Archive for Mai, 2011

Danke – setzen!!!

Nach den Ergebnissen der PISA-Studie hätte eigentlich die Bildungsumfrage “Zukunft durch Bildung – Deutschland will’s wissen!” positive Ergebnisse bringen sollen! Doch es scheint, als haben sich die Bildungspolitiker hier ein faules Ei ins Nestchen gelegt!
Das deutsche Bildungssystem steht vor einem Umbruch. Die geburtenstarken Jahrgänge sind Geschichte, es gibt weniger Kinder, damit auch weniger Schüler – immer wieder müssen Klassen zusammengelegt und Schulen dichtgemacht werden. Erschwerende Faktoren wie Armut oder Integrationsprobleme machen den Alltag der Lehrer nicht gerade einfach. Auch wenn die Ergebnisse des PISA-Tests eine leicht positive Tendenz für Deutschland erkennen lassen, so darf über eines nicht hinweggesehen werden: Immer weniger können mit 15 Jahren richtig (also sinnerfassend) lesen. Bildungsexperten und Zukunftsforscher malen düstere Perspektiven auf: Die Zahl der Hilfsarbeiter (also jener Menschen, die keine Berufsausbildung vorzuweisen haben) nimmt dramatisch zu, jene der Hochqualifizierten hingegen dramatisch ab. Dies wird auch das Bruttoinlandsprodukt drücken. Wissenschafter haben bereits vor einem Kollaps an unseren Alma Maters gewarnt. Es muss etwas getan werden – und zwar jetzt! Ansonsten ist der Bildungszug wohl abgefahren!
Nicht weniger als 480.000 Bundesbürger haben sich an der grössten Bildungsumfrage in der deutschen Geschichte “Zukunft durch Bildung – Deutschland will’s wissen” beteiligt. 30 Fragen konnten online über das Internet beantwortet werden, welche die gesamte Palette vom Kindergarten bis zur Berufsweiterbilung abgedeckt haben. Unter der Schirmherrschaft der Schauspielerin Tina Ruland und des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post/DHL, Frank Appel riefen die Bertelsmann-Stiftung und Roland Berger Strategy Consultants mit Hilfe der Tageszeitungen Bild und Hürriyet diese Umfrage ins Leben. Hintergrund war es, die Betroffenen selbst zu Wort kommen zu lassen. Denn die Reformen, die immer wieder durchgeführt werden, gehen offenbar am Ziel vorbei. Deutschland ist ein Land mit nur wenigen Rohstoffen. Somit lautet die wichtigste Ressource: Bildung! Wird sie früh genug gefördert, so ist dies eine Investition in die Zukunft! Doch hier wird wohl dramatisch der Knackpunkt bewusst: Bildung und Wissen sind in sehr hohem Umfang an die soziale Herkunft und den Status geknüpft. Deshalb nutzt es überhaupt nichts, wenn die Bildungspolitik zwar Verbesserungen im Bereich der Höheren Schulen etwa bringt, die grosse Masse aber abseits liegen lässt.
Kürzlich wurde das Ergebnis von 140.000 Fragebögen im Beisein der deutschen Bildungsministerin Annette Schavan veröffentlicht: 23 % vergaben die Noten “mangelhaft” oder “ungenügend”, 11 % die Noten “gut” oder “sehr gut” – ergibt den Schnitt von 3,7 – also die Note 4+! Berlin – wir haben ein Problem! Nicht weniger als 80 % der Befragten fordern eine Ganztags-Schule, 69 % setzen sich für ein Anheben der Investitionen ein; dabei nur 6 % an den Universitäten – 18 % allerdings für den Ausbau der Kindergärten und Kindertagesstätten. Hier haben die berufstätigen Eltern gevotet. Sie möchten die Sicherheit haben, dass ihr Nachwuchs während sie am Arbeiten sind, gut und fachgerecht aufgehoben ist. Gleichzeitig soll nicht wie bisher eine möglichst frühe Bildungsentscheidung getroffen werden. Denn dadurch bleiben Kinder und in weiterer Folge auch Menschen auf der Strecke. Diese Entscheidung solle gemeinsam gefällt werden: Lehrer, Eltern, Kinder und Notendurchschnitt! Hierbei übrigens gab es ein mehr als interessantes Ergebnis. Während nur 33 % der deutschen Eltern die Bildung als wichtig für die spätere Karriere eines Menschen erachten, sprachen sich nicht weniger als 52 % der Einwohner mit Migrationshintergrund hierfür aus.
Zum Erreichen all dieser Ziele würden sogar beinahe drei Viertel eine zweckgebundene Steuererhöhung akzeptieren. Denn der Wille bei den Direktoren und Lehrer ist zumeist da – doch mangelt es häufig am Geld. Und hier sind die Bundesländer unterschiedlicher denn je. So sind etwa in Rheinland-Pfalz sehr hohe Beträge in das Bildungsressort geflossen, während Pädagogen in anderen Bundesländern von einem solchen Überfluss nur träumen können. Das bundesweite Ziel sollte es also sein, den Unterricht auf die Bedürfnisse der Schüler anzupassen.
Dabei ist all dies nichts neues. So forderte etwa der Aktionsrat Bildung in seinem Jahresgutachten “Bildungsreform 2000 – 2010 – 2020″ genau diese jetzt nochmals aufgezeigten Punkte: Ein grösseres Engagement in der Bildungpolitik und mehr Investitionen! Denn: “Es kann nicht sein, dass in Deutschland immer noch so viele Talente durch’s Raster fallen!” (Randolf Rodenstock, Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft).
