Archive for September, 2011

Zerstritten wie eh und je

Der Papst zu Besuch im Reformationsland Deutschland! Wer sich dabei Gedanken gemacht hat, lag auch richtig! Nein – es kam nicht wieder zu einem auf Thesen beruhenden Aufstand (obwohl – na ja! Siehe weiter unten!!!). Doch fürchtete ganz Italien trotzdem um das Leben von “Il Papa”: Ein Irrer hatte mit einem Luftgewehr von einer Dachgeschosswohnung aus bei einer Sicherheitsschleuse vier Schüsse aus einem Luftgewehr abgegeben und dabei Sicherheitsbeamte verletzt. Der Pontifex selbst hat davon erst im Nachhinein erfahren! Im erzkatholischen Land am Apennin hingegen wurde diese Tat gleich ausgelegt als Anschlag der Protestanten auf das Oberhaupt der Katholischen Weltkirche!
Tatsächlich kann dies alles durchaus missverstanden werden. Benedikt XVI. hatte sich in Erfurt mit Vertretern der Lutherisch-Evangelischen Kirche getroffen. Wohl um eine Gesprächsbereitschaft zu demonstrieren, die seit Jahrhunderten ausgerechnet durch den Vatikan unterbunden wird. Der Reformator Martin Luther wirkte von 1505 bis 1512 in Erfurt als katholischer Augustiner-Mönch, bevor er zum Motor der Gegenbewegung wurde. In einem Brief an den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Deutschlands, Nikolaus Schneider hatte Benedikt XVI. den Wunsch nach mehr Zeit für das Gespräch geäussert! Wer allerdings gemeint haben sollte, dies werde zum Wohle der Zukunft der Ökumene geschehen, der lag komplett daneben. Gesprochen wurde vornehmlich über die Theologie Luthers. 2017 feiert die evangelische Kirche 500-Jahre Reformation. Der Papst wollte hierbei vielleicht so etwas wie einen “katholischen Impuls zum Reformationsjahr” geben. Im Vorfeld des Treffens sorgte auch ein Buch für grossen Wirbel: “Lieber Bruder in Rom!”, wobei dem Papst von mehreren evangelischen Pfarrern ein Angebot für die “Koalition zur Mission” gemacht wurde. Tatsächlich kommen nicht nur der katholischen Kirche zusehends die Schäfchen abhanden, sondern auch der protestantischen. Den Kirchen laufen in Scharen die Gläubigen davon. So meinte etwa Josef Ratzinger als er sich gegenüber des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann nach dem aktuellen Stand der Dinge rund um Stuttgart 21 erkundigte: “…, das Problem habe ich auch, wie ich eine pluralistisch werdende Kirche zusammenhalte!” So nebenbei erwähnt: Kretschmann, Parteimitglied der Grünen/Bündnis 90, hatte das demonstrative Fernbleiben der Bundestagsabgeordneten bei der Papstrede im Hohen Haus kritisiert. Der Ministerpräsident hat viele kirchliche Ämter inne – so ist er etwa auch Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Vor all diesen Hintergründen mutet es doch etwas komisch an, dass etwa in Freiburg auch verschleierte Frauen Fahnen aus den Fenstern ihrer Wohnungen schwenkten, als das katholische Kirchenoberhaupt vorbeifuhr.
Damit aber in medias res! Am 23. August 1948 wurde in Amsterdam das “World Council of Churches” (WCC) – der Ökumenische Rat (ÖRK) – gegründet. Auf der deutschen Homepage ist folgende Definition zu lesen: “Der Ökumenische Rat der Kirchen ist eine Gemeinschaft von Kirchen, die den Herrn Jesus Christus gemäß der Heiligen Schrift als Gott und Heiland bekennen und darum gemeinsam zu erfüllen trachten, wozu sie berufen sind, zur Ehre Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.” Ziel dieses Gremiums ist es, eine sichtbare Einheit der christlichen Kirche zu schaffen. Dem WCC gehören 349 Kirchen, Denominationen und Glaubensgemeinschaften in nicht weniger als 110 Ländern dieser Erde an. Darunter sind auch grosse Teile der orthodoxen Kirche, der anglikanischen, baptistischen, lutherischen, methodistischen und reformierten Kirche zu finden – auch die Altkatholiken sind ein Teil dieses Gremiums. Vertreten werden mehr als 560 Millionen Christen – allerdings nicht die römisch-katholischen! Die grösste Glaubensgemeinschaft des Christentums arbeitet zwar in mehreren Bereichen mit dem ÖRK zusammen, ist auch Vollmitglied in zwei seiner Kommissionen – hat sich bislang jedoch stets gegen einen Beitritt ausgesprochen. Der Grund dafür liegt im Selbstverständnis der Kirche: Nach dem griechischen Ursprung des Wortes bedeutet katholisch so viel wie allgemein, allumfassend. Das theologische Selbstverständnis macht daraus “die eine, wahre, allgemeine Kirche Jesu Christi”, wobei alle anderen Konfessionen auf diese Kirche hin zugeordnet sind – es sind aber keine Kirchen! (Quelle: Pfarrer i.R. Jakob Stehle, Reutlingen-Eferdingen).
