Archive for März, 2012

Herrgott – fliesst da Geld

Rupert Murdoch hab’ Dank! In einer seiner grossen britischen Zeitungen standen dieser Tage nähere Infos zum anscheinend doch recht kostspieligen Cameron’sche Service “Essen auf Rädern” zu lesen! David Cameron ist der regierende britische Premierminister. So soll er regelmässig in seinem Amtssitz Downing Street 10 zum Dinner geladen haben. Doch nicht gefälligkeitshalber, sondern gegen harte Pfund Sterling. Verdeckt recherchierenden Journalisten der Sunday Times wurde dabei vom Tory-Schatzmeister eine solche Gefälligkeit für nicht weniger als 250.000 Pfund angeboten. Da muss jemand wie ich lange arbeiten für, weshalb ich es auch nicht für ein einmaliges Abendessen mit Her Royalness, der Queen oder dem US-Präsidenten Barack Obama zum Fenster rauswerfen würde. Letzterer übrigens verlost gerade im Wahlkampf solche Dinner für 2 Personen – alle Spender nehmen an der Ziehung teil! Ei der Daus – wie peinlich für die Konservativen der Insel. Sinn war es ja eigentlich, die Kriegskasse der Partei wieder aufzufüllen. Einige wichtige Namen aus der Banken- bzw. Hedgefonds-Ecke sowie Immobilieninvestoren finden sich auch auf jenen Listen wieder, die Cameron auf Druck der Öffentlichkeit nun präsentieren musste. Dies sei aber nur dreimal der Fall gewesen, beeilt sich der Premier hinzuzufügen. Der Steuerzahler habe dabei niemals in die Tasche greifen müssen. Was denn, wie denn? Koch- und Putzkolonne wurden ebenso wie der Einkauf von den Tories gestellt??? Der Schuldige, Peter Cruddas, ist inzwischen zurückgetreten. Die Labour-Party verlangt eine sofortige Aufklärung des Ganzen – damit hat auch das Houses of Parliament seinen Korruptionsskandal. Welcher Staat hat noch nicht – oder: Wer will nochmal???
Mein Gott – wo sind sie hin, die objektiven, die ehrlichen Politiker? Herr – wo hast Du sie versteckt? Die Einen gehen auf die Pirsch, die anderen fliegen in den Urlaub. Manch einer wohnt günstig, wenn nicht gar gratis, der andere erhält einen Geldkoffer! Wie sorgte doch damals der Fall Rabelbauer oder der Club 45 in der österreichischen Politik für grosses Unbehagen, da jeder befürchten musste, dass eine mediale Bombe gezündet werde und er seinen ach so geliebten und beheizten Sitz im Hohen Hause mit allen hiermit verbundenen Annehmlichkeiten dafür einbüssen könnte. Heute – wie es scheint – allerorts und bei allen Couleurs offenbar gang und gebe! Oder lassen Sie es mich mal anders ausdrücken: Hinhalten und gehen! Soweit also die moralischen Vorstellungen unserer Politiker, die allerdings zusehends durch Ausschüsse im Bundestag oder Nationalrat zunichte gemacht oder andererseits ad absurdum geführt werden. Na ja – der Wähler vergisst ja ohnedies so viel!
Damit aber zum eigentlichen heutigen Thema – der Parteienfinanzierung. Wie uns die Gegenwart immer wieder auf’s neue aufzeigt, gibt es nicht nur diese verdeckte Finanzierung. Diesen Geldfluss, den offiziell alle verdammen, allerdings die Taschen weit aufhalten, wenn es dann soweit ist. Auch der Grand Seigneur der deutschen Politik, Helmut Kohl, musste ja diesbezüglich schon mal aussagen – wegen verdeckter Parteispenden an die CDU. Und Kohl besass bislang so etwas wie einen Heiligenschein. Nein, werte Leserinnen und Leser – unsere Politiker bedienen sich auch noch ganz offiziell – zumindest was die Finanzierung der Grossparteien anbelangt. Beispiel Österreich! Die Alpenrepublik hat den Clou der “Parteienförderung” und der “Parteienakademie-Förderung” geschaffen! Demnach werden also nicht nur unsere gewählten Volksvertreter mit Steuergelder finanziert, sondern auch deren Institution, die so manchen ab und an auch dazu verdammt, im Hohen Haus gegen die Interessen seiner Wähler zu stimmen (Clubzwang). Parteien und deren Akademien erhalten eine Zuwendung aus Steuergeldern, sobald sie nach dem Einzug ins entsprechende Parlament zumindest Klubgrösse erreicht haben. Dies ist im “Bundesgesetz über die Aufgaben, Finanzierung und Wahlwerbung politischer Parteien” (Parteiengesetz – PartG) in der Fassung Bundesgesetzblatt I Nr. 111/2010 sowie im Abschnitt I des “Bundesgesetzes über die Förderung politischer Bildungsarbeit und Publizistik” (PubFG) in der Fassung Bundesgesetzblatt I Nr. 111/2010 enthalten. Und der Staat lässt sich diese “Mitwirkung an der politischen Willensbildung” wahrhaft einiges kosten: Etwa 60 Mio € auf Bundes- und 125 Mio € auf Landesebene.
In Österreich gibt es 770 politische Parteien (Stand: 2005). Die Gründung ist recht einfach: So besagt Art. I PartG, dass eine solche frei ist, wenn bundesverfassungsgesetzlich nichts anderes bestimmt ist und keine Rechtsvorschriften dem widersprechen. Einzig: Satzungen und Organe müssen erstellt und beim Bundesministerium für Inneres hinterlegt werden.
Im Art. II nun geht es an’s Eingemachte: Jede Partei mit zumindest 5 Abgeordneten im Nationalrat erhält pro Jahr eine Grundvergütung von 218.019,- € für Öffentlichkeitsarbeit! Pressekonferenz mit Hummer und Sekt? Bei den Parteien ohne Klubgrösse klingelten 2010 noch immer 164.960,- € in der Kaffeekasse – Tendenz fallend – hier wird gespart!!!
Daneben kann ein Antrag auf Gewährung des Wahlwerbungskosten-Beitrags gestellt werden. Dieser wird wie folgt berechnet: Zahl der Wahlberechtigten der Nationalratswahl mit 2,21 € multipliziert. Die Aufteilung erfolgt dann anhand der abgegebenen Stimmen bzw. deren Verteilung. Voraussetzung für den Erhalt dieser Gelder ist eine Buchführung sowie eine ständige Kontrollmöglichkeit durch externe Wirtschaftsprüfer bzw. das BMI und die Führung von Spendenlisten. Dies trifft nicht nur für Fraktionen im Nationalrat zu, sondern auch für Landesparteien und Parteien, die im Europawahlkampf antreten.
Doch ist das noch lange nicht alles! Hinzu kommen die Zuwendungen für die Akademien! Diese sind Bildungseinrichtungen der Parteien, die nicht gewinnorientiert ausgerichtet sein dürfen und beabsichtigen, “die staatsbürgerliche Bildung im Sinne der Grundsätze der Bundesverfassung, die politische und kulturelle Bildung sowie die Einsichten in politische, wirtschaftliche, rechtliche und gesellschaftliche Zusammenhänge auf innerstaatlicher und internationaler Ebene unmittelbar und in gemeinnütziger Weise zu fördern, insbesondere durch Schulungen, Seminare, Enqueten, Vorträge, Arbeitsgruppen, Fernkurse, Stipendien und Publikationen.” (PubFG). Ahso – na ja, und ich dachte schon!!! So – nun aber kommt der dicke Hund: Der Förderbetrag entspricht dem Jahresbruttobezug von fünf Ordentlichen Universitätsprofessoren der 8. Gehaltsstufe PLUS sieben Vertragsbediensteten der Entlohnungsgruppe b, Entlohnungsstufe 17 PLUS Sonderzahlungen! Als Zusatzbetrag wird im Gesetz für jeden Nationalratsabgeordneten nochmals ein Vertragsbediensteter der Entlohnungsgruppe c, Entlohnungsstufe 15 PLUS Sonderzahlungen angegeben. Wer es ausrechnen will, findet entsprechende Basiszahlen im Beamtendienstrechtsgesetz und dem Vertragsbediensteten-Gesetz. Ausserdem werden noch periodische Druckwerke unterstützt, die mindestens viermal jährlich erscheinen und deren Auflage zu zumindest 50 % kostenfrei verteilt wird.

