Archive for Dezember, 2011

Ich wünsche allen Lesern dieser Zeilen einen guten Rutsch und ein glückliches, vor allem aber gesundes Jahr 2012!!!

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Wo geht’s hier zum Weltuntergang???

Alter Schwede – das Jahr 2012 ist partout nichts für Pessimisten oder Abergläubige! Wirtschaftsexperten warnen vor einer grossen Rezension, die auch Deutschland und Österreich nicht verschonen wird. Politiker hingegen beruhigen, die Auftragsbücher sind nach wie vor voll! In den arabischen Staten sind die Menschen mit den Ersatzregierungen des arabischen Frühlings nicht zufrieden – Freiheit hat man sich wohl doch anders vorgestellt! Hier wird noch sehr viel zu lesen und hören sein. Tja und dann war da auch noch der Weltuntergang!
Nicht weniger als drei Untergangstheorien sind für das kommende Jahr vorhergesagt.
1.) Maya-Kalender
Sie ist jene Theorie, der am meisten Aufmerksamkeit gewidmet wird. Am 22. Dezember endet der letzte Zyklus des Maya-Kalenders. Die Sonne geht unter, der Orion hingegen auf, die Venus wird im Westen unter-, die Pleijaden im Osten aufgehen. Die Mayas gelten schlechthin als das grosse und intelligente Volk der Seher. Ihre mathematischen Kenntnisse und das Wissen aus der Astrophysik beeindruckt auch heute noch so manchen Wissenschaftler. Ihr Leben richtete sich nach mehreren Kalendern. Einen für die Arbeit, einen für das spirituelle Wachstum etc. Auch ein Kalender für das Tun gab es. Dieser setzte sich aus 9 Zeitperionden (Unterwelten) zusammen. Der Kalender besteht aus Kins (jeweils 1 Tag) und beginnt mit dem Uinal (20 Tage). Danach steigert er sich hoch bis zum Hablatun (360 * 20 hoch 7 = 460.800.000.000 Tage). Interessant ist dabei die Bedeutung des Multiplikators, bei welchem die Zahl 20 eine ganz entscheidende Rolle spielt. Jede dieser Unterwelten steht für ein anderes Bewusstsein: Von zellulär über familiär bis hin zu universal. Der vorhergehende Zyklus stellt immer die Basis des nachfolgenden dar! Der letzte dieser Zyklen endet also am 22. Dezember 2012. Ob es der jüngste Tag wird oder die Evolution ab diesem Zeitpunkt perfekt ist, sagt der Kalender nicht aus. Die Erde wird vergehen – mehr ist nicht herauszulesen.
2.) Sagen der Hopi-Indianer
Nach der Lehre der Hopi-Indianer ist die Welt bereits dreimal vernichtet worden: Das erste Mal bei der Verlagerung der Achsen, dann durch die Eiszeit und schliesslich durch die Sintflut. Nach der Interpretation der Seherin Sakina Blue Star (hat nichts mit den gleichnamigen Toiletten-Reinigungs-Artikel zu tun – obwohl?!) befindet sich die Welt derzeit im Zustand der Reinigung. 2012 ist das Ende der 4. Welt angebrochen.
3.) Geheime Botschaft in der Bibel
Der umstrittene Autor des Buches “Der Bibelcode”, Michael Drosnin, behauptet, in den 5 Büchern Mose eine geheime Botschaft auf einen Kometen-Einschlag im Jahr 2012 entdeckt zu haben. Dadurch werde alles Leben auf dem Planeten vernichtet.
Alle drei Visionen haben einen realistischen Bezug – können also für Abergläubige durchaus als Lehre erklärbar werden. Immer wieder werden Weltuntergänge vorhergesagt: Im Jahr 2000 waren es derer 17, im Jahr zuvor immerhin noch 11 (Zahlen ohne Gewähr). Solche Vorhersagen kommen immer wieder schubweise: Im 16. Jhdt. etwa (auch gleich dreimal durch Martin Luther) oder im 19. Jhdt. (auch durch die Zeugen Jehovas). Im 20. bzw. 21. Jahrhundert erscheint mir, dass jeder, der auf sich aufmerksam machen möchte, vom Weltuntergang spricht. Der letzte hätte 2005 mit der Wiederkehr Christi und dem Millenium in Israel vonstatten gehen sollen (vorhergesagt durch den Evangelisten George Curle). Für 2003 sagte der Häuptling Black Eagle Malachi York (ein verurteilter Schwerverbrecher, der nach eigenen Aussagen in der Galaxie Illyuwn geboren wurde) die Landung eines Raumschiffes voraus, das 144.000 ausgesuchte Menschen mitnehmen wird. Nicht weniger als 80 Personen glaubten diese Theorie und warteten in ihrer Zufluchtsstätte Tama-Re auf den Tag X. Die meines Erachtens frechste Untergangstheorie hat jedoch Papst Sylvester I. aufgestellt. Basierend auf der Bibel (siehe weiter unten – Johannesapokalypse) warnte er im Jahre 999, dass die Welt am 31. Dezember untergehen werde. Wie ein Lauffeuer sprach sich das durch’s Mittelalter. Räuber stahlen, was sie nur bekommen konnten, der Pöbel forderte den Tod von vermeintlichen Zauberern und Hexen. Als die Menschen einen Tag später aufgewacht sind, behauptete der Papst, dass nur seine Gebete die Welt gerettet haben. Der damals mächtigste Mann, der römisch-deutsche Kaiser Otto III. soll auf dem Bauch herumgekrochen sein und darum gefleht haben, dass das “Jüngste Gericht” nicht eintrete. Er versprach, Mönch zu werden. Im Januar 1002 jedoch verstarb der “undeutsche” Regent als Kaiser. Er wurde in Aachen beigesetzt. Ach ja – dann war noch das dreibeinige Entenküken, das in einem kleinen Dorf in der peruanischen Provinz Piura mit dieser Laune der Natur geboren wurde. Viele Einwohner Perus deuteten dies als Zeichen dafür, dass in diesem Jahr 2000 das Ende der Welt gekommen sei.
Und – obwohl 2012 die Welt erneut untergehen soll, gibt es bereits Vorausschauen auf danach: 2076 ist das Jahr 1500 des muslimischen Kalenders. Einige Sekten richten sich bereits darauf ein. Doch auch der christliche Theologe Bede der Ehrwürdige hatte schon im 8. Jhdt. errechnet, dass Jesus 3942 Jahre nach der Erschaffung der Erde geboren wurde. Die von ihm ins Spiel gebrachte 6000-jährige Woche würde ebenfalls 2076 enden. Dieser Zeitraum geht auf die Lehre des Kirchenschriftstellers und Gegenpapst Hippolytus zurück, wonach die Erde nur 6000 Jahre alt werden würde. Damit wäre aber bereits im Jahr 500 n. Chr. Schluss gewesen.
Fasst man nun zwei der Theorien für das kommende Jahr zusammen, so könnten beide logisch erscheinen. Sollte ein riesiger Komet auf die Erde stürzen und diese durch die Wucht des Aufpralls aus ihrer Umlaufbahn bringen, so könnte es zum Wechsel der Himmelsrichtungen kommen – nur eine vage Vermutung, die gänzlichst der wissenschaftlichen Expertise entbehrt. Selbstverständlich hat inzwischen auch Hollywood nicht geschlafen und diese Stimmung im Jahre 2009 mit dem Thriller “2012″ ausgenutzt. Der für seine Endzeit- bzw. Katastrophenfilme bekannte deutsche Regisseur Roland Emmerich lässt hierfür die Erde mit dem Planeten Nibiru kollidieren. Das wäre dann doch die heftigste Variante. Der Erfolg gab ihm recht: Die Menschen haben Angst, die durch solche Filme zusätzlich geschürt werden kann. Deshalb hat die US-amerikanische Weltraumbehörde NASA nun darauf reagiert. Auf ihrer Website steht zu lesen, dass ein solcher Planet auf Kollisionskurs mit der Erde schon seit mehr als zehn Jahren von Astronomen hätte beobachtet werden müssen. Wäre dies der Fall, so wäre er bereits jetzt mit freiem Auge sichtbar. Auch zu ungewöhnlichen planetaren bzw. astralen Positionierungen nimmt die NASA Stellung:

