Archive for November, 2011

Pssst – nicht weitersagen!!!

Ist das Leben nicht herrlich? Der Wecker klingelt, der Duft von frischem Kaffee steigt in die Nase (die Zeitschaltuhr beim Kaffee-Vollautomaten macht’s möglich!), nach der Dusche schnell die frischen Brötchen/Semmeln (der Bäcker macht’s möglich) und die Zeitung  (der Zeitungsausträger – na ja – Sie wissen schon!!!) hereingeholt – und schon geht’s zum Frühstück. Ausgeschlafen, gesättigt und gut informiert gehen Herr und Frau Österreicher bzw. Deutsche in den Tag! Was – Sie kennen das nicht? Wunschvorstellung? An was liegt es denn: Dusche, Kaffee, Frühstück – oder gar an der Zeitung?
Ich hab’s gewusst – an der Zeitung! Ehedem die einzige Möglichkeit, an Informationen aus der Stadt, dem Bundesland oder dem Land ranzukommen. Doch die Zeiten haben sich geändert: Heute sitzt die Familie Maier mit ihren Laptops am Tisch und informiert sich über das Internet. Geht schneller, billiger und einfacher! Ausserdem muss Papi den Sportteil nicht mehr im Sauseschritt lesen, weil ihn Junior ebenfalls haben will. Die Zeitung ist zumeist zum blossen Anzeigenblatt verkümmert. Dort wo früher gut recherchierte Artikel das Papier füllten, stehen heute die Kleinanzeigen. Nicht selten ist der redaktionelle Anteil eines Teilbereiches auf eine Seite geschrumpft. Und hierbei beschränken sich einige Blätter sogar darauf, Presseaussendungen beinahe unverändert abzudrucken! Der Vorteil liegt auf der Hand: Kein teurer Redakteur ist vonnöten, das erledigen ebenso gut Praktikanten, die fast nichts kosten. Dies nennt sich Gewinnoptimierung! Die Gesellschafter freut’s! Dass dies auf Kosten des Qualitätsjournalismuses geht und sich die Herausgeber dadurch ins eigene Fleisch schneiden, das kümmert derzeit niemanden, denn das Spiel wird am heutigen Tag gespielt! Funktioniert etwas morgen nicht mehr, wird es eben dicht gemacht oder abgestossen! Der Zahn der Zeit! All das ist auch der Hintergrund dafür, weshalb in diesem Jahr sehr viele Redaktionen in den deutschen Verlagshäusern streikten. Die Zeitungen erschienen trotzdem (wenn auch etwas dünner), da die Presseaussendungen offiziell direkt abgedruckt wurden. Praktikanten kosten so gut wie nichts, daneben versucht jeder das Bestmögliche herauszuholen; schliesslich erhofft sich Mann/Frau ja eine Fixeinstellung nach dem Praktikum! Doch weit gefehlt – Jobsuche ist angesagt. Damit sitzen die Abiturienten/Maturanten nach dem Jahr Praktikum häufig wieder auf der Strasse. Tages-Journalismus – es fehlt die Zeit, er bringt kein Geld und verschlingt nur Papier – mögliche Werbefläche, die wesentlich mehr Einnahmen verspricht als ein gut geschriebener Artikel!
Die FAZ titelte am 13. November d.J.: “Presseförderung in Österreich Die gekaufte Republik”. Dabei ging es allerdings um das gezielte, staatliche Einsetzen von Anzeigen für Informationskampagnen, wie es etwa bei den ÖBB der Fall war. Bestückt wurden aber nicht alle – es wurde selektiert. Einige Wenige erhielten auf diesem Wege noch mehr Subventionen als etwa durch die “Presseförderung” ohnedies schon der Fall! Apropos “Presseförderung”: Eine staatliche Millionenförderung für so manches Anzeigenblatt, um damit die Meinungsvielfalt im heimischen Journalismus zu fördern. Ha – verzeihen Sie mir bitte, dass ich nun mal lauthals auflache. Immer mehr kleinere Verlagshäuser werden geschluckt oder gehen ein Joint Venture ein. Somit erscheint ein bundes- oder landesweiter bzw. regionaler Zeitungsmantel, der durch die Lokalberichterstattung und Lokalanzeigen ergänzt wird. Kann also durchaus sein, dass Sie in Lübeck denselben Artikel über den deutschen Rechtsextremismus lesen, wie in Garmisch-Partenkirchen, obwohl es sich hierbei um komplett andere Zeitungen und Verlagshäuser handelt. In Deutschland wird dies durch etwa die WAZ-Gruppe, dem Axel Springer-Verlag oder auch dem Münchener Zeitungsverlag im Bereich der Tageszeitungen bzw. Gruner + Jahr, Burda und Bauer im Zeitschriften- und Magazinsbereich gehandhabt. Entspricht ein Artikel nicht der Linie, so wird er niemals veröffentlicht! Soweit also (trotz Redakteursstatut) die Meinungsvielfalt im deutschen Blätterwald.
Doch geht es heute weniger um Deutschland als vielmehr um die Alpenrepublik mit ihren vielen traditionsverbundenen Heimatblättern und ihren Abermillionen an Presseförderungen. Nach Angaben des “Wirtschaftsblattes” erhielten alleine im Jahr 2010 sieben Titel rund 6,645 Mio €. 14 Zeitungen ausserdem insgesamt 2,443 Mio an “Vertriebsförderung” – zur “Erhaltung der regionalen Vielfalt”, wie es im Amtsdeutsch so schön heisst. Da nimmt es einen dann doch etwas Wunder, weshalb ausgerechnet die bundesweit erscheinende “Die Presse” mit einem sehr geringen Lokalteil mit über 1,250 Mio den grössten Batzen einkassiert, gefolgt vom ebenfalls österreichweit erscheinenden “Standard” (1,162 Mio). Platz drei geht an die erste wirkliche Regionalzeitung, die “Neue Kärntner Zeitung” (1,028 Mio). Übrigens erhält auch das gleichfalls bundesweit erscheinende “Wirtschaftsblatt” beinahe 650.000 €. Bei den Vertriebsförderungen schlagen alle restlichen grossen Zeitungen zu: Krone, Kurier, Kleine Zeitung, Salzburger Nachrichten, Tiroler Tageszeitung, Vorarlberger Nachrichten,… Jeweils ein mit 150.000 bzw gar 187.000 € nicht zu verachtender Betrag. Einige, wie der “Standard”, “Die Presse” oder auch das “Wirtschaftsblatt” selbst langen bei den Vertriebsförderungen erneut zu – doppelt gemoppelt hält eben besser!!! Wow, da muss also ein gewaltiger Batzen an regionaler Meinungsvielfalt im österreichischen Printdschungel herrschen. Doch leider weit gefehlt. Inzwischen haben selbstverständlich auch die österreichischen Herausgeber bei ihren deutschen Kollegen gelernt und den grossen Einkaufswagen zur Hand genommen. Die Methoden sind dabei teils sehr dubios. Entweder werden unabhängige Blätter so lange mit Klagen zugeschüttet (etwa zum Thema “Werbekennzeichnung”), bis sie finanziell ausgedörrt sind oder die bislang unabhängigen Verleger werden selbst geködert, die Zeitung geschluckt und danach der vorherige Chef und jetzige Chefredakteur gekündigt.
Zur Veranschaulichung solcher Medien-Machtmonopole – drei Mediengruppen in Österreich (die selbstverständlich fair arbeiten!) und deren heimische Produkte oder inländische Beteiligungen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Styria Media Group AG (Quelle: www.styria.com)
.) Eigene Titel
Die Presse, Kleine Zeitung, WirtschaftsBlatt; Die Furche, Privatmarkt
.) Joint Ventures
Bezirksblätter Burgenland, Bezirksblätter Niederösterreich, Bezirksblätter Salzburg, Bezirksblätter Tirol, Brennpunkt und Rundschau, der Grazer, Kärntner Regional, Wiener Bezirkszeitung, WOCHE Bildpost, WOCHE Ennstal, WOCHE Graz & Umgebung, WOCHE Hartberger Bezirkszeitung, WOCHE Kärnten, WOCHE Murtal / Murtaler Zeitung, WOCHE Obersteiermark, WOCHE Südweststeiermark, WOCHE Weizer Zeitung/ Gleisdorf
.) Magazine
Adria Media, Alpe Adria Magazin, Business People, DIVA, Kärntner MONAT, miss, Motorradmagazin, Sportmagazin, Steirer MONAT, Top Times, WIENER, WIENERIN, WIENERIN kocht, SportWoche, tele
.) Digitale Portale
Die Presse Digital, 24sata digital, Kleine Zeitung DIGITAL, WirtschaftsBlatt Digital, woche.at, car4you, willhaben. at,     ichkoche.at, sport10.at, Styria Börse Express, typischich.at, wiener-online.at
.) Radiosender
Antenne Kärnten, Antenne Steiermark
.) TV-Sender
24sata TV, SAT.1 Österreich
Daneben unzählige Produkte und Beteiligungen in Slowenien, Kroatien, Montenegro

