Archive for August, 2011

Kein Job mehr für Jobs

Du meine Güte – was muss die Börse in diesem Jahr eigentlich noch alles mitmachen?! Japan, Libyen, Ratings, Euro-Krise, US-Haushalt – da könnte man ja beinahe schon Mitleid mit den Maklern, Investoren und Spekulanten bekommen! Und nun auch noch der Rücktritt von Steve Jobs! Was denn – noch nicht gehört, diesen Namen? Na dann wollen wir schnellstmöglich Ihr Wissen auf den neuesten Stand bringen.
Steve Jobs ist einer der führenden Köpfe der Computerschmiede Sillicon Valley in den USA. Er hat wohl bei jeder Zeitung, Magazin oder Druckwerk irgendwie seine Finger im Spiel – Layout war ohne Mac bis vor einigen Jahren undenkbar. Ohne Jobs gebe es kein I-Phone oder I-Pad. Der Mann, der stets in Jeans und Rollkragenpullover erscheint, ist DER Visionär unter den EDV-Erfindern dieser Welt. Steve Jobs war Apple! Und damit einer der wohl wichtigsten Manager der Erde. Seine Firma hatte in diesem Sommer mehr Aktiva als der komplette US-Haushalt. Seine Computer, Laptops und sonstigen technischen Geräte lernten der Konkurrenz das grosse Fürchten. Oftmals kopiert, doch niemals wirklich erreicht! Nur durch diesen Kampf auf dem Schlachtfeld der Bits und Bytes ist die digitale Welt dermassen weit fortgeschritten, wie wir sie heute kennen und lieben. Eigentlich wollte ich ja nicht mehr über eine Wirtschaftsgrösse schreiben, da der Blog über den Aldi-Mitbegründer Theo Albrecht unter sehr vielen Lesern den Eindruck erweckt hatte, dass er irgendwie finanziert wurde – war aber nicht der Fall! Auch heute nicht! Doch gilt Steve Jobs als einer der kreativsten Köpfe der IT-Branche – sein Leben wird wohl hinter sehr vielen Buchumschlägen Platz finden.
Jobs wurde am 24. Februar 1955 als Sohn des syrischen Politikwissenschaftlers Abdulfattah Jandali und der Amerikanerin Joanne Carole Schieble in San Francisco/Kalifornien geboren. Da die beiden nicht genügend Geld hatten, um den Sohnemann durchzubringen, wurde Steven zur Adoption freigegeben. Erst 30 Jahre danach sollte er von seiner leiblichen Mutter und seiner Schwester erfahren. Steven Paul beendete 1972 die High School. Er hatte sich zwar im Anschluss daran am Reed College in Portland eingeschrieben, doch war schon nach dem ersten Semester damit Schluss. Über diese Zeit meinte er später: “Ich hatte keine Idee, was ich mit meinem Leben anfangen wollte und keine Idee, wie mir die Universität hätte helfen können, das herauszufinden!” Wieder in Kalifornien zurück besuchte Jobs häufig den Homebrew Computer Club. Irgendwie schaffte er es, einen Auftrag von Atari für das Spiel “Breakout” zu bekommen. Sein Freund Bill Fernandez Steve Wozniak (Mitarbeiter bei Hewlett Packard) programmierte das Spiel in nur vier Tagen. Wozniak war es auch, der die sog. “Blue Boxes” baute, die es dem Besitzer ermöglichten, kostenlos zu telefonieren (über einen 2,6 kHz-Ton wurde die Taktung für die Abrechnung der Telefongesellschaft beeinflusst). 1976 gründete Steve Jobs gemeinsam mit Steve Wozniak und Ronald Wayne die Firma Apple Inc. Mit dem Apple II begann die weltweite Erfolgsgeschichte des Heimcomputers. Doch mit diesem begann auch die Schlacht um einen Milliarden-Markt. V.a. der Wettkampf mit den Personal-Computer-Herstellern, die zumeist über das Betriebssystem Windows von Microsoft zum Laufen gebracht werden, lassen gerne Vergleiche zum Wettrüsten der Amerikaner mit den Russen aufkommen. Doch Jobs war in dieser Hinsicht kreativer. So suchte er sich mit seinen Rechnern einen ausgezeichneten Nischenplatz im Desktop Publishing. Für lange Zeit waren die Macintosh-Geräte von Apple das Mass aller Dinge in diesem Bereich. Dann kam der digitale Ton- und Video-Schnitt auf – auch hier war Jobs einer der Ersten, die dies aufgegriffen hat. In jüngster Gegenwart schliesslich finden iMac, iPod, iPhone und iPad Millionen Fans, die den Erfolg des Unternehmens Apple Inc. ins Unermessliche steigern. Der Studienabbrecher hat mit seinen Produkten die Welt verändert. Ein paar Zahlen gefällig: Binnen dreier Monate hat Apple weltweit 20,3 Mio iPhones, beinahe 9,3 Mio iPads und 7,5 Mio iPods verkauft. Hinzu kommen noch etwa 4 Mio Mac-Rechner.