“One of the most bizarre theories about 2012 has built up with very little attention to facts. This idea holds that a cosmic alignment of the sun, Earth, the center of our galaxy — or perhaps the galaxy’s thick dust clouds — on the winter solstice could for some unknown reason lead to destruction. Such alignments can occur but these are a regular occurrence and can cause no harm (and, indeed, will not even be at its closest alignment during the 2012 solstice.)”
(www.nasa.gov)

Doch ein Fünkchen Wahrheit können selbst die Weltraum-Praktiker nicht verleugnen: Der Zwergplanet Eris triftet durch’s All. Laut Berechnungen wird er sich allerdings nicht mehr als 6,4 Milliarden Kilometer der Erde nähern. Dadurch bestehe keinerlei Gefahr! Zum Maya-Kalender betont Houston, dass mit dem Ende des Zyklus nur ein neuer Zeitabschnitt beginne. Das Ende eines Kalenders bedeute nicht automatisch auch das Ende der Welt (obwohl so mancher Fan des Pirelli-Kalenders am Jahresende trauert – doch das ist eine ganz andere Geschichte!!!)! Ein anderer Forscher, der Archäoastronom Andreas Fuls von der TU Berlin hat nach eigenen Berechnungen unter Zuhilfenahme des “Dresdner Kodex” (einer sehr umfangreichen Abschrift des Maya-Kalenders) den Untergang der hochentwickelten Maya-Kultur um 208 Jahre nach hinten verschoben. Am 19. Dezember 830 – also 208 Jahre nach der eigentlichen Berechnung, könnten die Wintersonnenwende, der Neumond und die helle Sichtbarkeit der Venus zusammengefallen sein. Somit wäre das Ende des 9. Zyklus erst im Jahr 2220.
Trotzdem sollte kein gläubiger Christ den “Jüngsten Tag” bzw. das “Jüngste Gericht” abstreiten. Schliesslich ist dies Bestandteil unseres Glaubens. Wie allerdings dieser letzte Tag aussehen wird, das lassen die Kirchenväter offen. In der Johannesapokalypse beginnt das jüngste Gericht mit der Wiederankunft Jesu Christi nach seiner tausendjährigen Herrschaft. Satan wird freigelassen und führt mit seinen Heerscharen letztmals Kampf gegen das Gute, den er verliert. Im Anschluss daran wird über alle Lebenden und Toten Gericht gehalten („Sie wurden gerichtet, jeder nach seinen Werken.“ Offb 20,13) und das bisher gekannte Leben überwunden. Danach wird es den “neuen Himmel”, die “neue Erde” und das “neue Jerusalem” geben – damit geht es nach dem grossen Reinemachen also wieder weiter! Doch entspricht es der Gnade Gottes, dass er Milliarden seiner Geschöpfe umbringen wird? Wie damals bei der Sintflut oder in Jericho!

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Ich wünsche allen Lesern dieser Zeilen, v.a. aber den vielen regelmässigen Clickern ein frohes und friedvolles Weihnachtsfest und ein gesundes 2012!
Vielen Dank für Ihre Treue!!!

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Die Perversion der Globalisierung

