Archive for Dezember, 2010

Alle Jahre wieder, kommt das Christuskind!

Es ist kurz vor Weihnachten – draussen tobt der Schneesturm und lässt Hoffnungen aufkommen, dass die festlich geschmückten Christbäume, die in Gottes freier Natur stehen, heuer keinen künstlichen Schnee brauchen sondern mit der natürlichen Pracht aufwarten können. Im Hause drinnen lodern im Kachelofen oder dem Kamin die Flammen, es duftet nach Lebkuchen, frischen Keksen und Glühwein! Aaach – es ist einfach eine herrliche Zeit, die Vorweihnachtszeit. Kinderaugen, die in Erwartung des Christkinds nicht mehr aufhören können zu glitzern. Erwachsene, die sich auf ein ruhiges Fest im Kreise ihrer Familie freuen!
Tja – und der Handel, der sich angesichts der Verkaufszahlen jedes Jahr wieder die Hände reibt! Habe ich heuer nun den ersten Schokolade-Weihnachtsmann bereits Ende September oder erst Anfang Oktober in den Regalen der Supermärkte gesehen! Es ist ein Wahnsinn, welches Schindluder jedes Jahr damit getrieben wird. Hat für uns Kinder damals die Vorweihnachtszeit eigentlich erst mit dem 06. Dezember – dem Fest des Heiligen Nikolaus – begonnen, so werden die eisgekühlten Getränke des Sommers heutzutage praktisch schon vom Lebkuchen und dem  Adventskalender abgelöst! Immer früher soll immer mehr das Weihnachtsgeschäft angekurbelt werden, denn schliesslich wurde ja auch der Handel durch die Writschaftskrise stark angeschlagen und muss nun darauf schauen, dass die Zahlenspielerei in der Statistik auch weiterhin nach oben steigt, denn schliesslich wollen die Gesellschafter allesamt Rendite sehen!
Auch ich liess mich einst dazu verführen, zu Weihnachten die Weihnachtsremuneration fast komplett in Geschenke zu investieren! Hallo – Kaufrausch ohne Ende sorgt für die Ausschüttung von Glückshormonen wie etwa den Endorphinen. Mann/Frau fühlt sich im Moment des Kaufes erhaben und glücklich! Zuhause angelangt beginnt man voller Vorfreude, die gekauften Geschenke zu verstecken um sie am Heiligen Abend dann strahlenden Antlitzes übergeben zu können. Umso enttäuschender ist es jedoch, wenn im Gesicht des Gegenübers festgestellt werden muss, dass das Falsche verschenkt wurde! Nicht jeder Beschenkte ist ein guter Schauspieler! Erst dann überlegt man sich, im kommenden Jahr etwas früher an Weihnachten zu denken und auf die Bedürfnisse seiner Lieben genauer eingehen zu wollen! Und da kann dann zumeist festgestellt werden, dass es nicht immer die grossen Geschenke wie ein neues Auto, ein Helikopter, das Pink Strapless Gown von Alberta Ferretti oder die Monaco V4 von TAG Heuer sein muss, die wirkliche Freude verbreiten. Zumeist sind es die kleinen Dinge, die sich jemand wünscht – zumindest in der Welt der Erwachsenen! Das kann eine Schale Reis für einen Hungernden sein, eine neue Lesebrille für den Grossvater oder auch ein Wellnessbad für die stark schuftende Mutter! Wie wäre es denn mal mit Zeit – Zeit für sich selbst! Weit weg von den Sorgen des Alltags, mal so richtig abschalten können! Das ist in der Gegenwart beinahe ein Ding der Unmöglichkeit, denn schliesslich hat jeder in einer funktionierenden Gesellschaft seine Aufgaben, die erfüllt werden müssen. Des nächtens fällt Mann/Frau dann erschöpft ins Bett und denkt dabei vielleicht mal nach, wo denn heute das “Ich” geblieben ist (nicht im Sinne Freuds!)!
