Archive for April, 2013

Oh, schmeckt gut! Was ist da drin???

Der Pferdefleischskandal hat es einmal mehr aufgezeigt: Wer weiss wirklich, was in unserer täglichen Nahrung enthalten ist? Da geistern Werbespots mit markigen Versprechungen durch die Medienlandschaft, wie “Bei meiner Ehr’!” oder “Dafür steh’ ich mit meinem Namen!”, schaut man sich allerdings die Produkte und v.a. die Zusammensetzungen an, so halten die meisten essbaren Waren partout nicht das, was sie sollten (steht nicht im Zusammenhang mit den Produkten, die hinter diesen Claims stehen; Anm. des Schreiberlings). Chemische Farb- und Geschmacksstoffe sorgen dafür, dass der Konsument nichts davon mitbekommt.
Sicherlich – es ist alles eine Frage des Geschmacks und hier vornehmlich des Kulturkreises.

http://www.coolstuff.de/Eklige_Leckereien

So mögen an anderen Orten dieser Erde der Gammelrochen oder geröstete Vogelspinnen als Delikatesse durchgehen, hiesige Errungenschaften der Kulinarik hingegen verschrieen sein. Auch wenn unsere Zunge aus tausenden von Geschmackspapillen besteht, so entsteht dieser doch erst im Kopf. Somit hat die alte Weisheit “Man isst mit den Augen!” durchaus seine Berechtigung. Und mal ehrlich: Bei meinem ersten Besuch in Spanien habe ich zielgenau, unwissentlich Pferdesalami erwischt. Sie hat gemundet! Erst im Nachhinein wurde ich aufgeklärt! Dass Pferdefleisch, wenn es nicht gerade von gedopten Rennpferden stammt, eigentlich nicht wirklich ungesund ist, sollte inzwischen jeder wissen. Es muss ja nicht zu Gabel und Messer gegriffen werden, wenn man es nicht möchte. Oder Hund – was auf der anderen Seite der Erdkugel als Delikatesse verspeist wird, hat in unserem Kulturkreis keinerlei Tellerberechtigung. Wird aber nun der Konsument aufgrund der Gewinnsucht so mancher Unternehmer hinter’s Licht geführt, so gehören die Verantwortlichen nach allen Möglichkeiten des Gesetzes bestraft. Schliesslich haben sie den Verbraucher betrogen und andererseits eine ganze Branche in Verruf gebracht, in der viele ehrliche Menschen keinem Job sondern einer Berufung nachgehen. Dass diese Menschen nie mehr wieder Kontakt mit Lebensmittel haben sollten, versteht sich doch wohl von selbst. So wurde nachgewiesen, dass europaweit in nahezu jedem 20. Fertigprodukt Pferde-DNA enthalten ist. Wäre dies ausgewiesen gewesen, hätte wohl niemand etwas dagegen sagen können. Und damit sind wir bereits bei der Unsitte: Mach’ nur rein – merkt eh niemand!
Als ich zuletzt in diesem Bereich recherchierte, stiess ich auf mehr als unappetittliche Tatsachen, die – sollte der Konsument davon wissen – sicherlich nicht den Absatz der Produkte fördern. Wie vor ein paar Wochen beschrieben, bestand zum Beispiel die Margarine zu Beginn (1869) aus Rindertalg, Milch, Wasser, Natron und zerkleinerten Kuheuter. Dies hat sich längst geändert – heutzutage ist sie ein rein chemisches Produkt.
Vor einigen Monaten geisterte der “Analogkäse” durch die Schlagzeilen. Ich muss eingestehen: Ich liebe Pizza, Lasagne und Käsebrötchen. Doch überlege ich es mir inzwischen doch zweimal, in welcher Teig-Weit-und-Hoch-Wurfstation ich meinem Hunger ein Ende bereite bzw. ob ich nicht doch Pasti ohne Käse wähle und dann mit geriebenem Parmesan nachkorrigiere. Im Analogkäse wird das Milchfett durch pflanzliche oder tierische Fette ersetzt. Bei manchen Produkten wird auch das Milcheiweiss ersetzt. Der erste Analogkäse wurde Ende des 19. Jahrhunderts in den USA hergestellt: Zentrifugierte Magermilch mit Rindertalg und LAB angereichért. Dies hat sich selbstverständlich inzwischen geändert. Die Bestandteile sind nunmehr Wasser und Pflanzenöle (wie auch Palmöl) sowie zeitweise Stärke und Milch-, Soja- oder Bakterieneiweisse. Damit diese Mischung dann auch wie Käse schmeckt, kommen Aromakonzentrate hinzu. In Deutschland werden pro Jahr rund 100.000 Tonnen dieses künstlichen Käses produziert; in Österreich zirka 10.000 verbraucht. Ein somit also durchaus lukrativer Markt – und dies inmitten des Natur-Käse-Feindesland!!! Inzwischen ist es verboten, diesen Analogkäse als Käse zu deklarieren (GMO-Verordnung 1234/2007 der Europäischen Union). Trotzdem bietet dieser mehrere Vorteile: Kostengünstiger, keine Reifungsdauer und auch essbar für Menschen mit einer Lactose-Unverträglichkeit. In Holland ist der Kunstkäse als “Trenta” durchaus beliebt!
Doch all dies ist nichts gegen meinen Liebling, der unter Experten gerne als “Milchshake” bezeichnete, schnelle Drink: Flüssige Nachprodukte aus der Molkerei werden mit Abfällen aus dem Schlachthaus sowie dem Fischmarkt, Leder, Kartoffelschalen und künstlichen Einzellern unter Beimengung der unterschiedlichsten Säuren verrührt. Damit es nicht wie in einem Durchlauferhitzer sofort wieder rauskommt, wird noch sog. “Anti-Anal-Leakage-Agend” beigegeben: “Schliessmuskel-Auslaufsperre”! Pfui Deibel!!!
Neben all diesen künstlichen Milchersatz-Produkten, gibt es selbstverständlich auch den Fleischersatz für Vegetarierer oder Veganer. Doch – wenn so manch einer wüsste, was er da zu sich nimmt, würde er höchstwahrscheinlich gerne wieder zum Schnitzel greifen. Soja oder auch das sog. “Soja TVP” (textured vegetable protein) wird durch Extraktion mit Leichtbenzin, durch Dampfbehandlung, Alkohol, Fällbad etc. gewonnen. Hinzu kommen Bindemittel, Fette sowie für’s Auge Farbstoffe und den Geschmack Gewürze bzw. Aromate. Also: Durchaus vermeintlich gesunde Basisstoffe. Deshalb – mein Tipp an alle Anti-Fleischingers: Im Getreide, dem Obst und Gemüse sind ausreichend Eiweisse und Vitalstoffe enthalten. Soja wird nicht wirklich benötigt. Zudem kann durch ein Verzicht der eine oder andere Quadratzentimeter Urwald gerettet werden, da weniger Fläche für die Monokulturen gebraucht wird.
Apropos Fleisch: Kennen Sie eigentlich den Begriff “Formfleisch”? Mancherorts wird es auch gerne als “Klebefleisch” bezeichnet. Dieses Fleisch setzt sich aus kleineren Schlachtresten meist vom Schwein oder Geflügel zusammen. Es unterscheidet sich an sich nicht vom gewachsenen Kollegen – kann allerdings durchaus auch von verschiedenen Tieren stammen. Formfleisch findet sich häufig im Kochschinken, panierten Fertigprodukten oder den dermassen beliebten Chicken Nuggets. Dabei wird das Fleisch maschinell gewalkt (“getumbelt”), wodurch die Muskelfasern gelockert werden und Eiweiss austritt. Die entstandene Masse wird dann in Formen gegeben und gefroren oder erhitzt. Durch Gewürze und Aromastoffe bzw. die Panier fällt nun niemandem ein Unterschied zum gewachsenen Fleisch auf. Dies führte in den 80er-Jahren zum grossen Formfleisch-Skandal. Inzwischen muss die Verwendung auf der Verpackung angegeben sein. Und – wie soll es auch anders sein: Ein veröffentlichter Test brachte es 2011 an’s Licht: Bei vier von acht solcher Formfleisch-Proben handelte es sich um eine “brätartig schaumige, stärkehaltige Masse mit Muskelfasern, gewachsene Skelettmuskulatur, Bindegewebe, Gewürzteile, mitunter Geflügelhaut“ (Konsument, September 2011). Das Gesetz spricht hingegen nur von Fleisch mit Anteilen von Salz, Pökelsalz und Gewürzen. Damit das enthaltene Wasser gebunden wird, muss ferner Stärke bzw. Eiweiss hinzugegeben werden. Letzteres entstammt u.a. aus der Milch, dem Blutplasma, Soja, Weizen bzw. den unterschiedlichsten Geliermitteln. Bis zu 40 % der Produkte können aus Wasser bestehen. Übrigens – besonders die Gastronomie bedient sich solcher Produkte. So waren nach einer Studie des hessischen Verbraucherschutzministeriums (2006 bis 2009) in 68 % von 500 gezogenen Proben Schinkenimitate enthalten, obwohl auf der Speisekarte Produktbezeichnungen wie Koch- oder Vorderschinken zu lesen waren. Und so ganz nebenbei: Haben Sie gewusst, dass in der Fleischwurst nur 8 % Fleischanteil enthalten sein muss??? Na denn – Mahlzeit!
Ähnliches allerdings gibt es auch aus Japan zu berichten. Dort entdeckten die Menschen vor rund 900 Jahren, dass zerhackter und mit Zucker gegarter bzw. gelierter Fisch wesentlich länger hält – das “Surimi” war erfunden, in der europäischen Küche auch als Krebsfleisch-Imitat bekannt. Normalerweise wird der frisch gefangene Fisch direkt auf dem Schiff verarbeitet und zubereitet, dann in Dosen gegeben oder eingefroren. Nicht jedoch bei jenen Fischarten, die unter den Konsumenten nicht wirklich reissenden Absatz finden, wie dem Magerfisch oder Krill. Diese werden enthäutet und entgrätet, zerkleinert und gewaschen. Dann gebe man Hühnereiweiss, Stärke, Öl, Zucker, Salz, Aromate und Sorbit hinzu und erhitze die Masse. Verwendung findet Surimi bei Sushi oder auch Fertiggerichten, die “Meeresfrüchte” beinhalten. Bereits 1994 wurde in sieben von zehn Garnelenfleischproben Surimi festgestellt. Seit einem Urteil des Verwaltungsgerichtshofes Baden-Württemberg aus dem Jahr 2011 muss bei einem Surimi-Anteil von zumindest 20 % dies auch auf der Verpackung vermerkt sein.
Na ja und zuguterletzt noch zur grossen Gruppe der Zucker-Ersatzstoffe. Substanzen wie etwa “Aspartam” sind nicht wirklich so gesund wie ihr Ruf. So haben mehrere Studien ergeben, dass sie sogar den Appetit anregen und deshalb auch zur Schweinemast eingesetzt werden. Der Genuss kann zur Störung der Hunger-Sättigungsregulation führen und Durchfall verursachen.
Ach ja – eines vergass ich noch: In alkoholfreiem Bier befindet sich Glyzerin – zwar wenig aber dennoch! Auch ist immer wieder Benzol in Erfrischungsgetränken zu finden – in Wassersorten mit Geschmack. Dieses bildet sich durch die Reaktion von Benzoat und Ascorbinsäure. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist seit bereits acht Jahren auf diesen Umstand hin. Benzol gilt als krebserregend. So wurde in einem Bericht 2005 hervorgehoben, dass es keine “unbedenkliche Menge Benzol” gebe. Bei den Mengen, die bei vergleichenden Untersuchungen eines Bremer Labors festgestellt wurden, handelte es sich um zwei bis sieben Mikrogramm Benzol pro Liter des Erfrischungsgetränkes. Prost! Und übrigens – wer am Morgen danach zur Bekämpfung des Katers nicht auf die Kraft der Tomaten setzt (Bloody Mary), der kann sich mit einem speziellen Katergetränk wieder fit machen – bestehend aus Blut, Knorpel, Mutterkuchen sowie anderen ganz leckeren Zusatzstoffen. Das ist wirklich nur etwas für die ganz Harten! würg
Oder – wie wäre es denn mit dem original steirischen Kürbiskernöl Made in China?
Auf sehr vielen Verpackungen stehen zudem Bezeichnungen, die für den normal sterblichen Konsumenten übersetzt werden müssen. Viele haben es deshalb schon längst aufgegeben, die Bestandteilliste genauer zu begutachten. Trotzdem lohnt es sich durchaus. Alsdann versteht Otto Normalbürger unter Fruchtzubereitungen etwas “wuchtig Fruchtiges”! Na ja – stimmt nur bedingt. Fruchtiger Mindestanteil: 3,5 %! Alles andere wird durch Zucker, Glukosesirup oder anderen Zuckerlösungen, Verdickungsmitteln (etwa modifizierte Stärken), Pektin, Johannisbrotkernmehl, Guarkernmehl, Carrageen, Säureregulatoren (Zitronensäure oder Trinatriumcitrat) und Aromastoffen wettgemacht (steht in keinem Zusammenhang mit dem Produkt hinter dem erwähnten Claim; Anm. des Schreiberlings). Glutamathaltiges Hefeextrakt wird zwar als Geschmacksverstärker verwendet, ist aber offiziell keiner (die Ware darf als “Ohne Geschmacksverstärker” geführt werden). Aromen sind zumeist vielleicht tatsächlich “natürlich”, werden allerdings nicht selten künstlich gezüchtet (Bakterien, Pilze oder gar Sägespäne!). Zudem wird meist nicht mit Salz gespart. So manches Fertigprodukt könnte durchaus im Winter zum Enteisen des Gehsteigs verwendet werden. Eine Fertigpizza (1 Portion) kann schon mal 6,8 g Salz auf die Waage bringen. Empfohlene Höchstmenge für einen Erwachsenen am Tag: 6 g! Und dann gibt’s noch die Zuckerbeigaben. Wird immer beliebter bei den Herstellern von Kaffee-Pads: Weniger Kaffee, dafür mehr Zucker, gehärtete Fette und Aromen. Kein Wunder, dass Kaffee nicht mehr munter macht! Unglaublich, was von gesetzes wegen alles erlaubt ist. Wen es interessiert, der findet die in deutschen Landen genehmigten Zusatzstoffe in der “Zusatzstoff-Zulassungsverordnung – ZZulV”.

