Archive for Januar, 2012

Die unsichtbare Gefahr

Unwissenheit kostete zu Beginn des Jahren einem 53-jährigen Wiener das Leben. Der im Stadtteil Ottakring lebende Mann wollte seine Wohnung mit dem Gasherd heizen. Eigentlich keine schlechte Idee, da es früher und auch heute jede Menge Gasthermen gab und gibt, welche für wohlige Wärme in den Häusern vor allem im städtischen Bereich sorgen. Doch – im Unterschied zum Gasherd – sind  diese an den Kamin angeschlossen! Denn auch beim Verbrennen von Erdgas etwa entstehen Verbrennungsgase, die abgeleitet werden müssen. Der in Wien lebende Pole dürfte dies nicht gewusst haben. Er verstarb an einer Kohlenmonoxidvergiftung. Gottlob verfügten die herbeigerufenen Sanitäter über ein CO-Warngerät, da ansonsten auch sie vergiftet worden wären. Die ebenfalls alarmierte Feuerwehr ordnete die Evakuierung des gesamten Hauses an! Ein Zeichen dafür, dass mit einem solchen Vorfall nicht zu spassen ist! Nur acht Stunden später wurde erneut Alarm gegeben – ein 62-jähriger Mitarbeiter eines Asia-Restaurants in den Wiener Twin Towers hatte aus bislang unbekannter Ursache eine Rachgasvergiftung erlitten!
Bereits im November 2011 verstarben drei Mitglieder einer Familie in einem Wohnkomplex am Klagenfurter Ring in Wiesbaden an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung. Zwei weitere Kinder und vier andere Personen wurden ebenfalls vergiftet, konnten jedoch im Krankenhaus gerettet werden, 20 Menschen mussten ambulant behandelt werden. Ein Atemschutztrupp der Feuerwehr fand die Ursache: Ein Defekt an der Heizung.
Doch was macht das Kohlenmonoxid dermassen gefährlich? Das Gas entsteht durch die unvollständige Verbrennung von organischem Material. Besonders viel davon entsteht bei der Verbrennung von Braunkohle, weniger bei Steinkohle oder Benzin. Das Gas selbst ist geruch-, geschmack- und farblos. Deshalb sterben die meisten Opfer von Hausbränden nicht an den Flammen selbst, sondern erleiden – ohne es zu bemerken – eine Rauchvergiftung. Das Kohlenmonoxid haftet sich – einmal eingeatmet – an das Hämoglobin. Der Blutfarbstoff ist für den lebensnotwendigen Sauerstofftransport zuständig. Dabei ist das CO um 2-300 mal aggressiver als der lebensnotwendige Sauerstoff. Bereits 0,07 Volumsprozent in der Luft reichen für eine Halbierung des Sauerstofftransports im Blut aus. Dadurch erhalten vornehmlich Herz und Gehirn nicht mehr genügend Sauerstoff. Das Eiweiss Myoglobin kann kurzfristige Sauerstoffschwankungen im Herzmuskel überbrücken – doch wird auch dieses durch das CO vergiftet. Daneben werden die Enzyme in der Atmungskette vom Kohlenmonoxid besetzt, wodurch bei der Verbrennung der einzelnen Zellen kein Sauerstoff mehr zur Verfügung steht – die Energiegewinnung im Körper wird gestoppt. Die Betroffenen bekommen Schwindelanfälle, verfallen in den Zustand der Gleichgültigkeit und werden schliesslich bewusstlos (ab 50 % CO-Gehalt). Ab 60 % kommt es durch eine abflachende Atmung zu einem Kreislaufkollaps, wodurch sich die Muskulatur verkrampft, was wiederum einen kompletten Atemstillstand bewirkt. Bereits bei einem 20 %-igen CO-Gehalt im Blut wird das Urteilsvermögen gestört. Raucher verfügen übrigens über einen rund 10 %-igen Kohlenmonoxid-Grundgehalt. Grössere Mengen nehmen die Benutzer von Wasserpfeifen (Shisha-Pfeifen) auf, da hierbei Kohle verbrannt wird. Durch die zwar geringe aber ständige Vergiftung des Körpers kann es zu einem Leistungsabfall des Körpers kommen. Liegen die Werte über diesen 10 Prozent, so macht sich dies durch starke Kopfschmerzen im Stirnbereich, Abgeschlagenheit und Atemnot bemerkbar.
Eine Rauchgasvergiftung hingegen entsteht durch das Einatmen eines Mischgases, das sich zumeist aus Kohlenmonoxid sowie zudem HCN und Nitro- bzw. Chlorgase zusammensetzt. 98 % der durch Rauchgasvergiftung bewirkten Todesfälle allerdings gehen ebenfalls auf das CO zurück. In Deutschland werden jährlich rund 1.500 bis 2.000 Todesfälle auf eine Kohlenmonoxidvergiftung zurückgeführt. Damit ist diese Toxikation die häufigste in den Industrieländern. In Frankreich wurde erkannt, dass rund 30 % der Fälle aufgrund des unterschiedlichen Erscheinungsbildes nicht richtig diagnostiziert werden. Die Mediziner sprechen deshalb vom “Chamäleon der Notfallmedizin”. Eine kirschrote Färbung des Opfers, die auf eine solche Todesursache schliessen liesse, kommt nicht immer vor. Eine CO-Toxikation kann zumeist durch eine Blutuntersuchung anhand der vergifteten Hämoglobin-Anteile (CO-Hb – Carboxyhämoglobin) nachgewiesen werden. Die Untersuchung erlaubt aber keinen Rückschluss auf die Atmungskette. Nicht immer führt eine Vergiftung auch gleich zum Tod. Sie kann sich im Laufe mehrerer Tage bzw. bis zu drei Wochen danach durch Gedächtnis- und/oder Konzentrationsstörungen bemerkbar machen. Auch Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schwindelanfälle weisen darauf hin. Einige Patienten erleiden zudem Folgeschäden am Herzen bzw. dem Nervensystem. So können Persönlichkeitsveränderungen ebenso wie Psychosen oder andere Erkrankungen auftreten, die einen Rückschluss auf Parkinson erlauben könnten, was es aber nicht ist.
