Archive for Juni, 2012

Blauer Dunst – wohin des Weges???

Als ich nach lang, langer Zeit wieder mal eines meiner Stammlokale aufsuchte, in welchem ich meine Sturm und Drang-Zeit verbracht hatte, staunte ich nicht schlecht: Gleich nach der Bar trennte eine Wand den geschichtsträchtigen Hort! Während der vordere Teil für die Raucher vorgesehen ist und dermassen voll war, dass man sich gegenseitig auf die Füsse gestanden ist, war der hintere Nichtraucherbereich leer. Ein ähnliches Bild gab es auch vor der Einführung der Schutzbestimmungen in einer Erlebnisgastronomie in Vorarlberg. In einer Disco gähnende Leere – die ansonsten so laut aufschreienden Nichtraucher; in der anderen Geschubse und Gedrängel – der Raucheranteil (darunter allerdings auch viele Nichtraucher). Diese Erfahrung musste auch ein österreichischer Handelsmagnat machen, als er (ein überzeugter Nichtraucher) zur Geburtstagsparty lud und ein Grossteil seiner Party-Gäste plötzlich im Raucherlokal nebenan anzutreffen waren. Nicht, dass Sie mich nun falsch verstehen: Ich finde es sehr löblich, wenn dermassen viele Menschen inzwischen auf ihre Gesundheit achten und mit dem Rauchen aufhören. Ich selbst bin Genussraucher. Maximal vier Glimmstengel am Tag reichen mir. An manchen Tagen rauche ich auch gar nichts. Trotzdem komme ich mir schon ab und an diskriminiert vor. Etwa wenn im Lokal Rauchverbot ist, du vor die Türe gehst, dort allerdings kein Aschenbecher steht und eine Strafe aufgebrummt bekommst, weil du den Zigarettenstummel im nächsten Gully verschwinden liessest. Gut – sei’s drum!
“Dieser Weg wird kein leichter sein” – der Weg, vom blauen Dunst wegzukommen, ist für sehr viele steil und dornenreich. Hypnose, Akkupunktur, Nikotinpflaster, Nikotin-Kaugummis,… Ich schlage simples Joggen vor. Als ich noch jeden Tag meine 12 km abgespult habe, habe ich gerade mal danach eine ganz, ganz milde geraucht. Ansonsten blieb ich zigarettenlos. Macht ja auch keinen guten Eindruck, wenn man sich mit der Hand am Baum abstützend, die Seele aus dem Leib raushustet.
Doch jetzt gibt es etwas ganz neues, das aber nicht weniger umstritten ist: Die E-Zigarette! Bereits 1963 erwarb Herbert A. Gilbert ein Patent hierauf. Sie ging jedoch nie in Serienproduktion. 2003 überarbeitete der Chinese Hon Lik die ursprüngliche Erfindung. Fristete sie bislang eher ein Schattendasein, so machte sie Hollywood-Star Johnny Depp in seinem Streifen “The Tourist” bekannt. Inzwischen greifen rund 2 Mio Deutsche zum etwas anderen Glimmstengel. Nein – es ist kein sinnloses Gadget, Schund oder Tand – es steckt wirklich Erfindergeist dahinter. Deshalb hier kurz die Funktionsweise, wie diese Dinger tatsächlich einen Suchtwechsel realisieren können. Eine E-Zigarette sieht den Kollegen aus dem Tobaccoland in vielen Fällen sehr ähnlich. Eine Leuchtdiode soll bei manchen den glimmenden Teil am einen Ende simulieren. Zieht man nun am Mundstück, so setzt ein Unterdruck-Sensor die Verdampfer (Heizspiralen mit 7-12 Watt) in Gang. Eine Flüssigkeit (Liquid) wird auf rund 65 Grad erhitzt und verdampft. Mit einem tiefen Lungenzug wird somit eine Art Aerosol eingesogen. Dies besteht hauptsächlich aus Propylenglycol und Wasser mit geringen Anteilen an Zusatzstoffen wie Nikotin, Ethanol oder auch Glyzerin. Kann also durchaus für Asthmatiker von Vorteil sein, wie auch einige Testberichte bestätigen. Und der ejakulative Höhepunkt: Es gibt die elektrischen Glimmstengel in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen wie z.B. Kaffee oder gar Whiskey! Ganz lustig sind die Geschmacksrichtungen Vanille oder Lakritze! Für die etwas Süsseren unter uns!!!
Eigentlich somit eine gute Sache! Paffer allerdings haben eher weniger davon, ausser einem Nachgeschmack auf der Zunge. Zu Risiken und Nebenwirkungen informieren Sie die Packungsbeilage oder doch besser Ihr Arzt und Apotheker. Denn diese kleinen Dinger haben es offenbar in sich. So wurden bei einer Studie Reizungen der Augen und des Rachens bei einer Konzentration von 31 mg/l festgestellt. Für den Rauch ist nämlich das Propylenglycol zuständig. Eigentlich ungefährlich, kann es jedoch in Gasform kurzfristig die Atemwege reizen. Viele werden das schon beim Tanzen in der Disco mitgemacht haben, sobald die Nebelmaschinen angeworfen werden. Auch das ist Propylenglycol! Bei Tierversuchen wurde festgestellt, dass die Inhalation von Glyzerin und 1,2-Polyethylenglycols zu Veränderungen des Zellepithels im Kehlkopf führte. Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist ausserdem darauf hin, dass es zu Reizungen der Nasenschleimhäute bis hin zum Nasenbluten kommen kann und empfiehlt deshalb die Verwendung der E-Zigarette nur in Raucherzonen. Nähere Studien, v.a. Langzeitstudien, sind noch nicht angestellt worden. Jedoch raten Gesundheitsexperten vorerst vom Gebrauch dieser E-Zigaretten aus dubiosen Quellen ab. Ähnlich wie die vielen lustigen bunten Pillen werden auch diese E-Zigaretten zu einem grossen Anteil über das Internet angeboten. In Deutschland jedoch sind sie auch auf dem freien Markt erhältlich. Hier haben sich die Gerichte noch nicht entschieden, ob die E-Zigarette der Raucherentwöhnung dient und somit unter das Arzneimittelgesetz fällt oder nur der Suchtbefriedigung, wie auch die Zigarette. In Österreich unterliegt sie dem Arzneimittelgesetz und darf deshalb nur mit Zulassung beispielsweise in Apotheken verkauft werden. Vorsicht geboten ist für Kanada, Brasilien und Singapur: Hier ist sie gänzlichst verboten. Bei den Produkten aus dem Internet steht meist nichts über die Zusammensetzung der enthaltenen Flüssigkeit auf der Verpackung. Ausser vielleicht, dass der Nikotingehalt hoch oder niedrig ist. Ist aber auch schon bei Produkten “Made in Germany” geschehen – deshalb mein Tipp: Lassen Sie das Gerät durch den Verkäufer auspacken und begutachten Sie die Kartuschen genau. Oder: Essen oder trinken Sie auch etwas, wovon Sie nicht wissen, was es ist? So wurden in den USA bei der Untersuchung einer Beschlagnahmung durch die FDA im Jahr 2009 giftige Substanzen (Diethylenglycol, Nitrosamine) nachgewiesen. Ein halbes Jahr später jedoch wurde die Zulassung als Arzneimittel ausgesprochen. Eine andere Untersuchung aus Neuseeland wies krebserregende, polyzyklische, aromatische Kohlenwasserstoffe nach, die jedoch in einer weitaus geringeren Konzentration als in den normalen Zigaretten enthalten waren.
Daneben sind die normalen Zigaretten irgendwann – spätestens beim Erreichen des Filters “feddisch”! Eine solche E-Zigarette können Sie jedoch theoretisch rauchen, bis die Kartusche oder der Akku leer ist. Deshalb darf keineswegs der Nikotingehalt unterschätzt werden. Nikotin ist eine ölige, farblose Droge. Es beeinflusst die nicotinischen Acetylcholinrezeptoren, die in den Ganglien der Nervenzellen vorkommen. In geringen Mengen genossen, hat Nikotin eine stimulierende Wirkung, da es die Ausschüttung des Hormons Adrenalin sowie der Neurotransmitter Dopamin und Serotonin anregt. In höheren Dosen jedoch steigt der Blutdruck, weil sich die peripheren Blutgefässe verengen und der Herzschlag erhöht wird. Durch die Blockade der Ganglien des vegetativen Nervensystems können jedoch Befehle nicht mehr weitergegeben werden. Etwa auch nicht an die Lunge oder das Herz. Nikotin steht entgegen der landläufigen Meinung nicht als karzinogene Substanz auf der Liste der Internationalen Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Wird also eine solche E-Zigarette mit beispielsweise höherem Nikotingehalt geraucht bis “Dampf aus” gegeben wird (der Akku hat sich bei normaler Verwendung nach einem Tag entleert), kann dies zu Vergiftungserscheinungen führen.
Noch etwas zur gesetzlichen Lage: Rauchfrei heisst verbrennungsfrei. Beim Rauchen einer Zigarette werden rund 4.000 Stoffe freigesetzt (Kohlenmonoxid, Formaldehyd, Blausäure, Arsen,…). Sollte also meine Wasserpfeife mit Strom und nicht mit glühender Holzkohle funktionieren – haben wir einen Präzedenzfall, denn in diesem Falle dürfte ich sie ja eigentlich ebenfalls in Nichtraucherzonen benutzen. Die Verfechter meinen, auch diese E-Zigaretten unterliegen den Schutzbestimmungen, da noch nicht nachgewiesen ist, ob sie die Raumluft verschmutzen. Dieser Meinung sind auch die meisten Fluggesellschaften und Bahnunternehmen. Umstritten jedoch ist der Gebrauch in der Gastronomie. In Köln etwa verboten, in Bayern und Niedersachsen erlaubt. Atemlufttests haben ergeben, dass ein Dampfer zwischen 80-92 % des Nikotins in der Lunge zurückhält. Das Propylenglycol verbleibt zu 98,9 bis 100 % im Körper. Somit gelangen also nur jene Schadstoffe in die Raumluft, die ein Dampfer ausatmet. Dies gilt jedoch nur für vom Werk gelieferte, offizielle Kartuschen. Wurden sie durch einen experimentierfreudigen Dampfer selbst gefüllt, können durchaus giftige Inhaltsstoffe enthalten sein. Und wie sieht’s mit einer Alkoholkontrolle aus? 1,2-Propylenglycol zählt zur Gruppe der mehrwertigen Alkanolen, Ethanol ist ein einwertiger Alkohol. Alkohole verflüchtigen sich eigentlich, wenn sie erhitzt werden. Was aber geschieht, wenn sie direkt eingeatmet werden? Wirken sie dann nicht weitaus direkter und heftiger als über den Umweg Magen/Darm? Und zuguterletzt: Was geschieht, wenn ich das Ding beim Griff in die Manteltasche mit dem Elektroschocker verwechsle???
Der Schweizer Tabakforscher Prof. Jean-Francois Etter von der Universität Genf bringt’s somit auf den Punkt: “Das einzig gesunde Verhalten in Punkto Rauchen ist und bleibt das Unterlassen!”

