Archive for April, 2012

Wie war das doch mit dem Big Brother???

Meine Damen und Herren: Darf ich vorstellen:

Das ist Lauschi!

http://www.freakingnews.com/George-W-Bush-Pictures-32878.asp

(Quelle: freakingews.com)

Vergessen Sie bitte alles, was George Orwell in seinem Roman “1984″ geschrieben oder das Ministerium für Staatssicherheit in der ehemaligen DDR gemacht hat! Seit dem 01. April 2012 wird in Österreich jedes Telefongespräch, jede E-Mail und jedes Surfverhalten des Users im Internet gespeichert und ist (für einen gewissen Zeitraum) jederzeit abrufbar, wenn von einem heimischen Provider oder Mailaccount Gebrauch gemacht wird. . Achtung also an alle Liebespärchen: Das mit dem Telefonsex – ähm no jo – es hört jemand mit!!! Schliesslich könnte ja jeder von uns ein Terrorist sein. Schon die Bibel spricht von der Erbsünde – hier haben’s wir mit der Generalschuld, dem Generalverdacht zu tun! Was in Deutschland für einen Riesenwirbel sorgte, wird im Alpenstaat stillschweigend hingenommen – seit dem 01.04.2012 – leider kein Aprilscherz!!! Mit diesem Datum trat nämlich die Datenvorratsspeicherung in Kraft. Jeder Telefonanbieter, jeder Provider muss speichern, speichern, speichern bis die Bits und Bytes glühen. Mache ich in einem Telefongespräch mit einem Bekannten einen Scherz in Richtung Verfassung, könnte dies Hochverrat bedeuten. In manchen Staaten blüht hierauf die Todesstrafe! Doch in unserer Ignorantengesellschaft ist das egal: “Mich betrifft das nicht, mich erwischen’s eh net!”
Vor einigen Jahren wurde die Rasterfahndung eingeführt. Da getraute sich der Mob noch auf die Strasse! Wurde eine Straftat im Umfeld begangen und man kam dem Täterprofil gleich, benötigte man ein hieb- und stichfestes Alibi. Ansonsten galt man generell als verdächtig. Ich – ein armer unbescholtender Bürger, der immer brav seine Steuern bezahlt und nie nach 22.00 Uhr laute Parties feiert (beginnen bei mir bereits um 16.00 Uhr, damit gegen 22.00 Uhr die meisten schon wieder zuhause oder am Tisch eingeschlafen sind), der immer zuvorkommend zu seinen Nachbarn ist, den letzten Strafzettel wegen Falschparkens auf der Polizeiinspektion bezahlt hat, noch bevor der Beamte von seinem Rundgang zurückgekommen ist, jemand wie ich gerät in das Visier der Fahnder. Ich weiss, mit dem Ausdruck “Polizeistaat” muss man in einer Demokratie sehr vorsichtig sein. Denn hier erfolgt alles zum Wohlwollen der Bevölkerung. Doch was wird, wenn plötzlich aus diesem “Wohlwollen” eine Überwachung wird? Was geschieht mit all diesen Daten? DER GLÄSERNE MENSCH! Anhand des Handy-Einloggens bei den Empfangsstationen weiss – bezeichnen wir ihn mal als “Der grosse Bruder” – stets, wo seine Schäflein am Grasen sind. Durch die Anrufe weiss er auch, was Papa auf dem Nachhauseweg von der Arbeit noch schnell vom Supermarkt mitbringen soll. Ist eine Flasche Wein mit dabei, erweckt dies bereits den ersten Eindruck einer Alkoholikerfamilie. Sind Antidepressiva aus der Apotheke mit dabei, ist ohnedies schon alles zu spät! Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass mich schöne Frauenkörper abtörnen. Schaue ich mir deshalb im Zeitungs-App das Mädchen von Seite 5 an – bin ich damit schon ein potentieller Sexverbrecher? Versteigere ich auf E-Bay meine alten Motorrad-Zeitschriften, so könnte ich zu einer kriminellen Motorrad-Gang gehören. Buche ich meinen nächsten Urlaub online auf Kuba – lande ich in der Schublade mit dem Aufdruck “Kommunismus”??? Alles andere erledigt dann die Rasterfahndung!
Verzeihen Sie mir bitte, aber ist das nicht der Zauberlehrling, der gerufen wurde und nicht mehr aufhört Wasser zu schöpfen??? In Deutschland sorgt derzeit die Weitergabe von Flugpassagierendaten an die Behörden der USA für einen Riesentumult. Hierdurch erlangen die Terrorfahnder der Vereinigten Staaten Zugriff auf 19 Datensätze von Transatlantik-Reisenden (Name, Adresse, Kreditkartennummer,…). Diese werden für 5 Jahre gespeichert, sollen aber nach sechs Monaten anonymisiert werden (wer’s glaubt?!). In Deutschland braucht man für die Einsicht meines Wissens noch einen richterlichen Beschluss. In den USA??? Bei Ausländern??? Der deutsche Bundesverfassungsgerichtshof hatte die Vorratsdatenspeicherung gekippt – jetzt liegt es an der Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), ein neues Gesetz auf Schiene zu bringen. Doch diese will nur eine siebentägige Speicherung der IP-Adressen und eine komplette Überarbeitung der europäischen Vorgaben. Sie bevorzuge einen “Quick Freeze”, also eine Speicherung nur im konkreten Verdachtsfall. Damit hat sie es sich mit ihrem Kollegen aus dem Innenressort, Hans-Peter Friedrich (CSU) verscherzt. Die Bundes-Angela muss mal wieder ausrücken und vermitteln. Sollte keine Einigung erzielt werden, so droht Deutschland eine Strafzahlung von bis zu 32,5 Millionen Euro, da das Abkommen auch bereits durch das EU-Parlament gegangen ist.
