Archive for August, 2010

Achtung – Zug fährt ein!!!!

2. November 1980 – 15.000 Menschen demonstrieren am Waldrand von Walldorf gegen den Bau der Startbahn 10 West des Frankfurter Flughafens.
19. Dezember 1984 – 4.000 Personen besetzen die Hainburger Au um gegen den Bau eines Donaukraftwerkes zu protestieren.
August 2010 – Tausende Menschen demonstrieren jeden Tag in Stuttgart gegen den Bau von Stuttgart 21 – dem neuen unterirdischen Bahnhof der Stadt!
Bahnreisender – kommst Du nach Stuttgart, musst Du den Sitzplatz wechseln, sollte Dir schlecht werden, wenn Du gegen die Fahrtrichtung sitzt! Der Bahnhof von Stuttgart ist nämlich nicht nur ein ganz entscheidender Bahn-Knotenpunkt in Europa, sondern auch ein sog. “Kopfbahnhof”. Soll heissen, die Züge fahren hinein und kommen auch so wieder heraus! Eigentlich ja nichts aussergewöhnliches – auch Frankfurt, München oder etwa Wien wurden auf diese Art konzipiert und errichtet. Doch entspricht dies in keinster Weise mehr den modernen, verkehrstechnischen Erfordernissen, da etwa die Ein- und Ausfahrt zu diesen Bahnhöfen weitaus länger dauert als bei den Durchgangsbahnhöfen. Und: Ist ein Gleis besetzt, so ist dieses dicht für andere Züge!
Kurz zur Geschichte dieses Monumentalbaus! Am 26. September 1846 fuhr der erste Zug von Cannstadt aus kommend in den aus einem hölzernen Verschlag bestehenden Bahnhof an der Schlossstrasse ein. Der heutige Hauptbahnhof wurde zwischen 1914 und 1928 rund 500 m östlich dieser Holzhalle erbaut. Die beiden Archtiekten Paul Bonatz und Friedrich Eugen Scholer gingen mit Ihrem Konzept “Der Nabel Schwabens” als die Sieger eines Wettbewerbes der Königlichen Baden-Württembergischen Staatsbahnen hervor. Nicht zuletzt aufgrund der städtebaulichen Anpassung wurde der Monumetalbau mit seinem charakteristischen Turm sehr rasch zu einem der Wahrzeichen der Stadt Stuttgart. Apropos Turm – das 56 m hohe und auf 290 Eichenpfählen gegründete Monstrum wurde von den 50er Jahren bis 1976 als Hotel genutzt. Der Bahnhof selbst erstreckt sich zur Gegenwart auf 140 km Gleiskörper und 82 Hektar Fläche – 240.000 Reisende, 164 Fern-, 426 Nahverkehrsverbindungen sowie 650 S-Bahneinfahrten machen diesen Bahnhof zu einem der Grossen in Deutschland.
Nun soll unter dem Arbeitstitel “Stuttgart 21″ der komplette Eisenbahn-Knoten neu konzeptioniert werden. Aus dem oberirdischen Kopfbahnhof wird ein unterirdischer Durchgangsbahnhof entstehen. Hierdurch soll die Kapazität des Bahnhofes ganz entscheidend erhöht werden. Die Kosten durchbrechen die Milliardengrenze – in Euro! Dies macht Stuttgart 21 zu einem der teuersten Bahnhöfe aller Zeiten! Während der zentrale Teil – die Eingangshalle – weitestgehend erhalten bleiben soll, wurde mit den Abrissarbeiten am Nordflügel termingerecht am 25. August begonnen.
Wer nun denken sollte: Na ja – was soll’s! Eine Grossbaustelle mehr! Tja, der irrt gewaltig, muss doch ein Grossaufgebot an Polizei die Baustelle absichern. Tausende Menschen demonstrieren bereits seit Wochen gegen die Baumassnahmen – derzeit noch durchwegs friedlich – wollen wir hoffen, dass es dabei bleibt!
Die Gründe dafür sind vielfältig!
Archtiekten und der Deutsche Denkmalschutz beispielsweise kritisieren, dass durch den Abriss der Seitenflügel das Gesamtbauwerk als einmaliges Zeugnis der Architektur der 1920er Jahre immens leidet. Somit selbstverständlich auch das Stadtbild. Eine Klage des Enkels des damaligen Architekten Bonatz auf Urheberrechtsverletzung wurde im Mai des Jahres abgewiesen.