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_in_der_Europ%C3%A4ischen_Union_zugelassenen_Lebensmittelzusatzstoffe

Europaweit wird dies durch zwei Zusatzstoff-Verordnungen geregelt. Hier sind auch die bei den Verbrauchern so beliebten E-Nummern enthalten. Die Verträglichkeit solcher Zusatzstoffe ist nach wie vor umstritten. Eine britische Studie, veröffentlicht im Magazin “The Lancet”, hat jedoch ergeben, dass sich manche (v.a. Farbstoffe) negativ im Hinblick auf ADHS bei gesunden Kindern auswirken können. Andere können die Auslöser für Allergien, Asthma, Kopfschmerzen, Migräne oder Unverträglichkeiten sein – dies wird jedoch auch in den Labors kontroversiell diskutiert.

http://www.zusatzstoffe-online.de/zusatzstoffe/

Zuletzt warnten Ärzte vor künstlichem Phosphat, das in der Nahrungsmittelindustrie für die Haltbarmachung zum Einsatz kommt. Es kann das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung erhöhen! V.a. Nierenpatienten sollten sehr vorsichtig sein, da das Phosphat hier nicht mehr entfernt und in weiterer Folge ausgeschieden werden kann. Dies führt zu beispielsweise der Gefässverkalkung oder auch Unfruchtbarkeit. Viel Phosphat ist im Schmelzkäse, Backpulver und Softdrinks enthalten! Orlando Gutierrez u.A. haben 2010 in einer Studie der University of Alabama in Birmingham aufgezeigt, dass v.a. die sozial schwächere Schicht durch zu viel Phosphat gefährdet ist. Hier regieren vornehmlich Fast Food und konservierte Nahrungsmittel.
Sie sehen es also:
Man muss nicht unbedingt auf für uns ekliges Essen aus anderen Kulturen zurückgreifen! Wüsste so manch Einer, was er hierzulande isst oder trinkt, würde dies bereits ausreichen, um nicht mehr über andere Ernährungsgewohnheiten zu lästern.
Deshalb abschliessend einige Tipps, wie man es zumindest versuchen kann, beim Kauf von Nahrungsmittel nicht über den Tisch gezogen zu werden:
.) Fleisch am besten beim Metzger in Ihrer Nachbarschaft kaufen. Dabei ist zwar das Risiko von nicht entsprechendem Fleisch (Gammel- oder falsch deklariertem Fleisch) nicht auszuschliessen, jedoch ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass regionales Fleisch verkauft wird. Trotzdem: Achten Sie auf die Farbe und den Geruch des Fleisches, da die Beleuchtung in der Theke schon sehr vielen etwas vorgegaukelt hat. So ist Schweinefleisch hell- bis zartrosa, zartfaserig und leicht marmoriert. Rindfleisch bräunlich bis dunkelrot, grobfaserig und marmoriert (mit Fettadern durchzogen). Kalbfleisch ist hellrosa bis hellrot, sehr feinfaserig und zart. Vermeiden Sie weisses Kalbfleisch, da dieses durch nicht bedarfsgerechte, eisenarme Fütterung entsteht (Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein). Geflügelfleisch ist rosa, zeigt sich in einer glatten Oberfläche und sollte angenehm riechen. Machen Sie einen grossen Bogen um gräuliches und muffig riechendes Geflügelfleisch.
.) Sollten Sie mit Pferdefleisch in Fertigprodukten Probleme haben, so halten Sie sich an bereits analysierte Produkte, in welchen kein Pferdefleisch festgestellt wurde. Negativ-Listen gibt es etwa bei den Verbraucherschutzzentralen.

