Archive for November, 2013

Gewaltig Zaster für das Laster

Auf dieses heutige Thema bin ich aufgrund einer mehr als interessanten Frage mit anschliessender Online-Diskussion gestossen. Die Impulsfrage hierzu lautete: “Zahlen wir bald mehr Steuern, als wir einnehmen?” Wer jetzt vielleicht abwinken und meinen sollte: “Wie soll das gehen?”, dem möchte ich diesen Blog an’s Herz legen.
Mehrwertsteuer, Lohnsteuer, Einkommenssteuer, Körperschaftssteuer, Gewerbesteuer, Kapitalertragssteuer, Bankensteuer, Kreditsteuer, Versicherungssteuer, Vertragssteuer, Mineralölsteuer, Tabaksteuer, Alkoholsteuer, Kfz-Steuer, (Luxussteuer), (Schenkungssteuer), (Erbschaftssteuer), Grundsteuer, (Kaloriensteuer), (Kaffeesteuer), Luftverkehrssteuer, Ausländersteuer (!!!)… Hinzu kommen jene Abgaben, die offiziell nicht als Steuern bezeichnet werden: Müllgebühren, Abwassergebühren, Haushaltsabgabe bzw. GIS, AKM bzw. GEMA, Parkgebühren, Autobahnmaut, Eingabegebühren, Hol- und Bringdienste, ja auch die Strafgebühren, die verlangt werden, wenn Richtlinien oder Gesetze nicht eingehalten werden – mal von den wirklichen Gesetzesbrechern abgesehen – und so weiter. Ich bin nun mal so frei und bezeichne auch die Sozialversicherung als eine Form der Steuer. Sicherlich – sie setzt sich aus vielen Komponenten zusammen, doch ist neben der Krankenversicherung die Pensionsversicherung die wohl grösste Komponente davon, denn – wie wir alle inzwischen wissen – kann niemand vorhersagen, was geschieht, wenn die geburtenstarken Jahrgänge aus den 60ern (also jene vor dem Pillenknick) in die Pension gehen. Ist das Geld dann weg? Wie eine beglichene Steuer für den Steuerzahler? Nicht mal ein “Danke”! Die Aufzählung liesse sich beliebig fortsetzen und sie lässt vor allem eine Vermutung aufkommen: Leben wir in einem Steuerstaat, in dem jeder geschröpft wird, bis er nicht mehr kann???
Wir haben – unbestritten – in Deutschland und Österreich inzwischen einen Lebenstandard erreicht, der vieles selbstverständlich macht. Allerdings muss diese Selbstverständlichkeit auch in irgendeiner Form finanziert werden. Das sollte klar sein und deshalb auch von niemandem abgestritten werden. Jedoch kommen Zweifel auf, wenn Menschen, die Zeit ihres Lebens geschuftet, Steuern und Abgaben bezahlt haben, plötzlich vor dem existenziellen Ruin stehen. Ohne übrigens selbst Schuld an ihrer Lage zu sein! Mindestrentner, die nun das ausbaden müssen, was durch die Politik verbrockt wurde! Und dann tauchen Meldungen auf, wonach die Krankenversicherungen Milliarden angehäuft haben, die Pensionskassen dem in keinster Weise hinterherstehen (obwohl sie in griechische Staatsanleihen investierten!!!), Politiker aus den Koalitionsverhandlungen rauskommen und erklären, dass künftig Milliarden im Staatshaushalt fehlen um dann in die Staatslimousine mit Chauffeur einzusteigen, obwohl sie in Berlin oder Wien wohnen!!! Wie wäre es, wenn jeder dieser Damen und Herren mit dem staatlichen E-Auto selbst nach Hause fahren würde! Stromtankstellen vor dem Bundestag und Nationalrat! Schliesslich sind sie es ja, die gegenüber Otto Normalverbraucher Wasser predigen, jedoch Wein trinken!
Nun gut – ich möchte in diesem Blog etwas genauer auf die Hetzkampagnen eingehen, die derzeit sowohl in deutschen Landen als auch im Alpenstaat die Runde machen: Tabak, Alkohol und Benzin!
Raucher werden aus den Lokalen verbannt, doch auch auf der Strasse dürfen sie nicht mehr rauchen, da sich die Anrainer aufgrund des Lärms und der Kippen am Boden beschwert haben. Ich bin dieser Tage an einer Galerie vorbeigefahren. In derselben waren gezählte zwei Personen! Vor der Galerie hingegen ein Massenauflauf – und es wurde geraucht! Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Der inzwischen in den Konkurs geschlitterte Chef einer österreichischen Elektrokette lud vor zwei bis drei Jahren zu seinem runden Geburtstag in einen Tanztempel. Da er überzeugter Nichtraucher ist, war die Party rauchfrei. Es war nichts los, tote Hose – auf dem Dancefloor nebenan allerdings stiegen sich die Leute gegenseitig auf die Füsse unter ihnen viele der geladenen Gäste. Mehrere Erlebnisgastronomien hatten dies schon vor dem Inkrafttreten der Anti-Rauchergesetze ausgetestet. Auch die meisten Nichtraucher waren auf dem Raucher-Dancefloor. Liebe Nichtraucher – Ihr habt dafür gekämpft! Wieso nun das? Keine Frage – in Restaurants, in welchen gegessen wird, schmeckt das Essen wirklich nicht gut, wenn der Nachbar vom Nebentisch den blauen Dunst rüber bläst, da er sein Date nicht einräuchern möchte. Doch werden Wirte nun in den Ruin getrieben, nachdem sie eigene Nichtraucherzonen geschaffen haben, die ohnedies wenig besucht sind, sie nun auch den Zugang zu diesen rauchfrei machen müssen! Dann lieber ein Raucherverein, wo jeder, der Mitglied wird, weiss, auf was er sich einlässt und austreten kann! Zum Gesundheitsaspekt der Politik – ja es stimmt: Rauchen verkürzt das Leben! Doch sollte dies angesichts der demographischen Entwicklung positiv aufgenommen werden. Einerseits fehlt das Geld für die Pensionen, andererseits fehlen die Kriege! In Deutschland sterben pro Jahr rund 140.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. In der Anthropologie spricht man in diesem Zusammenhang von “natürlicher Auslese”! Und da jeder Erwachsene wissen sollte, was er macht, sind dafür auch nicht die Produzenten zur Verantwortung zu ziehen. Welcher Koks-Schnüffler hat seinen Dealer verklagt, da er sich den gesamten Hals-Nasen-Rachen-Bereich ruiniert hat? Und – solange Eltern ihren Unter-16jährigen Kiddies die Zigaretten kaufen (wie etwa im Falle einer Bekannten), so liegt die Verantwortung ja wohl bei den Eltern. Ah ja – und dann noch zur Volkswirtschaft: Ein Raucher zahlt ebenso wie ein Nichtraucher Zeit seines Lebens Kranken- und ab einem gewissen Alter auch Pflegeversicherung. Hinzu kommt die Mehrwert- und Tabaksteuer, die ja weitaus mehr ausmacht, als das Produkt wert ist! Die Zeitung “Die Welt” titelte am 01.01.2012: “Zigaretten rauchen für die Steuerkasse!” Bei einem Schachtelpreis von 5,- € bezahlt der deutsche Raucher bei nur 19 Zigaretten 3,68 € Steuern (2,88 € Tabak- und 80 Cent Mehrwertsteuer). Ein Nichtraucher investiert dieses gesparte Geld vielleicht in einen Urlaub in der Türkei oder gar auf den Malediven! Gehe ich fehl in der Annahme, dass beim Nichtraucher dadurch die Kaufkraft abwandert? Die Tabaksteuer ist nach der Energiesteuer in Deutschland die zweitlukrativste Verbrauchstsuer! Was geschehe, wenn plötzlich alle den “blauen Dunst” verbannen würden? Hier noch die notwendigen Zahlen aus dem Jahr 2012:

Tabaksteuern Deutschland: 14,1 Milliarden Euro
(nahezu jede 5. Zigarette wurde allerdings nicht versteuert! Angabe: DZZ)
Folgekosten Deutschland: Mehr als 30 Milliarden Euro
Tabaksteuern Österreich: 1,6 Milliarden Euro
Folgekosten Österreich: 234 Millionen Euro

