Archive for August, 2013

Houston – wir haben ein Problem

Der liebe Gott hat sie vor rund 140 Millionen Jahren (Erkenntnisse des DNA-Divergenz-Test) erschaffen, damit sie für Ordnung sorgen, das wegräumen, was andere nicht mehr brauchen. Galten sie noch im antiken Griechenland als Musterbeispiel für vorausschauendes Denken und Intelligenz (Aesop), so wurden sie ab dem 17. Jahrhundert durch den Menschen bekämpft, weil er sie als lästige Insekten nicht haben wollte und will, sie als geizig einschätzt und mit dem reiferen Alter assoziiert. Doch eines ist inzwischen richtig: In diesen Mengen können Ameisen grossen Schaden anrichten!
Das Wort “Ameise” könnte sich aus dem Neuhochdeutschen “ëmatîc” herleiten und würde dann “emsig” bedeuten, das “emsige, arbeitsame Tier”. Die Ameise ist eine Insektenfamilie innerhalb der Ordnung der Hautflügler, allerdings besitzen nur die geschlechtsreifen Königinnen und Männchen Flügel. Die meisten Sinne befinden sich in ihren Antennen: Neben dem Tasten, Schmecken und Riechen nehmen sie hiermit auch die Temperatur, Luftströmungen und den Kohlendioxidgehalt sowie höchstwahrscheinlich die Feuchtigkeit der Luft wahr. Nicht weniger als 111 unterschiedliche Arten von Ameisen sind hierzulande heimisch – weltweit könnten es bis zu 12.500 sein. Der fachkundige Experte bezeichnet sie als Nutzinsekt, da sie all das beseitigt, was so liegen und stehen bleibt – und dies nicht nur auf dem Boden! Ameisen sind die “Gesundheitspolizei der Natur”. Ein einziges Waldameisenvolk vernichtet an einem Tag bis zu 100.000 wirbellose Tiere, so auch Pflanzenfresser wie Falterraupen und Blattkäferlarven. Deshalb sind die kleinen Nützlinge im heimischen Blumen- oder Gemüsebeet herzlichst willkommen! Könnte man zumindest meinen. Hätten sie nicht – wie wir Menschen auch – eine Leidenschaft: Süsses! Und das macht sie im Garten zu gefürchteten Eindringlingen. Einerseits weil sie die süsslichen Ausscheidungen der Blattläuse (Honigtau) mögen und diese deshalb schützen (zum Überwintern tragen sie deren Larven sogar in den Ameisenbau), andererseits weil sie auch nicht davor zurückschrecken, den beschwerlichen Weg auf Terassentische zu suchen, wenn dort die Marmelade für das Frühstück bzw. das Obst als Nachspeise zum Mittagessen steht. Dabei können sie auch Keime übertragen, was die Ameise zu einem mehr als nicht willkommenen Gast besonders in den Küchen werden lässt.
Im Garten sind es hierzulande meist zwei Arten: Die Schwarze Wegameise (Lasius niger) und die Gelbe Wegameise (Lasius flavus). Die schwarze Kollegin ist die in unseren Breitengraden am meisten vorkommende. Sie nistet meist unter Pflasterplatten oder Steinen, da sich diese am raschesten erwärmen, und ernährt sich neben den Ausscheidungen der Blattläuse auch von jenen der Schildläuse, Blattflöhen und Zikaden, jagt aber auch schon mal das eine oder andere Insekt. Sie erreicht eine Grösse von drei bis fünf Millimeter; ein Staat besteht aus rund 500 Arbeiterinnen. Die Gelbe Wegameise ist zwischen zwei bis vier Millimeter gross, nistet im Rasen und kann Erdhügel aufschütten. Ihre Nahrung ist der Honigtau von Wurzelläusen, weshalb diese Ameisen zumeist ihren Bau nicht verlassen.
Eine dritte bei uns heimische Art, die Waldameise, ist seit rund 200 Jahren geschützt und bevorzugt den schattigen Forst. Sie dient vielen Tieren im Wald als Nahrung, verbreitet die Samen der Pflanzen, ist ein wichtiger Bodenbildner (Umschichtung oberer Erdschichten) und frisst viele Forstschädlinge (Arthropoden). Die Waldameise ist somit ein ganz wesentlicher Stabilitätsfaktor für das Gleichgewicht im Ökosystem Wald. Die Königinnen der Roten Waldameise legen bis zu 300 Eier täglich – zuerst Königinnen und Männchen, dann das niedrige Fussvolk. 13 Sorten bauen Nesthügel, in welchen mehr als 1 Million Arbeiterinnen tätig sein können. Während die Königin bis zu 25 Jahre alt werden kann, sterben die Arbeiterinnen spätestens nach dem 6. Lebensjahr. Ist auch kein Wunder bei derartigen Belastungen: Eine Arbeiterin kann das 40-fache ihres Eigengewichtes tragen. Ameisen – die Hulks unter den Insekten!
Doch derzeit wird Mitteleuropa von einer anderen Art überflutet, die keineswegs unterschätzt werden sollte: Die Formica fuscocinerea! Eine aus den Alpen und dem Alpenvorland stammende Art, etwa sechs Millimeter gross mit einem glänzenden Ring am Hinterleib. Tausende Königinnen (Polygynie) legen in unterirdischen Bauten Millionen von Eiern. Trifft ein Volk auf ein anderes, so bekämpfen sich normalerweise beide Staaten, bis es ein Volk nicht mehr gibt oder es wird versklavt! Nicht jedoch bei dieser Art. Sie beginnen sich zu putzen – ein Zeichen dafür, dass sie friedlich miteinander umgehen oder gar aus einem einzigen Staat stammen. Nach der Paarung nämlich (meist der Hochzeitsflug, bei dem die Jungkönigin bis zu einhundertmal begattet wird), sterben die Männchen, die Königinnen verlieren ihre Flügel und gründen eine eigene Kolonie oder kehren in die Elternkolonie zurück, sodass mehrere Königinnen nebeneinander leben können. Es kommt zu Superkolonien! Dadurch regelt auch nicht mehr die natürliche Selektion die Population! Diese Ameisenart vermehrt sich dermassen schnell, dass sie in manchen Landstrichen, wie etwa in Oberbayern bereits zu Plage wird. Gerade in Parks oder auf Spielplätzen in den Innenstädten sind sie sehr lästig, etwa in München oder Tübingen. So mancher Insektenforscher vergleicht das Szenario gar mit einem Horrorfilm, in welchem sich der Boden ständig bewegt. Auch ihre Bauten können gefährlich werden. So haben etwa in Meerbusch/Niederrhein Ameisen einen Radweg unterhöhlt, der abgesackt ist. Material, das sie beim Graben ihrer Höhlen nicht mehr brauchen, wird an die Oberfläche befödert. So entsteht ein Ameisenhaufen.
