Archive for Februar, 2012

“Venedig sehen und sterben!”

Nun ja – als Thomas Mann damals diesen Satz formulierte, war die Lagunenstadt noch sehenswerter: Weniger Touristen, weniger Geschäftemacherei, weniger stinkende Kanäle und wesentlich freundlichere Gondolieri, die auch tatsächlich noch singen konnten. Heute entsteht schon beinahe der Eindruck, dass jeder, der in der Vorausscheidung einer Casting-Show rausgeflogen ist, sein Glück mit “Oh sole mio” auf dem Canale Grande versucht. Übrigens: Was Thomas Mann damals geschrieben hat (“So ist Venedig, die Schöne, schmeichelnd und verdächtig, Legende und Falle für die Fremden…”) ist heute aktueller denn je. Diana Steiner von der Universität Padua bringt dieses “Venedig-Syndrom” auf den bitteren und beinharten Punkt: In der melancholischen Stadt im Meer setzen mehr Menschen ihrem Leben ein Ende, als in irgendeiner anderen Stadt Italiens (dabei ist die Seufzerbrücke ja gar nicht so hoch!)! Sie hatte 35 Menschen interviewt (darunter auch sieben Deutsche), die in den Jahren zwischen 1988 und 1995 in Venedig einen Selbstmordversuch unternommen hatten, jedoch gerettet werden konnten. Nicht weniger als 25 berichteten, dass sie einen Plan hatten – sie demnach also absichtlich dorthin gefahren sind um ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen. Doch soll es hier nicht über die Hintergründe eines Suizidversuchs gehen (wäre vielleicht mal ein interessantes Thema), sondern vielmehr um das Weltkulturerbe und Mose! Äh – wie bitte? Da besteht doch zeitlich und geographisch ein Zusammenhang wie zwischen Rotkäppchen und den sieben Zwergen! Korrrrrekt! Aber thematisch sehr wohl. Gestatten Sie mir zur Erklärung eine kurze Exkursion!
Die Geschichte von Mose ist im Alten Testament der Bibel (2-5 Mose) nachzulesen. Er wurde im 13. Jahrhundert v. Chr. als Sohn von Leviten in Ägypten geboren. Dass er auserwählt gewesen sein muss, beweist die Tatsache, dass er nicht – wie Pharao Ramses II. befehligt hatte – als männlicher israelitischer Nachfahre umgebracht wurde. Seine wirkliche Mutter setzte ihn in einem Korb im Schilf des Nils aus, wo er ausgerechnet von der Tochter des Pharaos entdeckt wurde. Sie adoptierte das kleine Bündel Mensch und nannte ihn “Mose”, was soviel wie “Der Herausgezogene” bedeutet. Als jugendlicher Erwachsener musste er ansehen, wie ein Ägypter einen Israeliten schlug. Er griff ein und tötete den Peiniger. Jetzt musste er fliehen. Beim Schafehüten erschien ihm ein Engel in Form eines Dornbuschbrandes. Über ihn liess ihm Gott ausrichten, dass er das Volk Israel aus der Knechtschaft befreien und in ein gelobtes Land führen solle, “wo Milch und Honig fliessen”. Gesagt getan, stand er mit dem Volk vor dem Roten Meer. Er teilte das Meer, sodass seine Gefolgschaft trockenen Fusses an die andere Uferseite kam. Als die Verfolger ebenfalls durch die Gasse wollten, schloss sich diese hohle wieder – die Peiniger ertranken. Nun sind wir auch dort, wo wir hinwollten: Beim Teilen bzw. Ertrinken!
Venedig ist eine sterbende Stadt. Sie ist auf Pfählen errichtet, die die Grundmauern unterstützen und die Gebäude auf Kanalseite einen Meter aus dem Wasser ragen lassen – 1 m Seehöhe sozusagen. Zumeist im Winter steigt der Meeresspiegel jedoch an. Dadurch werden die Keller sowieso, jedoch inzwischen auch die Erdgeschosse der Häuser geflutet. Der Markusplatz – das Wahrzeichen der Stadt – ist dutzende Male im Jahr wenn überhaupt nur mit hohen Gummistiefen begehbar. Auch wenn das Wasser wieder zurückgeht, so nagt das Salz an den Grundfesten der Häuser. Diese zerbröckeln förmlich. Daneben strömt vor Venedig Methangas im Meer aus. Auch das Abpumpen von Süsswasser für die Industriebetriebe der 60er-Jahre in den Festland-Stadtteilen Mestre und Marghera sorgte dafür, dass der Untergrund der Stadt ständig unterspült wird – er gibt pro Jahr um mehrere Millimeter nach. In den letzten 100 Jahren waren es 23 Zentimeter. Die Fischer tragen übrigens auch das Ihre dazu bei: Die Fangkörbe “grasen” im wahrsten Sinne des Wortes den Untergrund ab, wodurch der festigende Pflanzenwuchs weggerissen wird – der Boden erosiert – er wird sandig und matschig, also instabil. Das Weltkulturerbe der UNESCO (seit 1987) droht also zu versinken. Nach Berechnungen von Klimaforschern könnte in 50 Jahren jeden dritten Tag Hochwasser-Alarm gegeben werden. Das war den Venezianern bereits im 16. Jahrhundert bewusst. Damals erfolgte die Gründung des “Magistrato alle Acque”, der die Versandung der Lagune stoppen sollte. Als erstes wurden die Flüsse Sile, Brenta und Piave dermassen umgeleitet, sodass sie keinen Sand oder Verschlickungen mehr in die Lagune spülten. Dann wurden Dämme und Wehre aufgeschüttet – doch darf die Lagune nicht ständig geschlossen werden, da ansonsten etwa auch die Abwässer nicht mehr abfliessen könnten, sie würde umkippen. Dies alles half für einige Zeit – jedoch nicht mehr in der Gegenwart. Die “Perle der Adria” – dem Untergang geweiht?! Wäre da nicht das Projekt “MOSE”.
Die Assoziation mit dem Flutenteiler ist gar nicht mal so falsch – tatsächlich jedoch bedeutet MOSE “Modula Sperimentale Elettromeccanico” (Experimentelles elektromechanisches Modul) und ist eines der ehrgeizigsten Projekte der Menschheit. Seit 2003 arbeiten (mit Unterbrechungen) über 2.000 Menschen an versenkbaren, mobilen Stahlkästen, die in die entscheidenden drei Meeresöffnungen (Lido, Malamocca, Chioggia) eingebaut werden und die Stadt “vor dem Ertrinken” retten sollen. Dabei werden sie nach Ende der Bauzeit einem Druck von 2 Höhenmetern aushalten – das Mittelmeer gegen das Werk des Menschen! Unglaublich!