Ist das nicht pervers? Da präsentieren Magermodells (manche bezeichnen sie auch gerne als Hungerhaken) auf den grossen Designer-Shows in Paris, Mailand, New York und Berlin Bekleidung, die hierzulande hergestellt wurde, allerdings – die sich auch nur die oberen Zehntausend leisten können. Die verkaufte Stückzahl ist also mehr als gering – trotzdem finanzieren sich diese Modelabels irgendwie. Nun ja – auch alle anderen, die nicht ihr Auto für ein Kleidchen von Lagerfeld oder Westwood verkaufen können, möchten gestylt aussehen. So ein Anzug von Schlagmichtod macht eben einfach was her! Also greift der unwissende Konsument auf die Nachbauten zurück. Genehmigte oder auch nicht genehmigte Schnitte, die jenen aus dem Hause der Grossen täuschend ähnlich sehen. Dass damit aber ein Teufelskreis in Bewegung gesetzt wird, das scheint wohl niemanden zu interessieren.
Sehr viele der grossen Modehäuser fertigen ihre Ware in Europa oder den USA. Geld ist offenbar zur Genüge vorhanden – sodass auch die hiesigen Löhne bezahlt werden können. Denn offen und ehrlich: Eine Krawate mit einer Echtgoldauflage von 24 Karat – das lässt man nicht gerne in China oder Indien herstellen. Übrigens – ich bin begeistert von diesem Kultivierungsutensil. In einer Plasmabeschichtungsanlage in der Grösse eines Familienkühlschranks wird im Nanobereich (Atom für Atom) Gold versprüht. Dies geschieht durch die Beschiessung eines Goldstückes mit Argon-Ionen. Die Goldatome setzen sich an einem Polyesterfaden ab, der langsam durch diese Maschine gezogen wird. Das dadurch entstehende Garn ist weich, webbar und besteht sogar den Waschmaschinentest. Hallo??? Wer wascht eine 24-Karat-Gold-Krawatte in der Waschmaschine??? Eine solche Beschichtungsanlage befindet sich etwa in Emmen bei der Spinnerei Tersuisse. Die Krawatte selbst entsteht dann entweder in der Weberei Weisbrod-Zurrer AG in Hausen am Albis oder in der Stickerei Jakob Schlaepfer in St. Gallen. Mehr als 600 Stück pro Jahr können nicht angefertigt werden, obwohl die Nachfrage grösser ist! Der Preis: 7.500 Franken. Ein Kleinod also für die Reichen! Stellen Sie sich mal vor, während des Pastaessens beim Luxus-Italiener Ihres Vertrauens kommt ein Saucenfleck drauf!!! Ei ei ei!!!
Zugegeben – das Beispiel ist nun etwas hoch hergeholt! Trotzdem zeigt es genau das Übel im Kern auf. Es wird nicht sehr lange dauern, dann wird der Markt mit Plattgold-Billigware aus Fernost überschwemmt und sehr viele werden Gold um den Hals tragen – wenn auch kein echtes! Während die Macher aus St. Gallen mit Hochdruck an der Haute Couture der nächsten Saison arbeiten, wird die Firma Weisbrod-Zurrer allerdings die Tore für immer schliessen. Obwohl das Geschäft jetzt eigentlich erst beginnen würde: Fliegen, Schals, Einstecktücher, … Auch wenn das Unternehmen diese 600 Stück Krawatten alleine produzieren könnte – es würde nicht ausreichen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Somit gehen Arbeitsplätze verloren.
Hochtechnologisierte Ware ohne auch nur einen einzigen Bestandteil aus Fernost – das können sich offenbar wirklich nur die Reichen gönnen. Immer mehr müssen sich also heimische Betriebe auf eine Nische spezialisieren, um damit am Markt zu bestehen und dieser Billigkonkurrenz gegenüber treten zu können. Massenproduktion in Europa ist also passé! Weniger Unternehmen bedeutet allerdings auch weniger Arbeitsplätze, mehr Arbeitslose, weniger Geld im Umlauf. Gerade ohne Job muss man auf jeden Cent achten. Doch – was nützt das noch so schöne heimische Angebot, wenn man sich diese Waren langsam nicht mehr leisten kann? Gleichzeitig aber muss der wirtschaftlich orientierte Unternehmer einen gewissen Preis verlangen, damit er die heimischen Arbeitskräfte bezahlen kann. Alljährlich werden die Löhne neu verhandelt – was die Betriebsinhaber teils Millionen kostet, kommt beim kleinen Angestellten grossteils gar nicht an, da die Lohnnebenkosten oder die Inflation die Erhöhung schon wieder aufgefuttert hat! Studien zeigen auf, dass sich die realen Nettolöhne in den letzten 30 Jahren gar nach unten bewegt haben. Ergo – auch die Fliessband-Arbeiterin mit 100 %-iger Beschäftigung kann sich so manche heimische Qualität nicht leisten und wechselt zum Discount. Dort werden Klamotten angeboten, die teils Kinder, teils Billigarbeitskräfte angefertigt haben. 100 Stunden pro Woche, Einhalten einer gewissen Stückzahl pro Stunde, Hausen in Zerfallsbaracken – und dies für einen Stundenlohn, der grossteils nicht mal zum Leben ausreicht. Das ist leider die bittere Realität.
Wie Weisbrod sperren immer mehr auch andere heimische Betriebe zu – sie gehen im Konkurrenzkampf mit diesen Tiefpreisanbietern aus Fernost unter! Andere lagern die Produktion einfach aus! Der Handy-Anbieter Nokia etwa hatte vor drei Jahren die Produktion aus Kostengründen von Bochum nach Rumänien ausgelagert. Inzwischen kam dem Unternehmen auch dieser Standort zu teuer – er wurde geschlossen – die Produktion nach Fernost verlagert! In Bochum waren 2.300 fixe Mit- und rund 1.000 Leiharbeiter beschäftigt. Im Werk in Rumänien ebenfalls 3.300! Nokia erhielt damals für das Werk in Bochum sogar noch Subventionen. Somit traf diese gewinn-orientierte Entscheidung einerseits die Steuerzahler einfach andererseits die gefeuerten Mitarbeiter gleich doppelt. Bitte – denken Sie daran, wenn Sie im regelmässigen Abstand ein neues Handy gegen Mobilpoints eintauschen oder kaufen, obwohl das Alte noch funktionieren würde. Auch der Bayer-Konzern überlegt sich derzeit die Produktionsverlagerung. Offizieller Grund: Die steigenden Energiekosten durch die Energiewende! Inoffiziell hingegen wird man schon seit längerem daran geplant haben und hat nurmehr auf einen Schwarzen Peter gewartet. Schlussendlich werden derzeit bereits die meisten Investitionen in den Bereichen Kunststoff und Chemie in China getätigt. Vorstandsvorsitzender