Archive for Juni, 2010

Das Leder rollt!!!

Die nervenaufreibende Zeit ist vorbei – die Copa Mundial de Fútbol, die Fussball-Weltmeisterschaft 2010 hat begonnen! Einen ganzen Monat lang wird so mancher Fan nicht von der Glotze wegzubekommen sein, Getränke und Snack-Foods sind bis unter’s Dach eingebunkert – wir freuen uns auf grossartige Spiele! Jetzt geht’s looooooooooos!!!!!!
Erstmals wird das wohl grösste Sportereignis der Gegenwart auf dem afrikanischen Kontinent ausgetragen. Es ist sozusagen ein Dankeschön des allmächtigen Präsidenten der Fédération International de Football Association (FIFA), Joseph S. Blatter an die Afrikaner, die ihn bei seiner Wiederwahl unterstützten. Und ich denke mal, es war durchaus eine gute Entscheidung. Das Land zwischen dem Atlantischen und dem Indischen Ozean hat nämlich noch sehr viele Probleme, die es zu bekämpfen gilt. Premierminister Frederic Willem de Klerk leitete mit seiner Rede am 02. Februar 1990 die ersten Reformen ein – das Ende der Apartheidspolitik wurde eingeläutet. Seither sollten eigentlich schwarz und weiss gleichberechtigt sein, trotzdem sind die Gräben, die die weissen Machtinhaber hinterliessen, einfach zu tief um sofort beseitigt zu werden. Sehr viele Schwarze leben unter unwürdigen Bedingungen in den sog. “Homelands” oder “Townships”, den Armenvierteln. Dementsprechend hoch ist auch die Kriminalitätsrate. Wer des nächtens alleine zu Fuss unterwegs ist, riskiert in manchen Gegenden sein Leben. Deshalb wurde diese WM als die grosse Hoffnung Südafrikas aufgebaut. Einerseits sind die Einwohner (ob schwarz, farbig oder weiss) im richtiggehenden Fussballfieber, das durch das 1:1 im Eröffnungsspiel gegen Mexiko nochmals angeheizt worden ist. Andererseits wird die Welt durch die Berichterstattung aus dem Land am Kap der guten Hoffnung auf die nach wie vor exististierenden Missstände aufmerksam gemacht. Die Bilder zeigen ferner die Schönheit eines Landes, das sowohl Berge als auch Meer vorzuweisen hat – eines wunderbaren Urlauberparadieses. Je länger sich nun die Heimmannschaft im Wettkampf halten wird, desto mehr hat sich die Austragung der Fussball-Weltmeisterschaft auch für Südafrika in jeder Hinsicht gelohnt.
Doch nun lassen wir es sportlich werden. 32 Mannschaften aus der ganzen Welt kämpfen in neun Stadien um den Pokal. Nachdem Brasilien bei der WM 1970 in Mexiko zum dritten Mal als Weltmeister vom Platz trabte, ging auch der damalige Cup in deren Besitz über. Unter 53 Entwürfen kristallisierte sich der jetzige als beste Lösung heraus: 36,8 cm hoch, 6.175 Gramm schwer, aus massivem 18 karätigen Gold. Der Fuss enthält zwei Ringe aus Malachit, einem Halbedelstein. Auf der Unterseite sind die bisherigen Gewinner eingraviert. Es ist der Traum eines jeden Fussballers, einmal im Leben dieses Monstrum hochhalten zu dürfen! In acht Gruppen mit jeweils 4 Mannschaften läuft die Vorrunde – dabei gibt es die Hammergruppe schlechthin heuer nicht. Die Nennung von Favoriten ist dieses Mal wirklich schwer, tat sich doch keine Nationalmannschaft wirklich als ein solcher hervor. Also bleibt es an den altgewohnten hängen: Brasilien, evt. Argentinien, der amtierende Weltmeister Spanien, die Jogi-Elf aus Deutschland und als Geheimfavorit vielleicht auch England. Dies wird nach dem Finale am 11. Juli feststehen. Erstmals nach 44 Jahren dabei ist auch wieder die Volksrepublik Nordkorea, die 1966 nach einer 3:5 Niederlage gegen Portugal im Viertelfinale gescheitert ist.
