und wer anders als Thomas Gottschalk könnte die Sendung moderieren??? Möglicherweise wäre Hape Kerkeling ja hier goldrichtig – doch würde auch er mit der Zeit altern und somit uninteressant werden!!!

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As time goes by!!!

Mitte Februar sorgte ein Bericht in der Financial Times für ein unüberhörbares Rumoren in der Musikszene: Der offenbar finanziell angeschlagene Musikkonzern EMI (im Geschäftsjahr bis März 2009 soll ein kolportiertes Minus von 2 Mrd. Dollar erwirtschaftet worden sein; Quelle: Der Spiegel) will die legendären Abbey Road Studios verkaufen! Ein Sturm der Entrüstung fegte durch die Reihen v.a. jener einer ganz speziellen Spezies von Mensch: Den Fans der Beatles! In diesem wohl berühmtesten Gebäude im Londoner Stadtteil Westminster haben die Fab Four zwischen 1962 und 1969 rund 90 % ihrer Produktionen aufgenommen und gemastert – die Abbey Road No. 3 gehört seither zu einem Muss einer jeden Stadtrundfahrt. Die Plattenfirma EMI hatte das Gebäude 1929 gekauft – erster weltbekannter Interpret war der Wundergeiger Jehudi Menuhin, der 1932 als 16-jähriger hier seine ersten Masters aufnahm. Neben den Beatles und Cliff Richard mit seinen Shadows haben ganze Musikergenerationen wie etwa Pink Floyd oder auch Radiohead ihre Tonträger hinter dem weltbekannten Zebrastreifen aufgenommen und produziert.
Apropos “Produzieren”: In der Abbey Road kreiierte George Martin den unverwechselbaren Sound der Beatles und etwa jener von Gerry & The Pacemakers; aber auch John Barry (der spätere Komponist der James Bond Melodie) ging hier seinem Broterwerb nach. In der Abbey Road gaben sich neben den damaligen Top-Produzenten auch die Grössen der Pop-/Rock-Musik die Klinke in die Hand. Eine ähnliche Pilgerstätte existierte auch mit den Musicland-Studios in München (Queen, Elton John, Iron Maiden, BAP, Falco,…) – dieses von Giorgio Moroder gegründete Studio hat dicht machen müssen, da die gleich daneben vorbeifahrende U-Bahn zu viel Lärm und Erschütterungen verursachte.
Das Geheimnis dieser Studios lag zumeist in ihren Produzenten – Spezialisten ihres Faches, die viele Bands und Einzelinterpreten erst bekannt machten. Während sich die Popmusik immer mehr in Richtung Fliessbandproduktion entwickelte, blieb dies in der Rockmusik noch sehr lange so. Namen wie Rick Rubin, Phil Spector, Roy Thomas Baker oder auch Joe Boyd lassen bei so manchem Musikkenner ein Glänzen in den Augen aufkommen. Dies bestätigten mir auch zwei A&R-Manager, die ich bei der Recherche zu diesem Blog erreichte – herzlichen Dank dafür, denn diese “Spürhunde der Plattenindustrie” werden besser abgeschirmt als Politiker oder Wirtschaftsbosse! Der Markt war damals viel kleiner, Musiker haben einen guten Produzenten für die Dauer ihrer gesamten Karriere ihr “Allerheiligstes” überlassen – schlussendlich waren es auch die Producers, die Stars formten (zumindest deren Stil).