Jetzt liegt der Ball also bei den Bildungspolitikern. Ohne den spürbaren finanziellen und strukturellen Anstoss der Politik sind die begonnenen Reformen nicht weiterzuführen (Dieter Lenzen, Bildungsforscher aus Hamburg). Doch diese haben sich offenbar heillos zerstritten. Die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) spricht in einem Interview mit der Zeitung “Die Welt” von “klaren Defiziten”, der Präsident des Paritätischen Wohlfahrtverbandes, Ulrich Schneider von einer “bürokratischen Lösung”! Beide meinen damit das Bildungspaket der Regierung. Die Vergangenheit habe bewiesen, dass Förderungen per Antrag weniger fruchten, als die unmittelbare Ansprache in der Schule. Auch könnten Streetworking-Projekte vermehrt unterstützt werden, wodurch die Lehrer entlastet würden. Die Arbeit als Pädagogen und als Sozialarbeiter lässt viele an deren Belastungsgrenzen stossen. Burn out ist unter der Lehrerschaft leider viel zu häufig zu erleben. Auch an der bereits erfolgten Erschütterung des Selbstverständnisses der Lehrer müsse künftighin gearbeitet werden.
Mit Kopfschütteln wird dies alles aus dem Alpenstaat quittiert! Nein, nicht weil es in Österreich besser aussieht! Ganz im Gegenteil – diese Probleme möchte man zwischen dem Neusiedler- und Bodensee haben! Ein Spontanlesetest in einem österreichischen Privat-TV-Sender liess mich hellhörig werden. Dabei wurde gestammelt und gestottert, dass sich die Buchseiten gebogen haben. Und mit Goethe und Schiller wussten die wenigsten etwas anzufangen. Also – recherchieren! Österreich erzielte – darüber habe ich ja schon mal geschrieben – im Lesen mit 470 Punkten Platz 31 in der PISA-Studie. No jo – wird sich dabei so manch einer denken – gar nicht mal so schlecht bei weit über 100 Staaten. Doch nahmen nur 34 an dieser Studie teil – die letzten drei Plätze gehen an die Türkei, Chile und Mexiko! Hallo? Auf welchem Stern leben wir denn! Wurde da das uralte Leitmotto der Habsburger “Bella gerant alii, tu felix Austria nube.” vielleicht irgendwie falsch verstanden? Die Kriege führen die anderen, du glückliches Österreich heirate! Die Bildung des Volkes interessiert uns nicht, wir holen einfach die Geschäftsführer, Vorstände, CEOs, COOs und dergleichen aus dem Ausland. Die werden es schon richten! Wissen Sie, wo dies (zumindest mir) am meisten auffällt: In jenen Berufen, die es mit dem Wort zu tun haben! So mancher Herausgeber, Chefredakteur, Geschäftsführer oder Programmdirektor in der österreichischen Medienlandschaft kommt aus dem benachbarten Deutschland! Gibt es hierfür eine Erklärung???
Damit – auf den Punkt gebracht: Alle, die nicht lernen wollen, müssen dies auch nicht – sie enden als Dummchen am Fliessband und werden irgendwann wegrationalisiert, da durch eine Produktionsstrasse oder einen Roboter ersetzt! Bzw. soll der Gast selbst in der Speisekarte lesen – als Kellner verwende ich ohnedies die Zahlen, die ansonsten in Chinarestaurants neben dem entsprechenden Menü stehen. Da kommt es schon mal vor, dass auf der Werbetafel vor dem Restaurant steht: “Beagles – verschieden belegt”, “mit Kroquetten”, “Klabsschnitzel” oder “Kottlet”, – besonders arg wird’s dann bei Fremdsprachen: “Spaghetti a la rabiata”. Auch bei einem “Farad Valai” muss ich erst mal nachdenken, was es hiermit auf sich haben könnte! Diesen Gedanken hatte sicherlich Kaiserin Maria Theresia bei der Einführung der Allgemeinen Schulpflicht im Kaiserreich an der Donau nicht! Somit, lässt sich schliessen, hat sich die österreichische Bildungspolitik wieder um Jahrhunderte zurückentwickelt. Zu meinen Schulzeiten wurde ich noch mit den Klassikern gequält – trotzdem hätte ich noch mehr lesen sollen. Auch heute noch nehme ich mir immer mal wieder solche Meilensteine der Literatur zur Hand, da die Autoren wahre Künstler des Wortes waren. Sie fesseln mich vornehmlich durch ihren Schreibstil. In den meisten Wohnungen aber verkümmern die Bücher zu Staubfängern im Regal oder fristen ihr Dasein in Bananenschachteln am Dachboden!
Alle eidgenössischen Leser dieses Blogs, die sich ob ihrer Nachbarn nun ins Fäustchen gelacht haben: Nun, ja – zurecht. Lesekompetenz Platz 11 der PISA-Studie. Gleichzeitig muss ich als hoch- bzw. austro-deutscher Leser betonen, dass ich jeden Satz in Schwyzerdütsch gehalten zweimal lesen muss, damit ich ihn verstehe – bei Berndütsch etwa brauche ich schon fast einen Übersetzer. Somit muss ich mir auch inhaltliche Gedanken zum Gelesenen machen – d.h. ich muss automatisch sinnerfassend lesen.
