Archive for Juli, 2011

Der Postfuchs zieht sich in seinen Bau zurück!!!

Es tut sich einiges bei mir dieser Tage! Ich will zwar nicht behaupten, dass ich etwas ins Rollen gebracht habe, schliesslich war die Kritik bereits vorher schon lauthals artikuliert worden (auf welchem Wege auch immer); doch freut es mich, dass ich offenbar den Nagel auf den Kopf getroffen habe und sehr vielen Mitbürgern, oder soll ich besser sagen: “Leidensgenossen”, aus der Seele gesprochen habe. Auf diesem Wege: Vielen Dank für die vielen Reaktionen! Dadurch, dass diese Vorgeschichte nichts mit dem Blog zu tun hat (bislang zumindest), wissen auch eingefleischte Leser dieser Zeilen nicht, um was es geht! Deshalb: Gehen wir in medias res!
Es ergab sich, zu einer Zeit nach der Porto-Gebührenanhebung durch die österreichische Post, dass ich in die Situation kam, eine CD-Single in Österreich verschicken zu müssen. Als gutinformierter Zeitgenosse wusste ich, dass auch im Alpenstaat das Briefmonopol nach der Verabschiedung der sog. “Postrichtlinie” im Europaparlament mit dem 01. Januar 2011 gefallen ist und die Österreichische Post daraufhin mit einer Gebührenerhöhung zum 01. Mai 2011 reagiert hat! Trotzdem – aus Macht der Gewohnheit oder vielleicht auch mangels alternativer Anbieter im regionalen Umfeld, gebe ich solche Sendungen nach wie vor auf dem Postamt auf, sofern es ein solches noch gibt. Denn inzwischen sind ganze Talschaften leergefegt – aber dazu etwas später mehr! Ich gehe also zur freundlichen Christl von der Post in dieser Post-Partnerstelle. Nachdem ich früher schon mal Anfälle von Schwindel bekommen habe, nachdem ich einen Brief, der schwerer als 100 g war von Österreich aus nach Deutschland schicken wollte, bin ich etwas vorsichtiger geworden und habe die nette Dame erstmal darum gebeten, mir einen Kostenvoranschlag zu erstellen. Die pflichtbewusste Angestellte legt die Sendung auf die Waage, tippt einiges in den Computer und meinte dann: 2€70!!!
Hätte ich nicht – bedingt durch früheres Kampftraining – einen sehr guten Stand, so hätte mich dies schlichtweg zu Boden geschleudert! Nach Luft schnappend, mit zitternden Händen und wackelnden Knien sowie einem plötzlich aufgetretenen flauen Gefühl im Magen, muss ich einen wohl sehr intelligenten Gesichtsaudruck vermittelt haben oder rot angelaufen sein! Jedenfalls herrschte für rund 30 Sekunden eine eisige Stille im Raum! Für eine andere Maxi-CD hatte ich vor der Gebührenerhöhung 90 Cent bzw. einen Euro bezahlt. Der netten Dame hinter dem Tresen dürfte mein Gemütszustand nicht verborgen geblieben sein. Deshalb versuchte sie auch gleich eine Erklärung anzubringen. Nicht biegsame, briefähnliche Postsendungen sind nicht maschinenfähig. D.h. sie werden beim Sortiervorgang in einer der sechs Logistikzentren der österreichischen Post (1998 waren es noch 38 solcher Briefzentren!) von der Maschine ausgesondert und im extremsten Falle sogar zerfleddert (oh wow!). Diese müssen aufwendig händisch nachsortiert werden. Somit kosten entsprechende Briefsendungen etwas mehr als die eigentlich dafür vorgesehene Portoklasse. Als ich versuchte, nachdem ich mich wieder einigermassen gesammelt hatte, mit der Christl zu verhandeln, meinte diese freundlich aber doch bestimmt: Ich könne es durchaus in einer anderen Filiale versuchen, vielleicht fände ich noch jemanden, der mir den Brief als normalen Brief abnehmen würde, doch könne es sein, dass der Empfänger dann Strafporto zu bezahlen habe. Das wollte ich nun auch wieder nicht und gab den Brief also zu diesem Preis auf.
Einen Tag später allerdings – ich brauchte dies um das in mir nagende Gefühl zu befriedigen – verschickte ich österreichweit einen Leserbrief an die grössten Tages- und Wochenzeitungen sowie Magazine.
Nach einer Woche wohlverdienten Urlaubs war ich dann wieder telefonisch erreichbar und erhielt auch stante pede einen Anruf. Es meldete sich ein Divisionsleiter der österreichischen Post, der meinte, dass sich der Herr Generaldirektor aufgrund dieser Veröffentlichung betroffen ob des Wissensstandes der Postpartner gezeigt habe. Für Massenversender hätte diese Sendung nämlich 3€80 ausgemacht – die Christl habe mir kulanterweise ein besseres Angebot unterbreitet. Ausserdem sei die ortsansässige Postpartnerstelle überprüft worden. Die Zentrale in Wien zeige sich sehr zufrieden mit dem Wissensstand der Betreiber. Als ich nun erwähnte, dass ich die Sendung nicht im Ort sondern bei einem anderen Partnerunternehmen abgegeben habe, zeigte sich der Manager etwas überrascht, um nicht zu sagen, dass es ihm peinlich war. Er sagte mir einen erneuten Anruf zu, damit wir diese Angelegenheit in beiderseitger Zufriedenheit lösen können. Diesen gab es auch am folgenden Tag. Die Dame war sehr bemüht, doch nachdem ich kein professioneller Briefeversender bin (Unternehmen ab einer gewissen Umsatzhöhe) konnte auch sie mir nicht weiterhelfen. Seither erhalte ich jeden Tag Reaktionen auf diesen Leserbrief. Deshalb dachte ich, ich recherchiere hier etwas genauer und schreibe ein paar Zeilen dazu.
Nach meinen Untersuchungen gibt es in den Logistikzentren der österreichischen Post vier Maschinen: Grobverteilung (bis zu einer Grösse von C5 auf Feinverteilerprogramme bzw. für Sendungen ins Ausland), Feinverteilung (bis zu einer Grösse von C5 auf Zustellbasen und -bezirke), die Stempelmaschine und der Flatsorter für rechteckige Sendungen bis zu einer Grösse von B4, 2 cm Dicke und einem Gewicht von max. 1 kg. Damit müsste dann wohl eigentlich der Flatsorter für diese Misere zuständig sein!
Nun habe ich einen Vergleich angestellt: Was kostet eine Briefsendung im jeweiligen Inland bzw. eine Versendung ins Ausland. Spätestens hier habe ich gewusst: Autsch – ich habe in ein Wespennetz gestochen. Hier nun die Vergleiche:

Briefformat C4 – bis zu 100 g

Österreichische Post
Inland: 1,45 € (wenn quaderförmig)/3,80 € (wenn nicht quaderförmig)
Ausland: 3,40 € (wenn quaderförmig)/19,75 € (wenn nicht quaderförmig)

Deutsche Post
Inland: 1,45 €
Ausland: 3,45 €

Schweizer Post
Inland: 1,80 CHF
Ausland: 3,80 CHF

Briefformat C5 – bis zu 100 g

Österreichische Post
Inland: 1,45 € (wenn quaderförmig)/3,80 € (wenn nicht quaderförmig)
Ausland: 3,40 € (wenn quaderförmig)/19,75 € (wenn nicht quaderförmig)

Deutsche Post
Inland: 1,45 €
Ausland: 3,45 €

Schweizer Post (Grösse: B5)
Inland: 0,85 CHF
Ausland: 2,80 CHF

(Quellen: Online-Tarifrechner der Österreichischen Post/Online-Portokalkulator der Deutschen Post/Gebührentabelle der Schweizer Post).
Au backe: Heisst dies nun, dass (sofern ich wieder eine Maxi-CD verschicken sollte) ich diese künftig von Deutschland aus nach Österreich senden werde, denn dies kommt mich günstiger als die Inlandsversendung in Österreich?
Bei der Definition des “Quaders” bin ich ebenso fündig geworden: “Ein Quader ist ein Körper mit sechs oder mehr rechteckigen Flächen, deren Winkel alle rechte Winkel sind!” (Wikipedia) oder vereinfacht ausgedrückt: “Sechs geeignete Rechtecke bilden einen Körper, den Quader.” (www.mathematische-basteleien.de). Der Würfel und das quadratische Prisma sind Sonderformen des Quaders! Somit muss ich also davon ausgehen, dass dieses (nicht mal Luftpolster-) Kuvert die Voraussetzungen eines Quaders nicht erfüllt hat! Hätte ich die Sendung nach Deutschland verschickt, so wäre ich auf 19,75 € Versandgebühren gekommen! Uff – welche CD ist das wert??? Die Deutsche Post interessiert sich (zumindest derzeit) nicht dafür, ob die Briefsendung maschinenfähig ist oder die geometrischen Anforderungen eines Quaders gerade noch erfüllt.
Bei der österreichischen Post habe es seit 2003 keinerlei Porto-Erhöhungen gegeben, wurde mir gesagt. Seit diesem Zeitpunkt jedoch hat sich innerhalb des Unternehmens sehr viel getan. Im Mai 2006 ging der Betrieb an die Borse. Dennoch befinden sich 52,8 % im Besitz der ÖIAG, einem nach wie vor staatlichen Unternehmen. Der ehemals gelbe Riese macht seit 2003 immer wieder durch Dienststellen- bzw. Filialschliessungen von sich Reden. Inzwischen gibt es ganze Talschaften ohne Postfiliale. Die Agenden haben Postpartnerstellen wie Einzelhandel, Gemeindeämter, Tourismusverbände u.ä. übernommen. Personal, das dadurch seinen Dienstort verloren hat, wurde entweder dienstzugeteilt oder versetzt bzw. traf sich all morgendlich zum “kollektiven Zeitunglesen” oder “Kartenspielen” in einer dieser damals noch bestehenden Brief- oder Logistikzentren (lt. Aussagen Betroffener und Gewerkschaftsvertreter). Auch jene Personen, die eigentlich die Post zu dem gemacht haben, was sie bislang gewesen ist, nämlich einem freundlichen und zuverlässigen Dienstleister, die Briefträger, konnten aufgrund ihres Beamtenstatusses nicht gekündigt werden. Sie wurden lt. Aussage von Betroffenen möglichst weit weg versetzt, bis sie selbst gekündigt haben oder in Frühpension gingen. Ersetzt wurden diese grossteils durch nicht-beamtete Angestellte nach neuem Kollektivvertrag, der wesentlich unter jenem ihrer vorherigen Kollegen lag. Andere Möglichkeit bei Privatisierungen staatlicher Betriebe ist das sog. “Optieren”. Dem Beamten wird ein besserer Vertrag auf Vertragsbediensteten oder Angestelltenbasis angeboten. Hat er sich einmal dafür entschieden, verliert er den Beamtenstatus und wird kündbar!
Jedes Unternehmen, das an die Börse geht, muss sich zuvor “gesundschrumpfen”, damit die Aktie eine bessere Performance und damit eine möglichst hohe Marktkapitalisierung erreicht wird. Spricht man nun einen Postmanager auf die letzten Jahre an, so erhält man als Antwort: Mietkosten, Personalaufwand,… Die ehemals “Gelbe Post” hat sich somit vom Dienstleister zum reinen Logistikunternehmen zurechtgestutzt! Dadurch denke ich mir, ist zugunsten positiver Jahresbilanzen allerdings auch der Wert des Unternehmens gesunken (liege ich da mit meinem betriebswirtschaftlichen Hausverstand auch richtig?). Nachdem über 52 % des Unternehmens noch verstaatlicht sind, geht es hierbei allerdings auch um Steuergelder. Werfen wir doch einmal gemeinsam einen Blick auf die Jahresbilanz 2009 (Quelle: www.post.at):

“Umsatzrückgang um 84,5 Mio EUR bzw 3,5%;
EBIT um 20,1 Mio EUR bzw. 11,9% reduziert;
hoher Cash-Flow und solide Bilanz.”