PS: Mir wurde übrigens vor kurzem von einem Nichtraucher Dank ausgesprochen! Dank für die vielen Steuern die ich als Raucher und Autofahrer bezahle!!!

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Wenn ich einmal reich wär,…

Ivan Rebroff machte diese Melodie aus “Anatevka” weltbekannt. Mal ganz ehrlich: Haben Sie nicht auch schon mal einen solchen Traum gehabt?

Was wäre, wenn ich im Lotto gewinnen würde!?

Was würde ich mir sofort leisten, was später und wie würde ich das Geld möglichst gewinnbringend anlegen, sodass ich auch möglichst viel davon habe! Sodele – und hier sind wir bereits bei den Sorgen der Reichen: Was mache ich mit der Knete und wie kann ich mehr draus machen. Befragt man einen Reichen, was denn nun bei seinem Aufstieg die schwerste Hürde war, so sagen die meisten: Die erste Million! Denn – hier mussten auch die Superreichen schwer arbeiten, wenn sie nicht in den Schoss einer “gestopften” Familie gefallen sind. Ist Geld da, dann ist es mit etwas Hausverstand eigentlich nicht schwer, mehr daraus zu machen. Sie können es arbeiten lassen! Dies setzt aber voraus, dass Sie diesen Anteil, der mehr bringen soll, nicht selbst zum Leben benötigen. Als Beispiel: Der Doppel-Jackpot-Gewinner, der trotz des vielen Geldes weiterarbeitet. Auf diese Art verfügt er über ein Grundeinkommen, mit dem er über die Runden kommt. Sicher wird das eine oder andere vielleicht gleich angeschafft: Ein neues Auto anstelle der 20 Jahre alten Rostlaube; ein 70-Zoll-Plasma anstelle des kleinen Röhren-Bildschirms, der langsam aber sicher schon Streifen bekommt; tja und im Urlaub geht’s vielleicht mal auf Malle anstatt zum Baggersee. Aber das andere Geld wird angelegt, sodass der Lebensabend dann in vollen Zügen genossen werden kann. Derjenige, der das Geld auf den Putz haut, wird nach 2-3 Jahren nichts mehr davon haben. Nicht einmal mehr Freunde, da die alten, wirklichen aufgrund der neuen davongelaufen sind.
Ja, ja – der Traum des Lottogewinns. Viele träumen ihn. Vor allem aber jene, die schwer schuften müssen und trotzdem zu wenig Geld für’s Leben haben. Dabei muss man hierfür nicht mal über seinen Verhältnissen leben. Schulden trotz Beruf? Es reicht ein Unfall, eine Krankheit oder vielleicht die nicht selbst verschuldete Arbeitslosigkeit des Partners. Nur wenige schaffen es, nach einem beinharten Acht-Stunden-Tag noch eine Ausbildung zu machen, die einen in der Karriereleiter nach oben bringen könnte, wodurch auch der Verdienst gleich anders aussehen würde.
Wir alle kennen sie: Die Geschichte vom amerikanischen Traum! Der Tellerwäscher, der Millionär wurde. Oder der Student Alex Tew, der sein Studium finanzieren wollte und Pixel auf seiner Homepage verkaufte. Auf seiner Homepage http://www.milliondollarhomepage.com/ prangert das Schild “Sold out”! 1 Million Pixel zu jeweils 1 $ pro Pixel! Gute Ideen, schwere Arbeit und eiserne Disziplin benötigen solche Menschen. Während andere beim Feierabend-Bier im Stammlokal sitzen, ackern diese noch in irgendwelchen Kursen oder arbeiten auf einer anderen Baustelle. Von der Gosse in die Millionen Villa in Beverly Hills. Doch andere wiederum schaffen es nicht. Und dies ist der überwiegende Teil der Menschheit.
Sicherlich – die Gruppe der Reichen wächst. So kamen alleine in Deutschland im Jahr 2011 27.000 neue $-Millionäre in den Kreis der Erlauchten (Angaben lt. Wohlstandsbericht des Beratungsunternehmens Capgemini und der Royal Bank of Canada). Damit nicht genug, werden doch die Reichen immer reicher und die Armen ärmer. Diese Ungleichverteilung wird meist mit dem Gini-Koeffizienten angeführt. 0 bedeutet gleich verteilt, 1 ungleich. Etwas genauer ist da schon die Hoover-Ungleichverteilung, da sie die Abweichung vom Mittelwert in beide Richtungen darstellt.
Weltweit etwa betrug nach einer Studie des World Institute for Development Economics Research der Vereinten Nationen der Gini-Koeffizient 0,892. Dies heisst, dass unter zehn Menschen eine Person nahezu 99 % des Vermögens besitzt, neun hingegen nur 1 %. Das eine Prozent der Superreichen teilte sich 40 % des Weltvermögens, die 10 % der Reichen teilten sich 85 % (hier sind die Superreichen auch dabei). Die meisten Reichen gibt es selbstredend nach dieser Studie in Nordamerika, gefolgt von Europa und Asien (Stand: 2000).

In Deutschland regierten die reichsten 10 % der Bevölkerung im Jahr 2007 über nicht weniger als 61-66 % des Vermögens. Davon hatten die rund 70.000 Superreichen (0,1 % der Bevölkerung) nicht weniger als 1,627 Billionen € – rund ein Viertel des Gesamtvermögens. Die zehn reichsten Deutschen alleine hatten ein Vermögen von 113,7 Milliarden €. Eine ähnliche Verteilung gibt es auch in Österreich. Nach einem Bericht der Arbeiterkammer Oberösterreich aus dem Jahre 2011 besitzt alleine das eine reichste Prozent der Bevölkerung mehr als ein Drittel des geschätzten Privatvermögens von insgesamt 1,3 Billionen €. Dies ist mehr als rund 90 % der Bevölkerung gemeinsam auf die Waagschale legen kann.
Im selben Jahr waren nach dem Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Deutschland nicht weniger als 12 Millionen Menschen armutsgefährdet (14,5 % der Bevölkerung). Sie müssen mit 826 € monatlich (Singlehaushalt) bzw. 1.735 € für eine vierköpfige Familie auskommen. In Österreich liegt die Armutsgefährdungsschwelle bei 1.031 € (Singlehaushalt) bzw. bei 2.165 € für eine vierköpfige Familie. Im Alpenstaat sind 1,004 Mio Menschen armutsgefährdet – dies sind 12,1 %.
Nochmals: Die Gründe hierfür müssen nicht immer selbstverschuldet sein. So kann man durchaus zuvor wohlhabend gewesen sein, fiel jedoch auf einen Anlagenberater rein. Ein Freund bat um kurzfristige finanzielle Hilfe – den Freund und das Geld sah man nie wieder. Es sind nicht alle wie der Deutsche Arno Duebel, der seit 30 Jahren von der Stütze/Hartz IV/der Sozialhilfe lebt und jetzt ein lukratives Angebot für einen Auftritt in einem TV-Format von Pro7 ablehnte.
Auf 635 Weltbürger folgt ein Weltbürger mit einem Vermögen von zumindest 1 Mio $. Diese Reichen des Planeten verfügen über 42 Billionen US-Dollar. Dies sind um 700 Milliarden $ weniger als noch 2010. 42,000,000,000.000 $!!! Die komplette deutsche Wirtschaftsleistung belief sich im Vergleich hierzu im Jahr 2011 auf 2,57 nur Billionen €! Der Wirtschaftsboom in Deutschland zeigt sich auch hier: Zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen leben 950.000 Millionäre (ein Plus von 3 % im Vergleich zu 2010). Nur in den USA und Japan leben mehr Reiche. Übrigens: Von einem §-Millionär spricht man dann, wenn jemand über Finanzvermögen in der Höhe von 793.000 € verfügt. Unter Finanzvermögen versteht man die selbstgenutzte Finca auf Mallorca ebenso wie den Porsche vor der Tür oder den Schiele im Wohnzimmer (Igitt!). Die vorhin erwähnte Studie der Vereinten Nationen wurde durch den Bericht der Royal Bank of Canada bereits Lügen gestraft: Nachdem die Region Asien/Pazifik die Euro-Zone bereits überflügelt hat, wurde nun auch die Dollar-Zone geknackt! Und hier fällt eines ganz besonders auf: Gerade in den kommunistisch regierten Ländern wird der intensivste Kapitalismus umgesetzt: Damit einige wenige mit Parteibuch in Champagner baden und ganze Tiefgaragen mit Nobelkarossen und Sportwägen vollstellen können, blutet das Volk. Kinderarbeit, Arbeitssklaverei – in so manchem Staat Ferostasiens an der Tagesordnung. Doch sollten wir uns hierbei selbst an der Nase nehmen: Schimpfen und verurteilen? Beides gab es vor noch gar nicht allzu langer Zeit auch bei uns. Besser wäre ein kritischer Konsum. Verbannen wir jene Firmen aus unseren Wohnungen, die heimische Arbeitsplätze zugunsten solcher Billiglohnstaaten gestrichen haben. Kaufen wir heimische Qualität, bleibt auch die Wertschöpfung im Land. Dadurch erhalten wir bei uns Arbeitsplätze. Somit haben wir mehr Geld, das wir in den Konsum fliessen lassen können. Fliesst jedoch dieses Geld ins Billiglohn-Ausland, so begünstigen wir damit, dass die Reichen dort noch reicher, die Armen immer noch ärmer werden. Gleichzeitig gefährden wir heimische Arbeitsplätze, wodurch wir immer mehr auf Billigware zurückgreifen müssen, da das Geld knapper wird. Die wirtschaftliche Abhängigkeit mit Fernostasien wird grösser, das Wirtschaftswachstum in Deutschland und Österreich immer kleiner. Somit bekenne ich mich zu meiner Meinung: Ich mache lieber einen mitteleuropäischen Reichen noch reicher, wenn ich weiss, dass er hierzulande Arbeitsplätze schafft, als einen Parteibonzen in Peking, Hanoi oder Vientiane, der nicht mehr weiss, wohin er mit dem Geld soll, dafür aber das Volk hungern und/oder ausbluten lässt!

