Archive for Juli, 2012

Olympiasieger – was bist Du wert?

Seit heute Freitag laufen sie also wieder – die Olympischen Spiele. Es sind die 30. Sommerspiele der Neuzeit und die insgesamt dritten (nach 1908 und 1948) in London. Zig Millionen Zuschauer werden gespannt an den TV-Bildschirmen kleben und mit ihren Idolen mitfiebern bzw. sich mit ihnen freuen, wenn ein Platz auf dem heiss begehrten Siegertreppchen ergattert wurde. Der Viertplatzierte ist dann immer der Gelackmeierte. Er bekommt nicht nur keine Medaille, sondern steht auch nicht im Medieninteresse und ist damit weitaus weniger interessant für die Werbewirtschaft als seine drei Kollegen vor ihm. Ja – stimmt tatsächlich, denn in vielen Sportarten erhalten nur die weltweit besten Drei Werbeverträge (ob lukrativ oder nicht sei dahingestellt), alle anderen nagen am Hungertuch, sind beim Militär oder nur “Freizeitsportler”, neben ihrem Brotberuf. Können Sie sich vielleicht vorstellen, dass ein Kanadier (Paddler – nicht Landsmann!), ein Military-Reiter oder eine Bogenschützin lohnende Werbeträger darstellen könnten? Wohl ebenso wie ich: Wahrlich schwer! Da lob’ ich mir doch die Sporthilfe, durch welche hoffnungsvolle Talente entsprechend gefördert werden. Denn auch Trainer kosten Geld, Bekleidung, Teilnahme an Wettkämpfen, Reisekosten, Trainingsmöglichkeiten,… Dies alles ist niemals nur mit dem Preisgeld zu bezahlen, das es für die ersten Drei bei Wettkämpfen gibt (Golf soll erst 2016 wieder olympisch werden). In einigen Sportarten übernimmt das der Verband, schliesslich übt der Leistungssport eine Vorbildfunktion aus, wodurch viele in dieser Sportart beginnen, um dadurch ihrem Idol nachzueifern (so mancher Weidmann soll in Deutschland inzwischen auf Langlaufschiern unterwegs sein!). Dadurch bekommen die Vereine mehr Mitgliedsbeiträge und können somit auch mehr an den Verband bezahlen. Trotzdem funktioniert dieses Prozedere leider nicht mehr in vielen Sportarten. Der Nachwuchs geht aus, die Sportart fristet ein Schattendasein. Dieses Problem hat auch die deutsche Olympiafechterin Imke Duplitzer erkannt. In einem Interview mit einer grossformatigen deutschen Boulevardzeitung hat sie ihrer Enttäuschung freien Lauf gelassen: Die meisten Verbandsvorstände wüssten gar nicht mehr, wie es heute in einer Sporthalle aussieht, sie sitzen in ihrem “Pixiewolkenkuckucksheim”, kümmern sich nicht mehr um die Sportler und schon gar nicht um den Nachwuchs. Anstatt dessen veranstalte das IOC alle vier Jahre eine “Verkaufsshow”!
Starker Tobak, den die Vereinspräsidentin des OFC Bonn da von sich gibt. V.a. auch deshalb, weil Deutschland mit den beiden Fechthochburgen Tauberbischofsheim und Offenbach ja mal eine richtige Florett- bzw. Degen–Weltmacht war. Ein solch tiefer Fall innerhalb solch kurzer Zeit? Duplitzers Aussage kurbelte mein Interesse an. Als Österreicher weiss ich, dass der Wert eines Skirennläufers mit seinem Medaillenspiegel steigt. Ihm fliegen Werbeaufträge in Millionenhöhe zu, alle Annehmlichkeiten rund um das Training werden ihm gestellt (oftmals auch über des Bundesheer). Somit können diese Damen und Herren recht gut davon leben und in den meisten Fällen auf ein eigenes Hotel blicken, wenn die aktive Karriere dann mal vorbei ist. Auch die Sprintstars der Leichtathleten oder so mancher Boxer hat sich die goldene Medaille, die er aufgrund seiner Leistungen durchaus verdient hat, nochmals vergolden lassen. In sehr vielen Sportarten sind somit Profi-Athleten am Werk, denen der olympische Gedanke offen und ehrlich am A… vorbei geht, da sie nur eine gewisse Zeit lang aktiv sein können und deshalb versuchen müssen, in diesen paar Jahren am meisten Geld zu scheffeln. Beispiel sind die NBA-Basketball-Stars, die Tennisspieler, die NHL-Eishockey-Cracks und natürlich die Skistars. Umso grösser allerdings wird dann auch die Lücke zu den Athleten jener Nationen, die sich keine solchen Profi-Sportler leisten, die keine hochdotierten Werbeverträge vermitteln können. Wo die Sportler noch einem Brotjob nachgehen müssen. Hätten sie solche Trainingsmöglichkeiten wie in den zumeist industrialiserten Sportnationen, könnte aus einem kleinen Sternchen vielleicht doch auch eine Supernova werden. Deshalb bin ich dafür, diesen Amateurstatus im Sinne der olympischen Gleichberechtigung wieder einzuführen. Eine Zuverdienstgrenze zu setzen und wirklich wieder dieselben Grundbedingungen für alle einzurichten. Schliesslich wurde ja ehemals auch der Profi-Ski-Zirkus vom FIS-Ski-Zirkus unterschieden. Doch hat der vermeintliche Amateur sicherlich nicht weniger trainiert als sein Kollege aus der Profi-Ecke und mit Sicherheit auch nicht weniger verdient.
Für die Werbewirtschaft selbst zählen nur die Stars, da diese aufgrund der ständigen Medienpräsenz nicht nur im Fernsehen und von so mancher Plakatwand lächeln, sondern aufgrund ihrer Vorbildfunktion als ausgezeichnete Werbeträger rüberkommen bzw. als Testimonial für ein spezielles Produkt oder Marke gebraucht werden. Denke ich etwa an Fischstäbchen, so denke ich an… Deshalb haben “Profisportler” auch eigene PR-Berater oder Manager. Diese vermarkten die Olympiamedaillen, die ohne gar nichts wert sind. Die Deutsche Stephanie Beckert etwa hatte keinen oder einen schlechten – PR-Berater. Die Gold- und zweifache Silbermedaillen-Gewinnerin von Vancouver im Eisschnellauf ist heute ebenso weitgehend unbekannt, wie viele ihrer anderen Kolleginnen und Kollegen. Somit bleibt auch das grosse Geld zumeist ein Traum. Vancouver selbst waren die Spiele einer Maria Riesch bzw. v.a. einer Magdalena Neuner, die es erneut geschafft hat, Biathlon zu einem deutschen Volkssport zu machen. Für alle anderen gilt das, was eine Studie des deutschen Bundesinstituts für Sportwissenschaften aufgezeigt hat: Ein Spitzensportler kommt im Schnitt auf ein monatliches Brutto-Einkommen von 1.919,- € (Segler liegen bei 4.561,- €, Bogenschützen bei 447,- €). Nach Abzug von Steuern und Ausgaben für den Sport bleiben rund 626,- € monatlich zum Leben über. Ohne Zweitjob oder Unterstützung von Familien oder Gönnern wäre somit ein Leben für den Sport gar nicht möglich. Die Studie besagt aber auch, dass sich eine Goldmedaille bei Olympia durchaus auszahlt. Im Schnitt verdient der vergoldete Sportler um 5.000,- € mehr als der Kollege, der “nur” Deutscher Meister ist. Wissen das beispielsweise auch die Wildwasser-Paddler oder Geher???
