Archive for März, 2013

Vom Aussterben bedroht

Selten zuvor wurde dermassen viel Elfenbein gehandelt wie in diesen Tagen. Nach einem soeben vorgelegten Bericht der Vereinten Nationen hat sich der Verkauf seit dem Jahr 2007 praktisch verdoppelt. Wilderer fallen geradezu in Horden ein und schlachten die Tiere regelrecht ab. Zuletzt im Tschad. Dort wurden nach Angaben des International Fund for Animal Welfare (IFAW) innerhalb nur einer Woche 86 Tiere niedergemetzelt, darunter auch 33 trächtige Kühe. Die Bevölkerung hat sich nach Angaben des IFAW munter daran beteiligt. Zuvor hatten Landwirte der Regierung gemeldet, dass Elefantenherden die Äcker niedergetrampelt hätten. Die Verantwortlichen allerdings reagierten nicht. Doch ist dies noch lange nicht alles: Im Februar 2012 wurden innerhalb kürzester Zeit im Bouba-Ndjida-Nationalpark in Kamerun rund 650 Elefanten im wahrsten Sinn des Wortes hingerichtet.

https://www.youtube.com/watch?v=VDsDiuydwB0

(Quelle: WWF)

Noch Ende der 70er Jahre wurde die Zahl der afrikanischen Dickhäuter auf bis zu 3 Millionen geschätzt. Ein zehnjähriges, grauenvolles Gemetzel liess nicht mehr sehr viele von ihnen übrig – nach Schätzungen 3-600.000! Der afrikanische Elefant steht auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere nach wie vor ganz oben, gleich daneben das Nashorn.
Dabei erreichte uns diese Woche auch eine gute Nachricht aus Südafrika. In den dortigen Reservaten nimmt die Population inzwischen dermassen zu, dass den Elefantenkühen Empfängnis-Verhütungsmittel verabreicht werden. Stimmt nämlich das Gleichgewicht nicht mehr, werden Bäume und Sträucher abgefressen bzw. entwurzelt, wodurch die Dickhäuter auch das Dasein anderer Wildtiere gefährden. Das Land am Kap Horn ist der einzige afrikanische Staat, der seine Naturreservate einzäunt und künstliche Wasserstellen anlegt. Somit haben die dort heimischen Tiere optimale Existenzvoraussetzungen. Und dies, obwohl bislang rund 29 % ihres Lebensraumes durch die Ausbreitung des Menschen verloren gegangen sind. Bis 2050 sollen dies gar 63 % sein. Die Dickhäuter sind Wandertiere. Ist eine Fläche abgegrast oder kein Wasser mehr vorhanden, ziehen sie weiter. Das Wachstum der Natur kann sich dadurch erholen – ausserdem überleben viele Jungtiere diese Wanderungen nicht, da sie noch zu schwach sind. Dies entspricht – so hart es auch klingen mag – einer natürlichen Auslese. Auf Wanderschaft gehen, das müssen die ca. 14.000 Elefanten des Krüger Nationalparks nicht mehr. Sie wissen dies auch sehr zu schätzen und verdoppeln alle 15 Jahre ihre Population. Deshalb wurden nun wieder viele der künstlichen Wasserstellen, die nicht zuletzt auch für die Safari-Touristen angelegt wurden, zugeschüttet. Zudem entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft, im Dreiländereck mit Mozambik und Zimbabwe der mit 100.000 Quadratkilometer grösste Nationalpark der Welt – der Great Limpopo Transfrontier Park. Der Zaun zum Krüger Nationalpark ist an dieser Grenze bereits niedergerissen worden. Hier haben dann auch die Elefantenherden wieder genügend Platz für Ihre Wanderschaften.
An der Universität von Pretoria wurde diese Immunokontrazeption entwickelt. Das Präparat PZP wird den weiblichen Elefanten injiziert und hat keinerlei Nebenwirkungen. Gewonnen aus der Eizellhülle von Schweinen, bildet der Elefant dagegen Antikörper, die sich wie eine schützende Schicht um die Eizellen des Muttertieres legen und die Spermien des männlichen Tieres abblocken. Bereits 230 Kühe sollen in insgesamt 15 Reservaten damit behandelt worden sein. Die Tiere werden vom Hubschrauber aus mit den Injektionen beschossen – die Prozedur muss jedes Jahr wiederholt werden.
All das geschieht übrigens im Einverständnis mit Arten- und Naturschützer. Denn bis zum Jahr 1994 wurde die Population mittels Culling im Griff gehalten – dem legalen Abschiessen der Tiere. Ist das nicht pervers? Da steht eine Spezies auf der Roten Liste und “muss” trotzdem abgeschossen werden!? Dieses Culling wurde 2007 wieder erlaubt – immer wieder branden deshalb heftige Proteste von Tierschutzorganisationen dagegen auf. Somit ist die “Pille für die Elefantin” wesentlich willkommener.
Das alles sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der afrikanische Elefant nach wie vor vom Aussterben bedroht ist. Auf der Artenschutzkonferenz von Bangkok wurde dies in Zahlen gefasst: 20 Jahre! Dann werden es die Elfenbein-Jäger tatsächlich geschafft und wieder ein Tier ausgerottet haben. Nach Schätzungen der Umweltorganisation WCS überlebten gerade mal eine halbe Million diesen Holocaust des letzten Jahrzehnts. Doch – wie konnte das geschehen???
Im Jahr 1989 wurde der afrikanische Elefant unter Artenschutz gestellt. Bis 1997 bestand ein sehr strenges Handelsverbot für Elfenbein. Die Tierschutz-Organisationen kritisieren, dass es seither sukzessive gelockert wurde. 25.000 Tiere fallen dem Ganzen jedes Jahr zum Opfer. Seit langer Zeit war nicht mehr dermassen viel Elfenbein auf dem Markt erhältlich. Gelockert wurden die Bestimmungen um mittels sog. “Testverkäufe” den Markt zu entkrimminalisieren und den Schmugglern bzw. Wilderern den Boden unter den Füssen wegzunehmen. Diese allerdings scherten sich einen Dreck darum und schossen munter weiter. Ein Zustand, den etwa auch der Kenya Wildlife Service heftigst kritisiert. So heisst es in dem bei der Cites-Artenschutzkonferenz in Bangkok veröffentlichten Bericht des UNO-Umweltprogrammes UNEP, dass sich der illegale Handel mit Elfenbein seit 2007 mehr als verdoppelt habe. Den grauenvollen Rekord hält dabei das Jahr 2011. So wurden Elfenbeinladungen mit einem Gewicht von mehr als 800 kg sichergestellt. Dies lässt den Schluss auf organisierte Verbrecherstrukturen zu. Bereits im August 2011 berichtete das Wissenschaftsmagazin “Nature” von einer Verzehnfachung der Elfenbein-Schwarzmarktpreise seit 1990. Für die arme Bevölkerung des Schwarzen Kontinents also durchaus eine lukrative Einnahmequelle.
Der ganz offizielle Handel findet in Thailand statt. Dort gilt heimisches Elfenbein als legal. Seit 2011 wurden auf dem Flughafen Bangkok nicht weniger als 1.800 kg Elfenbein beschlagnahmt. Im Dezember 2012 entdeckten zudem malaysische Zollfahnder in Port Klang bei Kuala Lumpur rund 1.500 Stosszähne von Elefanten, die höchstwahrscheinlich für den Markt in China vorgesehen waren. Gefunden wurde das weisse Gold im Wert von rund 15 Mio € in zwei Schiffscontainern, die mit Holzdielen beladen waren. Nach Angaben der Artenschutzorganisation Traffic werden jährlich Stosszähne von zirka 2.500 Elefanten beschlagnahmt. Neun von zehn Lieferungen jedoch gehen unbemerkt durch. Also müssen andere Wege im Kampf gegen den Schmuggel beschritten werden.

https://www.youtube.com/watch?v=TNJ1R963ULE

(Quelle: 3Sat)

