Archive for Juni, 2013

Geht es auch ohne Mittelchen???

“Essen, schlafen und schwimmen, das ist alles, was ich kann“ (Schwimm-Superstar Michael Phelps; Spitzname: „Baltimore Bullet“)

Die Muskeln von Arnold Schwarzenegger, die Ausdauer von Lance Armstrong – welcher Sportler wünscht sich das nicht. Schliesslich sind es nur ein paar wenige Jahre im Spitzensport, die genutzt und auch wirtschaftlich abgeschöpft werden können. Davor muss hart trainiert werden. Der Aufstieg ist meist sehr dornenreich und lang – der Abstieg geht rascher als man es sich versieht. V.a. dann, wenn Mann/Frau mit verbotenen Mitteln und Methoden aufgestiegen ist. Phelps übrigens soll nicht gedopt haben. “Jeder kann glauben, was er will. Ich weiss, dass ich sauber bin!” (Phelps 2008). Er gilt im Wasser als Universalgenie. Niemand verfügt über dermassen viel Wassergefühl, Hebellänge und Beweglichkeit! Einige Daten gefällig: 1,95 m gross, 88 Kilogramm (2008), 2,04 m Spannweite und Schuhgrösse: 48,5!!! Gen-Doper wären mehr als stolz auf eine solche Arbeit!
Als ich als Kind die Leichtathletinnen der DDR und der Sowjetunion erstmals im Fernsehen gesehen habe, konnte ich in vielen Fällen keinen Unterschied zu ihren männlichen Kollegen feststellen – sorry! Hochgezüchtete Sportmaschinen, die – so wollte es erscheinen – ihre Gegner am liebsten auffressen wollten. Und das damalige Treiben wurde bestätigt: 454 Medaillen bei den olympischen Sommerspiele und 110 Medaillen bei den Winterspielen – nur für die SportlerInnen der DDR! Lauscht man hingegen heute ihren Ausführungen, so kommt nicht selten ein Gefühl von Mitleid auf. Viele kamen bereits im Alter von 13/14 Jahren (Turnerinnen), andere mit 16/17 in die Klauen der chemisch/biologischen Meistermacher. Neben täglichem, stundenlangen Training mussten nahezu alle von ihnen Mittel einnehmen (bewusst oder unbewusst), über deren Wirkung und Folgewirkungen die meisten nicht Bescheid wussten. Gesundheitliche Schäden bei den Betroffenen wurden durch den Sportmedizinischen Dienst (Arbeitsgruppe Unterstützende Mittel) im staatlichen Dopingprogramm einkalkuliert! So führt etwa das synthetisch hergestellte und immer gern verwendete Oral-Turinabol (Testosteron) zu schweren Schädigungen der Leber, Muskelkrämpfen, erhöhter Aggression, Menstruationsproblemen, Unfruchtbarkeit und Potenzstörungen. Bei Kindern können Wachstumsstörungen auftreten. Trotzdem: Doping mittels Hormone gehörte für die Staatsamateure, die Sporthelden der Arbeiterklasse zum täglichen Usus.
Der Ostblock zerbrach, viele der Meistertrainer versuchten ihr Glück im goldenen Westen. Sie nahmen auch all ihre Mittelchen und “Trainingsmethoden” mit. So mancher Leistungssportler mit einem westlichen Betreuer fragte sich, weshalb nicht auch er zu solchen Tabletten greifen solle. Mittelchen gehören schon längst zur Hausordnung einiger (aber nicht weniger) Trainingcamps. Immer neuere Massnahmen werden erfunden – Hauptsache die Kommission kommt einem nicht auf die Schliche. Das “Doping” wird schlechthin definiert als “Die Anwesenheit einer verbotenen Substanz, deren Metaboliten oder eines Markers in einer dem Athleten entnommenen Probe!” (Artikel 2 Absatz 1 des Nationalen Anti Doping Codes der Nationalen Anti Doping Agentur Deutschland NADC). Namentlich erwähnt wurde das Wort “Dop” erstmals im 19. Jahrhundert. Benannt wurde damit ein Mittel, das Pferden verabreicht wurde. Es enthielt Opium. Allerdings verwendeten schon die alten Griechen das stimulierendste Mittel schlechthin: Stierhoden! Die Inkas kauten vor Wettkämpfen Koka-Blätter.
Aktueller Fall: Der ehemalige Radprofi Jan Ullrich. Gewinner der Tour de France 1997. Nachdem sein Kontrahent Lance Armstrong auf Druck der Öffentlichkeit eingestehen musste gedopt zu haben, machte dieser Tage auch der deutsche Pedalritter mit seinem Gewissen reinen Tisch: “Ja, ich habe Fuentes-Behandlungen in Anspruch genommen!” (Jan Ullrich im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin Focus). 2006 wurde er wegen Doping-Verdachtes von seinem Team suspendiert. Die Welt ist geschockt! Doch nicht, da er es getan hat – hiermit hat ohnedies jeder gerechnet. Nein – sondern dass er erst jetzt damit rausrückt. Als damals das deutsche Fernsehen aufgrund des Doping-Skandals bei der Tour de France aus der Berichterstattung ausgestiegen ist, machten einige der Sportler eins auf Saubermann. Jan Ullrich gehörte dazu, obwohl er zu jener Zeit bereits aus dem Team genommen worden war – von Geständnis allerdings weit und breit keine Spur! Jetzt – einige Jahre nach dem Ende seines aktiven Radsportlerlebens – jetzt gesteht er ein, dass er Blutdoping gemacht habe. Soweit also zum Vertrauen in unsere Spitzensportler, soweit auch zur Vorbildfunktion für tausende Kinder und Jugendliche. Bereits schon 2006 wurde der Name seines Betreuers in direkten Zusammenhang mit dem Doping-Arzt Eufemiano Fuentes gebracht. 2007 schrieb der Betreuer des Team Telekoms, zu dem auch der bereits zurückgetretene, zu diesem Zeitpunkt noch wild um sich boxende Ullrich gehörte, in seinem Buch über die Vorwürfe und nahm auch bei der ehemaligen Galionsfigur des Teams kein Blatt vor den Mund. Jan Ullrich – der letzte Beweis wohl dafür, dass es beim Leistungssport schon längst nicht mehr um den Sport geht!? Und das mit dem sauberen “Messen der Leistungen” – offenbar gewinnt nurmehr jener, der den besten Dopingarzt hat. Ullrich jedenfalls ist in Ungnade gefallen, da er jahrelang gelogen hatte.
Doping-Methoden gibt es unzählige. Meist sind es Medikamente, die kranken Menschen helfen sollen und so missbräuchlich eingesetzt werden, damit eine Leistungssteigerung erzielt werden kann. Etwa Schmerzmittel, um über die Schmerzgrenze hinweg zu trainieren. Das endet nicht selten in Verletzungen wie Fibrillen- und Muskelrisse, Bänder- und Sehnenrisse oder auch Knochenbrüche, die ohne nicht möglich gewesen wären. Der Kampf gegen Doping ist nicht etwa nur der Kampf gegen die Unfairness, sondern auch gegen grossteils unerwünschte Nebenwirkungen bei den gedopten Sportlern. So können unreine Mittel zu Infektionen führen. Meist aber greifen die Substanzen die inneren Organe an: Krebs, Depressionen und Unfruchtbarkeit – ja sogar der Tod. Viele Spitzensportler sterben später an Organversagen.
Über Hormone, die vornehmlich bereits im Kindesalter verabreicht werden, können ebenfalls Wirkungen erzielt werden. Etwa vermehrter Muskelaufbau bei Frauen, weniger Körperwachstum bei Turnern oder grössere Füsse bei Schwimmern.
Sehr beliebt hingegen ist nach wie vor das “Blutdoping”, das auch Jan Ullrich gemacht haben soll. Dem Sportler wird Blut entnommen und mit den unterschiedlichsten Methoden aufbereitet. Zuerst war es nur Sauerstoff, inzwischen wird alles ausgetestet, damit die Anzahl der roten Blutkörperchen gesteigert werden kann. Sie transportieren den für die Verbrennung in den Kraftwerken der Muskelzellen, den Mitochondrien, so wichtigen Sauerstoff. Das Blut wird dann im Training oder vor dem Wettkampf wieder verabreicht. Früher wurde derselbe Zweck mit einem Höhentraining erzielt. Durch das Mehr an transportiertem Sauerstoff ermüdet der Muskel langsamer (aerob – es wird noch kein oder möglichst wenig Laktat gebildet), wodurch eine Leistungssteigerung von rund 5 % erreicht werden kann. Vor allem der Ausdauersport schwört auf dieses Blutdoping. Auch fremdes Blut gelangt immer wieder zum Einsatz – dies kann allerdings durch einen DNA-Abgleich nachgewiesen werden, was bei eigenem Blut nicht möglich ist. „Wenn der 60-prozentige Hämatokritwert im Blut des Ex-Radsportlers Bjarne Riis der Wahrheit entspricht, hatte er wohl um die 30 Prozent mehr Hämoglobin im Blut und damit eine 15 bis 20 Prozent bessere Sauerstoffaufnahme als in nicht gedoptem Zustand!“ (soweit Walter Schmidt, Leiter der Abteilung für Sportmedizin und Sportphysiologie an der Universität Bayreuth).
Noch geheim, da noch nicht ganz ausgereift ist das Gendoping. Hier wird das Erbgut des Einzelnen dermassen manipuliert, dass mehr Muskelaufbau betrieben oder mehr rote Blutkörperchen produziert werden. Das Eine ist besser für den Kraft-, das Andere für den Ausdauersport. Welche Langzeitwirkungen dies haben wird, ist noch nicht ganz klar. Zudem kann dieses Doping auch nur mittels einer DNA-Analyse nachgewiesen werden. Dies aber lässt den Kampf gegen etwaige Sünder im Sport sündhaft teuer werden. Die Woröd Anti-Doping Agency WADA hat diese Doping-Art zwar schon in ihrer Liste aufgenommen (“Übertragung/Verwendung/Veränderung von Zellen und/oder Genelementen zur Steigerung der Leistungsfähigkeit”), doch ist bislang noch kein Fall bekannt. Jedoch zeigten sich dem Ganzen v.a. chinesische Ärzte gegenüber nicht wirklich abgeneigt! Soweit zumindest das Ergebnis diversester Testanfragen von Reportern.
Allerdings greifen nicht nur Spitzensportler zu dem einen oder anderen Mittelchen. Leider ist Doping auch im Breitensport durchaus gebräuchlich – wenn vielen auch nicht unbedingt bewusst. Vor allem dann, wenn eine Erkältung oder ein Schnupfen um sich greift. Besonders vorsichtig sollte man sein, wenn eine bakterielle oder eine Viruserkrankung, also eine schwerere Erkrankung des Körpers vorliegt. Werden zu deren Bekämpfung Antibiotika eingesetzt, sollten die Laufschuhe besser für einige Tage stehen gelassen werden – zur Genesung. Bereits bei einem Schnupfen ist es besser, einen Gang zurückzuschalten als Medikamente einzunehmen und in vollem Umfang weiterzutrainieren. Übrigens: Auch Spitzensportler setzen mit dem Training etwa bei der Grippe aus, da es hierbei zu einer Entzündung des Herzmuskels kommen kann, was auf der Intensivstation eines Krankenhauses endet.
Doch noch kurz mal zurück zur “Doping-Liste”! Insgesamt vier Kategorien sind auf dieser “Liste des Schreckens” zu finden:
1.) Leistungssteigernde Wirkstoffe
Durch die Einnahme solcher Mittel wird eine direkte Leistungssteigerung erzielt. Dies kann nun wie im Falle von Erythropoietin (EPO) durch die Erhöhung der Aufnahmefähigkeit für Sauerstoff im Blut geschehen, oder bei S107 zu einer besseren Regulierung des Kalziumhaushaltes im Muskel führen, wodurch eine spätere Ermüdung desselben erreicht wird (um 20-30 %).
2.) Anabolika
Diese zumeist künstlich hergestellten Hormone (etwa Testosteron) unterstützen das Muskelwachstum. Bei dem ähnlich wirkenden natürlichen Hormon Human Groth (Wachstumshormone) hingegen stossen die Doping-Kontrolleure meist an ihre Grenzen, da diese nicht bzw. nur sehr schwer nachgewiesen werden können.
3.) Stresshemmer
Häufig werden Mittel zur Senkung des Blutdruckes, wie etwa Beta-Blocker von jenen Sportlern missbraucht, die ein hohes Maß an Konzentration und Präzision benötigen. Hierzu zählen neben den Schützen auch Golfer oder Eisstockschützen.
4.) Schmerzmittel
Die häufigsten und bereits schon angesprochenen Doping-Mittelchen zuletzt. Nahezu keine Sportart kommt ohne solche Medikamente wie Ibuprofen aus. Dieses und viele andere aus der Familie stehen auch nicht auf der Dopingliste – Mitstreiter hingegen sehr wohl. V.a. Kraftsportler, aber auch Leichtathleten greifen immer wieder auf diese zurück.
Stellt sich abschliessend die Frage: Weshalb steht ausgerechnet im Radsport Doping auf dem täglichen Speiseplan? Sind die Rundfahrten inzwischen dermassen unmenschlich geworden, dass sie ohne nicht mehr bewältigt werden können? Sind das etwa die geheimen Wünsche unserer Spitzensportler: Lance Armstrong musste all seine Tour-Titel zurückgeben, die Resultate von Jan Ullrich nach dem 01. Mai 2005 wurden ebenfalls gestrichen. Auch von Rückzahlungen der Preis- und Sponsorengelder ist die Rede! Derzeit läuft wieder die “Tour der tausend Leiden”! Wer wird sie wohl heuer unehrenhaft verlassen müssen??? Wird der Radsport gar zum Nischensport, da die Basis bei den Fans bröckelt?