Früher durften Profis an den Olympischen Spielen nicht teilnehmen. Deshalb galten solche Titel meist als Sprungbrett in die Profikarriere. Meines Erachtens eine perfekte Möglichkeit, den Nachwuchs auf Trab zu halten. Die Sportler konnten sich nach ihrer ersten Medaille entscheiden: Noch eine Medaille in vier Jahren oder Gross-Knete-Machen im Profizirkus. Nur spielte da der ehemalige Ostblock mit seinen Staatsamateuren nicht mit. Die Helden der arbeitenden Klasse durften auf Staatskosten trainieren, sich komplett ihrem Sport widmen und waren somit eigentlich ebenfalls Profis. Auch die militärischen Sportler passen hier nicht ganz in das Amateur-Schema, tragen sie zwar eine Uniform, ihr Tagesablauf besteht aber zu 95 % aus Sport!
Durch die Zulassung von Profisportlern zu den Olympischen Spielen wurde zwar die Attraktivität der Wettkämpfe gesteigert, da mehr Menschern zuschauten, somit auch leichter Sponsoren gefunden werden konnten und immer grössere Hallen und Stadien für mehr Publikum gebaut wurden. Doch hat sich das System einmal mehr selbst den Boden unter den Füssen weggegraben. Das IOC macht einen prognostizierten Vier-Jahresgewinn von über 7 Milliarden US-Dollar (Winterspiele in Vancouver/Sommerspiele in London), die Funktionäre freuen sich über höhere Gehälter und noblere Edelkarossen, die bereits vorher gutbezahlten Sport-Profis können ihre Goldmedaille noch mehr ausschlachten. Doch bleibt andererseits der Nachwuchs stecken, da es als wirklicher Amateur sehr schwer ist, gegen Profis anzukämpfen. Gleichzeitig konzentriert sich der Geldhahn auf einige wenige Sportarten, weshalb die anderen immer uninteressanter und irgendwann gänzlich gestrichen werden.
Für viele Sportler ist die Teilnahme an der Eröffnung der Olympischen Spiele ein unvergessliches Erlebnis und vielleicht nur durch die eigene Siegerehrung zu toppen, weshalb sie oftmals selbst mit ihrer Kamera Erinnerungs-Snapshots einsammeln. Die hochbezahlten Profis erhalten hierfür kein Geld – also: Weshalb teilnehmen? Der Glanz der sportlichen Wettkämpfe wird hier erneut dem schnöden Mammon geopfert. Die Zwei- bis Dreiklassengesellschaft unter den Sportlern bleibt bestehen, der olympische Gedanke und die hehren Ziele, die die Griechen früher damit verbanden, haben ausgedient.
London ist schweineteuer! Deshalb hagelte es im Vorfeld viel Kritik. In China gab es 2008 keine ernstzunehmenden offiziellen Zahlen – ein solcher Aufwand ist unter normalen Umständen gar nicht zu bezahlen. In London gehen die Veranstalter von Kosten in der Höhe von 12 Milliarden Euro aus. Man will einfach noch besser werden als der Vorgänger und noch mehr bieten! England ist berüchtigt für sein Wetter. Was geschieht, wenn tatsächlich ein Schnürlregen nach dem anderen auf die Outdoor-Sportstätten niederprasselt und die Veranstalter die Kosten nicht mehr hereinbekommen? Das IOC hat vorher schon abkassiert! Sind wir uns ehrlich: Heutzutage ist der Sport nurmehr der Nebenschauplatz. Es ist das Gesamtkunstwerk, das zählt. Die Show! Und die Frage, wie ich sie möglichst gewinnbringend vermarkten kann. Welchen ernsthaften Sportler interessiert dies heute noch? Wer will im heutigen Zeitalter ein Viertel Jahrhundert lang hart trainieren, Entbehrungen auf sich nehmen, um als Akteur auf einem Nebenschauplatz gezeigt zu werden. Bei dem der Handshake mit dem Sponsor mehr wert ist als der eigentliche Wettkampf, der Sieg! Bei den nächsten Spielen sind deshalb viele der Gewinner auch gar nicht mehr bekannt. Immer mehr hingegen wollen in dieser Show der vermeintlich grosse Star sein, weshalb sie nachhelfen. Doping – trotz des Bewusstseins, dass man ertappt werden kann und damit die vermeintlich grosse Karriere ein abruptes Ende nimmt. Das Risiko wird einfach in Kauf genommen – wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Ist das das Ziel eines Sportlers in heutiger Zeit? Einmal im grossen Orchester die Sologeige spielen zu können! Werbeverträge an Land zu ziehen! Dafür alles zu opfern? Wenn man erwischt wird, plötzlich mit einem Paukenschlag weg vom Fenster zu sein?! Noch allzu sehr sind die Anabolika-Sportler aus dem ehemaligen Ostblock in Erinnerung. Sie kämpften für das Land, die Partei! Vollgestopft mit allen möglichen Präparaten ratterten sie die Aschenbahnen dieser Welt ab wie ein Traktor Made in Minsk. Sie zeigten die Tendenz bereits früher schon auf. Dafür wurden die Sportlerinnen und Sportler in ihrer Heimat als Volkshelden gefeiert. In heutiger Zeit geht es nur um’s Geldmachen! Wäre es zum Wohle der Sportler – ok, sie haben dafür auch gearbeitet. Doch ist es vornehmlich inzwischen zum Wohle der Funktionäre. Der Aktive hat selbst nur dann etwas davon, wenn er sich mit ebenso gewieften Managern umgibt. Ansonsten bleibt er finanziell auf der Strecke! Während der Olympischen Jugendspielen in Innsbruck etwa hat an den Sport- und Veranstaltungsstätten kein Pissoir auf den Herren-Toiletten funktioniert. Der Grund dafür war, dass unmittelbar neben dem Bewegungssensor auch die Aufschrift des Herstellers zu lesen war. Dieser ist kein Olympia-Sponsor und muss somit weggeklebt werden. Auch auf den Uhren verbarg ein Klebstreifen den Hersteller. Oder: Das Bier, das bei Public Viewing Plätzen ausgeschenkt wird, darf nur von jener Brauerei stammen, die den Olympischen Gedanken mit harten Euro unterstützt. Geht das nicht etwas zu weit?