Jobs war über lange Jahre hinweg CEO des Computerriesen. 1985 verkrachten sich die drei Grossen – Jobs übernahm die Pixar Animation Studios. Nach deren Übernahme durch die Walt Disney Company wurde er zum grössten Einzelaktionär des Multi-Milliarden-Konzerns. Mit Apple Inc. ist es inzwischen steil bergab gegangen. Steve wurde deshalb 1997 wieder an die Spitze des Unternehmens zurückgeholt. Er meinte selbst, dass das Unternehmen nur rund 90 Tage von einem möglichen Konkurs entfernt war. Korrekturen an der Software, der Bedienbarkeit und dem Design führten die Macs wieder zurück auf die Strasse des Erfolgs. Das Wirtschaftsmagazin Forbes schätzte im März 2011 sein Vermögen auf rund 8,3 Milliarden US-Dollar. Ende August zog sich der Visionär komplett aus dem operativen Geschäft zurück und überreichte das Zepter dem homosexuellen Kronprinzen Tim Cook, der 1998 von Compaq zu Apple wechselte. Als Grund für seinen Rücktritt gab Jobs den Umstand an, dass er seine Aufgabe in der Apple-Community nicht mehr erfüllen könne. 2004 wurde Bauchspeicheldrüsen-Krebs diagnostiziert – vor zwei Jahren erhielt er eine neue Leber. Bereits bei der Präsentation des I-Phones sah man ihm an, dass er sehr gegen die Krankheit zu kämpfen hat. Seither gab es immer wieder Gerüchte über den Gesundheitszustand des Top-Managers. Ab dem Januar dieses Jahres blieb der Sessel des Generaldirektors leer. Zuletzt hiess es aus dem Freundeskreis Jobs, dass sein Zustand derzeit stabil sei.
Der Rücktritt des 56-jährigen sorgte an den Börsen für grossen Unmut. Die Apple-Aktie fiel um um nicht weniger als 5 Prozentpunkte. Doch blieben die Investoren auch weiterhin an Bord, nachdem Jobs betonte, dass er als Vorsitzender des Aufsichtsrates auch weiterhin die Geschicke des Konzerns (wenn auch indirekt) leiten werde. Allerdings bleibt die Befürchtung, dass der IT-Konzern mit dem Rücktritt seines Gründers die Visionen und damit auch die Innovationskraft verlieren wird.
Apple hat gegenwärtig einen Börsenwert von nicht weniger als 346 Milliarden US-Dollar. Erst vor wenigen Tagen hatte der Apfel den Ölkonzern Exxon als wertvollstes Unternehmen der Welt abgelöst. Nachfolger des beinahe als Messias verehrten Jobs wird Tim Cook! Er leitete schon mehrfach das operative Geschäft des Konzerns. So etwa auch zwischen Januar bis Juni 2009 – in diesem Zeitraum legten die Apple-Aktien um nicht weniger als 70 Prozent zu. Cook gilt als beinharter Geschäftsmann, der für diese Funktion heranerzogen wurde. Seine Mitarbeiter müssen Tag und Nacht erreichbar sein. Erste Lorbeeren erarbeitete er sich mit der Rationalisierung der Warenlager. Hier standen stets Geräte für mehrere Monate bereit. Heute nurmehr für wenige Tage. Alte Geräte sind nicht mehr apple-cool. Damit bürdete er selbst dem Unternehmen einen unheimlichen Innovationsdruck auf. Trotzdem ist nach Ansicht sehr vieler das Unternehmen ohne Steve Jobs nicht vorstellbar. Denn: Cook ist Manager, kein Erfinder! Ein ehemaliger Mitarbeiter äusserte sich einmal gegenüber des Wirtschaftsmagazins “Fortune”, dass der Sohn eines Werftarbeiters gerne Fragen stelle, die man nicht beantworten könne. Das Ärgste aber seien die Pausen während Sitzungen, in welchen nichts anderes zu hören sei, als das Auspacken des Müsliriegels, von welchen sich der 51-jährige offenbar ernährt.
Viele haben sich inzwischen zum Rücktritt Jobs geäussert, auch sehr viele Prominente – ja sogar Gegner. Paul Allen etwa, Mitbegründer von Microsoft postete auf Twitter: “Er ist einer der grössten Erfinder unserer Branche!” Dem schliesst sich auch Ex-Gouvenour Arnold Schwarzenegger an: “…nur wenige haben in den vergangenen 50 Jahren erreicht, was ihm gelungen ist und das wird auch die nächsten 100 Jahre so bleiben!” Klingt beinahe alles wie ein Nachruf. Wollen wir es nicht hoffen. Der Mann, der zuletzt mit seinem iPhone auch dem dem Mobil-Telefon-Weltmarktführer Nokia die Krallen zeigte, kämpft derzeit wie so viele einen Kampf gegen einen Gegner, der weitaus mächtiger ist als alle bisherigen. Ich jedenfalls drücke ihm die Daumen und hoffe, er kann diesen für sich entscheiden!

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“Essen ist fertig!”

Diese Worte soll der liebe Herrgott ausgesprochen haben, als er die Stadt Essen erschaffen hatte!  Aber mal ehrlich: Welches Kind hat diesen Satz nicht gerne gehört?! Zurecht, denn essen und trinken ist nicht nur lebensnotwendig, sondern auch etwas Gutes, etwas Tolles! Hier kann der Alltagsstress abgeschaltet und das Leben so richtig genossen werden! Ob es nun mit einem mehrgängigen Menü oder einer Fastenspeise, mit einem Schweinsbraten oder einem gemischten Salat mit Putenstreifen ist – die Geschmäcker sind verschieden. Jedem das Seine – daran soll auch dieser heutige Blog nichts ändern. Sobald Mann/Frau den elternlichen Mittagstisch verlässt und sich erstmals selbst mit den Tücken eines E-Herdes vertraut macht, ist er/sie selbst für seine Ernährung zuständig. Ob sie nun gesund oder ungesund ist, das soll heute nicht ausgeführt werden. Vielmehr geht es um den gemeinsamen Mittagstisch, das Essen als Zeremoniell!!!
