Archive for Mai, 2013

Wegen Überfüllung geschlossen!

Die Hörsäle sind bis auf den letzten Platz gefüllt, die Prüfer können es sich offenbar nach wie vor erlauben, bei den Teilprüfungen gross reine zu machen – oder doch nicht? Vorbei sind die Zeiten, als lange auf einen Turnusplatz gewartet werden musste und Herr Doktor Taxi fuhr – allerdings nicht als Fahrgast! Wir blicken somit in eine mehr als fragwürdige Zukunft, denn fehlt in den Krankenhäusern der medizinische Nachwuchs, wird sich dies auch in absehbarer Zeit auf den niedergelassenen Bereich auswirken. Hinzu kommt noch erschwerend, dass viele derzeit noch praktizierenden Mediziner inzwischen älter als 60 Jahre sind – nahezu jede vierte Hausarztpraxis wird in den kommenden Jahren schliessen (66.830 niedergelassene Ärzte setzen sich bis 2020 in Deutschland zur Ruhe). Vor allem am Land droht ein massiver Ärztemangel! Und dies obwohl zuletzt bundesweit die Quote angestiegen ist: 1990 kamen auf 100.000 Einwohner 30 Mediziner, 2007 waren es 38. Die Zahl der Praxen erhöhte sich von 92.000 auf gar 138.000! Doch machen diese Zahlen das Problem umso deutlicher.
Dabei gibt es alle Hände voll zu tun. Wartezeiten von einer teils gar zwei Stunden, die Magazine im Wartezimmer sind schon in- und auswendig bekannt – ganz normal, sucht man den Hausarzt seines Vertrauens auf. Durch die Verlängerung der Lebensdauer wird die Arbeit der Ärzte auch weiterhin zunehmen. Konträr dazu sinkt die Zahl der Allgemeinmediziner drastisch. Mit diesem Problem muss sich auch die Politik beschäftigen, obwohl gerade hier viel versprochen und nur wenig eingehalten wird. Die Folge: Weite Anfahrtswege und noch längere Wartezeiten! Dies zu einer Zeit, in welcher vermehrt die Krankenhäuser wieder Kompetenzen (Nachuntersuchungen beispielsweise) an die niedergelassenen Ärzte abgeben, damit die Anzahl der Betten möglichst gering gehalten werden kann (Lenkung der Patientenströme). Doch beisst sich hierbei die Katze in den eigenen Schwanz: Bereitschaftsdienste und Notärzte sind immer öfter unterbesetzt, sodass sich vermehrt ambulante Patienten direkt an die Kliniken wenden. Ambulanzen jedoch binden viel medizinisches Fachpersonal. Deshalb gehen manche Krankenhäuser bereits dazu über, Ambulante Erstversorgungseinheiten einzurichten. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass rund 40 % der Patienten an die Hausärzte verwiesen werden können. Um die Situation bei den Notdiensten zu entschärfen, will die Kassenärztliche Vereinigung zudem ab 2015 in Deutschland auch Radiologen, Pathologen bzw. andere fachfremde Ärzte zu Bereitschaftsdiensten verpflichten. In Bayern etwa dürfen Ärzte, die das 60. Lebensjahr überschritten haben, nicht mehr für Bereitschaftsdienste eingesetzt werden.
Das Übel liegt wohl darin, dass der Beruf eines Allgemeinmediziners immer unattraktiver wird. Geregelte Arbeitszeiten, Karriereleiter, Reichtum – all das bleibt für den Landarzt meist nur ein Wunschtraum. An Forschung ist gar nicht zu denken. Deshalb konzentrieren sich die Kommilitonen bereits während der Ausbildung auf eine Fachrichtung. Hier bleiben alle Türen offen, jene der eigenen Praxis ist vielleicht die letzte! In der Bayerischen Landesärztekammer wird durchaus das Thema “Pharmaunternehmen” diskutiert. Diese benötigen Experten – das bedeutet dann zumeist grosse Karriere für bereits junge Studienabgänger. Zudem erfordert die Allgemeinmedizin eine lebenslange Weiterbildung, mehrere Umzüge und verschiedene Stellenwechsel. Bei der Ärztekammer spricht man von im Schnitt 15 Jahren, bis sich der Allgemeinmediziner niederlässt und endlich seine eigene Praxis aufmacht. Apropos eigene Praxis: Viele scheuen sich vor den horrenden Kosten. So müssen für eine Praxis-Neugründung durchaus 200-300.000 € flüssig gemacht werden. Deshalb gibt es immer mehr Ärztehäuser oder Gemeinschaftspraxen, sodass etwa die Verwaltung so gering als möglich gehalten werden kann. Und gerade dieser Aufwand ist nicht unerheblich. In den Niederlanden schreiben sich alle Patienten im Einzugsgebiet eines Landarztes ein – dadurch erhält dieser eine Grundfinanzierung. Das Modell würde der Bund der Deutschen Hausärzte gerne übernehmen, doch verweigern sich hier die Kassenärztlichen Vereinigungen. Hinzu kommt ferner der Freizeitfaktor. Gerade bei jungen Ärzten sehr entscheidend für die Wahl der Fachrichtung. Und die Möglichkeit der Privatpatienten im städtischen Bereich – nicht zu verachten! So verlangt beispielsweise ein Facharzt für eine Behandlung wesentlich mehr als der Allgemeinmediziner.
Auch im Bereich der Krankenhäuser ist Feuer am Dach. Es fehlt der Nachwuchs. Nach Insider-Angaben sind es beispielsweise in Wien zumindest 80 Mediziner, die sofort eingestellt werden könnten. Nach Angaben des Deutschen Krankenhausinstituts werden im Jahr 2019 bis zu 37.000 Stellen nicht besetzt sein. Wartete früher ein junger Arzt sehr lange auf einen Turnusplatz, so bleiben inzwischen viele dieser Plätze leer. Von Medizinerschwemme also keine Spur mehr. Während vereinzelt in deutschen Landen bereits Weiterbildungsverbünde geschaffen werden, zu welchen sich Kliniken und Fachärzte zusammenschliessen, versucht man es in Österreich mit einem Wohlfühlfaktor bei den Klinikärzten: Verbesserung der Arbeitsbedingungen, klare Ausbildungsrichtlinien und schliesslich eine Gehaltsreform. Dies jedoch behagt dem zu Niedriglöhnen arbeitenden Pflegepersonal nicht. Trotzdem: Aufgrund des Personalnotstandes sind für einen Klinikarzt 60-97 Wochenstunden, grosse Teile sogar als Dauerdienst, keine Seltenheit! Gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeiten: Was ist das!?
Doch auch eine weitere Berufssparte blickt mit Sorgenfalten in die Zukunft: Die Apotheker! 90 % der Patienten kaufen ihre Medikamente bzw. lösen ihre Rezepte dort ein, wo sie zum Arzt gehen. Gibt es immer weniger Arztpraxen auf dem Land, sperren auch mehr Apotheken zu. Und hier schlägt sich die Gesundheitspolitik wiederum selbst in’s Gesicht: Während in der Stadt die Zahl der Apotheken von der Bevölkerung abhängt, betreiben etwa in vielen Teilen Österreichs die Landärzte selbst Hausapotheken. Dies wurde nun gelockert, sodass sich auch vermehrt Apotheker Standorte am Land suchen können. Sie nehmen jedoch dem Landarzt die Kundschaft für das sehr lukrative Hausapothekengeschäft weg. Nur eine Praxis – für viele deshalb unrentabel. Mit ein Faktor, weshalb viele Landärzte keine Nachfolger finden und die Praxen verwaisen. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung stehen deutschlandweit über 3.000 Hausarztpraxen leer. Inklusive der Kinderärzte würden bereits derzeit schon 7.000 Mediziner benötigt – v.a. in Ostdeutschland, Niedersachsen und Bayern. Und es wird noch schlimmer: Nach dem MLP-Gesundheitsreport 2012/13 der Bundesärztekammer rechnen 72 % der niedergelassenen Ärzte mit einer “schwierigen bis sehr schwierigen Nachfolgeregelung”. Um dieser Problematik entgegenzuwirken, wurde 2012 das sog. “Landarztgesetz” (GKV-Versorgungsstruktur-Gesetz) geschaffen, wodurch junge Ärzte und -innen dazu motiviert werden sollen, Landarztpraxen zu übernehmen. Zwingen freilich kann sie niemand. In Niedersachsen übernehmen in der Zwischenzeit viele Hausbesuche Arzthelferinnen, die zu nicht-ärztlichen Praxisassistentinnen ausgebildet wurden. So etwa bei älteren oder chronisch kranken Patienten. Doch streiten sich die Kassen derzeit über die Kostenübernahme. Viele der noch praktizierenden Hausärzte kennen eine zusätzliche Ursache für die Misere: Die Vernachlässigung der Hausarztmedizin gegenüber der technischen Medizin! Klar, dass ein Chirurg in der Notfallambulanz eines Krankenhauses eine Operation empfiehlt, der Hausarzt diese jedoch meist als letzte Möglichkeit ansieht. Haben Sie etwa gewusst, dass heisses Sprite ohne Kohlensäure und eine heisse Wärmflasche gegen Gastritis helfen kann? Den Tipp erhielt ich von einem Landarzt!
Noch prekärer übrigens ist die Situation bei den Ärzten im Öffentlichen Gesundheitswesen. Zwischen 2000 und 2011 sank deren Zahl um zirka 20 %. Kein Wunder, erhalten sie doch rund 900 € monatlich weniger als ihre Kollegen in den Krankenhäusern. Positiv allerdings sind die geregelten Arbeitszeiten. Dieses Loch, das sich hier auftut, wurde bislang von den meisten Lokalpolitikern noch gar nicht gesehen. Einher geht eine ernst zu nehmende Überalterung: So waren bundesweit im Jahr 2011 nur 11 Fachärzte jünger als 40 Jahre. In diesem Bereich werden jedoch Präventions- und Infektionsmassnahmen ausgearbeitet, Hygienestandards bestimmt sowie Beratungs- und Überwachungstätigkeiten absolviert – wichtige medizinische Teilbereiche! Ein hier bestehender Engpass könnte sich v.a. in der Infektionsabwehr fatal auswirken, betonen die Gewerkschaft Marburger Bund (MB) und der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) unisono.
Damit die medizinische Grundversorgung nicht komplett zusammenbricht, wird nun Werbung in den EU-Krisenländern gemacht. Deutsche Ärzte wandern aufgrund des besseren Verdienstes in die nördlicheren Länder wie Grossbritannien, den Niederlanden, Norwegen und Schweden ab. So lockt beispielsweise das Land Carl Gustavs deutsche Meidziner mit überschaubaren Schichten (40 Stunden pro Woche – 18 Stunden am Stück dürfen nicht überschritten werden), bezahlten Überstunden und vier Wochen Sommerurlaub. Sprachkurse werden bezahlt, Kinder betreut und die Wohnungssuche vom Krankenhaus durchgeführt. 2010 nutzten dieses Angebot 55 deutsche Ärzte. Doch geht es ihnen nicht um den Verdienst. So ergab eine vergleichende Studie der Unternehmensberatung KPMG im Sommer 2011, dass das kaufkraftbereinigte Nettoeinkommen von Ärzten mit drei bis fünf Jahren Berufserfahrung in Schweden bei 28 – 32.000 € liegt, bei deutschen hingegen bei 32 – 40.000 €. Somit gibt das Arbeitsumfeld den Ausschlag.
Hierzulande sollen die ansonsten leerstehenden Arztpraxen mit Spaniern, Italienern und Griechen zu neuem Leben erweckt werden. Doch gibt es ungeahnt viele Hürden, die in Schweden alsdann nicht bestehen: Einerseits die deutsche Sprache, die in den meisten Fällen erlernt werden muss (Absolvierung des Sprachtests zur Patientenkommunikation) und andererseits die Anerkennung des ausländischen Studiums – die Approbation. Die Anmeldung bei der Landesärztekammer ist selbstverständlich. In Deutschland gilt der Freistaat Thüringen als Vorzeigemodell. Im vergangenen Jahr waren hier 1002 ausländische Ärzte tätig (74 ambulant, 863 stationär), 2010 waren es noch 666. Auch im Klinik-Bereich v.a. in der Provinz trifft man vermehrt auf ausländische Ärzte. Das Manager Magazin spricht sogar von einer “Einwanderungswelle im OP”! Die Krankenhäuser hingegen griffen vornehmlich auf Kollegen aus Österreich zurück. Ob diese den Sprachtest auch absolvieren mussten, entzieht sich der Kenntnis des Schreiberlings. Sie allerdings fehlen dann wieder im Alpenstaat. So ist mir beispielsweise aufgefallen, dass in der Bundesländer-Sendung “Tirol heute” interviewte Ärzte zu 90 % deutsches Hochdeutsch sprechen – bei Innsbruck handelt es sich um ein Universitätsklinikum! D.h. die Masse kann ziehen, die Spezialisten werden aus Deutschland geholt. Das jedoch führt zum Kernproblem der Situation: Der Ausdünnung eines ganzen Berufsstandes! Noch merkt der Patient davon nur sehr wenig, wie eine Studie der Barmer GEK und der Bertelsmann-Stiftung ergab. Demnach sind in der Stadt 85 und am Land 81 % mit dem Zugang zu Hausärzten zufrieden. Doch – schliesst der eigene Hausarzt, platzt zumeist diese Luftblase!