Schnitzer fertigen kleine Heiligenfiguren an und verwenden damit das Elfenbein wie hierzulande das Holz dafür zurecht geraspelt wird. Ob nun der “Rohstoff” aus heimischem oder afrikanischem Elfenbein besteht – das lässt sich nur sehr aufwendig nachvollziehen. Die meisten der fertigen Produkte sind für den Export bestimmt, wobei sich der grösste Absatzmarkt in China befindet. Dort erzielt ein Kilogramm des weissen Goldes zwischen 500 bis 5.000 Euro – je nach Qualität. Geschnitzte Figuren aus Thailand können schon mal für 1.500 € gehandelt werden. Tierschutzorganisationen sammeltern nicht weniger als eine halbe Million Unterschriften, damit Thailand zur Änderung der Gesetzeslage bewogen werden solle. Die dortige Regierung allerdings bleibt stur – anstatt dessen wird erwogen, die DNA-Struktur der 4.000 heimischen Zuchttiere zu überprüfen und festzuhalten.
Die Wilderer sind nicht nur Kriminelle, die bekämpft werden müssen. Sie bringen auch tausende Menschen, die v.a. im Tourismus tätig sind, um deren Lebensgrundlage. In Tansania beispielsweise sind 40 % der Landesfläche geschützt. 880.000 Touristen brachten im vergangenen Jahr nicht weniger als 5 Milliarden US-Dollar! Devisen, die das Land verdammt gut gebrauchen kann. Die meisten davon kamen, um Wildtiere wie auch den Elefanten in freier Natur beobachten zu können. Denn: All jene, die die Dickhäuter schon mal in natura gesehen haben, wissen ob des überwältigenden Naturschauspieles! Nicht zuletzt auch deshalb soll künftig Wildtierkriminalität als Straftat eingestuft und die Banden grenzüberschreitend verfolgt werden. Bislang war es nur ein Vergehen! Eigene Spezialeinheiten beobachten zu diesem Zweck auch das Internet. Vorort patrouillieren beispielsweise im Krüger Nationalpark mit Sturmgewehren bewaffnete Ranger der South African National Parks.

https://www.youtube.com/watch?v=AcaYD-YdcLY

Es herrscht Krieg, denn die Wilderer scheuen sich nicht davor, ebenfalls von der Waffe Gebrauch zu machen. Sturm- oder Schnellfeuergewehre sowie Macheten werden gegen Elefanten und auch Ranger eingesetzt. Der Kampf um Elefanten und Nashörner kostet jeden Monat Menschenleben. Im Rahmen des Blutrausches in Kamerun gab es gar ein Aufeinandertreffen der Armee mit den Wilderern. Bei den Gefechten im Bouba Ndjda Nationalpark im Westen des Landes kam ein Soldat um’s Leben, zwei weitere wurden verletzt.
Die Wilderer selbst sind zumeist gut vernetzt und wissen, dass ihnen nicht viel geschehen kann, geschweige denn, dass sie mit scharfen Strafen rechnen müssen. Dies führt auch zu viel Frust bei den Rangern selbst, da viele unter ihnen Verwandte, Bekannte oder auch Kollegen im Busch verloren haben. Sie schlagen zu oder erschiessen die Schlächter. Übrigens sollen vornehmlich Frauen hinter der Wilderei stecken. Soweit das Ergebnis einer Studie von Asanterabi Lowassa. Die Sozialwissenschaftlerin hat unzählige Interviews in den Buschdörfern geführt. Demnach stiften die Frauen ihre Männer zur Wilderei an – ganz nach dem Grundsatz: Ein richtiger Mann geht in den Busch und erlegt Elefanten! Wildtierschutz ist somit nur dann erfolgreich, wenn die Bevölkerung eingebunden wird. Ansonsten wird es auch weiterhin nicht nur ein Gemetzel in den Steppen geben. Und, dass auch mit dem Nachbarn nicht zu Spassen ist, wenn er erwischt wird – der Ranger Jean Pierre aus dem Kongo bringt es auf den Punkt: “Wenn sie nicht gleich aufgeben, schiessen wir, bevor wir beschossen werden!” – Leben und Leben lassen im afrikanischen Dschungel.

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L wie “light” – L wie “Lüge”!

