Archive for Januar, 2014

Sotschi – „Heiß. Cool. Deins“ (Lasst die Waffen für die Zeit der Spiele schweigen)

Die Aktiven und Funktionäre zählen bereits die Stunden – die XXII. Olympischen Winterspiele von Sotschi werfen ihre Schatten voraus. Und es sollen wahrhaft grosse Spiele werden – vom russischen Präsidenten Wladimir Putin ist auch gar nichts anderes zu erwarten. In nur sieben Sportarten werden 92 Goldmedaillen vergeben. Und – wer schon einmal mit Leistungssportler zu tun hatte, der weiss, dass Gold bei Olympia nach wie vor das gewisse Etwas ist: Es ist und bleibt der grösste Traum eines Aktiven. Vom 07. bis zum 23. Februar (Paralympics vom 07. bis zum 16. März) wird die Sportwelt in die 330.000 Einwohner grosse Stadt an der “Russischen Riviera” am Schwarzen Meer blicken. Erstmals hat sich mit Sotschi eine subtropische Stadt beworben und – nach einem ersten Anlauf für 2002 – beim zweiten den Zuschlag erhalten. Ausgestochen wurde das österreichische Salzburg und das südkoreanische Pyeongchang. In der Küstenregion werden die Hallenwettkämpfe ausgetragen. Hierfür wurden ganze Sumpflandschaften trockengelegt, ein Wolkenkratzer neben dem anderen entstand. In dem 4.000 Seelen-Gebirgsdorf Krasnaja Poljana gehen in 600 m Seehöhe die Outdoor-Bewerbe über die Runden, die Alpin-Wettkämpfe finden im acht Kilometer entfernten Rosa Chutor statt. Krasnaja Poljana übrigens ist bekannt als das “Kitzbühel des Nordwest-Kaukasus” – hier fahren die Reichen Ski! Oder – sollen künftig, denn was die Schweiz und Ischgl können, das können die Russen schon längst! Andere wiederum, wie auch der ehemalige Schachweltmeister Garri Kasparow, betonen: “Ich glaube, dass alles hier verrotten wird.” Na ja – nicht das Olympiastadion! Finden doch hier 2018 wichtige Spiele zur Fussballweltmeisterschaft statt. Ob dann – wie auch in Südafrika – die Sportstätten zuwuchern werden? Die Hallen, wie etwa die Schaiba-Eisarena, das Ice Cube Curling Center, die Adler-Arena und der Eisberg-Eislaufpalast wurden im Recycling-Prinzip errichtet. Sie können nach den Spielen ab- und in einer anderen Stadt wieder aufgebaut werden.
Allerdings ist es leider nicht nur der Sport, dessen Interesse in den nächsten Tagen auf das Schwarze Meer fokussiert ist. Dieses Mal werden die Spiele von der bitteren Politik überschattet. Offenbar geht es in diesem Staat der Welt nicht anders. Schon die Sommerspiele 1980 in Moskau in der damaligen Sowjetunion waren durch den Boykott einiger Teams (so auch der NOKs aus den USA und Deutschlands) geprägt, und jetzt Sotschi! Die Liste der Absagen aus Protest gegen die Politik Putins ist lang: Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck (aus “protokollarischen Gründen”), die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, der britische Premier David Cameron, der französische Staatspräsident François Hollande, die litauische Präsidentin Dalia Grybauskait?, der kanadische Premierminister Stephen Harper oder auch alle Mitglieder der US-amerikanischen Regierung. Es ist wie ein Pflogschlag in das Herz Putins. Schliesslich folgt der russische Ministerpräsident seinen grossen Vorbildern aus der Sowjetunion und lässt sich gerne als Führer und Volksheld feiern. Und nun müssen seine getreuen Untertanen erkennen, dass ihm der globale Rückhalt fehlt. Ebenso wie die Staats- und Parteichefs der UdSSR ist er einer jener, die gerne Stärke und Geschlossenheit demonstrieren würden, doch ist auch die östliche Hemisphäre seit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1988/89 nicht mehr dieselbe. Michail Gorbatschow war es, der mit seiner Perestroika neue Massstäbe setzte und sich der globalen Tafelrunde annäherte. Man sollte meinen, dass sich seither sehr viel verändert hat! Putin jedoch bedeutet demokratiepolitisch einen Rückschritt. Die sowjetischen Satellitenstaaten haben sich inzwischen abgespaltet oder versuchen es, allerdings wird auch heute noch sehr viel Blut für deren Freiheitsdrang vergossen! Aktuell gerade lodert das Feuer in der Ukraine, ein strategisch und wirtschaftlich extremst wichtiger Staat für Mütterchen Russland auf dem Weg nach Europa. Hier gab es mit dem EU-Assoziationsvertrag erste Bestrebungen, sich dem Westen anzunähern. In letzter Minute zog Putin aber die Handbremse und versprach einen Milliardenkredit für das wirtschaftlich am Boden liegende Land. Die EU kann in dieser Hinsicht nichts versprechen, da sie genug mit den schwarzen Schafen der Eurozone zu tun hat. Allerdings ist die Ukraine auch für Europa enorm wichtig, verläuft doch die wichtigste Gas-Pipeline Russlands durch das Land, mit der Gesellschaften wie v.a. die Gazprom halb Europa versorgen. Soweit der wirtschaftliche Aspekt! Erschwerend kommt hinzu, dass die russische Schwarzmeerflotte seit dem 18. Jahrhundert in der Hafenstadt Sewastopol stationiert ist. Diese Hafenstadt liegt auf der ukrainischen Insel Krim! Doch sollten von der Ukraine für Sotschi keinerlei Probleme ausgehen.
Der Widerstand gegen diese Spiele ist vielfältig. Die wohl grösste Gefahr ist historisch begründet. Sotschi war die Hauptstadt der Tscherkessen. Während der Zarenzeit wurden diese allerdings in die Küstenebene umgesiedelt oder in’s Osmanische Reich deportiert, nachdem sie im grossen Kaukasus-Krieg unterworfen wurden (1763-1864). Ihre Dörfer gingen in Flammen auf – wer dennoch blieb, wurde ermordet. Hierauf will die Bewegung “No Sotschi” aufmerksam machen, denn: Obwohl vertriebene Völker in Russland lt. Gesetz rehabilitiert werden sollen, entschuldigte sich der Kreml nie offiziell bei der Tscherkessen. Die Forderung deren grösster Organisation, dass Volksvertreter bei allen olympischen Veranstaltungen offiziell dabei sein dürfen, wurde vom russischen Sportminister überlesen. Bauarbeiter legten zudem ein Massengrab frei – die Tscherkessen sprechen beim Kaukassuskrieg von einem Genozid! Die Polizei nahm im Vorfeld der Spiele zahlreiche tscherkessische Kritiker fest.
Nun sind es v.a. die islamischen Extremisten. Diese versprachen in einem Bekenner-Video im Dezember im Internet: „Wir haben ein Geschenk für Euch und alle Touristen vorbereitet, die herkommen!“ Wie auch wir aus den RAF-Zeiten der 70er Jahre noch wissen bzw. bei 9/11 miterlebt haben, geht es den Terroristen nicht um den offenen Krieg. Sie versuchen, durch gezielte Nadelstiche so viel Aufmerksamkeit in der Welt-Öffentlichkeit zu erzielen, wie nur machbar erscheint. Schon einmal standen die Olympischen Spiele unter dem Eindruck des Terrorismus: 1972 in München! Auch bei den Sommerspielen 2012 in London wurden deratige Versuche angestellt! Ein riesiges Aufgebot von Polizei, Militär und Geheimdiensten aus aller Welt konnte dies gottlob verhindern. Putin lässt seit dem 07. Januar, also einen Tag nach dem orthodoxen Weihnachten, die Sportstätten und das Olympische Dorf nach Sprengfallen durchsuchen. Nichts wäre fürchterlicher, wenn etwa die US-amerikanische Unterkunft während der Spiele in die Luft gehen würde. Putin sprach vom “Ausradieren der Terroristen”! 37.000 Polizisten und Soldaten lassen die Spiele von Sotschi zur militärischen Absperrzone avancieren. Einwohner müssen den Besuch Sotschis drei Tage vorher anmelden – die PKW bleiben ausserhalb der Stadt stehen. Bis zum 21. März befindet sich die Stadt im Ausnahmezustand. Einheimische erhalten nur mittels eines Fan-Passes Eintrittskarten, die der Inlandsgeheimdienst FSB nach einem gründlichen Check vergibt. Eine Million Menschen werden genauestens überprüft, in der Luft übernehmen Drohnen die Überwachung, vor der Schwarzmeerküste befindet sich die U-Boot-Flotte in Alarmzustand. Telefonleitungen sind angezapft, das Internet so offen wie noch nie.
Doch auch das ist den USA zu wenig. 40 Spezialisten des FBI sowie eine private Sicherheitsfirma stehen vorort zur Verfügung, die notfalls eine Evakuierung der kompletten US-Delegation durchführen soll. Im Schwarzen Meer liegen US-Kriegsschiffe vor Anker. Für amerikanische Touristen wurde eine Reisewarnung ausgesprochen, Sportler und Sportlerinnen sollen ausserhalb des Olympischen Dorfes oder der Wettkampfstätten keine Bekleidung mit Aufdruck oder Emblem tragen. Auch die israelischen Sicherheitsmassnahmen gleichen einem Staatsbesuch in einem verfeindeten Land. Im Vergleich dazu klein erscheint die Schweiz mit zwei Verbindungsbeamten oder Österreich mit vier (zwei davon aus der Polizei-Spezial-Einheit Cobra).
Die Attentate der islamistischen Terroristen sind offenbar gut vorbereitet. Zuerst wurde auf offener Autobahn ein Bus durch das Zünden einer Handgranate in die Luft gesprengt. Danach folgte das Attentat im Bahnhof von Wolgograd, das noch viel schlimmer hätte ausgehen können. Die Frau ist aufgrund der Sicherheitsmassnahmen nur nicht weiter vorgedrungen. Trotzdem starben 34 unschuldige Menschen.
Hinzu kommt die demokratiefeindliche Politik Moskaus. Regimekritiker wie etwa die Punk-Band “Pussy Riot” werden verfolgt (wäre hier nichts geschehen, wäre es höchstwahrscheinlich bei einer Tagesmeldung in den Medien geblieben), mächtige Kontrahenten weggesperrt. Sollte der ehemalige Oligarch Michail Borisovi? Chodorkovskij jemals wieder nach Russland kommen, bekommt er ein Steuerverfahren an den Hals, das sich gewaschen hat. Seinem ebenso vor der Linse der Weltöffentlichkeit freigelassenen Kollegen Platon Lebedew wird’s höchstwahrscheinlich ebenso ergehen.
Und wenn wir schon dabei sind: Homosexuelle passen aber so was von überhaupt nicht in das Bild der mächtigen russischen Nation! Sie werden miskreditiert oder ebenso weggesperrt. 2013 wurde ein entsprechendes Gesetz verfasst, wonach “die Propaganda der Homosexualität in Anwesenheit von Minderjährigen” mit Geldstrafen belegt wird.
Während der Spiele darf niemand aus dem Olympischen Dorf politische Aussagen tätigen. Das forderte der Kreml, das fordern auch das IOC und die NOKs, um damit den Gastgeber nicht unnötig zu verärgern. Erinnert uns dies nicht an die Zensur längst vergangen geglaubter Zeiten? Proteste wurden zwar genehmigt – jedoch nur in dafür ausgewiesenen Protestzonen, die nichts mit den Spielen zu tun haben und Kilometer weit weg liegen.
Und da war doch noch die Korruption. Was zu Zarenzeiten durch den Adel und die Grossgrundbesitzer an der Tagesordnung war, wurde in der nach-stalinistischen Sowjetunion zur Perfektion gebracht. Solang der Rubel rollt, ist mit keinerlei Problemen zu rechnen. Heutzutage ist es die Mafia – aber nach wie vor die Politik! Waren es zuvor 15 %, mit welchen die Verwaltung bedacht worden ist, so erreichte dies bis zu 50 %, als bekannt wurde, dass Sotschi den Zuschlag erhielt (Quelle: Der im Exil lebende Bauunternehmer Walerie Morozov). Nach Angaben des US-amerikanischen Nachrichtensenders CNN wurden noch vor Beginn der sicherlich unglaublichen Eröffnungszeremonie bereits 50 Milliarden US-Dollar ausgegeben. vor sieben Jahren sprach Putin noch von 12! Nur so ganz gefliessentlich zum Vergleich: Vancouver, Salt Lake City und Turin – alle drei kosteten zusammen knapp über 7,5 Milliarden US-Dollar (Angaben: “Putins Spiele”, Dokumentarfilm von Alexander Gentelevs). Auch viele Unternehmen aus Deutschland und Österreich lehnten den harten Rubel nicht ab – etwa Hans Peter Haselsteiner (STRABAG), Michael Doppelmayr (Doppelmayr-Lifte) oder auch das Ingenieursbüro Gurgel + Partner aus Leipzig. Allerdings hat der Chef aus dem Kreml dabei die offenen Hände seiner Landsleute unterschätzt. So betont die Opposition, dass nicht weniger als 20-30 Milliarden Dollar in Projekte geflossen seien, die nichts mit den Spielen zu tun haben (vornehmlich im Bereich der Infrastruktur)! Fleissig mitgeknabbert haben alsdann die sog. “dunklen Kanäle”!
Hinzu kommen ausserdem zigtausende Menschen, die für die Winterspiele enteignet (Gesetz 310) wurden und nun in Baracken hausen müssen. Sie erhielten für den Quadratmeter im besten Falle 150 Rubel – derselbe Quadratmeter ist gegenwärtig jedoch für 10.000 Rubel erhältlich. Oder jener Mann, der die erste Skipiste in Krasnaja Poljana erschlossen hatte: Pjotr Fedin! Er ging gegen den Gouverneur und dessen Verwaltung vor Gericht, als er enteignet wurde. Den Prozess freilich verlor er. Sein Unternehmen übrigens auch. Es wurde gesperrt! Grund: Er wäre nicht auf einen Krieg vorbereitet! Das Olympic Organizing Committee (SOOC), bestehend aus dem Olimpijski komitet Rossii, dem Sportministerium und der Stadt Sotschi, und dessen Präsident Dmitri Tschernyschenko scheinen allmächtig zu sein!
Ja – und eine ganze Heerschar von Billigstarbeitskräften. Nach Angaben des Regimekritikers Boris Nemzow sind es illegale Einwanderer, die mittels Streik um ihre Bezahlung kämpfen müssen. Er warnte übrigens davor, dass der Baupfusch auch Opfer kosten könnte: „Wenn alle Besucher überleben, ist das ein großer Erfolg. Dies ist kein Scherz!“ (Nemzow gegenüber ARTE in Berlin) So hat sich etwa die Skisprungschanze gesetzt, Tunnels sind eingestürzt etc.
Die Sportler können nichts dafür – da stimme ich dem IOC zu! Sie freuen sich auf faire Wettkämpfe und vielleicht auch das eine oder andere Edelmetall (3 kg Gold, 2 t Silber und 700 kg Bronze – inkl. der Paralympics). Erstmals übrigens auch mit dabei die Wintersport-Exoten Britische Jungfern-Inseln sowie Togo und Tonga. Jedoch sollte man im Vorfeld der Vergabe der Spiele solche angesprochenen Aspekte in Betracht ziehen – schliesslich gab es ja schon damals viele kritische Stimmen, die hätten gehört werden sollen. Putin will sich offenbar durch diese Spiele ein Denkmal setzen. Ein Denkmal als jener Präsident, der das nahezu Unmögliche geschafft und die teuersten Spiele aller Zeiten auf die Füsse gestellt hat! Und dafür geht er nahezu über Leichen! Auch wenn seine Berater Jean-Claude Killy, Bernhard Russi und Karl Schranz heissen.