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Kaffeetrinken lässt Tierarten schwinden

Das ist wahrhaft harter Tobak! Ich trinke täglich in der Früh drei Tassen Kaffee – das brauche ich einfach zum Wachwerden. Ansonsten aber – während des Tages – nichts mehr. Dies sind rund drei Kaffeelöffel mit jeweils ca. 4 g. Multiplizieren wir dies mit rund 350 Tagen (an manchen Tagen wache ich grundsätzlich nicht auf), so benötige ich pro Jahr 1,4 kg des schwarzen Goldes – runden wir auf: 1 1/2 kg. Wie für so manch anderen, ist dies mein morgendliches Betriebsmittel, ohne dem der Kreislauf nicht in Schwung kommt. Sicherlich versuche auch ich, Fair Trade-Kaffee zu kaufen, was allerdings nicht immer ganz so einfach ist. Schliesslich geht es bei diesem Getränk vornehmlich um den Geschmack! Deshalb sind auch Milch und Zucker bei mir verpönt! Und – dass vermeintlich teurere Sorten auch besser schmecken, ist ein grosser Irrtum, schliesslich spielt dabei die Röstung der Bohnen eine ganz entscheidende Rolle. Aber – ich merke schon: Ich verfalle in das Kaffeehaus-Philospohieren! Wollte damit nur meinen Antrieb begründen, weshalb ich auch weiterhin täglich an der Tasse nippen werde!
In der Fachzeitschrift “Nature” ist dieser Tage ein mehr als interessanter Artikel erschienen. Ein Forscherteam hat nach intensivsten Studien festgestellt, dass der internationale Handel in weitaus grösserem Umfang als bislang angenommen zum weltweiten Artenschwund beiträgt. 25.000 bedrohte Tierarten von der roten Artenschutzliste wurden mit dem Warenverkehr von 15.000 Produkten verglichen. Schliesst man den Einfluss invasiver Arten aus (gebietsfremde Arten, wie etwa der Borkenkäfer in Thailand), so werden nicht weniger als 30 % durch diesen globalen Handel bedroht. Beispiel: Der Kakao- und Kaffee-Anbau schränkt in Mittelamerika den Lebensraum der Geoffroy-Klammeraffen (Ateles geoffroyi) extremst ein. 395 Tierarten sind so beispielsweise durch den Import von Produkten oder Rohstoffen aus solchen Ländern nach Deutschland betroffen. Alleine 8 in Afrika aufgrund des Automobilbaus “Made in Germany”.

Um dies erklären zu können, muss ich etwas ausholen. Der Mensch braucht immer mehr Platz auf diesem Planeten. Nicht unbedingt zum Wohnen oder für Strassen! Obwohl auch dies nicht wenig ist! Doch wird hierfür jener Platz beansprucht, der bislang den Tieren und Pflanzen vorenthalten blieb. Der Mensch hingegen ist anpassungsfähiger. Anstatt mehr in Steppen und Wüsten hineinzubauen, wird hierfür immer mehr Grünfläche verbraucht. Grünfläche, die aber eigentlich für die wirtschaftliche Nutzung dringend gebraucht würde: Für den Anbau von Nahrungsmitteln und Biotreibstoffen. Hierfür Steppengebiete nutzbar zu machen, ist weitaus schwerer, als sie für die Urbanisierung zu nutzen. Berechnungen des WWF haben ergeben, dass die Menschheit im Jahr 2050 rund drei Planeten brauchen wird, um den Bedarf an Nahrungsmitteln, Wasser und Energie decken zu können. Schon jetzt werden Ressourcen aufgebraucht, die künftig dringend benötigt würden. Also geht die Rodung von Regenwald um Anbaufläche zu erhalten in dermassen hohem Tempo voran, dass wir in absehbarer Zeit keine grüne Lunge mehr auf diesem Planeten haben werden. Hier werden anstatt dessen Ölbaum-, Soja- und Kaffeeplantagen hochgezogen. Monokulturen, die nurmehr einen Bruchteil der Regenwald-Photosynthese bewerkstelligen, die aber gleichzeitig auch sehr anfällig gegen Schädlinge sind. Einer reicht sehr häufig schon aus um eine ganze Ernte zu zerstören. Daneben wird das Land anfälliger für Naturkatastrophen, da das Wasser nicht mehr gespeichert wird, sondern direkt abfliesst.
Der grösste Teil dieser hier erzeugten Produkte wandert in den gierigen Schlund der Industrieländer, denn die haben das so immens wichtige Geld. Für die einheimischen Arbeiter bleibt meist nur ein Klacks über. Dies sind die wirtschaftlichen Nachteile. Dadurch richtet sich die Menschheit selbst zugrunde. Jene aber, die nichts dafür können und trotzdem die Zeche bezahlen müssen, sind die Tiere. Ihnen wird der Lebensraum genommen – sie sterben aus. Derzeit besonders an den Tigern und den Flussdelphinen zu sehen! Schon sehr bald ein Teil der Geschichte. Der Tiger beispielsweise ist im tropischen Regenwald Fernostasiens zu finden. Unzählige andere Tier- und Pflanzenarten bevölkern auch die anderen Regenwaldzonen in Mittel-Westafrika (Kongo, Gabun) bzw. Mittel- und nördliches Südamerika (Kolumbien, Guatemala, Brasilien). Alleine in Brasilien werden jährlich rund 31.000, in Indonesien 18.700 Quadratkilometer Regenwald gerodet (Zahlen lt. Statistik 2000-2005). Während in Fernostasien vornehmlich Ölbaum-Plantagen angebaut werden (hierüber habe ich schon detailliert berichtet), ist es in Afrika Kakao und in Amerika Kaffee. Zwei Genussmittel für die Reichen dieser Erde.

