Archive for Februar, 2014

Kuckuck! Nicht von mir?

Seitensprünge können oftmals fatale Folgen für alle Beteiligte haben. So haben Untersuchungen ergeben, dass der Mann beim Seitensprung wesentlich mehr Samenzellen im Ejakulat weitergibt als beim partnerschaftlichen Routinesex! Deshalb sollten sich beide Partner davor überlegen, ob sich das alles lohnt – oder nicht. Danach ist es meist zu spät, wie der folgende Fall zeigt, der an mich herangetragen wurde. Zum Schutz der Personen, sind Namen und Orte geändert worden.
Silvie und Charly aus Regensburg haben sich bei der Geburtstagsparty eines gemeinsamen Bekannten in den späten 90ern getroffen! Beide verstanden sich grossartig, trafen einander danach noch öfter, verliebten sich ineinander und heirateten drei Jahre später. Es war bis vor einigen Monaten eine sehr glückliche Beziehung. Viele aus ihrem Umfeld nahmen sich diese auch zum Vorbild für die eigene Partnerschaft. Doch vor einigen Monaten kam urplötzlich heraus, dass Charly nicht der leibliche Vater des bislang gemeinsamen Kindes Natalie ist. Es war ein mehr als dummes Versehen, das Licht in das Ganze brachte. Silvie war damals mit ihren Freundinnen beim Tanzen, es floss Alkohol, der Latino, mit dem sie die ganze Zeit über das Tanzbein schwang, hatte es ihr angetan. Es wurde ein Quickie im Auto. Charly aber wusste von all dem nichts – bis vor kurzem!
Leider nicht der einzige Fall. Mehr als bemitleidenswert auch jenes Schicksal eines Mannes in Niedersachsen. Nachdem die Ehe kaputt ging, zog die Frau zu ihrem neuen Freund. Drei Kinder waren von der Scheidung betroffen. Als beim Ex-Mann Zweifel aufkeimten, kam unglaubliches zum Vorschein: Alle drei Kinder stammten vom angeblich neuen Freund der Frau. Ihr Ex-Mann hatte über 15 Jahre hinweg bezahlt! Diese Auslagen wollte er zurück und ging sogar bis vor den Bundesgerichtshof, dessen Urteil (BGH Az.: XII ZR 144/06 ) ihm schliesslich recht gab!
Besonders schwierig wird es wohl dann, wenn eine Party recht ausschweifend vonstatten geht! Wie im Beispiel einer 17-jährigen, die nach einem Sexwettbewerb auf einer Party schwanger wurde – bei vier getesteten Männern (?!) verlief der Vaterschaftstest negativ! Wer ist nun der leibliche Vater? Oder jene Japanerin, die in der Schweiz verheiratet ist, jedoch mit einem griechischen Diplomaten ein Kind hat. Hierbei geht es um einen multinationalen Konflikt, da der Stammhalter per se auch die Staatsbürgerschaft des leiblichen Vaters “erbt”.
Ich habe schon einmal über die Problematik der Kuckuckskinder geschrieben – allerdings in einem anderen Zusammenhang, weshalb ich das Thema auch nur anschneiden konnte. Tatsächlich haben mich damals die Recherchen zu diesem Thema förmlich “vom Stuhl gehauen”! Nach aktuellen Untersuchungen ist jedes 10. Kind in Deutschland ein Kuckuckskind (Angaben: Interessensgemeinschaft für Abstammungsgutachten in Dortmund). In Österreich sind es rund 1.000 Frauen pro Jahr, die sich entweder irren oder absichtlich die Unwahrheit sagen (die Dunkelziffer liegt im Alpenstaat bei rund 8 %). Dabei spielt das Milieu keine Rolle – kommt auch in Königshäusern vor.
Kuckuckskind – also ein Kind, das in eine Familie hineingeboren wird, ohne dass der Familienvater auch der leibliche Vater ist. In Berlin könnte die Rate sogar bei jedem 5. Kind liegen! 25-40.000 Kinder, die nicht in’s Nest geboren sondern hineingelegt wurden! 800.000 Menschen in Deutschland!!! Unglaublich!!! Schauspielerin Liv Tyler etwa hat ihr tolles Aussehen nicht von ihrem vermeintlichen Vater Steven Tyler. Auch der dänische Regisseur Lars von Trier lebte bis zum Tode seiner Mutter mit einer Lüge! Die Tochter des Austrobarden Falco, Katharina Bianca, ist ebenfalls nicht vom – wie er glaubte – schärfsten Mann der Alpenrepublik. Obwohl die Ehe schon nach einem Jahr gescheitert ist, stand Falco bis zu seinem Tode zu seiner nicht-leiblichen Tochter, obwohl er nach einem Vaterschaftstest seit 1993 davon wusste.
Übrigens – die gesamte Problematik sollte nicht mit dem “Samenraub” gleichgestellt werden. Hier unterscheidet das Gesetz sehr wohl. Dabei kommt ein zumeist betuchter Mann zumeist nur einmal zum Zuge, um dadurch der Mutter ein finanziell unbeschwertes Leben zu ermöglichen. Hier sind sozusagen die Kinder nur Mittel zum Zweck – ein österreichischer Rechtsanwalt bezeichnete es mal recht treffend als “die Mutter als Inkassobüro”. Boris Becker etwa kann ein Lied davon singen. Solche Kinder werden wohl in den meisten Fällen nicht als Kuckuckskinder untergeschoben, da Unterhaltsprozesse mit Prominenten vornehmlich in der Öffentlichkeit ausgetragen werden, damit auch die anschliessende Story zu Gold wird..
Für den vermeintlichen Vater ist das alles natürlich doppelt schlimm. Einerseits wurde er mit dem Seitensprung bereits hintergangen, andererseits über Jahre hinweg angelogen bzw. im Unklaren gelassen. Zudem wurde über lange Zeit hinweg Unterhalt bezahlt. So kommen bis zum 18. Lebensjahr auch bei Geringverdiener schon mal 50.000 € zusammen. Muss der Betroffene dann noch Sprüche wie: “Er hat irgendwie eine Ähnlichkeit mit – ich kann’s derzeit nicht sagen mit wem!” oder “Ihre Augen – die kenn’ ich doch – nein, nicht von Dir!” hören, so kann das den stärksten Mann umhauen oder die beste Beziehung kippen lassen. Doch meist sind es Zufälle, die plötzlich Klarheit bringen: Blutspenden, Erbkrankheiten-Vorbeugung, Organspende,…
Der Mann tut sich bei solchen Seitensprüngen mit Folgen relativ einfach: Entweder er steht dazu, zahlt den Unterhalt für das Kind und macht es offiziell (oder auch nicht), oder er lehnt es ab und verhält sich somit wie ein asozialer, verantwortungsloser Bestandteil unserer Gesellschaft (um keine Schimpfworte zu gebrauchen). Die Frau hat es da schon wesentlich schwerer – v.a. wenn dies in einer Beziehung (nicht in einer offenen Beziehung) geschieht! Es ist der ureigenste Instinkt einer Mutter, zu ihrem Nachwuchs zu stehen, ihn zu umsorgen und gross zu ziehen. Ausserdem ist die Schwangerschaft ja durchaus zu sehen.