Solche Bildungsakademien sind:

Renner Institut (SPÖ)
Politische Akademie der ÖVP
FPÖ-Bildungsinstitut
BZÖ-Zukunftsakademie
Grüne Bildungswerkstatt

Als ich dies jetzt gelesen habe, ist mir richtiggehend schwarz vor Augen geworden. Mei lieber Schorle – werden wir abgezockt!
2010 wurde das Kapitel “Parteienförderung” durch das GRECO, der Korruptionsbehörde der EU unter die Lupe genommen. In der Analyse des Berichtes steht zu lesen:

“…entspricht er bei weitem nicht den in Empfehlung Rec(2003)4 über gemeinsame Regeln gegen Korruption bei der Finanzierung von politischen Parteien und Wahlkämpfen festgelegten Normen – eine Beurteilung, die von den meisten Gesprächspartnern des GET vor Ort geteilt wurde. Wie in Nr. 43 ausgeführt, hat der österreichische Rechnungshof auf Ersuchen des Parlaments 1998 einen Sonderbericht über das System der politischen Finanzierung in Österreich erstellt. Die darin enthaltenen Empfehlungen zur Verbesserung wurden nicht weiter verfolgt, es scheint jedoch, dass einige österreichische Parteien sich freiwillig an einige dieser Empfehlungen halten….” (Evaluierungsbericht über die Transparenz der Parteienfinanzierung in Österreich IV. Abschnitt 55 ff)

Hier kann nun jeder für sich das seinen Vorstellungen entsprechende herauslesen!

Wer noch immer meint: “Ah – hör doch auf! Das ist ja gar nicht so viel!”, dem darf ich nun einige Zahlen vor Augen führen:

Im Jahr 2012 werden 24.334.000,- € (5 Mio mehr als 2011) an die 5 Klubs der im Nationalrat vertretenen Parteien als Klubbeitrag ausbezahlt. Für die Öffentlichkeitsarbeit werden dies 15.260.000,- € (300.000,- weniger als 2011), für die Bildungseinrichtungen 11.037.000,- € (100.000,- weniger als 2011) sein. Macht summasumarum 50.631.000,- € im laufenden Jahr (2011 noch 45,974 Mio). Im Europa-Wahljahr 2009 kamen noch 12.415.780,- € an Wahlkampfkosten-Rückerstattung hinzu, im Nationalratswahljahr 2008 waren es nochmals um rund 900.000,- € mehr.

2010 erhielten die Parteien folgende Zuwendungen:

SPÖ 4,96 Mio
ÖVP 4,39 Mio
FPÖ 3,03 Mio
BZÖ 1,94 Mio
GAL 1,89 Mio

Dies sind nur die Gelder, die die Republik auf Bundesebene an Steuergeldern ausbezahlt. Hinzu kommen noch die Landtage! Weitere Einnahmequellen für die Parteien sind die Mitgliedsbeiträge, die Pflichtabgabe der Mandatare sowie Spenden jeglicher Art.

Ein ähnliches Parteienfinanzierungsgesetz besteht auch für Deutschland:

2012 werden hier max. 150,8 Mio € ausbezahlt – nach 141,9 Mio im Jahr 2011 und 133 Mio 2010. Dies schlüsselt sich wie folgt auf: 0,70 € pro abgegebener Stimme auf den Listen (Zweitstimme) bzw. in den Wähler- und Stimmkreisen. Hinzu kommen 0,38 € für jeden Euro, der durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und dergleichen reinkommt.

2010 wurden tatsächlich 127,1 Mio ausbezahlt, die sich bei den im Bundestag vertretenenen Parteien folgendermassen aufschlüsseln:

CDU 42,89 Mio
SPD 38,98 Mio
FDP 13,40 Mio
B90/Grüne 11,42 Mio
Linke 10,84 Mio
CSU 9,61 Mio

Daneben erhalten auch die Fraktionen zusätzlich ebenso Zuwendungen wie die Parteienstiftungen:

Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU)
Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD)
Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FDP)
Heinrich-Böll-Stiftung (Grüne)
Hanns-Seidel-Stiftung (CSU)
Rosa-Luxemburg-Stiftung (Die Linke)

Hier könnte künftig die Haltung der Piratenpartei recht interessant werden!!!

In der Schweiz finanzieren sich die Parteien ausschliesslich aus Mitgliedsbeiträgen, der Pflichtabgabe der Mandatare und Spenden! Auch hier gehen die Eidgenossen wieder als Vorbild voraus.

Vor kurzem wurden sowohl in Österreich als auch in Deutschland Sparpakete beschlossen. Dabei müssen beispielsweise die Pensionisten auf sehr vieles verzichten. Jene Menschen, die ihr gesamtes aktives Berufsleben lang Pensionsbeiträge einbezahlt haben! Erlauben Sie mir deshalb abschliessend eine Frage: Irgendjemand hat die gegenwärtige Situation verbrockt! Wo bitte bleibt der Sparwille bei jenen, die die Schuld an der derzeitigen wirtschaftlichen Misere tragen? Die Einsparungen in der Politik, die bislang preisgegeben wurden, sind ein Tropfen auf den heissen Stein! Es schmerzt nicht wirklich, wenn Posten, die vor wenigen Jahren erst aufgebaut wurden, jetzt wieder gestrichen werden, um in einigen Monaten oder Jahren wieder besetzt zu werden. Ausserdem: Die Zahl der Wähler nimmt konstant ab – trotzdem erhöhen sich die Zuwendungen an die Parteien! Wie ist das zu erklären???
Der Ausdruck “Bananenrepublik” ist sehr abwertend. Obwohl die Umstände vielleicht durchaus mit diesem Wort auf einen Nenner gebracht werden können. Ich wäre da eher der Meinung eines österreichischen Privat-Fernsehsenders, der in einem ähnlichen Zusammenhang titelte: “Selbstbedienungsladen Österreich”!

(Zahlenquellen: Budgetvoranschäge BMF Österreich 2011 und 12, Index of Party Spending, Universität Wien, Statistik Austria, Wiener Zeitung, Rechenschaftsberichte der Nationalrats-Parteien 2010, Rechenschaftsberichte der Bundestags-Parteien 2010)

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Das Geschäft mit dem Tod

Ob Panzer, Kampfflugzeuge, Schnellboote oder Gewehre – das Geschäft mit Waffen blüht. Auch Deutschland ist vorne mit dabei