Ziehen wir also ein Resümee (ich mag die dt. Rechtschreibung einfach nicht!!!): Nachdem die meisten Fernsehsender in ihrem Unterhaltungswert immer mehr in Richtung unterste Schublade marschieren, das Internet aus sozio-kulturellen und psychologischen Gründen auf ein bis maximal 2 Stunden pro Tag reduziert werden sollte und das ständige SMS-Schreiben zum Rheumadaumen führt, sollte öfter mal – neben den Zeitungen und Magazinen (das ist zumeist 08/15-Schreibstil mit stark eingeschränktem Wortschatz) – auch ein gutes Buch zur Hand genommen werden. Einerseits stehen sehr viele Frauen auf schlagkräftige Zitate, andererseits wird der Wortschatz unheimlich erweitert. So wird der produktive Wortschatz in der deutschen Standardsprache auf ca. 75.000 Wörter geschätzt. Der “Duden” allerdings spricht von bis zu 500.000 Wörtern und Lexemen!!!

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Lass uns machen Amore!!!

Nicht weniger als sechs (nicht nur Sex-) Vergehen könnten zu nicht weniger als 74 Jahre Haft führen (die Strafzeiten werden in den USA aufaddiert)! Kein anderer Fall erregt derzeit dermassen viel Aufsehen wie die angebliche Vergewaltigung eines 32-jährigen Zimmermädchens durch den Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn! Doch kommen mir in diesem speziellen Fall doch einige Punkte etwas – nein nicht französisch – sondern vielmehr spanisch vor!
Verstehen Sie bitte diese Zeilen nicht falsch: Sollte der Verdächtige tatsächlich die ihm vorgeworfenen Straftaten begangen haben, so gehört er mit aller Härte Justizias bestraft – auch für die Reichen und Mächtigen gelten dieselben Gesetze wie für unsereins! Doch bis dies nicht hieb- und stichfest nachgewiesen worden ist, gilt auch für Strauss-Kahn die Unschuldsvermutung. Die Medien freilich sehen das geringfügig anders – sie haben ihr Monster gefunden, das bessere Verkaufszahlen bringt. Bereits einen Tag nach seiner Verhaftung wurde er als schuldig abgestempelt – ist er es nicht, wird das Angerichtete nicht wieder gutzumachen sein.
Doch hier – für all jene, die es in den Nachrichten nicht mitverfolgt haben, die Details: Der Top-Banker soll in einem Luxushotel in New York nackt auf ein Zimmermädchen gewartet, dieses zum Oralverkehr genötigt haben und wollte sich angeblich auch den Vaginalverkehr erzwingen. Die Frau wurde im Krankenhaus versorgt, der 62-jährige am John F. Kennedy-Flughafen aus dem Flieger geholt – er war bereits auf dem Rückweg nach Frankreich. Nach US-amerikanischem Recht hat er sich damit insgesamt sechs Vergehen schuldig gemacht: Versuchte Vergewaltigung, sexuelle Belästigung ersten Grades, sexueller Missbrauch, Nötigung, Freiheitsberaubung und gefährliche Körperverletzung. Die US-Behörden reagierten sehr rasch und verhafteten Strauss-Kahn. Wegen Selbstmordgefahr wurde die Einzel-Zelle auf der Gefängnis-Insel Rikers Island alle 15-30 Minuten überprüft, die Schnürsenkel wurden abgenommen, ein Einwegrasierer nicht ausgehändigt. Die Freilassung auf Kaution wurde vorerst abgelehnt, da die Richterin Fluchtgefahr vermutete. Am Donnerstag schliesslich wurde die Kaution auf 1 Million Dollar und weitere 5 Millionen in Bankgarantien festgelegt. Der Beschuldigte wird bei seinem Hausarrest auf Schritt und Tritt durch Kameras überwacht, ein Sicherheitsdienst ist dafür verantwortlich, dass der Banker auch wirklich nicht abtauchen kann. Diesen muss Strauss-Kahn übrigens aus eigener Tasche bezahlen. Eine Grand Jury hat die formelle Anklageerhebung schon erledigt – die tatsächliche Anklageerhebung findet bereits am 06. Juni statt! Andere warten Monate hierauf. An den Gerichtstagen waren Kameras im Prozesssaal zugelassen – der Hinweis, dass dieser Fall auch medial ausgeschlachtet werden soll um damit aufzuzeigen, dass die Verhaltensregeln mächtiger sind, als die Mächtigen dieser Erde.
Strauss-Kahn selbst beteuerte seine Unschuld. Zuerst wurde bekannt, dass er zum fraglichen Zeitpunkt mit seiner Tochter gegessen haben soll. Ob dann die Aussage, dass der Verkehr einvernehmlich vonstatten gegangen sein soll (New York Post), Taktik der Verteidigung war, steht zum jetzigen Zeitpunkt nicht fest (seine Frau Sinclair und die Tochter waren zu den ersten Terminen im Gerichtssaal). Jedenfalls hatte der US-Minister Timothy Geithner schnell zum Angriff geblasen. Doch dieser ist nicht etwa der Justiz- sondern vielmehr der Finanzminister der Vereinigten Staaten. Er forderte die sofortige Absetzung von Strauss-Kahn im IWF. Unterstützung fand er bei sehr vielen seiner Kollegen, so etwa auch bei der Österreicherin Maria Fekter. In Grossbritannien machte Aussenminister William Hague Druck. Beim Internationalen Währungsfonds hiess es allerdings, dass vor einer Absetzung Strauss-Kahns dieser zuerst noch gehört werden solle. Hier erhoffte man sich, dass der Chef selbst einen ehrenvollen Abgang macht und seinen Vorsitz niederlegen würde. Doch dürfte ihm hiervon wohl zuerst sein Anwalt abgeraten haben, da dies als ein vorzeitiges Schuldeingeständnis hätte gewertet werden könnte. Letzte Möglichkeit wäre dann die Amtsenthebung gewesen, die durch das 24-köpfige Direktorium beschlossen werden müsste. Doch gab der 62-jährige Angeklagte von sich aus den Platz frei. Derzeit führt Vize John Lipsky interimsmässig die Geschäfte des wohl wichtigsten Bankers dieser Erde.