http://www.vz-nrw.de/pferdefleisch-2

.) Gemüse und Salate am besten auf dem Bauernmarkt oder in der Markthalle kaufen. Dies sollten frische und regionale Produkte sein. Sie können sich auch gerne mal den Bauernhof anschauen. Hat der Bauer nichts zu verbergen, so führt er Sie gerne herum. Allerdings gibt auch das keine 100 %-ige Sicherheit. So wurden verseuchte Kohlsprossen aus Ägypten im Mai 2011 durch einen Biohof in Umlauf gebracht. Dies führte zur bislang grössten EHEC-Epidemie in der deutschen Geschichte mit nicht weniger als 53 Todesfällen und 4.000 teils schwer erkrankten Personen. Gegen biologische Keime hilft nur Abkochen oder Garen (10 Minuten bei mindestens 70 Grad).
Wer grundsätzlich elegant den kleineren und grösseren Mogeleien der Lebensmittelherstellern ausweichen möchte, kann sich selbst eine Negativ-Liste erstellen. Sehr hilfreich sind hierbei folgende Websites:

www.lebensmittelklarheit.de
www.lebensmittelwarnung.de
www.pferdefleisch-rueckrufe.de
www.foodwatch.org
www.ages.at
www.deza.admin.ch
www.survivalforum.ch

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Das Wasser gehört uns

Knapp 1,5 Mio Unterschriften und täglich werden es mehr! Doch an Brüssel prallt dies offenbar alles ab. Die Petition “Right 2 Water” erreichte nämlich gerade mal in fünf Staaten der EU die erforderliche Anzahl an Unterstützungserklärungen (1 Million) – das ist den Bürokraten nicht genug. Die Volksseele zürnt, geht es doch um ein schwergewichtiges Thema: Das Trinkwasser als Allgemeingut!
Die Alpenanrainerstaaten befinden sich in einer für viele andere Staaten dieser Erde beneidenswerten Lage: Es gibt genügend sauberes Wasser! Trinkwasser! Dies soll nun auch für andere Länder erschlossen werden. Brüssel denkt über eine Liberalisierung des Wassermarktes nach. Musste bislang die öffentliche Hand (vornehmlich die Gemeinden und Städte) die Vollversorgung mit dem wichtigsten Baustein des Lebens sicherstellen, so könnte sich dies schon sehr bald ändern. Für den Fall, dass die geplante Privatisierung des Trinkwassers durchgeht, so wird das Wasser zum Handelsgut. Gletscherwasser aus dem Stubaital könnte es dann für die Reichen in Italien, Frankreich und England geben, nicht jedoch für die Stubaier Bevölkerung, die sich das Wasser nicht mehr leisten kann. Dabei schmelzt auch dieser Gletscher und steht in absehbarer Zeit ohnedies als Trinkwasserspeicher nicht mehr zur Verfügung. Reicht nun die Kapazität der anderen Quellen nicht für das Tal aus, so müsste über ein aufwendiges Leitungssystem billigeres Wasser etwa von der Wasserscheide “Brenner” zugeführt werden. Notfalls vielleicht gar mittels Tankwagen von der Wasseraufbereitungsstelle bei Sipplingen im Bodensee! Hier NOCH kein Problem, werden doch jährlich zwischen 125 bis 130 Mio Kubikmeter Wasser entnommen – dies ist weniger, als der See durch Verdunstung verliert. Es sind also noch Kapazitäten frei. Doch – Wasser aus dem Bodensee für das Stubaital? Eine Vorstellung, die den meisten einen kalten Schauer über den Rücken treibt.
Auch den Verantwortlichen der Europäischen Bürgerinitiative “Right 2 Water”. Sie wurde direkt nach der Unterzeichnung des Lissabon-Vertrages im Jahr 2009 auf die Füsse gestellt. Das erklärte Ziel ist es, die erforderlichen Unterstützungserklärungen zu sammeln, damit diese EU-Richtlinie nicht durchgeht, damit Wasser nicht privatisiert wird. Dazu soll die EU eine Gesetzesvorlage zur Abstimmung bringen, wonach das Wasser und die sanitäre Grundversorgung einem Menschenrecht gleichkommt. Dies übrigens hatte die Vollversammlung der Vereinten Nationen bereits im Oktober 2010 beschlossen – 122 Staaten haben für die Resolution gestimmt. So etwa auch Deutschland! Die Wasser- und Abwasserwirtschaft solle “eine existenzsichernde öffentliche Dienstleistung für alle Menschen” darstellen, so die Forderung der NGO “Right 2 Water”. Eine Million Unterschriften waren ursprünglich auch in den endlos scheinenden Gängen der EU in Brüssel vorgesehen! Ein Gag! Denn offenbar hat die Europäische Kommission ebenso viel Interesse an dieser Art der direkten Demokratie wie auch die nationalen Parlamente. Argument: Nur in 5 Mitgliedsstaaten wurden die erforderlichen Unterschriften geleistet, nach einer EU-Verordnung aus dem Jahr 2011 müssen dies aber zumindest 7 sein! 30 Bürgerinitiativen wurden vorgeschlagen, nur 14 haben sich auch erfolgreich angemeldet. “Right 2 Water” hat bereits seit längerer Zeit mehr als die geforderten Unterschriften zusammengebracht, bis zum Ende der Kampagne am 01. November 2013 sollen es gar 2 Millionen sein. Weitere Unterschriften in Belgien, Deutschland, Österreich, der Slowakei und Slowenien sind zwar schön anzuschauen, doch bringen sie das Begehren nicht weiter, da hier bereits genügend Unterschriften gesammelt wurden. Die ersten Stimmen kommen schon aus Brüssel und sie verheissen nicht wirklich gutes: Das Bürgerbegehren-Programm scheint zu scheitern! Grotesk, wenn in Erwägung gezogen wird, dass sich 2 Millionen Menschen für das Menschenrecht auf sauberes Wasser und sanitäre Grundversorgung ausgesprochen haben, die EU-Kommission dies jedoch abhakt und im grossen Abstellkeller für abgelehnte Verfahren verschwinden lässt. Kein gutes Zeichen auch für mögliche andere europäische Projekte zur Bürgerbeteiligung. Und wie die Abgeordneten im Strassburger EU-Parlament über die Sache abstimmen könnten, zeigte der Antrag einer Gesetzesvorlage der Linken Partei im Deutschen Bundestag:

http://www.bundestag.de/bundestag/plenum/abstimmung/grafik/index.jsp?controller=fraktion&id=213

Ist es den dortigen Politiker nicht ernst genug mit ihrer Aufgabe der Volksvertretung? Einerseits kämpfen die deutschen Kommunen gegen die von Brüssel beabsichtigte Liberalisierung des Wassermarktes, andererseits stimmen sehr viele Politiker, die sicherlich auch in den Aufsichtsräten solcher Wasserwerke sitzen, gegen ein entsprechendes Gesetz. Einerseits werden hunderttausende Unterschriften alleine in Deutschland für das Wasser als öffentliches Gut gesammelt (nach Angaben der Initiative Campact beteiligten sich alleine an einer entsprechenden Mail-Aktion über 230.000 Bürger), andererseits sehen die Vertreter dieser Bürger über die Köpfe, die sie vertreten sollten, selbstherrlich hinweg. Doch ist das Perverseste an dieser Sache, dass die CDU einen Beschluss gegen die Privatisierung gefällt hat, in welchem wortwörtlich zu lesen ist:

„Die CDU lehnt … den von der EU-Kommission vorgelegten Richtlinienvorschlag … grundlegend ab und fordert die Bundesregierung auf, das Vorhaben zu stoppen.“

