Archive for Mai, 2012

Udo der Grösste!

Seinem Vater widerspricht man nicht! Diese alte Volkswiesheit habe ich auch mir sehr zu Herzen genommen. Doch gab es da einen Moment, wo ich einfach nicht wusste: Soll ich nun, oder soll ich nicht!? Kam die Sprache auf Musik, so schimpfte er wie ein Rohrspatz! Und er hörte auch gar nicht mehr auf! Udo Lindenberg! Ein Name, der bei ihm wie ein reizauslösender Faktor funktionierte, ein Funke, der das Feuer entfachte oder auch der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Irgendwie kam mir in all den Jahren in den Sinn, dass er ihn vielleicht dann doch nicht wirklich mochte. Gut – ich kannte nicht viel: “Sonderzug nach Pankow”, “Alles klar auf der Andrea Doria” und vielleicht noch “Horizont” und “Airport” – doch dann verliessen sie ihn. Also – enthielt ich mich grossteils meiner Meinung und liess Vattern schimpfen bis er aufhörte, schliesslich ist der Lindenberg ja schon etwas komisch. Etwas eigensinnig! Ja – etwas abgehoben!
Erst seit ein paar Monaten weiss ich, welch’ phänomenaler Musiker dieser Typ doch eigentlich ist. Grund hierfür ist das Album “MTV Unplugged – Live aus dem Hotel Atlantic” und die immer mal wieder erscheinenden Duetts mit Musikern der Gegenwart. Mit Clueso brachte er “Cello” auf den Plattentisch, nur kurze Zeit später folgte “Ganz anders” bzw. “Reeperbahn 2011 (What it’s like)” jeweils mit Jan Delay. 2011/2012 – wer hätte das gedacht – die erfolgreichsten Jahre des Herrn mit dem Schlapphut. Auf dem Album sind all seine grossen Titel enthalten, die grossteils (auch bei mir) einmal gehört, für gut befunden – wieder in der Vergessenheit verschwunden sind. Lindenberg hat sich damit ein Monument seines über vierzigjährigen Schaffens gesetzt. Und dass hier tolle Titel auch dabei sind, muss nicht wirklich erwähnt werden. Schliesslich war es sein – nein “Mein Ding” – er war lange Zeit die Kreativwerkstatt des deutschsprachigen Pops. Auch nicht verwunderlich, arbeitete er doch mit den besten Musikern in seinem Panikorchester zusammen: Curt Cress (Drummer von Weltformat), Peter Herbolzheimer (Posauner und vielfach ausgezeichneter Bandleader), Paul Vincent (Gitarrenhexer u.a. auch bei Freddie Mercury) oder Dave King (Bassist, Keyboarder und Komponist) und Nippy Noya (Percussionist und bekanntester Conga-Spieler auf dem europäischen Kontinent). Beneidenswert, wenn sich solch grosse Experten auf ein Bier und eine Zigarette zur Session im Proberaum treffen. Da sind die Hits bereits vorprogrammiert.
Udo Lindenberg ist eigentlich – man möge mir ein solch unflätiger Ausdruck verzeihen – ein “unguter Patient”. Ein Wanderer zwischen zwei Welten – der realen einerseits (doch die interessierte ihn nie wirklich) und seiner Welt andererseits. Er wohnte über 17 Jahre hinweg im Hotel Atlantic Kempinski in Hamburg. Vor kurzem erst ist er ausgezogen. Aber nicht um – wie viele nun vielleicht denken sollten – seinen Lebensabend im eigenen Häuschen verbringen zu können – nein, er wechselte in das benachbarte Hotel Royal Meridien. Er musste förmlich aus seinem “geliebten Heim” rausgetragen werden, da das Atlantic umfassend renoviert wird.
Wer Lindenberg interviewt, mit ihm zu tun hat oder auch mit ihm zusammen spielt, der muss in die Lindenberg’sche Welt switchen, ansonsten versteht man den Typen nicht. Die Kiddies fahren auf ihn ab, weil er mit den Teenie-Grössen gemeinsam auf der Bühne steht, somit ist das ein cooler Opa. Und ausserdem: “Hör mal, wie der spricht!” Den Menschen Lindenberg mag man oder man hasst ihn! Ein Mittelding gibt es nicht. Und ehrlich gesagt: Mir wäre er zu anstrengend, weshalb ich mich lieber seinem musikalischen Werk widme.
Es ist unglaublich: Der Oldie ist seit 2009 einer Rakete gleich abgegangen (nein – nicht die nordkoreanische!). In diesem Jahr erhielt er den Echó als bester Künstler national Rock/Pop und die goldene Kamera für sein Lebenswerk. Was bei anderen wie die Versetzung in den Ruhestand wirkt, stachelte Big Udo nur noch mehr an. Neben den üblichen Arbeiten für das ein Jahr zuvor erschienene Album “Stark wie zwei” wurde an einer Sonderausstellung gebastelt, begannen die Arbeiten an dem Musical “Hinter’m Horizont” (das Leben des Meisters und die Beziehung zu einer Ostberliner Göre) und malte er das Motiv für zwei Sondermarken der Dt. Post (Sonderzug und Andrea Doria), sowie die Etiketten für mehrere Schwarzwälder Edelliköre. Das Honorar für die Sondermarken liess er der Udo-Lindenberg-Stiftung zur Unterstützung junger Musiker zukommen. Und 2011 schliesslich folgte der Hammer: Das MTV-Unplugged-Konzert in seinem Wohnzimmer, im Hotel Atlantic. Das Album erhielt bereits vierfach-Platin und fünffaches Gold, die Single-Auskoppelung “Cello” wurde ebenfalls mit Gold ausgezeichnet. Dem Musical rennen die Besucher inzwischen die Türen ein und bei seiner noch bis in den Herbst laufenden Tournee spielt er zumeist vor sehr gut besuchtem – wenn nicht gar ausverkauftem Hause. Der zerknirschte Hotel-Öhi startet durch wie kaum ein Anderer vor ihm. Auch für das Album zuvor (das erste Studio-Album seit dem Jahr 2000) gab es fünffaches Gold und für die DVD Platin.
Die Udo-Lindenberg-Stiftung hat der grosse Meister übrigens in’s Leben gerufen, um auch jenen Musikern eine Chance einzuräumen, die wie er nicht mit dem Fluss schwimmen, die Musik nicht für die monotonen Hitparaden machen, sondern eben ihr eigenes “Ding” – fernab vom Mainstream. Ihre Texte sollen provozieren. Hier fühlt sich Udo Lindenberg wohl, sauwohl!!!

