Archive for Juli, 2010

Günstiger geht’s fast nicht mehr!!!

Keine Parties, keine Skandale – nur ganz wenige Fotos!!! Karl und Theo Albrecht können und konnten sich nicht wirklich als attraktives Ziel der Klatschpresse bezeichnen – beabsichtigterweise. Ihr Leben ist bzw. war das Leben eines Unternehmer-Brüderpaares, das das Privatleben niemandem preisgab, aber auch im öffentlichen Dasein mehr als zurückhaltend agierte. Und dies alles, obwohl sie zu den reichsten Männern dieser Erde zählen. Die Gebrüder Albrecht haben nach dem 2. Weltkrieg den Diskonter “Aldi” gegründet und aufgebaut (in Österreich auch als “Hofer” bekannt), der inzwischen zu einem der erfolgreichsten multinationalen Handelsunternehmen aufgestiegen ist (derzeit auf Platz 12 in der Liste der weltweiten Handelsunternehmen mit über 100.000 Beschäftigten)!
Diese Woche verstarb Theo Albrecht im Alter von 88 Jahren in seinem Geburtsort Essen. Eigentlich ist es ja nicht unbedingt meine Stärke, Nachrufe zu verfassen – in diesem Falle jedoch beinahe ein Muss!!! Das wohl bekannteste Foto dieses Mannes ist rund 30 Jahre alt – es zeigt Herrn Albrecht am Fenster seine Villa in Essen! Weitere Bilddokumente sind an einer Hand abzuzählen. Die Gebrüder Albrecht haben die Öffentlichkeit gemieden – trotzdem schafften sie es in der Forbes-Liste der reichsten Männer der Welt in die vorderen Plätze. Karl Albrecht zuletzt mit einem geschätzten Vermögen von 23,5 Milliarden Dollar auf Platz 10. Nicht sehr viel weit dahinter auch sein Bruder Theo. Wer nun denken sollte: “Oh je – jetzt gibt es den bedingungslosen Erbschaftskrieg!”, der geht fehl. Die Albrechts haben vorgesorgt und die Familien-Juwelen in Stiftungen angelegt.
Doch wie liest sich das deutsche Wunder nun wirklich!? 1913 gründete Anna Albrecht einen 35 Quadratmeter grossen “Tante-Emma-Laden” in Essen. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben ihre beiden Söhne Karl und Theo den Betrieb übernommen. Von nun an kannte der Expansionskurs kein Ende. In Essen-Schonnebeck wurde ein etwas grösserer zweiter Laden eröffnet – bis 1950 ist die Zahl auf 13 Geschäfte angestiegen. Zehn Jahre später wurden mit 300 Albrecht-Filialen in ganz Deutschland bereits 90 Mio D-Mark Umsatz erzielt. 1960 ist das Imperium aufgeteilt worden: Albrecht Nord mit Zentrale in Herten ging an Theo, Albrecht Süd mit Sitz in Mülheim an Karl Albrecht. Angeblich konnten sich die beiden nicht darüber einigen, ob sie Zigaretten in das Angebot aufnehmen sollten. Andere Gerüchte besagen, dass sie damit die Publizitätspflicht ihrer Unternehmenszahlen umgehen wollten. Aldi Süd wird heute von Aldi-Nord durch den sog. “Aldi-Äquator” getrennt – einer Linie, die vom Niederrhein über Mühlheim bis nördlich von Fulda reicht. Der komplette Osten ist Aldi-Nord zugeordnet, bis auf eine Filiale in thüringischen Sonneberg, die von Aldi Süd beliefert wird.