In Österreich wurde die Daten-Vorratsspeicherung einfach eingeführt nach dem Motto: “Wir sind dem Ganzen vorausgekommen! Bei uns gibt’s das schon längst!” Dass damit auch gegen Gesetze, Verfassungsrechte und dem guten Anstand verstossen wird, das werden jetzt wohl die Richter des Verwaltungs- und Verfassungsgerichtshofes klarstellen müssen. Schliesslich heisst es ja in der Verfassung, dass jeder ein Recht auf Privat- oder Intimsphäre hat! Wie sieht’s dabei mit den Datenschutzrechten aus? Der kleine Mann muss sie penibelst einhalten, ansonsten kriegt er es mit den Mühlen Justitias zu tun. Der Staat hingegen kümmert sich nicht darum. Was geschieht, wenn ich mit meinem Steuerberater über meine private Mailadresse mittels verschlüsseltem Mail Firmeninterna beplaudere? Bin ich da plötzlich ein potentieller Steuerhinterzieher, bei welchem am nächsten Tag die Steuerfahndung an die Türe klopft? Wenn ich in einer Mail das Wort “Bin Laden” verwende, schaue ich beim Aufwachen in die Handschellen des Verfassungschutzes oder gar bereits in eine grelle Lampe und Wasser tropft auf meinen Kopf – auf Guantanamo??? Nachdem ich mich in diesem Blog sehr häufig sozialkritisch äussere, stehe ich höchstwahrscheinlich ohnedies bereits unter nachrichtendienstlicher Beobachtung. Fordere ich nun meinen Akt an, erhalte ich 365 Seiten – komplett geschwärzt? Da heutzutage alles digital vonstatten geht, kann man sich auf das Klicken in der Telefonleitung auch nicht mehr verlassen! Wird es künftig überhaupt noch Aufdecker geben? Jene Blogger (Journalisten werden ohnedies von ihren Geschäftsführern oder Gesellschaftern zurückgepfiffen – selten von Chefredakteuren, da diese zumindest noch etwas von Journalismus verstehen), die Missstände aufdecken: Ist diese Spezies zum Aussterben verurteilt, da ihnen das Klima in den Katakomben tief unter der Erde nicht gut tut und sie deshalb ständig mit Lungenentzündungen oder sonstigen bakteriellen und virologischen Infektionen zu kämpfen haben???
Sicherheit der Bevölkerung – ja! Hierfür zahlen wir unsere Steuern! Doch was geschieht, wenn die angebliche Sicherheit immer mehr zur Unsicherheit in der Bevölkerung wird? Und was geschieht, wenn all diese gesammelten Daten in die falschen Hände gelangen? Schon heute erhalten wir Werbezusendungen anhand einer Kohortenselektion. Ich interessiere mich für schnelle Autos und grille gerne ein Bierchen trinkend auf dem Campingplatz! Oh welch ein Zufall, finde ich doch Werbematerial einer Firma im Briefkasten, die Lamborghinis mit Anhängerkupplung versieht um damit die Zielgruppe der Sportwagen-Fans abzudecken, die auch mal gerne mit dem Wohnwagen über den Brenner fahren! Fliege ich für zwei Wochen auf Tauchurlaub zum Barrier-Reef: Muss ich dann davon ausgehen, dass meine Wohnung leergeräumt ist, wenn ich zurückkomme? Der Preis für Möbel wird ins Nichts abstürzen! Dazu muss ich nicht mal in Facebook meinen Urlaub angesprochen haben!
Mit dieser Vorratsdatenspeicherung ist ein Gesetz beschlossen und bereits umgesetzt worden, das jeden Einzelnen auch gefährden kann. Dies wird den meisten Volksvertretern erst jetzt bewusst, wenn Interna plötzlich in der Öffentlichkeit auftauchen, die im intimen Kreise besprochen wurden. Allerorts bringen die Korruptionsausschüsse mehr als unangenehme Details unserer “Vorbilder” zu Tage. Doch haben diese munter für die Datenspeicherung gestimmt. Über 100.000 Unterschriften wurden im Alpenstaat gesammelt (von mir kam eine davon), die sich gegen dieses Gesetz ausgesprochen haben. Die Gesetzgebung bietet die Möglichkeit, dass damit das Thema im Hohen Haus behandelt werden muss. Jedoch reicht eine Mehrheits-Abstimmung, um all diese Bürgermeinungen in der Schublade verschwinden zu lassen. Was würde geschehen, wenn diese enttäuschten 100.000 Menschen eine andere Partei wählen? Dann plötzlich besinnen sich die Politiker ihrer eigentlichen Aufgabe: Vertretung ihrer Wähler! Ich bin grundsätzlich für eine Informationsgesellschaft. Denn Information bedeutet Wissen, Wissen bedeutet Vorsprung und damit Macht. Ich bin mir nur derzeit noch uneins, wo ich am besten die Webcams positionieren soll, damit ich das bieten kann, was von mir als “ehrenhaften” Bürger verlangt wird: Runtergelassene Hosen! Die Versicherungen werden reinschauen und all jene, die während das Vorabend-Programm läuft, noch schnell ein Spinning-Workout machen, besser bewerten als ihre Kolleg(en)-innen, die sich die Chips und das Bier schmecken lassen. Zum Biertrinken bitte in die Abstellkammer!!! Wen interessiert es, ob ich vor dem Schlafengehen am Bett niederkniee und mein Abendgebet spreche! Derjenige hingegen, der zuschaut, verstösst gegen gleich zwei Grund- oder Verfassungsrechte: Das Recht auf freie Ausübung der Religion und v.a. das Recht auf eine Privatsphäre!!! Wo ist sie hin, die geliebte Gesetzespyramide???