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Der Nerzmantel – in Blut getränktes Bekleidungsutensil

ACHTUNG: Die Videos, auf welche in diesem Beitrag mit Links verwiesen wird, können bewusstseinsverändernde Inhalte haben! Sollten Sie über schwache Nerven verfügen, würde ich sie an Ihrer Stelle nicht anschauen!

Erwähnt man heutzutage das Wort “Nerzmantel”, so ist nach wie vor ein Funkeln und Blitzen in den Augen vieler Frauen zu sehen. Schenkte man als Mann seiner Holden einen solchen Mantel, so konnte Mann sich so manches erlauben. Wenn die solcherart Beschenkte wüsste, wieviel Leid mit diesem Pelzmantel verbunden ist – ob Frau ihn trotzdem tragen würde?
Während der Berliner Fashion-Week 2012 protestierten Aktivisten des “Arbeitskreises humaner Tierschutz” gegen die Pelztierindustrie und für den Verzicht von Pelzen bei solchen Mode-Highlights.

Der Protest gab zwar viel Feedback – war allerdings leider erfolglos. Manche Designer verzichten absichtlich nicht auf den Einsatz von Pelz. Etwas besser klappten da schon Strafanzeigen, die gegen zwei deutsche Nerzfarmen gestellt wurde, welche gegen die Nerzvereinbarung im Tierhaltungsgesetz verstossen haben. Die deutschen Bundesländer Bayern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein haben diese Erlässe niedergeschrieben. Demgemäss müssen für zwei Nerze jeweils 6 qm Fläche und 3 qm Wasser mit einer Tiefe von rund 50 cm zur Verfügung stehen. Die Kommunen haben die Paragraphen nicht umgesetzt, die Nerzfarmbetreiber sich nicht daran gehalten. In Schleswig-Holstein wurde der Gesetzestext sogar wieder gestrichen. Seit dem 12.12. 2011 ist allerdings die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung des Bundesrates in Kraft. Diese wird nun nach Strafanzeigen der Tierschutzorganisationen auch exekutiert. In den letzten Jahren mussten nicht weniger als 18 Farmen schliessen, da sie die Haltungsvoraussetzungen nicht erfüllt hatten. Gemäss des Leitspruchs “Frechheit siegt” hatten anstatt dessen zwei Farmbetreiber aus Borken und Hörstel gegen das Gesetz geklagt. In beiden Fällen entschied sich das Gericht für die Gesetzgebung und dessen Einhaltung.
Der Nerz gehört ebenso wie das Wiesel oder das Iltis zur Familie der Marder. In West- und Mitteleuropa gelten sie als bereits ausgerottet. Jene Nerze, die in den viel zu kleinen Käfigen (0,3 qm) auf Gitterrost ohne Boden, ohne Wühlmaterial gehalten werden, gehören zu den amerikanischen Minks (Mustela vison). Füchse haben im Vergleich dazu ebenfalls nur 1 qm zur Verfügung. Das Futter besteht aus einem stinkenden Brei von Fischen und Schlachthofabfällen. In Freiheit sind diese Tiere Einzelgänger mit einem zumeist 20-Quadratkilometer grossen Revier. Nerze sind hervorragende Schwimmer, leben somit vornehmlich am Wasser. Dieses benötigen sie auch für die Fellpflege. Die Tierchen sind sehr reinlich – umso qualvoller muss für sie das Vegetieren in diesen Käfigen sein. Die armen Kreaturen werden Anfang Mai in die qualvolle Welt gesetzt und bereits zwischen Mitte bis Ende November mit Kohlendioxid oder dem Kohlenmonoxid aus Verbrennungsmotoren vergast. Doch nicht immer sind die Tiere tot, teilweise nur betäubt. Ihnen wird dann bei lebendigem Leib das Fell abgezogen. In Deutschland gibt es noch 12 offizielle Farmen mit etwa 200.000 Tiere. Für einen Mantel benötigt der Kürschner bis zu 60 Tiere. Weibliche Zuchtnerze werden maximal 3 Jahre alt. In dieser Zeit haben sie im Schnitt 13,5 Junge zur Welt gebracht. Ihr Pelz ist nicht mehr so hochwertig.