Auch die Grünen haben daraufhin einen Antrag im Dt. Bundestag eingebracht, der genau auf dem Wortlaut dieses Unions-Beschlusses basierte. Allerdings stimmten nur fünf Unionspolitiker dafür – auch dieser Antrag wurde abgelehnt! Hallo?
Doch – was hat es mit dem Lächeln sehr vieler Abgeordneter auf sich, wenn es um die Richtlinie 2000/60/EG geht? Diese Wasserrahmenrichtlinie wurde am 23. Oktober 2000 durch das Europäische Parlament und dem Rat zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Massnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik beschlossen, im ABl. EG Nr. L 327/1, 22.12.2000 veröffentlicht und trat somit am selben Tag in Kraft. Sie soll helfen, die Wasserpolitik “stärker auf eine nachhaltige und umweltverträgliche Wassernutzung auszurichten”. Durch Qualitätsziele und entsprechende Methoden soll eine gute Wasserqualität erhalten bleiben oder geschaffen werden, vollkommen egal ob dies nun auf der griechischen Peleponnes oder in den schottischen Highlands ist. Doch – gerade in Ländern mit ausgeprägter Landwirtschaft ist das Grundwasser aufgrund hoher Nitratbelastungen als “in einem schlechten chemischen Zustand einzustufen”. Soll heissen, je mehr Gülle und Mist ausgefahren wird, umso schlechter wird das Wasser. Deshalb ist auch die Unsitte, vor dem Regen zu düngen, grundsätzlich abzulehnen, da durch das Regenwasser die Fliessgeschwindigkeit vergrössert wird und ein Grossteil der Gülle in tiefere Erdschichten bzw. das Grundwasser durchsickert. Somit sollte in Wasserschutz- oder Quellgebieten grundsätzlich keine landwirtschaftliche Nutzung mit Düngung erfolgen. Anstatt dessen kann ein Zwischenfruchtanbau erfolgen.
Die Überlegungen der EU basieren vornehmlich auf vier Säulen:
- Die räumliche Ausrichtung an Flussgebietseinheiten
- Der integrierte Ansatz
- Das Kostendeckungsprinzip und
- Der technische Standard der Abwasserreinigung
Es ist vornehmlich der dritte Punkt, der die Volksseele zum Kochen bringt, während die anderen im Rahmen dieser Ausführungen vernachlässigt werden können. In sehr vielen Staaten ist die Wasserversorgung kommunal organisiert. Soll heissen, die Gemeinden bzw. Kommunen subventionieren das Wasser, damit der Preis für das edle Nass möglichst gering gehalten werden kann. Zudem erhalten die wasseraufwendige Industrie und Gewerbe Wasser zum stark verbilligten Preis, damit die Produkte konkurrenzfähig bleiben. Durch den flächendeckenden Ausbau der Abwasserreinigung stieg in den letzten Jahren der Wasserpreis stetig an. Die EU befürchtet nun ein überproportionales Hinaufklettern des Wasserpreises, sobald diese Subventionen entfallen.
Eigentlich ja eine hehre Überlegung: Freie Marktwirtschaft, in welcher durch konkurrierende Anbieter niedrige Preise gehalten werden. Den Vorteil hat der Verbraucher bzw. Konsument. Tja – dass dies durchaus auch als Schuss nach hinten losgehen kann, ist allseits aufgrund der Ereignisse in den letzten Monaten und Jahren klar. Illegale Preisabsprachen führen zu einem künstlich gehaltenen hohen Preisniveau. Gibt es dann Unternehmen, die günstige Preise (Kampfpreise) anbieten, so belebt das nicht etwa das Geschäft sondern führt zu einer Phalanx der anderen, was dem Kleinen meist den Kopf kostet, bevor er gross werden kann. Als Beispiel seien hier die beiden Konkurse der Billiglieferanten TelDaFax und Flexstrom in einem liberalisierten deutschen Strommarkt genannt. 6 bzw. 700.000 Kunden verloren teils einen grossen Batzen Geld, da der Strompreis meist im Vorhinein bezahlt wurde. Der Insolvenzverwalter von TelDaFax schickte gar Inkasso-Unternehmen zu jenen Kunden, die eigentlich noch Geld zurückbekommen sollten (Tagesspiegel vom 10.12.2012). Das ist die Kehrseite der Medaille.
Doch zeigt uns all dies eines auf: In der Richtlinie ist nicht die Rede von einer Privatisierung, sondern von Kostendeckung. Der für die Binnenwirtschaft zuständige EU-Kommissar Michel Barnier will hiermit die Vetternwirtschaft, Korruption und Betrug aus diesem Bereich verbannen. Die Wasserwirtschaft soll nach seinen Vorstellungen transparenter gemacht werden. Zwischen den Zeilen ist allerdings die Privatisierung selbstverständlich rauszulesen. So spricht beispielsweise der Verband kommunaler Unternehmen von einer “Liberalisierung durch die Hintertür”. Werden doch am Markt nur Dinge angegangen, die auch Gewinn bringen. Fakt ist jedoch zudem, dass viele Kommunen die Wasser- und Abwasserwerke quasi bereits teilprivatisiert haben. Die meisten unter ihnen gründeten eine GmbH, die zu 100 % im Besitz der Gemeinde ist. Bei einem allfälligen Verkauf jedoch erhielten meist die Energieversorger den Zuschlag. Dies hat zwei Hintergründe: Einerseits blieb die Gewerbesteuer in der Gemeinde, andererseits konnten sich verdiente Politiker wieder einen Sitz im Aufsichtsrat einheimsen. Andere wiederum verkauften den Bereich an amerikanische Trusts um ihn dann wieder zurückzupachten. Steuervorteile! Mei lieber Schorle – da klagen die Kommunen, dass sie zu wenig Geld vom Bund und den Ländern erhalten, nutzen dann aber solche Möglichkeiten, um das eigene Steueraufkommen möglichst gering zu halten! Die Frage zu klären, was an diesem System nicht stimmt, das überlasse ich gerne Ihnen!
Sollte es tatsächlich zu einer Privatisierung des Trinkwassers kommen, so dürfte die Entsorgung des Abwassers insofern kein Problem darstellen, als jeder Anbieter hier seinen Obulus zu entrichten hat. Somit wird sich auch dieser Faktor weiterhin auf den Wasserpreis auswirken. Wie jedoch sieht es mit den Instandhaltungen aus? Schliesslich wurden viele Zuleitungen während der Wiederaufbau- und Wirtschaftsaufschwungphase in den 50er und 60er Jahren errichtet. Die zuletzt eiskalten Winter zeigen es mitsamt ihrer Rohrbrüche allerorts auf: Viele Leitungen sind am Ende und müssen erneuert werden! Dies erfordert einen grossen Griff ins Portemonnaie. Übernehmen das die Gemeinden, haben die privaten Anbieter erneut einen Grund für den Aufschlag auf den Wasserpreis.
Doch wollten die Brüsseler Bürokraten hier nichts falsch machen und ermöglichten im Artikel 14 der Wasserrahmenrichtlinie die Bürgerbeteiligung. Sog. “Stakeholders” (interessierte Stellen, Vereinigungen oder Interessensvertretungen) könnten endlich aus dem Schattenreich hervortreten und reale Bürgervertretung machen. Allerdings scheint dies aufgrund des Unverständnisses der schimpfenden Bevölkerung für die Eröffnung einer Chance zu scheitern.
Bei den Wasserwerken selbst geht nun die Angst um. Hier war es Usus, ohne öffentliche Ausschreibungen Investitionen zu tätigen. So sind etwa zahlreiche grosse Anbieter an Offshore-Windanlagen beteiligt. Zumindest an den Planungen, denn schon mehrfach haben sich solche Projekte in weiterer Folge als warme Luft erwiesen, die nicht ausreicht, um darmit Strom zu produzieren. Aufgrund dieser Kostendeckungspflicht müssen gemäss Richtlinie Ausschreibungen getätigt werden, die dann allerdings wieder in die EU-Vorschriften für die Vergabe von Aufträgen fallen und in ganz Europa vereinheitlicht sind. Dadurch sollen die Verfahren fairer und transparenter werden. Dies gilt aber nicht nur für die Vergabe von Aufträgen, sondern ebenso für einen etwaigen Verkauf eines Wasserwerkes. Soweit auch das Resumee der deutschen Unterhändler in Brüssel. Diese Verhandlungsführer der Städte und Gemeinden zeichneten verantwortlich dafür, dass Barnier seine Richtlinie abschwächte: Nur jene Wasserwerke, die zumindest 20 % ihres Geschäftes ausserhalb der Stadtgrenzen machen, müssen bei einem Verkauf in ganz Europa ausgeschrieben werden. Aqua interruptus also offenbar in Brüssel. Ob nun eine Kommune das Wasser privatisiert oder nicht, bleibt voll und ganz ihr überlassen. Und – diese Tatsache birgt auch die grosse Gefahr – schätzungsweise 99 Prozent der deutschen und österreichischen Kommunen sind verschuldet. Inzwischen wird bereits das Familiensilber an den Mann gebracht. Viele könnten sich durch den Verkauf dieses kostenaufwendigen Bereiches eine bessere Bilanz vorstellen. Im ARD-Magazin MONITOR etwa wurde das Beispiel Pasos de Fereira (Portugal) gebracht. Nach der Privatisierung des Wassers gab es eine 400 %-ige Preissteigerung gefolgt von einem jährlichen Plus von 6 %!
Was dies alles jedoch mit der Grundüberlegung des nachhaltigen Umgangs mit der Ressource zu tun hat, darüber scheiden sich die Geister. Industriestaaten werden auch weiterhin verschwenderisch damit umgehen.
Nach Angaben der UNO (Weltwasserentwicklungsbericht) steigt der globale Wasserverbrauch dramatisch an. Und dies alles, da noch nie dermassen viele Menschen Zugriff auf sauberes Wasser hatten. Aufgrund dieser Vergeudung jedoch können auch die durch die Vollversammlung der UNO gesetzten Entwicklungsziele aus dem Jahr 2000 nicht umgesetzt werden. Hinzu kommt der steigende Verbrauch aufgrund des grossen Lebensmittelbedarfs, die immer weiter ansteigende Verstädterung und der Klimawandel. Apropos Klimawandel: Berechnungen haben ergeben, dass – sollte die Erderwärmung dermassen anhalten – die Gletscher in Peru und Bolivien komplett schmelzen werden. Was kommt dann aus den Wasserhähnen der Millionenstädte La Paz und Bolivia???
Klar ist die Vorstellung eines grünen Afrikas mit Getreidefeldern so weit das Auge reicht, wo einst der Sand sein Unwesen trieb, eine durchaus verlockende Vorstellung. Doch: Wer bezahlt die Wasserpipeline durch’s Mittelmeer? Wassertransporte, die – sollte die Entwicklung so weitergehen wie bisher – wertvoller sind als Benzin-Tanks! Immerhin haben nach wie vor 884 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser, jährlich sterben mehr als 2 Millionen Menschen daran. 1 Milliarde ist auf Grundwasserreserven angewiesen. In den vergangenen 50 Jahren hat sich die Entnahme von nicht mehr erneuerbarem Grundwasser (beispielsweise auch in Israel) verdreifacht. Was geschieht, wenn dieses plötzlich nicht mehr zur Verfügung stehen?
Wer übernimmt das Risiko, dass in einem politisch unsicheren Land irgendwelche Regime das Getreide lieber verbrennen, das Wasser lieber versickern lassen, als es der hungernden und durstenden Bevölkerung zu geben? Hilfslieferungen und Projekte werden ja heute bereits für die Armee und die Reichen missbraucht. Käme es da nicht günstiger, das Wasser etwa von Salzplantagen aufzufangen, Meerwasser zu entsalzen und damit die Äcker zu wässern als das Grundwasser aus dem damit gesegneten Norden irgendwie dorthin zu bringen, wo es gebraucht wird.
Doch nicht nur auf dem afrikanischen Kontinent muss dieses Problem gelöst werden. Auch in den Ländern Südeuropas wird Wasser immer knapper. So werden dort rund 80 % des edlen Nass in der Landwirtschaft verbraucht. Soweit eine kürzlich vorgestellt Studie der Europäischen Umweltagentur. Hinzu kommt der Tourismus, der gerade im Süden Spaniens seine Auswirkungen zeigt: Ausgerechnet in der heissesten Jahreszeit sind auch die meisten Gäste im Land, die den Wasserverbrauch in schwindelnde Höhen treiben. Doch in Spanien, Italien und vor allem auch in Griechenland werden Niederschläge im Sommer immer rarer. Damit steigt auch eine weitere Gefahr: Flächenbrände! Durch die Trockenheit brennt alles wie Zunder und verödet danach als Brachland. Immer öfter bohren deshalb die Bauern illegale Brunnen, damit die Produktion nicht gefährdet wird. Dies jedoch führt wieder zum Knappwerden des Trinkwassers – in nicht wenigen Gebieten muss dieses bereits rationiert werden.
Noch prekärer ist die Situation bei den Abwässern. Rund 80 % davon fliessen ungeklärt in die Flüsse bzw. das Meer. Zirka 2,6 Milliarden Menschen haben keine Toiletten. Haben Sie das alles schon mal in Erwägung gezogen, als sie die Spültaste Ihrer Toilette gedrückt haben? Ein Jugendlicher stellte kürzlich im österreichischen Fernsehen die Frage: Weshalb sollen wir in den Alpen Wasser sparen, wenn wir es im Überfluss haben? Vielleicht aufgrund der mühsamen Wiederaufbereitung?
Es klingt zwar komisch und auf jeden Fall hinterfragenswert, doch kann ich dadurch, dass ich nicht jeden Tag Fleisch esse, auch ein kleines bisschen dazu beitragen, dass vielleicht ein Mensch in Afrika oder Asien nicht verdurstet. Dieser Zusammenhang zwischen Ernährung und globalem Wasserhaushalt ist Inhalt der sog. “Nexus-Diskussion”. Dieses Thema spreche ich vielleicht in einem anderen Blog an, es würde heute den Rahmen sprengen! Wichtig zum Abschluss ist nur eine Tatsache: Jeder Deutsche bzw. Mitteleuropäer verbraucht im Schnitt (alle Verbräuche zusammengerechnet) täglich (!) 5.288 Liter Wasser – die Menge, die hierzulande im ganzen Jahr auf sechs Quadratmeter an Regen fällt. Achtet nun jeder darauf, den Verbrauch von Wasser, Energie und auch Nahrung bewusster wahrzunehmen, so kann jede einzelne Person verdammt viel zum besseren Leben und für so manch einen zum Überleben beitragen. Machen dies mehrere Millionen an einzelnen Personen, so könnten Lösungen präsentiert werden.