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Zu blöd für die Ausbildung???

Er strahlt über das ganze Gesicht: Teenie-Star Justin Bieber hat seinen Schulabschluss gemacht! Doch nicht, weil er es wollte! Vielmehr steckte seine Mutter dahinter. Mit den Millionen, die er bereits gescheffelt hat, leben manch andere ihr Leben lang – ohne Existenzangst. Und er hat mit 18 Jahren seine Karriere höchstwahrscheinlich noch nicht beendet – egal ob man ihn mag oder nicht (ich gehöre eher zu Zweiteren). Dafür hätte er also den Abschluss nicht gebraucht. Der australischen Zeitung “The Daily Telegraph” gegenüber meinte Bieber, dass es hart gewesen sei, jeden Tag zur Schule zu gehen. Doch jetzt habe er die letzten Tests absolviert, die Highschool abgeschlossen – jetzt sei er frei! “Meine Mutter wollte unbedingt, dass ich das mache – also musste ich es für sie tun.”, gesprochen getan. Seiner Mutter hatte er es schliesslich auch zu verdanken, dass er so berühmt wurde, wie er jetzt ist, denn schliesslich hat sie seine ersten Videos gedreht und auf YouTube gestellt, wo er entdeckt wurde. Ja ja – unsere Mütter! Meine hat mich auch durch die Schule geboxt. Die Alternative war damals der Zahntechniker-Beruf! Doch wollte ich nicht mein Leben lang mit den Beisserchen anderer Leute zu tun haben. Dann auf der Uni angelangt, hatte ich einen ausgezeichneten Notenschnitt! Und auch hier ging es mir wie sehr vielen anderen. Als Jugendlicher interessiert man sich für alles andere – doch zumeist nicht für die Bildung. Sehr viele kommen so doof wieder aus der Schule raus, wie sie reingegangen sind. Deshalb amüsiere ich mich auch immer dermassen über die Strassenumfragen in den TV-Magazinen. Zumeist einfachste Fragen zur Allgemeinbildung können nicht beantwortet, Rechnungen nicht gelöst und Texte nicht vorgelesen werden. Klar – es kommt der Kamerastress dazu, der bei vielen ein komplettes Blackout verursacht! Doch offenbar ist das Problem mit dem Bildungsgrad gar nicht so ohne!
Was Betriebe schon seit Jahren beklagen, hat ein grosses deutsches Boulevardblatt nun auf den Punkt gebracht: Schulabgänger sind zu dämlich zum Arbeiten! Nach Angaben der Deutschen Industrie- und Handelskammer sind in bundesdeutschen Betrieben in diesem Jahr rund 25.000 Arbeitsplätze mehr verfügbar. Somit gibt es insgesamt gesehen mehr Ausbildungsplätze als Interessenten dafür. Es war eine Unmenge an Überzeugungsarbeit nötig, doch hat es nun endlich die Wirtschaft erkannt, dass der derzeit herrschende Facharbeitermangel hausgemacht ist, da zu wenig Gewicht in die Ausbildung gelegt wurde. Wichtig waren bessere Umsatzzahlen, damit die Investoren auch bessere Dividenden erhalten. Lehrlinge – braucht man nicht! Die Spezialisten kauft man sich einfach ein! Diese Misere wurde nun erkannt – der Ausbildung kommt wieder jene Priorität zu, die sie haben sollte. Doch stöhnen sehr viele Ausbildner bereits laut auf: “Mit den meisten können wir gar nichts anfangen!” Schulabbrecher, schlechter Notendurchschnitt im Abschlusszeugnis, miserable Leistungen im Eignungstest. Der Präsident der DIHK, Hans-Heinrich Driftmann, drückt es gegenüber der “Bild” zurückhaltend aus: „Zur Realität auf dem Ausbildungsmarkt gehört, dass zu viele Jugendliche nicht ausbildungsreif sind!“ Mei lieber Schorle – harter Tobak!