PS: Werden künftig die Leserbriefe an die Psycho-Anneliesen der Zeitungen zunehmen? “Liebe Anneliese, mein Nachbar hat sich in das Überwachungsnetz reingehackt und die Aufnahme (ich und meine Frau bei Quietsche-Entchen-Spielen in der Badewanne) auf YouTube gestellt! Was kann ich jetzt machen??? Muss ich künftig das Schild auf der Spumante-Flasche zukleben, damit ich nicht wegen versteckter Werbung belangt werden kann??? Welche Kerzen empfiehlst Du, damit die Ausleuchtung besser wird???”

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Unschuldig – aber er würde es wieder tun

22. Juli 2011 – 15.22 Uhr – mitten im Regierungsviertel der norwegischen Hauptstadt Oslo detoniert eine Autobombe. Acht Menschen werden getötet, mehrere Gebäude teils schwer beschädigt – darunter auch das Öl- und Energieministerium. Ermittler kommen zur Erkenntnis, dass 950 Kilogramm Ammoniumnitrat und Dieselöl dafür verantwortlich waren. Die Stadt ist geschockt.
Inzwischen fährt ein unscheinbarer Fiat Doblo von Oslo aus in Richtung des Binnensees Tyrifjord. Im Auto ist das Radio eingeschaltet. Die Rundfunksender überschlagen sich mit Breaking News zum Bombenanschlag in Oslo. Gegen 17.00 Uhr lässt sich ein als Polizist gekleideter Mann mit der Fähre auf die Ferieninsel Utøya übersetzen. Dort findet in diesen Tagen das Zeltlager von Arbeidernes Ungdomsfylking statt, der grössten sozialdemokratischen Jugendorganisation des Landes. Vormittags war noch die ehemalige Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland zu Gast. Der mit einer schusssicheren Weste ausgestattete vermeintliche Polizist ruft die Jugendlichen zusammen, um sie angeblich über das Attentat von Oslo zu informieren. Plötzlich zückt er seine Waffen und ballert los – ziellos vorerst. Überlebende Augenzeugen berichten, dass der Mann in weiterer Folge in aller Gemütsruhe die Jugendlichen sucht und regelrecht mittels Kopfschuss exekutiert. 69 Menschen werden kaltblütig innerhalb von nur einer Stunde ermordet. Gegen 18.30 Uhr lässt sich der Massenmörder widerstandlos festnehmen. Einen Tag später gesteht Anders Behring Breivik sowohl den Bombenanschlag von Oslo, als auch den Massenmord auf Utøya – allerdings nicht im Sinne des Strafrechtes.
In diesen Tagen hat der Prozess gegen Breivik begonnen. Und er bleibt dabei: Er spricht von Notwehr, sieht sich als unschuldig – ganz im Gegenteil – er meint von sich selbst, ein Held zu sein. Unvorstellbar für die normal denkende Welt! Der Mann kommt aus dem politisch rechten Lager. Zwischen 1999 und 2006 gehörte er der rechtspopulistischen Partei Fremskrittspartiet an, wo er sich auch im Rahmen der Jugendarbeit engagierte. Daneben arbeitete er sich zum “Meister” (3. Grad) der Johannisloge St. Olaus til de tre Søiler empor. Diese Loge gehört zum Norwegischen Freimaurerorden. Im Internet machte er im rechtsextremen Forum norddisk.nu und dem islamkritischen Forum document.nu keinen Hehl aus seiner islamfeindlichen Haltung. So bezeichnete er etwa Brundtland als “Landesmörderin”, da sie in seinen Augen für die Immigrationspolitik Norwegens verantwortlich zeichnet. Die Sozialdemokraten sind nach seinen Denkmustern verantwortlich für den “Massenimport von Moslems”. Er selbst ist der Retter des Landes, da er den Islam zurückwerfen will und all seine Kraft für den Kampf gegen den “Kulturmarxismus” opfert.
Ob Breivik zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig war oder nicht – zwei psychiatrische Gutachten behaupten jeweils das Gegenteil. Das eine meint nein, das andere hingegen ja. Medizinische Untersuchungen legten dar, dass er zuvor Rauschmittel zu sich genommen hatte. Der Prozess muss nun aufzeigen, ob die “Bestie” tatsächlich unter paranoider Schizophrenie leidet oder nicht. Wenn nicht, droht ihm die Höchststrafe. Dies sind in Norwegen leider nur 21 Jahre Zuchthaus. Eine mögliche anschliessende Sicherheitsverwahrung wird diskutiert. Wird er als psychisch krank attestiert, so könnte dies eine geschlossene Anstalt für geistig abnorme Straftäter bedeuten. Für wie lange ist fraglich. Damit stellt sich für die Untertanen von König Harald V. die Frage: Wird Breivik jemals wieder auf die Gesellschaft losgelassen? Einer der Schöffenrichter forderte die Todesstrafe – er wurde seiner Funktion enthoben. Die Todesstrafe gibt es in Norwegen seit Jahrzehnten nicht mehr. Während des Prozesses wird ein drittes Gutachten erstellt. Somit liegt es nicht an den Richtern, sondern vielmehr an den Psychologen, Psychiatern und Rechtspsychiatern über den vermeintlich “Irren” zu urteilen.