http://www.right2water.eu/de/node/5

https://www.campact.de/wasser/appell/teilnehmen/

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Wie eine Bombe

Alter Schwede – wie haben wir ihn in diesem Jahr verdient – den Frühling! Nachdem sich Frau Holle schon im Oktober warm arbeitete und Väterchen Frost nochmals im April vorbeischaute (er hatte Prinzessin Eiskristall vergessen), durften wir uns über 6 Monate der weissen Pracht freuen – Winter! Ein halbes Jahr heizen, ein halbes Jahr Schneeschaufel und Eiskratzer! Und ein halbes Jahr triefende Nasen, stechender Husten und tränende Augen! Jetzt im Frühling wird alles besser! Für so manch einen, für die anderen hingegen schlechter: Die Pollenallergiker! Während dem Einen der Hormonhaushalt ein Schnippchen schlägt, ist es bei dem Anderen das Immunsystem! Aufgrund der langen Kälte haben die Pflanzen ihren Winterschlaf verlängert. Kommen die ersten Pollen normalerweise bereits im März, so wurde die Reihenfolge weitestgehend gestoppt – jetzt folgt ein Massenstart!!! Experten raten deshalb dringend dazu, die Pollenflugtage genau zu berücksichtigen.
Dabei ist der allseits bekannte und gefürchtete “Heuschnupfen” nur eine der möglichen Allergieformen. Von Tierhaaren, über die Hausstaubmilbe und Lebensmittel, den Schimmelpilz, die Sonnenallergie bis hin zur Arbeitsplatz- und Insektengiftallerige. Ca. 30 % der Bevölkerung Deutschlands (ähnliche Zahlen gelten auch für Österreich und die Schweiz) sind allergiegeplagt, alleine 15 % durch den Heuschnupfen – Tendenz auch weiterhin steigend. So hat sich die Zahl der Allergiker in den letzten drei Jahrzehnten bereits verdreifacht. Aktuelle Untersuchungen sprechen von ca. 650.000 Kindern in Deutschland, die unter allergischem Asthma leiden – etwa 1 Million kämpft alljährlich mit dem Heuschnupfen. Weshalb die Allergien dermassen stark ansteigen, ist noch nicht wirklich geklärt. So führen dies die Wissenschaftler einerseits auf die zunehmende Umweltverschmutzung, andererseits hingegen auf Hygienemassnahmen zurück. Bei Kindern, die auf einem Bauernhof aufgewachsen sind, wurden wesentlich weniger allergische Erscheinungsformen vorgefunden als vergleichsweise bei ihren Altersgenossen aus der Stadt. Durch solcherart übertriebene Hygiene bekommt unser Immunsystem zu wenig zu tun. Zu wenig Gelegenheit, sich sozusagen “gesund” zu arbeiten. Das menschliche Immunsystem sollte also durchaus mit Schmutz und allergieauslösenden Stoffen konfrontiert werden – natürlich in Maßen! Zusätzlich spielt noch eine dritte Überlegung mit ein: Die Zufuhr von Antibiotika. Erhielt das Kind häufig Antibiotika im Kampf gegen Krankheitserreger, blieb das Immunsystem ebenfalls weitestgehend arbeitslos – es wurde ungenügend auf das spätere Leben vorbereitet. Nun ja – Ursache Nummer vier könnten Allergene aus dem heimischen Alltag sein: Wandfarbe, Möbelpolitur oder auch spezielle Weichmacher, die beispielsweise im Spielzeug oder bei Lebensmittelverpackungen vorkommen.
Die meisten Allergieformen sind “Sofortallergien”, soll heissen, sie treten innerhalb kürzester Zeit auf (binnen Minuten oder wenigen Stunden). Der Körper reagiert mit einem Feuerwerk von sog. “igE-Antikörper”, die für die Symptome verantwortlich zeichnen! Nur wenige Allergien weisen eine Spätreaktion auf. Hier werden innerhalb von 24 bis 72 Stunden vermehrt T-Lymphozyten gebildet, die den Feind abwehren sollen (Abwehrzellen). In beiden Versionen schaltet der Körper, im Speziellen das Immunsystem auf Defcon 1 – höchste Gefahr. Doch eigentlich sind die Allergene (mit Ausnahme der Pollen) ständig und überall zu finden und zumeist harmlos.
Die Geschichte des Heuschnupfens übrigens ist uralt. So berichten über eintausend Jahre alte Überlieferungen aus Persien vom sog. “Rosenschnupfen”. Die Pollenallergie betrifft vornehmlich die Schleimhäute. Es kommt zu brennenden, tränenden Augen (kann sich auch zu einer Bindehautentzündung entwickeln), triefende Nasen und Nies- bzw. Hustenreiz (asthmatischer Anfall) – aber auch zu Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Immer wieder wird dabei beobachtet, dass einmal betroffene Allergiker plötzlich zusätzlich eine andere Allergie aufbauen. So können Birkenpollen-Allergiker auch gegen die Pollen von Apfelbäumen reagieren. Dies resultiert aus der Tatsache, dass diese Allergene nahezu identische Proteinstrukturen haben. Der Mediziner bezeichnet das auch gerne als “Kreuzallergie”. Gegen die Pollenallergie anzukämpfen, ist sehr schwer – aber durchaus machbar. Zu Beginn steht ein Allergietest, wie etwa der Prick-Test. Hierbei findet der Arzt heraus, gegen welche Pollen der Betroffene allergisch reagiert. Ist dies bekannt, kann die einfachste Gegenmethode gewählt werden: An Tagen mit einer starken dementsprechenden Belastung den Aufenthalt im Freien stark einschränken! Etwas teurer erscheint schon die andere Massnahme: An starken Pollenflugtagen oder ganz allgemein – in’s Gebirge oder an’s Meer. Dann gibt es noch die Chemiekeule in Form von Antihistaminika. Oder: Wie wäre es denn mit einem Mittel aus der Natur: Indisches Lungenkraut (Adhatoda vasica)! Diese Pflanze findet schon seit langer Zeit in der indischen Heilkunst des Ayurvedas Einsatz. Sie mobilisiert das Immunsystem und entkrampft durch den enthaltenen Stoff “Vasicin” die Bronchien. Dadurch kann der Schleim besser abfliessen – der Betroffene kann leichter durchatmen. Das werde ich mal im uneigennützigen Selbsttest erproben!!!
Bei anderen Allergien kann es zu Problemen im Verdauungstrakt (Lebensmittelallergie) oder auch zu Auswirkungen auf der Haut kommen (Neurodermitis, Nesselsucht, Ekzeme,…). Rund 4 Mio Deutsche sind von der Neurodermitis betroffen. Bereits jedes achte Kind (!) leidet unter dieser Hautkrankheit, die zudem auch erblich bedingt sein kann. Diese Überempfindlichkeit des Immunsystems tritt zumeist schubweise auf die unterschiedlichsten Auslöser auf. Die sog. “Triggerfaktoren” können nun ebenfalls in Form von Pollen vorkommen oder in Nahrungsmitteln enthalten sein. Allerdings spielt uns ab und an auch unsere Psyche hierbei einen Streich: Stress, Druck aber auch Freude oder Zorn! Wie nun diese Auslöser agieren und wie die Reaktion darauf zustande kommt – dies ist wissenschaftlich noch weitestgehend unerforscht. Deshalb ist die Erkrankung auch nicht heilbar. Die ersten Ausbrüche allerdings sind meist in Form von Milchschorf bereits im Säuglingsalter auszumachen. Die Haut zeigt sich schuppig und trocken. Hier können feuchtigkeitsspendende Cremes oder Lotions helfen. Meist in der Nacht beginnt ein starker Juckreiz. Dadurch kann sich die betroffene Stelle entzünden – ein willkommenes Betätigungsfeld für so manche Bakterien und Viren (wie auch dem Herpes simplex-Virus). Der Arzt kann nur die äusseren Erscheinungsformen durch Kortisonsalben oder Antihistaminika behandeln. Allerdings kennt die Natur auch hier eine Möglichkeit: Johanniskraut! Es enthält den Stoff Hyperforin, das gegen viele Bakterienstämme wirkt, die bei zirka 90 % aller Neurodermitis-Patienten auftreten.