Was steckt nun dahinter, dass eine Frau ihren Weg verlässt? Ist es Abenteuerlust? Jagd-Halali? Das Gefühl, etwas verpasst zu haben? Die Möglichkeit des Vergleichs? Oder ist es tatsächlich der Instinkt der Natur, über den ich damals geschrieben habe: Ein gesunder Mann mit gesunden Genen für die Fortpflanzung, für das Leben jedoch ein Mann, der ein gutes Heim bieten kann!? In dem Grossteil der Fälle ist beides nicht in einer Person vereint. Ich als Mann tu mir da etwas schwer, dies zu verstehen. Einzig – Seitensprünge gibt es dann, wenn in der Beziehung etwas nicht funktioniert, also einer der Partner nicht ganz zufrieden ist. Das kann bewusst oder unbewusst geschehen. Deshalb denke ich, dass eine Partnerschaft nicht nur aus Liebe und Sex besteht, sondern auch aus dem Verstehen des anderen besteht! Die andere Möglichkeit: Einer der beiden ist ein perfekter Vollpfosten!
So lange nun eine Beziehung funktioniert, so lange kommen meist auch keine Vermutungen auf. Erst wenn etwas in der Partnerschaft nicht mehr stimmt. Dann fängt man an zu grübeln: Was wäre, wenn…? In diesem Zusammenhang stiess ich kürzlich auf einen coolen Spruch (in Anlehnung an das damalige Motto betreffs AIDS): “Wenn eine Frau ihren Mann wirklich liebt, schenkt sie ihm einen Vaterschaftstest!” Das Geschäft mit den Chromosomen-Analysen boomt. Verantwortlich dafür zeichnet das “Gesetz zur Klärung der Vaterschaft unabhängig vom Anfechtungsverfahren” (April 2008). Damit bedarf es zwar keiner Einwilligung der Mutter oder des bereits volljährigen Kindes mehr, jedoch muss ein Gericht dies beauftragen. Für weniger als 160,- € ist Mann bereits dabei und kann sein Gewissen beruhigen. Für die gerichtliche Gültigkeit müssen die Tests offiziell validiert werden. Interessant ist übrigens, dass in Deutschland bei freiwilligen Tests beide zu Prüfenden mit der Analyse einverstanden sein müssen. Seit 01.02.2010 sind heimlich durchgeführte Tests in deutschen Landen gar strafbar (Gendiagnostikgesetz 2009). In Österreich ist dies nicht der Fall. Doch ist Vorsicht geboten: Ein deutscher Bundesbürger kann unter Umständen sogar für einen heimlichen Test, der im Ausland absolviert wurde, mit einer recht hohen Geldstrafe belegt werden (bis zu 5.000 €). Um auch wirklich über jeden Zweifel erhaben zu sein, sollte die Probenentnahme vor einem neutralen, sachkundigen Zeugen wie etwa einem Arzt erfolgen. Ein Test unter Einbeziehung der Kindsmutter ist übrigens um 1000mal genauer, aber nicht notwendig. Pro Jahr werden schätzungsweise rund 40 bis 50.000 Vaterschaftstests in Deutschland durchgeführt, 10-15.000 von Gerichten beauftragt. Ein Gericht kann einen entsprechenden Antrag eines Familienvaters eigentlich nur dann ablehnen, wenn das Wohl eines minderjährigen Kindes dadurch gefährdet werden kann. In der Regel werden Tests zugelassen. Die Trefferquote liegt bei rund 20 %, in Österreich gar bei 25 %.
Was geschieht nun, wenn ein solcher Test tatsächlich der Vermutung entspricht? Die Reaktion der Väter ist unterschiedlich. Viele fordern im Rahmen einer “Vaterschaftsanfechtungsklage” (nur bis zu 2 Jahre nach Bekanntwerden des Umstandes/in Österreich nach §1042 ABGB max. 3 Jahre) ein Erlöschen der Vaterschaft, brechen die Beziehung zu Mutter und Kind komplett ab und verlangen eine Rückforderung des geleisteten Ziehgeldes vom leiblichen Vater (“Scheinvaterregress”). Schwieriger aber wird es, wenn die Frau den leiblichen Vater nicht bekanntgeben will. In einer solchen Causa verhängte der Bundesgerichtshof auch schon mal die Zwangshaft (BGH XII ZR 136/09), damit der Auskunftsanspruch erfüllt werden kann. Das Gericht stellt damit den Anspruch des Mannes auf effektiven Rechtsschutz (Art. 20 Abs. 3 i.V.m. Art. 2 Abs. 1 GG) zur Durchsetzung seines Unterhaltsregresses nach erfolgreicher Vaterschaftsanfechtung über das Persönlichkeitsrecht der Mutter. Auch die Rückforderung des Unterhaltes durch die Frau ist zumindest rechtlich gesehen möglich. So ist bei einem nachgewiesenen Ehebruch die Frau nach deutschem Gesetz schadensersatzrechtlich haftbar. Bei unehelich geborenen Kuckuckskindern muss die Wahrheitswidrigkeit nachgewiesen werden. Beispielsweise dadurch, dass die Frau während der Zeit der Empfängnis nur mit dem leiblichen Vater geschlechtlich aktiv war! Das ist in der Praxis recht schwer bis gar unmöglich!
Etwas diffiziler gestaltet sich eine Vaterschaftsanfechtung für den biologischen Vater von aussen. Hier zielt die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EuGMR) sowie auch die Meinung nationaler Verfassungsrichter auf den Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention – das Recht auf Familie. Deshalb werden derartige Klagen zumeist abgelehnt – sofern die Familie intakt ist.
Mit einem Urteilsspruch einher gehen auch all die Rechte und Pflichten. So verliert das Kind beispielsweise den Unterhaltsanspruch und die Mitversicherung sowie die gesetzliche Erbfolge. Andere Männer wiederum möchten auch weiterhin Vater bleiben – hier ist die Beziehung intensiviert. Sicherlich bedarf es hierfür einer grossen geistigen Kraft. Denn sie müssen mit dem Gefühl weiterleben, ein Leben lang betrogen worden zu sein. Beide Typen gehen – so oder so – als Verlierer vom Platz! Doch sollte eines nicht vergessen werden: Die Kinder können nichts dafür – sie trifft keine Schuld! Und auch sie müssen erstmal verkraften, dass sie eigentlich vom Milchmann abstammen! Das bleibt ein Leben lang im Kopf!!!
Zuletzt noch eine nette Annekdote: Als ich zwei Bekannten diese Woche das Thema das Blogs verriet, meinte die eine: “Ich weiss, dass ich vom Briefträger bin!” Wir müssen wohl sehr verdutzt geschaut haben, weshalb sie sich beeilte zu erwähnen: “Mein Vater arbeitet bei der Post!!