Viele sind fassungslos, woher die Waffen, die Munition und die Bestandteile für die Bombe stammen. Im Mai 2009 liess er eine Firma in das Handelsregister der Gemeinde Åmot eintragen. Eine Geofarm zum Anbau von Gemüse, Melonen sowie Wurzel- und Knollengemüse. Hierfür orderte Breivik zwei Monate vor der schrecklichen Tat rund sechs Tonnen Kunstdünger, woraus er das Ammoniumnitrat gewonnen hatte. Die Untersuchungen ergaben, dass er bereits schon mit Sprengstoff auf dem “Firmengelände” experimentiert hatte. Zudem gehörte Breivik dem Osloer Sportschützenverein Pistolklubb an. Einem an sich normalen Schützenverein, in welchem er nach Aussage der anderen Mitglieder auch nie politisch tätig geworden ist. Dadurch konnte er zwei Waffen registrieren lassen. Breivik stammt eigentlich aus gut-bürgerlichem Hause. Sein Vater war Diplomat, seine Mutter diplomierte Krankenschwester. Sie waren voneinander geschieden, er wohnte bei seiner Mutter. Zuerst versuchte er sich offenbar mit einer Importfirma, dann mit dem Verkauf von Computersoftware und von gefälschten akademischen Diplomen, die offenbar in den USA recht guten Absatz fanden.
Seine Einstellung, die Taten und das Ziel das er damit verfolgte, finden sich in dem 1.500 Seiten starken Manifest “2083: A European Declaration of Independence” wieder, das er unter dem Pseudonym Andrew Berwick geschrieben und kurz vor den Anschlägen an nicht weniger als 1003 Mailadressen verschickt hatte.
Ist der Mann psychisch krank oder verseucht durch Ideologien???
In seinem “Manifest” spricht er von drei Hassideologien: Den Kulturmarxismus, den Nationalsozialismus und den Kommunismus. Dies lässt somit auf zweiteres schliessen. Ein von ihm ins Internet gestelltes Video zeigt ihn hingegen als Commander einer Nachfolgegruppierung der Tempelritter. Ihr Inhalt sei es, die Prinzipien der Vorväter anzunehmen um Europa zu retten. Dabei bezieht er sich v.a. auf das Ende der Belagerung Wiens durch die Osmanen. Das war im Jahr 1683 – daher auch die Verbindung zum Titel seines “Manifestes” 2083!!! Diese Ausführungen lassen auf einen geistig Verirrten (verwirrt ist hier das falsche Wort!) schliessen. So auch die Auffassung des ersten psychiatrischen Gutachtens. Breivik habe an “Zuchtzentren für reinrassige Norweger” gearbeitet und den Tempelritterorden als nächste Herrscherriege des Landes vor Augen gehabt. Das zweite durchgeführte Gutachten stammt von einem psychologischen Betreuungsteam aus dem Gefängnis. Demnach benötige Breivik keine Psychopharmaka und sei auch nicht suizidgefährdet. Hier geht man eher von der ideologischen Version aus. Auch der mutmassliche Massenmörder will auf gar keinen Fall als “psychisch krank” verurteilt werden. Dies wurde v.a. im Kreuzverhör mit der Staatsanwaltschaft eindeutig klar. In seiner 30-minütigen Verteidigungsrede bezeichnet sich Breivik selbst als “militaristischen Ultranationalisten” und die Al Kaida als “erfolgreichste militante Organisation der Welt”. Er bereue seine Taten nicht, die übrigens als Selbstmordanschläge geplant waren, doch hierfür fehlte der “Commander” offenbar der Mut! Ganz im Gegenteil – er würde sie wieder machen. In seinen Augen ist er der Hauptdarsteller, der Matador, der Erleuchtete, der es verdient hätte, ein Volk anzuführen! Dabei vergleicht er sich mit dem Indianerhäuptling Sitting Bull, der durch seinen Kampf für die Urbevölkerung Nordamerikas zum Held wurde – nicht zum Terroristen! Hä???
Werte Leserinnen und Leser dieser Zeilen: Ich für meinen Anteil würde diesen Menschen als nicht mehr ganz sauber im Oberstübchen und als Gefährdung der Allgemeinheit bezeichnen. Es ist unglaublich, was sich manche Leute ausdenken und sich immer tiefer in diese Überlegungen verstricken. Solange niemand darunter leidet, ist das wohl jedem einzugestehen. In diesem Falle sind aufgrund solcher Idiotien nicht weniger als 77 Menschen vorsätzlich ermordet worden. Breivik ist dabei vor der Tat angeblich niemandem negativ aufgefallen. Klar – als politisch in der Mitte werde ich niemals in rechten oder linken Foren vorbeischauen. Die Historie hat es sich verdient, nachgelesen zu werden. Doch bereiten mir die Thesen der Chronobiologen manches Kopfzerbrechen, wenn sie meinen, dass alles Leben eine O-Form beschreibt. Soll heissen, dass sämtliches Tun und Lassen in Zyklen vonstatten geht. Die Uhr, der Jahreszeiten-Zyklus, der Sonnen- und Mondzyklus, der Menstruationszyklus, … ach ja: Die Modeströmungen!!! Doch dass sich grosse Ereignisse aus der Geschichte wiederholen – ich hoffe nicht. Wir sollten eigentlich aus den Fehlern unserer Ururur-Grossväter gelernt haben! Könnte man den Zusammenbruch des Römischen Reiches mit der EU vergleichen? Demnach müssten die Horden aus dem Norden kommen! Deutschland??? Oder sind es isländische Elfen, die genug von Europa haben? Dschingis Khan mit seinem Reitervolk aus den mongolischen Steppen – ist dies etwa durch die schleichende Übernahme und Verdrängung der heimischen Küche durch chinesische Labstationen und Sushi-Tempel bereits umgesetzt (übrigens liebe ich Rindfleich Kny Bien)? Die Völkerwanderung – könnte dies die Fussball-EM in der Ukraine und Polen sein? Die Eiszeit??? Dinosaurier??? Mal ehrlich: Sollten wir uns nicht um das Jetzt bemühen, damit das Miteinander angenehmer wird und wir unseren Kindern einen lebenswerten Planeten hinterlassen?

