Archive for August, 2012

Die tödliche Gefahr aus dem Wasserhahn

Im Juli sorgte eine Schlagzeile in München für einigen Aufruhr – und dies deutschlandweit! “Duschverbot im Münchner Olympiadorf”. Auslöser war eine Trinkwasseruntersuchung nach der Trinkwasserrichtlinie der EU bzw. der Trinkwasserverordnung 2011 in Deutschland. In Österreich konnte ich auf die Schnelle weder in der 235. Verordnung 1998 “Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch” noch in der Fassung BGBl. II 161/2000 bzw. der “Trinkwasserverordnung” (BGBl. II Nr. 304/2001) entsprechende Bestimmungen entdecken (sollte ich fehl gehen – bitte Mail an mich, dann wird dies sofort korrigiert!). Die mikrobiologischen Untersuchungen betreffen hier vornehmlich den Gehalt von Coli-Bakterien bzw. Enterokokken und Pseudomonas aeruginosa. In Deutschland muss das Trinkwasser in allen öffentlichen und gewerblich genutzten Gebäuden seit dem 01. November 2011 regelmässig auf den Gehalt etwaiger “kolonienbildender Legionellen” hin unterschucht werden. Zu diesen Gebäuden zählen auch Mietshäuser. Legionellen sind immer im Trinkwasser enthalten. Während sie im Magen abgetötet werden, können sie in einer gewissen Konzentration eingeatmet durchaus tödliche Folgewirkungen haben. Wasserdampf, eine Klimaanlage, ein Whirlpool oder Zimmerbrunnen (Einatmung als Aerosol) sind zumeist die auslösenden Faktoren. Im Olympischen Dorf in München wurde die durch die EU-Trinkwasserrichtlinie 98/83 vorgegebene Grenze von 100 kolonienbildenden Einheiten in 100 Milliliter Trinkwasser überschritten – in 320 Haushalten durfte die Dusche nicht mehr verwendet werden.
Die stäbchenförmigen Krankheitserreger lösen bei schwachem Immunsystem die sog. “Legionellose” aus. Sie kann zwei unterschiedliche Krankheitsbilder aufweisen:
- das an sich harmlose Pontiac-Fieber
- die Legionärskrankheit mit tödlicher Lungenentzündung
Im Jahr 2011 wurden am Robert-Koch-Institut nicht weniger als 639 Legionellose-Fälle gemeldet. Doch gerade das Pontiac-Fieber wird öfters als normale Influenza oder grippaler Infekt verkannt. Deshalb dürfte die Dunkelziffer noch weitaus höher liegen. Grund zur Panik besteht deshalb jedoch nicht – durch die regelmässigen Untersuchungen werden immer wieder solche Meldungen in die Medien kommen. Nicht etwa weil die Legionellen zunehmen, sondern vielmehr weil wesentlich mehr kontrolliert wird.
Das heimische Trinkwasser unterliegt grösstmöglichen Reinheitskontrollen. Es ist wahrscheinlich jene Flüssigkeit, die am meisten auf ihre Qualität hin überprüft wird. Trotzdem kann ein Krankheitserreger niemals völlig ausgeschaltet werden: Die Legionella pneumophila. Das Wasser fliesst in den Trinkwasserleitungen mit einer Temperatur von nur +8 Grad Celsius. Der Erreger vermehrt sich allerdings nicht oder nur sehr langsam unter einer Temperatur von +20 Grad. Damit sind Durchlauferhitzer und Boiler die wirklichen Brutstätten der Legionellen. Nur die Erhitzung auf über +60 Grad lässt die Keime nach einigen Minuten absterben (bei +71 Grad innerhalb von 3 Minuten). Die Bakterien lagern sich in Form von Biofilmen in Rohren, Wasserhähnen und auch Duschköpfen an. Bei +36 Grad fühlen sie sich am wohlsten.
Die Legionärskrankheit wurde erstmals 1976 im Bellevue Stanfort-Hotel in Philadelphia diagnostiziert, als amerikanische Kriegsveteranen während eines Kongresses nach dem Duschen daran erkrankten. 180 von 4.400 Delegierten hatten sich infiziert, bei 29 verlief dies tödlich. Die erste bekannte Legionellen-Epidemie in Deutschland wurde 2010 im Raum von Ulm bekannt: 64 Infizierte und 5 Todesopfer. Gerade bei älteren Menschen, die über ein nicht mehr dermassen starkes Immunsystem verfügen, können die Erreger zu Lungenentzündungen und Nervenversagen führen. Die Sterblichkeit liegt bei 10 bis 20 % und wird damit als “erheblich” eingestuft.
Die Prüfungen nach der Trinkwasserrichtlinie müssen jährlich von akkreditierten Probenehmern durchgeführt werden. Dabei werden 250 Milliliter Wasser in eine zuvor sterilisierte Kunststoffflasche gefüllt. Zuvor wird die Wasserquelle mit 70 %-igem Ethanol gereinigt und nach der Einwirkzeit auf höchster Wassertemperatur für einige Minuten laufen gelassen. Erst dann erfolgt die Probenentnahme. Innerhab von 12 Stunden wird die Analyse der Probe vorgenommen. Dies gleich in dreifacher Hinsicht: Zwei natürliche Proben auf Nährboden in Petrischalen und einmal als Kontrollprobe. Hier wird das Wasser durch eine Filtermembran, Druck und chemischen Zusätzen insofern zerlegt, dass nurmehr die Legionellen übrig bleiben. Nach einer Woche bei 36 Grad Celsius haben sich in den meisten Fällen Kolonien aus einem Bakterium gebildet. Liegen diese im Rahmen des Erlaubten, ist dies gut so. Ansonsten muss das gesamte Leitungssystem des entsprechenden Gebäudes kurzfristig mit über 70 Grad heissem Wasser gespült werden. Betroffen davon sind “Speicher-Trinkwassererwärmer oder zentrale Durchfluss-Trinkwassererwärmer von mehr als 400 Liter und/oder drei Liter in jeder Rohrleitung zwischen dem Abgang des Trinkwassererwärmers und der Entnahmestelle”. Wird diese Regelung vernachlässigt, drohen hohe Strafen und im Ernstfall zivilrechtliche Schadensersatzklagen.
Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien, die zur Familie der Legionellaceae zählen. Geisseln (subpolare Flagellen) ermöglichen die Beweglichkeit der Erreger. Derzeit sind 48 Arten und 70 Serogruppen bekannt, die sowohl im Süss- als auch im Salzwasser vorkommen. Die Legionella pneumophila kann auch die lebensgefährliche Legionärskrankheit auslösen. Sie äussert sich mit folgenden Verlaufserscheinungen: Unwohlsein, plötzlich auftretendes hohes Fieber, Kopf-, Brust- und Gliederschmerzen, Husten, Durchfall und Verwirrtheit. Einher geht eine Lungenentzündung und schliesslich ein Organversagen. Die Inkubationszeit beläuft sich auf 2-10 Tage. 15 bis 20 % der Infektionen verlaufen tödlich. Schätzungen gehen davon aus, dass jährlich in Deutschland 500 bis 2.000 Menschen auf diese Weise sterben – oftmals bleibt die eigentliche Ursache, die Legionellose dabei unerkannt. Das Pontiac-Fieber hingegen verläuft ebenfalls fiebrig und grippeähnlich, klingt jedoch nach nur wenigen Tagen wieder ab. Rund 100.000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich daran.
Sich vor diesen Legionellen zu schützen ist sehr schwer. So sollte Trinkwasser immer kalt gehalten werden. Brauchwasser (zum Duschen etwa) sollte auf mindestens 60 Grad aufgeheizt werden (Rücklauftemperatur mindestens 55 Grad). Gerade bei Geothermen (also Anlagen, die über Erdwärme heizen) bzw. Wärmepumpen sollte der Boiler regelmässig auf über 60 Grad erhitzt werden (Strom). Nachteil: Raschere Verkalkung des Leitungssystems! Auch der Einsatz von Ultrafiltrations-Membranen wäre sehr förderlich – sie filtern die Legionellen aus. Die Bestrahlung mit ultraviolettem Licht (Aachener Konzept) kann zudem Abhilfe schaffen. Daneben kann eine chemische Dauer- (geringe Konzentration) oder Stossdesinfektion (mit beispielsweise Wasserstoffperoxid) von Chemikalien in hoher Konzentration durchgeführt werden. Danach muss eine Spülung erfolgen. Recht neu ist auch die Membranzellenelektrolyse. Dabei wird durch elektrochemische Aktivierung Natriumhypochlorit erzeugt. Chemische Massnahmen sind jedoch immer mit hoher Genauigkeit und nach DIN-Vorschriften durchzuführen. So verbietet etwa die Trinkwasserverordnung eine prophylaktische Desinfektion mit Chemikalien. Zuguterletzt sei hier noch das Anstandsgewirke erwähnt. Durch die Anbringung spezieller silberhaltiger Textilien in wasserführenden Systemen werden Metallionen in Mikroorganismen übertragen, die ein Anhaften eines Biofilmes und damit eine Kolonienbildung verhindern.
Trinkwasser ist in unserer Breitengraden der wichtigste Reichtum. Unter Berücksichtigung auch nur kleinerer Massnahmen ist es auch die gesündeste Flüssigkeit, die wir zu uns nehmen können. Zudem auch noch kalorienarm bzw. gar -frei. Der Mensch kann mehrere Tage ohne Nahrung überleben – jedoch nur kurz ohne Flüssigkeit!