Vorarlberger Medienhaus (Quelle: www.medienhaus.at)
.) Eigene Titel
Vorarlberger Tageszeitung, NEUE Vorarlberger Tageszeitung, NEUE am Sonntag, Wann & Wo, Arlberg-Zeitung, Bauen & Wohnen, Heimat, Festspielzeitung, Eltern & Kind
.) Joint Ventures
Mein Einkauf/Das Kleine Blatt, Teleport, 1036hallo
.) Magazine
week, Die Vorarlbergerin
.) Digitale Portale
www.vol.at, www.salzburg24.at, www.vienna.at, www.austria.com, ländlejob.at, ländleimmo.at, ländleauto.at, teamdeal.at/Vorarlberg
.) Radiosender
Antenne Vorarlberg
Daneben unzählige Produkte und Beteiligungen in Deutschland, Ungarn, Rumänien und der Ukraine

Mediaprint (Quelle: www.mediaprint.at & de.wikipedia.org)
.) Eigene Titel:
Krone, Kurier, KTZ, Rieder/Schärdinger Zeitung, Fundgrube
.) Joint Ventures
Autorevue, Ärztekrone, Format, Golfrevue, Gusto, News, Profil, Trend, TV Media, Woman, Yachtrevue, XPress, emedia; Antenne Wien, Antenne Salzburg, Antenne Tirol
.) Magazine
TV-Woche
.) Digitale Portale
krone.at, kurier.at, futurezone.at
.) Radiosender
Krone Hit
Über ausländische Verquickungen konnte in der kurzen Recherchezeit leider nichts in Erfahrung gebracht werden!

Bei so viel Meinungsvielfalt wird einem direkt schummrig vor Augen. Eine Podiumsdiskuiion, abgehalten in der Vorarlberger Landesbibliothek in Bregenz, organisiert durch die Überparteiliche Initiative “Werkstattgespräche” und die Kulturform Bregenzerwald hat es auf den Punkt gebracht: Die Aufgabe des Journalismuses in Österreich besteht in einer Kontrollfunktion, im Aufzeigen von Hintergründen, da die Zusammenhänge oftmals nicht mehr durchblickt werden können. Dafür stehen dem Schreiberling die gründliche Recherche und der Mut zum investigativen Journalismus zur Verfügung! Tja – das wären eigentlich die Grundsätze des Qualitätsjournalismuses. Ein ausgebildeter Wirtschaftsjournalist etwa kann aus den Stellenanzeigen wie aus dem Unternehmensbericht von Firmen lesen: Wird ein Manager gesucht, bedeutet dies zumeist eine neue Ausrichtung des Unternehmens oder spezieller Bereiche. Werden Praktikanten gesucht, so soll die Billigproduktion gesteigert werden. Und – in den Medien werden derzeit fast ausschliesslich Praktikanten gesucht. Redakteursposten sind Mangelware!Doch: Decken auch die unzähligen Praktikanten die Anforderungen des Qualitätsjournalismuses bei ihrer täglichen Fliessbandarbeit ab? Kann dies einem Abiturienten oder Maturanten von Anfang an zugetraut werden? Kennen sich diese in den “journalistischen Ausdrucksformen” aus? Dies erscheint mir als besonders wichtig, da jeder, der einen Text oder seine Meinung der breiten Öffentlichkeit kundtut, damit auch zum Meinungsbildner wird. Ein Kommentar hat nichts in einer Reprotage zu suchen!
Sind somit die wahren Mächtigen eines Landes nicht dessen Herausgeber? Es ist nach dem Abhörskandal in Grossbritannien ein offenes Geheimnis, dass die britischen Premierminister nicht im Unterhaus sondern vielmehr in den Murdoch-Redaktionen gemacht werden. Ähnliche Gerüchte gibt es auch zum grossformatigen Boulevard aus Hamburg in Deutschland bzw. derer kleinformatigen Schwester aus Wien in Österreich. Meinungsbildung! Jetzt wird auch die rührende Fürsorge der Politiker um das Wohlergehen der Herausgeber klar: Bei einer Inseratenvergabe kann durchaus bereits an die kommenden Wahlen gedacht werden. Schliesslich sollten die Medien handwarm gehalten werden! Ist das nicht – pardon für das schreckliche Wort – “Volksverarsche hoch zwei”?

PS: Im Dezember soll ein neues Gesetz den Nationalrat passieren. Dabei geht es um klare Richtlinien bei der Inseratenvergabe durch öffentliche Einrichtungen. Immerhin wurden im vergangenen Jahr nicht weniger als 120 Mio € durch die öffentliche Hand in sog. “Medienkooperationen” investiert! Da erscheint selbst die Presseförderung in der Höhe von rund 10 Mio € als Peanuts!