Die Pläne wurden nach dem grossen Hochwasser im Jahr 1966 geboren (der Pegel erreichte damals 194 Zentimeter über Normalnull). Eigentlich sollte das Bauwerk seit Ende letzten Jahres fertiggestellt sein, doch mussten die Arbeiten zeitweise eingestellt werden, da das Geld fehlte. So beispielsweise hat die Regierung Romano Prodi Geldmittel gestrichen, unter Silvio Berlusconi II wurde weitergebaut. Dieser hatte sich übrigens die Gelegenheit nicht entgehen lassen und 2003 nach jahrzehntelangen Diskussionen die erste Schaufel in die Hand genommen, somit also den Grundstein gelegt. Immerhin handelt es sich hierbei um ein rund 6 Milliarden Euro-Projekt (an welchem auch Berlusconis Fininvest S.p.A. fleissigst mitmischt). Da ist einem der Platz in den Geschichtsbüchern sicher. Wie bei allen anderen Grossprojekten sind die Kosten explodiert – gerade in der Gegenwart hat Italien schwer daran zu beissen. Ausgerechnet der Bürgermeister Venedigs ist MOSE’s grösster Kritiker: “Ich habe schon immer gesagt, dass das Projekt außergewöhnliche finanzielle Schwierigkeiten für mindestens 15 Jahre bringen wird!” (Massimo Cacciari zur italienischen Nachrichtenagentur ANSA). Deshalb wurden Alternativvorschläge erarbeitet und nach Rom weitergeleitet. Doch bestehen alle erforderliche Genehmigungen. Um das Projekt noch zu stürzen, müsste ein Gesetz verabschiedet werden. Dann wären all die bisher verbauten Milliarden umsonst gewesen.
Die Baubewilligung erhielt der private Konzessionär Consorzio Venezia Nuova. Dahinter stecken neben der Wasserbehörde Venedig auch das Ministerium für Infrastruktur, 70 Baufirmen sowie jede Menge Investoren und Verwaltungsträger. Die Europäische Investitionsbank hatte die Kosten mit 1,5 Mrd. für die Bauarbeiten und 4,7 Mrd. Euro für die Umweltaspekte aufgelistet. Nach Art. 267 c des EG-Vertrages fällt dieses Projekt in die vorrangigen EU-Ziele und wird deshalb von Brüssel mitfinanziert. Auch aufgrund der Tatsache, dass die Bauxitlagerstätten versiegelt und die Marschgebiete erhalten bleiben, was sich sehr förderlich auf die Umwelt auswirken soll.
Nicht weniger als 78 Stahlmodule (jeweils fünf Meter dick, 20 Meter breit und bis zu 30 Meter hoch, 250 Tonnen schwer) dienen dabei einerseits als Wellenbrecher, andererseits als mobiles Sperrwerk. Die Spundwände wurden mit deutschem Stahl der Firma HSP Hoesch Spundwand und Profil GmbH geliefert (15.500 Tonnen), Spezialrohre von der ebenfalls deutschen Firma EUROPIPE (7.700 Tonnen). Damit das Ökosystem der “Göttlichen Republik” (Johann Wolfgang von Goethe) nicht nachhaltig geschädigt wird, sollen die Tore bei Hochwasser oder Sturmereignissen geschlossen – danach jedoch wieder geöffnet werden. Ansonsten liegen sie unsichtbar am Meeresgrund auf ihrem Beton-Fundament. Die heutigen Möglichkeiten machen eine Hochwasser-Ankündigung rund 24 Stunden vor dem eigentlichen Ereignis möglich. Bislang wurde die Bevölkerung durch Zeitungen oder Schilder (“Acqua alta”) vorgewarnt. Drei bis vier Stunden vor dem Wasser ertönen dann in der ganzen Stadt die Warnsirenen. Dann werden die Stege befestigt, die dafür sorgen, dass die Stadt auch weiterhin begehbar bleibt. Die Venezianer sind es inzwischen gewohnt. Dies alles soll durch MOSE künftig nicht mehr notwendig sein. Steigt der Wasserspiegel auf einen Meter über Normalnull, so wird computergesteuert Luft in die Kästen gepumpt, die dadurch hochfahren. Vom Anblasen bis zur fertigen Wehr in nur 30 Minuten!
Geologen, Klimaforscher und Umweltschützer befürchten die nachhaltige Zerstörung des Ökosystems der Lagune. Müssen die Tore längere Zeit geschlossen bleiben, so ist das Wasser innerhalb kürzester Zeit verseucht, da auch die Industrie Abwässer in die Lagune leitet. Daneben wird die Verlandung begünstigt sowie die Tier- und Pflanzenwelt nachhaltig geschädigt. Sie fordern das Ausbaggern der versandeten Kanäle. Doch dies wird bereits seit Jahren mit einem jährlichen Aufwand von 20 Millionen € durchgeführt. Ausserdem sollten die tieferen Teile der Stadt höher gelegt und die Betonverschalungen stark betroffener Stellen forciert werden. Auch das wird bereits erledigt – so etwa beim Piazza San Marco. Trotzdem ist man frohen Mutes, dass die Bauarbeiten an MOSE spätestens 2014 beendet werden können. Schliesslich tun ähnliche Bauwerke ja auch in London (Thames Barrier) und Rotterdam (Maeslant-Sturmflutwehr) seit Jahren gute Dienste. Auch grosse Werften verwenden diese Technik für ihre Docks. Doch: Was wenn Korrosion und Versandung ein Ausfahren der Stahl-Riesen verhindern? Oder gar: Sie verklemmen ineinander!
Dann könnte Wasser helfen! Ohne Scheiss!!! Eine Ingenieursgruppe rund um Giuseppe Gambolati präsentierte dieses Projekt. In einem Umkreis von rund 10 km sollen rund um die Lagunenstadt 12 Löcher mit jeweils 30 Zentimeter gebohrt werden. Dann wird Meerwasser in rund 750 m Tiefe gepumpt, wodurch sich die Bodenschichten heben sollen und Venedig wieder auf jene Höhe gebracht wird, die die Stadt vor rund 300 Jahren hatte. Kosten: Über 100 Millionen Euro! Problem: Jeder, der schon mal einen Luftballon gefüllt hat, um daraus eine Wasserbombe zu machen, weiss, wie sich das Wasser verteilt. Deshalb besteht die Gefahr, dass sich die Stadt unregelmässig hebt, was in der Wirkung einem starken Erdbeben gleichkäme! Die Stadt würde in sich zusammenfallen.
Venedig besteht aus über 100 Inseln, die durch über 400 Brücken miteinander verbunden sind. Als Strassen dienen über 150 Kanäle. Die Palazzi selbst (Dogenpalast, Campanile, Basilica di San Marco etwa) oder das, was sich darin befindet, ist von unschätzbarem Wert. Jährlich besuchen über 20 Millionen Touristen aus aller Welt die Lagune, um sich unter der Seufzerbrücke zu küssen, sich auf einer Tagung fortzubilden oder sich die Filmfestspiele bzw. den Carneval anzusehen. Was Venedig früher so stark machte – die Unangreifbarkeit aufgrund des umgebenden Wassers – wird nun zum Fluch. Derzeit wohnen gerade noch 60.000 Menschen in der Stadt auf den Pfählen (Eiche, Erle oder Pappel). Es werden von Jahr zu Jahr weniger! Der Tourismus als demografischer Killer! Die Mieten werden unerschwinglich, die Kosten für das tägliche Leben liegen fernab von gut und böse (zum Einkaufen wird auf’s Festland gefahren), für Jugendliche wird nichts geboten (das Durchschnittsalter liegt inzwischen bei 46 Jahren,…) und 58.000 Tonnen Müll jährlich stinken zum Himmel (sehr viele Touristen bringen ihre Lunch-Pakete selbst mit).
Zuletzt noch eine dramatische Berechnung der Klimatologen: Bereits im Jahr 2100 könnte der Meeresspiegel um rund 50 cm höher liegen als derzeit. Dann müssten diese “Mauern von Jericho” beinahe jeden zweiten Tag hochgefahren werden!