Geologen befüchten, dass sich aufgrund unterirdischer Hohlkammern und des Grundwassers das gesamte Gebäude heben könnte.Dies bescheinigt zumindest ein geologisches Gutachten des Ingenieurbüros Smoltzcyk & Partner aus dem Jahr 2003. Hier geht hervor, dass in diesem Bereich sehr viel Wasser aufgrund unterirdischer Quellen vorhanden ist. Daneben gibt es massenhaft Gipsschichten mit einem Anhydrid-Anteil. Der Tübinger Geologe Jakob Sierig hat im Auftrag der Zeitschrift “Stern” dieses Gutachten analysiert. Er spricht nicht von Rissen an Häusern, die entstehen können, sondern vielmehr von Kratern in welchen Häuser verschwinden könnten. Es gehe um Menschenleben!!! Dies meint auch der heute 85-jährige Archtiekt Frei Otto. Er gehörte bis vor einem Jahr der Planungs- und Projektgruppe an. Von ihm etwa stammt die Idee der Tageslichtkonzeptionierung. Otto fordert einen sofortigen Stopp des Baus. Entweder könnte das ganze Projekt überschwemmt werden oder der Bahnhof wie ein U-Boot aus den Fluten auftauchen.
Während die Projektplaner von “Panikmache” sprechen, geht in Stuttgart die Angst und Wut um. 67.000 Unterschriften wurden gegen den Bau gesammelt und ordnungsgemäss im Rathaus der Stadt deponiert! Die Initiatoren des Protestes erhofften sich dadurch ein Einsehen der verantwortlichen Politiker. Die aber ziehen das Projekt auf allen Ebenen kompromisslos durch. Sie beziehen sich auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts Stuttgart vom 04. September 2009, wonach die getroffenen Entscheidungen verbindlich und keine direktdemokratischen Massnahmen dagegen mehr möglich sind. Während die politisch orientierten Projektgegner (etwa des Vereins “Mehr Demokratie”) inzwischen resignieren, da mit dem Beginn des Abrisses “…die Sache faktisch gelaufen ist…!”, versuchen tagtäglich tausende Demonstranten weitere Bautätigkeiten zu verhindern. Dabei wird auch der Verkehr in der Stadt brach gelegt. Deshalb greift nun die Polizei zu drastischeren Mitteln, wie etwa der Räumung von Plätzen! Hier brodelt ein Vulkan, der jederzeit ausbrechen kann, wenn sich etwa Berufsrandalierer oder Demagogen unter die friedlichen Demonstranten mischen! Und dann haben wir das, was am 02. November 1980 in Frankfurt bzw. am 19. Dezember 1984 in den Hainburger Auen geschehen ist: Gewalttätige Demonstranten, die Pflastersteine und Molotow-Cocktails werfen und prügelnde Beamte, die das eigentlich gar nicht wollen! Dies bescheinigte mir auch ein Bereitschaftspolizist vor einigen Jahren, der bei den Startbahn-Protesten in Frankfurt eingesetzt war. Es war nicht ein etwaiger Befehl, der ihn zum Prügelstock greifen liess, sondern vielmehr der Selbstschutz! Aus dieser Misere selbst gesund wieder herauszukommen!

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Hochkultur ist Geldkultur

Der Sommer neigt sich allerorts (zumindest auf der nördlichen Hemisphäre) langsam aber sicher seinem Ende zu! Aus und vorbei somit auch für die vielen Open Air-Festivals und Festspiele, denn wer sitzt schon gerne im Skianorak im Publikum, um den Sängern und Schauspielerinnen zu lauschen! Obwohl: Dieser Sommer – solche Bekleidung wäre für viele förderlicher gewesen als die gewünschte Abendrobe!!! Apropos Festspiele! Lassen Sie uns doch einen gemeinsamen Ausflug auf das – zugegebenermassen sehr rutschige – Parkett der Hochkultur wagen.