PPS: Ich bin ein Blogger – kein “Qualitätsjournalist”! Schliesslich arbeite ich ja nicht bei einer entsprechend ausgezeichneten Zeitung!!!

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Das Unwort des Jahres

Alter Schwede – derzeit werden allerorts fleissig die Pakete geschnürt! Es gibt gar grossartiges zu Weihnachten. Niemand will sich heuer lumpen lassen und nur ein Päckchen auf den Weg bringen! Und wahrhaft: Es wird Zeit – bei diesen Lieferzeiten und -kosten!!! Doch geht es ausnahmsweise nicht um Geschenke, die heuer weit vor der dafür vorgesehenen Zeit diskutiert werden, als vielmehr um Schwarze Steuerlöcher, getarnt als Sparpakete oder Schuldenbremsen.
Die Weltfinanz- und Wirtschaftskrise liegt hinter uns, doch liess uns die Konjunktur nur ganz wenig Zeit über, um durchzuatmen. Schon läuft wieder die nächste Rezension an. Und diese ist hinterhältig und pervers. Hierzulande läuft der Wirtschaftsmotor ohne zu stocken auf Hochtouren. Unternehmen fahren wieder Millionengewinne (nach Steuern) ein, es gibt so viele Arbeitsplätze und so wenig Arbeitslose wie schon lange nicht mehr! Trotzdem stöhnt jeder lautstark auf – Reizwörter wie Steuererhöhung oder Sparmassnahmen liegen allerorts in der Luft. Ich frage mich: Weshalb? Die fiskalischen Aussichten geben doch auch so schon Grund zum Jubeln. Zusätzliche Einnahmen in Milliardenhöhe – vorausgesetzt die Wirtschaft boomt auch weiterhin. Deutschland stolpert über einen Rechenfehler, der zusätzlich 55 Milliarden bringt! Durch den Ausstieg aus der Atomenergie etwa wurde ein riesiger neuer Markt aufgetan, der bislang von einigen wenigen Energieriesen beherrscht wurde. Produzenten von Solar-, Photovoltaik- und Windenergieanlagen können sich vor Aufträgen nicht mehr retten, tausende neue Arbeitsplätze entstehen, die in einem AKW von wenigen Mitarbeitern an Schaltpulten und Computern erledigt wurden. Und der Staat knabbert fleissig mit: Lohnsteuer, Einkommenssteuer, Gewerbe- bzw. Körperschaftssteuer, Mehrwertsteuer, Grundsteuer, Kapitalertragssteuer, … Und dennoch betonen die Finanzminister, dass die derzeitige Wirtschaftslage erst im kommenden Jahr fiskalisch zu spüren ist! Äh – wie bitte? Die meisten Steuern sind laufend, soll heissen, dass sie Ende des Monats oder des Quartals eingezahlt werden müssen. Sicherlich werden bei höheren Gewinnen auch mehr Steuern fällig. Doch fallen dem Fiskus während des Jahres weniger Firmen durch Konkurs oder Schliessung weg, wodurch die regelmässigen Zahlungen auf einem hohen Niveau bestehen bleiben. Und da stellt sich bei mir schon die Frage: Wohin marschiert dieses Geld?
Nicht nur die Gewerbetreibenden und Wirtschaftsbosse wissen: Ich kann nur so viel Geld ausgeben, wie zur Verfügung steht. Einen Kredit für etwa Expansionspläne kann ich nur dann aufnehmen, wenn auch die Möglichkeit besteht, diesen wieder zu tilgen! Die Banken verlangen schliesslich hohe Zinsen dafür – und trotzdem brauchen auch sie staatliche Zuschüsse, da ihre Manager Geld für ihre Spekulationen brauchen! Das ist in der Politik ein klein wenig anders. Nicht selten sind die Steuereinnahmen des kommenden Jahres bereits im laufenden Jahr ausgegeben. Ergo – Vater Staat verschuldet sich! Ist ja ausserdem auch kein Problem, denn es ist ja ohnedies nicht das Geld der Politiker, sondern jenes der Steuerzahler! Spielgeld sozusagen, das verantwortungslos mit einem Lächeln im Gesicht ausgegeben werden kann! Derzeit durch die Korruptionsvorwürfe in Österreich bestens bewiesen! Millionen werden unter dem Tisch oder ganz offiziell transferiert! Wäre es das Gehalt des entsprechenden Politikers, so hätte ich wirklich nichts dagegen. Schliesslich hat jeder das Recht, sein mehr oder weniger hart verdientes Geld nach freiem Wissen und Gewissen auszugeben. Und die Politiker gehören inzwischen zu den bestbezahlten Arbeitnehmern im Staat. Doch ist es das Geld von Herrn und Frau Maier oder Schulze, das hier aus dem Fenster rausgeworfen wird. Von Familien, die teilweise selbst nicht wissen, wie sie über die Runden kommen sollen. Deshalb plädiere ich dafür, dass jeder Politiker für sein Ressort auch verantwortlich sein muss. Wird Misswirtschaft betrieben, so sollte er dafür aufkommen. Derzeit jedoch wird er in den meisten Fällen mit einer hohen Abfertigung und einem Versorgungsposten in der Wirtschaft verabschiedet. Ähm – gestatten Sie mir bitte die Frage: Ein Mensch, der es gewohnt ist, in die Vollen zu greifen – wie kann sich dieser in der Privatwirtschaft halten? Als dauerplaudernder Netzwerker am Golfplatz, der seine als Politiker erarbeiteten Beziehungen auskostet?
Kurzes Beispiel aus dem öffentlichen Dienst: Ein Jahresbudget muss aufgebaucht werden, da es ansonsten im kommenden Jahr gekürzt wird. Also werden im Dezember noch die unwichtigsten Ausgaben getätigt. Writschaftlich orientiertes Denken – oder gar sparsame Mitarbeiter sind hier fehl am Platz. Selbes Spiel auch bei den Dienstposten: Der Kollege ist in den wohlverdienten Ruhestand gewechselt! Nun muss dieser Platz so rasch als möglich nachbesetzt werden, da er ansonsten gestrichen wird. Kein Hahn kräht danach, ob die Arbeit von anderen zusätzlich übernommen werden kann, die ansonsten zu Firmen- oder Mitarbeiterbesprechungen für Stunden im Kaffeehaus nebenan sitzen! Um solchen Missständen auf den Grund zu gehen, gibt es nicht die Abteilungsleiter, die darauf zu schauen hätten, dass ihr zugeteilter Bereich auch wirtschaftlich gut aufgestellt ist. Nein, hierfür bedarf es sündhaft teurer Unternehmensberater, die allerdings auch nicht wirklich aufräumen sondern nur eine neue Organisationstruktur umlegen, die sie schon zigfach auch an andere Unternehmen sehr teuer verkauft haben. Gestrichen werden dann zumeist nur die Kleinen. Vertragsbedienstete, die ohnedies nur wenig verdient haben! In jeder Abteilung allerdings gibt es zumeist auch ein wirkliches Arbeitsvieh, das aber von den Kollegen als nicht teamfähig beschrieben wird. Sollte nun dieses versetzt werden, so müssen 3-4 andere seine Arbeit übernehmen! Immer wieder ist in diesem Zusammenhang auch von Fällen zu hören, wonach Büros laut Personalstand eigentlich besetzt sein müssten. Diese Räume könnten jedoch durchaus vermietet werden, da effektiv niemand darin arbeitet.