Durch den internationalen Handel und Personenverkehr werden immer wieder Insekten oder Tiere mitgebracht, die in unseren Gefilden nichts zu suchen haben. Das Schadpotential solcher eingeschleppter Arten ist enorm. So können sie heimische Arten verdrängen, Pflanzen- und Tierwelt schädigen und nicht zuletzt Krankheiten einschleppen. In den 1930er-Jahren wurde beispielsweise die aus Südamerika stammende Rote Feuerameise in die USA eingeschleppt. Sie verursacht jährlich einen Schaden von nicht weniger als 600 Mio US-Dollar durch Ernteeinbussen oder auch Schäden an elektrischen Anlagen. Ihr Gift ist sehr schmerzhaft – es kann bei allergischen Überreaktionen gar Todesfolgen haben. Das Forschungsprojekt “Delivering Alien Invasive Species Inventory for Europe” (DAISIE) hat vor gar nicht allzu langer Zeit nachgewiesen, dass – von den Ameisen mal abgesehen – in Europa insgesamt bereits 11.000 nichteinheimische Arten leben, wovon 15 % zu ökonomischen Folgen führen. Der Waschbär, tropische Krebse oder asiatische Stechmücken wären Beispiele hierfür. Durch das Fehlen der natürlichen Feinde wächst die Population rasant an. Deshalb lehnen Experten auch den Handel mit nicht-einheimischen Ameisenarten ab. Sie gelten als sehr durchsetzungsstark und können rasch zum Problem werden, heimische Ameisen, wie auch die Waldameise verdrängen und Würmer, Pilze und andere Krankheitserreger übertragen. Bestes Beispiel hierfür ist etwa die invasive Gartenameise (Lasius neglectus). Sie war einst nur in Osteuropa heimisch, inzwischen jedoch ist sie auch hierzulande zu finden. Sie verbraucht die Nahrungsreserven der heimischen Arten, befällt Obstgärten, wo sich im Honigtau der Blattläuse Rußtau-Pilze ansammeln, die das Obst geschmacklich und im Aussehen beeinflussen. Oder auch die Argentinische Ameise. Sie wurde höchstwahrscheinlich mit Handelsschiffen in den Mittelmeerraum verbracht. Dort hat sie eine Superkolonie gegründet, die sich über 5.760 Kilometer erstreckt, von Spanien bis nach Italien reicht und durch den Biologen Laurent Keller entdeckt wurde.
Stört Sie nun im Garten ein Ameisenvolk, so sollten Sie nicht die Chemiekeule verwenden und das Volk mit Kontaktgift ausrotten. Die Arbeiterinnen nämlich sind beliebig austauschbar. Erst wenn die Königin gestorben ist, ist Schluss mit dem Volk. Doch verenden an diesem Insektizid, Pestizid oder Nervengift zudem andere nützliche Insekten und Bienen! Auch abgestandenes Bier mit einem Löffel Honig tötet die Nützlinge, indem sie im Bier ertrinken. Experten empfehlen die Wirkstoffe Fipronil oder Spinosad. Bereits in geringer Dosis wirken diese bei den Krabblern als Nervengift. Sie erregen sich sprichwörtlich zu Tode. Für den Menschen oder andere Säugetiere kann hingegen erste eine hohe, nicht handelsübliche Menge gefährlich werden. All jene aber, die ihren Garten biologisch halten möchten, sei folgender Trick empfohlen: Füllen Sie einen Blumentopf mit Holzwolle und stellen ihn mit der Öffnung nach unten auf eine Ameisenstrasse oder Kreuzfuge Ihrer Terasse. Nach einiger Zeit beginnt der Umzug der Ameisen. Auch die Puppen werden in das neue Zuhause gebracht. Ist dann nach einigen Tagen das gesamte Volk im Topf, so können Sie dieses umsiedeln. Es sollte allerdings mindestens 30 m von der bisherigen Siedlung entfernt sein, da die Kleinen ansonsten wieder in ihren Bau zurückkehren. Der Trick funktioniert übrigens auch mit einem Ton-Blumentopf, der über 24 Stunden in Wasser eingeweicht wird. Dann mit Zeitungspapier ausgelegt und ein bis zwei Löffel Marmelade bzw. Honig eingetröpfelt. Lavendel, Zimt, Gewürznelken, Chillipulver oder Zitronenschalen verbreiten ferner einen Duft, den die Ameisen nicht mögen! Zudem können sie Gartenkalk oder Kreide als Sperren verwenden. Beides ist alkalisch und gehört somit nicht unbedingt zu den bevorzugten Lieblingsmaterialien der Ameisen, da sie sich bei Kontakt verätzen können. Andererseits kann auch eine indirekte Bekämpfung stattfinden: Erledigen Sie die Blattläuse in Ihrem Garten! Geht ganz einfach mit Nikotin- oder Brennessel-Sud!
Sollten Sie gerade in der Planung des Gartens und der Terasse sein, so empfehlen die Experten nicht Pflastersand als Bettung sondern vielmehr Basaltsplitt. Dieser passt nicht so einfach wie Sand durch die Fugen. Apropos: Ausserdem können die Fugen mit einem Pflasterfugenmörtel auf Kunstharzbasis abgedichtet werden. Dadurch können Ameisen aber auch das Unkraut nicht durch, trotzdem jedoch fliesst Regenwasser ab.
Bei all dem sollte auf eines nicht vergessen werden: Ameisen sind Nutzlinge, die für den Menschen ungefährlich sind – ausser sie haben eine Insektengift-Allergie. Ihr Bissoder Stich ist unangenehm, das Versprühen des Ameisengiftes (komplexe Proteingemische mit Histaminen durchmischt) kann kurzen Schmerz auslösen, ist jedoch in den meisten Fällen nicht tödlich! Dieses setzen sie übrigens zudem im Kampf gegen Schädlinge ein. So werden die Kolleginnen bevor sie in den Bau kommen kontrolliert. Etwa auf den Pilz Metarhizium brunneum hin. Führt eine Arbeiterin Sporen mit, so wird sie von ihren Kolleginnen gesäubert (“Grooming”), wobei ebenfalls das Gift verwendet wird. Ammenameisen verpassen den Puppen ab und an eine solche Giftdusche. Danach aber dauert es rund vier Stunden, bis sie wieder ihr Säurelager aufgebaut haben. Zudem sind sie für die Forscher von unschätzbarem Wert, da sie hochkomplexe Staaten aufbauen. Die Rote Feuerameise übrigens formt sich bei Überschwemmungen ein lebendes Floss – aus Ameisen! Ansonsten sind sie Profis im Bauen und der Architektur, erfolgreiche Milch- und Ackerbauern sowie logistische Wunderwerke. Nicht zuletzt deshalb dienten sie den alten Griechen als Vorbild für die Konstruktion eines funktionierenden Staates; allerdings auch den Nationalsozialisten oder den Kommunisten – wo etwa die Sklaverei und/oder der Sozialparasitismus nahezu eins zu eins übernommen wurden. Doch: Ameisen sind einzigartig auf dieser Welt!
Und äh – der Ameisen-Algorithmus – das ist wieder eine ganz andere Geschichte!