Nun ja – zu diesen Aufgaben gehört offenbar auch das Weihnachtsshopping. Jedes Jahr quält man sich in der Hoffnung auf Erfolg durch Horden von kauflustigen, gierigen und geifernden Menschen. Wohl dem, der einst Eishockey gespielt hat! Der steckt die vielen Bodychecks leichter weg. Hier gilt es, kühlen Kopf zu bewahren, den Puls in vernünftigen Grenzen zu halten und keinesfalls zu stolpern. Denn liegt man erst mal am Boden, dann kann frühestens die Putzkolonne nach 18.00 Uhr dafür Sorge tragen, vom Boden weggekratzt zu werden! Und aus allen Lautsprechern plärrt einem diese grauenvolle Weihnachtsmusik entgegen: “Last Christmas”, “All I want for Christmas is you”, “Rudolph the red nosed reindeer”. Zeitweise bereits schon im November zu hören, nehmen die Titel einem die komplette Weihnachtsstimmung vorweg. Über die Feiertage steigt der Blutdruck bereits beim ersten Takt eines solchen Liedes und voller Freude wird am Stephanstag festgestellt, dass das Zeugs für zumindest die kommenden elf Monate wieder in der Schublade verschwindet (arme Mitarbeiter des Einzelhandels). Diesbezüglich übrigens hat sich auf Facebook eine eingeschworene Gemeinde zusammengefunden, die sich vehemt gegen dieses zwangsverordnete Gedudel aus den Lautsprechern wehrt: So wurde in Grossbritannien im letzten Jahr dazu aufgerufen, den 17-Jahre alten Titel “Killing in the name” der Cross-over-Band Rage against the Machine zu kaufen bzw. herunterzuladen. Und siehe da – die Aktion zeigte Früchte. Der Titel wurde rund eine halbe Million Mal verkauft und verdrängte dadurch einen Casting-Star aus X-Factor mit einem Weihnachtstitel auf Platz 2. Auch heuer versucht dies eine Online-Initiative mit dem Namen “Cage against the Machine” mit dem Stück 4 33 von Nicolas Cage aus dem Jahr 1952. 4 Minuten 33 Sekunden – drei Sätze – Stillschweigen. Kein Musizieren, kein wohltemperierter Ton – nichts! Einfach gar nichts! Villeicht gerade mal das Umblättern des Notenblattes, ansonsten tote Hose, niente di niente!!! Im Vergleich dazu gibt es ebenfalls ein geniales Projekt, das hiermit zwar nichts zu tun hat, trotzdem aber nicht unerwähnt bleiben soll: Two Minutes Silence, gespielt von der Royal British Legion anlässlich des Remembrance Days (auch als Armistice Day bekannt). Das Stück gelangt immer am Veteranen-Tag zur Aufführung: Marschmusik, die unterbrochen wird von einer 2-minütigen Pause. Hier geziemt es sich auch nicht zu Husten (hoffentlich ist dabei noch niemand erstickt)! Wie gesagt: Die Hintergründe dieser beiden Werke sind komplett unterschiedlich. Silence Detectors dieser Welt vereinigt Euch! Diese Geräte der Rundfunksendetechnik werden durch den Lautstärke-Pegel gesteuert! Normalerweise bei Nullpegel von rund 10 Sekunden eingestellt, setzen sie sich bei erreichen dieser Grenze mit Ersatz-Musiktitel in Bewegung! Solche Silencio-Musiktitel, die entweder aus einer kompletten Pause bestehen oder Pausen beinhalten, führen zu Schweissperlen auf der Stirn eines so manchen Rundfunkmitarbeiters. Sollte sich also dieser Protest heuer erneut auszahlen, so müsste dieses Nichts von Nicolas Cage auch im Radio gespielt werden! Etwa anstelle von “Do they know it’s Christmas” mit der All-Star-Band rund um den ehemaligen Boomtown Rats-Chef Bob Geldof, der inzwischen auch von der Drei-Akkord-Hymne als “Fehler” und “Müll” spricht.