Haben Sie gewusst, dass statistisch betrachtet täglich in Deutschland rund 105 Minuten mit Essen und Trinken verbracht werden? Im Vergleich dazu sind es bei den als fleissig geltenden Japanern 117, bei den Finnen 81 und bei den Gourmets aus Frankreich 135 Minuten (Quelle: “brand eins – die welt in zahlen” 2010). Der Soziologe Jean-Claude Kaufmann sieht den Hintergrund in der Denkweise der Völker: Essen ist in Nordeuropa die Freiheit des Einzelnen, in Südeuropa das gemeinsame Treffen der Familie. Mitteleuropa – nun ja: Es liegt eben in der Mitte! 1 3/4 Stunden – ist Ihnen das schon mal aufgefallen? Keine Ahnung, woher ich diese Zeit nehme – ich esse meistens nebenbei! Tja und zum Befüllen meiner Trinkflasche mit Strohhalm (damit ich auch ohne Pause weiterarbeiten kann – ohne zu dehydrieren) brauche ich auch nicht so lange! Woher also diese Zeit? Es ist ein Zeichen der Gegenwart, dass alles möglichst schnell gehen soll, am besten bereits gestern erledigt sein soll. Erwachsene werden im Arbeitsalltag zumeist streng an die Kandare genommen! Schliesslich will der Chef ja eine Gegenleistung für den bezahlten Lohn haben. Somit bestimmt die Arbeit den Tagesablauf. Müssen dann noch täglich Überstunden absolviert werden, so ist auch das grösste Arbeitsvieh irgendwann ausgelaugt und fertig. Der Wirtschaft ist dies egal. Wird der Arbeitnehmer doch einfach gegen einen frischen ausgetauscht – wie die Postkutsche in früheren Zeiten ganz simpel die Pferde wechselte. Umso wichtiger erscheint es, sich Oasen zu schaffen. Phasen im Tagesgeschehen, in deren Rahmen abgeschaltet werden kann. Dies gilt für die Mutter von vier Kindern ebenso wie für den Fliessbandarbeiter oder die Managerin.
Eine dieser Oasen sollte auch das Essen sein. Das gemeinsame Essen! Im Jahr 2006 veröffentlichte der damalige deutsche Bundesernährungsminister Horst Seehofer im Rahmen einer Podiumsdiskussion zur Internationalen Grünen Woche eine repräsentative Telefonumfrage, die das Institut com.x aus Bochum für die Berliner Plattform Ernährung und Bewegung e.V. durchgeführt hatte. Das Ergebnis – auf den Punkt gebracht: In Familien, die in das gemeinsame Essen mehr Zeit investieren, bewegen sich auch die Kinder mehr! Hallo?! Soll aber nun nicht heissen: Je mehr gegessen wird, umso mehr wird gesportelt! Die Studie zeigte folgende Eckpunkte auf: Jedes dritte Kind bewegt sich am Tag weniger als eine Stunde, davon leben nur 36 % in Haushalten, die sich mehr als 30 Minuten Zeit für gemeinsame Mahlzeiten nehmen. Mehr als zwei bewegte Stunden pro Tag nimmt sich nur jedes vierte Kind, wovon aber satte 59 % an längeren gemeinsamen Mahlzeiten teilnehmen. Befragt wurden 1.020 erwachsene Personen mit Kindern im Alter von bis zu 14 Jahren. Das Ergebnis hat sogar mich etwas durch den Wind gebracht.
Obwohl es immer heisst: Frühstücken wie ein Kaiser, zu Mittag wie ein König und am Abend wie ein Bettelmann, so erlaubt in den meisten Familien der Tagesablauf diesen Grundsatz nicht mehr (“Mahlzeiten – Alte Last oder neue Lust”, Rainer-Wild-Stiftung für gesunde Ernährung, VS-Verlag). Der tägliche Streit um das Badezimmer in der Früh, die Morgenmuffel, die kurz vor Abfahrt des Busses oder der U-Bahn erst aufstehen, lassen die Bemühungen für ein gemeinsames Frühstück rasch schwinden. Die Zeiten, als Muttern zuhause Mittagessen kochte und der Vater vorbeikam, sind auch schon längst passé. 30 Minuten Mittagspause sind in den meisten zivilisierten Ländern dieser Erde unter gewissen Umständen sogar gesetzlich vorgeschrieben. Sicherlich wird auch so manches Unternehmen nichts dagegen haben, wenn die Mittagspause im Bedarf auf eine Stunde ausgedehnt wird, jedoch kommen diese zusätzlichen 30 Minuten am Ende des Arbeitstages hinzu – damit wird dem Arbeitnehmer auch eine halbe Stunde seiner Freizeit gestrichen. Durch die Mobilität sehr vieler Menschen, die tagtäglich zur Arbeit pendeln müssen, lohnt es sich ferner nicht, über Mittag mal kurz nach Hause zu fahren. Die Kinder werden in der Schule verpflegt. Also bleibt nurmehr das Abendessen. Doch raten viele Ernährungsexperten davon ab, um diese Tageszeit noch viel zu essen. Es setzt an, kann zu Verdauungsproblemen und Schlafstörungen führen. Somit sollte nicht die Tagesschau oder ZIB 1 abgewartet und danach gegessen werden. Doch: Dieses gemeinsame Abendessen ist enorm wichtig für jedes Familienmitglied!!!
Dabei allerdings gilt es durchaus, einige Regeln zu beachten.