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Zum alten Eisen

Sehr hitzig wird derzeit in Deutschland über die Rente mit 67 diskutiert! Die Politik versucht damit zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Wer früher in Pension geht, muss mit fetten Abschlägen rechnen! Wer dann mit der Rente nicht mehr auskommt, muss wieder arbeiten gehen. Dadurch werden jene Jobs belegt, die ansonsten niemand mehr machen möchte, da sie zumeist schlecht bezahlt sind. Gleichzeitig erhöht sich dadurch die Zahl der Erwerbstätigen und damit auch Beitragszahler. Arbeit bis direkt in die Kiste – schöne Vorstellung! Werden wohl auch die Sterbefälle am Arbeitsplatz eklatant zulegen! Da bekommt der Ausdruck “Den Ruhestand geniessen!” plötzlich eine ganz andere Bedeutung, ist doch die Wahl zwischen weiterackern oder Altersarmut der einzige Genuss, den man sich leisten kann. Doch, was die meisten Politiker nicht berücksichtigen: Sehr viele Arbeitgeber wollen gar keine älteren Arbeitnehmer!!!
Bei der Recherche zu diesem Blog bin ich auf einen wundervollen Satz gestossen, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte: “Ältere Arbeitnehmer sind langsamer – doch sie kennen Abkürzungen!” (Arbeitsforscher Joachim Müller). Eine neue Studie, die durch die IG Metall in Deutschland beauftragt wurde, belegt eine Tatsache, die den Jugendwahn eines so manchen Chefs Lügen strafen wird: Die Arbeitnehmer werden ständig älter! Kein Wunder, haben doch die geburtenstarken Jahrgänge vor dem Pillenknick nun die 40er-Grenze überwunden. Waren zu Beginn der 90er Jahre noch etwa 44 % der erwerbstätigen Personen in Deutschland über 40 Jahre alt, so sind es gegenwärtig schon 58 % (ähnliches gilt selbstverständlich auch für Österreich). Volkswirtschafter sehen sich nun mit interessanten Fragen konfrontiert: Leidet darunter die Innovationskapazität der Wirtschaft? Wie sieht es bei gleichbleibender Tendenz mit der Leistungstärke “Made in Germany” aus?
Die Antwort hierzu kommt aus der Arbeitsforschung. Negativ ist, dass ältere Menschen physisch weniger belastet werden können und auch etwas mehr Krankheitstage auf’s Tapet bringen. Daneben nimmt die sog. “fluide geistige Leistungsfähigkeit” ab. Soll heissen, dass sich ein älterer Arbeitgeber schwer tut, sich neuen Situationen anzupassen und die Filterfunktion zwischen wichtig und unwichtig etwas nachlässt. Positiv hingegen ist das Wissen der älteren Arbeitnehmer zu bewerten. Die Erfahrungen, die Kenntnis der Arbeitsabläufe, das Qualitätsbewusstsein. Jene Chefs, die das erkannt haben, konnten sich zumeist über eine Steigerung der Produktivität freuen. Ja – ältere können jüngere gar stehen lassen, wenn sie fit und aktiv altern. Wer sich körperlich und geistig fit hält, ist belastbarer und aufnahmefähiger. Ist nun auch der Arbeitsplatz altersgerecht gestaltet, die Personalpolitik nachhaltig angelegt, so können diese Pluspunkte die Leistungskraft eines Unternehmens entscheidend beeinflussen – auch mit älteren Arbeitgebern. Dies zeigen Untersuchungen aus der Automobilbranche auf. Nur gesunde Arbeitnehmer sind glückliche Arbeitnehmer! Es ist keinem Unternehmen geholfen, wenn zwar die Manager sportlich agil und braungebrannt sind, da sie ihre Zeit frei einteilen können, die Arbeiter jedoch geschunden und erledigt am Abend in die Couch fallen und schon während des Fernseh-Hauptabends vor der Glotze wegschlafen. Allerdings helfen auch keine Samthandschuhe! Dieses Fingerspitzengefühl, das die gesunde Balance zwischen Über- und Unterforderung der Angestellten hält, zeichnet den guten Boss aus.
Doch leider können dies nicht viele, weshalb sehr häufig ältere gegen jüngere ausgetauscht werden. Subventionierte Vorruhestandsregelungen wurden genutzt um den Betrieb zu verjüngen! Ist es denn nicht für ein Unternehmen besser, sich auf seine Mitarbeiter verlassen zu können ohne befürchten zu müssen, dass sie das hier gelernte Know-How nach nur kurzer Zeit bei einem Wechsel zum Mitbewerber besser einsetzen könnten? Weiterbildungsmassnahmen in den Sand gesetzt, da der Kollege die Firma verlässt! Jobhopping ist eine Entwicklung der modernen Zeit. So hat sich etwa im Management bereits das sog. “Interimsmanagement” gebildet. Sozusagen: Wandernde Volksscharen!!! Untersuchungen zur Innovationskraft unterschiedlicher Unternehmen haben ergeben, dass keinerlei Vorteile für jene Betriebe bestehen, die ständig nur auf neues, unverbrauchtes Personal setzen im Vergleich zu jenen, die Betriebszugehörigkeit gross schreiben. Der Otto-Konzern in Deutschland hat beispielsweise erst kürzlich bereits pensionierte Ex-Mitarbeiter in den Betrieb zurückgeholt, um dadurch klaffende Lücken wieder schliessen zu können. Verfehlte Personalpolitik??? Sicherlich müssen immer wieder Junge eingebaut werden. Ansonsten steht man von einem Tag auf den anderen vor dem Problem, dass durch grossflächige Pensionsabgänge Löcher entstehen, die der Firma schaden können. Doch ist es für viele Betriebe sehr schwer, hier geeignetes Personal zu finden. Ist dies dann geschehen, so sollte der Erfahrungsschatz der älteren Arbeitnehmer den Jüngeren übertragen werden (Wissenstransfers). Die Zeitungen waren vor noch gar nicht allzu langer Zeit voll mit Stellenangeboten für Schweisser. Jetzt sind sie gefüllt mit jenen für CNC- und CAD-Fachkräfte.