Die Ursachen für eine Kohlenmonoxidintoxikation liegen bei Fehlern oder Defekten von Hausbrandanlagen oder Kaminen, Schwelbränden, beruflicher Ausgesetztheit (Bergbau) oder auch Selbstmordversuchen (Autoabgase oder Ofenrauch). Bei der Rettung eines Betroffenen ist der Selbstschutz des Retters das Wichtigste. Je mehr Sauerstoff sich im Körper befindet, umso schlechter kann sich das CO mit dem Hämoglobin verbinden. Deshalb ist nach der Wegbringung des Opfers aus dem kontaminierten Umfeld die Sauerstoffzufuhr das Wichtigste. Bei der Verabreichung von Sauerstoff ist nach rund 1 1/2 Stunden die Hälfte des Kohlenmonoxids aus dem Körper wieder ausgeatmet (bei normaler Luft kann dies bis zu 4 Stunden dauern). In einer Druckkammer (HBO – hyperbare Sauerstofftherapie) kann noch mehr Sauerstoff zugeführt werden, sodass diese 50 % CO-Gehalt bereits nach 22 Minuten erreicht werden können. Die Druckkammer wird aber normalerweise nur bei Koma, Schwangerschaft, Bewusstlosigkeit und neurologisch veränderten Patienten eingesetzt. Kinder oder bereits am Herz-Kreislauf-System erkrankte Menschen sind weitaus empfänglicher für eine solche Vergiftung. Diese HBO-Therapie führt auch zur Verringerung der vorhin geschilderten Spätkomplikationen. Sie treten normalerweise bei rund 35 % der Patienten auf – jedoch nur bei 1,6 % der HBO-Patienten.
Denken Sie also – v.a. in Heizräumen oder Wohnräumen mit offenem Kamin oder Kachel- bzw. Schwedenofen – aber auch bei der Verwendung von Gas zum Kochen: Öfter Durchlüften. Auf Nummer sicher gehen Sie mit einem Rauchmelder oder im besten Falle sogar Kohlenmonoxid-Warner! Im Bergbau übernahmen dies in früheren Zeiten Kanarienvögel. Verstummte deren Gesang mussten alle Kumpel so rasch als möglich das Weite suchen.

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Killer-Pillen???

Im wahrsten Sinne des Wortes “in aller Munde” sind derzeit die kleinen weissen oder bunten Tabletten, die dem Menschen eigentlich nur Gutes bringen sollen: Die Vitaminpillen!
Der Schweizer Professor Dr. med Peter Jüni, Vorsitzender des Lehrstuhls für klinische Epidemiologie und Biostatistik an der Universität Bern, hat leicht lachen: Auf allen Bildern, die ihn zeigen, sieht der Experte strahlend gesund aus! Sehr viele aus der normalen Bevölkerung würden sich ebenso gern dermassen ablichten lassen, was aber teilweise deren gesundheitlicher Zustand derzeit gar nicht zulässt: Tränende Augen, triefende, rote Nasen, gebückte Körperhaltung – die kalte Jahreszeit hat uns mit ihren kalten Temperaturen und dem Schmuddelwetter voll im Griff! Allerorts Viren und Bakterien! Es ist Ansteckungszeit! Sehr viele wissen somit aus dem medizinischen Nähkästchen des kleinen Mannes, dass Vitamine gerade in dieser Zeit des Jahres das Um und Auf für ein gesundes, tägliches Aufstehen darstellen. V.a. Vitamin C wird in allen nur erdenklichen Erscheinungsformen geschluckt. Ob als Brause, als Tee, als Obst, Gemüse oder auch als kleine weisse Pille! Väterchen Frost – mit den bereits im Sommer gebunkerten zwei Kilogramm an Pillen kannst Du mir nichts anhaben!!! Haaatschi! Gesundheit!!!