Schweigen ist während der Predigt des Pfarrers oder wenn der Chef spricht angesagt. Am Tisch jedoch kann und soll ausgiebig über die Tagesereignisse geplaudert werden. Pläne für das Wochenende können geschmiedet, Klatsch und Tratsch weitergereicht werden. Probleme und Streitereien allerdings haben am Tellerrand nichts zu suchen, sie verderben zumeist den Appetit und können auch die Lust am Essen für längere Zeit nehmen. Das Assoziieren mit Negativem kann im wortwörtlichsten Sinne “die Suppe so richtig versalzen”. Für schwierige Gespräche sollte man sich danach unter vier Augen Zeit nehmen. Trotzdem erspart blosses Reden so manchen Psychoanalytiker und kann Problemen vorbeugen. Gemeinsames Essen darf also durchaus als Kommunikationsmöglichkeit verstanden werden – es kann verbinden. Haben Sie übrigens gewusst, dass gemeinsame Mahlzeiten die Sprachentwicklung bei Kindern positiv beeinflussen kann – Studien haben dies ergeben.
Mangels Alternativen wird das gegessen, was auf den Tisch kommt. Durch abwechslungsreiche Ernährung können die Eltern die Lust der Kinder auf das Essen erhalten und steuern – vor allem in Richtung gesunder Ernährung. So zeigt der Österreichische Ernährungsbericht 2008 auf, dass das heimische gemeinsame Essen auch auswärts dazu führt, sich gesünder zu ernähren. Alles wird zumindest probiert, denn schliesslich hat sich der Koch/die Köchin damit Mühe gemacht – dies sollte honoriert werden. Kaufe ich im Drive-In meinem Sohn auf dem Weg nach Hause noch schnell einen Burger mit Pommes und eine Cola, so hat zwar der Sohn sicherlich eine Freude damit, ich allerdings verstosse dadurch gegen alle möglichen Prinzipen der Erziehung.
Apropos Erziehung: Durch die gemeinsamen Mahlzeiten kann den Jugendlichen etwas ganz Entscheidendes mit auf den Weg gegeben werden: Tischmanieren! Sie machen nicht nur einen guten Eindruck gegenüber Geschäftspartnern, Bekannten oder Fremden, sondern können auch den Beginn einer wundervollen Beziehung darstellen. Welche Frau etwa mag es, wenn der potentiell Angebete gleich beim ersten Date die Hühnerschenkel mit den Fingern isst oder sich direkt mit dem Löffel von der Fleischplatte hineinschaufelt. Eine gute Erziehung zeigt sich immer auch in gepflegten Tischmanieren. Nach dem Essen sollten beispielsweise Gabel und Messer nebeneinander schräg auf den Teller gelegt werden. Das ist auch für den Kellner der Hinweis: Fedddisch!!! Trotzdem bleiben alle am Tisch sitzen, bis auch der Letzte dieses Signal gegeben hat. Ansonsten sollte zumindest gefragt werden, ob aufgestanden werden kann.
Jeder Koch oder Kellner lernt zu Beginn seiner Ausbildung, dass das Auge mitisst. Soll heissen: Je schöner eine Speise angerichtet, je schöner ein Tisch gedeckt ist, deso mehr nimmt die Lust am Essen zu. Deshalb sollte an Fest- oder Feiertagen ruhig mal über die Strenge geschlagen werden. Und hier liegt es an den Eltern aufzuzeigen, dass das “Hotel Mama” Schnee von gestern ist! Die Kinder sollen mithelfen – sei es beim Tischdecken oder -abräumen und spülen bzw. vielleicht sogar dem Kochen oder Anrichten der Speisen. Umso leichter fällt es ihnen dann, wenn sie flügge geworden sind, sich in der grossen weiten Welt zurecht zu finden.
Tja – zuguterletzt darf natürlich auch der Spass nicht zu kurz kommen. Soll nicht unbedingt heissen, dass alle immer mit Pappnasen oder Clownsperücken am Essenstisch sitzen sollen – so manches Mal aber kann auch dies das Eis brechen! Ein lustiges Essen macht Appetit, fröhliche Atmosphäre am Tisch kann auch die ansonsten coolen Jugendlichen zum Essen animieren, die – obwohl ein Strich in der Landschaft – noch immer glauben, dass sie zu dick sind. Dann ist auch so mancher der Oldies cool! Professor Barbara Fiese, Expertin für Human Development and Family Sudies an der University of Illimois, hat in einer Studie aufgezeigt, dass Teenager, die regelmässig zuhause gemeinsam mit der Familie essen, weniger häufig zu Zigaretten, Alkohol oder Marihuana greifen.
Beim Essen entwickelt jede Familie eine gemeinsame Esskultur. was dem einen zu laut, ist dem anderen gerade recht. Pompöses Geschirr – einfache Teller. Salat und Suppe oder nur ein Gang. Limonaden und Wein oder Leitungswasser! Diese Esskultur vermittelt ein unheimlich starkes Gefühl der Zu- oder Zusammen-Gehörigkeit. Das ist meine Familie – ich möchte sie mit keinem Platz dieser Erde tauschen! Somit sollte sich jeder für zumindest ein gemeinsames Essen am Tag Zeit nehmen. Denn für viele bedeutet die Familie auch das Schöpfen neuer Kraft, Energie tanken, dem Leben einen Sinn geben. Zaubert hingegen der Vater die Zeitung auf den Tisch, die Tochter schaut fern, der Sohnemann kann sich von seinem Gameboy nicht lösen und Mutter telefoniert mit ihrer Freundin, so avanciert schnell dieses gemeinsame Essen zur Nebensache. Damit gehen dann auch alle positiven Aspekte verloren. Sehr rasch wird die Familie nicht mehr gemeinsam am Tisch sitzen, sehr rasch die Interessen auseinandergehen, sehr rasch kümmert sich niemand mehr um den anderen!