Solche Zustände gibt es in allen Ländern. Insbesondere allerdings in Staaten, die mit einer leichten südländischen Mentalität regiert werden. Und die haben derzeit am meisten damit zu schlucken! Griechenland etwa! Da gehen die Menschen auf die Strasse um gegen die Sparmassnahmen zu demonstrieren. Gleichzeitig allerdings wird dabei verdrängt, dass dem Staat rund 60 Milliarden € an nicht bezahlten Steuern fehlen (nach EU-Expertenbericht). Stünden die zur Verfügung – wer weiss, wie sich die Schuldenkrise entwickelt hätte. Jetzt sollen aus den anderen Euro-Länder Experten nach Athen kutschiert werden, um ein funktionierendes Steuersystem einzurichten. Italien – ein anderes Beispiel von staatlicher Misswirtschaft. Die Reihe von Länder ist beliebig fortsetzbar! Offenbar unfähige Politiker fahren den Karren in den Dreck. Damit dieser herausgeholt werden kann, dafür braucht es erneut die Geldtasche von Frau Maier oder Herrn Schulze. Wir müssen tiefer in die Tasche greifen, damit solche “Entwicklungshilfen” bezahlt werden können! Deshalb werden auch wir immer schärfer an die Kandare genommen! In Deutschland versucht man dies ohne Steuererhöhung. Die Steuern werden auf hohem Niveau gehalten, die daraus resultierenden Mehreinnahmen werden – bei gleichzeitigen Sparmassnahmen der öffentlichen Hand – zur Schuldentilgung verwendet. Dies nennt sich Schuldenbremse! Für 2013 wird gar eine steuerliche Entlastung geplant. Ob dabei nun das Plus am Jahresende für Otto Normalbürger im hundert- oder vielleicht gar tausendstelligen Bereich liegt, ist abzuwarten, werden inzwischen doch auch schon zweistellige Beträge von unseren Volksvertretern als Erfolg präsentiert.
In Österreich freilich ist der Weg ein gänzlichst anderer. Im Wienerischen wird unter “Schuldenbremse” eines nämlich klipp und klar neben dem Sparen verstanden: Steuererhöhung! Die SPÖ beharrt auf der Vermögenssteuer! Auch über die Wiedereinführung der Erbschafts- und Schenkungssteuer wird bereits laut nachgedacht. Spätestens im kommenden Frühjahr muss auch im Alpenstaat ein Sparpaket geschnürt werden. Politikexperten wie Peter Filzmaier, Peter Hajek und Thomas Hofer sind sich darüber einig, dass sich die Koalition hierüber uneinig ist. Bereits jetzt laufen die Diskussionen über Vermögenssteuer, Pensionen und Bahn. Wenn es dann soweit ist, dann wird sowohl die SPÖ als auch die ÖVP auf das Wahljahr 2013 blicken und den jeweiligen Standpunkt einfrieren, damit die Nationalratswahl nicht verloren wird. Das aber könnte zum Bruch in der Regierungskoalition führen, womit vorzeitige Neuwahlen nicht ausgeschlossen wären. Lachende Dritte: Wohl die FPÖ, die sich als durchaus regierungsfähig (anhand der Stimmen) präsentieren könnte. Ob die lauten Schreie des H.C. Strache dann auch umgesetzt werden oder nur warme Luft bleiben, wäre abzuwarten. Kann also keine Einigung in den strittigen Fragen erzielt werden, so einigt man sich auf einem gemeinsamen Nenner und erhöht einfach die Steuern, um das an sich teure System weiterfinanzieren zu können, ohne auch nur grössere Sparmassnahmen in die Hand zu nehmen. Offenbar eine österreichische Lösung, denn derzeit wird über eine Erhöhung der Rundfunkgebühren des öffentlich-rechtlichen Staatsfunks (7 %!!!) diskutiert, ohne dass schwerwiegende Sparmassnahmen durchgeführt wurden (wie durch einen Rechnungshofbericht empfohlen). Und das Paradoxe daran ist, dass die öffentliche Stiftung ORF Millionengewinne in zweistelliger Höhe einfährt.
Die Länder sollen beim Bund mit 23 Milliarden € in der Kreide stehen. Doch grossangelegte und v.a. sinnvolle Sparmassnahmen gibt es auch hier nicht bzw. gab es nicht, denn nun muss jedes Land zwischen 2015 und 2017 mindestens 1,5, besser allerdings 2 Milliarden einsparen. Dies führt zum Protest, schliesslich greift der Bund in die verfassungsmässig niedergeschriebene Budget-Autonomie der Länder ein. Mit wehenden Fahnen voraus ging einzig die Steiermark. Dort wurden beispielsweise die Landesregierung und der Landtag verkleinert – sehr lobenswert. Ab 2017 sollen Länder und Gemeinden ein Nulldefizit vorweisen können. Wie wäre es denn beispielsweise mit der Abschaffung des Bundesrates? Die eigentliche Länderkammer verkümmert immer mehr zum kleinen parteipolitisch orientierten Bruder des Nationalrates! Welcher Bundesrat stellt sich gegen die eigene Partei, wenn die Abstimmung gegen die Interessen seines Landes geht? Eines dieser Beispiele, die das System ad absurdum führten, war die Abstimmung zu den Gebietskrankenkassen, als jene Bundesräte, die zuvor lauthals demonstriert haben, sich bei der Abstimmung den Parteiinteressen fügten oder der Stimme enthielten und dieses “Schwanz einkneifen” auch noch als Erfolg verkauften! Da ist sich wohl jeder wieder einmal der Nächste gewesen!
Wie sieht nun eine etwaige “Schuldenbremse” nach den Vorstellungen des Theaters am Ring in Wien aus: Jährlich sollen bis 2020 rund zwei Milliarden Euro aus dem strukturellen Defizit abgebaut werden. Dabei sollen Einsparungen vor allem in der öffentlichen Verwaltung und bei den Frühpensionen greifen. Das Pensionsantrittsalter soll erhöht, die Beamten dem ASVG-Schema schneller als ursprünglich vorgesehen angepasst werden. Die staatlichen Förderungen in der Höhe von 18 Milliarden € werden drastisch gesenkt. Davon werden auch die ÖBB und die Krankenhäuser betroffen sein.
All dies wird nach deutschem Vorbild im höchsten österreichischen Gesetz, der Verfassung (Grundgesetz) niedergeschrieben. Für Verfassungsänderungen aber bedarf es in Österreich einer Zweidrittel-Mehrheit. Somit müssen entweder Grüne oder Freiheitliche dafür stimmen. Beide aber könnten aus vorgezogenen Neuwahlen als lachende Sieger hervorgehen! Nachtigall, ick hör Dir trapsen!!!
Österreich ist noch einer der sechs TripleA-Staaten Europas. Doch werden die Gerüchte über eine Rating-Herabstufung immer lauter. V.a. nachdem die US-Rating-Agentur Moody’s für Ende November eine Überprüfung angekündigt hat: Mit einer Schuldenrate von 73 % rangiert der Alpenstaat sogar noch hinter Deutschland (83 %). Trotzdem mahnt etwa der Rechnungshofpräsident Josef Moser zu mehr Verantwortungsbewusstsein in der Schuldenpolitik. Unterstützung erhält er von der Europäischen Zentralbank, die Österreich ebenfalls bereits betreffs des Schuldenmanagements gerügt hat. In diesen Tagen hatte Finanzministerin Maria Fekter ihren Erstentwurf des Budgets 2012 vorgelegt: Einnahmen in der Höhe von 64,4 Milliarden € stehen Ausgaben von 73,6 Milliarden gegenüber. Die Neuverschuldung liegt somit bei knapp über 14 % der Einnahmen!!! Der Vizepräsident der EVP-Fraktion im Europaparlament, der Österreicher Othmar Karas, betont selbst, die Schulden seines Heimatlandes müssten bis 2018 um rund 30 % gesenkt werden, da ansonsten der Platz an der europäischen Sonne von jemandem anderen eingenommen wird!