Der Internationale Währungsfonds ist eine sog. “Spezialisierte Agentur” mit dem Hauptgeldgeber USA. Eine eigene UN-Konvention gibt eigentlich den Vertretern solcher “spezialisierter Agenturen” dieselbe diplomatische Immunität, die den Repräsentanten von Staaten gebührt. Doch haben diese Konvention nicht alle UNO-Mitglieder unterschrieben – so etwa auch die Vereinigten Staaten. Damit gilt der 62-jährige juristisch dort als Privatperson. Ansonsten hätte er unbehelligt ausreisen können.
Was ist es aber nun, das mächtige Personen zu einem solchen unbegreiflichen Aussetzer veranlässt? Auf dem Weg zur Macht wird es ab einem gewissen Zeitpunkt erforderlich, die Ellbogen zu Hilfe zu nehmen. Je weiter oben, desto wichtiger wird es, vermeintliche Gegner vorzeitig auszuschalten oder ruhig zu stellen, da die Luft dort oben sehr dünn ist. Die Macht verleiht jemandem unbegrenzte Freiheiten. Es wird gelernt (klassische Konditionierung!), dass alles möglich gemacht werden kann. Hierfür sind dann zumeist die Assistenten bzw. Chefsekretärinnen zuständig. Diese barrierelose Welt nutzen manche auch insofern, dass sie sich – einem Unantastbaren gleich – über Gesetze hinweg setzen wollen. So könnte es auch Strauss-Kahn gemacht bzw. gedacht haben. Er zählte bis zu diesem alles entscheidenden Montag in New York als möglicher Kandidat für den Posten des französischen Ministerpräsidenten. Und damit zu den Top Ten der Mächtigen dieser Welt.
Solche Machtdemonstrationen gab es in der Vergangenheit immer wieder. Wagte etwa ein hungernder Untertan in den fürstlichen oder gräflichen Wäldern zu jagen, bezahlte er dies zumeist mit dem Tod. Die Leibeigenen wurden nach Strich und Faden abgezockt, sodass sie nicht selten an Hunger oder Krankheiten verstorben sind. Es ging ja sogar soweit, dass der Gerichtsherr bei einer Hochzeit seiner Untergebenen die Hochzeitsnacht mit der Braut verbringen durfte, wenn diese nicht freigekauft werden konnte (ius primae noctis – das Recht der ersten Nacht). Da fragt man sich durchaus, was es dann mit den vielfach gerühmten ritterlichen Tugenden wie “Maze”, “Zuht”, “Höveschkeit”, “Milte” und “Werdekeit” auf sich hatte.
Solche Macht jedoch ist für den Betroffenen “geil” (siehe auch die Untersuchungsergebnisse der Studie von John Bargh) und will natürlich geteilt werden. Deshalb wirken die Mächtigen in zweierlei Hinsicht als anziehend: Grenzenloses Tätigkeitsspektrum und sollte tatsächlich mal eine Grenze auftauchen, so kann diese jederzeit mit Geld niedergerissen werden. Der ehemalige US-Aussenminister Henry Kissinger sprach in dieser Hinsicht vom “Stärksten Aphrodisiakum”. Er muss es ja wissen, schliesslich war der Amerikaner mit deutschen Wurzeln zu seiner Zeit einer der wichtigsten Männer an den Schalthebeln der Macht!
Umso verwunderlicher jedoch ist diese angebliche Tat: Dominique Strauss-Kahn war nur einen kleinen Schritt von wohl seinem grössten Ziel, einer Wohnung im Élysee-Palast in Paris, entfernt. Gleichzeitig allerdings reichte für ihn auch ein kleiner Fehltritt aus, um seiner Karriere als Banker und Politiker den Todesstoss zu versetzen. Wäre es da nicht zielführender gewesen, für diesen offenbar erzwungenen Dienst nicht eine Person zu ordern, die dafür bezahlt wird und auch schweigen kann? Daneben wissen wir, dass der Weg zum Thron heiss umkämpft ist. Seit Watergate und anderen Schlammschlachten um solche Ämter ist es allseits bekannt, dass gerade wenn’s eng wird, gerne in die politische Trickkiste gegriffen wird, um seinen Gegner aus dem Weg zu räumen. Dabei muss der Kontrahent selbst vielleicht gar nicht dahinter stecken! Und – da ja aller guten Dinge bekanntlicherweise drei sind: Auch im IWF selbst hat der Kampf um den hoch dotierten Chefsessel bereits begonnen. Rund ein Dutzend Kandidaten scharren in den Startlöchern – dabei fällt auch der Name Josef Ackermann. Der Schweizer ist derzeit Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank und der Wunschkandidat der Regierung Merkel. Doch haben etwa auch China und Brasilien Interesse angemeldet. Zuletzt noch jene Frage, die mich bei all diesen Diskussionen wohl am meisten beschäftigt: Wenn Strauss-Kahn diese Tat wirklich begangen hat – dachte er, das Zimmermädchen hätte gechwiegen? Jede Frau, der so etwas schreckliches angetan wird, sollte dies auf jeden Fall zur Anzeige bringen, um den Täter einerseits natürlich dafür büssen zu lassen – allerdings auch, damit dieser aus dem Verkehr gezogen wird und nicht wieder zuschlagen kann. Dieser Fall wäre wohl spätestens dann ans Tageslicht gekommen, wenn Dominique Strauss-Kahn im französischen Wahlkampf gesteckt hätte. Oder wollte der Banker vielleicht abtauchen? Geld genug hätte er ja – doch wäre er binnen kürzester Zeit gefunden worden. Also: Was steckt wirklich hinter dieser ganzen Affäre? War es ein Aussetzer oder von langer Hand geplant?