Interessante Links:
www.ameisenschutzwarte.de
www.ameisenwiki.de
www.antbase.net
www.optik-foto-mueller.com/studio/ants/antsindex.html

Weiterführende Literatur:
“Ameisengesellschaften – eine Faszinationsgeschichte” von Prof. Dr. Niels Werber
“Die Entdeckung einer faszinierenden Welt” von Bert Hölldobler & Edward O. Wilson

No Comments »

Kein erwünschter Gast

Gesundheitsexperten warnen immer wieder davor: Antibiotika sollen mit Vorsicht verwendet werden! Ansonsten kann es sich zum Boomerang entwickeln!
Die Atemwegserkrankung Tuberkulose galt lange Zeit zumindest in Europa als ausgerottet! Das moderne medizinische System und die Impfungen zeichneten dafür verantwortlich, dass der auch als “Schwindsucht” bekannten Krankheit der Garaus gemacht werden konnte. Doch genau diese beiden Merkmale der modernen Zivilisation haben die Forscher nun laut aufschreien lassen: Tuberkulose ist wieder im Vormarsch! Mit grosser Besorgnis musste zuletzt in den Labors dieser Welt festgestellt werden, dass immer mehr der Erreger resistent gegenüber Antibiotika werden. Die Ursache dafür liegt im nicht-kontrollierten und auch falschen Einsatz der Tuberkulose-Antibiotika. Das Bakterium hat sich alsdann den Gegebenheiten angepasst und mutierte zur

Multiresistenten Tuberkulose (MDR-Tb) oder
Extrem arzneimittelresistenten Tuberkulose (XDR-Tb)