Auch die Nahrung kann Allergene beinhalten! Allergische Reaktionen in diesem Umfeld können durchaus lebensbedrohend sein. Erste Symptome zeigen sich zumeist schon wenige Minuten nach der Einnahme: Quaddeln, Hautrötungen, Erbrechen und Atemnot. Manches Mal können auch Durchfall und Kopfschmerzen einhergehen. Der Betroffene muss mit Kreislaufproblemen kämpfen – schlimmstenfalls endet dies in einem anaphylaktischen Schock. Diagnostiziert wird diese Allergieform zumeist durch Haut- oder Bluttests. Der Betroffene muss in weiterer Folge diese auslösenden Stoffe meiden, was keineswegs als Kinderspiel verstanden werden sollte, da unsere Lebensmittel sehr häufig eine Mischkulanz aus den unterschiedlichsten Grundstoffen darstellen. Es empfliehlt sich die ständige Mitnahme eines Notfall-Sets. Sehr gross ist auch die Gefahr einer Kreuzallergie mit dem Heuschnupfen.
Tja – leider machen zunehmend auch Tierhaare dem Menschen zu schaffen. Plötzlich wird der liebgewonnene vierbeinige Freund zur Persona non grata. Besonders verbreitet sind die Reaktionen auf Haare von Katze und Hund, aber auch Hamster oder Meerschweinchen. Die Erscheinungsform ist ein Dauerschnupfen (allergische Rhinitis). Übrigens können dies auch Vögel wie Papageien, Wellensittiche oder Kanarienvögel auslösen. Leider bleibt bei der Bekämpfung der Ursachen in den meisten Fällen nur die Verbannung des Haustieres. Versuchen können Sie es aber zuvor mit dem gründlichen Absaugen von Polstermöbeln und dem guten Zimmerlüften. Betroffene sollten übrigens auch beim Kleiderkauf auf ihre Allergie achten.
Eine der wohl lästigsten Allergien ist die Reaktion auf Hausstaubmilben. Der Haushalt kann noch so sauber geführt werden, diese Parasiten finden sich allerorts. Vornehmlich jedoch in Polstermöbeln, Teppichen und Bettmatratzen. Sie ernähren sich von menschlichen Hautschuppen – eigentlich ja etwas gutes! Allergiker reagieren nicht auf die Insekten selbst sondern auf deren Kot mit Dauerschnupfen und einer chronisch verstopften Nase mit ständigem Niesreiz. Eine Behandlung dieser Allergie ist nahezu unmöglich. Auf Matratzen können Antimilbenstoffe aus der Apotheke aufgetragen werden. Milbenundurchlässige Bezüge (Encasings), häufiges Saugen von Teppichböden und Waschen von Stofftieren – mehr kann hier nicht getan werden.
Immer ein Notfallset dabei haben sollten auch Insektengiftallergiker. Es reicht der an sich simple Stich einer Biene oder Wespe und schon befindet sich der Betroffene in Lebensgefahr. In den meisten Fällen nämlich erfolgt ein anaphylaktischer Schock. Eine solche Insektengiftallergie kann sich im Laufe des Lebens entwickeln. Deshalb sollten Stichstellen immer genau beobachtet und notfalls ein Arzt hinzugezogen werden. Im Notfallset befindet sich u.a. ein Kortisonpräparat und ein Antihistaminikum, möglicherweise auch eine Adrenalinspritze. Nur dies kann nach einem Stich einen vollständigen Kollaps verhindern.
Neben all diesen als “Allergien” bekannten Überempfindlichkeiten gibt es noch die sog. “Kontaktallergien”. Diese zeigen sich beispielsweise beim Berühren von Nickel oder Kosmetika meist durch Hautrötungen oder -ausschlag.
Wie schon zu Beginn dieser Ausführungen aufgezeigt, weiss die Wissenschaft nach wie vor nicht um die Ursachen dieser Fehlreaktionen des Körpers. Pollen etwa sind komplett harmlos, werden jedoch ebenso wie Viren oder Bakterien als Feind eingestuft und mit die grösstmoglichen Artillerie im Körper beschossen. Allergien entwickeln sich häufig. Als Kind stand ich etwa im Heustock und half den hiesigen Bauern beim Verteilen des Heus. Heutzutage undenkbar. Zudem setzt mir die Hausstaubmilbe stark zu – auch in Haushalten, wo man bildlich gesprochen “vom Fussboden essen kann”. Zudem meinen Genforscher, dass die Wahrscheinlichkeit bei 60 bis 80 Prozent liegt, wenn beide Elternteile unter derselben Allergie leiden, dass sich diese auch auf das Kind überträgt (Atopie). Die Allergien übrigens treten niemals beim ersten Kontakt auf. Während der Zeit der “symptomfreien Sensibilisierung” beschnuppert sozusagen das Immunsystem vorerst den vermeintlichen Feind. Hierbei werden die igE-Antikörper gebildet. Sie sind für die allergische Reaktion zuständig. Bei jedem Auftreffen des Allergens werden noch mehr Antikörper gebildet. Ausserdem wird durch die Mastzellen der Botenstoff “Histamin” ausgeschüttet. Aufgrund seiner Signalwirkung treten die typischen Symptome ein: Tränende Augen, triefende Nase, Ausschlag der Haut und die Erweiterung der Blutgefässe, damit mehr Antikörper transportiert werden können. Dadurch allerdings fällt der Blutdruck ab – es kann zum anaphylaktischen Schock kommen, bedingt durch einen Herz-Kreislauf-Kollaps und Herzrasen. Auch ein Atemstillstand kann dabei niemals ausgeschlossen werden. Hier hilft zumeist nurmehr die intravenöse Verabreichung von Adrenalin. Die ersten Anzeichen eines solchen “allergischen Schocks” sind:

Kalter Schweiss
Rötungen der Haut
Schwindel
Schwellungen
Unruhe und Herzrasen
Schneller Puls
Angst
Atemnot und
Kreislaufkollaps

Sollten diese Symptome auftreten, gilt es rasch zu handeln: Notruf 112 (in der Schweiz und Österreich auch 144) wählen, Schocklagerung des Betroffenen. Hierbei wird er flach auf den Boden gelegt, die Arme seitlich daneben und die Füsse hoch gelagert. Dadurch kann das Blut aus den Beinen wieder zurückfliessen. Dann Suche nach dem Notfallset, Verabreichung des Antihistaminikums bzw. von Glukokortikoid. Bleiben Sie auf jeden Fall in der Nähe des Betroffenen.
Vorbeugend sollten Verwandte und Bekannte gerade bei Lebensmittel- oder Insektenstichallergikern informiert sein, damit sie entsprechend handeln können, wenn der Notfall eintritt. Übrigens: Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem. Bei einer Unverträglichkeit von Lebensmitteln oder etwa Medikamenten rebelliert der Magen-Darm-Trakt – es kommt zu Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfen, Blähungen und Durchfall. Hier laufen also grundsätzlich andere Vorgänge ab! Auch Unverträglichkeiten sollten niemals verheimlicht werden, schliesslich ist der Gastgeber sicherlich mehr erzürnt, wenn kein Bissen des leckeren Essens den Weg auf die Gabel seines Gastes gefunden hat, als wenn vorher bekannt ist, dass beispielsweise eine Laktoseintoleranz vorliegt und somit die Milch beim Kochen weggelassen wird.

