Archive for April, 2014

Das versteht man wohl unter “Nimmersatt”!

Es hätten sooo schöne Ostern werden können in diesem Jahr! Bis zu jenem Zeitpunkt, als ein Politiker aus dem höchsten deutschen Norden mit einer schwachsinnigen Idee aufhorchen liess: Einen Hunnie für unsere Strassen wird wohl jeder Autofahrer abdrücken können! Einen Löcher-Soli sozusagen. Hallo? Eine deutschlandweite Strassenmaut, damit die Melkkühe der Nation wieder mal das ausbügeln dürfen, was die Damen und Herren Branchenkollegen rund um den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Torsten Albig verbrockt haben?! Das geht ja dann doch etwas zu weit!
Die Geschichte der Maut ist beinahe so alt, wie die Menschheit Strassen baut. Der Begriff entstammt dem gotischen “Mota”, was soviel wie Zoll bedeutet – in diesem Falle “Wegzoll”. Bereits im 11. Jahrhundert war es gang und gäbe, dass Reisende bei Brücken oder Tunnels ihr Scherflein beitragen mussten. Eine Gebühr für die Nutzung, damit ein neuerlicher Bau finanziert werden konnte. Auch Wegelagerer verlangten eine solche Maut – allerdings aus anderen, nicht so integeren Gründen. Diese Hindernisse wurden sukzessive abgebaut, damit der Handel besser funktionierte. Nur im steirischen Graz musste noch bis 1938 an Linienämtern bzw. Mautstellen “Pflastermaut” und “Warenzoll” entrichtet werden.
Trotzdem wird nach wie vor fleissig in ganz Europa Maut kassiert. Beispielsweise auf Autobahnen, für Tunnels oder auch auf speziellen Strassen, wie etwa Hochalpenstrassen. Zumeist sind diese Gebühren interurban, also zwischenstädtisch (im Vergleich zur urbanen Maut wie jener in Graz). Soweit so gut, schliesslich gilt es, solch immens hohe Investitionskosten wieder irgendwie reinzubekommen.
Vor einigen Tagen erst beschloss der Dt. Bundestag die Einführung der PKW-Maut, nachdem darüber heftigst diskutiert wurde. Ab 01. Januar 2016 soll jedes Kraftfahrzeug unter 3,5 to Gesamtgewicht für die Benützung einer Autobahn zur Kasse gebeten werden. Die Fahrzeuge über 3,5 to müssen bereits schon kilometer-abhängig bezahlen, das soll nun erweitert werden. Mit diesen Massnahmen fliessen zusätzliche 5 Milliarden Euro in die Bundeskassen. Betrachtet man sich hingegen den Zustand so mancher Autobahn, so muss bezweifelt werden, ob denn hierfür tatsächlich etwas verlangt werden kann, standen doch damals noch Adolf Hitler und seine Kohorten mit der Schaufel am Strassenrand – alles andere ist nur Flickwerk. Die Verantwortlichen aus dem Bundesverkehrsministerium wollen dadurch vor allem die ausländischen Strassennutzer zur Kasse bitten, sollte es doch für die deutschen eine Ermässigung bei der Kfz-Steuer geben. Am Europäischen Gerichtshof reibt man sich bereits die Hände, da die Steuer einer Abzocke der Ausländer gleich komme und damit gegen das europäische Gleichbehandlungsrecht verstosse! Nachdem Deutschland als einer der wenigen EU-Mitgliedsstaaten noch keine Autobahn-Maut verlangt, sei diese auch eingestanden – jedoch – wie in allen anderen Staaten auch – für jeden in gleicher Höhe. Studien haben nämlich einen sehr geringen Anteil an ausländischen Strassennutzern im Gesamtverkehr ergeben.
Nun ja – und da kommt doch tatsächlich Herr Albig (SPD) daher und meint, dass die Erträge dieser PKW-Maut nicht ausreichen, um die Strassen sanieren zu können. Er fordert deshalb einen Soli-Beitrag der deutschen Autolenker! 100,- € jährlich bei jedem Autofahrer – das Geld fliesst dann in den Fonds “Reperatur Deutschland”. Inzwischen reden sogar seine Genossen von “grobem Unfug” (SPD-Haushaltsexperte Kahrs)! Schliesslich hatten die Sozialdemokraten die Ausländersteuer bei den Koalitionsverhandlungen nur zähneknirschend akzeptiert. Inzwischen haben sich allerdings auch die SPD-Verkehrsminister der Länder gegen diesen Albig-Vorschlag ausgesprochen. Beifall hingegen kommt ausgerechnet aus Brüssel. EU-Kommissar Günther Oettinger von der CDU möchte schon seit einiger Zeit eine solche europaweite Strassen-Benützungsabgabe abkassieren. Das aber stösst bei den Befürwortern der PKW-Autobahnmaut, der bayerischen CSU, auf scharfe Gegenwehr. So meinte etwa deren Generalsekretär Scheuer gegenüber der Tageszeitung “Die Welt”: Herr Oettinger soll sich am Arlberg lieber gut erholen, als den europäischen Oberlehrer zu geben!” Andere sind der Ansicht, Herr Oettinger habe bei seinem Urlaub zu viel Sonne erwischt, schliesslich forderte er auch den weiteren Ausbau an Gas-Kraftwerken und die Zulassung des Frackings! Inwieweit dieses Strassen-Geld dann tatsächlich auch für die Strassenerhaltung ausgegeben wird, ist etwa in Österreich zu sehen, wo riesige Budgetlöcher gestopft werden müssen und die Autobahngesellschaft ASFINAG selbst tiefrote Zahlen schreibt.
Apropos “Zweckbindung”:
Haben Sie eigentlich gewusst, wie sich der Benzinpreis zusammensetzt?
Nach den Berechnungen des ADAC kostete ein Liter E10-Benzin im Juli 2012 im Durchschnitt nicht weniger als 1,62 €.