Literaturhinweis:
“Kuckuckskinder, Kuckuckseltern”; Simone Schmollack; 240 Seiten, Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf; ISBN 978-3-89602-817-4

Links:

http://kuckucksvater.wordpress.com/

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Wenn der Atem stockt

Während meiner Tage in Wien habe ich einst ein Lokal an der Uni besucht. Obwohl ich selbst rauche, ist mir der blaue Dunst auf der Galerie oben dann doch etwas zu dick geworden. Ich wollte mich kurz zum Frischluftschnappen auf die Strasse begeben. Doch dort blieb mir zum zweiten Mal in meinem Leben der Atem stecken (das erste Mal war scharfer Senf und frisch geriebener Kren dafür verantwortlich). Schuld an dieser Misere war eine stark befahrene Strasse und ein lauer, aber windstiller Sommerabend. Die Luft war zum Schneiden; nachdem ich Erstickungserscheinungen und starken Husten bekam, ging ich wieder zurück in’s Lokal, wo es alsdann bald wieder besser wurde.
Der Volksmund spricht hierbei von “Smog”. Die Abgase der Fahrzeuge, gepaart mit Hausbrand bzw. Industrie-Rückstände und einer Inversionswetterlage. Immer mehr Einwohner der Städte sind hiervon betroffen. Solche schadstoffhaltige Luft zählt zu den Umweltfaktoren, die inzwischen für 25 % der Krankheits- und 20 % der Todesfälle hierzulande verantwortlich zeichnen. Neueste Immissions-Messungen zeigen auf, dass der Feinstaubanteil in der Luft, der etwa durch Hausbrand oder Dieselmotoren verursacht wird, abnimmt. Er liegt in den meisten Städten zwar unter dem Grenzwert – jedoch nach wie vor gesundheitsschädigend hoch. Alarmierend hingegen ist der Stickoxid-Gehalt. Hierbei werden die Grenzwerte sehr häufig überschritten, warnt auch die Weltgesundheitsorganisation WHO.