Alle Zahlen kommen aus Deutschland, mit Ausnahme der speziell für Österreich bezeichneten!

Interessante Weblinks:
www.doc2have.de
www.indeed.de/Jobs?q=arzt&l=

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Erster Porno? Mit zehn….

Madonna erscheint zu den Billboard Awards in Strapsen, Jennifer Lopez räkelt sich in ihrem aktuellen Video lasziv am Strand. Keine Frage: Sex sells, exhibitionistische Körperlichkeit wird zum Verkauf von Autos, Akkuschraubern und Gummistiefeln verwendet und macht sich dort ausgezeichnet. Ganz nach dem Motto: Echte Männer bekommen nur mit diesem Produkt die hübschesten Frauen!!! Liz Hurley – darf ich Dich mit meinem neuen Schraubenzieher aus Titan locken??? Mit nackter Haut kann eigentlich alles verkauft werden, auch Haftpulver für die Dritten! Bislang stellte sich nur die Frage: Wo liegt die Grenze! Frauenverbände machen inzwischen mobil: In Zeitungen, Magazinen, auf Plakatwänden, im Fernsehen – allerorts sind die Bikini-Schönheiten zu sehen. Etwas viel nacktes Fleisch auf einmal! Vor allem für die heranwachsenden Kinder – die negative Seite dieser “Sexualisierung der Medien”! Auch wenn es für erwachsene Männeraugen immer wieder schön ist, einen solchen Hingucker serviert zu bekommen. War in den 70er-Jahren des vorhergehenden Jahrhunderts noch ein gewisser Teil der Kataloge der Versandhäuser tabu für die Kleinen, so hat sich dies in kürzester Zeit geändert. Die Werbe- und Medienwelt ist vielfältiger und zu einem Milliarden-Euro-Geschäft geworden! Da sind Fehler unverzeihbar, denn schliesslich geht es um die Gewinnmaximierung! Die Verkaufszahlen müssen stimmen, die Clicks im Internet sind Gold wert. Das Alter der Konsumenten? Nein, da kann bei Gott keine Rücksicht genommen werden.
Ist schliesslich die Grenze zum landläufigen “guten Geschmack” überschritten, so sind wir plötzlich in einem anderen Metier: Der Sex- bzw. Pornobranche. Auch sie ist millionenschwer und heiss begehrt, wenn auch in einem etwas anderen Sinn. Doch waren es zu Zeiten der Aufklärungsfilme á la Oswald Kolle vornehmlich erwachsene Männer, die sich derartige Filme bestellten oder später in die meist abgetrennten Räume der Videotheken gingen, so hat sich dies in den letzten Jahren ebenfalls stark verändert. Das Internet macht’s möglich!!! Noch nie war es dermassen einfach, an pornographisches Material zu gelangen. Nicht überall im Ausland gelten Altersbeschränkungen, sodass Jugendliche ohne viel Brimborium auf Einschlägiges zugreifen können. Google zeigt bei der Eingabe “Porno” innerhalb von 0,16 Sekunden nicht weniger als 834 Millionen Ergebnisse! Während die Videos und DVDs langsam aus den Regalen verschwinden, verzeichnen die Anbieter im Worldwide Web Millionen Zugriffe. Allerdings auch weit ausserhalb der eigentlichen Zielgruppe. Im Durchschnitt hat jeder 13-jährige Jugendliche schon mal ein Sex- oder Porno-Vid gesehen. Manche früher, nur wenige später. Was vor noch gar nicht allzu langer Zeit mit teurer Internet-Security-Software versucht wurde, für den Nachwuchs unmöglich zu machen, ist heute mit nur wenigen Clicks frei einzusehen. Pornos gehören in der Gegenwart zum Medienalltag bei v.a. männlichen Jugendlichen, soweit auch das Ergebnis der Studie “Porno im Web 2.0″.
Oral, anal, im Dreier oder besonders beliebt – Gang Bang! Schon längst keine Fremdwörter mehr unter den Teens und Twens. Auch wenn nicht alle der jungen User so versiert sind, die Passwörter zu knacken, so stellt jeder Anbieter kostenlose Werbeclips zur Verfügung, die selbstverständlich Hunger nach mehr und damit dem zu zahlenden Bereich machen sollen. Solche Video-Plattformen sind nicht nur versteckt zuhause, sondern über das Smart-Phone auch während der Pause im Schulhof sehr beliebt. Und Grenzen – die gibt’s schon lange nicht mehr.