Zur zweiten Hetztirade: Dem Alkohol! Experten bezeichnen den Alkohol als die gefährlichste Droge schlechthin, da sie gesellschaftlich geduldet wird. Alkoholismus ist auch heute noch ein Tabu-Thema. Man sieht es zwar, unternimmt aber nichts dagegen. Der Suff hat schon verdammt viele Familien zerstört, Menschen sozial und auch körperlich kaputt gemacht. Gleich nach dem Aufstehen das erste Bierchen – na ja, mein Geschmack ist das nicht unbedingt. Die Alkoholsucht ist schlimm und ohne fremde Hilfe kommt man nicht wieder raus. Auch die Rückfallquote ist entsprechend hoch. Doch bleibt es meines Erachtens jedem selbst überlassen, ob er zum Mittagessen ein Glas Rotwein oder ein kühles Blondes trinkt. Solange es nicht mehr wird oder die Arbeit bzw. zwischenmenschlichen Kontakte des Betreffenden belastet, muss ich doch als Antialkoholiker nicht mit der Knute hinter ihm stehen und ihm bei jedem Schluck eins kräftig drauf geben. Auch der österreichische Primararzt Reinhard Haller, Gerichtspsychiater und Suchtexperte, hat mir gegenüber in einem Radio-Interview eingestanden, dass das Geheimnis des Alkohols in der Menge liegt. Ein gutes Glas Rotwein etwa regt die Blutbildung und den Kreislauf an, ein Glas Bier nach dem Sport schmeckt nicht nur besonders gut sondern liefert auch wertvolle Elektrolyte, die während des Sports verloren gingen. Zudem wird die Nierentätigkeit angekurbelt. Alkohol in rauhen Mengen aber ist abzulehnen. Darunter leidet v.a. das Entgiftungsorgan, die Leber. Bei dauerhaftem Alkoholkonsum nimmt der Anteil des Körperfetts zu was v.a. die Organe stark in Mitleidenschaft zieht: Fettleber,… Die weitere Folge kann eine Leberzirrhose sein. In Deutschland sterben jährlich rund 15.000 Menschen an den Folgen des Alkoholkonsums. Doch – wenn jemand Alkohol mag? Schliesslich sind auch hier jede Menge Steuern enthalten: Mehrwertsteuer, Biersteuer, Branntweinsteuer, Schaumweinsteuer, Alkopopsteuer und nicht zuletzt noch ein ganzer Rattenschwanz an Abgaben und Steuern, wenn das Bier im Gasthaus getrunken wird: Vergnügungssteuer, Lohnsteuer, Einkommenssteuer, Vertragssteuer, Gewerbesteuer, … Man sollte also als Politiker nicht wirklich den Alkohol verbannen. Schliesslich werden auch durch diesen Konsum die Staatskassen gefüllt. Zur Überlegung, was geschehe, wenn plötzlich niemand mehr Alkohol konsumieren würde? Ein riesiges Loch im Budget und jede Menge Arbeitslose, da die meisten Lokale und auch Gasthäuser zusperren müssten.

Verbrauchsteuern aus alkoholischen Getränken Deutschland (2012): 3,2 Milliarden Euro
Direkte Folgekosten für das deutsche Gesundheitssystem: 7,4 Milliarden Euro
Verbrauchssteuern und MwSt auf Alkohol Österreich (2012): 385 Millione Euro
Soziale Folgekosten Österreich: 130 Millionen Euro

Tja und zuguterletzt: Die Autofahrer!
Sie sind ja grundsätzlich an allem schuld. Verletzungen und Todesfälle bei Unfällen, Smok in den Städten, Inflation durch hohe Benzinpreise,… Alles kann in irgendeiner Weise auf die Melkkühe der Nation zurückgeführt werden. Hätte es in Berlin keine Einigung zwischen der Union und der SPD im Rahmen der Koalitionsverhandlungen gegeben, so wäre sicherlich die Autobahnmaut dafür verantwortlich gewesen – und damit: Die Autofahrer! Klar – es gibt immer wieder jene, die besser sein wollen als die anderen. Jene, die Benzinfresser lenken. Jene, die für 200 m zum nächsten Geschäft mit dem Auto fahren. Jene, die im Leben vielleicht nicht wirklich etwas reissen, dafür aber auf der Strasse meinen, sie müssten alle anderen im Rückspiegel sehen, wie sie kleiner und kleiner werden. Sortieren wir doch diese heraus – was bleibt dann übrig? Ja – jede Menge normaler Menschen wie Sie und ich – egal ob mit oder ohne Führerschein. Wie bei vielem anderen auch – das Gros, das aber durch einige wenige, die anders sein möchten, angeschwärzt wird. Nicht zu leugnen: Untersuchungen haben ergeben, dass gerade in Städten die Abgas- und Feinstaubwerte teils höher sind, als die durch die WHO festgelegten Grenzwerte. Hier sollte tatsächlich etwas getan werden, da ansonsten ganze Stadtkerne aussterben werden. Doch ob die Umweltplakette die richtige Methode ist? Ich denke: Nein! Immer mehr Innenstädte werden zudem zu Fussgängerzonen umgerüstet. Gut so – auch ich flaniere unheimlich gern durch solche Zonen. Schau mir die Menschen und Geschäfte an, doch kaufe ich sehr selten dort ein. Wer will schon stundenlang mit Einkaufstüten herumrennen, bis man nach Hause oder zum Auto kommt. Somit sollten sich die Geschäfte-Besitzer nicht beschweren, dass immer mehr Kunden die grossen Einkaufszentren am Stadtrand aufsuchen. Gratis-Parkplätze, ohne sich mit einem anderen um eine Parklücke streiten bzw. die nächste Parkuhr suchen zu müssen. Zudem können die Einkäufe direkt in’s Auto gelegt werden. Damit werden Innenstädte wirtschaftlich unlukrativer und damit immer mehr ausgedünnt. Doch sind die Shopping-Malls wirklich in den Innenstädte vonnöten? Doch damit wieder zurück zum Thema: Verkehr in den Innenstädten! Wäre nicht die bessere Alternative zur Umweltplakette die Unterstützung von Car-Sharing Aktionen? Einmal die Woche braucht wohl jeder ein Auto, da es um die Wocheneinkäufe geht. Ansonsten aber steht es in der Garage oder am Strassenrand. Ich war aufgrund einer Ausbildung über mehrere Monate in Wien – ohne Auto! Mit der U-Bahn war ich wesentlich schneller am Ziel, musste keinen Parkplatz suchen und aufgrund der eingesparten Parkgebühr konnte ich mir zumindest eine Fahrt finanzieren. Allerdings verfluchte ich jeden Samstag, wenn ich mich beim Wocheneinkauf fast kaputt schleppte. Mit Car-Sharing gäbe es plötzlich wieder Parkplätze, da die dauerparkenden Pendler ohnedies durch die Kurzparkzonen abgeschreckt werden. Hier könnten grosse Stop’n'go-Parkflächen am Stadtrand eine Lösung schaffen. Doch sollten gerade zu den Hauptverkehrszeiten auch entsprechende Anbindungen vorhanden sein. Immerhin fuhren im Jahr 2012 nicht weniger als 66 % der Erwerbstätigen mit dem Auto zur Arbeit. Oder Grünstreifen! Ich liebe Städte, die auch der Natur Platz lassen und nicht alles zubetonieren! Die Autofahrer sind es auch, weshalb die in Kyoto gesteckten Ziele niemals eingehalten werden können. Das bedeutet Strafzahlungen etc. Damit aber zu den ständig nörgelnden Anti-Autofahrern: Der Öffentliche Personennahverkehr kann sehr viele Bedürfnisse abdecken – keine Frage. Allerdings – was mache ich, wenn ich einen Bus um 07.00 Uhr nehme und der ist dermassen voll, dass der Chauffeur gar nicht mehr an der Haltestelle stehen bleibt. Ursache hier: Die Schüler! Ein eigener Schulbus ist ja für das Verkehrsunternehmen ein Defizit – und dies obwohl für jeden Schüler mehr bezahlt wird, als im Vergleich dazu eine Jahreskarte für einen Erwachsenen kostet! Als ich einst mit der Bahn nach Wien gefahren bin, mussten viele – unter ihnen auch eine junge Dame – von Innsbruck bis nach Wien auf dem Gang verbringen, da keine Sitzplätze mehr frei waren. Ich musste selbst auch schon in einem EC von Innsbruck bis nach München stehen! Doch – anstelle mehr Waggons anzuhängen, nimmt die ÖBB lieber Proteste in Kauf. Dadurch springen jedoch immer mehr Fahrgäste ab – sie verhunzen sich ihr eigenes Geschäft! Und nun auch hier zur Gretchenfrage: Melden alle privaten Autofahrer ihre geliebten Vierräder ab, wer deckt dann das Loch im Budget? Kfz-Steuer, Kfz-Haftpflicht – daraus resultierend auch die Versicherungssteuer, NOVA, Maut, Mineralölsteuer, Arbeitsplätze mit Lohn und Einkommenssteuer,… So betonte etwa die österreichische Finanzministerin Maria Fekter in einem Interview gegenöber des Österreichischen Rundfunks im August 2012, dass viele Pendler aufgrund der hohen Spritpreise auf die Öffis umgestiegen sind. Dadurch stagnieren die Einnahmen bei der Mineralölsteuer! Für sie natürlich mehr als bedauerlich!