Seit der Gründung der christlichen Kirche gab es bislang 264 reguläre Päpste (mit den Gegenpäpsten waren es weitaus mehr). 1948 stand der Kriegspapst Pius XII. der römisch-katholischen Kirche als Pontifex vor. Nach ihm folgten mit Johannes XXIII., Paul VI,. Johannes Paul I., Johannes Paul II. und Bendikt XVI. weitere 5 Päpste bis zur Gegenwart. Gemäss des Kirchenrechtes besitzt der Papst “kraft des Amtes die oberste, volle, unmittelbare und allgemeine ordentliche Gewalt in der Kirche”! Dies ist göttliches Recht. Seine Entscheidungen bedürfen demnach keinerlei Bestätigung. Jeder der Nachfolger Petris in Rom legt seine Marsch-Richtung in Form der Enzykliken vor. Dabei geht es um den Frieden, den Nationalsozialismus, den Kommunismus, das Zölibat, die Verhütung,… Benedikt XVI. schrieb seine Antrittsenzyklika 2006 mit dem Titel “Gott ist Liebe” (Deus caritas est). Damit liegt es also durchaus beim Papst, die Gangart auch gegenüber anderer Weltkirchen (gibt es in dieser theologischen Auffassung überhaupt solche?) bzw. Konfessionen festzulegen. Die Gesprächsbereitschaft gegenüber der Lutherisch-Evangelischen Kirche jedoch ist seit Jahrhunderten mehr als dürftig. Gemeinsame Gottesdienste etwa müssen nach wie vor vom Bischof genehmigt werden. Ein mir bekannter Pfarrer musste nach der Abhaltung eines solchen “ökumenischen Gottesdienstes” zum Rapport! Nach wie vor können römisch-katholische Priester mit Strafen rechnen, wenn sie offener (nicht offen!) auf ihre anders-konfessionellen Kollegen (?) zugehen. Damit ist auch der Ausdruck einer “ökumenischen Feier” nicht richtig, wenn sich die katholische Kirche hieran beteiligt. Lassen Sie es mich mal scharf formulieren als “eine römisch-katholische Feier mit Duldung einer anderen Konfession”! Weltweit haben sich die Nachfolger von Gegnern in politischen Kriegen zumeist zum Wohl der Völker wieder zusammengerauft. In der sakralen Welt allerdings scheint dies unmöglich.
In Östereich haben 300 katholische Priester zum Ungehorsam gegen Rom aufgerufen. In Deutschland verfassten 300 Theologieprofessoren ein Memorandum (kann dies mit derm Thesen Luthers verglichen werden?). Das Ziel ist in beiden Fällen dasselbe: Reformen in der Kirche! Der Erzbischof von Freiburg, Robert Zollitsch, hat aus diesem Reformkatalog seiner Kollegen aus der Bildung den Punkt “Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Eucharistie” in einem Artikel in der Zeitung “Die Zeit” laut reflektiert. Die Reaktion folgte auf’s Wort aus Köln: Kardinal Meisner wies dies prompt zurück, obwohl Bendikt XVI. in einem Gespräch selbst dazu aufrief, das gewandelte Eheverständnis in der Gesellschaft als stärkere pastorale Herausforderung anzusehen. Bitte korrigieren Sie mich, sollte ich falsch liegen: Gläubige, die nicht an einer Eucharistie-Feier teilnehmen dürfen – sind diese unerwünscht, da ausgeschlossen? Gehören somit Geschiedene nicht mehr der römisch-katholischen Kirche an, sondern sind nurmehr geduldet? Und dies bei einer Scheidungsrate von teilweise über 50 %!!! Wie ist das mit der Absolution?
Auch wenn zigtausende Menschen zu solchen Grossveranstaltungen pilgern (nicht alle sind Katholiken!), so täuscht dies nicht über die immer grösser werdende Zahl der “Ungläubigen”, also der Kirchenaustritte hinweg. In der Gegenwart ist etwas cool, das up-to-date ist, das hip und modern ist! Mit Lehren aus dem Mittelalter kann hier nicht mehr gepunktet werden. Es müssen Ansichten einfliessen, die den Zahn der Zeit treffen. Damit kann das Althergebrachte aufgefrischt und somit wieder interessant gemacht werden. Dies soll nicht heissen, dass alte Überlieferungen widerlegt werden sollen!
Zurück nach Erfurt: Am Gottesdienst auf dem neuen Domplatz nahmen auch die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, und die Präses der Evangelischen Kirche Deutschland, Katrin Göring-Eckardt, teil. War dies nun eine ökumenische Feier? Auf den Public-Viewing-Plätzen in Erfurt wurden 30.000 Menschen erwartet – gekommen sind rund 300! Benedikt XVI. hielt in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag einen Appell an die Politiker, sich wieder auf das zurück zu besinnen, das sie eigentlich wären: Volksvertreter! Simpel formuliert: Keine Manager, die nach dem grösstmöglichen Erfolg zu messen sein sollen! Kluge Worte! Doch: Wie lautt der Spruch vom Glashaus und den Steinen???