Die aktuelle Studie des Friedensforschungsinstituts Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) gibt grossen Anlass zur Sorge: In den letzten fünf Jahren hat der offizielle internationale Waffenhandel um 24 Prozent zugelegt – der Schwarzmarkt ist hier noch gar nicht dabei. Über die Hälfte der Waffenexporte werden durch die USA (30 %) und Russland (24 %) getätigt. Auf Platz drei folgt aber bereits Deutschland (9%). Die Abnehmer finden sich bevorzugt im asiatischen Raum. Die Studie der Experten aus Stockholm beziffert dies mit 44 %, 19 gehen nach Europa und 17 % in den Mittleren Osten. Beleuchtet wurde der Zeitraum von 2007 bis 2011.
Die meisten Zukäufe tätigten wider Erwarten Indien (10%) und Südkorea (6 %). Erst danach folgen China und Pakistan mit je 5 %. Alleine im Jahr 2010 wechselten Rüstungsgüter für nicht weniger als 305 Milliarden Euro die Besitzer – berücksichtigt sind hierbei nur die 100 grössten Waffenproduzenten. Die steilsten Steigungskurven lieferte das syrische Assad-Regime mit 580 %, gefolgt von Venezuela mit 555. 72 % der syrischen Waffenimporte übrigens tragen die Herkunftsbezeichnung “Made in Russia” (1,5 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahrzehnt)! Trotz des europäischen und amerikanischen Waffenembargos erhält Assad auch weiterhin Waffen vom grossen Bruder aus dem Norden. In Moskau wird betont, dass vornehmlich Flugabwehrsysteme und Seezielflugkörper geliefert würden, was im Kampf gegen die Rebellen nicht unmittelbar einzusetzen wäre. Interessant übrigens ist auch die Tatsache, dass Syrien über eine unheimlich grossen Ufer-Anteil verfügt!!! Daneben wurden auch 25 MIG-29-Kampfflugzeuge und 36 YAK-130-Leichtkampfflugzeuge bestellt. Beide können ebenso im landesinternen Konflikt zum Einsatz kommen – gegen Ziele am Boden. Auch der Kauf von russischen Überschallraketen führte zum lauten Aufschrei der USA. Diese könnten wie auch immer durch die Hisbollah gegen ihren Erzfeind in Washington eingesetzt werden. Bereits seit einiger Zeit in Verwendung hat das Assad-Regime jedoch Computer-Viren sowie SMS- und Mail-Filtersysteme – vom alten Kontinent. Damit werden Oppositionelle ausspioniert und lokalisiert (Tracking Device) sowie unschädlich gemacht.
Der Handel mit dem Kriegsspielzeug floriert – es gibt viel Geld zu verdienen! Immer mehr möchte hier auch China mitmischen. Einerseits ist das Regime in Peking auf die Armee angewiesen und investiert in diesem Bereich unglaubliche Summen, um die Generäle bei der Stange und damit regierungstreu zu halten. Das Militär-Budget wächst alleine heuer um 11,2 %. Andererseits wird auch immer mehr exportiert. Im Beobachtungszeitraum etwa Kriegsmaterial im Wert von nicht weniger als 8,7 Milliarden US-Dollar. Soweit zumindest die Schätzungen der Unternehmensberatung h&z, denn aufgrund ungenauer Zahlen musste Sipri auch dieses Mal den gelben Riesen aus Fernost aussen vor lassen. Preise, Stückzahlen, Zahl der Beschäftigten – all das beruht auf Etwa-Angaben! Erschreckend hingegen ist die Meinung der Experten: Die Kapazitäten könnten etwa jenen aller EU-Staaten entsprechen! Doch betrifft dies die alten, konventionellen Waffen, denn die technologischen Erkenntnisse haben die Chinesen von den Russen, die selbstverständlich auch nicht die neuesten Informationen weiterverkauft haben. Abnehmer chinesischer Waffen sind deshalb vornehmlich Pakistan und Länder der dritten Welt, die mit Technologie nicht wirklich sehr viel anfangen können
Das Gros der deutschen Exporte hingegen ging in Form von U-Booten und Fregatten an Griechenland, Südkorea und Südafrika. Dies wird sich im nächsten Report zugunsten des Kampfpanzers Leopard verschieben, der v.a. im Mittleren Osten auf Begeisterung stösst. Da im Nahen Osten bzw. Nordafrika immer wieder auch landesinterne Konflikte mit Panzern gelöst werden, stiessen jedoch die Pläne Berlins auf heftige Kritik. Gerade die aktuellste Version des Leopards (2A7+) eignet sich aufgrund seiner Beweglichkeit und Ausrüstung perfekt zum Häuserkampf. Zuletzt aber avancierte auch Schweden zum Mittelpunkt der Diskussionen. Nach einem Bericht des Radiosenders Sveriges Radio, der auf geheimen Informationen beruhen soll, sind die Skandinavier Saudi-Arabien beim Bau einer Waffenfabrik behilflich. Das Projekt laufe seit bereits 2007 und nennt sich “Simoom”. Involviert ist das dem Verteidigungsministerium direkt unterstellte Forschungsinstitut für Verteidigung und Sicherheit (FOI) – es geht um Milliarden US-Dollar.
Auch Österreich mischt in diesem Konzert der Grossen mit. So ist der Exportschlager Nummer 1 nach wie vor unter den SALWs (Small Arms Light Weapons) zu finden: Das StG 77 – ein Sturmgewehr. Doch ist das Unternehmen Steyr nicht nur im Waffengeschäft ganz dick drinnen. Vom alten Steyr Diesel (Mannschaftstransporter) zum modernen GAZ Sadko, vom MTPz/UN-A1 „Pandur“ bis hin zum Alvis AMS Scorpion – entweder Eigenproduktion oder Komponentenlieferung – die Eisenbieger aus Oberösterreich bewiesen stets ihren Hang zur Innovation! Drei Betriebe aus dem Bereich der Erzeugung von Waffen und Munition melden an die Statistik Austria – doch konnte ich leider hier keine Zahlen finden – auch wenn ich noch so genau gesucht habe. Fakt ist: Waffen – Made in Austria sind aufgrund ihrer Qualität weltweit geschätzt! 2009 etwa wurden Ausfuhrbescheide nach dem Kriegsmaterialien-Gesetz in der Höhe von 2,25 Mrd. € erteilt!
Erfreulich bei all diesen Überlegungen ist freilich, dass die Bedeutung von Waffenschiebern in den letzten Jahren abgenommen hat. Zu Zeiten des Kalten Kriegs wurde produziert und produziert. Die Rüstungsbetriebe verkauften nicht nur an Staatsregierungen, sondern auch an private Abnehmer. Der Waffenhandel lief im Untergrund – ganze Kriege wurden mit solchem Schwarzmarkt-Rüstungsmaterial geführt.
Indien führt die Liste der offiziellen Abnehmerländer aufgrund dreier Ursachen an: Der inzwischen über Jahrzehnte schwelende Grenzkonflikt mit Pakistan, Kampf gegen den Terrorismus und andere interne Konflikte. Doch schmollt inzwischen Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrem Amtskollegen Manmohan Singh: Indien hat die “Mutter aller Regierungsgeschäfte” (Times of India) – einen Auftrag für 126 Kampfjets in der Höhe von rund 10 Milliarden Dollar nicht an die EADS vergeben. Anstelle des Eurofighters sollen künftig französische Dassault Rafales den Luftraum des Subkontinents sicherer machen. Dies verwundert neben Berlin auch London, Madrid und Rom. Konnte doch Dassault das Flugzeug noch kein einziges Mal im Ausland verkaufen. Mit diesem Auftrag wird das Land wohl auch weiterhin die SIPRI-Liste anführen. Doch dahinter könnte sich etwas ändern: China wird aufholen! So steht offenbar ein Deal mit Russland in der Höhe von nicht weniger als 4 Milliarden US-Dollar kurz vor der Unterzeichnung. Dabei geht es um den Ankauf von 48 Su-35. Das freut natürlich die Zahlenspieler im Kreml. Doch geht auch die Angst um: Putin und Co befürchten einen Nachbau der Kampfjets – Produktpiraterie also auf höchster Ebene! Durchaus berechtigt – gilt doch unter Experten der chinesische Kampfjet J-10 als Nachbau der russischen Su-27. Der dritte aufstrebende Markt ist der Nahe Osten. Die erdölproduzierenden Scheichtümer und Saudi Arabien befürchten einen Übergriff des immer lauter werdenden Iran. Damit sind selbstverständlich auch die wirtschaftlichen Interessen der USA bedroht. Die Vereinigten Arabischen Emirate wurden mit zwei Werferbatterien und 96 Thaad-Abfangraketen sowie Radaranlagen ausgestattet – ein Milliardengeschäft. Das saudische Königshaus erhielt 84 Kampfjets F-15 sowie weiteres Kriegsmaterial im Wert von 11 Milliarden Dollar. Auch der Irak wird umfassend mit F-16-Kampfflugzeugen und Panzern sowie weiterer Ausrüstung beliefert – Wert: 11 Milliarden Dollar!
Wirtschaftliche und politische Interessen lassen also die ranghöchsten Staatsmänner und -frauen zu Klinkenputzern werden. Im Nahen Osten befürchten sowohl Moskau als auch Russland eine religiöse Vormachtstellung mit Indien und China als lachende Dritte im Erdölgeschäft. Im Fernen Osten geht es um eine Kräfte-Gleichstellung mit China – das Land besitzt mit 2,3 Millionen Soldaten die mannstärkste Armee der Welt. Tja und in Afrika engagiert sich gerade China schwerpunktmässig – hier sind es die Rohstoffe, die locken! Es ist eine grausame Welt. Deshalb wäre ich wieder für die Keule und das Schwert, damit sich jene, die es wollen und fordern, selbst den Schädel einschlagen können!!!
Doch – halt: Jetzt werden die Pazifisten lauthals aufschreien: “Ich hab’s ja immer schon gesagt!” Diese Meinung möchte ich mit einem Zitat aus einer Rede des österreichischen Aussenministers Dr. Michael Spindelegger unterstützen:

“Der verantwortungslose Einsatz von Klein- und Leichtwaffen tötet jährlich weltweit tausende unschuldige Menschen. Millionen Männer, Frauen und Kinder müssen in Furcht vor bewaffneter Gewalt leben, denn noch immer landen in vielen Teilen der Welt zu viele Waffen in den falschen Händen.”

Doch – auch wenn es die richtigen Hände sind, können Waffen im Allgemeinen sehr viel Schaden anrichten. Allerdings muss ich fairerweise eines entgegenhalten: 1990 beschäftigte die deutsche Rüstungsindustrie noch 290.000 Menschen – zehn Jahre später waren es nurmehr 90.000. Hier geht es um Arbeitsplätze und um Einzelschicksale. Auch durch den geplatzten Indien-Deal könnten bei EADS verdammt viele Menschen arbeitslos werden. Könnten all diese Menschen in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden, wo sie Nahrung für die Dritte Welt erzeugen – tja, dann hätte ich nichts gegen eine Nulllösung in der Rüstung. Doch gibt es sicherlich wieder Schurken oder Schurkenstaaten, die sich bewaffnen um die Welt zu erobern! Gestatten Sie mir deshalb eine Frage zum Abschluss: Wo endet die eigene Sicherheit, wo beginnt der Krieg???