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Das Internet ist für uns alle da

“Intoleranz ist kein Verbrechen, aber auch keine Grundlage!” (Quelle: http://du-bist-anonymous.de/freiheit.html)
Anonymous – ein Wort, das derzeit das Blut eines wohl jeden in Wallung geraten lässt, der beruflich direkt oder indirekt mit dem Internet zu tun hat! Was vor einigen Jahren als Spassbewegung über das Imageboard 4chan begann, hat für die Einen inzwischen Kultstatus, für die Anderen jedoch ein ordentliches Angstpotential entwickelt. Wikipedia bezeichnet Anonymous als ein “Deckname, der weltweit von verschiedenen Gruppen und Einzelpersonen verwendet wird, um – mit oder ohne Abstimmung mit anderen – unter diesem Namen Aktionen und Veröffentlichungen durchzuführen”! Dabei ist der Goodwill der anderen offenbar ein wichtiger Faktor, wie der Fall jenes Mitgliedes des Kollektives beweist, der einen Hackerangriff auf die Social Media Plattform “Facebook” plante. Da dies im Kollektiv mehr als umstritten war, wurde der Name und die Adresse der Person preisgegeben, sodass dieser Plan vereitelt werden konnte.
Anonymous ist ein offenbar basisdemokratisch organisiertes Kollektiv, das sich seit einigen Jahren für die Redefreiheit und die Unabhängigkeit des Internets einsetzt. Ziel der Aktionen waren zu Beginn die Online-Auftritte und Vernetzungen von staatlichen Organisationen, aber auch weltweit agierender Unternehmen. Dabei wurden Websites gehackt und Server gecrackt, was einerseits zu unheimlich hohen Schäden führte, andererseits allerdings auch aufgezeigt hat, wie anfällig eigentlich diese Systeme sind und wie leichtfertig mit privaten Daten umgegangen wird, die durch die Datengesetze der Länder einem ganz besonderem Schutz unterliegen sollten. Inzwischen aber haben sich solche Aktionen auch fernab der internationalen Datenhighways weiterentwickelt. So soll etwa die in den USA begründete Occupy-Bewegung gegen die Vorherrschaft der Finanzmogule auf den Gedanken des Kollektives beruhen. Doch bei all den Meldungen, die durch die Presse geistern, muss berücksichtigt werden, dass nicht alle einschlägigen Aktionen tatsächlich auch in dieser Gruppierung begründet sind, da es immer wieder Trittbrettfahrer gibt und geben wird. Bei jeder Anonymous-Botschaft finden sich am Ende die Worte:

“We are Anonymous.
We are Legion.
We do not forgive.
We do not forget.
Expect us!”