Doping ist kein Kavaliersdelikt! Doping ist Betrug am Sport!!!

Zuletzt noch die Liste der spektakulärsten Doping-Fälle:
.) Knut Enemark Jensen
Der Radsportler stürzte bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom. Er verstarb noch auf dem Weg in’s Krankenhaus. Bei der Obduktion wurden ungewöhnlich hohe Mengen an Methamphetamin und Pyridilcarbinol festgestellt. Seither werden Doping-Kontrollen durchgeführt
.) Jupp Elze
Der deutsche Boxer ging 1968 nach einem Schlag auf den Hinterkopf zu Boden – er verstarb 8 Tage später im Krankenhaus. Pervitin liess ihn über seine Erschöpfungsgrenze hinaus kämpfen.
.) Ben Johnson
Olympiasieger 1988 in Seoul – Aberkennung des Sieges und der Weltrekordzeit von 9,79 Sekunden über 100 m, da zwei Tage später in einer Urinprobe das verbotene Stanozolol nachgewiesen wurde
.) Diego Maradona
Im Urin der “Hand Gottes” wurden während der Fussball-WM 1994 in den USA verbotene Substanzen nachgewiesen. Er wurde für den Rest des Turniers ausgeschlossen.
.) Andreas Münzer
1996 verstirbt der Bodybuilder Andreas Münzer an einem multiplen Organversagen mit Leberdystrophie aufgrund des jahrelangen Missbrauchs von Dopingmitteln; Münzer wurde gerade mal 31 Jahre alt
.) Tour des France 1998
Nachdem bei einem Betreuer des Radteams Festina grosse Mengen von Erythropoetin (EPO) aufgefunden wurden, standen in allen Mannschaftsquartieren der Tour Razzien auf dem Plan. Neben dem Festina-Team wurde auch das TVM-Farm Frites-Team disqualifiziert. Die spanischen Rennställe zogen sich aus Protest gegen die Ermittlungmethoden zurück. Der bislang grösste Doping-Skandal des Sports ging als “Festina-Affäre” in die Geschichte ein
.) Dieter Baumann
1999 entdeckten die Doping-Kommissare den Wirkstoff Nandrolon sogar in dessen Zahnpasta. Umso bitterer: Der deutsche Langstreckenläufer hatte sich zuvor gegen Doping stark gemacht. Wurde es ihm etwa untergejubelt?
.) Olympische Winterspiele 2007
Bei einer Doping-Kontrolle der österreichischen Nordischen fliegt plötzlich eine Tüte aus dem Fenster des Quartiers. Der Inhalt: Gebrauchte Spritzen und Beutel. Sechs Biathleten und Langläufer werden ausgeschlossen
.) Gewichtheber-WM 2007
Im thailändischen Chiangmai wurden nicht weniger als zwölf Athleten wegen Dopings disqualifiziert

Interessante Links:

http://www.doping.de/

http://www.on-dope.de/

www.nada-bonn.de/downloads/listen

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Hallo! Ist da wer?