Literpreis an der Ölbörse Rotterdam: 59,77 Cent/Liter
Deckungsbeitrag (Transport, Lager, Bevorratung,…): 11,37 Cent/Liter
Energiesteuer (Mineralöl- & Ökosteuer): 65,45 Cent/Liter
Mehrwertsteuer (inkl. Energiesteuerbelastung): 25,95 Cent/Liter

Damit liegt die Steuerbelastung pro in den Tank eingefüllten Liter Super-Benzin bei beinahe 60 %. Pro Jahr kassiert  Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble rund 40 Milliarden Euro ab – nur durch die Energiesteuer. Bei der Erstellung öffentlicher Haushalte gibt es nun das sog. “Gesamtdeckungsprinzip”! Es besagt, dass sämtliche Einnahmen eines Etats zur Deckung sämtlicher Ausgaben verwendet werden sollen. In diesem Zusammenhang fällt auch das Wort “Zweckbindung” (Einzeldeckung). So wurde im Jahr 1959 beispielsweise die komplette Mineralölsteuer für den Strassenbau verwendet. 44 Jahre später hingegen von den eingenommenen 48 Milliarden Euro nurmehr 17,5 Milliarden! Dieses “Gesamtdeckungsprinzip”, enthalten in § 7 des Haushaltsgrundsätzegesetz (HGrG) bzw. § 8 der Bundeshaushaltsordnung, sieht eigentlich die freie Entscheidungsgewalt des Gesetz- bzw. Satzungsgebers (bei Körperschaften oder Vereinen) über die Einnahmen vor. Allerdings argumentierten damals unsere politischen Grossväter und Väter damit, dass die Mineralölsteuer für den Ausbau der Infrastruktur und die Mobilität verwendet wird. Somit kann ich nur von einem ausgehen: Sie haben uns angelogen! Gegenargument der Gegenwarts-Politiker: Durch eine Zweckbindung kann die “Effizienz der Haushaltsplanung beeinträchtigt” werden. Umgelegt könnte es also durchaus heissen, dass Herr und Frau Autofahrer im letzten Jahr für Griechenland getankt haben!!! Gleiches gilt natürlich auch für die Kfz-Steuer, die durchaus für die höheren Diäten der Damen und Herren Abgeordneten verwendet werden könnte.
Selbes Bild auch in Österreich. Gebühren und Abgaben im Strassenverkehr seien aus ökonomischer, umwelt- und verteilungspolitischer Position ein notwendiges Übel, aber selbstverständlich auch zur Infrastrukturfinanzierung erforderlich. So war und ist heute mehr denn je die Mineralölsteuer auch in Österreich eine der wichtigsten Finanzsäulen zur Finanzierung des Strassenbaus und der Erhaltung. Bis zum Jahr 1987 waren die Einnahmen hierfür zweckgebunden – seither jedoch fliessen auch sie in das allgemeine Budget. Finanzminister Michael Spindelegger erzielt hierdurch jährlich Einnahmen von rund 3,6 Milliarden Euro. 2007 kam es zu einer empfindlichen Erhöhung der MöSt. Angeblich soll dadurch das Erreichen des in Kyoto gesetzten Umweltzieles sichergestellt werden. Wie sich gezeigt hat, sollte die Opposition Recht behalten, die damals meinte, dass es sich um eine “Plünderung der Kraftfahrzeughalter unter dem Vorwand des Klimaschutzes” handle. Werden doch die Kyoto-Ziele dadurch nicht besser erreicht, weil das zusätzliche Geld für das weitere Stopfen von Budgetlöchern verwendet wird. Sinnvolle Investitionen für die Umwelt – das ist Wunschdenken! Auch die erst vor kurzem weiterhin erhöhte MöSt wird für ganz andere Zwecke verwendet – etwa um das Finanzloch bei der Hypo Alpe Adria zu stopfen. Hier bezahlt der Tanker also für die Fehler von Bankmanagern! Trotzdem ist auch im Alpenstaat bei Steuererhöhungen immer wieder das Argument zu hören, dass es dem Strassenbau und der Instandhaltung zukomme.
Betrachten wir uns doch auch in Österreich den Liter Super-Benzin im Vergleich zu Deutschland etwas genauer. Nach Angaben des ÖAMTC kostete im Juni 2012 ein Liter Super-Benzin 1,426 €:

Literpreis an der Ölbörse Rotterdam: 59,77 Cent/Liter
Deckungsbeitrag (Transport, Lager, Bevorratung,…): 9,05 Cent/Liter
Mineralölsteuer: 44,70 Cent/Liter
Mehrwertsteuer (inkl. MöSt-Belastung): 29,08 Cent/Liter

Das Gesamtdeckungsprinzip wird selbstverständlich in Österreich auch für die Normverbrauchsabgabe (NOVA), die kürzlich empfindlich erhöhte Kfz-Steuer und die Kfz-Haftpflicht-Versicherungssteuer umgesetzt.
Um Ihnen die ganze Problematik nochmals vor Augen zu bringen als Beispiel nun das letzte Jahr 2013:

.) Deutschland
Strassenerhaltung: 2,501 Mrd €
Neubau: 1,204 Mrd €
Umbau & Lärmschutz: 0,488 Mrd €
Telematik: 0,162 Mrd. €
Sonstiges: 0,530 Mrd €
Ergibt summa summarum 4,885 Mrd €!
(Quelle: de.statista.com)
Eingenommene Energiesteuer: 35,669 Mrd €
(Quelle: Bundesministerium der Finanzen)
Nun kommt die PKW-Maut hinzu und im nördlichsten Deutschland macht man sich Gedanken, wie man in Kiel die Löcher in der Strasse zubekommt!!! Wohl am besten mit 100,- €-Scheinen!

.) Österreich

Strassenerhaltung: 0,386 Mrd €
Neubau und Erweiterung: 0,604 Mrd €
Telematik: 0,064 Mrd. €
Ergibt summa summarum: 1,054 Mrd €
(Quelle: Bundesministerium für Finanzen BVA)
Eingenommene Energiesteuer: 4,470 Mrd €
(Quelle: Bundesministerium für Finanzen BVA)
Und hier befürchten die Minister, dass sie schon sehr bald auf E-Smarts als Dienstfahrzeuge umsteigen müssen!

Hinzu kommen noch die Mehrwertsteuer, Kfz-Steuer, Versicherungssteuer und in Österreich die NOVA bzw. die Strassen-, Tunnel- und Autobahnmaut. Apropos: Im Alpenstaat gilt ja seit einigen Jahren bereits die Autobahn-Maut. Neben verschiedenen Strecken, die wie etwa die Brenner- oder auch Felbertauern-Autobahn bereits zuvor mautpflichtig waren, muss für die Nutzung der restlichen Autobahnen und Schnellstrassen eine Gebühr bezahlt werden. Die Autobahn-Betreiber-Gesellschaft ASFINAG erwirtschaftete 2012 einen Umsatz von 1,986 Mrd €, ein Ergebnis nach Abzug der Steuern von 461 Mio €. Davon wurden auf den von ihr betreuten 2.178 Strassenkilometern nicht weniger als
382,992 Mio € an PKW-Maut
1,103 Mrd € an LKW-Maut und
136,359 Mio € an Sondermaut
eingenommen. Gleichzeitig allerdings wurden 1,045 Mrd € an Aufwendungen verrechnet. Das Unternehmen hatte jedoch im Rechnungsjahr 9,066 Mrd an langfristigen und 2, 459 Mrd an kurzfristigen Schulden. Diese Zahlen entstammen dem Konzernbericht der ASFINAG für das Jahr 2012.

Resumé:
Werte Ärmelschoner-Träger – was also sagen uns diese Zahlen??? Werte Autokritiker – war es das, was zu beweisen war??? Werte Autofahrer – Sie dürfen sich durchaus auch weiterhin als Melkkühe der Nation bezeichnen!!!

