Archive for September, 2010

“O’zapft is!!!”

Millionen von Wiesn – Fans warten jedes Jahr sehnsüchtig auf diese Worte des Münchener Oberbürgermeisters Christian Ude. Mit zwei Schlägen um Punkt 12.00 Uhr hat er am 18. September die Jubiläums-Wiesn eröffnet! Böse Zungen behaupten, so lange der Ude den Zapfhahnen so ausgezeichnet in das Fass schlägt, denkt niemand über seine Ablöse nach!!!
Bis zum 04. Oktober (einen Tag länger als sonst) läuft das grösste Volksfest der Welt auf der Münchener Theresienwiese. Erwartet werden bis dahin über 6 Mio Besucher. Und sie sollen 2010 zum Jahr der Rekorde machen! Sechs Traditionsbrauereien sind für den Hopfenblütentee zuständig – verpönt sind die Wein- oder Limo-Trinker: Der Wiesn-Besucher ist kein eben solcher, wenn er nicht zumindest eine Mass getrunken hat. Das Maß der Mass ist ja eigentlich 1 Liter!!! Weil zu früheren Zeiten fast nur Schaum ausgeschenkt wurde, gibt es auch keine Krüge mehr (nurmehr als Souvenir). Trotzdem darf pro Glas mit rund einem Drittel Schaum gerechnet werden. Stolz dafür auch der Preis: 8,30-8,90 € pro Stück! Ein Blick zurück zeigt nicht wirklich Erfreuliches: Von 1810 bis 1830 kostete das heissbegehrte Nass 3 Kreuzer. Danach stieg der Preis kontinuierlich: 1865 25, 1910 bereits 35 Pfennige. 1922 – zu Beginn der Inflation gar 50 Mark. Nach dem 2. Weltkrieg kassierten die Bedienungen 1,70 Mark – heute mehr als das Zehnfache davon. Nur 2003 wurde der Preis nicht angehoben!
95 Gastronomiebetriebe sorgen für das leibliche Wohl der Besucher – 35 davon haben Sitzplätze – mitsamt der 14 Grosszelte stehen damit rund 105.000 dieser Bankerl-Plätze zur Verfügung. Die grösste Festhalle bietet die Hofbräu-Brauerei mit 10.000 Plätzen an. Unglaubliche Zahlen – doch versuchen Sie es ohne Reservierung, so weist zumeist der Türsteher darauf hin: “Bis hier her und nicht weiter!”. Na ja – ausser auf Ihrer Stirn steht “VIP” – bevorzugt werden C- bzw. B-VIPs, denn diese bringen die Kamera-Meute mit! Und die Bilder beweisen es zumeist, dass auch Promis nur Menschen sind und ebenfalls bei einem solchen Fest wie diesem gerne mal über den Durst trinken! Prost!!! Apropos: Aus dem früheren Volksfest ist inzwischen das Fest der Betrunkenen geworden. Die Theresienwiese ist insgesamt 42 ha gross – 31 davon werden für das Oktoberfest genutzt (ausser es wird parallel dazu alle vier Jahre das Zentrale Landwirtschaftsfest gefeiert, dann gibt’s nur die kleine Wiesn mit 26 ha Fläche), doch pflastern die Alkoholleichen weit mehr an Fläche. Ist auch kein Wunder: 2008 beispielsweise wurden 6,5 Mio Mass verkauft. Dies sind etwa 64.922 Hektoliter – bei der Jubiläumswiesn 1985 waren es 54.541 – bei allerdings 1,1 Mio Besuchern mehr. Damit wird der Oktoberfest-Gast immer mehr schlichtweg zum Durchlauferhitzer. Noch ein paar offizielle Zahlen? 459.356 Brathendln, 53.736 Schweinshax’n und 104 Ochsen wurden verzehrt. Damit ist das grösste Volksfest der Welt auch der grösste Umsatzbringer für die Weltstadt mit Herz. 2,6 Mio kWh Strom, 197.126 Kubikmeter Erdgas und 105.756 Kubikmeter Wasser – das sind Verbrauchswerte einer ganzen Stadt! Und dabei war 2008 nicht mal die grösste Wiesn – die fand 1985 mit 7,1 Mio Besuchern statt. Der Rekordsommer und Herbst 2003 brachte im Vergleich dazu “nur” 6,3 Mio. Inzwischen werden ganze Horden von Italiener und Japaner mit Bussen bis fast direkt ans Gelände kutschiert – am Eröffnungssonntag vergangene Woche etwa musste der Busparkplatz bereits vor 11.00 Uhr gesperrt werden. Diesen Zug der Massen können Sie live auf www.oktoberfest.de/de/webcam/live/ verfolgen!