Kein Land dieser Erde importiert mehr Nerz-Pelze als Deutschland. Die meisten kommen aus Dänemark. Nicht weniger als 15 Millionen Tiere werden hier jedes Jahr getötet – das ist gar noch mehr als in China. Wie geht dies eigentlich in einem industrialisierten Land an, dass Tiere auf solch grauenvolle Weise gehalten – sieben Monate lang – um dann vergast zu werden. Ohne Beschäftigung, natürliche Strukturen und in einer artfremden Enge gehalten, verstümmeln sich viele Tiere selbst, nagen an anderen Leidensgenossen oder verrecken (im wahrsten Sinn des Wortes).

Angesichts solcher Bilder zweifle ich recht häufig über die Bedeutung des Wortes “Menschlichkeit”. In Grossbritannien und Österreich sind Pelzfarmen inzwischen verboten. Nicht jedoch in Dänemark. Auf der Website der Tierschutzorganisation PETA können Sie gegen diese Farmen direkt bei der dänischen Regierung protestieren. Rund 23.000 Menschen haben den Brief an die Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt, die Umweltministerin Ida Auken sowie die Landwirtschaftsministerin Dänemarks, Mette Gjerskov, abgeschickt. Auch ich war einer davon.

http://www.peta.de/web/nerzfarm.5397.html

Gegen folgende deutsche Pelzfarmen laufen derzeit Strafverfahren (Quelle: Arbeitskreis humaner Tierschutz, Stand: 07.04.2012):

Nerzfarm Frankenförde (Brandenburg)
Nerzfarm Wesenberg-Zirtow (Mecklenburg-Vorpommern)
Nerzfarm Güstrow-Klueß (Mecklenburg-Vorpommern)
Nerzfarm Rahden (2) (Nordrhein-Westfalen)
Nerzfarm Gütersloh-Spexard (Nordrhein-Westfalen)
Nerzfarm Grabow (Sachsen-Anhalt)
Nerzfarm Schlesen-Neuenkrug (Schleswig-Holstein)

Geschlossen wegen Nichterfüllung der Voraussetzungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung:

Nerzfarm Rahden (1) (Nordrhein-Westfalen)
Nerzfarm Melle (Nordrhein-Westfalen)
Nerzfarm Holdorf (Nordrhein-Westfalen)
Nerzfarm Neuenkirchen (1) (Nordrhein-Westfalen)
Nerzfarm Neuenkirchen (2) (Nordrhein-Westfalen)
Nerzfarm Nettetal-Breyell (Nordrhein-Westfalen)
Nerzfarm Aachen Orsbach (Nordrhein-Westfalen)
Nerzfarm Waldfeucht-Selsten (Nordrhein-Westfalen)
Nerzfarm Trittau (Schleswig-Holstein)
Nerzfarm Süderbrarup (Schleswig-Holstein)
Nerzfarm Flensburg (Schleswig-Holstein)
Nerzfarm Bargenstedt (Schleswig-Holstein)
Cinchilla-Zucht Fraureuth (Sachsen)

Derzeit beim Schliessen:

Nerzfarm Borken (Nordrhein-Westfalen)
Nerzfarm Hörstel-Gravenhorst (Nordrhein-Westfalen)

Derzeit im Prüfstatus:

Nerzfarm Seelitz-Döhlen (Sachsen)
Nerzfarm Söllichau (Sachsen-Anhalt)

Wieder in Betrieb genommen:

Nerzfarm Bielefeld (Nordrhein-Westfalen)

Ist das nicht ein trauriges Beispiel dessen, wie eiskallte, auf Gewinn ausgerichtete Bürger (von einem Menschen will ich in diesem Zusammenhang gar nicht sprechen) das Recht auf Leben sowie artgerechte Haltung mit Füssen treten? Und sich dabei auch über Gesetze zum Wohl einiger Privilegierter hinwegsetzen!