Energiesteuer Deutschland (2012): 39,3 Mrd €
Mineralölsteuer Österreich (2012): 4,3 Mrd €

Sinn des heutigen Blogs war es, all den Motzern aufzuzeigen, dass Vater Staat und unzählige Unternehmen zwar kräftig mitschimpfen, gleichzeitig aber ganz gewaltig mitkassieren. So soll es etwa in Österreich zu einer Verteuerung des Schachtel Zigaretten um rund 30 Cent kommen, damit sich Jugendliche schwer tun, dies noch finanzieren zu können. Die daraus resultierenden Mehreinnahmen sollen angeblich für Zahnspangen verwendet werden! Wer’s glaubt! `Die ständigen Nörgler und Schimpferm die niemals Alternativen aufzeigen, sollten deshalb keinerlei Gehör finden. Denn – eine attraktive Steuer wie etwa die Tabaksteuer würde dann rasch durch eine andere ersetzt werden – vielleicht einer Kaminsteuer… Dann dürfen wir alle Erdwärmelöcher bohren!
Trotz alledem möchte ich eines nicht unerwähnt lassen: Suchtkranke sind schwierige Patienten! Auch in den psychiatrischen Abteilungen mögen nur ganz wenige mit ihnen zu tun haben!
(Zahlen für Deutschland: Bundesfinanzministerium/Drogenbeauftragte der Bundesregierung)
(Zahlen für Österreich: Kreutzer Fischer & Partner/Statistik Austria/Kurier)

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Mutter Natur schlägt zurück – mit eiserner Faust

Taubeneier-grosse Hagelkörner, Sturmböen von über 100 Stundenkilometern, Überflutungen, staubtrockene Sommer und heftige Schneefälle im Winter – ist ja nicht so, dass wir das nicht schon hatten! Jedoch niemals in einer dermassen konzentrierten Form. Naturereignisse werden immer häufiger und auch vernichtender. Der direkte Hinweis von Mutter Natur, dass sie Probleme mit ihrer Verdauung hat. Das Wort “Klimaerwärmung” ist inzwischen in aller Munde, doch unternehmen wohl die wenigsten etwas dagegen. Auto mal stehen lassen – zu Fuss oder dem Fahrrad tut auch der Gesundheit gut. Fernreise? Wieso – hier ist es doch auch schön! Produkte aus der Region – dadurch bleibt nicht nur die Kaufkraft im Land! Heizen im Winter – müssen es T-Shirt-Temperaturen sein? Es sind zwar nur Kleinigkeiten, doch wenn jeder diese Kleinigkeiten berücksichtigt, wird’s der Erde schon bald besser gehen und sie auch nach unserer Generation weiterhin bewohnbar bleiben.
Während in Ostasien Taifune wüten, Buschfeuer in Australien alles verbrennen, was sich ihnen in den Weg stellt – Europa ist alsdann auch schon längst keine Insel der Seligen mehr! Bei uns sind es vornehmlich Unwetter mit anschliessenden Überschwemmungen. Besonders tragisch verläuft hingegen der Herbst alljährlich in den USA. Tornados – sie wüten in diesem Jahr besonders stark! Alleine am vergangenen Sonntag zog eine Sturmfront durch den mittleren Westen. Im Gepäck hatte sie rund 80 Tornados, die in den Bundesstaaten Illinois, Indiana, Iowa, Michigan, Missouri, Ohio und Wisconsin verheerende Schäden angerichtet haben. Kein Stein blieb auf dem anderen, Strommäste wurden wie Strohhalme geknickt, Bäume wie Lego durch die Luft gewirbelt. Mehrere Menschen starben, viele wurden verletzt. Ganze Strassenzüge scheinen dem Erdboden gleichgemacht – so mancher Bürgermeister spricht von einem “Kriegsgebiet”! Einwohner können teils gar nicht mal eben mehr sagen, in welcher Strasse ihres Stadtteils sie sich befinden. Während in Europa Erstaunen ob der US-amerikanischen Baukunst herrscht, darf eines nicht unerwähnt bleiben: Windstärken von über 300 Stundenkilometer halten die wenigsten Gebäude stand. In den weiten amerikanischen Tiefebenen indes weiss man ganz genau, was zu tun ist, wenn Tornado-Warnung gegeben wird: Alles liegen und stehen lassen, ab in den Sturmkeller und die Falltüre fest verschliessen! Dieser Keller gleicht zumeist einem Bunker – keine Fenster, Wände und Decke aus Stahlbeton. Auch dieses Mal sind einige Menschen aus dem Keller herausgekommen und ihr Haus war verschwunden.

Tornados sind in vielen Belangen anders als die ebenfalls verheerenden Hurricanes oder Taifune. Während diese beiden über Wasser entstehen und auf ihrem Weg in’s Landesinnere schwächer werden, bilden sich Tornados über Land. In diesem Falle treffen östlich der Rocky Mountains kalte Luftmassen aus Kanada auf warme und feuchte aus dem Golf von Mexiko. Dabei sackt die kalte unter die warme Luft (“Luftmassengrenze”). Die rasant aufsteigende warme Luft führt zu Gewittertürmen, die zumeist rotieren. Ein Tornado entsteht! Eine starke Bodenfeuchte wie etwa im Frühjahr bzw. Herbst kann nun diese Rotation gar noch verstärken. Das Wasser verdunstet zu Wasserdampf – steigt mit den warmen Luftmassen auf und kondensiert dann wieder. Dadurch wird zusätzliche Energie frei. Ein solcher Wirbel reicht vom Boden bis zur Wolkenuntergrenze. Die perfektesten Bedingungen finden diese aussergewöhnlichen meteorologischen Vorgänge im sog. “Tornado Alley” im mittleren Westen der Vereinigten Staaten. Tornados hinterlassen nicht nur aufgrund ihrer Gewalt eine Schneise der Verwüstung. Meist gehen auch grossflächige Überflutungen und starker Hagelschlag einher, da die Luft aus dem Süden mit Wasser nahezu geschwängert ist. Im Vergleich zu Hurricanes weisen Tornados einen Durchmesser von rund hundert Metern auf. Hurricane Katerina im Vergleich dazu war mehrere hundert Kilometer gross. Sie wüten über mehrere Tage hinweg, während Tornados plötzlich auftauchen und plötzlich auch wieder weg sind (ihre Lebensdauer beläuft sich auf 5 bis 30 Minuten). Das macht sie dermassen gefährlich, da sie nicht von Experten abzuschätzen geschweige denn vorhersagbar sind. Die Spezialisten sprechen hierbei von “irregulären Gebilden, die vom reinen Zufall gelenkt werden”. In den meisten Fällen müssen Vorwarnzeiten von nur 16 Minuten ausreichen. Tornados erreichen in den USA Windgeschwindigkeiten von bis zu 400 km/h – wenn die idealsten Bedingungen dafür herrschen! Doch auch hier holen ihre Verwandten auf – so erreichte beispielsweise der verheerende Taifun “Haiyan” auf den Philippinen Windgeschwindigkeiten von bis zu 315 km/h. Er war übrigens der dreizehnte Taifun in der pazifischen Taifunsaison 2013.
Der US-Bundesstaat Oklahoma liegt genau in dieser “Tornado-Alley”. Hier toben die stärksten Stürme im Frühjahr, im Sommer ist der Norden der USA, im Winter der Südosten des Landes betroffen. Die Menschen haben sich an das Leben mit den Stürmen gewöhnt. Wichtige Unterlagen, Geld und auch Lebensmittel sind sicher in den Kellern verstaut. Die Unheil bringenden Stürme des Njörd werden hier umgangssprachlich als “Twister” bezeichnet.

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Auch in Europa werden immer wieder einzelne “Windhosen” gesichtet, sie sind allerdings mit ihren Kollegen von jenseits des grossen Teiches meist nicht wirklich zu vergleichen. In Deutschland kommt es jährlich zu rund fünf Windhosen mit einer Stärke von F2, alle zwei bis drei Jahre zu einem der Stärke F3 und alle 20 bis 30 Jahre zu einer Windhose von F4. Die Wahrscheinlichkeit eines Auftretens ist im Westen der Norddeutschen Tiefebene am grössten. Zuletzt vernichtete am 19. August des Jahres ein Tornado einen Campingplatz am Hammerschmiede See bei Pommertsweiler (Baden-Württemberg). Die Camper konnten sich im letzten Moment im Waschhaus in Sicherheit bringen – trotzdem wurden 27 Personen verletzt..
Im Alpenstaat Österreich werden rund drei bis fünf solcher Tornados jährlich mitverfolgt, wobei alle zwei Jahre eine Stärke von F2, alle fünf bis zehn Jahre eine Stärle von F3 verzeichnet wird. Die meisten davon werden in der Südoststeiermark bzw. dem Hausruck in Oberösterreich beobachtet. Im Juni 2011 wurde über dem Bisamberg bei Wien ein Tornado gesichtet. Er richtete bei Geschwindigkeiten von 130 km/h grosse Schäden in einem Waldgebiet an.
Solche Windstärken aber sind für die USA nahezu Peanuts. Hier erreichen die Twister Stärken von F5 (erweiterte Fujita-Skala). Bei einem dieser Tornados in Oklahoma wurden der Meteorologe Mike Bettes und zwei seiner Kollegen im Auto erfasst und samt des Wagens 200 Meter durch die Luft geschleudert. Die drei hatten Glück im Unglück – sie waren angeschnallt und wurden nur verletzt – am Auto entstand Totalschaden.