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Es war einmal ein Jäger…

Während der Osterfeiertage steht vielerorts, wenn sich die Familie angesagt hat, wieder der Osterbraten auf dem Speiseplan so mancher Mutter und Hausfrau. In einigen Haushalten auch der Hirsch- oder Rehbraten. Keine Frage – wenn Wild gut angerichtet wird, schmeckt es hervorragend. Dennoch verweigere ich mich! Nur einmal – es war ein blöder Zufall – wurde mir zu den Spätzle Hirschgulasch serviert (in der Uni-Mensa in Innsbruck). Der Kern meiner kulinarischen Nein-Sagung? Das Rotwild hat es in unseren Breitengraden immer schwerer. Der Halbschuhtourismus nimmt den Tieren im Sommer ständig mehr ihres Lebensraumes weg. Gerade hierzu hat sich derzeit in Tirol eine wilde Diskussion ergeben: Der Alpenverein, der für die Freiheit des Wanderers eintritt und der Jagdverband, der dies am liebsten stark einschränken würde. Im Winter aufgescheucht durch die vielen Skifahrer, die meinen, den speziellen Kick im Wald finden zu müssen, benötigen Rehe und Hirsche umso mehr Futter. Also nagen sie die Jungtriebe der Bäume an. Das wiederum missfällt den Waldinhabern. Sie fordern höhere Abschussquoten. Dem schliessen sich auch die Milchbauern an, da sie Angst um ihre Heu-Ernte-Erträge haben. Also wird die Abschussquote per Gesetz erhöht. Zudem traten im vergangenen Sommer im westlichsten österreichischen Bundesland Vorarlberg einige Fälle von TBC bei Rindern auf. Da mehrere Schweizer Bauern aus diesem Grund abgesagt haben, ihre Kühe auf Sommerfrische nach Vorarlberg zu schicken, fürchteten die Vorarlberger Bauern um ihr Geschäft. Die Abschussquote für Rotwild wurde alleine im Bezirk Bludenz um 30 % erhöht – 170 Tiere mussten mehr geschossen werden, wobei es nach wie vor nur eine Vemutung ist, dass sich die Krankheit durch Rotwild übertragen hatte. Nachgewiesen ist dies bis heute nicht. Die Gesamtabschussquote 2013 nur für diesen Bezirk lag bei 950!!! Möglich wurde die Einhaltung dieser Vorgabe nur durch eine Vorverlegung der Schonzeit um zwei Monate! Das wiederum entspricht nicht den Vorstellungen eines so manchen Jägers. Sie schiessen ja nicht nur die Tiere, sondern beobachten sie und hegen sie auch über den Winter hindurch. Einer meiner ehemaligen Nachbarn hat deshalb seine Jagdpacht auf- und den Jagdschein zurückgegeben, da er für seinen Geschmack zu viel schiessen musste. Hinzu kommt die Zunahme der Autolenker und das rücksichtslose Fahren der motorisierten Verkehrsteilnehmer auch bei Wildwechsel. Muss ich also ein Reh, das vielleicht gerade mal so mühevoll den harten Winter 2012/13 überstanden hat und auf den Strassen einen starken und schwer beschäftigten Glücksengel gehabt hatte, wirklich abschiessen lassen und essen? Wieso sind denn in grauen Vorzeiten für derartige Zwecke Wildtiere domestiziert worden?
Nein – ich bin kein Gegner der Jagd! Schliesslich leisten die richtigen Waidmänner gute Arbeit (inklusive der winterlichen Hege, die gesetzlich vorgeschrieben ist und ansonsten durch den Waldinhaber erfolgen müsste). Die natürlichen Feinde wie Wolf, Bär, Luchs oder auch Fuchs sind in Europa nahezu ausgerottet (Beutegreifer als Regulatoren). Dementsprechend muss eine Populationskontrolle erfolgen, da Wildtiere ansonsten zu einer Plage werden können, nicht zuletzt auch als Krankheitsüberträger. Das beweisen etwa die Waschbären in den USA oder die Kanninchen in Australien. Werden allerdings – wie immer wieder gefordert – die natürlichen Feinde wieder ausgewildert, so geht ein Aufschrei durch das Volk. Immer wieder mit den Braunbären geschehen oder derzeit wieder ganz aktuell mit den Wölfen in Baden Württemberg. Zudem konnte aufgrund der guten Impfpraxis die Tollwut nahezu ausgerottet werden – trotzdem gab es noch Abschussprämien auf Füchse!
Ich bin nicht ein Gegner der Jagd – ich bin ein Gegner der Jagdpraktiken – gegen diese immens hohen Abschussquoten und der Unsitte, Jagdgäste einzuladen. Menschen mit Gewehren zu bestücken, damit sie durch den Abschuss eines kapitalen Hirsches noch vollkommen im Bann eines unglaublichen Erlebnisses einen Vertrag rascher unterschreiben. Die Befriedigung der Schussgeilheit des möglicherweise gar angetrunkenen Geldadels und der Wirtschaftsbosse. Klar – diese Gepflogenheit der Jagd-Einladung gab es auch in früheren Zeiten schon. Hier kam es einer Ehrerbietung gleich, einer solchen Jagd beiwohnen zu können – ein gesellschaftliches Ereignis auf Kosten der abgeschossenen Tiere. Auch das sog. “Volksjagdrecht” in der DDR entpuppte sich als Schuss mit einer Platzpatrone. Die SED hatte Befürchtungen davor, dass sich die Bürger auf diese Art bewaffnen könnten. Somit wurden nur wenige Gewehre auf Zeit ausgegeben, die ebenso wie das erlegte Wild danach wieder abgegeben werden mussten. Die SED-Bonzen hingegen liessen es sich gut gehen: So wurden nicht nur in der Schorfheide Diplomatenjagden abgehalten und Industriebosse (die meisten aus dem Westen) zu ausgiebigen Jagdgelagen eingeladen.
Allerdings setzte früher zumeist ein ausgebildeter Jäger dem Leiden der “Kreatur” während des Todeskampfes mit einem gezielten Fangschuss ein rasches Ende. Das ist heutzutage offenbar nicht mehr der Fall, obwohl eine Gastkarte etwa in Österreich nur in Begleitung eines Jägers verwendet werden darf! Die Bilder einer Gams, die durch einen russischen Jagdgast in Tirol gequält wurde, gingen um die Welt. Die Strafen, die nun im Prozess danach ausgesprochen wurden, sorgen nicht wirklich für Abschreckung.