Doch genau dieses Manko präsentiert nun die IG-Metall-Studie. Ältere Mitarbeiter haben sich dem Betrieb anzupassen, wenn nicht, werden sie durch jüngere ausgetauscht. Welcher Chef bemüht sich um solch profane Dinge wie Gymnastikübungen am Arbeitsplatz oder Gesundheitsstühle? Präventivmassnahmen werden völlig ausser Acht gelassen. In dieser Studie wurden nicht weniger als 3.700 Betriebsräte in ganz Deutschland befragt. Nur rund 3,8 Prozent der in der Metall- und Elektroindustrie Beschäftigten sind älter als 60, gar nur ein Prozent alter als 63 Jahre. Damit erhält die Pensionspolitik der Regierungen einen Schlag mitten ins braungebrannte und Wählerstimmen beeinflussende, lachende Gesicht. Aus gesundheitlichen Gründen steigen sehr viele bereits mit Ende 50 aus. In jenen Berufen, die weniger von körperlicher Arbeit dominiert werden, nahm diese Zahl der über 60-jährigen in den letzten 20 Jahren hingegen zu. Für neun von zehn der betroffenen Unternehmen sind die Stichworte altersgerechte Arbeitsgestaltung oder ergonomisch eingestellte Arbeitsplätze bzw. auch betriebliche Gesundheitsförderung Fremdworte. Eine mittelfristige Personalplanung wird von nicht einmal jedem dritten Betrieb durchgeführt. Dafür bieten mehr als die Hälfte die Altersteilzeit an, damit Mitarbeiter früher aus dem Berufsleben aussteigen können (TV FlexU und das Vorsorgewerk MetallRente aktiv). Ein Ausscheiden aus dem Erwerbsleben zu fairen Bedingungen ist somit bei sehr vielen nicht möglich, kritisiert auch die IG Metall. Die Arbeitgebervertretung Gesamtmetall weist diese Vorwürfe unter Bezugnahme auf die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zurück. Seit der Jahrtausendwende habe sich die Anzahl der über 60-jährigen verdoppelt – sie liege derzeit bei rund 4,9 %. Verantwortlich für die nach wie vor niedrige Quote seien frühere Vorruhestandsprogramme. Die Gewerkschaften schüren mit ihren Zahlen nur Zukunftsängste. Tatsächlich weist die Bundesagentur für Arbeit auf, dass im Juni 1999 550.000 Arbeitnehmer über 60 Jahre einer sozialversicherten Arbeit nachgingen – im Juni 2011 waren es mit 1,3 Millionen mehr als doppelt so viele. Sind es tatsächlich mehr geworden oder melden sich einfach nur mehr älteren Beschäftigte bei der Sozialversicherung an???
Werden für die Jahrgänge vor 1964 bereits Übergangsregelungen beschlossen, so müssen sich die Jahrgänge danach auf die Rente mit 67 Jahren einstellen. Doch können sehr viele davon unter den heutigen Arbeitsbedinungen gesundheitlich gar nicht so lange arbeiten (nicht nur die Schwerarbeiter!). Damit wäre durch die Politik eine realitätsfremde Entscheidung getroffen worden. Dieses Problem, die Tatsache der Rentenabschläge und die Altersarmut sollten die nächsten Wahlen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich dominieren, da in diesen Monaten die Schienen verlegt werden. Ist die Anhebung des Rentenalters gut für die Betroffenen oder schaffen sich die Regierungen durch den Anstieg der Altersarmut unlösbare Probleme für die Zukunft? Wann passen sich die Chefs dem demografischen Wandel an? Stellen Sie sich einen Stahlarbeiter vor. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an welchem er die feuersichere Arbeitskleidung und die harte körperliche Arbeit nicht mehr schafft! Nach wie vor wird er einfach ausgetauscht – gegen einen jüngeren. Würde er hingegen laufend Weiterbildungsmassnahmen unterzogen, so könnte er ab diesem Zeitpunkt etwa einem CNC-Vollautomaten zugeteilt werden, bei welchem er an sich nurmehr entwickelt und beaufsichtigt. Diese Arbeit könnte bis zum Erreichen des Pensionsalters gemacht werden. Andererseits: Stellen Sie sich einen Mann vor, der jahrzehntelang schwer gearbeitet hat und mit 62 Jahren seinen Job verliert! Wird er – nachdem sich heute bereits 45-jährige schwer tun – noch jemals eine Arbeit finden oder wird er einfach in die Frühpension verabschiedet – ob er will oder nicht und muss mit den horrenden Abschlägen leben!? Der Fall eines 75-jährigen Universitätsprofessors zeigt dies zudem auf: Er musste durch alle Instanzen gehen um schliesslich vom Bundesverwaltungsgerichtshof in Leipzig das Recht zugesprochen zu bekommen, dass er auch weiterhin als Sachverständgier arbeiten darf! Begründung der Verwaltungsrichter: Eine generelle Altersgrenze verstosse gegen das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz! Wenn die schwer abgearbeiteten Beschäftigten des öffentlichen Dienstes früher in den Ruhestand wechseln können, wieso muss dann der Fliessbandarbeiter bis zum 67. Lebensjahr arbeiten???