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Unverständnis geistert über mein Gesicht

Ja man könnte sogar schon sagen: Blanke Wut! Als ich vor kurzem folgende Meldung gehört habe, war ich erstmal für einige Sekunden sprachlos: Die indische Regierung hortet über 82 Millionen Tonnen Getreide und lässt es teilweise noch auf den Feldern vermodern, während in anderen Teilen des Landes Menschen hungern!
In einem Bericht der deutschen Tagesschau hiess es, dass der Subkontinent seit Jahren Rekordernten bei Weizen und Reis einfährt. Trotzdem sind rund die Hälfte der Kinder unterernährt. Die wichtige Nahrung verfault unter freiem Himmel oder wird von Nagern gefressen bzw. Parasiten befallen. Wo ist da der Geist Mahatma Gandhis geblieben? Sein Leitspruch lautete ja: “Nicht Massenproduktion, sondern Produktion der Massen!” Es könnte in Indien auch durchaus funktionieren, wenn die Regierung mitspielen würde. Löblich ist schon mal zu erwähnen, dass die Landwirtschaft recht hoch subventioniert wird. Löblich auch, dass die Regierung den Grossteil der Ernte aufkauft. Mehr als unrühmlich hingegen ist die Tatsache, dass dies nicht an die Hungernden weitergegeben wird, sondern kaputt gelagert wird. Ein Export zu Weltmarktpreisen ist nicht möglich, da diese weit unter dem liegen, was die Produktion ausgemacht hat. Es wäre ein riesiges Verlustgeschäft. Also wird es vorerst gelagert (???)! Doch Lagerplatz besteht nur für rund 60 Mio Tonnen. Bleiben somit über 22 Mio Tonnen, die den Umweltverhältnissen ausgesetzt sind (Indien wartet auf den Monsum). Experten sehen die Problematik in persona korrupter Politiker. Jährlich pumpt der Staat rund 13 Milliarden Dollar (!) in Entwicklungshilfsprogramme. Doch weiss die Weltbank, dass etwa die Hälfte der Gelder irgendwo im Verteilsystem versickert. Korruption wieder mal auf Kosten der Armen. Ernährungsexperten sprechen dabei schon von einer “kriminellen Vernachlässigung der Armen” (Devinder Sharma in der Tagesschau). Wieviel Hunger könnte mit 22 Mio Tonnen Getreide gestillt werden?!
Das Anlegen von Vorräten ist nichts neues und ganz im Gegenteil sogar unbedingt vonnöten. Bereits 2008 haben die G8-Staaten unter dem Titel der “Globalen Nahrungsmittelsicherheit” diese Bevorratung empfohlen. Hintergrund damals war allerdings die Gewinnsucht der Börsen-Spekulanten. Getreidevorräte werden durch diese billig en gros aufgekauft, sodass danach der Preis anzieht. Werden in Folge grosse Mengen zu Hochpreisniveau verkauft, knallt dieser wieder in den Keller. Gewinner ist der Spekulant – einige wenige Menschen auf diesem Globus. Verlierer hingegen die Armen, die sich kein Mehl mehr leisten können. Mit der Bevorratung soll diesem Treiben ein Ende gesetzt werden, da die Staaten Getreide koordiniert auf den Markt bringen und somit regulierend zugunsten einer Preisstabilisierung eingreifen können. Zum damaligen Zeitpunkt waren Deutschland und Japan die einzigen beiden G8-Staaten, die über Getreidereserven verfügten. Somit schlugen sich Spekulationen sofort in den Preisen beim Bäcker nieder.
In vielen anderen Staaten werden aus einem anderen Grund solche Vorräte angelegt, da über Monokulturen in Masse produziert wird. Heuschrecken, Parasiten, Überschwemmungen, Hagel – durch Umwelteinflüsse werden beinahe ganze Jahresernten vernichtet. Somit kann auf etwas zurückgegriffen werden, ohne dass zu steigenden Preisen auf dem Weltmarkt eingekauft werden muss. Stellen Sie sich mal vor, dass Indien mit seinen 1,2 Milliarden Einwohnern plötzlich Getreide und Reis ankaufen muss. Brot und Reis würden auch bei uns im Nu zu kaum mehr erschwinglichen Luxusgütern. Der Getreidespeicher Indiens ist nach jenem China’s übrigens der zweitgrösste weltweit.