Marijn Dekkers: “Deutschland verliert relativ an Bedeutung!” Auf der Website des Unternehmens ist zu lesen: “Den Umsatz konnten wir währungs- und portfoliobereinigt um 4,8 % auf 8,7 Mrd € (nominal +1,0 %; Vorjahr: 8,6 Mrd €) steigern.” (3. Quartal 2011) Bayer galt bislang als Synonym für deutsche Qualitätsarbeit. Hier wurde u.a. auch das Kopfschmerzmittel Aspirin entwickelt! Werden künftig unsere Medikamente aus China kommen? Derzeit wird noch vor dem Online-Kauf solcher Präparate abgeraten! Auf der Suche nach offiziellen Zahlen stiess ich auf eine Klagemauer: Viel zu hören – jedoch kein Ergebnis. In etwa gleich ging es wohl dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI. In einem Projekt für das deutsche Bundesministerium für Finanzen sollten aus den Jahren 2001 bis 2003 konkrete Zahlen erarbeitet und präsentiert werden. Doch – leider mit nur wenig Erfolg. Dementsprechend in der Präambel zu lesen: “So erfasste Unternehmensplanungen können jedoch bislang nicht mit tatsächlich erfolgten Verlagerungen kontrastiert werden. Daher ist der Kenntnisstand über die Verlagerungspraxis unbefriedigend.” Klar – welcher deutsche Unternehmer gibt gerne zu, dass “Made in Germany” nurmehr in wenigen Fällen der Wahrheit entspricht!
Immer mehr dieser Fliessband-Billig-Arbeitskräfte verkraften den Druck nicht mehr! Nicht selten deshalb auch die letzte Konsequenz: Selbstmord! Ständig geistern entsprechende Schlagzeilen durch die Medienwelt. Dies hat nun beim grössten Privatunternehmen Chinas, dem Apple- und Nokia-, HP-, Palm- und Sony-Zulieferer Foxconn, dazu geführt, dass die Mitarbeiter eine “Nicht-Selbstmord-Erklärung” unterschreiben müssen (Quelle: Daily Mail). In den letzten fünf Jahren begingen anscheinend 17 Angestellte Selbstmord – die meisten davon sind gesprungen. Neben der Tragik für den Menschen selbst und dessen Angehörigen, wirft dies natürlich auch kein gutes Licht auf das Unternehmen! Und das hat reagiert! An allen höheren Gebäuden wurden Fangnetze installiert. Daneben müssen die Mitarbeiter folgende sinngemässe Erklärung unterschreiben:
“Im Fall einer nicht durch einen Unfall verursachten Verletzung (inklusive Selbstmord, Selbstverstümmelung usw.), stimme ich zu, dass das Unternehmen korrekt im Rahmen aller relevanten Gesetze und Regeln gehandelt hat, und ich werde das Unternehmen nicht verklagen, übertriebene Forderungen stellen oder drastische Schritte unternehmen, welche die Reputation des Unternehmens beschädigen oder Unruhe verursachen, die den normalen Betriebsablauf stören.” (Quelle: Wirtschaftswoche).
Anstelle die Ursache zu bekämpfen, wurden hierdurch nur die Symptome behandelt – wer sich umbringt, macht dies aus freien Beweggründen – jedenfalls hat es nichts mit dem Unternehmen zu tun! Das ist harter Tobak! Das erwähnte Unternehmen fertigt jedoch nicht nur für die oben angesprochenen Marken an! Rund 40 % des weltweiten Heimelektronik-Marktes verlassen dessen Werke. Dafür sorgen rund 1 Million Arbeitnehmer. Der komplette entsprechende Markt übrigens wird auf 150 Milliarden Dollar geschätzt!!!
Früher wurden die Kolonien direkt ausgebeutet – heute übernehmen dies Landsleute, die der vermeintlich “Reichen Welt” angetan sind. Soviel also zum zivilisierten Teil des Globusses und den unschuldigen Blicken so mancher. Wer gegen diese moderne Art der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft ankämpfen möchte, hat’s nicht gerade einfach! Die meisten Marken aus den unterschiedlichsten Bereichen lassen in Fernost anfertigen oder zumindest teilfertigen. Noch vor einigen Jahren sorgte der Zoll mit Antidumping-Massnahmen wie Ausgleichszöllen und Kontingentierungen für einen nur eingeschränkten Import von Billigware – zum Schutz der heimischen Wirtschaft. Auf starken politischen Druck jedoch fielen sehr viele dieser Einschränkungen, was nicht nur die chinesischen Produzenten freut, sondern auch heimische Unternehmer, die die Waren billigst in Fernost anfertigen lassen, um damit den europäischen Markt zu überfluten. Doch mal ehrlich: Wer wird diese künftig kaufen können, wenn er hierzulande keinen Job hat? Die Wirtschaftsweisen warnen vor einem entbehrungsreichen Jahr 2012. Auch wenn Deutschland und Österreich bislang von der Wirtschaftskrise verschont geblieben sind, so sollen wir im kommenden Jahr voll getroffen werden.
Klima und Umwelt – zwei Bereiche, die ich bislang noch ausser Acht liess. Hiesige Umweltbestimmungen kosten Unternehmen Vermögen. Ob sich hingegen China oder Taiwan durch ihre Industrie selbst vergiften, scheint offenbar niemanden zu interessieren. Zu erwähnen bleibt, dass allerdings immer mehr Giftstoffe auch in die EU – unbeabsichtigt – importiert werden. So ist etwa im Reis Arsen festgestellt worden. Immer wieder muss Spielzeug vom Markt genommen werden, weil es der Gesundheit der Kleinen schaden kann (nicht mundsicher!). Auch mit Batterien oder Feuer werden in Fernost keine wirklich hohen Massstäbe angelegt. Ich wäre deshalb für eine zumindest einjährige EU-Import-Sperre für alle Produkte eines Unternehmens, wenn für Europa geltende Schutzbestimmungen nicht eingehalten werden (CE-Normen etwa). Das träfe das Unternehmen ins Herz! Doch – eh klar – politisch nicht machbar!
Deshalb möchte ich Sie alle auf etwas hinweisen: Immer mehr grüne Listen werden aufgelegt, die den Konsumenten informieren sollen, ob er nun billiglohn-freie, faire oder umweltbewusste, nachhaltige Geschenke unter den Weihnachtsbaum gelegt hat! Schauen Sie doch ganz einfach mal auf den unten angebenen Websites nach. Vergleichen Sie die Label- oder Produktlisten mit Ihren Waren – Sie werden staunen, wieviel Kinderarbeit bzw. menschliches Leid sie verschenkt haben – zum Fest der Liebe! Und – wie zu Beginn erwähnt: Wenn Sie heimische Ware kaufen, sichern Sie auch Ihren Arbeitsplatz!!! Und helfen im Kampf gegen den Klimawandel!!!