Die grössten Mankos, die die Ausbilder angeben, sind Defizite in den Fächern Mathematik und Deutsch (beweist auch ständig die PISA-Studie) sowie fehlende Sozialkompetenz. Soll heissen: Die jungen Damen und Herren können nicht auf eigenen Beinen stehen! Von den bis April gemeldeten 30.891 Ausbildungsplätzen in handwerklichen Berufen in Deutschland werden deshalb viele leer bleiben, da sich zumeist Betriebe nicht dafür interessieren, solche Defizite auszubessern (liegt auch gar nicht in deren Aufgabenbereich). Viele Unternehmen sortieren sich bereits an Info-Tagen oder in Form von Schnupperlehren in Headhunter-Manier die besten heraus – die anderen freien Ausbildungsplätze werden mit den Jahrgangsbesten der Eignungstests belegt. Der bei Jugendlichen gerne ausgesprochene Satz: “Dann werd’ ich eben Hilfsarbeiter!” wird somit für viele zur bitteren Realität. Jene Azubis, die’s geschafft haben, hingegen können jubeln wie selten zuvor. Beinahe zwei Drittel werden auch später übernommen.
Es liegt also wieder mal an der Schul- und Bildungspolitik. Hier hat sich im Vergleich zu meinem Blog zum PISA – Test nicht sehr viel geändert, weshalb ich mich auch nicht wiederholen möchte. Könnten die Ideenansätze der Wirtschaft
- mehr Lehrpersonal
- einheitliche Bildungsstandards
- mehr Praktika während der Schulzeit
das Ei des Columbus sein? Ersteres ist derzeit insofern schwer, da in nächster Zeit unheimlich viele Pädagogen in den wohlverdienten Ruhestand wechseln werden – die Zeiten der Lehrerschwemme hingegen vorbei sind. Teilweise übernehmen gar schon Lehramtskandidaten im 2. Studienabschnitt Lehraufträge. Daneben muss die öffentliche Hand sparen. Einheitliche Bildungsstandards werden nun mit dem/der Einheits-Abi/Matura eingeführt – ansonsten gibt es nach wie vor grosse regionale Bildungsunterschiede. Tja – die Praktika – eine tolle Geschichte. Doch welcher Jugendliche interessiert sich bereits in frühen Jahren für sein späteres Berufsbild? Viele möchten hauptberufliche PC-Games-Tester werden!
Im westlichsten Bundesland Österreichs (Vorarlberg) gibt es ein Industrie-Unternehmen, das als vorbildhaft für die Ausbildung des eigenen Nachwuchses gilt: Die Julius Blum GmbH in Höchst. Das Unternehmen hat sich auf die Produktion von Scharnieren, Klappen- und Auszugssystemen spezialisiert und gibt rund 5.300 Menschen einen Job. Seit 1970 werden in diesem Betrieb Lehrlinge ausgebildet. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 261 Azubis, 64 davon im ersten Lehrjahr. Jeweils im Herbst wird ein grosser Infotag abgehalten, bei welchem sich interessierte Schüler alles Wissenswerte über die unterschiedlichen Berufe besorgen und sich den passenden aussuchen können. Bei den berufspraktischen Tagen können sie sich in Form einer Schnupperlehre intensiver mit ihrer Wahl beschäftigen. Der Eignungstest schliesslich findet im März statt. Für die rund 60 Ausbildungsplätze bewerben sich jedes Jahr zwischen 3-400. 2011 qualifizierten sich nicht weniger als 4 Auszubildende von Blum für die Lehrlingsweltmeisterschaften in ihren Bereichen. Kommerzialrat Egon Blum (bis 2005 in der Geschäftführung des Unternehmens verantwortlich für die Bereiche F&E, Konstruktion, Werkzeugbau, Spezialmaschinenbau, Qualitätssicherung und Lehrlingsausbildung) war somit auch durchaus berechtigt zwischen 2003 und 2008 österreichischer Regierungsbeauftragter für Jugendbeschäftigung und Lehrlingsausbildung.
Die Zahl der Schulabbrecher ist in Deutschland mit 6,5 % im Schuljahr 10/11 (2008 waren es noch 7 % – 64.918 Schülerinnen und Schüler) leicht rückläufig. Doch was machen die Abbrecher, wenn ihnen die schlechten Schulabgänger die Hilfsarbeiterjobs wegnehmen? Hartz IV? Ein Leben lang? Nur etwa einem Fünftel gelingt es, einen Ausbildungsplatz zu finden. Mir ist da ehrlich gesagt mein Leben zu wertvoll, als dass ich es mit blossem Dahinvegetieren im sozialen Abseits dermassen vergeude. Und – sollten mal die schulischen Leistungen in der Abschlussklasse nicht wirklich passen, so setzen die Personalchefs inzwischen viel Wert auf zusätzliche Qualifikationen, wie das Freiwilligenjahr, Auslandsaufenthalt, Workcamps, Nebenjobs,… 3.000 Facebook-Freunde oder Rekordhalter beim Abballern von Aliens – dies zählt nicht wirklich als Zusatzqualifikation!