Apropos 2008: Gebe es von heute auf morgen plötzlich kein Getreide mehr, so reichten die Reserven vor vier Jahren noch für 53 Tage (Quelle: Weltgetreideprojektion des US-Landwirtschaftsministeriums). Einige sprachen damals vom niedrigsten Wert ausserhalb der Kriegszeiten. Im Jahr 2000 waren es noch 115 Tage. Hiervon betroffen ist selbstverständlich auch das Vieh und damit die “Fleischproduktion”. Denn nicht überall dürfen die Kühe noch auf saftigen Wiesen stehen. Das meiste Vieh wird mit Getreide gefüttert. Deshalb empfehlen Ernährungsexperten auch wieder den Umstieg auf vermehrte vegetarische Nahrung, denn für ein Kilogramm fleischliches Protein werden etwa vier bis sieben Kilogramm Getreideprotein benötigt. Sinkt der Fleischkonsum, muss sich auch die Tierwirtschaft anpassen – es werden weniger Tiere gehalten. Dadurch bleibt mehr Getreide, Mais und Soja für den Menschen übrig. Doch verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich meinte nicht “rein vegetarisch” sondern “mehr vegetarisch”. Schliesslich liefert das Fleisch wichtige Vitamine, Provitamine und Spurenelemente, die der menschliche Körper selbst nicht aufbauen kann, die allerdings auch nur in einer sorgfältig und bunt zusammengestellten vegetarischen Nahrung enthalten sind. Hier ist gutes Wissen lebensnotwendig.
Doch betrachten wir uns diese “globale Nahrungsmittelsicherheit” etwas genauer. In Afrika tobt bereits nach Somalia im letzten Jahr die nächste Hungerkatastrophe in der Sahelzone. Erst wenn alle Hungerleiden gestillt sind, kann man von einer “globalen” Nahrungsmittelsicherheit sprechen. Im Falle Indiens also sind die Reserven das, was übrig bleibt, wenn der Hunger beendet ist. Somit von einer “Nahrungsmittelsicherheit” zu sprechen, ist schier lachhaft. Die Aktion “Brot für die Welt” fordert “Ressourcen gerecht verteilen”. Während hierzulande tausende Tonnen Lebensmittel auf den Müllhalden landen, auf den Äckern Indiens Getreide vermodert, hungern nach wie vor über 800 Millionen Menschen auf diesem Globus. Auch die Spenden und Entwicklungsgelder der industrialisierten Welt fliessen nicht immer dorthin, wo sie dringend benötigt würden. Lebensmittelkonvois werden von Truppen überfallen und für die Kämpfer verwendet. Bestechungsgelder müssen bezahlt werden. Als der deutsche Entwicklungsminister Niebel (FDP) 2009 die Entwicklungshilfe für China und Indien streichen wollte, folgte eine sehr lautstark geführte Diskussion! Darf ich mal ganz frech fragen: Wieso??? Die chinesische Wirtschaft boomt – dort finden sich jene Arbeitsplätze wieder, die bei uns wegrationalisiert werden. In Indien gibt es offenbar so viel Nahrung, dass sie auf den Feldern verrottet! Die EU will die Entwicklungsgelder für China, Indien und 17 weitere Schwellenländer bis 2014 stoppen! Zwischen 2007 und 2013 sind geflossen und fliessen nach wie vor insgesamt 224 Mio € an Entwicklungshilfe nach China! Ein Hohn, könnte doch der Staat alleine mit seinen Devisenreserven halb Europa aufkaufen! Indien erhielt im Jahr 2011 von Deutschland im Rahmen der indisch-deutschen Entwicklungszusammenarbeit Mittel in der Höhe von rund 50,5 Mio €! Logisch: Nicht alles für die Ernährung! Doch wäre es denn nicht wesentlich zielführender, wenn die indische Regierung eine dieser 13 Milliarden Doller verwenden würde, um Spezialisten (die es offenbar in Indien nicht gibt – zumindest solche, die nicht korrupt sind!) aus den Industriestaaten damit zu beauftragen, die Wirtschaft und Landwirtschaft auf Vordermann zu bringen, damit das Land lernt, auf eigenen Füssen zu stehen!? Auch die Spendenbereitschaft für Projekte in Indien ist hierzulande überwältigend. Doch geht Europa langsam selbst das Geld aus. Millionen leben unter der Armutsgrenze, viele davon unverschuldet. Gegenseitig muss man sich derzeit aus der Patsche helfen, weil Reiche auf Kosten der Armen noch reicher werden wollen. Und dies nicht zuletzt mit Steuergelder, die in Regulierungsmassnahmen gesteckt werden. Die Mobilität wird immer teurer, Heizung, Mieten und die Ernährung bzw. die Dinge des täglichen Gebrauchs. Die Seifenblase steht kurz vor dem Zerplatzen. Misswirtschaft, Korruption und Spekulation! Jene, die es haben, müssen die Mauern immer höher bauen, damit jene die es dringend brauchen, nicht herein können. Europa wird bald selbst zum Sanierungs- und Spendenfall. Den Süden hat’s bereits erwischt. Weshalb werden dann noch Gelder in Schwellenländer gesteckt, deren BiP jenen der meisten europäischen Staaten bereits weit hinter sich gelassen hat? Nach Schätzungen des IWF für das Jahr 2011 (Stand: April 2012) lag Indien beim BIP sogar vor der Schweiz, den Niederlanden und weit vor Österreich. In der BSP-Kaufkraftparität rangierte der Subkontinent bereits 2008 nach China, den USA und Japan auf Platz 4!!! Die Geldmacher investieren hier kräftig – doch nach wie vor fliessen Entwicklungshilfegelder (Steuergelder) und Spendengelder!