http://www.youtube.com/watch?v=V9zO3PJPieg

Befragt nach den Hintergründen, werden vornehmlich zwei Faktoren in genau dieser Reihenfolge genannt: Erlernen der Sexualität und sexuelle Erregung! Hinzu kommt noch die soziale Ausgrenzung für all jene, die dies verweigern. Dabei allerdings besteht die Gefahr, dass der Jugendliche den Streifen als durchaus ernst und realitätsnah empfindet. Dass die meisten Pornodarsteller Schauspieler (wenn auch zumeist sehr schlechte aber denoch) sind, entgeht vielen. Sie stecken mitten in der Pubertät, sind stark an derartigem Material interessiert und neigen durchaus zu einem Realitätsverlust (wie auch bei Computerspielen oder auf Social Networks beispielsweise zu erkennen ist). Szenen, seien sie noch so pervers, werden als selbstverständlich betrachtet. Dass beispielsweise nicht jeder Mann/jede Frau Oral- oder Anal-Sex favorisieren, wird dabei nicht bedacht. Dass der Sex zwischen zwei Menschen eigentlich etwas sehr intimes ist, das ist doch eigentlich eine uralte Legende. In den Filmen treiben’s ja auch fünf oder mehr Paare gleichzeitig. Tja und dass Gewalt oder auch nur der Zwang im wahren Leben strafbar ist, geht aus den meisten Filmen gar nicht hervor. So werden zum Jausenbrot Vergewaltigungsszenen angesehen, die im wirklichen Alltag nichts zu suchen haben. Ob jener Fall von Pfingsten hierauf zurückgeführt werden kann, bei welchem ein 13-jähriger in Kärnten eine 8-jährige vergewaltigte, gilt es noch zu klären.
Lernt nun ein pornoverwöhnter Jugendlicher ein Mädchen kennen, ist es für ihn vielleicht ganz normal, dass vor dem eigentlichen Geschlechtsakt noch Hand oder Mund angelegt wird. Ist ja in den Filmen immer wieder so zu sehen. Oder das sog. “DP” (Double Penetration – der Dreier) – in den Vids gang und gebe, verleiht es einem Seher vielleicht auch den absoluten Kick. Es gab in früheren Zeiten mal Träume und Wünsche, die verborgen blieben und auch niemals umgesetzt wurden, da sie schliesslich doch an moralischen Überlegungen scheitern. Die Filme hingegen machen daraus Selbstverständlichkeiten. Und mit solchen Selbstverständlichkeiten wachsen sehr viele Jugendliche (nicht nur männliche) auf. Es werden vermehrt Tabus gebrochen, die vielleicht nicht mal bewusst übergangen werden, für die aber der Gesetzgeber klare Vorgaben aufzeigt.
Einerseits sollte das Strafrecht hier eine klare Linie ziehen, die nicht überschritten werden darf. Im Gesetz wird von “Personen im schutzwürdigen Alter” gesprochen. Wer pornographische Schriften,… öffentlich an einem Ort, der Personen unter 18 Jahren zugänglich ist, oder von ihnen eingesehen werden kann,… ist mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr oder mit Geldstrafe zu bestrafen (§ 184 StGB in Deutschland). Ähnliches ist auch im Art. 197 des Schweizerischen Strafgesetzbuches nachzulesen – hier jedoch bei unter 16-jährigen und mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bzw. ebenfalls einer Geldstrafe. Ein orgiastisches Feuerwerk der legislativen Wortwahl möchte ich Ihnen nicht vorenthalten – der Ausschnitt entstammt dem Art. II § 10 des österreichischen Pornografiegesetzes:

“Die Bezirksverwaltungsbehörde kann von Amts wegen oder auf Antrag einer Behörde sowie einer Person, die ein berechtigtes Interesse nachweist, für ihren Amtsbereich bestimmte Druckwerke – ausgenommen Laufbilder -, die geeignet sind, die sittliche, geistige oder gesundheitliche Entwicklung jugendlicher Personen, insbesondere durch Verleitung zu Gewalttaten oder zu strafbaren Handlungen aller Art, durch Reizung der Lüsternheit oder durch Irreleitung des Geschlechtstriebes, schädlich zu beeinflussen, von jeder Verbreitung an Personen unter 16 Jahren ausschließen und ihren Vertrieb durch Straßenverkauf oder Zeitungsverschleißer sowie ihr Ausstellen, Aushängen oder Anschlagen an Orten, wo sie auch Personen unter 16 Jahren zugänglich sind, überhaupt untersagen.”

Reizung der Lüsternheit! Da hat wohl die alte k.u.k. Beamtenschar noch die Vorgaben für dieses Gesetz geliefert! Herrschaften, sagt’s doch bitte, was Ihr meint: No porns for teenyboppers (mit “B” nicht mit “P”)! Aber im Ernst: Hiermit sollte nicht gespasst werden, fällt doch auch das derzeit so trendige “Sexting” ebenso in diesen Bereich. Dies ist die Weiterverbreitung eindeutiger Fotos über Handy oder via Mail! So ist es cool, die Ex mal dermassen zur Schau zu stellen! Mit diesem Spass oder einem Anflug von Rache kann man jedoch das komplette Leben der entsprechenden Person zerstören. Denn: Was einmal im Internet, bleibt immer im Internet! Deshalb ist es durchaus legitim, wenn hier das Gesetz mit voller Härte durchgreift.
Stellen Sie sich vor, Sie entdecken etwas im Datenhighway, das sie vorher nicht gekannt haben. Neigen sie nicht zu Pauschalierungen? Entwickeln nicht auch sie eine Normalisierungsstrategie? Dito (nein – nicht “Dildo”!) bei Kindern, die vielleicht selbst noch gar nicht sexuell aktiv sind, jedoch die grosse weite Welt des Pornos im Internet entdeckt haben! Eine solche vorzeitige Auseinandersetzung mit diesem Thema birgt mehrere Gefahren in sich. Wie bereits beschrieben, entfällt das Intime am Sex, zudem auch der Spass an der Erotik. Praktiken werden als normal angesehen, obwohl sie es gar nicht sind. Auch Extreme wie SM, Natursekt oder gar Sodomie werden zwar grossteils abgelehnt, allerdings durchaus als mögliche Alternative in Erwägung gezogen. Die meisten weisen gottlob noch die Kinderpornographie zurück. Gewalt erreicht aber den Status der Selbstverständlichkeit, denn schliesslich “wollen sie es ja alle!” Der Mensch ist ein ständig notgeiler Zeitgenosse mit nur einem Ziel: Poppen bis sich die Balken biegen! Gangbangs werden im wahren Leben nicht selten zu Gruppenvergewaltigungen.
Doch verweilen wir noch etwas bei jenen, die “normal” bleiben: Auch deren Sexualverhalten, die Geschlechterrollen und das Wertebild ändern sich ganz entscheidend. Männliche Jugendliche werden zu dominanten “Top-Leistern”, die immer und lange können müssen, denn schliesslich dauert ja auch ein solcher Sexstreifen eine halbe bis dreiviertel Stunde. Junge Mädchen, die bereits im Alter von 13 Jahren mit über 30 “Männern” im Bett waren – denn: Nur wer es mit wirklich vielen treibt, ist cool! So zeigt es ja auch das dargestellte Bild männlich-sexueller Präferenzen auf. Frauenfeindlichkeit und Hegenomie lösen die Gleichberechtigung und das “Sich-Ergänzen” in einer Beziehung ab, Aggression und Sexualität werden sehr häufig verknüpft.
Dabei zeigt sich jedoch das Rollenbild als durchaus dichotom: Während Burschen, die mit vielen Mädchen in die Kiste hüpfen, als “Checker” bezeichnet werden, sind vergleichbare Mädchen häufig die “Schlampen”, die aber dennoch zur “coolen Gruppe” gehören, zu welcher auch die anderen Mädchen gehören möchten! All das kann zu Erektionsstörungen beim Mann bzw. Orgasmus-Schwierigkeiten bei der Frau führen. Aber auch zu komplett anderen Körperidealen. Der Spass am Sex fällt weg, die Zweisamkeit wird zum Spiegelbild der Porno-Industrie – emotionslos, exhibitionistisch und polygam! Scham – das war in den 70ern!!! Heute regiert der Tabubruch! Dabei sind die Grenzen der Ablehnung bei Mädchen weitaus enger gefasst.
Schliesslich kann eine solche Frühreife auch zu anderen Wirkungsrisiken führen. Einerseits den Geschäftemacher, die den Jugendlichen das Taschengeld herauslocken wollen. So sorgte beispielsweise eine Pornoparty für Jugendliche in einem Lokal im steirischen Bezirk Hartberg-Fürstenfeld für grosses Aufsehen. Versprochen wurden Porno-Models, Gogo-Tänzerinnen und erotische Spiele; in einem Lokal, zu dem auch Unter-16-jährige Zutritt haben. Zudem ist es im Internet den Betreibern von Pornoseiten egal, ob die 30-50 € monatliche Beitrittspauschale oder das Geld des Pay-by-View von einem Erwachsenen oder einem Jugendlichen stammen. Hauptsache der Rubel rollt! Tja und schliesslich meinen viele Minderjährige, sie müssten Szenen aus Filmen nachdrehen und setzen diese selbst ins Netz. Ein gefundenes Fressen – nicht nur für Pädophile! In Chatrooms oder Dating-Portalen melden sich 14- und 15-jährige Mädchen mit Usernames wie Pussy-Cat oder Porn-Queen an. Doch aus diesem Spass wird sehr häufig bitterer, teils gar tödlicher Ernst!
Aus Sicht der Wissenschaft und Forschung bleiben viele Fragen ungeklärt, da ein Vorher-Nachher-Vergleich nicht möglich ist. Wie hätte sich ein Jugendlicher entwickelt, hätte er nicht einen dermassen frühen Zugriff auf Pornos gehabt? Soll man Jugendlichen auch die anderen Seiten der Sexualität näherbringen, die schönen, die nichts mit dem Dauer-Rammeln zu tun haben? Das wäre ja wohl Aufklärung mit der Brechstange! Der Teenager steckt alsdann in der Orgasmus-Zwickmühle! Doch zumindest hat er eine Alternative zu den im Web gezeigten Inhalten! Stellen sich die Fragen: Wie weit soll das gehen? Wann sollen die Eltern damit anfangen??? Soll eine aktive Auseinandersetzung mit den Geschlechterrollen betrieben werden? Oder geht es weitaus tiefer: Ist eine Änderung der Wertevorstellung in der Gesellschaft notwendig? Sollte etwa der Schatten des Schmierigen und Verbotenen von der Internetpornografie genommen werden? Oder – ist die Pornographie gar nicht schädlich für die Erziehung junger Menschen??? Eine sehr gewagte These!
Eines ist mir zum Abschluss noch unklar: Zur Erziehung gehört auch das Setzen von Grenzen – nicht zuletzt zum Wohl der “Schutzwürdigen”, da ohne Limits Wege bereits im frühen Alter vorgezeichnet werden! Auch wenn man seinen Nachwuchs nicht ausspionieren sollte, gehört doch Beobachtung und Kontrolle durchaus zur Erziehung dazu. Ansonsten können die Eltern den Jugendlichen, der oftmals in einer Parallelwelt heranwächst, in welcher die Grufties nichts zu suchen haben, nicht verstehen. Und ausserdem: All die vielen coolen Typen, die in ihren Rap-Texten von einer Welt mit vielen Chicks, einer Welt ohne Grenzen und Tabus reden (denn singen können ja die meisten nicht), so manch einer ist inzwischen – ob gewollt oder nicht gewollt – Familienvater und gehört nun selbst zum Establishment!