Mit den steigenden Temperaturen und der Intensität der Sonnenstrahlen steigt auch das Wohlbefinden sehr vieler Leute – jedoch nicht aller! Geschäftiger Tatendrang lässt so manch einen zu den Hanteln und manch eine zu den Laufschuhen greifen. Schliesslich müssen die Pfunde, die im Winter angefuttert wurden um die notwendigen Kalorien für eine gesteigerte Verbrennung zu gewährleisten, die das Gleichbleiben der Körpertemperatur garantiert, irgendwie wieder runter. Denn so (und ich spreche aus eigener Erfahrung), so kann Mann oder Frau sich nicht in der Badehose oder dem Bikini zeigen.
Übrigens hat sich der Sport wirklich als beste Lösung erwiesen, wird doch hierbei auch das Herz-Kreislauf-System auf Vordermann gebracht und die Haut einem etwas Weniger um die Hüften angepasst. Zudem versuchen es viele mit Diäten. Vor Beginn einer solchen ist unbedingt die Konsultation eines Arztes erforderlich. Schliesslich sollen ja Mangelerkrankungen oder gar Intoxikationen vermieden werden. Dabei ist vor allem bei Präparaten aus dem Internet mit grösster Sorgfalt zu agieren! So manch einer hat es über die Kraut- oder Kohlsuppe versucht (beispielsweise der ehemalige österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer), andere probieren die teils dubiosesten Kuren; die dritte Spezies ist nicht gut anzusprechen, da sie mit FdH ständig unter Hungerattacken leiden. Das übrigens kann zu einer Unterzuckerung führen – dazu aber später etwas mehr.
Die Lebensmittelindustrie hat diesen Trend auch schon vor geraumer Zeit wahrgenommen und sog. “Lebensmittel mit einem Zusatznutzen”, so beispielsweise “fett- oder zuckerarme Lightprodukte” auf den Markt gebracht. Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, als ich meine erste Light-Cola aufmachte, da keine normale mehr verfügbar war. Pfui deibel – war die vielleicht grauenhaft! Sehr viele bezeichnen die Margarine als erstes Light-Produkt (im Vergleich zur Butter). Sie wurde 1869 erstmals aus Rindertalg, Milch, Wasser, Natron und zerkleinerten Kuheuter (!) hergestellt. Heute ist sie ein rein industrielles, rein chemisches Produkt. Eine Untersuchung der Meinungsforscher von GfK hat hervorgebracht, dass jeder vierte Deutsche regelmässig zu Light-Produkten greift. Dabei wurde und wird mit dieser Bezeichnung grosses Schindluder getrieben. In vielen Fällen hielt das Produkt nicht das, was auf der Verpackung versprochen wurde. Dies untersagt gottlob inzwischen die EU-Kennzeichnungsverordnung (19. Januar 2007) zumindest gesetzlich. So dürfen Produkte nur dann als “energiearm”, “energiereduziert” oder als “light” bezeichnet werden, wenn der Brennwert um mindestens 30 % zurückgeschraubt wurde (nurmehr 40 kcal pro 100 g oder 20 kcal pro 100 Milliliter bei Flüssigkeiten). Zudem muss angeführt sein, was zu dieser Reduktion führt (weniger Fett oder weniger Zucker). “Energiefrei” bedeutet einen Brennwert von 4 kcal auf 100 ml. Von “fettarm” spricht der Experte, wenn gerade mal 3 Gramm Fett auf 100 Gramm des Produktes bzw. max. 1,5 % bei Flüssigkeiten kommt. Und “zuckerarm” ist eine Speise bei bis zu 5 g Zucker auf 100 g bzw. 2,5 g bei Flüssigkeiten. “Zuckerfrei” bedeutet übrigens max. 0,5 g Zucker auf 100 g oder 100 Milliliter – es ist also trotzdem Zucker enthalten. Alles gut und schön – ist doch auch die Lebensmittelindustrie an Umsätzen interessiert. Somit werden die Angaben nicht in 100 g oder 100 ml sondern in 25 oder 30 g gemacht. Der Konsument wirft also im Supermarkt einen kurzen Blick auf die Inhaltsstoffe und deren Anteil und schwuppdiwupp landen die Kalorienbomben Chips im Einkaufswagen. Denn mal ehrlich: Verbringen Sie beim Einkauf sehr lange Zeit zwischen den Regalen, dal Sie alle Inhaltsangaben genau durchlesen möchten? Die Verbraucherorganisation “Foodwatch”fordert deshalb die Ampelkennzeichnung nach dem Vorbild der britischen Inseln.
Andererseits wies nun eine Langzeitstudie aus Frankreich nach, dass Frauen, die solche Light-Limonaden trinken, damit auch vermehrt zu Diabetes neigen. Seit 1993 wurden alle zwei bis drei Jahre 66.000 Frauen untersucht und zu ihren Ess- und Trinkgewohnheiten befragt. Am besten waren die Ergebnisse bei jenen Frauen, die viel frisch gepressten Fruchtsaft tranken. Das Diabetesrisiko erhöhte sich allerdings bei all jenen, die stark gesüsste oder auch Light-Getränke zu sich nahmen. In letzterem Falle sogar um 60 %, wenn mehr als 1,5 l Light-Getränke in der Woche konsumiert wurden! Die Forscher kamen nun zur Schlussfolgerung, dass der in Light-Produkten enthaltene Süssstoff Aspartam den Blutzuckerspiegel scheinbar beeinflusst und damit für einen höheren Insulin-Anteil im Blut verantwortlich zeichnet. Das Hormon Insulin ist die natürliche Massnahme des Körpers gegen einen zu hohen Blutzucker. Dessen Produktion wird angekurbelt, sobald etwas Süsses vermutet wird. Kalorienarmer Süssstoff gaukelt dies jedoch vor, wodurch der Blutzuckerwert sogar unter sein Normal-Niveau fallen kann, da weiter und weiter Insulin ausgeschüttet wird. Diese Zuckerersatzstoffe sind andererseits in der Tat zumeist wahrhafte Kalorienbomben – wenn auch indirekt. Studien haben ergeben, dass Süssstoff zu Heisshungerattacken und verbunden damit zu wesentlich grösserer Nahrungsaufnahme führen kann. Doch sind sich die Wissenschaftler hier noch nicht ganz einig. Tja und zu Punkt vier meint etwa Prof. Dr. Susanne Klaus vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke auf ihrer Website, dass Kohlenhydrate, Fette und Eiweisse die drei Makronährstoffe in unserer Nahrung darstellen. Somit also jene Stoffe, die uns satt machen. Wird eines davon reduziert, so bedarf es wesentlich mehr an Menge, damit der Hunger gestillt werden kann. Oder die anderen beiden werden erhöht. Das Fett etwa ist zumeist für die Geschmacksgebung des Produktes verantwortlich. Bestes Beispiel: Kartoffelchips light! Aufgrund des Weniger an Fett muss der Geschmacksverlust durch weitaus mehr Salz ausgeglichen werden. Zudem werden in diesem Bereich auch gerne synthetische Fette verwendet, die der Körper wieder gänzlichst ausscheidet. Allerdings hat beispielsweise eine Untersuchung der Purdue University in West Lafayette/Indiana ergeben, dass der kalorienarme Fettersatzstoff Olestra sogar dicker macht. Dieses Olestra wird auch gerne als Zucker-Polyester bezeichnet. Es führt zu Durchfall, der eigentlich als Sondermüll entsorgt werden müsste (!). Und diese Pfunde gehen auch nicht wieder weg, wird die Zufuhr von Chips gestoppt. Der Anblick und v.a. der Geschmack von fetten oder süssen Speisen löst im Körper eine Reaktion aus: Es kommt zu vermehrtem Speichelfluss, der Ausschüttung von Hormonen und den unterschiedlichsten Stoffwechselreaktionen. Die Experten kommen nun zu dem Schluss, dass Fettersatzstoffe diese Selbstregulierung des Körpers bei der Nahrungsaufnahme stören – es wird einfach wesentlich mehr davon verzehrt bzw. die Kalorien ineffizient genutzt. Auch bei dem künstlichen Süssstoff Saccharin wurde dies beobachtet.
Sollen jene Menschen, die bewusst leben möchten, nicht jeden Tag dieselben nach Einheitsbrei schmeckenden Speisen vorgesetzt bekommen, so muss auch der Anteil an Zucker gesteigert werden. Wird dieser jedoch nicht gleich im menschlichen Körper gebraucht, so wird er als Reserve angelegt. Somit kann es also geschehen, dass fettarme Produkte tatsächlich fett machen. Deshalb ist es wichtig, die Kalorienangaben auf der Verpackung genau durchzulesen. Zudem lohnt sich auch der Blick auf die restlichen Zutaten, sind doch meist künstliche Geschmacks- und Farbstoffe sowie Verdickungsmittel enthalten. Inzwischen nämlich hat sich ein ganzer Zweig der Lebensmittelindustrie hierauf spezialisiert – im Fachjargon spricht man von “Food Design”. Heiss begehrt hierbei ist zum Beispiel die “Propionsäure”, die etwa in der Kunststoffindustrie oder bei der Herstellung von Herbiziden und Arzneimitteln verwendet wird. Allerdings durch ihre Salze auch in der Konservierung von Nahrungsmitteln zum Einsatz kommt. 1988 wurde die Säure in der deutschen Lebensmittelindustrie verboten, nachdem Ratten im Labortest krebsähnliche Veränderungen des Vormagens bekamen. Aufgrund geltenden EU-Rechtes (in einem Land zugelassen – in der gesamten EU zugelassen) wurde die Säure jedoch wieder freigegeben. Viele dieser Zusatzstoffe sind auch für Krankheiten und Allergien (Asthma) ja sogar bis hin zur Schädigung des Erbgutes verantwortlich.
Zucker übrigens ist der Energie-Lieferant für das Gehirn und die Muskulatur. Deshalb sind gewisse Zuckerreserven in der Leber bzw. den Muskeln gespeichert, die als erstes verbraucht werden. Es gibt ihn in Form des Frucht- oder etwa Milchzuckers als Monosaccharide oder in Form des allseits bekannten Zuckers oder der Stärke als Polysaccharide. Der Unterschied liegt darin, dass Monosaccharide direkt über das Blut dorthin gebracht werden, wo sie gebraucht und verbrannt werden, Polysaccharide hingegen erst gespaltet werden müssen. Aus diesem Grunde sollte bei Unterzuckerung direkt zum Traubenzucker (Einfachzucker) gegriffen werden. Und – Achtung bei den sog. “Smoothies”. Hier nehmen Sie den Zucker schon förmlich mit dem Löffel zu sich. Während beim Apfel oder der Orange ja noch weitaus mehr Material dabei ist, das den schnellen Hunger stillt.
Von einer zuckerlosen Ernährung ist deshalb abzuraten. Sehr wohl allerdings kann sie auf das Notwendigste beschränkt werden. Und auch hier liegt der Volksglaube falsch. Es reicht nicht, die Zuckerdose zu verstecken! Über Kartoffeln oder auch Nudeln und dem Brot nehmen wir sehr viele Polysaccharide in Form der Stärke auf. Klingt zwar jetzt wie ein Schuss, der nach hinten losgeht – ist aber tatsächlich so: Auch wer viel an Beilagen anstelle von Fleisch isst, wird dick! Deshalb sollten einige kulinarische Regeln eingehalten werden: Gegartes Gemüse schmeckt hervorragend, liefert wichtige Vitamine und zumeist wenig Kohlehydrate. Vor dem Hauptmenü immer Salat essen. Einerseits stillt dieser das Hungergefühl, gibt dem Magen etwas zu tun, wodurch Sättigungshormone freigesetzt werden. Zudem ist Salat meist grossmolekular, d.h. der Körper kann ihn nicht verdauen, das Gros wird wieder ausgeschieden. Davor jedoch erfolgt noch die Reinigung des Verdauungstraktes. Salat vor dem Hauptgang bedeutet alsdann weniger des Hauptganges, der zumeist Fette und Kohlehydrate beinhaltet.
Und das nun Folgende – widerspricht dem kompletten Schlankheitswahn:

Das richtige Fett kann durchaus beim Abnehmen helfen!!!