PS: An alle militärischen Nachrichtendienste oder Verfassungsschützer, die diese Zeilen lesen – die Recherche zu diesem Blog wurde in frei zugänglichem Quellenmaterial getätigt!!!

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Wasser (nicht) marsch!!!

Vor wenigen Tagen brannte mitten in der Stadt Oberstdorf/Bayern ein Haus. Die Feuerwehr stand dem Ganzen beinahe machtlos gegenüber. Sie musste sich damit begnügen, die umliegenden Häuser zu retten. Der Grund hierfür war eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Hauses. Leider ein Beispiel, das die Gegner dieser Stromgewinnung in ihrer Meinung bestärkt, dass solche Häuser mehr oder weniger durch die Feuerwehr kontrolliert abbrennen. Das machte mich stutzig!
Sie gilt als höchstwahrscheinlich DIE Erfindung der letzten Jahrzehnte: Die Photovoltaik-Technologie. In Solarzellen werden einfallende Sonnenstrahlen gebündelt und zur Produktion von Strom genutzt. 1839 entdeckte der französische Physiker Alexandre Edmond Becquerel den photoelektrischen Effekt. Albert Einstein erklärte diesen Effekt erstmals 1905 und erhielt dafür 16 Jahre später (!) den Nobelpreis für Physik. In der Raumfahrt wird diese Technologie seit bereits 1958 verwendet. Der erste Satellit mit Photovoltaik-Zellen war Vanguard 1. Riesige Solarpanels sind zumeist weitaus grösser als das eigentliche stromverbrauchende Instrument. Seit einigen Jahren wird die Photovoltaik auch auf Mutter Erde verwendet. Den Beginn machte Deutschland 1990 mit dem 1000-Dächer-Programm. Japan zog 1994 mit 70.000 Dächern nach – nur acht Jahre später waren es mehr als doppelt so viele. Die USA konterten 1997 mit dem 1 Mio-Dächer-Programm. Mit Hilfe der Sonne könnte die ganze Welt mit Strom versorgt werden. Bezogen auf 24 Stunden treffen im Schnitt 165 W an Sonnenenergie pro Quadratmeter auf die Erdoberfläche auf. Dies entspricht dem 5.000-fachen des gesamten Energiebedarfs der Menschheit.
Bereits 2005 erreichte die solare Nennleistung der Anlagen in Deutschland eine Leistung von einem Gigawatt, fünf Jahre später waren es gar mehr als zehn Gigawatt (Gesamtproduktion 2010: 621 TWh). Deutschland produzierte etwa im Jahre 2009 mehr als das Vierfache an Nennleistung als der Zweiplatzierte Spanien. Österreich lag im europäischen Ranking auf Platz 10. Im Vergleich dazu allerdings herrschen in anderen Staaten wesentlich besser Voraussetzungen zur Stromgewinnung: Chile (2400 kWh/kWp/Jahr), Kalifornien (2150 kWh/kWp/Jahr), Australien (2300 kWh/kWp/Jahr) oder Indien (2200 kWh/kWp/Jahr). Wesentlich näher wäre aber für Europa Nordafrika. Auch hier wurden schon Berechnungen angestellt, da die Übertragung mittels Hochspannungsgleichstrom durchaus realisierbar wäre. Jedoch müssen dabei die Faktoren Aufbau der Infrastruktur vor Ort, Übertragungsverluste und v.a. die politische Instabilität der Staaten berücksichtigt werden. Bedenkt man, wieviel Wüstenanteil alleine Libyen etwa hat – der Staat könnte mit sauberer Energie gut verdienen!
Wie dies alles technisch funktioniert – das möchte ich Ihnen (zumindest heute) ersparen. Nur eines noch: Bei Sonnenwärme-Kraftwerken wird heute ein Wirkungsgrad von 14-16 % erreicht – bei sog. Konzentratorzellen kann dies auf bis zu 40 % in Laborsituationen angehoben werden. Hierbei steigt nämlich der Kurzschlussstrom der Zelle proportional zur Lichtintensität. Ausserdem nimmt die Zellspannung zu. Dadurch dass eine solch grosse Fläche die Lichteinstrahlung auf eine dermassen kleine Solarzelle bündelt, muss diese auch ständig mit Wasser gekühlt werden. Damit hätten wir in den Solarmodulen der Zukunft gleich derzeit beide verwendete Techniken vereint: Warmwasseraufbereitung und Stromgewinnung! Jene Energie, die zum Bau einer solchen Anlage aufgewendet werden muss, ist in ein bis zwei Jahren wieder eingespielt, der Erntefaktor liegt je nach Anlage zwischen 1,5 und 38. Die Lebensdauer wird auf 30-40 Jahre geschätzt. Der gewonnene Gleichstrom wird über einen Wechselrichter in das Stromnetz eingespeist.
Apropos Stromgewinnung – das ist auch jener Punkt, der die Photovoltaik-Anlagen dermassen gefährlich macht. Sie produzieren ständig Strom., sobald Licht einfällt. Auch des nächtens, wenn ich mit der Taschenlampe über ein solches Modul fahre, wird Strom produziert. Klar – in diesem Falle unwesentlich. Übrigens auch im Winter – die Leistung einer durchschnittlichen Anlage liegt in der kalten Jahreszeit allerdings bei etwa einem Fünftel der Juli-Leistung. Dadurch aber stehen eine solche Anlage und die Kabel bis zum Wechselrichter im Keller auch ständig unter elektrischer Spannung. Jeder weiss, dass sich Wasser und Strom nicht wirklich gut vertragen. Sollte also ein Haus, das auf dem Dach über eine solche Photovoltaikanlage verfügt, brennen, gestaltet sich der Löschversuch durch die Feuerwehr als sehr riskant und schwierig. Nicht nur dass es zu einem gefährlichen Stromschlag kommen kann, Lichtbögen sind noch viel problematischer. Ein solcher Bogen entsteht zwischen zwei Polen und wird bevorzugt in der Beleuchtungsindustrie verwendet.
Welche Energien hierdurch frei werden, ist etwa in diesem Video zu erkennen:

Solche Lichtbögen werden auch in der Stahlindustrie eingesetzt:

Bei Wechselstrom versiegen Lichtbögen meist nach kurzer Zeit, da die Pole ständig springen. Bei Gleichstrom aber können sie über Stunden hinweg andauern. Dies erkennen Sie am ehesten daran, wenn Sie die Stecker oder Kontakte eine PV-Anlage während des Betriebs trennen. Auch ein defekter Stecker kann einen Lichtbogen verursachen. Dass diese Phänomene – v.a. wenn sie ungewollt sind – beim Löschen lebensgefährlich werden können, sollte klar sein. Ein Wasserstrahl, der unter dem Mindestabstand auf ein Solarmodul gerichtet wird, kann einen Stromkreis schliessen. Beispielsweise beim Einsatz von Löschleitern besteht deshalb grösste Gefahr, da diese ja zumeist aus Stahl gefertigt und somit nahezu perfekte Leiter sind. Auch wenn das Drehleiterfahrzeug vielleicht durch die Gummireifen zwar nicht mit dem Boden in Kontakt kommt, dafür allerdings zumeist die Steher direkte Bodenauflage haben, also geerdet sind. Diese PV-Anlagen können auch bei vermindertem Lichteinfall noch einige hundert Volt Spannung haben – bei normaler Funktion bis zu 1000 Volt DC. Bereits ab 120 Volt DC kann es zu für den Menschen lebensgefährlichen Verletzungen kommen.
Pflicht ist für jeden Anlagenbetreiber ein DC-Schalter bzw. eine Gleichstrom-Freischaltstelle (DIN VDE 0100-712 2006-06). Dieser Schalter muss vor dem Wechselrichter angebracht sein. Jedoch bleiben bei seiner Betätigung die Leitungen und die Module auf dem Dach unter Strom. Deshalb sollte jede Photovoltaik-Anlage einen einfach und schnell zu erreichenden Feuerwehrschalter haben. Er kann im Brand- oder Überflutungsfall Leben retten. Angebracht zwischen Panel und Wechselrichter kann durch einen externen Auslösetaster (Arbeitsstrom- oder Unterspannungsauslöser) im Alarmfall der Strom abgeschaltet werden. Dieser Schalter wird normalerweise gleich nach dem Modul angebracht. Nicht immer ist nämlich eine Abschaltung der Hausspannung bzw. durch den Energieversorger so einfach und rasch machbar.