Nun liegt der Ball bei den Gesundheitspolitikern, die sich allerdings nicht zuviel Zeit lassen sollten, denn: Wird die Krankheit nicht mit allen Mitteln bekämpft, kann sie für viele tödlich enden.
TBC wird v.a. durch das Mycobacterium tuberculosis vornehmlich durch Tröpfcheninfektion (“offene TBC”) oder andere Körpersekrete (“potentiell offene TBC”) übertragen. Einmal in die Luft gebracht, bildet sich ein Aerosol, in welchem der Erreger stundenlang überleben kann. Aber auch nicht-pasteurisierte Rohmilch war für die Übertragung verantwortlich, da zudem Kühe an der Tuberkulose erkranken können (“Zoonose” – eine Infektion, die zwischen Spezien übertragen werden kann). Die Inkubationszeit beläuft sich auf 6-8 Wochen. Robert Koch entdeckte das aerobe und grampositive Stäbchenbakterium 1882, weshalb die Krankheit auch als “Morbus Koch” bezeichnet wird. Weitere potentielle Erreger stellen das Mycobacterium bovis, Mycobacterium africanum und Mycobacterium microti dar. Das Bakterium teilt sich rund alle 16-20 Stunden und ist im Körper jahrelang existenzfähig. Die klinische Diagnose erfolgt u.a. durch einen Hauttest (Mendel-Mantoux-Test) und einem immunologischen Nachweis (die Erreger können in den Sekreten bzw. Blut nachgewiesen werden); Knoten in der Lunge bringen CT oder MRI an’s Licht; Lymphknoten bzw. Haut werden biopsiert. Auch die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) wird häufig als Marker herangezogen.
Rund ein Drittel der Weltbevölkerung infiziert sich mit einem dieser Erreger (Primärinfektion) – pro Sekunde eine Person. In einem gesunden Abwehrsystem versehen als erstes spezialisierte Fresszellen in den Lungenbläschen ihren Dienst (Alveolarmakrophagen). Sie “fressen” den Eindringling, verhindern dadurch zwar die Vermehrung des Bakteriums, können es aber nicht abtöten. Durch weitere Fresszellen (Epitheloidzellen, Langhans-Riesenzellen und Lymphozyten) wird nun rund um den Entzündungsherd eine “Verkäsende Nekrose” gebildet, also ein schleimartiger Gewebsuntergang, der die Weiterverbreitung verhindert. In der Lunge bilden sich kleine Knoten (Tuberkel), die vorerst nicht weiter als störend empfunden werden und auch das Bronchialsystem nicht belasten. Bis zu diesem Zeitpunkt spricht der Experte von der “geschlossenen Tuberkulose”. In dieser Form des auch gerne als “latente TBC” bezeichneten Zustandes kann das Bakterium als “Schläfer” Monate, ja sogar Jahre überstehen. Das Myko-Bakterium reagiert zumeist mit einer Änderung des Stoffwechsels. Dadurch wird es nicht mehr als latente Gefahr angesehen und die Fresszellen gehen nach getaner Arbeit weiter ihrer Wege oder solche Knoten platzen auf. Nun aber kann es zum Ausbruch der Erkrankung kommen (postprimäre Infektion). Bei zirka 10 % der Betroffenen tritt die Erkrankung Monate oder teils Jahre nach der Infizierung auf. Auch eine zweite Infektion ist durchaus möglich. Bei anderen hingegen in der Inkubationszeit. Es kommt in beiden Fällen zur offenen und damit ansteckenden Tuberkulose: Die Erreger vermehren sich, die Entzündung wird immer schwerer, das Immunsystem ist machtlos. Erreger werden ausgeschieden – so auch ins Blut – andere Organe, die Haut, die Knochen und etwa die Wirbelsäule können befallen sein (aktive TBC).
Die Auswertung des in Deutschland zuständigen Robert-Koch-Instituts hat ergeben, dass Männer leichter als Frauen erkranken. Die Ursachen jedoch sind noch weitestgehend unbekannt. Säuglinge, Kleinkinder und auch ältere Personen sind aufgrund des weniger starken Immunsystems anfälliger. Zudem können Sucht- bzw. Autoimmunerkrankungen, wie etwa HIV, aber auch genetisch bedingte oder soziale und psychische Faktoren den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen. Nun zum Knackpunkt: Die Therapierung erfolgt mit einem Mix aus speziellen Antibiotika (Antituberkulotika). Dieser muss über ein halbes Jahr hinweg eingenommen werden, unter gewissen Umständen auch bis zu 24 Monate lang. Doch – was wenn Erreger resistent dagegen werden?
Die Tuberkulose-Impfung wurde in Deutschland 1998 vom Impfplan genommen, da sie zu wenig Wirkung zeigte und zeitweise auch schwere Nebenwirkungen einher gingen. Ausserdem kam es bei geimpften Personen immer wieder zu positiven Diagnosetests, obwohl sie sich gar nicht infiziert hatten. Ergo: Es gibt keine Primärprophylaxe mehr! Der “Bazillus Calmette-Guérin (BCG) – Impfstoff” wird nurmehr jenen Personen verabreicht, die einer erhöhten Infektionsgefahr ausgesetzt sind. Dabei handelt es sich um lebende, abgeschwächte Mykobakterien (M. bovis). Deshalb sollten die ersten Anzeichen einer Erkrankung durchaus ernst genommen werden: Starker und hartnäckiger Husten, mit teils blutdurchsetztem Schleim, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, schnelle und starke Ermüdung, Fieber,…

http://www.youtube.com/watch?v=FYRyoAPhH8E
(ein genialer Beitrag von 3sat!)

Die meisten Infektionen finden auf dem afrikanischen Kontinent (v.a. im Bereich der Subsahara), in Asien und den ehemaligen Staaten der Sowjetunion statt. Die Menschen, die in den tropischen und subtropischen Regionen leben, können auch nicht vorsorglich geimpft werden, da deren Körper durch den ständigen Kontakt mit Mykobakterien (mangelnde Hygiene etwa) eine Immunisierung gegen harmlosere Erreger aufgebaut hat. Somit würde der Impfstoff sofort vernichtet werden. Durch die vielen Fernreisen jedoch erfreuen sich die Bakterien auch hierzulande wieder grossen Zuspruchs. Im Jahr 2012 verursachte die Behandlung von mehr als 70.000 Erkrankungsfällen in der EU Kosten von nicht weniger als 536 Millionen €. Noch war der Anteil der multiresistenten (1.488) bzw. extrem resistenten Erkrankungsfällen (136) sehr gering. Doch verwenden Experten bereits den Ausdruck “Zeitbombe” in ihrem Wortschatz. In den technisierteren EU-Staaten verschlingt die Standardbehandlung pro Patient rund 10.282,- €, bei resistenten Erregern 57.213,- und bei solchen extrem resistenten Bakterien 107.744,- €. In Mitgliedsstaaten wie Rumänien oder Estland sind die Behandlungen günstiger. Trotzdem können Sie sich nun vorstellen, welche medizinischen Kosten bei einer Epidemie anfallen könnten. Da Tuberkulose auch nicht mehr flächendeckend geimpft wird, ein durchaus denkbares Szenario. In einem Aufruf im European Respiratorey Journal fordern Wissenschaftler deshalb, dass die Politik Druck auf die Arzneimittelhersteller ausüben möge, damit wirkungsvolle Gegenmittel produziert werden. Hierzu müssten in der Union rund 560 Mio € in die Hand genommen werden. Volkswirtschafter warnen sogar davor, dass die Kosten in die Milliarden hinaufschnellen können: Aufgrund von Krankheitsausfällen bzw. letalen Krankheitsverläufen könnten alleine in der EU Kosten von 5,3 Milliarden € auf die Mitgliedsländer zukommen (berechnet nach 103.104 Dalys – disability-adjusted life years).
Tuberkulose ist wahrhaftig noch nicht ausgerottet. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO infizierten sich 2011 weltweit 8,7 Mio Menschen mit den Erregern, davon starben nicht weniger als 1,4 Mio an den Folgen der Krankheit (Global tuberculosis report 2012 der WHO). In 80 % dieser Fälle handelte es sich um die Lungen-Tuberkulose. Somit muss TBC nach wie vor als übertragbare Erkrankung mit Todesfolge sehr ernst genommen werden. In Deutschland erkranken im statistischen Mittel 5,3 Einwohner auf 100.000 an der Krankheit – 2011 waren es 4.317 Personen (Angaben: Robert-Koch-Institut). Damit kommt der Tuberkulose zwar keine grosse Bedeutung zu, jedoch wurde ein Anstieg der Neuerkrankungen bei Kindern festgestellt. Im Vergleich dazu auch Zahlen aus Grossbritannien aus demselben Jahr: Von 8.963 erkrankten und gemeldeten Patienten entfielen beinahe 6.000 Fälle auf Einwanderer. Hier gibt es ein statistisches Mittel von 12 Erkrankten auf 100.000 Einwohnern. Dort ist die Krankheit somit ein Zuwandererproblem. In Österreich gab es im Vergleichszeitraum 687, in der Schweiz 577 gemeldete Fälle.
Wie bei allen Tröpfchen-Infektionen ist die Infektionsgefahr dort am grössten, wo sich viele Menschen auf engem Raum aufhalten. So werden in Deutschland etwa die Hotspots Hamburg, Bremen und Berlin genannt. Zudem beeinflussen andere Infektionen, Unterernährung und Alkoholsucht den Krankheitsverlauf negativ. Aber auch ein genetischer Defekt kann manch einen anfälliger werden lassen als den anderen. So wiesen Experten nach, dass das Risiko einer Erkrankung bei Menschen mit speziellen MCP-1-Varianten um rund fünfmal grösser ist als bei nicht mutierten MCP-1 (Monozyten chemoattraktives Protein). In diesen Fällen wird nämlich zu viel dieses Proteins gebildet, das wiederum die Produktion eines Botenstoffes (Interleukin-12p-40) behindert, sodass sich die Bakterien leichter vermehren und ausbreiten können, ohne bekämpft zu werden.
Somit ist ein Durchatmen erst dann wieder möglich, wenn die Wissenschaft einen Impfstoff entwickelt hat, der einerseits den menschlichen Körper wirkungsvoll immunisiert und andererseits keine Nebenwirkungen mehr aufweist. Das Problem gilt dann als gelöst, wenn prophylaktisch auch dieser schlafende Zustand des Myko-Bakteriums bekämpft werden kann. 2017 soll der Impfstoff „VPM1002“ auf den Markt gebracht werden, der in der Phase I der Testung eine gute Verträglichkeit bei den Probanden aufwies. Die Hoffnungen lagen allerdings bei dem Medikament MVA85A, das jedoch bei Versuchen am Menschen (Phase II-Testung) gerade bei gesunden Säuglingen (HIV-negativ) keinerlei Verbesserungen zur bisherigen BCG-Impfung zeigte. Die Ergebnisse an HIV-positiven Erwachsenen stehen noch aus.