http://www.wetter.info/umweltwetter/luftqualitaet/deutschland/17745468″

Otto Normalverbraucher versteht unter den Stickoxiden alle stickstoffhaltigen Oxide (NOx), der Experte allerdings spricht von Stickoxiden, nitrosen Gasen und Stickstoffoxiden – je nachdem, welche Verbindung der Stickstoff mit dem Sauerstoff eingeht (etwa Stickstoffmonoxid, Stickstoffdioxid, Distickstofftetroxid,…). Zu sehr möchte ich heute aber nicht in’s Detail gehen. Stickstoffoxide entstehen durch Energiezufuhr, meist durch Verbrennung. In Verbindung mit Wasser wirken sie säurebildend, was in den 80er Jahren auch für das riesige Waldsterben verantwortlich zeichnete (saurer Regen). In der Atmosphäre sind die NOx als Treibhausgas und Ozonkiller (v.a. das Lachgas) bekannt. Auch im menschlichen Körper sind solche Stickoxide enthalten – so etwa als Stickstoffmonoxid, das als Botenstoff zur Verwendung gelangt und in der Therapie gegen Angina Pectoris gebraucht wird. Jene Gase, die uns heute etwas näher interessieren sollen, sind die nitrosen Gase, also die Mischung aus Stickstoffmono- und -dioxid (NO bzw. NO2). Sie entstehen bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe, wie Öl oder auch Kohle (95 % NO und 5 % NO2), aber auch bei Holzheizungen. Diese Gase sind deshalb dermassen gefährlich, da sie bis zu 24 Stunden nach Einatmung noch reagieren können. Sie führen zu Lungenödemen und bei Männern auch schon mal zu Impotenz bei häufigerem Ausgesetztsein. NOx werden bei grösseren Feuerungsanlagen entweder durch das SCR-Verfahren (“selective catalytic reduction”) oder durch das SNCR-Verfahren (das selektive nicht-katalytische Reduktionsverfahren beruht auf dem Einsatz von Harnstoff) herausgefiltert – beim Hausbrand gelangen sie ungefiltert in die Luft. Im Strassenverkehr sollten sie ebenfalls durch die Katalysatoren herausgefiltert werden.
Der Feinstaub ist ein Teil des Schwebstaubs in der Luft. Definiert wird er durch den “National Air Quality Standard for Particulate Matter”, bei uns bekannt als PM-Standard. PM2,5 beispielsweise steht für Teilchen mit einem aerodynamischen Durchmesser von gerade mal 2,5 Mikrometer. Für viele ist dies die kleinste Partikelgrösse für Feinstaub – danach ist von “Feinststaub” oder gar dem “Ultrafeinstaub” die Rede. Grössere Staubpartikel (> 10 Mikrometer) werden zumeist durch die Nasenhärchen oder die Schleimhäute bereits in den oberen Atemwegen zurückgehalten – Feinstaub jedoch bzw. Teile davon landet in der Lunge, er wird inhaliert. Je kleiner nun die Partikel, desto gefährlicher sind sie für den Menschen – die Grösse und Form hängt von deren Quelle ab! Feinstaub kann durch etwa die Verwitterung von Gestein bzw. auch durch Pollen entstehen, oder durch Menschen verursacht (Industrie, Verkehr, Hausbrand und Tierhaltung). Um aufzuzeigen, von welcher Grössenordnung wir hierbei sprechen: Nach einer (unvollständigen) Untersuchung des Bundesumweltministeriums wurden im Jahr 2001 alleine in Deutschland nicht weniger als 205.000 Tonnen Feinstaub in die Luft geblasen. Die Partikel lagern sich in den Alveolen (Lungenbläschen) ab und können häufig dort auch nicht mehr entfernt werden – es kommt zu einer Staublunge und Adenokarzinomen (Lungenkrebs). Ultrafeiner Staub gelangt allerdings auf diese Weise in’s Blut. Allergien, asthmatische Anfälle, Atemschwierigkeiten und Lungenkrebs können die Folge davon sein. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Funktionsstörungen des Gehirns und Untergewicht bei Frischgeborenen stehen ebenfalls in diesem Zusammenhang oder werden zumindest diskutiert. Abgesehen davon, dass auch Schwermetalle wie Quecksilber oder Blei auf diese Art in den Körper kommen können. Der WHO-Grenzwert liegt im Jahresmittel bei 20 Mikrogramm PM 10 bzw. bei 10 Mikrogramm PM 2,5 pro Kubikmeter Luft. Die sind jedoch die medizinischen Grenzwerte! Seit 2005 liegt der EU-Grenzwert bei 50 Mikrogramm PM10, der aber 35mal im Jahr überschritten werden darf. Für PM2,5 gibt es hier noch gar keine Grenzwerte. In der Schweiz gelten schon seit 1998 20 Mikrogramm PM10 pro Kubikmeter Luft – dieser Tagesmittelwert darf nur einmal im Jahr überschritten werden!!!! Nettes Detail am Rande: Die deutsche Citymaut für die Innenstädte hat zwar zu einer Reduktion des Verkehrs, nicht aber des Feinstaubs geführt.

http://www.umweltbundesamt.de/themen/luft/luftschadstoffe/feinstaub/umweltzonen-in-deutschland”

So liegt die Partikelkonzentration im städtischen Bereich bei 5-50.000 pro Kubikzentimeter Luft. An einer stark befahrenen Strasse im Ruhrgebiet wurden beispielsweise 25.000 Feinstaubpartikel gemessen. Die meisten Grenzwertübertretungen gibt es im Raum Stuttgart (Deutschland) bzw. im Raum Graz (Österreich). Untersuchungen haben ergeben, dass PM2,5-Partikel über bis zu 1.000 km transportiert werden können und wochenlang in der Luft bleiben. Perfekt war dies erst kürzlichst zu sehen, als feinster Sahara-Sand wieder bis nach Europa geblasen wurde und hier ocker- bis orangefarbene Spuren hinterliess.
Für die Fachleute unter Ihnen – die Sinkgeschwindigkeit errechnet sich wie folgt:

u={\frac {d^{2}\cdot \Delta \rho \cdot g}{18\cdot \eta }}
(Sinkgeschwindigkeit u, Partikeldurchmesser d, Dichtedifferenz \Delta \rho , Fallbeschleunigung g, Luftviskosität \eta )