\”Da haben einige Zuschauer kräftig mit den Ohren gewackelt!\” – kaum auf Sendung ausgesprochen, erhielt ich nach diesem verbalen Fauxpas wütende Protestanrufe ins Radiostudio und nicht zuletzt die Standpauke meines Lebens! Kern dieser rund zehnminütigen Beschimpfung: Es handelt sich hierbei um Hochkultur – da wird nicht mit den Ohren gewackelt!!! Nicht mal mit den Füssen gewippt??? Gut, ich habe für\’s weitere Leben dazugelernt und mir gleich im Anschluss die Frage nicht verkneifen können: Was unterscheidet eigentlich die Anhänger (ich sage absichtlich nicht \”Fans\”) dieser ganz speziellen Ausrichtung der Musik und des Schauspiels von den anderen (auch hier absichtlich nicht der Ausdruck \”normalen\”) Menschen von der Strasse?! Manche sind ja zeitweise sogar bodenständiger als die Schöpfer dieser Kultur (wenn ich da an Mozart, E.T.A. Hoffmann oder Schostakowitsch bzw. unter Umständen auch an Tschaikowsky denke!!!).
Bregenzer Festspiele, Salzburger Festspiele und in Deutschland etwa die Wagner-Festspiele in Bayreuth! Festivitäten im gehobenen Rahmen, geballtes Programm für die finanzielle Oberschicht – auch wenn so manch Einer dabei den Schlaf des Gerechten geschlafen hat und die rund 100-200,- € für die Eintrittskarte wohl in Pakistan oder in Afrika besser aufgehoben wären. Bingo – DAS ist der Unterschied: Trotz immens teurer Eintrittspreise und einer Auslastung von 90-100 % müssen solche Events mit Millionen subventioniert werden!!! Ein paar Zahlen gefällig? Gerne:
Die Bregenzer Festspiele hatten gerundet im Schnitt der letzten fünf Jahre ein Budget von jährlich 20 Mio € – davon sind 5,7 Mio Subventionsgelder, 1,3 Mio Sponsorengelder (offizielle Angaben des Veranstalters).
Die Salzburger Festspiele verfügten 2009 über ein Gesamtbudget von 49,1 Mio €, davon Subventionsgelder in der Höhe von 13,386 Mio (offizielle Angaben des Veranstalters).
Die Wagner Festspiele in Bayreuth erhielten in diesem Jahr nicht weniger als 4,6 Mio € vom Bund und dem Freistaat Bayern – hier wird betont, dass 60 % der Ausgaben aus Eigenmitteln bestritten werden – doch sind (nach Adam Riese) somit die restlichen 40 % aus der Geldtasche des Steuerzahlers (Angaben lt. \”Stern\”).
Als Beispiel hierzu belief sich die Auslastung in Bregenz auf satte 99 % im vergangenen Jahr, in Salzburg auf 94 % und in Bayreuth auf 100 % (Angaben des Veranstalters bzw. im letzteren Fall lt. \”Standard\”).
Das Meinungsforschungsinstitut Gallup führte in Bregenz eine Umfrage (n=1827) durch, die ergab, dass nur 25 % der Zuschauer aus Österreich kamen (dabei nicht abgefragt wurde die Quote der Einheimischen). Ähnliche Zahlen sind wohl auch für Salzburg abzuschätzen. Kommt die Vermutung auf, dass hier Kultur für das Ausland gefördert wird! In den Festspielregionen selbst arbeitet eine Verkäuferin rund eine Woche über, damit sie ihren Eltern einen diesbezüglich schönen Abend zum Hochzeitstag schenken kann!!!