Wenn ein solcher Anbau erfolgt, wie in der Mitte des Beitrages zu sehen – nachhaltig, ohne Ausbeutung der Arbeiter und ohne Abholzung von Regenwald – dann ist ja eigentlich nichts dagegen einzuwenden. Doch: Ob der Mann mit seiner 11-jährigen Tochter, der in der Finka gezeigt wurde, die für ein grosses deutsches Premium-Unternehmen liefert, noch dort arbeitet und lebt, ist zu bezweifeln. In diesem Falle wurde Regenwald für die wirtschaftlichen Interessen eines Einzelnen abgeholzt. Wieviele Menschen dort nun ausgebeutet werden, wieviele Pflanzen und Tiere dafür sterben mussten, interessiert niemanden, der mit Genuss hierzulande an seiner Tasse Kaffee schlürft. Beinahe jedes dritte Tier auf der roten Liste des Artenschutzes wird durch den internationalen Handel bedroht. Somit sollte die Schuld nicht nur jenen Produzenten zugeschoben werden, die den Regenwald abholzen, um für sich und die Familie den Lebensunterhalt zu verdienen oder wie die Grossgrundbesitzer dadurch reich zu werden. Eiegtnlich ist jeder dafür verantwortlich, der diese nicht lebensnotwendigen Genussmittel zu sich nimmt bzw. Pflanzenöl anstelle von Raps- oder Sonnenblumenöl verwendet.
Am perversesten jedoch ist der Soja-Anbau. Keine Frage: Soja könnte den weltweiten Hunger stoppen. Doch wird es häufig dort gar nicht eingesetzt, wo es benötigt würde: In den Entwicklungsländern! Dort müssen die Hungernden von grossteils trockenem Reis leben. Dieser jedoch ist nicht unerheblich an der Klimaerwärmung beteiligt, entsteht doch durch seinen Anbau Methan bzw. Lachgas, das sich um 21-mal bzw. 310-mal schlimmer im Treibhaus-Effekt auswirkt als das bekannte Kohlendioxid. Nein – Soja bringt mehr Geld als Reis und wird somit in die Industrieländer exportiert. V.a. jene Personen greifen dort zu, die nicht das billige Rapsöl aus heimischer Produktion verwenden möchten oder jene, die einen Fleischersatz brauchen: Veganer und Vegetarier etwa. Meines Erachtens mehr als überlegenswert: Hierzulande wird für das Recht der Tiere auf ein entsprechendes Leben gekämpft, in den Anbaugebieten jedoch sterben Tiere und Pflanzen für den Plantagenbau! Doch werden nur rund 2 % der Produktion direkt verspeist. Der überwiegende Teil wird zu Öl oder Biodiesel verarbeitet oder landet in der Tierfütterung!
Alter Schwede, ist das ein Todeskreislauf! Da versuchen wir hierzulande gesund und nachhaltig zu leben. Ermöglichen vielleicht auch, dass die unmittelbare Umwelt erhalten bleibt, dafür sterben in den Anbauländern Menschen, Tiere und Pflanzen dafür. Zuerst waren es die Rohstoffe und kostenlosen menschlichen Arbeitskräfte, die Afrika, Südamerika und Asien so begehrt machten – jetzt sind es die angeblich nachhaltigen Pflanzen. Und übrigens: Nachhaltige Bewirtschaftung heisst, dass auch in Jahren noch etwas auf dem Boden angebaut werden kann! In den meisten Plantagenregionen jedoch wird exzessiv bewirtschaftet! Angepflanzt und geerntet wird so lange, bis der Boden ausgelaugt und mürbe ist. Dann zieht man weiter – weiter hinein in den Regenwald. Das Land, das zurückbleibt ist Brachland. Aus dem ehemaligen fruchtbaren Regenwaldboden wird jetzt eine Steppe, die den Witterungsverhältnissen ausgesetzt ist und korodiert. Nicht mal der Wald kehrt hierher zurück.
Bitte – verstehen Sie mich nun nicht falsch: Auch ich trinke weiterhin meinen Kaffee und esse meine Schokolade. Doch versuche ich dies nur als aktiv Interessierter. Ich mache mich vorher kundig, ob das Unternehmen tatsächlich ohne Kinder-Sklaverei, Arbeitsausbeutung, mit nachhaltigem Anbau und ohne Regenwaldrodung auskommt. Hierzu haben sehr viele Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen Listen aufliegen. Denn – wie in dem Kaffee-Beitrag zu hören: Die angesprochene erste Kaffee-Marke bemüht sich zwar, doch woher stammen die anderen Prozent Kaffe, die nicht aus nachhaltigem Anbau hergestellt werden. Oder das zuletzt erwähnte Unternehmen! Was nutzt es, wenn ich zuhause Wert auf all die aufgelisteten Punkte lege, der Kaffeeklatsch aber findet in einem Kaffeehaus einer solchen oder ähnlichen Kette statt. Fairtrade ist schon mal ein guter Anfang, denn hier geht es um die Menschen. Jetzt sollte aber das Augenmerk auch auf andere Dinge gelegt werden. Und die müssen sich nicht mal in der Geldtasche des Betroffenen auswirken. Beispiel Kaffee: Lassen Sie sich nicht von den Marketing-Strategen der grossen Unternehmen täuschen! Es ist nicht alles Gold, was als solches verkauft wird. Das Internet macht’s möglich: Erkundigen Sie sich bei Umweltorganisationen, wem sie wirklich trauen können. Oder kaufen Sie ganz einfach Produkte aus Vorzeige-Projekten!

http://www.globalnature.org/31707/PROJEKTE/Abgeschlossene-Projekte/Kaffeeanbau/02_vorlage.asp

Jeder Einzelne kann in diesem riesengrossen Spiel entscheidend mitwirken. Auch gegensteuern. Also: Auf was warten wir!

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Ein schlechtes Omen???

Als die Boeing 747-8 der Lufthansa zur Landung auf dem Lech-Walesa-Flugplatz in Danzig ansetzte, war noch alles in Ordnung. Doch dann, wenige Minuten später, geschah der erste Lapsus: Die Tür des Flugzeugs klemmte. Jogi Löw und seine Mannen mussten 17 Minuten lang warten, bis der Schlosser gekommen ist äh die Crew die Türe aufgebracht hatte. Ist das etwa ein schlechtes Omen für die Euro 2012? Guter Sketch auch auf Antenne Bayern: Wissen Sie, weshalb die DFB-Auswahl nicht mit dem Mannschaftsbus gefahren ist? Der war schon drüben!!!
Übrigens: Der 60 Minuten-Flug wurde mit dem neuen Flaggschiff der Lufthansa absolviert. Gerade mal zu einem Drittel gefüllt! Kein besonders gutes Aushängeschild für die fussballspielenden Umweltschützer des DFB (“Da ist doch Pfand drauf!”). Ein Gläschen Sekt hingegen gönnte sich Lukas Podolski. Schliesslich feierte der in Polen geborene Starkicker sein 27. Erdenjahr. Das Lager hatte ja noch nicht begonnen.
Am Flughafen selbst gab es auch keinerlei grosse offizielle Begrüssung. Der Bürgermeister Danzigs, Pawel Adamowicz, liess es sich nicht nehmen, den auch in Polen bekannten deutschen Spielern die Hand zu schütteln. Daneben riskierten nur ein paar Fans einen Blick auf Lahm, Schweinsteiger und Co. Das Hotel Dwor Oliwski – das zumindest hatte geklappt. Hoteltester des DFB hatten den ehemaligen Gutshof ausfindig gemacht.