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Brenner wird punktiert

Nicht immer gehören Löcher nur in den Käse. So manch einer hat sich mit dem Verkauf von Löchern eine goldene Nase verdient! Wäre mal interessant zu wissen, was ein solches Loch (Made in Austria) auf E-Bay einbringen würde. Sind jene aus der Schweiz vielleicht gar teurer? Aber – Scherz beiseite – heute geht es um die Löcher im Berg – um Speziellen um den Brenner-Basis-Tunnel!
Der Brenner ist – obwohl mit 1.371 m der niedrigste Alpenpass – trotzdem laut Legende jene Hürde gewesen, an welcher Hannibal aus Karthago in seiner Angriffsoffensive gegen das Römische Reich zwischen 220 und 210 v. Christus gescheitert sein soll. Die Vorstellung, dass da einige zigtausend Krieger und 37 Kriegselefanten durch Innsbruck gezogen sind, mutet heutzutage schon etwas komisch an! Ich kann Sie beruhigen – und meinen Geschichtslehrer Mittelschule korrigieren – stimmt nicht so ganz, denn der Heerführer aus Afrika kam über die Schweiz und führte über Jahre hinweg Kleinkriege gegen Rom, mit dem Ziel, die Bundesgenossen Roms auf seine Seite zu bringen. Trotzdem gilt der Brenner als DIE Grenze schlechthin zwischen Mittel- und Südeuropa. Über die Brennerautobahn geht der meiste Nord-Süd-Transit, der Brennerbahn kommt die entscheidenste Bedeutung auf der Achse München-Mailand zu. Sie sollte nach den Planungen Italiens und Österreichs auch wesentlich zur Entlastung des Gütertransits beitragen (2008 waren es zwei Millien LKW – 70 % davon auf der Strasse). Was mit der RoLa (der rollenden Landstrasse) begann, soll die Zukunft des Nord-Süd-Handels werden. Doch dauerte der Weg von Innsbruck nach Bozen durch das zugegebenermassen landschaftlich sehr anspruchsvolle Wipptal zu lange, andererseits will man den zunehmenden Bahnverkehr den Einwohnern des Tales nicht zumuten. Und weiters ost die Steigung und das Gefälle nicht ohne!!! Ergo: Ein Plan musste her! Seit 1847 (Giovanni Qualizza) bereits fanden Überlegungen zum Bau eines Tunnels durch den Brenner statt – der Brenner-Basis-Tunnel BBT. Diese wurden allerdings immer wieder als zu teuer eingestuft, als unrealisierbar betrachtet und verworfen.
Vor einigen Jahren nun entschieden sich die österreichische und italienische Regierung doch zum Bau dieses Alpendurchstiches – nach einem nicht zu übersehenden Goodwill aus Brüssel. Er soll Innsbruck mit Franzensfeste auf einer Länge von 55 Kilometern verbinden. Rechnet man nun die Eisenbahnumfahrung Innsbruck hinzu, so wächst die Länge auf 64 km – dies ist mit Abstand die längste unterirdische Bahnverbindung der Welt. Die vergleichbar kurze Strecke soll künftig das  Kernstück des Nord-Süd-Korridors zwischen Berlin und Palermo (TEN-1-Achse) bilden – 2.200 km Schienenstrang – quer durch Europa! 65 % davon sind bereits in Betrieb oder in Bau. Der BBT wird vornehmlich dem Güterverkehr dienen. Millionen von Brummi-Ladungen, die derzeit noch über den Brenner donnern, könnten eingespart, auf die Schiene verlagert und nach Italien bzw. zurück befördert werden, ohne dass irgendjemand im betroffenen Gebiet etwas bemerkt. Exportgestütze Leertransporte würden somit der Vergangenheit angehören.
Angesichts dieser Tatasache müssten doch die Transitgegner etwa rund um Fritz Gurgiser vor Freude juchezen! Schliesslich kämpfen sie seit Jahrzehnten gegen den Gütertransit. V.a. da nun auch die Gigaliner oder Mega-LKW (mehr als 18,75 m lang und 45 to schwer) im Transitverkehr eingesetzt werden sollen. Durch den BBT, der nahezu horizontal, also ohne Gefälle oder Steigung verläuft (nur rund 100 Hohenmeter nach Franzensfeste), sollte auch wesentlich weniger Energie als bislang auf der 140 Jahre alten Brenner-Bahntrasse verbraucht werden. In diesem 8,1 m breiten Loch sollen Güterzüge künftig mit max. 120 Stundenkilometern durchbrausen können, Personenzüge gar mit 160 km/h. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 8,062 Mrd. € (Preisbasis: 01.01.2010). Die Eröffnung ist für 2025 geplant.
Und genau hier ist der Widerstand der Gegner anzusiedeln. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung hat ergeben, dass nur wenig des derzeit auf der Strasse verlaufenden Güterverkehrs auf die Schiene gebracht werden kann, das den Bau dieses sündhaft teuren Projektes rechtfertigen würde. Über die Einführung von Fahrverbotsregelungen besteht zwischen Tirol und Südtirol, zwischen Österreich und Italien Uneinigkeit. EU-Koordinator Karel van Miert hat sich zwar für eine Ausdehnung der RoLa ausgesprochen, doch wurden bislang noch keinerlei Bemühungen in dieser Richtung unternommen. Ist etwa die Lobby zu stark? Dies meint auch Transitgegener Fritz Gurgiser – bereits 2007 wurde eine Absichtserklärung unterschrieben, die dem nach wie vor wachsenden Transitverkehr gegensteuern sollte – doch geschehen ist bis heute nichts. Milliarden werden investiert, die in anderen Bereichen der Infrastruktur auf Jahre hinaus fehlen und den kommenden Generationen einen Haufen an Steuerschulden  aufbürden. Deshalb hagelte es nurmehr so an Berufungen. Im Rahmen dieses UVP-Verfahrens gingen neben den Bundesforsten (ein Staatsbetrieb!!!) auch die Gemeinde Schönberg im Stubaital, die Naturfreunde, die Initiative “Lebenswertes Wipptal” sowie jenseits des Brenners auch die Südtiroler Bürgerinitiative “Stopp BBT Wiesen” in Berufung. Auch das Transitforum Austria befand sich in Lauerstellung. Die Begründungen lauten beinahe alle gleich: Zu viele Aspekte blieben bei der Baubewilligung ausser acht! Eigentlich bei einer solchen UVP gar nicht vorgesehen, genehmigte der Verwaltungsgerichtshof die Berufungen, worauf Infrastrukturministerin Doris Bures erneut das Genehmigungsverfahren eröffnen musste. Im Juni 2011 schliesslich schlossen die Verfassungsrichter den Fall ab (VfGH Az.: B 254/11). Die Annahme der Richter des Verwaltungshofes, wonach ein Instanzenzug im UVP möglich sein sollte, wurde als verfassungswidrig eingestuft und musste somit revidiert werden. Schöner Schlamassel!!! Von offizieller Tiroler Seite heisst es, dass man sehr zuversichtlich sei, trotz Baustopps und Verzögerung mit dem eigentlichen Baubeginn 2014 zu rechnen (Verkehrslandesrat Bernhard Tilg ÖVP gegenüber dem ORF).
Wie bitte? Schon der damalige Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) hat im Jahr 2006 den ersten Spatenstich durchgeführt, die Infrastrukturministerin Doris Bures (SPÖ) anno 2009 den zweiten und kürzlich erfolgte der dritte Anlauf. Erlauben Sie mir eine Frage: Was nicht wenn der Spatenstich einen offiziellen Baubeginn symbolisiert? Hat schon jemand Herrn Bundeskanzler a.D. Schüssel gegenüber erwähnt, dass er vor 5 Jahren nicht mal den Bauarbeitern ein Stück ihrer Arbeit abgenommen hat, geschweige denn die Schaufel etwas bewirkt hat? Inzwischen sind mehrere Memoranden unterschrieben worden: Im November 1994 das Memorandum von Brüssel, im September 2003 jenes von Rom, im Juni 2007 jenes des Tiroler Landtages in Innsbruck, einen Monat später jenes der beiden Infrastruktur- bzw. Verkehrsminister von Österreich (Faymann) und Italien (da Pietro),… Zuletzt die Bauabsichtserklärung mit dem 30 Seiten starken Aktionsplan BBT, der einen Massnahmenkatalog beinhaltet – etwa die Querfinanzierung durch Strassenmaut-Einnahmen. Vereinbarungen und gar Staatsverträge wurden getroffen und ausverhandelt, obwohl das Genehmigungsverfahren wieder eröffnet wurde, das Baubewilligungsverfahren sich also noch in Schwebe befand, da gegen die Umweltverträglichkeitsprüfung ja berufen wurde und diese somit noch gar nicht abgeschlossen war!
Und auch die Bagger sind bereits aufgefahren! Schon am 20. August 2007 wurde mit den Arbeiten für den ersten Abschnitt des Erkundungsstollen zwischen Aicha und Mauls begonnen. Auf der offiziellen Homepage des Brenner Basis Tunnels www.bbt-se.com/ ist etwa zu erfahren, dass die Vortriebe in den Zufahrtstunnels Mauls und Wolf (grossteils) bereits abgeschlossen – einige andere (Ahrental bzw. Ampass) noch im Laufen sind. Auf italienischer Seite wurde das erste Baulos ebenfalls schon fertiggestellt. Jetzt geht es an die Durchörterung der Periadriatischen Naht – einer Störungszone, die mit Samthandschuhen angefasst werden muss. Diese tektonische Störungslinie verläuft in etwa parallel zur adriatischen Küstenlinie und trennt die Österreichischen Zentralalpen von den Südlichen Kalkalpen. Angenommen ein Erdbeben führt zu einer Veränderung dieser Naht: Welche Auswirkungen wird dies auf den Tunnel haben? Bayern übrigens befindet sich noch in Lauerstellung. So wurden nicht mal die Planungen für die Zuleitungen der Bahnstrecke in Angriff genommen. Nach wie vor sprechen Bundes- und Landesregierung von einem “unsicheren Projekt”. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) schrieb in einem Brief an den Landrat, dass noch genügend Zeit für die Planungen einer Schienentrasse bestehe.
In der Finanzierung gehen die Meinungen weit auseinander. so bezeichnen die Grünen den prognostizierten 12 Milliarden schweren Tunnel als “Milliardenloch ohne Wirkung”. Die Liste Fritz-Bürgerforum Tirol fordert ebenfalls die sofortige Einstellung des Baus. Nicht zuletzt, da alleine der Beitrag Tirols auf nicht weniger als 350 Mio € angehoben werden soll, was auch die Landesführung ablehnt. Das Geld könne wesentlich zielführenden in kleine und mittelgrose Unternehmen investiert werden. Alleine die Bohrung des Erkundungsstollens kostet Österreich rund 1,6 Milliarden €. Ausserdem gutierten nicht viele Österreicher die im Juli 2011 erfolgte Verlegung des Rechtssitzes der BBT SE von Innsbruck nach Bozen.
Betreffs der Naturschutz-Komponente – hier betonen die Betreiber, dass möglichst schonend mit der Natur umgegangen wird, der Aushub an den jeweiligen Portalen gelagert und neue Nist- und Futterplätze für die Tiere geschaffen wurden. Eine ökologische Bauaufsicht überwache zudem alle Baumassnahmen. Apropos: Zwei Schienenstränge führen teils unter- teils oberirdisch von Innsbruck bis nach Wörgl. Dort endet der hochmoderne Ausbau, da Deutschland ja noch gar nicht mit den Planungen begonnen hat. 350 Züge donnern bereits heute schon tagtäglich durch die Unterinntaltrasse. Beliefert wird hier neben dem Nord-Süd- auch der komplette Ost-West-Verkehr. Von einer Verkehrsabnahme auf den Strassen freilich ist nur wenig zu spüren. Die Züge sind übervoll, trotzdem werden sie nicht verlängert! Als ich zuletzt mit den ÖBB von Vorarlberg nach Wien reiste, mussten nicht wenige der Fahrgäste von Innsbruck bis Wien auf den Gängen verharren! Werte Manager: Da kann die Strecke noch so modern sein – wenn der Service dermassen mangelhaft ist, wird so mancher Zugreisender wieder zurück zum Auto finden! Und dann, liebe Verkehrs- und sonstige Planer, wurde die Arbeit umsonst gemacht!!!