No Comments »

Was guckst Du!?

Die Wahlschlacht um Berlin ist geschlagen, das Volk hat gesprochen, nun müssen sich die Politiker in der vorliegenden Konstellation zusammenraufen! Ein Thema wurde im Wahlkampf aber mit Samthandschuhen und äusserster Vorsicht angegangen: Die Integration! Ganze Stadtteile der deutschen Hauptstadt beherbergen inzwischen weitaus mehr Einwohner mit migrantischem als einheimischem Hintergrund. Dies sorgt immer wieder für Spannungen, nicht nur zwischen Deutschen und Neo-Deutschen, sondern auch den Volksgruppierungen untereinander. An der Integration wollte sich nicht wirklich auch nur ein Politiker die Finger verbrennen, was doch sehr erstaunt. Einerseits setzen sich die Grünen auch in Deutschland mit Pauken und Trompeten für die Integration ein. Andererseits ist der alte und neue Amtsinhaber, der regierende Bürgermeister Klaus Wowereit der Integrationsexperte seiner Partei (offizielle Bezeichnung: “Leiter der Zukunftswerkstatt Integration”), der SPD. Doch überlässt er offenbar besser den Parteikollegen die Wortmeldungen. Siegmar Gabriei, Thilo Sarrazin, Heinz Buschkowsky. Während der Bundesparteivorsitzende Gabriel sich für mehr Migranten in den Parteigremien einsetzt, sorgte Sarrazin mit seinem Buch “Deutschland schafft sich ab” mit gegenteiliger Meinung für Furore bis beinahe zum Parteiausschluss. Und auch der Bezirksbürgermeister Buschkowsky hat es in seinem gerne auch als “Problembezirk” bezeichneten Berlin-Neukölln nicht immer gar so einfach.
Bei all diesen sehr zaghaft betriebenen Bemühungen (schliesslich kann damit das Beste gemeint gewesen sein, ein Missverständnis reicht allerdings aus, um das ganze Projekt zu kippen) sorgt derzeit eine Neuerscheinung auf dem Buchmarkt für grossen Wirbel: “Richter ohne Gesetz – islamische Paralleljustiz gefährdet unseren Rechtsstaat” von Joachim Wagner (Econ-Verlag). Es ist sozusagen der Dolchstoss mitten ins Herz. Der Inhalt ist schnell auf den Punkt gebracht: Es gibt in Berlin bereits die Parallel-Justiz und den hiesigen Behörden scheint es komplett egal zu sein. So setzen sich beispielsweise gesetzlich nicht autorisierte, gesellschaftlich aber sehr wohl hochgeschätzte Friedensrichter bei einem Vorkommnis sowohl mit dem Opfer als auch dem Täter in Kontakt und handeln eine Wiedergutmachung aus. Ist dieser Vergleich durchgeführt, so zieht das Opfer seine Anzeige zurück – der Justiz fehlt die Grundlage einzuschreiten und bei strafrechtlichen Prozesen auch die Aussage des Opfers oder etwaiger Zeugen. Damit ist aber das hiesige Rechtssystem umgangen worden. Alleine in Berlin-Neukölln schätzt der Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky die Zahl dieser islamischen Friedensrichter auf nicht weniger als 20 ein. Handelt es sich um zivilrechtliche Angelegenheiten, so würde das so mancher Richter angesichts seines zu bewältigenden Arbeitsberges höchstwahrscheinlich auch befürworten. Im hiesigen Recht ist dies etwa durch den aussergerichtlichen Vergleich eindeutig gesetzlich geregelt. Handelt es sich allerdings um ein “Verbrechen gegen Leib und Leben” – dann gilt das Strafgesetz bzw. die Strafprozessordnung in Verbindung mit den Grund- oder Verfassungsgesetzen, wonach vor dem Gesetz jeder gleich ist! Weshalb soll demnach Otto Normalbürger für etwas bestraft werden, bei dem Ali oder Ahmed unbescholten bleibt. Wagner hat dies anhand einiger recht anschaulicher Beispiele auch klar aufgezeigt. “Polizei und Gerichte schauen den Machenschaften ohnmächtig zu!” (Joachim Wagner). Den Richtern ist dies auch durchaus bekannt, so der Autor weiter. Er zitiert eine ehemalige Jugendrichterin, die von einer “Verlagerung des Rechtes auf die Strasse” spricht (sie wurde übrigens später an einem Baum hängend in einem Waldstück nahe Berlin aufgefunden). Meinte wohl Papst Benedikt XVL. in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag mit dem Sidestep auf die Kultur etwas ähnliches?
In Deutschland wurde zum Zwecke der besseren Integration der Muslime die Islam-Konferenz eingerichtet. Hier enthalten sind einerseits Vertreter der Bundesregierung, der Länder und der Kommunen, andererseits Vertreter islamischer Gruppierungen und Institutionen, aber auch Privatpersonen. Zu einem Eklat kam es 2010, als der damalige Bundesinnenminister de Maiziere damit drohte, den Islamrat aus der Konferenz auszuschliessen, da der Verfassungsschutz gegen Mitglieder der mit dem Rat kooperierenden Gruppierung Milli Görüs ermittelte. Inzwischen verweigern mehrere dieser Vertreter die Teilnahme an den Konferenzen, was heftigst von den islamischen Privatpersonen kritisiert wird. So betont beispielsweise die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor, dass die muslimischen Interessensvertreter zumeist dem konservativen Islamverständnis zuzuordnen wären.
Übrigens gab es Parallelgesellschaften bereits schon öfter in den vergangenen Jahren. Nur – sie wurden einfach anders benannt: Subkultur oder Gegenkultur. Die Hippies, Punks oder auch Rocker fallen immer wieder in diesem Zusammenhang. Auch die 68er-Generation revoltierte damals lautstark. Inzwischen sind aber auch sie Teil des Systems. Erst seit den 1990er-Jahren kam dieser heute verwendete Ausdruck der “Parallelgesellschaft” in den Sprachgebrauch. Auf der Website www.parallel-gesellschaft.net kann jeder Mitglied einer Welt in der Welt werden (die politischen oder gesellschaftlichen Hintergründe der Seite sind mir nicht bekannt). Auf dem ganzen Globus gibt es Glaubensgemeinschaften, die sich komplett aus der Welt in ihre eigene Welt zurückgezogen haben – die Amische etwa.
2004 stritt allerdings der Historiker Klaus J. Bade die Existenz dieser Parallelgesellschaften mit islamischem Hintergrund in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin “Spiegel” ab. Hierzulande seien die Einwandererviertel ethnisch gemischt, wodurch eine in sich zurückgezogene und geschlossene Monokultur gar nicht möglich wäre. Nur jene Menschen sprechen davon, die Angst vor einer solchen Welt machen wollen! Parallelgesellschaften können nur Minderheiten gegenüber alteingesessenen Mehrheiten aufbauen. So zeigte etwa eine Aufsatzreihe in der politikwissenschaftlichen Zeitschrift “Aus Politik und Zeitgeschichte” im Jahre 2006 anhand mehrerer Indizes auf: Je religiöser ein Muslime ist, desto mehr Distanz baut er gegenüber Nicht-Muslimen auf. Trotzdem könne nicht vom Bestehen clan-ähnlicher Strukturen oder einer daraus resultierenden Abschottung gesprochen werden.
Ist es nicht doch ganz einfach so, dass – solange Recht und Ordnung aber auch der geltende Anstand eingehalten werden – die Privatsphäre zuhause etwa niemanden anderen interessieren sollte? Über Recht und Ordnung entscheidet das Gesetz, über den Anstand die gesellschaftlichen Regeln. Diese werden von Mitbewohnern mit einheimischen Wurzeln ebenso eingehalten oder gebrochen, wie von jenen mit migrantischen Wurzeln. Die Kultur – SIE ist das Kernproblem um das sich doch alles dreht. Zumeist ist es nicht das Gesetz, sondern einfach nur das “Anders-Sein”. Und hierbei wird zu rasch in einen grossen Topf geworfen. Esse ich im Nudelland Italien vornehmlich Kartoffeln, dann bin ich rasch “Der Deutsche”. Trage ich eine Kippa, so bin ich geizig und besitzergreifend. Hat mein Englisch österreichischen Akzent, so werde ich in den USA “Arnie” genannt. Oder: Mag ich täglich mein Feierabend-Bier, so bin ich für manch anderen ein Alkoholiker. Es ist vornehmlich die Toleranz der Anderen, die über mich urteilt. Sie sorgen hauptsächlich dafür, dass man ein Teil der Gesellschaft wird oder sich in sein eigenes Leben zurückzieht. Dann sucht man Gleichgesinnte, die in weiterer Folge vielleicht diesen Kreis noch weiter einengen oder zusperren. Andererseits muss hinzugefügt werden, dass – wenn ein Kulturkreis verlassen wird – man sich wesentlich leichter tut, wenn der neue Kulturkreis mit all seinen Regeln akzeptiert wird. Ansonsten entstehen selbstverständlich Spannungen!!! Wenn nicht gleich, so doch mit der Zeit!