PS: Wenn nun mancher Österreicher süffisant über die Deutschen gelächelt hat, die mit Steuer- und Spendengelder den Wegfall ihrer eigenen Arbeitsplätze finanzieren – im Alpenstaat ist es ähnlich! Nachzulesen auf den Seiten der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit im Bundesaussenministerium!

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Das kann’s doch nicht sein, oder???

Dieser Tage habe ich, auf der Suche nach etwas, das ich dringend benötigte, ein Unternehmen in deutschen Landen aufgesucht. Was ich vorfand war ein kleines aber feines Ein-Mann-Geschäft. Im Vergleich zu den branchengleichen Anbietern in Österreich, die es beinahe ausnahmslos nurmehr in den Städten gibt, erwischte ich davor gleich einen Parkplatz und kam auch sofort dran. Als wir dann etwas ins Gespräch kamen, klagte mir der Inhaber sein Leid. Nach einer Kontrolle der Berufsgenossenschaft musste er vor kurzem erst zwei weibliche Angestellte kündigen, da er über keine getrennten Toiletten und keine Dusche verfügt. Die Dusche sei deshalb vonnöten, da in diesem Geschäft auch mit Chemikalien gearbeitet würde. Nachdem der Mann aufgrund meines erstaunten Gesichtsausdrucks wohl davon ausging, dass ich ihm nicht Glauben schenkte, machte er weiter: Aufgrund des Datenschutzes dürfte, während sich Laufklientel im Geschäft befindet, keiner der Computermonitore einsehbar und die Produktionsstätten im Keller müssen durch eine Kette mit dem Hinweisschild “Betreten verboten” ständig verhängt sein.
So, nun machte ich mir meine Gedanken! Schutz der Angestellten ist ja gut und schön, doch sind solche Auflagen ja wohl kaum für ein kleines oder mittelständisches Unternehmen einzuhalten. Und der Datenschutz? Scherz – oder? Nachdem die Daten-Vorratsspeicherung derzeit in aller Munde ist (in Österreich auch schon EU-Richtlinien-konform umgesetzt wurde), Hacker sich in Smart-Handies einloggen können (deshalb müssen die Manager eines grossen deutschen Chemie-Konzerns auch immer Keksdosen aus Blech dabei haben – wenn es zu Besprechungen kommt, muss das Handy hierin verschwinden) und über das I-Phone Bewegungsprofile erstellt werden können. Die Software kann jeder kostenfrei aus dem WWW downloaden – dadurch weiss man immer, wo sich die Bekannten und Feinde gerade befinden. Also machte ich mich an die Recherche.
In Deutschland gibt es zwei unterschiedlich ausgerichtete Berufsgenossenschaften: Einerseits die gewerblichen, andererseits die landwirtschaftlichen. Sie sind die Träger der gesetzlichen Unfallversicherungen und haben dafür zu sorgen, dass Gesundheitsgefahren im Job möglichst nicht bestehen, die zu Arbeitsunfällen bzw. Berufskrankheiten führen könnten (§ 14 SGB VII). Die Grundlagen hierfür erhalten sie durch die Unfallverhütungsvorschriften. Dabei muss auch ein Präventionsauftrag erfüllt werden (§ 15 SGB VII), der sich in Beratungen der Arbeitgeber zum Arbeits- und Gesundheitsschutz äussert. Die Kontrollorgane (früher nannte man sie “technische Aufsichtsbeamte”) sind mit hoheitlichen Befugnissen ausgestattet und können Zwangsmassnahmen verhängen, ja sogar einen Betrieb schliessen lassen, wenn die Vorschriften nicht eingehalten werden.
Meines Erachtens harter Tobak! Keine Frage: Personal gehört gegen unmenschliche oder gar gefährliche Arbeitsbedingungen geschützt! Schliesslich sollten die Zeiten der Arbeitssklaverei eigentlich vorbei sein und Frauen gleichberechtigt am Arbeitsplatz behandelt werden. Schaue ich mir allerdings Risiko-Berufe wie Tiefseetaucher, Bohrinsel- oder auch Kanalarbeiter (Gülle-Taucher – der wohl abscheulichste Beruf hierzulande) an, so können solche Auflagen niemals erfüllt werden. Deshalb steigen auch die Gefahrtarife an, da die Arbeitnehmer aufgrund des Unfallversicherungsgesetzes 1884 abgesichert sein müssen (was kostet dann erst ein Crash Test Dummy?).
Legen wir das Ganze mal in die private Welt um, in die heimischen vier Wände. Sie haben soeben einen Antrag auf eine Unfallversicherung gestellt. Bevor dieser nun behandelt werden kann, erfolgt eine Kontrolle Ihrer Wohnverhältnisse, der Hobbies und anderer Umstände. Alle zwei Jahre kommt ein Kontrollorgan vorbei und überprüft, ob tatsächlich auch Fangnetze aufgespannt sind, wenn sie für den Baumschnitt auf eine Leiter klettern bzw. eine Haushaltsleiter vorhanden ist, wenn Sie Glühbirnen wechseln müssen. Spielen Sie nebenbei Fussball, so haben Sie einen weitaus höheren Gefahrtarif als Ihr Nachbar, der Schach spielt. Und: American Football-Spieler werden erst gar nicht versichert!
Tritt eine Arbeitsunfähigkeit aufgrund eines Ereignisses ein, so geht der Weg erstmal über die Rehabilitation. Sollte diese jedoch nicht von Erfolg gekrönt sein, so erhält der Geschädigte eine einkommensabhängige Rente (§ 56 SGB VII). Ein mehr als dornenreicher Weg. Sind es doch vornehmlich jene, die mit allen Mitteln versucht haben, die Versicherungen zu prellen, die hierfür eigentlich verantwortlich gemacht werden sollten, wenn jemand, der tatsächlich nicht mehr arbeitsfähig ist, keine Rente bekommt. Manchen ist es gelungen. Doch sind inzwischen für die einzelnen Unternehmen die Anforderungen dermassen hoch geschraubt worden, dass sie oftmals für KMUs gar nicht eingehalten werden können. In unserem Fall hätte der Inhaber nur männliche Angestellte haben dürfen und einen Gartenschlauch, der in einer Art Wanne als Dusche dienen könnte. Doch: Was, wenn der Angestellte dann in der Wanne ausrutscht? Oder die Raumkosmetikerin die Toilette benutzen muss??? Denn hier sieht die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) vor, dass getrennte Toilettenräume einzurichten sind oder eine getrennte Nutzung zu ermöglichen ist (§ 6 ArbStättV). Dies gilt übrigens auch dann, wenn die Putzfrau auf freiberuflicher Basis beschäftigt ist! Und das Duschen? Das Chemikalienrecht für die EU und die Schweiz sieht am Arbeitsplatz eine Notdusche vor. Dies heisst aber nicht, dass sie auch jeden Tag benutzt werden muss! Die Duschzeit selbst zählt nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichtes vom 11. Oktober 2000 (Az.: 5 AZR 122/99 Rechtsnormen: BGB §§ 611, 612) nicht zur Arbeitszeit. Ausser, sie werden regelmässig vom Arbeitnehmer verlangt – dann sind es Dienstleistungen nach § 612 Abs 1 BGB. Somit dürfte etwa der Personaltrainer eines Fitnessstudios gar nicht während der Arbeitszeit duschen!