Somit der Tipp der Experten: Regelmässig zur selben Uhrzeit – ein Muss für jeden!!! Hände weg von allen störenden Möglichkeiten – nehmen Sie sich Zeit für einander. Zeit ist heutzutage ein enorm wichtiges Gut. Erst wenn man sie nicht mehr hat, wird einem deren Wert wirklich bewusst. Und diese Zeit sollten Sie geniessen. Geniessen bedeutet Glückshormone und Lust. Etwas wofür man Lust verspürt, wird auch viel lieber erledigt. Versuchen Sie deshalb ganz einfach mal die Lust am Essen, denn: Essen – das ist etwas Tolles!!!

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England brennt…

Eingeschlagene Scheiben, Plünderungen, in Brand stehende Autos und Häuser – es sind unglaubliche Szenen, die sich dieser Tage in England abspielen. Tausende Jugendliche sind des nächtens auf den Strassen und demonstrieren. Handgreiflich, gewaltsam, brutal und sogar tödlich! Fünf Todesopfer forderten die Unruhen bislang. Das Letzte, ein 68-jähriger Mann, wollte am vergangenen Montag im Londoner Stadtteil Ealing ein zuvor gelegtes Feuer löschen. Dabei wurde er angegriffen. Er erlag am folgenden Donnerstag den schweren Kopfverletzungen. Ein Polizist meinte: “Dies war ein brutaler Vorfall, der zur sinnlosen Tötung eines unschuldigen Mannes führte!” Scotland Yard hat Ermittlungen wegen Mordes eingeleitet.
Erinnerungen an die Brixton Riots 1981 werden wach. Ein Grossaufgebot an Polizei sorgte zumindest in den letzten Tagen für relativ ruhige Nächte. Alleine in London patroullieren bis zu 16.000 Sicherheitskräfte durch die Stadt. Auch über den Einsatz der Royal Army wird inzwischen nachgedacht. Die Einwohner aller Städte leben in Angst. Schliesslich musste ebenfalls in Birmingham, Bristol, Manchester und Salford gegen Randalierer vorgegangen werden. Da platzt auch noch der syrische UN-Botschafter Baschar Dschaafari herrein und vergleicht die Ausschreitungen mit jenen in seinem Land. Der britische Premierminister Cameron spreche in diesem Zusammenhang von “Banden”, doch erlaube der Westen Syrien nicht, den gleichen Begriff zu benutzen, wenn es um “bewaffnete und terroristische Gruppen” in seinem Land gehe.
Bei all dieser Wut und Brutalität wissen die meisten Protestierer und Schläger gar nicht, weshalb sie auf der Strasse sind und unschuldige Menschen und Polizisten angreifen. In Tottenham einem nördlichen Stadtteil von London wurde ein 29-jähriger dunkelhäutiger Familienvater und mutmasslicher Drogendealer durch die Polizei erschossen. Angeblich soll er zuvor auf die Beamten gefeuert haben. Inzwischen jedoch ergaben ballistische Untersuchungen, dass dies nicht der Fall war. Deshalb hatten Anwohner demonstriert. Hinzu gesellten sich Schlägertrupps und schon war der Aufstand organisiert. England gilt als Stammland der Hooligans. Die vermeintlichen Fussball-Anhänger nutzen diese Sportart als Vorwand, sich gegenseitig – auch abseits des Stadions – die Schädel einzuschlagen. Dementsprechend brutal verlaufen Schlägereien.
In Birmingham wurden drei Männer mit muslimischem Hintergrund offenbar vorsätzlich mit einem Auto niedergefahren, als sie die Geschäfte des Viertels vor Plünderern schützen wollten. Drei Tatverdächtige im Alter von 16, 17 und 26 Jahren wurden bereits verhaftet. Ein 26-jähriger wurde angeschossen, auch er ist inzwischen verstorben. Und der mutige Pensionist, der sich dem Mob entgegenstellte und dies mit seinem Leben bezahlt hat. Hier wurde ebenfalls ein Tatverdächtiger festgenommen, allerdings kurze Zeit später durch Kaution wieder auf freien Fusse gesetzt. Nur der Appell des Vaters eines der Opfer aus Birmingham hinderte Jugendliche des gemischten Viertels daran, Rache an den Tätern zu üben. Schon zuvor gab es immer wieder kleinere Ausschreitungen zwischen schwarzen und pakistanisch-stämmingen Einwohnern. Ein Rachefeldzug aber hätte schlagartig bedeutet, dass es die Polizei dann landesweit mit zwei Gruppierungen zu tun bekommen hätte. All das zeigt schon mal auf, dass die Randalierer nicht mehr mit rassistischem Hintergund handeln. Ähnliche Proteste gab es ja auch vor einiger Zeit in Frankreich. Sie konnten nur mit einem ebenfalls brutalen Vorgehen der Exekutive beendet werden.
Wie aber können nun die Bobbies die Lage wieder in den Griff bekommen. Bereits eingesetzt werden Gummigeschosse und Wasserwerfer. Diskutiert wird inzwischen auch ein Vermummungsverbot und eine Ausgangssperre. Durchaus berechtigt, haben doch Mitte der Woche teils Vermummte in Manchester die Lage genutzt, um Geschäfte in der Innenstadt auszuräumen. Ähnliche Szenen gab es auch in Liverpool, Nottingham und anderen Städten. Etwa 1.500 Aktivisten wurden seit dem Ausbruch der Ausschreitungen festgenommen, 400 angeklagt und zumeist von Schnellgerichten noch vorort abgeurteilt. Darunter etwa auch drei 14-jährige Burschen und ein 11-jähriges Mädchen, das mit einem Stein in Nottinghamshire eine Schaufensterscheibe eingeschlagen hatte und versucht haben soll, das Geschäft leerzuräumen. Premierminister David Cameron betonte, dass er es nicht zulassen werde, dass in den Strassen Englands eine Kultur der Angst herrsche. “Es sind Plünderer, Diebe und Räuber – sie begehen Straftaten!” und “Wenn Ihr alt genug ward, die Straftaten zu begehen, dann seid ihr auch alt genug für die Konsequenzen!”, meint er und spricht sich für den restriktiven Einsatz der Polizei und Justiz aus. Das Krisenkabinett kommt zu tägliche Sitzungen zusammen! Immer mehr wird anhand der Verurteilungen allerdings eines klar: Nicht nur die sozial benachteiligten Jugendlichen migrantischen Hintergrunds üben hier den Aufstand, sondern auch arbeitende Mitbürger und Familienväter!!! Immer mal wieder erkennen Einwohner in den durch die Sondereinsatztruppe “Withern” veröffentlichten Bildern von Überwachungskameras ihre Nachbarn.