Mon dieu – revolutionierend, was da Prof. Peter Schieberle vom Institut für Lebensmittelchemie und der Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie an der Technischen Universität München an’s Licht der Öffentlichkeit brachte. In einer Studie gemeinsam mit der Universität Wien wurde herausgefunden, dass diese Steuerung des Sättigungshormonhaushaltes am besten mit aromatischem Olivenöl funktioniert. Die Probanden erhielten über drei Monate hinweg täglich 500 g Magerjoghurt zur normalen Kost, das mit Schweineschmalz, Milchfett, Raps- und Olivenöl angereichert war. Bei der Olivenöl-Gruppe wurde ein wesentlich höherer Serotonin-Anteil im Blut festgestellt. Zudem meinten die Versuchspersonen, dass das Olivenöl-Joghurt sehr sättigend sei. Das Körperfett und Körpergewicht dieser Oliven-Gruppe blieb im Vergleich zu den anderen Gruppen übrigens gleich. Verantwortlich für diese höhere Serotonin-Produktion könnte das Aroma des Öles sein. Die meisten dieser Geschmacksstoffe enthält übrigens italienisches Olivenöl.
Noch eine Studie gefällig??? Diese hat bei Laborratten nachgewiesen, dass Übergewichtige weniger auf Süsses reagieren und deshalb auch weitaus mehr davon essen. Süsses oder Schokolade wirkt sich positiv auf das Belohnungszentrum im Gehirn aus.
Bei all dieser Recherche zu den Light-Sündern bin ich immer wieder auf einen guten Tipp der Experten gestossen: Vergleichen Sie das vermeintliche Light-Produkt mit dem Original! Light-Produkte sind sehr häufig teurer, obwohl sie gar nicht den gewünschten Effekt bringen. “Diät-Produkte” haben nicht unbedingt etwas mit Abnehmen zu tun, sondern weisen lediglich darauf hin, dass dieses Produkt auch von Diabetikern verzehrt werden kann. Und: Wenn sie zur Light-Magarine greifen, dafür aber dann drei oder vier Scheiben Wurst auf’s Brot legen, hätten sie besser zur normalen Margarine gegriffen und eine Scheibe Wurst weggelassen! Oder “FDD – Friss das Doppelte!” – nur weil es fett- oder zuckerreduzierte Produkte sind – auch hier ist der positive Effekt gleich null!
Fazit des Ganzen: Light-Produkte ersetzen partout nicht eine gesunde Ernährung! So ist ein mageres Stück Fleisch nach wie vor gesünder als die “Schweinshaxe light”! Gemüse, Salate und Obst bewirken weitaus mehr als so mancher Griff in die “Du darfst-Theke”!!!

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Aids – ab sofort heilbar?

Es gleicht einer medizinischen Sensation, was Dr. Joshua L. Hood von der Washington University School in St. Louis dieser Tage gegenüber der Zeitung “The Sun” zu berichten wusste: Bienengift könnte Aids heilbar machen! Tatsächlich greift das im Bienengift enthaltene Toxin “Melittin” den HI-Virus an und zerstört ihn, ohne die anderen Zellen zu beschädigen! Klingt wie ein Wunder der Natur, v.a. da in all den Jahren Milliarden in die Aids-Forschung gesteckt wurden und die Krankheit nach wie vor als unheilbar gilt – jedoch in ihrer Ausbreitung inzwischen gestoppt bzw. verlangsamt werden kann, da es der Pharmazie gelungen ist, eine Vermehrung des Viruses weitestgehend zu unterbinden. Doch bleibt die Krankheit auch weiterhin im Körper.

Die Älteren unter den Lesern werden das Bienengift noch in schlechter Erinnerung haben. Es galt in früheren Zeiten als Allheilmittel und war vornehmlich bei Kindern mehr als unbeliebt, da es auf die Haut aufgetragen brannte als hätte man an dieser Stelle des Körpers ein Feuer entzündet. Wurde in früheren Zeiten etwa eine Arthrose im Handgelenk oder dem Ellbogen vermutet, so musste der Betroffene den Arm in einen Bienenstock oder einen Ameisenhaufen stecken! Harsch… – das tut gut! Durch die Stich- bzw. Bissschmerzen – aber auch durch das Gift wurde der ursprüngliche Schmerz sehr rasch vergessen! Von dieser mehr als fraglichen Heilmethode kam man inzwischen ab, da sowohl der Bienenstock als auch der Ameisenhaufen dabei zerstört werden kann. Später wurde eine Biene mit einer Pinzette zur betroffenen Körperstelle geführt, wo sie zustach. Dies hatte weitaus weniger negative Wirkungen als die Bienenstockmethode, war allerdings für das betroffene Insekt ebenfalls tödlich. Es ist die letzte Möglichkeit der kleinen fleissigen Arbeiterin, sich vor einem vermeintlichen Angreifer zu schützen. Sie verendet zwei bis drei Tage später qualvoll, da ihre beiden Stacheln aufgrund jeweils zehn kleiner Widerhaken in der elastischen Haut des Menschen verbleiben. Ihr wird beim Versuch einen dieser Stacheln wieder herauszuziehen förmlich der komplette Stachelapparat am Hinterkörper abgerissen. Der am Stachel befindliche Nervenknoten treibt die Muskulatur geradezu an, den Stachel immer tiefer zu bohren. Somit gelangen die Toxine auch in tiefere Hautschichten. Deshalb sollte ein Stachel niemals direkt herausgezogen werden, da ein Teil davon in der Haut verbleiben könnte. Wesentlich besser erscheint das Herauskratzen, da hierbei die Hautschicht ebenfalls weggekratzt wird und die Chance, den kompletten Stichapparat dadurch herauszubekommen, weitaus grösser ist. Wespen haben’s da nach getaner Arbeit einfacher. Sie ziehen ihren Stachel wieder raus – das war’s!

Bienen greifen niemals von selbst aus an – nur wenn sie sich bedroht fühlen. Deshalb sind Bienenstiche auch leicht vermeidbar: Positionieren Sie sich niemals in der Hauptflugrichtung eines Volkes, schlagen Sie niemals nach den Insekten, vermeiden Sie die Lagerung von Abfall im Freien, auch Schweiss, Deodorants oder Parfums können die Insekten anlocken, Getränke oder Speisen im Freien immer abdecken und vorsicht beim Barfussgehen im Garten.

Dass nun dieses Gift perfekt als Heilmittel eingesetzt werden kann, wussten bereits unserer Grossmütter. Es fördert die Durchblutung und greift in den Stoffwechsel ein. Durch vermehrte weisse Blutkörperchen (die Immunpolizei des Körpers) und einer Erhöhung des Hämoglobins (Sauerstofftransport) ändert sich das Blutbild. Gleichzeitig wird das Cholesterin gesenkt und das Herz entlastet. So pervers es klingen mag, doch wirkt das Gift dadurch entzündungshemmend – es unterstützt die Abwehrkraft des Körpers, die zum Abbau des Giftes auf Defcon 2 geschaltet wird, wodurch die Selbstheilungskraft auf Hochtouren läuft (messbar etwa durch die Ausschüttung des Stereoidhormons Cortisol).

Bienengift (lat.: Apitoxin) ist ein Sammelsurium der unterschiedlichsten Proteine und Moleküle. Mit rund 50 % ist das Melittin der Hauptbestandteil. Zudem ist Phospholipase A2 enthalten, das die Zellmebran angreift, Apamin (ein Nervergift) und Hyraluronidase, verantwortlich für die Erweiterung der Blutgefässe und damit für eine raschere Ausbreitung der Entzündung. Ausserdem finden sich Peptid, Tertiapin und Secamin sowie geringe Anteile von Histamin, Dopamin und Noradrenalin. Als Hilfeschrei an das Bienenvolk dienen ferner Alarmpheromone, die andere Bienen noch über Kilometer hinweg wahrnehmen. Es kann durch sie also tatsächlich geschehen, dass ein Mensch einmal gestochen von dem ganzen Volk angegriffen wird.