Ich hatte mal einen Bekannten. Der stopfte sich diese Dinger stündlich in den Mund. Damit lag er damals bereits schon im Trend, denn ein gutes Drittel etwa der deutschen Bundesbürger verwendet regelmässig diese Gesundheit versprechenden Vitaminpillen aus dem Labor. Nun ja – haben wir ja alle irgendwie gelernt, von Muttern auf den Weg mitbekommen oder in Magazinen gelesen: Vitamine stärken die menschlichen Abwehrkräfte und steuern den Stoffwechsel, wodurch auch vermehrt schädliche Stoffe ausgeschieden werden, die im Körper nichts zu suchen haben und krank machen können. DAS ist richtig! Doch scheiden sich auch die gelehrten Gemüter darüber, ob künstliche Vitamine überhaupt wirken oder ob sie als Placebo nur das Gehirn in dieser Richtung anregen. Somit haben wir wieder die Brücke zu Herrn Prof. Dr. med Jüni hergestellt. Der Berner Experte bezweifelt nämlich die Wirkung dieser Pillen und stellt sogar die Vermutung auf, “dass in der Schweiz jedes Jahr bis zu 300 Menschen durch Vitaminpräparate ums Leben kommen”! Das ist starker Tobak!
Klinische Studien haben aufgezeigt, dass die Zufuhr von Vitaminsupplementen, insbesondere bei Vitamin A und E sowie bei Betacarotinen (wird im Körper zu Vitamin A umgewandelt) die Sterblichkeit erhöhen können. Und der Mediziner straft weiter die Werbung der Pharmakonzernen Lügen, indem er meint, dass die Wirkung von Vitamin- oder entsprechenden Nahrungsergänzungen nie nachgewiesen wurde. Dies obwohl rund 26 % seiner Landsleute bislang daran glaubten. In früheren Zeiten führten solche Aussagen direkt auf den Scheiterhaufen (gehe nicht über Los – ziehe keine 1.000 € ein)!
Doch Professor Jüni steht gottlob nicht alleine da. Mediziner raten grundsätzlich davon ab, solche Produkte ohne vorherige ärztliche Untersuchung einzunehmen. Auch der Ernährungsphysiologe David Fäh von der Universität Zürich warnt davor, die künstlichen Pillen anstelle der natürlichen zu verwenden. So führe vermehrtes Vitamin B etwa zu Krebs (Haut- und Brustkrebs), Vitamin E zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen! Besteht eine spezielle Mangelerscheinung oder bei Frauen ein Kinderwunsch, so werden Vitaminpräparate sogar verschrieben. Dann jedoch auf den Körper abgestimmt und genau dosiert! Deshalb macht es weitaus mehr Sinn, solche Vitamine über natürliche Wege wie durch Obst oder Gemüse bzw. Salate zu sich zu nehmen. Hierbei besteht auch nicht unmittelbar das Risiko, dass überdosiert wird. Denn: Ein normaler Mensch isst einen Apfel, ab und an vielleicht auch zwei im Laufe des Tages! Dass er jedoch dermassen viele davon zu sich nimmt, dass der tägliche Vitaminbedarf übertroffen wird, ist doch eher unwahrscheinlich. Daneben bewirken auch Bewegung an der frischen Luft und die Sonne wesentlich mehr, als derartige Präparate erzielen können.
Das Geschäft mit den künstlichen Vitaminen boomt wie selten zuvor: Jedes Jahr werden alleine in der Schweiz 3,2 Mio Packungen verkauft, sie sorgen für einen 55 Mio Franken-Markt! Noch grösser die Zahlen aus Deutschland: 18 Mio Bundesbürger greifen regelmässig zu Vitamin-Nahrungsergänzungen – der Markt ist 900 Mio € schwer!!! In den USA spricht man gar von 12 Milliarden US-Dollar! Deshalb weisen auch die Pharmariesen diese Behauptungen zurück.
Eine Langzeitstudie der Universität von Nancy/Frankreich, in deren Rahmen über sechs Jahre hinweg 8.112 Probanden medizinisch begleitet wurden zeigte etwa auf, dass die Krebshäufigkeit sowohl in der Versuchs- als auch der Kontrollgruppe gleich hoch war. Die Angaben über den Gesundheitszustand waren ebenfalls in etwa gleich – egal ob Vitamin-Piilen oder Placebos geschluckt wurden. Die Versuchsgruppe erhielt täglich Kapseln mit den Vitaminen B und C, Beta-Carotin, Zink und Selen; die Kontrollgruppe Placebos. 30,4 % der Kontrollgruppe erkrankte während der Studie an Herz-Kreislauf-Probemen, 30,5 % der Versuchsgruppe hingegen ebenfalls. 120 Personen der Vitamin-Gruppe bekam Krebs, 139 der Kontrollgruppe ebenfalls.
Eine andere Studie, die 1994 in Finnland an 30.000 Rauchern im Alter von 50 bis 69 Jahren durchgeführt wurde, kam zu einem revolutionierenden Ergebnis: In jener Gruppe, die Beta-Carotin erhielt, stieg die Lungenkrebsrate um 18 % an, die Sterblichkeit war um 8 % erhöht. Ein an Asbestarbeitern durchgeführter US-amerikanischer Test musste sogar vorzeitig aufgrund der Erkrankungsfälle abgebrochen werden.
Eine 2010 veröffentlichte Studie zur Einnahme von Multivitamin-Präparaten zeigte bei 182.000 Versuchspersonen über den Zeitraum von elf Jahren überhaupt keine Wirkung – weder positiv noch negativ.