Hoffen wir auf friedliche und faire Wettkämpfe!!!

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Taiji 2014 – es hat sich nichts geändert!

Seit dem 01. September 2013, nur unterbrochen von einer 14-tägigen Pause rund um Weihnachten, läuft wieder eine der wohl grauenvollsten und sinnlosesten Aktionen der Gegenwart: Das Abschlachten der Delfine in Japan!
Jedes Jahr werden tausende der Tiere (Delfine gehören zur Gruppe der Zahnwale (Odontoceti) und sind somit Meeressäugetiere, keine Fische) in die unzähligen Buchten Japans getrieben und dort mit Lanzen und Messern abgestochen. Im Land der aufgehenden Sonne spricht man von einer 400 Jahre alten “Tradition”. Zuvor sind einige wenige aussortiert worden, die an Zoos, Delfinarien oder Aquarien verkauft werden. Das bringt den Fischern um die 150.000 € pro Tier – heuer war gar ein Albino dabei, der es auf rund 500.000 € schaffen könnte. Diese Delfine haben noch “Glück gehabt” – zumindest gemessen am Schicksal ihrer Artgenossen. Denn: Auch ein toter Delfin bringt noch 600 $! Ist das Tradition oder vielmehr doch Geldmache?! In der Stadt Taiji spricht man hingegen von einem Park, „wo man den Anblick von Meeressäugern genießen und gleichzeitig verschiedene Produkte probieren kann, zum Beispiel Wal- und Delfinfleisch.“ (Quelle: Focus)
In den Monaten von September bis Februar ziehen grosse Schwärme solcher sog. “Delfinschulen” an der japanischen Küste vorbei. Schiffe auf deren Routen lösen unter Wasser einen überlauten, hohen Ton aus, wodurch die Delfine, Tümmler und Kleinwale in die Buchten getrieben werden. Im Durchschnitt jedes Jahr zwischen 16-20.000. Die Angaben schwanken je nach Quellen – lt. Fischereiverband sind es weniger, nach den Umweltorganisationen sind es mehr. Zentrum dieses unmenschlich grausamen Treibens ist die Walfangstadt Taiji. Sie liegt rund 700 km von Tokio entfernt im Süden des Landes. Die Tiere werden mittels Netze über längere Zeit in der Bucht gehalten. Sie sind müde, hungrig und gestresst. Wenn dann der Tag gekommen ist, werden sie mit den Netzen in den nicht einsehbaren Teil der Bucht getrieben (Einbuchtung). Die Zufahrtswege dorthin sind gesperrt, die Einsicht durch gespannte Planen verwehrt – nur das durch das Blut der Tiere rot gefärbte Wasser lässt erahnen, was sich dort abspielt. Der geübte Delphinschlachter jedoch weiss auch das zu verhindern: Mit einer Lanze wird in den Hinterkopf der Tiere gestochen und das Loch sofort mit einem Holzstab oder Korken verschlossen. Die Tiere verbluten dadurch innerlich! Zu sehen ist dies auf der unten angeführten Website des Vereins Atlantic Blue – Vorsicht: Es sind Bilder, die man nicht so leicht vergisst!