Als wir vor einigen Jahren in der Schule das Werk “1984″ von George Orwell über die Überwachungsendzeit der Gesellschaft gelesen haben, mussten wir noch schmunzeln: Die Menschheit kann doch nicht dermassen blöde sein, das mit sich machen zu lassen! Dieses Lächeln verging jedoch peu à peu und macht einer breiten Fassunglosigkeit Platz – so etwa in letzter Zeit durch die Diskussion zur Video-Überwachung. Oder dem jetzigen Internet-Skandal: Das FBI ermittelt gegen einen ehemaligen Geheimdienst-Mitarbeiter, der nach China geflüchtet ist. Seine Aussage erschütterte die heile Welt des Datenhighways: Edward Snowden plauderte gegenüber der “Washington Post” und dem britischen “Guardian” kurz mal aus seiner Schule und schon waren die Mauern in ihren Grundfesten erschüttert! Snowden ist eigentlich nur ein kleines Zahnrädchen im grossen Uhrwerk gewesen – jetzt sucht er Schutz im Schoss des Feindes! Nach offiziellen Angaben soll er sich in Hongkong aufhalten. Gegenüber der Presse meinte er, dass er nicht erwarte, sein Zuhause jemals wiederzusehen.
Es begann alles mit dem Bericht über den Telefonanbieter Verizon, der angeblich täglich der NSA berichten musste, wer mit wem und von wo aus telefonierte! Kurz darauf platzte dann die Bombe: Der ehemalige IT-Techniker des US-amerikanischen Inlandsgeheimdienstes NSA sowie des Auslandsdienstes CIA betonte, dass seit Jahren die User von Google, Facebook, Skype, Apple und anderen Global Playern im World Wide Web ausspioniert worden sind. Offiziell um dadurch Terroranschläge in den Vereinigten Staaten zu verhindern. Dabei gingen NSA und FBI jedoch von einer Generalschuld aus und sammelten einfach alle möglichen Informationen. Dieses Sammeln von Metadaten ist Bestandteil einer geheimen Direktive von Präsident Barack Obama, um dadurch eine Zielliste für mögliche Cyberattacken zu erstellen und gleichzeitig ein sog. “Data-Mining” durchzuführen, das aufzeigen soll, wieviele Informationen aus welchen Ländern kommen. Sobald also der Alm-Öhi der Senneralm im hintersten Zillertal nach getaner Arbeit des nächtens noch etwas im Facebook stöbert und das eine oder andere auf “Gefällt mir” gesetzt hat, wussten dies Menschen am anderen Ende der Welt, während sie ihren ersten Bürokaffee schlürften. Auch deshalb, weil in Lulea/Schweden der einzige Facebook-Server ausserhalb der USA steht, somit also ein Grossteil der Kommunikation direkt über das Obama-Land abgewickelt wird. Sollten all die Vorwürfe der Wahrheit entsprechen, kann die NSA über jeden Nutzer eines amerikanischen Providers ein Profil erstellen.
Das Geheimnis, das dahintersteckt heisst “Prism”. Ein Spähprogramm, das seit 2007 vornehmlich durch die National Security Agency (NSA) bei Internet-Grosskonzernen eingesetzt wurde, die ihren Firmensitz in den USA haben und stets verlässlich Daten liefert, wenn man sie benötigt oder eben auch nicht benötigt. Gerät beispielsweise ein Facebook-User in den Verdacht, terroristische Aktivitäten zu planen oder durchzuführen, so erhält die NSA bzw. das FBI volle Zugriffsrechte auf dessen Account. Das alles weisst zwar die Vorstandsebene des sozialen Netzwerks zurück. Doch unterliegt dies ohnehin der Geheimhaltung. Zuckerberg schrieb am 07. Juni 2013, dass “Facebook nie Teil eines Programms gewesen ist, das einer Regierung direkten Zugang zu Nutzerdaten gewährte!” Bei Skype genügt schon die Herstellung der Verbindung und das Gespräch wird aufgezeichnet, Google reagiert auf sog. “Keywords”, also gewisse Worte, die die Alarmglocken schrillen lassen (Bin Laden war etwa ein solches). Auch die Suchmaschine weiss offiziell nichts über eine ständige Präsenz von Regierungsvertretern auf ihren Servern. Gleiches ist aus dem Hause Apple zu erfahren. Inzwischen beruhe nahezu jeder siebte Geheimdienstbericht auf solchen Daten. Schon vor 14 Jahren hiess es, Microsoft habe in dem Betriebssystem Windows NT ein Hintertürchen für die NSA eingebaut.
Wie aber lief nun diese Überwachung? Die “Washington Post” beschreibt das Ganze wie folgt: Mitarbeiter der NSA schicken eine Anfrage, die vorerst beim FBI landet. Dort werde überprüft, ob die observierte Person amerikanischer Staatsbürger ist. Die Bundespolizei schickt die Anfrage dann direkt weiter an die entsprechenden Stellen in den Unternehmen. Hier werden alle zur Verfügung stehenden Daten gesammelt und an das FBI zurückgeschickt, das es an die NSA weiterleitet. Vornehmlich der Schriftverkehr via Mail wird auf derartige Weise kontrolliert! Bereits vollautomatisiert eingerichtet, können die betroffenen Unternehmen grossteils gar nicht mehr selbst Einblick in die Anfragen halten, berichtet zumindest die Zeitung aus der amerikanischen Bundeshauptstadt! Der Präsident erhalte täglich Auswertungen aus dieser Quelle. Und diese ist rein unerschöpflich. Besteht doch alleine in den USA ein solcherart verwendeter Speicherplatz von einem Yottabyte (Quelle: Wired), womit der komplette weltweite Internet-Verkehr für ein Jahr gespeichert werden kann.
Das Weisse Haus hat den Einsatz von Prism inzwischen bestätigt. Auch der Director of National Intelligence, James R. Clapper versucht in der “New York Times” Schadensbegrenzung zu machen. Es sei korrekt, dass Daten von Nicht-Amerikanern ausserhalb der USA seit sechs Jahren gesammelt würden. Man versuche dadurch, eine etwaige terroristische Bedrohung vorzeitig aufzuspüren. Dies alles beruhe jedoch auf einem Gesetz des Kongresses (Section 702 – Foreign Intelligence Surveillance Acts – kurz: FISA) und sei deshalb legal. Allerdings spricht Clapper auch von „zulässigen und dokumentierten geheimdienstlichen Zweck im Ausland“, auf deren Grundlage solche Datensammlungen durchgeführt werden. Von einer richterlichen Anordnung ist in diesem Zusammenhang nicht mehr die Rede. Microsoft und Facebook haben inzwischen Zahlen genannt, wie häufig die Geheimdienste bzw. Polizei entsprechende Angaben einforderte, Google und Twitter hingegen halten noch immer den Mantel des Schweigens über die ganze Sache. Für diese offiziell als “FISA-Anfragen” bekannten Anfragen, ist eigentlich auch in den USA eine geheime Gerichtsanordnung notwendig. Dies geschah laut Mark Zuckerberg von Facebook alleine im 2. Halbjahr 2012 zwischen 9-10.000 mal, bei Steve Ballmer von Microsoft zwischen 6-7.000 mal. Larry Page von Google hingegen betont, dass nicht wie in den Medien stets behauptet, den Behörden ein ständiger und direkter Zugang zu Daten geschaffen wurde. Auch hier habe man nur auf richterliche Anordnung gehandelt. Zahlen jedoch werden vorerst noch nicht veröffentlicht, da es wichtig sei, hierbei zu differenzieren. Dieser Ansicht ist auch das zweite soziale Netzwerk Twitter. Das Internet hat inzwischen reagiert. Massenhaft laufen User zu kleinen und bislang unbedeutenden Diensten wie etwa der Suchmaschine DuckDuckGo über, die sich auch bereits in der Werbung diesen Ausspäh-Skandal zu nutze macht. Tatsächlich müssen sich die bisherigen Platzhirsche das Vertrauen ihrer Kunden wieder zurückerobern. Dies versuche man durch die Veröffentlichung der Anfragen der Geheimdienste. Das aber ist – wie der Name schon sagt – geheim und damit gesetzlich verboten.