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Na Süsser – wie wär’s???

Riesenstunk zuhause – ich halte es nicht mehr aus – habe die Jacke angezogen – muss weg! Einfach nur raus! Setze mich in mein Auto und fahre zwei Stunden lang ziellos durch die Gegend. Innerlich brodelt es gewaltig. Dabei stellt sich mir ständig die gleiche Frage: Was habe ich falsch gemacht? Ich halte das Auto am Strassenrand an, steige aus, lehne mich an den rechten Kotflügel, zünde mir eine Zigarette an. Plötzlich höre ich eine Stimme: “Na? Stress daheim? Kann ich Dich trösten?” Eine leicht beschürzte Frau, bibbernd am ganzen Körper, ihre Lippen sind schon ganz blau, steht plötzlich neben mir! Ich schau’ sie erschrocken an, blicke mich um und merke jetzt erst, wo ich bin: Am Strassenstrich! Wie um Himmels Willen bin ich hierher gekommen?! Ich habe schon sehr viel vom Strassenstrich gehört – aber hier? Nein, hier war ich noch nie. Und ausserdem: Haben uns nicht die Medien und die Politiker eingepleut, dass es in unserem Bundesland keine Prostitution gibt? Die Frau tut mir leid. Ich lade sie ins Auto, wir fahren eine halbe Stunde, ich rede wie ein Wasserfall! Es war mit 100,- € meine bislang teuerste psychoanalytische Sitzung. Sex? Nein – in diesem Zustand will ich keinen! Doch sie hörte mir zu, war hübsch und antwortete auf meine Fragen – wenn auch sehr zurückhaltend. Sie kommt aus der Ukraine. Erwartete sich den goldenen Westen und muss jetzt anschaffen gehen. Doch – auch wenn sie sich und ihren Körper verkauft – es geht ihr hier besser als zuhause. Obwohl der Standplatz nicht günstig ist! Bevor sie wieder aussteigt, frage ich sie, ob sie das denn freiwillig macht!? Sie schenkt mir ein Lächeln und meint: “Du bist süss!” Danach verschwindet sie wieder im Dunkel der Nacht.
Vor zehn Jahren wurde in Deutschland das “Gesetz zur Regulierung der Rechtsverhältnisse der Prostituierten” (ProstG) in Kraft gesetzt. Unglaubliche drei Paragraphen – mehr nicht! Alter Schwede – da ist der Name des Gesetzes ja länger. Parallel dazu wurden auch § 180 a StGB (Ausbeutung von Prostituierten) und § 181 a StGB (Zuhälterei) insofern geändert, dass “das Schaffen eines angemessenen Arbeitsumfeldes nicht mehr strafbar ist, solange nicht eine Ausbeutung von Prostituierten stattfindet!” Oh mein Gott – welch glorreiche Gesetzesgebung!
Keine Frage, das Rotlichtmilieu gehörte schon längst legalisiert, da seit grauen Vorzeiten alles nur schieflief, was nur schieflaufen konnte. In Deutschen Landen gehen geschätzte 150.000 Frauen der Prostitution nach. Will ein Freier nicht bezahlen, so ist dies seit zehn Jahren einklagbar. Doch verlangen die Damen des waagrechten Gewerbes ohnedies ihren “Lohn” als Vorkasse im Vorhinein. Und wie sieht es bei ihren Beschützern aus? Ab wann wird die Grenze zur Ausbeutung überschritten? Grosser Vorteil dieses Gesetzes: Das älteste Gewerbe wird auch tatsächlich zum Gewerbe. Prostituierte können sich nun versichern (Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung). Ob sie dies tun oder nicht!? Doch auch die Mindestzahlungen müssen erst mal reingeholt werden, neben der Miete des Arbeitsplatzes und des Schutzes vor ungerechtfertigter Konkurrenz. Das Gesetz ist seit dem 01. Januar 2002 gültig und soll hauptsächlich Licht in das Milieu bringen. Die Prostitution ist somit in Deutschland nicht mehr nach § 138 Abs. 1 BGB sittenwidrig – in anderen Teilen Mitteleuropas hingegen sehr wohl – mehr hierzu etwas später.
Dies alles aber hatte das Verwaltungsgericht Berlin bereits vor des Inkrafttretens des ProstG auf legale Bahnen gebracht: So dürfe etwa die “staatliche Verpflichtung zum Schutz der Menschenwürde”, im Grundgesetz im Artikel 1, Abs. 1 Satz 2 enthalten, nicht insofern gedehnt werden, dass der Einzelne vor sich selbst geschützt werden müsse. Interessant hingegen bleibt die Frage, was geschieht, wenn der Kunde mit den versprochenen Dienstleistungen nicht zufrieden ist? Gleichzeitig wurden zuletzt immer mal wieder Meldungen laut, wonach verdiente Mitarbeiter von beispielsweise Versicherungsunternehmen als Einmal-Provision sozusagen auf Kosten des Hauses in den Sexurlaub geschickt wurden. Erkennt dies das Finanzamt an? Ach ja – wie sieht es bei einer “Kündigung” aus? Frage beim Arbeitsamt: “Was haben Sie gelernt?” bzw. die Gretchenfrage: “Wollen Sie sich umschulen lassen?”
Das ProstG sagt eigentlich hierzu: Ja! “Emma” – das Emanzenblatt – oh Verzeihung, “die Zeitschrift von Frauen für Frauen” kritisiert das Gesetz deshalb, da damit vornehmlich die Zwangsprostitution begünstigt werde. Doch ist Prostitution grundsätzlich bei “Emma” verschrien!
Deutschland hat hier völlig neue Wege beschritten. Ähnliche Gesetze gibt es nur in den Niederlanden und Australien. In der Schweiz wird derzeit noch darum gefeilscht, ob Prostituierte nur mit Arbeitsvertrag ihren Diensten nachgehen dürfen. Dort ist die Prostitution zwar seit 70 Jahren legal, jedoch sittenwidrig, wodurch auch keine Arbeitsverträge abgeschlossen werden können! Hallo? In Österreich tanzt die Bundesregierung lieber auf dem Opernball und überlässt entsprechende Gesetze den Bundesländern. So habe ich auf der Fahrt an die Adria vor langer Zeit einst ein Haus mit roten Laternen ausfindig gemacht. Auf meine kindlich naive Frage hin, ob dies denn für Osttirol die neue innovative Aussenbeleuchtung darstelle (denn Insekten stehen auf Blau-Anteile des Lichts), wurde mir nur gesagt, dass wir soeben die Bundesländergrenze zwischen Tirol und Kärnten hinter uns gelassen hätten und dies ein Bordell sei. Keine zehn Meter hinter der Landesgrenze! Im westlichsten Bundesland des Alpenstaates (Vorarlberg) bleibt die Prostitution auch weiterhin unerwünscht. Dabei kümmert sich niemand darum, dass so manch einer über die Grenze in’s benachbarte eidgenössische Rheintal fährt und sich dort das holt, was er offenbar braucht, während er zuhause gegen mögliche heimische Bordell-Standorte wettert – auf das Bitterböseste wettert! Ich glaube, das nennt sich dann wohl “Doppelmoral”! Der aktuell letzte Antrag auf die Betriebsbewilligung eines Bordells wurde Ende Januar mit 7:1 Stimmen im Stadtrat von Hohenems abgelehnt, obwohl sich die Bürger im Vorfeld gar aufgeschlossen gezeigt haben. Also geht die “gewerbsmässige Unzucht” (exakter Wortlaut aus dem Vorarlberger Sittenpolizeigesetz) am “Hausfrauenstrich” weiter. In geschätzten 75 bis 100 Geheimbordellen.