Der Personalaufwand belief sich 2009 auf 50 % des Umsatzes und erhöhte sich um 1,8 % bzw. 20,1 Mio €.
Die Sachkosten konnten um 39,6 Mio € reduziert werden.
2009 war das Krisenjahr – Weltwirtschaftskrise, Rezession,…! Trotzdem fuhr die Österreichische Post ein EBIT (Ergebnis vor Steuern und Zinsen) von 149,4 Mio € ein – die Division Brief erzielte sogar ein positives EBIT von 221,1 Mio €!

Nachdem der wirtschaftliche Aufschwung 2010 wieder einsetzte, wurden hier auch bessere Zahlen erwirtschaftet: Gesamtumsatz: 2,351 Milliarden € (+0,3 %) – Gewinnsteigerung von 79,7 Mio auf insgesamt 118,4 Mio (Quelle: Die Presse). Somit gab es also auch im Krisenjahr einen recht ordentlichen Gewinn – die Aktionäre freuen sich (rund 41 % befinden sich im Streubesitz).
Das aktuelle Motto der Post lautet: “Modern, dynamisch, kundenorientiert”! Unser Briefträger liefert die Post am späten Vormittag – zu einer Zeit, in welcher Herr und Frau Österreicher normalerweise am Arbeiten sind. Möchte ich eine Sendung aufgeben, so muss ich einerseits unheimlich hohe Portokosten bezahlen (ausser ich versende nur Papier), andererseits muss ich diese Sendung mangels Postfilialen bei einer Postpartnerstelle aufgeben, die selbstverständlich kundenorientiert denkt, schliesslich erhofft sie sich, dass der Versender auch etwas einkaufen wird! Doch: Mit dem “Dienstleister” komme ich eigentlich nicht mehr in Berührung, da die Logistik im Hintergrund läuft! Die Post schrumpft sich also nach wie vor gesund (obwohl ja eigentlich ständig weiter Gewinne erwirtschaftet werden!). Die Frage, ob dies den Kunden oder in weiterer Folge auch den Steuerzahler betrifft, möchte ich hier nicht klären, sondern überlasse besser die Antwort Ihnen!!! Ich jedenfalls werde es mir künftig doppelt überlegen, ob ich etwas anderes als Papier mit der Post verschicke. Und hier denke ich, beisst sich die Katze selbst in den Schwanz: Durch etwa PGP-Verschlüsselungen, https-Verbindungen, digitale Signaturen und elektronische Einschreibbriefe kann auch Papier wesentlich guenstiger und v.a. schneller onlineverschickt werden!

PS: Sollte ich in meinen Ausführungen vielleicht eine Äusserung getätigt haben, die einem zivil- oder strafrechtlichen Tatbestand gleichkommt, so möchte ich mich in aller Form dafür entschuldigen! Es handelt sich bei diesem Blog um eine Art der verfassungsmässig garantierten freien Meinungsäusserung – meiner Meinung! Damit will ich in keinster Weise (weder fahrlässig und schon gar nicht vorsätzlich) einer “Üblen Nachrede” oder Geschäftsschädigung nachkommen!!!

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Strada del Kohle

Rainhard Fendrich, allseits bekannter und inzwischen auch wieder beliebter Gesangeskünstler aus dem Bereich des Austropops hat gleich zwei Hymnen geschrieben, die stellvertretend jeweils ein Land charakterisieren: “I am from Austria” – tja – na no net! – und “Strada del Sole” – ein Zustandsbericht aus den 80ern: “…und hab kane Lire…!” Eine Horrormeldung jagt derzeit die andere – langsam geht es dem Steuerzahler wie dem guten Al Bundy aus der Klaumauk-Serie “Eine schrecklich nette Familie”: Das Schimpfen inzwischen aufgegeben – der Griff in die Geldtasche wird selbstverständlich und regelmässig, sodass er unmittelbar erfolgt, auch wenn kein Bittsteller anklopft! Doch langsam muss sich wohl jeder unter uns, vor allem aber die Damen und Herren der Hohen Häuser in den Bundeshauptstädten die Frage stellen: “Wer soll das noch bezahlen?” Griechenland, Irland, Portugal, nochmals Griechenland und nun auch noch Italien und vielleicht gar auch Spanien! Unsere Finanzminister haben sich – als die Konjunktur angezogen hat – sehr beeilt, zu betonen, dass eine steuerliche Entlastung noch nicht machbar sei, da Schulden abbezahlt werden müssen. Nun werden Staatskredite in Milliarden-Höhe vergeben, die etwa wie im Falle von Griechenland, niemals wieder zurückbezahlt werden können. Bislang sind übrigens nicht weniger als 8,4 Milliarden € alleine aus Deutschland auf die Peloponnes geflossen. Gelder, die sicherlich den Mindestrentnern im Land gut getan hätten! Urlaubsländer, die jedes Jahr Millionen von Touristen anlocken, hierdurch auch Milliarden umsetzen gehen den Bach runter. Wie ist das möglich? Regierungsverantwortliche, die teilweise sogar aus der Privatwirtschaft kommen (Berlusconi etwa), somit eigentlich betriebswirtschaftliches Denken und Planen gelernt haben sollten, werfen das Geld mit vollen Händen aus dem Fenster. Geld, das ihnen nicht gehört! Würden dadurch soziale Errungenschaften durchgeboxt oder die Infrastruktur verbessert werden, hätte wohl niemand etwas dagegen einzuwenden. Doch fliessen nach wie vor Milliarden-Beträge in dunkle Kanäle, irrsinnige Geschäfte, über deren Sinn sich sogar die bestinformiertesten Experten uneins sind. Die Reichen werden dadurch reicher, die Armen zumeist noch mehr ausgebeutet! Wie ist das möglich?
Zum Fall Griechenland! Nachdem sich die Banken und Versicherungen ohnedies beinahe zur Gänze dort zurückgezogen haben, gestatten Sie mir bitte die hypothetische Frage: Was wäre, wenn das Land aus der Eurozone ausgeschlossen worden wäre, da es die Konvergenzkriterien des Maastrichter Vertrages nicht mehr erfüllt? Diese sind klar vorgegeben, alle Anwärterstaaten sind auch auf diese hin überprüft worden! Im März des Vorjahres beispielsweise auch Estland, das als 17. Staat dem Euro beigetreten ist. Das Haushaltsdefizit der Esten lag zu diesem Zeitpunkt bei 1,7 % des BIP (Bruttoinlandsproduktes), die Staatsschuld bei 7,2 %. Damit schaffte das Land die Kriterien relativ einfach. Sie setzen sich übrigens wie folgt zusammen:

.) Preisstabilität
Die Inflation des Anwärterstaates darf max. um 1,5 % höher als jene der drei Mitgliedsländer liegen, die im Jahr vor der Prüfung hier das beste Ergebnis eingefahren haben
.) Finanzlage der öffentlichen Hand
Das jährliche öffentliche Defizit darf 3 % des BIPs, der öffentliche Schuldenstand 60 % des BIPs des Vorjahres nicht überschreiten
.) Wechselkurs
Der Staat muss zwei Jahre zuvor bereits am europäischen Wechselkursmechanismus teilgenommen haben, wobei die normalen Bandbreiten einer Abwertung im Vergleich zu den anderen Mitgliedsstaaten eingehalten werden müssen
.) Langfristige Zinssätze
Die langfristigen Nominalzinssätze dürfen um nicht mehr als 2 Prozentpunkte über jenen der drei höchsten Länder liegen

All diese Punkte erfüllen nun nicht einmal mehr die ehedem reichen Nettozahler, da sie jene Länder unterstützen müssen, die ohnehin als Netto-Empfänger bislang wesentlich mehr Zuwendungen aus Brüssel erhalten hatten. Somit wachsen also auch die Staatsschulden der reichen Industrienationen. Wer soll künftig für ausgleichende Massnahmen sorgen, wenn der eigene Schuldenstand ins unermessliche ansteigt? Dieses globale, volkswirtschaftliche Problem besteht derzeit mit den USA. Als globaler Netto-Zahler wurde die Schuldenstands-Grenze immer wieder nach oben verschoben, Sparmassnahmen waren unpopulär! Jetzt drücken die Republikaner auf die Bremse – der Staat steht kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Sollten die Demokraten Obamas tatsächlich gegen die konkurrierenden Republikaner bei den kommenden Präsidentschaftswahlen verlieren, so steht das Land vor einschneidenden Sparmassnahmen, die sicherlich nicht zur Wiederwahl der Reps führen werden. Was geschieht nun, wenn die USA tatsächlich zahlungsunfähig sind? National können keine Gehälter im öffentlichen Dienst mehr bezahlt werden, die GIs bekommen keinen Sold, Pensionen werden einbehalten. Strassendemonstrationen bis hin zu Plünderungen und Revolten wären die Folge. Das macht derzeit auch Griechenland durch. Kostas oder Eleni, das kleine Volk, erhielten so manches angenehme Bonbon, wie eine Prämie für’s Händewaschen beispielsweise. Dies sollte eigentlich im Krankenhaus im Rahmen der Hygiene-Vorschriften selbstverständlich sein. Wer durch mangelnde Hygiene die Gesundheit anderer Menschen auf’s Spiel setzt, ist meines Erachtens im falschen Beruf tätig. Gestatten Sie mir zwischendurch bitte eine Frage, wenn Sie zu jenen gehören, die ihre Hände nach dem Toilettengang nicht waschen!? Möchten Sie von einem ebensolchen Doktor gespritzt werden oder von einer ebensolchen Krankenschwester Ihr Essen serviert bekommen, die vielleicht gerade zuvor noch auf der Toilette war? Solche Privilegien werden nun also aufgrund der Sparmassnahmen abgeschafft, jeder einzelne verdient weniger. Gleichzeitig wird durch Steuererhöhungen das tägliche Leben teurer. Eine alte Weisheit besagt: Wird das Brot teurer, wartet bereits die nächste Revolution! Die Reichen trifft dies nicht, haben sie sich doch mit Inlandsvermögen und dem Chalet mit Nummernkonto im Ausland abgesichert!
Zum Fall Irland: Auf der grünen Insel überlegt man sich inzwischen ernsthaft den Ausstieg aus der Eurozone. Nach wie vor ist die Kreditwürdigkeit des Landes ganz hinten, in der untersten Schublade der Rating-Agenturen zu finden. Die Deutsche Bundes-Bank listete Ende März alleine die deutschen Forderungen an Irland mit 82 Milliarden € auf (in Zahlen: 82.000.000.000,- €!!!). Fairerweise muss dabei erwähnt werden, dass die irischen Unternehmen mit diesbezüglichen Säumigkeiten in der Höhe von 62,1 Milliarden den Löwenanteil davon ausmachen. Danach folgen die Banken mit 17,6 Milliarden und die öffentliche Hand mit 2,2. Doch sind das nur Peanuts im Vergleich zu Italien (116,1 Milliarden Bankenforderungen) und Griechenland (25,1 Milliarden Bankenforderungen). Kein Wunder, dass bei solchen Aussenständen hierzulande die Kontoführungsgebühren und Kreditzinsen dermassen hoch, die Haben-Zinsen allerdings dermassen niedrig sind. Nach Einschätzung der vorhin zitierten Rating-Agentur dürfte auch Irland nach den Euro-Hilfsaktionen weitere Zuschüsse in Milliardenhöhe benötigen. David McWilliams schreibt in der Zeitung “The Independent”, dass eine einzige Währung der europäischen Einheit “ungeahnten Schaden zufügen kann”. In Irland geht man davon aus, dass das Zurück zur eigenen Währung die einzige Möglichkeit darstellt, einen Staatsbankrott abzuwenden. Die Währung wird dann einfach abgewertet.