Auch politisch sorgt die Enthüllung für grossen Unmut in den USA. So sieht beispielsweise der republikanische Senator Rand Paul einen Verstoss gegen den vierten Zusatzartikel der Verfassung. Diese nicht öffentliche Speicherung von Millionen Telekommunikationsdaten stelle einen empörenden Machtmissbrauch dar! Nach eigenen Aussagen soll nun eine Klage zur Wiederherstellung des vierten Zusatzartikels am Obersten Bundesgericht eingebracht werden. Doch sind auch Mr. Smith oder Mrs. Miller empört. Seit 9/11 habe sich sehr viel verändert. Die “Bill of Rights”, für die über 200 Jahre gekämpft wurde, sei durch die Terrorismus-Bekämpfung komplett ausser Kraft gesetzt! Die Regierung könne sich jederzeit in das Privatleben der Bürger einmischen – auch ohne Verdachtsmoment! So ist im englischen “Guardian” inzwischen von der “United Stasi of America” die Rede. Allerdings sollte man als Europäer in diesem Glashaus nicht mit Steinen werfen, wurden doch auch die Teilnehmer des letzten G20-Gipfels unwissend ausspioniert! Auch im Europaparlament sieht man diese Entwicklung mit einem weinenden Auge. So sei der Schutz vor einer derartigen Überwachung die Voraussetzung für einen demokratischen Staat (Jan Philipp Albrecht – deutscher MEP der Grünen).
Snowdon, der am 21. Juni seinen erst 30. Geburtstag feierte, ist inzwischen vermutlich in Hongkong untergetaucht und hat um politisches Asyl angesucht. Dort wird er als Held für seinen “Kampf gegen das System” gefeiert. Zudem sei er “zu brilliant um eingesperrt zu werden” – ähnlich wie Julian Assange (Wikileaks). Er dürfte wohl den Chinesen nicht unwichtig sein. Schliesslich haben in den letzten Monaten immer wieder Hacker aus dem Reich der Mitte US-amerikanische Regierungsserver unsicher gemacht – auch wenn die Regierung aus Peking dies abstreitet. Prism wäre hier wohl ein Lottosechser mit Superzahl.
Deutschland übrigens gehört, glaubt man den Ausführungen der britischen Zeitung “Guardian”, zu jenen Ländern, aus welchen am meisten Daten gesammelt wurden. Beispielsweise im März 2013 ebenso viele wie aus dem Irak, Saudi Arabien oder China! Weshalb dies so ist, ist zumindest offiziell unbekannt. Die deutsche Bundeskanzlerin hatte auf jeden Fall beim Besuch Ihres Amtskollegen Obama aus den USA diese Woche ein ernstes Wörtchen mit dem mächtigsten Mann der Welt zu wechseln. Der deutsche Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hingegen hat inzwischen gewarnt: “So geht man nicht mit Freunden um…!” (Quelle: Welt am Sonntag). Doch meint er nicht die USA, sondern die deutsche Mobilmachung durch die Medien. Schliesslich sei Deutschland ebenfalls auf den Datenfluss aus den USA angewiesen! Seine Kollegin, Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) übt hingegen herbe Kritik an dem Usus der NSA. Sie spricht von einem “Speicherwahn”! Könnte man durchaus so bezeichnen, soll doch die NSA alleine im März 2013 nicht weniger als 97 Milliarden Datensätze auf diese Art gespeichert haben, nur drei Milliarden davon stammen aus den USA selbst.
Wie aber kann sich nun der kleine Internet-Surfer vor dem Fernglas aus dem Ausland wehren? Verwenden Sie freie Software und greifen Sie auf europäische Anbieter zurück. Doch auch hier ist nicht alles eitel Sonnenschein. Beabsichtigt beispielsweise der deutsche Bundesnachrichtendienst BND in den kommenden Jahren, das Internet-Ausspähen auszubauen. 100 Mio € sollen in dieses “Technikaufwuchsprogramm” investiert und 100 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Die ersten 5 Mio Euro hat die Bundesregierung hierfür bereits zur Abholung freigegeben. Das sog. “G10-Gesetz” (Gesetz über die Beschränkung des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses) ermöglicht dies. So darf der Geheimdienst bis zu 20 % der Kommunikation mit dem Ausland überwachen. An wichtigen Knotenpunkten des Datenhighways, wie etwa in Frankfurt/Main, hat der BND eigene Räume hierfür eingerichtet. Aufgrund des hohen Aufkommens aber auch technischer Probleme können jedoch nur 5 % anstelle der (offiziellen) 20 % ausgewertet werden. 2011 waren dies nicht weniger als 2,9 Mio Mails und SMS. Facebook-Posts und Skype-Gespräche gehören hier ebenso dazu wie Telefonanrufe. Der Grossteil der Daten jedoch wird nur gefiltert – nicht gespeichert, betont Bundesinnenminister Friedrich. Übrig blieben aus diesem überprüften Material gerade mal 290 nachrichtendienstlich relevante Informationen!
Auch werden über die Vorratsspeicherung Daten massenhaft gesammelt und für zumindest 6 Monate aufbehalten. Hier können Exekutive und andere Dienste jederzeit nach richterlicher Anordnung zugreifen – wenn ein begründeter Verdacht besteht. Es gehe dabei nicht um das Ausspähen des kleinen Bürgers, meint der Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke. Die Vorratsdatenspeicherung nutze jedoch in grossem Maße den Ermittlern bei deren Arbeit. Diese stossen allerdings bereits langsam an ihre Grenzen, hat doch der Datenumfang dermassen zugenommen, dass er unbedingt reduziert werden müsse. Deshalb wäre auch eine solche Ausschöpfung von Metadaten in deutschen Landen gar nicht realisierbar, so zumindest Ziercke. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) wird sich am 09. Juli der Vorratsdatenspeicherung annehmen. Was jedoch juristisch noch gar nicht endgültig behandelt wurde, ist in Österreich schon seit Monaten Usus. Gespräche werden aufgezeichnet, Internet-Schriftverkehr und -bewegungen protokolliert! 2012 gab es bis Ende November in diesem Bereich exakt 188 Anfragen, die jedoch allesamt gerichtlich bestätigt waren. Nur eine bezog sich auf die Terrorismusbekämpfung – sie entstammte zudem einem Rechtshilfeansuchen aus dem Ausland. Der österreichische Verfassungsgerichtshof und der irische High Court waren es auch, die den EuGH mit der Angelegenheit beschäftigen. Denn – was hat das alles mit den gemeinschaftlichen Grundrechten in der EU zu tun? Der jetzige deutsche Bundesverteidigungsminister und frühere Innenminister Thomas de Maizière (CDU) bringt es auf den Punkt: Eine Datenspeicherung verstösst nicht gegen das Grundrecht. Dafür sorgt erst deren Auswertung. Gegenwärtig läuft zudem die Diskussion über die Bestandsdatenauskunft. Dadurch entfällt die Anonymität des Einzelnen im World Wide Web. Mittels seiner IP-Adresse oder auch der Handynummer können schon bei kleineren Delikten alle personenbezogenen Daten abgefragt werden.
Das mit dem Verschlüsseln von E-Mails ist zwar gut und schön, nutzt aber nur dann etwas, wenn Sie die Mail mit einem eigenen, lokalen Programm verschlüsseln. Doch benötigt auch der Empfänger diese Software, um die Mail wieder zu entschlüsseln. Wenn Sie jene Programme verwenden, die von den grossen Internet-Dienstleistern angeboten werden (Googlemail oder Yahoo beispielsweise), so ist die Codierung hier insofern zwecklos, da die Spione ja direkt beim Unternehmen eingreifen. Eine Ausnahme bildet etwa der kanadische Webmail-Anbieter Hushmail. Er agiert datenschutzfreundlich! Die Mails bleiben codiert. Doch auch hier kann nach einer richterlichen Anordnung Einblick gewährt werden! Vorsicht geboten ist auch mit dem derzeit boomenden Cloud. Egal ob über Handy, Laptop, Tablet – Ihre Daten sind jederzeit für sie erreichbar. Doch auch für andere und dies erleichtert die ansonsten dermassen schweisstreibende Arbeit der Geheimdienste immens. Solch tolle Geschichten wie beispielsweise “Dropbox” ermöglichen somit eine allumfassende Überwachung des Users. Einerseits da die vorgegebenen Codierungen durch die Anbieter jederzeit encodiert werden können, andererseits da die Informationen ohnedies bis zum Abschicken unverschlüsselt da liegen. Auch hier sollten sie unbedingt lokale Codierungen verwenden. Solche finden Sie etwa bei Teamdrive oder Wuala. Sie zu knacken ist für Fachleute zwar kein Problem, jedoch stellen sie ein kleines aber feines Hindernis dar, dessen Überwindung Zeit kostet.
Stellt sich also abschliessend die Frage, ob eine Social Media-Revolution wie beispielsweise in Ägypten in der “zivilisierten Welt” überhaupt machbar wäre, ob solche Posts nicht etwa durch eine dritte Hand sofort noch vor deren Veröffentlichung gelöscht würden!
Doch auch ganz offiziell können Sie sich wehren: Etwa im Rahmen der Online-Petition Avaaz:

https://secure.avaaz.org/de/stop_prism_global/?slideshow

Innerhalb nur einer Woche haben hier über 1 Mio Menschen für die sofortige Beendigung dieser Internet-Überwachung und die Anerkennung Snowdens als “Whistleblower” gevotet – und es werden täglich mehr.
Ach ja – Offensive Cyber Effects Operations (OCEO) – das ist wieder eine ganz andere Geschichte!!!
PS: George Orwell is back! Das Überwachungsszenario “1984″ erlebt derzeit einen Verkaufsboom wie seit dessen Ersterscheinung in den 80ern nicht mehr. Und Fakt ist: Orwell hatte recht! Ein solcher Überwachungsapparat wie jenen in den USA hat es noch niemals gegeben! Und Snowden war daran beteiligt! Nach seiner Flucht meinte er: “Ich erkannte, dass ich Teil von etwas geworden war, das viel mehr Schaden anrichtete als Nutzen brachte!”

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Auf in den Kampf

WARNUNG: Die hier verlinkten Videos beinhalten Gewaltszenen! Bitte achten Sie darauf, dass sie nicht von Minderjährigen angeklickt werden!
Sie dienen dem Aufzeigen von Grausamkeiten – keineswegs dem Amusement von Perversen!!

Sie sind die Helden des Volkes, Symbol für Intelligenz, Ästhetik und Macht. Wenn sie es entscheiden, riecht es nach Tod: Die Toreros! Volksheld Nummer 1 ist derzeit Juan José Padilla, der Mann mit der Augenklappe. Bei einem Kampf durchstiess ein Stier seinen Kiefer. Und die TV-Kameras waren live dabei, als sich Padilla wieder aufrichtete, sein Auge vom Boden aufsammelte und mit dem Schrei “Ich kann nichts mehr sehen!” in Richtung Ausgang torkelte. Eine komplette Gesichtshälfte musste rekonstruiert werden, auf dieser Seite kann er weder hören noch sehen! Doch spricht er nach wie vor von einem “Tanz mit dem Stier”! Für ihn steht im Mittelpunkt, das Publikum zu unterhalten, seine Künste zu präsentieren und vollendete Bewegungen zu zeigen. Erst in zweiter Hinsicht geht es um den Kampf mit der Bestie! Jährlich sterben rund 40.000 Stiere in den Arenen dieser Welt. 1.200 Zuchtbetriebe, 70.000 Angestellte alleine in Spanien – der Stierkampf ist schon seit langer Zeit kein ritueller Kampf mehr! Es ist vielmehr “panem et circenses” (Brot und Spiele), das im alten Rom erfunden wurde, um das Volk zu belustigen und von den Sorgen abzulenken. Mensch gegen Mensch, Mensch gegen Tier – der Stärkste ging vom Platz – ansonsten hatte das Volk einen neuen Helden. Doch in der Stierkampfarena ist und bleibt das Tier der Verlierer – auch wenn es stärker sein sollte als der Torero, so wird es innerhalb der nächsten 20 Minuten sterben.
Im Jahre 1749 wurde in Spanien die erste Plaza de Toros erbaut. Nachdem der neue Kampf für die Massen aber offensichtlich etwas zu blutig war, wurde das Spektakel durch König Karl IV. voerst verboten. Nach dessen Wiederzulassung durch Karls Nachfolger Ferdinand VII. hingegen entwickelte sich der ungleiche Kampf um’s Überleben zu einer Sonntags-Nachmittags-Familienveranstaltung. 1796 erschien mit der Schrift “Tauromaquia” (geschrieben vom Matador José Delgado) die Bibel des Stierkampfes. In vielen Arenen wird auch heute noch nach diesen Regeln gekämpft. Pedro Romero, der Enkel des Erfinders dieses mehr als zweifelhaften Sportes, Francesco Romero, gründete im Jahre 1830 in Sevilla die erste Schule für zukünftige Toreros und Matadore. Bereits Kinder im Alter von fünf Jahren (“novilleros”) – in Mexiko, in Spanien gilt offiziell ein Mindestalter von 16 Jahren – werden auf das spätere Leben in der Arena geschult – teilweise sogar mit Geldern aus den Töpfen der EU. Und jeder männliche Spanier wäre gern ein Matador, kommen doch die meisten aus einfachsten Verhältnissen. Hier können sie Ruhm und Geld ernten. Blutiges Geld! Dies zeigt die grösste Schule des Landes, die Escuela de Tauromaquia in Madrid auf. Jedes Jahr beginnen etwa 100 Jugendliche mit der vierjährigen Ausbildung. In vielen Regionen Südfrankreichs, Spaniens und Portugals, aber auch jenseits des grossen Teiches in Lateinamerika dient der Stierkampf der Volksbelustigung. In Tansania gibt es eine nicht-tödliche Version der Corrida de Toro (sogar in Afrika ist man insofern humaner und fortschrittlicher). Tausende reisen an, um sich dies nicht entgehen zu lassen – auch aus Mittel- bzw. Nordeuropa und den USA. Nicht immer wird dabei der Stier am Ende getötet. Gequält hingegen überall.

https://www.youtube.com/watch?v=mLV_FYEeT5Q

Doch, was macht dieses Abschlachten eines Tieres so interessant für die Massen, sodass jedes Jahr Millionen in die Arenen strömen? Hier ein kurzer Ausschnitt einer solchen Veranstaltung. Zu Beginn marschieren im “paseillo” die “Toreros” (Kämpfer) zu den Klängen eines Paso Dobles in die Arena ein. Weltbekannt hierfür (vor allem für die zahlreichen Touristen) ist zudem die Arie “Auf in den Kampf” aus der Oper “Carmen” von Georges Bizet. Die menschlichen Akteure bestehen aus dem “matador de toros” (Stiertöter) und den “picadores” (Lanzenreitern) sowie den “banderilleros”. Danach wartet alles auf den Hauptdarsteller, der allerdings zum letzten Mal in seinem Leben die Sonne sieht: Den Stier! Pro Veranstaltung treten drei Matadore gegen sechs Stiere an. Der eigentliche Kampf wird dann in drei Teilen ausgefochten: Im ersten Teil, dem “Tercio de Varas” reizt der Torero das Tier mit einem zumeist purpur/goldenen Tuch, dem “capote”. Die ersten Verletzungen werden dem Tier unterdessen durch die Lanzenreiter im Nacken- und Schulterbereich zugeführt. Dadurch kann sich der Stier nicht mehr aufrichten, den letzten und qualvollsten Abschnitt seines Lebens verbringt er in gebückter Haltung. Im zweiten Teil (der “colocación”) versuchen die Banderilleros drei Paar Holzstöcke mit Widerhaken und bunten Bändern in den Muskelstrang zwischen den Schultern des Stieres zu stechen. Sie zerschneiden bei jeder Bewegung des Tieres die Nackenmuskulatur mehr und mehr. Im dritten Teil, der “faena”, sticht der Matador dem Stier einen Degen zwischen den Schulterblättern hindurch! Bereits vor diesem Stoss ist der Bulle schwerst verletzt! Da das Tier auch hierdurch seinen Todeskampf noch nicht überwunden hat, versuchen Helfer es noch zu seitlichen Bewegungen des Kopfes zu bewegen bis schliesslich ein weiterer Helfer, der “puntillero” den Bullen durch einen gezielten Dolchstoss in dessen Genick tötet – oder auch nicht! Er sollte eigentlich das Rückenmark des Tieres durchtrennen. Doch nicht immer treffen sie dieses auch, sodass das Tier bei vollem Bewusstsein bleibt! Das Publikum entscheidet schliesslich aufgrund seiner Reaktion (winken mit Taschentüchern, werfen mit Zigarren oder Sitzkissen) über den Kampf. Erfolgreiche Matadore dürfen eine Ehrenrunde drehen und erhalten ein oder beide Ohren des Tieres bzw. dessen Schwanz. Besonders starke Bullen werden von Pferden oder Maultieren am Publikum vorbei durch die Arena gezogen – als Zeichen der Ehrerbietung! Tatsächlich ist ein solcher Stierkampf also ein öffentliches, qualvolles und unwürdiges Abschlachten eines zuvor stolzen Bullen. Alleine in Spanien gibt es pro Jahr rund 2.000 solcher blutigen Veranstaltungen.

https://www.youtube.com/watch?v=wKDTCrIhrhY

Immer wieder versuchen Tierschutzorganisationen ein Ende dieser grauenhaften Hinrichtung zu erreichen. Die aufsehenerregendste davon die Organisation PETA mit dem “running of the nudes”. Jährlich beteiligten sich mehr als 1000 Menschen aus 30 Ländern an diesem Marsch im Adamskostüm durch Pamplona. Alles jedoch zumeist ohne Erfolg! Politiker befürchten den Verlust wertvoller Wählerstimmen, da nicht selten ganze Regionen wirtschaftlich von den blutigen Spielen abhängig sind. Alleine in Spanien werden rund 1,5 Milliarden Euro jährlich umgesetzt, die in einer Corrida getöteten sechs Stiere belaufen sich auf zirka 150.000,- €. Und die Austragungsorte kassieren ganz feste mit. So erhält etwa die Stadt Madrid durch die Betreibergesellschaft der grössten Arena jährlich rund 5 Mio € nur an Konzessionsgebühren. Mancherorts haben die Bemühungen jedoch bereits Früchte gezeigt. So werden nurmehr in Spanien, Südfrankreich (Courses de Taureaux) und teilweise in Portugal (Corrida de toiros – hier übernimmt dies aber ein ausgebildeter Metzger ausserhalb der Arena) – die Tiere getötet. Auf den Kanaren verbietet seit 1991 ein Tierschutzgesetz die Kämpfe; in Katalonien mit Hauptstadt Barcelona seit 2012. Doch waren hierfür nicht weniger als 180.000 Unterschriften nötig. Auch die Stadtregierung von San Sebastian (Baskenland) hat sich dagegen ausgesprochen. Die sozialistische Regierung verbannte den Stierkampf 2006 von den Bildschirmen. 2011 wurde er allerdings unter Ministerpräsident Martiano Rajoy wieder zugelassen. Und dies im Vorabendprogramm, wo normalerweise der Kinder- und Jugendschutz Gewaltszenen verbietet. In Südamerika erzielte die Tierschutzorganisation WSPA ein Verbot solcher TV-Ausstrahlungen. Nicht nur für die Stiere bedeutet dies eine unglaubliche Quälerei – auch die Pferde der Lanzenreiter sind grosser Gefahr ausgesetzt. Ihnen sind meist Augen und Ohren verbunden, damit sie nicht flüchten. Trotz Schutzpolsterungen kommt es immer wieder zu schweren nicht selten auch tödlichen Verletzungen. Prellungen, Brüche und Stichverletzungen – jährlich sterben auf diese Art rund 200 Pferde.