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Spielst Du noch oder träumst Du schon?

In meiner Studienzeit habe ich meinen Computer in der universitären Bleibe aufgestellt, um damit Arbeiten schreiben zu können. Was heute selbstverständlich erscheint, war damals noch eher aussergewöhnlich. Somit kam es, dass ich tagsüber das Gerät zu “schulischen” Zwecken verwendete. Des nächtens jedoch glühten die Bits und Bytes, da sich immer wieder Komillitonen selbst eingeladen hatten – zum Spielen! Ein Spiel wurde erst dann uninteressant, wenn alle Rekorde gepurzelt, alle Spielebenen absolviert waren und das Ganze wieder von vorne begonnen hatte. Besonders beliebt waren natürlich die Abschusspiele, da man sich hierbei direkt mit den anderen messen konnte. Tagsüber jedoch bestand ein eisernes Gesetz: No games! Mein Bruder hingegen veranstaltete LAN-Wochenenden. Da herrschte Betretungsverbot in der ganzen Wohnung!
Dieser Tage hat die Spielemesse “Gamescom” in Köln ihre Pforten geöffnet. Es ist wohl der Traum eines jeden Spielefreaks, in diesen heiligen Hallen vom Sicherheitsdienst vergessen zu werden und einmal eine Nacht durchspielen zu können. Nachdem Social-Gaming-Unternehmen oder auch Spieleriesen wie Zynga oder Wooga mit ihrer Free2Play-Philosophie wichtige Märkte (Südkorea, China) von hinten aufrollen, trotzdem jedoch damit Geld verdienen, überlegen sich nun auch die Platzhirsche wie Crytek, Ubisoft oder Electronic Arts, die Spiele kostenlos anzubieten. Cash wird dann mit virtuellen Waren gemacht.
Es ist ein durchaus gefährlicher Trend, der sich da abzeichnet. Dadurch besteht die Möglichkeit, noch wesentlich mehr Menschen in die Spielsucht zu treiben. So verbrachte etwa der Sohn einer Bekannten Tag und Nacht vor dem Computer. Während andere Kids mal auf den Fussballplatz oder ins Schwimmbad gingen, sass er im abgedunkelten Zimmer und kam vom Joystick nicht mehr los. Hatte er seine Spiele durch, war gemeinsames Spielen beim Schulkollegen angesagt. Gerade Jugendliche sind sehr von der Spielsucht gefährdet, da sie keinerlei Grenzen kennen. Es ist cool, einen Rekord zu halten – manch einer geniesst gar göttlichen Status unter seinesgleichen. Dies wurde bislang durch die doch recht ansehnlichen Preise (50 € pro Spiel sind keine Seltenheit) etwas eingeschränkt, da irgendwann auch mal das beste Taschengeld ausgeht, so wird der Markt jetzt mit kostenlosen Games überschwemmt, die über Internet downgeloaded und auch auf der letzten, elektrifizierten Almhütte, gespielt werden können. Eine 2007 in den USA durchgeführte Umfrage ergab, dass von 1.178 befragten, jugendlichen Spielern nicht weniger als 8,5 % als “krankhafte Spieler” bezeichnet werden mussten (Harris interactive poll). Ein ähnliches Bild brachte eine ein Jahr zuvor in Grossbritannien gemachte Studie: Hier waren es 12 % von 7.000 befragten Jugendlichen, davon 94 % männlich! Die Vereinigten Staaten oder die britischen Inseln sind weit weg, mag ein mancher unter Ihnen denken. Weit gefehlt: Eine repräsentative Studie des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen (KFN) brachte es auf den Punkt: 14.000 befragte Jugendliche aus zufällig ausgewählten Landkreisen galten als computerspielsüchtig, 23.000 weitere als gefährdet! Bedenklich – schliesslich wurden 44.610 Teens im Alter von 15 Jahren befragt! Unvorstellbar!
Selbstverständlich sind auch Erwachsene davor nicht gefeit. So meint etwa Peter Moore, seines Zeichens Manager beim Spielehersteller Electronic Arts (EA) gegenüber des Nachrichtenmagazins “Der Spiegel”, dass er heutzutage mehr spiele als je zuvor. Doch dieser Mann wird dafür auch bezahlt. Spiel- oder Internetsucht ist gefährlich und wird durchaus schon als psychische Krankheit angesehen, da die User, die davon betroffen sind, sozial komplett verkümmern. Auf der Website der “Anonymen Spieler” (GA) ist zu lesen, dass die “Spielsucht eine fortschreitende Krankheit ist, die niemals geheilt, aber zum Stillstand gebracht werden kann!” Wie bei jeder Sucht ist wohl der erste Schritt zur Heilung der schwerste: Der Betroffene muss einsehen, dass er an einer Krankheit leidet, einer Sucht! Nur wer dies erkannt hat, kann auch zum Wunsch kommen, mit dem Spielen aufzuhören. Anstatt vor dem Bildschirm zu sitzen, die unterschiedlichsten Freizeitaktivitäten zu betreiben, die für manch andere selbstverständlich sind. Andere Menschen kennenzulernen. Wird ein Süchtiger von anderen auf seine Sucht hingewiesen, schaltet dieser in den meisten Fällen automatisch auf Abwehr. Nur das Eingeständnis, das er sich selbst machen muss, kann ihm helfen. Alles andere ist nur eine vorübergehende Besserung. Bevor es allerdings hierzu kommt, durchlaufen diese Menschen zumeist ein Martyrium unbeschreiblicher Art. Freunde werden verloren, der Job geht verlustig, neben psychischer Beschwerden setzen auch körperliche ein. Es ist eine riesengrosse Hürde, die überwunden werden muss: Das Eingeständnis zu machen, dass das Spiel stärker war als ich, mich im Griff hatte und ich ihm wehrlos ausgesetzt war. Was dann folgt, ist von Therapie zu Therapie unterschiedlich. Die “Anonymen Spieler” (GA) etwa verfolgen ein Zwölf-Schritte-Programm, das ehrlich und innerlich bereit absolviert werden muss.