Ist es nur dieses kollektive Massenbesäufnis, das den Reiz des Oktoberfestes ausmacht? Sind die Münchner nur deshalb so stolz auf ihre Wiesn, weil sie die Kassen ganz gewaltig klingeln lässt? Ja meinen die Einen, Nein hingegen die Anderen. Die 602 zugelassenen Marktkaufleute, Schausteller, Gastronomen sorgen für eine gewaltige Jahrmarkt-Atmosphäre, die einfach mal erlebt werden muss! Mit der allseits so beliebten bayerischen Gemütlichkeit allerdings hat dies weit weniger zu tun, kommen doch die Aussteller aus allen Herren Länder. Ebenso übrigens wie die Angestellten und natürlich die Besucher. Doch habe ich mir sagen lassen, dass auch der Einheimische selbst vorbeischaut – sogar auch am Wochenende!!! Dabei schwören sich dann Herr und Frau Münchner, dass dieser Ausflug sicherlich in den kommenden Jahren nicht wiederholt wird – bei den Preisen!!! Und – mit dem ursprünglichen Gedanken hat das Treiben schon längst nichts mehr zu tun!
Anlässlich der Hochzeit von Ludwig von Bayern mit Prinzessin Therese von Hildburghausen wurde am 17. Oktober 1810 nach der Idee eines Unteroffiziers der bayerischen Nationalgarde ein Pferderennen auf der nach der Prinzessin benannten Wiese am Rande der Stadt abgehalten. Bier – nein, das gab’s es zu diesem Zeitpunkt noch nicht bzw. nur ganz wenig! Danach übernahm der Landwirtschaftliche Verein in Bayern die Ausrichtung des Pferderennens und des Festes, bis 1819 die Stadtväter sich des Ganzen annahmen. Die erste Hendlbraterei übrigens wurde erst 1881 eröffnet! Soweit also der historische Hintergrund des Oktoberfestes. Die meisten der Unternehmen, die dort in diesen Tagen tätig sind, wissen dies gar nicht mehr. Auch der grosse Trachtenumzug, der am Sonntag nach der Eröffnung stattfindet, ist eigentlich erst seit 1950 fixer Bestandteil des Festes. Erstmals wurde er anläslich der Silberhochzeit von Ludwig und Therese 1835 abgehalten.
Damit trifft also Tradition oder vielmehr gewachsene Tradition auf die Härte der modernen Marktwirtschaft, die Geselligkeit auf die Geldmacherei. Je mehr Geld umgesetzt wird, umso besser ist es für alle Beteiligten. Schliesslich ist der Stellplatz nicht kostenlos! Und auch die fleissigen Bienen, die jeden Tag Tonnen an Gewicht stemmen müssen, gehören bezahlt. Die meisten davon übrigens sind nicht Fix-Angestellte oder geleastes Personal sondern Subunternehmer. Damit entfallen den Gastronomen die Personal-Nebenkosten. Die Bedienungen müssen die Mass Bier kaufen und wiederverkaufen. Pro Mass bleibt ihnen rund 0,70 bis 1,10 € und rund 400 € Trinkgeld pro Tag (etwa 12 % des Bier- und Essensumsatzes; Angaben lt Focus vom 03.10.2007). Hart verdientes Geld, trägt jede Einzelne von ihnen 50-60 Mass die Stunde – also 450 bis 500 pro Arbeitstag!!! Da kommt es immer wieder vor, dass diese Akkordarbeiterinnen Gäste veranlassen, den Tisch freizumachen, weil nicht genug konsumiert wird. Diese Einnahmen aber müssen auch versteuert und jeder Einzelne versichert werden. Sehr viele nehmen eigens für die drei Wochen Urlaub um auf dem Oktoberfest arbeiten zu können. Auch hier also unglaubliche Kraftanstrengungen (im wahrsten Sinne des Wortes), die der Wiesn-Besucher zwar sieht, eigentlich jedoch gar nicht zur Kenntnis nimmt.
Rund um das Oktoberfest gibt es selbstverständlich auch sehr kuriose Geschichten. So können etwa über eine Zweigstelle der Deutschen Post gekaufte Souvenirs wie Wiesn-Krüge direkt in alle Welt verschickt werden. Die Mitarbeiter des Fundbüros freuten sich im jahr 2008 über einen Rauhhaardackel, vier Eheringe und gar einem Paar Skistiefel. Einer Streife der Autobahnpolizei fiel in Richtung Süden ein italienisches Auto auf. Als die Bematen dieses überholten, zogen mehrere Insassen blank! Alle – inklusive des Fahrers waren stark alkoholisiert!
Nun, da Sie etwas mehr Informationen haben: Oktoberfest – ja oder nein? Oder bevorzugen Sie doch lieber Ihr eigenes Stadt-, Dorf, Staudenfest oder ein kleineres Oktoberfest, wie etwa jenes in Straubing??? Der Eintritt auf der Wiesn übrigens ist frei – bei den meisten Zelten allerdings wird ein Obulus verlangt! Als dann: Pack ma’s!!!
PS: Die bayerische Abkürzung des Wortes “Theresienwiese” schreibt sich tatsächlich “Wiesn”!!!