Hier nun noch einige recht Interessante Links:

http://www.rausvonzuhaus.de

http://www.klipp-und-klar.de/dateien/dokumente/lebensphasen/zkk_schulabgaenger.pdf

http://europa.eu/youth/index.cfm?l_id=de

http://www.jugendhilfeportal.de/index.php?id=177

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Mein Gott, ich glaub’, mir wird übel

Eine Schlagzeile in der deutschen Bild erregte diese Woche meine Aufmerksamkeit: “VW will Manager-Gehälter kappen”. Erster Eindruck eines Nicht-Wissenden: Lasst doch den armen Damen und Herren ihr bitter Verdientes! Schliesslich geht in unseren Breiten niemanden das Einkommen eines anderen an. Schafft nur Neider oder Lacher! Wer will das schon. Doch mal im Ernst: Wissen Sie, was Ihr Chef verdient? Ich meine, wenn ihm die Firma gehört – ok, soll er haben, was er will. Schliesslich sorgt er ja auch für mein schmales Einkommen, mit dem ich gerade oder gerade nicht über die Runden komme. Eine Fehlentscheidung betrifft ihn selbst somit unmittelbar. Doch: Sind solche Zahlen für einen Angestellten überhaupt noch zu rechtfertigen???
Die Bild berichtet in diesem Falle von 18,3 Mio € (!!!), die VW-Konzernchef Martin Winterkorn im vergangenen Jahr inklusive der Bezüge bei der Porsche Automobil Holding SE eingenommen hat. Er ist damit der Bestverdiener unter den Bestverdienern der Dax-Konzerne in Deutschland. Manch einer träumt von einem Lottogewinn – für Winterkorn ist sogar ein Doppel- oder Dreifach-Jackpot nur ein Klacks! Das ist inzwischen gar VW zu viel, weshalb sich der Konzern eine Einkommensgrenze seiner Manager überlegt. Winterkorn muss somit bei Vertragsabschluss gut verhandelt haben. Denn das güldene Wort bei Manager-Gehältern lautet: “Boni”! Diese Bonuszahlungen beflügeln so manchen Penthouse-Bewohner zu Höchstleistungen! Eigentlich eine faire Sache: Geht’s dem Unternehmen gut, soll der leitende Angestellte auch etwas davon haben. Schliesslich trägt er die Verantwortung – ein Fingerzeig reicht aus um die Existenz tausender Angestellter und Arbeiter zu gefährden. Doch – was bei diesen kleinen Arbeitsbienen stets vorausgesetzt wird, nämlich ein guter Teamplayer zu sein, darf ein Spitzenmanager niemals darstellen. Denn ansonsten müsste er eingestehen, dass ein solches Resultat, wie es beispielsweise Volkswagen mit 11,271 Milliarden operativem Gewinn im Jahr 2011 eingefahren hat, niemals nur mit den Entscheidungen einer Person, sondern der Arbeit des gesamten Teams zu tun hat – das geht vom Chef bis zur Putzfrau. Unter uns: Wann haben Sie das letzte Mal den Designer-Anzug aus der obersten Etage an Ihrer Werkbank vorbeihuschen sehen? Klar – deren Aufgabe liegt in einem ganz anderen Bereich. Doch sollte sich jeder dieser Gehalts-Millionäre gewiss sein, wem er seinen Reichtum mitzuverdanken hat!