Weiterführende Literatur:
.) “Generation Porno” von Johannes Gernert (Fackelträger Verlag Köln; 2010)
.) “Deutschlands sexuelle Tragödie: Wenn Kinder nicht mehr lernen, was Liebe ist” von Bernd Sigelkow/Wolfgang Büscher (GerthMedien; 2008)
.) “Porno im Web 2.0″ – Studie von Petra Grimm/Stefanie Rhein/Michael Müller (Schriftenreihe NLM, Band 25, Vistas Verlag Berlin, 2010)

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Neuer Killervirus unter uns?

Noch beruhigt die Weltgesundheitsorganisation WHO: Von einer Epidemie könne derzeit nicht gesprochen werden! Trotzdem warnen die Forscher und Mediziner: Über den neuen Corona-Virus sollte nicht gescherzt werden! Tatsächlich sind inzwischen 33 Menschen mit dem Virus infiziert, nicht weniger als 20 starben an der Krankheit bzw. deren Folgewirkungen. Somit wird schon jetzt vom tödlichsten Virus der Geschichte gesprochen. Die grösste Sorge bereitet den Experten, dass der Erreger vom Menschen auf andere übertragen werden kann. Zudem kommt er aus demselben Virenstamm wie das ebenfalls tödliche SARS. An dieser Lungenkrankheit verstarben in den Jahren 2002 und 2003 weltweit 775 Menschen, rund 8.000 hatten sich angesteckt. Deshalb läuten hier die Alarmglocken weltweit.
Die grösste Anhäufung an Erkrankungen gibt es derzeit nach Aussage von Keiji Fukuda, Vize-Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO, in Saudi Arabien, aber auch in Frankreich und Deutschland wurden bereits Fälle gemeldet. Er warnt vor “engem Kontakt” mit infizierten Menschen. Die weiteren Erkrankten auf der arabischen Halbinsel nämlich sind Verwandte des Ersterkrankten bzw. Pflegepersonal. Die offizielle Bezeichung dieses Corona-Viruses lautet: “Middle East Respiratory Syndrome Corona Virus” (MERS-CoV oder auch hCoV-EMC für “humanes Coronavirus-Erasmus Medical Center”). Es zählt zur Gattung der RNA-Viren und somit zur Familie der Coronaviridae. Der Name resultiert aus dem kranzförmigen Aussehen – der Corona-Virus selbst ähnelt stark jenem Kollegen, der immer mal wieder bei Fledermäusen festgestellt wird. Diese Virenfamilie ist verantwortlich für die meisten Erkältungs- und Atemwegserkrankungen. Die Übertragung erfolgt mittels Tröpfchen-Infektion. Der erste Fall eines solch schweren, akuten Atemwegssyndroms (“respiratorisches Syndrom”) war bereits im Sommer des vergangenen Jahres gemeldet worden. Der Infizierte weist grippeähnliche Symptome auf, bei dem Fieber und Schüttelfrost sehr häufig sind, aber nicht unbedingt einhergehen müssen. Hinzu kommen zumeist ein starker Husten und Kopfschmerzen. Auch eine Lungenentzündung kann sich dazugesellen. In weiterer Folge wird die Zillenbewegung des Flimmerepithels im Respirationstrakt gelähmt. Soweit die Gemeinsamkeiten mit SARS. Im Gegensatz zum SARS-Virus verwendet der Coronavirus jedoch keinen Rezeptor. Er gebraucht sozusagen als Türöffner für die Zellen das Enzym DPP4 (Dipeptidylpeptidase 4), das oftmals an der Oberfläche der Zellen liegt, soweit die Forschungs-Resultate des Teams von Bart Haagmans vom Erasmus Medical Center in Rotterdam. Diese Erkenntnis ist enorm wichtig, kann doch nun ein Impfstoff entwickelt werden, der das Andocken des Virus an diesem Enzym verhindert. Symptomatisch für dieses Krankheitsbild jedoch ist ein rasches Nierenversagen. Die Inkubationszeit liegt bei zirka 3 Tagen. Im Labortest vermehrten sich die Viren rasend schnell. Auch schneller als ihre SARS-Kumpels. Der Coronavirus muss dann in Betracht gezogen werden, wenn die Symptome auf eine Erkrankung der unteren Atemwege schliessen lassen und die Differentialdiagnose keine Hinweise auf eine bakteriologische Erkrankung oder beispielsweise auch Legionellen erkennen lässt. Kommt ein kürzlich absolvierter Aufenthalt im Nahen oder Mittleren Osten hinzu, sollte der Erkrankte sofort isoliert werden. Bei mehreren Erkrankten empfiehlt das Robert-Koch-Institut die Kohorten-Isolation.
Neben der Mensch-zu-Mensch-Übertragung – 3 der Familienmitglieder des Viruses (“Serotypen”) sind für den Menschen übertragbar – kann auch eine Tier-zu-Mensch-Übertragung als Ursache für den Erkrankungscluster genannt werden. So soll etwa einer der Patienten durch ein Renn-Kamel angesteckt worden sein. Für ersteres gibt es jedoch lt. Robert-Koch-Institut noch keinen wirklich ausreichenden Nachweis. Dort erfolgt durch den labordiagnostischen Test der “Komplementbindungsreaktion” (RT-PCR) der Nachweis des Virus bei Proben aus Deutschland. So ergab etwa die Untersuchung jener Fälle, die in Essen und München behandelt wurden, keinen wirklichen Verdachtsmoment auf eine menschliche Ansteckung. Lediglich bekannt ist, dass sich die beiden in Katar bzw. den Vereinigten Arabischen Emiraten infiziert haben. Während der Mann in Essen geheilt werden konnte, verstarb jener in München, der jedoch an einer schweren Vorerkrankung litt, so die Aussage des Chefarztes der Abteilung für Infektiologie am Klinikum München-Schwabing, Clemens Wendtner. Dabei war der Patient der Ruhrlandklinik bereits seit 19 Tagen erkrankt, seine Lunge schwer geschädigt, sodass sie immer wieder versagte. Die Klinik wusste zudem nicht, dass sie es mit dem gefährlichen Corona-Virus zu tun hatte. Die Ergebnisse eines Tests, der parallel zu seiner Verbringung in London veranlasst wurde, gingen erst ein, als der Mann aufgrund des positiven Krankheitsverlaufes in eine Reha-Klinik gebracht werden konnte. Untersuchungen am medizinischen Personal ergaben gottlob keine Ansteckung. Etwas anders gelagert hingegen ist die Situation in Frankreich. Ein Zweiter hatte sich bei der Behandlung eines in Dubai infizierten Mannes im Krankenhaus im nordfranzösischen Valenciennes angesteckt. Beide teilten sich vor der Diagnose und anschliessenden Isolation offenbar ein Zimmer. Auch ein Arzt und eine Krankenschwester sollen sich angesteckt haben. Bis allerdings der Krankheitsverlauf geklärt ist, gelten in den Krankenhäusern die Sicherheitsbestimmungen für SARS-Fälle.

http://www.medizin.uni-tuebingen.de/uktmedia/EINRICHTUNGEN/Institute/Institut+fuer+Medizinische+Mikrobiologie+und+Hygiene/PDF_Archiv/Online+Kurse/TechnischeHygiene-EGOTEC-42clan0jb5pskqmtu0p2q63er2f9m4qr.pdf

Gemeinsam mit den Wissenschaftlern des Robert-Koch-Institutes arbeitet auch das Institut für Virologie an der Universität Bonn an einer Bekämpfung des Viruses.
Jene Massnahmen, sich gegen eine etwaige Infektion zu schützen, sind eigentlich dieselben wie bei der normalen Influenza im Winter: Meiden Sie Menschenansammlungen, waschen Sie sich häufiger die Hände und halten Sie einen Sicherheitsabstand ein. Hinzu kommt nun neu: Meiden Sie Risikoländer, wie jene im Nahen oder Mittleren Osten.