No Comments »

Major Tom to Ground-Control: “Mir wird kalt!”

Wow – der letzte Blog hat für einigen Tumult gesorgt! Dem Ganzen wollte ich nun noch etwas draufsetzen und über den österreichischen Telekom-Skandal berichten! Doch muss ich leider auf Anraten meiner Anwälte davon Abstand nehmen, da das Verfahren schwebend ist, im Alpenstaat bis zur Urteilsverkündung die Unschuldsvermutung gilt und ich somit Klagen wegen Rufschädigung, übler Nachrede und Geschäftsschädigung – ja vielleicht sogar Behinderung der Justiz – ins Auge schauen würde. Neutral über so etwas zu schreiben – das ist nicht mein Ding! Also: Verschoben – nicht aufgehoben!
Dieser Tage jedoch sah ich eine mehr als interessante Doku über Elektro-Fahrzeuge. Nachdem ich ohnedies schon längst hierüber schreiben wollte, werde ich nun mein Bestmögliches versuchen. denn die derzeitige Marktsituation schreit förmlich danach, aufgerollt und veröffentlicht zu werden. Lobbyismus in Reinkultur und die Politiker lassen sich hinter’s Licht führen.
Bis zum 25. September hat die IAA – die Internationale Automobil-Ausstellung in Frankfurt ihre Pforten geöffnet. Gezeigt wird das Neueste, was die Entwicklungslabors der Autohersteller so zu bieten haben Dass dies allerdings nicht immer das umweltfreundlichste und sparsamste ist, hat ein Verbrauchertest des Zweiten Deutschen Fernsehens ZDF aufgezeigt. Hintereinander fahrend absolvierten ein Blue Motion Golf der neuesten Generation und ein vergleichbares Vorgängermodell mit etlichen Jahren auf dem Buckel (das gerade mal für diesen Test mit einer Tageszulassung versehen wurde) 100 km Stadtverkehr. Beim Tank-Vergleich zweifelten die Tester an ihrem Urteilsvermögen. Der alte Golf benötigte um beinahe einen Liter weniger Sprit als das angeblich umweltschonende High Tech-Gerät. Die Herstellerfirma wurde hierzu befragt, enthielt sich aber einer Stellungnahme mit den Worten: “War nicht bei diesem Test dabei!”
Nun ja – die IAA ist für das Kernland der Automobil-Herstellung, für den Qualitätsmarkt Deutschland eine vernichtende Ansage, eine Ohrfeige mitten ins Gesicht. Während ausländische Hersteller, allen voran Renault aus Frankreich, aber auch Nissan aus Japan mit Elektroautos grossflächig punkten, halten sich die Deutschen sehr zurück. Einzig Opel hat ein Fahrzeug im Portfolio! Das aber wird in den USA hergestellt. Audi und VW sowie auch Mercedes zeigen noch Prototypen – der Verkauf soll erst im kommenden Jahr bzw. 2013 starten. Mercedes übrigens hat sich auf den Wasserstoffantrieb konzentriert, hat dabei auch über eine Weltumrundung aufgezeigt, dass diese Fahrzeuge durchaus mobil sind. Einziger Wermutstropfen: Die Tankstelle muss überallhin mitfahren, da beispielsweise in Deutschland nur eine einzige Wasserstofftankstelle im Versuchsstadium steht. Daimler will selbst 20 dieser speziellen Tanken bundesweit aufbauen.
Obwohl nun beispielsweise BMW, Mercedes und VW im vergangenen Jahr Milliardengewinne geschrieben haben, kassieren sie noch rund eine Milliarde für die Entwicklungsarbeit an effizienten Batterien für E-Mobile aus Steuergeldern. Betont wird, dass diese Batterien kleiner und effizienter werden sollen. Bislang haben solche Elektroautos eine Reichweite von 80 bis 150 km. Danach ruft die Steckdose. Dies soll sich angeblich mit 2012 ändern, wenn die deutsche Automobilindustrie mit voller Elektropower auf den Markt drängt. Lassen Sie mich hier bitte ein kurzes Lächeln anbringen, denn dann ist höchste Eisenbahn angesagt. So meinen Experten der International Energy Agency IEA, dass zwar das Erdöl nie ausgehen werden, jedoch die Nachfrage durch die Förderung nicht mehr befriedigt werden kann! Und dies bereits mit dem Jahr 2012. Horrend steigende Treibstoffkosten werden damit das Autofahren zur Luxusbeschäftigung machen. Die Hersteller, allen voran die allmächtige deutsche Autolobby, hat jedoch hier nicht sehr viel entgegenzusetzen. So haben bereits vor zwei Jahren der damalige Bundeswirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) und sein Amtskollege aus dem Verkehrsministerium, Wolfgang Tiefensee (SPD) die Elektrozukunft eingeläutet, der damalige Kollege aus dem Umweltressort startete nach dem Tanken an der Stromzapfsäule publicity-gerecht mit einem Morris Mini los – nicht mit einem deutschen Fabrikat! Seither hat nach wie vor kein einziges E-Mobil in der Serienherstellung das Fliessband eines der grossen Autohersteller  verlassen. Autozulieferer haben hingegen den Ernst der Lage erkannt, kaufen Autos mit Verbrennungsmotoren und rüsten diese um! Ist das nicht peinlich für das Autoland Nummer 1? Mangelnde Ideen können es doch wohl beileibe nicht sein. So haben etwa niederländische Elektronikstudenten ihr eigenes Machwerk bei einer Ausstellung für alternative Antriebsformen erst kürzlich gezeigt: Einen umgebauten VW Lupo mit einer Reihe von handelsüblichen Akkus aus China als Stromquelle. Sollte ein Akku seinen Dienst versagen, kann er ganz simpel durch einen neuen ersetzt werden. Auf die Frage hin, ob die Kommilitonen denn schon bei Volkswagen vorstellig geworden sind, meinten diese – schon öfter, sind aber immer wieder abgeblitzt!
DER Nachteil an den Elektromobilen sind sicherlich die Batterien. Einerseits erlauben sie (auch mit Lade-Zusatz-Motor) nur eine begrenzte Fahrleistung. Andererseits sind diese auch für die hohen Preise dieser Fahrzeuge verantwortlich. Zumeist machen Sie ein Drittel des Neupreises aus. Dies erschwert auch den Umstieg vieler Privatpersonen. 30.000 € für einen E-Kleinwagen sind gang und gebe. Auch am E-Gebrauchtwagenmarkt ist noch mit einer meist fünfstelligen Ankaufs-Summe zu rechnen. Innovative Unternehmen stellen einen E-Mobil-Fuhrpark auch zur privaten Nutzung zur Verfügung, die durch eine grosse Photovoltaik-Tankstelle während der Nicht-Nutzung wieder aufgeladen werden. Immer wieder stellen Solaranlagen-Hersteller die Tankstelle der Zukunft vor: Das Carport vor den heimischen vier Wänden, versehen mit einer Photovoltaik-Anlage auf dessen Dach! Durchaus nicht mehr Zukunftsgefasel, sondern mehr als ernstzunehmend! Damit sind solche E-Fahrzeuge als gedltaschenfreundlich einzustufen – wenn da nicht der hohe Kaufpreis wäre. Sicherlich, dieser hat sich sehr rasch wieder amortisiert, vor allem dann, wenn der Strom dafür selbst produziert wird. Diese Fahrzeuge sind auch weitaus weniger gerne von Fahrzeugmechanikern gesehen, da sie zumeist sehr wartungsfreundlich sind und eine Kfz-Werkstatt grossteils nur von aussen sehen. Sie besitzen ganz wenige “arbeitende” Teile, die durch den ständigen Gebrauch abgenutzt werden!
In dem kleinen österreichischen Bundesland Vorarlberg läuft seit dem Jahr 2008 das Projekt “E-Mobilität-Modellregion”. Alleine im dortigen Rheintal ist die sog. “V-lotte” auf bereits rund 250 Elektro-Fahrzeuge angestiegen (Think, Mitsubishi, Renault, Citroen, Fiat, Mazda, Peugeot). 94 % der dort absolvierten Fahrten sind kürzer als 50 Kilometer – damit auf jeden Fall E-Mobil-tauglich (www.vlotte.at/). E-Bikes geniessen ebenfalls reissende Nachfrage, sodass zumeist die Lieferung nicht mithalten kann! Daneben gibt es etwa in Österreich noch vier weitere Modellregionen (Eisenstadt, Graz, Salzburg, Wien)! Sie zeigen allesamt auf, dass es auch ohne Benzin geht, ohne Auf-und-ab-Ärger an der Tankstelle, ohne Ölscheichs und ohne hohe Sprit- und Energiesteuer!