Diese spektakulären Aufnahmen wurden nur wenige Tage zuvor vom “Storm Chaser-Team” auf dem Discovery-Channel veröffentlicht.
In den Vereinigten Staaten werden jährlich rund 1.200 Tornados gezählt. Allerdings gehen die Meinungen auseinander. Betonen die einen, dass die Klimaerwärmung auch bei den Tornados zu spüren sei, meinen die anderen, dass die Statistik, die seit 60 Jahren geführt wird, aufzeigt, dass die Zahl derzeit sogar leicht zurückgeht. Auch was die Heftigkeit dieser Wetterphänomene anbelangt, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass ein Tornado, der über unbesiedeltes Gebiet geht, weniger Schaden anrichtet, als sein Kollege, der über eine Stadt herfällt. Somit ist für die Folgen eines Tornados sicherlich auch der Mensch und seine Besiedelungen verantwortlich zu machen. Wer in der Tornado Alley ein Haus baut, sollte sich der Gefahr bewusst sein: Alles was aufgesogen, wird zum tödlichen Wurfgeschoss. Immer wieder kommt es zu Todesopfer – die leider nicht vermeidbar sind. So tragisch dies auch für deren Angehörige ist: Glücklich sind die Menschen in diesen Regionen dann, wenn möglichst wenige in den Stürmen ihr Leben verloren haben. Denn – erwischt einen ein solcher Windsog unterwegs hilft nurmehr der Tritt auf das Gaspedal des Autos. Zugleich hat sich ein Automatismus entwickelt: TV- und Rundfunkstationen schalten sich sofort aus Spielfilmen oder Serien bzw. Sendungen raus, sobald eine Unwetter-Warnung gegeben wird. Ab sofort gilt die ungeteilte Aufmerksamkeit den Wetterexperten. Ist dann das Unvermeidbare eingetreten, hilft jeder jedem. Auch wenn es sich um wildfremde Menschen handelt, erhalten sie Unterschlupf. Schliesslich könnte der nächste Tornado ja mich und meine Familie treffen!

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Ist Justitia wirklich fair???