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“Willst Du Nerven spar’n, fahr mit der Bahn” (Copyright: ÖBB)

Bitte? Wie? Grau bin ich geworden – bei meiner ersten Online-Buchung! Doch klar: Es liegt an mir! Das System funktioniert anstandslos!
Einmal alle zwei bis drei Jahre kommt es, dass ich in die österreichische Bundeshauptstadt muss! Sei es aufgrund des kulturellen Angebots (äh Oper natürlich, was denn sonst!) oder vielleicht jenem des ersten Bezirks, oder gar aus beruflichen Gründen. Also möchte ich mir tatsächlich Nerven sparen und die Zeit des Flugs (knapp eine Stunde) oder der Bahn-Fahrt (immerhin von Bregenz bis nach Wien Westbahnhof sieben Stunden) sinnvoll nutzen. Deshalb heisst mein Reisebegleiter auch “Master of desaster” – mein Laptop.
Als Dienstleister kannst Du Dir heutzutage einen Online-Auftritt nicht ersparen. So reagierte etwa das Versandhaus Quelle vor einigen Jahren zu spät (im Vergleich zu Neckermann oder v.a. Otto) und schlitterte auch glatt in den Konkurs. Der Käufer von heute holt nicht nur Informationen aus dem World Wide Web, sondern will, durch die Infos überzeugt, auch gleich zugreifen. Dabei muss es ihm so einfach wie nur irgend möglich gemacht werden, da sich alles andere als geschäftsschädigend auswirken kann. Deshalb hier nun auch die ach so realitätsfremde Schilderung meiner Odyssee. Nennen wir das mal:

“Die Suche nach dem güldenen Vlies”!