Das Gift wird hauptsächlich während der sog. “Stockphase” gebildet, also während des “Innendienstes” der Wächterbiene (in der Zeit zwischen dem Ausschlüpfen und dem Einsatz als Sammelbiene). Verantwortlich dafür sind die beiden sauren bzw. alkalischen Giftdrüsen im Hinterleib des Insektes. Beide Sekrete werden zusammengeführt und in der Giftblase gelagert. Die heimische Honigbiene verspritzt bei ihrer letzten Tat ca. 0,1 mg des gelblichen Giftes. Dieses hat einen ph-Wert von 4,5 bis 5,5, ist also sauer. Tödlich kann ein Stich nur aufgrund der Folgewirkung einer Allergie sein (etwa 1 % der Bevölkerung). Hierbei reagiert der ganze Körper – so auch Herz und Lunge – damit der komplette Blut- und Atmungskreislauf – es kommt zum Kreislauf-Kollaps. Im Vorfeld kann der Arzt nur eine Desensibilisierung des Körpers bzw. im Akutfall die Behandlung mit Adrenalin durchführen. Ansonsten vertragen Kinder rund 50, Erwachsene zwischen 100 bis 500 Stiche. Der Stich selbst führt zu einer lokal beschränkten Entzündung (Hyperämie), die durch Kühlen abgeschwächt wird. Diese Anschwellung kann jedoch – wenn der Stich im Hals- oder Rachenraum erfolgt – lebensbedrohend sein, da das Opfer keine Luft mehr bekommt (Zuschwellen der Atemwege). Hier hilft kurzfristig nur das Lutschen von Eiswürfeln und das sofortige Konsultieren eines Arztes.

Medizinisch wird Bienengift sehr häufig bei Therapien eingesetzt, sog. Apitherapien. So beispielsweise bei Rheuma, Ischias, Hexenschuss, Sportverletzungen oder bei Kälteschäden. In vereinzelten Fällen wird zudem die Borreliose damit behandelt. Auch die Kosmetik hat die Wirkung des Giftes erkannt. Inzwischen wird es als Alternative zum Botox verwendet, da durch dessen Einsatz die Bildung von Kollagen in der Haut gefördert wird, wodurch sich diese strafft und Falten ausgebügelt werden.

Die Gewinnung ist recht komplex – sie erfolgt durch die Vergabe von Stromstössen. Steht die Biene zugleich auf zwei Drähten, erfährt sie durch die Potentialdifferenz eine leichte elektrische Reizung. Diese lässt sie zustechen – meist durch eine Folie, hinter welcher noch eine Folie gespannt ist. Das hierdurch gewonnene Bienengift ist sehr rein und dient deshalb vornehmlich für Injektionen. Trocknet es auf einer darunter befindlichen Glasplatte, so wird es hauptsächlich für die Herstellung von Salben verwendet. Durch diese Gewinnung bleibt die Biene am Leben und kann sich auch weiterhin um die Honigproduktion kümmern. Allerdings verkürzt die ständige Giftproduktion ihr Erdendasein, weshalb sich das Sammeln von Bienengift auf grosse Völker beschränken sollte. Noch ein guter Ratschlag auf den Weg: Solche Drahtstromfallen befinden sich meistens am Flugbrettchen des Bienenstocks. Durch die ständige elektrische Reizung werden die Bienen sehr angriffslustig. Halten Sie sich von solcherart verwendeten Stöcken fern.

Das Gift Melittin nun reisst Löcher in die Schutzschicht des Viruses, greift dadurch dessen Struktur an und zerstört ihn. Ähnliches beobachteten Wissenschaftler auch in der Krebsforschung. Tumorzellen wurden schlicht und einfach durch Nanopartikel des Melittins zerstört. Derzeit wird an einem Vaginalgel gearbeitet, das als präventive Massnahme den Beginn einer HI-Infektion stoppen kann.

Die Arzneimittelindustrie interessierte sich bislang wenig für das Heilmittel Bienengift, da dieses nicht patentrechtlich geschützt werden kann. Somit ist hiermit kein Geld zu verdienen. Ergo: Die Forschung scheiterte einmal mehr an der Gewinnsucht mancher Manager und Aktionäre! Anders jedoch sieht es mit daraus entstandenen Medikamenten oder künstlich erzeugtem Bienengift aus. Ein Heilmittel gegen Aids oder Krebs würde so manches kleine Pharma-Unternehmen zum riesigen Globalplayer machen!

Ausschliessung:

Dieser Text stellt keine Anleitung zur Selbsttherapierung dar. So können etwa Symptome, nicht aber deren Ursachen bekämpft werden. Zudem ist jede Krankheit individuell, sodass nur der behandelnde Mediziner weiss, ob eine Heilung oder eine Verschlechterung einsetzen kann (Einzelfallentscheidung). Bitte erkundigen Sie sich bei Ihrem Arzt!

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Fracking – o’zapft is!!!