In den letzten Wochen sind immer wieder Themen an mich herangetragen worden, mit der Bitte, über sie zu schreiben und sie dadurch einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen! Hierzu möchte ich eines erwähnen und gleichzeitig um Verständnis bitten, da ich inzwischen aus persönlichen Gesprächen weiss, dass es sich in den meisten Fällen um eingefleischte Fans dieses Blogs handelt: Ich schreibe nicht über schwebende Verfahren! Und: Ich schreibe ausserdem nicht über etwas, ohne zuvor auch die Gegenseite kontaktiert zu haben. Das verstehe ich unter objektiver Recherche. Bei diesem nun veröffentlichten Blog sind die Namen und Orte zum Schutz der Persönlichkeit geändert.
Zu Beginn steht ein Fall, der mir bereits im März des Jahres bekannt gemacht wurde. Es folgten viele Skype-Sitzungen – diese Zeilen wurden vor Veröffentlichung zumindest von einer Seite gegengelesen und genehmigt.
Alex und Jenny lernten sich vor rund 15 Jahren in Wien kennen. Er stammt aus Niederösterreich, sie aus dem Burgenland. Nach rund 4 Jahren beschlossen sie im Weinviertel ein Haus zu bauen. Gemeinsam mit dem kleinen Sohn von Sabine zogen sie dann auch dorthin – es sollte ein kompletter Neustart werden. Der kleine – nennen wir ihn mal – Steffen versuchte jedoch von Beginn an, einen Keil zwischen Alex und seine Mutter zu treiben – die ödipale Phase konnte offensichtlich von ihm niemals wirklich überwunden werden – er schlief übrigens auch im Bett von Alex und Jenny, wenn ersterer nicht zuhause war (auch im Hauptschulalter!). Es kam zum Eklat, Jenny und Steffen zogen Knall auf Fall aus dem Haus aus und versuchten einen neuerlichen Beginn in Kärnten. Alex nun blieb auf dem Baukredit, der Wohnbauförderung und auch auf Schulden seiner ehemaligen Lebensgefährtin (alleine diese beliefen sich auf einen fünfstelligen Betrag) sitzen. Jeder andere hätte nun das Haus verkauft. Alex schaffte es dennoch, über die Runden zu kommen, schliesslich war es das Einzige andauernde, das er bislang geschafft hat – sein Lebens-Traum. Gerade als er einen Anwalt damit beauftragen wollte, zumindest jene Gelder zurückzuholen, die er Jenny geliehen hatte, damit sie aus ihrer damaligen prekären Finanzsituation heraus kam, erfuhr er vom Privatkonkurs seiner ehemaligen Lebensgefährtin, was ihn eigentlich nicht verwunderte, da diese ständig über ihre Verhältnisse lebte und mit Geld auch während der Lebensgemeinschaft nicht umgehen konnte. Inkassoschreiben waren nahezu wöchentlich in der Post, einmal gar stand der Gerichtsvollzieher vor der Türe – Alex beglich die offene Summe. Doch er erfuhr von dem Konkurs nicht direkt in Form eines Schreibens des Bezirksgerichtes Klagenfurt, sondern über Dritte. Jenny hatte ihn nicht als Gläubiger angegeben, in der Hoffnung, dass er ohnedies nie davon erfahre und die Aussenstände nach Abschluss der Schuldenregulierung als uneinbringlich abgewiesen werden. Zum Schritt vor das Konkursgericht wurde Jenny alsdann durch ihren Kärntner Lebensgefährten überredet. Ziel war es, aus der Haftung für den Baukredit rauszukommen, für welche Jenny aber seit fünf Jahren ohnedies keinen Cent mehr einbezahlt hatte. Ihre anderen Schulden nämlich wären durchaus in Form einer Umschuldung abzudecken gewesen.
Alex sammelte alle Unterlagen, berechnete die Summe, die ihm Jenny persönlich noch schuldete und meldete sich selbst als Gläubiger bei Gericht an. Zur ersten Tagsatzung waren 8 Gläubiger erschienen, die Schuldenregulierung wurde mit knapp über 10 % Quote von 5 der Gläubiger akzeptiert. Auch die Bank, über welche der Baukredit läuft, stimmte dem Privatkonkurs zu. Ihr ist es ja schliesslich egal, wer zahlt. Zudem steht sie im Grundbuch des Hauses. Trotzdem eine sehr heikle Entscheidung, bestehe doch die Möglichkeit eines sofortigen Zinsstops (dazu mehr etwas später).
Alex verstand nun die Welt nicht mehr. Er bekommt von den persönlichen Schulden nicht mal mehr die Zinsen zurück und muss zudem befürchten, sollte etwas geschehen, dass die Bank das Haus wegpfändet. Jenny hingegen ist glücklich. Sie ist eigentlich ausgebildete Assistentin der Geschäftsführung (Chefsekretärin), hat jedoch absichtlich vor dem Konkursantrag einen wesentlich schlechter dotierten Posten als Schreibkraft angenommen, damit die Rückzahlungsquote möglichst gering ausfällt. Ebenso wie in einem Parallelfall, bei dem der Betroffene kurz nachdem der Konkurs durch war, einen hochdotierten neuen Job angenommen hat, die Quote davon unbeeindruckt bei 20 % blieb, ist auch in diesem Niederösterreich-Kärntner Duell davon auszugehen, dass Jenny wieder in ein Vorzimmer der Chefetage wechseln wird, sobald sich der Wirbel etwas gelegt hat.
Soweit die Vorgeschichte. Doch – schauen wir uns die Möglichkeiten der Schuldenregulierung bei Privatpersonen etwas genauer an. Dabei gibt es einige Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich. Zuerst nach Deutschland!
Unter der deutschen “Schuldenregulierung” versteht der Experte das sog. “Moratorium”, also die aussergerichtliche “Entschuldung”. Bei diesem versucht ein Schuldenregulierer (meist ein Rechtsanwalt) eine Vereinbarung mit den Gläubigern über die Verbindlichkeiten zu erzielen. Dabei wird über das pfändbare Vermögen bzw. Einkommen ebenso verhandelt, wie über die zumutbare Höhe der Rate. Danach erfolgt die Erstellung eines Tilgungsplanes, der von den Gläubigern genehmigt werden muss. Ein guter Anwalt kann hier noch etwas für seinen Mandanten rausschlagen. Werden allerdings die Vereinbarungen nicht eingehalten, stehen die Gläubiger sehr rasch mit Pfändungsbescheiden vor der Türe. Die Verbraucherschützer mahnen hier zur Vorsicht. Immer wieder sind Anzeigen in den Zeitungen zu lesen, die von privaten Schuldenregulierern aufgegeben wurden. Sie arbeiten meist hart an der Grenze zum Legalen, nicht selten läuft auch bereits ein Strafverfahren gegen sie. So werden beispielsweise die Gebühren und die Abgaben für den Rechtsanwalt von der monatlichen Rate abgezogen. Wurden beispielsweise 800,- € monatlich vereinbart, schauen sehr häufig nurmehr 500,- € für die Tilgung bei den Gläubigern heraus.
Kann nun eine natürliche (Privatperson) oder eine juristische Person (Unternehmer oder Gesellschafter) ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen, kann diese oder einer der Gläubiger bei Gericht einen Insolvenzantrag stellen. Handelt es sich um eine Privatperson, so kann diese nach sechs Jahren (Wohlverhaltensphase) eine Restschuldbefreiung erlangen. Während dieser Zeit werden alle pfändbare Vermögenswerte an die Gläubiger abgetreten sowie das Einkommen belastet. Der Schuldner muss mit dem Pfändungsfreibetrag (Existenzminimum) auskommen. Wird das Verfahren vom Gericht eröffnet, so wird dem Schuldner meist ein Insolvenzverwalter zur Seite gestellt, der seine Hand auf Einnahmen und Ausgaben des Betroffenen legt. Durch die Eröffnung eines solchen Insolvenzverfahrens erhält der Schuldner einen Vollstreckungsschutz.
Mangels Masse (Vermögen oder Einkommen) kann eine solche Privatinsolvenz aber auch abgewiesen werden. In diesem speziellen Fall werden mit Rechtskraft alle Schuldner in ein Schuldnerverzeichnis eingetragen (§ 26 Abs. 2 InsO). Jeder der Gläubiger kann nun eine Zwangsvollstreckung beantragen. Dies könnte auch das Vermögen des Ehepartners betreffen, sofern im Ehevertrag nicht eine Gütertrennung niedergeschrieben ist oder die Schulden nicht schon in die Ehe mitgebracht wurden.
Betrachten wir nun zumindest das private Darlehen von Alex an Jenny nach deutschem Recht, so hätte er mit dem Beziehungsende das Darlehen aufkündigen müssen. Danach hat Alex drei Jahre Zeit um einen Titel zu erlangen, später ist der Anspruch verjährt (§195 BGB). Hat Alex jedoch den Titel (Pfändungstitel) erhalten, beträgt die Verjährungsfrist 30 Jahre. Probleme hingegen gibt es, wenn das Darlehen nicht schriftlich festgehalten wurde. Da allerdings nun das Insolvenzverfahren rechtskräftig ist, muss Alex nach deutschem Recht – ebenso wie alle anderen Gläubiger – mit dem Ergebnis klarkommen, auch wenn es ihn Kopf und Kragen kostet.
Nach Österreich. Der grösste Unterschied zu Deutschland liegt darin, dass die Verfahrenskosten nicht gestundet werden und eine Quotenregelung gilt. Auch im Alpenstaat beginnt vorerst alles mit dem aussergerichtlichen Ausgleich, dem alle Gläubiger zustimmen müssen. Gelingt dies nicht, beginnt das Schuldenregulierungsverfahren, bei welchem sich das Gericht einschaltet und von sich aus versucht eine Ratenvereinbarung zu erwirken. Ab diesem Zeitpunkt kommt es zum Erlöschen gerichtlicher Pfandrechte und einem Zinsstop. Dies bedeutet, dass keine Pfändungen mehr angestellt werden dürfen und auch keine zusätzlichen Zinsen anfallen. In den meisten Fällen ist das jedoch nicht erfolgreich – somit kommt es zu einem “Zwangsausgleich”. Die Quote beläuft sich dabei auf mindestens 20 % bei maximal zwei, bzw. mindestens 30 % bei maximal fünf Jahren. Hierfür bedarf es der Mehrheit der anwesenden Gläubiger – einerseits körperlich, andererseits mit der Höhe der Schulden. Nun folgt – entsprechend des Einkommens des Schuldners – die Erstellung eines Zahlungsplanes. Sollte es jedoch nicht zu einer Mehrheit kommen, folgt das sog. “Abschöpfungsverfahren”, d.h. das Gericht entscheidet über die Höhe der monatlichen Raten. Dabei werden alle Vermögenswerte sowie das voraussichtliche Einkommen des Schuldners in den nächsten fünf Jahren einbezogen. Vor dem Inkrafttreten der Rechtskraft kann ein Gläubiger den Privatkonkurs beeinspruchen, wenn er zuvor dagegen gestimmt hat. Dieser Einspruch wird jedoch meist abgelehnt, da der Gläubiger nachweisen muss, dass eine vorsätzliche Handlung vorliegt bzw. etwa Vermögenswerte absichtlich verschleiert wurden (die Villa, die kurz nach dem Konkursantrag noch rasch an die Frau Gemahlin bei Gütertrennung überschrieben wurde). Bei einer gerichtlichen Entscheidung bedarf es nicht der Zustimmung der Gläubiger. Ist dies erledigt, beginnt auch hier die siebenjährige Wohlverhaltensperiode.
Alleine in Österreich sind nach Schätzungen der Schuldnerberatungen nicht weniger als 100.000 Haushalte reif für den Konkurs – weitere 300.000 stehen ebenfalls vor dem Abgrund. Der durchschnittliche Schuldenstand beläuft sich dabei auf rund 66.000 €. Und – das ist nur die Spitze des Eisbergs, betont etwa auch der Kreditschutzverband von 1860. Viele können sich die Verfahrenskosten eines solchen Konkurses schlichtweg gar nicht leisten und driften noch tiefer runter.
In einer “Wohlverhaltensphase” oder “Wohlverhaltensperiode” müssen alle vereinbarten Zahlungen zeitgerecht bezahlt und keine weiteren Verbindlichkeiten aufgenommen werden. Ist diese vorbei, erfolgt die Restschuldbefreiung. Werden jedoch die Ratenzahlungen nicht fristgerecht getätigt, so lebt die Altschuld wieder auf. Wer allerdings glauben sollte, dass nach sechs bzw. sieben Jahren alles wieder eitel Sonnenschein ist, der hat sich geirrt, wie auch der Fall des österreichischen Sangesbarden Tony Vegas zeigt, der in der Sendung “Am Schauplatz” des ORF vorgestellt wurde. Auch wenn das Verfahren abgeschlossen ist, verbleiben die vorherigen Schuldner in diversen Bonitätslisten, soll heissen sie scheinen bei Bonitätsprüfungen auf und können so manche Kauf- bzw. Rechtsgeschäfte nicht durchführen. Das Insolvenzverfahren ist im Alpenstaat somit für den Schuldner sehr beschwerlich und sollte tatsächlich als letzter Ausweg in Anspruch genommen werden, wenn die aussergerichtliche Schuldenregulierung nicht erfolgversprechend war. Experten raten zudem, ein solches Insolvenzverfahren im Ausland abzuwickeln, wo keine dermassen hohen Anforderungen gestellt werden (Frankreich etwa).
Die Gläubiger hingegen fallen um den Grossteil ihres Geldes um. Betrifft dies ein Unternehmen, so kann der Betrag als uneinbringlich aus der Buchhaltung rausgenommen werden. Betrifft es hingegen wie in unserem anfänglich angesprochenen Fall eine Privatperson, so fällt Alex um nahezu die komplette Summe um, da sich Jenny durch die Schuldnerberatung vertreten liess, die grundsätzlich mit einer Quote von 10 % beginnt. Gleichgültig welchem Job Alex auch nachgeht – den meisten tut es weh, eine fünfstellige Summe in Euro abschreiben zu müssen. In seinem Falle hätte er zuvor das Darlehen kündigen und fällig schreiben müssen. Auch wenn die Pfändungen bis zum Privatkonkurs von Jenny höchstwahrscheinlich nicht sehr viel eingebracht hätten, so stünde er unter dem Strich besser da. Auch hätte er Lobbyismus mit den anderen Gläubigern machen und diese überzeugen können, dass der Konkurs nicht durchgehen sollte, da Jenny niemals mit Geld umgehen können und in sieben Jahren höchstwahrscheinlich erneut ein solches Verfahren beginnen wird. Alex hätte mit dem Geld zumindest den Baukredit um eine erhebliche Summe runterschrauben können, dadurch auch die monatliche Rate senken können. Alex – Ein Opfer der Rechtssprechung???

PS: Werte Anwälte, Notare, Richter und anderen Rechtgelehrten. Aufgrund einer meiner Ausbildungen kann ich zwar Gesetzestexte lesen – bei der Auslegung derselben allerdings müsste ich dies studiert haben! Sollte ich also in den Ausführungen versehentlich einen Fehler reingepackt haben, so bitte ich um eine kurze Mail (Mailadresse steht im Impressum). Vielen Dank! Die Angaben verstehen sich ohne Gewähr!