(Quelle: OceanCare)

Das Fleisch ist für den menschlichen Verzehr nicht geeignet, da es hochgradig mit Quecksilber belastet ist. Dies ergeben immer wieder Proben-Testungen durch OceanCare und der Environmental Investigation Agency (EIA). Zeitweise spricht man gar von einer 5.000-fachen Überschreitung des Grenzwertes. Eine Studie des japanischen Wissenschaftlers Endo ergab, dass die Bevölkerung Taijis um rund 25-fach höher mit Quecksilber belastet ist, als die Bewohner aus anderen Regionen Japans. Diese Tatsache aber wird den Einwohnern von offizieller Seite gerne verschwiegen. Konsumentenschutzorganisationen weisen zwar immer wieder darauf hin, dennoch liegt Delphin- und Walfleisch in den Kühlregalen der Supermärkte oder wird in Kantinen von Pflegeheimen und Schulen verkocht. Hinzu kommen Kontaminierungen durch PCB und DDT. Erst 2011 sassen sich die Internationale Walfangkommission IWC und die Weltgesundheitsorganisation WHO gegenüber um die Gefährdung durch den Verzehr des kontaminierten Delfinfleisches zu erörtern. Seither werden grosse Teile davon als Tiernahrung oder für die Düngemittelindustrie verwendet. Und genau dies rechtfertigt in keinster Weise mehr dieses Massaker. Die japanischen Fischer argumentieren nämlich damit, dass dieses Abschlachten in ihrer Tradition verwurzelt und Teil der Esskultur sei. Man sei jedoch bemüht, einen raschen Tod der Tiere herbeizuführen. Wie jedoch immer wieder Filmaufnahmen beweisen, ist dies keineswegs der Fall. Der Todeskampf dauert über Minuten an – viele ertrinken auch!

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(aus Urheberschutzgründen nur verlinkt!)

Die Proteste gegen dieses grauenvolle Treiben werden von Jahr zu Jahr lauter – die japanischen Medien jedoch hielten sich dabei für lange Zeit sehr bedeckt. Nachdem der Film “The Cove” jedoch 2010 als bester Dokumentarfilm mit dem Oscar prämiert wurde, kann dieses Abschlachten nicht mehr todgeschwiegen werden, da eine breite Öffentlichkeit weltweit davon erfuhr. Auch in japanischen Kinos wurde und wird der Film aufgeführt – gegen starken Widerstand. Die Regierung etwa versuchte, die Aufführung beim Tokio-Film-Festival 2009 zu verhindern; die Fischer von Taiji haben ihre Anwälte eingeschaltet, die jedoch mit einer einstweiligen Verfügung scheiterten. Der Trainer des ehemaligen Film-Delfins “Flipper”, Richard O’Barry, spricht in diesem Zusammenhang von einer milliardenschweren Delfin-Industrie, die dieses Massaker jährlich unterstützt. O’Barry, der inzwischen für die Umweltorganisation OceanCare tätig ist, stellt auch die Behauptung auf, dass die Delfine und Kleinwale sterben müssen, da sie die Fische wegfressen. Er stützt sich dabei auf Aussagen von Fischern.
Doch ist es nicht nur die Grausamkeit dieses Massakers, welche die Japaner schockt, sondern zudem die Meldungen, die sie über die Toxine erreichen. Die meisten Japaner essen gar kein Delphin- oder Walfleisch. Der Absatz von Delphinfleisch ging gottlob in den letzten Jahren konstant zurück. So wurden im Jahr 2008 alleine in Taiji noch 1.800 Tiere getötet, für 2011 waren 2.165 genehmigt – dennoch waren es 2012 nurmehr 400. Trotzdem – 400 zu viel! Im November 2009 wurde die japanische Verbraucherschutzministerin mit dem “Toxic Menue”, einem ausführlichen Report von 49 grossen Umweltorganisationen (darunter auch das eidgenössische OceanCare, das US-amerikanische Animal Welfare oder das deutsche Pro Wildlife) konfrontiert. Zudem wurde die Regierung in einem offenen Brief aufgefordert, die Delfinjagd und den Verkauf des Fleisches zu verbieten! Geschehen ist freilich nichts. Die japanische Regierung handelt somit grob fahrlässig, indem sie gesundheitsgefährdendes Fleisch nicht verbietet.
Prominente Kritik gab es in diesem Jahr zuhauf – meist jedoch leider umsonst. So rief etwa die Wittwe von John Lennon, Yoko Ono, in einem offenen Brief an die Fischer dazu auf, die Massaker zu beenden. Sie schaden dem Ruf Japans. Mehr Reaktion hingegen gab es auf eine Twitter-Meldung der US-amerikanischen Botschafterin in Japan, Caroline Kennedy, wonach sie – meines Erachtens völlig zurecht – das Gemetzel als “unmenschlich” bezeichnete. Der Gouverneur der Provinz Wakayama, zu welcher auch Taiji gehört, sprach von unangemessen und verwies auf die Schlachtungen von Rindern und Schweinen! Der Sprecher der japanischen Regierung, Yoshihide Suga, sprach von einem über Jahrhunderte gepflegten Brauch. Die Umweltorganisation Pro Wildlife widerlegt diese Behauptung und betont, dass die erste grosse Treibjagd dieses Stils im Jahr 1969 stattfand. Inzwischen dürfen mit Genehmigung der Regierung jährlich bis zu 20.000 Delphine und Kleinwale getötet werden.
“The Cove” hat vieles bewirkt. Die Japaner sahen erstmals Bilder des Massakers, Medien berichteten darüber, weltweite Proteste fanden statt, die australische Stadt Broome hat die Städtepartnerschaft mit Taiji aufgekündigt. Wenn dadurch auch nur ein Delphin oder ein Kleinwal gerettet werden konnte, hat sich die Sache gelohnt. Die Organisation OceanCare betont, dass sie so lange protestieren wird, solange Delphine gejagt werden. Deshalb können über die Mailadresse info@oceancare.org Protestkarten bestellt und an den japanischen Botschafter in der Schweiz versendet werden. Mehrere Hunderttausend wurden bereits verschickt.

(Quelle: ARD)

Delphine – hochintelligente und zutrauliche Tiere, um die sich schon so manche Seemannslegende rankt. Was haben sie verbrochen, um so grausam sterben zu müssen???

Wichtige Links:
www.oceancare.org
www.prowildlife.de
www.peta.de
www.atlanticblue.de