Lassen Sie uns nun mal einen Blick in die Chefetagen der DAX- und ATX-Konzerne werfen, bei anderen Unternehmen müssen die Gehälter nicht offengelegt werden. Boni werden normalerweise für eine besondere Leistung vergeben. Die Finanzkrise jedoch zeigte auf, dass dies auch ad absurdum geführt werden kann. Manager klagten nach ihrer Entlassung auf Bezahlung ihrer vertraglich vereinbarten Boni. Tatsache – was in früheren Zeiten als erstrebenswertes Zubrot gewährt wurde, ist heute bereits fixer Bestandteil so mancher Manager-Dienstverträge. Egal ob aus dem Leiterwagen ein Sportwagen oder der Karren in den Dreck gefahren wurde, diese Boni müssen vom Unternehmen ausgezahlt werden. Der Vertrag von VW-Winterkorn wurde 2009 ausverhandelt. Niemand konnte die steile Entwicklung des Konzerns in den kommenden Jahren vorhersagen. Damals verdiente ein Vorstandsmitglied bei VW noch rund sieben Millionen Euro. Wie allerdings diese Gewinn-Zahlen erreicht werden, interessiert niemand. Für die Aktionäre zählt einzig ihre Dividende. Bei VW war es positiv: Durch Wachstum! Bei manch anderen Unternehmen ist es ein Gesundschrumpfen, Rationalisieren, die Konzentration auf das eigentliche Kerngeschäft, das vielen Arbeitnehmern ihren Job kostet. Um diesem Treiben Einhalt zu gewähren, raten nun selbst Top-Manager zu Obergrenzen. Doch nicht etwa zum Wohle der Unternehmen oder aus Bescheidenheit, sondern sie befürchten die staatliche Kontrolle. Nach Angaben des “Handelsblatt” soll dieser Tage der Aufsichtsratsvorsitzende der deutschen Commerzbank, Klaus-Peter Müller, in einem Brief an seine Kollegen der DAX-Unternehmen diese Obergrenze empfohlen haben. Im Volk nämlich gärt es. Die Lohnerhöhungen werden sofort von der Inflation aufgefressen – die Reallöhne steigen kaum an. Wurden früher bei Kollektivverhandlungen 3 % eingefordert, so sind es heute 6 %. Die Unternehmen jedoch wollen nicht – Streiks sind die Folge. Der Konjunkturmotor brummt noch recht ordentlich in Deutschland und Österreich, was zu hohen Gewinnen der Konzerne führt. Damit steigen die Manager-Gehälter aufgrund ihrer Boni-Vereinbarungen. Irgendwann mag der kleine Arbeiter verständlicherweise nicht mehr. Dann muss die Politik eingreifen. Dies steht nun unmittelbar bevor. Winterkorn etwa verdient in einem Jahr so viel, wie ein Fliessband-Arbeiter in seinem Unternehmen in dessen ganzem Leben nicht. Dies ist die immer grösser werdende Einkommensschere: Die Reichen werden multireich, die Armen immer noch ärmer! Die Vorstandsvergütungsstudie 2011 (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V.) zeigte auf, dass die Managergehälter der DAX-Unternehmen 2010 um 22 % gestiegen sind! Beim kleinen Angestellten werden 6 % als nicht machbar angesehen. Um dies zu verdeutlichen, hier ein Auszug aus den Gehältern im Jahr 2010:

1.) Prof. Dr. Martin Winterkorn (VW) 9,330 Mio €
2.) Dr. Josef Ackermann (Deutsche Bank) 8,987 Mio €
3.) Peter Löscher (Siemens) 8,982 Mio €
4.) Dr. Dieter Zetsche (Daimler) 8,824 Mio €
5.) Prof. Dr. Wolfgang Reitzle (Linde) 6,954 Mio €

Im Vergleich lagen die Manager-Gehälter bei österreichische ATX-Unternehmen 2010 ebenfalls um 19 % höher als im Jahr zuvor:

1.) Helmut Langanger (OMV) 3,282 Mio €
2.) Andreas Treichl (Erste Group) 2,795 Mio €
3.) Hans Peter Haselsteiner (STRABAG) 2,504 Mio €
4.) Wolfgang Ruttenstorfer (OMV) 2,486 Mio €
5.) Gerhard Roiss (OMV) 2,135 Mio €

(Quelle: AK-Studie “Vorstandsvergütung und Ausschüttungspolitik der ATX-Konzerne”, Mai 2011)

Sicherlich – zu den USA, fast nicht erwähnenswert:

1.) Philippe Dauman (Viacom) 84,5 Mio $
2.) Larry Ellison (Oracle) 68,7 Mio $
3.) Leslie Moonves (CBS) 53,8 Mio $
4.) Michael White (Direc TV) 32,6 Mio $
5.) John F. Lundgren (Stanley Black & Decker) 32,1 Mio $

(Quelle: Handelsblatt vom 09.05.2011)

Vestehen Sie mich nun, dass mir übel wird?

Womit hat ein einzelner Angestellter ein dermassen hohes Gehalt verdient – wenn ihm nicht die Firma selbst gehört? Was, wenn trotz des Gewinnes ein Unternehmen pleite geht, da es das Gehalt seiner Manager nicht mehr bezahlen kann? Wieviele Arbeitsplätze könnten gesichert oder neu geschaffen werden, wenn von diesen 18 Mio zehn verfügbar wären? Wie wäre es denn mit einer fairen Entlohnung? Nicht selten müssen die Bezieher von Mindestgehältern noch zusätzlich arbeiten gehen, da das Geld nicht ausreicht. Geschieht dies offiziell, langen die Kassen und Vater Staat in grossem Umfang zu. Ist es ein Wunder, dass der Pfusch nach wie vor blüht? Andere können aufgrund nur eines Gehaltes in Gold förmlich baden! Und sie erhalten zusätzliche politische Schützenhilfe bzw. können sich die besten Steuerberater leisten, sodass unter dem Strich noch mehr übrig bleibt. Börsen-Milliardär Warren Buffett etwa forderte eine Reichensteuer, da er sich in einer niedrigeren Steuerklasse als seine Sekretärin befand! Ist das nicht Irrsinn???

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Grill Dir was!