http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/ThemenAZ/I/Info_IfSG.html

Die Erreger umgehen offenbar ebenso einfach wie schnell die Immunabwehr der Atemwegsorgane, wie eigentlich alle ihre Kollegen aus dem Erkältungssektor. Dies entdeckten die Forscher am Kantonsspital St. Gallen. Sie denken, dass den Erkrankten womöglich mit einer Immuntherapie geholfen werden könne. Die Abwehrzellen des Körpers hatten nämlich bei Infizierung von Zellen im Labor gar nicht reagiert. Der Experte spricht hierbei von einer “guten Anpassung an den Menschen”. In der Therapie gegen SARS bzw. Hepatitis C erbrachte die Verabreichung von Interferonen den grössten Erfolg. Auch im Rahmen der entsprechenden Untersuchung in St. Gallen wurden erste Fortschritte gemeldet. Beide Krankheitsfälle in Deutschland sind zur weiteren Behandlung aus dem Ausland verbracht worden. Die meisten Erkrankungen werden von der Arabischen Halbinsel und Jordanien gemeldet. Besucher sollten v.a. die südostliche Region Al-Ahsa in Saudi Arabien meiden. Die grosse Unbekannte aber bleibt der Haddsch – die islamische Pilgerfahrt nach Mekka. Auch wenn Mekka im südwestlichen Teil der arabischen Halbinsel liegt, so sind doch Millionen Menschen unterwegs und auf engstem Raum beisammen. Dies könnte zu einer rasenden Ausbreitung des Corona-Viruses führen.

PS: Um auszuschliessen, dass ich wieder viele erboste Mails von Lesern bekomme, die um meine Rechtschreibung besorgt sind – die neue, neue, neue deutsche Rechtschreibung macht’s möglich! Der Duden schreibt folgendes: “Offenbar ist bei einem Virus das Geschlecht ebenso wandelbar wie seine Oberflächenstruktur!” In der Bildungssprache lautet der Fachbegriff “das Virus”. Im normalen Sprachgebrauch hingegen wird aus dieser bildungssprachlichen Entlehnung immer mehr “der Virus”. Da Unsereiner wandelbar ist, habe ich beide Versionen verwendet!