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Es lebe die Quote

Unglaublich, wie doch die Zeit vergeht. 2014 ist das Jubiläumsjahr des Privatfernsehens in Deutschland – 30 Jahre! Herzlichen Glückwunsch! In Österreich dauerte es wie gewohnt etwas länger, bis mit ATV der erste private Anbieter bundesweit zu sehen war (Januar 2000). Neidvoll blickten die rot-weiss-roten Zuschauer via Satellit oder Kabel über die Grenzen zu ihren bundesdeutschen Nachbarn, begeistert von der plötzlichen Vielfalt. Denn – in den deutschen Haushalten gab es bis zum Beginn der 80er Jahre zumindest noch die dritten Programme. Im Alpenstaat musste man sich mit ORF 1 und 2 zufrieden geben (was durch ORF III und Sport plus nun auch nicht gerade verbessert wurde!).
30 Jahre voller Spass und Glück, allerdings auch 30 Jahre voller Pech und Spott. Viele haben sich mit dieser neu gewonnenen Freiheit krumm und dämlich verdient, vielen anderen hingegen kostete es das letzte Hemd. Voller Bewunderung blickten auch die Kollegen und Kolleginnen des Staatsfunks auf die Privaten, hätte sie doch so manche Aussage oder Sendung, die dort präsentiert wurde, Kopf und Kragen gekostet. Es schien, als sei im Kampf um den Zuseher nun plötzlich alles erlaubt: Spielesendungen sorgten für Top-Einschaltquoten, Talks fegten die Strassen leer, die aktuellsten Spielfilme liessen manch einen vor Spannung erzittern und auch der Sex wurde salonfähig gemacht und sorgte für ein Erzittern – vielleicht auf eine etwas andere Art!!! Für jeden Geschmack also etwas dabei. So war es auch Hugo-Egon Balder mit seiner Show “Tutti Frutti”, der am Montag für viele verschlafene Gesichter bei der Arbeit sorgte. Das Frühstücksfernsehen verleitete viele Hausfrauen dazu, den Toast anbrennen zu lassen. Und Podiumsdiskussionen (im Neu-Deutschen: “Talkshows”) liessen auch die Kollegen vom Printsektor jubeln – ihnen ging dadurch niemals der Stoff zum Schreiben aus. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als sich RTL und Sat1 mit gewetzten Messern gegenüberstanden: “Basic Instinct” und “Der Terminator” zum selben Sendezeitpunkt. So manche Programmzeitschrift verglich, wann die Zuschauer des jeweils anderen Filmes umschalten sollten, damit ja nicht verpasst wird, wenn Sharon Stone die Beine übereinander schlug oder Arnold Schwarzenegger seinem grössten Widersacher den Garaus machte. ARD und ZDF bzw. auch ORF standen daneben, däumchendrehend und schauten sich die Schlacht um die Marktanteile an. Doch nicht sehr lange – dann erfolgte auch hier ein grossflächiges Umkrempeln. Der öffentliche Auftrag wurde nahezu zur Gänze den Dritten zugeschoben, die Programmgestalter kauften fleissig bei den Filmproduktionsfirmen ein und auch im Kampf um die Übertragungsrechte im Sportbereich wurde mit öffentlichen Geldern fleissig mitgeboten. Die Shows wurden immer spektakulärer, schliesslich wollte man zeigen, wer nach wie vor der Rudelführer unter den TV-Anbietern ist. Es begann sich ein teuflisches Rad zu drehen: Jeder wollte besser als der Andere sein. Den öffentlich-rechtlichen wurde inzwischen die Quote ebenso wichtig, wie den privaten. Klar – hängen doch die Werbeeinnahmen an diesen Marktanteilen. Für die Privaten lebensnotwendig – die Staatlichen hätten da ja noch etwas, was sie aus dem Vollen schöpfen lässt: Die GEZ (jetzige Haushaltsabgabe) bzw. in Österreich die GIS, der Schweiz die Billag, also die Rundfunk- und Fernsehgebühren. Somit war es klar, wer den Kürzeren ziehen sollte. Von privater Seite sah man sich plötzlich nicht nur der Konkurrenz seinesgleichen gegenübergestellt sondern auch jener der Öffentlich-Rechtlichen. Die Werbeblöcke wurden ausgeweitet, damit mehr für die Kriegskasse überblieb – zudem gab es ja auch Geldgeber, die eine entsprechende Dividende haben wollten. Alle 20 Minuten eine Unterbrechung von mehr als 5 Minuten. Anfänglich ja gut, konnte man sich doch frische Chips holen oder auf die Toilette gehen, ohne etwas zu verpassen. Staubsaugen, putzen, kochen – alles war möglich während der Werbepausen. Ich schaute beispielsweise damals einen Streifen auf Pro Sieben, als ich bemerkte, dass keine Zigaretten mehr im Hause waren. Also nutzte ich die Werbepause, um mal kurz um den Block (!) zum nächsten Automaten zu laufen. Als ich zurück war, lief noch immer Werbung. Doch – as times go by – viele Sender zerbrachen ob der gar übermächtigen Konkurrenz von ARD und ZDF auf der einen bzw. Helmut Thoma und Leo Kirch auf der anderen Seite. Entweder sie machten dicht (wie Tele 5) oder wurden schlichtweg geschluckt (wie Vox). Inzwischen regieren einige wenige die ehemalige Meinungsvielfalt, die deshalb auch gar nicht mehr wirklich so bunt ist. Ebenso wie die Machtkonzentration im Printsektor oder beim Rundfunk, kristallisierten sich auch beim TV zwei Metropolen heraus: Köln (RTL-Gruppe) bzw. Unterföhring/München (Kirch-Gruppe). Alle anderen Sender kamen und gingen oder konzentrierten sich auf spezielle Zielgruppen (Spartenfernsehen), die jedoch erneut auf die Kirch-Gruppe angewiesen waren, schliesslich bot nur dieser mit “Premiere” die Möglichkeit der technischen Umsetzung und des Überlebens mit geringstem finanziellen Aufwand.
Doch – wer war dieser Leo Kirch eigentlich!? Einer der wahrhaft schillerndsten Sterne am europäischen Privat-TV-Himmel. 1926 in Würzburg als Sohn eines Klempners geboren, konzentrierte er sich bereits während seiner Studienjahre in Nürnberg und München auf die elektronischen Medien. 1955 gründete er die “Sirius Film & Einkauf GmbH”, einen Filmverleih, den er sukzessive zum grössten Medienkonzern Europas ausbaute. Zu seinen Beutestücken zählten etwa die Beta- und die Taurus-Film. Unzählige Tochtergesellschaften wurden gegründet, die zu einem wahrhaft unüberschaubaren Firmengeflecht führten. So wollte beispielsweise das ZDF nicht nur von einem Unternehmen Filmrechte erwerben und nahm Kontakte auch zu anderen Firmen auf. Hier stellte sich in weiterer Folge heraus, dass auch diese zum Kirch-Konzern gehörten. Beteiligungen an der Constantin Medien AG, der Constantin Film bzw. dem damaligen Deutschen Sport Fernsehen (DSF) gehörten ebenso dazu wie an der Produktionsfirma Plazamedia, dem Sportvermarkter TEAM und der Highlight Communications AG. Neben einer 10 %-igen Beteiligung am Axel-Springer-Verlag engagierte sich Kirch auch in Skandinavien und bei seinem grossen Kontrahenten Rupert Murdoch auf dem australischen Kontinent. Ende der 80er Jahre kaufte sich der Würzburger bei Sat1 ein. Parallel dazu wurde der Pay-TV-Sender DF1 aufgebaut (später “Premiere”), Pro Sieben gegründet (es ging aus Eureka TV hervor), Kabel eins übernommen. Für den politischen Background sorgte der inzwischen enge Freund Kirchs, der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl. Der Beginn des Falls dieses TV-Moguls stellte höchstwahrscheinlich ein Abendessen am 27. Januar 2002 in Hannover dar, an welchem neben Kirch auch der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf E. Breuer, der damalige Bertelsmann-Chef Thomas Middlehoff, der WAZ-Verleger Thomas Schumann sowie Bundeskanzler Gerhard Schröder teilnahmen. Kurz danach stellte Breuer in einem Interview die Kreditwürdigkeit Kirchs in Frage. Die KirchMedia musste Insolvenz anmelden. Vornehmlich waren es zwei Gründe, die zu diesem Konkurs führten:
Einerseits Premiere. Was in anderen Staaten perfekt funktioniert, hatte in Deutschland zu viel Konkurenz. Zudem war der Decoder, die d-box, sehr leicht zu knacken.