Zum Fall Italien: Einst ein finanzstarker Netto-Zahler, hat die Apenninen-Halbinsel nach Griechenland den zweithöchsten Schuldenstand in der Eurozone. Sollte das Sparpaket in der Höhe von 47 Milliarden € nach dem Senat nicht auch im Abgeordnetenhaus beschlossen werden, so gibt es ein riesengrosses Problem: Mit dieser Entscheidung ist auch die Vertrauensfrage an die Regierung verknüpft. Somit käme es neben dem wirtschaftlichen Desaster auch zum politischen – die Folgen wären nicht absehbar! Doch wieso ist hier nicht schon früher gehandelt worden? So haben sich die Rendite für die zehnjährigen Staatsanleihen immer mehr nach oben gehangelt, bis sie schliesslich die magische 6 %-Marke überschritten haben (erstmals seit 1997). Die Rendite sind ein untrübliches Zeichen dafür, wie gefährlich die Geldanlage in diesem Bereich geworden ist. Obwohl hier die Lunte des Pulverfasses bereits brennt, schenkt man Italien keine zu grosse Aufmerksamkeit. So meinte etwa der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble, dass das Kernstück der Krise Griechenland bleibe (Belfast Telegraph). Man hofft einfach, dass sich die Italiener selbst am Hemds-Kragen aus dem Schlamassel herausziehen. Entweder durch eine eklatante Kürzung der Staatsausgaben, Privatisierungen oder durch eine Steuererhöhung (Mario Draghi, Noch-Chef der italienischen Zentralbank – er wechselt in den kommenden Wochen zur Europäischen Zentralbank). Letzteres ist aufgrund der innenpolitischen Lage Silvio Berlusconis mehr als unwahrscheinlich. Übrigens: Der Gesamtschuldenstand Italiens beläuft sich auf 1,8 Billionen Euro – dies sind 120 % der Wirtschaftsleistung. Die US-Demokraten fordern im Vergleich dazu die Erhöhung des Maximal-Schuldenstandes der Vereinigten Staaten auf 10 Billionen € – 10.000.000.000.000,- €!!! (http://www.usdebtclock.org/)
Zuletzt noch zum Fall Portugal: Nach Angaben der Rating-Agentur Fitch beläuft sich der Finanzierungsbedarf des Landes bis 2013 auf 60 Milliarden €. Dabei sind allerdings die Bankhilfen noch nicht mit eingerechnet. Fitch hatte zuvor am 01. April (leider kein April-Scherz) ebenso wie die Kollegen von Standard & Poor’s (S&P) die Note “BBB”, die schlechteste Note vor dem “Ramschniveau” vergeben. Zuvor ist hier die Minderheitsregierung des Sozialisten José Sócrates zurückgetreten, da im Parlament keine Mehrheit für das rigorose Sparprogramm erzielt werden konnte. Insgesamt wird das Land wohl rund 80 Milliarden € benötigen.
Weshalb ist nun diese Eurokrise auch für unsereins als kritisch anzusehen? Einerseits wird die Währung schwächer, die Inflation steigt an, das Leben wird teurer, da man weniger für sein Geld erhält. Andererseits sind die Länder Europas wichtige Handelspartner. So gehen etwa zwei Drittel des deutschen Exports in Länder dieses Kontinents (ähnliches gilt auch für Österreich). Wird ein Staat zahlungsunfähig, so auch dessen Wirtschaft (siehe Irland). Damit können die aus Deutschland oder Österreich importierten Güter nicht mehr bezahlt werden. Heimischen Unternehmen entgehen dadurch die Einkünfte, sie müssen sparen oder gar zusperren. Dies führt zu mehr Arbeitslosen. So pervers es auch klingt: Exportstaaten müssen Importstaaten stützen, damit sie deren Exporte bezahlen können! Versteht man dies unter “Umwegrentabilität”? Bildlich dargestellt: Ein Kaufhaus zahlt mir eine gewisse Summe, damit ich mit dieser auch wirklich in diesem Kaufhaus einkaufe! Ob es dann das geliehene Geld jemals zurückbekommen wird – das ist eine ganz andere Frage! Tja – und dann geht es noch ins Eingemachte: Ökonomen fürchten um die Renten! Auch wenn die Wirtschaft noch so gut floriert, so werden die bestehenden Schulden immer weiter in die kommenden Haushalte übernommen, da sie aufgrund dieser Zahlungen ins Ausland nicht beglichen werden können. Woher also nehmen, wenn nicht stehlen! Und auf dieses Stichwort kommt mir schon der nächsten Gedanke: Wir alle zahlen Zeit unseres Arbeitslebens brav und fleissig unsere Pensionbeiträge ein, die bereits heute schon fast nicht mehr ausreichen um die laufenden Pensionsansprüche zu bewältigen. Wie darf ich nun das verstehen, dass ich dann zu jenen Zeiten, zu welchen mein Pensionsanspruch besteht, keine mehr erhalte!!!???