Neben sportlichen Höchstleistungen soll es zudem eine Weltmeisterschaft der wirtschaftlichen Superlative werden: So wurden etwa die Sponsorverträge der FIFA um 25 % höher dotiert als noch 2006 in Deutschland: 6 strategische FIFA-Partner (adidas, Coca Cola, Emirates, Hyundai, Sony und Visa) sowie die WM-Sponsoren (Budweiser, Castrol, Continental, McDonalds, MTN, Mahindra, Satyam, Seara, Yingli Solar) sollen satte kolportierte 750 Mio € einspielen – vor 4 Jahren waren es noch 500 Mio. Tief mussten interessierte Manager in die Geldtasche greifen: Mindestens 40 Mio US-Dollar waren zu bezahlen um zum erlauchten Kreis zu gehören. Hinzu kommen die Fernsehrechte. So sollen die beiden öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland ARD und ZDF für die Übertragung von 46 der 64 Spiele ganze 180 Mio € auf den Tisch geblättert haben. Solche Kosten sind auch durch höhere Werbeeinnahmen nicht mehr finanzierbar. Finden doch die wirklich wichtigen Spiele oftmals nach 20.00 Uhr statt – ab diesem Zeitpunkt aber dürfen die Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland keine Werbung mehr ausstrahlen. Interessant vielleicht ist auch, dass der Privatsender RTL 18 Spiele für Österreich eingekauft hat. 2006 wurde durch die Vergabe der TV-Rechte beinahe 1 Milliarde € eingespielt, FIFA-Präsdent Sepp Blatter rechnet für heuer mit 25-30 % mehr. Hinzu kommt auch noch das Internet: 10 Milliarden Seitenaufrufe werden im World Wide Web erwartet. Stellt sich natürlich für unsereins die Frage: Was macht die FIFA mit so viel Geld???
Zuletzt möchte ich noch auf ein schwerwiegendes Problem hinweisen: Das tiefe mentale Loch, in welches so mancher Fan fällt, wenn der Schiedsrichter am 11. Juli das Finale (hoffentlich nach einem Elfmeter-Krimi) abpfeift! Dieses kann zu Depressionen führen, die nicht zu unterschätzen sind. Deshalb hier einige Tipps, wie Sie das vielleicht umgehen können:
Unternehmen Sie trotzdem noch sehr viel mit der Familie und mit Freunden, schauen Sie sich viele Spiele gemeinsam auf den Public Viewing-Plätzen an. Nicht jedes Spiel ist es ausserdem wert, gesehen zu werden – erstellen Sie für solche Nebenschauplätze ein Alternativprogramm. Fernsehen während der Arbeit ist tabu – es kann Sie ihren Job kosten. So manches Fitnessstudio bietet die Möglichkeit, das Geschehen mitzuverfolgen. Verknüpfen Sie doch das Nützliche mit dem Angenehmen! Vergessen Sie niemals die Tagesschlagzeilen: Ölpest, Euro-Krise, … – es gibt auch eine Welt ohne Fussball – die andere Welt da draussen! Wählen Sie keine zu kleinen Bildschirme, ansonsten rate ich zur raschen Fixierung eines Augenarzt-Termines gleich nach der WM.
Mein Wunsch für diese WM? Mögen die Partien fair über die Spielzeit gebracht werden. Mögen attraktive, spannende Begegnungen auf uns zukommen und möge der Beste gewinnen!