Andererseits die Gelder, die für Premiere und Sat1 in die Übertragungsrechte der Fussball-Bundesliga geflossen sind.
Mit über 6,5 Milliarden Euro Schulden wurde das Unternehmen nach dem Insolvenzantrag (AZ: 1502 IN 879/02) zerschlagen. Der öffentlichkeits-scheue Medienunternehmer selbst verstarb am 14. Juli 2011 im Alter von 84 Jahren in Folge einer Diabetes-Erkrankung.
Leo Kirch war somit die höchstwahrscheinlich wichtigste Figur in der Geschichte des deutschen Privatfernsehens. Nicht nur, dass er eine Vielzahl von TV-Sendern selbst betrieb, machte er doch vieles über seine politischen Beziehungen zu Helmut Kohl bzw. dem verantwortlichen Bundespostminister Schwarz-Schilling schneller möglich, als es das konkurrierende RTL jemals geschafft hätte.
Was hat uns das Privatfernsehen wirklich gebracht? Ehrlich? Nicht sehr viel! Aus der Programmvielfalt ist eine “Programmeinfalt” geworden! Im Kampf um die Quote ist den Stationen nichts zu blöd. Da werden für die unterschiedlichsten Talk-Sendungen Schauspieler eingekauft, wie jener jugendlicher Migrant mit türkischen Hintergrund, der möglichst viele deutsche Mädchen “knallen”, selbst aber eine türkische Jungfrau heiraten möchte. Oder Bauern, die keine Bauern mehr sind, sich jedoch von zukünftigen Bäuerinnen umgarnen lassen, um dann eine auszusuchen und nach kurzer Zeit wieder single zu sein (Gibt es eigentlich noch den Paragraphen zum Thema “Kupplerei” im ABGB)! Pro Staffel ein oder zwei Hochzeiten – das ist eindeutig zu wenig. Apropos Hochzeit – Linda de Mol mit ihrer “Traumhochzeit” – die Taschentücherindustrie dankte ihr die Idee, die ihre Brüder gehabt haben und von ihr so herzzerreissend in Szene gesetzt wurde. Ob allerdings die Hochzeiten wirklich auch jedes Mal so real waren, oder ob “nachgeheiratet” wurde??? Heiraten? “Bachelor”? Kehrt nach der Staffel wieder zu seiner vorherigen Freundin zurück und bricht dadurch hunderte Mädchenherzen. That’s Show! Und der Millionär? Schon wieder abgesetzt! Die de Mol-Brüder waren es übrigens auch, die sehr viel für das deutsche Fernsehen adaptierten. Die Container-WG etwa. Wie krank muss ich denn sein, um die hochintelligenten Diskussionen und Zickereien des grossen Bruders jeden Tag in der Flimmerkiste mitverfolgen zu können!? Können jene, die teilgenommen haben, einen gewissen Grad von Exhibitionismus nicht leugnen??? Die Daily Soaps sind es auch, die vornehmlich Jugendlichen aufzeigen, wie das Leben ist – denn sie selbst haben vor lauter fernsehen keine Zeit mehr am realen Leben teilzunehmen. Und – dass man sich von dem, was im australischen Urwald so kreucht und fleucht ernähren kann, wissen die Aborigines schon seit Jahrhunderten. In anderen Teilen dieser Welt muss man für Mehlwürmer oder Kakerlaken auf dem Teller bezahlen! Ich habe gar nicht gewusst, dass es dermassen viele “unterste Schubladen” gibt, doch zeigen die Produzenten immer wieder, dass der rettende Boden noch lange nicht erreicht ist.
Die Werbeunterbrechungen fand ich ja am Anfang recht sinnvoll. Nun jedoch werden die Werbepausen absichtlich mit Promo-Clips vollgestopft, wodurch die Sendedauer des Films ausgedehnt wird, damit sich noch ein weiterer Werbeblock ausgeht. Nicht selten weisen drei oder gar vier Ankünder auf Sendungen hin, die erst Ende der kommenden Woche laufen! Früher wurde der Film bei Werbeunterbrechung einfach ein oder zwei Minuten zurückgespult und auf diese Weise verlängert. Diese Unsitte ist nun nicht mehr gestattet. Übrigens: Während bei ARD und ZDF Werbung nur zu gewissen Sendezeiten ausgestrahlt werden darf, ist dies dem österreichischen ORF schlichtweg egal! Werden auch die Sendungen vielleicht nicht unterbrochen (gilt offenbar nicht für Sportübertragungen!), so verlängern sich die Werbeblöcke vor und nach den Sendungen, etwa nach dem Motto “5 Minuten Werbung vor dem ZiB-Flash – 2 Minuten ZiB-Flash – 5 Minuten Werbung nach dem ZiB-Flash” wird dabei in die Vollen gegriffen. Und dies zu einer Sendezeit, in welcher die beiden deutschen Öffentlich-Rechtlichen nicht mehr werben dürfen.
Doch brachte das Privatfernsehen auch sehr viel gutes. Nicht umsonst wird etwa RTL Aktuell und insbesondere Anchorman Peter Kloeppel immer mal wieder mit Preisen ausgezeichnet. Bilder werden in’s Haus geliefert, die von den Öffentlich-Rechtlichen verweigert wurden – via TV-Kameras wird dem Nachbarn in die Wohnung geschaut. Die Welt ist zum globalen Dorf geworden. Entfleucht einer Ministerpräsidentin in Thailand eine Flatulenz, verschluckt sich ein US-amerikanischer Präsident an einer Salzbrezel, stolpert ein Supermodel am Catwalk – innerhalb weniger Minuten geht dies um die Welt und landet im heimischen Wohnzimmer. Negativ: Eine Reizüberflutung ohne Grenzen! Viele haben sich deshalb von den Nachrichten losgesagt. Andere wiederum nutzen dies – D-Promis etwa dafür, um C-Promi zu werden! A-Promis, um auch A-Promi zu bleiben! Und andere Menschen, um dort Karriere zu machen. Auch – wenn ihnen das Rüstzeugs dafür fehlt. So nahm es mich nicht selten Wunder, dass viele MTV- oder Viva-Moderatoren/-innen überhaupt lesen konnten! Bei anderen wiederum kommt die Besetzungscouch wieder in’s Spiel – die Möglichkeiten, sich hochzuschlafen, sind einfach vielfältiger geworden. Doch darf nicht abgestritten werden, dass auch gute Medienmenschen und Schaupieler/-innen dabei sind, die durch die eingeschworene Gemeinschaft bei den Öffentlichen keine Chance gehabt hätten. Sie reissen ihre Zeit bei den Privaten runter um dann bis zur Pension beim Staatsfunk noch gut zuzuverdienen.
Sie sehen also – jede Münze hat ihre Kehrseite – auch die 30 Jahre Privatfernsehen. Es kann nicht alles als Müll-TV abgetan werden. Es gab Sternstunden, die am Zuschauer spurlos vorübergegangen wären, hätte sie nicht das Privat-TV aufgegriffen oder der Staatsfunk, damit er einen Informationsvorsprung gegenüber der privaten Konkurrenz hat. Die Öffentlich-Rechtlichen haben redaktionell sehr viel gelernt, das sie in ihrer Selbstherrlichkeit früher einfach links liegen gelassen haben. Wirtschaftlich hingegen ist das Wort “Haushaltsausgleich” so weit entfernt wie selten zuvor (siehe u.a. Hessischer Rundfunk). Dass nun versucht wird, die Privaten zu imitieren – das ist schlichtweg nicht einzusehen und deshalb grundsätzlich abzulehnen. Perfekt zu sehen bei “Wetten, dass…!”, wo nurmehr Stars eingeladen werden, die Quote bringen. Die Couch war zu Zeiten Frank Elstners noch komplett anders besetzt! Klar – hatte er doch keinen Stefan Raab oder v.a. Dieter Bohlen, die zur selben Sendezeit um das Publikum buhlen! Hallo? Gibt es denn nurmehr ein Zielpublikum??? Diese bereits als “pervers” zu bezeichnende Ausrichtung an der kaufkräftigen Zielgruppe der 14-49-jährigen wird inzwischen in Österreich Lügen gestraft! Das Stiefkind ORF 2, das für älteres und Informationspublikum eingerichtet wurde, erzielt gegenwärtig bessere Quoten als das auf die Zielgruppe getrimmte ORF 1! Und – bei all diesen Diskussionen sollte niemals vergessen werden, dass auch das ZDF eher auf die sog. “Best Agers” zugeschnitten ist. Dass dort der Zielgruppe entsprechende Mitarbeiter tätig sein sollten, steht ja wohl ganz ausser Frage. Denn: Die Nische – die älteren Zuschauer – entwickelt sich immer mehr zur tatsächlichen Zielgruppe!!! Und – werte Privaten – heisser Tipp für die nächsten 30 Jahre: Es gibt auch eine ganze Reihe an intelligenten Zuschauern, die bei Euch nicht nur “Wer wird Millionär” anschauen möchten!