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Auge um Auge, Zahn um Zahn!!! Bis keiner mehr da ist!

Im vergangenen Oktober spazierte ich nichts ahnend durch die Strassen der Nordtiroler Landeshauptstadt Innsbruck. Dabei habe ich eine Pizzaschnitte verdrückt! Mach’ ich gerne, da ich weiss, dass sich plötzlich der Magen meldet, wenn ein Wanderer auf Schuster’s Rappen an einem Essenden vorbeimarschiert. Es macht unheimlich Spass, hierbei die Gesichter der Anderen zu studieren. Vor dem Einkaufszentrum Sillpark kam mir eine Gruppe Jugendlicher mit migrantischem Background entgegen. Als sie mich passierten, wünschte mir der vermeintliche Redelsführer “Mahlzeit!” Ich war höchst überrascht, ob der Freundlichkeit und guten Erziehung und quittierte dies mit einem freundlichen “Danke!” Als ich aber bereits rund 50 m entfernt war, hörte ich plötzlich im Rücken einen Schrei: “Willst Du Kebap! Ich sag’ Dir bestes Kebap in Stadt! Hey! Hey! Heeey!” Auch als ich bereits die Carl Lewis-Entfernung hatte, schrie dieser migrantische Parade-Jugendliche noch immer! Mein Glück, dass es zu keiner Handgreiflichkeit kam!? Oder ihr Glück: Habe nämlich eine Selbstverteidigungsausbildung absolviert! Ist zwar schon geraume Zeit her – müsste sie mal wieder auffrischen! Doch gewisse Griffe verlernt man nicht! Bei einer durchaus gewünschten Demonstration meines Könnens hätte ich damals unbeabsichtigt meinem Bekannten fast den Arm und das Schulterblatt gebrochen! Ähm – er wollte das Flugerlebnis unbedingt haben – ansonsten lernt man bei solchen Ausbildungen, dass sehr vorsichtig mit der Kunst umzugehen ist, da die Folgen fatal sein können!!!
Um gleich vorweg allen Vorurteilen entgegen zu sprechen – dieses Posting soll nicht etwa gegen Migranten gerichtet sein, sondern gegen die Brutalität der heutigen Jugend! Auch dies soll nicht pauschaliert werden – deshalb drücke ich es besser so aus: Gegen die Brutalität gewaltbereiter Jugendlicher! Anlass hierzu war ein schlimmes Vorkommnis in Berlin.
www.spiegel.de/video/video-1109628.html
Für all jene, die sich das Video nicht anschauen möchten – hier eine kurze Sachverhaltsdarstellung:
Ostersamstag 03.30 Uhr – U-Bahnstation Berlin-Friedrichstrasse. Ein Jugendlicher stänkert einen Mann an! Als dieser nicht sonderlich darauf reagiert, rastet der Jugendliche komplett aus und schlägt auf den Mann ein. Nach vier Fusstritten gegen seinen Kopf wird dieser bewusstlos! Dies hindert jedoch den Haupttäter, Torben P. nicht daran, auch weiterhin gegen den leblos am Boden liegenden Körper einzutreten. Erst als ein anderer Mann einschreitet, flüchten die beiden Jugendlichen. Die Szene wird von der Überwachungskamera gefilmt und kursiert derzeit im Internet (durch die Polizei auf Ihrer Homepage zur Identifizierung der beiden Täter veröffentlicht). Grauenvoll zu sehen, mit welcher Brutalität der 18-jährige gegen seinen vermeintlichen Gegner vorgeht! Das Opfer, der 29-jährige Markus P. muss mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Die Bilder der Kamera führen zur Identifizierung der beiden Jugendlichen – es wird Haftbefehl wegen versuchten Totschlags bzw. gefährlicher Körperverletzung erlassen. Der Haupttäter hat sich am Abend nach der Tat in Begleitung seines Anwaltes bei der Reinickendorfer Wache gestellt, der Mittäter am darauffolgenden Morgen. Und da geschieht etwas völlig unverständliches: Der Untersuchungsrichter setzt die beiden aufgrund gezeigter Reue wieder auf freien Fuss! Experten und Nicht-Experten reagieren erstaunt und wütend. Nach Meinung der Polizei wurde hierdurch aufgezeigt, dass man “anderen Menschen auf dem Kopf rumspringen” kann und muss dafür nicht mal durch Haft büssen (Bodo Pfalzgraf von der Polizeigewerkschaft). So meinte etwa auch der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen, Christian Pfeiffer im ARD-Morgenmagazin, dass es ein schlechtes Zeichen gewesen sei, v.a. den Haupttäter nicht wegzusperren. Die Fluchtgefahr hätte ohne weiteres für den Richter mit dem Versuch des Totschlags begründet werden können. Allerdings warnt er vor der Einführung eines sog. “Warnschuss-Arrestes” bei Jugendlichen. Die Rückfallquote liegt bei rund 71 %. Nur im Jugendstrafvollzug ist diese mit 80 % gar noch höher. Dies wird auch durch die Justiz bestätigt. Einerseits sind die meisten dieser jugendlicher Täter keine Ersttäter. Sie haben damit ihren “Warnschuss” bereits erhalten. Daneben dauert es oft Monate, bis ein Jugendarrest vollzogen werden kann, da die hierfür vorgesehenen Anstalten zum Bersten voll sind. Wesentlich sinnvoller erscheine da eine grössere Polizeipräsenz!