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Pepp für’s Poppen

Alter Schwede – da geht’s rund! Ganz Deutschland diskutiert dieser Tage nicht etwa über die Lieferung von U-Booten an Saudi Arabien (im Wert von rund 2,5 Mrd. €), sondern über ein anderes U-Boot. Eines, das immer mal wieder auftaucht, kurzzeitig für hohen Wellengang sorgt um dann erneut unterzutauchen. Über das Tabu-Thema: Sex!
Verantwortlich dafür ist nicht etwa die Umfrage, die die römisch-katholische Kirche im Umfeld der Familien-Synode der Bischöfe weltweit zu den Themen Scheidung, Homo-Ehe und Empfängnisverhütung demnächst starten wird. Nein – es ist vielmehr die 2. Sexuelle Revolution im Fernsehen: Die fünfteilige Doku “Make Love” startete vergangenen Sonntag im MDR, im SWR am Mittwoch dieser Woche. Sexualaufklärung gibt es immer mal wieder im deutschsprachigen TV, allerdings verzichteten die meisten bislang auf eine solch detailgetreue filmische Darstellung, um nicht in den Verruf des Pornogeschäftes zu kommen.
Oswald Kolle war es, der erstmals den Sex in die puritanischen heimischen Wohnzimmer brachte. Obwohl nicht wirklich viel zu sehen, sorgte er Ende der 60er Jahre für einen nicht enden wollenden Skandal.

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=fV4PrgfN4F8

Na? Etwas Anrüchiges entdeckt? Da laufen heutzutage bereits im Vorabendprogramm ganz andere Szenen über die Plasma-, LCD- und LED-Bildschirme. Geschweige denn in der Werbung! Sex sells – egal ob Zahnpasta, Autos oder auch eine Bohrmaschine! Damals wurden die Kolle-Filme zwar angeschaut, doch stritt dies jeder ab. Kolle wurde zur persona non grata erklärt. Und dies zur Zeit der Hippie-Bewegung, wo “Love, Flowers and Peace” im Mittelpunkt stand, “Love-Inns” an der Tagesordnung waren und die Jugend allerorts für die sexuelle Befreiung kämpfte. Doch die Oswald Kolle-Filme blieben den Erwachsenen vorbehalten, die eigentlich schon darüber informiert sein sollten, dass die Kinder nicht wirklich daher kommen, weil sich einige Bienen zu den Blüten verirrt haben und der Storch neun Monate später Nachwuchs vor der Haustüre ablegt. Nein liebe unwissende Mitstreiter – das macht der Kuckuck! Deshalb auch der Ausdruck “Kuckuckskinder”!
Andere erfuhren ihren ersten Aufklärungsunterricht aus der Bravo. “Liebes Dr. Sommer-Team, ich bin 23 Jahre alt und habe zum ersten Mal masturbiert. Wie machen das eigentlich die Frauen?” Auch wenn die Antworten nicht immer unbedingt gelungen waren, so wuchsen doch zwei bis drei Generationen damit auf und dachten sich nach wie vor, dass die Kinder vom Küssen kommen. Nase links – es gibt ein Mädchen, Nase rechts – Stammhalter!
Mit dem TV im Kinderzimmer ging’s dann recht flott. Heimlich wurden Lilo Wanders und Verona Feldbusch (blubb) angeschaut und dabei einiges mehr schon sehr früh verstanden. Dann kam das Internet! Wenn auch zuhause der PC gesperrt war, so müssen immer früher Smartphones oder gar I-Phones her, damit der Porno als Pausenfüller an der Schule konsumiert werden kann. Ansonsten ist man ja nicht cool – doch jeder Jugendliche will cool sein. Hierüber und über die durchaus problematischen Auswirkungen habe ich schon mal die Füllfeder geschwungen und die eine oder andere Zeile verloren. Kürzlich etwa hat ein 12-jähriger eine 16-jährige zu sexuellen Handlungen gezwungen und dabei auch seinen Winzmann aus dem Sack gelassen! Ei – wo is er denn???
Und nun begibt sich die Paartherapeutin Ann-Marlene Henning wieder zurück in die Vergangenheit, auf heissen Boden. Mit ihrer Doku-Reihe “Make love” will sie Deutschland erneut aufklären. Ähm – na ja – zumindest vorläufig die beiden Einzugsgebiete von SWR und MDR. Doch welche Ziele verfolgt die Expertin mit diesem Tun? Es soll wieder geredet werden in den deutschen Schlafzimmern. Viele Jugendliche haben durch das Anschauen ebensolcher Pornos den Spass am Sex verloren. Der Hang zu Extremen ist unheimlich gross, da gesehen und als normal empfunden. Doch – wieviel Freude ganz normaler Sex machen kann, wenn gewisse Dinge beachtet werden, das ist meist gänzlich unbekannt. Dies ist auch die Ursache dafür, weshalb viele junge Frauen noch niemals einen erfüllenden Orgasmus hatten bzw. in weiterer Folge dann viele Verhältnisse oder Ehen kaputt gehen! Wie in dieser gezeigten Doku! Jessica und Oli sind ein Paar. Sie passen ausgezeichnet zueinander – doch leider ist im Schlafzimmer Flaute angesagt. Deshalb suchen sie den Weg zur Paartherapeutin. Und diese zeigt auf – wie auch im Untertitel des Filmes “Liebe machen kann man lernen” niedergeschrieben – dass es eigentlich nur ein kleiner Schritt ist, auf Signale des Partners zu hören und darüber zu sprechen. Themen wie Beckenbodentraining oder Vorspiel werden ebenso ohne Maulkorb erklärt wie vorzeitige Ejakulation.
Und die Frau weiss, über was sie spricht. Wurde doch das Buch der Sextherapeutin “Make love” ein Kassenschlager – jedoch nicht bei der eigentlich anvisierten Zielgruppe, sondern bei erwachsenen Lesern. Auch ihr Blog, der seit drei Jahren online ist, bestätigt ihr: Mensch, hier gibt’s noch jede Menge Aufklärungsbedarf!
Ich hatte einst die Ehre, einen Sexualforscher der Universität Innsbruck in einer meiner Radiosendungen begrüssen zu dürfen. Sorgte die Vorbereitung der Sendung noch für einige Kopfschmerzen, schliesslich wusste ich nicht, wie weit ich während der Sendung dann gehen durfte, um nicht durch die Radiobehörde abgestraft zu werden. Auch wenn manche Kinder abends vielleicht nicht fernsehen dürfen, so läuft bei vielen das Radio – die Sendung begann um 20.00 Uhr. Allerdings demonstrierte dann während derselben mein Gesprächspartner die Natürlichkeit an diesem Tabu-Thema, sodass die zwei Stunden sehr informativ waren und zudem nicht in’s Niveau-Nirvana abgeglitten sind, wie es häufig bei Privatsendern der Fall ist, wenn sie sich hier heranwagen. Sexualität ist somit durchaus ein Thema, über das geredet werden sollte, auch wenn gar nicht mal so wenige diesen Bereich nach wie vor gerne hinter verschlossenen Türen wissen würden. Und es ist v.a. auch erlernbar. Wer sein Leben lang nur die Ruck-Zuck-Methode verwendet, weiss gar nicht, was er bis zum Lebensabend alles versäumt hat! Wie ist es für den Mann, wenn eine Frau multiple Orgasmen oder den sog. “Le petit mort” erlebt? Was lösen Fesselungskünste bei Frauen aus???

(Bitte auch die Anmerkungen lesen!)