Die Jägerschaft steht in Tirol ohnedies in keinem guten Licht. So werden immer wieder Hunde erschossen – vor rund sieben Jahren in der Leutasch gar ein angeleinter! Der § 35 Abs. 2c des Tiroler Jagdgesetzes wird dabei sehr weitläufig ausgelegt! Katzen dürfen, sofern sie in einer gewissen Entfernung von geschlossenen Ortschaften aufgegriffen werden, Hunde, wenn sie sich nicht im direkten Einwirkungsbereich ihres Besitzers befinden, geschossen werden. Die Nachweispflicht, ob das Haustier tatsächlich gewildert hat oder nicht, obliegt nicht dem Jäger, sondern dem Tierbesitzer bzw. der Begleitperson. Zudem gab es eine heftige Diskussion, als bekannt wurde, dass der amtierende Tiroler Landeshauptmann (in Deutschland der Ministerpräsident) von einem Unternehmer zur Jagd eingeladen wurde.
2012 sorgte ebenfalls ein Skandal im österreichischen Burgenland für heftigste Reaktionen im niederen Volk. Nachdem einem Einheimischen aufgefallen ist, dass die Leitha (ein Fluss in dem er gerne badete) plötzlich im wahrsten Sinne des Wortes zum Himmel stank, wurden Wasserproben gezogen und untersucht. Im Rahmen der Ermittlungen wurde festgestellt, dass der Jagdpächter, ein Manager eines Bekleidungsunternehmens aus Düsseldorf, im grossen Ausmass Flugenten (eine Kreuzung aus Haus- und Stockenten) züchtete, deren Kot den Fluss zu einer stinkenden Brühe verkommen liess. Ebenfalls eine Unsitte, die nicht toleriert werden sollte. Denn solche Zuchtenten oder auch Zuchtfasane (“Kistenfasane”) werden erst kurz vor der Jagd freigelassen, damit sie nicht weiterziehen können. Das Jagdgesetz aber spricht von einem Auswildern 14 Tagen vor dem Abschuss (in Deutschland gelten 4 Wochen für eingefangene und aufgezogene Wildtiere), damit sich dieses akklimatisieren kann (Fluchtverhalten, Verhalten bei schlechter Witterung,…). Diese Praxis ist zudem auch aus biologischer Sicht abzulehnen, da sich die Flugenten mit den wildlebenden Stockenten kreuzen – heraus kommt eine sog. “Bastard-Population”. Gleiches gilt auch für den “deutschen Jagdfasan”, der seinen Ursprung eigentlich in Asien hat. Damit wäre seine Auswilderung nach dem deutschen Bundesnaturschutzgesetz ja eigentlich verboten!
Und dann gibt es noch die Wildgehege, in welche zumeist Rotwild ausgesetzt wird um hier geschossen zu werden. Für mich eine Massnahme für faule und feige Möchtegern-Jäger! Rehe und Hirsche sind eigentlich Fluchttiere. Wird eine Gefahr wahrgenommen, so versucht sie, dieser durch die Flucht aus dem Wege zu gehen. In diesen Gehegen aber kann das Wild nicht flüchten, da Zäune dies verhindern! Oftmals krepiert die “Kreatur” nicht durch den Schuss, sondern vielmehr durch schwerste Verletzungen, die sie sich beifügt, wenn sie den Zaun überspringen möchte.
Die Jagd ist leider zu einem Riesen-Geschäft geworden. Und wie bei allen Geschäften gibt es Geschäftemacher, die nie genug davon kriegen können. Auf der Strecke bleiben dabei die Unschuldigen – in diesem Falle die unschudligen Tiere. Hier etwa finden Sie die Abschusspreise im Speziellen aus der Tiroler Zugspitzarena/Ehrwald:

http://tirolerjagd.com/abschusspreise

Für all jene, die eine aussergewöhnliche Jagdtrophäe in der eigens dafür eingerichteten Zirbenstube haben möchten, gibt es die professionellen Anbieter, die sich auf Jagdreisen spezialisiert haben. Und hier wird immer wieder aufgezeigt: Alles ist möglich! Egal ob geschützt oder nicht – nur eine Frage des Geldes:

http://www.riwo-jagdreisen.de/index.php?option=com_content&view=article&id=50&Itemid=72

Gleiches gilt leider auch für heimische Gefilde. So finden sich beispielsweise Auerwild, Birkwild, Steinwild, Schneehase, Dachs oder Iltis auf der roten Liste als “bestandsgefährdet” – trotzdem werden sie gejagt!
Ich finde, dass jedem seine Einstellung zur Jagd eingestanden werden soll – ein Konsens zwischen den Gegngern und den Befürwortern ist ohnedies nicht zu erwarten. Allerdings gehe ich mit den Kritikern (nicht unbedingt nur Jagdkritikern) konform, die einen Stopp der Jagd in Naturschutzgebieten und für Gastjäger fordern. Zudem müssen die Strafen für Vergehen um ein Vielfaches erhöht werden. Schliesslich sollte das Tierschutzgesetz auch für Wildtiere Gültigkeit haben. Als etwa 2009 zwei Jagdaufseher im Gargellental (Montafon) in Österreich eine Fallgrube bei einem Winterfütterungsplatz ausgehoben und die darin abgestürzten und verletzten Tiere einen Tag später erlegt haben (verzeihen Sie mir, dass ich das waidgerechte Wort für diese Schweinerei verwendete – “hingerichtet” wäre wohl besser, denn das Fleisch war unbrauchbar, da das Tier während dieses Tages aufgrund des Überlebenskampfes zu viele Stress-Hormone ausgeschüttet hatte!), erhielten sie nur harmlose Strafen. Es wurde nahezu todgeschwiegen. Das Vorarlberger Jagdgesetz listet nicht etwa wie das oberösterreichische Pendant Fallgruben als Verbot ausdrücklich auf (§ 62), allerdings wird die Verwendung dieser durch 2 Gummiparagraphen eingeschränkt: § 27 Abs. 2 i.E.m. § 44 Abs 1. In dem seit dem Jahr 2005 geltenden Bundestierschutzgesetz ist jedoch klar festgehalten, dass es verboten ist, Fanggeräte so zu verwenden, “dass sie nicht unversehrt fangen oder nicht sofort töten” (§ 5 Abs 2 Zahl 16). Der Verstoss ist eine “Verwaltungsübertretung” und ist mit mindestens 2.000,- bis max. 7.000,- € (im Wiederholungsfall 15.000,- € zu bestrafen! In diesem Fall blieben die beiden Jagdaufseher in Amt und Würden, wobei der eine gar etwas später auch noch befördert wurde. Jäger zu sein ist kein Beruf – es ist eine Berufung: Es darf niemals die Achtung vor dem Tier verloren gehen! Wie kann ich dies nun ethisch vertreten, dass ich es in meiner Zunft mit solchen Kollegen zu tun habe???
Ein Wort noch zu einer Jagdform, die ich partout verabscheue: Die Treibjagd! Neben der Fallensteller sollten auch die Teilnehmer dieser speziellen Art der “Gesellschaftsjagd” allesamt wegen Vergehens gegen das Tierschutzgesetz entsprechend hart abgeurteilt werden. Niederwild wie etwa Hasen, aber auch Füchse werden hierbei durch eine Meute zu Tode gehetzt oder durch Treiber in einen Kessel getrieben, in welchem von allen Seiten auf die Tiere eingeschossen wird. In England werden für solche Treibjagden eigens zuvor Füchse freigelassen. Leider werden die Treib- oder auch die Druckjagd hierzulande nach wie vor praktiziert, obwohl sich Tierschützer und Initiativen wie auch jene im schweizerischen Aargau immer wieder für ein Verbot stark machen. Das Tierschutzgesetz sieht vor, dass ein Tier nur wegen eines vernünftigen Grundes getötet werden darf. Bei solchen Treib- oder Druckjagden hingegen wird es vor dem Abschuss zusätzlich bis zur physischen Erschöpfung gehetzt! Beim Kesseltreiben hat es zusätzlich keine Fluchtmöglichkeit! Hier werden somit Tiere zum Gaudium des Menschen zu Tode gequält. Zudem werden die “Kreaturen” – vornehmlich bei der Enten- und Fasanenjagd – nur angeschossen, damit jedoch teils schwerst verletzt und nicht getötet. Dies wurde u.a. durch den “Verein gegen Tierfabriken” bei einer Treibjagd im oststeirischen Unterfladnitz dokumentiert. Nicht weniger als 40 Jäger (und Treiber) ballerten aus vollen Rohren auf die Vögel. Nicht immer findet der Jagdhund das abgestürzte Tier, das dann qualvoll verendet. Apportiert der Hund jedoch ein noch lebendes Tier, so verfährt der Jäger wie folgt: “Wenn ein Hund einen halb toten Fasan bringt, tötet ihn der Jäger, entweder mit einem Stich in den Hinterkopf oder er drückt ihn zusammen!” Die Worte des damaligen Jagdveranstalters 2012! Deshalb fordere ich ganz offen, dass auch bei der Jagd die Tierschutzgesetze vollzogen bzw. bei Nichteinhaltung massivst abgestraft wird.