Es ist allerdings ein mehr als schlechter Zeitpunkt für solche Ausschreitungen. Grossbritannien muss sparen und plant deshalb einen Personalabbau auch bei der Exekutive. Der Premier wird nun aufgefordert, bereits beschlossene Sparmassnahmen wieder zurückzunehmen. Bis 2015 sollen bis zu 34.000 Planstellen gestrichen werden. Vor wenigen Tagen erst läutete der Londoner Oberbürgermeister Boris Johnson die letzte Runde vor den Olympischen Sommerspielen im kommenden Jahr ein. Auch für die Stadt an der Themse seien Kürzungen im Sicherheitsbereich um bis zu 20 % angesichts dieser Unruhen unrealistisch. Schliesslich sind die schrecklichen Bilder von München 1972 noch in tragischer Erinnerung. Auch mit einer anderen Massnahme wird sich das Parlament demnächst auseinander zu setzen haben: Die Streichung der Sozialhilfe für die Aufständischen. Dies fordert eine Internet-Petition. Innerhalb kürzester Zeit brach die Webseite zusammen – die 100.000 Unterschriften für einen Antrag im Houses of Parliament waren rasch erreicht. Ausserdem fordert Cameron die Gemeinden dazu auf, Straftäter aus den Sozialwohnungen zu werfen. Auch die Möglichkeit eines Facebook- und Twitter-Verbotes für Kriminelle steht zur Diskussion. “Es ist für unser Land jetzt die Zeit gekommen, sich zusammenzureissen!”, meint der Premier, der auch von der Opposition volle Unterstützung erhält! So spricht Oppositionsführer Ed Milibrand von “Schulter an Schulter gegen den Vandalismus und die Gewalt”. So rasch als möglich soll das Anti-Gang-Programm der USA auch auf den britischen Inseln adaptiert werden. Es ist wahrhaft Feuer am Dach – nicht nur bei den durch die Randalierer angesteckten Gebäuden. Gruppierungen nutzen die derzeitige Lage um sich in den Vordergrund zu drängen. In islamistischen Internetforen wird bereits zum “Heiligen Krieg” Dschihad aufgerufen, meldet der US-amerikanische Internet-Überwachungsdienst SITE. Die Regierung muss die Lage so schnell als möglich wieder unter Kontrolle bringen, da ansonsten mitten in England der Bürgerkrieg ausbrechen könnte.
Ähnlich wie in Frankreich explodierte wohl auch jenseits des Ärmelkanals ein Pulverfass. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei rund 20 %. Es gibt grosse soziale Probleme, die durch den Sparkurs der Cameron-Regierung gar noch verschärft werden könnten. Anders als in Spanien, wo derzeit “Die Empörten” ebenfalls zu zigtausenden auf der Strasse stehen, um friedlich gegen die Situation der Jugend zu demonstrieren, gehen die englischen Unruhen richtig tief in die Geldtasche. Der bisherige Sachschaden soll bei etwa 200 Mio Pfund liegen, 20 Mio (etwa 22,8 Mio €) will die Regierung an demolierte Geschäfte in den Einkaufsstrassen zuschiessen, für Aufräumungsarbeiten sind 10 Mio Pfund vorgesehen. Premierminister Cameron muss nun nicht nur einen Spagat schaffen: Einerseits eine angemessene Vorgehensweise gegen die Unruhen zu finden und damit das Vertrauen der Bürger wieder zurückzugewinnen, andererseits Sparmassnahmen durchzusetzen, die zu nicht weiteren sozialen Problemen führen. Hierbei sollte über Parteiprogramme hinweggesehen und wirklich zusammengearbeitet werden. Schliesslich geht es dabei nicht um politische, sondern um soziale und wirtschaftliche Ziele!!!
PS: Auch das Lokal von Starkoch Jamie Oliver brauchte diese Woche neue Fenster. Doch ist er es, der hier Arbeitslosen oder Haftentlassenen einen Job bietet! Oder in Projekten mit Jugendlichen aus Problemfamilien arbeitet. Auf Twitter fordert er dazu auf, das Land von diesen Idioten wieder zurückzuerobern!

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Anmassend und existenzbedrohend

“Immer wenn Du glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her!”
Die meisten unter uns kennen diesen Spruch aus ihrer frühesten Kindheit, für so manchen ist er zur Philosophie des Lebens geworden. Seine Herkunft allerdings ist ungewiss! Während einige die Bibel in Betracht ziehen, hat ihn u.a. die Autorin Roswitha Rudzinski in Ihrem Gedicht “Hoffnung” ebenso verarbeitet wie der Deutsch-Rapper Bushido! Der Spruch soll jemandem, der bereits zerstört am Boden kauert, neue Hoffnung, neue Kraft geben! Wenn dann allerdings ein anderer kommt, der dieses “Lichtlein” einfach ausschaltet, so sind wir bei der derzeitigen wirtschaftlichen Situation in der Eurozone!