Doch – wie etwa die Mailänder Studie 2004 aufzeigte, ist gerade auch Zigarettenrauch in geschlossenen Räumen extrem gefährlich. In dieser Studie gelangten nahezu rund 10 x so viele Feinstaubpartikel in die Luft, wie im Vergleich dazu ein Ford Mondeo Turbodiesel im Leerlauf ausgeschieden hat. Allerdings ist dieses Fahrzeug abgasreduziert – bei einem normalen Dieselmotor gestalten sich diese Verhältnisse in direkter Weise konträr. Die Studie allerdings gilt als wissenschaftlich nicht unbedingt messgenau! So pervers es klingen mag: Feinstaub kann auch für gesundheitsfördernde Therapien verwendet werden. So bauen etwa Kuren in Seebädern auf dem Salzgehalt in der Luft auf, der besonders bei Erkrankungen der Atemwege sehr positiv sein kann.
China hat nun an den Folgen des rasanten Wirtschaftswachstums ohne Nachhaltigkeit zu kämpfen. In vielen Städten kann man sich nurmehr mit Mundschutz auf die Strassen wagen; die Hauptstadt Peking ist gar für “Menschen kaum bewohnbar”. Zu diesem Resultat kommen Wissenschaftler der Akademie für Sozialwissenschaften aus Shanghai und des Sozialwissenschaftlichen Akademischen Verlags in ihrer soeben veröffentlichten Studie. Peinlich dabei ist v.a. die Tatsache, dass die Messung von der Regierung selbst in Auftrag gegeben wurde. Diese hatte es auch urplötzlich sehr eilig und hat durch das Informationsbüro des Staatsrates alle entsprechenden Meldungen der Zensur unterworfen. Des Übels Kern ist der Feinstaub. Er entsteht durch die Verwendung vornehmlich der billigen Braunkohle. Und ein Ende scheint noch in weiter Ferne, soll der Kohleverbrauch doch noch bis zumindest 2020 weiterhin ansteigen. Den Bewohnern hingegen wird gut zugeredet. So schrieb etwa die Partei in der Global Times, dass durch diesen Nebel Lenkwaffen ihr Ziel verfehlen können – hat also durchaus etwas positives! Zudem sei es ja um das kulturelle und geistige Leben in Peking sehr gut bestellt. Auch wenn die Menschen an Atemwegs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen verstorben sind – Geist und Kultur leben weiter! Gut oder schlecht??? In den Regierungspalästen wird inzwischen versprochen, Milliarden Dollar einsetzen zu wollen. Den 300 ärgsten Umweltsündern soll noch in diesem Jahr der Garaus gemacht werden. Ich denke, der Zug ist bereits abgefahren. Die Stadt sollte zum grössten Lungen-Sanatorium der Welt umfunktioniert werden. Schliesslich lag beispielsweise vor einigen Tagen die Feinstaubbelastung in der Stadt bei 464 Mikrogramm pro Kubikmeter!
310.000 Menschen sterben europaweit direkt oder indirekt an den Folgen von Feinstaub – jedes Jahr. Soweit das Ergebnis einer Studie der EU. Andere Untersuchungen (etwa durch die WHO oder die Universität München) gehen in Deutschland von einer Lebensverkürzung von ganzen 10,2 Monaten aus! Werden die Stickoxide und das Ozon mit einbezogen, so bedeutet dies minus 1 Jahr pro Menschenleben! Diese Studien haben u.a. auch aufgezeigt, dass das Leben mit der Luftverschmutzung bereits unter den durch die WHO festgelegten Grenzwerten gefährlich ist.
Wer jedoch meinen sollte, dass es auf dem Land besser sei, der täuscht sich. Leider! Aufgrund der Intensivlandwirtschaft und der Ausbringung von Gülle und Mist ist es hier vornehmlich Ammoniak, das mit jedem Atemzug tief inhaliert wird. Ammoniak kann sehr rasch lebensgefährlich werden (ab einer Konzentration von ca. 1700 ppm – 1 ppm ist 1 g auf 1.000 kg bzw. m³ bei 20 Grad C und 1,013 bar) – durch den üblen Geruch jedoch sind Ammoniak-Vergiftungen relativ selten. Das Gas reagiert nämlich sehr rasch mit Wasser – auch jenem der Schleimhäute und wirkt dadurch stark ätzend. Die Palette der Schädigungen ist weitreichend: Lungen- und Kehlkopfödeme, Pneumonitis bis hin zum Atemstillstand. Tritt Ammoniak in das Blut über, so führt dies zu starken Beeinflussungen des zentralen Nervensystems mit Störungen etwa in der Wahrnehmung, Koma und Tod. Medizinisch noch nicht ganz erforscht, greift Ammoniak offenbar die Astrozyten im Gehirn an, wobei anscheinend das Kalium durch Ammonium ersetzt wird, was den Zelltod zur Folge hat. Bei längerer Aussetzungsdauer kann das Einatmen von Ammoniak auch zu Atemnot, Bronchialastjma und Husten führen.
Zu diesen drei Faktoren kommen noch unzählige weitere Gase wie etwa Schwefeldioxid, Kohlendioxid, Methan,… Wen es interessiert, kann sich die EU-Grenzwerte gerne anschauen und vergleichen. Sie sind enthalten beispielsweise in der Richtlinie 99/30/EG und können unter

http://www.lfu.bayern.de/luft/doc/immissionsgrenzwerte.pdf”

mit den anderen Grenzwerten verglichen werden.
Ich möchte diesen Blog heute mit einer Frage beenden: Bei all dem würde es mich doch sehr interessieren, ob heutzutage überhaupt noch von “Luftkurorten” gesprochen werden kann. Oder muss ich hierfür auf bis zu 3.000

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Stromtrassen – Highways des Hasses!