Heutzutage ist das Volk der Musiker (und solcher, die es gerne wären!) immens angewachsen. Damit selbstverständlich auch die Möglichkeiten der Produktion einer CD. Vermehrt wachsen Künstler in die Produzentenrolle, damit nimmt auch der Einfluss dieser einst so mächtigen Mischpult-Bediener zusehends ab. Für jeden einzelnen Produktionsschritt gibt es hunderte Alternativen – der Produzent wird zum austauschbaren Mitarbeiter (so hat Reamon die Songs einer seiner CDs von lauter unterschiedlichen Produzenten erarbeiten lassen). Aus der Pop-Musik sind noch zwei Beispiele der grossen “alten” Zeit zu erwähnen: Beeinflussten etwa “Stock-Aitken-Waterman” die auslaufenden 80er, so waren es die Berman-Brothers in den 90ern – heutzutage kennt sie kaum mehr jemand. Deshalb kann auch heute nicht mehr wirklich von “Hitgaranten” gesprochen werden.
Doch bestätigen auch Ausnahmen die Regel: So arbeiten beispielsweise die Rocker von Rammstein seit Anbeginn ihrer Karriere nach wie vor mit demselben Produzenten zusammen. Dieser erzielt einen roten Faden im Gesamtwerk eines Künstlers. Nicht zuletzt auch dadurch, da er die unterschiedlichen Charaktere der Mitglieder einer Band auf einen Nenner bringen muss – der Producer als Vermittler!
Übrigens ist nicht unbedingt der Weg über den grossen Teich erforderlich, um eine gute Produktion zu erhalten. Experten wie Andreas Herbig, Charly Bauer, Moses Schneider oder auch Olaf Opal sorgen dafür, dass erstklassige Arbeit den Weg in den CD-Player findet. Keine Frage – an den Ruf solcher Top-Grössen wie Bob Rock (Metallica/Bon Jovi), Bruce Fairburn (AC/DC) oder Tom Allom (Judas Priest) kommen diese wohl nicht ran, doch werden in der alten Welt eben kleinere Brötchen gebacken!!!
Kulturoptimisten allerdings betonen, dass es falsch wäre zu behaupten, dass nur zu früheren Zeiten die grössten Hits gemacht wurden. Wer weiss, wie es in 20 Jahren ausschauen wird? Werden dann auch Nickelback oder Mando Diao im Rockolymp direkt neben Van Halen, Saxon oder Deep Purple Erwähnung finden???
PS: Der A&R – Spezialist eines Major-Labels aus Berlin meinte, dass gegenwärtig nur verschwindend wenige Interpreten ihre Karriere über ein eingeschicktes Demo-Tape beginnen. Meist werden sie als Vorband, über das Internet oder durch Produktions- und Tourmanager entdeckt.
PPS: Die Abbey-Road-Studios stehen seit dem 23. Februar 2010 unter Denkmalschutz. Die britische Regierung will damit die historische Bedeutung dieses Hauses würdigen. So meinte etwa die Kulturstaatssekretärin Margaret Hodge: “In den Abbey-Road-Studios sind Teile der besten Musik der Welt entstanden!”

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Wie geht’s nun weiter???

Die Finanzkrise scheint überwunden, die Banker und Geldjongleure jubeln: Es geht wieder aufwärts! Die meisten Banken schreiben inzwischen wieder schwarze Zahlen – so etwa die Deutsche Bank, die dieser Tage einen Milliardengewinn anmeldete. Dieser resultiert vornehmlich aus den Hilfspaketen der Europäischen Zentralbank. 5,0 Mrd. Euro nach Steuern – ein Haufen Geld, das meiste davon streicht Vater Staat ein. Doch auch viele andere, nichtstaatliche Geldinstitute frohlocken bereits wieder.
Zwar werden die riskanten Geschäfte vorerst noch sehr vorsichtig angegangen, doch zaubern immer mehr Investoren wieder immer mehr Geld hervor. Sicherlich – die Spekulanten (wenn inzwischen auch verschrien) sind nichtsdestotrotz aktiv. So wird derzeit etwa der Rohölpreis künstlich nach oben getrieben, um damit den einen oder anderen Rubel abzusahnen. Doch kränkeln die Hedge-Fonds noch etwas. Kein Wunder, waren diese ja für einen Grossteil des Schlamassels in den vergangenen Monaten verantwortlich. Einige haben mit dem Leid der Anderen sehr viel Geld verdient – andere hingegen sehr viel auch damit verloren. Beispielsweise folgt gegenwärtig in Griechenland ein Streik dem anderen, da grossflächig gespart werden muss! Hier hat sich der Staat verspekuliert! Das kostet jetzt so manchem Bürger Kopf und Kragen.