Zu Beginn der 60er Jahre kam der Verkaufstyp Supermarkt mit vermehrter Selbstbedienung nach Deutschland. Dem stellten sich die Albrechts und begannen an rund 20 bis 25  ihrer Standorte, die Selbstbedienung und damit die Cash & Carry Idee umzusetzen. All die Bemühungen jedoch nutzten nichts – das Unternehmen schlitterte im Jahr 1961 in eine handfeste Krise – also musste eine Neuorientierung vollzogen werden. Mit dem Namen “Aldi” wurde auch die revolutionierende Vertriebsform des Lebensmittel-Diskonters eingeführt. “Aldi” übrigens leitet sich ab von Al-brecht und Di-scount). 1968 schliesslich wurde der Fuss über die südlichen Grenzen gesetzt – Aldi Süd übernahm die 1962 von Helmut Hofer gegründete Hofer-Kette in Österreich. Bis heute entwickelte sich der Diskonter mit einem weltweiten Jahresumsatz von kolportierten 50 Milliarden Euro nach der Metro, der Schwarz-Gruppe und Rewe zur drittgrössten Handelskette in Deutschland. Erzielt wird dies in über 7.000 Filialen in Europa und 1.200 in Australien und den USA. Aldi selbst veröffentlicht keine Zahlen – die meisten stammen vom Handelsinformationsunternehmen Planet Retail.
Die beiden Brüder hatten die Zügel fest im Griff – und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Mit dem Betriebsrat wurde teils härter gekämpft als mit der Konkurrenz! Karl und Theo ernten auch heute noch sogar bei ihren Mitbewerbern dickes Lob. Beinharte Geschäftsleute, die bodenständig geblieben sind! Dies berichtet zumindest der ehemalige Geschäftsführer Dieter Brandes in seinem Buch über den Aldi-Konzern: Höflich, zuvorkommend, bescheiden und sparsam! So soll etwa Theo Albrecht immer persönlich Lampen ausgeschaltet hat, die nicht gebraucht wurden (auch beim Verlassen des Räume schaltete er immer die Beleuchtung aus). Daneben wurden Notizen auf beiden Seiten eines Blattes Papier oder sogar auf gebrauchten Briefkuverts gemacht. Kritiker behaupten, dass er diese Sparsamkeit auch auf die Geschäfte im Aldi-Nord-Gebiet übertragen habe, die als weniger gepflegt als jene im Süden gelten. Der Konzern selbst versucht in letzter Zeit immer mehr, das Image das Schmuddel-Billig-Ladens loszuwerden und die Märkte nach aktuellen Massstäben einzurichten.
Dieser unermessliche Reichtum lockte natürlich auch neue Freunde und Kriminelle an. So wurde Theo 1971 von  dem in Gangsterkreisen als “Diamantenpaule” bekannten Paul Kron und dem ehemaligen Rechtsanwalt Hans Joachim Ollenburg entführt und für 17 Tage als Geisel festgehalten. Die Legende besagt, dass sie sich von Theo Albrecht den Ausweis zeigen liessen, da sie dachten, dass dieser aufgrund seines einfachen Auftretens nur dessen Buchhalter sei. Das Lösegeld belief sich auf sieben Mio D-Mark – Theo Albrecht ging vor Gericht und konnte es sogar Jahre später von der Steuer absetzen. Die beiden Täter wurden rasch gefasst – das Geld jedoch blieb verschwunden.
Der Verstorbene hat sich vor einiger Zeit aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen – seine Arbeit sollen mehrere hochqualifizierte Manager übernommen haben. Seither widmete er sich dem Sammeln von Schreibmaschinen, dem Golfen – liess es sich aber nicht nehmen, höchstpersönlich immer wieder Filialen zu inspizieren!
Nicht nur der deutsche Handel trauert über einen seiner grössten Söhne, sondern auch das gesellschaftliche Deutschland über einen seiner reichsten und die Wirtschaft über einen seiner klugsten Köpfe! Theo Albrecht ist nun Teil der Geschichte!