Der Glaube, mit solchen Präparaten tödlichen Krankheiten vorbeugen zu können, ist ein Irrglaube. Die bisherige Annahme, dass die anti-oxidative Wirkung der Vitamine Krebs vorbeugen kann, wurde inzwischen wieder fallengelassen. Gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Schlaganfälle oder Herzinfarkte, wirken in den meisten Fällen ein gesunder Lebenswandel und das übermässige Angebot aus der Natur. Würden im Vergleich so viele Menschen so viel Geld für Obst und Gemüse ausgeben (und dies auch richtig zubereiten), wären höchstwahrscheinlich wesentlich mehr von Krankheiten verschont geblieben und der heimische Bauernstand in seiner Existenz gesichert.
Die Nebenwirkungen dieser Labor-Vitamine werden nach wie vor erforscht. Die Medizin fordert deshalb unbedingt entsprechende Hinweise auf den Beipackzetteln anzubringen. Gleichzeitig sollten auch Nahrungsergänzungen auf ihre Wirkung und die Inhaltsstoffe hin überprüft und entsprechend zugelassen oder verboten werden. Im Vorfeld der gerade laufenden Grünen Woche in Berlin, der weltweit grössten Verbraucherausstellung zum Thema Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau führte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen eine Untersuchung durch. Das Resultat ist alarmierend: Beinahe jedes dritte untersuchte Nahrungsergänzungsmittel aus dem Online-Handel beinhaltet illegale oder hochgradig gesundheitsschädigende Bestandteile. Ausserdem warnt auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Nahrungsmittelergänzungen, die glucosaminhaltige Bestandteile beinhalten, können besonders bei Patienten, die Cumarin-Antikoagulantien als Blutgerinnungshemmer einnehmen müssen, zu gefährlichen Nebenwirkungen führen. Ist somit der Konsument um seine Gesundheit besorgt, so lässt er lieber die Finger von diesen Pülverchen, Kapseln und Tabletten.

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Alle kamen – nur einer nicht

Südafrika – begeisternder Gastgeber bei der Fussball-WM! Jeder versprach, dass er wiederkäme! Doch inzwischen sind die Fussballstadien verwaist und der Erosion ausgesetzt. Der grosse wirtschaftliche Aufschwung, den sich das Land durch die Austragung dieses Mega-Spektakels erhofft hat, ist ausgeblieben. Die Staatsverschuldung nimmt zu – die Rating-Agentur Moody’s hat erst vor kurzem die Kreditwürdigkeit des Landes herabgestuft. Präsident Jacob Zuma ruft zum Aufbruch und raschen, praxisorientierten Schritten auf.
Und dies ausgerechnet an einem Feiertag: 100 Jahre Afrikanischer National-Kongress! Ein Jubiläum, das wahrhaft gefeiert werden sollte, schliesslich war es der ANC, der die Apartheid bekämpfte und eine Gleichstellung aller Hautfarben im Land am Kap der guten Hoffnung erst ermöglichte. Theoretisch zumindest, denn viele Weisse haben bis zum Wechsel dermassen viel Vermögen angehäuft, dass sie nach wie vor das Sagen haben. Zwar nicht an vorderster Front, so doch im Hintergrund. Wer zuvor arm war, dem hat auch der Fall der Apartheid nicht den erhofften Segen gebracht. Der ANC feierte sich über mehrere Tage hinweg selbst – den Abschluss bildete eine Grossveranstaltung vor mehreren Zehntausend Zuschauern im Rugby-Stadion von Bloemfontein. Hier versprach Präsident Zuma neue Schwerpunkte in der Politik – ab Juni soll hierüber in einer Konferenz beraten werden. Dazu gehört etwa eine Landreform sowie die Verstaatlichung der Minen. Zur Präsidentschaftswahl im Dezember soll dann ein neues Parteiprogramm präsentiert werden. Nach seiner heiss erwarteten Rede gab es eine riesengrosse Geburtstagstorte und die Erinnerung an die Tausenden Opfer des Apartheid-Regimes. “Unsere Freiheit kam nicht ohne Preis, sie wurde mit dem Blut, dem Schweiss und den Tränen vieler selbstloser Revolutionäre bezahlt!”
Eines dieser Opfer war auch Nelson Mandela. Der Friedensnobelpreisträger fehlte gänzlich bei den Feierlichkeiten. Dass der 93-jährige ehemalige Präsident gebrechlich ist, das musste bereits während der Fussball-WM zur Kenntnis genommen werden. Allerdings kam damals auch der Unfall-Tod einer seiner Töchter hinzu. Jedoch meinen Insider immer mehr, dass der Fall des ANC mit dem Rücktritt des grossen Mandela begonnen hatte. Seither mehren sich die Meldungen über interne Streitigkeiten, Korruption sowie der Beeinflussung der Medien und der Justiz des Landes. Vonseiten der Gewerkschaft heisst es gar, dass die eigene Bewegung umgebracht werde.