Viele reden darüber, wenige wissen wirklich was es ist – ich bis vor kurzem eingeschlossen! Und trotzdem wird es seit Jahrzehnten gemacht, ohne irgendwie gross beachtet worden zu sein: Das Fracking!
Das sog. “Hydraulic Fracturing” (richtige Bezeichnung) ist eine spezielle, inzwischen jedoch höchst umstrittene Methode, um fossile Brennstoff-Vorkommen in der Erde zu fördern. Erdöl und auch Erdgas kommen zumeist in Blasen in tieferen Erdschichten vor. Wird nun die Blase angebohrt, schiesst das Material aufgrund des Eigendrucks durch das Bohrloch an die Oberfläche. Dies ist die herkömmliche Methode, das “schwarze Gold” oder das Erdgas zu gewinnen. Bohrungen nun ergaben, dass unglaubliche Vorkommen in der Erde lagern, die allerdings auf diese Art und Weise nicht gewonnen werden können. Soll heissen, dass die Gesteinsporen von schwarzem Ton- oder Alaunschiefer nicht ausreichend miteinander verbunden sind. Man spricht auch gerne vom Schieferöl oder -gas. Diese Lagerstätten entstanden vor rund 350 Millionen Jahren durch die Ablagerung grosser Mengen organischen Materials. Hier müssen in meist 5.000 Metern Tiefe zuerst Fliesswege in Form von künstlichen Rissen geschaffen werden. Da dies so ohne weiteres nicht möglich ist, wird mit sehr hohem Druck eine gelartige Flüssigkeit in den Boden gepumpt. Damit sich die künstlichen Risse (“Fractures”) rund um das Bohrloch nicht wieder durch den nachgebenden Boden schliessen, nachdem die Pumpe abgestellt ist, werden Quarzsand oder kleine Keramikkügelchen eingeführt. Dadurch können Gas oder Öl leichter zur Bohrstelle gelangen und abgepumpt werden. Diese Methode wird in Deutschland seit bereits 50 Jahren verwendet (allerdings nicht in solcher Tiefe) – in etwa ein Drittel des heimisch geförderten Erdgases kam auf diese Weise an die Oberfläche. Auch in der Geothermie ist die Methode durchaus in Verwendung.
Was nun für derartigen Wirbel sorgt, ist jene gallertartige Masse, die für die Risse verantwortlich zeichnet. Sie besteht zum grössten Teil aus Wasser – allerdings auch aus Chemikalien, die die Volksseele zum Kochen bringen. Hierbei geht es um die unmittelbaren, aber auch mittelbaren Folgewirkungen der Stoffe vor allem auf das Trinkwasser. So muss beispielsweise damit kontaminierte Erde als Giftmüll entsorgt werden. Die Industrie arbeitet fieberhaft an der Entwicklung von Materialien, die umweltverträglicher sind. Angeblich werden bereits Tests durchgeführt, in welchen diese Flüssigkeit dem Abwasser einer Spülmaschine entspricht (unterste Wassergefährdungsklasse). Allerdings sind auch die seismischen Reaktionen nicht zu unterschätzen. So werden durch den entstehenden Druck künstliche Erdbeben hervorgerufen. Daneben kann es zu Senkungen in Gebirgskörpern kommen.
Vonseiten der Energiewirtschaft versucht der Vorstandsvorsitzende des deutschen Stromriesen E-On, Johannes Teyssen zu beruhigen. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur betont er, dass man sich neuer Technologien nicht verschliessen sollte. Das Fracking in tiefen Schichten jedoch erst dann vorangetrieben würde, wenn nachgewiesen ist, dass die eingesetzten Chemikalien beherrschbar sind.
Berlin hat inzwischen reagiert: Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) möchten Fracking zwar nicht verbieten, jedoch sollen Heilquellen- und Trinkwasserschutzgebiete davon ausgenommen sein. Daneben sind für alle entsprechenden Projekte Umweltverträglichkeitsprüfungen erforderlich. Beides Anliegen des Bundesrates, als die Gesetzesvorlage zurückgewiesen wurde – die beiden Minister feiern dies jedoch als deren eigener Sieg! Offiziell heisst es nun vonseiten der Industrie, dass solche UVPs zwar unterstützt werden, jedoch einen klaren zeitlichen Rahmen haben sollten, damit “die Planungssicherheit für die Unternehmen gewährleistet sei”, so Klaus Angerer, Deutschlandchef des multinationalen Konzerns BNK gegenüber des Handelsblattes.
Länder wie beispielsweise Baden Württemberg, Bayern oder auch das österreichische Vorarlberg haben sich inzwischen von dieser Förderung distanziert. Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) fordert im Nachrichten-Magazin “Der Spiegel” ebenso wie der bayerische Umweltminister Marcel Huber (CSU) ein Verbot dieser Methode “solange die Risiken für Mensch und Natur nicht sicher abschätzbar sind!” (Huber in der Süddeutschen Zeitung). Auch viele von Huber’s Amtskollegen (nicht nur aus dem rot-grünen Lager) haben sich gegen das Fracking ausgesprochen und damit diese umstrittene Gesetzesvorlage als “untauglich” zurückgewiesen. So auch sein grüner Kollege aus Nordrhein-Westfalen, Johannes Remmel. Hier ergibt sich eine durchaus brisante Situation, befürwortet doch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) grundsätzlich das Fracking mit strengen Auflagen. Schliesslich wurden die ersten vier Genehmigungen in NRW erteilt – sie sind derzeit allerdings ausgesetzt. Gleichzeitig ist jedoch NRW das bevölkerungsreichste Bundesland Deutschlands. Undenkbar was passieren könnte, wenn etwas schief läuft. Kraft übrigens ist auch sozialdemokratische Verhandlungsführerin im Bundesrat, wo das Gesetz trotz eines etwaigen Beschlusses im Bundestag und der neuerlichen Regierungsvorlage noch fallen könnte – die Vorlage wurde schon einmal zurück an die Bundesregierung gegeben, da diese wichtigen Auflagen fehlten. Altmaier allerdings kontert – so wird er in den Ruhr-Nachrichten zitiert: “Mit unserem Gesetz wird nichts erlaubt, was vorher verboten war… Es wird sogar einiges verboten, was bisher erlaubt war.” Soll das etwa heissen, dass solches Fracking auch in Trinkwasserschutzgebieten betrieben wurde? Die eingesetzten Chemikalien uns vielleicht seit Jahren vergiften?
Allerdings könnte es in Deutschland und Österreich ebenso wie in den Vereinigten Staaten sehr rasch vonstatten gehen: Im Rahmen der Energieautonomie und der immer unsicher werdenden politischen Situation in den erdölexportierenden Ländern werden solche Massnahmen auch gegen den Willen von Umweltschützern und -wissenschaftlern vorangetrieben. In den USA purzelte der Gaspreis durch die Erschliessung solcher Schiefervorkommen vornehmlich in North Dakota innerhalb kürzester Zeit. Die Vorkommen werden alleine hier auf mehrere hundert Milliarden Barrel Schieferöl geschätzt – eine gute Quelle kann bis zu 500 Barrel pro Tag bringen. Der kleine Bundesstaat der USA liegt mit einem Monatsausstoss von 23,08 Millionen Barrel bereits nach Texas auf Platz zwei der US-amerikanischen Ölproduzenten. Und beim Erdgas müssen gar bis zu 30 % des Ausstosses abgefackelt werden, da die Gewinnung zu rasch vonstatten geht. Im Vergleich dazu fördert Saudi Arabien eine solche Menge binnen zweier Tage! Dennoch – Nordamerika könnte nach vorsichtigen Schätzungen der Internationalen Energieagentur bis zum Jahr 2020 zum grössten Erdöl-Produzenten des Globuses avancieren.
Der Global Player Shell macht inzwischen mehr Umsatz mit Gas als mit Öl. Trotzdem wird vonseiten des Unternehmens betont, dass die normalen Gasreserven für rund 250 Jahre ausreichen würden. Schiefergas wäre da nicht unbedingt erforderlich. Alsdann gilt es hierzulande als ausgeschlossen, dass schon bald die Bohrtürme allerorts in den Himmel wachsen. Schliesslich ist das Fracking sehr aufwendig, noch dazu wenn es in einem solch dicht besiedelten Gebiet wie in Deutschland oder Österreich durchgeführt wird. Soweit ebenfalls die Einschätzung bei E-On, aber auch beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Eine Studie hat im vergangenen Jahr nachgewiesen, dass der Gasbedarf Deutschlands aufgrund solcher Vorkommen für 13 Jahre gesichert werden könne. Allerdings sind 14 % der betroffenen Fläche als Wasserschutzgebiet deklariert. Damit ergeben sich drei signifikante Unterschiede zu den USA: Strengere Umwelt- und Genehmigungsstandards und zudem liegen die Vorkommen aufgrund der geologischen Beschaffenheit wesentlich tiefer. Weshalb sich also für teures Geld dieses Gas gönnen, wenn der Markt derzeit mit amerikanischen Billiggas überschwemmt wird???
Sehr grosses Interesse hat dennoch der Öl-Multi ExxonMobil aus den USA. Das Unternehmen führt bereits Tiefenbohrungen bei Rotenburg-Wümme durch. Aber auch die heimische BASF-Tochter Wintershall hat sich zu Wort gemeldet. All das selbstredend wohlwollend für den Staat, bliebe doch die Wertschöpfung im Lande – es fliessen Milliarden mehr in den Staatssäckel. Und dies nicht nur durch die privaten Konsumenten, obwohl noch rund 70 % des Erdgases in Deutschland zum Heizen verwendet wird. Schliesslich stehen derzeit Gaskraftwerke still, da bereits abgeschriebene Kohlekraftwerke billig Strom erzeugen können (nicht gerade förderlich für das Erreichen der Kyoto-Ziele). Nur durch ein Senken des Gaspreises kann wieder von der umweltschädigenden Kohle abgekommen werden.
Zum Abschluss noch einige Zahlen, die das Interesse der Wirtschaft verdeutlichen sollen: Herr und Frau Schmidt verbrauchen in deutschen Landen jährlich rund 92 Milliarden Kubikmeter Gas (Privathaushalte und Unternehmen). Gerade mal 12 % sind Made in Germany (hauptsächlich aus Niedersachsen). Die Schiefergasvorkommen unter Deutschland werden auf 700 bis 2300 Milliarden Kubikmeter geschätzt – ein Wert von rund 1 Billion Euro (Berechnungen des Wirtschaftsverbandes und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe). 70 bis 80 % davon blieben an Wertschöpfung in Deutschland. In der Erdgasbranche sind zirka 10.000 Arbeitnehmer/-innen beschäftigt. Der durch Unternehmen wie RWE Dea, EWE oder auch VNG erzielte Umsatz lag 2012 bei ca. 4,5 Milliarden €. Noch vor zehn Jahren wurden 20 % des Bedarfs durch heimisches Gas abgedeckt. Das Schiefergas könnte diesen Wert nach oben schnellen lassen. Und v.a. könnte es wertvolle Zeit bringen, ohne auch weiterhin Milliarden € an Gazprom nach Moskau transferieren zu müssen. Zeit, die dringend benötigt wird, um die bislang stark vernachlässigten alternativen, erneuerbaren Energien weiter auszubauen. Doch birgt es auch eine andere Gefahr: Öl und Gas werden dermassen billig, dass an einen solchen Aufbau von Alternativen erneut nicht mehr gedacht wird – wie zu Zeiten der Kernenergie oder derzeit gerade in den USA! Für welche dieser beiden Varianten Sie sich entscheiden, überlasse ich Ihnen!