Stellen wir uns ein kleines Kiosk, eine Wurst- und Pommes-Bude oder ein kleines Geschäft für Modeschmuck vor. Da eine Person alleine nicht Montag bis Freitag von 08.00 bis 18.00 Uhr hinter dem Tresen stehen kann, muss zumindest noch eine zweite Person hinzukommen. Wäre die Chefin des Kiosks auch noch so von einem männlichen Mitarbeiter begeistert, so muss es eine Frau sein, da ansonsten eine zweite Toilette eingebaut werden muss (tja – aber wo???). In der Würstelbude haben es die Angestellten tagtäglich mit Ölen und Fetten sowie Reinigungsmitteln zu tun. Hier muss eigentlich eine Dusche her (da nicht wenige der wirklich harten Saubermacher bereits Chemikalien wie Säuren oder Laugen sind). Am besten gleich direkt neben der Friteuse! Und – was mache ich als Inhaber eines solchen kleinen Modeschmuckgeschäftes, wenn mein Verkäufer eine Nickelallergie hat? Wie muss die Kündigung formuliert werden? Hier beisst sich wohl die Katze in den eigenen Schwanz. Ein kleines Unternehmen, das vielleicht ausgezeichnet unterwegs ist, muss Mitarbeiter entlassen, da die Anforderungen der Berufsgenossenschaft nicht erfüllt werden. Teuer ausgebildete Fachkräfte werden arbeitslos und vielleicht sogar Hartz IV-Empfänger. Somit liegen sie dem Steuerzahler schwer im Magen. Der vorherige Chef und jetzige Ich-AG-Unternehmer kann das Geschäft nicht mehr selbst bewältigen, fällt mit einem Burn-out im wahrsten Sinn des Wortes aus, das Geschäft muss geschlossen werden. Aber – das macht ja überhaupt nichts, übernehmen doch dessen Arbeit die Maschinen eines grossen Unternehmens oder einige Asiaten, die noch nicht mal über eine Toilette in der Betriebshalle verfügen. Ist das nicht pervers??? Oder ist einfach nur die Lobby der KMU’s zu schwach???
Sicherlich werden jetzt einige aufschreien und sagen: In der Vertreterversammlung dieser Berufsgenossenschaften sind auch Arbeitnehmer- und Arbeitgeber-Vertreter, sodass nicht praxisfremde Bürokraten irgendwelche Gesetze aufstellen können. Mag ja korrekt sein, doch gibt es inzwischen weltweit hauptberufliche Vertreter, die eigentlich gar nichts mehr mit der Praxis ihres Berufes zu tun haben. Das kann in der Industrie- und Handelskammer ebenso der Fall sein, wie bei etwa der Arbeitnehmervereinigung oder Arbeiterkammer.
Die gewerblichen Berufsgenossenschaften bieten rund 19.000 Jobs – davon sind etwa 2.200 als Kontrollorgane im Aussendienst. Es sind keine Beamten, sondern Tarifangestellte – jedoch gab es noch im Jahr 2005 7.000 Dienstordnungsangestellte mit beamtenähnlichen Status. Somit urteilt also eine Körperschaft, vergleichbar mit dem öffentlichen Dienst, über die Privatwirtschaft. Wer wie ich die Möglichkeit hatte, in beide Richtungen hineinzuschnuppern, wird dies mit einem Kopfschütteln quittieren. Fehlt beispielsweise in einem Amt die Damentoilette, so wird sie eingebaut, egal was es den Steuer- oder in diesem Falle Beitragszahler kostet. Muss dies aber ein Kleinunternehmer finanzieren, kann es um seine wirtschaftliche Existenz gehen.
Der Arbeitnehmer selbst merkt von all dem überhaupt nichts. Der Versicherungsbeitrag ist in die Lohnnebenkosten hineingepackt – betrifft damit zwar das Brutto- nicht aber das Netto-Gehalt. Erst im Ereignisfall gibt es einen Unterschied. Sollte es durch beispielsweise einen Arbeitsunfall zu einer Arbeitsunfähigkeit des Angestellten kommen, so haftet dafür nicht der Arbeitgeber (ausser es war Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit – die aber durch den Besuch solcher Kontrollorgane ausgeschlossen werden sollte!). Der Betroffene muss sich mit der Berufsgenossenschaft herumstreiten. Wäre mal interessant zu wissen, was geschieht, wenn der Bürobote einer dieser Berufsgenossenschaften auf den abgetretenen Stufen im Stiegenhaus ausrutscht und sich bei dem folgenden Sturz bleibende Schäden zufügt.
Der Mann vom Beginn meiner Ausführungen erklärte mir, dass die Toilette kein Problem darstelle – er kann somit nur männliche Mitarbeiter einstellen. Was aber für ihn als Kleinunternehmer nicht machbar ist, ist der Einbau einer Dusche. Ausserdem hätte da der Hausinhaber auch noch ein Wörtchen mitzureden. Er ist nur Mieter des Geschäftslokales. Somit muss er also teilweise ohne Rücksicht auf Arbeitszeiten Nächte durcharbeiten, um Aufträge erfüllen und die Kunden halten zu können. Da empfiehlt es sich aber, eine Arbeitsunfähigkeitsversicherung für Selbständige abzuschliessen. Die freundliche Privatversicherung von nebenan dankt herzlichst!!! Ich selbst weiss, was es bedeutet, einen 12-16 h-Arbeitstag zu haben. Dies hält man maximal 2 Jahre durch, dann ist der Körper dermassen ausgelaugt, dass es nicht mehr geht. Auch wenn sich die Psyche bereits an dieses Arbeitsrad gewöhnt hat.

PS: Die Inhalte dieses Blogs beziehen sich aus gegebenem Anlassfall auf die deutsche Situation! In Österreich oder der Schweiz kann es zu Abweichungen kommen!!!

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