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Agent Provokateur

Ein altes Sprichwort sagt: “Hunde, die bellen, beissen nicht!” Nicht immer kann man Sprichwörter auch eins zu eins übertragen – schon gar nicht, wenn es sich nicht um instinktiv geführte Tiere sondern um irrational denkende Menschen handelt. Deshalb sollten die Meldungen aus Nordkorea durchaus ernst genommen werden – auch wenn es sich vielleicht um die grösste Show ever handelt.
So besagt eine Legende, dass der Sohn des Staatsgründers Kim Il-sung; Kim Jong-il, in einer armseligen Hütte auf dem Berg Paektu unter einem doppelten Regenbogen geboren wurde. Tatsächlich war es hingegen in einem Ausbildungslager in der Sowjetunion. Auch der Geburtstag Kim Il-sungs ist noch heute Nationalfeiertag und wird als “Tag der Sonne” bezeichnet. Märchenerzähler nahmen sich der Biographien seiner Nachfolger Kim Jong-il und Kim Jong-un an. Kim selbst wurde am 15. April 1912 in Mankeidai in der damaligen Provinz Korea des japanischen Kaiserreichs geboren. Sein Vater war zumindest zeitweise als Lehrer tätig, seine Mutter Tochter eines protestantischen Geistlichen.  Nachdem die Familie 1920 in die Mandschurei ausgewandert ist, wurde Kim 1929 als Mitglied einer anti-japanischen, marxistischen Vereinigung verhaftet. 1935 betätigte er sich als Politkommissar in der “Vereinigten Nordöstlichen Antijapanischen Armee”. Am 4. Juni 1937 führte Kim die 6. Division an, als diese in der “Schlacht von Pochonbo” einen Sieg über die Japaner erringen konnte. So stellt es die nordkoreanische Geschichtsschreibung dar. Tatsächlich war es ein Überfall von 180 Partisanen auf eine japanisch-stämmige Polizeistation – deren Stärke lag bei 30 Mann. Seit spätestens diesem Zeitpunkt hatte Kim den Ehrentitel “General”. Auf Druck der Japaner mussten die Partisanen jedoch in die Sowjetunion flüchten. Dort besuchte Kim Il-sung die Kommandeursschule der Roten Armee und soll auch an der Kesselschlacht von Stalingrad beteiligt gewesen sein (88. Schützenbrigade der Roten Armee). Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam er wieder in seine Heimat zurück, wo er durch die Sowjets als neuer starker Mann des Nordteils der Halbinsel eingesetzt wurde, da sowohl die koreanischen Nationalisten als auch die Kommunisten nicht im Sinne Stalins arbeiteten. Seither wird Nordkorea als “Diktatur des Volkes” geführt, in der das Volk durch die Partei und die Armee unterdrückt wird. Das Wort “Säuberung” löst Angst und Schrecken aus. Der Staatsgründer bleibt sog. “De-jure-Staatschef” (ewiger Präsident) auch über seinen Tod hinaus. Kim Il-sung verstarb 1994 angeblich in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjamg – tatsächlich jedoch in seinem Chalet Hyangsan in den Myohyang-san-Bergen.
Die “Demokratische Volksrepublik Korea” ist die letzte wirkliche stalinistische Diktatur. Die Machthaber verstehen sich selbst als die Fortführer des wahrhaftigen Marxismus. Ob dies Karl Marx auch so sehen würde? Alle Macht geht vom Führer, der Partei und der Armee aus. Diese leben wie die Maden im Speck – das Volk verhungert inzwischen auf den Feldern. Kritik ist unerwünscht. Jubelt man nicht den Mächtigen entgegen, so endet das Leben nicht selten in sog. “Umerziehungslagern”. Hier müssen die Inhaftierten Teile der 50-bändigen Schriftenreihe des Führers auswendig lernen. Ein Auswandern ist nicht möglich – ab und zu gelingt aber die Flucht. Im Jahre 1990 kamen noch 9 Flüchtling in Südkorea an – 2010 waren es bereits 2.423. Die meisten flüchten über China, da ein Überschreiten der Demarkationslinie (38. Breitengrad) nahezu unmöglich ist. In China sollen sich inzwischen bis zu 300.000 Nordkoreaner aufhalten – immer wieder werden einige abgeschoben – ihnen blühen in ihrer Heimat Folter und zumeist auch der Tod. Einwanderer gibt es nur vereinzelt, das Land besitzt den weltweit niedrigsten prozentualen Ausländeranteil. Störsender entlang der Grenzen verhindern den Empfang ausländischer Radio- und TV-Sender – vor allem jener aus Südkorea. Internet ist gänzlichst untersagt. So ist die Länderbezeichnung .kp zwar reserviert, wird jedoch so gut wie nie verwendet. Russland kappte schon zu Zeiten Chruschtschows die Unterstützung. Auch in Peking, dem letzten eigentlichen Verbündeten des südlichen Nachbarn ist man nicht immer ob des eigenwilligen Tuns der Kims zufrieden. V.a. seit dem ersten Atomtest im Jahre 2006. Nordkoreas Regierung ist uneinschätzbar. Als Kim Jong-il verstarb, ging die Welt eigentlich von einem Militärputsch aus. Schliesslich hat kein anderes Land dieser Erde ein im Vergleich zur Bevölkerung dermassen mannstarkes Militär. Jeder 20. Einwohner des Landes ist Militärangehöriger. Wie es Kim Jong-un dennoch geschafft hat, die Macht wieder auf sich zu konzentrieren bzw. wer ihn im Hintergrund lenkt, darüber scheiden sich die Geister! Die Dynastie der Kims sorgt bereits zu Lebzeiten für Nachfolger. So wird der mächtigste Sohn als Oberbefehlshaber der Armee eingesetzt. Ihm obliegt es, die Reihen der Nicht-Regimegetreuen im Waffendienst zu lichten und sich dadurch den Weg freizuhalten.
Das Kastensystem kennt drei Laden von Bürgern:
- Loyale Einwohner, “Genossen” der Partei, Arbeiter
- Schwankende Personen, Händler und Unternehmer
- Feindlich gesinnte Personen, pro-japanisch und amerikanisch eingestellte Einwohner sowie gläubige Buddhisten und Christen
Zwar gewährt die Verfassung die Möglichkeit der freien Ausübung der Religion, doch kann durch den Beisatz “Infiltration durch äussere Kräfte oder Verletzung der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung” gezielt dagegen vorgegangen werden.
Bis zur Annexion Koreas durch Japan im Jahr 1910 bildete die Halbinsel einen Staat. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Gebiet in die sowjetische Besatzungszone im Norden und die amerikanische im Süden aufgeteilt. Am
15. August 1947 wurde in Seoul die Unabhängigkeit des südlichen Teils der Halbinsel ausgerufen – am 09. September die Demokratische Volksrepublik im Norden proklamiert. Beide Staaten erkennen sich allerdings noch heute nicht an. Der Konflikt mit Südkorea läuft seit dem 25. Juni 1950, als Kim den Angriff auf Südkorea anordnete. Seine Truppen besetzten nahezu ganz Südkorea, bis die UNO einschritt und die Verbündeten des südlichen Teils (allen voran die USA) diese wieder bis zur chinesischen Grenze zurückdrängten. Dort kamen Kim schliesslich chinesische Truppen zu Hilfe. 1953 wurde ein Waffenstillstand ausgerufen – der Krieg jedoch nie als offiziell beendet erklärt. Die Feindschaft beider Länder erreichte ihren vorläufigen Höhepunkt, als Nordkorea den ersten Atomtest durchführte. Seither geht in Südkoreas Hauptstadt Seoul die Angst um. Schliesslich genügt die Reichweite von Mittelstreckenraketen, die an der Grenze abgefeuert, um dort Tod und Verderben bringen zu können.
Insgesamt wurden drei unterirdische Atomtests durchgeführt. Im April 2012 schliesslich erklärte sich Nordkorea ganz offiziell zur Atommacht. Eine Tatsache, die nicht nur den USA ganz und gar nicht in den Kram passt. Auch der bisherige Verbündete im Norden, China, befürchtet nun das Allerschlimmste. Die Welt atmete auf, als der Raketen-Langstreckentest 2012 im wahrsten Sinne des Wortes in’s Wasser fiel. V.a. die Militärs aus Nordamerika, schliesslich könnte mit einer solchen Langstreckenrakete aus Nordkorea Alaska, Hawaii oder auch die US-Westcoast erreicht werden.