PS: Sollten irgendwo in diesem Text volkswirtschaftliche Fehler enthalten sein, so bitte ich dies zu entschuldigen. Gleichzeitig allerdings muss ich dies nicht studiert haben, damit ich sehe, dass ein Unternehmen (auch ein Staat) nur dann auf gesunden Füssen stehen kann, wenn er nur soviel ausgibt, wie er tatsächlich zur Verfügung hat. Alles andere schafft Abhängigkeiten!!!

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Ja, Jaa, Jaaa – bitte mehr…

…wird sich wohl so mancher gesagt oder zumindest gedacht haben, als er die Ansprache des deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff im Fernsehen mitverfolgte. Anlässlich des ersten Jahrestages im Amt begann Herr Wulff seine Rede mit eindeutigen Worten, die ihm zuletzt nicht sehr viele zugetraut hätten – auch nicht seine ehemaligen Parteikollegen von der CDU (seine Mitgliedschaft ist derzeit ruhend!). Denn Wulff galt bis zu diesem Zeitpunkt als ein “Mann der Stille”. Ganz im Gegenteil zu manchem seiner Vorgänger.  Tja – doch was der Mensch auch macht: Einem jeden es recht zu machen, ist eine Kunst, die niemand beherrscht! Ergo hagelte es lautstarke Kritik: Ja darf er das denn? Der HBP soll sich aus dem Tagesgeschäft heraushalten! Überhaupt: Für was brauchen wir heute eigentlich noch einen Bundespräsidenten!?
Gut – damit klären wir zu allererst die Fragen der Verfassung!
In Deutschland wird das Amt des Bundespräsidenten in den Art. 55 sqq. des Grundgesetzes bestimmt. So wird er durch die Bundesversammlung gewählt, darf nicht der Regierung oder einer sonstigen, gesetzgebenden Körperschaft angehören und keinem Nebenjob nachgehen. In seine Befugnisse fällt die Ernennung und Entlassung des Bundeskanzlers, die Auflösung des Bundestages (gem. Art. 63 GG) und die völkerrechtliche Vertretung Deutschlands! Soll heissen, er schliesst im Namen des Bundes Verträge mit anderen Staaten und empfängt deren Gesandte. Sollte er allerdings Anordnungen oder Verfügungen erlassen, so treten diese erst nach einer Gegenzeichnung der Kanzlerin und des zuständigen Ressortministers in Kraft!
In Österreich hingegen ist der Bundespräsident das einzige direkt gewählte demokratische Organ im Staate. Geregelt durch die Art. 62 sqq. der Bundesverfassung zählt zu seinen Aufgaben beispielsweise die Ernennung und Entlassung des Bundeskanzlers und der Regierungsminister, sowie die Auflösung des Nationalrates. Auch wenn ihm durch die Wiedereinsetzung der Verfassung in deren Fassung von 1929 eine starke Machtposition eingeräumt wurde, so wird diese von Experten und Historikern als “eher theoretisch” eingestuft. Der Politikwissenschafter Anton Pelinka von der Central European University in Budapest spricht deshalb von einem “seltsam politikfernen Amt im Zentrum der österreichischen Politik”.
Aufgrund dieser Möglichkeiten hätten sehr viele Bürger den Bundespräsidenten auch gerne als die letzte prüfende Instanz der Regierung. So manch einer wagt sich hierbei auch vor. So etwa der damalige österreichische HBP Thomas Klestil, der meinte, dass er eine schwarz-blaue Regierung im Alpenstaat nicht angeloben werde. Schliesslich musste er doch klein bei geben und vollzog den Festakt mit steinerner Miene, während vor der Hofburg demonstriert wurde und die neuen Regierungsmitglieder über einen unterirdischen Verbindungsgang in den Amtssitz Klestils kamen und ihn auf diesem Wege auch weider verliessen.
In beiden Staaten stehen die bedeutenden Worte: “Das Recht geht vom Volke aus!” in der Verfassung. Das Volk wählt für jeweils eine Legislaturperiode seine Vertreter, die dann im Bundestag oder Nationalrat diese Macht (für sehr viele allerdings nicht unbedingt stellvertretend) ausüben. Otto Normalbürger hat erst wieder im Rahmen der nächsten Wahlen die Möglichkeit des direkten Eingriffes. Die Ausnahmen bilden die Volksabstimmungen, die etwa in der Schweiz gang und gebe sind, in Deutschland und Österreich aber nicht wirklich die Arbeit der Regierung beeinflussen (wenige Ausnahmen bestätigen die Regel!). Deshalb würde sich jeder Bürger gerne jemanden wünschen, der der Regierung auf die Finger klopft! Doch werden solche Versuche immer wieder im Keim erstickt!
So auch im Falle des HBP Wulff. Nicht weniger als 78 % der Befragten einer Emnid-Studie für “Bild am Sonntag” wünschten sich eine “Klare Kante” – eine vehementere Einmischung in das Tagesgeschehen. Doch nicht jeder Regierungsvertreter würde dies gerne sehen. Das ist auch mit ein Grund dafür, dass sich die meisten der Präsidenten zurückhalten. Schliesslich entstammen sie alle einer der Parteien und sind im nächsten Wahlkampf auf deren Wohlwollen angewiesen. Deshalb melden sich im gegenständlichen Fall auch grossteils die Oppositionspolitiker zu Wort. Mit dem Satz “Der Islam gehört inzwischen zu Deutschland!” habe Wulff aufgezeigt, wie es gehen könnte, meint beispielsweise Renate Künast von den Grünen. Auch ihr Kollege von der Linken, Gregor Gysi, springt in dieselbe Bresche, wünscht sich aber neben der gesellschaftspolitischen Einmischung auch eine solche im sozialen Bereich. Die SPD zeigt sich v.a. in der Aussenpolitik des HBP gegenüber der Türkei und Israel zufrieden, befürwortet aber eine deutliche Meinung des Herrn Bundespräsidenten (welch ein Sinneswandel – siehe Post Scriptum!). Aus Bayern wünscht sich Horst Seehofer von der CSU künftig stärkere Worte – “er kann es und die Politik sollte es vertragen!” Das zeigte Wulff auch in seinen Andeutungen zur Euro-Krise, der Energiewende und nicht zuletzt der Politikverdrossenheit. Das Motto für sein zweites Amtsjahr lautet: “Mut zum Wandel!” Geht Wulff damit etwa in die Offensive, nachdem er sieht, wie den Regierungsparteien immer mehr die Wähler weglaufen?
Da hat es sein Amtskollege aus Österreich etwas einfacher. Helmut Fischer entstammt dem sozialdemokratischen Lager und ist es in seiner langjährigen Funktion als erster Nationalratspräsident gewohnt, in Form eines neutralen Schiedsrichters einzugreifen. Daneben gilt HBP Fischer als grosser weiser Mann der österreichischen Sozialdemokratie. Deshalb wird ihm immer wieder auch innerhalb der SPÖ ein Zwischenruf zum Tagesgeschehen eingestanden. So etwa 2007 zum “generellen Bleiberecht für Asylanten”. Allerdings gibt es im Alpenstaat auch den Ausdruck des “Rollenverzichts”. Die Verfassung von 1929 gewährt dem Bundespräsidenten ein “Mehr” an Macht, schwächt dadurch aber gleichzeitig auch jene der Regierung und des Parlaments. Dieser Rollenverzicht nun ist die Charakterisierung dieses Organes – keine Einmischung ins Tagesgeschäft und weitestgehender Verzicht auf die Entscheidungsmöglichkeiten. Erst zwei Bundespräsidenten der Zweiten Republik hielten sich nicht daran: Theodor Körner lehnte 1953 den Versuch der ÖVP eine kleine Koalition anstelle der grossen zu bilden ab. Der vorhin bereits erwähnte Thomas Klestil wollte diesen Rollenverzicht gänzlich streichen. Er pflegte 1992 das Wahlmotto: “Macht braucht Kontrolle!”, das er auch umzusetzen versuchte. Doch wurde er dabei von der österreichischen Regierung – zuerst des Kabinetts Franz Vranitzky (SPÖ), dann Wolfgang Schüssel (ÖVP) in seine Grenzen gewiesen. Nicht einmal mehr den Beitrittsvertrag Österreichs zur Europäischen Union durfte Klestil unterzeichnen. Dies erledigen normalerweise die Staatsoberhäupter.
Und damit sind wir bereits bei der alles entscheidenden Frage: Weshalb gibt es in Deutschland und Österreich noch das Amt des Bundespräsidenten, wenn die offiziellen Aufgaben in beiden Staaten durch die Kanzlerin/den Kanzler wahrgenommen werden und die HBPs nurmehr Hände schütteln und dabei in die Kameras grinsen dürfen!?
PS: In deutschen Landen kamen bislang nur von zwei Bundespräsidenten Zwischenrufe. So meldete sich immer mal wieder Johannes Rau (SPD) von seinem Amtssitz Bellevue aus zu Worte. Horst Köhler (CDU) hat sich 2004 in die Diskussion um die Abschaffung des “Tags der Deutschen Einheit” eingeschaltet. In einem Brief an den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder setzte er sich für die Beibehaltung dieses Nationalfeiertages ein. Schröder wollte den Tag auf den ersten Sonntag im Oktober verlegen. Die rot-grüne Koalition quittierte diese Einmischung damals als “unglaublicher Vorgang”. Der Bundespräsident habe offensichtlich “seine vom Grundgesetz festgelegte Rolle” noch nicht verstanden!