Zeilen, die allerdings ebenfalls bereits von anderen verwendet werden um dadurch auf die Wichtigkeit der Meldung hinzuweisen und mit der Gefahr der möglichen Konsequenzen zu drohen.
Imageboards wurden gegründet, damit jeder völlig anonym Beiträge veröffentlichen kann. Hierdurch entstand auch die Bezeichnung “Anon”, stellvertretend für die unbekannt bleiben wollenden User. Sie verwenden spezielle Masken, die in Videos oder bei anderen Veröffentlichungen zur Anwendung kommen. Dadurch soll der Urheber vor straf- oder zivilrechtlicher Verfolgung geschützt werden. So beispielsweise auch gegenüber der Scientology-Gruppierung, die für ihre Gegenwehr bekannt ist, jedoch ein bevorzugtes Ziel von Anonymous darstellt. Das Projekt “Chanology” beispielsweise wurde auf solchen Imageboards zu diesem Zweck ins Leben gerufen. In einem Video, das im Januar 2008 ins Internet gelangte, plaudert Tom Cruise nicht nur über sich selbst sondern auch über die Church of Scientology, deren bekennendes Mitglied er ist. Nur eine Woche später wurde die “Message to Scientology” über Imageboards veröffentlicht. Durch die Verwendung der Social Medias wie Twitter und Facebook wurden Protestwellen organisiert – am 10. Februar in London, am 15. März in München und am 09. Juni in Hamburg. Kern dieser Proteste stellt die angebliche Internet-Zensur für die Angehörigen der Gruppierung dar. Die folgenden Attacken auf deren Websites (“Denial-of-Service-Attacken”) und auch alle anderen Aktionen wurden in diesem Chanology-Projekt zusammengefasst! Aus Gründen zivilrechtlicher Folgen gehe ich heute in meinen Überlegungen nicht weiter.
Andere aktuelle Wellen sind etwa die vorhin erwähnte, inzwischen zur weltweit laufenden Bewegung avancierte Occupy-Bewegung. Auch gegen Israel wurde Anonymus aktiv. Die Befürchtung eines atomaren Angriffs des Iran gegen Israel, beruhend auf dem Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA zum Atomprogramm des Iran, führte zu eindeutigen Drohungen im Nahen Osten. Israel schloss einen Militärschlag gegen die iranischen Atomanlagen nicht aus – dies bedeutet aber Krieg! Ein Krieg, der über den Köpfen des Irak und Jordaniens ausgefochten würde. Hier schaltete sich das Hacker-Kollektiv ein und legte die Server des Verteidigungsministeriums, sowie der beiden israelischen Geheimdienste Mossad (Ausland) und Schin-Bet (Inland) lahm. Klingt eigentlich nicht wirklich spektakulär. Jedoch geniesst der Mossad unter den Experten den Ruf als bester seinesgleichen. Hier soll auch in Zusammenarbeit mit den USA jener Virus entwickelt worden sein, der zuvor in die iranischen Atomanlagen eingespeist wurde und dabei zu grosser Verwirrung führte.
In den Monaten davor wurden unter anderem der arabische Frühling und die spanische Jugendbewegung “Indignados” (“Empörten”) unterstützt. Auch bei der Atomkatastrophe von Fukushima mischte Anonymous mit. Im Projekt “Operation GreenRights” wurden DDoS-Attacken auf Server von multinationalen Konzernen gestartet, die ihre Geschäfte auf der Atomnutzung aufbauen.
Die derzeit laufende Aktion richtet sich gegen die mexikanischen Behörden. Hier wurden offenbar Server angezapft und dabei tausende E-Mails kopiert, die auf einen Dickicht an Korruption hinweisen. In einem Video werden Menschen gezeigt, die durch die Drogenkartelle hingerichtet und verstümmelt wurden. Nach Angaben aus dem Hacker-Kollektiv mit dem Wissen der Regierung. Beweise sollen vorliegen, dass das Schweigen durch teilweise recht hohe Beträge erkauft worden ist. Deshalb wurde “die weltweite Hacker-Cummunity” aufgerufen, “alle Regierungsbehörden in Mexiko rücksichtslos anzugreifen”. Anonymous meinte gegenüber des Nachrichtenmagazins “Der Spiegel”, dass das Ergebnis der Auswertung tausender Mails Ende Dezember vorliegen werde. Dann sollen auch Namen veröffentlicht werden. In Mexiko sind seit dem Beginn des Drogenkrieges im Jahr 2006 nicht weniger als 45.000 Menschen um’s Leben gekommen. So etwa auch eine Bloggerin, deren einziges Übel darin bestand, über Drogenkartelle zu schreiben. Dass diese Vermutungen nicht wirklich aus der Luft gegriffen sind, zeigen auch die Proteste der Menschenrechtsorganisation Human Rights auf.
Anonymous könnte also durchaus als die Weiterentwicklung der Aufdecker-Plattform Wiki Leaks verstanden werden. Deren Bestimmung bestand in der Veröffentlichung von Missständen; das Kollektiv hingegen deckt dies nicht nur auf, sondern geht auch dagegen vor. Solange dies im Sinne der Humanität geschieht, kann eigentlich niemand etwas dagegen sagen – ganz im Gegenteil kann durch die Arbeit dieser “Anons” sehr viel weiteres Übel verhindert werden. Was jedoch, wenn sich dieses funktionierende Netzwerk ändert oder missbraucht wird? Der Facebook-Angriff etwa wäre ein erster solcher Hinweis gewesen. Dabei wären auch jene Profile von Millionen Usern aufgedeckt worden, die durch möglicherweise zweifelhafte Aktionen der Betreiber oder bestehende Sicherheitslücken noch nicht veröffentlicht wurden.
Durch die Aktionen, die vielleicht wenige Tausend Hacker weltweit bewirken, wird immer wieder aufgedeckt, wie simpel es eigentlich ist, auch in Hochsicherheitszonen vorzudringen. Mit welcher Selbstverständlichkeit hochbrisante oder persönliche Daten aus dem Internet besorgt werden können (so etwa auch bei der Tiroler Gebietskrankenkasse). Dadurch entsteht ein unheimliches Machtvolumen, das sehr vielen Angst einflösst! Deshalb nun auch meine Bitte, ja ich möchte es gar als offizieller Appell formulieren: Anonymous – wir wissen, dass Ihr gute Arbeit leistet, die sehr häufig nur dadurch Resultate zustande bringt, die unter Einhaltung der rechtlichen Möglichkeiten nicht immer erreichbar sind! Doch seid Euch bitte auch immer der eigentlichen Idee, der Bestimmung klar, auf welcher dieses Kollektiv gegründet wurde: Im Sinne der Menschlichkeit, des besseren Zusammenlebens!

PS: Ich bin übrigens nur ein kleiner Blogger, bei dem es nichts zu holen gibt!!! Dem es aber ebenso naheliegt, Ungerechtigkeiten aufzudecken!!!