Jeder Veranstalter muss, wenn er um Subventionen ansucht, den Satz vernehmen: \”Schauen Sie erstmal, dass sie wirtschaftlich positiv agieren, dann können Sie nochmals ansuchen!\” Logisch, denn ansonsten könnte ja jeder die Bayern-Arena in München oder die Wiener Stadthalle anmieten, um ein kollektives Headbanging für 5 oder 6 Leute aufzuführen! Doch: Ist das nicht kontraproduktiv? Beisst sich hier nicht die Katze in den eigenen Schwanz? Jene Vereine, die Veranstaltungen jenseits des Kommerzes anbieten, kämpfen den Kampf ihres Lebens und an solche Subventionsgelder ranzukommen. Wird von öffentlicher Hand eingespart, so bedeutet dies zumeist auch das Ende solcher Ideen. Ergo muss jeder darauf schauen, dass er zumindest ein Zugpferd dabei hat, der auch das restliche Programm mitfinanziert. Und hier steigen die Kartenpreise in vorher nicht geahnte Höhen! Deshalb suchen die Grossveranstalter nurmehr Riesenareale, damit möglichst viel Publikum untergebracht werden kann und der Act mitsamt des Rattenschwanzes der Produktionskosten auch wirklich bezahlt werden kann. Menschen, die beispielsweise Bon Jovi oder U2 sehen möchten, müssen dabei Fahrtstrecken von mehreren hundert Kilometern in Kauf nehmen. Denn: Verdienen möchte schlieslich jeder etwas und die öffentliche Hand ist mit dem Subventionieren von anderen Veranstaltungsorten beschäftigt. So werden (lt. Angaben des \”Stern\”) die deutschen Theater zu 80 % subventioniert!
Hochkultur ist somit ein sehr teures Pflaster. Sicherlich sollte nicht vergessen werden, dass hunderte von Menschen bei solchen Festspielen beschäftigt sind. Daneben werden immer mehr auch Stars eingebaut um das Publikum anzulocken. Diese haben selbstverständlich ihren Preis. Doch damit ist es vorbei mit dem Flair, der früher solche kulturellen Highlights ausgemacht hat. Jetzt zählt der Namen der Diva oder des Maestros! Und, anstatt einzusparen, steigt das Budget von Jahr zu Jahr. Da werden dann schon Stimmen laut, die sich beschweren, dass nicht auch die Subventionen angehoben werden. Parallel dazu folgt das Argument der Wertschöpfung. Bayreuth, Bregenz und Salzburg sind während der Festspielzeit ausgebucht. Das bringt Geld für den Tourismus und sichert Arbeitsplätze. Ähm – Arbeitsplätze? Immer weniger Einheimische (egal ob in Bayreuth, Bregenz oder Salzburg) sind als Arbeitskräfte in der Hotellerie und Gastronomie zu finden! Bleibt somit das Geld auch tatsächlich in der Festspielregion? Oder anders gefragt: Erhält die öffentliche Hand durch die zusätzlichen Steuereinnahmen ihre Ausgaben zurück? Oder – entwickelt sich das alles zum Fass ohne Boden!?

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Freud oder Frust

Die heutigen Zeilen möchte ich (anlässlich der Urlaubszeit) mit einer sehr intimen Frage beginnen, die Sie mir auch nicht beantworten sollen! Sie soll vielmehr im Raume stehen bleiben und zum Denken anregen: Ist Ihnen eigentlich aufgefallen, dass der Kollege von schief gegenüber diese Woche im Urlaub war? Vielleicht mit Ausnahme der Erkenntnis, dass dafür bei Ihnen die Arbeit zugenommen hat!
Seit der Industriellen Revolution stellen sich Generationen von Unternehmer  – und damit Arbeitgeber – die Frage: Wie sieht der perfekte Mitarbeiter aus? Die Antwort hierzu ist für die meisten Chefs mehr als schwer zu finden – auch so mancher Arbeitnehmer hat sich hierbei auf der Suche nach seinem beruflichen Aufstieg die Zähne ausgebissen. Aber mal ehrlich: Wüssten Sie\’s??? Ist es der, der immer zu Scherzen aufgelegt ist? Oder jener, der überall nur mitläuft! Die Kollegin, die immer ein offenes Ohr für mich hat oder vielleicht jene, die sich wie keine andere reinkniet?