http://www.moeller.net/verteiler/index_de.jsp

Doch sehen Experten auch weiterhin ein Problem: In den Modulen bleibt so oder so die Spannung bestehen. Deshalb wird derzeit auch daran gearbeitet, dass in diesen Einheiten selbst feuerfeste Abschaltrelais (DC-Lasttrennschalter) angebracht werden. Dies hätte ausserdem den Vorteil, dass eine Temperatur- bzw. Spannungserfassung in jedem Modul eigens eingerichtet werden könnte, wodurch auch die Suche nach einem fehlerhaften Modul wesentlich einfacher wäre. Nachteil: Der Preis!!!
Versuche der Feuerwehr München, eine solche Anlage durch eine Schaumauflage zu deaktivieren schlugen fehl, da der Schaum abrutschte und die Anlage nach bereits fünf Minuten wieder die Arbeit aufnahm.
Wird dieser Strom nicht abgeschaltet, so kann die Feuerwehr nur aus grosser Entfernung löschen. Sie kennen sicherlich jene Vorfälle, bei welchen zumeist Betrunkene von der Bahnüberführung aus auf die Oberleitungen gepinkelt haben und dies nicht überlebten. Gleiches gilt selbstverständlich auch für das Löschwasser der Floriani-Jünger. Die Flüssigkeit leitet die Spannung weiter. Besteht Bodenkontakt – also Erdung – so schiesst der Strom durch den menschlichen Körper in den Boden. Sind vielleicht auch nicht die Verbrennungen tödlich, so die Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System des Menschen. Dieser Gefahr setzen sich demnach Feuerwehrleute ganz im allgemeinen aus, wenn der Strom durch den Energieversorger nicht vorzeitig abgeschaltet werden kann. Kommt nun eine davon unabhängige Stromquelle hinzu, ist höchste Vorsicht geboten. Entsprechend der deutschen Unfallverhütungsvorschrift dürfen nicht spannungsfrei geschaltete Gebäude nicht zum Innenangriff betreten werden. Dies war auch in Oberstdorf der Fall: Bleibt nurmehr die Menschen- und Tierrettung sowie das Verhindern des Übergreifens der Flammen auf andere Objekte. § 29 der Unfallverhütungsvorschrift und DIN VDE 0132 regeln diese Brandbekämpfung von elektrischen Anlagen.
All diese Informationen nutzte auch die Atomlobby um gegen den Solarstrom Stimmung zu machen: Die Technologie tötet Feuerwehrleute, die Nachbarn und Passanten können durch die Reflektion der Sonnenstrahlen blind gemacht werden, die Stromkosten steigen ins unermessliche – und meine Lieblingsweisheit: Die Netzspannung wird erhöht und zerstört die Fernsehgeräte! Alter Schwede – da könnte ich ja auch sagen, dass die Atome, die durch den Nuklearstrom ins Netz geleitet werden, irgendwo einen Stau verursachen und dadurch die Leitungen platzen!!!
Zuletzt möchte ich noch ein paar Zahlen in den Raum stellen:
Nach Angaben des Beratungsunternehmens Ecofys Germany belegte die Siedlungs- und Verkehrsfläche im Jahr 2007 nicht weniger als 46.789 Quadratkilometer, die Anbaufläche von Energiepflanzen 2011 im Vergleich dazu 22.800 Quadratkilometer. Mehr als 2.300 Quadratkilometer Dach- und Fassadenfläche eignen sich in Deutschen Landen für die Photovoltaik. Es ist saubere Energie, die keine Abgase hinterlässt und keine Energiereserven aufbraucht.
Für die Feuerwehrleute hingegen möchte ich eine Lanze brechen: Jeder dieser Menschen vollbringt einen ehrenvollen, bewundernswerten und aufopferungsvollen Einsatz, den es im vollen Umfang zu würdigen gilt. Beinahe stets in Lebensgefahr! So können sie jederzeit an einer Kohlenmonoxid–Vergiftung sterben, von Balken erschlagen oder durch splitterndes Glas erdolcht werden. Durch brennende Kunststoffe und der daraus entstehenden Blausäure Verätzungen der Atemwege davontragen. Doch möchte ich auf die Unfallverhütung beim Innenangriff erinnern: Menschenleben geht vor Wohnungseigentum! Auch wenn es für so manchen Häuslebesitzer nicht verständlich und somit sehr schmerzhaft ist. Und hier ist elektrischer Strom als mehr als gefährlich zu beurteilen. Mit der Photovoltaik – aber auch beispielsweise den E-Cars – wurden zwei tolle Errungenschaften auf den Markt gebracht, die unsere Zukunft lebenswerter machen. Doch – hat niemand die Risiken zuvor erkannt??? Deshalb: Unterstützen Sie die Arbeit der Feuerwehren. Melden Sie die Installation einer solchen Anlage sowie den Ort des Feuerwehrschalters bei der örtlichen Feuerwehr, kennzeichnen Sie unter Strom stehende Kabelverläufe und Bauteile!!! So kann das Haus im Notfall rascher gelöscht werden und erhalten bleiben!

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Moral? Werbung? Äh, tja, na ja

Früher – ja früher war die Welt noch in Ordnung. Da badete Frau in der Fernsehwerbung die Hand im Spülmittel und ein muskelbepackter Glatzkopf half beim Saubermachen der Wohnung. Der Herr des Hauses entschied sich für ein Auto, da der Kofferraum eine gewisse Menge an Bierkisten fasste. Die Mainzelmännchen, das Äffchen mit dem Pferd, Otto,… unterbrachen dabei die Werbeblöcke und sorgten für Sitzenbleiber. Das ist in der Gegenwart ein kleines bisschen anders – um nicht zu sagen: Grundsätzlich verschieden!
Werbung – wer braucht heutzutage denn eigentlich die Werbung?! Im Fernsehen erfolgt der Griff zur Fernbedienung oder eine Pinkelpause eingelegt, im Radio wird ohnedies nicht mehr aktiv sondern nurmehr passiv zugehört und online – da sind die sich von selbst öffnenden Fenster schnell wieder weggeclickt. Trotzdem: Ohne die Werbung würden sich die Produkte nur schlecht – wenn überhaupt verkaufen und so manches Informationsmedium wäre dem Untergang geweiht, da das Geld fehlt.
Ehedem war es den Kreativen ein Bedürfnis, dem Konsumenten aufzuzeigen, in welch heiler Welt er sich befindet, wenn er dieses und nur dieses Produkt verwendet. Der Käufer sollte den Zustand der Glückseligkeit erreichen. Genau wie die Darsteller im Clip oder Spot. Doch das hat sich gewandelt. Heutzutage zählt nurmehr jene Werbung, die für Diskussionen sorgt. Die Schuhladenkette Humanic etwa hat in Österreich damit angefangen. Die Marketinglinie ergab absolut keinen Sinn, doch sprach jeder darüber. Franz!!! Und so manch einer wird im Einkaufszentrum den Weg in eines der Geschäfte gesucht haben – eben aufgrund dieser sinnlosen Werbung. Sie ist damit voll aufgegangen!
Das italienische Bekleidungsunternehmen Benetton trieb dies auf die Spitze. Hier wurden offenbar plötzlich alle ethisch-moralischen Grenzen überwunden. Blutverschmierte Kleidungsstücke wurden ebenso präsentiert wie ein Sterbender oder das an Magersucht leidende Model Isabelle Cara, das nur kurze Zeit nach den Aufnahmen ihrer Krankheit erlag.

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(Quelle: Kleine Zeitung)

Benetton trat alle bis zu diesem Zeitpunkt bestehenden Tabus mit Füssen. Die ganze Welt mokierte sich über die grossflächigen Plakate, manche versuchten sogar, gerichtlich gegen deren Aufhängung vorzugehen. Das Unternehmen hatte damit eines erreicht: Aufmerksamkeit!
Die hat nun auch ein Buchhändler in Essen erzielt. Er wirbt auf seiner Website mit dem vor der Toskana gesunkenen Kreuzfahrtschiff. Zu lesen ist: “Schiff ahoi und Leinen los!” dazu gibt’s ein Bild der schlagseitigen “Costa Concordia”. Wäre ja eigentlich ok – doch starben bei diesem Unglück nicht weniger als 32 Menschen. Vor diesem Hintergrund wirkt die Werbung pietätlos. Was die Bevölkerung entrüstet, stösst bei den Kollegen auf Bewunderung!

http://www.buchhandlung-proust.de/

Ähnliches erlebte ich auch nach der Entführung des italienischen Kreuzfahrtschiffes Achille Lauro Anfang 1986. Mit dieser Tat sollten einige Palästinenser und ein deutscher Neo-Nazi freigepresst werden. Ein teilgelähmter US-Amerikaner jüdischer Abstammung wurde vor laufenden Kameras erschossen und ins Meer geworfen, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen. Ich fuhr nur wenige Wochen später hinter einem Bus auf welchem dick und fett die Aufschrift prangerte: “Wir fahren zur Achille Lauro!” Dieser Dampfer sank übrigens 1994 nach einem Feuer an Bord 30 Seemeilen östlich von Somalia.
Jüngstes Beispiel: Die Werbung für den Privat Surf Modus des Internet Explorers 8 von Microsoft. Message: Hätte er diesen aktiviert, hätte sie nicht gesehen, was sie sah!