Doch solche Weihnachtsmusik soll früh genug für das Fest der Feste sensibilisieren und dadurch die Kaufkraft ankurbeln! Deshalb zum Abschluss noch einige Zahlen um das Ganze zu veranschaulichen: So gaben – trotz Wirtschaftskrise – 70 % der befragten deutschen Einzelhändler im Rahmen einer OXID-Studie an, mit dem Weihnachtsgeschäft 2009 zufrieden zu sein (2008 waren es noch 80 %). Jeder 5. sprach sogar von einer Umsatzsteigerung von mehr als 25 %. Für das laufende Jahr meinten in einer Umfrage des FORSA-Institutes im Auftrag der Messe Frankfurt 12 % mehr Geld in Geschenke zu investieren! Dies würde ein Umsatzplus von 1,43 Mrd. im Vergleich zum Vorjahresergebnis von 73 Mrd. € (Berechnungen des Hauptverbandes de Deutschen Einzelhandels) bedeuten. Damit wäre dies das wohl beste Weihnachtsgeschäft seit 2006. Im Vergleich hierzu Österreich: In der Wirtschaftskammer rechnet man heuer mit einem Plus von 2,5 %. Berechnungen der KMU weisen einen Gesamtumsatz von 1,52 Mrd. € auf.
Wie ich gestern im Radio vernahm, sind Krawatten und Socken auch heuer ein absolutes “No go!”. Auch die Möglichkeit, Gutscheine zu verschenken, kommt nicht mehr wirklich gut an, werden doch immer weniger dieser Gutscheine auch wirklich eingelöst! Erneut freut sich in diesem Jahr der Buchhandel und die Musikindustrie. Und bitte, bitte, bitte denken Sie dabei daran, dass nicht die Grösse oder der Preis ein gutes Geschenk ausmachen. Der Beschenkte freut sich viel mehr darüber, wenn er sieht, dass man sich Gedanken gemacht hat, was er denn wirklich gerne hätte!
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und all Ihren Lieben einige ruhige, besinnliche und frohe Festtage!!!

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Wo bleibt denn die Buchstabenfee???

Fiel bis vor kurzem das Wort “Pisa”, so dachten wohl die meisten unter uns an den Schiefen Turm, Sonne, italienisches Flair und vielleicht so manch einer auch an Pizza und Pasta! Das allerdings hat sich in den letzten Jahren seit der Jahrtausendwende schlagartig geändert, denn der Schiefe Turm ist zwischenzeitlich umgefallen – zumindest bildungstechnisch!!!
Unter “PISA” versteht der Eingeweihte bzw. Interessierte inzwischen eine Erkenntnis, die alle drei Jahre eintritt, wenn eine spezielle Studie veröffentlicht wird: Die Erkenntnis, dass es mit der Bildung in den zivilisierten Staaten offenbar bergab geht! Doch wäre es verfrüht, vom Untergang Roms zu sprechen, denn noch kann der Karren aus dem Schlamm gezogen werden – mit gemeinsamen Bemühungen! Im dreijährigen Zyklus veröffentlicht die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) das “Programme for International Student Assessment”; Schuluntersuchungen, die messen sollen, was unsere 15-jährigen Kinder eigentlich alles draufhaben, wenn es um die alltags- und berufsrelevanten Kenntnisse geht! Offiziell heisst dies: „das Wissen, die Fähigkeiten, die Kompetenzen, … die relevant sind für persönliches, soziales und ökonomisches Wohlergehen“ (OECD 1999). Dabei soll das Wissen bereichsspezifisch eingesetzt werden um authentische Probleme zu lösen. Soll heissen, die Aufgaben werden in “Persönliche oder kulturelle Kontexte eingebettet!”. Die Aufgaben werden teilweise in Multiple Choice oder als offene Fragen gestellt. In jedem teilnehmenden Staat werden zumindest 5.000 Stichproben gezogen. Die Studien selbst werden im Auftrag der Regierungen durchgeführt und sind beliebig erweiterbar – etwa durch Bundesländervergleiche (PISA-E) oder ein nochmaliges Testen derselben Klasse ein Jahr später (PISA-International Plus) bzw. auch durch die Hinzunahme der Eltern (PISA-Elternstudie). Dabei werden insgesamt drei Bereiche abgefragt: Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften! Mittels Schwerpunktsetzung sollen diese auch alle drei Jahre betont werden: 2000 Lesen, 2003 Mathematik, 2006 Naturwissenschaften und 2009 wieder Lesen! – Damit sind wir in der Gegenwart gelandet! Die erst kürzlich veröffentlichte Studie behandelt (nicht nur aber vorzugsweise) das geschriebene Wort! Und da erlebte dieser Tage so mancher Bildungs-Verantwortliche sein blaues Wunder!