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Der Besuch des weisen Mannes

Selten zuvor erhitzte der Besuch eines Oberhauptes der Römisch-Katholischen Kirche dermassen die Gemüter eines Volkes wie die derzeitige Visite von Papst Benedikt XVI. in Grossbritannien. Und dies gleich in vielerlei Hinsicht!
Missionare nehmen in der Geschichte der v.a. christlichen Kirche eine wichtige Bedeutung ein. Erhielt etwa Jona (der erste seinesgleichen) von Gott den Auftrag, den Menschen von Ninive zu predigen, so zogen auch die Apostel nach dem Tod Jesu aus, um das Evangelium zu verkünden. Sie befolgten damit den Missionsbefehl Jesu Christi (Mt. 28, 19-20a). Später waren es dann die Mönche, welche von Rom aus Richtung Irland aufgebrochen sind, um den zumeist keltischen, europäischen Kontinent zu christianisieren (6.-8. Jahrhundert). Irland ist auch heute noch erzkatholisch! Mit der Gründung der Sinn Fein und der Abspaltung Irlands von Grossbritannien gab es auf der grünen Insel dann auch im letzten Jahrhundert den wohl längsten Glaubenskrieg in Europa, der immer wieder politisch angefeuert wurde, denn im Zentrum des British Empires hat sich die anglikanische Kirche manifestiert. Die Mutterkirche ist die Church of England, deren geistiges Oberhaupt der Erzbischof von Canterbury darstellt. Die anglikanische Kirche geht auf den 11. Februar 1531 zurück. Nachdem Papst Clemens VII. sich geweigert hatte, die Ehe von König Heinrich VIII. zu annullieren, erklärten an diesem Tage die Erzbischöfe der Insel den Austritt aus der römisch-katholischen Kirche und bestimmten das weltliche Oberhaupt des britischen Königreiches auch zum geistlichen (“supreme Govenor”). Damit steht Her Majesty Queen Elisabeth II. rund 25 Millionen Gläubigern vor. Zuletzt allerdings gewann die römisch-katholische Kirche wieder mehr an Boden. Vor allem in Schottland und Wales nehmen die Zahlen der Besucher bei Heiligen Messen wieder zu.
Vor diesem Hintergrund ist somit der Besuch von Benedikt XVI. leicht zu erklären. Er will die Stellung der rk Kirche im British Empire festigen und jede Menge neue Schafe hierdurch dazugewinnen. Ausserdem möchte er die Trendwende in seiner Haltung zur modernen Gesellschaft vermitteln. Diese wäre auch dringend notwendig, sorgten doch die Missbrauchsfälle in der Kirche zuletzt für heftigste Diskussionen und sehr vielen Kirchenaustritten. Er will hier die Schuldigen benennen und sich einiger “Altlasten entledigen” (Thomas Assheuer “Die Zeit” vom 15.09.). Doch wer denken sollte, dass die rk Kirche nun liberaler wird, dem möchte ich die (höchstwahrscheinlich beabsichtigte) terminliche Zufälligkeit des Aufeinandertreffens der Reise mit dem “100. Jahrstag des Antimodernisten-Eides” ans Herz legen. So zwang Papst Pius X. im Jahre 1910 alle Priester und Seelsorger bei Androhung der Exkommunikation diesen Eid gegen die “demokratischen Selbsterlöser” abzulegen.