Doch zurück nach Deutschland! Anlässlich des zehnjährigen ProstG-Jubiläums werden Gegenstimmen laut: So meinte etwa kürzlich der Rechtsexperte der CSU, Stephan Mayer gegenüber der Bild-Zeitung, dass die Regelung ein Fehler war. Das Gesetz habe gar zu einer Zunahme der Verbrechen im Rotlichtmilieu geführt. Er befürworte deshalb eine strengere Handhabung der drei (respektive fünf) Paragraphen. Ist das dann ein “Handjob”? Unterstützung erhält der Bayer auch von der Polizeigewerkschaft. Dort heisst es, dass es heutzutage mehr Zuhälter gebe als zuvor. Und das Ganze auf legaler Basis! Das Gesetz stelle ein Hindernis bei der Bekämpfung des Menschenhandels und der organisierten Kriminalität dar! Dies weist auch eine Studie der EU-Kommission aus: Demnach ist der Menschenhandel in 150 Staaten dieser Erde im Zusammenhang mit der Zwangsprostitution stark angestiegen. Besonders schlimm soll die Lage in den Grenzregionen von Frankreich, Tschechien und Polen sein. In Bozen/Südtirol ist erst diese Woche ein rumänischer Zuhälterring aufgeflogen. Jungen Rumäninnen wurde ein Pflegejob in Italien in Aussicht gestellt. Teilweise wurden sie noch an ihrem Ankunftstag mit Gewalt zur Prostitution gezwungen. Oder es wurde ihren Familien in der Heimat gedroht. In Hamburg flog vor einem Jahr eine ganze Zuhälter-Familie (3 Generationen) auf, die Slowakinnen mit einem  Kellnerjob köderten, diese dann prostituierten und ihnen alle Einnahmen wegnahmen. Die Frauen waren teilweise sogar schwanger.
Gegner des ProstG untermauern ihre Einstellung mit der Situation in Schweden. Dort ist nicht die Prostitution, sondern die Nutzung derselben verboten. Dadurch werden nicht die Sexdienerinnen entkriminalisiert, sondern die Freier kriminalisiert. Hier sei der Menschenhandel über sechs Mal geringer als in Deutschland (im Vergleich zu den Bevölkerungszahlen). Doch sind die Fähren in die baltischen Staaten voll mit Männern auf der Suche nach dem gewissen etwas (“Schatz – ich bin dann mal kurz weg!”).
Das Gesetz sollte eine Entkriminalisierung des Gewerbes bringen. Diese Pläne aber schlugen ganz offenbar fehl. Nach wie vor hält die Unterwelt ihren Daumen drauf. Ausserdem bestehen Sonderregelungen im Aufenthalts-, Ordungs- und schliesslich Strafrecht, was nicht wirklich für eine Legalisierung spreche, heisst es auch beim Verein Dona Carmen, der sich für die Rechte der Prostituierten in Deutschland einsetzt. Zuhälter könnten mit Flatrates werben, da Bordelle als Gewerbebetriebe angemeldet werden können. Die Angestellten werden dadurch zu Fliessbandarbeiterinnen. Ein schwerwiegendes Problem stellt ausserdem der Missbrauch Minderjähriger als Sexsklavinnen dar. Bei der Prostituierten-Selbsthilfe Kassandra aus Nürnberg ist ausserdem zu erfahren, dass der Bordellbetreiber zwar den allgemeinen Umgang mit Kunden, den Arbeitsplatz und die Berufskleidung, jedoch nicht die Sexpraktiken der Frauen bestimmen könne. Dies widerspreche dem sexuellen Selbstbestimmungsrecht der Damen.
Deshalb diskutiert Deutschland derzeit auch so heftig über die Rücknahme des Gesetzes. Bleibt die grosse Befürchtung, dass die sexuellen Übergriffe (Vergewaltigungen etwa) damit zunehmen werden. Ausserdem: Was geschieht mit jenen Frauen, die den legalen Weg gegangen sind und sich angemeldet haben? Daneben bezahlen diese ja auch Abgaben. Liefe alles in geordneten Bahnen, brächte dies Millionen an Steuereinnahmen und kriminalisiere jene Hausfrauen, die sich rasch etwas nebenbei verdienen. Eine Lösung der mehr als prekären Situation wäre vielleicht die Strafbarkeit von Freiern, die die Dienste von illegalen Anbietern nutzen – geschmuggelten Frauen etwa.
Auch im Schweizer Kanton Bern steht man vor durchaus grossen Entscheidungen. Hier wird versucht, das Beispiel Deutschland anders und damit positiv umzulegen, wodurch der Kanton der erste deutschsprachige Kanton der Eidgenossen darstellt, der dieses heikle Thema konkret angeht.  Andere werden folgen, da im kommenden Jahr das neue Erwachsenenschutzrecht des Bundes in Kraft tritt. In Zürich will der Stadtrat den Strassenstrich am Sihlquai aufheben und auf einen betreuten Strichplatz in Altstetten verlagern (Kosten: 2,4 Mio Franken). Dort sollen dann Sexboxen eingerichtet werden, in die mit dem Auto hineingefahren werden kann. Auf der Beifahrerseite besteht aus Sicherheitsgründen ein Fluchtweg, während der Fahrer nicht aussteigen kann. Ein Weg, den immer mehr Städte einschlagen. Auch in Frankfurt gibt es in einem Wohnmobil in der Theodor-Heuss-Allee nicht nur Hygieneartikel sondern auch Beratung für die Damen. Und jetzt im Winter auch heissen Tee und Sandwiches. Essen, Köln – hier ging das Konzept des Strichplatzes auf. Geschlossen wurde jener in Dortmund, da sich hier zusehends mehr kriminelle Banden der Zone bemächtigten.
Viele Probleme wären schon längst gelöst, wenn eine neutrale Diskussion geführt werden könnte. Doch fürchten sich sehr viele Politiker, das Thema wohlwollend anzugehen, schliesslich könnte das Stimmen bei der nächsten Wahl kosten. Vor allem jene der biederen Hausfrauen. Also wird – wenn überhaupt – nur das Notwendigste in Angriff genommen. Alles andere bleibt liegen, da es am Image nagt. Leidtragende sind jene Frauen, welchen mit Kleinigkeiten aus dem Teufelskreis geholfen werden könnte, wenn sie rauswollen!!!