Yappadappa Doooo! Die geilste Zeit des Jahres hat begonnen: Die Grillzeit! Als passionierter Ursprungsgrilleur sehnt man sich nach den wärmeren und trockeneren Wochenenden um das heilige Geschöpf der Begierde wieder aus der Garage oder dem Keller holen und einem der wohl schmackhaftesten Hobbies nachgehen zu können: Dem Brutzeln auf glühender Holzkohle! Ein weltweit bekannter ebensolcher Grillfan (dessen Namen mir nun (ha) leider gerade entfallen ist, zu dem ich aber immer schon aufgeschaut habe), meinte einst mir gegenüber: Der richtige Mann grillt über Holzkohle! Damit enthalte ich mich der ständig aufkeimenden Diskussion, was denn nun besser ist: Gas oder Holzkohle??? Für mich existiert nur eine Version!
Doch gilt es hier sehr viel zu berücksichtigen, damit die Grillfete auch wirklich erfolgreich wird, nach dem Grillen nicht mehr Kohle übrig bleibt als davor und das Ganze nicht wie damals bei Jon Bon Jovi mit angesengten Haaren endet (angeblich am Grill von Bruce Springsteen geschehen!). Deshalb hier ein paar Tipps – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn: Ich bin ja Ursprungsgrilleur! Soll heissen, dass die Nouvelle Cuisine oder Gemüse-Kreationen bei mir nichts auf dem Rost verloren haben! Auch wenn sie noch so schmackhaft sind. Das wissen auch meine Gäste, die extra wegen der Bratworscht und dem Kotelett zu mir kommen. Die Haubenküche überlasse ich gerne jemand anderem!
Brandbeschleuniger wie Benzin oder Spiritus sind mir verhasst. Auch die Grillanzünder verwende ich wirklich nur dann, wenn’s nicht anders geht. Simpel und einfach hingegen funktioniert die Lager- oder Kaminfeuertaktik. Holz (nicht zu dünn, sondern richtige Holzscheite) zu einer Pyramide auftürmen, darunter etwas Papier und Holzspritzel. Dies angezündet und brennen lassen bis es im Vollbrand steht. Dann die Pyramide umwerfen und die Holzkohle (nicht zu wenig) drauf geben. Haben Sie den Grill auf ihrem Balkon oder zu nahe am Haus positioniert, dann hustet Ihnen spätestens jetzt so manch einer seine Meinung. Deshalb am besten die Nachbarn einladen. Ist auch ein gelungener Anlass, wieder mal über den Einen oder Anderen herzuziehen oder fussball-fach-zu-simpeln. So hat etwa das Oberlandesgericht Düsseldorf entschieden, dass Grillen dann verboten ist, “wenn die dadurch verursachten Geruchsemissionen konzentriert in die Wohn- und Schlafräume von Nachbarn dringen” (Beschluss vom 25. Mai 1995, 5 Ss (OWi) 149/ 95- (OWi)). Erst wenn die Kohle glüht und sich weisse Asche darauf ansammelt, kann das Grillen auch wirklich beginnen. Dabei muss der Rost nicht mit der Chemobombe oder der Drahtbürste durch stundenlanges Schrubben vorher saubergemacht worden sein. Das Geheimnis lautet: Feuerreinigung! Den Russ können Sie dann ganz leicht mit einem feuchten Tuch abwischen.
Das Fleisch sollte einige Stunden (oder über Nacht) in eine Marinade eingelegt und gekühlt worden sein. Hier beginnt nun der Hochsicherheitstrakt eines guten Kochs, der das Rezept der Zutaten dieser Marinade niemals weitergeben wird. Denn diese macht den Geschmack des gegrillten Fleisches aus. Fakt ist, dass die Wirk- und Geschmackstoffe nur wenige Millimeter in das Fleisch einziehen – vollkommen egal ob die Einwirkzeit nur zwei bis drei oder acht Stunden beträgt! Ein Grillmeister meinte einst: Zartes Fleisch gibt es nicht zu kaufen, man muss es selbst machen (Werner Wirth, Schweizer Grillexperte). Diese Marinade sollte dann auch komplett abtropfen oder vorsichtig abgetupft werden. Ansonsten tropft sie auf die Kohle und verursacht gefährliche Rauchgase (Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Schwefeldioxid, …) sowie die giftige Substanz HNE (4-hydroxy-trans-2-nonenal). Dieser toxische Stoff entsteht u.a. auch beim Frittieren mit Pflanzenölen (Pommes Frites beispielsweise) und wird für