Kurz zu den Ergebnissen: 65 Staaten (daruntr 34 OECD-Mitgliedsstaaten) beteiligten sich daran (im Jahr 2000 waren es noch 43). In Deutschland etwa stiegen die Leistungen in Mathematik (513 Punkte) und den Naturwissenschaften (520 Punkte) seit 2000 kontinuierlich an. Beim Lesen allerdings sind Herbert und Sabine nur Durchschnitt (497 Punkte) – die Ergebnisse stagnieren. Besonders schlimm hat es den Alpenstaat Österreich erwischt. Mathematik 496 Punkte – Platz 24 (leicht über dem OECD-Durchschnitt), Naturwissenschaften 494 Pinkte – Platz 30 (genau im OECD-Durchschnitt) und Lesen 470 Punkte (um 23 Punkte unter dem OECD-Durchschnitt). Damit können 28 Prozent der getesteten Jugendlichen nicht sinnerfassend lesen – das bedeutet Platz 31 von 34!!! Im Vergleich etwa dazu: Die Besten beim Lesen kommen aus Shanghai mit 557 Punkten; die Schlechtesten aus Mexiko mit 425 Punkten! Dies macht nach Schuljahren volle zwei Jahre aus!!! Zuletzt noch die Schweiz: Rang 14 mit 501 Punkten beim Lesen und jeweils Rang 3 (unter den Mitgliedern der OECD) bei Mathematik und Naturwissenchaften nach Korea und Finnland. In der Schweiz zeigt man sich hiermit zufrieden, während in Deutschland und v.a. Österreich das Wehklagen so richtig losgeht.
So meint etwa der Bildungsforscher Klaus Klemm von der Universität Duisburg-Essen, dass zwischen 2000 (dem 1. PISA-Test) und 2003 (dem 2. PISA-Test) ein riesiger Sprung nach vorne gemacht werden konnte, danach aber dümple Deutschland nur so vor sich hin. Einzelne gesetzte Massnahmen im Bildungssektor haben gegriffen – andere wiederum nicht. Das kognitive Lesen etwa richtet sich sehr stark nach der Herkunft – dem sozialen Umfeld des Jugendlichen. Dieses lässt sich nicht – wie etwa die Mathematik – innerhalb nur weniger Stunden lernen. Und das Lesen ist der Schlüssel zur Welt, so Klemm. Starten etwa Kinder mit migrantischen Hintergrund in der Grundschule ganz normal, so brechen sie am Ende der 2. Klasse ein – wenn dem Lesen eine tragende Rolle zukommt. Sie liegen mit rund 60 Kompetenzpunkten gegenüber gleichalten Schulkameraden zurück, die zuhause Deutsch sprechen – das sind umgerechnet etwa 1,5 Schuljahre (vor 10 Jahren waren es noch 3 Jahre). Nach wie vor ist zu beobachten, dass Kinder aus Akademikerfamilien bessere Schulleistungen erbringen. ABER – auch hier sinkt das Verhältnis! .
Interessant ist zu vermerken, dass die Verwendung moderner Medien (also etwa des Internets) keinerlei Auswirkungen auf die Testleistungen zeigt. So wird der Computer sogar vermehrt in die moderne Pädagogik eingebaut! In Deutschland beginnt demnächst das Projekt “Lesestart”. Dabei sollen Kinder aus sozial schwachen und bildungsfremden Familien möglichst früh an Bücher herangeführt werden und deren Eltern zum Vorlesen motiviert werden.