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Bewegung hilft bei Kälte

…das bekommen bereits all unsere Kinder mit auf den Weg. “Wenn Dir kalt ist, dann hüpfe von einem Bein auf das andere und schon ist Dir wieder warm!” Dieser uralte Tipp aus Grossmutters Lebensweisheiten-Schatulle stimmt tatsächlich. Durch die Bewegung werden die Muskelgruppen aktiviert, die Energieproduktion gesteigert (Verbrennung in den Mitochondrien), der Kreislauf wird angeregt.
Was für den Menschen, gilt selbstverständlich auch für des Deutschen zweitliebstes Hobby: Seinem Auto! Die beiden Russland-Hochs Cooper und Dieter haben den Fortbewegungs- und Transportmitteln gar gewaltig zugesetzt. Ist auch kein Wunder, sind sie doch tagelang Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und des nächtens gar Tiefstwerten von bis zu -30 Grad ausgesetzt. Am meisten darunter zu leiden haben Gummiteile (wie etwa Dichtungen) und die Autobatterie. V.a. nach dem Wochenende, wenn der Stolz des Besitzers für drei Tage im Freien gestanden ist, haben viele den “Anlass-Jodler” von Fredl Fesl kennenlernen dürfen. Manch einer kam ohne fremde Hilfe gar nicht mehr vom Fleck. Selten zuvor waren die “gelben Engel” der Autofahrerklubs dermassen ausgebucht, wie in den letzten Tagen. Zeitweise brachen die Hotlines zusammen. Alleine am Freitagmorgen gingen pro Viertelstunde etwa 9.000 Anrufe beim ADAC ein, heisst es aus München. Pro Tag beispielsweise müssen die Pannenfahrer des ÖAMTC Tirol rund 1.000 Mal ausrücken. Auch beim ADAC sind Mitarbeiter bereits aus dem Urlaub zurückgeholt worden. Derzeit stehen 1.700 Pannenfahrer im Dauereinsatz. Alleine in Bayern wurden am Donnerstag 27.512 Einsätze gezählt. Es war der zweitstärkste Einsatztag seit Bestehen. Nur am 21. Dezember 2009 wurde dies noch übertroffen (28.672 Einsätze). In 85 Prozent der Fälle liegt es an den Batterien. Sind die Elektriker unter der Haube älter als vier Jahre, sollte auf jeden Fall vor dem Wintereinbruch ein Ladungszustands-Check durchgeführt und nicht mehr einsatzfähige Modelle ausgemustert werden. Je höher eine Batterie aufgeladen ist, desto weniger störanfällig ist sie. Ansonsten kann es wirklich geschehen, dass sich beim Drehen des Autoschlüssels nichts mehr tut! Und je häufiger eine Batterie entladen wird, desto kürzer ist ihre Lebensdauer.
Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt kommen noch zwei andere, schwergewichtige Tatsachen hinzu: Das Motor- und Getriebe-Öl wird zähflüssig (viskos) – es kann nicht mehr optimal jenen Schmierfaktor erfüllen, für welchen es vorgesehen ist. Damit benötigt auch der Anlasser mehr Energie. Hierdurch kann es nach Angaben des ADAC zu Problemen beim Antriebsverbund und schliesslich zu Defekten kommen. Daneben laufen auch die chemischen Vorgänge in den Autobatterien anders ab.
Um dies erklären zu können, werfen wir einen Blick in das Innenleben dieser hochsensiblen Gerätschaften. Der herkömmliche 12-Volt-Bleiakkumulator besteht aus sechs in Reihe geschaltenen Zellen, die jeweile rund 2,11 Volt erzeugen. Dabei ist der Plus-Pol mit dem Minus-Pol der nächsten Zelle verbunden. In jeder Zelle befinden sich positive und negative Platten (meist Metallgitter), die ebenfalls miteinander verbunden und durch dunne isolierende Schichten (Separatoren) voneinander getrennt sind, damit es zu keinem Kurzschluss kommt. Gefüllt wird der Akku mit einem verdünnten Schwefelsäure-Elektrolyt. Die chemische Reaktion zwischen dem Elektrolyt und den Metallplatten liefert nun die Energie. Ionen (elektrisch neutral)  fliessen zwischen den Batterieplatten, Elektronen negativ geladen) im äusseren Schaltkreis – die Batterie entlädt sich:

PbO2 + Pb + 2H2SO4 ? 2PbSO4 + H2O

Die Ladung ist genau der Revers-Vorgang:

2PbSO4 + H2O ? PbO2 + Pb + 2H2SO4

Eine Autobatterie ist dann leer, wenn die aktive Masse in den Platten keinen Entladestrom mehr halten kann. Geschieht nach einigen Jahren durch Korrosion automatisch. Durch die Lade- und Entladezyklen (Ausdehnung und Kontraktion) jedoch kann sich am Boden des Akkus eine brauner Ablagerung (“Schlamm”) bilden, der zu einem Kurzschluss und damit ebenfalls dem vorzeitigen Ende der Batterie führen kann. Doch auch Wasserverlust zerstört den Energiebringer. Dies kann durch mangelhafte Wartung oder Verdunstung (etwa bei grosser Hitze) geschehen. Auch eine Überladung ist sehr gefährlich. Dabei gerät das Elektrolyt zum Kochen, es entstehen grosse Mengen an Sauerstoff und Wasserstoff. Deshalb müssen Batterien bereits während des Ladevorganges be- und danach entlüftet werden. Wird Starthilfe gegeben, so sollte – sobald der Motor läuft – die Heizung eingeschaltet werden, damit es nicht zu einer Überladung kommt. Sinkt nun der Ladezustand für längere Zeit unter 100 %, so führt diese Unterladung zu einer Sulfatierung. Dabei verstopfen grosse Bleisulfatkristalle die Poren der Platten. Hierdurch wird ein Wiederaufladevorgang sinnlos.
Wird nun der Schlüssel im Zündschloss gedreht, so erfolgt durch die Zündung, die Freigabe von Gleichstrom an den Starter. Solche Starterbatterien gibt es etwa bei den Autos oder Motorräder (rund 88 % Anteil). Elektromotoren haben sog. “zyklenfeste Antriebsbatterien” (auch als “Traktionsbatterien” bekannt – 8 % Anteil). Für Speicherzwecke (USV, Standby,…) gibt es die “stationären zyklenfeste Batterien” (4 % Anteil).
Sehr viele Autobatteriehersteller kritisieren die Rückgabe der Batterien im Rahmen der Garantie, da der Grossteil davon noch voll funktionstüchtig ist, aber nicht fachgerecht aufgeladen wurde. Der Handel ist übrigens gesetzlich dazu verpflichtet, gebrauchte Batterien wieder zurückzunehmen. Europaweit trat hierzu die Richtlinie 2006/66/EG bzw. deren Änderung durch die Richtlinie 2008/12/EG in Kraft. In Deutschland gilt das “Batteriegesetz”, in Österreich die “Batterieverordnung zum Abfallwirtschaftsgesetz”, in der Schweiz der Anhang 4.10 der “Stoffverordnung”. Die Rücklaufquoten belaufen sich in Österreich auf 44 %, in Deutschland auf 39 % (14.500 Tonnen Altbatterien und gebrauchte Akkus im Jahr 2010). Bei Starterbatterien wird zumeist Pfand eingehoben, wenn keine alte Batterie beim Kauf abgegeben wird. Die grösste Anlage für Batterierecycling Deutschlands befindet sich in Bremerhaven. Österreichische Zink-Kohle- bzw. Alkali-Mangan-Batterien werden bei der Fernwärme Wien recycelt, Knopfzellen und Akkus hingegen in entsprechenden Anlagen in Schweden, Frankreich und Deutschland. Batterien und Akkus können also durchaus – zumindest zum grössten Teil – wiederverwertet werden. Trotzdem landen in Deutschland jährlich rund eine Milliarde Batterien im Müll. Das ergibt:

4.700 Tonnen Zink
1.500 Tonnen Nickel
700 Tonnen Cadmium
7 Tonnen Silber
3 Tonnen Quecksilber

Wichtige Rohstoffe, aber auch gefährliche Umweltgifte! Zum Sondermüll gibt’s vielleicht später mal einen Blog.
Interessant ist die weitere Entwicklung am Autosektor. Elektroautos werden vornehmlich durch Lithium-Ionen-Batterien angetrieben. Sie weisen eine hohe Energiedichte bei relativ leichtem Gewicht auf. Doch werden nach Expertenmeinung bereits im Jahre 2050 alle Lithium-Vorräte dieser Erde aufgebraucht sein. Somit ist ein fachgerechtes Recycling in diesem Bereich ein absolutes Muss! Für das Recycling von Starterbatterien hat etwa das Unternehmen Johnson Controls mit “ecosteps” eine Möglichkeit gefunden, möglichst viele der verwendeten Rohstoffe wiederzugewinnen. Blei etwa zu vollen 98 %, das in den Produktionskreislauf wieder anstandslos eingebunden werden kann!
Trotzdem sollten Sie regelmässig Ihre Autobatterie checken lassen. Gut gewartet, haben Sie nicht nur eine längere Freude damit – Sie tun auch der Umwelt etwas gutes und helfen zusätzlich, die Preise stabil zu halten! Bevor Sie eine neue Batterie kaufen, lassen Sie die alte überprüfen. Vielleicht muss sie ja nur fachgerecht aufgeladen werden.
Und hier noch einige Tipps für den kalten Autofahrer-Winter:
- keine Waschanlage! Hierdurch können Türschlösser und auch die Türen selbst vereisen
- purer Wischerfrostschutz! Bei einer hausgemachten Mischung kann das Wasser nach wie vor einfrieren – spätestens auf der Windschutzscheibe. Die Sicht ist plötzlich bei null
- Nachfüllen von Kühlerfrostschutz! Gefriert das Kühlwasser, so können Schläuche platzen oder gar der Kühlergrill Risse bekommen
- kein warmes Wasser für vereiste Scheiben! Dadurch dehnt sich die gewärmte Glasstelle aus, die kalte hält dagegen – es kann zu Rissen in der Scheibe kommen (Temperaturschock)
- Rundum-Sicht! Riskieren Sie keine Geldstrafe, sondern kratzen Sie alle Scheiben frei (keine beheizbaren Eiskratzer!)
- Türschlossenteiser! Die beheizbaren sind meist nutzlos! Hier hilft leider nur die Chemiekeule!
- Schmutzentfernung! Befreien Sie Lampen und Kennzeichen von Schmutz und Schnee! Auch auf dem Autodach oder der Kühlerhaube hat die weisse Pracht nichts verloren! Im schlimmsten Falle löst sich das Eis/der Schnee im Tunnel und knallt auf die Windschutzscheibe des nachfolgenden PKW
- Winterreifen sollten eigentlich im Winter selbstverständlich sein
- Führen Sie bei längeren Fahrten immer entweder eine Decke oder einen Schlafsack und Proviant mit, wenn Sie irgendwo liegenbleiben, können Sie sich einlümmeln und haben etwas zu essen und zu trinken. Die Getränke aber beim Aussteigen auf jeden Fall mitnehmen, da sie ansonsten gefrieren – dann haben Sie den Schlamassel im Auto. Auch Handschuhe und ein gutes Schuhwerk sollten zur Ausrüstung des winterlichen Autofahrers gehören.