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Wen haben wir denn da???

“Es war einmal..” – mit diesen Worten beginnen die meisten wunderbaren Geschichten, bei welchen niemand definitiv genau sagen kann, ob sie denn wirklich stattgefunden haben. Deshalb wurde hierfür die Rubrik der “Märchen” gegründet! Die Gebrüder Grimm oder auch Heinrich Christian Wilhelm Busch waren – zumindest im deutschsprachigen Raum – Meister dieses Genres – auch heute sitzen am Abend hunderttausende Mütter und Väter auf den Bettkanten ihrer Kinder und versuchen, diese Weisheiten weiterzugeben. Doch das Thema Märchen lohnt sich, als eigenes Posting mal genauer unter die Lupe genommen zu werden!
Ich will den heutigen Blog zumindest mit den Worten “es war…” beginnen lassen.
Es war im Februar des Jahres 2004, als die Studenten Mark Zuckerberg, Eduardo Saverin, Dustin Moskovitz und Chris Hughes von der Harvard University die Idee hatten, ihre Kommilitonen über eine Software miteinander zu verbinden und dadurch eine Mischung aus Chat und Mail zu basteln. Es war die Geburtsstunde von Facebook. Im Lexikon nachgeschaut, treffen wir auf die Formulierung “…eine Webseite zur Bildung und Unterhaltung sozialer Netzwerke…”. Twitter wurde 2 Jahre später, MySpace hingegen ein Jahr früher ins Leben gerufen! Damit sind die drei grössten sog. “Social Networks” erwähnt – im Businessbereich sei noch Xing erwähnt. In etwa sind alle diese Social Medias gleich aufgebaut: Eine Profilseite wird erstellt mit Vorzügen und Interessen, anhand derer gleichpolig veranlagte Freunde gesucht und gefunden werden. Facebook ist dabei wohl das erfolgreichste, deshalb werde ich es nun etwas genauer beleuchten.
Zuckerbergs Mitstudenten waren begeistert, innerhalb kürzester Zeit konnte ein bereits recht akzeptables Netzwerk aufgebaut werden. Ein Riesenpool an Informationen wie Geburtsdatum, Wohnort, Mailadresse etc. wurde auf den Servern der Universität abgelegt. Sog. “Primärdaten” – also Daten, mit welchen jeder User eigentlich mehr als vorsichtig sein sollte. Das meinte damals auch Mr. Zuckerberg als er meinte: “Die trauen mir, die Idioten!” In einer Mitteilung an einen Mitstudenten meinte der damals 19-jährige: “Wenn Du irgendetwas über irgendjemanden In Harvard wissen willst, frag nur. Ich habe mehr als 4.000 Mailadressen, Fotos, Postanschriften!” (siehe auch Stern vom Mai 2010).
Tatsächlich nahm es die Firma Facebook Inc. mit Sitz im kalifornischen Palo Alto niemals so genau mit dem Datenschutz. Oftmals schon angeprangert dafür, geht der grosse Meister aber weiter seine Wege. So wurde darüber diskutiert, ob die Daten nicht etwa an die Werbewirtschaft weitergegeben werden können – selbstverständlich für einen dicken finanziellen Argumentationsgrund!!! In Facebook selbst gibt es bereits Gegner – so wurde beispielsweise die Gruppe “Facebook Wir wollen nicht, dass Ihr unsere Daten an 3te weitergebt!” gegründet – sie hat inzwischen 125.800 Mitglieder. Ist aber nur eine der vielen.
Man stelle sich diese geballte Datenpower mal vor: Weltweit wurde zum 6. Geburtstag des Networks im Februar 2010 die 400 Millionen Marke geknackt, in Deutschland gibt es inzwischen 10 Millionen Nutzer. Die meisten davon haben auch ganz brav ihre Profilseite ausgefüllt (ich zu Beginn ebenso!), ohne zu wissen, dass so manche Unternehmen teures Geld für diese Informationen bezahlen, diese hier aber frei einsehbar sind.
Die andere Gruppe der User ist da schon etwas vorsichtiger: Die Profilinformationen sind nur für Freunde einsehbar! Hierzu möchte ich eine kurze Geschichte los werden: Weiss und schwarz – also gut und böse haben schon längst den Weg ins Internet und in die Social Networks gefunden, um dadurch ihre Jobs oder Probleme einfacher lösen zu können. Während sich die Kriminellen gezielt ihre Opfer aussuchen (Urlaubsankündigungen, Vermögensprahlereien,…) sammeln auch die hierfür “befugten” Behörden Informationen. Mit etwa jedem Click eines Users auf die “Gefällt mir-Taste” kann ein besseres Bild eines Menschen gemacht, ein Profil erstellt werden. Facebook kann solche Verknüpfungen in Echtzeit auflisten. Dazu gibt’s vielleicht noch den einen oder anderen Freundesammler, der sich als beispielsweise “Jon Bon Jovi” registriert hat; schon liegen ihm tausende Fans zu Füssen und verraten ihm die intimsten Geheimnisse und v.a. ihre Primärdaten! Haben Sie etwa gewusst, dass bei einem Vorstellungsgespräch die Frage nach der Religion nicht gestellt werden darf? Auf Facebook gibt es hierfür eine eigene Schreibfläche!!!
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Auch ich finde die Social Networks genial. Mit einem Mouse-Click bin ich mit der ganzen Welt verbunden! Lerne neue Menschen von anderen Kontinenten kennen, erfahre dabei etwas über Ihre Lebensart  – und meinem Englisch tut es auch sehr gut!!!
Auf der Suche nach neuen virtuellen oder vielleicht auch realen Freunden interessiert wohl jeden, ob dieselben Vorlieben vorhanden sind. Ob es eine intensivere Freundschaft werden könnte oder nur ein One Hit Wonder! Doch bitte ich alle, die diese Zeilen lesen, inständigst darum, mit solchen wichtigen Informationen vorsichtig umzugehen. Wer sich nicht daran hält, darf sich nicht wundern, wenn ein neuer, möglicher Freund anklopft, der bereits alles über jemanden weiss!!!

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