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Aus zehn mach eins

Die Einen sprechen vom Sieg der Vernunft, die anderen vom Niedergang der Tradition. Brüssel hat sich erneut flächenübergreifend in die regionalen Gepflogenheiten in der Landwirtschaft eingemischt und ist darauf auch noch stolz! Der Gedanke, den die Bürokraten der EU da in’s Auge gefasst haben, mag ja durchaus hehr und durchdacht sein, doch werden wie so oft bei der Beschlussfassung die Folgewirkungen nicht berücksichtigt. Die neue Saatgut-Verordnung ist meines Erachtens ebenso überflüssig wie jene über die Grösse von Gartenzwergen oder ihre Kollegin, die die Krümmung von Salatgurken regelt. Ein Beweis mehr, dass im vereinten Europa nicht die Politiker sondern vielmehr die Lobbyisten das grosse Sagen haben. So meinte etwa erst kürzlich Nina Katzemich von LobbyControl gegenüber den Deutschen Wirtschafts Nachrichten: “Die Agrochemie-Lobby ist eine der stärksten in Brüssel. Ihr Vorgehen ist teilweise sehr aggressiv!” Doch – bevor ich hier weiterschimpfe, gibt’s erstmal Infos, um was es eigentlich geht.
Ende 2012 hatte Verbraucher-Kommissar Tonio Borg einen Gesetzesvorschlag präsentiert, wonach Saatgut einheitlich registriert werden solle. Der Vorteil liegt auf der Hand: Einmal registriertes Saatgut kann in der gesamten EU verkauft werden – bislang galten die nationalen Gesetze und damit auch die S(t)aatengrenzen. Borg wollte dadurch die Bürokratie abbauen und den Handel erleichtern. Allerdings ist der Weg zur Registrierung langwierig und kein Schnäppchen. Dies träfe den konventionellen Ackerbauern ebenso wie seine Kollegen aus der Bio-Zunft. Nach dem ursprünglichen Entwurf allerdings auch den Nachbarn von nebenan, der seit Jahren sein eigenes Saatgut im Garten verwendet. Dieses müsste alsdann in Brüssel registriert werden. Alter Schwede – Abbau der Bürokratie??? Demokratie??? Sortenvielfalt??? Und genau hier setzt auch die Kritik an. Immerhin haben 90.000 User eine Online-Protestnote der Vereinigung Campact unterschrieben. Sicherlich nicht alle glückliche Besitzer eines Schrebergartens, der zum wochenendlichen, agrarkulturellen Austoben herhalten muss. Nicht nur diese Hobbygärtner, auch Landwirte sammelten Unterschriften gegen dieses Vorhaben. Demnach dürften neben den Agrarologen auch die EU-Kleingärtner nurmehr jenes Saatgut verwenden, das durch die drei Platzhirsche am Weltmarkt Monsanto, duPont und Syngenta verkauft wird, denn deren Saatgut ist bereits registriert. Alle drei bringen es auf einem Marktanteil von 53 %, alleine 27 % hat Monsanto. In einem Markt, der sage und schreibe 27 Milliarden Dollar schwer ist. Die Konzerne jedoch konzentrieren sich auf den umsatzbringenden Flächenanbau. Damit würde diese EU-Verordnung das Ende der regionalen Arten bedeuten, die derzeit nicht unbedingt mehr beruflich angebaut werden, sondern vielmehr aus Berufung. All die Bestrebungen, alte Sorten wieder salonfähig zu machen – es wäre geradezu ein Schlag ins Gesicht der Traditionalisten. Soweit auch die Meinung der Initiative “Save Our Seeds” (SOS). Dieses Projekt besteht aus nicht weniger als 300 Organisationen, die sich gegen den Einsatz von Gentechnik und für die Reinerhaltung des Saatgutes aussprechen. Einheitssaatgut wäre das Gift für die Biodiversität, würde all die regionalen und heimischen Arten von Obst, Gemüse und Getreide verdrängen. Übrig blieben nurmehr ganz wenige Sorten, die zwar vielleicht im Sinne der Welternährung maximalen Fruchterfolg versprechen, jedoch keine wirklichen Eigenheiten etwa im Geschmack aufweisen.
Und zudem werde dadurch den Privatgärtnern vorgeschrieben, konventionelles Saatgut zu verwenden – wö ist dann eigentlich die Freiheit des Einzelnen geblieben, auf seinem Grundstück anbauen zu dürfen, was er will? So auch der Zwischenruf der deutschen Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) aus Berlin, die gegenüber der Zeitung Handelsblatt meinte: “Es darf nicht soweit kommen, dass Privatgärtner für ein paar Samenkörnchen eine amtliche Zulassung vorzulegen haben.” Auch der Biobauer würde mit grossindustriellem Saatgut versorgt, bei welchem er nicht weiss und auch nicht mehr garantieren kann, ob mit diesem wirklich biologische Anbau-Richtlinien eingehalten wurden.
Am 06. Mai nun legte Borg den beschlussfähigen Entwurf vor. Und siehe da: Der Protest hat gefruchtet. Hobbygärtner und kleine Zuchtbetriebe (max. zehn Mitarbeiter und einem Jahresumsatz geringer als zwei Millionen €) sind von dieser Verordnung ausgenommen. Soll heissen, dass das von ihnen produzierte bzw. verwendete Saatgut nicht in Brüssel zertifiziert werden muss. Für den Fall, dass diese Verordnung durchgeht, muss sie einheitlich und unmittelbar in der EU umgesetzt werden. Das ist auch der grosse Unterschied zur Richtlinie: Hier erfolgt die Anpassung des nationalen Rechtes. Das EU-Parlament beschliesst die Verordnung, zudem wird hierfür eine qualifizierte Mehrheit der Mitgliedsländer benötigt. Sowohl als auch bestehen Bedenken.
All das soll nicht etwa heissen, dass wir uns bislang in diesem Bereich in einem rechtlosen Raum befunden haben. In insgesamt 12 Richtlinien hat die EU diese Registrierung vorgeschrieben, für dessen nationale Umsetzung jedoch die einzelnen Staaten zuständig waren. In Deutschland etwa das Bundessortenamt in Hannover, bei den Nachbarn im Südosten die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES) und in der Schweiz das Bundesamt für Landwirtschaft (Achtung: Die Schweiz ist nicht in der EU!). Bewilligten nun diese nationalen Institute eine Saatsorte, so galt diese Zulassung für den Raum der gesamten EU. Ein positives Beispiel: Die aromatische und festkochende Kartoffelsorte “Linda”. Auch wenn sie mit einem einstelligen Marktanteil nicht wirklich eine Rolle am deutschen Kartoffelmarkt spielte, so ist sie doch im Direktvertrieb nicht wegzudenken. Europlant entzog anno 2004 die Zulassung für die gewerbliche Pflanzenproduktion. Der Biobauer Karsten Ellenberg beantragte die Wiederzulassung, gleichzeitig wurde in Schottland die Zulassung nach EU-Richtlinien beantragt. Das deutsche Bundessortenamt entsprach im Juni 2005 diesem Antrag durch die Verlängerung der Auslauffrist bis 2007. Europlant zog mit einer Schadensersatzklage vor das Deutsche Verwaltungsgericht, da das komplette Saatgut bereits vernichtet worden war. Es bildete sich der Freundeskreis “Rettet die Linda”. Unter Einbeziehung mehrerer bäuerlichen Verbände wurde die Kampagne “Solidarität mit Linda” ins Leben gerufen. 2007 wurde Linda zur “Kartoffel des Jahres” gekürt – Europlant schwenkte ein und produzierte wieder Linda-Saatgut. Nach Aussage der EU-Kommission soll die Saatgut-Verordnung den alten oder Nischensorten entgegenkommen, da diese nun auch europaweit und nicht mehr nur regional verkauft werden dürfen. So könnte es zum perversen Fall kommen, dass der Koch in Borg’s Lieblingsrestaurant Kartoffeln aus dem Tiroler Oberland verwendet, die es nach der ursprünglichen Version der Verordnung eigentlich nicht mehr geben sollte. Der EU-Kommissar besucht aber regelmässig dieses Restaurant, weil ihm die Kartoffeln hier so gut schmecken.
In Berlin vermutet man hingegen leere Worte hinter dieser Aussage. Hinzu kommt noch eine andere Überlegung: Grosskonzerne bieten speziell für die Pflanzenart entwickelte Pestizide an. Somit wäre der Bauer, der Saatgut der drei Grossen verwendet, auch zur Abnahme deren Pestizide gezwungen, meint der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling (selbst Bio-Bauer). Und hier läuft dann das wirklich grosse Geschäft: Je mehr Monokulturen, desto mehr Chemie muss zu deren Schutz eingesetzt werden! Eine klare Wettbewerbsverzerrung zum Nachteil der KMUs aus dem Saatgut- und dem Pestizid- bzw. Herbizid-Bereich. Und zumindest beim Saatgut wird dies massive Auswirkungen auf den Bio-Markt haben, da die meisten Bio-Bauern von KMUs beliefert werden. Auch von KMUs, die über dieser 2 Mio € Umsatzschwelle liegen.
Für die Registrierung einer Sorte muss der Hersteller nachweisen, dass sich diese von anderen unterscheidet, in sich einheitlich und beständig ist. Da dies anhand des Saatgutes nicht wirklich festgestellt werden kann, muss eine neue Züchtung ausgetestet werden. Dies allerdings könnte aufgrund der ursprünglichen Vorlage strafbar sein, da ja kein nicht-registriertes Saatgut verwendet werden darf. Unglaublich – somit würde jeder Kleingärtner kriminalisiert! So auch die Befürchtung des Deutschen Naturschutzringes. Brüssel beruhigt aber zumindest in einer Richtung: Bei der Registrierung alter Sorten könnten auch historische Daten bzw. praktisches Wissen für die Registrierung Verwendung finden.
All diese mündlichen Eingeständnisse reichen den Natur- und Pflanzenschützern nicht aus. Klar müsse das Regelwerk aus den 60ern, das auch heute noch Verwendung findet, auf einen aktuellen Stand gebracht werden. Allerdings dürfe es nicht sein, dass Marktmonopolisten einfach politisch Sorten wegstreichen lassen, die für die Grosskonzerne keinen Gewinn erwarten lassen. Die EU-Bürokratie arbeitet bereits seit fünf Jahren an einer solchen Revision und legt schliesslich eine Verordnung zur Abstimmung vor, die einen Sturm der Entrüstung auslöst. Auch wenn die komplette Lebensmittelkette entbürokratisiert werden sollte (von bislang 70 Richtlinien würden nurmehr 5 übrig bleiben), so könne man die Menschen zwischen der Ägäis und dem Atlantik bzw. der Strasse von Gibraltar und der finnischen Stadt Kemijärvi nicht dazu zwingen, einheitliches Saatgut zu verwenden, das die Besonderheiten ihres Landes nicht wiederspiegelt. Die Bedeutung der vielen Saatgut-Initiativen für die Biodiversität müsse erkannt und festgehalten, der Trend zur Uniformierung und Abhängigmachung der Konsumenten gestoppt werden. Einige Zahlen gefällig? Der Markanteil der Grossen Drei beläuft sich bei Zuckerrüben auf 90, bei Mais auf 57 und bei Sojabohnen auf 55 Prozent weltweit (Zahlen: ETC 2009). Und der Machthunger auf die Kontrolle der Wertschöpfungskette wird immer grösser. Zum Vergleich: 1996 belief sich der Marktanteil der zehn (!!!) grössten Unternehmen noch auf weniger als 30 %.
Beispiel: Monsanto! Bis Mitte der 80er Jahre war das Unternehmen so gut wie beinahe nicht existent in diesem Sektor. Durch den regelmässigen Aufkauf von Mitbewerbern ist inzwischen ein Global Player herangewachsen, ohne den beispielsweise in Brüssel keine Entscheidung im Agrarsektor getroffen wird. Mitarbeiter des Unternehmens sitzen in den EU-Gremien. So veröffentlichten die beiden Vereine “Corporate Europe Observatory” und “LobbyControl” Namen von hochrangigen Mitarbeitern der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA, die in Projekten oder Plattformen tätig waren (wie dem International Life Science Institute ILSI), welche von der Chemischen und Lebensmittelindustrie betrieben und durch auch Saatguthersteller verwendet werden, um die Markteinführung von gentechnisch veränderten Pflanzen zu erleichtern. Die EFSA bewertet Lebensmittel-Risiken. 2012 wurde gar eine ehemalige Monsanto-Mitarbeiterin und jetzige Cheflobbyistin der Lebensmittelindustrie als neues Mitglied des Verwaltungsrates der EFSA vorgeschlagen! Was sich durch erfolgreiche Lobby-Arbeit ermöglichen lässt, zeigte die Gen-Kartoffel “Amflora”, die im März 2010 zugelassen wurde. Auch die OECD und der Europäische Rechnungshof deckten Interessenskonflikte auf. Wissenschaftliche Studien zu neuen Züchtungen werden gleich selbst direkt vorgelegt. Immer mehr konventionelle Züchtungen werden patentiert, aber auch die Produkte, die daraus entstehen: Fleisch, Lebensmittel, Futtermittel. Und – ja auch lebende Tiere. 2010 wurden 25 solcher Patente angemeldet. U.a. auf einen Fisch, der mit Wachstumshormonen behandelt wurde. Damit kommt es zu einer Monopolstellung im kompletten Lebensmittelbereich. Einige Vertreter der Generaldirektion für Gesundheit und Verbraucher (DG SANS) verfügen ebenfalls über ein Naheverhältnis zur Lebensmittellobby. Welche Auswirkungen wiederum dies haben kann, zeigte im Herbst 2012 eine Studie von Gilles-Eric Séralini und anderen aus Caen auf. Eine durch die EU zugelassene, gentechnisch veränderte Maissorte führte im Langzeittest bei Ratten zu aggressivem Krebs. Das Saatgut kam von einem der bereits genannten Betriebe. Die für die Zulassung notwendige Studie wurde in dessen Auftrag erstellt. Der Beobachtungszeitraum belief sich allerdings nur auf 90 Tage. Die EFSA kritisierte der Séraldini-Studie und betonte, dass es aufgrund gemachter Fehler in der Studie keinen Anlass dazu gebe, den Mais vom Markt zu nehmen. Der Wissenschaftsjournalist F. William Engdahl spricht von einem eindeutigen Einfluss von Monsanto auf die EU und vom “Drehtüren-Effekt”. Dabei wechseln hochrangige Mitarbeiter von Behören und Unternehmen. In den USA zählt dies zum Alltag. Engdahl nennt auch drei Namen: Der ehemalige Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der Chef des Supreme-Courts Clarence Thomas, die ehemalige Landwirtschaftsministerin Anne Veneman. Daneben ergehen immer wieder hohe Wahlkampfspenden an Senatoren, Gouverneure und andere Politiker. Das Ziel vieler dieser globalen Konzerne, so betonen die unterschiedlichsten NGOs: Die alternativlose Produktion!

PS:
Wer nun nach wie vor mit dem Begriff der “Nischensorten” nichts anfangen kann – hier nun drei Beispiele, die wir alle kennen: Der Gewürztraminer – eine Traminer-Weissweinsorte mit rötlich gefärbten Beeren vornehmlich aus der Pfalz; der Riebelmais – ein weisser Hartmais aus dem Rheintal; die Sieglinde – eine festkochende Kartoffel mit einem feinwürzigen, leicht speckigem Geschmack! Nur drei Sorten, die es – sollte es nach dem Willen der Lobbyisten und Zentralisten in Brüssel gehen – schon bald nicht mehr geben wird.

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Wie wär’s denn mit uns beiden???