Apropos Staat und Bürger: Die meisten Länder haben die Finanzwirtschaft in der Krisenzeit gestützt. Und dies mit Geld, das zumeist gar nicht zur Verfügung stand. Sehr viele der Banken, welchen es teilweise gar nicht so schlecht ging, haben diesen unerwarteten Geldsegen genutzt, um ihr Stamm- oder Grundkapital aufzubessern. Die Mittel allerdings weiterzugeben (wie eigentlich von den Politikern bezweckt), davon wurde tunlichst Abstand genommen. Selten zuvor war es derart schwierig, an einen Kredit heranzukommen. Jener aber ist für besonders klein- und mittelständische Unternehmen dringend erforderlich gewesen um zu überleben. Es folgten Kündigungen und Konkurse. Und das alles bei der eigentlichen Stütze der Wirtschaft eines wohl jeden Landes: Den sog. KMUs. Arbeitslosigkeit war einst verschrieen – jetzt hingegen kennen sicherlich auch Sie den einen oder anderen Nachbarn, den es getroffen hat! Oder vielleicht sogar Sie selbst? Da kann man noch so verlässlich gewesen sein und noch so gut gearbeitet haben, trotzdem muss gestempelt werden. Klar – die Arbeitgeber sind jetzt mit Wieder- oder Neu-Einstellungen sehr vorsichtig. Abwarten und Tee trinken (wer sich noch einen solchen leisten kann!), schliesslich sprechen Experten bereits von der nächsten Krise.
Headhunter aus vornehmlich China haben hierzulande Tabula rasa gemacht. So wurden etwa Banker, die im Westen ihren Job verloren haben, ins Reich der Mitte geholt. Sie nahmen ihre Verbindungen mit – es folgten Investitionen, die alles bisher geahnte weit übertroffen haben. Jetzt ist es nurmehr eine Frage der Zeit, wann etwa die Seifenblase China platzt, denn niemand weiss, ob die Finanzmittel, die hier investiert wurden, es auch wirklich wert waren. Doch wurde fleissig produziert, grossteils sogar unter Umweltauflagen, die aus Zeiten der Industriellen Revolution stammen! Kein Wunder also wenn die aufstrebenden Industrienationen aus dem Bereich der Schwellenländer sich gegen Auflagen des goldenen Westens stemmen. Schlussendlich hat ja doch so mancher Kommunist erkannt, dass es sich als Kapitalist wesentlich angenehmer leben lässt! Auch wenn dies wieder auf Kosten des kleinen Mannes/der kleinen Frau geht, die mit den ausbezahlten Löhnen nicht mal genug zum Leben haben!
Allerorts denken nun unsere Volksvertreter darüber nach, wie denn dieses Loch im Budget gestopft werden kann. Nur durch Einsparungen in den unterschiedlichsten Ressorts ist das wohl nicht zu bewerkstelligen. Also müssen neue bzw. höhere Steuern her. Mineralölsteuer, Tabaksteuer – immer wieder taucht auch die Mehrwertsteuer auf. Logisch – sie macht ja den grössten Batzen aus! Doch ich kann Sie trösten: So etwa ist seit dem 01. Januar 1993 die 6. Umsatzsteuerrichtlinie der EU in Kraft (EG-Umsatzsteuer-Richtlinie 77/388 EWG respektive 6. EG-Richtlinie). Was heute sehr viele bereits schmerzend zur Kenntnis haben nehmen müssen (starke Einschränkung der Steuerbefreiung etwa) hätte uns ohnedies alle getroffen – durch einen einheitlichen EG-USt-Satz von mehr als 20 %. All diese Massnahmen werden demfolgend auch bei uns zu vermehrten Kampfmassnahmen der Gewerkschaften und damit der Arbeitenden führen. Logischerweise ist es für sehr viele nicht einzusehen, dass die harterkämpfte Lohnerhöhung durch die Indexanpassung mir nichts dir nichts aufgefressen wird. Doch kommt dem Arbeitgeber dadurch das Personal immer teurer – also wird in solche Staaten ausgelagert, die niedrigere Löhne bzw. Lohnnebenkosten haben. Da beisst sich aber die Katze selbst in den Schwanz.