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Zum abgeschobenen, alten Eisen – mit frühen Jahren

Unglaublich – für welches Feedback das Posting zum Burn-Out gesorgt hat! Die Zugriffszahlen waren die höchsten seit dem Bestehen dieser Seiten. Bei der Recherche allerdings bin ich auf ein grosses Problem gestossen: Psychische Erkrankungen sind immer mehr dafür verantwortlich, dass Menschen in bereits frühen Jahren nicht mehr arbeiten können und in Frühpension gehen müssen. Deshalb war es klar, dass ich dieses Thema eigens etwas genauer begutachten werde – mit gewohnt kritischem Blick! Dass es bereits jetzt geschieht, war eigentlich nicht geplant, beruht aber auf einem vor kurzem entschiedenen Fall, der im schweizerischen Tagesanzeiger veröffentlicht wurde: Ein von der Invalidenversicherung beauftragter Ermittler hatte eine Antragstellerin für die Invalidenrente IV beim Putzen ihres Balkons ertappt und gefilmt! Dies sorgte in der benachbarten Eidgenossenschaft für einen Sturm der Entrüstung. Nicht etwa, dass die Begünstigten der IV nicht mehr selbst saubermachen dürfen, sondern dass der Mann die Frau auf ihrem Balkon aufgenommen hatte – in ihrer Privatsphäre. Doch laut Bundesgericht sind Überwachungen im privaten, jedoch öffentlich einsehbaren Raum zulässig. Auf diese Art werden sehr viele Antragsteller und Bezieher überprüft. Sollte sich der Verdacht auf missbräuchliche Verwendung dieser IV bestätigen, so wird diese gestrichen und kann sogar zurückgefordert werden. In diesem konkreten Falle hatte es sich um eine Frau aus dem Kanton St. Gallen gehandelt, die im Jahre 2008 um den Bezug einer solchen Rente angesucht hatte. Der Grund dafür war ein allgemeines Schmerzsyndrom, bedingt durch Rückenschmerzen und dadurch einhergehenden starken Bewegungseinschränkungen. Da dies alles auf Depressionen und Panikattacken beruhte, konnte die Schulmedizin hierbei nur ein eingeschränktes Urteil abgeben. Ein Privatdetektiv beobachtete die Antragstellerin (und filmte sie) zudem beim Tragen von Einkaufstaschen, dem Zugfahren und eben dem Reinigen ihres Balkones. Deshalb wurde der Antrag auf IV zurückgewiesen. Somit müsste nach meinem Verständnis eine Reinigungskraft den Balkon reinigen, eine Haushaltshilfe Einkaufen und ein Taxilenker die Dame zu ihrem Zielort bringen. Aber – wer soll das alles bezahlen??? Das nennt sich dann wohl auch Arbeitsplatzsicherung auf Kosten kleiner Leute. Der Fall durchwanderte nun mehrere gerichtliche Ebenen – was sich daraus entwickelt hat, können Sie auf http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Detektiv-darf-IVRentner-auf-Balkon-filmen/story/18448455 nachlesen.
Heute also das Thema “Frühpension”! Bitte verzeihen Sie mir, wenn ich nicht mehr wirklich mit den Zahlen up-to-date sein sollte – in diesem Dschungel kennen sich zeitweise nicht mal mehr die Experten aus! Mir geht es um’s Prinzip, wobei die Zahlen recherchiert sind, also der Tatsache entsprochen haben oder nach wie vor aktuell sind – aber nicht als Schwergewicht herangezogen wurden.
Da rackert man sich also Zeit seines Lebens ab, um im Lebensalter den Lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen und die noch restlich verbleibende Zeit nochmals so richtig geniessen zu können. Doch gelingt das nicht immer, da auch unsereins nicht weiss, ob er überhaupt noch eine Pension erhält oder wenn ja, ob er damit über die Runden kommt – gemäss des Grundsatzes: “Zu viel zum Sterben, zu wenig zum Leben!” Deshalb wurde die private Pensionsvorsorge (in Deutschland auch die sog. “Riester-Rente”) eingeführt. Doch aufgrund der Entwicklungen am Finanzmarkt muss man froh sein, wenn das, was eingezahlt wurde, auch in 25 Jahren wieder rauszubekommen ist. Deshalb empfehlen viele ehrliche Finanzberater auch andere Anlageformen wie Immobilien oder etwa Gold. Andererseits gibt es Menschen, die durch ihre Arbeit kaputt gemacht wurden. Menschen mit körperlichen oder psychischen Schäden, die zum alen Eisen gehören. Schwerstarbeiter wie Bergleute, Stahlarbeiter etc. Ihnen gebührt meine grösste Hochachtung. Und ich denke auch, dass sie sich einen vorzeitigen Pensionsantritt durchaus verdient haben, wenn medizinische Bedenken vorhanden sind. Doch haben zumeist ausgerechnet jene dafür im wahrsten Sinne des Wortes zu kämpfen, während andere das Sozialsystem auf das Schamloseste ausnutzen. Vor einigen Jahren habe ich von einem Beamten erfahren, der aus gesundheitlichen Gründen die Arbeit vorzeitig beenden musste und mit den notwendigen ärztlichen Attesten ausgestattet, in die Frühpension geschickt wurde. Danach intensivierte er seine sportlichen Ambitionen und avancierte zu einem der besten Bergläufer seines Bundeslandes! Äh – hallo? Durch solche schwarze Schafe haben es jene besonders schwer, die wirklich auf Hilfe angewiesen wären. Anderes Beispiel: Als die Österreichische Post noch grossteils im Staatsbesitz war, wurden Rationalisierungsmassnahmen durchgeführt. Aus dem ehemals gelben Riesen wurde nurmehr ein Schatten seiner selbst. Einher ging natürlich auch ein besonders starker Personalabbau, da die meisten Postfilialen durch Postpartner ersetzt wurden. Hierbei aber handelte es sich grossteils um Beamte mit Kündigungsschutz. Den älteren unter ihnen  wurde sogar vonseiten der Personalvertretung der Übertritt in die Frühpension empfohlen. Andersweitig hätte wohl eine Versetzung (keine Dienstzuteilung, denn hiergegen kann berufen werden) in irgendeine Ortschaft hunderte von Kilometern entfernt gedroht! Dadurch wurden Hunderte, wenn nicht sogar Tausende vor dem Erreichen des Pensionsalters vorzeitig in diese verabschiedet! Ein volkswirtschaftlicher Horror!
Wie funktioniert nun eigentlich das gesamte System!? Das Heer der Berufstätigen zahlt mit seinem Gehalt auch einen gesetzlich fixierten Rentenbeitrag ein. Dieser wird zum grössten Teil für die Finanzierung der bestehenden Pensionen herangezogen. Somit wird also unsere Rente von unseren Kindern bezahlt – wir kommen für jene unserer Eltern auf! Deshalb ist auch die Vollbeschäftigung dermassen wichtig, da ein gewisser Teil dann gewinnbringend für später investiert werden kann. Dieser Rententopf wird durch staatliche Gelder zusätzlich gestützt (2007 etwa in Deutschland mit rund 55,944 Milliarden €). Somit zahlt der Bürger gleich zweifach: Einmal mit dem Rentenbeitrag, ein zweites Mal über die Steuern. Ein Frührentner hingegen kostet Geld. Damit dieser nicht die Rentenkasse zusätzlich belastet, werden Abschläge eingerechnet. In deutschen Landen beläuft sich dieser Abschlag auf 0,3 % pro Monat vor dem Erreichen des tatsächlichen Pensionsalters. Geht also Herr Müller etwa 2 Jahre früher in Pension, so erhält er um 7,2 % weniger pro Monat – und dies für sein Leben lang. Meines Erachtens durchaus fair, da ja weniger in die gesetzliche Vorsorge einbezahlt wird. Zwei Gründe können nun für die Frührente herangezogen werden: Einerseits die Erwerbsminderung (körperliche oder psychische Schäden), andererseits die vorgezogene Altersrente nach Arbeitslosengeldbezug (für Langzeitarbeitslose). In beiden Fällen jedoch gilt eine Mindest-Versicherungs-Laufzeit bzw. eine Wartezeit von 60 Monaten vor Beantragung, davon müssen zumindest 36 Pflichtbeiträge einbezahlt worden sein bzw. bei 20 Jahren voll erwerbsgemindert ohne Unterbrechung. Ah so!!!
Solche Frührenten können in unterschiedlicher Höhe bezogen werden: Als Vollrente oder als Teilrente. Werden zwei Drittel der Frührente monatlich bezogen, ist die Hinzuverdienstgrenze niedriger als bei einem Drittel bzw. der Hälfte. Dies gilt allerdings nur bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze sowie der körperlichen Verfassung. Und hierin liegt offenbar der Knackpunkt: Ein Stahlarbeiter, der wegen körperlicher Schäden in die Frührente geht, kann zwar etwa noch einem Teilzeitjob als Portier oder im Büro nachgehen – jedoch sicherlich nicht mehr in seinem erlernten Beruf. Ein kurzes Wortspiel, das aber trotzdem, für den Bezug einer Frührente entscheidend sein kann: Man unterscheidet zwischen einer teilweisen und vollen Erwerbsminderung bzw. einer teilweisen Erwerbsminderung bei Berufsunfähigkeit. Eine teilweise Erwerbsminderung liegt vor, wenn Betroffene nur einen Teil der täglichen acht Stunden arbeiten können (<6h, >3h). Liegt dieser Teil bei unter 3 Stunden täglich (wegen körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung), so ist dies eine volle Erwerbsminderung. Der Clou kommt aber jetzt erst: Existieren Einschränkungen ungewöhnlicher Art oder Umfang bzw. kann die Erwerbstätigkeit nicht regelmässig ausgeübt werden, so besteht trotzdem Anspruch auf Frührente aufgrund voller Erwerbsminderung, auch wenn täglich gar mehr als 6 Stunden gearbeitet werden kann. So – hier sind wir bei einem Punkt angelangt, der auch mir das Weitermachen nur mit sehr weitreichenden Überlegungen ermöglicht. Deshalb möchte ich abrupt damit enden.
Volkswirtschaftlich gesehen ist es wichtig, so viele Menschen wie möglich bei der Arbeit zu halten. Einerseits besitzen die älteren Mitarbeiter neben ihrer Erfahrung auch ein ungeheures Wissen. Andererseits belasten sie das Sozialsystem nicht oder weitaus weniger. Deshalb gilt bei Frührenten der Grundsatz “Reha vor Rente”. Bei der Altersrente werden nun sukzessive in allen Industrieländern die Altersgrenzen angehoben, da die medizinischen Verbesserungen uns in den meisten Fällen auch ein längeres Leben und damit eine längere Rentenzeit ermöglichen. 1916 wurden diese Altersgrenzen von 70 auf 65 Jahre runtergesetzt. Gleichzeitig allerdings werden ältere Arbeitnehmer gerne durch junge ersetzt, da diese noch geformt werden können, leistungsfähiger sind und vor allem weniger Geld kosten. Somit wird auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen ansteigen (heute hat man’s bereits ab 45 Jahren schwer, einen neuen Job zu finden) und verbunden hiermit selbstverständlich auch die Zahl der Frührentner nach Arbeitslosengeldbezug. Beisst sich da nicht die Katze in den eigenen Schwanz?
Soweit also die Bestimmungen in Deutschland – nachzulesen bei den gesetzlichen Rentenversicherungen (GRV) in Deutschland bzw. dem Sechsten Buch des Sozialgesetzbuches (SGB VI). Ähnliches gilt auch für Österreich, wobei Franz Schellhorn in “Die Presse” am 06. Juni 2008 sehr treffend formulierte: “Das österreichische System der Frühpension wird allerdings kein Computer der Welt knacken können.” Hoppala – somit also die k&k-Version: Mit Ausnahmen von den Ausnahmen? Nein – vielmehr wurde damals diskutiert, ob Renten durch Computer berechnet werden können. Dieser aber nimmt keinerlei Bedürfnisse der Betroffenen wahr, wodurch viele, die die Frührente wirklich nötig hätten, durch den Rost fallen würden. Doch wechseln im Alpenstaat ohnedies sehr viele Männer anstelle mit 65 schon mit 59 Jahren in der Ruhestand, sehr viele Frauen anstelle von 60 mit 57 Jahren. Vier von 10 Männern und eine von drei Frauen gehen als Invalide in Frühpension, also in Form einer körperlichen oder geistigen Erwerbsminderung, andere durch die sog. “Hacklerregelung” bzw. wer überbleibt – normal! Das bringt neue Arbeitsplätze, und günstigere Arbeitnehmer. Erschreckend auch andere Zahlen: Jeder dritte Angestellte schied 2005 zwischen dem Neusiedler- und dem Bodensee wegen einer psychischen Erkrankung vorzeitig aus dem Arbeitsleben aus. Diese Zahl hat sich innerhalb von nur zehn Jahren beinahe verdoppelt! Ein solches System ist auf Dauer schlichtweg nicht finanzierbar.
Erlauben Sie mir einen kleinen Blick über die Grenzen: Wieviel Prozent der Bevölkerung zwischen 55 und 64 Jahren arbeiten wo!? Hier einige Beispiele:

Island 84,9 %
Neuseeland 70,4 %
Schweiz 66,7 %
Japan 64,7 %
China 64,5 %
Deutschland 48,6 %
Österreich 35,5 %
Türkei 30,1 %
Polen 28,1 %

Dadurch wird die Anzahl der Beitragszahler weniger, jene der Begünstigten jedoch mehr! Eine Rechnung, die niemals aufgehen wird! Übrigens: Nur in Italien und Luxemburg wechseln Arbeitnehmer ebenso früh in den Ruhestand. Ist der Alpenstaat damit ein Land der invaliden älteren Menschen? Nach Angaben der Pensionsversicherungsanstalt liegt Invalidität dann vor, wenn der Betroffene nicht mehr in der Lage ist, zumindest 50 % seines bisherigen Einkommens durch Arbeit zu erzielen. Inzwischen kosten die invaliditätsbezogenen Frühpensionen bereits mehr als das Doppelte des Arbeitslosengeldes.
In der Schweiz greift die IV seit rund sechs Jahren hart durch. Bestehende Renten werden gekürzt bzw. neue erst gar nicht zugelassen. Der damals leichte Zugang zur Invalidenrente führte zu einer enormen Anzahl von System-Missbräuchen. Dies ist auch der Grund, weshalb nach Aussage Betroffener die meisten Anträge durch die IV vorerst abgelehnt werden. Erst bei Berufungen wird dem entsprechenden Fall mehr Augenmerk zugestanden. Durch die Anhebung des Frauenrentenalters von 64 auf 65 Jahre wurden 400 Millionen Franken für die flexible Frührente für niedrige Einkommen freigeschaufelt. Eine solche Frührente ohne körperliche oder psychische Ursachen konnten bislang nur gutsituierte Personen in Anspruch nehmen. Die AHV-Beiträge mussten allerdings bis zum Erreichen des regulären AHV-Alters weiterbezahlt werden. Die Höhe richtet sich nach dem Vermögen und dem Renteneinkommen.
Wer wirklich aufgrund ernsthafter Probleme welcher Art auch immer in die Frühpension gehen will, sollte sich dies zuallererst gründlichst überlegen. Für sehr viele Mitmenschen ist die Arbeit der Mittelpunkt ihres Lebens (natürlich neben ihrer Familie). Dies würde dann künftig dauerhaft wegfallen. Als zweiter Schritt sollten bei körperlichen Gebrechen die entsprechenden Ärzte, bei geistigen Therapeuten oder Psychologen aufgesucht werden. Scheuen Sie sich nicht davor, nach Kontakten zu fragen. Diese benötigen Sie in weiterer Folge: Eine gute Beratung durch Arbeitnehmer- und Interessensvertretungen oder auch durch Selbsthilfegruppen. Je mehr Informationen Sie nun gesammelt haben, desto einfacher wird für Sie auch die Beantragung der Frührente. Doch nochmals die Bitte im Sinne aller ehrlichen Mitbürger: Suchen Sie nur an, wenn Sie diese auch wirklich benötigen. Ein anderer, der sie nötig hätte, bekommt vielleicht gerade aufgrund dessen keine!!!

Und übrigens: Solche Tipps wie das Nachziehen einer Holzente auf Arbeit oder das Einrichten des Arbeitsplatzes im Aufzug können zwar recht amüsant sein, dennoch versteht sie nicht jeder Arbeitgeber gleich richtig. Eine falsche Interpretation kann Sie den Job kosten!!!

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Auf geht’s Burschen!

An diesem Wochenende sollten sich Wettergott Petrus und seine Winter-Praktikantin Frau Holle endlich dazu entschliessen, zumindest auf den Bergen bzw. in den westlichen Alpen Schnee zu bringen. Die Autofahrer hat’s gefreut – selten zuvor konnten sie schneelos, wenn auch nicht eisfrei, ihrer Bestimmung so lange Zeit über nachgehen. Ein Riesen-Aufschrei kam allerdings aus dem Tourismus und von den Weihnachts- bzw. Christkindle-Märkten reihum. Klar – der Glühwein schmeckt eben bei Schnee am besten! Der Tourismus – na ja, das ist wieder eine ganz andere Geschichte.
So manche grosse Schiregion mit politischem Vitamin B hat Ausnahmegenehmigungen für eine künstliche Beschneiung bereits vor dem Beginn des ersten Wintermonats Dezember´erhalten. Hintergrund: Eine längere Saison mit mehr Einnahmen (ergo mehr Steuern) und länger andauernden Dienstverhältnissen. So auch das Hauptargument vieler Liftkaiser, die natürlich nur deshalb normalerweise bereits im November die Schneekanonen zum Glühen bringen. Über die Schäden an Natur und Umwelt macht sich hier niemand Gedanken. Daneben verbrauchen die Schneekanonen Unmengen von Wasser und Strom. So sind beispielsweise die Kosten für Energie zwischen 1996 und 2010 um 49 % gestiegen – und dies nur im Bereich der Seilbahnen! Von den Urlauberströmen, die jeweils im eigenen Auto anreisen mal ganz zu schweigen. Und genau hier beisst sich die Katze in den eigenen Schwanz: Der Wintertourismus trägt ebenfalls sein Scherflein zur Klimaerwärmung bei – und dies nicht unwesentlich (auch wenn die Ferntouristen einmal aussen vor gelassen werden!)! In der Vergangenheit fanden die Saison-Eröffnungen meist rund um Nikolaus statt – da lag dann auch schon – zumindest in den Bergen genug der weissen Pracht. Somit stelle ich nun die Behauptung in den Raum, dass das derzeitige Gejammere zum grössten Teil hausgemacht ist. Hausgemacht in der Todesspirale der Umsatzsteigerungen und Gewinnmaximierungen!
Lassen Sie uns gemeinsam einen Blick auf die beiden letzten Wintersaisonen in etwa Österreich werfen (die Zahlen für 2009 in Klammer). Nach Angaben der Statistik Austria (November 2010 bis April 2011) wurde im letzten Winter mit 62 (62,67) Mio Übernachtungen das viertbeste Ergebnis seit dem Beginn der statistischen Aufzeichnungen im Jahr 1875 eingefahren. Nur die drei unmittelbar davor liegenden Saisonen waren geringfügig besser. Mit 15,7 (14,84) Mio Gästeankünften konnte sogar ein neuer Rekord aufgestellt werden. Während die Zahl der ausländischen Nächtigungsgäste abnahm (v.a. aus Deutschland kamen weniger), erhöhte sich die Zahl der inländischen Gästenächtigungen. Somit ist also das Gejammere, dass immer mehr Tagestouristen nach Österreich kommen, die Essen und Getränke selbst mitbringen und den Müll da lassen, aus der Luft gegriffen, da zahlenmässig widerlegt – oder? Also – kein Grund zum Trübsalblasen. Und noch ein bemerkenswertes Detail am Rande: Die beiden letzten Saisonen standen unter dem Eindruck der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise. Damit haben die Winterurlaubsländer weitaus weniger davon zu spüren bekommen, als ihre Kollegen in der Südsee im Sommer. Und dies, obwohl eine Woche Übernachtung mit Frühstück hierzulande mehr kostet als zwei Wochen Dominikanische Republik (all inclusive)!