Doch liegt es mir fern, diese internen kirchlichen Entscheidungen zu diskutieren. Im Mittelpunkt steht also der Missionarsauftrag des Papstes. Der stösst aber gerade auf der britischen Insel auf sehr grossen Unmut. Das Land hat derzeit viele andere Probleme zu meistern, wie etwa die Wirtschaftslage, die Einsätze der Royal Army in Krisenherden, das Ausscheiden bei der Fussball-WM gegen Deutschland und und und. Ausserdem erwachte dieser Tage eine Britin nach einem Migräne-Anfall mit einem französischen Akzent auf ihren Lippen – und das, das geht ja wohl überhaupt nicht. Sehr viele riefen deshalb zum Sturm auf den Tower of London auf. Mitten drin auch Mitarbeiter des britischen Aussenministeriums, die offen über den Besuch nachgedacht haben: Eröffnung einer Abtreibungsklinik durch den Pontifex Maximus, seinen Segen für die Homo-Ehe und nicht zuletzt auch ein eigenes Papst-Kondom! Ein konservativer Hardliner ist nicht wirklich erwünscht auf dem heiligen keltisch-angelsächsischen Boden! Doch auch innerhalb der rk Kirche gab es Diskussionen. Wer etwa finanziert diese Reise? Da es sich um einen offiziellen Staatsbesuch handelt, muss der britische Steuerzahler zur Hälfte dafür aufkommen. Hier werden 22 Mio Pfund kolportiert (rund 30 Mio €); dafür dass Queen Elisabeth II. das kirchliche Oberhaupt und das staatliche Oberhaupt von Vatikanstadt (ihren Kollegen sozusagen) in Ihrer schottischen Residenz Holyroodhouse in Edinburgh empfangen hat. Auch wenn der Vatikan von einem sehr “freundlichen und familiären Gespräch” berichtet, hätten sehr viele Briten dieses Geld gerne dort gesehen, wo es besser gebraucht würde: In der Arbeitslosigkeit oder auch der Sozial- und Gesundheitspolitik. Die Kirche selbst finanziert die Reise durch Einnahmen! So sollen Gläubige 775,- € für ein goldenes Medaillon mit dem Abbild des Papstes bezahlen, Schlüsselanhänger gibt es für 5,- Pfund, T-Shirts für 18,- Pfund (Welt online vom 16.09.) bzw. wird für die Messen Eintritt kassiert – 25,- Pfund (rund 30,- €) bei der Sonntagsmesse in Birmingham und immerhin noch 20,- Pfund in Glasgow – der Papst als bezahlter Popstar??? Die katholische Kirche in England spricht hierbei allerdings nicht von “Eintritt” sondern von einem “finanziellen Beitrag für die Beförderung und die Sicherheitsvorkehrungen” (so das geistige Oberhaupt der katholischen Kirche in England, der Erzbischof von Westminster Vincent Nichols). Lohnt sich das alles? Ist doch nur jeder 10. Brite ein Katholik!
Äh – apropos Westminster: Hier muss Benedikt XVI. ein Eingeständnis gegenüber der Modernen machen: Domherrin und verantwortlich für die seelsorgerische Betreuung der Besucher der Westminster Abbey ist Jane Hedges, eine geweihte Priesterin der Church of England. Hier wurde bereits im Vorfeld der Begegnung versucht, Wind aus den Segeln zu nehmen. So betont beispielsweise der Propst der Abtei, es sei Tradition, dass bei hochrangigen Staatsbesuchen das gesamte Dom-Kapitel der Abbey Spalier stehe.
Es ist also eine mehr als heikle Mission, die Papst Bendikt XVI. diese Woche angetreten hat. Ein Fehltritt hat weitreichende Konsequenzen! Übrigens: Das Englisch des Pontifex Maximus ist nicht wirklich das beste, sodass Fettnäpfchen nicht ganz auszuschliessen sind. Die nächste Zeit wird es zeigen! Der letzte Papstbesuch auf den britischen Inseln liegt 28 Jahre zuürck. Damals erfüllte Papst Johannes Paul II. für sechs Tage seinen missionarischen Auftrag und küsste englischen Boden!

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Komm – strahlen wir um die Wette!!!