Weitere Links:
http://www.tuberkulose.org
http://www.lungeninformationsdienst.de/
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2012/Ausgaben/11_12.pdf?__blob=publicationFile
http://www.nhs.uk/conditions/Tuberculosis/Pages/Introduction.aspx
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmedhealth/PMH0001141/
http://www.who.int/tb/publications/tb_global_facts_sep05_en.pdf
http://www.cdc.gov/tb/education/corecurr/pdf/chapter2.pdf

No Comments »

Das macht wahnsinnig!!!

Alle 30 Sekunden eine grosse Verkehrsmaschine – die Startbahn Nordwest des Frankfurter Flughafens verursacht nicht nur mehr Lärm, sondern wird auch für so manche psychische und physische Erkrankung verantwortlich sein!
Faszination Fliegerei! Ich liebe es zu fliegen! Wollte früher selbst Pilot werden – nicht nur aufgrund der hübschen Stewardessen! Hierzulande befinden sich die Maschinen in solcher Höhe, dass nicht wirklich viel zu hören ist – auch wenn fünf Flugzeuge gleichzeitig ihre Kondensstreifen am Himmel hinterlassen (was nicht selten vorkommt!). Somit war ich doch sehr verwundert, dass es nach wie vor dermassen viel Aufruhr um die neue Start- und Landebahn am Frankfurter Rhein-Main-Flughafen gibt. Schliesslich wurde durch deren Bau die Kapazität immens vergrössert, Frankfurts Position im internationalen Flug-Verkehr gefestigt und viele neue Arbeitsplätze geschaffen. Ein nicht unwichtiger Grund, weshalb sich auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier dermassen für den Bau der Trasse stark machte. Sollte man also meinen, dass die Vorteile der derzeitigen Situation gegenüber der Nachteile überwiegen. Zudem fliegt ja heutzutage nahezu jeder Zweite in den Urlaub! Also wollte ich mich selbst von der aktuellen Situation überzeugen und verbrachte ein verlängertes Wochenende in der Nachbarstadt Offenbach/Main. Früher bekannt für die Internationale Lederwarenmesse, heute als Stadt, in welcher kein Deutscher mehr wohnen möchte.
Offenbach liegt genau in der Einflugschneise der beiden Landebahnen. Auf diesen Flugfeldern landende Maschinen fliegen somit genau über grosse Teile der Stadt – und dies in einer Höhe von wenigen hundert Metern – oder auch darunter! Dies wurde lange Zeit gar nicht berücksichtigt, bis sich im Jahre 2011 ein selbst betroffener ehemaliger Lufthansa-Manager zu Wort gemeldet hat: Nach der Auswertung der Flugdaten von 30 zufällig ausgewählten Anflügen zwischen dem 26. und 30. August 2011 konnte festgestellt werden, dass die Maschinen Im Süden Offenbachs teilweise bis zu 176 m unter ihrem Soll geflogen sind. Der Flughafenbetreiber Fraport sagte damals eine Anhebung der Flughöhe um 50 m zu.

http://casper.umwelthaus.org/dfs/

Die Anflughöhe ist jedoch ganz entscheidend für die Lärmbelästigung. Fliegt etwa eine Maschine an der Messstelle Ecke Bismarck-/Sprendlinger Landstrasse in der vorgeschriebenen Höhe vom 901 m, so ist sie weitaus weniger laut als in einer niedrigeren Höhe. Trotzdem unterschreiten die Flugzeuge immer wieder die vorgeschriebenen Höhen, da sie das Instrumenten-Landungssystem-Gleitpfad (ILS) von unten anschneiden müssen – ganz nach Vorschrift. Das ILS leitet dann das Flugzeug in einem Winkel von 3,2 Grad auf die Landebahn. Bundesweit fühlt sich jeder dritte Deutsche durch Fluglärm belästigt – in Frankfurt selbst bezeichnen nach einer Volksbefragung im Dezember 2012 nicht weniger als 11 Prozent den Fluglärm als Problem – Platz drei somit nach dem Wohnungsmarkt (27 %) und der Verkehrssituation (25 %).

http://www.kreis-offenbach.de/PDF/Ab_und_Anflugrouten_Ffm_DSF.PDF?ObjSvrID=1856&ObjID=288&ObjLa=1&Ext=PDF&WTR=1&_ts=1285246363