Zum Vergleich:
2 Erwachsene und 1 zehnjähriges Kind in einem Zimmer
.) in ****Hotels im Stubaital (03.-10.12.2011) – 1.285,20 bis 1.820,- € (Frühstück bis 3/4 Verpflegung), ohne Anreise und Liftkarten – Quelle: Tiscover
.) in ****Hotels in der Dominikanischen Republik (03.-10.12.2011) – 1.067 bis 1.393,- €/Person inkl. Flug (hin und retour München) und Transfer zum Hotel
(all inclusive); Quelle: www.opodo.de
.) in *****Hotels in der Dominikanischen Republik – Nordküste (04.-11.12.2011) – 642 bis 684,- € Doppelzimmer Standard (all inclusive), ohne Anreise; Quelle: www.meiers-weltreisen.de

Apropos Gästeankünfte: Das Ranking 2010 führt nach wie vor Deutschland (584.100) unangefochten vor der Schweiz (80.000) und Italien (77.800) an!
Geboten wird den Gästen dabei sehr viel – oder auch nicht. Ich wohnte einst in einer langgezogenen Talschaft mitten im Herzen Tirols. Ganz hinten thronte der Gletscher – sozusagen als Selbstläufer. Ansonsten wurden Bettenburgen und Aprés-Ski-Anlagen angeboten – mehr nicht! Alles andere wie etwa Skitests, Ski-Opening-Party, Konzerte, Events etc. mussten die Gästeherkunftsländer selbst organisieren! Das nenne ich “Willkommen” – so ganz nach dem Motto: Fühlt Euch wie zuhause – macht es aber auch selbst. Und an den Stammtischen wurde dann über all jene Einheimischen hergezogen, die bei der Organisation geholfen haben! Übrigens war sicherlich auch der eine oder andere Gast aus Zimbabwe dabei – wäre das vielleicht ein neuer Markt, der erschlossen gehört??? Afrikanische Rhythmen an der Schneebar!!!
Damit aber kein schlechtes Bild entsteht: Millionen werden alljährlich von den Liftbetreibern investiert, damit die Gäste so komfortabel wie möglich auf den Berg kommen: Liftsessel mit Sitzheizung, Sechser- bis Achter-Umlauf-ICEs, die die Wartezeit verkürzen sollen, grössere Parkplätze und gesalzene Zufahrtsstrassen (ich kenne einen paradoxen Fall in Vorarlberg, wo ausser auf den Landesstrassen Salzstreuverbot herrscht; nur die Zufahrtsstrasse in das Skigebiet ist gesalzen, damit auch Wohnwagen im Winter dort fahren können!). Vor noch gar nicht allzu langer Zeit wäre Hansi Hinterseer mit seinen Pelzstiefeln nicht trockenen Fusses bis hinauf (aui auf den Berig!) gekommen – heute kein Problem mehr! Dass aber mal ein gut funktionierender Zubringer wesentlich besser geplant wäre als so mancher gefällte Baum, der einer breiteren Strasse hat weichen müssen – dies wird wohl als Unverständnis abgetan bzw. mit Kopfschütteln quittiert. In dem vorhin erwähnten Tal waren die Linienbusse zur Skifahrer-Traffic-Hour jeweils so vollgestopft, dass normale Fahrgäste, die darauf angewiesen waren, teils gar nicht mehr einsteigen konnten, da die Busse überfüllt an der Haltestelle vorbei gefahren sind. Unter diesem Ausgangspunkt betrachtet muss ich dann auch im Sommer nicht mit den Öffis fahren! Denn da wurde wiederum gestöhnt, dass die Linienverbindungen nicht rentabel genug ausgelastet sind. Doch zurück zu den Seilbahn-Kaisern. Immer grössere Downhill-Freeways entstehen durch die Zusammenlegung vormals eigenständiger Schigebiete zu Schischaukeln. Ganz nach dem Motto: Wer bietet die meisten Pistenkilometer. Kleine Schnee-Vergnügungsstätten, die sich nicht diesem Wahnsinn nach immer Mehr und Grösserem anschliessen wollen, können dicht machen. Heuer wurden 37 Lift-Projekte (die meisten davon in Österreich) abgeschlossen (Quelle: www.seilbahn.net). 34 weitere sollen im kommenden Jahr folgen. In der Wintersaison bieten die österreichischen Seilbahnbetreiber rund 78.100 Vollzeit-Arbeitsplätze. Dies müssen aber – ebenso wie im Tourismus – nicht unbedingt einheimische Arbeitnehmer sein, wodurch die Arbeitslosenrate gedrückt würde. 51,2 Mio Skierdays wurden bei 255 Seilbahnunternehmen abgearbeitet. Durch die bergbahnnutzenden Wintersportler wurde somit ein Bruttoumsatz von etwa 5,56 Mrd. € (1,152 Mrd davon waren Kassenumsätze – trotz weniger Skierdays und Beförderungen als im Jahr zuvor – ein Plus von 1,1 %) erwirtschaftet. Damit muss also hieraus geschlossen werden, dass die Tarife erhöht wurden – richtig! Die Lifte und Seilbahnen waren an insgesamt 32.800 Betriebstagen am Laufen (ein Plus von 1,7 %).
Im Jahr 2011 wurde auch wieder kräftig investiert: 494,2 Mio € flossen nach Angabe der Seilbahner zu 89 % in heimische Anbieter und Dienstleister, 11 % gingen an ausländische Betriebe. Nicht weniger als 102,4 Mio wurden in die Verbesserung der Schneegarantie gepulvert! Eine Menge Holz. Und jetzt stehen die Schneekanonen am Berg und harren auf ihre Einsätze. Trotz Morgenfrost steigen die Temperaturen tagsüber so weit an, dass etwa die Nachtproduktion wieder wegtauen würde. Aber – ehrlich gesagt: Es ist auch zu wenig Wasser dafür da! Allerorts herrschte bis diese Woche Waldbrandgefahr. Gärtnern wurde empfohlen, das beste Stück nochmals zu giessen! Woher also das edle Nass nehmen? Aus den Seen? Dann beschweren sich wieder die Eissportler und Eiswanderer! Hier spielt also die Natur nicht mit – bei dem Streben nach Höherem, dem volleren Portemonnaie. Somit sollte man sich durchaus auch andere Möglichkeiten offen halten. Die Arlbergregion etwa macht in Wellness, abschalten, wohlfühlen. Das geht auch ohne Schnee! Komisch – am Arlberg wurde doch das Skifahren erfunden! Also – liebe Wintertouristiker: Ich weiss, der Konkurrenzkampf um den Gast ist hart und wird immer schwerer werden. Deshalb sollte vom Massentourismus wieder abgekehrt und sich zum Qualitätstourismus hingewendet werden. Das muss sich aber nicht wirklich in Form von beheizten Sesseln am Lift äussern!

PS:
Saisonniers sind häufig Arbeitnehmer aus dem Ausland, die im Sommer im Mittelmeerraum zu finden sind, im Herbst auf dem Oktoberfest in München jobben und im Winter in die Schneedestinationen vorstossen. Früher sehr gut bezahlt, werden heutzutage nurmehr Hungerlöhne bezahlt, weshalb die Zahl der Ortsfremden hier stark zugenommen hat. Da fällt mir doch jenes ältere, deutsche Ehepaar am Nebentisch eines Tiroler Hotels ein, das die durchaus hübsch anzusehende Bedienung aus Sachsen ablehnte – sie machten Urlaub in Österreich, deshalb wollten sie auch von einer Österreicherin bedient werden, ansonsten hätten sie das Restaurant gewechselt. Und der Usus, dass so manche Hoteliersgattin im Sommer Arbeitslosengeld bezogen hat, ist gottlob grossteils eingestellt worden.

PPS: Ich wohne zwar in Österreich, habe deshalb insofern auch viele Neider (Schipiste direkt vor der Haustür). Doch muss ich eingestehen, dass ich nur äusserst selten auf den zwei Bretterln stehe! Einerseits aufgrund der überfüllten Pisten, andererseits kann ich es mir fast nicht mehr leisten!!!

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