Die Politik fordert eine höhere Mindeststrafe. Die Diskussion über diesen “Warnschuss-Arrest” läuft schon seit einigen Jahren. Dabei soll der Täter zeitnah zur Tat erkennen, was es bedeutet, für ein solches Handeln eingesperrt zu werden. Die deutsche schwarz-gelbe Koalitionsregierung wollte eigentlich schon längst eine entsprechende Strafmöglichkeit einführen. So betont etwa der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Günter Krings gegenüber der Zeitung “Die Welt”, dass es der Vergangenheit angehören müsse, dass Jugendliche ihre Bewährungsstrafen als Trophäen vorzeigen. Bis Pfingsten soll eine Gesetzesvorlage erarbeitet worden sein. In den meisten Jugendstrafverfahren werden nämlich bislang zumeist solche Strafen auf Bewährung ausgesprochen. Befürworter begründen dies v.a. mit der Rückfallquote. Diese liegt hier bei 45-50 %. Deshalb sehen Jugendexperten eine Kombination zwischen der Bewährungsstrafe und dem Jugendarrest als sinnvollste Möglichkeit an. Doch hierzu müssten die Verfahrenszeiten zwischen der Tat und dem Jugendarrast verkürzt werden, um dadurch einen pädagogischen Akzent zu setzen.
Das Berliner Opfer, Markus P. hat die Erinnerung an diese grauenvolle Tat verloren. Er hat inzwischen das Video gesehen und reagiert mit Fassungslosigkeit. Bei seinem Retter, Georg Bauer, einem Bayern, der zu Besuch in Berlin war, bedankt er sich! Der 21-jährige Mann wurde ebenfalls durch einen Tritt in den Rücken und den darauffolgenden Sturz verletzt. Wer weiss, was geschehen wäre, wenn niemand eingegriffen hätte: “Sonst wäre ich vielleicht tot!” Auch Georg Bauer versteht die Freilassung nicht. Daneben kritisiert er die Zivilcourage der anderen. Er sei der einzige gewesen, der eingegriffen hat. Dabei habe auch er um Hilfe geschrieen, doch sei niemand herbeigeeilt.
Für die Staatsanwaltschaft liegt der Fall klar auf dem Tisch. Die Beweislast ist erdrückend, daneben hat der Haupttäter in der Vernehmung ausgesagt, dass er das Opfer aus reiner Streitlust zufällig ausgesucht habe. Der Prozess soll – nach einer raschen Anklageerhebung – so rasch als möglich abgehalten werden. Es bleibt bei versuchtem Totschlag und gefährlicher Körperverletzung.
Inzwischen gab es zwei erneute Übergriffe. Dabei schlugen vier Unbekannte in Friedrichshain auf einen 29-jährigen Mann ein. Nachdem Zeugen die Polizei alarmiert hatten, flüchteten die Täter. Das Opfer erlitt innere Kopfverletzungen, wollte sich allerdings zur Tathergang selbst nicht äussern. In Rotenburg an der Fulda wurde ein 50-jähriger Mann im Schlosspark von einer Jugendgang verprügelt. Die Polizei ist den Jugendlichen auf der Spur, ob ihnen die Taten allerdings nachgewiesen werden können, ist fraglich.
Auch wir haben als Kinder mehr – als Jugendliche weniger gestritten, geboxt, geprügelt – das gehört wohl bei jedem männlichen Kind dazu. Doch gab es bei uns eine Hemmschwelle, die uns aufzeigte: Bis hierher und nicht weiter! Es wäre niemandem von uns in den Sinn gekommen, gegen einen auf dem Boden Liegenden einzutreten! Als ich nach einem Vorfall in der Schule mit dem Sohn einer Bekannten gesprochen habe, meinte dieser: “Wenn ihm die Grösseren sagen, er solle einen anderen verprügeln, dann mache er dies auch!” Die zu Hilfe geholte Schulpsychologin brach die Therapie schon nach der ersten Stunde ab – sie habe nichts auffälliges gefunden! Über die Hintergründe dieser Gewalt streiten sich die gelehrten Köpfe. Liegt es an den Computer-Spielen? An der Brutalität im Fernsehen (dieser eben erwähnte Junge hatte übrigens schon in der Volksschule einen eigenen Fernseher in seinem Zimmer stehen!) oder ist es eine grundsätzlich härter werdende Welt, die sich gerade bei den Kindern aufstaut und in Form solcher Gewalttaten entlädt? Fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten, mangelhafte pädagogische und psychologische Betreuung – hieran kann es wohl nicht liegen, behaupten doch sehr viele Eltern, die besten der Welt zu sein und lassen sich in ihrer Erziehung nicht helfen! Wir damals haben unsere Aggressionen kanalisiert – wollten wir uns abreagieren, so sind wir auf den Fussballplatz gegangen und haben Bälle geschoben. Später dann auch in anderen Sportarten Meisterschaft gespielt, wobei überflüssige Energien durch mehrfaches wöchentliches Training abgebaut wurden und Aggressionen auf den Spielgegner projiziert wurden. So mancher, der vor dem Spiel nicht bereit war, den freundschaftlichen “Abklatsch” zu geben, war es zumeist nach dem Spiel! Heutzutage jedoch beklagen sich sehr viele Vereine (nicht nur Sportvereine) über Nachwuchsprobleme. Woran liegt das???!!!

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Alles im Öl – oder was???