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Atommüll – Heute schon gestrahlt?

Als am 6. August 1945 in Hiroshima und drei Tage später in Nagasaki der Fliegeralarm ertönte, sollte danach nichts mehr sein wie zuvor. US-Präsident Harry S. Truman hatte am 24. Juli desselben Jahres den Abwurf der ersten beiden Atombomben über Japan angeordnet. Die Explosionen töteten 92.000 Menschen sofort (übrig blieben Schatten auf Gebäudemauern) – weitere 130.000 starben noch in den darauffolgenden fünf Monaten, bis 1950 waren es insgesamt zirka 230.000 Menschen, die an den Spätfolgen richtiggehend krepierten. Japan war bezwungen – doch – mein Gott – zu welch einem Preis!? Und nur ganz wenige wissen: Knapp mehr als zwei Wochen zuvor hatte der japanische Botschafter Sato Naotake beim sowjetischen Aussenminister Molotow um Friedensverhandlungen angeklopft. Dieser sollte den Vorschlag bei der Potsdamer Konferenz der Alliierten vorbringen. Und: Auch ein Abwurf über Hitlerdeutschland wurde damals erwogen.
Die Uran-Bombe “Little Boy” bzw. “Enola Gay”, wie sie vom Bomberpiloten Paul Tibbets getauft wurde, hatte eine Sprengkraft von 12.500 Tonnen herkömmlichen TNTs. Sie zerstörte Hiroshima und Umgebung. “Fat Man” war eine Plutonium-Bombe mit einer Sprengkraft von 22.000 Tonnen TNT. Sie wurde drei Tage später um 11.02 Uhr Ortszeit über Nagasaki abgeworfen. Heute – rund 70 Jahre nach den beiden Abwürfen liegt die Strahlung in der ehemaligen Dead Zone auf dem Niveau der sog. “natürlichen Radioaktivität”, ist also somit nicht höher als an anderen Stellen des Planeten. Vor diesem historischen Hintergrund, vor diesem schrecklichen Kapitel der Zeitgeschichte sollten die folgenden Zeilen gelesen werden, denn das Plutonium, das in “Fat Man” steckte, wurde in Hanford angereichert.
In diesem kleinen  beschaulichen Ort unterhielten die US-Amerikaner eine Plutonium-Fabrik. Heute ist die Stadt Im US-Bundesstaat Washington der am schwersten verstrahlte Ort der Vereinigten Staaten. Schuld daran sind v.a. sechs unterirdische Tanks mit nuklearem Abfall. Soweit Gouverneur Jay Inslee vergangene Woche. Er verwendet auch das Wort “beunruhigend” in seinen Ausführungen – trotzdem bestehe für die Bevölkerung keine Gefahr! Hallo? Wir sprechen hierbei nicht von Peanuts. Nur einer dieser sechs Tanks verliert jährlich rund 1000 Liter radioaktive Flüssigkeit! Zirka vier Millionen Liter sollen bis heute bereits ausgeflossen sein, insgesamt 1,8 Billionen Liter verseuchten Wassers versickerte. Lämmer mit zusammengewachsenen Füssen, Lachse mit drei Augen und Krebsgeschwüren, kranke menschliche Babies oder gar Totgeburten. Das Buch “Atomic Harvest” (1993) beschreibt die Zustände, die sich seit den 1960er-Jahren dort zutragen.
In Hanford befinden sich insgesamt 177 Tanks mit radioaktiven Abfällen! Überbleibsel der Plutonium-Produktion für US-amerikanische Atomwaffen. Millionen Liter in Behältnissen, die ihre Nutzungsdauer inzwischen bei weitem überschritten haben. Somit war es nur eine Frage der Zeit, wann die ersten leck schlugen. Hanford wurde in den 1940er Jahren während des Zweiten Weltkrieges im Rahmen des streng geheimen Manhattan-Projektes errichtet. Heute hingegen lagert rund zwei Drittel des US-Atommülls dort (204.000 Kubikmeter bzw. 216 Millionen Liter strahlender Schlacke, über 100.000 ausgebrannte Brennstäbe, 43.000 Kubikmeter kontaminierten Erdreiches bzw. Sand und nicht weniger als 720.000 Liter Salpetersäure, die für die Herstellung von Explosivstoffen bzw. von Raketentreibstoff Verwendung findet). Es besteht grosse Explosionsgefahr!
Hanford liegt rund vier Autostunden südöstlich von Seattle entfernt. Das Gelände umfasst ca. 1518 Quadratkilometer (eine Fläche doppelt so gross wie im Vergleich Hamburg) – davon sind bereits jetzt 622 unbewohnbar. Jährlich werden zwei Milliarden in die Sanierung des Geländes gesteckt – wie sich jetzt zeigt, nicht genug. Die Fertigstellung der Arbeiten ist für das Jahr 2052 geplant. Auch ein Atomkraftwerk versieht hier noch seinen Dienst – ist jedoch seit Jahren mehr als umstritten, da dieses Gelände als erdbebenproblematisch gilt (alleine 2012 wurden nicht weniger als 210 Beben gemessen – das stärkste davon in der Stufe 3). Nach Angaben von Experten könnte es Jahre dauern, bis die Problemstoffe zum Grundwasser durchsickern – doch dann ist die sprichwörtliche Ka… am Dampfen (im wahrsten Sinne des Wortes!). Daneben wurde das Kühlwasser für die Anlagen bis 1971 ungefiltert oder ungesäubert in den Columbia River gepumpt. Bei der Mündung des Flusses in den Pazifik – 500 km entfernt – war damals noch eine erhöhte Strahlung festzustellen. Der Fluss diente vornehmlich den Indianerstämmen als Nahrungsquelle – na denn: Mahlzeit! Die regelmässig ausgestossenen, ebenfalls nicht gefilterten radioaktiven Wolken sorgten durch den “Fallout” auch in drei benachbarten Bundesstaaten sowie in Kanada für Strahlungskranke und tote Tiere. Einmal war sogar die komplette Strecke bis inklusive Kalifornien davon betroffen. Zu Testzwecken wurde eine stark strahlende Wolke abgelassen. Ihre Radioaktivität übertraf jene des Zwischenfalls von Harrisburg 1979 um das Tausendfache. Tausende Menschen erkrankten, viele starben. “Green Run” war ein Experiment der Hanford-Physiker im Jahre 1949! Doch erst 1986 kam es durch eine Lokalreporterin an’s Licht der Öffentlichkeit. Die Prozesse der Strahlenopfer bzw. derer Hinterbliebenen sind teilweise auch heute noch gerichtsanhängig.
Doch – Hanford ist nicht das einzige Problemkind. In Los Alamos wurde der Müll einfach in 150 Meter langen und nur neun Meter tiefen Gräben entsorgt.
So – und nun sind wir am Nabel des Problems angelangt: Wo kann Atommüll über tausende Jahre hinweg gelagert werden, ohne Probleme aufzuwerfen?! Schliesslich liegt die Halbwertszeit von Uran, Plutonium, Jod, Cäsium und Co zwischen 8,02 Tagen (Jod) und 4,468 Milliarden Jahre (Uran). Bei Plutonium können es zwischen 87,74 bis 24110 Jahre sein. Im Vergleich dazu hat noch vor 30.000 Jahren hierzulande der Neandertaler mit Keulen das Wild erlegt! So wird beispielsweise berichtet, dass solcher Müll mit Erde und Beton vermischt und nahe der Farallon-Inseln westlich von San Francisco im Pazifik versenkt wurde. 