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Über Geld spricht man nicht, man hat es! Koste es, was es wolle…

Eine Meldung sorgte vor kurzem weltweit für herzhafte Lacher: Der Fastfood-Konzern McDonalds hatte seinen Mitarbeitern auf einer Website von dem Genuss der Burger abgeraten! Hallo??? Die Seite für die US-amerikanischen Angestellten ist inzwischen selbstredend offline gestellt worden. Nach einem Bericht des US-Fernsehsenders CBNC hiess es dort doch tatsächlich, dass der Besuch eines Fast Food-Restaurants für jene eine Herausforderung sei, die sich gesund ernähren möchten. Vonseiten des Unternehmens wurde in einer Presseaussendung darauf hingewiesen, dass die Homepage von einem externen Zulieferer stamme und Nährboden für “unberechtigte Kritik und unangemessene Kommentare” geliefert habe. Es wurde ein veralteter Link verwendet. Das Unternehmen meint jedoch nicht, dass seine Angestellten jetzt wieder die selbstproduzierte und doch so heiss begehrte Nahrung zu sich nehmen dürfen – oder sollten. Können vor lachen, ist doch McDonalds amerikanischer Kapitalismus in Reinstkultur! Somit mein Gedankengang: Soll alsdann das Unternehmen seinen Angestellte so viel bezahlen, dass sie sich gesundes Essen leisten können – wie die Bessergestellten. Also jene, die kein Fastfood essen. Den Reichen? Oder muss Ronny McDonald auch seinen eigenen Leuten Spendengelder auszahlen???
Ich habe in einem meiner Texte schon einmal über Fastfood referiert – muss aber fairerweise erwähnen, dass die italienische Pizza ebenso in diese Kategorie gehört wie das französische Baguette, die österreichische Leberkäsesemmel oder die deutsche Currywurst. Meist eine undefinierbare Masse, die durch Farb- und Geschmackstoffen aufgepäppelt wird. Hauptsache billig und sättigend – obwohl man dies ja – und ich spreche aus eigener Erfahrung – nicht unbedingt von den Burgern behaupten kann (egal ob von McDonalds oder Burger King). Nein – ich will heute einige Worte über den Kapitalismus verlieren, über das kompromisslose Streben nach Gewinn und Dividende! Denn auch hier schreitet McDonalds als leuchtendes Vorbild voraus: Die Angestellten erhalten meist nur den Mindestlohn und sind teils gar nicht zu 100 % angestellt, damit sich das Unternehmen die Lohnsteuer einspart. Das karge Gehalt reicht natürlich nicht zum Leben – also muss Vater Staat einspringen. Somit auch jene Steuerzahler, die mit dem Fastfood-Riesen gar nichts zu tun haben möchten. Ein kleiner aber feiner und leider legaler Trick, den Unternehmen auch hierzulande gerne anwenden: Besser eine Vollzeit-Arbeitstelle an zwei Teilzeitbeschäftigte vergeben. Diese verdienen dann meist dermassen wenig, dass das Gehalt von der Lohnsteuer befreit ist. Möchte jedoch ein solcher Teilzeitbeschäftigter noch eine zweite Arbeit angehen, da das Geld hinten und vorne nicht ausreicht, dann greift Vater Staat beim kleinen Mann aber dermassen was von zu, sodass sich für diesen eine zweite Arbeit gar nicht rentiert und der Betroffene lieber zusätzlich von staatlicher Unterstützung lebt. Die Verursacher jedoch, die Unternehmer, bleiben verschont – moralisch ist deren Vorgehensweise zwar bedenklich, gesetzlich jedoch durchaus erlaubt.
Noch ärger empfinde ich die Ausnutzung (eigentlich wollte ich “Ausbeutung” schreiben – dies jedoch hätte Assoziationen zu Marx und Lenin aufgeworfen, die ich tunlichst vermeiden möchte) von Humankapital – durch den Praktikanten-Wahnsinn. Ihnen wird meist – wenn überhaupt – nur eine Zeitentschädigung eingestanden; viele arbeiten kostenlos. Wurde die Praktikumszeit abgeleistet, haben sie in 90 % der Fälle nichts gelernt, erhalten keine Bestätigung und sind meist ärmer als zuvor, da sie die Fahrtkosten oder die Unterbringung in der Nähe des Arbeitsplatzes selbst bezahlen müssen.
Oder: Aufträge bzw. Arbeitsplätze werden an Subunternehmer vergeben. In der Baubranche etwa gang und gebe. Für diese Subunternehmer arbeiten dann im Ausland angeheuerte Arbeitskräfte, für ‘nen Appel und’n Ei – oder gar schwarz! Im Schlachterskandal beispielsweise wurden in Süddeutschland ungarische Billigstschlachter im Akkord beschäftigt. Aufgefallen ist dies nur dadurch, dass bei Kontrollen die Hygiene-Vorschriften nicht eingehalten wurden. Übrigens: Ein Schlachtermeister hat 45 Sekunden für das Töten eines Rindes und 5 Sekunden für das eines Schweines! Bei vielen Tieren wurde Wasser in der Lunge gefunden. D.h. sie lebten noch, als sie in das Siedebad gekippt wurden! Ein Thema, das ich in einem anderen Blog aufgreifen möchte.
Eine andere Möglichkeit zur Gewinnmaximierung besteht in der generellen Beschäftigung von Billigstarbeitskräften. So konnte es beispielsweise nicht schnell genug gehen, Rumänien und Bulgarien in die EU zu integrieren. Brüssel erlaubte die Produktionsverlagerungen der Unternehmen in die beiden Niedriglohnländer ohne weitere Auflagen. Riesige Produktionshallen wurden aus dem Boden gestampft, die gegenwärtig zum grössten Teil wieder leer stehen. Der Grund: Die Produktion in Fernostasien ist noch günstiger! Jetzt findet das grosse Wehklagen in EU-Reihen statt: Jene Menschen, die zuvor in ihren Ländern arbeitstechnisch bluten mussten, wollen nun dorthin, wo ehedem ihre Chefs herstammten um den grossen Reibach zu machen und der Arbeitslosigkeit in ihrem Land zu entkommen. Die Folge: Der Armutszuzug! Soll heissen, Zuwanderer, die kaum oder keine Ausbildung haben, kommen nach Mittel- und Westeuropa, finden hier auch keine Arbeit und müssen von öffentlichen Geldern gestützt werden. Wieder wird der Steuerzahler zu Ader gelassen. Hätten die Wirtschaftsbosse die Standorte im EU-Osten beibehalten, gebe es zumindest dort Beschäftigung – hierzulande somit weniger Wirtschaftsflüchtlinge. Die Länder würden einen Aufschwung erleben. Doch – wie beschrieb es Jutta Sundermann von der globalisierungskritischen Organisation Attac: „Die Erfahrung lehrt, dass die Karawane weiterzieht, wenn sich anderswo billiger produzieren lässt.“
Und damit zur grössten Sünde des Kapitalismus: Die maximalste Gewinnspanne mit dem kleinsten Personalaufwand! Die Produktion wird zur Gänze in Billigstlohnländer verlagert. Und das Perverseste hierbei ist ja die Tatsache, dass in solchen Staaten wie Bangladesh, Vietnam oder Kambodscha für den heimischen, den europäischen Markt produziert wird. Hierzulande fallen jedoch gerade deshalb die Arbeitsplätze weg. Also greifen die Konsumenten zur Billigware, da ihnen schlichtweg das Geld fehlt, sich etwas aus heimischer Produktion leisten zu können. Dadurch geht es aber nicht jenen Leuten besser, die die Waren erzeugt haben, sondern jenen Konzernen, die sie hierzulande auf den Markt bringen, ohne tatsächlich noch heimische Produktionsstätten zu betreiben. Somit agieren die Unternehmen, die zum heimischen Standort stehen, sehr nahe am wirtschaftlichen Abgrund. Amazon beispielsweise wurde der andauernden Streiks seiner Angestellten für höhere Löhne (Anpassung an die Tarifverträge) überdrüssig – in Polen sollen drei riesige Logistik-Zentren entstehen. Auch dürfte der Versand aus Polen nach Deutschland oder Österreich höchstwahrscheinlich günstiger sein. Oder: Wurden etwa durch die Energiewende Arbeitsplätze en masse versprochen, so sperrt ein Solar-Werk nach dem anderen In Europa die Tore zu, da sie mit der Billigkonkurrenz aus China nicht mithalten können. Ausser den grossen Versprechungen der Politiker, ausser Rauch und Schall somit leider nichts gewesen. In Bangladesh stürzte im April 2013 ein Hochhaus ein, das ohne vorherige statische Berechnung geschweige denn einer Genehmigung aufgestockt wurde. Hier produzierten tausende vornehmlich Arbeiterinnen Billigware für den Westen. 1.100 Menschen starben in den Trümmern. Ab diesem Zeitpunkt war es klar, was zuvor nur sehr schwer nachgewiesen werden konnte: Auch Markenartikel werden in Billigstlohnregionen produziert, hierzulande jedoch um teures Geld verkauft. Wurden jene Verbraucher, die beim Diskonter einkauften, als Kaufkraftflüchtlinge und Kinderarbeits-Initiatoren gebrandmarkt, so donnerten nun jene, die ihre Turnschuhe im teuren Sportfachhandel erwarben bzw. jene, die in Boutiquen ihr Boarder-Outfit kauften, aber sowas von auf die Schnauze! Sie zahlten für die Qualität der Ware und für die heimische Produktion! Nun stellt sich heraus, dass sie mit Ware aus Fernost geleimt wurden. In Kambodscha demonstrierten zu Jahresbegonn die Textilarbeiter. Sie forderten höhere Löhne. Die autoritäre Regierung ist bereit, anstelle der bisherigen 58,- nun 69,- € monatlich zu bezahlen. 69,- €!!! Die Arbeiterinnen und Arbeiter fordern 116,- € und wurden eiskalt durch Polizei und Militär niedergeschossen! Darunter sind nicht nur Frauen, die für Diskonter wie KiK oder Takko die Nadel schwingen. Nach Angaben der Agence France Presse lassen in Kambodscha zudem H&M, Gap, Nike und Walmart produzieren. Durchaus grosse Namen, die nur sehr ungern mit Billigst- oder schon gar nicht mit Kinderarbeit in Verbindung gebracht werden möchten. Aus diesen Überlegungen heraus haben sie sich in diesen Ländern nicht niedergelassen, sondern lassen durch Subunternehmer produzieren. Erschreckend – 80 % des Exportvolumens des Landes leistet die Textilindustrie – und dies, obwohl es in Kambodscha mit nur 250 Kleiderfabriken am wenigsten davon in diesem Teil der Erde gibt; 5.000 sollen es in Bangladesh, 11.000 in Indien und sage und schreibe 18.000 in China sein. Feierabend ist für diese Arbeiterinnen ein unbekanntes Wort, sie hausen in Ruinen ohne Strom und Wasser und müssen vor ihrem ersten Arbeitstag unterschreiben, dass ihre Angehörigen im Falle eines Selbstmordes leer ausgehen.
Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass diese Staaten auch keinen restriktiven Vorschriften zur Sicherheit und Umwelt unterliegen, geschweige denn die Lohnnebenkosten einnehmen, die einen Unternehmer hierzulande in die Knie zwingen. Das bedeutet, dass die Länder weiterhin Dritte Welt bleiben, sollte einmal die Produktion eingestellt werden. Und da sind wir wieder beim heimischen Circulus vitiosus angelangt: Der Staat braucht immer mehr Geld um die immer grösser werdende Gruppe der Sozialbedürftigen unterstützen zu können – ob sie nun einen Job haben oder nicht. Gleichzeitig aber werden die Steuereinnahmen weniger, da immer mehr Betriebe dicht machen oder verlagern! Also heisst die Gans, die gerupft wird, “Steuerzahler”! Doch diese Gans wird bald keine Federn mehr haben!
Apropos Steuern: Reiche Menschen können sich bessere Berater leisten als Otto Normalverbraucher. So meinte einst der amerikanische Gross-Investor Warren Buffett, dass er weniger Fiskalabgaben als seine Assistentin bezahle! Das Geheimnis bei den Global-Playern heisst deshalb zumeist “Offshore”! Dabei macht das Unternehmen selbst keinen Gewinn, die Steuerleistung bleibt also minimal – teilweise gibt’s sogar noch eine staatliche Subvention. In Steueroasen jedoch werden Briefkastenfirmen eingerichtet, auf welche der Gewinn vor Steuern transferiert wird. In diesem Zusammenhang fallen immer wieder die Länder Panama, Mauritius und Samoa. In Europa ist dies inzwischen etwas anders gelagert, haben doch die meisten Staaten bi- oder multilaterale Abkommen. Journalisten aus 46 Ländern (darunter Le Monde, The Guardian, die BBC, Washington Post, der NDR und die Süddeutsche Zeitung in Deutschland) haben sich zu einem “Offshore-Leaks” (International Consortium of Investigative Journalists ICIJ in Washington) zusammengeschlossen. Sie decken Fälle auf, bei welchen die Unternehmer leider nach wie vor noch ganz legal den heimischen Fiskus hintergehen. Nicht Herr oder Frau Müller: Die Damen und Herren von und zu, die sich zuhause mit der einen oder anderen Spende gerne grosszügig zeigen! Auch wird gerade von diesen immer gerne herausposaunt, dass sie zum heimischen Wirtschaftsstandort stehen. Klar – hat doch das Land oder der Bund vielfach für die Sicherung der Arbeitsplätze in der Region bezahlt. Vor rund einem Jahr gelangte ein enormer Datenbestand in der Grösse von 260 Gigabyte in die Hände der Journalisteninitiative. Tabellen, Mails, Präsentationen sowie PDF-Dokumente und vieles mehr zeigen auf, wie geschickt die Reichen ihr Geld am Finanzminister vorbeischleusen um noch reicher zu werden. In diesem Datenpaket befinden sich nicht weniger als 122.000 Briefkastenfirmen und Trusts, also Vermögensverwaltungen. Rund 10.000 Personen sollen in dem nach wie vor noch nicht komplett gesichteten Sammelsurium genannt sein.
Meine, diese Liste erhebt alsdann keinen Anspruch auf Vollständigkeit. In diesem Zusammenhang sind beispielsweise immer wieder Worte aus dem Finanzjargon zu lesen: Immobilien-Kredite, Produktiv-Kapital, Exponential-Funktion durch einen Versicherungsmantel, …
Zuletzt zum Kern meiner Überlegungen: Bei all diesen Möglichkeiten, sich zu entziehen oder jeweils das Beste rausholen zu können, wächst der Unmut des kleinen Mannes von der Strasse. Er muss alles peinlichst genau versteuern und kommt zunehmendst nicht mehr mit seinem Gehalt aus. Wird ihm nun vorgelebt, wie einfach das alles doch wäre, er selbst aber für sich keinen Horizont sieht, so “empfinde ich die Steuer als Unrecht!” (Prof. Paul Kirchhof, Steuerrechtsexperte an der Universität Heidelberg). Und diese Unrechtschere klafft immer weiter auseinander. Immer mehr Geld konzentriert sich auf immer weniger Menschen. Immer mehr Menschen haben immer weniger. Gott behüte, dass es dermassen kommen wird, doch möchte ich an dieser Stelle einen gedanklichen Schwenk in die Vergangenheit anstellen: Auslöser nahezu aller Revolutionen war – das Brot! Die Menschen hatten nichts mehr zu essen! So gewesen in der Französischen Revolution (hier hatte sich der Adel alles vergoldet), Russische Oktoberrevolution (Adel und Grossgrundbesitzer), die Englische Revolution (eh schon wissen),… In der Sendung “Report Mainz” (ARD) betonte der Steuerexperte Prof. Lorenz Jarass von der Fachhochschule Mainz, dass die Erträge von Unternehmen und aus Privatvermögen in den Jahren von 2003 bis 2008 um rund 35 % angewachsen, die Netto-Löhne während dieser Zeit allerdings sogar gesunken sind! Lohnerhöhungen werden direkt durch die Inflation wieder aufgefressen. Es kann sein, dass eine Fliessbandarbeiterin durch eine solche Indexanpassung in eine andere Steuerklasse kommt und nach der Erhöhung weniger unter’m Strich rausbekommt als vorher!
Apropos: Sehr interessant ist auch der durch das Weltwirtschaftsforum Davos angestellte Vergleich von 102 weltweiten Steuersystemen. Ganz unten, am Ende der Liste findet sich das deutsche System wieder. Beschämend, dass auch viele Staaten der sog. “Dritten Welt” offenbar gerechter denken als die Damen und Herren rund um Herrn Schäuble!
Das Pulverfass auf dem wir sitzen, wächst und wächst!!!