Bio ist in – vor allem nach der Atomkatastrophe von Fukushima versucht jeder einen Hauch von Umwelt- und Klimaschutz auszustrahlen! Doch längst vorbei sind die Zeiten, als die Kämpfer für die Rechte der Natur mit den Begriffen “Körndlfresser” oder “Birkenstock-Jesus” charakterisiert wurden. Heutzutage steckt auch hinter so manchem feinen Zwirn ein akribischer Mülltrenner, ein Öffi-Benutzer oder gar ein Veganer. Hasserfüllt werden jene Menschen aussortiert, die in der Bannmeile auf der Strasse stehen und noch schnell eine Zigarette geniessen. Mit Kopfschütteln all jene Autofahrer bedacht, aus deren Fahrzeug-Auspuff an der Ampel dicke Rauchwolken den Weg ins Freie suchen. Jeder versucht zumindest in der Öffentlichkeit aufzuzeigen, dass ihm sein unmittelbares Umfeld nicht egal ist und er/sie eine intakte Umwelt für den Nachwuchs erhalten will. Doch wie sieht’s mit dem nicht unmittelbaren Umfeld aus?
E10 – der deutsche Treibstoff mit 10 Prozentteilen Biosprit erweist sich nach wie vor als Ladenhüter – auch bei jenen Autofahrer, die ihn eigentlich ohne Probleme tanken könnten. Hier sind uns offenbar die Brasilianer und Mexikaner um Längen voraus. Doch was als die grosse,neue Hoffnung im Kampf gegen die Abhängigkeit von den fossilen Brennstoffen beworben wird, trägt nicht immer unbedingt das Umwelt-Gütesiegel. So werden von den Ölmultis immer wieder auch Materialien als Ausgangsstoffe verwendet, die den eigentlich positiven Nutzen des Endproduktes ad absurdum führen. In diesem Falle etwa Palmöl (stammt von der Ölpalme Elaeis guineensis – eigentlich aus Afrika, reich an gesättigten Fettsäuren, gedeiht am besten im tropischen Klima)! Gepflanzt, geerntet und teilweise auch verarbeitet in Fernost-Asien oder Südamerika muss dieses teils sogar aufwendiger als das Erdöl zu den Raffinerien transportiert werden. Dabei wird sehr häufig übersehen, dass auch dieser Transport mit sehr grossem Aufwand betrieben werden muss und sowohl die Schiffe, als auch die LKW zumeist mit fossilem Treibstoff betrieben werden und dadurch ebenfalls Schadstoffe und Treibhausgase ausstossen. Daneben zeigt eine Studie auf, dass der Emissionsausstoss von Biodiesel aus Palmöl bei 33 Tonnen CO2 pro Tonne Treibstoff liegt – das wären dann zehnmal so viel wie bei herkömmlichem Diesel. Doch gibt es noch einen weiteren, ganz entscheidenden Faktor, der den Klimaschützern schwer im Magen liegt!
Damit dieses Palmöl hergestellt werden kann, muss Boden kultiviert werden. Im Raubbau an der Natur kennt die Gewinnsucht der Grossen kein Halten! So wird etwa im sog. “Paradise Forest” auf Indonesien jede Stunde Regenwald in der Grösse von 300 Fussballfeldern abgeholzt. Er muss den Ölpalmen-Plantagen weichen. Der Regenwald gilt als die “grüne Lunge” unseres Planeten. Hier findet auf Basis der pflanzlichen Photosynthese der Gasaustausch statt. Kohlendioxid wird dabei in Sauerstoff umgewandelt. Diesen benötigen alle Lebewesen – auch die Pflanzen selbst – zum Atmen, für die Muskelarbeit, zum Verbrennen in den Kraftwerken der Zellen – in den Mitochondrien. Ohne den Sauerstoff ist so gut wie alles Leben zum Sterben verurteilt. Indonesien zählt aufgrund dessen neben China und den Vereinigten Staaten zu den traurigen Top Drei der Umwelt- und Klimasündern. Berechnungen etwa haben ergeben, dass alleine die Abholzung des Regenwaldes jährlich rund 20 % der klimaschädigenden Treibhausgase bewirkt – das ist mehr als der gesamte Automobil- und Flugverkehr gemeinsam verursachen. Um dies zu verstehen, hier eine kurze Erklärung. Riesige Maschinen machen die Grobarbeit und schneiden die Bäume nieder, die nicht selten als Papier auf unseren Schreibtischen oder Zierholz in unseren Wohnzimmern landen. Was an Kleinzeugs über geblieben ist, wird mittels Brandrodung abgefackelt. Danach wird der kohlenstoffreiche Torfboden entwässert. Hierdurch gelangt dieser – in Form von zumeist CO2 – wieder in die Atmosphäre zurück. Experten sprechen davon, dass Indonesien alleine für rund 8 % der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich zeichnet – obwohl ja hier eigentlich der riesige Gasaustausch in anderer Richtung erfolgen sollte. So speichert ein Hektar Regenwald circa 300 Tonnen Kohlenstoff, 1 Hektar Ölpalmen-Plantage hingegen nur 40 Tonnen. Dieser Hektar erbringt in etwa 4-6 Tonnen Öl (Raps im direkten Vergleich nur 0,6 – 2,5 Tonnen) pro Jahr.