https://www.youtube.com/watch?v=hhAppHyHTuQ

Neben derartigen Kämpfen gibt es auch die Stierrennen, die ich jedoch nur am Rande streifen möchte. Hierbei werden die Tiere vorerst noch nicht getötet (erst später in der Arena), sie können sich aber auf den Strassen im Gedränge schwer verletzen. Viele rutschen in den Kurven aus, krachen gegen die Absperrungen und werden von nachkommenden Tieren getreten. Am bekanntesten sind die Rennen während des San Fermin-Festes in Pamplona (Spanien). Mit Elektroschocks werden die verschreckten Tiere auf die Strasse getrieben. Zudem soll es “der Tradition entsprechen”, dass sie dabei vom Publikum mit zusammengerollten Zeitungen geschlagen werden. Auch in Nimes, Béziers und Céret (Frankreich) werden ähnliche Veranstaltungen abgehalten, jedoch in einer Arena. Dabei versuchen die “razeteurs” Kokarden und Quasten, die dem Stier auf die Hörner gebunden wurden, zu greifen. Gelingt dies nicht innerhalb von 15 Minuten, verlässt der Stier als Sieger die Arena. Somit hat auch er etwas davon: Er wird gefeiert und kann berühmt werden. Je berühmter ein solcher Stier, desto höher ist sein Kampfpreis. In Kolumbien findet einmal jährlich in Sabanalarga das Stierkampf-Festival statt. In dessen Rahmen werden immer wieder Hobby-Toreros teils schwer verletzt! In der Schweiz werden Kuhkämpfe ausgetragen. Hierbei wird vor dem Alpauftrieb der Eringer- oder Evolener-Kühe der Rang der Leitkuh ausgefochten. Ein Tier hat dann verloren, wenn sie ausweicht oder weggestossen wird. Diese Veranstaltung ist grossteils unblutig. In Japan finden mit dem “T?gy?” ebenfalls kommerzielle Stierkämpfe zwischen den Bullen statt. Die hierfür speziell gezüchteten Tiere werden mit Sake (Reisschnaps), Bier und grünem Tee betrunken gemacht und dann aufeinander losgelassen. Auch hier kann ein Kampf durchaus tödlich für einen der Kontrahenten enden.

https://www.youtube.com/watch?v=nB8c-GlMoUM

Ob so oder so – Stiere werden vor dem Kampf oft tagelang im Dunkeln gehalten. Zusätzlich werden ihnen die vorderen Enden der Hörner abgesägt oder -geschliffen. Diese aber dienen dem Tier als Orientierungshilfe. Somit kommt es zu Problemen bei der Koordinierung der Bewegungsabläufe. Beim Weg in die Arene wird dem Bullen ein Widerhaken in den Nacken gerammt. Hier angebracht sind Bänder in den Farben des Zuchtbetriebes sowie des Landes. Nach einer Studie der Universität von Salamanca werden zudem 20 % der Tiere vor dem Kampf Medikamente verabreicht. Entzündungshemmende Mittel, damit die schweren Verletzungen abgeschwächt werden. Sehr häufig wird ihm auch Vaseline in die Augen geschmiert, sodass er keine Distanzen mehr abschätzen kann. Der Bulle würde gerne seinem natürlichen Flucht-Instinkt folgen. Das jedoch kann er aufgrund der geschlossenen Arena nicht. Zudem wird er durch die Lanzen der Picadores praktisch zum Kampf gezwungen. Anschliessend werden Ohren und Schwanz abgeschnitten ohne vorher überprüft zu haben, ob das Tier auch tatsächlich tot ist! Das blutige Abschlachten wird nahezu ausschliesslich für Touristen abgehalten. Doch – wer einen solchen ungleichen Kampf einmal gesehen hat, möchte keinen zweiten mehr miterleben. Es gibt sogar Hotels, die eigene Corridas für ihre Gäste abhalten. Obwohl eine Gallup-Umfrage aus dem Jahr 2006 aufzeigt, dass sich 72 % der befragten Spanier nicht für den Stierkampf interessieren (in den 80ern waren es noch 54 %), bezeichnen dessen Fürsprecher diesen als einen Teil der kulturellen Identität Spaniens und Südfrankreichs. In Portugal wird mit den damit verbundenen Arbeitsplätzen argumentiert. Doch tatsächlich ist es immer mehr ein umsatzbringendes Touristenspektakel. Und das wollen sich die Spanier in Anbetracht der derzeitigen Krise keinesfalls entgehen lassen. Ihre Kollegen aus Südfrankreich haben die Aufnahme des Stierkampfes in das Weltkulturerbe der UNESCO beantragt. Sollte dies gelingen, so gilt dieses Abschlachten als international unangreifbar. Deshalb hier nun mein Appell an Sie: Besuchen Sie bitte keinen Stierkampf! Unterstützen Sie stattdessen die Petition der Tierschutzorganisation PETA:

http://www.peta.de/web/aktionsaufrufstier.7336.html?pk_campaign=NewsJuni2013

Ich möchte nun abschliessend die berühmtesten Kampfstiere erwähnen – nicht wie alle anderen die Matadore, denn: Die Bullen sind es, die auf dem Sand der Arena sterben – unbewaffnet und nach Höllenqualen!

„Gordito“ – der “Pferdekiller” tötete 1869 21 Pferde. Er wurde zwar vom Publikum begnadigt, erlag aber noch in der Arena den schweren Verletzungen.

„Civilón“ – der “Freund des Menschen” liess sich gar von Kindern streicheln und reiten – er war friedlich. Nachdem die Zeitung “Estampa” über ihn berichtet hatte, war die Arena von Barcelona am Tag der Corrida voll mit Spruchbändern, die die Begnadigung des Stieres forderten. So war es auch – im Bürgerkrieg jedoch wurde er geschlachtet.

„Islero“ – obwohl er den Degen des Matadors bereits im Nacken hatte, spiesste der Stier den berühmten Torero Manolete 1947 in Linares am Oberschenkel auf. Bevor er starb, versuchte er noch weitere Male den Matador zu erwischen. Manolete folgte seinem vierbeinigen Widersacher noch in der darauffolgenden Nacht. Lamborghini benannte einen Sportwagen nach dem Stier, seine Statuen werden auch heute noch in den Arenen verkauft.

„Murciélago“ – die “Fledermaus” wurde bei einem Kampf 1879 in Cordoba mit 24 Lanzenstössen verwundet. Der Matador liess ihn am Leben. Durch die anschliessende Kreuzung mit 70 Kühen entstand die “Miura-Zuchtlinie”. Stiere kommen auch heute noch aus dieser Familie. Sie gelten als sehr kampflustig.