(Quelle: Microsoft)

Das Unternehmen musste den Clip nach heftigen Protesten wieder zurücknehmen. Gott sei dank, wurde doch damit wirklich die Grenze zwischen gutem und schlechten Geschmack um Kilometer überschritten.
Im Jahre 2010 war in Palermo/Sizilien ganz schön was los. Da blickte einer der wohl grössten Kriegsverbrecher der Geschichte von den Plakatwänden. Die Botschaft: “Ändere Deinen Stil, folge nicht Deinem Führer!”

http://www.express.de/image/view/2010/4/21/3374372,935691,medRes,maxh,234,maxw,234,hitler-skandal.jpg.jpg
(Quelle: www.express.de)

Dieser wahnsinnige Massenmörder wird übrigens recht gerne aus dem Zauberhut des Marketings geholt. Dabei geht es weniger darum, dass auch ihm das Produkt vielleicht gut getan hätte, sondern vielmehr darum, Aufsehen zu erregen.
Dies war auch der Hintergedanke einer Eiswerbung, die zwar strategisch genau richtig, moralisch allerdings dort komplett fehl am Platze war. So war auf der Plakatwand direkt vor dem Frankfurter Sankt Katharinen-Krankenhaus diese Werbung aufgeklebt. Dabei war es der Slogan, der das Blut eines so manchen vor Schrecken gefrieren liess: “Wer einmal den Löffel abgibt, bekommt ihn nicht mehr wieder!”

http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/frankfurt/geschmacklose-werbung-vor-dem-katharinenkrankenhaus_rmn01.c.9044218.de.html
(Quelle: Frankfurter Neue Presse)

Ist das eindeutig zweideutig? Als der Konzern Unilever hierauf angesprochen wurde, hiess es aus dem Brand Management, dass vor dem Start der Kampagne alle Werbestandorte überprüft und Plakatwände an Friedhofsmauern oder Krankenhäusern absichtlich nicht gebucht wurden. Doch offenbar hat sich dort eine durchgeschmuggelt, was dem Konzern sehr peinlich war. Oder war es doch Absicht?
Der Sex wird häufig durch die Werbung missbraucht. Da dieses Thema nach wie vor ein Tabuthema darstellt, das so manch einer gerne in seinem heimischen Schlafzimmer belassen möchte, wo die Türe geschlossen werden kann, sind hier natürlich auch die leichtesten Aufreger möglich. Im eidgenössischen Chur etwa war folgendes Plakat zu sehen:

http://www.pixelfreund.ch/wp-content/uploads/2008/09/image271.png
(Quelle: Pixelfreund)

Schuhwerbung? Na ja – Fashion für junge Frauen – für das neuen Tally Weijl-Modell. Eine beinharte Aussage! Doch – schauen Sie bitte nochmals hin – ganz genau hin! Dann können Sie einen kleinen Zettel auf dem ersten Buchstaben erkennen.Dadurch natürlich erhält dies alles eine komplett andere Bedeutung: Aus dem P mach ein F!
Sex sells – eine alte Weisheit der Werbekreativen. Egal ob Auto, Zahnpasta, Schrankkasten oder gar Bürolocher – eigentlich jede Menge Produkte, die unheimlich antörnen – oder??? Wirbt ein leichtbekleidetes knackiges Bikinimodel dafür, ist der Hingucker garantiert.

Oh – lecker Kylie Minogue! Ok – hier passend: Underwear! Doch Sex – das ist der G-Punkt der Werbung. Jeder Mann schaut hin, wird zum Lustobjekt degradiert und muss, sabbernd nach Befriedigung und Anerkennung suchend, das Produkt unbedingt haben. Verwende ich diese, nur diese einzige Schuhcreme auf meinem Stiefel, fährt jede Frau auf mich ab. So mancher “letzter Bulle” hat sich da schon mal schwarze Schuhcreme auf seine braunen Cowboystiefel geschmiert! Und – so habe ich es mir vielfach bestätigen lassen – es schauen auch viele Frauen auf andere hübsche Frauen – vielleicht um sich das Eine oder Andere im wahrsten Sinne des Wortes abzugucken. Bei männlichen Testimonials ist dies bei ihren Geschlechtsgenossen etwas anders – entweder die Männer schauen auf das männliche Modell, weil sie ernsthaft an dem Mann interessiert sind (“Hach – ist der aber süss!!!”) oder es ist der Konkurrenzneid! In diesem Bereich der Werbung gibt es unzählige Beispiele, doch bin ich hier etwas zurückhaltend, da nicht jeder einen Text liest, jedoch Darstellungen sehr rasch angeschaut werden und dieser Blog ebenso schnell auf die schwarze Liste kommen könnte.
Eine komplett andere Ecke ist die Wahlwerbung. Hier gilt es, seine Gegner niederzumachen und gleichzeitig auf die eigenen Vorzüge hinzuweisen, damit am Tag X das Kreuz auch tatsächlich am richtigen Platz gemacht wird. 2005 sorgte im Rahmen des Wahlkampfes zur deutschen Bundestagswahl dieses Plakat für Aufruhr:

www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,grossbild-518453-374850,00.html
(Quelle: Der Spiegel)

Irrsinn! Eine SPD-Werbung beginnt mit dem neagtiven Wort “Merkelsteuer”! Hier wird die Spitzenkandidatin der CDU verunglimpft, daneben mag kein Wähler jene Partei, die neue Steuern verspricht. In der CDU-Werbung wird zurückgeschossen: Streichung des Arbeitsplatzes – die grösste Befürchtung eines jeden Deutschen! Im selben Wahlkampf übrigens verteilten die Grünen Kondome mit dem Aufdruck “Guido verhüten!” Poah – verzeihen Sie mir bitte mein lautes Lachen! Ich finde die Idee klasse! Nicht so jedoch der Deutsche Werberat – beide Werbemassnahmen durften fortan nicht mehr verwendet werden. Auch die österreichische FPÖ rund um Obmann H.C. Strache ist diesbezüglich nicht auf den Mund gefallen:

http://www.stol.it/Artikel/Politik-im-Ueberblick/Politik/FPOe-Plakate-sorgen-fuer-Unmut-Wiener-Blut-gegen-zu-viel-Fremdes
(Quelle: www.stol.it)

So – genug der Beispiele, obwohl ich die Liste endlos fortsetzen könnte. Etwa mit den Bildern von Unfall-Opfern in TV-Clips, die Rasern den Druck vom Gaspedal nehmen sollen.
In der Werbebranche hat sich schon sehr früh eine elitäre Spitze gebildet, die mit sog. “Shock Advertising” auf die Produkte aufmerksam machen möchte. Es ist eine Gradwanderung, da sehr häufig das gerade noch Vertretbare im Geschmack des Sehers oder Hörers überbeansprucht wird und damit die Kampagne schubladisiert werden muss, da sie verboten wurde. Fühlt sich der Konsument beleidigt, schockiert oder übel (da abstossend), so geht dem Ganzen ein emotionaler Vorgang voraus. Wir alle wissen, dass ein Content, der emotional verarbeitet wird, besser haften bleibt. Hiermit beschäftigt sich vornehmlich die Lernpsychologie.
Beispiel: Eine Türschnalle. Ein Fachverkäufer versucht recht nüchtern, die angenehme Lage eines speziellen Türgriffs in der Hand zu erklären. Wir müssen ihm in allen Belangen recht geben – deshalb ist ja auch er der Experte. In einem anderen Werbeclip sehen wir eine schöne Frau, mit knapper Leder-Unterwäsche bekleidet, zerzauster Mähne und gefletschten Zähnen. Ihre Hände sind an einen Türgriff gebunden. Darunter die Message: “Natürlich können sie den Türgriff auch hierfür verwenden!” (Copyright: Ulrich Stock!). Mal ehrlich – was bleibt eher im Kopf? Bei der unmoralischen Werbung geht es zumeist nicht um das Produkt. Es geht um Aufmerksamkeit. Es geht um Diskussion. Es geht um den Stammtisch und dessen Gerede. Im Journalismus schon lange kein Thema mehr: “Only bad news are good news!” Je reisserischer die Schlagzeile der Titelstory auf der U1, desto mehr Leute kaufen die Zeitung. Deshalb setzt vornehmlich der Boulevard auch eigene Headlines-Redakteure ein. Schlagzeilenerfinder! Und Sie, liebe Leser dieser Zeilen, entscheiden selbst, wie weit bei solchen Werbemassnahmen gegangen werden darf. Ist das Maß überschritten, zeigen Sie Ihren Unmut. Ansonsten wird die Grenze immer weiter nach hinten verlagert! Ich fand es beispielsweise mehr als abstossend, dass ein Wochenmagazin damals mit Exklusivbildern geworben und dann auch tatsächlich abgedruckt hat – von einem ermordeten Taxilenker in der Nähe von Innsbruck! Ich habe mir das Magazin damals nicht gekauft! Viele andere aber gerade deshalb schon!