Grundsätzlich unterscheiden wir mehrere Typen der Spezies \”Homo laboris\”. Einerseits jene Kollegen, die unheimlich gerne 3/4 ihrer Zeit mit dem Plaudern am Kaffeeautomaten verbringen. Für sie könnte der Tag auch 36 Stunden haben – sie würden Ihre Arbeit nicht zu Ende bringen. Sie sind am Kaffeebecher und den zitternden Händen zu erkennen (zu hoher Blutdruck). Dann gibt es die richtiggehenden  Arbeitskampfmaschinen. Sie rackern sich ab, ohne spürbares Ergebnis, da sie immer mehr aufgehalst bekommen. Erst wenn einer dieser Mitarbeiter ausgefallen ist, wird eigentlich bewusst, was er geleistet hat. An seiner Stelle müssen nun drei oder vier Kollegen seine Arbeit verrichten. Auch ihm reicht zumeist der normale Arbeitstag nicht aus – Überstunden bis in die Nacht hinein und auch am Wochenende lassen so manchen Chef lachend in die Hände klatschen, doch ist die volkswirtschaftliche Lebenserwartung solcher Personen eher gering. So belegt etwa eine Umfrage von Marktagent.com, dass sich beispielsweise jeder Vierte (!) durch das Burn-out-Syndrom bedroht fühlt. Tja, und dann gibt es noch jene Kollegen, die Ihre Arbeit versehen, nach 8 Stunden den Computer oder die Maschine abschalten und friedvoll nach Hause gehen. Dies sind die typischen Durchschnittsmenschen, die eigentlich nirgendwo so richtig auffallen. Blicken sie allerdings dann auf ihr Leben zurück, so ist vielleicht mit Ausnahme der Hochzeit oder der Geburt ihrer Kinder kein Highlight zu entdecken, auf das man stolz sein könnte.
Führungskräfte nun haben es immens schwer, aus diesen unterschiedlichen Typen auch ein wirklich gut funktionierendes Team zu formen. Ist doch der Arbeitsroboter aufgrund seiner Leistung nahezu unersetzlich, so ist er nicht unbedingt immer teamfähig und nicht wirklich auf Betriebsfeiern derjenige, der die Party schmeisst!. Der Kaffeeautomatentyp hingegen ist der Mittelpunkt jeder Fete, ist bei jedem Betriebsausflug mit dabei und lässt keine Gelegenheit aus, die von anderen erarbeiteten Lorbeeren als seine eigenen zu verkaufen. Und der dritte Typ – nun ja, er ist eben Durchschnitt. Ein Mitläufer sozusagen. Als Chef muss man somit die Stärken jedes Einzelnen erkennen und fördern; dessen Schwächen allerdings durch die Stärken eines Anderen ausgleichen. Denn: Eine Kette ist nur so stark, wie ihr schwächstes Glied! Eines aber sollte dabei immer vor Augen geführt werden: Der Weg zum Unternehmenserfolg führt über engagierte (!!!) Mitarbeiter!
Untersuchungen und Studien gibt es viele – so etwa auch eine anlässlich der Employee Reseach Conference 2010 in Wien, durchgeführt durch das Meinungsforschungsinstitut GfK. Dabei gelangten die Befrager und Forscher zum mehr als interessanten Ergebnis, dass Kompetenz und Zufriedenheit alleine nicht mehr ausreichen! So führt zwar die Zufriedenheit der Mitarbeiter zur stärkeren Unternehmensbindung und Kundenorientierung, doch ist für das Mitarbeiterengagement auch die persönliche Leistungsbereitschaft und die Bereitschaft, Veränderungsprozesse zu akzeptieren und zu unterstützen von ganz entscheidender Bedeutung. Dies ist sozusagen ein wesentlicher Standpfeiler für die Unternehmensperformance. Manager, die das erkannt haben, können daran arbeiten, dieses Ziel umzusetzen (Zusatzausbildungen gehören geschaffen, vielleicht macht auch die Jobrotation den Beruf interessanter). Etwas hinterher hinkt da noch die Sparte der Selbständigen und Freiberufler, die nach wie vor der Zufriedenheit die weitaus grössere Bedeutung beimessen. Im Geschlechterunterschied stufen Frauen das Engagement wichtiger ein als Männer.