All diese Probleme gibt es selbstverständlich auch in Österreich! Doch hier schiesst man sich auf Bildungsministerin Claudia Schmied ein. So meinte etwa der Generalsekretär des Koalitionspartners ÖVP Fritz Kaltenegger,, dass die SP-Ministerin bislang Ergebnisse habe vermissen lassen. So fehle beispielsweise ein einheitliches Lehrerdienstrecht, gleichzeitig allerdings würden Gesetzesnovellen als Schnellschuss im Parlament abgearbeitet. Die Kinder müssten bessere Lehrer und bessere Unterrichtsmaterialien bekommen. Die Bundesobfrau der Grünen, Eva Glawischnig kündigte einen parlamentarischen Antrag auf 1.000 neue Lehrerposten an! Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen. Zu Zeiten der Lehrerschwemme wurden sehr viele Pädagogen ins Ausland verabschiedet. Jetzt müssen zeitweise Studenten im zweiten Studienabschnitt bereits in den Klassen unterrichten! Ministerin Schmied kündigte nun bis Ende März einen Rettungsplan für die Schulen an. Dieser baut auf drei Kernzonen auf: Neues Lehrerdienstrecht, mehr Mittel für die Sprachförderung sowie die Ganztagesschulen und Wegfall der 10 %-Grenze bei der Einführung der “Neuen Mittelschule”. Der Bildungspolitiker Andreas Salcher erklärt gegenüber der Tageszeitung “Österreich” den Unterschied zur europäischen Nummer 1 (der OECD-Nummer 2 nach Korea): In Finnland ist der Beruf des Lehrers hoch angesehen. Nur die besten Studienabsolventen würden angenommen (von zehn im Schnitt nur einer). Damit zählen diese Pädagogen auch zur geistigen Elite des Landes. Daneben müssen sie sich restriktive weiterbilden und werden bei der Ausübung Ihres Berufes von einem Netz von anderen Spezialisten unterstützt: Sozialarbeitern, Medizinern und etwa auch Psychologen! Ausserdem erhält jedes Kind sozusagen einen eigenen Lehrplan – bedingt durch ein leistungsorientiertes und talentdifferenziertes Kurssystem.
Eines allerdings darf bei all dieser Kritik nicht vergessen werden: Die PISA-Tests wurden zur Zeit der Lehrerstreiks in Österreich durchgeführt. Von über 300 Schülern wurde der Test boykottiert! Dies kann selbstverständlich Auswirkungen auf das Ergebnis haben!
Die Wissenschafter betonen immer wieder, dass PISA nicht etwa als Leistungsranking anzusehen ist. Vielmehr sollen Stärken und Schwächen der einzelnen Bildungssysteme ausfindig gemacht werden! Alle drei Jahre wird somit eine neue Diskussion über den Bildungssektor eingeläutet. Hierbei treffen die Meinungen von Experten beinhart aufeinander. Dabei sollte allerdings eines nicht vergesen werden: Der Jugendliche selbst! Er steckt mitten in der Sturm und Drang-Phase der Pubertät. Somit sollte dies in die Ursachenforschung mit einbezogen werden: Den Unterricht für diese Altersgruppe interessant zu machen, den Unterricht erlebenswert aufzubauen! Das stupide Stucken, das unsereins noch machen musste um das Abitur/die Matura zu bestehen – das sind Unterrichtsmethoden aus dem Jahr Anno Schnee!!!
Netes Detail am Rande: Die PISA-Studie wurde von einem Deutschen entwickelt, dessen schulische Leistungen in der Grundschule einen Wechsel ins Gymnasium nicht zuliessen!
PS: Tipp- und Rechtschreibfehler sind durchaus beabsichtigt; schliesslich kommt der Autor aus Österreich!!!

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Lassen wir die Hüllen fallen!

Wissen Sie eigentlich, was der Wiener unter der “Busserl-Gesellschaft” versteht? Mann/Frau trifft sich auf jedem gesellschaftlichen Ereignis; Busserl links, Busserl rechts, und verhält sich so, als ob Mann/Frau sich seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Dreht man sich nun gegenseitig die Rücken zu, wird gelästert, dass sich die Balken biegen: Wie die wieder ausschaut! Wen der wieder dabei hat! Das Kleid – na ja – also mein Geschmack ist es nicht – grauenvoll! Der ist letzte Woche aber voll auf die Schnauze (wienerisch: “Auf die Bappn”) gefallen!!! etc. etc.