Es geschah eines Morgens um 05.30 Uhr. Bei einer Tasse Kaffee vor der Dusche und der Arbeit wollte ich noch rasch über das Internet bei der Österreichischen Bundesbahn eine Fahrkarte nach Wien buchen. Davor muss ich eines noch informierend voraussetzen: Ich gebe über das Internet nur sehr ungern meine Kreditkartennummern weiter. Dies ist meine grundsätzliche Philosophie, womit ich – die Schilderungen meiner Bekannten nachvollziehend – auch bislang sehr gut gefahren bin. Sodele – nachdem auf der Website der ÖBB die Reisedaten eingegeben sind, entdecke ich darunter die Sparschiene! Ich kenn’ sie aus der TV-Werbung: “Von Wien nach Linz für nur 9,- €”! Nachdem jeder von uns in welcher Form auch immer Schnäppchen-Jäger ist (die Ersparnis wird ohnedies in Wien wieder auf den Kopf gehaut!), interessiere auch ich mich dafür. Tatarata: Es lohnt sich wirklich! Auch wenn ich in der ersten Klasse fahre, komme ich günstiger als im Normalpreis für die zweite Klasse davon! Ist gebongt! Siehe da – die ÖBB gehen mit der Zeit – jetzt ist auch Bankeinzug möglich. Sehr löblich, denn für eine Fahrt alle zwei bis drei Jahre schaffe ich mir keine Vorteilscard mit Kreditkartenfunktion oder die Freischaltung der Paybox-Möglichkeit meines Handys an. Doch mit dem Lockruf dieser Sirenen beginnt auch meine Odyssee. Nach Eingabe der Bankdaten erhalte ich eine Fehlermeldung. Also nochmals zurück. Nächste Fehlermeldung! Nachdem der Fehler nicht näher beschrieben wird (“Kontonummer oder Bankleitzahl”) zücke ich nun alle Erlagscheine und Bankschreiben um ausfindig zu machen, was denn nun nicht stimmt. Ich komme mir dabei schon wie ein laienhafter Panzerknacker vor, der versucht, ein Nummernschloss am Safe zu öffnen. Endlich – nach einer halben Stunde des Zahlenprobierens hat es geklappt (die Tücke lag bei den “Führungsnullen”!). In einem Moment des Entzückens schütte ich Kaffee auf die Tastatur, was mir diese sehr verübelt. Es folgt die Suche nach einer anderen Tastatur. Habe gar nicht gewusst, dass ich dermassen viele Schimpfwörter in meinem Wortschatz habe. Als ich zurückkomme, sehe ich ein Fehlerprotokoll. Es sei keine Zahlung eingelangt! Jedoch ist Eile geboten, da nurmehr ein Platz in der ersten Klasse für die Sparschiene frei ist. Somit also: Jetzt oder nie! Ich versuche den ganzen Bestellvorgang noch dreimal – immer wieder dieselbe Meldung. Herrgott – was mache ich nur?! Nach langem Suchen finde ich eine Call-Center-Nummer. Dort angerufen – es ging sehr flott, da die Uhr kurz vor halb Sieben anzeigte – bestätigt mir die hörbar ebenfalls sehr müde aber freundliche Dame, dass die Zahlung nicht eingelangt oder verweigert worden sei. Na no net – das habe ich vorher schon gewusst! Zumeist liege dies an der Bank, meint sie. Auf meine Frage hin, ob es denn möglich wäre, dass ich die Fahrkarte telefonisch bei ihr reserviere und heute im Laufe des Tages an einem vorher zu bestimmenden Bahnhof gegen Barzahlung abholen könne, meinte sie zuerst, dass sie mich hierfür mit der Buchungsstelle verbinden möchte, nur kurz darauf verneinte sie meine Frage. Vor acht erreiche ich bei der Bank niemanden. Also – rasieren, duschen und Frühstück auf Rädern gerichtet. Inzwischen schaue ich bei den Flugplätzen Altenrhein und Friedrichshafen nach. Die AUA bietet von Altenrhein einen Flug für 501,- € an. Intersky verlangt von Friedrichshafen 211,- €. Heilig’s Blechle – damit komme ich ja bis New York!!! Ausserdem muss die Auto-Fahrtzeit noch einberechnet werden (Altenrhein: 1 h; Friedrichshafen: Fast 2 h). Und wo lasse ich mein Auto stehen? Schnell noch auf der Arbeit anrufen, dass ich etwas später komme! Gott sei Dank – 08.00 Uhr. Zweimal bei der Bank versucht – zweimal Warteschleife, einmal davon Telefonzentrale. Doch – der Himmel sei Dank – Rückruf. Der Prokurist höchstpersönlich bestätigt mir, dass keine Abbuchungsanfrage vonseiten der Bank zurückgewiesen worden wäre, da das Konto noch dicke dafür gedeckt ist. Allerdings sei auch keine Abbuchungsanfrage eingelangt! Also – nochmals Versuch der Buchung! Jetzt hab’ ich’s wegen meiner Arbeit eilig. Es erscheint wieder die Fehlermeldung. Bereits schon am Rande des Wahnsinns lese ich in etwa folgenden Satz: Bei der Erstnutzung der Online-Bestellung können nur Tickets im Gesamtwert von 30,- € gebucht werden. Gut – bestelle ein Ticket von Bregenz nach Dornbirn für 3,60 €. Das klappt anstandslos. Jetzt buche ich nochmals von Bregenz nach Wien/Westbahnhof! Und wieder kommt die Fehlermeldung. Jetzt lese ich sie Wort für Wort durch – inzwischen bin ich nämlich hellwach. Und ich traue meinen Augen nicht: Bei Erstnutzung der Online-Buchung und bis zu 12 Tage danach können nur Tickets zum Gesamtpreis von 30,- € bestellt werden! Der Hammer!!! Werte Damen und Herren: Für 30,- € schaffe ich es mit der Bahn gerade mal Vollpreis (2. Klasse) von Bregenz bis kurz vor Innsbruck. Zurück geht’s per Anhalter oder auf Schuster’s Rappen! Eine Stunde später stehe ich nun doch am Schalter im nächsten Bahnhof. Wäre ich mit den Öffis gefahren: Eine Stunde hin, eine Stunde retour plus die zehn Minuten Wartezeit am Schalter! Als ich nun endlich dran bin, bestelle ich das Ticket – als der freundliche Schalterbeamte dann aber “Sparschiene” hört, meint er: “Tut mir leid, das gibt’s nur im Internet!”

Aufgrund dieser Vorsichtsmassnahmen muss ich als Neukunde von einer Art Generalschuld ausgehen: “Der da – Das ist ein potentieller Nichtzahler”! Ich erinnere mich an einen Artikel in der Presse über die sog. “weissen Schafe”: Angesichts der vielen sinnlosen Ausgaben, die die Bundesbahnen in leerstehende Büros investieren, die eigentlich von einem Mitarbeiter (ohne Funktion) belegt sein müssten, der jedoch im Bahnhofs-Café gerade zeitungslesend seinen Cappuccino schlürft, denke ich mir, dass dies in keinster Weise serviceorientiert gegenüber jenen Kunden ist, die nur selten mit der Bahn fahren – es aber vielleicht künftig öfter tun würden. Offenbar kann hier durchaus auf deren Geld verzichtet werden. Stellt man dem die horrenden Steuergelder gegenüber, die Jahr für Jahr in das Unternehmen gesteckt werden müssen – unglaublich! Deshalb fahre ich jetzt mit dem Auto oder mit der Deutschen Bahn. Hier muss ich zwar zweimal mehr umsteigen, dafür kann ich im Nachbarort das Auto am Bahnhof stehen lassen und fahre ab München mit dem ICE. Wer dieses Reisen schon mal genossen hat, der kann auf die österreichischen Bummelzüge gerne verzichten! Ihr macht es Benzinpreis-Flüchtlingen wirklich schwer!