Studien zeigen auf, dass alleine in Deutschland zwischen 100.000 bis 290.000 Menschen vom pathologischen Spielen (nicht nur Computerspielen) befallen sind. Die Dunkelziffer ist weitaus höher. Mit einer solchen Suchttherapie muss in den meisten Fällen auch eine Charakteränderung durchgemacht werden. Viele der Spielsüchtigen haben Angst davor, erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Deshalb flüchten sie in eine Welt, in der sie sein können, wie sie sich vorstellen: Der Warmduscher wird zum Helden, der Hartz IV-Empfänger zum Multimillionär. Diese Flucht wird schliesslich zur Besessenheit. Es wird alles dafür getan und oftmals auch geopfert, um dieses virtuelle Bild des “Grössten”, des “Allmächtigen” auch umsetzen zu können. Spieler sind Träumer, Spaziergänger in einer Phantasiewelt. Konnten hier Träume erfüllt werden, so war man erfolgreich und versteht nicht, weshalb die anderen davon überhaupt nichts wissen. Also wird ein grösserer Traum begonnen. Bricht irgendwann mal einer dieser Träume zusammen, so werden nicht etwa andere Wege beschritten. Der Spielsüchtige kommt wieder. Und er wird stets wiederkommen, bis der Traum endlich umgesetzt ist. Schliesslich ist es seine Welt, eine Welt, die er selbst erschaffen hat. Das komplette Denken des Süchtigen fokussiert sich nurmehr auf das Spiel. Dies verursacht eine Verzerrung der Wahrnehmung, die Beeinflussung der Emotionen und schliesslich die Änderung der Verhaltens. Erfolgt das alles nicht am heimischen PC sondern an Spielautomaten, so wird sehr rasch aus der psychischen Erkrankung auch ein finanzielles Problem – wir sind beim Übergang zur Glückspielsucht angelangt.
Die Spielsucht – oder wie es der Experte bezeichnet: Das “Pathologische Spielen” – ist dem Bereich der abnormen Gewohnheiten und Störungen zugeordnet (ICD-10-Klassifikation). Um ein besseres Verständnis für das Gewicht zu vermitteln: In derselben Klassifikationsebene findet sich auch die Pyromanie und Kleptomanie. Dies betrifft vornehmlich die Glückspielsucht – die Video-Spielsucht ist einer Untergruppe der Verhaltenssüchte zugeordnet – sie engt die Freiheitsgrade des Betroffenen ein. 2007 entschloss sich die American Psychiatric Association (APA) dazu, die Computerspielsucht selbst noch nicht in die DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders)-Klassifizierung zu übernehmen. Diese Klassifizierung ist vergleichbar mit der ICD-Klassifikation. Das jedoch könnte schon sehr bald geändert werden.
Auf der Suche nach einem Fluchtweg vor Depressionen und Ängsten wird immer mehr zum Joystick gegriffen und Verwandte, Bekannte etc. mit dem “letzten Mal” oder “gleich” stets vertröstet. Eine affektregulierende Wirkung des Spiels kann jedoch nur mit zunehmender Spieldauer erzielt werden. Pathologische Gamer leiden unter einem hohen Grad an Realitätsverlust. Spannung oder Erregung kommen nurmehr auf virtueller Ebene zum Vorschein, Niederlagen werden bagatellisiert. Am gefährlichsten dabei sind die Massively Multiplayer Online Role-Playing Games – jene Rollenspiele, bei welchen sich online eine Unzahl von Spielern gleichzeitig aufhalten, wo sich jeder Spieler eine Maske verpassen kann. Um nur eines zu nennen: World of Warcraft.
In der Therapie wird häufig auf die Möglichkeiten der ICD-10 bzw. DSM-IV zurückgegriffen. So werden u.a. auch Medikamente eingesetzt – etwa Naltrexon. In einer Studie mit Glückspielern konnte hier ein 40 %iger Erfolg erreicht werden (in der Kontrollgruppe mit Plazebos waren es nur 11 %). Nicht eine Bekämpfung der Symptome, sondern der Ursachen kann in den meisten Fällen helfen. Studien der University of Rochester und der American Academy of Child and Adolescent Psychiatry vermuten einerseits soziale Phobien und psychische Probleme (Depressionen etwa) als Reiz auslösenden Faktor bzw. die ständige Belohnung und Freiheit in den Spielen selbst als Motivation weiterzumachen. Wissenschaftlich somit recht einfach mit der klassischen Konditionierung (am positiven Erfolg durch die Belohnungen) bzw. in der Neurobiologie im Sinne der Regulierung eines negativen emotionalen Zustandes durch das Computerspiel (inadäquate Stressbewältigung durch angenehme Erregung und Entspannung) zu erklären. Ist ein Spieler geheilt, kann es durchaus vorkommen, dass er für längere Zeit dem Trieb nicht mehr nachgeht. Doch warnen Therapeuten etwa bei Glückspielsüchtigen: Bereits ein (in Zahlen: 1!) Lotto- oder Toto-Tipp kann für einen Rückfall verantwortlich sein.
Videospielsucht ist eine ernstzunehmende Krankheit, die behandelt werden sollte. Ansonsten wird es Ihnen wie meiner Bekannten gehen: Es entsteht ein Nachschattengewächs, ein Zombie, dessen Finger erst dann nicht mehr zittern, wenn sie einen Joystick umfassen können. Oder noch extremer: Der die virtuelle auf die reale Welt umlegt und zum Amokläufer werden kann!
Sie fragen sich sicherlich, was aus unserer “Spielsucht” damals geworden ist! Nichts! Als wir alle Ebenen der drei heiss begehrtesten Spiele durchgemacht haben und dadurch recht gelangweilt waren, flaute der Trend ab. Wir haben allerdings auch nicht nach neuen virtuellen Alternativen gesucht. Anstattdessen versuchten wir es wieder mit der realen Welt: Billard!!!