In der deutschen Sprache wird dies als “den Schein wahren!” bezeichnet. Jemandem vorspielen, dass es einem ausgezeichnet geht und dass man mit jedem perfekt zu Gange kommt! Manchmal sind solche Mauern dermassen hoch, dass sie gar nicht überwunden werden können – perfektes Schauspiel! Gerade auf dem internationalen, öffentlichen Parkett zeigt niemand gerne die Blösse! Dadurch könnte ja ein Abrutschen in die Vorhersagbarkeit einher gehen! Peinlich, peinlich! Umso wichtiger ist es nun im Speziellen für Wirtschafts-Bosse oder Politiker, möglichst viel vom Verhandlungspartner zu wissen – seine Stärken, seine schwachen Seiten – ja vielleicht sogar die eine oder andere Affäre – ohne dabei selbst sehr viel von sich preiszugeben. Das stärkt die Verhandlungsposition in grossem Maße!!! Geheim- und Nachrichtendienste arbeiten auf diese Weise – über zumeist Verbindungsmänner oder Informanten werden so viel als möglich Informationen gesammelt. Irgendwann können sie durchaus sinnvoll sein! Doch sind es nicht nur die James Bonds dieser Welt, sondern offenbar auch die höchsten diplomatische Kreise, die für solche Zwecke missbraucht werden.
Dies wurde jetzt schlagartig bekannt, als Julian Assange auf seiner Enthüllungsplattform WikiLeaks US-amerikanische Botschaftsdepeschen veröffentlichte! Was Otto-Normal-Bürger ein müdes Schmunzeln entlockt, stösst den Betroffenen allerdings mehr als sauer auf! So wird Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel als unkreativ und nicht entscheidungsfreudig bezeichnet. Dem türkischen Staatschef Recep Erdokan wird nachgesagt, dass er über Schweizer Bankkonten verfüge. Dem russichen Öl-Milliardären Gadschij Machtschow wird bei der Hochzeit seines Sohnes im August 2006 in Machatschkala (Nordkaukasus) ein Saufgelage mit Völlerei nachgewiesen. Feinster Beluga-Exportwodka wurde eigens aus dem Ural eingeflogen, als der Alkohol knapp zu werden drohte! Tschetschenen-Führer Ramsan Hadyrow soll bei dieser Feier eine vergoldete Pistole am Hosenbund getragen haben! Der ehemalige russische Ministerpräsident Wladimir Putin wird gar als “Alpha-Rüde” bezeichnet! Verständlich, dass die Verantwortlichen nun auf die Barrikaden steigen: Putin etwa bezeichnet in der CNN-Talkshow “Larry King Live” den US-amerikanischen Verteidigungsminister als “irregeleitet”. Hintergrund war dessen jetzt veröffentlichte Aussage, dass die russische Demokratie verschwunden sei und die “Regierung eine von den Sicherheitsbehörden geleitete Oligarchie ist!” (Spiegel vom 01.12.2010).  Putin gab sich (wohlbewusst seiner Macht) in der Show weiters sehr zurückhaltend, als er auf Batman und Robin angesprochen wurde. Putin – Batman, Medwedew – Robin! Dies diene dem Zweck, einen der beiden zu kompromittieren, meint der ehemalige russische Ministerpräsident! So schrieb etwa der US-Botschafter in Moskau, John Beyrle 2008 in seiner Analyse der präsidialen Führungsschwäche in Moskau: “Medwedews persönliche Beziehung zu Putin, das Fehlen einer Parteigründung und ein zahlenmässig schwaches Pro-Medwedew-Verwaltungspersonal begrenzen seine Fähigkeit, ohne Putins Zustimmung wiedergewählt zu werden. … Putin sitzt am Lenkrad!” Der türkische Ministerpräsident Erdokan hat gar seinen Rücktritt angekündigt, wenn die Behauptungen, die auf WikiLeaks zu etwaigen schweizer Konten veröffentlicht wurden, bewiesen werden.