http://www.dworoliwski.pl/

5 Sterne mit Wellnessressort für die Kicker-Millionäre – Herz was willst Du mehr! Das dachten sich auch die Franzosen, die ebenfalls in den Prachtbau wollten. Jogi aber wusste dies zu verhindern und liess alle 70 Zimmer bis zum Finale reservieren. Damit sind die Zeiten endgültig vorbei, als im Weltmeisterschaftsjahr 1974 Gerd Müller einen Lager-Koller bekam und auswärts einen heben musste (wie immer Sie das nun auch auffassen möchten!)! Die Mini-Bar ist gut bestückt, daneben dürfen auch die Spieler-Frauen vorbeischauen – in der Zimmerstunde! Einzig Jerome Boateng wusste noch nicht, welche Schöne er mitnehmen solle, zum Familienausflug nach Polen. Also baggerte er die Beinahe-Adelige und Lebensgefährtin der Pop-Sängerin Loona, It-Girl Gina-Lisa Lohfink, an. Ob sie nun den Boulevard nach Danzig bringt, sei dahingestellt.
Nun aber zum eigentlichen Thema meiner heutigen Ganglienarbeit: Der EM, der Euro 2012 an sich. Noch einige Tage vor dem Beginn des Turniers waren jede Menge Karten zu bekommen. Die Schwarzmarkthändler werden sich krumm und dämlich ärgern, doch entwickelt sich die Euro 2012 zum Ladenhüter! Die Hoteliers stöhnen laut auf – die Zimmerbelegung ist fatal! Na ist ja auch kein Wunder, schliesslich gingen die Preise für Bahn und Zimmer um mehrere hundert Prozent nach oben. Hier wurde der grosse Reibach erwartet, was jedoch komplett daneben ging. Aber: Das ist ja nichts neues, wird ohnedies allerorts so gehandhabt. Schade für die Polen – wohlverdient für die Ukrainer. Tierschützer und Menschenrechtler baten inständigst um Verständnis und riefen zum Boykott auf. Ende letzten Jahres begann in der Ukraine das Massaker an Strassenhunden. Tausende Tiere wurden getötet, damit ja während der EM kein schlechtes Bild auf das Gastgeberland fällt. Und dann war dann auch noch eine Frau mit Namen Julija Wolodymyriwna Tymoschenko. Die hübsche, heute 51-Jährige belegte unter Ministerpräsidenten Wiktor Juschtschenko zwischen Dezember 1999 und Januar 2001 das Energieressort und sollte dort mit der Korruption aufräumen. Das wurde ihr aber selbst zum Strick. Sie wurde entlassen und sass gemeinsam mit ihrem Mann für einige Wochen in Untersuchungshaft. Der Grund: Die Geschäftspraktiken des Energiekonzerns EESU, dessen Chefin sie von 1995 bis 97 gewesen ist. In Russland wurde gegen sie ermittelt, weil sie angeblich Militärs bestochen haben soll. Im Januar 2005 wurde sie durch Präsident Wiktor Juschtschenko zur Ministerpräsidentin ernannt, bereits im September desselben Jahres mitsamt der kompletten Regierung wieder entlassen. Nach den neuerlichen Parlamentswahlen 2007 wurde Tymoschenko erneut zur Ministerpräsidentin gewählt. Im Winter 2008/09 handelte sie neue Bedingungen im Rahmen der Gaslieferungsverträge mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin aus. Im März – nach den Präsidentschaftswahlen – wurde der Regierung Tymoschenko das Misstrauen ausgesprochen. Nun nahm auch die Staatsanwaltschaft Ermittlungen auf. Einerseits wegen Amtsmissbrauchs (angebliche Bestechung der Richter des Obersten Gerichtshofes), andererseits wegen Missbrauchs öffentlicher Gelder (Gasliefervertrag mit Russland), Geldwäsche durch Beamte und Betrugs. Der Prozess lief in einigen Punkten sehr fragwürdig ab. Im Oktober 2011 erfolgte Tymoschenkos Schuldspruch, das Urteil wurde dann im Dezember desselben Jahres nach Beendigung des Berufungsverfahrens mit sieben Jahren Haft bestätigt. Wegen Misshandlung und der anderen Haftbedingungen trat Tymoschenko in den Hungerstreik, den sie mittlerweile beendet hat. Immer wieder werden Stimmen laut, die meinen, dass das Urteil und die Haft politisch motiviert seien. Schliesslich befinden sich Wiktor Juschtschenko und Julija Wolodymyriwna Tymoschenko inzwischen im Streit.
Politiker haben nun ihr Erscheinen bei Spielen in der Ukraine abgesagt, Tierschützer und Menschenrechtsorganisationen haben auch den kleinen Fussballfan gebeten, die EM lieber in Polen oder auf einem der heimischen Public-Viewing-Plätzen mitzuverfolgen. Die Ukraine hat sich selbst ausgegrenzt. Somit ist es durchaus möglich, dass die Euro 2012 ein finanzielles Desaster wird. Kostet auch der Flug nach Charkow mit 600 € unverändert viel, so sind die Zimmerpreise gepurzelt. Ein Einzelzimmer kann für bereits unter 100 € pro Übernachtung bezogen werden – das ist teilweise weniger als in der fussballlosen Zeit. Tickets für das Spiel Deutschland gegen die Niederlande sind für 25 € zu bekommen, Frankreich gegen England gar um 20 €. Sie kosteten in der Kategorie 3 zuvor über 30 €, für die Kategorie 2 empfahl die UEFA 70 € – diese Karten jedoch kosten nur 50 €.
Anders hingegen das Bild in Polen. Tickets für die Eröffnung zwischen Polen und Griechenland kosten ab 340 € aufwärts, für das Spitzenspiel in Gruppe C, Spanien gegen Italien, ab 200 € – wenn die Squadra Azzurra antritt. Zur ersten – aber auch einzigen öffentlichen Übungseinheit des DFB-Teams im Danziger Lechia-Stadion kam 11.000 Fans und sorgen für Volksfeststimmung. Für Podolski wurde gar noch ein Geburtstagsständchen aus tausenden Kehlen geträllert. „Sto lat, sto lat“, also „Hundert Jahre, Hundert Jahre, möge er leben, leben mit uns!“ Beim DFB hat man die “Mission 2012″ ausgerufen. Der Titel muss her – auf Biegen und Brechen! Nach 1972, 1980 und 1996 zum ersten, zum zweiten, zum dritten und zum Vierten! Doch lauern in sportlicher Hinsicht schwere Brocken: Portugal, die Niederlande und Dänemark. Auch der Lufthansa-Pilot des Hinflugs meinte bei einer Borddurchsage: „Ich hoffe, dass ich sie am 2. Juli nach dem Finale in Kiew wieder abholen darf!“ – die Erwartungen in Deutschland sind also unheimlich hoch. Sollten die Löw-Jungs wieder den Kürzeren ziehen, so können sie zum ehemaligen Teamchef Klinsmann in die USA emigrieren. 2006 und 2010 – 2008 – Fussballdeutschland ist heiss! Let’s rock’n'roll!!!!
In politischer Hinsicht: Die komplette Vorrunde findet in der Ukraine statt! Ebenso am 1. Juli das Finale in der Hauptstadt Kiew. Wieviele der deutschen Würdenträger Wort halten und nicht erscheinen, sei dahingestellt – es sind eben Politiker! Ansonsten würde ich mir das wünschen, was in der Vergangenheit tunlichst vermieden wurde: Protest der Sportler gegen die Zustände in diesem Land. Der Kapitän des DFB-Teams, Philipp Lahm, hatte dies bereits mit einem Seitenhieb vor einigen Wochen getan. Sei es auch nur, dass sie beim Einlaufen einen orangenen Schal (das Erkennungszeichen der damaligen friedlichen Revolution) tragen. Oder dass sie mal ins Hinterland fahren, damit auch die Kameras einen Rund-um-Blick gewährt bekommen. Ich bin mir nicht sicher, ob sich die Pressevertreter wirklich frei im Land bewegen dürfen. Macht jedoch ein komplettes Fussball-National-Team einen nicht angekündigten Ausflug in irgendein Kaff, so sollte dies etwas anderes sein. Und hier hab’ ich’s voll und ganz mit Anke Engelke, die sich als Kommentatorin des Song Contests etwas getraute zu tun, das bislang verpönt war: Die politischen Verhältnisse in Aserbeidschan anzusprechen! Sie erhielt dafür tosenden Applaus, der auch dort zu hören war, wo er hingehört. Sollten wir das nicht öfters tun???