Übrigens – das Beste zum Schluss: Ein unabhängiges Gutachten hat in den USA nun bedeutendes hervorgebracht: Die Pleite der Lehman-Brothers, die ja als Höhepunkt der Finanzkrise angesehen wird, war bereits schon vorgezeichnet! Durch geschickte Bilanztricks und Buchungen wurden Anleger getäuscht, bis es wohl nicht mehr machbar war (siehe hierzu auch die Finanz-News vom 12.03. in Print, TV, Radio und Online).
Mir als kleiner Mann stellt sich jetzt die Frage: Ich habe Glück, dass ich eine Arbeit habe. Doch was mache ich mit dem verdienten Geld? Kaufrausch oder als Polster zurücklegen, für den Fall, dass ich arbeitslos werde??? Denn: Treffen kann es auch jetzt noch JEDEN!!!

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Bei Nacht und Nebel

1991 – ich machte im Sommer dieses Jahres Urlauberfunk für die deutschsprachige Mehrheit bei Radio Adria. Durchschnittliche Quote: 4-6 Mio – Werte, von welchen so mancher Radiosender heute nurmehr träumt. Kollegen, die bereits im Frühjahr vorort waren, erzählten mir von einer verdammt riskanten Ausfahrt über die italienisch-jugoslawische Grenze. Das Kapitel 1 der Balkankrise ist soeben aufgeschlagen worden: Der reiche Norden spaltete sich vom armen Süden ab. Was etwa in der Tschechoslowakei ohne Waffengewalt vonstatten gegangen ist, führte auf dem Balkan zu Massakern (auch an der Zivilbevölkerung!), Vergewaltigungen und Brandschatzungen. Aus ehemals gut befreundeten Nachbarn wurden bis auf die Zähne bewaffnete Feinde. Auch Teile des Österreichischen Bundesheeres waren mobilisiert – keine hundert Meter Luftlinie von der Grenze entfernt, fuhren Panzer auf, bombadierten Flugzeuge Ziele am Boden, tobte der Krieg. Ein Krieg, der alle Facetten der Grausamkeit beinhaltete. Viele sind geflohen um nicht massakriert zu werden, viele andere, weil sie nicht gegen ehemalige Freunde kämpfen wollten. Hauptauffanglager der Flüchtlichnge war natürlich der Nachbarstaat Österreich. Menschen wurden in praktisch allen Gemeinden des Landes aufgenommen, versorgt und betreut, schliesslich haben die meisten unter ihnen nur die Bekleidung retten können, die sie bei ihrer Flucht am Leib getragen haben.
Viele dieser Menschen sind inzwischen in ihr Heimatland zurückgekehrt. Andere hingegen haben einen Asylantrag gestellt und sind nach wie vor im Land. Die meisten sind bereits in die Dorfgemeinschaft eingebettet, die Kinder gehen in den Kindergarten oder zur Schule, Mutter und Vater sind am Arbeiten (soweit möglich). So etwa auch im Falle einer kosovarischen Familie im ansonsten so rührigen Röthis in Vorarlberg. Am 25. Februar begann hier das Ende einer Geschichte, die sich nun bereits über Jahre hinwegzieht. Gegen 04.30 Uhr in der Früh rückten Fremdenpolizisten mit Unterstützung der normalen Polizei aus, um die Familie mitsamt der beiden kleinen Kinder in Schubhaft zu nehmen und in weiterer Folge nach Pristina abschieben zu wollen. Doch hatten die Exekutivbeamten die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Der Bürgermeister von Röthis, Norbert Mähr hat sich mit einigen engagierten Bürgern des Ortes den Sicherheitsbeamten entgegengestellt und die Abschiebung auf friedlichem Wege vorerst gestoppt! Die Frage ist nur: Für wie lange!!!???