die Entstehung von Lebererkrankungen, Schlaganfällen bzw. Arteriosklerose oder Alzheimer und Parkinson verantwortlich gemacht, da sie durch das Lebensmittel in hoher Konzentration aufgenommen und mitverspeist wird. HNE reagiert sehr rasch mit Proteinen und Nukleinsäuren. Die Konzentration verstärkt sich mit jedem Erhitzen des Frittieröles, deshalb sollte dieses nur einmalig verwendet werden. Auch die allseits beliebten Grillschalen aus Aluminium können hier nicht wesentlich weiterhelfen. Mit HNE ist ab Temperaturen von 185 Grad zu rechnen. Holzkohle im Grill mit weisser Asche bedeckt erreicht leicht und locker Temperaturen von über 600 Grad. Einzige Möglichkeit: Das Fleisch am Rand des Rostes auflegen, da hier die Temperatur niedriger ist als direkt über der Glut. Wissenschafter der University of Minnesota konnten beim Erhitzen von Sojaöl noch weitere drei Toxigene nachweisen.
Wie nun das Fleisch zart gegrillt wird, ist Geschmackssache und ebenfalls ein Geheimnis des Grilleurs! Manche bevorzugen Kugelgrills, wobei das Fleisch nur angegrillt und dann bei geschlossener Kugel ähnlich wie im Backofen gegart wird. Ich bevorzuge den offenen klassischen Dreibeiner, denn ich bin ja Ursprungsgrilleur! Würste sollten, bevor sie auf den Rost kommen, mit einem spitzen Messer ganz fein eingeritzt, Koteletts hingegen leicht am Rand eingeschnitten werden. Ein Würzen ist zumeist nicht mehr notwendig – wenn doch, dann so spät wie möglich, da Salz und Pfeffer ansonsten verbrennen.
Beim Fleisch selbst muss es nicht immer das übliche Schweinenackenkotelett sein. Minutensteaks, Karree oder Rippchen, Schweinebauch oder Cevapcici – ja sogar T-Bone oder Entrecote, gemischt mit zwei oder drei unterschiedlichen Bratwurstsorten lassen jeden Gaumen jubeln. Und – werfen Sie immer unterschiedliche Sorten auf den Rost. Dadurch können Ihre Gäste das für sie passende selbst aussuchen
Perfekt als Beilagen eignen sich frische Aufbackbrötchen und Kartoffelsalat. Apropos Salat: Mehr als Kopf- und/oder Rucolasalat bzw. Karottensalat ist nicht notwendig. Keinesfalls aber sollte ein guter Tomatensalat fehlen. Er verleiht jedem Grillnachmittag oder Abend eine tolle sommerliche Frische. Getränke – je nach Geschmack, doch am besten schmeckt ein Bier oder ein Radler dazu. Denn Rotwein etwa hat schon wieder zu viel Eigengeschmack, was sich durchaus mit dem Grillgeschmack schlagen kann.
Grillen ist in Deutschland und Südafrika so etwas wie ein Volkssport. Während hierzulande zumeist am Nachmittag oder frühen Abend zur Kohle gegriffen wird, gehört dies südlich des Äquators zum Sonntagsbrunch dazu! In Amerika sind die Barbecues ebenfalls sehr beliebt. Dabei wird in einem Barbecue Smoker das Fleisch zugedeckt bei Temperaturen von 60 bis 130 Grad gegart (Prinzip des Kugelgrills). Jene, die ihr T-Bone durch haben möchten, werden somit noch lange am Tisch warten, während die anderen schon mit dem Verdauungstanz beschäftigt sind. 2010 sorgte ein Artikel in der FAZ in deutschen Haushalten für Massenpanik, als es hiess, dass die Holzkohle knapp würde. Übrigens: Holzkohle entsteht durch Pyrolyse. Luftgetrocknetes Holz mit nurmehr 13-18 % Wassergehalt wird unter Luftabschluss auf 275 Grad erhitzt. Dabei klettern die Temperaturen auf 350 bis 400 Grad an. Methanol entweicht und die Holzkohle bleibt zurück. Sinn des Ganzen ist es, dass höhere Temperaturen beim Verglühen der Holzkohle als beim Verbrennen von Holz erreicht werden können.
Damit ihnen kleine hungrige Mitesser wie Wespen das Grillen nicht verderben, können Sie Salate, Saucen und Getränke zudecken. Alle Flaschentrinker sollten vor jedem Schluck einen Blick in die ebensolchige riskieren.
So – jetzt habe ich Hunger bekommen. Ich hoffe, es war für jeden etwas dabei!!! Mahlzeit!!!

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