Heisse Tipps:

http://www.fair-trade-kleidung.com/

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Der Hauben-Wald

Bevor Sie diese Zeilen weiterlesen, muss ich Ihnen eines eingestehen – damit Sie mich nicht missverstehen: Ich bin stolz darauf, in diesem Tal aufgewachsen zu sein. Dort, wo man die frisch gemolkene Milch noch warm bereits beim Bauern trinken kann (wer’s mag!), die Kühe auf den Feldern ihren Auslauf geniessen können, die Familie abends beieinander sitzt und musiziert, am Stammtisch noch verbal Dorfzeitung betrieben wird. Es ist ein besonderes Tal, der Bregenzerwald. Mit nichts anderem vergleichbar – am ehesten jedoch vielleicht mit dem Montafon (Vbg.), dem Stubaital (Tirol), dem Gasteinertal (Sbg.) oder dem Gailtal (Ktn.). Auch die Menschen dort sind etwas besonderes. Geprägt durch die harte Arbeit, nicht wirklich leicht aus der Ruhe zu bringen. Hier bleibt noch Zeit, die auch dem Käse zum Reifen eingestanden wird. Deshalb ist gerade der Wälder-Bergkäse dermassen gut im Geschmack. Es ist nicht einfach, dazu zu gehören. Wurde die Hürde allerdings genommen, so ist man als Teil der Familie stets herzlich willkommen. Das, werte Leser und Leserinnen, das ist der Bregenzerwald. Ein besonderes Stück auf Gottes Erde.
Doch wurde diese Idylle jäh am Stephanstag unterbrochen. “Aufgetischt im Bregenzerwald” – eine Sendung des Österreichischen Rundfunks, die einmal mehr aufzeigt, dass Wien weit weg ist – auch für die Recherche.

http://tvthek.orf.at/program/Aufgetischt/2745173/Aufgetischt-Im-Bregenzerwald/7288768