Es stimmt durchaus – Beziehungskrisen beginnen meist im Bett. In Deutschland und Österreich werden rund 50 % der Ehen geschieden. Von den Verhältnissen gar nicht mal zu sprechen. Das mit dem “… bis dass der Tod Euch scheidet!” ist schon längst vorbei. Selten versteht sich ein Paar dermassen lange. Doch gibt es einige, die es zeigen, wie es funktionieren könnte! Reden, reden und nochmals reden – Tabus gibt es in einer guten Beziehung keine! Weigert sich hingegen einer der beiden, so muss dieser meist die Zähne zusammenbeissen und durch oder die Beziehung geht den Bach runter. Das wollen uns solche Paar- oder auch Sexualtherapeuten aufzeigen. Damit man sich ergänzen kann, muss auch gewusst werden, was man ergänzen soll.
Ich unterscheide immer gern drei Typen von Partnern:
1.) Die Contra-Geber
Egal welcher Vorschlag gemacht wird – es gibt immer einen Gegen-Vorschlag. Ein Konsens ist nur dann möglich, wenn der andere Partner Eingeständnisse macht. Hier kann ein One-Night-Stand zu einem unvergesslichen Erlebnis werden – für eine Partnerschaft jedoch nicht geeignet, kann doch ein gewisser Hang zum Unterdrückungswahn (Patriarchat bzw. Matriarchat) und vielleicht auch Sadismus nicht abgestritten werden.
2.) Die Runterschlucker
Egal, was auch immer an sie herangetragen wird, sie schlucken Probleme ohne zu mucken herunter. Hut ab vor diesen Menschen, denn sie brauchen eine sehr dicke Haut. Auch sie sind weniger partnerschaftstauglich, da sich der andere Partner meist aufgrund ihrer Passivität eine Alternative sucht. Ausserdem hat jeder Masochismus seine Grenzen – irgendwann explodiert das Fass und geht ab wie eine Rakete.
3.) Die Diskutierer
In dieser Partnerschaftstype findet ein Austausch statt. Es wird geredet, diskutiert und sich geeinigt. Es muss nicht immer die Mitte sein, bei der man sich trifft, denn – wie bereits beschrieben – steht und fällt eine gute Partnerschaft mit der Möglichkeit sich zu ergänzen. Die meisten Menschen suchen sich nicht denselben Typ von Menschen für die traute Zweisamkeit sondern einen, der die Schwächen des Ichs ausbügelt, der somit in anderen Kategorien besser ist. In einer solchen Beziehung kann sehr viel vom Partner gelernt werden. Es ist sozusagen die Idealbesetzung.
4.) Die Mach bitte Du-Sager
Auch mit diesem Typ von Mensch kann eine Beziehung besser vonstatten gehen, jedoch ist es nicht wirklich der Idealzustand. Beispiel: Der Feiertag steht vor der Tür. Frau hat sich beschwert, dass Mann zum richtigen Couch-Potatoe geworden ist. Also – muss etwas unternommen werden. Er schlägt acht Möglichkeiten vor – doch sie entscheidet sich nicht sondern meint nur lapidar: “Entscheide Du das!” Oder: Nach dem endlosen Durchwälzen von Ferienkatalogen blieben vier Möglichkeiten übrig. Ihm wird dies zu viel und überlässt ihr die Wahl! Solche Situationen sind deshalb kritisch zu sehen, als die Entscheidung wieder auf einer Seite bleibt, die andere Seite aber sehr wohl den Unmut äussert, wenn etwas nicht gepasst hat: “War ja Deine Entscheidung!”
Stellt sich nun die ganz allgemeine Frage, weshalb die Folgen von “Make Love” erst nach 22.00 Uhr ausgestrahlt werden, wenn es Sexual-Aufklärung ist?! So hat etwa die Stadt Basel/Schweiz erst kürzlich die Sexualaufklärung im Kindergarten als sinnvoll erklärt, was auch durch das kantonale Verwaltungsgericht bestätigt wurde. Aufklärungsunterricht, Aufklärungskoffer – eigentlich alles Massnahmen, die für Kinder und Jugendliche gedacht sind, damit sie wissen, was sie tun, wenn es so weit ist! Oder auch nicht tun sollten. Haben Sie übrigens gewusst, dass Uganda/Afrika die jüngste Bevölkerung dieses Globusses hat? Minderjährige mit Baby – hier leider alltäglich und sehr gefährlich – HIV! Jede 5. Frau wird in Uganda schwanger, noch bevor sie das 18. Lebensjahr erreicht hat! Und dies, obwohl das Notwendigste in der Schule erklärt wurde. Auch der Islam lässt eine zeitlich begrenzte Verhütung durchaus zu (“Wenn man nicht in der Lage ist, sieben, acht Kinder islamisch zu erziehen, muss man sich mit wenigen aber gut erzogenen Kindern begnügen.”; http://islam.de/1641.php). Zwei Punkte, die meist für Europa nicht zutreffen: Sieben bis acht Kinder – wohlerzogen! Doch hierzulande ist dies anders – da kommt der Schluss auf, dass diese Art der Aufklärung gar nicht für Kinder oder Jugendliche gedacht ist! Das untermauert auch Henning. So meinte sie in der Sendung “Leute” auf SWR 1 am 06. November, dass am Mittagstisch mit den Kollegen – wenn das Thema “Sex” angesprochen wird – zu nahezu 100 % über andere gesprochen würde. Niemand würde das Gespräch nutzen um zu sagen, dass er seit Jahren zu früh kommt oder dass sie nur dann einen Orgasmus bekommt, wenn sie Handschellen trägt! Es besteht also neben dem Redebedarf in den Betten auch Redebedarf betreffs Informationen über Sex. Deshalb diese Aufklärungsserie mit dem Vorzeige-Paar. Sollte auch die Doku vielleicht nicht unmittelbar wirken, so kann sie als Impuls verstanden werden. Dafür, dass sich Frau seit zehn Jahren ein längeres Vorspiel wünscht oder dass Mann lernt, sich zurückhalten zu können. Alleine, weil hierüber nicht gesprochen wurde, gingen viele Beziehungen auseinander, die – wie in diesem Falle – verdammt gut zusammengepasst hätten. Und so nebenbei erwähnt: Es muss nicht immer das Kamasutra oder Tandra sein, das auch im Bett aus Paaren glückliche Paare macht.

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Weg mit der Zeitumstellung!