WARNHINWEIS: Wenn Sie nichts über die Hintergründe des Eurospektakels wissen möchten, dann ist der heutige Blog leider nicht für Sie zufriedenstelend – es wird aber sehr interessant werden!!!
Es geschah zu einer Zeit, als ich noch in Miete in einem Doppelhaus mit jeweils zehn Parteien lebte. Nachdem es mir am Herzen gelegen ist, zu Weihnachten vom natürlichen Christbaum wegzukommen (die Hintergründe sind derer viele – v.a. aber der Gedanke, dass Bäume eigentlich in den Wald und nicht ins Wohnzimmer gehören), wollten wir uns damals einen Kunststoff-Christbaum anschaffen. Also ran an den Computer! Sehr scnell auch fündig geworden, bestellte ich online, damit es möglichst rasch gehen sollte. Einige Tage vor Weihnachten erhielt ich die Aufforderung, einen Lohnzettel zu faxen, da es offenbar in diesem Haus (bei 20 Parteien!!!) schon einmal Zahlungsschwierigkeiten gegeben habe!!! So kommt ein Unbescholtener und schuldenfreier Mitbürger zu einer einfachen aber trotzdem zumeist wirksamen Bonitätsprüfung, also einer Überprüfung, ob denn auch die Zahlung für erhaltene Ware sichergestellt ist! In diesem speziellen Fall stellte ich dem Versandhaus die Frage, ob das denn ein Willkommensgruss für Neukunden sei, zog meine Bestellung zurück und besorgte den Weihnachtsbaum im nächsten Einkaufszentrum (Was gehen die meine Einkünfte an!?). Vielleicht ist es auch Ihnen mal geschehen, dass Sie Ihre Unterschrift für eine Bonitätsprüfung abgeleistet haben. Hierdurch können Erkundigungen über die Kreditwürdigkeit eines Menschen eingeholt werden. Wie viele dieser Bonitätsdaten allerdings weitergegeben werden dürfen, darüber scheiden sich nach wie vor die Geister (Verbraucherkredit-Richtlinie der EU, Verbraucherkreditgesetz, Kredit- oder Bankengesetz, diverse Urteile der Obersten Gerichtshöfe). Auch in der Wirtschaft ist es üblich, vor der Erfüllung eines grossen Auftrages eine Bonitätsprüfung durchzuführen. Dadurch soll vermieden werden, dass ein etwaiger Konkurs einen Folgekonkurs eines bis dahin gesunden Unternehmens mit sich zieht, da das vergebende Unternehmen zahlungsunfähig geworden ist.
In der grossen weltweiten Finanzwirtschaft wird eine solche Überprüfung der Kreditwürdigkeit durch sog. “Rating-Agenturen” erledigt. Sie sorgten in den letzten Monaten immer wieder für Schlagzeilen. Besonders die Staaten der Eurozone (zuletzt Zypern), aber auch die USA sind dadurch gewaltig ins Strudeln gekommen, als sie eine Herabstufung erfuhren, nachdem die Krise in welcher Form auch immer überstanden schien. Dies führt zu einem freien Fall besonders der Staatsanleihen an den Börsen und zieht auch die Konzerne aus diesen Ländern in den Sog hinein. So ist die Zahlungsunfähigkeit der Vereinigten Staaten zwar in letzter Sekunde durch eine Erhöhung der Schuldengrenze abgewendet worden, trotzdem sind der Dow Jones, der NASDAQ, der DAX und der Nikkei-Index, also Kurs-, Performance- und kapitalisierunggewichtige Indexes um mehrere Prozentpunkte gefallen. Anleger verlieren Geld oder verdienen nicht so viel, wie sie es gerne hätten. Panikverkäufe finden statt! So beginnen Weltwirtschaftskrisen!!!

Doch was steckt nun wirklich hinter diesen Ratings?

In den USA beherrschen drei Rating-Agenturen den Markt: Moody’s, Fitch und Standard & Poor’s (S&P). Während China mit der Agentur Dagong versucht, weltweit mitzumischen, sollte Europa erst im kommenden Jahr ein entsprechendes Pendant erhalten. In Deutschland agiert die Creditreform Rating seit 2009 im Bereich der bankaufsichtlichen Risikogewichtung. Diese Credit Rating Agencies (CRAs) sind eigentlich gewinnorientierte Wirtschaftsunternehmen, die neben der Bonitätsprüfung von Unternehmen und Staaten auch die Ausfallswahrscheinlichkeit von Forderungen anhand mehrerer Parameter berechnen. Die dabei entstehende Bewertung wird durch Buchstaben-Kombinationen veröffentlicht. AAA oder Aaa bezeichnet beste Qualität, D bedeutet zahlungsunfähig. Deutschland und Österreich werden derzeit mit Triple A bewertet.
Die ersten Rating-Versuche veröffentlichte Henry Varnum Poor 1868 im Manual of the Railroads of the United States. Er wollte hiermit interessierte Anleger über die amerikanischen Eisenbahn-Gesellschaften informieren. 41 Jahre später brachte John Moody das erste systematische Rating der Railroads heraus; die US-Bankenaufsicht verfügte 1936, dass Forderungen und Emissionen durch die Banken nurmehr mit dem sog. “Investment Grade”, also einem “Mindest-Rating” übernommen werden dürfen. Seit 1975 müssen sich in den USA Unternehmen, die an die Börse gehen von gesetzeswegen einem solchen Rating von zwei dieser drei führenden Agenturen unterziehen. In Deutschland und Österreich etwa wird dies durch die Solvabilitätsverordnung der Finanzmarktaufsicht geregelt. Moody’s untersuchte in Österreich die Bank Austria, Fitch die Österreichischen Volksbanken, S&P die Telekom Austria; in Deutschland bewertete Moody’s EnBW, Fitch die Gothaer Lebensversicherung und S&P die Hannover Rück. Solche Ratings sind für Anleger entscheidend, sagen sie doch aus, wie sicher es ist, dass das angelegte Geld zu einem Stichtag wieder zurückbekommen werden kann. Bei schlechteren Bewertungen sind die Anteile zwar günstiger zu erhalten, dafür geht der Investor jedoch das Risiko ein, dass er das Geld nicht mehr zurückerhält.