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Lasst uns auf die Strasse gehen, bevor wir dort enden

Der Kapitalismus – viele haben an ihm verdient, ihn verehrt und ihn als Gottheit in höhere Sphären gehoben! Sie sind jetzt die grossen Strippenzieher im Hintergrund und bestimmen, wohin der Hase läuft! Diejenigen, die nach wie vor gegen ihn anzukämpfen versuchen, dürften seit der Oktoberrevolution im Jahre 1917 in Russland etwas verpasst haben. Denn dort, wo jetzt Hammer und Sichel hochgehalten werden, regiert der Kapitalismus in Reinkultur. Weshalb sind denn die Rubel der russischen Oligarchen im Westen dermassen beliebt? Weshalb hat Fidel Castro sein Land dem Fremdenverkehr gegenüber öffnen müssen? Den Ausbeutern, die sich einen Urlaub im Ausland leisten können. Weshalb droht Nordkorea jetzt mit der Atombombe, deren Finanzierung ohne die Erdöl-Millionen aus dem Iran gar nicht machbar wäre? Das treue Volk jedoch hungert sich zu Tode. Und die vielen Luxusvillen und -limousinen in China? Jene, die sich nach wie vor gegen den Kapitalismus verschliessen, sind realitätsfremd! Wirklich???
Denn – seit damals die Immobilienblase in den USA platzte und damit die schlimmste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten auslöste – seit damals hat die immer wieder auftauchende Fratze einen Namen bekommen: Armut! Nichts also mit den kantigen Gesichtszügen eines Kommunisten. Durch die Finanzkrise wurde eines klar: Immer mehr schlittert auch der gutsituierte Mittelstand in den Abgrund. Familien mit Auto(s), Haus und etwas auf der hohen Kante werden von einem Tag auf den anderen zu Sozialhilfeempfängern. Den Spekulanten jedoch entlockt dies gerade mal ein müdes Lächeln. Hier zählt nur Gewinn, Gewinn und Gewinn in einer ständig steigenden Kurve. Denn: Gleichstand bedeutet Stillstand! Die Gier nach immer mehr wird immer grösser. Dabei kann auf das Schicksal Einzelner partout keine Rücksicht genommen werden – Kollateralschaden! Beginnt beim kleinen Fliessbandarbeiter, der wegrationalisiert wird, und endet beim mittleren Manager, der Zahlen nicht mehr erfüllen kann. Und die Banken spielen fleissig mit! Kein Wunder, ist doch damit sehr leicht Geld zu verdienen. Allerdings wieder wird auchimmer wieder so mancher Banker dabei erwischt, wie er hohe Beträge in Risiko-Anlagen investiert. Solange dies Rendite abwirft, ist er der Gefeierte, der Star unter den Anlegern, der potente Stier. Doch wenn auch hier die Blase platzt, ist der vorher Hochgelobte plötzlich der Buhmann, der Loser, der sich ständig bückende Bär! Doch mir stellt sich eine ganz andere Frage: Wie kann man Geld, das einem zur Verwahrung übertragen wird, in riskante Geschäfte investieren?! Erst vor einigen Wochen wurde in Frankfurt ein hochrangiger Banker von seinem Arbeitgeber gekündigt, da er sich geweigert hatte, solche Risiko-Geschäfte zu genehmigen. In Salzburg bzw. auch in Linz/OÖ wurde gar mit Steuergeldern spekuliert!
Die Occupy-Bewegung hat das erkannt und zum ersten grossen Protest aufgerufen. Mit “Occupy Wall Street” wurde am 15. Oktober 2011 der weltweit grösste Protest in der Geschichte der Menschheit ausgelöst. Was anfänglich gegen die Banker und Spekulanten gerichtet war, setzte sich in Spanien fort und löste den Arabischen Frühling aus! Es war das erste wirkliche Aufbegehren “normaler Menschen”. Vom Studenten über den Lehrer bis hin zum Kleinunternehmer – ein buntes Sammelsurium aus allen Bevölkerungsschichten. Doch gebracht hat es leider rein gar nichts. Weder in den USA noch in den nordafrikanischen Staaten bzw. Ländern des Nahen Ostens! Nach wie vor wird spekuliert und gewettet, die alten Machthaber sind durch neue abgelöst worden, die zumeist nicht besser sind als ihre Vorgänger. Und die Wetten laufen weiter und weiter! Vor kurzem in einer Interview-Sendung des SWR gehört: Inzwischen wird sogar auf das Ableben von Prominenten gewettet! Dies meinte ein ehemaliger hochrangiger Banker einer eidgenössischen Grossbank!
Bei solchen und ähnlichen Meldungen muss man sich ernsthaft fragen: Soll ich meine mühsam abgezwackten Cents noch länger auf der Bank ruhen lassen? Banken werden zu Wettbüros, ihre Investment-Abteilungen zu Buchmachern. Solange sich dabei die Reichen selbst die finanziellen Wasserköpfe einschlagen, ist dies zwar unmoralisch, jedoch geht es uns Normalos nichts an. Mischen allerdings auch die Banken selbst mit, dann geschehen solche Sachen wie bei den Lehman Brothers, der Hypo Real Estate oder Hypo Alpe Adria – ja auch wie bei Goldman Sachs!
Und die verantwortlichen Banker kassieren trotzdem Provisionen, die zumeist höher ausfallen als ihr ohnedies sehr mageres Jahres-Salär! Bei Erfolg – aber auch Misserfolg! Hier zumindest hat nun die Politik einen Riegel vorgeschoben. Die Provisionen dürfen eine gewissen Grenze nicht überschreiten, zudem müssen die Aufsichtsräte darüber in Kenntnis gesetzt werden! Und: Banker, die einen Bock geschossen haben, dürfen auch strafrechtlich verfolgt werden! Apropos Strafrecht: Es gab in längst vergessenen Zeiten mal den Ausdruck der “betrügerischen Krida”. Dies gilt aber selbstverständlich nur für die kleinen, niemals für die grossen Fische. Und apropos: Aufsichtsrat! Offenbar eine recht lustige Runde der unterschiedlichsten Wirtschaftstiger, die sich über alles unterhalten, nicht jedoch über das, was sie eigentlich beaufsichtigen sollten. Wie sind ansonsten solche Milliardendebakel zu erklären? Aber – man muss diesen Damen und Herren Hochachtung zukommen lassen. Schliesslich sind sie offenbar dermassen wertvoll, dass sie zumeist in mehreren Aufsichtsräten sitzen. Somit können sie sich nicht wirklich um jede Kleinigkeit, wie beispielsweise die Investmentpraktiken oder Boni ihrer Manager kümmern! In vielen börsennotierten Unternehmen alsdann schlichtweg ein Oxymoron!
Möchten Sie als Kleinsparer nun gegen solche Vorgehensweisen protestieren und einen Bankenwechsel durchführen, so haben Sie sich in den Finger geschnitten. Konsumentenschützer betonen, dass nur zwei von zehn Fällen beim ersten Anlauf funktioniert hätten. Und dies obwohl die Geldinstitute sich Selbstregulierungsmassnahmen auferlegt haben, die aber allen Anscheins gescheitert sind. Deshalb hat Brüssel eingegriffen. Eine neue Richtlinie sieht vor, dass sich hierum die neue Bank zu kümmern hat. Binnen 15 Tage (im Inland) muss ein solcher Wechsel vonstatten gehen. Zudem wird Kostentransparenz angestrebt, sodass jeder im Vorfeld genau über den Dschungel an Gebühren bescheid weiss.
In diesen Tagen jedoch ging das Volk erneut auf die Strasse – logisch, ist doch vielen von Ihnen Hab und Gut unter dem sprichwörtlichen “Arsch” weggepfändet worden. Occupy lebt weiter im Bündnis “Blockupy”. Und jetzt stecken ganz andere Kaliber dahinter. Wollten sich vor zwei Jahren Gewerkschaften, NGOs und auch Parteien noch nicht federführend anschliessen, um nicht in den Dunstkreis linksradikalen Dauerprotestler zu gelangen, so haben sich vor rund einem Jahr 90 Organisationen (von Ver.di über Die Linkspartei bis hin zu Anti-Globalisierungs- und Tierschutzvereinigungen) zusammengeschlossen und zum Protest aufgerufen. Erst kürzlich haben sich Tausende Menschen im Bankenviertel Frankfurts getroffen, um ihrem Unmut zur Krisenpolitik Berlins und auch Brüssels freien Lauf zu lassen. Zum zweiten Mal übrigens. Vor rund einem Jahr fand die Premiere statt – mit 20.000 Menschen – der Grossteil davon Menschen wie Sie und ich! Das Frankfurter Rathaus reagierte ebenso wie die Kollegen in New York im Jahr zuvor: Hektisch. Die Innenstadt wurde damals hermetisch abgesperrt, Kundgebungen verboten und Verhaftungen durchgeführt bzw. Platzverweise erteilt. Damit wurde die Mainmetropole weltweit zur Lachnummer, da die Abschlusskundgebung friedlich verlief. Klar – auch das Gegenteil hätte wohl der Fall sein können.