Als die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Supergau von Fukushima eine 180-Grad-Wende vollzog und plötzlich meinte, dass es auch ohne Kernkraft funktionieren sollte, wusste sie wohl noch nicht, welche Anstrengungen damit verbunden sein würden. Schliesslich galt es nicht nur, die Kapazität der AKWs auf erneuerbare Energien wie Wind, Sonne oder Wasserkraft umzulegen, sondern auch die dadurch benachteiligten Regionen nicht verkümmern zu lassen. Schliesslich haben die Energieriesen zwar ein Netz aufgebaut, allerdings wurde der Strom zumeist dort verbraucht, wo er auch produziert worden ist. So sind etwa Bayern und Baden-Württemberg nach wie vor zu rund 60 % vom Atomstrom abhängig. Welche Gefahren zudem ein solches länderübergreifendes Leitungsnetz haben kann, wurde spätestens 2006 bewusst: Nachdem E.on ein Hochspannungskabel über der Ems ausgeschaltet hatte, damit das Luxus-Kreuzfahrtschiff “Norwegian Pearl” passieren konnte, wurde das restliche nordwestdeutsche Netz offenbar dermassen überlastet, dass es zusammenbrach. In West- und Südeuropa kam es zum teilweisen Stillstand des Bahnverkehrs, die Strassenbeleuchtung fiel aus, Menschen blieben in den Aufzügen stecken und die Familie Schmidt zelebrierte ein Candlelight-Dinner. 10 Mio Menschen waren von diesem Ausfall in Deutschland, Frankreich, Belgien, Österreich, Italien und Spanien betroffen.
Nun gut – erfreulich ist es zu sehen, dass inzwischen gigantische Wind- und Sonnenparks entstehen, welche die bislang ungenutzte Energie der Natur verwenden, um damit Haushalte und Unternehmen mit Elektrizität zu versorgen. Fakt ist, dass die Atomlobby in der Vergangenheit zu mächtig auftrat. Atomstrom ist günstig – die Entsorgung der Abfälle übernimmt dann ohnedies der Steuerzahler, sodass billig verkauft werden kann. Deshalb wurden solch kostenaufwendige Projekte stets nach hinten verschoben – auch etwaige Probleme vielleicht aufgeworfen, jedoch dann gleich wieder verschmissen. So beschloss beispielsweise die grosse Koaltion bereits 2009 den Bau eines vorrangigen Netzes. Allerdings wurden bis Ende 2013 gerade mal 250 von 1.834 geplanten Kilometern gebaut. Anderes Beispiel: Zwischen dem Umspannwerk Görries bei Schwerin und dem Hauptabspannwerk Krümmel in Hamburg entstand eine 88 km lange “Windsammelschiene”. Während jener Teil in Mecklenburg-Vorpommern bereits 2010 fertiggestellt war, hingen auf den letzten 20 Kilometern an den Strommasten in Schleswig Holstein noch 2012 keine Kabel. Diskutiert wurde das Projekt allerdings bereits zehn Jahren zuvor! Ok – fairerweise muss erwähnt werden, dass nicht alles unbedingt auf den Schreibtischen der Politiker und Beamten liegen bleibt. Bei diesem Projekt musste der Betreiber 50Hertz garantieren, dass für jeden gefällten Baum drei neue eingepflanzt, die geschützte Haselmaus umgesiedelt und keine Fledermäuse-Nist- oder Schlafplätze zunichte gemacht werden. Auch die Notrufsäulen der Autobahnen waren gefährdet, da in diesen Leitungen Überladungen hätten stattfinden können. Hier mussten die Kabel getauscht werden.
Nichtsdestotrotz – es geht zu langsam! Ergo: Jetzt herrscht grosses Wehklagen. Schliesslich soll sich der Anteil aus Biomasse, Sonne, Wind und Wasser bis 2020 auf mindestens 35 % steigern. Die letzten AKWs (Emsland, Neckarwestheim, Isar/Ohu 2) werden zudem Ende 2022 abgeschaltet. Jetzt wartet die grosse Arbeit: Grundbesitzer müssen überzeugt oder abgelöst, geeignete Standorte zudem erstmal gefunden werden, denn was nutzt mir ein Windkraftwerk, wenn 350 Tage im Jahr Flaute herrscht oder der Photovoltaik-Garten zumeist im Schatten steht. Und – wie wird der Strom weitergeleitet? Diese Frage sorgt derzeit für die wohl heftigsten Diskussionen. Und das nicht nur an den Stammtischen. Experten sprechen von einer riesigen Stromtrasse, die den Windstrom der Offshore-Kraftwerke in der Ost- und Nordsee nach Süden bringt. Dort bläst zwar auch der Föhn – doch ist dies nicht wirklich ausreichend. Gehen wir deshalb in medias res!
Alleine in der Nordsee sollen in den kommenden zehn Jahren Windparks mit der Leistung von sechs AKWs entstehen. Diese sind auch dringend notwendig, da im selben Zeitraum im Süden Deutschlands sechs AKWs vom Netz genommen werden sollen. Im Alpenraum und dem Alpenvorland wird gegenwärtig viel mit Solarstrom ausgeglichen. Doch – was geschieht in der Nacht bzw. im Winter? Wie der Windpark bei Memmingen zeigt, kann dabei nicht wirklich auf die Windkraft vorort gesetzt werden, da für die Windräder einfach zu wenig Puste da ist. Das aber ist im Norden und hier v.a. vor der Küste anders. Hier weht immer eine steife Brise. Optimale Produktionsvoraussetzungen! Für die Weiterleitung des Wind-Stromes soll alsdann eine gigantische Hochspannungstrasse entstehen. Fünf Bundesländer werden durchzogen, 2.800 km Leitungen sollen bis 2022 verlegt, weitere 3.000 km optimiert werden! Die Kosten belaufen sich auf rund 20 Milliarden Euro. Hinzu kommen noch die Kosten für die Seeleitungen in etwa derselben Höhe. Das muss selbstverständlich der Verbraucher bezahlen. Die sog. “Netzumlage” beläuft sich auf derzeit rund 1/4 des Kilowattpreises. In Berlin spricht man von der “Hauptschlagader der Energiewende”, damit Herr und Frau Müller in Überlingen auch weiterhin durch einen Klick auf einen Schalter Licht im Wohnzimmer haben. Im Vergleich dazu umfasst nach Angaben der Bundesnetzagentur das derzeitige Stromnetz 1,74 Mio km. Erstmals wird für den Transport im grossen Stil die “HGÜ-Technik” (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) mit 380 kV zum Einsatz kommen, auf 1.700 km wird noch auf die klassische Wechselstrom-Weitergabe gesetzt. Für dieses Mega-Projekt nun gibt es zwei Möglichkeiten:

1.) Die oberirdische Leitungsführung
Der Vorteil liegt darin, dass weniger Ablösen oder Enteignungen gemacht werden müssen. Die Stahlmasten haben eine Höhe von durchschnittlich 50 bis 75 m. Der Nachteil ist hingegen, dass aufwendige Wartungsarbeiten durchgeführt werden müssen. Bäume oder Eis können die Leitungen brechen. Zudem ist das Netz sehr anfällig gegenüber Blitzschlag.
2.) Die unterirdische Leitungsführung
Im Boden vergraben haben jene Regionen, die nicht mehr auf eine oberirdische Leitungsführung angewiesen sind, noch Strom, wenn die anderen bereits im Dunkeln sitzen. Zudem muss die Trasse nicht dermassen breit geführt werden. Nachteilig ist jedoch die Erwärmung des Bodens durch das Elektro-Magnetfeld (um rund 5 Grad – hier aber fehlen noch die Erfahrungswerte). Dies führt zu einer Austrocknung und Ernteausfall. Ausserdem sprengen die Bauarbeiten die Kosten. Hier müssten ähnliche Planungen und Arbeiten wie für den Strassenbau gemacht werden. Zudem müssten an den sog. “Muffen”, also den Verbindungen der einzelnen Kabel jeweils nach 50-70 Meter ein Zugang (Häuschen) errichtet werden, damit bei Schäden solche Verbindungen repariert oder unterbrochen werden können. Auch Wartungen bei Kurzschlüssen beispielsweise sind stets verbunden mit Grabungsarbeiten.