PS: Als ich die Dienste der ÖBB zuletzt in Anspruch nahm, habe ich die Sitzplätze reserviert! Gottlob, denn in Innsbruck ist eine junge Dame zugestiegen, die gemeinsam mit anderen Leidenden vor dem Abteil im Gang bis Wien gestanden, auf Ihrer Tasche gesessen oder irgendwie gelegen ist!

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Ostern – ein Fest des Besinnens

In der Bibel heisst es so schön: “Am Anfang war das Licht…!” Doch kann auch der grösste Philosoph und (Über-)Lebensgrübler mit nur einer Frage aus dem Gleichgewicht gebracht werden: “Was kam denn nun zuerst – die Henne oder das Ei?” Eine Beantwortung der Frage ist nur mit religiösem Hintergrund machbar! Dadurch nämlich wird die komplette Evolution in Frage gestellt! Apropos Eier – da sind wir auch schon beim Thema.
Das Ei ist tatsächlich ein Wunderwerk der Natur. Ausgestattet mit bereits allen Merkmalen, die das spätere Leben prägen und bei all jenen Spezies, die ausbrüten, auch mit dem, was der Nachwuchs bis zum Schlüpfen an Nahrung braucht. Ausserdem freut sich der Esser – in unserem Kulturkreis der Esser der Konsumeier – ist das Ei doch sehr gesund, da es aufgrund dieser vielfältigen Inhaltsstoffe zu den nährstoffreichsten Lebensmitteln zählt. Sehr viele Gerichte in der heimischen Küche sind ohne Eier gar nicht vorstellbar. Ferner gehört für nicht wenige Leser dieser Zeilen sicherlich ein weich- oder hartgekochtes Ei zum Sonntagsfrühstück, wie für manch andere der Kaffee oder die Zeitung. Dies macht das Ei in unseren Haushalten auch so beliebt. Im Jahr 2011 wurden alleine in deutschen Landen nicht weniger als 12,53 Milliarden Eier “produziert” – ein Plus von 17,3 % im Vergleich zu 2010. Doch dies reichte bei weitem nicht aus: 8,57 Milliarden Stück wurden zusätzlich als Ei oder in Form von Eierprodukten ins Land geholt. Zieht man die Exporte in der Höhe von 2,69 Milliarden ab, so bleiben trotzdem noch über 5 Milliarden importierter Eier. Unglaubliche Zahlen! Im laufenden Jahr allerdings sollten diese zugunsten des Exports verschoben werden, da östliche Supermärkte im Bundesgebiet von Tschechen und Polen nahezu leer gekauft werden. Hier haben die Eierpreise eklatant zugelegt. Pro Kopf wurden 2011 nicht weniger als 212 Eier verbraucht – 2010 waren es noch 214. Ob als Frühstücksei, Spiegel- oder Rührei, im Kuchen oder den Nudeln. (Zahlenquellen: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung BLE und Marktinfo Eier und Geflügel MEG).
Ein Ei kann bei richtiger Lagerung bis zu vier Wochen haltbar sein. Kühlschrank ist dabei nicht unbedingt erforderlich – wichtig sind gleichbleibende Temperaturen und die Lagerung mit der Spitze nach unten. In Europa werden fast ausschliesslich Konsumeier gegessen – in anderen Regionen dieser Erde ist dies nicht unbedingt der Fall. Konsumeier werden nicht vom Hahn befruchtet. Hühner legen ab einem Alter von fünf Monaten ohnedies Eier – egal ob eine Begattung stattfindet oder nicht. So werden dies im Jahr rund 280 Eier sein – mit einem Normalgewicht von 50 bis 70 Gramm pro Stück (im Jahr in etwa das Zehnfache des Körpergewichtes des Huhns). Zum Ende des Jahres beginnt die Mauser, die Henne verliert ihr Federkleid und stellt die Eierproduktion ein. Jetzt werden Kraftreserven getankt. In der zweiten Legeperiode sind die Eier dann meist grösser als im Jahr zuvor. Doch erleben viele dieser Hennen keine zweite Legeperiode – sie werden ausgestallt. In diesem Video ein konsumententaugliches Verladen von Puten – nicht von Hühnern!

Dass es auch anders war (hoffentlich nicht mehr ist), zeigt dieser ARD-Report aus dem Jahr 2005.