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Hat er gepupst – der kleine Racker!!!

Frechheit! Soll man in Deutschland künftig für’s verantwortungsbewusste Nichtstun bestraft werden??? Marco Wanderwitz von der Jungen Union (CDU) sagt ja – und verlangt eine “Kinderlosensteuer”. Jeder, der keinen Nachwuchs in die Welt setzt – aber auch jene, die zu wenig in dieser Hinsicht unternehmen, sollen mit einem bzw. 0,5 % ihres monatlichen Gehaltsschecks zur Kasse gebeten werden. Erst ab zwei Kindern ist man aus dem Schneider. Generationenvertrag hin oder her – es ist eine Schande, wenn unsereins sein Leben lang in die Sozialversicherungen einzahlt, sorgt mit der Riesterrente noch zusätzlich für Rücklagen im Alter – und dann so was! Anstatt das Geld auch zweckgebunden zu verwenden, werden Glaspaläste aufgestellt, horrende Managergehälter ausbezahlt und auch die Reinigungsfrau mit einem 15. Monatsgehalt belohnt – von Fehlinvestitionen wie in griechische Staatsanleihen mal ganz zu schweigen (Griechenland war schon lange eines jener Gebiete, das die meisten Subventionen aus Brüssel erhielt – somit musste bereits vorher schon mit Problemen gerechnet werden, doch wurden fleissig weiter Staatsanleihen angekauft). Soll nun wieder die kleine Bevölkerung für etwas zum Handkuss kommen, das nicht sie sondern andere verbrockt haben? Was bleibt denn heutzutage noch von der Netto-Summe auf den Lohnzetteln über? Kann schon bald nicht mehr mal die Riester-Rente einbezahlt werden? Dann haben wir ein grosses Problem!
Betrachten wir uns diese “Strafsteuer” mal aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln.

Die kleine, hochverschuldete, bundesdeutsche Familie. Er ist LKW-Fahrer, sie steht tagtäglich acht Stunden am Fliessband. Damit die Eigentumswohnung bezahlt werden kann, geht Frau vielleicht sogar noch abends putzen. Urlaub – nein, das gab’s schon lange nicht mehr. Der Liegestuhl wird auf dem Balkon aufgestellt, die kalten Cocktails sind Bierdosen aus dem Camping-Kühler. Die Wohnung ist wichtiger! Am Monatsende herrscht gähnende Leere in der Haushaltskasse. Nachdem immer mehr der produzierenden Industrie nach Fernost verlagert wird (aufgrund der Arbeits-Ausbeutung der dortigen Bevölkerung kommt’s billiger), ist auch ihr Arbeitsplatz längst nicht mehr sicher. Der LKW-Transport wird zeitlich immer enger. Jede Minute, in der das Fahrzeug steht, kommt den Chef teuer. Deshalb haben manche Fernfahrer auch bereits Geld für Geschwindigkeits- oder Fahrzeitüberschreitungen dabei. Und im Nahverkehr? Am besten 5 Lieferungen gleichzeitig! Lahmsieder werden gekündigt! Die Aussichten für die beiden bei möglicher Arbeitslosigkeit? Hartz IV! Ist es unter diesen Umständen sinnvoll, ein Kind in die Welt zu setzen? Die Mutter fällt für mindestens drei Jahre aus. Somit können die Rechnungen nicht mehr bezahlt werden, da das Kindergeld zur Gänze in Baby-Nahrung und Windeln aufgeht! Privatkonkurs!

Nächster Fall: Die Akademikerin! Hier muss ich mit unglaublichen Zahlen aufwarten: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Deutschland) sind in der Altersgruppe der 37- bis 40-jährigen Akademikerinnen (mit Uni- oder FH-Abschluss) in Ostdeutschland 24 %, in Westdeutschland gar 43 % kinderlos! Karriere-Frauen haben es schwer. In so mancher Studienrichtung werden Frauen nach wie vor nicht für ernst genommen. Danach gilt es bei der Ersteigung der Aufstiegsleiter, den zumeist stärkeren Ellbögen der männlichen Mitbewerbern auszuweichen und selbst auszuteilen. Hat es eine Frau trotzdem auf eine entsprechende Position geschafft, so bedeutet eine Baby-Pause zumeist das Aus! Es muss wieder von vorne begonnen werden. Die Luft in so manchen Management-Etagen ist sehr dünn und dennoch heiss begehrt. Dabei hat die Ausbildung auf der Uni Hunderttausende gekostet und Frau kann dieses erworbene Wissen nicht mal weitergeben. Ein volkswirtschaftlicher Wahnsinn. Hinzu kommen ausserdem noch vornehmlich befristete und damit unsichere Arbeitsverträge – somit sind wir in Gruppe 1 wiederzufinden. Soll sie dennoch den Laptop gegen den Fläschchen-Kocher eintauschen?

Weiteres Beispiel??? Wohl keine Verantwortung ist schöner als die Verantwortung für einen kleinen Menschen. Man versucht, ein kleines Bündel Mensch auf das spätere Leben vorzubereiten, widerstands- und gesellschaftsfähig zu machen. Wird der Nachwuchs dann flügge, so verlieren viele Eltern ihren bisherigen Lebensinhalt und müssen sich umorientieren.
Trotzdem ist dies nicht allen Paaren vergönnt. Nach einer Allensbach-Studie sind alleine in Deutschland nicht weniger als 12,8 Millionen Frauen und Männer von Kinderlosigkeit betroffen. Somit also jedes fünfte bis sechste Paar – gilt auch für Österreich. Dabei würden 86 % der Frauen alle medizinischen Möglichkeiten nutzen, um schwanger zu werden (repräsentative Umfrage der Zeitschrift PETRA aus dem Jahr 2006). Ein eigenes Kind! Denn nur 11 % der Befragten könnten sich eine Adoption vorstellen. Eine Frau, die sich ein Kind wünscht, aber die Schwangerschaft nicht klappen möchte, fällt in eine Krise. Nicht weniger als 200.000 Frauen suchen jedes Jahr medizinischen Rat – nur in Deutschland. Dabei geben Gynäkologen und Psychotherapeuten Entwarnung: Es muss nicht immer Unfruchtbarkeit dahinterstecken, wenn es mit dem Kinderwunsch nicht funktioniert. Nach dem Absetzen der Verhütungsmassnahmen kann es schon mal einige Jahre dauern bis sich der gewünschte Erfolg einstellt. Statistisch gesehen warten sehr viele Paare knapp länger als zwei Jahre auf die Erfüllung eines Kinderwunsches. Deshalb ist vorzeitige Familienplanung immens wichtig. Stellt sich nach einem zweijährigen ungeschützten Geschlechtsverkehr kein Kindersegen ein, so spricht die Weltgesundheitsorganisation WHO von Infertilität. Übrigens liegen die Ursachen zu jeweils 40 % bei Frau und Mann bzw. zu 20 % bei beiden. Schliesslich hat die Biologie vorgesehen, dass Frauen bis zum 25. Lebensjahr am einfachsten einem Kinderwunsch nachgehen können. Ab 30 sinkt die Fruchtbarkeit. Bereits ab dem 38. Lebensjahr können Probleme auftreten, ab 43 kann zwar nach wie vor geplant werden, jedoch sollte Frau sich nicht mehr viel davon versprechen! Die Berliner Medizinpsychologin Dr. Beate Schultz-Zehden berichtet in der Fachzeitschrift “Healthy Living” (Ausgabe 12/09), dass sich die meisten Frauen bereits mit dem Erreichen des 40. Lebensjahres mit dem Thema “Unfruchtbarkeit” beschäftigen. Dies ist somit ein jahrelanger Prozess, der nicht erst mit dem Beginn der Wechseljahre (etwa mit 51 Jahren) beginnt. V.a. bei jenen, die nie ein Kind bekamen, sich dies allerdings immer gewünscht haben, oder auch bei jenen, die mehr der kleinen Racker haben wollten, kann dies zu Trauerreaktionen, ja bis hin zu Depressionen führen. Andere hingegen fühlen sich entlastet und freier. Und – dass mit 40 nicht unbedingt Schluss sein muss, zeigen prominente Beispiele wie Madonna, Frauke Ludowig oder Cherie Blair.
Also versuchen sich sehr viele mit Alternativen, wenn die herkömmliche Art und Weise nicht funktioniert. Die künstliche Befruchtung (“assistierte Reproduktion”) ist eine der Möglichkeiten. Doch kann sich dies nicht jedes Paar leisten. Bei Kosten von bis zu 5.000 € pro Versuch übernehmen die deutschen Kassen bei verheirateten Paaren bei bis zu drei Mal jeweils die Hälfte. So – damit hinein ins moderne Klapperstorchgetümmel:

-) ICSI-Methode (intrazytoplasmatische Spermieninjektion)
Sie wird angewendet, wenn die Spermienqualität schlecht ist. Dabei wird unter dem Mikroskop eine Samenzelle des Mannes in eine vorher entnommene Eizelle injiziert. Bis zu drei der entstandenen befruchteten Eizellen werden in die Gebärmutter übertragen. Einher geht hierbei eine Hormonkur! Diese Methode kann zu Mehrfachschwangerschaften führen.
.) TESE-ICSI-Methode (testikuläre Spermienextraktion mit ICSI)
Dieselbe Vorgehensweise wie zuvor, nur werden die Spermien durch eine Hodenbiopsie entnommen
.) MESA-ICSI-Methode (mikrochirurgische epididymale Spermatozoen-aspiration)
Dito – doch werden die Spermien direkt aus dem Nebenhoden gewonnen
.) IUI-Methode (intrauterine Insemination)
Hierbei werden ausgewählte Samenzellen direkt in die Gebärmutter verbracht
.) IVF- Methode (in-vitro-Fertilisation)
Die entnommenen Eizellen werden in einem Reagenzglas mit aufbereitetem Sperma zusammengeführt. Es erfolgt eine Befruchtung ausserhalb des Körpers – wobei die natürliche Selektion (der Schnellste macht das Rennen) weiterhin gewahrt bleibt.
Aufgrund rückläufiger Kinderzahlen überlegte sich noch im November letzten Jahres die deutsche Familienministerin Kristina Schröder eine Unterstützung durch Bund und Länder für künstliche Befruchtungsmassnahmen. 10 Millionen Euro wären im Budget enthalten – im April dieses Jahres sollte die Unterstützungsmassnahme starten – wenn sie nicht dem Sparstift zum Opfer fällt. Was sagt eigentlich die katholische Kirche hierzu?
Eine Samenbank steht nur verheirateten Paaren offen, wenn bereits zuvor entsprechende Behandlungsmethoden nicht funktioniert haben.
Bleibt schliesslich die Adoption. In deutschen Landen können nur verheiratete Paare zwischen 21 und 35 Jahren ein fremdes Kind adoptieren. Das Verfahren dauert rund neun Monate. Dabei gilt es allerdings, sich gegen 10 bis 15 andere Wartende durchzusetzen. Familienministerin Schröder arbeitet zwar an einer Aufweichung der Regeln, dabei sollen v.a. die Altersgrenzen und jener Passus fallen, wonach ein Elternteil dem Kind die “ungeteilte Aufmerksamkeit” zukommen lassen muss (somit also seinen Job aufgeben muss). Doch sollte hierbei sehr behutsam vorgegangen werden, nicht dass das Kind vielleicht vom Regen in die Traufe kommt!
Also wieder zurück zu schwangerschaftsfördernden Massnahmen. Moorbäder etwa! Ja – wirklich! Seit 150 Jahren schwören viele Heilbäder zwischen Kiel und Garmisch-Partenkirchen auf die Kräfte der Natur. So haben Studien ergeben, dass Hochmoortorf positive Auswirkungen auf den Hormonspiegel und die Durchblutung der Gebärmutter hat. Das Führen eines Zyklenkalenders kann ebenfalls sehr förderlich sein. Und ja – die Stellung beim Verkehr, damit möglichst viele Spermien dorthin gelangen, wo sie eigentlich hin sollen.
Paare, die sich Nachwuchs wünschen, sollten auf Zigaretten, Alkohol und Stress verzichten. Die Nahrung sollte ausgewogen und vitaminreich sein. Fanatischen Sportlerinnen wird empfohlen, mehrere Gänge zurückzuschalten. Die beim Sport produzierten Endorphine und das Cortisol beeinflussen entscheidend den Hormonhaushalt. Während Ausdauersport in Maßen bei beiden Geschlechtern durchaus positiv ankommt. Und schliesslich: Heisse Bäder und Saunagänge wirken sich negativ auf die Spermienqualität aus. Doch warnen Urologen ganz allgemein davor, dass sich die Spermienqualität in Mitteleuropa rasant und eklatant verschlechtert.

(Quelle: Greenpeace International)
Auch junge Männer sind zunehmend davon betroffen. Aufschluss hierüber geben sog. “Spermiogramme”. Ist die Fruchtbarkeit des Mannes mal angeknackst, so konnte bislang nicht wirklich geholfen werden. Im Rahmen einer Studie, durchgeführt von Prof. Dr. Martin Imhof am Wiener Allgemeinen Krankenhaus, wurde im Jahr 2006 eine Lösung präsentiert: Bei 24 Männern im Alter von 23 bis 57 Jahren konnten die drei Beurteilungsparameter Spermiendichte, Spermienbeweglichkeit und Ejakulatvolumen entscheidend verbessert werden. Sie hatten zuvor jeweils zwei pathogene Spermiogramme. Das Geheimnis liegt in Mikronährstoffen.

Bleibt noch eine Gruppe: In diese Welt setze ich keine Kinder! Nach einer Studie der Robert-Bosch-Stiftung (2005) meinten 50 % der befragten Kinderlosen: “Ich mache mir zu viel Sorgen darüber, welche Zukunft meine Kinder erwarten würde“. Eine sehr beliebte Meinung v.a. in den 80ern, als die Angst vor der atomaren Zerstörung am Grössten war. Heute sind es v.a. die Umweltverschmutzung und die Klimaveränderungen (doch machen auch die meisten dieser Menschen nichts dagegen!). Daneben denken sehr viele, dass ohnedies aufgrund der Überbevölkerung dieses Planeten schon sehr bald ein normales Leben nicht mehr möglich sein wird.

Dies waren nur vier Personengruppen, die diese neue Strafsteuer bezahlen müssten. Überlegenswert vielleicht auch noch der Priester, der aufgrund seines Jobs kinderlos bleiben muss! Oder jene Elternteile (zumeist sind es die Väter), die einem sehr riskanten Broterwerb nachgehen, wodurch die Kinder rasch den Elternteil verlieren könnten! Wie sieht’s mit Musikern auf Tour oder Matrosen aus? Erhalten sie vielleicht noch Zuwendungen vom Staat (In jedem Hafen eine!)?
Untersuchungen haben aufgezeigt, dass ein oder mehrere Kinder nicht unbedingt die Grundvoraussetzung zur Erreichung des Lebensglücks darstellen. Kinderlose Paare können ebenso glücklich werden, wie Eltern. Daneben gehen auch weniger Beziehungen den Bach runter. Schliesslich kann man sich bei der zu vergebenden Aufmerksamkeit und Liebe auf den Partner konzentrieren. Ausserdem ist so manche Partnerschaft aufgrund unterschiedlicher Erziehungsansichten zerbrochen.

Abschliessend noch einige Beratungsadressen für all jene, die gerne hätten, aber nicht können:

Wunschkind e. V.,
Der Verein für Selbsthilfegruppen für Fragen ungewollter Kinderlosigkeit,
Fehrbelliner Straße 92
10119 Berlin
Tel.: +49 (0)30 690 40 839
Fax: +49 (0)30 690 40 838
wunschkind@t-online.de / www.wunschkind.de

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung,
Ostmerheimer Straße 220,
51109 Köln
Tel.: +49 (0)221  8992-0
Fax: +49 (0)221  8992-300
poststelle@bzga.de / www.bzga.de

pro familia Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e.V. Bundesverband
Stresemannallee 3
D-60596 Frankfurt/Main
Tel.: +49 (0)69 26 95 77 90
Fax: +49 (0)69 26 95 77 930
info@profamilia.de / http://www.profamilia.de

Beratungsstelle der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF)
Semmelweis Frauenklinik
Bastiengasse 36-38
1180 Wien
Tel: +43 (0)1 47615-3903
office@oegf.at / www.oegf.at

Verein Kinderwunsch
Brigitte Eichenberger (Infoline)
infoline@kinderwunsch.ch / http://www.kinderwunsch.ch

Daneben bieten viele Universitäts-Frauenkliniken Beratungen für ungewollt kinderlose Paare an.

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