Man sollte meinen, dass die Verantwortlichen für den Protest in diesem Jahr dazu gelernt hätten – doch wurde auch diese Kundgebung eingeschränkt bzw. verboten. Erst das Einschreiten der Verwaltungsgerichte der Frankfurts und Kassels ermöglichte die Kundgebung, die übrigens auch heuer friedlich über die Runden gegangen wäre. Der Protestzug sollte durch die Strassenschluchten Mainhattans ziehen, vorbei an den Symbolen der Geldmacht: Der Deutschen Bank und der Europäischen Zentralbank. Dort und auch in den anderen Hochhäusern sitzen jene, die mitverantwortlich sind für die derzeitige Situation: Immer mehr Rendite, immer mehr Macht den Banken. Während den Menschen in den Krisenländern nach wie vor das Wasser bis zum Halse steht (verzeihen Sie mir bitte in Anbetrecht dieser Woche diesen Vergleich!), erhielten die Banken wieder Geld. Zur Aufstockung des Grundkapitals, wie es immer so schön heisst. Andere sprechen vom “Aufstocken der Kriegskasse”. Eigentlich dürfte keine Bank dermassen hoch spekulieren, als sie dadurch das Grundkapital gefährdet. Doch – viele der geld- und machthungrigen Oberbanker dürften wohl gefehlt haben, als in der Schule die Begriffe “Moral” und “Ethik” besprochen wurden. Nach neuem europäischen Gesetz sollen nun die riskanten Investment-Geschäfte in einem eigenen Tochterunternehmen der Banken geführt werden. Geht das den Bach runter, sollte davon nicht gleich das gesamte Geldinstitut betroffen sein.
Viele können leider hierzulande mit dem Wort “Krise” nichts anfangen. Ausser jene, die zur steigenden Zahl der Arbeitslosen gehören. Wenn Frau oder Mann von einem Tag auf den anderen nicht mehr weiss, wie die Rechnungen bezahlt werden sollen. Auch wenn solche Gusto-Stückerln wie der 55 Zoll Plasma-Bildschirm (“Hartz IV-Volksempfänger”) nicht angeschafft wurden oder vielleicht die Erinnerungen an den letzten Urlaub vor fünf Jahren langsam verblassen! Doch sollte Blockupy durchaus unterstützt werden. Denn hier geht es um die Inhalte. Inhalte, die viele bereits aus ihrem Fokus verloren haben oder einfach damit nicht mehr umgehen können. Treffen kann es nämlich jeden von uns. Und dann fährt die grosse Walze einfach drüber – ohne Rücksicht auf Verluste.
In Frankfurt haben die Einsatzkräfte erneut überreagiert! Wohlgemerkt – passieren kann auch bei der Fronleichnamsprozession einiges! Geortet wurden durch die Polizeikräfte 1.500 gewaltbereite Demonstranten und 500 weitere gewaltsame. Leider zurecht, waren doch auch Untergruppen der Autonomen Antifa dabei, die überall dort auftauchen, wo Protestkundgebungen angekündigt sind! Ihnen geht es niemals um Inhalte sondern darum, den Protestkult hochleben zu lassen. Deshalb wurde der sog. “schwarze Block” der Protestanten eingekesselt. Die Auflösung der Kundgebung erfolgte gegen abend hin gewaltsam; durch Pfefferspray und Knüppeln habe es mehr als 200 Verletzte gegeben, darunter auch zwei Journalisten, so die Sprecherin des Frankfurter Notroika-Bündnisses Mira Lauth. Wahllos wurden aus dem Block Menschen herausgeholt und abgeführt. Dort, wo der Zug aufgelöst wurde (am Frankfurter Schauspielhaus), hätte die Demonstration die von der Stadt gewünschte, nicht jedoch von den Organisatoren angemeldete und durch den Verwaltungsgerichtshof Kassel genehmigte Route verlassen. Auch Abgeordnete sprechen nach diesen Vorfällen von einem “unverhältnismässigen Vorgehen der Polizei”! In weiterer Folge wurde der Wolkenkratzer der Europäischen Zentralbank (EZB) blockiert. Eine erneute Aktion ist bereits für 2014 angekündigt, wenn der EZB-Neubau im Frankfurter Ostend eröffnet werden soll. Blockupy sollte also durchaus ernst genommen werden. Zumindest tun dies inzwischen nicht nur die Verwaltungsrichter.
Auch viele Italiener und Spanier haben sich an der Aktion beteiligt. In diesen Krisenländern zeigt sich die eiserne Faust des Geldmachens ohne jede Rücksicht am härtesten. Die Kluft zwischen arm und reich ist unüberwindbar. So werden etwa auf der iberischen Halbinsel rund 400.000 Menschen aus ihren Wohnungen zwangsgeräumt, da sie die Hypotheken nicht mehr bezahlen können! Die Wohnung oder das Haus ist weg – der Kredit muss aber trotzdem auch weiterhin abbezahlt werden! Angesichts solcher Tatsachen bedarf es keines Kommunismuses oder Marxismuses, um gegen das Establishment aufzubegehren. Schliesslich könnte ich ja der Nächste auf der Liste sein. Und eventuell Erspartes ist schneller weg als man es sich versieht.
Doch zuletzt nochmals zurück zum eigentlichen Übel: Der Tatsache, dass Menschen mit ihrer Pension oder ihrem Lohn nicht leben können, auf öffentliche Zuschüsse angewiesen sind, während Banken und Reiche vor lauter Überfluss nicht mehr wissen wohin. Investor Warren Buffet etwa hat vergangenes Jahr neben 25 anderen Unternehmen auch den Ketchup-Giganten Heinz übernommen! Läppische 23 Milliarden US-Dollar war ihm dies wert. Erste Bedenken, da Buffets 3G-Investmentfirma ja auch im Einzelhandel tätig ist bzw. das Burger King-Imperium steuert, waren sehr rasch durch die EU-Kommission beiseite geschoben. Heuer hat er nochmals den Einkaufswagen voll gemacht: Übernahme von NV Energy für schlappe 5,6 Milliarden. Einer der ganz Reichen, der nicht mehr weiss, was er noch zukaufen soll. Oder – erst dieser Tage in den Medien zu lesen: Weltkonzerne erzielen rote Zahlen – in den USA ein gar dermassen grosses Minus, sodass sie staatlich subventioniert werden. Dadurch müssen sie weitaus weniger Steuern bezahlen. Die Gewinne jedoch werden in den Steuerparadiesen offshore gemacht. Heimische Banken dienen hierfür als “Buchungscenter”. In diesem Zusammenhang fielen auch drei Namen: Ein Möbelhaus aus Schweden, eine Suchmaschine und eine Kaffeehaus-Kette aus den USA. Letztere übrigens betreibt alleine in Grossbritannien unheimlich viele Fillialen, die jedoch die letzten drei Jahre über tiefrote Zahlen schrieben. Trotzdem kommen immer mehr Standorte hinzu! Im Vergleich: Diese zweitgrösste Gastro-Kette der Welt erzielte auf den britischen Inseln in diesen drei Jahren 1,2 Milliarden Pfund Sterling Umsatz. Der Fastfood-Platzhirsch mit dem Mc im Namen 3,6 Milliarden – doch dieser bezahlte 80 Millionen Unternehmenssteuern (Infos: Reuters). Die Lokal- und Shop-Kette mit dem sternengleichen Kaffee jedoch so gut wie gar nichts.
Andere stecken das Geld, das sie nicht brauchen in riskante Hedgefonds. Binnen kürzester Zeit kann hier viel Geld gewonnen, aber auch alles wieder verloren werden. Mit dem Wort “Hedging” – also Risikoabsicherungstaktiken – hat dies beileibe nichts zu tun. Hedgefonds sind meist an Offshore-Firmenplätzen zu finden, die ja zuletzt immer wieder Gesprächsthema waren. In einem Geflecht von Finanzstrategien und -instrumenten ist es selbst für Fachleute meist schwer, hier durchzublicken. Im MIttelpunkt stehen u.a. Derivate und Leerkäufe. Die Idee zu diesen Fonds hatte anno 1949 Alfred-Winslow Jones. Er verkaufte Aktien leer, um sie wenig später wieder zu einem geringeren Preis zurückzukaufen. Den Gewinn investierte er in sichere, steigende Aktien. Detaillierter möchte ich hier in die Sache gar nicht eintauchen. Wenn dies Privatpersonen mit ihrem eigenen Geld machen, sollte gemäss des Mottos “Selber schuld!” niemand etwas dagegen haben. Beteiligen sich jedoch Geldverwalter wie Banken, Finanzdienstleister, … daran, so ist dies moralisch mehr als verwerflich. Schliesslich wird hier das Geld der Sparer riskiert, die dies gar nicht beeinspruchen können. Es gilt: Wenn es der Sparer/Anleger wünscht – selbst schuld. Doch wird dabei auch mit dem Ersparten von Mindestrentnern gefeilscht. Und dies ist – nach meinem Rechtsverständnis – strafrechtlich auf das Härteste zu verfolgen und abzuurteilen. Denn schlussendlich hat der Sparer auch nichts davon, wenn Gewinne erzielt werden. Sein Geld arbeitet dann zwar (Lieblingssatz meines Bank-Kundenbetreuers) – doch leider nicht für ihn! Und – wie in dreien der vorhin namentlich erwähnten Banken, wird er über seine Steuergelder sogar ein zweites Mal zur Kasse gebeten. Und Irgendwo in seinem Penthouse sitzt der Spekulant und verspielt das Geld, das tausende Kleinsparer ihr Leben lang zusammengetragen haben, während eines Augenzwinkerns! Ist das Leben nicht herrlich???

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