Der Monat Mai wird auch gerne als der Wonnemonat, der Monat der Liebenden bezeichnet. Tatsächlich blüht die Natur nach einem zumeist harten Winter richtiggehend auf, die Vögel kommen aus ihren Winterquartieren zurück, es wird auf Teufel komm heraus gebalzt. Verständlich – das Jahr ist kurz, die Zeit kostbar. Auch bei so manchem Menschen gehen die Hormone durch. Hat nicht zuletzt auch etwas mit der Bekleidung zu tun: Die dicken Winterklamotten werden durch Luftigeres ersetzt, mit dem v.a. Frau auch schon mal sexy Akzente setzen kann.
Doch – wie ist das wirklich mit der Partnerschaft und v.a. dem Werben um einen Partner? Sollte eigentlich eine simple Sache sein, da der einzige Zweck unseres Erdendaseins (auch wenn es so mancher Chef nicht so gerne hört!) – rein evolutionsbiologisch betrachtet – das Zeugen von Nachwuchs zur Arterhaltung und die Weitergabe der Gene an nachfolgende Generationen darstellt. Allerdings steckt in Wirklichkeit ein sehr komplexes Thema mit unheimlich vielen Auswirkungen und Einflüssen dahinter, wobei die natürliche Selektion durchaus von kulturellen Gewohnheiten im Laufe der Zeit verändert wurde. Und wer – nachdem er diese Zeilen gelesen hat – noch behaupten sollte, dass einzig die inneren Werte zählen, dürfte wohl irgendetwas nicht richtig verstanden haben.
Es gibt sie wirklich – die Liebe auf den ersten Blick! Allerdings nicht unbedingt so, wie sie immer verstanden wird: Man hat einen Gleichgesinnten gefunden, schaut ihm tief in die Augen und “Zzzboing” hat der Blitz eingeschlagen. Aber sowas von!!! Auch wenn Mann und Frau dermaßen unterschiedlich sind, so haben sie dennoch eines gemeinsam: Ein äusserliches Bild vom Wunschpartner! Wenn auch nicht bewusst, so auf jeden Fall unbewusst, instinktiv sozusagen. Die körperliche Attraktivität spielt nämlich in der Partnerwahl die wohl grösste Rolle. Dabei gehen allerdings Frauen eine Spur weiter als Männer. Während der Mann von den primären und in weiterer Folge auch sekundären Geschlechtsmerkmalen wie einem grossen Becken, dem Brustumfang und dem Po ausgeht (mit einem “tollen Fahrgestell” wird das Verhältnis zwischen Hüfte und Becken verstanden, erst dann kommen die endlos langen Beine dazu), denkt Frau vornehmlich an den Nachwuchs. Jener Partner, mit welchem sich Frau die Arterhaltung verspricht, sollte gesund, widerstandsfähig und jugendlich sein (athletischer Körperbau und symmetrische Gesichszüge). Die Frau verspricht sich dadurch die Weitergabe dieser Attribute an die späteren Zöglinge.
Tja und diese Eigenschaften sind zumeist auch verantwortlich für die Vielzahl der Seitensprünge, denn nicht immer ist der Lebenspartner auch der Wunsch-(Er-)Zeuger. Während es beim Mann grossteils um den Jagdinstinkt und Spieltrieb geht, kommen bei der Frau zur Zeit des Eisprungs genau diese Überlegungen hoch: Braungebrannt, sportlich, weisse Zähne und strahlender Blick – das ist auch mit ein Grund, weshalb sehr häufig für solche Liebschaften neben der eigentlichen Lebens-Beziehung die typischen Macho-Typen ausgesucht werden, auch wenn Frau ansonsten gar nicht auf diese spezielle Spezies von Mann abfährt. Apropos: Haben Sie gewusst, dass statistisch gesehen jedes zehnte Kind in Deutschland ein Kuckuckskind ist, also bei einem Seitensprung gezeugt und dem Lebenspartner untergeschoben wurde? Der Scheinvater hat jedoch in deutschen Landen nach einem Richterspruch des Bundesgerichtshofes vom 18. April 2008 das Recht, von der Partnerin Auskunft über den leiblichen Vater zu erhalten und kann diesen in weiterer Folge auch zu einem Vaterschaftstest und der Rückzahlung des Unterhaltes zwingen. Das Urteil bezog sich auf einen Fall, bei dem einem Mann drei Kinder untergeschoben wurden, die Frau dann auch zu Ihrem Liebhaber zog, dieser jedoch die Vaterschaft in allen Fällen abstritt. Gleiche Quote in etwa auch für Österreich – doch ist dies im Alpenstaat ein Offizialdelikt, also eine Straftat. Die Verjährungsfrist endet drei Jahre nach der Geburt (§ 158 AGBG: “Hat der Mann die Ehelichkeit eines Kindes nicht innerhalb eines Jahres seit der Geburt bestritten, oder ist er gestorben oder ist sein Aufenthalt unbekannt, so kann der Staatsanwalt die Ehelichkeit bestreiten, wenn er dies im öffentlichen Interesse oder im Interesse des Kindes oder seiner Nachkommenschaft für geboten erachtet.”). Hebammen sind gar verpflichtet, eine mögliche Unterschiebung anzuzeigen. In der Schweiz bewegt sich die Zahl der Kuckuckskinder bei rund einem Prozent! Sagt uns dies nun etwas über die Treue der eidgenössischen Frauen aus oder eher über die Verantwortung, bei einem Seitensprung zu verhüten? Viel zu tun haben hingegen die Briefträger und Milchlieferanten in der sozialen Unterschicht von Liverpool. Hier liegt die Quote bei unglaublichen 32 % – gemessen durch die Vaterschaftstests in jenen Krankenhäusern, die für die Slums zuständig sind, Experten schätzen dies gar auf 53% (in der Oberschicht 1 %)!!! Recht interessant auch das Ergebnis einer Meta-Studie, die nicht weniger als 67 Studien zusammenfasst. Demgemäss zweifeln zwischen 15 bis 50 % der Vaterschaftstest-Männer zurecht. Bitte missverstehen Sie mich jetzt nicht – auch Mann geht selbstverständlich fremd! Aufgrund solcher Vaterschaftstests können allerdings offizielle Zahlen präsentiert werden! Dies ist bei einem männlichen Sidestep etwas schwerer. In der Ornithologie spricht man diesbezüglich übrigens von “Brutparasitismus”. Dies trifft auch in der Humanethologie den Nagel auf den Kopf. Im Gesetzeskauderwelsch wird hierfür die Bezeichnung “Personenstandsfälschung” gewählt. Sie kann nach einer Scheidung auch zur Kürzung oder Streichung des Unterhaltes bei der Frau führen, im Speziellen, wenn Mann sich aufgrund des Kindes beruflich eingeschränkt hat. Nicht gerade das beste Licht wirft eine Untersuchung der University of Michigan auf das Tun v.a. aber Treiben von Herrn und Frau Christ. Bei einer Vergleichsstudie im afrikanischen Volk der Dogons, in welchem Vertreter der Katholiken und Protestanten, aber auch des Islam und der monotheistischen Stammesreligion vertreten sind, schnitten die christlichen Paare bei insgesamt 1.317 Vaterschafts-Tests am schlechtesten ab. Damit aber nun genug mit dem Exkurs zum Thema “Kuckuckskinder”, die nicht unbedingt ein Zeichen der Zeit sondern der fortschrittlichen Entwicklung der Gen-Technik sind.
Fazit: Schönes Aussehen ist also durchaus wichtig für die sexuelle Attraktivität einer Person. Soweit auch das Ergebnis einer Forschungsarbeit von Fink/Samson von der Universität Göttingen. So bevorzugt Frau bei der Wahl des leiblichen Vaters ihrer künftigen Kinder grosse und bestens mit Testosteron ausgestattete Exemplare dieser (Be-)Gattung. Die Untersuchung, wohin Frau bzw. Mann als erstes beim geschlechtlichen Gegenüber schaut, ergibt nach dieser Göttinger Studie eigentlich immer dasselbe, bereits erwähnte Ergebnis. Doch hat jede Frau/jeder Mann andere Vorstellungen vom Traumpartner.
Sehr interessante Erkenntnisse brachten hier auch Vergleiche bei Speed-Datings in New York. Innerhalb von Sekunden entscheidet es sich aufgrund der Optik, des Geruchs, der Haptik und Motorik des Gegenübers, ob es zu einer zweiten Chance kommt oder nicht. Während Männer mehrere Frauen gerne wiedersehen würden, ist die Auswahl der Frauen stark eingeschränkt. Alles Nonsens, meinen Eli J. Finkel und Paul W. Eastwick. Sie stellten solche Speed-Datings auf den Kopf: Anstelle der Frauen blieben die Männer sitzen und die Damen wechselten. Bei der anschliessenden Auswertung gab es ähnliche Werte wie bei den klassischen Speed-Datings, jedoch geschlechtlich verdreht. Ergebnis: Der “Wanderer” trifft eine grössere Auswahl – egal ob Frau oder Mann. Die Untersuchung von Online-Datings jedoch untermauert die erste These: Während männliche User zumeist die Füllhorn-Methode anwenden (nach dem Motto: Die Richtige wird schon dabei sein!), konzentrieren sich weibliche User auf wenige.