Schliessen möchte ich heute mit einem Satz, den ich auf einer Plattform anlässlich dieser zu Beginn erwähnten Gams-Jagd gefunden habe. Der User mit dem Nickname “Der-Don” (offenbar ein Jäger) schrieb damals die treffenden Worte:

“Für mich ist es immer eine tragische Sache wenn ich ein Tier töten muss weil der Mensch es über die Jahrhunderte geschafft hat das Gleichgewicht so sehr zu stören dass dies notwendig ist… ich hab da keine Freude dran und die wenigsten Jäger haben das… Diejenigen die aus solch niederen Beweggründen Jagen gehen sind keine echten Jäger…”
(Vorarlberg Online, August 2013)

PS: Die Bezeichnung “die Kreatur” habe ich auf mehreren Jagdseiten gefunden! Zieht man die Biologische Systematik zu Rate, so befindet sich der Mensch im selben Reich, dem selben Stamm und der selben Klasse wie jene Tiere, die er schiesst. Erst in der Ordnung erscheinen die Primaten (der Mensch gehört zu den Trockennasenaffen Haplorrhini). Somit müsste diese, in unserem Sprachgebrauch eher negativ besetzte Bezeichnung auch für jene Menschen zutreffen, die solche “Kreaturen” abschiessen!

Interessanter Link:
www.ljv.at/jagd_system.htm

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Das letzte Stück Erde

Der Regenwald wird gerne als “grüne Lunge” dieses Planeten bezeichnet. Doch steht inzwischen auch für ihn die Uhr auf 5 vor 12! Er wird zum Fall für den Lungenfacharzt! Täglich verschwinden weltweit rund 550 Millionen Quadratmeter (mehr als ein halbes Fussballfeld pro Sekunde!) – bei derzeit verbliebenen 6 Mio Quadratkilometern ist es nurmehr eine kleine, lausige Division bis zum Endpunkt: Seiner endgültigen Auslöschung. In Fernostasien und Australien wird er aufgrund des Holzes für die Papierindustrie niedergemacht, entlang des Amazonas um Anbaufläche für die Ölfrucht, Soja und ebenfalls für Holzplantagen zu bekommen. Über den Osten und Südosten habe ich bereits geschrieben, weshalb ich heute das Gebiet am Amazonas etwas näher beleuchten möchte.
Es ist eine unglaubliche Zahl an Kohlendioxid (CO2), die im Regenwald des brasilianischen Amazonas-Gebietes gespeichert ist. Das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung und die United Nations Environment Programme (UNEP) beziffern dies auf rund 120 Milliarden Tonnen. Vergleichbar in etwa mit dem hundertfachen Jahresausstoss an CO2 in Deutschland! Wird der Regenwald nun abgeholzt, so gelangt diese riesige Menge – egal in welcher Form auch immer – in die Atmosphäre! 17,4 % der weltweiten CO2-Emissionen sind auf Waldrodungen zurückzuführen. Brasilien hat sich verpflichtet, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 39 % zu verringern! Ist es nur ein Tintenklecks auf einem Stück Vertragspapier?
Verschiedene Computer-Simulationen (so auch jene von James Alcock von der Penn State University) haben das Ende dieses teils noch ursprünglichen Gebietes in ein paar Jahren vorausgesagt, auch wenn die brasilianische Regierung den Regenwald unter Schutz gestellt hat. Doch wird mit dem Wald auch eines der wichtigsten Ökosysteme des Globuses vernichtet. Das Amazonas-Gebiet ist als Feuchtgebiet ein nicht zu unterschätzender Wasserspeicher und Klimabeeinflusser.