Noch ein kurzes Wort zum Burn-out: Dieses Syndrom kann alle sozialen Schichten betreffen. Ob Arzt oder Fliessbandarbeiter, ob Manager oder Buchhalter. Mit der euphorischen Begeisterung beginnend, geht es über Schlafstörungen, körperliche Probleme bis hin zum extremen Leistungsabfall. Was bleibt ist ein psychosomatischer Zustand, der nur sehr schwer behandelbar ist. Die Menschen fühlen sich ausgepowert, stellen ihr Leben in Frage und setzen nicht selten diesem auch ein plötzliches Ende. In unserer Arbeitswelt, in welcher es nurmehr um das \”Noch-besser-Werden\”, um noch bessere Zahlen und um die ständige Austauschbarkeit der Mitarbeiter geht, sind dem Burn-out-Syndrom Tür und Tor geöffnet. Auf Urlaub wird verzichtet, der Job wird auch mit 40 Grad Fieber erledigt. Doch: Ist dies auch im Sinne der Arbeitgeber? Schliesslich könnten die Kollegen angesteckt werden, die Grippe bekommen! Grosse Unternehmen sind deshalb dazu übergegangen, über etwa Firmenfitness, Freizeitprogramme oder eigene arbeitsmedizinische Abteliungen einem Kollaps bereits im Vorfeld entgegen zu wirken. Gesunde Mitarbeiter sind zufriedene Mitarbeiter, Kollegen, die auch zu engagierten Mitarbeitern erzogen werden können. Arbeitskräfte gibt es viele am Markt! Allerdings haben nur die erfahrenen Mitarbeiter, Menschen, die die Arbeitsgänge in und auswendig kennen (da sie mit ihnen gross geworden sind), einen Nutzen für die Firma. Da fällt mir der Spruch eines Volkswirtschafters ein, der frustiriert am Friedhof steht und betont, welches volkswirtschaftliche Know-How hier im wahrsten Sinn des Wortes begraben liegt.
Ähm – aus diesem Blickwinkel betrachtet: Was für ein Typ sind nun sie? Sind Sie bereit, Veränderungen aktiv mitzugestalten? Sind Sie somit engagiert oder \”nur\” zufrieden? Oder vielleicht doch beides? Und damit wieder zurück zur Eingangsfrage: Ist ihnen das Fehlen des Kollegen von schief gegenüber eigentlich aufgefallen? Was sind Ihnen Ihre Mitarbeiter grundsätzlich wert?
Denn: “Während der Wert eines so manchen mit Euro nicht aufzuwiegen ist, fällt einem bei anderen bereits der Griff zum Kupfer schwer!”

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Und wir tanken, tanken, tanken bis der Sprit ausgeht!!!

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat es einmal mehr aufgezeigt, welche wertvollen Schätze noch in der Erde schlummern, die – falsch oder nachlässig verwendet – nicht mehr wieder gut zu machende Schäden an unserer Umwelt anrichten können. Hier muss sicherlich etwas dagegen getan werden, damit eine Wiederholung einer solch schrecklichen Umweltschändung unterbunden werden kann. Boykottaufrufe sind hier sicherlich eine Möglichkeit, aber nicht wirklich zielführend, da einerseits die kleinen Tankstellenpächter, die nichts dafür können, betroffen sind, andererseits auch in vielen anderen Nicht-BP-Tankstellen Sprit verkauft wird, der von diesem multinationalen Unternehmen kommt. Jedenfalls laufen die Planungen für die nächste Tiefsee-Bohrung bereits auf Hochtouren!
Zur Ölkatastrophe habe ich aber bereits schon mal ein Posting in diesem Blog gemacht. Heute will ich etwas begutachten, das derzeit auf herbe Kritik im Inland (v.a. in Österreich) führt: Eine beabsichtigte Mineralölsteuer-Erhöhung! In Deutschland scheint das Thmea bereits vom Tisch zu sein, liegt doch die sog. “Möst” bei Benzin um 20 und bei Diesel um gut 10 Cent pro Liter teurer. Damit sind wir auch bereits beim Knackpunkt! Was nun folgt, ist eine wahre Goldgrube für Zahlenreiter. Der Erdöl-Bruttoinlandsverbrauch 2008 lag nach Angaben der Statistik Austria bei 562.611 Terrajoule (eine schier unglaubliche Zahl). Davon wurden 353.308 im Bereich “Verkehr” verbaucht. Gesamt gesehen war dies zwar um rund 19.000 Terrajoule weniger als im Vorjahr bzw. den Jahren zuvor. Trotzdem merkt man nicht wirklich den beabsichtigten Übergang zu erneuerbaren Energien oder den unbremsbaren Willen der Autoindustrie, hier Alternativen anzubieten.