Legebatterien darf es offiziell in Deutschland und Österreich nicht mehr geben. Dies verbietet beispielsweise im Alpenstaat die “Tierhaltungsverordnung” (http://www.ris.bka.gv.at/bundesrecht/, in die Suchmaske „Tierhaltungsverordnung“ eingeben). Doch: Weiss jeder wirklich genau, woher die bunt-gefärbten Ostereier stammen??? Oder jene Eier, die in der industriellen Produktion von Eierprodukten wie auch der Mayonnaise gebraucht werden? Dies sind zumeist die Billig-Importe aus jenen Ländern, in welchen noch Legebatterien erlaubt sind. Schon hier eröffnet sich mir die Frage: Tiere als reine Produktionsmaschinen? Schande über den Menschen! Auch wenn sich durch das Verbot der Käfighaltung vieles gebessert haben soll. so gibt es nach wie vor grosse Missstände. Beispielsweise hat sich die “Fleischproduktion” an die Fast-Food-Gewohnheiten der Menschen angepasst: Tiere werden nur so lange gehalten, als sie den höchsten Ertrag erzielen, dann haben sie ihr Leben verwirkt! Zuvor bereits werden sie für ihre spätere Bestimmung gezüchtet. Sollten Sie also kleine Eier im Osternestchen vorfinden, so können sie von Massentierhaltung und Massenproduktion ausgehen. Das Huhn, das das Ei gelegt hat, gibt es vielleicht schon gar nicht mehr. Grosse Eier kommen meist vom Bauernhof von nebenan, wo vielen der Tieren unter Umständen doch noch ein zweites Jahr gegönnt wird. Und vielleicht auch Auslauf im Freigehege, denn das Gros dieser Legehennen wird zwar inzwischen am Boden gehalten, sie sehen jedoch niemals Tageslicht und vegetieren trotzdem zwischen den Kadavern ihrer Leidensgenossinnen, die diesen Horror nicht überlebt haben.
Doch ist dies noch lange nicht alles: Gebraucht werden Hennen und nur ganz wenige Hähne. Die Hennen sollen die Eier für die beiden Haupt-Saisonen Weihnachten (Keks-und Kuchen-Leckereien) und Ostern “produzieren”. Die wenigen Hähne müssen befruchten – also Küken “produzieren”. Dabei besagt eine Daumerregel: Ein Hahn für sieben Hühner! Ein fatales Verhältnis! Nach Angaben der Tierschutzorganisation PETA werden jährlich nach dem sog. “Sexen” (also dem Trennen von Männlein und Weiblein – letzteren wird dabei der Schnabel gekürzt) nicht weniger als 50 Mio männliche Eintagsküken vergast oder lebendig geschreddert. Sie können auch nicht als Mast-Hahn herangezogen werden, da diese Hühner einen ausgeprägten Brustmuskel haben sollten. Dies ist bei Hähnen nicht möglich.

Hühner haben ihren Brutinstinkt aufgrund der Spezialisierung komplett abgelegt – in den Vermehrungsbetrieben erfolgt die Brut künstlich. Dadurch fallen auch keine Hennen mehr für die Eierproduktion aus – der Gewinn kann maximiert werden!!! Auch die Legehennen (vornehmlich hochleistungsgezüchtete Hybridhühner) erwartet ein zumeist schreckliches Ende. Völlig ausgemergelt werden sie nach einem Jahr brutalst in Kisten verpackt und bei vollem Bewusstsein geschlachtet.

http://www.soylent-network.com/doku/20huehnerschlachtung.htm

PETA nennt auf der Website die drei grössten “Hühnerproduktionsbetriebe”, die ich aus rechtlichen Überlegungen in diesem Text nicht erwähnen möchte. Ob ein Huhn nun künftig Bio-Eier legen wird oder nicht, das entscheidet sich erst durch das Aufkleben der Lieferadresse auf die mit gesexten Küken vollgestopften Kartons. Zuvor gibt es keinerlei Unterschiede – ausser: Es handelt sich beim Biobauern auch tatsächlich um einen Hobbyzüchter.
Ernährungswissenschaftler raten nicht ab vom Verzehr von Hühnerfleisch oder Hühnereiern. Jedoch sollte beides in Maßen erfolgen. Gerade in den Eiern lagern sich gerne Antibiotika oder Salmonellen bzw. wie jetzt auch wieder Dioxin und andere Schadstoffe an, da das Huhn alles in die Eierproduktion pumpt. Daneben haben sie einen sehr hohen Cholesterin-Gehalt, der den LDL- (low density lipoprotein) und den HDL-Spiegel (high densitiy lipoprotein) des gesunden Menschen durchaus beeinflussen kann. Der Gesamtcholesterin-Spiegel beim “normalen deutschen Menschen” der Altersgruppe 35-65 Jahre liegt bei 236 mg/dl. Ein einziges durchschnittliches Ei besitzt 250 mg. Dies entspricht dem Tagesbedarf einen Erwachsenen.
Ich muss eingestehen, dass auch ich gerne ein Ei zum Sonntagsfrühstück geniesse oder ein Pasta-Fan, also Nudelfreak, bin. Doch hat sich nun meine Einstellung zum Hühnerei durch die Recherche zu diesem Blog grundlegend geändert. Ich achte darauf, welch wertvolles Gut ein solches Ei ist und wieviele Tiere dafür haben leiden müssen. Ich suche mir zudem einen Bauern, bei welchem ich weiss, dass die Hühner Auslauf haben, im Gras picken können und zumindest zwei Jahre überleben. Vorsicht: Auch der Bauernmarkt ist hierfür leider kein Garant mehr. So ist mir eine Marktfrau bekannt, die auch Eier von “glücklichen” Hühnern verkauft. Jeweils zum Ende der Legesaison werden rund 90 von ihnen geschlachtet – sie überleben ihr erstes Lebensjahr nicht!

PS:
Zuletzt noch eine wichtige Erklärung zur Kennzeichnung auf den Eiern – für den denkenden und kritischen Konsumenten (Quelle: Vier Pfoten).
Beispiel: 0-DE-1234567
Die erste Zahl beschreibt die Haltung der Hühner:
0 – Aus biologischer Landwirtschaft
1 – Freilandhaltung
2 – Bodenhaltung
3 – Käfighaltung
Dann folgt das Länderkürzel:
AT – Österreich
DE – Deutschland
NL – Niederlande

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