Tatsächlich hat Assange mit der Online-Stellung dieser Botschaftsdepeschen für weltweite Unruhe gesorgt. Nicht, dass dadurch so manche Mauer, die Personen der internationalen Öffentlichkeit mühevoll um sich aufgebaut haben, eingerissen wurden und diese nun grollen, sondern mit welchen Worten solche Aussagen von amerikanischen Dipolmaten weitergegeben worden sind. C- und D-Promis würden sofort ihre Anwälte einschalten, B-Promis sich dies zumindest überlegen – doch was machen solche A-Promis, die in ihrer Ehre gekränkt sind?! Hau den Lukas? Vergessen wir das Ganze? Wladimir Putin gibt sich ungewohnt zurückhaltend. Er komme der Aufforderung Washingtons nach, sich nicht in innere Angelegenheiten Amerikas einzumischen. Er warnte jedoch seine amerikansichen Kollegen davor, sich “in die souveräne Wahl des russischen Volkes einzumischen”! Die Gangart in der internationalen Diplomatie ist somit unbestritten härter geworden. So mancher US-Diplomat wird nun wieder freie Abende haben, da eine entsprechende Einladung “Unter Freunden” fehlt.
Jenseits des grossen Teiches brodelt es in der Hexenküche. So wird Präsident Barrack Obama vom republikanischen Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee bedrängt, einen Prozess wegen Verrats gegen Assange anzustreben (dem droht eine Hinrichtung bei Schuldspruch). Ein Berater des kanadischen Premiers Harper meinte mit ironischem Unterton, dass man den WikiLeaks-Begründer “töten solle”. Regierungen und Kommentatoren sollen Morddrohungen abgegeben haben. Tatsächlich fürchtet Assange derzeit um sein Leben und ist untergetaucht – angeblich irgendwo in England. Interessant auch, weshalb ausgerechnet jetzt Interpol wegen angeblicher Vergewaltigung in zwei Fällen nach ihm fahndet! Einer Festnahme konnte er sich offenbar (nach Berichten der englischen Tageszeitung “The Times”) nur deshalb entziehen, da der Haftbefehl unkorrekt war. Die Zeitung “Independant” schreibt, dass Assange bereits im Oktober, als er ins Land kam, seine Aufenthaltsdaten bekanntgegeben hatte. Der US-Provider Amazon, über dessen Server die ersten der 250.000 Dokumente veröffentlicht wurden, hat WikiLeaks inzwischen verbannt – das Portal ist nurmehr über den schwedischen Anbieter Internet-Bahnhof abrufbar! Bei Amazon heisst es, der Server wurde nach massivem Druck aus Washington gesperrt.
Apropos WikiLeaks: Die Plattform wurde 2006 gegründet. Sie soll es ermöglichen, anonym Dokumente zu veröffentlichen, bei welchen ein öffentliches Interesse angenommen wird und durch deren Präsentation ein unethisches Verhalten der entsprechenden Regierungen und Unternehmen nachzuweisen ist. Erstmals aufhorchen liess WikiLeaks im August 2008.  Sehr brisantes Material, das Korruption in Milliardenhöhe in der Familie des ehemalige kenianischen Präsidenten Daniel arap Moi nachweisen sollte, wurde online gestellt. Inzwischen sind auf WikiLeaks rund 1,2 Millionen Dokumente zu allen möglichen Themen zusammengetragen worden. Ob der bislang grösste Coup in der Geschichte der Plattform auch der letzte sein wird, ist abzuwarten.
Noch einige Passagen? So meinte etwa der US-amerikanische Vizepräsident Joe Biden im Rahmen eines vertraulichen Gesprächs mit dem britischen Premier Gordon Brown 2009 in der chilenischen Hauptstadt Santiago, dass Deutschland bei der Ausbildung der Polizisten in Afghanistan völlig versagt habe. Österreich kommt ebenfalls eine Passage in den Unterlagen zu. Im Dezember kam es zu einem des US-Botschafters in Kiew mit dem ukrainischen Geschäftsmann Dmitir Firtash. Zweiterem gehören 45 % der russischen Gazprom-Bank. Er gilt als eine der Schlüsselfiguren im russisch-ukrainischen Gasstreit. Dabei verheimlichte er nicht, dass der russische Unterweltboss Simeon Mogilewitsch sein Ok zum Aufstieg Firtashs gegeben hatte. In Österreich vermittelte während der Gasstreits 2005/2006 die Raiffeisenbank. Deshalb recherchierten offenbar US-Ermittler auch im österreichischen Bankenwesen!
Na servas Kaiser! Wissen Sie eigentlich, was über Sie geschrieben steht????

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