In Österreich gelten seit Jahresbeginn neue Regelungen im Asyl- und Fremdengesetz. Jahrelang dauerte bislang meist ein solches Asylverfahren, bis es so oder so beendet werden konnte. Jetzt wurde ein Asylgerichtshof eingerichtet, der für kürzere Verfahren sorgen soll. Wie auch in diesem Falle der vierköpfigen Familie in Vorarlberg. Schliesslich geht es darum zu unterscheiden, welche Menschen aus wirtschaftlichen Überlegungen um Asyl angesucht haben und welche wirklich unsere Hilfe benötigen. Sehr häufig ist der Übergang dabei fliessend, was die Sache nicht wirklich einfacher macht. In diesem Fall aus Röthis bescheinigte ein Gutachten keine Lebensgefahr für die Familie, wenn sie in ihr Heimatland zurückkehrt – obwohl sie dort einer Minderheit angehört! Und Sie wissen ja: Andere Länder andere Sitten!
Das Übel liegt in der Dauer eines solchen Asylverfahrens. So haben sich sehr viele hierzulande ein neues Leben aufgebaut, was unter diesen Umständen mehr als schwierig ist. Dürfen doch Asylansuchende einer geregelten Arbeit nur sehr eingeschränkt nachgehen. Das treibt viele auch in die Kriminalität. Diese schwarzen Schafe beeinflussen zusätzlich die öffentliche Meinung, obwohl es nur ein Bruchteil der betroffenen Menschen ist. Eine Aufenthaltsgenehmigung gibt es mit einem Arbeitsnachweis – damit sind wir im perfekten Teufelskreis angelangt. Viele Politker fordern deshalb seit Jahren (wenn auch hinter vorgehaltener Hand) eine einfachere Möglichkeit der humanitären Entscheidung. Doch ähnelt dies zumeist einem Gang nach Canossa: So müssen Entscheidungsträger hiervon überzeugt werden, was unheimlich schwer ist (wenn Sie jemals mit solchen zu tun hatten, dann wissen Sie, wie einfach diese Leute kontaktiert werden können!).
Im Falle dieser Familie hat die Dorfgemeinschaft dies aufgezeigt – durch ihren Zusammenhalt! Und diese Bürger haben tagtäglich mit der Familie zu tun, sie kennen sie! Kann deshalb jemand über Sein oder Nicht-Sein entscheiden, der den Fall nur aus den Akten kennt? Sicher – Gesetze sind da, um eingehalten zu werden. Und die Türen können wir nicht wirklich für jeden öffnen. Doch denke ich, dass in solche Bescheide vermehrt auch andere Meinungen, menschliche Meinungen eingebunden werden sollten.
Auf diesem Wege gehen meine Wünsche an die Familie nach Röthis; Wünsche für ein integriertes und besseres Leben in Österreich, ohne ständige Furcht, abgeschoben zu werden!! Sie können übrigens der Familie vielleicht helfen – durch Ihr Voting auf “Familie Durmisi soll bleiben!” auf Facebook!!!
PS: Sind Sie eigentlich schon mal “des nächtens” (grammatikalisch richtig wäre “des Nachts”!) mit Polizeigewalt aus dem Bett geholt worden ohne eine Straftat begangen zu haben? Bei solchen Vorgehensweisen kommen bereits erste Vergleiche mit dem Jahr 1938 auf!

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