Und damit sind wir bereits bei einem Phänomen angelangt, das Evolutionstheoretiker als “Sequentielle Schwellenwerttheorie” bezeichnen. Die Suche nach dem Traumprinzen! Frauen suchen bis zu zehnmal nach der Beantwortung der wichtigsten aller Fragen, ob es denn wirklich den passenden Deckel zum Topf gibt. Wer nach dem zehnten Versuch nichts entsprechendes gefunden hat, bleibt solo. Interessant jedoch ist die Tatsache, dass zumeist der dritte Mann geheiratet wird, Frau aber weitersucht und zumindest die Annäherung an das Idealbild mit dem siebten oder achten Mann findet! Somit ist auch die dermassen hohe Scheidungsrate durchaus erklärbar – die Wahl war einfach ein Irrtum! C’est la vie! Ergo: Die wichtigste Information für den Mann bei einer neuen Partnerin ist somit die Antwort auf die Frage: “Der wievielte bin nun ich?” Zumindest, wenn er sich eine längere Beziehung erwartet.
Was aber nun bedeutet in der Biologie der Begriff der “elterlichen Investition”? Dies ist jener Aufwand der mit der Produktion der Eizellen und Spermien beginnt und aufgrund der Brut, der Geburt, sowie der anschliessenden Versorgung des Nachwuchses für Frau ungleich höher ist als für Mann. Während eines Grossteils dieser Zeit ist Frau somit weg vom evolutionsbiologischen Marktplatz. Alsdann sucht sie sich normalerweise einen Partner, für den sich dieser Aufwand auch lohnt. Dieser sollte die Familie gut verteidigen und ernähren können. Zudem – und dies stammt ganz eindeutig noch aus der Tierwelt – werden Männchen mit grossem Territorium bevorzugt. So – und da haben wir den Schlamassel. Diese Attribute fallen sehr häufig nicht mit den für einen sexuellen Seitensprung bevorzugten Eigenschaften zusammen. Wie entscheidet sich nun Frau?
Eine weitere gute Frage lautet: “Ist der Mensch in der Liebe ein Wiederholungstäter?” Es heisst immer, dass sich Frauen Männer aussuchen, die ihrem Vater gleichen bzw. umgekehrt! Somit werden die bekannten und dermassen geschätzten Eigenschaften über Generationen hinweg übertragen. Oder aber auch: Bevorzugt Mann immer denselben Frauentyp? Richard Lugner, Dieter Bohlen und besonders Boris Becker – bei letzterem konnte man ja beinahe nicht mal die Namen den Frauen zuordnen, da sie sich nahezu wie Zwillinge glichen – na ja zumindest wie Schwestern. Der Sozialpsychologe Manfred Hassebrauck von der Bergischen Universität Wuppertal hält allerdings ein solches “Beute-Schema” à la Becker für die Ausnahme. Normalerweise unterscheiden sich die Nachfolger deutlich von den Ex. Dadurch soll die eigene Entwicklung durch den Partner unterstützt werden. Immer dieselbe Beute bedeutet Stillstand in der Persönlichkeitsentwicklung. Somit kann also durchaus eine Richtungsänderung nach dem Scheitern einer Beziehung empfohlen werden. Nach blond brünett, oder gar rot???
Besitzt eine Frau eine gewisse soziale Stellung, so sucht sie meist einen Partner mit zumindest derselben Herkunft, Bildungsgrad bzw. Wertevorstellung. Dem Mann hingegen ist dies relativ egal. So kommt es durchaus nicht selten vor, dass ein Rechtsanwalt eine Anwaltsgehilfin heiratet oder der Arzt ein Tete-a-tete mit der Krankenschwester hat. Umgekehrt hingegen ist dies eher selten.
Auch im Alter unterscheiden sich Frau und Mann. Während Mann bis zum zirka 35. Lebensjahr gleichaltrige Lebenspartnerinnen bevorzugt, konzentriert er sich danach auf jüngere Partnerinnen. Jene Frauen, die aufgrund ihrer körperlichen Attraktivität noch einen hohen Grad an Fruchtbarkeit versprechen lassen. Frauen hingegen evaluieren bei Männern das Alter, den gesellschaftlichen und beruflichen Erfolg. Die finanzielle Absicherung! Lugner und Hefner lassen grüssen! Soweit das biologische Grundprinzip. Alles andere haben die soziokulturellen Einflüsse verursacht.
Eine Beziehung sollte sich durch die Unterschiede entwickeln. Die Partner lernen gegenseitig jenen Part des Anderen, den sie selbst nicht unbedingt gut beherrschen, aber durchaus an ihm schätzen. Funktioniert dies nicht, so können die Gegensätze zum Scheitern der Beziehung führen. Wer hierzu Informationen benötigt, ist bei Hans-Georg Birkenfeld und seinem Werk “Aus und vorbei? Noch lange nicht!” gut aufgehoben.
Viele Psychologen sehen es zudem als erwiesen, dass Beziehungen aufgrund spezieller Lebens- und Liebesthemen funktionieren. Somit werden sehr viele Partnerschaften zum Abnabeln vom Elternhaus begründet – das ist bei beiden Geschlechtern gleich. Ist Mann bzw. Frau dann flügge geworden, verstehen es viele nicht mehr so recht, wofür sie in einer Partnerschaft leben und lösen diese auf.
Für all jene unter Ihnen, die noch nicht wissen, wie sie eine Beziehung beginnen sollen, sei hier zuletzt noch die Methodik erwähnt, wie sie Ellen Fein und Sherrie Schneider in ihrem Werk “Die Kunst, den Mann für’s Leben zu finden” (Piper; 2. Auflage 1996) beschreiben: Das erste Treffen findet zwischen Montag bis Donnerstag in einer Bar statt, endet vor Mitternacht und dient dem Abtasten. Gesprächsthemen sind Beruf, Bildung, Einkommen und Hobbies. Überraschend früh findet hier bereits die Abfrage des Kinder-Themas statt. Zum Abschied gibt’s ein Busserl auf die Wange. Das zweite Date wird vom Mann im Restaurant organisiert. Will Frau keine weiteren Treffen mehr, ignoriert sie einfach seine Anrufe. Normalerweise bezahlt der Mann, in Europa ist es aber üblich, dass Frau die Hälfte dazugibt. Fein/Schneider sprechen dabei vom Begriff “Going Dutch”, das eigentlich in den USA sehr selten stattfindet. Nach dem Essen gibt’s dann die ersten Zärtlichkeiten. Bei einer recht hohen Rechnung kann durchaus auch schon nach dem zweiten Treffen die Spielwiese Bett im Mittelpunkt stehen. Das aber ist normalerweise erst nach dem dritten Treffen bzw. allen weiteren der Fall. Der Frau bleibt es also jederzeit überlassen, den Gang der Dinge zu beenden, wenn sie denkt, nicht beim Richtigen gelandet zu sein, der schon mal eine Sünde wert sein könnte. Hierzu ist es ausreichend, wenn Frau drei seiner Anrufe ignoriert. In den USA gilt es durchaus als normal, maximal drei Partner gleichzeitig zu daten. Dies entspricht aber nicht den Vorstellungen auf dem alten Kontinent. Psychologen sprechen hier vom sog. “sexuellen Monopol”. In der amerikanischen Variante wird das erst während der Stufe “The Talk” besprochen. Welche der beiden Dating-Modalitäten gewählt wird, sollte beim zweiten Treffen abgeklärt werden. Schliesslich ist es nicht jedem der beiden Partner angenehm, wenn der Gegenpart noch mit anderen zur gleichen Zeit sexuell aktiv ist. Entfällt dieser Talk, so gibt es auch keinen “Deal”, also keine Absprache zur Monogamie. Wie das Ganze dann weitergeht, ist in Europa unterschiedlich. In den USA folgt nach einem Jahr der Verlobungsring (mindestens drei Netto-Monatsgehälter des Mannes – in Texas gar vier!!!). Sollte dies nicht geschehen oder entsprechen, so kann Frau die Beziehung sofort beenden. Das Salz in der Suppe machen übrigens sog. “Booty Calls” aus; mitternächtliche Anrufe mit dem Ziel des sofortigen Sex. Vielleicht noch ein kurzer Tipp: Mann sollte nicht auf das hören, was Frauen sagen. Auch Grossvater ist oftmals schwerhörig gewesen, als Grossmutter etwas sagte – aber das ist ein ganz anderes Thema! Beobachten Sie anstelle dessen, wie Frauen zeigen, was sie gerne hätten!
Seh’n Sie – ist alles nicht ganz so einfach!!! Und wer nach wie vor die Möglichkeit des Online-Datings verdammen sollte, dem sei hier eine evolutionstheoretische Überlegung an’s Herz gelegt: In der internetfreien Zeit kam es vornehmlich zur “Nachbarschaftsehe”. Durch das globale Dorf im Internet findet eine durchaus empfehlenswerte genetische Durchmischung quer über die Kontinente statt. Neue Gene, die evolutionsbiologisch ein besseres Überleben des Nachwuchses erwarten lassen. Denn: Der Homo erectus war ebenso nur eine Momentaufnahme der menschlichen Evolution wie der Homo sapiens!

PS:
Die Evolution hat’s erfunden. Normalerweise werden etwas mehr Jungen geboren, da diese risikofreudiger als die Mädchen sind und nicht wenige von Ihnen vorzeitig sterben bevor sie das Erwachsenenalter erreicht haben. Bei der Befruchtung liegt dieser Überschuss bei ca. 30 %. Während Hungersnöten allerdings werden mehr Mädchen geboren. Hierdurch kann sich eine Population schneller von einer Krise erholen (Dr. Fiona Mathews & Kollegen in ihrer Studie, veröffentlicht im Fachmagazin “Proceedings of the Royal Society B” vom Januar 2012). Die Natur – wer hat sich das alles ausgedacht???

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