50.000 Fässer sollen auf diese Weise “entsorgt” worden sein, andere liegen in der Bucht von Santa Cruz oder wurden auf offenem Meer von Flugzeugen abgeworfen, schreibt die US-amerikanische Ärztin Rosalie Bertell in ihrem Buch “No immediate danger” den Abfallwahnsinn. Radioaktive Strahlung lagert sich im Plankton an. Dieses wird genüsslich von Fischen verspeist, die wiederum auf den Tellern der Menschen landen. Radioaktive Stoffe gelangen somit in die Nahrungskette! Guten Appetit! Dem hat die IAEA bereits vorgegriffen und manche Meeresabschnitte zu biologischem Brachland erklärt, in welchen solche Abfälle versenkt werden können, da dort das Fischen wirtschaftlich unlukrativ ist! Wäre doch durchaus interessant zu erfahren, ob sich das Wasser des Ozeans nicht vermischt! Und wie das mit dem Verdunsten ausschaut. Gibt ja dann ohnedies nur radioaktiven Regen, sog. “Falldown”! Im Jahr 1983 ist zumindest offiziell Schluss mit dem Über-Bord-Kippen. Die Londoner Dumping-Konvention verbietet diese Entsorgungsmöglichkeit. Doch haben bis zu diesem Zeitpunkt alleine die westlichen Staaten (auch die Schweiz) bereits mindestens 140.000 Tonnen auf diese Weise entsorgt. Russland tut sich nach anfänglichen Protesten keinerlei Zwang mehr an und wirft die Fässer ins nördliche Eismeer. Tja – will ein Fass mal nicht untergehen, wird es einfach so lange beschossen, bis das eingedrungene Wasser es auf den Meeresboden zieht. Ist das nicht pervers? Die USA vertreten den Grundsatz der “Fünf V”: Verdünnen, Verteilen, Vergraben, Versickern und Versenken. Auch in Hanford versickert absichtlich ein erheblicher Teil – allerdings stark verdünnt.
In Deutschland tun sich da die entsprechenden Stellen etwas schwerer. Die erste Versenkungsaktion mittels des englischen Transportschiffes Topaz im Jahre 1967 blieb auch die einzige. Hafenarbeiter stellten sich quer, das Gewerbeaufsichtsamt beklagte das Fehlen geeigneter Arbeitsbekleidung – der Medienrummel war gigantisch. Seit den Castor-Transporten ist zudem die Bevölkerung hellhörig geworden. In Gorleben wird der Abfall ebenso wie im aufgelassenen Bergwerk Asse bei Remlingen nur zwischengelagert. Auch die blühendsten Verehrer einer Endlagerstätte mussten inzwischen erkennen, dass Gorleben nicht geeignet ist – die Expertisen hierzu teils schöngefärbt wurden. Auch die tolle Idee mit der Wiederaufbereitung, dem radioaktiven Kreislauf (aus strahlendem, gefährlichen Bomben-Plutonium schaffen wir Brennstäbe für sog. “Schnelle Brüter”) wurde nach massiven Protesten der Bevölkerung der entsprechend in Frage kommenden Standorte (etwa Wackersdorf) fallengelassen. Nach wie vor konnte kein geeigneter Standort für eine Endlagerstätte gefunden werden, da gewisse topographische Erfordernisse vorhanden sein müssen, damit nicht nach und nach oder etwa durch ein Erdbeben plötzlich radioaktive Strahlung austreten kann. Experten und die Politik setzen voll auf Salzbergwerke. So wurden in Morsleben (Sachsen-Anhalt) bis 1998 schwach und mittelstark strahlende Abfälle eingegraben – insgsamt 36.754 Kubikmeter. Nachdem sich die Bevölkerung lautstark zu Wort gemeldet hat, deklarierte das Bundesamt für Strahlenschutz den Stollen zum Sicherheitsrisiko. Das war im April 2001. Im November desselben Jahres zertrümmerte ein 5.000 Tonnen schwerer Brocken aus dem Deckgebirge das darunter liegende Material. Milliarden mussten für die Sanierung aufgebracht werden. Schlussendlich wurden die Stollen mit Beton geflutet und stillgelegt. Ansässige Bürgerinitiativen sprechen noch heute vom “Endlagermurks!” In dem ebenfalls stillgelegten Salzbergwerk AssE II bei Wolfenbüttel wurden zwischen 1967 und 1978 nicht weniger als rund 126.000 Atomfässer abgestellt. Zuerst noch akribisch geordnet, dann nurmehr runtergeschmissen und mit Salz bedeckt. Auch Giftmüll wird hier gelagert. Eine tickende Zeitbombe! Zudem tritt Wasser ein – das Bergwerk droht abzusaufen. Deshalb beschloss nun der Bundestag, die Sanierung. Einmal mehr darf der Steuerzahler aufkommen. Und das ist wahrhaft kein kleines Häppchen: Bis zu sechs Milliarden Euro müssen in den kommenden Jahren hierfür aufgebracht werden – für die Entsorgung der Umweltsünden der Atomlobby!
In Garching bei München nahm im Jahre 1957 der erste Forschungsreaktor seine Arbeit auf. In einem Vermerk des Wirtschaftsministeriums ist eindeutig zu lesen, dass die “unschädliche Abführung radioaktiver Abfallstoffe” unbedingt gelöst werden müsse, bevor der erste Kernreaktor in der BRD gebaut werde. Dieser Vermerk stammt vom 15. Februar 1955. 1960 ging in Kahl/Unterfranken der erste kommerzielle Kernreaktor an’s Netz! Ist inzwischen in dieser Hinsicht etwas geschehen? Paragraph 9a des deutschen Atomgesetzes schreibt anno 1960 jedoch vor, dass jeder Betreiber solcher Anlagen selbst für die Verwertung oder Entsorgung “anfallender radioaktiver Reststoffe” aufzukommen hat. Werden nun alte Brennstäbe im Acker nebenan verbuddelt? Und wie blauäugig damals jene Politiker waren, die das Ganze ins Laufen gebracht haben, zeigt der Fall des ehemaligen deutschen Atomministers Siegfried Balke (CDU) auf. Bei seinem Besuch in den USA wurde ihm folgendes aufgetischt: Der Atommüll wird für zehn bis zwölf Jahre in Tankanlagen zwischengelagert. Nach weiteren fünf Jahren werde überprüft, ob denn noch Strahlung austritt. Ja, is denn scho wieder Schildburga??? Einige erwarteten sich eine Lösung durch die aufkommende Weltraumeuphorie. “0.85AU radius heliocentric orbit” wäre genau die richtige Endlagerstätte: 127,5 Mio Kilometer entfernt, kommt das sicherlich nicht mehr zurück. Doch müssten täglich Raketen starten, denn mal so ohne weiteres im Handgepäck von Astro- oder Kosmonauten, das gestaltet sich etwas schwierig. Somit wird’s sündhaft teuer. Auch ein Abwurf über der Antarktis wurde schon überlegt. Durch die Strahlungshitze versenkt sich der Atommüll von selbst im ewigen Eis! Wie ernst diese Überlegung war, zeigt die Tatsache, dass sich der Physiker Bernhard Philberth aus München hierfür ein Patent ausstellen liess. Sehr nett übrigens die Worte des damaligen Chefs der Internationalen Atomenergie-Agentur IAEA, Sterling Cole, der im November 1959 im Rahmen der ersten Konferenz zur “Lagerung radioaktiver Abfälle” in Monaco meinte, dass der Begriff “Atommüll” vollkommen in die Irre führe. Es gebe keinen Müll sondern vielmehr “wertvollen Reststoff”. Wertvoll allemal! Hätte meine bessere Hälfte dermassen viel Geld für’s Shoppen – sie bräuchte einen LKW und wäre jeden Tag über 20 Stunden hinweg unterwegs. Gasförmige Abfälle sollten schlicht und einfach über Kamine entsorgt werden! Was für ein Horror!
Hanford wurde im Jahre 1988 stillgelegt – mit Ausnahme des noch in Betrieb befindlichen Kernreaktors. Dieser ging 1984 an’s Netz – zählt also auch nicht wirklich zu den sichersten einer. Das riesige Gebiet ist seither die grösste und teuerste Müllkippe der USA. Weltweit laufen in 30 Ländern nicht weniger als 429 Kernreaktoren. Der durch sie erzeugte Strom ist Billigstrom. Die Entsorgung des Mülls jedoch sündhaft teuer und extrem gefährlich. Das dachte sich sicherlich auch der Physiker Enrico Fermi nicht, der als erster in einem US-amerikanischen Militär-Labor eine kontrollierte, atomare Kettenreaktion auslöste. Das war im Jahre 1942!

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