No Comments »

Eine riesengrosse Sauerei

“Ja, natürlich” oder “Bei meiner Ehr!”, “Unsere Biobauern”,… – als fleissiger Fernsehzuschauer oder Radio-Hörer werden Sie die unterschiedlichen Versprechungen der einzelnen Produktlinien der Einzelhandelsketten oder Produzenten selbstverständlich kennen! Wäre es nicht so tragisch, ich müsste losbrüllen vor Lachen.
Bitte verstehen Sie mich jetzt nicht falsch – die erwähnten Produktlinien sind nur rein zufällig herausgegriffen und haben mit dem weiteren Text (wenn nicht nachgewiesen) in keinster Weise etwas zu tun.
Heutzutage verspricht inzwischen jeder das Blaue vom Himmel – kein Wunder, ist doch mit Bio gutes Geld zu verdienen. Vorbei sind die Zeiten, als “bio” noch beinahe als Schimpfwort verstanden wurde. Dieser Bereich hat gottlob inzwischen den Touch des Ausgegrenzten verloren. Aufgerüttelt durch die Skandale im Ausland versucht nun jeder umwelt-, klima- und gesundheits-bewusste Konsument durch den Kauf von Produkten biologischen Ursprungs den Produzenten aufzuzeigen, dass der Konsument den Markt bestimmt. Und dieser will sich nun mal nicht von beispielsweise Vegetariern ernähren, die mit Tiermehl gefüttert wurden. Wie soll dies aber bei Nahrungsmitteln überprüft werden, die von weit her kommen! Wo sehr rasch mit Garantiestempeln umgegangen wird, bis dass das Stempelkissen glüht! Dies geht nur mit Regional-Hersteller-Garantien. Einerseits gehen wir davon aus, dass der Bauernhof von nebenan sich keinen schlechten Ruf leisten kann, indem er etwas verspricht, das er nicht einhält. Andererseits sollten Gütesiegel-Unternehmen dafür sorgen, dass das was draufsteht auch drinnen ist und nur höchste Qualität auf die heimischen Teller kommt. In Österreich ist etwa die AMA ein solches Zertifizierungsunternehmen. Doch sind hierbei die Anforderungen an die Hersteller inzwischen so hoch geworden, dass sehr viele wieder auf das AMA-Gütesiegel verzichten, da es nicht finanzierbar ist! Liebe Freunde – einige wenige unter Euch, die sog. “Schwarzen Schafe” – sind dafür verantwortlich, dass die Latte dermassen hochgelegt werden muss.
Aktuelles Beispiel: Der Schweinehaltungsskandal in Vorarlberg! Das westlichste Bundesland Österreichs ist eigentlich noch ein Stück heile Welt in dieser sich selbst zerstörenden Zivilisation. Ein kleines gallisches Dorf im grossen Römischen Reich sozusagen. Hier können die Kühe noch grossteils auf die Felder, die Hühner und Gänse flattern um den Bauernhof, auf den Steilhängen sorgen die Schafe für den Flurschutz! Es ist also alles so, wie es sein sollte! Wenn da nicht jene wären, die den schnöden Mommon zu ihrer Gottheit erklärt haben und sich grundsätzlich bei ihrem Wirken an gar nichts halten! Ohne hierbei Namen nennen zu wollen (es gilt die Unschuldsvermutung!), so wurde durch die Staatsanwaltschaft Feldkirch gegen sechs Schweinezuchtbetriebe Strafantrag gestellt. Am Anfang stand eine Undercover-Aktion des Vereins gegen Tierfabriken (VgT). In der Nacht wurden Fotos und ein Video geschossen, die nach erfolgter Veröffentlichung für grossen Tumult sorgten. Berechtigterweise! Zu sehen waren im Dreck lebende, teils verletzte Tiere ohne Tageslicht und Auslauf. So mancher Verantwortliche hat sich inzwischen brüskiert darüber, wie die Aufnahmen zustande gekommen sind. Wie bitte? Nach amtstierärztlichen Untersuchungen am darauffolgenden Tag kam es in einem Betrieb zur sofortigen Tierabnahme wegen grober Mängel, bei 13 anderen wurden Fristen zur Auflagenumsetzung mit Nachkontrolle gesetzt! Es fehlte an Wasser, Belüftung, Fensterfläche, Einstreu und Beschäftigungsmaterial für die Tiere. Daneben gab es zum Teil schwerwiegende Mängel am Spaltenboden. Nur sechs der kurzfristig überprüften Schweinehaltungsbetriebe erfüllten die gesetzlichen Mindeststandards und waren somit ohne Mängel. Meine Damen und Herren – haben Sie schon mal etwas von artgerechter Haltung gehört? Sie sollten sich nicht darüber aufregen, wie die Aufnahmen zustande gekommen sind, sondern vielmehr darüber, dass solche Bilder nötig sind, damit etwas geschieht! Wir als Endverbraucher verlassen uns auf sie als regionale “Hersteller” – sind wir dabei verlassen worden? In diesem kleinsten Bundesland Österreichs gibt es insgesamt 380 angemeldete Schweinehaltungsbetriebe, tatsächlich ist es so, dass in sehr vielen Bauernhöfen  solche gehalten werden. Zumindest die offiziell angemeldeten werden in den kommenden Wochen kontrolliert. Gott bewahre, dass sich hierbei Unwelten auftun. Schliesslich orientieren sich immer mehr Menschen bei ihrem Einkauf in Richtung heimischer Produkte um. Dies tut selbstverständlich auch der Wirtschaft gut, da die Wertschöpfung im Lande bleibt. Umso bedenklicher jedoch ist es, dass etwa die Einzelhandelskette Spar zwar österreichisches Schweinefleisch verkauft, jedoch nur mit zwei kleineren Schweinezuchtbetrieben in Vorarlberg zusammen arbeitet. Jährlich werden allerdings nach eigenen Angaben rund 40.000 Schweine und vier Millionen Kilogramm Wurstwaren in AMA-Qualität verkauft – nur diese beiden Betriebe erfüllen offenbar die AMA-Qualitätskriterien. Ähnliches Bild auch bei den regionalen Supermärkten von Sutterlüty.  Landesweit werden nach Angaben des Vermarkters Ländle Marketing nur etwa 10 % des verbrauchten Schweinefleisches aus heimischer Produktion verkauft – dies zumeist in kleinen Metzgereien.