Also – ich weiss ja nicht, wie es Ihnen geht, doch bin ich jeweils bei Zeitumstellung für eine Woche komplett durch den Wind: Aufstehen – zu früh, Schlafengehen – zu früh, Mahlzeiten – zu früh,… Die Folge: Müdigkeit, Unkonzentriertheit, Appetitlosigkeit, Gereiztheit! Bei manchen dauert diese Umstellung 4, bei anderen hingegen 14 Tage – doch zu leiden hat unter diesem Jetlag jeder! Der Körper hat sich einfach nach der Umstellung an die Sommerzeit gewöhnt und bleibt in diesem Rhythmus. Dies beschreibt sehr treffend auch die Chronobiologie, doch hierzu etwas später.
Zweimal im Jahr ärgern sich auf der ganzen Welt Millionen von Menschen – beim Wechsel in die Sommer- und wieder zurück in die Normalzeit (bei uns die MEZ). Auf der Südhälfte unseres Planeten gilt die “Daylight Saving Time” in unseren Wintermonaten. Die Sommerzeit wurde in Deutschland erstmals 1916, verbindlich jedoch 1980 eingerichtet, nachdem die Nachbarstaaten dies schon 1977 als Nachwirkung zur Ölkrise von 1973 umgesetzt hatten. In den Jahren 1945 und 1947 gab es sogar noch eine Hochsommerzeit (UTC+3). Doch so neu ist die Idee nicht, stellte doch Benjamin Franklin bereits im Jahr 1784 entsprechende Überlegungen hierzu an. Mit Hilfe der Umstellung sollte Licht-Energie und damit Strom gespart werden, da der Tag länger hell ist. Was sich damals vielleicht gelohnt hat, ist heutzutage nichts anderes als Humbug, hat sich doch das Freizeitverhalten und die Mobilität der Menschen prägnant geändert. Was an Licht-Energie eingespart wird, wandert in den Tank eines so manchen Autos. Es ruft die eine oder andere Freiluftveranstaltung, der See und schliesslich schnappen sich die Biker noch schnell das Motorrad, um nach der Arbeit eine Runde zu drehen. Zudem muss in den kälteren Frühlingsmonaten und im Oktober mehr geheizt werden. Die Einsparungen liegen inzwischen im Promille-Bereich. Nach neuesten Berechnungen des deutschen Bundesumweltamtes wird gar mehr Energie verbraucht. Damit wird das Einstellen der Sommerzeit am letzten Sonntag im März und das Zurückstellen in die Normalzeit am letzten Sonntag im Oktober ad absurdum geführt.
Niedergeschrieben ist dies alles in Deutschland im “Zeitgesetz” vom 25. Juli 1978 in der geänderten Fassung vom 13. September 1994. Schade um’s Papier! Doch wird nun eines interessant: Immer mehr Staaten verabschieden sich von der Umstellung und bleiben entweder in der Sommer- oder der Normalzeit. Russland bereits im Jahr 2011 (hier wurde die Sommerzeit beibehalten). Auch die Ukraine wollte sich von der Umstellung verabschieden – ein Jahr später allerdings wurde das entsprechende Gesetz aufgehoben. In Spanien führte General Franko aus Sympathie zum nationalsozialistischen Deutschland 1942 die MEZ ein. Nun wird überlegt, die Uhren wieder auf UTC (entspricht dann der mitteleuropäischen Sommerzeit) umzustellen, da das Land ja eigentlich in der Zeitzone Londons liegt. Die Politiker erhoffen sich dadurch eine Steigerung der Produktivität, weniger Fehlzeiten und Stress, sowie – man höre und staune – auch weniger Schul-Abbrecher. Leicht erklärt: Die Sonne geht später auf als in der MEZ-Zeitzone, es wird später gefrühstückt und später mit der Arbeit begonnen. Die Sonne ist länger zu sehen – es wird später zu Abend gegessen und schlafen gegangen! Würde mich nur interessieren, welche Auswirkungen dies wohl auf die tägliche Siesta hat!? Im § 3 Abs. 1 des Zeitgesetzes nun steht geschrieben, “…zur besseren Ausnutzung der Tageshelligkeit und zur Angleichung der Zeitzählung an diejenige benachbarter Staaten…!” Heisst das nun, wenn Frankreich sich im kommenden Jahr weigert, die Uhren umzustellen, ist Deutschland in der Zwickmühle? In Österreich wird man sich das alles anschauen – doch anstatt die Fehler auszubügeln, die beim grossen Bruder in Deutschland gemacht wurden, tappt man auch hier aber sowas von ins Fettnäpfchen. Übrigens wurde dieser Paragraph umgeschrieben – die Umstellung wurde im Jahre 2002 auf unbestimmte Zeit eingeführt.
In Österreich kam die Sommerzeit auch 1916 erstmals zur Anwendung. Ebenso wie in Deutschland gab es immer wieder Unterbrechungen (wie etwa während des Nationalsozialismuses). 1976 schliesslich wurde das “Zeitzählungsgesetz” geschaffen und die Regelung 1981 zugunsten der EWG-Verordnung aufgelassen. Auch im Alpenstaat ist die Sommerzeit seit 1980 von Gesetz her verbindlich.
In der Schweiz wurden erstmals in den Jahren 1941 und 1942 die Uhren auf Sommer umgestellt. Seit 1977 dann auch mittels Gesetz. Die Landwirte begehrten allerdings gegen diese Regelung auf. Studien haben ergeben, dass Milchkühe ein bis zwei Wochen benötigen um sich an die neuen Melk- und Fütterungszeiten zu gewöhnen. Die anschliessende Volksabstimmung brachte das Sommerzeit-Gesetz zum Kippen. 1980 verabschiedete schliesslich das eidgenössische Parlament das “Zeitgesetz”. Nun wurden die erforderlichen 50.000 Unterschriften für ein Referendum nicht mehr erreicht. Seit 1981 gilt auch in der Schweiz die Sommerzeit. Allerdings nicht unumstritten. 1982 versuchte eine Volksinitiative erneut die Abschaffung zu erreichen, was jedoch nicht gelang. Die Schweiz wäre ansonsten das einzige Land in Europa, das an der MEZ festhalten würde. Dies würfe v.a. Probleme beim grenzüberschreitenden Verkehr auf.
Technisch zuständig ist für den deutschsprachigen Raum die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig. Hier werden die Atomuhren betreut. Der Impuls wird an den Langwellensender DCF77 in Mainflingen bei Frankfurt weitergegeben, der dann automatsich die Funkuhren beliefert. Allerdings gilt es auch jede Menge Uhren händisch vor- bzw. zurückzustellen. In der IT sind von der Zeitumstellung v.a. Datenbanken mit einer starken Bindung an die Uhrzeit betroffen. Hier werden dann Jobs gleich zweifach erledigt. Bei automatisch verlaufenden Umstellungen erfolgt zudem die Zeitumstellung implementierungsabhängig, also nicht um Punkt 02.00 oder 03.00 Uhr. Auch das kann zu Problemen führen, weshalb computergestützte Systeme so rasch als möglich nach der Zeitumstellung überprüft werden sollten (auch deren Protokolle).
Der chronobiologische Haushalt des Menschen wird durch eine solche Zeitumstellung komplett aus den Fugen gehoben. Die Chronobiologie beschreibt die Rhythmik im Leben bzw. der Natur. Mediziner haben beispielsweise herausgefunden, dass sich der Körper sehr ungern umstellt, wenn er sich einmal an einen gewissen Rhythmus angeglichen hat. Besonders betroffen sind Menschen mit organischen Erkrankungen und Schlafstörungen. Diese “innere Uhr” wird vornehmlich durch die Hormone gesteuert. Der Hormonspiegel allerdings braucht bei der Umstellung auf die Sommerzeit teilweise bis zu viereinhalb Monate, bis er sich den neuen Gegebenheiten angepasst hat. Im Herbst hingegen nurmehr rund zwei Wochen. So sind beispielsweise der Blutdruck, die Körpertemperatur, die Pulsfrequenz und der Blutzuckerspiegel (Ausschüttung der Glukokortikoide in die Nebennierenrinde) von der hormonellen Steuerung abhängig, die sich wiederum an der Sonne bzw. des Tageslichtes orientiert. Der Experte spricht von einem “zirkadianen Rhythmus”. Ob nun Schwankungen des Hormonspiegels auch unmittelbar für körperliche Erkrankungen verantwortlich zeichnen, ist noch nicht erwiesen. Imre Janszky und Rickard Ljung allerdings haben im Rahmen einer Studie darauf hingewiesen, dass sich bei der Umstellung auf Sommerzeit das Herzinfarktrisiko erhöht. Dies liegt daran, dass eine ganze Stunde Schlaf fehlt. Blutzucker, Blutdruck und Puls sind noch im Schlafmodus! Auch die Herbstdepression steht duchaus im Zusammenhang mit der Umstellung. Von einem Tag auf den anderen ist es plötzlich abends wesentlich dunkler als zuvor. Allerdings ziehen sich die Wachzeiten der Menschen in unseren Breitengraden normalerweise bis 22.00 Uhr. Somit gibt es weniger Sonnenlicht. Dieses aber ist notwendig, um im Körper bestimmte Stoffe aufzubauen bzw. zu hemmen – etwa das Melatonin. Dieses wird in der Dunkelheit bzw. bereits in der Dämmerung aufgebaut und steuert den Wach-Schlaf-Zyklus des Menschen. Je früher es dunkler, je kürzer die Tage werden, desto mehr Melatonin wird produziert, desto grösser ist somit auch die Müdigkeit. Die Stunde mehr Schlaf bei der Umstellung in die Normalzeit macht gerade mal für zwei Wochen etwas munterer. Danach beginnt bereits am Nachmittag das grosse Gähnen, da wir gegen die innere Uhr leben und arbeiten. Wer schwerwiegende Probleme damit hat, dem sei die Lichttherapie an’s Herzen gelegt.
Zudem gilt als erwiesen, dass in der Woche nach der Umstellung auf die Sommerzeit weitaus mehr Verkehrs- oder Arbeitsunfälle geschehen als im Vergleich zur Woche davor! Insgesamt jedoch nimmt die Unfallhäufigkeit während der Sommerzeit ab. Dieses Nachlassen der Konzentration, der Jetlag, sorgt auch v.a. bei der Umstellung im März für extreme Einbussen in der Produktivität des Einzelnen. Nicht unbedingt gesetzeskonform ist durch die Umstellung auch die Arbeitszeit jener Menschen, die während dieser einer Schichtarbeit nachgehen. Entweder wird die Schicht zu lange oder die Ruhezeit zu kurz! Hier müssen die Personalbüros mit aufwendigen Dienstplänen entgegenwirken. Züge oder Flugzeuge, die gerade während der Zeitumstellung auf Sommerzeit unterwegs sind, haben eine Stunde Verspätung wenn sie ankommen. Andersrum im Herbst – Fernreisezüge werden eine Stunde lang angehalten, Regionalzüge müssen zweifach abfahren, was wiederum ein mehr an Zugsgarnituren und Personal bedeutet. Zudem kann dies auch zu Problemen bei automatischen Stellwerken führen, da beide Züge dieselben Zug-Nummern haben. Etwas einfacher ist es beim Flugverkehr – zeitzonenüberfliegende Linien werden immer mit der Weltzeit (UTC bzw. früher GMT) berechnet, sodass hierbei nurmehr die Umrechnung in die Ortszeit erledigt werden muss.
Im US-Bundesstaat Indiana fand die Sommerzeit erst 2006 Anwendung. Hier wurde ein direkter Vergleich von nicht weniger als 224.000 Haushalten vor und nach der Einrichtung durchgeführt. Diese Stromverbrauchsstudie ergab, dass nach der Einführung der Stromverbrauch sogar um 1 Prozent angestiegen ist. Die Gründe habe ich bereits erwähnt: Mehr Heizbedarf im Spätsommer bzw. dem Oktober – hinzu kommt die vermehrte und längere Nutzung von Klimaanlagen an den langen Nachmittagen und Abenden zuhause. Dies führt automatisch auch zu mehr Umweltverschmutzung, da die Kraftwerke wesentlich länger auf Hochtouren laufen müssen. In dieser Studie wurden nur private Haushalte berücksichtigt. Auch durch die Verwendung von Energiesparlampen und LED-Beleuchtung wird die Sommerzeit immer sinnloser.
In den Planwirtschaften des Ostens hielt man der morgendlichen Strom-Verbrauchsspitze unterschiedliche Arbeitsbeginnzeiten entgegen (zwischen 07.00 und 09.00 Uhr). Dadurch konnte eine absolute Spitze zwischen 07.30 und 08.00 Uhr vermieden werden – auch die Rush Hour verteilte sich besser. Erschwernisse sind zudem in den Weltreligionen zu bemerken. So richten sich viele jüdische und moslemische Riten nach dem Sonnenstand, nicht nach der Uhr. Somit wird im islamischen Fastenmonat Ramadan etwa in palästinensisch regierten Gebieten die Sommerzeit ausgesetzt. Im Judentum endet sie vor dem Jom Kippur.
Sie sehen also: Wenn heweils am Sonntag nach der Umstellung vor dem Frühstück die Uhren vor- oder zurückgestellt werden, so ist es damit noch lange nicht getan! Deshalb plädiere ich für die Abschaffung der Zeitumstellung! Ob nun künftig in der MESZ (UTC+2) oder in der MEZ (UTC+1) weitergemacht wird, ist mir vollkommen gleichgültig!

Interessante Links:

www.initiative-sonnenzeit.de/
www.standardtime.com/
www.zeitzonen.de
www.zeitumstellung.de

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