Die Geschichte des ANC beginnt am 08. Januar 1912 unweit der methodistischen Waaihoek-Kirche in Bloemfontein. An diesem Tag trafen sich traditionelle Führer (im Leopardenfell), Anwälte, Ärzte sowie andere schwarze Intellektuelle (im Gehrock mit Zylinder) und gründeten die Organisation “South Africa Native National Congress” (SANNC) aus welcher 1923 der “Afrikanische National-Kongress” wurde. Der Oxford-Absolvent und Rechtsanwalt Pixley ka Isaka Seme begrüsste die anwesenden Männer mit: “Häuptlinge königlichen Geblüts und Gentlemen unserer Rasse”! Diese Geschichte mussten übrigens nicht wenige ANC-Abgeordnete im Nachhilfe-Unterricht lernen. Vielen ist sie auch nach den Feierlichkeiten gänzlichst unbekannt! Symptomatisch für den Zustand der Partei und deren Rückbesinnung auf ihre eigentlichen Werte. Der Name Nelson Mandela kommt erstmals in den 40er Jahren in der Geschichte des ANC auf. 1961 war er einer der Begründer des militanten Arms des ANC, des “Umkhonto we Sizwe” (Speer der Nation). Bis zu seinem Auftreten agierte die Partei zumeist im Untergrund. Doch Mandela musste bitter für sein Engagement bezahlen: Nicht weniger als 27 Jahre sass er hinter Gittern, bis er endlich aufgrund des grossen internationalen Drucks in den 80er Jahren freigelassen wurde und mit Hilfe des damaligen Präsidenten Frederik Willem de Klerk rehabilitiert wurde. Mandela folgte ihm 1994 als Präsident nach.
Zu Ehren der Gründerväter der Partei wurde eine Kuh geschlachtet und fand ein anschliessendes Gala-Diner statt, an welchem sich auch die Staatsoberhäupter aus Mocambique, Namibia und Uganda beteiligten. Insgesamt 100.000 Menschen wollten an den Feierlichkeiten teilnehmen – die Stadt Bloemfontein aber verfügt über gerade mal 20.000 Gästebetten. Nur 6 Kilometer von der Universität, wo das Galadiner stattfand, beginnen die Rockland-Townships: 70 % Jugendarbeitslgkeit, zu wenige Krankenhäuser und Schulen, ständige Proteste der Einwohner gegen den ANC! Das brachte auch die ehemalige Sekretärin Mandelas, Frauenrechtlerin und Botschafterin des Landes in der Schweiz, die 86-jährige Ruth Mompati, auf den Punkt: Man müsse endlich aus dem Schlaf aufwachen und sich den Herausforderungen geschlossen stellen: “Wir müssen erkennen, dass der Kampf erst beginnt. Lasst uns die Hände reichen und nach vorne blicken.” Während dieser Worte lächelte Präsident Zuma nicht mehr, die Staatsoberhäupter von nicht weniger als 14 afrikanischen Staaten applaudierten allerdings lautstark. Ein klarer Seitenhieb auf die derzeitige Parteispitze und auch auf die Jugendorganisation des ANC. So hat eine Disziplinarkommission dem umstrittenen Anführer der Jugendliga, Julius Malema die Parteimitgliedschaft für fünf Jahre entzogen. Dieser hatte zum Sturz der Regierung von Botswana aufgerufen. Malema wurde bereits vorher verwarnt, da er Mitglieder der Partei verunglimpfte und intern für grosse Missstimmung sorgte. Seither aber kriselt es. Mit Polizeigewalt muss gegen die parteieigenen Jugendlichen vorgegangen werden. So griffen etwa Anhänger Malemas während der Eröffnung des Disziplinarverfahrens Polizisten und Journalisten an. Autos wurde demoliert und Zuma-Plakate zerrissen. In aller Öffentlichkeit demonstrieren sie gegen ihren Parteichef und fordern seine Absetzung. Vor fünf Jahren erst wurde durch die Jugendliga, gemeinsam allerdings mit dem heutigen Präsidenten Zuma dessen Vorgänger Mbeki aus dem Amt gehoben. Ein Fehler, wie sehr viele der Kämpfer der ersten Stunde inzwischen wissen. Mbekis Bruder, der Unternehmer Moeletsi Mbeki spricht inzwischen von “postkolonialer Dekadenz” und “Architekten der Armut”. Ein Protestmarsch der Jugendliga von Johannesburg nach Pretoria vor einigen Wochen erinnerte an ehemals kommunistische Kundgebungen, wurde doch der Kapitalismus auf’s Schärfste beschimpft (China habe den Weg in den Reichtum aus eigener Kraft geschafft!!!) und der ehemalige libysche Staatschef Gaddafi als Märtyrer gefeiert. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit, die Erkenntnis, dass sich so rasch nichts ändern wird und die offenbare Machtlosigkeit der jetzigen Politiker lassen es zu solchen Ausuferungen kommen. Man möchte meinen, es gebe keine Medien, die die wahre Gegenwart aufzeigen, denn die Revoluzzer dreschen teils Propaganda-Sprüche für Massnahmen, die schon längst getätigt wurden oder für Ideologien, ohne den Hintergrund zu kennen!
Von der Idee, von dem Flair und von dem Wunsch eines Nelson Mandela scheint nicht mehr viel übrig zu sein. Er führte die Reformbewegung an. Führte ein Volk, das durch die Weissen geknechtet, missachtet und wie zu Sklavenzeiten eingepfercht bzw. ausgesperrt wurde in die vermeintliche Freiheit. Man sollte meinen, dass die Zeit da gewesen ist, um aus den Fehlern der anderen zu lernen. Doch fällt jetzt das Land offenbar wieder dorthin zurück, wo es vor den Burenkriegen gestanden ist und macht es allen anderen schwarz-afrikanischen Staaten nach: Stammesfehden, Ausschreitungen, blutige Konfrontationen, … Bürgerkrieg. Das Land am Kap war auf dem besten Weg, seine Zukunft zu meistern. Die Wirtschaft lief an, der Fremdenverkehr holte immer mehr Gäste ins Land, immer mehr Posten wurden mit Afrikanern besetzt,… Umso tiefer kommt nun offenbar der Fall. Nach UN-Angaben leben 30 % der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Ein Spaziergang im nächtlichen Kapstadt kann lebensgefährlich werden. In manche Distrikte traut sich auch die Polizei nicht hinein. Politiker arbeiten in die eigene Tasche – vom ehemals versprochenen Zusammenhalt ist nicht mehr viel übrig!