Ein Rating beginnt mit dem sog. “Mandatsvertrag”, also einem Auftrag an die Rating-Agentur durch einen Emittenten oder Kreditnehmer. Nun werden veröffentlichte (Firmenbuch) aber auch unveröffentlichte (Firmen-Interna) Informationen nach qualitativen und quantitativen Faktoren überprüft (Umsatz, Gewinn, grösste Kunden, Wettbewerber, Kosten- und Ertragsstrukturen,..). Anhand dieser Daten erstellen ein Junior- und ein Senior-Analyst eine Rating-Empfehlung, die noch das Rating-Komitee durchlaufen muss. Erst dann wird dies dem Auftraggeber mitgeteilt und in weiterer Folge veröffentlicht. Geheime Informationen werden zwar in der Rating-Note, nicht aber in den veröffentlichten Begründungen berücksichtigt. Damit liegt also die Macht tatsächlich in den Händen zweier Menschen: Dem Junior- und dem Senior-Analysten. Dies führt immer mehr zur öffentlichen Kritik. Wirtschaftsprüfer und Analysten stolperten bei den Konzernen Enron und Parmalat über Bilanzkosmetika. Im Rahmen des Wertpapier-Betrugs bei Goldman & Sachs wurden die fraglichen Wertpapiere mit bester Bewertung analysiert. Island wurde wenige Monate vor dem Banken-Kollaps und der Beinahe-Staatspleite von 2008 noch mit Triple A bewertet. In Griechenland attestiert der deutsche Wirtschafts-Weise Peter Bofinger eine Mitschuld der Rating-Agenturen. Sie werten beinhart ab, was zu Panikverkäufen an den Börsen führt. Dabei reiche etwa bereits die politische Zusage, griechische Anleihen in Anleihen des Euro-Rettungsfonds umzutauschen. Damit wäre die Macht der Rating-Agentur gebrochen, es finden sich wieder Anleger, die ihr Geld in Griechenland investieren. Dies scheiterte jedoch bislang an der Politik. Finanzstarke Euro-Länder wie etwa Deutschland haben die Einführung eines solchen Euro-Bonds bislang verhindert. Der deutsche Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kritisiert v.a. die Herabstufung Portugals: Dies sei “schachlich nicht begründet”! Er fordert das Brechen des Oligopols der drei US-amerikanischen Rating-Riesen. Auch der deutsche Bundeswirtschaftsminister Philip Rösler wünscht sich mehr Wettbewerb im Bereich des Ratings und eine transparentere Risikoeinschätzung der Agenturen. Dies hat sich auch die EU-Justizkommissarin Viviane Reding auf ihren Weihnachtswunschzettel geschrieben. Im Falle von Italien etwa wurde das schwache Wirtschaftswachstum ebenso kritisiert wie die niedrige Produktivität und der starre Arbeitsmarkt. Rösler hingegen spricht im Vergleich zu Griechenland von einer “grossen und weitgehend wettbewerbsfähigen Volkswirtschaft”. In Italien ermittelt inzwischen auch die Justiz gegen Moody’s und S&P: Aufgrund ungewöhnlicher Bewegungnen an der Mailänder Börse soll überprüft werden, ob die Agenturen bei ihrer täglichen Arbeit “Die Regeln des Geschäfts” eingehalten haben.
Rating-Agenturen bezeichnen ihre Analysen gerne als “Meinungen ohne Kauf-, Halte- oder Verkaufsempfehlungen”. Sie sind Zertifizierer, die selbst in eine Kreditvergabe nicht involviert sind. Werden Fehler gemacht, so sind sie für die Agentur nicht existenzbedrohend. Geschieht dies allerdings einer Bank bei der Überprüfung der Kreditwürdigkeit, so muss diese auf Eigenkapital zurückgreifen. Die USA haben ihre Schuldengrenze erhöht, mehr Geld wird gedruckt, die Inflation steigt. Trotzdem haben Moody’s und Fitch davor gewarnt, dass der weltweit grösste Investor von der Triple A-Stufe herabgesetzt werden könnte, wenn die Sparmoral im Haushalt nachlasse. S&P gibt sich noch zurückhaltend. Dies bedeutet, dass sich Anleger andere Märkte suchen – es könnte weitreichende Folgen auch für die Weltwirtschaft haben. Die chinesische Dagong Global Credit Rating ist da bereits einen Schritt weiter: Die USA wurden von A+ auf A herabgestuft. S&P sowie auch Moody’s haben Zypern um eine Bonitätsstufe nach unten gedrückt. Verantwortlich dafür sind Wirtschaftsprobleme und die verheerende Explosion in einem Munitionslager. Fitch hat gemeint, die griechischen Umschichtungen künftig zu berücksichtigen – siehe da: Die Finanzmärkte reagieren hierauf positiv!
Jetzt mal ehrlich: Mir wäre all das ja eigentlich komplett egal – ginge es nicht um Steuergelder, unsere Wirtschaft und damit unseren Lebensstandard!!!

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