Die Politik hat nun darauf reagiert – viel zu spät, wie ich meine. Wenn ich beispielsweise höre, dass die Fördersätze für tierfreundliche Stallungen erhöht werden sollen oder Kastrationen bei Ebern künftig nurmehr bei Betäubung durchgeführt werden dürfen, bekomme ich einen Kopf, der jedem Rot-Signal einer Ampel Konkurrenz machen kann! Ich würde eher dafür plädieren, die Förderungen für nicht artgerechte Haltung gänzlichst einzustellen und solche Kastrationen ohne Betäubung den entsprechenden Bauern selbst angedeihen zu lassen!
Ausserdem sollte der Konsument auch wissen, wie die Tiere, deren Fleisch er gerade in den Einkaufswagen gelegt hat, gehalten worden sind. Eine Kennzeichnung liegt im Aufgaben-Bereich des Bundes. Dadurch könnten solche “Misswirtschafts-Betriebe” aus der Ernährungskette ausgeschlossen werden, die das Fleisch somit nurmehr an Grossküchen liefern könnten. Der Preis für dieses Fleisch fällt, die Massentierhaltung wird somit für sie nicht mehr rentabel. Der Ursprungshinweis allerdings ist zwar wünschenswert, jedoch sollte auch er auf das Genaueste überprüft werden. So kommt es nicht selten vor, dass Tiertransporte mit angeblichem Zuchtvieh über hunderte Strassenkilometer gefahren werden, um dann direkt hinter der Grenze in einem Schlachthof zu enden. Als Schnitzel oder Braten kommt das Fleisch fertig verpackt mit Ursprungsgarantie wieder zurück nach Österreich oder Deutschland. Diese Ausfuhrförderrichtlinien gehören penibelst durchforstet. Gefördert wird nach Gewicht. Somit erhält beispielsweise die Kuh am Tag der Abwaage sehr viel Salz. Kurz vor der Abwaage wird getränkt um das Gewicht des Tieres hinaufzuschrauben. Damit wird das gute und zumeist erstklassige Quellwasser trotzdem überdurchschnittlich subventioniert. Ausserdem wird für die Ausfuhr von Zuchtvieh wesentlich mehr als für Schlachtvieh bezahlt! Die Kontrolleure wissen um diese Missstände – einzig: Wer macht etwas dagegen? Nicht selten erreichen solche Tiertransporte auch den Bestimmungsschlachthof mit bereits verendeten Tieren. Einerseits weil die Richtlinien des Tiertransportgesetzes nicht eingehalten wurden, andererseits, weil die lange Fahrt für viele zu belastend war. Noch nicht sehr lange etwa gibt es die Bestimmungen, dass Ventilatoren für Luftzufuhr sorgen, dass die Tiere regelmässig getränkt werden müssen und dass nur eine gewisse Zahl an Tieren pro Quadratmeter aufgeladen werden dürfen. In mehrstöckigen Transporten fällt zumeist der Kot der Tiere auf die darunter stehenden! Hier helfen wohl nur vermehrte Kontrollen und hohe Strafen bis hin zum Führerscheinentzug etwa, damit für solche Transporte keine Fahrer mehr gefunden werden. Ich befragte vor einigen Jahren anlässlich eines solchen Tiertransport-Skandales einen österreichischen Ministerialrat, der in diesem Bereich der sog. “Marktordnung” (dem Fördersystem für landwirtschaftliche Produkte bzw. Bestandteilen in Produkten bei der Ausfuhr) zuständig war. In diesem konkreten Fall ging es um Stiere und Kühe, die für Libyen bestimmt waren. Im Hafen wurden sie an den Hörnern angekettet und mittels Kran auf das Schiff gehoben. Sehr häufig führte diese Methode zum Riss der Kopfhaut und dem elenden Verenden der Tiere während der Überfahrt. Dass dies äusserst schmerzhaft ist, bewiesen die Schreie der Tiere. Herr Ministerialrat meinte hierzu nur, er finde dies ebenfalls entsetzlich und müsse wegschauen, wenn solche Bilder gezeigt werden. Doch könne er dagegen nichts tun! Aber hallo – ein führender Beamter kann in seinem Zuständigkeitsbereich nichts bewirken? Gutes Land hab’ Dank für Deine fähigen Mitarbeiter!
Tiere sind Lebewesen – ebenfalls wie wir Menschen. Haben nicht auch sie, obwohl es ihre einzige Bestimmung ist, auf dem Teller zu landen, das Recht auf ein halbwegs lebenswertes Dasein? Experten und sebstverständlich auch der Konsument bemerken sehr wohl an der Qualität des Fleisches, ob ein Tier sein kurzes Leben lang bewegungslos im Stall gestanden ist oder Freilauf gehabt hat! Nicht umsonst erfreut sich das “Almfleisch” eines immer grösser werdenden Gourmet.Kreises. Doch sollte auch hier intensiv und vorzeitig kontrolliert werden, um Betrügereien sofort im Keim zu ersticken, da ansonsten alle anderen Anbieter erneut darunter zu leiden haben. Wäre es nicht auch zielführend, jene Produzenten aus dem erlauchten Kreise auszuschliessen, die sich nicht an vorhandene Richtlinien halten? Dabei geht es nicht etwa um Konkurrenten, sondern vielmehr darum, den Markt sauber zu halten und dadurch das Vertrauen der Konsumenten zu behalten. Denn diese haben inzwischen durch die Werbung Worte wie Tierschutz, Produktsicherheit, Konsumentenschutz und nicht zuletzt auch Handschlagqualität kennen- und schätzen gelernt. Im Falle des Schweinehalterskandales in Vorarlberg sind vorerst 13 Betriebe, 13 Bauern von 380 dafür verantwortlich, dass gerade die ansonsten in Vorarlberg hochgeschätzte Handschlagqualität offenbar nichts mehr wert ist und sich der Konsument nun wieder von regionalen Produkten abwendet. Gab es da nicht mal den Ausdruck “Qualitätsfleisch”? Stimmt – da war doch noch etwas! Doch wer denken sollte: Na ja – Vorarlberg ist weit weg! – der irrt. Ähnliche Skandale gab und gibt es immer und überall wieder. Es sind die Bauern selbst, die dafür verantwortlich sind. Deshalb sollten die Verbände, Vertretungen und Bünde auch dafür sorgen, dass solche gewissenlose Nestbeschmutzer ausgeschlossen werden. Zum wohl der anderen, die ehrlich geblieben sind und ihren Strohschweinen Zugang zum ganztägigen Auslauf bieten.