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Pfui deibel!!!

Der Knigge – die Benimm-Bibel der zivilisierten Gesellschaft – hat so manche unnötige Passage enthalten, die sogar einen Angriff auf unsere Gesundheit bedeuten kann. Das Handgeben etwa. Hierzulande ist es eine Geste des guten Willens – ein Entgegenkommen. Gleichzeitig zeigt man dem Gegenüber dadurch auch, dass man keine Waffe in der rechten Hand hält. Nach Knigge schlägt der Ranghöhere dem Niedrigeren, die Frau oder der Gastgeber dem Anderen vor, sich die Hände zu reichen. Orthodoxe Juden etwa dürfen keiner Frau die Hand drücken, da in einer der Mitzwe der Tora steht, dass Mann keinen Ehebruch begehen darf. Damit er erst gar nicht in Versuchung kommt, dies zu tun, darf er sich keiner Frau annähern (soweit also zur zeitgemässen Auslegung von Religionen)! Na ja – andere Länder andere Sitten. In Fernost verbeugt man sich als Ausdruck der Wertschätzung – meines Erachtens sicherlich die bessere Variante. Die kommunistische Kusszeremonie? Bitte nicht! Könnte übrigens auch mit der Grund gewesen sein, dass grosse Teile der sog. “Busserl-Gesellschaft” im Februar mit Grippe darnieder lagen.
Nein – nicht dass Sie mich missverstehen: Ich habe nichts gegen den Händedruck! Doch haben Studien aufgezeigt, dass es unter Männlein und Weiblein verdammt viele Schmutzfinken gibt, die sich nach dem Toilettengang nicht die Hände waschen. “Hee Monk – wirst schon nicht daran sterben!”, werden nun einige unter Ihnen meinen. Kann allerdings u.U. tatsächlich der Fall sein. Viermal gebe ich auf jeden Fall täglich die Hand. Statistisch gesehen ist somit ein solches Ferkel wie der Sohn einer guten Ex-Bekannten dabei, der sich grundsätzlich nicht die Hände nach dem Toilettengang gewaschen hat. Dieser arbeitet nun im Einzelhandel, gilt also somit als potentieller Erregerüberträger. So ist es auch geschehen, dass immer wieder Restaurants zusperren müssen, da Kellner oder Köche sich nicht die Hände waschen und hierdurch etwa Salmonellen weitergeben können. 2003 wurde beispielsweise ein Strandbad in Klagenfurt/Kärnten wegen hygienischer Missstände geschlossen – es gab nicht weniger als 100 Personen, die sich in diesem Strandrestaurant angesteckt hatten. Die Justiz reagierte mit einer Verurteilung wegen fahrlässiger Gemeingefährdung und fahrlässiger Körperverletzung – somit also beileibe kein Kavaliersdelikt!!! Aus diesem Grunde kommt es immer häufiger vor, dass bei den Waschbecken in Personaltoiletten Kameras angebracht sind, die unhygiensiche Angestellte herausfiltern sollen. Peinlich nur, wenn es der Chef selbst ist!!!
Eine Umfrage der britischen Organisation “Food and Drink Federation” (FDF) bestätigt die oben erwähnte Vermutung: 31 % der Männer und 17 % der Frauen schauen sich lieber im Spiegel an, ob noch alles passt, als dass sie sich die Hände waschen. Ein gross angelegter Raststationen-Test in Deutschland brachte noch weitaus schlimmere Ergebnisse ans Tageslicht: Nur 32 % der Männer und 64 % der Frauen haben sich nach dem Geschäft die Hände gewaschen – bei 200.000 Probanden!!! Die Wissenschafter der London School of Hygiene and Tropical Medicine brachten in einem zweiten Schritt Tafeln mit eindeutigen Botschaften an. Hier kam es nun zu einem erstaunlichen Unterschied. Männer reagierten vermehrt auf deftiges, wie “Seif es ab oder iss es später!”, Frauen hingegen auf sachliche Hinweise. Doch zeigten auch die Schilder nur einen begrenzten Erfolg. Tafeln, die das Schamgefühl ansprachen (“Wäscht sich die Person neben Ihnen mit Seife?”), erzielten eine wesentlich bessere Wirkung (American Journal of Public Health).
UV-Licht zeigt auf, dass der Bakterienbefall nach dem Toilettengang doppelt so hoch ist wie nach dem Händewaschen oder vor dem WC. Dies sind vornehmlich Koli-Bakterien, die zu Brechdurchfall führen können. Das wäre dann die typische sommerliche Magen-Darm-Grippe, die auch durch ungenügend gekühlte Speisen oder Getränke auftreten kann. Der heimtückische Noro-Virus etwa übersteht ohne Probleme die Magensäure. In der Darmschleimhaut angelangt, nistet er sich dort ein und lässt es sich gut gehen. Anzeichen für eine solche Erkrankung durch Noro-Viren ist plötzliche Übelkeit, Erbrechen und teilweise auch Durchfall. Dadurch trocknet der Körper aus. Wird nicht genügend Flüssigkeit zugeführt, erfolgt eine Dehydrierung – dies kann tödlich enden.
Keine Angst – sie sollten nun keine Panik bekommen und immer das Desinfektionsspray dabei haben. Richtiges Händewaschen hilft hier schon enorm weiter, da die fäkal-orale Schmierinfektion dadurch weitestgehend ausgeschlossen wird. Werden Hände jedoch zu häufig gewaschen, so beeinflusst dies den ph-Wert der Haut (sauer – liegt zumeist zwischen 4-7). Seifen sind jedoch basisch. Deshalb empfiehlt sich hier die Verwendung von ph-neutralen Seifen.
Auch wenn die Hände noch so sauber sind, gilt für alle, die Speisen zubereiten: Achten Sie auf die Frische der Speisen, garen sie diese nach Möglichkeit gut durch, Hygiene am Arbeitsplatz ist selbstverständlich und penibles Händewaschen ist ein “Muss”. 2011 gelangten EHEC-verseuchte Produkte auf den deutschen Markt. Viele Menschen verstarben an Folgeerscheinungen wie dem Nierenversagen, da sie die Warnhinweise nicht oder zu spät wahrgenommen haben. Auslöser dieser Epidemie waren aus Ägypten importierte, kontaminierte Bockshornkleesamen.
Dies gilt übrigens auch für die Bakterien und Viren in der kalten Jahreszeit. Durch Husten, Niesen und Schneuzen herrscht ein reges Treiben im Luftraum. Auch hier kann das richtige Händewaschen Wunder bewirken. Zudem sollten Sie in ein Taschentuch niessen oder mangels dessen in den linken Ärmel Ihres Pullovers husten. Wird die rechte Hand hierfür herangezogen, so werden auch hier die Atemwegserkrankungen direkt übertragen, da sich der mit einem Handshake Begrüsste sicherlich irgendwann mit der rechten Hand im Gesicht berührt. Verwenden Sie zur biologischen Abwehr Ihre linke Hand, so greifen Sie mit dieser auch dorthin, wo andere Menschen ebenfalls hingreifen: Dem Einkaufswagen oder dem Haltegriff in der Strassenbahn! Über die Schleimhäute der Augen, der Nase oder des Mundes gehen die Erreger über. Dann nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Das richtige Händewaschen sollte den Kindern bereits in der kindlichen Früherziehung beigebracht werden. Nach der Toilette, vor dem Essen, nach dem Angreifen von Treppengeländern oder Haltegriffen, wenn ich nach Hause komme, nach dem Tollen im Garten und dem Spielen mit Tieren, … Die kann etwa spielerisch erlernt werden (“Ich sehe was, was Du nicht siehst!” oder “Nach dem Klo und vor dem Essen, Händewaschen nicht vergessen!”). Hier hinzu gehört auch das richtige Abtrocknen (am besten mit Einwegtüchern), da eine feuchte und warme Umgebung perfekter Nährboden für Keime darstellt.