Hier zuletzt noch einige Links, die Ihnen bei Kontaktaufnahme sicherlich weiterhelfen können:

http://www.die-spielsucht.de/

http://www.anonyme-spieler.org/sucht.htm

http://www.zi-mannheim.de/

http://www.game-over.at/

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Supermarkt des Lebens

Sein Name ist Jim Cohan – er hat die Lizenz Leben zu geben! Doch zu ihm kommen wir etwas später!
Der Sommer 2012 hat’s wahrhaft in sich! Ist es nicht Assad, der mit seinen grausamen Überlebensversuchen für Schlagzeilen aus Damaskus sorgt, so sind es die Wetter-Kapriolen, die den Nachrichten-Schreiberlingen nicht den Stoff ausgehen lassen um nicht wieder auf das Ungeheuer von Loch Ness zurückgreifen zu müssen, damit das Sommerloch gefüllt ist. In Deutschland kommt nun noch ein Thema hinzu: Die Organtransplantation! Erlischt die Kerze eines Menschen (wird er für hirntod erklärt), so beginnt ein wahrer Ausverkaufs-Wettlauf. Offiziell ist dies in Deutschland jedoch nur dann machbar, wenn der Patient einen Spender-Ausweis besitzt oder die Einwilligung der Angehörigen vorliegt. In manchen Ländern ist es egal ob Spender oder nicht, was an Organen noch gebraucht werden kann, wird verwendet. Nur wenn mittels Patienten-Verfügung dies nicht gewünscht wird, der Spender zu alt war oder an einer Virus- oder Tumorerkrankung litt, sollte er als Ganzes den Weg ins Grab finden – doch auch das ist nicht unbedingt garantiert.
Die offizielle Organspende läuft folgendermassen ab: Der Transplantationsbeauftragte des Krankenhauses übermittelt die Organdaten an die Deutsche Stiftung für Organtransplantation (DSO), die sie an die Stiftung Eurotransplant weiterleitet. Diese hat ihren Sitz in Leiden in den Niederlanden und koordiniert das alles für sieben europäische Staaten. Hier werden die Daten verglichen und entsprechend Dringlichkeit und Erfolgsaussichten der Operation das Organ weitergeleitet. Nun wird eines der 72 Transplantationszentren der Mitgliedsstaaten von Eurotransplant informiert. Geben auch hier die Ärzte grünes Licht, koordiniert die DSO den Transport des Organs. Das ist der normale Gang der Dinge. Dadurch wird manch anderen das Leben gerettet oder ein neues geschenkt. Es reicht ein Unfall, eine Krankheit oder ein genetischer Defekt und schon ist man auf ein neues Organ angewiesen. Gottlob hat sich die Transplantations-Chirurgie dermassen weit entwickelt, dass geholfen werden kann. Der Mensch als Ersatzteillager sozusagen. Ich hatte vor einigen Jahren eine junge Frau kennenlernen dürfen, deren Nieren schon vor einiger Zeit versagten. Sie musste regelmässig zur Blutwäsche. Urlaub musste sie vorher melden und die komplette Ernährung umstellen. Ein “Über-die-Strenge-schlagen” gab es für sie nicht. Sie wünschte sich nichts sehnlicher als eine Niere, die funktionierte, damit sie endlich ein normales Leben führen konnte. Wir haben uns aus den Augen verloren – ich würde es ihr allerdings wünschen, dass die Ärzte ihren Wunsch inzwischen erfüllen konnten.
Organtransplantationen werden normalerweise anhand solcher Wartelisten durchgeführt. Diese Listen sind international verfügbar. Patienten werden hier nach Dringlichkeit gereiht. So hat der Alkoholiker, der an Leberzirrhose leidet, fast keine Chance, an eine neue Leber zu kommen, die er ebenfalls wieder durch seine Sucht zerstört. Ist nun eine Leber verfügbar, so werden als erstes die Grundbedingungen für eine Verpflanzung überprüft: Blutgruppe, Rhesusfaktor, … auf medizinischer Seite, damit die Möglichkeit des Abstossens des neuen Organs und somit von drohenden Entzündungen möglichst gering gehalten werden können; daneben allerdings auch das Umfeld des Patienten. Wie der Skandal in Deutschland nun aufzeigte, wurde diese Etikette nicht nur in einer Klinik gebrochen. So wurden immer mehr Patienten, die Bedarf an einem solchen Organ haben, durch die Fachärzte am eigenen Krankenhaus selbst ausgesucht. Bis 2002 lag diese Zahl noch bei unter zehn Prozent – inzwischen wird jede zweite Bauchspeicheldrüse, jede dritte Leber und jedes vierte Herz auf diese Weise eingesetzt. Die gesetzliche Grundlage hierfür liefert das sog. “beschleunigte Bewilligungsverfahren”. Wird ein Organ von drei Kliniken abgelehnt (bei Nieren von 5), so kann es im entsprechenden Krankenhaus selbst verwendet werden. Dadurch sollen Organe möglichst nicht verloren gehen, da eine Transplantation innerhalb weniger Stunden durchgeführt werden muss (beim Herz 6, bei Nieren 48 Stunden). Den Kliniken soll es recht sein, schliesslich verdienen sie über die Fallpauschalen kräftig mit. Nach der Einführung dieser Richtlinie schnellten in Deutschland plötzlich die auf diese Art bewilligten Organverpflanzungen nach oben – am drastischsten bei der Bauchspeicheldrüse. Dadurch kommt aber vielleicht jener Patient, der in München im Sterben liegt, nicht zum dringend benötigten Organ, das einer Frau in Hamburg eingepflanzt wird, die noch kein Akutfall darstellt. Im vergangenen Jahr 2011 wurden in Deutschland rund 900 Organe im Rahmen dieses beschleunigten Verfahrens verpflanzt. Dabei soll es sich vornehmlich um schwer vermittelbare Fälle gehandelt haben – entweder war der Spender zu alt oder Belastungen ausgesetzt.