Im benachbarten Neu Isenburg kann man förmlich die Gesichter der Fluggäste in den Boings, DCs und Airbussen erkennen. Gleich nach Offenbach werden auch die Fahrwerke ausgefahren um dadurch Schub wegzunehmen und die richtige Landegeschwindigkeit zu erreichen. Was für einen tauben oder schwerhörigen Menschen faszinierend und majestätisch ausschauen mag, ist für einen hörenden Zeitgenossen hingegen ein Horror. So wird etwa ein gemütlicher Grillnachmittag oder -abend im Garten zur harten Bewährungsprobe für die Stimmbänder, da eine Unterhaltung nahezu geschrieen werden muss. Messungen ergaben in bewohntem Gebiet einen Dauerschallpegel von 70 mit Spitzen von gar 90 Dezibel! Und dies, obwohl im Februar 2012 das Lärmschutzabkommen “Gemeinsam für die Region” von Vertretern der hessischen Landesregierung, des Flughafenbetreibers Fraport, der deutschen Luftfahrtsgesellschaft Lufthansa, der Deutschen Flugsicherung (DFS) u.v.a.m. unterzeichnet wurde. Enthalten sind 19 Massnahmen für passive Schallschutzmassnahmen bei der betroffenen Bevölkerung im Ausmass von 335 Millionen Euro. Allerdings dürfen diese Massnahmen nicht die Kapazität beschränken. Dies wird durch die DFS kontrolliert. Zusätzlich fliessen in diese Untersuchungen auch Berechnungen zur Flugweglänge und dem Kerosin-Verbrauch mit ein.
Der Flugverkehr, der in Frankfurt/Main landet (rund 660 Maschinen täglich), wird durch das sog. “Point Merge System” (PMS) bewältigt. Dies ist ein Anflugverfahren, das die “Abwicklung hoch komplexer und verkehrsreicher Anflugströme” (DFS) erleichtern soll. Hierfür wird ein Anflugtrichter konstruiert, der aus mehreren konzentrischen Kreisbögen besteht. Bereits in grosser Höhe fliegt nun das anfliegende Flugzeug in den äussersten Kreisbogen ein. Erst wenn die vorausfliegende Maschine den inneren Kreisbogen überflogen hat, kann das Flugzeug folgen. Ansonsten bleibt es im äusseren Kreisbogen. Die Flugzeuge sinken nun durch die immer enger werdenden Bögen, bis sie den sog. “Merge-Point” erreicht haben, jenen Punkt also, der die Landung freigibt. Hierdurch sollen lange Warteschleifen und dadurch unnötiger Kerosin-Verbrauch vermieden werden. Die Bewohner an und hinter diesem Merge-Point allerdings haben die Arschkarte gezogen. Sie bekommen jede landende Maschine in sehr geringer Höhe ab. Und im Falle des Rhein-Main-Airports sind dies gleich zwei anfliegende Maschinen, die meist im Abstand von wenigen Sekunden folgen. Das aber ergibt einen Dauergeräuschpegel, da der Lärm der Triebwerke, des Fahrwerks und der Luftwirbel gerade verschollen ist, schon kommt der nächste. Das PMS wirkt somit zwar im äusseren Anflugbereich, nicht jedoch im Endanflug lärmschonend.
Seit der Inbetriebnahme der Landebahn Nordwest am 21. Oktober 2011 finden Proteste gegen sie statt. Sei es die Menschenkette im September 2011, an welcher sich rund 4.000 Menschen beteiligten, die Grablichter, die an jedem 21. des Monats auf den Fensterbänken der Offenbacher stehen oder die wöchentliche Montagsdemo im Terminal 1 des Flughafens, an dem sich am 10. Juni 2012 auch der Magistrat der Stadt Offenbach beteiligte – meiner Ansicht nach alles berechtigt! Neben dem Ruhrgebiet ist die Rhein-Main-Region eines der am dichtest besiedelten Gebiete in Deutschland. Studien im Strassenverkehr haben ergeben, dass zu lauter Lärm – aber auch ein weitaus geringerer Dauerlärmpegel gesundheitsstörende Auswirkungen haben kann. Ich merkte dies bereits am 2. Tag meines Aufenthaltes. Das Nachtlandeverbot beginnt nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes Leipzig (04. April 2012) um 23.00 Uhr und endet um 05.00 Uhr früh. In der Stunde davor und jener danach dürfen auch nur 133 planmässige Maschinen im Jahr landen. Zwischen fünf und sechs Uhr wurden etwa am Sonntag offenbar alle Maschinen nahezu auf ein Mal runtergeholt, die kaum mehr über Treibstoff verfügten. Ich wachte somit auf und verbrachte die folgenden Stunden im schweissgebadeten Dämmerzustand. Den Sonntag erlebte ich unausgeschlafen, unkonzentriert und zeitweise aggressiv! Mögliche erste Anzeichen von Stress???

http://airtraffic.umwelthaus.org/noise_levels/view/60

Auch Berlin wurde inzwischen auf die Zustände in Offenbach aufmerksam gemacht. Im Juni letzten Jahres wurde eine Petition übergeben, an welcher sich mehr als 14.000 Menschen mit ihrer Unterschrift beteiligten. Der Titel: “Wir wollen Ergebnisse!” Dabei brachte es der Flughafendezernent der Stadt Offenbach, Paul-Gerhard Weiß, auf den Punkt: Die ganze Stadt liege unter einem “Lärmteppich”! Kaum ein anderer Ort sei wie in Offenbach zu 80 % von Lärmschutzzonen mit allen dazugehörenden Massnahmen betroffen. Zudem bedürfen Baumassnahmen einer Sondergenehmigung, da in sensiblen Zonen nicht alles erlaubt ist. Und die Immobilien schliesslich verlieren immens an Wert. Zudem wurde bislang noch gar nicht berücksichtigt, dass bei einem solch hohen Verkehrsaufkommen auch mit Zwischenfällen gerechnet werden muss. Gott verhüte, was dies an Auswirkungen haben kann!
Natürlich ist auch der Flughafenbetreiber Fraport bestrebt, ein gutes Verhältnis mit den Einwohnern der umliegenden Kommunen zu haben. Deshalb sitzt in allen Gremien auch jeweils ein Vertreter der Gesellschaft. Zudem besteht für die lärmgeplagte Bevölkerung die direkte Möglichkeit, Lautstärkesünder oder Flugzeuge, die vom Kurs abweichen, zu melden:

Telefonisch kostenfrei unter 0800/2345679
Postalisch: Fraport AG, Servicestelle Nachbarschaftsanfragen, RAV-AU/NA, 60547 Frankfurt am Main
oder über die Homepage http://www.fraport.de.

Doch sollten wir uns alle über eines im Klaren sein: Hier geht es um viel Geld! Und hinter dem Vorstand der Fraport AG warten die Aktionäre, die eine ordentliche Dividende haben wollen. Somit stehen hier vor allem wirtschaftliche Interessen den gesundheitlichen gegenüber, wobei die Lebensqualität wohl am meisten darunter zu leiden hat. In Flörsheim etwa kaufte die Fraport Häuser auf, Schallschutzfenster wurden eingebaut – dies ändert aber nichts daran, dass bei jeder vorüberfliegenden Maschine das Glas in der Vitrine vibriert!
Nicht, dass Sie mich nun falsch verstehen: Hier geht es nicht um Hausbesitzer, die billig ein Grundstück am Flughafen ergattert haben und sich dann über den Lärm beschweren. Hier geht es um Kommunen aus dem Umland, die durch die Erweiterungen des Airports betroffen sind. Und noch sind die Expansionsplanungen am FRA nicht abgeschlossen!

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Frankfurt-Main_Airport_Map_DE.png

Interessante Links:
http://www.kag-flughafen-ffm.de/
http://www.umwelthaus.org/startseite/
http://www.kreis-offenbach.de/index.phtml?NavID=1856.290
http://www.offenbach.de/offenbach/themen/rathaus/aktuelles-und-medien/flughafenausbau-laermxxl/article/termine-und-protestmoeglichkeiten.html
https://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=5899211&_ffmpar[_id_eltern]=5899211
http://www.fraport.de
http://www.frankfurt-airport.de

No Comments »