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Für’s Leben, nicht die Schule

Ein sehr berühmter, ehemaliger Fernsehkoch formulierte einst die Worte, er sei Koch geworden, da er nichts gelernt und keinen Führerschein habe, um Taxifahrer zu werden! Er meinte es spasseshalber, verunglimpfte dabei allerdings unbewusst gleich zwei Branchen! Trotzdem verdient er sich inzwischen mit seiner Profession, die er allerdings etwas anders aufgezogen hat, als ursprünglich geplant, den sprichwörtlich “goldenen Daumen”! Ein Vorbild? Ja durchaus, denn auch die Köche fallen nicht so mir nichts Dir nichts vom Himmel. Gleichzeitig allerdings eine Aussage, die so manchen Bildungsexperten in einem Anfall von unbändigender Wut den Kitt aus den Fenstern rauskratzen lässt: Da versucht Mann/Frau Zeit des Lebens, das Optimalste für die nach Bildung geradezu lechzenden Kindern und Jugendlichen herauszuholen – dann kommt jemand wie dieser, dieser na ja Starkoch, der zugegebenermassen auf die Sonnenseite des Lebens gefallen ist, daher und macht mit nur einer Aussage all die vorherige Arbeit, all die Bemühungen zunichte und die geführten Kämpfe sinnlos. “Der hat’s ja auch ohne Abi oder Ausbildung geschafft!” “Ich brech’ einfach die Schule ab und werde Koch!” Wer berücksichtigt dabei schon, dass auch dieser Meister des Kochlöffels gelernt hat (in diesem Falle in Hamburg, London und Hongkong). Wer bereits einmal in einer Grossküche gearbeitet hat oder vielleicht gar diesen Job gelernt hat, der weiss, dass dies eine knochenharte Arbeit ist, die nichts mit dem Scherenschnitt des Sauerkrauts oder dem Warten am Kochtopf bis der Hummer weiss wird zu tun hat – ein Acht-Stunden-Tag reicht da zumeist nicht aus. Mit der Leichtigkeit eines Jamie Oliver, Johann Lafer oder Tim Mälzer vor den Kameras hat dies wahrlich nichts zu tun!
In Deutschland wird schon seit Monaten sehr intensiv über eine mögliche Bildungsreform diskutiert – doch bislang leider ohne entscheidenden Erfolg, da die Meinungen der Experten einfach zu weit auseinander gehen. Auch der Alpenstaat Österreich steht dem in keinster Weise nach. Doch glauben dort die zuständigen Politiker, das Ei des Kolumbus entdeckt zu haben. Sitzenbleiber gibt es nicht mehr – ein Aufstieg in die nächste Klasse kann auch mit zwei Fünfern erreicht werden. Die Sozialdemokraten forderten ursprünglich gar einen Aufstieg mit drei “Fleck”. So mancher Pädagoge, aber auch sehr viele Eltern schütteln angesichts dessen heftigst den Kopf. Über Jahrhunderte hinweg (seit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht durch Kaiserin Maria Theresia) galt an den kleinen Alma Matern zwischen dem Neusiedler und Bodensee das Leistungsprinzip. Schliesslich wird einem auch im späteren Leben nicht wirklich etwas geschenkt! Durch die Notenbelastung sollen die Kids darauf vorbereitet werden. Immer wieder wird hierfür zur Abschreckung das Bild des Schulabbrechers aufgezeigt, der nach einem Lehrstellenhopping auf der Strasse landet. Nach wie vor werden die Waldorf- oder ähnliche Schultypen von sehr vielen Erziehungsberechtigten abgelehnt. Und nun schlagen die, unsere aller Volksvertreter (die meisten haben einen verdienten, manche vielleicht einen nicht-verdienten akademischen Grad) vor, dass sich sehr viele auf die faule Haut legen können. Denn bei den meisten ist ja die Grundvoraussetzung vorhanden, es scheitert an der Motivation, am Lehrer, am Umfeld,… Deshalb bin ich ein Verfechter jener Definition, die besagt, dass die Intelligenz die Fähigkeit ist zu lernen! Dies zeigt auch die Klassische Konditionierung des Russen Iwan Petrowitsch Pawlow aus der behavioristischen Lerntheorie auf. Seine Versuchshunde erhielten immer nachdem ein gewisser Glockenton erklungen ist Futter. Die Hunde lernten dadurch, als dieses Verhaltensmuster immer wieder vollzogen wurde. Eines Tages erklang die Glocke, es gab jedoch nichts zu futtern. Trotzdem zeigten alle Hunde einen Speichelfluss. Das Lernen wurde hier zum Reflex. Andererseits gehören positive Verhaltensmuster belohnt, damit sie später wiederholt werden sollen. Negative werden bestraft, damit sie nicht wiederholt werden. Dies nennt sich einerseits “Lernen am positiven Erfolg”, andererseits “Lernen am negativen Erfolg”.
Doch damit wieder zurück zum eigentlichen Thema: Viele glänzen in einem oder mehrerer Fächer, sind aber in beispielsweise Mathe miserabel. Heisst dies nun automatisch, dass diese Menschen nicht intelligent sind? Keineswegs! Bei Ihnen ist vielleicht nur jener Hirnbereich, der für Rechenleistungen zuständig ist, bewusst nicht so ausgeprägt, wie bei ihren Leidensgenossen, da ihre Stärken in anderen Bereichen liegen. Übrigens leistet das menschliche Gehirn zwischen 10hoch13 bis 10hoch16 analoge Rechenleistungen pro Sekunde. Das schriftliche Rechnen wird durch die okzipitale, die verbal-phonologische Zahlenform durch die subkortikale Hirnregion und der perisylvischen Furche unterstützt und die analoge Grössenrepräsentation im intraparietalen Sulcus durchgeführt (Triple-Code-Modell nach Dehaene 1992).