All dies soll im deutschen Bundesgesundheitsministerium seit 2009 bekannt sein (Eugen Brysch, der Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung gegenüber des “Inforadios”). Doch wurde bislang nichts dagegen unternommen. Jetzt wird Bundesminister Daniel Bahr (FDP) in die Pflicht genommen. Inzwischen sei es nämlich bekannt, dass private Agenturen das Prozedere für zahlungskräftige Patienten ausnutzen. Einer dieser Vermittler soll der zu Beginn erwähnte Jim Cohan sein. Er betreibt die “J. Cohan and Associates, Inc.” in Sun Valley im US-Bundesstaat Kalifornien. Cohan verspricht für all jene Nicht-US-amerikanische Staaten, die dies gesetzlich genehmigen, ganz offiziell Organe ohne lange Wartezeiten – wenn das entsprechende Kleingeld stimmt. So kostet ein Herz, eine Leber oder eine Lunge jeweils beispielsweise 225.000, eine Bauchspeicheldrüse 115.000 US-Dollar (inklusive des Transports und aller Klinikkosten). Diese Kosten jedoch sind nicht durch Versicherungen gedeckt. Cohan verspricht auf seiner Homepage, nur mit grossen und modernen Spitälern weltweit zusammenzuarbeiten, die zumeist durch amerikanisches Personal geschult oder beraten wurden und durch die jeweiligen Regierungen unterstützt werden. Dies alles auf vollkommen legaler Ebene. Die Zahl der Zivilisationskrankheiten, wie etwa Diabetes, steige kontinuierlich an, weshalb andere Wege als bislang beschritten werden müssten. So fordert Cohan auch die Regierungen auf, einen solchen Organhandel zu legalisieren. Diese aber zeigen sich nicht sonderlich davon beeindruckt, bedeute doch das, dass die armen Teile der Bevölkerung künftig keinerlei Möglichkeiten hätten, an ein dringend benötigtes Organ heranzukommen.
Ein derartiger Organhandel kann nun die mannigfaltigsten Richtungen beschreiten. So soll ein ausländischer Patient am Göttinger Universitätsklinikum einen Arzt erfolgreich bestochen haben, um eine neue Leber zu bekommen. Den Arzt erwarten im Falle einer Verurteilung Freiheitsstrafen zwischen 6 Monaten bis 5 Jahre, den Patienten ebenfalls zwischen 3 Monaten und 5 Jahre.
Andererseits können solche Vermittler im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen gehen. Entweder werden Menschen umgebracht, um an deren Organe zu kommen oder es werden unbrauchbare verkauft. 2011 beispielsweise wurden in der Sinai-Wüste hunderte Flüchtlinge aus den Hungergebieten von Organhändlern gekidnappt. Ihnen wurden bei lebendigem Leib die Organe entnommen. Auch während des Kosovo-Krieges soll die UÇK serbische Zivilisten und Gefangene getötet haben, um deren Organe zu verkaufen (so Carla Del Ponte, Chefanklägerin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag). In China sprengten dieser Tage die Behörden einen Händlerring. 137 Personen sind festgenommen worden, darunter 18 Ärzte. 127 Menschen (“freiwillige Spender”!!!), deren Organe entnommen werden sollten, konnten befreit werden. Sie waren in Lagerhallen eingesperrt. Betrieben wurde ein reger Handel mit Lebend-Spenden, aber auch den Organen von Hingerichteten (eigentlich seit 2007 verboten). Viele Arme aus den Elendsvierteln von Südamerika oder Asien verkaufen eine ihrer Nieren. In Indien und Pakistan etwa erhält ein solcher Lebendspender 800 für eine Niere, in China 500 Euro. Sie wird dann wohlhabenden Menschen in Europa oder Nordamerika teuer verkauft. Die Spender jedoch sterben recht häufig an den Folgen der Operation. Der internationale Organhandel wird bereits in mafiaähnlichen Strukturen betrieben. Im Mai wurde einer dieser Organ-Paten in Israel verhaftet. Er soll Patienten an eine Klinik im Kosovo vermittelt haben, welche Organe für bis zu 100.000 € verkauft haben soll. Angeblich hatte ein Berliner Urologe die Klinik finanziert. Immer wieder greift auch Hollywood dies auf und bringt das Bild von menschlichen Organzuchtfarmen auf die Kinoleinwände. Alleine in China warten jährlich rund 1,5 Mio Menschen auf ein Organ – jedoch werden offiziell nur etwa 10.000 Transplantationen jährlich durchgeführt, da es an Spendern mangelt. Auch ein Arzt aus Indien betont, dass der Bedarf an Organen nicht mehr auf legalem Wege gestillt werden könne. Deshalb schauen sehr viele Behörden einfach weg. Organe von Lebendspendern sind zumeist besser funktionstüchtig als von toten Spendern.
2000 Menschen warten alleine in Deutschland teilweise monatelang auf eine Spender-Leber, 12.000 stehen für alle möglichen “Ersatzteile” auf der Warteliste. Täglich sterben rund drei davon. Ärzte und die Stiftung Eurotransplant sprechen sich für dieses beschleunigte Vermittlungsverfahren aus. Schliesslich gehe es darum, die Organe einzusetzen, bevor sie nicht mehr verwendbar sind. Den Gesundheitspolitikern hingegen ist es wichtig, die “Transplantationsmedizin kontrollsicher und transparent” zu machen (Harald Tarpe, B90/Grüne, gegenüber der DPA). Der derzeit laufende Skandal beruht auf Manipulationen in den Patientenakten, gezielt von Ärzten vorgenommen, damit diese in der Warteliste für ein Organ schneller noch oben kamen. Der vorhin angesprochene Mediziner soll an den Standorten Regensburg und Göttingen für nicht weniger als 50 derartiger Fälle verantwortlich sein.
Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Spender in Deutschland auf nurmehr 1.200 zurück. Aufgrund dieses Skandals befürchten nun Gesundheitsexperten, dass die Spendenbereitschaft noch weiter sinken wird. Ab dem November werden nun jedem Bundesbürger Briefe von den Versicherungen ins Hause flattern, wo er sich ein für alle Mal zu entscheiden hat, ob er spenden möchte oder nicht. Lebendspenden sind in Deutschland übrigens nur bei einem verwandt- oder freundschaftlichen Naheverhältnis erlaubt. Es ist eine menschlich grosse Entscheidung, sich dafür auszusprechen. Schliesslich können hierdurch unzählige Menschenleben gerettet werden. Andererseits besteht die Möglichkeit, dass man trotzdem noch weiterleben oder zurückkommen könnte, wenn die Maschinen ausgeschaltet werden. Diese Entscheidung sollte somit nicht per Gesetz geregelt, sondern jedem für sich überlassen werden. Und hier ist der Vorwurf der Geldmacherei oder der Bemühung, bessergestellt zu sein, nicht wirklich förderlich. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) besitzt übrigens (nach eigenen Aussagen) einen Spenderausweis ohne Einschränkungen. Somit können im Unglücksfall alle Organe entnommen werden. Bahr verspricht strengere Strafen. Schliesslich ist der Organhandel durch die Weltgesundheitsorganisation WHO, dem Europarat und dem Weltärztebund geächtet worden.