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Sag zum Abschied leise: “Servus!”

Aus, vorbei! Sehr viele dicke Krokodilstränen werden in den kommenden Wochen vergossen werden: Die “Klostertaler” sind TV-Geschichte! Letztes Wochenende verabschiedete Andy Borg die sympathische Band aus dem kleinen Vorarlberg in seinem “Musikantenstadl” von der Mattscheibe! Wer jetzt glauben sollte: “Mensch – was ist denn mit dem Stock los? Ist er (als bekennender Rockfan) gestürzt und auf den Kopf gefallen? Oder weshalb widmet der den Blog heute einer sog. “Alpenrock-Band”?” Tja, Ehre wem Ehre gebührt – und hier ist sie am rechten Platz!
Durch den Abgesang Borgs auf eine weitere Kult-Open Air-Band bin ich aufmerksam gemacht worden: Mit dem “Klostertaler Open Air” am 14. August endet nicht nur die Geschichte einer Band sondern es endet gleichzeitig auch die Geschichte der riesigen Open Airs – zumindest im Westen Österreichs. Erlauben Sie mir einen Blick zurück: Kaum zu glauben, schrieben doch die Schürzenjäger mit ihrem Open Air im eigentlich verschlafenen Finkenberg im Zillertal (1.500 Einwohner) Musikgeschichte! Mit rund 100.000 Fans schafften Sie in ihren Glanzzeiten ein grösseres Publikum in ihren Bann zu ziehen, als so manche Vertreter aus den Pop- oder Rock-Charts (Pink Floyd oder Michael Jackson inklusive). In der Talschaft herrschte für rund eine Woche der Ausnahmezustand. Um noch ein Zimmer für die Zeit des sog. “Alpen Airs” zu bekommen, musste mindestens ein Jahr zuvor gebucht werden. Beinahe eine Jahresproduktion an Merchandising-Artikeln (wie T-Shirts, Schals, Fahnen, Hüte,…) wurde binnen weniger Tage verkauft – der in Bayern produzierte Schürzenjäger-Hopfenblüten-Tee wurde in Tanklastzügen an die “Labestationen” kutschiert! Innerhalb dieser kurzen Zeit wurden so viele Alpendollar umgesetzt, wie in anderen Talschaften das ganze Jahr über nicht (inklusive der Wintersaison!). Eigentlich hat der komplette Sommertourismus des Zillertals von den Hey Mann-Fans gelebt. Bis 2007 Schluss war. Die Zeit war überschritten! Das haben auch die Schürzenjäger gemerkt und haben in diesem Jahr die Lichter zum vermeintlich letzten Mal ausgehen lassen. Die Band hat sich nach internen Querelen getrennt – ab sofort ging jeder seiner Wege – keiner sprach mehr vom “Finkenberg-Open Air”. Der Mitbegründer der Band Alfred Eberharter und sein Sohn Alf liessen allerdings vor kurzem wieder aufhorchen: Mit ihrer “Hey Mann-Band” versuchen sie am 07. August an alte Erfolge anzuknüpfen. Selbstverständlich werden erst mal kleinere Brötchen gebacken!
Nachdem die Vorarlberger ja grundsätzlich fleissige Leute sind und der Kopf der Klostertaler Markus Wohlfahrt den Erfolg seiner Kollegen im benachbarten Tirol mitverfolgt hatte, meinte er eines Tages: “Das können wir auch!” Die “Alpenparty” war geboren. Zwar konnten die Zuschauerzahlen der Mannen rund um den Ober-Schürzenjäger Peter Steinlechner niemals erreicht werden, doch wollten das die Klostertaler auch gar nicht. Dies lässt schon mal die Topographie des Klostertales nicht zu, ist es doch nur ein kleines Seitental! Trotzdem suchten nach Schätzungen der Exekutive im letzten Jahr an insgesamt 4 Festival-Tagen etwa 40.000 Menschen den Weg in das kleine Tal zwischen Arlberg und Bludenz um beim grössten Familientreffen des Jahres dabei zu sein – den Auftritt der Band selbst verfolgten rund 20.000 Fans. Die weiteste Anreise hatte übrigens (nach Angaben der Organisatoren) ein Ehepaar aus Neuseeland. Auch das ultimativ letzte Konzert der Klostertaler ist bereits restlos ausverkauft. Mit dem Abschalten der Verstärker wird allerdings auch hier ein weiteres Kapitel in der Open Air-Geschichte geschlossen.
Übrig bleiben dann nurmehr drei solcher Events: Die Pilgerstätten Kastelruth in Südtirol (Spatzenfest), Millstatt am See in Kärnten (Nockalmfest) und Grundlsee in der Steiermark (Seer-Open Air). Was aber ist das gewisse “Etwas”, das solche Völkerwanderungen auslöst?! Die gemeinsamen Interessen? Oder vielleicht doch Bestandteil von etwas Grossem zu sein – Geschichte zu machen! Später behaupten zu können: Ich war dabei!!! Zugegeben: Es hat schon seinen Reiz! Auch ich war einst in München in der dritten Reihe vor der Hauptbühne – gemeinsam mit 150.000 anderen kreischenden, tanzenden, singenden und summenden Menschen auf dem Gelände der Galopprennbahn Daglfing! Die Masse fiel mir eigentlich erst auf, als ich beinahe eine halbe Stunde gebraucht habe, um an einen Getränkestand zu kommen (die Wartezeit am Stand gar nicht eingerechnet!)! Werden später Aufnahmen gezeigt, so ist dies im Nachhinein unfassbar! Auch die Logistik bedarf perfekter Vorbereitung, damit ein solches Massenaufkommen von Menschen nicht ebenso endet wie anno dazumal, 1969 beim Treffen der Flower-Power-Generation auf einem Feld nahe der Stadt Bethel, als 50.000 erwartet wurden – jedoch 500.000 kamen: Zum Woodstock-Festival. Hier ist die komplette Infrastruktur zusammengebrochen: Keine Toiletten, keine Versorgung mit Essen und Getränken – Psychologen und Soziologen rätseln noch heute, weshalb es zu keiner Massenpanik, zu keinem Break Down, zu keiner Super Nova gekommen ist.
Diese Überlegungen ins Auge gefasst, wird es schon einsichtiger, weshalb sich ein nicht wirklich als “Alpenrocker” zu bezeichnender Musikfan wie ich mit den Schürzenjägern und den Klostertalern beschäftigt. Sind die Aufräumungsarbeiten nach dem 14. August in dem 900-Seelen-Örtchen Klösterle beendet, verfällt die komplette Region wie gewohnt in den Sommerschlaf. Bis es 2011 wieder heisst: “Ha-le-lu-ja! – Wir rocken die Alpen”! Ach ne – da war doch noch was…!!!!

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