Den meisten ist der gute Albert Einstein nur aufgrund des Fotos bekannt, das ihn in einer mehr als unvorteilhaften Pose zeigt: Mit herausgestreckter Zunge!
Tatsächlich aber war der Deutsche einer der wohl genialsten Köpfe, die jemals den Fuss auf diesen Erdball gesetzt haben. Mit seiner Relativitätstheorie hat er den Grundstein für die moderne Physik und im speziellen der Atomphysik gelegt. Das Thema selbst war in der Schule von mir nicht wirklich geliebt. Deshalb fasse ich mich nun auch kurz. In der 1905 veröffentlichten speziellen und der 1916 abgeschlossenen allgemeinen Relativitätstheorie beschäftigt sich Einstein mit dem Verhältnis von Raum und Zeit zweier Beobachter, die sich relativ zueinander bewegen, wobei im zweiten Teil auch die Krümmung der Erdachse und v.a. die Gravitation hinzu kommen. Einstein nahm dabei die Lichtgeschwindigkeit als absolute Grösse. Die Energie eines Körpers berechnet sich wie folgt: E = m * c2, also Masse mal Lichtgeschwindigkeit zum Quadrat. Einstein entwickelte daraus E = m \\cdot c2 woraus in der Atomphysik E = delta m * c2 wurde. Für alle Mathematiker und Physiker:

E=-delta m*c² (negativ, da Energie bei Kernbildung frei wurde)

Ruhmasse Proton=1,6726231*10^-27 kg
Ruhmasse Neutron=1,6749286*10^-27 kg
u=1,66056554*10^-27 kg
c=2,99792*10^8 m/s

mp+mn=3.3475517*10^-27 kg=2,015910616 u
delta m=1,808615609*10^-3 u

E=-1,808615609*10^-3*u*c²
E=-2,699245429*10^-13 J
E=-1,685 MeV

Es dreht sich somit heute alles um die Kernspaltung bzw. die -fusion.