Das wird auch der Hoffnungsträger der südafrikanischen Jugend nicht retten können. Wenig Bildung, schlechte Rhetorik – nicht gerade die besten Voraussetzungen für einen grossen Politiker, der den Staat lenken und die Massen führen kann! Daneben soll auch er Provisionen für Vermittlungen eingestreift haben, Luxusautos besitzen und in einer grossen Villa in einem Vorort von Johannesburg wohnen. Seine Firma “On Point Engineering” baut einen Pfusch nach dem anderen, erhält aber trotzdem noch Aufträge. Die Wirtschaftspolizei des Landes (die Sondereinheit Hawks) ermittelt bereits gegen Malema. Nicht daran zu denken, dass jemand wie er die derzeitige Situation verbessern könnte: In vielen Townships liegt die Arbeitslosigkeit bei rund 33 % – jeder zweite Jugendliche ist erwerbslos. Weisse bekommen für dieselbe Arbeit nach wie vor ein Vielfaches von dem, was ein Schwarzer erhält. Von Gleichheit also weit gefehlt. Und langsam bekommen auch die Erwachsenen Angst. Sie fürchten sich vor der zunehmenden Macht der Jugendlichen und vor deren Mitteln und Methoden.
Diese Unsicherheit hält auch Investoren zurück. Projekte werden schubladisiert oder gänzlich fallengelassen. 2011 wurden nurmehr 1,3 Milliarden Dollar durch ausländische Geldgeber direkt investiert, ein Jahr zuvor war es noch das Vierfache. Klar erscheint somit die Einstufung des Landes durch Moody’s. Auch der Fremdenverkehr zieht sich immer mehr wieder in beschützte Zonen zurück. Dort waren wir doch schon, als drei oder vier Meter hohe Mauern so manches Anwesen abgrenzten.
Ohne überheblich erscheinen zu wollen: Aus dieser Misere schafft es das Land nur durch die Bündelung aller zur Verfügung stehenden Kräfte. Miteinander – nicht jeder für sich! Eine Revolution wäre kontraproduktiv und würde die getätigten Ansätze und Versuche, die Lage zu verbessern, wieder zunichte machen und den Aufschwung nach dem Fall des Apartheid-Regimes um Jahre zurückversetzen! Die Ideale der Väter zerstören! Jetzt bedarf es jenes politischen Weitblicks, den solche Menschen wie Neslon Mandela oder Desmond Tutu in ihrer aktiven Zeit hatten! “Viva ANC, Viva!” – der Kampfruf von damals sollte wieder entstaubt und zum gemeinsamen Sprachgebrauch werden. Doch werden derzeit politische Kandidaten ermordet, damit man selbst die Funktion besetzen und dadurch reich werden kann! Sambias erster Präsident, Kenneth Kaunda, brachte es in seiner Ansprache auf den Punkt:  Armut und Nebenprodukte wie “Hunger, Unwissenheit, Krankheit, Kriminalität, Korruption und vor allem die Ausbeutung eines Menschen durch einen anderen” müssen bekämpft werden! Es gibt viele Mahner – doch werden ihre Worte auch gehört? Südafrika – ein Land auf dem Weg ins Chaos!

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Daunen – wirklich ein Gottesgeschenk???

Die Feiertage sind vorbei. Gottlob werden die Einen denken, denn sie können vor lauter Essen nicht mehr bip oder bap sagen. Nicht selten landete auch eine Weihnachtsgans auf dem Tisch. Ich habe mir sagen lassen: Etwas ganz feines zum Essen, jedoch zum Zu- und Nachbereiten sehr aufwendig, da zumeist auch sehr fettig! Alljährlich warnen zudem Tierschützer davor, Stopfgänse oder Gänse zu kaufen, die nicht aus der Region stammen. Doch dies ist ein anderes Thema, dem ich mich annehmen werde, wenn der Magen wieder seine geordnete Arbeit zu verrichten hat und bei einem solchen Thema nicht rebelliert! Ich selbst übrigens habe nur einmal versehentlich Gänseleberpastete erwischt. Hätte ich dies zuvor gewusst – ich hätte auf jeden Fall die Finger davon gelassen!
Heute möchte ich mich einem Wunderwerk von Mutter Natur widmen: Den Daunen und Federn.