Herr – lass’ Bildung regnen

Es war einmal in einer Zeit, als alles vielleicht nicht unbedingt besser, so aber doch etwas anders war. Als noch D-Mark und Pfennig, Schilling und Groschen hin uns her gereicht wurden, die Tiere noch auf Feldern weiden konnten und das Wort jenes Menschen noch Bedeutung hatte, der für die Bildung unserer Kleinen die Verantwortung trägt: Des Volksschuldirektors! Neben dem Pfarrer und dem Bürgermeister DIE Respektsperson schlechthin in jeder Gemeinde. Lang’ lang’ ist’s her! Heutzutage sind viele Lehrer und Lehrerinnen Freiwild, vom Burn out bedroht und nicht wenige unter ihnen suchtkrank! Das Bild des Pädagogen hat sich stark in unserer Gesellschaft geändert. Zudem müssen sich Lehrer häufig um das kümmern, was die Eltern der Kinder nicht imstande sind zu machen oder aus Zeitgründen nicht können: Die Kleinen zu erziehen! Und hiermit sind viele berechtigterweise überfordert, reicht vielen Eltern hierfür bereits ein Kind. Zudem stehen entsprechende Mittel nicht mehr zur Verfügung, da viele Mütter und Väter bereits beim ersten Nachsitzen ihres Sprösslings Radau schlagen! Kein Wunder also, weshalb immer weniger junge Menschen nach dem Abi/der Matura ein Lehramtsstudium wählen, ist doch mit weitaus weniger Stress weitaus mehr aus anderen Berufen zu holen. In Bayern beispielsweise schlossen 2012 nicht weniger als 5.584 Studenten mit der 2. Staatsprüfung das Lehramtsstudium ab. Wieviele davon jedoch dem Schuldienst erhalten bleiben werden, steht derzeit noch in den Sternen.
Als ich diese Woche von der anscheinend durchaus gängigen Praxis in Baden Württemberg (und anderen Bundesländern) hörte, dass zwar Lehrermangel herrsche, die Pädagogen aber nur befristete Arbeitsverträge erhalten, damit sie über die Urlaubszeit abgemeldet werden können, hat es mir beinahe die Sprache verschlagen. Keine Frage – mit Nachhilfe ist viel und gutes Geld zu verdienen. Jedoch bedarf es – wenn dies offiziell gemacht wird – sowohl in Deutschland als auch in Österreich der Einwilligung der Schulbehörde, schliesslich ist eine Nebenbeschäftigung im öffentlichen Dienst genehmigungspflichtig. Hinzu kommt der irre Aufwand mit Einkommenssteuererklärung bzw. Sozialversicherung! Deshalb scheuen viele Lehrer nicht den Weg zum Arbeitsamt anzutreten und stempeln zu gehen. 2.000 Personen sind somit saisonbedingt zum Nichtstun verurteilt! Wenn ich dies vielleicht mit einem Monat auf einer Alm kombinieren kann, dann kommt ja auch zumindest etwas an Erholung hinzu. Trotzdem stellt sich mir die Frage – v.a. nach dem Bericht des Rechnungshofes in Baden-Württemberg, wonach beim Lehrpersonal noch 2013 1.000 Posten gestrichen und Hausaufgabenstunden nicht mehr angerechnet werden sollen: Die öffentliche Hand (das Land) erspart sich zwar für diesen einen oder vielleicht auch zwei Monate das Gehalt – nichtsdestotrotz muss der Steuerzahler (der Bund) in die Tasche greifen, denn: Wer kommt wohl für die Arbeitslose auf? Somit werfe ich mal ganz frech und fröhlich das Wort “Bilanzverschönerung” in den Raum, denn für den kommenden Herbst sind wieder 4.550 Neueinstellungen geplant! In Rheinland-Pfalz setzt der Landesrechnungshof gar den dicken Rotstift an: Bis 2020 sollen 7.700 Lehrstellen eingespart werden. Begründung: “Demographische Rendite”!
In einem Bericht des österreichischen Fernsehens vor noch gar nicht allzu langer Zeit wurde u.a. ein Student interviewt. Obwohl dieser seine Ausbildung noch gar nicht abgeschlossen hat, steht er bereits in der Klasse und unterrichtet. Der Lehrermangel macht dies möglich. Supplierungen sind bei einer etwaigen Erkrankung eines Lehrers nicht möglich, mangelt es doch am Personal. Zu meinen Studienzeiten hätte ich rund zwei Jahre auf einen Lehrpraktikumsplatz (Referendariat) warten müssen. Auch meine damalige Freundin musste in ein anderes Bundesland wechseln um praktische Schul-Erfahrung sammeln zu können. Heute hingegen veranstalten Landesschulbehören Info-Tage, sind “Headhunter” bereits in den Pädagogischen Hochschulen und Universitäten unterwegs, damit Personal angeheuert werden kann. Im Kampf um Junglehrer ist jedes Mittel recht. So überreichte kürzlich der Bildungsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Matthias Brodkorb (SPD), an 53 frischgebackene Pädagogen die Ernennungsurkunde zum Beamten – zuvor hatten die Lehrer nur den Rang eines Angestellten (ebenso wie in Sachsen, Berlin und Thüringen). Eine durchgeführte Umfrage des Allensbach-Institutes ergab hingegen, dass zwei Drittel der Junglehrer definitiv gestellt werden wollen. Brodkorb erwartet sich gerade in den stark unterbesetzten Fächern Mathematik und Informatik dadurch mehr Interessenten. Allerdings hat dieses Prozedere auch mehrere Nachteile: Während der aktiven Laufbahn des Pädagogen spart sich das Land zwar die Sozialabgaben, später muss jedoch die Pension aus dem Landeshaushalt entrichtet werden. Zudem – sinken die Schülerzahlen wie in Rheinland-Pfalz weiterhin – wird auch weniger Lehrpersonal benötigt. Beamtet jedoch bedeutet unkündbar!
Andere Bundesländer zahlen einfach ein höheres Grundgehalt. Hessen beispielsweise hat in den letzten Wochen eine bundesweite Werbekampagne gestartet. Berlin etwa ködert die Pädagogen der anderen Bundesländer. Wer ungebunden ist, wäre somit blöde, ein solches Angebot abzulehnen und anstatt dessen über zwei Monate hinweg im Sommer von Hartz IV zu leben. Die ganz Schlauen wechseln gar in die Schweiz – ein Problem, das nicht nur Baden-Württemberg und Vorarlberg kennen. Hier werden stolze Franken bezahlt, denn aufgrund der höheren Lebenshaltungskosten sind auch die Löhne wesentlich höher. Hinzu kommt die Überalterung des Lehrkörpers und damit grosse Nachwuchssorgen! Allerdings kann es später dann Probleme mit der Pension geben, hat Mann/Frau sich nicht vorzeitig selbst um die Pensionsvorsorge gekümmert. Die Eidgenossen freut’s, besteht doch in der Deutschschweiz schon seit Jahren ein Lehrer-Problem. Beim Zürcher Schulleiterverband spricht man von einer “weiterhin alarmierenden” Situation! In den kommenden 5 Jahren wird sich dies gar noch zuspitzen. Apropos: Im Kanton Zürich unterrichten bereits 250 Lehrerinnen und Lehrer mit deutschem Diplom, im Kanton Aargau sind es noch weitaus mehr!
Die neue Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Annette Schavan, brachte zuletzt Quereinsteiger in’s Spiel. Vornehmlich natürlich im Bereich der Berufsschulen sollen auch Ingenieure und Fachhochschulabsolventen eine Lehrverpflichtung erhalten können. Dies war bislang nur mit entsprechender pädagogischer Zusatzausbildung möglich. Hessen hat das bereits umgesetzt. Zumindest auf Ersatzbasis. Wer dann meint, dass er sein Seelenheil doch in der Alma Mater findet, kann das Referendariat nachholen und wird verbeamtet. Gute Erfahrungen hat die Rhein-Main-Region bereits mit Universitätsabgängern und den AHS gemacht – hier MUSS allerdings neben dem Staatsexamen eine pädagogische Zusatzausbildung absolviert werden. Auch in Niedersachsen kann seit dem Beginn des neuen Schuljahres dieses pädagogische Modul als berufsbegleitende Weiterbildung belegt werden. Baden-Württemberg und Hamburg führen ebenfalls Überlegungen in dieser Hinsicht. In der Schweiz (im Speziellen im Kanton Zürich) werden schon seit 2011 Quereinsteiger in sog. “Fast-Track-Lehrgängen” ausgebildet. Sie entlasten zwar einzelne Bereiche, können aber etwa die “integrierte Förderung” (Heilpädagogoen) nicht abdecken – hier siedeln sich rund 1/3 der offenen Stellen an.
In Rheinland-Pfalz hingegen sollen arbeitslose Lehrer umgeschult werden. So kann es durchaus vorkommen, dass ein Deutschlehrer künftig Mathematik oder eine Englischlehrerin Physik unterrichten wird. Dies kommt auch den Vorstellungen der Gewerkschaft am nächsten. Denn – wofür haben die normalen Lehrer ihre Lehramtsausbildung gemacht, wenn sie wesentlich einfacher dann als Quereinsteiger unterrichten können.
Einige Bundesländer bemühen sich auch bereits pensionierte Pädagogen wieder für den Dienst erwärmen zu können. Eine Praxis übrigens, die zudem die österreichische Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) in ihrem Ressort versucht. Derzeit versehen nicht weniger als 114.000 Lehrerinnen und Lehrer ihren Dienst im Alpenstaat. Bis 2025 wird die Hälfte davon in den wohlverdienten Ruhestand gewechselt sein. Bereits im vergangenen Jahr fehlten bei den AHS und BHS nicht weniger als 400 Pädagogen. Und es werden von Jahr zu Jahr mehr! Deshalb versucht das Unterrichtsministerium, das Lehramt mit einem anderen Dienstrecht und höheren Einstiegsgehältern attraktiver zu machen.
Die Statistik weist ein trauriges Bild aus. In Mecklenburg-Vorpommern etwa blieb im ersten Halbjahr 12/13 an Grundschulen jede 12., an Regionalschulen jede 4. und an Gymnasien jeder 3. Vertretungsstunde auch wirklich unbesetzt. An beruflichen Schulen war es gar jede zweite. Keine Frage – bevor eine Stunde ausfällt, sollten auch andere Möglichkeiten ins Auge gefasst werden. Doch kann dies alles als Boomerang wieder zurückkommen. Ist doch die Qualität der Lehrerausbildung seit Jahren ein schwergewichtiges und heiss umstrittenes Thema in der Bildungspolitik, so sei mir nun die Frage erlaubt, weshalb Studienanfänger im Lehramt auf ihre pädagogischen Fähigkeiten und Interessen hin überprüft werden sollen?! Denn schliesslich werden derzeit Experten aus der Praxis mit offenen Armen aufgenommen, die aber gänzlichst ungeeignet für die Schule sein könnten. Dies kann primär Auswirkungen in solche Bereiche wie individuelle Förderung, Bekämpfung von Lernschwäche oder auch integrierter Unterricht und Ausländeranteil haben. Hier bedarf es eines grossen Fingerspitzengefühls von dafür ausgebildeten Experten. So sollten in Thüringen zwischen 2010 und 2015 insgesamt 2.500 Posten geschaffen werden – die Zahl wurde bei weitem unterschritten. Hier droht gar ein “Lehrerkollaps” (Thüringer Lehrerverband), weshalb heuer und im kommenden Jahr vermehrt Einstellungen vorgenommen werden sollen.
Inzwischen sorgt in Österreich der ehemalige Finanzminister und Vorsitzende der Österreichischen Salinen, Hannes Androsch für grossen Wirbel. Er fordert die gänzliche Abschaffung der Hausaufgaben und dafür den vermehrten Ausbau von Ganztagesschulen! Herr “Bildungsexperte” Androsch – mit welchem Personal?
Ich persönlich denke, dass auch an den Schulen das Pensionsalter hinaufgesetzt werden könnte (für all jene, die es psychisch und physisch machen können) und dass bereits pensionierte Lehrkörper wieder geholt werden sollten. Dies ist volkswirtschaftlich einfach das rentabelste.
Und zur PISA-Studie: Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken!