No Comments »

Aus die Maus! Licht aus!!!

Eins, zwei oder drei – ob Du recht hast oder nicht, sagt Dir jetzt das Licht! Glühbirne, Energiesparlampe oder LED – seit dieser Woche fällt die Auswahl doch etwas leichter: Mit dem 01. September wurde die Produktion der altbekannten 60 Watt-Glühbirne europaweit eingestellt! Hintergrund ist eine Richtlinie der EU zum Klimaschutz. Damit allerdings wird auch das Licht-Flagschiff des letzten Jahrhunderts zu Grabe getragen. Generationen von Menschen sind mit dieser Birne gross geworden. Die Meinungen sind geteilt – nicht über die Sinnhaftigkeit, sondern vielmehr aus Gewohnheit und mangels Alternativen!
Als Häuslebauer von 2003 war ich so manchem Trend in Sachen Klimaschutz voraus. Somit war es bereits damals für mich selbstverständlich, die durch den Elektroinstallateur eingeschraubten 60 Watt-Birnen durch Energiesparlampen zu ersetzen! Anfänglich nicht wirklich von diesem Licht begeistert, gewöhnt man sich allerdings sehr rasch daran. Vor allem dann, wenn die anderen Personen im Haushalt allerorts den Lichtschalter nicht finden können, um beim Verlassen des Raumes dieses auch auszuschalten. Mit den herkömmlichen Beleuchtungsmöglichkeiten schreit das Gewissen eines Umweltschützers in einer nicht zu überhörenden Lautstärke auf; daneben kann dies gewaltig in den Geldbeutel gehen! Doch inzwischen bin ich gar nicht mehr von dieser Möglichkeit überzeugt und suche Alternativen, wobei mir die LED-Technik sehr entgegen kommt. Doch eines nach dem anderen.
In der uns  allen bekannten Glühbirne wird in einem Glaskolben ein zumeist aus Wolfram bestehender Faden oder Draht zum Glühen gebracht. Der Schmelzpunkt bei Wolfram liegt bei 3.400 Grad Celsius, weshalb sich das Metall für diese Nutzung auch perfekt eignet. Wird nun das Licht eingeschaltet, so fliesst der Strom über die Halterungsdrähte in diesen Faden. Bei einer Temperatur von etwa 2.500 Grad sendet dieser extrem dünne, zu einer Spiralfeder aufgewickelte Glühfaden ein helles weisses Licht aus. Im Glaskolben selbst befindet sich ein Gas, das ein Entzünden des Drahtes verhindert, da ansonsten der Faden binnen weniger Sekunden verbrennen würde. Hierfür wird entweder Stickstoff oder Argon verwendet. Der Wolfram-Draht ist nach durchschnittlich 750 bis 1.000 Betriebsstunden so dünn, dass er reisst. Über den Erfinder herrscht Unklarheit – der Patentstreit dauert nach wie vor an. Viele meinen, es war Thomas Alvar Edison, der Licht in die ganze Sache gebracht hat. Doch ist es inzwischen nachgewiesen, dass andere Erfinder bereits vor ihm ähnliche Produkte am Laufen oder im Test hatten. In Schottland konnte James Bowman Lindsay schon 1835 bei einem beständigen elektrischen Licht lesen! Das erste Patent auf eine Glühlampe erhielt 1841 der Franzose Frederick de Moleyns – er verwendete einen Draht aus Platin (eine wahrhaft wertvolle Lampe!). Vier Jahre später erhielt der US-Amerikaner John Wellington Starr ein Patent auf eine Glühlampe, die Karbonstifte zum Glühen brachte. Erst dann stritten sich Edison und der britische Physiker Joseph Wilson Swan um den Erfindertitel. Swan verwendete 1860 verkohltes Papier als Glühfaden, 1878 erhielt auch er ein Patent, zwei Jahre später dann Edison (mit verkohlten Bambusfäden). Tja – ausserdem war da auch noch der geborene Deutsche und spätere US-Amerikaner Heinrich Göbel, der als Kolben ein Parfum-Flakon verwendete. Doch nur die Entwicklung Edisons setzte sich durch, da sie am praktikabelsten war. Wolfram als Glühfaden wurde erstmals durch den Russen Alexander Lodygin verwendet. Edison liess in New York gleich ein ganzes Kraftwerk errichten um damit die Strassen des Big Apples von den Petroleum-Lampen zu befreien. In Kalifornien übrigens brennt seit 110 Jahren eine Glühbirne (kurze Stromausfällen, Umzüge oder das Erdbeben 1906 ausgenommen). Die Birne (eine mundgeblasene Kohlenfadenlampe der Shelby Electrics Company in Ohio) wurde 1901 erstmals eingeschaltet. Die “Centennial Bulb” erleuchtet die Feuerwache der Stadt Livermore – sie hängt inzwischen an einem Notstromaggregat und brennt seit nunmehr 34 Jahren durchgehend!.