Als Daunen (lat.: pluma) wird das Untergefieder von Wasservögeln, wie Enten oder Gänsen bezeichnet. Sie wachsen unter dem eigentlichen Schutzgefieder (Konturfedern) und sind am häufigsten im Brustbereich der Vögel zu finden. Eine einzelne Daune schaut beinahe einer Schneeflocke gleich: Aus einem kaum sichtbaren Kern wachsen strahlenförmig seidenweiche Beinchen mit feinsten Verästelungen heraus. Dadurch können diese Daunen unheimlich viel Luft speichern. Um ein Kilo zu erreichen, bedarf es zwischen einer viertel bis halben Million Gänse-Daunen, bei den feinsten und kleinsten Daunen, jener der isländischen Eiderente, zwischen einer halben bis einer Million. Federn hingegen bilden die äussere Schutzhülle der meisten Vögel – also auch der Landvögel. Sie bestehen aus einem durchgehenden Kiel, der auf beide Seiten Federhärchen aufweist. Gänse- und Entenfedern sind stark gebogen. Zweitere jedoch eher zierlich und laufen nach oben hin strahlenförmig oder spitz zu, während Gänsefedern stumpf und rund sind; oben sehen sie aus als wären sie abgeschnitten worden, unten besitzen sie meist einen reichen Flaum. Daunen sind somit keine Federn und werden auch nie zu solchen werden. Aufgrund ihrer Dreidimensionalität besitzen sie ein unheimliches Volumen und werden deshalb sehr häufig zu Füllzwecken verwendet. Die Masseinheit dieser Bausch- und Füllkraft lautet “cuin”. Daunen werden vornehmlich in der Bettwaren- aber auch der Bekleidungsindustrie verwendet. Die Daunenbeinchen verzahnen ineinander und bilden dadurch eine vor Kälte schützende nicht wärmeleitende Luftschicht. Je grösser nun eine solche Daune ist, desto grösser ist auch dieser Effekt. Ergo – Daunen von ausgewachsenen Vögel sind besser – Gänsedaunen somit gegenüber Entendaunen zu bevorzugen.
Ich höre die Allergiker nun laut aufschreien: “Um Himmels Willen – keine Daunen!” Neueste Untersuchungen haben ergeben, dass die “Inletts” (also die Verpackung der Daunen bei Bettwaren) dermassen feinmaschig gewebt sind, dass die gemeine Hausstaubmilbe hier gar nicht durchkommt. Auch wenn dies nicht so wäre: Diese Parasiten ernähren sich von menschlichen Hautschuppen. Zwischen 0,5 bis 1 Gramm verliert jeder Mensch davon täglich. Allergie-Experten empfehlen deshalb, das Ankleiden, v.a.  aber das Ausziehen etwa im Bad zu erledigen, da hierbei die meiste Haut verloren wird. Federn oder Daunen sind somit für die Hausstaubmilbe völlig uninteressant, was wohl sehr viele leidende Betroffenen freuen wird.
Tja – und wenn sie dann mal nicht mehr gebraucht werden, können sowohl die Daunen als auch die Federn als Dünger im Garten verwendet werden. So hat nach einer Untersuchung der Universität Hohenheim Federnmehl rund 14 % Stickstoff, herkömmlicher Stallmist nur etwa 1,7 %. Auch beim Phosphor ist das Federnmehl unschlagbar. Nur bei Kalium und Magnesium ist der Stallmist besser!
Auch die Pflege von Daunen ist sehr einfach: Bei trockenem Wetter lüften und aufschütteln. So erreichen sie wieder ihre urspüngliche Form und die Nachtfeuchtigkeit verflüchtigt sich. Zumeist sind die Decken oder Kissen gar waschmaschinenfest. Nur muss danach eine sehr gute Trocknung erfolgen. Im Trockner etwa sollten sie 2-4 Tennisbälle hinzu geben.
Damit wären also sowohl die Federn, als auch die Daunen ein perfektes Naturprodukt. Wenn da nicht – wie so häufig – die Herstellung wäre. Das unermessliche Leid, das dem Federnvieh zugefügt wird. Bei der “Lebendrupf” (auch als “Pusztarupf” bezeichnet) werden die Daunen dem lebenden Vogel herausgerissen, bei der “Totrupf” (auch Schlachtrupf) dem geschlachteten. Die vorher angesprochenen Eiderentendaunen werden aus den Nestern zusammengesammelt. In etwa 90 % der verwendeten Daunen werden maschinell dem geschlachteten Tier ausgerupft, bevor das Fleisch weiterverarbeitet wird und irgendwann irgendwo auf dem Teller landet. Die Lebendrupf ist eigentlich EU-weit verboten, was jedoch sogar auch vereinzelte deutsche Gänsezüchter nicht wirklich interessiert. Wird dabei der hormonell gesteuerte Mauserprozess der Vögel berücksichtigt, so kann dieser traditionelle, bäuerliche Handrupf weitgehend schmerzfrei für die Tiere durchgeführt werden. Dabei stösst das Tier die alten Daunen ab, wodurch diese nicht mehr fest angewachsen sind. Mit einem Kamm könnten sie abgestreift werden. Dies jedoch ist wirtschaftlich uninteressant.