Jetzt zur Urlaubszeit sollten Sie gerade auch in südlicheren Ländern darauf achten, keine Eiswürfel zu verwenden und nur aus geschlossenen Gefässen (wie Flaschen) zu trinken. Sollten dennoch Vergiftungserscheinungen nach einem Restaurantbesuch auftreten, so müssen sie sofort durch eine ärztliche Untersuchung Sicherheit einholen. Daneben ist es für etwaige Schadensersatzansprüche wichtig, möglichst viele Zeugen oder Selbst-Betroffene zu suchen. Denn hier gilt die Nachweispflicht. So hat beispielsweise das Landgericht Leipzig (Aktenzeichen 5 O 1659/10) eine Schadensersatzklage zurückgewiesen, wonach der 15-jährige Sohn der Klägerin während eines Türkei-Aufenthaltes mit Salmonellen infiziert wurde und daran erkrankte. Die Frau jedoch konnte nicht die Schuld des Hotels nachweisen, da keine zehn Prozent der Hotelgäste erkrankt sind.
Sollte tatsächlich eine Virenerkrankung vorliegen, so muss diese auskuriert werden, da sie ansonsten verschleppt wird. Das körpereigene Abwehrsystem befördert durch Husten und Schnupfen die Atemwegs-Viren hinaus bzw. durch Erbrechen und Durchfall auch die Magen-Darm-Erreger. Hinzukommendes Fieber bringt die Abwehr auf Hochtouren. Begleitende Medikamentierung lässt die Krankheitssymptome bald abklingen. Diese aber sollte von einem Arzt verschrieben werden. Inzwischen gilt es, penibelste Hygiene einzuhalten und keinen körperlichen Kontakt zu anderen Menschen zu pflegen. Auch das Kuscheln mit ihrer Hauskatze kann diese zum Überträger machen.
Durch die Ärzte-Serien im Fernsehen wissen wir, dass sich Ärzte beim Berühren von Patienten Einweg-Handschuhe überstreifen oder vor Operationen minutenlang die Hände waschen. Ein Grossteil der Erreger wird über unsere Hände übertragen. Auf den Handflächen eines Menschen tummeln sich über 200 unterschiedliche Keimarten (Viren, Bakterien und Pilze). Durch das richtige Händewaschen können bis zu 99 % dieser Erreger einfach weggespült oder zerstört werden, da Seifen Tenside beinhalten, die die Schützhülle des Virus zerstören. Durch die Verwendung antibakterieller Seifen allerdings können Sie Erreger resistent machen oder Allergien auslösen. Diese enthalten beispielsweise den Bakterienhemmer Triclosan. “Lassen Sie besser die Finger davon!” (Dr. Thomas Holzmann vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universität Regensburg).
In manchen Religionen gehört das “Lavabo”, das rituelle Händewaschen des Priesters, zur Messe dazu. Wir müssen es ja nicht übertreiben, doch dient Körperhygiene dem eigenen Schutz und dem Schutz der Gesellschaft. So könnten jährlich rund 1 Mio Menschen gerettet werden, die an Durchfallerkrankungen oder deren Folgewirkungen sterben, bzw. die Atemwegserkrankungen (als eine der Hauptursache für die hohe Kindersterblichkeit in den Entwicklungsländern) stark eingedämmt werden. Und dies sollte uns wohl einiges wert sein, v.a. dann, wenn es so wenig wie die Seife kostet.
Übrigens: Der 5. Mai ist Welthändehygienetag!

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