Links:
www.lehrcare.de/
www.bildungsplanet.de/lehrer/jobs/
www.lehrer-online-bw.de
www.kultusportal-bw.de/LOBW,Lde/Startseite/LEHREREINSTELLUNG+ONLINE/STELLENANGEBOTE
href=”www.brd.nrw.de/stellenangebote”>www.brd.nrw.de/stellenangebote/index.html
www.bmukk.gv.at/schulen/lehr/ausschr/index.xml
job.educa.ch/de

No Comments »

Heute schon geschmiert?

Deutschlands Frauen verwendeten im Jahre 2011 nach Angaben des Inline-Portals statista.de Schminkartikel im Wert von nicht weniger als 1,35 Milliarden €. Doch ist beileibe nicht alles gesund was glänzt oder diesen Glanz vermeiden soll!
Der deutsche Zoll hat im vergangenen Jahr gefälschte Kosmetika im Gegenwert von nicht weniger als 23 Mio € beschlagnahmt – das ist ein Plus von 900 % im Vergleich zum Jahr davor. Waren es früher die Hochpreissegmente, so wird heutzutage auf Teufel komm raus kopiert. Der Markt ist gar lukrativer als der Drogenhandel. Nach Angaben des Industrieverbandes Körperpflege und Waschmittel wurden im vergangenen Jahr alleine in Deutschland nicht weniger als 12,8 Milliarden Euro für die Schönheitspflege ausgegeben. Deshalb rät Stiftung Warentest zur Vorsicht. So mischen die Produzenten im Fernen Osten, Russland und der Türkei schon mal Grundstoffe hinein, die eigentlich gar nicht rein gehören. Minderwertige Inhaltsstoffe können Allergien auslösen und die Haut reizen. Zudem verflüchtigt sich bei Parfüms der Duftstoff sehr rasch, sodass mehr davon gebraucht wird und so manch einer sicherlich mit dem Original günstiger gefahren wäre. Also – besser Finger weg von Schnäppchen – auch wenn Geiz geil ist!
Allerding kann der Konsument auch bei teuren Original-Kosmetika nicht wirklich davon ausgehen unbelastete Inhaltsstoffe zu erhalten. So hat nun beispielsweise eine Studie des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ergeben, dass in nahezu jedem dritten verkauften Kostmetik-Produkt hormonell wirksame Chemikalien enthalten sind. Überprüft wurden nahezu 60.000 Produkten auf ihre Inhaltststoffe. Die Palette reichte dabei vom Haarwachs (zu 36 % belastet) über Sonnenmilch (in 33 % der Produkte) bis hin zum Rasierschaum (30 %) und Lippenstift bzw. Lippgloss (27 %). Hormone fungieren häufig als Konservierungsmittel (Parabene – Methylparaben etwa tötet Bakterien und Schimmelpilze ab), als UV-Filter (Ethylhexyl Methoxyconnamate OMC), als Haarfärbemittel und Geschmeidigmacher für die Haut. Nach Angaben des BUNDs finden sich in nahezu jedem zweiten Produkt der Marktführer Beiersdorf, Procter & Gamble sowie L’Oreal solche Hormon-Chemikalien. Und: Auch in neun Prozent der Baby-Shampoos sind derartige Substanzen im Einsatz! Im Vergleich dazu schnitten die Eigenmarken der Drogerie-Kette dm mit nur 17 % am besten ab – neben der Naturkosmetik. Apropos: Die Zuwachsraten in der Naturkosmetik liegen bei rund 10 % jährlich! Sollte das den Platzhirschen nicht zu denken geben???
Hormone sind Botenstoffe im menschlichen Körper. Am bekanntesten sind die Sexualhormone Östrogen (weiblich) und Testosteron (männlich). Daneben steuert beispielsweise das Insulin aus der Bauchspeicheldrüse den Zuckerhaushalt, Kortisol den Stress. Synthetisch hergestellte Stoffe gleichen in ihrer Grundstruktur sehr häufig solchen Hormonen und verwenden dieselben Rezeptoren wie diese. Solche endokrinen Disruptoren (oder auch Umwelthormone) können zu einer empfindlichen Störung des Hormonhaushaltes führen, da sie entweder deren Wirkung verstärken, auch wenn dies gar nicht erwünscht ist, oder blockieren. Dass mit solchen hormon-ähnlichen Inhaltsstoffen nicht zu spassen ist, beweist zudem die Warnung der Weltgesundheitsorganisation WHO. Hier wird gar von einer “globalen Bedrohung” und der Gefährdung all jener gesprochen, deren Organe sich noch entwickeln: Pubertierende, Kinder aber auch Ungeborene im Mutterleib (hier besonders bei Phthalaten). Bei männlichen Babies können solche Hormone zu einer Missbildung der männlichen Primär-Geschlechtsteilen führen (“Schrumpfhoden”), beim Mann werden Spermien abgetötet, die unterschiedlichsten Krebserkrankungen (wie etwa Hoden- oder Prostatakrebs) ausgelöst und eine verfrühte Pubertät verursacht werden, zudem Konzentrationsstörungen und Herz-Kreislauferkrankungen auftreten. Britische Forschern entdeckten im Jahr 2004 Parabene in Brustkrebstumoren. Die Verfasserin der BUND-Studie, Sarah Häuser, warnt davor, dies nicht zu unterschätzen. Wenn vielleicht in den Produkten selbst die Grenzwerte eingehalten werden, kann deren Kombination zu einer mehr als gefährlichen Mischung führen (Cocktaileffekt). So dürfen die Methyl- und Ethylparaben pro Produkt den Wert von 0,4 % nicht überschreiten. Auch wenn sie vom deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung als sicher eingestuft wurden. Dort heisst es, dass es nicht wissenschaftlich belegt sei, dass solche Stoffe per se eine systemische Wirkung im menschlichen Körper hervorrufen. Jedoch sind sie mit grosser Wahrscheinlichkeit in anderen kosmetischen Artikeln oder beispielsweise auch in Lebensmitteln enthalten. So werden etwa Phthalate in der Kunststoffindustrie als Weichmacher verwendet. Sie dürfen zwar in Lebensmittelverpackungen nicht mehr verarbeitet werden, finden aber durch Verunreinigungen immer wieder den Weg in die Nahrung oder sind Bestandteil des unvermeidbaren Hausstaubs. Apropos: In der Natur kommen solche hormonell wirkenden Stoffe neben vielen anderen auch in Soja, Milch oder Rotwein vor.
Nach einer Studie der Environmental Working Group (2004) verwenden Frauen täglich rund 12 Artikel mit 168, Männer 6 mit 85 Inhaltsstoffen. Somit ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass unter diesen Inhaltsstoffen auch solche sind, die eine hormonelle Wirkung erzielen. Zählen Sie doch selbst die Produkte Ihrer morgendlichen Beautypflege nach: Zahnpasta, Seife, Duschgel, Haarshampoo, Lotion, Rasierschaum, Hautcreme, Make up,… Deshalb wird lautstark über ein Verbot von gefährlichen Inhaltsstoffen diskutiert. Doch konnte auf EU-Basis bislang keine Einigung erzielt werden. Wissenschaftler aus allen Teilen des alten Kontinents haben in Form einer Deklaration strengere Verwendungsgesetze für diese Substanzen verlangt. 2015 soll die Kosmetik-Verordnung überarbeitet werden. Erst dann ist evt. mit Massnahmen zu rechnen. Derzeit darf nur für die Produktion von Babyflaschen kein Bisphenol A mehr verwendet werden. Dies jedoch ist in Frankreich und Schweden schon gänzlich in Lebensmittelverpackungen für Kinder verboten. Tierversuche haben insofern aufgezeigt, dass Bisphenol A, das übrigens dem weiblichen Sexualhormon Östrogen gleicht, zu Fettleibigkeit und Diabetes führen kann. Die Substanz ist zudem in der Beschichtung von Konservendosen ebenso enthalten wie auf Thermopapier (Fahrscheine,…). Bereits ein Thema ist hingegen die Senkung der Grenzwerte für Propyl- und Butylparaben. In Dänemark sind beide in der Herstellung von Babypflege-Artikel für Kinder bis 3 Jahren verboten. Sie schützen Kosmetika vor dem Verderb.
Wie kann sich nun der Konsument vor solchen Inhaltsstoffen schützen, sofern er über keinen akademischen Grad in organischer Chemie verfügt? Lesen Sie möglichst die Liste der Inhaltsstoffe durch und vergleichen Sie diese mit der Liste der hormonellen Chemikalien, die auch von der EU herausgegeben wurde. Sie müssen solche Namen wie beispielsweise Ethylhexyl Methoxycinnamate oder 4-Methylbenzylidene Camphor ja nicht unbedingt aussprechen können (auch ich bekomme dadurch regelmässig Probleme mit meiner Zunge). Sind diese enthalten, dann wissen Sie, dass die Artikel vorbelastet sind. Vermeiden Sie Sprays, da die Stoffe durch die Tröpfchen direkt in die Lunge gelangen. Verwenden Sie Naturkosmetik. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. In den meisten Fällen wird in dieser Alkohol als Konservierungsmittel verwendet. Doch verträgt nicht jede Haut das Schlückchen aus dem Flacon..
Der BUND hat nun mit Tox-Fox eine App für I- und Smartphones entwickelt (www.bund.net/toxfox). Dabei wird der Strichcode eingescannt und schon weiss die kritische Konsumentin, ob das Produkt hormonell belastet ist. Ein grünes Herz bedeutet unbelastet – ein lilafarbenes Warndreieck mahnt zur Vorsicht. Der Zugriff erfolgt auf eine Produktdatenbank von Codecheck, in welcher nicht weniger als 62.000 kosmetische Artikel aufgelistet sind. In mehr als 18.000 dieser Produkte ist einer der Stoffe aufgelistet, die mit der Prioritätenstufe 1 (hormonelle Wirkung in Tierversuchen nachgewiesen) durchaus Beachtung finden sollten. Zudem kann über die App ein Protestschreiben an den Hersteller abgeschickt werden.
In Deutschland und Österreich wird durch die Politik ein Alleingang abgelehnt, da die meisten Produkte importiert werden. Berlin und Wien begnügen sich mit internationaler Überzeugungsarbeit. Der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) weist die Vorwürfe gar als unbegründet zurück. Solche Substanzen kämen nur in sehr geringen Dosen mit dem Körper in Kontakt. Auch Marktführer Beiersdorf (nach eigenen Angaben) meinte in einer Stellungnahme, Parabene seien “besonders wirkungsvolle Konservierungsstoffe, die gleichzeitig sehr gut verträglich sind”! Ausserdem gebe es derzeit keine wirkungsvolle und wirtschaftlich sinnvolle Alternativen hierzu. Zudem müssen auch überzeugte Gegner eingestehen, dass die Ergebnisse dieser Studien auf Tierversuchen basieren. Die Auswirkungen auf den Menschen sind noch nicht nachgewiesen. Und v.a. beim vorhin erwähnten Cocktail-Effekt handelt es sich nach wie vor um nahezu unerforschtes Neuland. Allerdings sind mikroben abtötende Substanzen niemals nur harmloses Zeugs!
Erkenntnis: Hormonell wirkende Chemikalien könnten vermieden werden. Doch ist es für die Hersteller wie es derzeit läuft wesentlich einfacher! Wird nämlich eine Zutat eines Produktes verändert, so muss das komplette Produkt überarbeitet werden. Was könnte beispielsweise als UV-Filter herangezogen werden? Wie verträgt sich diese neue Substanz mit den anderen? Was kostet das? Etwas einfacher ist es in der Verpackungsindustrie. Hier hat das Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik eine spezielle Folie entwickelt, die Sorbinsäure abgibt. Diese macht die Lebensmittel haltbar und ist auch als Zusatzstoff in der Lebensmittelherstellung zugelassen. Doch besser – bei den Lebensmitteln alles frisch einkaufen, verzichten Sie wo möglich auf die Verwendung von Kunststoff und probieren Sie Naturkosmetik! Der Verbraucher kann aufgrund seines Konsumverhaltens entscheiden, ob auch weiterhin in Blogs wie diesen über derartige Themen geschrieben werden muss.

Dennoch sollten Sie bei diesen Inhaltsstoffen hellhörig werden:
-( Methylparaben, Propylparaben, Ethylparaben und Butyl-
paraben (Konservierungsmittel)
-( Ethylhexyl Methoxycinnamate (OMC), 4-Methylbenzylidene Camphor, 3-Benzylidene Camphor (UV-Filter)
-( Bezophenone-1 und Benzophenone-2 (UV-Absorber)
-( Resorcinol (Haarfärbemittel)
-( Cyclotetrasiloxane (Conditioner für Haut und Haare)
-( Hydroxycinnamic acid (Hautpflegemittel)
-( Dihydroxybiphenyl (Hautschutzmittel)
-( Butylhydroxyanisol (BHA) (Antioxidationsmittel)
-( Boric Acid (Schutz vor Bakterien)
-( Diethyl phthalate (Denaturierungsmittel)
-( Bisphenol A

Lesetipp:
“Hormone und Hormonsystem – Lehrbuch der Endokrinologie” von Bernhard Kleine & Winfried Rossmanith (3. Auflage erscheint am 31.August 2013, Springer-Verlag, ISBN 978-3-642-37091-5)

Linktipps:
www.codecheck.info
www.bund.net

No Comments »

WP Login