Über diese Glühbirnen wird jedoch weitaus mehr Strom in Wärme (95 %) als in Licht (5 %) umgesetzt! Deshalb waren Erfinder stets auf der Suche, nach einer rationaleren Lösung. Gefunden wurde diese in den Energiesparlampen, die im Prinzip nichts anderes als Leuchtstoffröhren sind. Vornehmlich Quecksilberdampf wird in Niederdrucklampen zum Leuchten gebracht. Die Effizienz liegt bei rund 50 bis 60 lm/W, dies entspricht etwa einer Energieersparnis von 80 %. Gleichzeitig beläuft sich die Betriebsdauer auf 6-10.000 Stunden. Diese kann sich jedoch durch kurze Schaltzyklen (ein- und ausschalten) verkürzen, was einen grossen Nachteil darstellt. Daneben brauchen die Gasentladungsröhren unheimlich lange, bis sie die volle Betriebstemperatur erreicht haben. Der matte Leuchtstoff gewährt ausserdem eine primäre Emission, die zum grössten Teil im UV-Bereich liegt. Dadurch wird die Farbe Rot etwas vernachlässigt, was von vielen Menschen als unangenehm empfunden wird. Das grösste Minus aber liegt in den verwendeten Materialien! Quecksilber ist ein Schwermetall, das zu Vergiftungserscheinungen (auch schleichend) beiträgt. Es wird im Körper angereichert. Deshalb müssen diese Kompaktleuchtstofflampen fachgerecht entsorgt werden. Geht mal wirklich eine zu Bruch, so sollten zum Aufsammeln der Glassplitter Haushaltshandschuhe verwendet und der Raum lange und gut durchgelüftet werden. Dies kritisiert auch die Umweltorganisation Greenpeace. “Es darf nicht sein, dass in vielen Haushalten Gifte wie Quecksilber über Energiesparlampen weiterhin Eingang erhalten. Die EU muss alles daran setzen, Klimaschutz durch Energiesparlampen mit dem Schutz der Gesundheit der Menschen unter einen Hut zu bringen!”, meint hierzu Niklas Schinerl von der Umweltorganisation. Wie etwa wird das Recycling der verwendeten Materialien und Stoffe durchgeführt??? Derzeit gehören solche Lampen zur Problemstoffsammlung. Weitere Untersuchungen haben ferner ergeben, dass beim Betrieb einiger Fabrikate auch Benzole, Toluol, Xylol und Glykole bzw. Glykolether freigesetzt werden, die zumeist krebserregend sind. Hat sich da die Katze in den eigenen Schwanz gebissen?
Eine mögliche Alternative snd die Halogenlampen. Sie können mit einer höheren Temperatur als die Glühbirne betrieben werden, sind dadurch effizienter. Die Ersparnis liegt im Vergleich aber bei nur 25-50 %.  Auch die Haltbarkeit ist deutlich geringer, sie liegt bei etwa 3.000 Stunden. Grosser Vorteil dieser Leuchtkörper: Sie sind dimmbar! Dies aber verkürzt wiederum die Lebensdauer, da die Mindesttemperatur dadurch nicht erreicht wird und das verdampfte Gas wieder zum Glühfaden zurückgeführt wird. Diese Gase beinhalten auch Halogenverbindungen. Ausserdem sind seltene Erden im Glaskolben eingearbeitet, wodurch ein Licht erzeugt werden kann, das nahe jenem des Tageslichtes liegt.
Wohl DIE Technologie in diesem Bereich stellen allerdings die LED-Lampen dar. Eine Leuchtdiode ist ein III-V-Halbleiterelement, zumeist aus einer Galliumverbindung. Wird nun eine Spannung in Durchlaufrichtung angelegt, so wandern die Elektronen von der n- zur p-dotierten Stelle. Dabei werden Strahlen freigesetzt. Dies kann normales Licht, aber auch infrarotes oder ultraviolettes Licht sein. Die meisten dieser Leuchtdioden haben bereits eine Effizienz von 100 lm/W – das entspricht einer Ersparnis von etwa 90 %. Die Betriebsdauer liegt je nach Typ und Anwendung bei 10-30.000 Stunden. Nachteil: LEDs sind sehr wärmeempfindlich. Deshalb können sie auch nur eine geringe Leistung erbringen. Das abgegebene Licht wird nicht thermisch erzeugt – der Spektralbereich ist somit eingeschränkt, das abgegebene Licht fast monochrom.
Nun ja – was für Sie die beste Lösung darstellt, müssten Sie selbst austesten. Fakt allerdings ist, dass sehr bald schon gar keine Glühbirnen mehr erhältlich sein werden. 2009 wurde die 100 W-Birne eingestellt, 2011 die 60 W-Birne, 2012 folgt die 40 W-Birne. Durch Hamsterkäufe nahm zuletzt der Bestand in den Geschäften rapide ab. Ich gehe übrigens mit Greenpeace konform. So befürworte ich Energiesparmassnahmen, denke jedoch, dass wir nicht zusätzlich wieder Gifte reinholen sollen, die wir zuvor losgeworden sind. Somit werde ich jede defekte Energiesparlampe durch eine LED-Lampe ersetzen. V.a auch, da einer der grössten Produzenten dieser Qiecksilberlampen (Osram) mit dem 01. September den Preis um 25 % angehoben hat. Angeblich, weil die seltenen Erden als Rohstoffe kräftig zugelegt haben. Sehr seltsam, dieses zufällige terminliche Zusammentreffen!!!

No Comments »

WP Login