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Ausgebrannt und fertig

Fühlen Sie sich auch ab und an matt und leer? Schaffen Sie es, Ihre Batterien immer wieder aufzuladen? Wie schlafen Sie? – Nein, das sind keine Fragen aus der Biovital-/Tai Ginseng- oder Doppelherz-Werbung! Viele nehmen dies nicht ernst und verkennen die Symptome, doch das kann fatale Folgen haben: Burn-out!
Ich will heute von Ihnen keine Antworten erheischen! Ich will nur, dass Sie sich diese Zeilen zu Herzen nehmen. Auf der Seite der “Gezeiten Haus Klinik”, einem Fachkrankenhaus für Psychosomatische Medizin und Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) können Sie sich kundig machen, ob Sie burn-out-gefährdet sind (http://www.gezeitenhaus.de/burn-out-test.html). Auch wenn es sich hierbei um einen Ankreuz-Zeitungstest handelt, so sollten Sie das Ergebnis mal mit Ihrem Leben vergleichen! Wenn alles passt und wie am Schnürchen läuft, dann haben Sie sicherlich auch ein entsprechend gutes Ergebnis erzielt. Gratuliere! Sollte aber etwas nicht stimmen, dann denken Sie mal darüber nach: Was stimmt nicht und wie kann ich daran arbeiten!
Früher hiess es immer wieder, dass nur Manager unter diesem Burn-out-Syndrom leiden: Vollgas, ständig den Erfolgsdruck im Nacken,… – das hinterlässt schneller als so manch Einer denkt Spuren. Doch hat sich die Gesellschaft innerhalb der letzten Jahre gewaltig verändert! Niemand bleibt in der Privatwirtschaft sein Leben lang auf dem ihm einmal zuerkannten Arbeitsplatz, sondern verändert sich! Immer wieder muss Frau/Mann sich anderen Herausforderungen stellen, die es zu bewältigen gilt. Wird dies im Job nicht geschafft, so droht zumeist die Kündigung. Im Freundeskreis kann man sehr rasch das Gesicht verlieren – nur in der Familie wird man aufgefangen! Ähm na ja – oder man geht fortan getrennte Wege. Zum Arbeitsstress kommt also auch der Freizeitstress. Da ist wahrhaft ein dickes Fell erforderlich!
Das Burnout ist nichts neues – doch erkranken immer mehr Menschen daran. Experten schätzen die Zahl alleine in Deutschland auf bereits 10-15 Millionen, in Österreich ist jeder 5. gefährdet! Viele wissen nicht, dass sie unter dieser Krankheit leiden. Auch der Hausarzt kann nicht immer weiterhelfen, da zumeist in dieser Richtung zu wenig vorgebildet. Unter dem Burn-out-Syndrom versteht man den Zustand des körperlichen, v.a. aber emotionalen Ausgebranntseins, der Kraftlosigkeit und der Müdigkeit. Vornehmlich zielorientierte und leistungsfähige Menschen leiden unter diesem physiologischen und psychologischen Erschöpfungszustand. Die Erkrankung verläuft zumeist in mehreren Phasen -  schleichend. Ausgelöst wird sie sehr häufig durch die Angst um den Arbeitsplatz. Deshalb nimmt man immer wieder einen extremen Zeit- und Leistungsdruck in Kauf. Und: Dass Mobbing bei der Arbeit dies noch unterstützt, ist längst kein Geheimnis mehr. Schlaflose Nächte und die Unfähigkeit des Abschaltens in der Freizeit führen sehr rasch zu einem Teufelskreis, aus dem es ohne Hilfe von aussen häufig kein Entrinnen mehr gibt. Psychiater und Psychologen bekommen immer mehr zu tun, da sich das Burn-Out inzwischen zur Volkskrankheit entwickelt hat. Findet der Betroffene keine Hilfe, kann diese Leere zu Depressionen und gar zum Selbstmord führen.
Ursprünglich war der Begriff “Burn-out” ein technischer Terminus. Dieser trifft allerdings das Übel direkt auf den Punkt. Whiton Stewart Paine schrieb 1982 in seinem Werk “Job stress and burnout: Research, theory, and intervention perspectives”, dass Profisportler der 30er-Jahre des vorigen Jahrhunderts sowie darstellende Künstler entsprechende Symptome aufgewiesen haben. Das psychologische Phänomen wird 1969 bei Bradley (Burn out and sleep) als “Erkrankung bei Menschen in helfenden Berufen” (Ärzte und Krankenschwestern) bezeichnet. Die Ursache ist die extrem hohe Arbeitsbelastung, gepaart mit dem Helfersyndrom, also einem ausgeprägten persönlichen Engagement, wobei aber eingesehen werden muss, dass den Menschen teilweise nicht mehr geholfen werden kann. Die Weltgesundheitsorganisation WHO klassifiziert die Krankheit ICD-10-Schlüssel 273 0 als Volkskrankheit vornehmlich der westlichen Industrienationen. .
Folgende Faktoren nun können auslösend wirken:

1. Mangel an positivem Feedback
2. Fokussierung auf Klientenprobleme
3. Gehäufte chronische und schwer zu beeinflussende Probleme
4. Normen eines guten Helferverhaltens
5. Übertriebene Involviertheit
6. Hierarchieprobleme
7. Administrative Zwänge
8. Schlechte Teamarbeit
9. Druck von Vorgesetzten
10. Schlechte Arbeitsorganisation
11. Mangelnde Ressourcen (Personal, Finanzmittel)
12. Problematische institutionelle Vorgaben und Strukturen
(Quelle: Schaufeli 1998 bzw. Maslach 2001)

Daraus lassen sich die drei Dimensionen des Burn-Out ableiten: Emotionale Erschöpfung, Depersonalisierung und reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit. Die Beschreibungen des Zustandes sind allesamt unterschiedlich, können jedoch auf den “Zustand innerer Erschöpfung ” (Burisch, 1994) konzentriert werden.
Ebenso unterschiedlich ist die Diagnose, der Krankheitsverlauf und die Erfolgskontrolle. Während der Eine eine Behandlung mit etwa Antidepressiva befürwortet, setzt der Andere auf Lachyoga oder autogenes Training.
Prominente Burn-out-Patienten sind beispielsweise die ehemaligen Fussballer Sebastian Deisler, Jürgen Klinsmann, Frenk “Frenkie” Schinkels oder Deutschlands jüngste Professorin Dr. Miriam Meckel (Habilitation mit 31 Jahren), die Lebensgefährtin der Talkshow-Moderatorin Anne Will. Die deutsche band “Rosenstolz” musste 2009 die Zusatzkonzerte ihrer ausgebuchten “Bist Du dabei”-Tour absagen, da der Keyboarder am Burn-out-Syndrom litt. Sie alle beschreiben unisono die Symptome als verminderte Leistungsfähigkeit, emotionale und körperliche Erschöpfung sowie Gleichgültigkeit. Hinzu kommen noch Konzentrationsstörungen, Schlaflosigkeit, schmerzhafte Muskelverspannungen im Nacken und Rücken, Kopfschmerzen und Atembeschwerden, sowie Verdauungsstörungen. Experten bezeichnen dies auch gerne als CFS (Chronic Fatigue Syndrom). Manches Mal sind Burnout-Syndrome auch erste Anzeichen für BPS (Borderline-Persönlichkeitsstörungen).
Was steckt nun biochemisch dahinter? Dies wurde bei einem Versuch mit Schmerzmittelpatienten nachgewiesen. Je mehr Schmerzmittel eingenommen wurden, desto weniger körpereigene Morphine (Endorphine) wurden produziert und verwertet. Zu diesen Endorphinen allerdings zählt etwa auch das Glückshormon Serotonin, das den Gemütszustand des Menschen ganz wesentlich beeinflusst und deshalb täglich produziert werden muss. Der Betroffene greift daher bei Ausbleiben der positiven Gefühle zu Ersatzbefriedigungen: Rauchen, Kaffee, Süssigkeiten bis hin zu Sex und Drogen um nicht komplett zu vereinsamen.
Wie kann gegen die Krankheit vorgegangen oder gegen ihre Symptome angekämpft werden? Schalten Sie auf jeden Fall mehrere Gänge zurück. Investieren Sie diese freigewordene Zeit für sich selbst: Schlafen, essen, Wellness und Körperpflege. Auch etwas Bewegung an der frischen Luft wäre nicht das Falscheste!!! Machen Sie öfter am Tag mal eine Pause. Anstrengungen sollten eingeplant werden. Übernehmen Sie nicht mehr alles – delegieren ist ein Zauberwort, das ebenfalls gelernt werden muss. Belohnen Sie sich auch mal für etwas gut erledigtes. Sie finden dadurch wieder die Wertschätzung in die eigene Person. Und: Scheuen Sie sich nicht davor, mit einem Arzt oder vielleicht auch Psychotherapeuten zu sprechen. Gemeinsam bzw. unter fachlicher Anleitung fällt vieles leichter.
Auch präventiv können Sie natürlich dem Burn-out vorbeugen. Neben den möglichen Methoden, die ich eben angesprochen habe, kommt gesundes Essen hinzu: versuchen Sie mal Entspannungstechniken. Verdrängen Sie Überlastung, Überengagement und vermeiden Sie wo möglich auch Überstunden. Diese Zeit geht Ihnen in Ihrer Freizeit ab – in jener Phase des Tages, die Sie eigentlich dafür nutzen sollten, um die Batterien wieder aufladen zu können. Dann hat auch Ihr Chef mehr davon, wenn Sie acht Stunden zu 100 % anstelle von 10 Stunden zu 70 oder 80 % arbeiten. Und übrigens: “Hobbies sind nicht lächerlich, sondern Ressourcen!” (Prof. Volker Faust, Neurologe und Psychiater aus Ravensburg). Sie können ja mal mit etwas total simplen anfangen: Wenn Sie nicht joggen wollen, dann machen Sie einen fünfminütigen Dauerlauf auf der Stelle (auf dem Balkon oder im Garten). Danach suchen Sie sich 5 oder 6 Gleichgewichtsübungen aus dem Tai Chi oder dem Qi Gong heraus! Regelmässig durchgeführt, werden Sie schon sehr bald Auswirkungen bemerken!
Therapien gibt es ansonsten sehr viele, die ich nicht alle anführen möchte. Hier sind Sie bei einem Experten besser aufgehoben, der mit Ihnen gemeinsam die passende aussuchen kann. Doch eines erscheint mir als sehr interessant: Erwachsene haben das Lachen verlernt! Untersuchungen haben ergeben, dass ein Kind pro Tag etwa 400 mal lacht. Erwachsene jedoch im Schnitt nurmehr 15 mal. Dabei hilft das Lachen beinahe wie eine Medizin. Es stimuliert das Herz-Kreislauf-System, befreit die Atemwege, bekämpft Schmerzen und hält jung, da es auch das Selbstbewusstsein bestärkt. Nicht umsonst erfreuen sich beispielsweise die CliniClowns solch grosser Beliebtheit. Ausserdem kommen Sie mit Stress besser zurecht! Durch die Ausschüttung des Glückshormons Endorphin werden beim Lachen die Stresshormone Adrenalin und Cortisol bekämpft. Die Wissenschaft, die sich mit diesem Thema befasst, nennt sich “Gelotologie” – die Unterrichtenden sind lauter glückliche Menschen!!!??? In diese Richtung geht auch das Lachyoga. Lachen bis zur Schmerzgrenze – erfunden durch den indischen Arzt Madan Kataria. Sollten Sie sich etwas schwer tun beim künstlich hervorgerufenen Lachen, so empfehle ich Impulsgeber wie etwa http://www.youtube.com/watch?v=5LdXS7WFqlY (ein Auszug aus der herrlichen Dreamworks-Film “Mäusejagd”) oder meine persönlichen beiden Favoriten http://www.youtube.com/watch?v=kOiUNcdRh6E (Tom Hanks in “Geschenkt ist noch zu teuer”) bzw. http://www.youtube.com/watch?v=wm2Nh4Ev4Xc (Monty Python – Das Leben des Brian). In den ersten beiden Beispielen geht’s erst im letzten Drittel zur Sache!!! Viel Spas damit!
Zuletzt möchte ich hier noch die 12 goldenen Regeln bei Burnout anführen (Quelle: Dr. med. Vinzenz Mansmann, langjähriger Anti Stress Experte und Autor des Buches “Total erschöpft”)