Überhaupt gehören Drohgebärden offenbar zum nordkoreanischen Alltag. Verbalattacken sind immer wieder in den dortigen Medien zu hören, sehen und zu lesen. Immer mal wieder werden während Manövern Südkoreas mit den USA oder Japan Abwehrraketen gezündet, Truppen an den Grenzen zusammengerottet. Doch so weit wie nun Kim Jong-un – das schaffte damals nur sein Grossvater. Nordkorea hat den Waffenstillstand ganz offiziell aufgekündigt – die Zeichen stehen auf Krieg. Allerorts finden Militärparaden statt, bei welchen die Truppen mit erhobener Hand den Angriff fordern – “Lasst uns töten!” Satelliten bestätigen, dass es zu massiven Truppenaufmärschen kommt – Experten meinen jedoch, dass auch viel Pappmache dabei sein dürfte. Schliesslich hat das Land zwar eine der grössten Streitmächte dieser Welt, die Bewaffnung allerdings ist miserabel und veraltet. Teilweise wird noch auf Kriegsmaterial aus dem Korea-Krieg zurückgegriffen. Für neue Technik fehlt das Geld. Nordkorea hatte 2011 ein BIP pro Kopf von 2.250,- US-Dollar; im Vergleich dazu waren es in Südkorea 22.489,- US-Dollar (Zahlenquelle: Auswärtiges Amt Berlin). Sollte es tatsächlich zu einer bewaffneten Auseinandersetzung kommen, so ist durchaus davon auszugehen, dass Soldaten auch unbewaffnet an die vorderste Front geschickt werden. In der zweiten Reihe werden dann jene stehen, die die Desserteure erschiessen! Eine grauenvolle Vorstellung.
Umso wichtiger erschien Pjöngjang die Entwicklung der Atombombe. Mit einem Schlag ist Nordkorea ernst zu nehmen – so hat sich seit dem letzten Atomtest am 12. Februar auch der Ton der Verantwortlichen deutlich verschärft. Experten übrigens gehen davon aus, dass dieser Test gemeinsam mit dem Iran durchgeführt wurde, da er sich komplett von den anderen, bisherigen unterschieden hat. Eine ausgezeichnete Eindämmung sorgte dafür, dass nur wenig Radioaktivität an die Oberfläche kam. Daneben könnte es sich um eine Uran-Bombe gehandelt haben. Die letzten beiden waren Plutonium-Sprengkörper. Und hier schrillen die Sirenen laut auf, schliesslich verfügt das Land über sehr ansehnliche Uran-Vorkommen. Auch ein alter Atommeiler im Norden des Landes wurde wieder in Betrieb genommen werden. Sollte es hier zu einem Zwischenfall kommen, wäre zudem chinesisches Staatsgebiet verstrahlt.
Strategen und Politexperten erklären sich all das mit der derzeitigen verheerenden Wirtschaftslage des Landes. Der Westen soll nicht um Unterstützung gebeten werden – nein, das lässt der Nationalstolz der Kims, Choes und Paks nicht zu – er soll dazu gezwungen werden!!! Berechnungen ergaben einen Jahresbedarf von 5,3 Millionen Tonnen Getreide – eine Million Tonnen mehr als vorhanden. Die offiziellen täglichen Rationen wurden innerhalb weniger Jahre von 400 g auf 200 g Nahrungsmittel halbiert. Wären die Gelder für die Atombombenentwicklung für Nahrungsmittel verwendet worden, hätte zumindest die ärgste Not bekämpft werden können. Etwaige Handelspartner, wie die UdSSR, fielen nach dem Zusammenbruch des Ostblocks weg. In der westlichen Hemisphäre gilt Nordkorea als ein Schurkenstaat. Die Partei- und Armee-Spitze bekommt von dieser Armut rein gar nichts mit. Sie wohnt in prunkvollen Villen mit riesigen Autoparks und lässt es sich mehr als gut gehen. Kim Jong-il etwa hatte zwei identische, gepanzerte Zugsgarnituren, die ständig beide unterwegs waren. So auch, als er Russland besuchte. Einerseits hatte er riesige Angst vor dem Fliegen – andererseits vor Attentaten. Eine dieser Garnituren war ein Geschenk Stalins, die andere ein Nachbau. In den Zügen sollen regelrechte Orgien stattgefunden haben, war doch der zuerst “Geliebte Führer”, dann der “Grosse Führer” kein Kind von Traurigkeit. Wein, Weib und Gesang dürften schliesslich auch am 17. Dezember 2011 zum Herzinfarkt Kims im Zug geführt haben. Ein edler französischer Cognac-Hersteller brüstete sich zuvor damit, dass Kim Jong-il zu seinen Grossabnehmern zählte. Der Personenkult um die drei Kims zieht inzwischen gar bizarre Kreise: 2012 wurden nach Angaben des südkoreanischen Ministeriums für Wiedervereinigung nicht weniger als 32 Millionen US-Dollar nur für Portraits und Statuen der Kims ausgegeben! In jedem Haus des Landes muss ein Bild der beiden verstorbenen Machthaber hängen. Der Rest des Geldes fliesst in’s Militär: So soll für das Raketenprogramm inzwischen mehr als 1 Milliarde US-Dollar ausgegeben worden sein. Das Ergebnis stürzte beim alles entscheidenden Test am 15. Dezember 2012 in die Fluten des Ozeans. Das Parlament hat nun zudem einem Weltraumentwicklungsprogramm zugestimmt. Obwohl zuletzt nach Schätzungen das BIP gesteigert werden konnte, riss eine Hungersnot in den 90er-Jahren das Land in den Abgrund. Eine UN-Untersuchungskommission mit Vertretern aus mehreren unterschiedlichen Abteilungen kam 2011 zu dem Ergebnis, dass rund 6 Mio Nordkoreaner vom Hunger bedroht sind. Hilfslieferungen jedoch würden durch Politiker und Armee zweckentfremdet.
Der Tropfen, der das Fass nun zum Überlaufen bringen könnte, dürfte die Industrieregion Kaesöng werden. Dort sind zahlreiche Unternehmen angesiedelt, die während der Annäherungspolitik Nord- und Südkoreas Anfang des Jahrtausends aufgebaut wurden – federführend war der südkoreanische Ministerpräsident Kim Dae-jung tätig. Rund 900 Süd- und 50.000 Nordkoreaner arbeiten hier auf nordkoreanischem Boden für nicht weniger als 123 Unternehmen aus dem Süden. Kim Jong-un hat nun die Grenze dicht gemacht. Einreisen sind nicht mehr möglich – den Arbeitern aus dem Süden hat er zwar die Ausreise zugesichert, doch dauert dies mehr als lang. In Seoul betont Präsidentin Park Geun-hye unterdessen, man werde die Landsleute rausholen! Wenn es sein muss auch mit Waffengewalt. Sie hat ihre Truppen angewiesen, auf jede militärische Provokation aus dem Norden unmittelbar zu reagieren. Die Militärs Südkoreas, Japans und der USA sind in erhöhter Alarmbereitschaft, Kriegsschiffe kreuzen im japanischen und ostchinesischen Meer. Auf allen Inseln rund um Nordkorea, aber auch auf dem südkoreanischen Festland werden Patriot-Raketenstellungen eingerichtet. Nach Angaben von Samuel Locklear, dem Kommandeur der US-Streitkräfte für den asiatisch-pazifischen Raum, werde die Situation derzeit sehr genau beobachtet. Das riesige Radarsystem SBX-1 zeigt jegliche Flugbewegung, Spionagesatelliten beleuchten jedwede Veränderung innerhalb des Landes, Tarnkappenbomber B-2 Spirit und Tarnkappenjäger F-22 warten auf den Einsatzbefehl. Noch sind es grossangelegte Manöver!
Derweil ist aus Kim Jong-uns Mund zu hören, dass sowohl die Entwicklung von Kernwaffen als auch die Reaktivierung eines Schrott-Atommeilers im Norden zur Grundlage für “Frieden und Wohlstand” im Land zähle. Ein Kernwaffenarsenal schrecke schliesslich andere Länder vor einem Angriff ab. Im dort verabschiedeten Beschluss “zur Festigung der Position des Landes als Atomwaffenstaat zur Selbstverteidigung” heisst es, dass man hiermit auf die “feindseilige Politik der USA” reagiert habe. Setze sich die rücksichtslose Politik der Amerikaner fort, so werde man “erbarmungslos das US-Festland und die Militärstützpunkte auf den Pazifik-Inseln Guam und Hawaii sowie deren Stützpunkte in Südkorea angreifen” (KIm Jong-un auf KCNA). Russland hat inzwischen besorgt reagiert und vor “militärischen Muskelspielen” auf der Halbinsel gewarnt. Die Welt setzt ihre Hoffnungen auf Peking, auch wenn die Chinesen langsam die Schnauze voll haben, den ungezogenen Burschen im Süden ständig massregeln zu müssen.

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