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Sauna auf vier Rädern

Alter Schwede – ist das ein Sommer, der Sommer 2012. Entweder schüttet es wie aus Kübeln oder es ist dermassen heiss, dass man vor den Abendstunden am liebsten gar nicht aus dem Schatten geht. Beides stellt v.a. Autofahrer vor gewisse Probleme. Verdrängen die Scheibenwischer nicht mehr die Mengen an Regenwasser, so sollte man auf jeden Fall einen oder vielleicht zwei Gänge zurückschalten oder für den Augenblick des Gusses überhaupt den nächsten Parkplatz aufsuchen. Schliesslich lauert ja auch die Gefahr des Aquaplanings, die immer wieder zu Unfällen führt, weil Autolenker falsch reagieren.
Ein anderes Kapitel ist die Hitze. Diese will ich nun etwas genauer beleuchten. Steht ein Auto in der prallen Sonne, so kann dies für jegliches Leben im Auto tödlich sein. Das Fahrzeug erhitzt sich bis auf über 70 Grad Celsius. Bereits eine Viertel Stunde im geschlossenen Wagen kann zu einem Hitzeschock und Kreislaufversagen führen. Deshalb auch die dringliche Bitte: Lassen Sie keine kleinen Kinder oder Tiere im Auto – auch wenn Sie nur ganz kurz weg sein möchten. Eine Studie zeigt auf, dass jährlich alleine in den Vereinigten Staaten auf diese Weise rund 40 Kinder sterben (Dr. Andrew Grundstein, Athens). Nach Messungen beginnt die Todeszone im Fahrzeug bei 46 Grad. Diese sind (übrigens unabhängig von der Farbe des Autos – hier ist die Grösse der Fenster entscheidend) bei einer Aussentemperatur von 20 Grad nach 60 Minuten erreicht. Misst das Thermometer 30 Grad, so hat sich das Auto nach bereits 30 Minuten dermassen aufgeheizt (bei 40 Grad Aussentemperatur steht das Thermometer bereits nach 5 Minuten auf 44 Grad). Durchschnittlich steigt die Innentemperatur in einer Minute um ein Grad im Vergleich zur Aussentemperatur. Was nun eintritt, ist eine Spirale des Todes und gilt für Kinder als auch für Tiere. Der Körper nimmt im Fahrzeug dreimal so viel Energie auf, wie ausserhalb, kann durch das Schwitzen und die Atmung aber nur rund ein Viertel davon abgeben (besonders schlimm bei Hunden, die durch das Hecheln transpirieren). Kleine Kinder haben zudem eine geringere Oberfläche im Vergleich zum Körpervolumen. Daher kann über die Verdunstung die Körpertemperatur schlechter reguliert werden. Somit beschleunigt sich der Blutkreislauf. Wird nun die Hitze zu stark oder verliert der Körper zu viel Flüssigkeit, so versagt der Kreislauf – es kommt zu einem Hitzekollaps oder Hitzschlag – dies kann tödlich enden. Der Mediziner spricht hierbei von Hyperthermie. Derzeit sorgt der Tod eines kleinen Mädchens in Belgien für heftigste Diskussionen. Ein 31-jähriger Soldat wollte auf dem Weg zur Kaserne seine Tochter in der Kinderkrippe abgeben. Allerdings vergass er dies und stellte das Fahrzeug in der sengenden Sonne ab. Sollte Ihnen ein Baby oder ein Tier in einem in der Sonne abgestellten Fahrzeug auffallen, so alarmieren Sie am einfachsten die Polizei oder einen Rettungsdienst.
Einige Fahrzeughersteller statten bereits die Autos mit wärmeisolierendem Glas aus. Dabei ist eine dünne Metallfolie in das Glas eingearbeitet. Dieses reflektiert die Infrarot-Strahlung, sodass sich der Fahrgastraum nicht dermassen aufheizen kann. Macht im Kopfstützenbereich 5 Grad, auf dem Lenkrad bzw. den Armaturen 11 Grad weniger. Auch abgedunkelte Fenster sind hier sehr förderlich.
All dies ist auch während der Fahrt wichtig. So mancher Autolenker wird während der sommerlichen Fahrt sehr rasch zum Hitzkopf, da die Innenraumtemperatur eng mit der Kondition der Insassen korreliert. Auch in fahrenden Autos kann die Temperatur schon mal auf rund 60 Grad Celsius ansteigen. Wird nichts dagegen unternommen, so drohen Ermüdungserscheinungen, Kreislaufschwächen und Herz-Rhythmus-Störungen. Bei längeren Fahrten sollte deshalb genügend Flüssigkeit (bis zu 3 Liter pro Tag) getrunken werden. Na logo, wird sich so mancher Adria-Urlauber denken: Kiste Bier, Thermoskanne Kaffee, Limonade,… Denkste – hierfür eignet sich Mineralwasser, verdünnte Obstsäfte oder kalter Tee. Wichtig ist das Wasser auch für mitgeführte Tiere. Regelmässige Pausen mit leichten Gymanstikübungen führen ebenfalls zu einer Besserung. Lassen Sie womöglich die heissen Mittagsstunden aus und kühlen sie das Fahrzeuginnere nicht tiefer als 6 Grad unter der Aussentemperatur (sofern Sie über eine Klimaanlage verfügen). Zu kalt eingestellt, belastet auch dies den Kreislauf immens. Zu Beginn der Fahrt sollten zuerst die Fenster geöffnet werden, damit ein Lufttausch erfolgt. Dann diese schliessen und die Klimaanlage kurz auf Umluft stellen, damit der Innenraum etwas abkühlt. Danach jedoch diese bitte wieder zurückdrehen, da ansonsten Sauerstoff entzogen wird. Richten Sie niemals den Luftaustritt direkt auf den Körper – Erkältungen und Husten können hierdurch drohen. Kürzere Strecken bitte ohne Klimaanlage sondern vielmehr mit geöffneten Fenstern. Das spart Treibstoff und ruiniert Ihnen auch nicht die Klima. Und beim Parken kann Ihnen ein Sonnenschutz in den Fenstern ebenfalls grosse Vorteile bringen. Bedenken Sie bitte ausserdem, dass sich Kindersitze während der Fahrt erheblich aufheizen können. Legen Sie deshalb am besten ein helles Tuch drüber, bevor Sie Ihren Nachwuchs hineinsetzen.
Tja und zuletzt noch zum Fahrzeug selbst. Die Hitze setzt auch ihm gewaltig zu. Unter der Motorhaube können leicht über 100 Grad erreicht werden. Besonders im Schritttempo oder im Stau bei gleissender Sonne kann die Motorkühlung ihren Geist aufgeben. Das Wasser beginnt zu kochen, der Motorblock wird nicht mehr gekühlt – es droht ein Motorschaden, daneben auch der Kollaps der Elektronik, da manche Halbleiter solch hohe Temperaturen nicht verkraften. Dem können Sie entgegenwirken, wenn sie die Heizung im Fahrgastraum einschalten. Dadurch wird dem Motorraum die heisse Luft entzogen und kühlere wird von aussen angesaugt. Sie müssen dafür aber nicht wirklich in der Badehose oder im Bikini im Fahrzeug einen Saunagang absolvieren. Einfach alle Fenster geöffnet, bleibt es auch für die Insassen halbwegs erträglich. Vorsicht zudem beim Tanken! Das Spitzenangebot bei der Tanke verleitet dazu, den Tank bis zum letzten Tropfen zu füllen. Das jedoch kann mehr als gefährlich sein, schliesslich verdunstet ja auch Treibstoff. Dabei dehnt er sich aus und braucht Platz (sehr rasch werden bei hohen Aussentemperaturen aus 50 Liter 51). Der überschüssige Sprit kann aus dem Tank laufen und auf dem Boden, der heissen Karosserie oder v.a. den Bremsen für erhebliche Brandgefahr sorgen.
Deshalb nochmals mein dringender Appell an alle Leser dieser Zeilen: Lassen Sie niemals ein Fahrzeug mit einem darin befindlichen Kind oder Tier im Sommer stehen! Auch ein vorher dagewesener Schatten kann sehr schnell weg sein. Sie setzen das Kind oder Tier Höllenqualen ja sogar der Todesgefahr aus. Wer dies trotzdem macht, hat sicherlich auch nichts dagegen, wenn er über Strafanzeigen zumeist sehr empfindlich abgestraft wird oder die Kosten für die eingeschlagene Scheibe bzw. den Polizei- oder Feuerwehreinsatz bezahlen muss.

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