Der Netzbetreiber Amprion beziffert den Bau eines Kilometers Freileitung mit 1,5 Mio €, Erdleitung jedoch mit 10 Millionen! Beides führt zu teils heftigen Reaktionen. Einerseits soll die Umgebung durch Hochspannungsmasten nicht verschandelt werden, andererseits sollen möglichst wenige Grundbesitzer abgelöst oder enteignet werden. Ausserdem können die Magnetfelder beider Lösungen das menschliche Leben beeinflussen. Etwa bei Personen mit Herzschrittmachern oder Hörgeräten! Was also tun? In Berlin ist man sich indes einig: Zuerst muss ein neues Gesetz geschaffen werden, das die rechtliche Grundlage für all das darstellt! Derzeit zerbrechen sich viele gewiefte Juristen den Kopf über das seit 2011 geltende “Netzausbau-Beschleunigungsgesetz” und den “Bundesbedarfsplan”, der bis Ende des Jahres durch den Bundestag verabschiedet werden soll. Und gerade dies bringt die Volksseele aber sowas von zum Kochen! Schliesslich sind beide Trassenmöglichkeiten mehr als unpopuläre Massnahmen. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat sich inzwischen gegen eine Trassenführung durch den Freistaat ausgesprochen – glatt hat er einen neuen Spitznamen weg: Popu-Horsti! Aber auch andernorts haben sich die Kommunal- und Regional-Volksvertreter ihrer ursprünglichen hehren Aufgabe nämlich das Volk zu vertreten, rückbesonnen und sprechen sich ebenso gegen eine solche Trasse aus. Doch: Wie soll dann das edle Gut in den Süden gelangen??? Enteignungen sind – auch bei Grossprojekten – zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen weniger gern gesehene Massnahmen, da mitunter sehr unpopulär. Artikel 14 des Grundgesetzes garantiert zwar das Eigentum – allerdings können Enteignungen zum Allgemeinwohl mittels Geldablöse durchgeführt werden. Betrifft dies nun offenes Land, ist es zwar bitter, aber verkraftbar. Führt allerdings die Stromtrasse genau durch Wohngebiet, dann stösst es sehr vielen sauer auf. Also wird stets versucht, ein Konsens zu finden. Doch dieses Mal wird dies nicht so einfach sein. Manche Politiker sprechen inzwischen bereits von offen gezeigten Wutausbrüchen der Bevölkerung.
Anlass dafür war die Präsentation der ersten Teilstücke der Stromautobahn “Südlink”. Die erste Autobahn führt von Kaltenkirchen (Schleswig Holstein) über 800 km nach Grafenrheinfeld (Bayern); die zweite Trasse von Brunsbüttel (Schleswig Holstein) nach Großgartach (BW); die dritte von Emden (Niedersachsen) über Osterath (NRW) bis nach Phillipsburg (Baden-Württemberg) und die vierte von Wehrendorf (Niedersachsen) nach Urberach (Hessen). Die Grobkorridore haben derzeit eine Breite von 15 Kilometern. Damit könnten Dörfer, Krankenhäuser, Naturschutzgebiete etc. umgangen werden.
Die Betreiber Amprion, Tennet, TransnetBW und 50Hertz hatten sich Unmut erwartet. Deshalb wurden die Ausbaupläne auch gestutzt. Aus 70 wurden 49 und zwei Seekabel gemacht. Allerdings bläst den Betreibern nach wie vor rauhester Seewind entgegen. Bis zum 10. Juli können Einwände eingebracht werden. Allerorts formieren sich inzwischen die Gegner und gründen Initiativgruppen.
Fakt ist, dass der Stromverbrauch leider nicht zurückgeht. Die Energiewende kann nur funktionieren, wenn jeder mitdenkt und spart! Denn – wie heisst es bei Amprion: “Wenn (das AKW) Philippsburg vom Netz geht, muss diese Leitung laufen!” Dieses Kernkraftwerk läuft noch einige Jahre – eilig haben es die Bayern, da 2015 Grafenrheinfeld dicht gemacht wird. Experten nun betonen: Je grösser das Netz, desto einfacher kann der Strom auch dorthin fliessen, wo er gerade gebraucht wird.

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Nein zu Haiabschuss in Australien

Ich geb’s ja gerne zu: Als ich diese Nachricht gelesen habe, musste ist mehr als nur schmunzeln: Ein Neuseeländer näht sich nach einer Haiattacke selbst die Wunde zu und geht danach auf ein Bier! Doch leider versteckt sich hinter diesem News-Flash bitterster Ernst. Oftmals ist es gefährlicher menschlicher Leichtsinn, der solche Haiattacken provoziert:

In Australien wurden vor rund 14 Tagen durch die Regierung Hai-Abschussgebiete eingerichtet. Insgesamt acht Stück an der Zahl. Die blutrünstigen Räuber der Weltmeere werden hier mit Ködern an Haken, befestigt an Leinen und Bojen angelockt. Nachdem sie zugebíssen haben, können sie sich nicht mehr selbst befreien. Haben sie eine Körperlänge von zumindest 3 Metern, dürfen sie getötet werden – allerdings verbluten davor auch sehr viele Jungtiere. Vollkommen egal, ob dies nun ein Tiger-, ein Bullen- oder ein geschützter Weisser Hai ist, für den Menschen gefährlich oder harmlos. Apropos geschützt: Bereits elf Arten (Düsterer Hai, Gangeshai, Großflossen- oder Sandbankhai, Heringshai, Riesenhai, Sandtiger, Schokoladenhai, Schwarzspitzenhai, Sechskiemenhai, Walhai und der Weiße Hai) stehen auf der roten Liste der aussterbenden Tierarten. Weitere 70 gelten als gefährdet. Die meisten Haie verenden durch die Langleinenfischerei im Pazifik.
Durch diese derzeitige Massnahme sollen beliebte Bade- und Surfstrände haifrei gemacht werden. Dies allerdings bezweifeln die Kritiker. Durch die blutigen Köder werden immer mehr Haie angelockt. Auch Fischschwärme, die von Haien verfolgt werden. Bis Ende April soll sich dieses Szenario ziehen. Politiker, wie etwa auch der westaustralische Minister Colin Barnett versuchen ihre Weste weiss zu halten: Der Schutz des Menschen gehe vor – auch wenn er das sog. “Culling” nicht für gut heisse. Rund 80 % der australischen Bevölkerung hat sich nach Umfragen gegen diese Massnahme ausgesprochen.
Keine Frage, Haie gehören zu den gefährlichsten Räubern der Weltmeere. Wittern sie Blut, verfallen sie in einen Rauschzustand und fressen alles, was sich ihnen in den Weg stellt – auch Artgenossen! Es gehört zu den Grenzerlebnissen eines Menschen in einem Haikäfig diesem Tier Aug in Aug gegenüberzustehen. In den letzten beiden Jahren wurden an westaustralischen Stränden sechs Menschen durch Haie getötet. Jedes Jahr erreichen zwischen 50 bis 80 Anzeigen zu Haiattacken das “International Shark Attack File” (ISAF), ein weltweites Sammelregister. Fünf bis 15 davon enden tödlich. Dabei hat es das blutrünstigste Tier, der bis zu acht Meter lange Weisse Hai, eigentlich primär gar nicht auf den Menschen abgesehen – in Ermangelung von Futter jedoch… Sicherlich sollte dies nicht verharmlost werden. Doch im Vergleich dazu starben alleine im Jahr 2000 150 Menschen durch herabfallende Kokosnüsse. Käme man nun auf die Idee, jede Palme, unter der man es sich gemütlich machen kann, deshalb abzusägen? Millionen Menschen baden jeden Tag in den Ozeanen dieser Welt. 44 von 460 Haiarten können für den Menschen gefährlich werden. Darunter der gemeine Grundhai, diverse Riffhaie, der Bullenhai, der Tigerhai – und der Weisse Hai.
In diesen Tagen demonstrierten tausende Menschen gegen diesen Regierungsentscheid und den damit verbundenen massiven Eingriff in das maritime Ökosystem. Am Manly Beach bei Sydney waren es rund 2.000, am Cottesloe Beach bei Perth etwa 6.000. Hier hatte sich auch eine Aktivistin an ein Fischerboot gekettet, das solche Köder an Bord hatte. Sie wollte den Kutter am Auslaufen hindern. Doch es waren nicht nur Umwelt- oder Tierschützer, sondern auch Schwimmer, Taucher, Schnorchler und Surfer. Sie fordern allesamt, dass an den Schulen das richtige Verhalten in solchen Haigebieten unterrichtet werden solle, anstatt die Tiere nun massenweise zu töten. Promis – wie etwa der Virgin-Chef Richard Branson – unterstützen diesen Denkansatz. Inzwischen haben sich Skipper gefunden, die mit den Tierschützern raus fahren und festgebissene Haie wieder befreien – ein mehr als gefährlicher Job, schliesslich kämpft das Tier mit Todesangst und weiss dabei nicht zwischen gut und böse zu unterscheiden. Haie unter drei Metern sollten eigentlich wieder frei gelassen werden, was jedoch nicht immer der Fall ist, wie die Aktion in Fremantle beweist. Auch Schildkröten oder Delfine freuen sich über den guten Happen und beissen sich in den Haken fest. Apropos Fremantle: Die Küstenstadt ist bekannt dafür, dass sie immer wieder schwimmenden Besuch erhält. Hier gibt es eine Shark Bay, die East Fremantles Sharks (Football-Team), den Fremantle Sharks Wrestling Club,… Für mich als normal denkenden Europäer, der die Haie auch nur aus der Flimmerkiste kennt, sollten dies genug der Hinweise sein, dass ich an diesem Teil der Erde keinen Fuss ins Wasser setze!
Fakt jedoch ist, dass immer mehr Menschen an immer mehr Stränden dem Badespass fröhnen möchten. Dabei brechen sie immer mehr in die Reviere der Fische und Tiere ein – auch in jene des Hais. Viele der Fische werden zudem provoziert – mit Ködern oder erbeuteten Fischen. Nur so entstehen dann die meisten Szenen der Traumfabrik Hollywood.

Haie bevorzugen ansonsten Fische oder Robben und Seehunde als Futter. Den Menschen greifen die meisten Arten nur an, wenn sie diesen mit ihrer normalen Beute verwechseln oder es befindet sich Blut im Wasser. Allerdings sollte nicht vergessen werden, dass aufgrund der Überfischung der Meere die Nahrung immer weniger wird. Tigerhaie etwa gehören zu den Allesfressern – auch Abfall. Experten sprechen hier von einer “hochevoluierten Art”. Sie besitzen die effektivsten Zähne, mit welchen sie auch Schildkrötenpanzer knacken können. Sie sind für den Menschen sehr gefährlich. Ebenso wie auch die Bullen- oder Hammerhaie.
Haialarm wird heutzutage durch Helikopter-Patrouillen oder elektronisch ausgelöst. So haben Wissenschaftler nicht weniger als 320 Haie mit Sensoren ausgestattet. Nähert sich nun der Hai der Küste, wird Alarm geschlagen. Experten betonen, dass dies wesentlich zielführender sei, als die Tiere zu töten und gar gegen das Artenschutzgesetz zu verstossen. So gab es auf Hawaii eine solche Aktion der US-Regierung, bei welcher zwischen 1959 bis 1976 nicht weniger als 4.500 Haie getötet wurden. Trotzdem nahmen die Haiangriffe nicht ab. Der Grund: Die Mobilität der Räuber! Und: Die Klimaerwärmung! So ist die Wassertemperatur in den Jagdpfründen des Hais teilweise auf bis zu 30 Grad angestiegen. Das ist den meisten Fischen und auch dem Hai zu warm, da der Sauerstoffgehalt im Wasser dadurch rapide abnimmt. Aufgrund der Strömung allerdings kühlt das Wasser zur Küste hin ab.
Unter diesem Link können Sie eine Online-Petition der Tierschutzorganisation Humane Society International durch ein Schreiben an den australischen Premierminister Tony Abbott unterstützen:

http://action.hsi.org/ea-action/action?ea.client.id=104&ea.campaign.id=25320&ea.tracking.id=website

Früher wurden Strände ganz einfach gesperrt, wenn es zu Haizwischenfällen kam. Aufgrund fehlender Nahrung suchten sich dann die Fleischfresser andere Gebiete. Der Australier Damon Kendrick hat als 14-jähriger einen Teil seines Beins verloren. Mit seiner Meinung möchte ich den heutigen Blog schliessen:

Der Mensch darf nicht in die natürliche Ordnung des Meeres eingreifen!

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