Von dort aus dürfte die Redaktion agiert haben, ist doch im Bregenzerwälder-Dialekt der Ausdruck “Blunzen” ebenso wenig im Gebrauch wie “Tafelspitz”, “Absacker” oder “Paradeiser”. An dessen Stelle heisst dies “Blutwurst”, “Schmorbraten”, “A klinns Bier” bzw. “Tomaten”. Und – werte Redakteure des ORF: “Gröstl” ist eine Tiroler Spezialität! Es gibt mit den “Rösti” eine ähnliche Speise, die jedoch den Weg aus der Schweiz nahm und mit dem Tiroler Gröstl nicht direkt zu vergleichen ist. In Zusammenarbeit mit zahlkräftigen Unternehmen und den Tourismusvereinen werden deshalb bevorzugterweise vom rot-weiss-roten Staatsfunk immer wieder dieselben Betriebe präsentiert, ob dem dortigen “savoire vivre” verbunden oder nicht, scheint komplett egal zu sein. Von den in der Folge gezeigten Handwerksbetrieben mal abgesehen, möchte ich mich heute dem kulinarischen Aspekt der Sendung widmen, denn unter “Aufgetischt” verstehe ich nicht die Lampen- oder Schindelproduktion.
Der Sprecher, Matthias Franz Stein, brachte es mit einem Satz auf den Punkt: “Ohne Schnörkel und Firlefanz wird auch Kochen zum Handwerk!” (Quelle: “Aufgetischt im Bregenzerwald”; ORF). Der Bregenzerwald ist für seine einfachen, trotzdem aber ausgezeichneten Speisen bekannt. Vom Riebel, den Käsknöpfle, dem Scheiterhaufen bis hin zur Wälderleber mit Pfifferlingen oder dem Rindsvögele mit Grumpera-Püree. Fragt man einen Wälder (oder grundsätzlich einen Vorarlberger) nach zwei seiner Lieblingsspeisen, so sind meist die erstgenannten die Käsknöpfle. Eine schnellgemachte, sehr schmackhafte und sättigende Speise, die in der Tradition des Bergkäses verwurzelt ist. Im Film jedoch wurde “Geschmorter Kalbsbratenspitz mit Kartoffel-Ziegenkäse-Taschen und karamelisierten Weisskrautschnitten” präsentiert. Keine Frage – da läuft einem das Wasser im Munde zusammen, vorausgesetzt man mag Kalbfleisch. Somit leider kein Rezept für mich, da ich der Meinung bin, dass auch Tiere das Recht auf ein längeres Leben haben. Und Kälber wurden früher nur geschlachtet, wenn sie sich etwa einen Huf gebrochen hatten oder ein anderes Manko aufwiesen! Kalbfleisch ist nicht zuletzt ein Marker für die industrielle Fleischproduktion. Die Zubereitung des Gerichtes wurde vom “Vater der Bregenzerwälder Küche” Engelbert Kaufmann gezeigt. Es stimmt – unbestritten ist er ein Meister seines Faches, deshalb steht Kaufmann alsdann einem gar noblen Hause vor, dem Adler in Schwarzenberg. Neben vielen Kalbs-Spezialitäten finden sich hier etwa auch der Alpenlachs aus Niederösterreich oder eine Vielzahl von Parfaits auf der Speisekarte. Gault Millau testete ebenfalls eine typisch Bregenzerwälder Speise: Den Seeteufel auf Schwarzwurzelgemüse mit hausgemachten Bandnudeln sowie Rehravioli mit Selleriepüree. Dies brachte eine Haube mit 14 von 20 Punkten. Michelin vergab zudem einen Stern. Ein Bregenzerwälder Bauer muss viele Kühe melken, bis er seine Herzallerliebste hierher ausführen kann. Mittagessen für 2 Personen über 100,- €!
Apropos Kaufmann – die ebenfalls gezeigte Susanne Kaufmann steht dem 4*S-Hotel Post in Bezau vor! 2 Hauben mit 15 Punkten bei Gault Millau sowie 3 Sterne und 81 Punkte bei “A la Carte”. Auch hier setzt man natürlich auf heimische Produkte! Ein Auszug aus der Speisekarte gefällig? Gerne – gesehen am 27.12.13 auf der Homepage des Hotels:

Das Wannermenü
Gelbflossenmakrele Taschenkrebs, Avocado, Pulpo
Reh Blaukrautpüree, Sellerie und Kaffeesoufflé
Kalbsrücken Herbstfrüchte und Trüffeljus
Erlesene Käse aus dem Bregenzerwald und drum herum
Walnuss
Kaffee und Kardamom

Auch dies lässt unbestritten das Herz eine Gourmets höher schlagen. Doch welche Urlauber-Familie aus der bürgerlichen Schicht kann sich neben den Kosten für eine Woche Skiurlaub in Bezau noch ein solches Essen leisten?
Kaufmann Nummer 3 schlug etwas aus der Linie: Karin Kaufmann vom ehemaligen Gasthof Engel in Egg. Sie bietet Kochkurse zum Motto “Kochen lernen wie zuhause” an. Dabei ging es um das Klaren einer Rindssuppe mit Hackfleich vom Reh und um Blut- und Leberwurstschnecken auf Sauerkraut. Auch wenn beides realistischer für den Bregenzerwald erscheint als die vorher bezeichneten Menüs, so weiss sicherlich der Jäger etwas besseres mit Rehfleisch anzufangen, als dies zum Klaren von Rindsuppe zu verwenden. Blut- und Leberwurst ist immer mal wieder Bestandteil des Essens bei Schlachtpartien. Wobei allerdings die Blutwurst weitaus mehr im Osten Österreichs anzusiedeln ist. Auch die Leber wird vornehmlich in Leberspätzle-Suppe oder als Wälderleber verwendet. Einer der Hauptbestandteile im Vorarlberger Leberkäs ist zudem die Schweinsleber. Somit muss es sich bei diesen “Blunzenschnecken” (Matthias Franz Stein) tatsächlich um ein geheimes Rezept aus Egg handeln. Schliesslich habe ich dies nirgendwo bei den traditionellen Rezepten vorgefunden.
Man würde meinen, die beste Küche gebe es im Bregenzerwald nur in jenen Restaurants, in welchen ein Kaufmann oder eine Kaufmännin den Kochlöffel schwinkt. Doch ist für das Dessert zum typisch Bregenzerwälder Cappucino eine Frau Nussbaumer-Natter aus Hittisau zuständig. Sie kocht in dem ebenfalls mit zwei Gault Millau-Hauben und 15 von 20 Punkten ausgezeichneten Gasthof Krone in Hittisau. Selbstverständlich ist hier die typische Bregenzerwälder-Küche überall zu spüren. Das beweist das Gericht, das Gault Millau getestet und bewertet hat: Sülzchen von der Schweinshaxe, Schafskäseröllchen mit Rosmarin, Wolfsbarsch mit knackigem Tomaten-Risotto bzw. Lammnüsschen mit Créme-Polenta und Gemüse sowie Limoncello-Tiramisu. Auch die in der Sendung gezeigte “Bosnische Torte” wird zwar höchstwahrscheinlich bekannt sein, allerdings finden sich unter Bosnischer Nuss- oder Schokolade-Nuss-Torte eine Vielzahl an Rezepten im Internet – wie der Name schon sagt: Nicht unbedingt aus dem Bregenzerwald!
Nehmen wir Frau Karin Kaufmann mal aus dem Kochtopf heraus, so haben die Redaktion rund um Frau Angelika Doucha-Fasching (Magazin-Redaktion ORF Wien), Regisseur Thomas Knoglinger (freier Autor und Regisseur für den ORF Wien) und Satel-Film (TV-Produktionsfirma Wien) zwar unbestritten drei Vorzeigebetriebe ausgesucht und gefunden, die sicherlich sehr viele Ausgangsprodukte aus dem Bregenzerwald verwenden, jedoch in keinster Weise mit der wirklichen Kulinarik des Tales zu vergleichen sind. Bei der Recherche dürfte der ORF Wien auf die Plattform “Mundart-Restaurants Bregenzerwald” gestossen sein und hat dabei einfach drei Haubenrestaurants herausgegriffen! Zufällig auch zwei davon mit selben Namen geführt. Doch dominiert im Bregenzerwald nach wie vor die Wirtshaus-Kulinarik, die eine ausgezeichnete, jedoch bodenständige und somit rustikale Küche anbietet. Das Tal ist auch heute durch die Landwirtschaft geprägt, täglich pendeln ferner hunderte Arbeiter und Angestellte in den Wirtschaftsraum Rheintal! Wieviele dieser Menschen können sich mehrmals im Jahr ein Menü für 2 Personen für über 100,- € leisten??? Erschwerend hinzu kommt, dass durch die ORF-Filmförderung, dem Land Vorarlberg und der Tourismusregion Bregenzerwald auch Steuergelder für dieses Kaufmann-Festival geflossen sind! Interpretiere ich dies, so will man dadurch Hochpreisurlauber ansprechen – finanziert jedoch auch mit Euros aus der Mittel- und Unterschicht! Und – Vertreter dieser beiden Schichten müssen sich mit jenen Ausgangsprodukten zufrieden geben, die vermehrt aus dem benachbarten Deutschland herangekarrt werden. So wurden bereits Fleisch-LKW aus Ulm und Augsburg gesichtet.
Grundsätzlich habe ich nichts gegen solche Sendungen. Doch sollten ganz offiziell die Sponsoren genannt, von der Verwendung öffentlicher Gelder abgesehen und das Ganze als Dauerwerbesendung gekennzeichnet werden. Lieber ORF – nachdem es sich hier allerdings (dem Titel der Sendung entsprechend) um die lukullischen Gepflogenheiten eines Tales handelt, würde ich mal sagen: Thema verfehlt! Danke – setzen!

Quellen:

Österreichischer Rundfunk – “Aufgetischt im Bregenzerwald”
Gespräche mit Bregenzerwäldern
Traditionelle Küche – “Vorarlberg – Die besten Hausrezepte der Region” (Hubert Krenn VerlagsGesmbH.; 2012)

http://www.adler-schwarzenberg.at

http://www.hotelpostbezau.com/

http://www.fraukaufmann.at

http://www.krone-hittisau.at

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