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Gequält bis auf’s junge Blut

Wissen Sie, wann mir Tränen in die Augen kommen? Bei Gewalt gegen Kinder bzw. gegen Tiere! Wird beides noch kombiniert zur Quälerei gerade erst Geborener, dann steigt in mir die blanke Wut auf.
In der Steiermark/Österreich ermittelt derzeit das Landeskriminalamt gegen ein Betrügerpärchen, das seit drei Jahren günstig in osteuropäischen Ländern vorwiegend Kampfhunde-Welpen erstand um sie dann für jeweils 300 bis 500 € teuer am europäischen Markt verkaufen zu können. Angeblich als gesunde, geimpfte, gechipte und entwurmte Jungtiere. Doch stellt sich bei jedem Aufgriff immer wieder fest, dass die Papiere, die dies belegen sollen, durchwegs gefälscht sind. In diesem Fall ist der untersuchende Tierarzt schlichtweg ein Produkt der Phantasie. Viele der Tiere befinden sich in einem katastrophalen Zustand und müssen kostenintensiv aufgepäppelt bzw. teilweise gar eingeschläfert werden. Auch das mit der Zucht ist nicht immer wortwörtlich zu nehmen. Trotz Zuchtnachweis erwiesen sich einige der Pitbulls, Bulldoggen bzw. Hirtenhunde als doch nicht so reinrassig. Die steirischen Betrüger boten die Tiere auf der Internet-Plattform willhaben.at an. Der Verkauf wurde dann an Rasthäusern oder Tankstellen entlang der A2 (Südautobahn) abgewickelt.
Nur eines von vielen Beispielen. Auch in Wien oder am Bodensee sind immer wieder Betrüger aktiv. Proteste gab es ferner vor einigen Tagen vor einem Zoogeschäft in Duisburg. Hier werden Hunde-Welpen offiziell verkauft. Doch betonen Tierschutzorganisationen (darunter auch Vier Pfoten), dass eine Sozialisierung der Tiere nur unter grossen Anstrengungen möglich sei und Mitleidskäufe sehr rasch im Tierheim enden. Die Besitzer der Zoohandlung weisen die Vorwürfe zurück: Die Tiere sollen artgerecht gehalten werden.
Das Geschäft mit den putzigen, kleinen Kerlchen boomt. Immer wieder fallen Familien auf die Machenschaften solcher Tierquäler herein. Der erste Besuch beim Tierazrt lässt dann so manch Einen laut aufschreien. Sündhaft teure Behandlungen und unheimliche Probleme bei der sog. “Sozialisierung” der Tiere lassen viele der angeblichen Tierfreunde zu einem weiteren Fehler als Lösung greifen: Der Abschiebung des armen Geschöpfs ins Tierheim! Die kleinen Tiere werden teilweise vier Wochen nach der Geburt ihrer Mutter weggenommen und ständig weitergereicht. Oftmals bekommen sie nichts zu futtern bzw. zu trinken und müssen unglaubliche Qualen durchstehen. Insider sprechen von einer 40%-igen Todesrate – und dies noch vor dem Verkauf. Doch gerade in dieser “Prägungsphase” benötigt das sehr junge Tier ein ruhiges Umfeld und feste Bezugspersonen. Ansonsten drohen schwere psychische Schäden, die durch unsachgemässe Tierhaltung auch durch physische Schäden ergänzt werden (die kleinen Tiere leben häufig im eigenen Kot oder Schmutz, die Augen sind verklebt, Wunden eitrig, übersäht mit Flöhen, Milben und Ungeziefer, durch Würmer aufgebläht). Deshalb halten sich auch die meisten Mitglieder des Zentralverbandes Zoologischer Fachbetriebe e.V. in Deutschland an das ungeschriebene Gesetz, dass Welpen nicht in den Zoofachhandel gehören. Im Falle dieser Zoohandlung konnte Vier Pfoten nachweisen, dass einige der Tiere ebenfalls von dubiosen Quellen aus Osteuropa stammen, obwohl der Unternehmer betont, dass nur Welpen aus Deutschland verkauft würden, die zuviel “produziert” wurden. Das Tier als Ware! Dass dahinter ein lebendes Geschöpf mit Angst und Schmerzen steckt, das ist den Hundevermehrern egal! Auch auf dem ansonsten so schönen Markt “La Batte” in Lüttich werden Welpen in sog. “Puppyshops” in unglaublichen Zustand angeboten.
Experten raten grundsätzlich vom Kauf solcher jungen Tieren ab. Einerseits wird der Handel nie aufhören, wenn es nach wie vor Abnehmer gibt, andererseits platzen die Tierheime aus allen Nähten. Entscheidet man sich für einen reinrassigen Hund, so sollte der heimische Züchter aufgesucht werden. Die Jungtiere können dabei gemeinsam mit dem Muttertier besichtigt werden. Daneben sind die Züchter selbst bestrebt, den heimischen Anforderungen zu entsprechen, da sie ansonsten einen Ruf zu verlieren haben. Ausserdem können im Vorfeld Informationen bei Tierärzten und dem Zucht-Verband eingeholt werden. Diese Sicherheitsmassnahmen entfallen bei einem Kofferraum-Kauf.
Der Hund ist neben der Katze das beliebteste Haustier der Deutschen und Österreicher. Alleine in deutschen Haushalten leben rund 5,4 Mio Hunde – im besten Falle als Mitglied der Familie. Doch ähnlich wie beim Auto ist auch der Vierbeiner inzwischen zum Statussymbol geworden. Mischlinge sind nicht überall gerne gesehen – es muss ein reinrassiger Hund sein. Diese allerdings sind nicht immer erschwinglich, weshalb gerne auf dubiose Angebote zurückgegriffen wird. Die Staatsanwaltschaft betont, dass mancherorts Tierärzte und -händler unter einer Decke stecken und aus einem polnischen Mischling ein reinrassiger deutschen Zuchthund gemacht würde. Nicht nur in Polen, sondern auch in Tschechien, Ungarn, Kroatien und Rumänien werden Welpen für den Westen förmlich wie auf dem Fliessband produziert. Nach Angaben der Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins, Madeleine Petrovic, haben sich in Ungarn ganze Dörfer auf die Welpenzucht spezialisiert. Wöchentlich passieren Dutzende Welpentransporte die österreichisch-ungarische Grenze mit Ziel Deutschland.