Als erstes zur Fusion: Die Sonne macht es uns vor, nachmachen ist derzeit allerdings nur unter Aufbietung grösster Anstrengungen möglich. Zwei einfache Wasserstoff-Kerne verschmelzen zum \”Deuteron\” (dem Kern des sog. \”schweren Wasserstoff\” Deuterium) mit einem Positron und einem Neutron. Gesellt sich nun ein weiterer Wasserstoff-Kern hinzu, so entstehen Helium3 und Gammaquanten usw. Bei dieser Umwandlung von Wasserstoff zu Helium geht rund 0,7 % der Gesamtmasse verloren – dieser Anteil wird in Energie umgewandelt. So bringt etwa bei die Fusion von 1 kg Wasserstoff 10 hoch 15 Joule an Energie. Für eine solche simple Fusion von Wasserstoff werden allerdings rund 5 Mio Kelvin benötigt (0 Grad Celsius sind -273,15 Kelvin). Nur hierdurch (in einem solchen überheissen Plasma) erlangen die Kerne eine derart grosse Geschwindigkeit, dass sie beim Aufeinandertreffen miteinander verschmelzen. Die Betriebstemperatur – DAS ist der Knackpunkt.
Bei der Kernspaltung hingegen erfolgt dies genau andersrum. Hierbei wird ein freies Teilchen (meistens ein Neutron) auf einen Atomkern geschossen und von diesem absorbiert. Es entsteht Bindungsenergie. Der Kern befindet sich im angeregten Zustand und spaltet sich (induzierte Kernspaltung). Es entstehen zwei neue Kerne (Spaltfragmente), die aufgrund der gleichen Polarisierung auseinandergetrieben werden. Dabei werden Neutronen freigesetzt – es kommt zur Kettenreaktion. Fachkundig Gelehrte mögen mir ob der vereinfachten Erklärung bzw. etwaige Fehler verzeihen!  Übrig bleibt bei der Kernspaltung zumeist radioaktives Material (wie etwa Cäsium 137 Cs), mit einer Halbwertszeit (Abbauzeit) von in diesem Falle 30,17 Jahren – jedoch auch andere Abfallprodukte mit wesentlich längerer Halbwertszeit. Nicht zuletzt deshalb ist die Energiegewinnung durch Atomspaltung so umstritten: Wohin mit dem strahlenden Atommüll??? Doch kann eine solche Kettenreaktion aufgrund menschlicher Unachtsamkeit oder maschineller Defekte auch aus dem kontrollierten Vorgang ausbrechen, Radioaktivität wird freigesetzt, die – wie im Falle des Super-Gaus von Tschernobyl – auch über 20 Jahre später noch Auswirkungen zeigt (Missbildungen bei Neugeborenen, Leukämie oder Vergiftungen etwa).
Umso lauter war auch der Aufschrei, als vergangene Woche bekannt wurde, dass die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel der Atomlobby klein bei gab und den Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergienutzung um bis zu 14 Jahre verlängerte. Anlagen, wie etwa Neckarwestheim 1 (Inbetriebnahme 1976) oder Isar 1 (Inbetriebnahme 1977) laufen nun doch länger als eigentlich vorgesehen. Neckarwestheim 1 bis 2018 und Isar 1 bis gar 2019. Und dies, obwohl immer wieder Zwischenfälle auftreten (etwa 276 in der bayerischen Anlage bzw. 424 in der Anlage in Baden-Württemberg). Der älteste Atommeiler übrigens steht mit Biblis A in Hessen (Inbetriebnahme 1974, bislang 418 Störälle, am Netz bis 2018); der anfälligste mit Brunsbüttel in Schleswig-Holstein (Inbetriebnahme 1976, Störfälle 460, am Netz bis 2020) (alle Angaben aus der Zeitschrift \”Stern\”). Vor allem die Störfälle sind es, die der Bevölkerung seit Tschernobyl Sorgen bereiten. So wurde etwa ein solches Worst-Case-Szenario – die Kernschmelze – für das AKW Krümmel in Geesthacht durchgespielt. Von hier sind es nur rund 30 Kilometer bis ins Zentrum von Hamburg. Grundlage des Ganzen war eine Untersuchung des deutschen TÜVs. Hamburg müsste binnen kürzester Zeit evakuiert werden, da ansonsten der Strahlungsaustritt die 1,7 Mio Einwohnerstadt zunichte machen würde. Bei einer Windgeschwindigkeit von 4 Metern pro Sekunde erreicht die atomare Wolke Hamburg rund 2 Stunden nach dem \”Unfall\” (Christian Küppers vom Ökoinstitut)! Die Gefahr droht vornehmlich durch die Inhalation der Giftstoffe – durch die Atmung. Eine Fläche von nahezu 410 Quadratkilometern könnte für zirka 50 Jahre nicht mehr genutzt werden.
Die Umweltorganisation Greenpeace hat in einer Studie im Jahr 1982 alle Atomrisiken aufgelistet. Sie beginnen beim Uranabbau (Lungenkrebs), führen über die Anreicherung (Verätzungen durch Flusssäure an Lunge, Haut und Nieren) bis hin zur Proliferation (das Abfallprodukt Plutomium wird für den Bau von Atombomben verwendet). Dazwischen werden alle möglichen Erkrankungen aufgelistet, die der liebe Gott eigentlich nicht für den Menschen vorgesehen hat, aber durch diesen begründet wurden.
Merkels Entscheidung bedeutet die Laufzeitenverlängerung von 8 Jahren für die ältesten und 14 Jahre für die jüngeren Atommeiler. Gleichzeitig müssen Milliarden in die Sicherheit der Kraftwerke investiert werden. Dies führt unweigerlich in den nächsten Jahren zu einem Anstieg des Strompreises. Wir alle verwenden Atomstrom, denn Strom ist Strom und kann nicht etwa farblich aufgrund seiner Herkunft getrennt werden. Eine Laufzeitverlängerung von durchschnittlich 12 Jahren übrigens bedeutet nach Angaben von Greenpeace rund 6.000 Tonnen mehr an Atommüll!
Österreich besitzt einen Versuchsmeiler – ansonsten wurden die atomaren Bestrebungen der damaligen Regierung Bruno Kreisky 1978 durch eine hauchdünne Mehrheit im Rahmen einer Volksabstimmung zum AKW Zwentendorf zu den Akten gelegt. Das AKW wurde 1985 liquidiert, es dient jetzt als Ersatzteillager für die deutschen Siedewasserreaktoren gleicher Bauart, wie etwa Isar 1 oder Philippsburg 1. Der Spass kostete rund 1 Mrd. €. 1999 trat das \”Bundesverfassungsgesetz für ein atomfreies Österreich\” als Nachfolger des \”Atomsperrgesetzes\” von 1978 in Kraft.
In der Schweiz gibt es mit Beznau, Gösgen, Leibstadt und Mühleberg vier am Netz hängende Anlagen und vier Forschungsreaktoren (darunter auch CERN). Im Juni und Dezember 2008 wurden drei Rahmenbewilligungsanträge eingebracht: Ersatz für Mühleberg und Beznau sowie ein Neubau in Niederamt bei Gösgen.

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