Sodele und damit sind wir beim Kern des Themas angelangt: Der Mineralölsteuer! Die Regierung versucht mit allen Mitteln und Methoden die Löcher der Wirtschafts- und Finanzkrise zu stopfen. Deshalb steht auch die Erhöhung der Mineralölsteuer um bis zu 10 % bzw. 10 Cent pro Liter ins Haus. Herr und Frau Österreicher (oder auch nicht! – dazu gleich mehr) bezahlen derzeit bereits pro Liter Super 98 47,5 Cent, pro Liter Diesel 37,5 Cent an MöSt. Somit bleibt den Scheichs eigentlich gar nicht mal mehr so viel übrig (zieht man die Produktions- und Transportkosten sowie die Handelsspannen ab). Im jahr 2009 spülte die MöSt nicht weniger als 3,8 Milliarden € in den Staatssäckel des Herrn Finanzminister. Nicht weniger als 1,076 Milliarden Steuereinnahmen (nicht nur MöSt) stammen vom Tanktourismus!!! Rasta Zaster!!! Nur in den östlichen Nachbarstaaten werden weniger Steuern kassiert als in Österreich, was aber nicht unbedingt heissen soll, dass der Sprit dort billiger ist. Also fahren vornehmlich unsere nördlichen Nachbarn mit Kanistern bis unter’s Dach kurz mal über die Grenze, um eine Wochentankfüllung abzuholen. Übrigens verbotenerweise – da dies ein Gafahrenguttarnsport darstellt, der zumindest entsprechend gekennzeichnet und gesichert werden muss. Daneben muss auch der Fahrer eine spezielle Ausbildung vorweisen können! Besonders perfide übrigens ist die Tatsache, dass sehr viele deutsche Tankstellenunternehmer solche Grenztankstellen in Österreich betreiben. Damit bleibt das Geld unter’m Strich ja ohnedies wieder in fester deutscher Hand!
Wird nun in Österreich die Mineralölsteuer angehoben, so wird der Literpreis jenem in Deutschland fast angeglichen. In Sachen Diesel hätten übrigens alle anderen Nachbarländer günstigere Preise. Dies bedeutet allerdings auch das Ende des Tanktourismus. Minister Pröll würde damit auf rund 700 Mio € an MöSt, 360 Mio an Mehrwert- ud 16 Mio an Körperschaftssteuer verzichten (Angaben: Österreichische Wirtschaftskammer). Dafür dürften Herr und Frau Österreicher bei der Zapfsäule wesentlich tiefer in die Tasche greifen..Die Steuererhöhung brächte 800 Mio bei der MöSt und nochmals 160 Mio bei der MwSt. Macht nach Adam Riese 916 Mio und damit um lukrierte 116 Mio weniger als die Einnahmen aus dem Tanktourismus. Daneben kaufen Touristen ja auch gerne ein – dies macht bei den etwa 2.800 Tankstellen in Österreich eine Wertschöpfung von rund 500 Mio aus – auch dieser Posten würde wegfallen!
Die Autofahrerklubs Arbö und ÖAMTC revoltieren lautstark: Belasst es doch bei der bisherigen Steuer und verwendet die Gelder des Tanktourismus doch besser für energiesparende Massnahmen im Inland (Kompensationsmassnahmen)! Denn eine Erhöhung der Steuern im Verkehr hat weitreichende Folgen: Der Preis für die Öffis würde steigen, der Gütertransport wird teurer – damit auch die Produkte im Supermarkt – es folgt also ein schier unermesslicher Rattenschwanz an Teuerungen. Zwei positive Aspekte allerdings möchte ich zum Abschluss trotzdem noch erwähnen: Autofahren wird teurer, weniger können es sich leisten. Damit ist die Autoindustrie gezwungen, bessere Möglichkeiten zu bieten. Andererseits sinkt der Energieverbrauch in Österreich schlagartig, sodass gewisse Klimaprotokolle eingehalten werden können, die aber zumeist nicht einmal das Papier wert sind, auf welchem sie gedruckt wurden

PS:
In Deutschland wird der Sprit übrigens ebenfalls teurer – mit dem kommenden Jahr soll die Pflichtbeimengung von Bioethanol von derezit 5 auf 10 % erhöht werden – dies mach beim Endverbraucher rund 6 Cent pro Liter aus.

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