(Quelle: Vier Pfoten)

Ähnlich wie bei der Geflügel-Massenhaltung werden die Tiere in Ställen ohne Licht auf blankem Stein- oder Erdboden gehalten. Den Zwinger haben sie meist nie verlassen. Zu Fressen gibt es wenn überhaupt nur vergammelte Schlachtabfälle oder trockenes Brot. Fleisch oder Knochen – nicht für diese bedauernswerten Lebewesen. Es überleben nur die härtesten – unter unvorstellbaren Qualen. Die Muttertiere sind Produktionsmaschinen, wobei auch auf Inzucht keinerlei Rücksicht genommen wird. Nicht selten werden die Jungtiere mittels Kaiserschnitt entnommen. Tierärzte berichten bei als “untauglich” ausgemusterten Hunden von grossen ungewöhnlich verwachsenen und mehrfach verdickten Narben, die darauf schliessen lassen, dass dies nicht von einem ausgebildeten Tierarzt gemacht wurde. Zuvor mit Hormonen fitgespritzt ist die Gebärmutter sehr vieler dieser Tiere mit eitrigen Zysten und Wucherungen übersät, die auf unheimliche Schmerzen bei der “Produktion” schliessen lassen. Nicht selten sind die Muttertiere mit schon vier oder fünf Jahren nutzlos, werden abgeschoben oder verhungern.
In Deutschland oder Österreich werden die Baby-Tiere dann zumeist für ein Zehntel des heimischen Zuchtpreises verkauft. Ein Mordsgeschäft sagen auch die heimischen Amtstierärzte. In der Sendung “Zoom” im ZDF wurde folgender Beitrag gezeigt:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1537854/Illegaler-Welpenhandel#/beitrag/video/1537854/Illegaler-Welpenhandel

Doch gibt es auch unter den heimischen Anbietern einige, die meinen, den Ruf der Branche zerstören zu müssen. So entdeckten die Tierschutzorganisationen Vier Pfoten und Berner Sennenhunde in Not e.V. im Jahr 2009 einen Bauernhof, der als Insider-Tipp unter den Liebhabern dieser speziellen Hunderasse gilt. Ein Kamerateam von RTL war dabei und filmte die Zustände, die ebenfalls zum Himmel stanken: Die Hunde vegetierten zwischen Müll und angefressenen Tierkadavern. Auch Rinder, Hasen und Schweine wurden gehalten. Die Behörden agierten nur sehr schleppend – Nachbesserungstermine sollen durch den Betreiber nicht eingehalten worden sein.
Auch in Belgien, den Niederlanden und in Frankreich findet man ohne weiteres sog. “Hundefabriken”. Eingesperrt in viel zu kleinen Boxen in grossen Produktionshallen werden hier kleine Vierbeiner im Akkord produziert. Automaten übernehmen die Fütterung und die Wasserversorgung, sodass die Kosten möglichst gering gehalten werden können – Gewinn-Maximierung nennt sich dies wohl. Die Hündinnen werden zweimal pro Jahr belegt. Sollte die “Produktion” mal nicht mehr so gut laufen, werden sie ausgetauscht und/oder entsorgt. Auf Online-Plattformen bieten Händler einschlägige “Zuchtpakete” an. Dadurch ist dann auch immer wieder für Nachschub gesorgt.
Tierschützer, die auf solchen Hundefarmen zumeist verdeckt gewesen sind, erzählen von psychotischen kleinen und grossen Tieren, die verängstigt Schutz in einer Ecke ihres Zwingers suchen und teilweise nicht mal hervorkommen, wenn man ihnen Futter hinhält. Offene Wunden, verklebtes Fell, im eigenen Kot lebend und Wärme suchend. Jemand, der einmal die Augen dieser Tiere gesehen hat, wird sie niemehr vergessen! Deshalb zum Schluss auch mein Appell: Bitte kaufen Sie keine Hundewelpen von jemandem, den Sie nicht kennen; wo sie nicht wissen, wie diese Tiere gehalten werden! Lassen Sie sich das Muttertier beim Säugen der Kleinen zeigen! Verstösst es das Junge, dann kommt es in 99 % der Fälle nicht von diesem Muttertier. Daneben will ein seriöser Züchter Informationen über den zukünftigen Verbleib seiner Tiere haben. Entfällt dies, handelt es sich in beinahe allen Fällen um Geldmacherei und damit verbunden um Tierquälerei. Fordern Sie einen Kaufvertrag! Sind mehrere Rassen im Angebot, so handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen Händler, nicht Züchter, denn zweitere konzentrieren sich vornehmlich auf ein maximal zwei unterschiedliche Rassen. Wenn sie sich dauerhaft für einen Vierbeiner entschieden haben, so schauen Sie in dem einen oder anderen Tierheim oder bei heimischen Züchtern nach! Auch ein Mitleidskauf ist nicht das Richtige. Solange der Käufer da ist, wird diese Tierquälerei auch weitergehen! Bitte betreiben Sie Aufklärungsarbeit. Überzeugen Sie Bekannte, die sich ebenfalls einen Vierbeiner zulegen möchten, von den grauenvollen Umständen, in welchen die Hunde zumeist gehalten werden. Schauen Sie bitte nicht weg – schauen Sie hin und scheuen Sie nicht vor Anzeigen zurück. So muss etwa der gewerbliche Handel mit Tieren in Deutschland genehmigt werden.
Weitere Informationen erhalten Sie auch unter den folgenden Adressen:

www.vier-pfoten.de
www.peta.de
www.vdh.de
www.bmt-tierschutz.de
www.tasso.net
www.das-leid-der-vermehrerhunde.de
www.hinsehen-statt-wegschauen.de/
www.augen-auf-beim-welpenkauf.de
www. minimenhely.hu

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