Na ja – eines dieser Areale hat wohl auch bei mir nicht funktioniert, wie es sollte, wodurch ich ebenfalls Probleme mit Mathematik hatte -  heutzutage allerdings so manchem guten Mathematiker von damals einiges vorrechnen kann, da ich Mathe nicht gänzlich aus meinem Leben gestrichen habe. Trotz nächtelangem Lernen, Studieren, Rechnen, Probieren wollte dies damals nicht in den Kopf. Auch ich stellte mir die Frage: “Weshalb mache ich das überhaupt!” Nur die Aussicht auf einen Beruf, den ich partout nicht ergreifen wollte, liess mich das Abi (die Matura) überstehen. Und siehe da: Auf der Uni lernte ich das, was ich wollte und alles ging beinahe wie von selbst! So ganz nebenbei erwähnt: Jene Hirnregion, die für das schriftliche Rechnen verantwortlich zeichnet, ist auch für das Lesen und unter Umständen auch das Schreiben zuständig – das muss ich nun erstmal überdenken!!!
Fällt der Leistungsdruck weg, so befürchten die Kritiker dieses neuen Bildungs-Modells, dass automatisch auch nicht mehr die bisherige Leistung erbracht wird. Untermauert wird dies durch die harten Zahlen aus dem Drop-out-Bereich der Schulen und den abnehmenden Akademikerzahlen, die ebenfalls mit dem Drop-out aber auch weniger Inskribierenden korrelieren. Klar – für niemanden ist ein Sitzenbleiben angenehm. da könnte etwa das an einigen Schulen bereits praktizierte Modulsystem helfen, wonach der Lehrstoff in von sich unabhängigen Modulen aufgeteilt ist. Bis zum Abitur (Matura) muss jedes Modul positiv abgeschlossen sein. Hierfür hat der Schüler mehrere Antrittsmöglichkeiten. Klar – empfiehlt es sich, jedes Modul zeitgerecht abzuschliessen, da ansonsten dieser Stoff auch zum Stoff des anderen Moduls hinzukommt. Den Politikern geht es bei dieser Entscheidung vornehmlich um den volkswirtschaftlichen Hintergrund. Einerseits hat der Jugendliche durch das Sitzenbleiben ein Jahr seines Arbeitslebens eingebüsst. Andererseits kosten Klassenwiederholer auch sehr viel Geld. Nicht nur den Eltern sondern auch dem Staat. Deshalb erscheint es wichtig, die Schüler so rasch als möglich durch die Schulzeit durchzulotsen. Was dann am Ende durch diese neue Schulmassnahme rauskommen wird, das erfahren wir wohl in den kommenden Jahren. Befürchtungen wurden laut, wonach das Niveau sinken wird, denn die freiwillig Lernenden können zumeist in einer Klasse an einer Hand abgezählt werden – gerade während ihrer Pubertät. Daneben taucht auch ein anderes Problem auf, denn theoretisch könnte dies für mich als Schüler bedeuten: Ich mache in den beiden mir am meisten verhassten Fächern gar nichts mehr und konzentriere mich auf die anderen. Pech, wenn eines der beiden Fächer dann bei der Reifeprüfung ein Pflichtfach ist; dann fliege ich mit Pauken und Trompeten durch die Prüfung und Nachfolgetermine. Dies erweist sich als Schuss, ja als Kanonen-Schuss nach hinten. Viele erhalten zwar das Abschlusszeugnis, stehen dann allerdings ohne Abi (Matura) da – paradox! Somit hätten diese 4-5 Jahre wesentlich besser genutzt werden können, um beispielsweise eine Lehre abzuschliessen und vielleicht noch eine zweite zu beginnen, denn Facharbeiter werden zuhauf gesucht! Jedenfalls mehr als höhere Schulabgänger ohne Prüfungszeugnis!
Für all die Faulen, die einfach nicht wollen, die letzten Nachrichten in diesem Bereich mit lauten Jubelschreien quittierten und das an diesem oder kommenden Wochenende erhaltene Schulzeugnis (in Österreich) freudestrahend anschauen und meinen “Das war das letzte Mal!”, habe ich leider eine schlechte Nachricht: Das Aufsteigen mit zwei Fünfern gilt in Österreich künftig erst ab der 10. Schulstufe! Die Einführung geschieht ab Dezember 2012 anhand eines Stufenplanes. Dadurch soll es bis zu 5.000 Repetenten im Bereich der AHS und BHS weniger geben (im letzten Jahr waren dies immerhin 9.500). Etwa 70.000 müssen (österreichweit) über die Sommerferien für die Wiederholungsprüfungen stucken, 40.000 davon werden es nicht schaffen und wiederholen müssen (Schätzung aus dem österr. Unterrichtsministerium). Sollen diese Zahlen nun durch diese Massnahme verschönert werden oder haben Frau Doktor und Herr Magister (Politiker) bei diesem neuen Bildungsgesetz an die Kinder und Jugendlichen gedacht?! Ich denke mir das Meine und überlasse Ihnen das Ihre! Wünsche aber allen Schülern und Schülerinnen ein gutes Zeugnis und unbeschwerte Sommerferien!!!

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