Regel Nr.1 – Verleugnen ist Tabu!

Vertrauen Sie auf die Intelligenz Ihres Körpers. Gestehen Sie sich den Stress und die Zwänge ein, die sich körperlich, geistig oder emotional manifestiert haben.

Regel Nr. 2 – Lebensumstände verändern.

Wenn Ihre Arbeit, Ihre Beziehungen, eine Situation oder eine Person Sie unglücklich machen, versuchen Sie, die Umstände zu ändern oder gehen Sie, falls nötig.

Regel Nr. 3 – Überengagement vermeiden.

Greifen Sie die Bereiche oder Aspekte heraus, in denen Sie sich am heftigsten überengagieren, und arbeiten Sie auf einen „Druckabbau“ hin.

Regel Nr. 4 – Isolation vermeiden.

Machen Sie nicht alles allein! Knüpfen oder erneuern Sie enge Beziehungen zu Freunden und Menschen,

Regel Nr. 5 – Schluß mit Überfürsorglichkeit.

Wenn Sie gewohnheitsmäßig anderen Menschen Probleme und Pflichten abnehmen, dann lernen Sie, höflich davon Abstand zu nehmen. Versuchen Sie, dafür zu sorgen, daß auch Sie selbst fürsorglich behandelt werden.

Regel Nr. 6 – Kürzer treten.

Lernen Sie zu delegieren, nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch zu Hause und im Freundeskreis.

Regel Nr. 7 – Wertewechsel.

Versuchen Sie, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen. Sie sparen Zeit und Energie.

Regel Nr. 8 – Der Mut zum „Nein“.

Sie verringern Ihren übertriebenen Einsatz, wenn Sie für sich selbst eintreten. Das bedeutet, zusätzliche Forderungen oder Ansprüche an Ihre Zeit oder Ihre Gefühle zurückzuweisen.

Regel Nr. 9 – Persönliches Tempo.

Versuchen Sie, ausgewogen zu leben. Sie verfügen nur über eine begrenzte Menge Energie. Stellen Sie fest, was Sie in Ihrem Leben wollen und brauchen und versuchen Sie dann, Arbeit mit Spiel und Entspannung in ein Gleichgewicht zu bringen.

Regel Nr. 10 – Achtung Körper!

Lassen Sie keine Mahlzeiten aus, quälen Sie sich nicht mit strengen Diäten, geben Sie Ihrem Schlafbedürfnis nach, halten Sie Arzttermine ein. Achten Sie auf gesunde Ernährung.

Regel Nr. 11 – Umgang mit Sorgen und Ängsten.

Begrenzen Sie Sorgen, die jeder vernünftigen Grundlage entbehren, möglichst auf ein Minimum. Sie bekommen Ihre Situation besser in den Griff, wenn Sie weniger Zeit mit Grübeln verbringen und sich statt dessen mehr um Ihre wirklichen Bedürfnisse zu kümmern.

Regel Nr. 12 – Behalten Sie Ihren Sinn für Humor!

Lachen ist das allerbeste Mittel gegen Burnout. Atmen Sie 3 mal täglich achtsam ein und aus und lächeln Sie sich beim Ausatmen sanft zu.

PS: Diese Zeilen ersetzen keinesfalls die Hilfe eines Arztes oder Therapeuten. Sollten erste Anzeichen auftauchen, die Sie nicht mehr weg bekommen, so scheuen Sie nicht davor, einen Experten aufzusuchen. Statistisch gesehen leidet zumindest einer Ihrer Nachbarn ebenfalls unter dem Burnout-Syndrom! Sie sind also nicht alleine!!!

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