http://www.greenpeace.org/switzerland/de/News_Stories/Newsblog/neue-beweise-fr-urwaldzerstrung-durch-sinar-m/blog/12484

Diese Problematik hat auch Norwegen erkannt. Premierminister Stoltenberg sagte 1 Milliarde US-Dollar für das Schutzsystem REDD zu, wenn diese Abholzung gestoppt werde. Im Mai 2010 gab der indonesische Präsident Yudhoyono sein Wort darauf, dass dies in den nächsten zwei Jahren umgesetzt werde! Doch gibt es bis zum Mai 2012 in Indonesien noch Urwald? Deshalb drängen Umweltorganisationen wie etwa Greenpeace oder Global 2000 auf den sofortigen Stopp der Abholzung. Die letzten zusammenhängenden Urwaldgebiete auf Borneo und Sumatra sollen so rasch als möglich geschützt und bereits erteilte Abholz-Genehmigungen wieder zurückgenommen werden. Der stärkste Gegner von Greenpeace heisst dabei Sinar Mas. Das Unternehmen ist der grösste Palmöl-Produzent Indonesiens und brachte es bereits im Jahr 2007 auf nicht weniger als 392.000 Hektar Anbaufläche. Doch alle Beteuerungen des Managements, dass hierbei nachhaltig gearbeitet wird, sind nach Angaben der Umweltaktivisten “warme Luft” (siehe hierzu auch “Sinar Mas – Forest and Climate Criminal”, Greenpeace). Weltweit wurden im Jahre 2007 42,5 Mio Tonnen Palmöl und Palmkernöl produziert. Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich der Palmölverbrauch nahezu verdoppelt. Nicht weniger als 44 % davon stammen aus Indonesien, 41,5 % aus Malaysia. Auch in Kolumbien wird vermehrt Regenwald zerstört – der Ölpalmenanbau wird hier durch die Kokain-Kartelle finanziert. Brasilien entdeckt ebenfalls die Möglichkeiten: So bringt es der brasilianische Senator Flexa Ribeiro auf den Punkt: “Palmöl ist unser grünes Erdöl!” – das Land in Amazonien ist gross und günstig!!!
Doch wird Palmöl nicht nur an der Bio-Tanke verwendet. Auch in der Kosmetikindustrie und der Lebensmittelproduktion spielt es eine inzwischen nicht zu unterschätzende Rolle. So wird durch Palmöl 32 % des weltweiten Pflanzenölbedarfs abgedeckt – sehr viele von uns werden es – zumeist unbewusst – schon mehrfach auch heute verwendet haben: In der Margarine, dem Frittierfett, der Schokolade, Waschmitteln oder Kerzen. Beispiel Österreich: Im Jahr 2007 importierte der Alpenstaat nicht weniger als 49.000 Tonnen Palmöl – 2005 waren es noch 17.000. Das meiste Öl geht in die Lebensmittelproduktion – doch wird auch in der Raffinerie Schwechat Palmöl zu Bio- oder Agrodiesel verarbeitet. Über 90 % der weltweiten Palmölproduktion ist für den europäischen Markt bestimmt. So verbraucht etwa das Unternehmen Unilever 1,5 Mio Tonnen jährlich.
Wie allerorts üblich, bestimmt die Nachfrage die Produktion. Und hier ist wieder jeder Einzelne unter uns aufgerufen, beim Erhalt unserer Umwelt mitzuhelfen. Palmöl ist auf der Zutatenliste der Lebensmittel zumeist nicht direkt zu erkennen. Es verbirgt sich fast ausschliesslich hinter der Bezeichnung “pflanzliches Öl” oder “pflanzliches Fett”. Greift der Konsument nun auf Produkte zurück, die mit Raps- oder Sonnenblumenöl hergestellt wurden, so wurde mit einem kleinen Fingerzeig bereits schon wieder Grosses getan.
Durch diese grossflächige und brutale Vernichtung des Regenwaldes werden auch unzählige Spezies bedroht. Etwa der Orang-Utan auf Borneo, dessen natürlicher Lebensraum immer kleiner wird. Deshalb begibt er sich (auf der Suche nach Futter) immer wieder auch auf die Palmenplantagen. Dort aber wird er abgeschossen, gefangen oder verstümmelt (siehe hierzu auch “Blutiges Palmöl” von Dr. Willie Smits). Deshalb brachte die Borneo-Orang-Utan-Hilfe eine ständig aktualisierte Weisse Liste jener Unternehmen heraus, die auf Palmöl aus diesem Gebiet verzichten. Diese können Sie auf http://borneoorangutanhilfe.de herunterladen.
Die Menschen in den betroffenen Regionen selbst merken nichts von diesem globalen Palmölboom. Sie wurden nach Sumatra umgesiedelt und verdienen als Erntehelfer Niedriglöhne. Zudem waren viele von ihnen zuvor Kleinbauern oder Ureinwohner dieser Flächen, deren Landrechte durch den Anbau brutalst verletzt werden. Gleiches Bild auch in Honduras. Nachdem schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen ans Tageslicht kamen, hat die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) nach Angaben der FIAN die Auszahlung eines vereinbarten Darlehens an das Unternehmen Corporación Dinant gestoppt (Angaben FIAN). So sollen Im Bajo Aguán alleine zwischen Januar 2010 und Januar 2011 23 Bauern und ein Journalist im Zusammenhang mit einem Landkonflikt ermordet worden sein.
Aus all diesen Gründen sieht etwa der WWF im Palmöl zwar eine Chance für die Herstellung biogener Treibstoffe, fordert jedoch ebenso wie alle anderen Umwelt- und Klimaschutzorganisationen einen nachhaltigen Anbau – beispielsweise auf Brachflächen bzw. nach den Kriterien des “Roundtable on Sustainable Palm Oil” (RSPO). Dadurch soll diese Möglichkeit ökologisch und sozial richtig genutzt werden. Der RSPO gehören inzwischen 160 Mitglieder an – Produzenten, Käufer und Verarbeiter von Palmöl – dadurch sind circa 50 % der Palmölproduktion weltweit abgedeckt.

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