Für die härteren unter Ihnen habe ich hier drei Filme, die diese Lebendrupf aufzeigen:

Die Arbeiter sind zumeist schlecht bezahlte Akkord-Arbeiter. Das Gehalt richtet sich nach Stückzahl. Deshalb wird brutalst vorgegangen: Die Flügel und der Hals der Gans werden zurückgebogen und zwischen dem Stuhl und dem Oberschenkel eingeklemmt. Wird eine grössere Wunde zugefügt, so wird diese ohne Desinfektion rasch und grob zugenäht. Soweit die versteckte Aufnahme eines Mitarbeiters der Tierschutz-Organisation Vier Pfoten. Ich glaube nicht wirklich, dass eine schmerzfreie Daunengewinnung in diesen Beispielen gegeben ist. Daneben erleiden viele Vögel einen unnötigen Stress, der häufig auch zu Verletzungen (Bein- oder Flügelbrüchen) oder gar zum Tod der Tiere führen kann. Viele liegen danach blutend, nackt und apathisch auf dem Boden. Auf diese Art und Weise können mehrmals pro Jahr Daunen und Federn gewonnen werden. Eine Gans bringt pro Rupf etwa 150 Gramm Daunen und kann vier- bis fünfmal in ihrem Leben gerupft werden. Ein geübter Rupfer schafft pro Tag 100 Gänse. Ein Kilogramm Daunen ist für 8-20 € erhältlich. Bei den Produkten selbst ist für den Konsumenten nicht erkennbar, ob die Daunen oder Federn aus der Lebend- oder Todrupf kommen. Manches Mal ist dies angefügt – doch wer garantiert dafür, dass die Gänse nicht vorher schon lebend gerupft wurden. Der Fachmann erkennt dies zumeist daran, dass die maschinell gerupften Daunen leicht beschädigt sind. Deshalb wird teilweise auch bei der Todrupf händisch gearbeitet, damit diese Schäden möglichst gering gehalten werden. Einige  Handelsunternehmen und Versandhäuser haben sich dazu entschlossen, für ein Verbot der Lebendrupf einzutreten:

Tchibo, Bettenklick.de, Otto Group (Otto Versand, BAUR, Heine, Schwab und Witt), Kaufland, Norma, Lidl, Tegut, Spar, AGM (C&C Abholgroßmärkte – Rewe International), Unito Versand & Dienstleistungen GmbH (Universal, Quelle, Otto, Ackermann), Reiter Betten & Vorhänge GmbH, Leopold Trünkel GmbH, Stritzinger Import-Export GmbH

Trotzdem wies Vier Pfoten Ende 2010 nach, dass Unternehmen, die schriftlich versicherten, keine Lebendrupf-Daunen zu verwenden, dies dennoch taten. Wenn Sie selbst wissen möchten, welche Schmerzen das Tier zu erleiden hat, so können Sie sich ja mal ein Büschel Haare ausreissen. Nicht ein Haar – ein Büschel! Einige namhafte Händler oder Zwischenhändler kaufen nach wie vor regelmässig lebendgerupfte Ware aus Ungarn. Sie haben sogar empfohlen, dieses Wort von den Rechnungen und Dokumenten zu streichen. Dies ist etwa in Polen bereits Usus. Nach einem Artikel der Süddeutschen Zeitung hat der Verband der Daunen- und Federnindustrie das von Vier Pfoten geheim gedrehte Video eingefordert um damit Strafanzeige wegen Tierquälerei zu machen.
Herzschlagversuche haben ergeben, dass die Gänse unheimliche Schmerzen beim Rupfen aushalten müssen. Bei nicht wenigen ist zudem der Blutzuckerspiegel auf das Doppelte des normalen Wertes angestiegen. Zwischen Februar und Oktober bzw. November werden die Tiere 4-5 mal gerupft. Auch beim Schlachten geht das Martyrium der Vögel weiter. Fünf Wochen nach dem letzten Rupfvorgang werden die armen Geschöpfe durch eine Maschine gejagt, die die längsten Federn ausreisst, danach werden sie geschlachtet! Egal ob die Daunen aus Frankreich, Polen, Ungarn oder Cina stammen – diese Vorgehensweise beim Lebendrupf ist immer dieselbe. Vier Pfoten hat die Beweise an die ungarischen Behörden übergeben und drei Betriebe angezeigt. Geschehen freilich ist nichts. Die Strafverfahren wurden eingestellt. Sowohl die Behörden als auch die damit beauftragten veterinärmedizinischen Gutachter sahen darin keinen Rechtsverstoss. Übrigens ist auch das Sammeln der Eiderentendaunen nicht unproblematisch. Das Muttertier hat sich die Daunen aus dem Brustbereich gerissen um damit das Nest auszulegen und die ungeschlüpften Eier warmzuhalten. Sind keine Daunen mehr da, erfriert die Brut.
Umso erfreulicher ist die Innovation mancher Hersteller aus dem Outdoor-Bereich, wieder auf die gute alte Schafswolle zurückzugreifen. In Tirol etwa verzichtet die Bergwacht komplett auf Daunenjacken und nutzt anstatt dessen die ebenfalls sehr gut geeignete Schafswolle aus heimischer Produktion. Und – wenn Sie das nächste Mal tierschutzgerecht einkaufen möchten, dann nehmen Sie heimische Vögel. In Supermärkten wird sehr häufig osteuropäische Tiefkühlware angeboten. Die meisten davon haben Zeit ihres Lebens ein Martyrium durch das Stopfen oder das Rupfen durchgemacht! Nach unserem Glauben haben wir den Segen dafür, uns die Tiere Untertan zu machen. Doch haben wir nicht auch die Verpflichtung dazu, das Leben zu ehren???

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