http://www.youtube.com/watch?v=8SB4pUODppA

Werden nun diese riesigen Bäume gerodet, so wird Wasser und Wind nahezu das ganze Gebiet zerstören – die Folgen sind in Fernostasien zu sehen: Darunterliegende Regionen werden bei nahezu jedem Regenfall überflutet, da das Wasser sang- und klanglos abfliesst. Erdrutsche werden ganze Dörfer begraben, Tierarten aussterben und der Sauerstoffgehalt der Atemluft abnehmen. Alcock wies nach, dass bereits 25 % der brasilianischen Regenwaldfläche abgeholzt wurden, jedes Jahr kommt ein Prozent durch Kahlschlag oder Brandrodung hinzu. Alleine zwischen August 2012 und Juli 2013 stieg die Zahl der Waldvernichtung um 28 % – insgesamt fielen 5.843 Quadratkilometer zum Opfer. In 35 bis 45 Jahren wird der Amazonas-Regenwald nurmehr in Geschichtsbüchern zu finden sein.
Das Regenwald-Klima ist ein sehr sensibles Klima, bei dem jede Störung unmittelbar bemerkbar ist. Der Wald benötigt grosse Mengen an Regen. Das Wasser wird im Boden gespeichert und durch Verdunstung beispielsweise über die Blätter wieder abgegeben. Dieser Kreislauf ist also ein Wechselspiel aus Vegetation und Wetter. Fehlen nun die Bäume als ganz entscheidendes Glied dieses Kreislaufes, so wird es alsdann weniger Regen geben – die Böden können austrocknen. Und es wird wärmer, da der Wasser-Kreislauf zur Kühlung des Weltklimas beiträgt. Auch wenn einige Waldgebiete als Ökosysteme erhalten bleiben, reicht das Nass von oben nicht mehr aus – Buschbrände würden wie Feuerwalzen alles auslöschen. So zumindest die Ansicht von Alcock.
Ein Beispiel, um die Dimensionen anschaulicher zu machen. Das Unternehmen Suzano Papel e Celulose ist mit einem jährlichen Umsatz von rund 1,92 Mrd. US-Dollar einer der Grossen in der weltweiten Herstellung von Papier, Zellstoffen und Kartonagen. Das Unternehmen streckt derzeit seine Finger in Richtung des Campos Cerrados aus. Ein Gebiet, mit 2 Millionen Quadratkilometer rund ebenso gross wie Alaska. Nur zirka 3 bis 30 % sind von Regenwald bedeckt – insgesamt 1 % sind als Naturschutzressort ausgewiesen. Grosse Teile der Fläche sind bereits für die Schaffung von Soja-Monokulturen gerodet oder von Viehzüchtern abgefackelt worden. Nun hat sich auch der Papierkonzern mitten rein gesetzt. Hier sollen Eukalyptus-Monokulturen entstehen, deren Holz dann für die Herstellung von Zellulose bzw. Papier und Hackschnitzel für Europa verwendet wird. Nach Angaben der Organisation World Rainforest Movement (WRM) wurden bereits 30-40.000 Hektar auf diese Weise “umgestaltet”, geplant sind jedoch nahezu 560.000 Hektar. Die Böden des Campos Cerrados jedoch trocknen im Winter aus, der meiste Niederschlag fällt im Sommer von Oktober bis April (Südhalbkugel). Die Winter fallen staubtrocken aus – ein Grossteil dieser Region ist Savanne. Hier können nur Bäume überleben, deren Wurzeln zumindest bis in 2m Tiefe reichen. Zudem wurden die Bodennährstoffe wortwörtlich vom Winde verweht – an der sauren Oberfläche gedeiht nurmehr ganz wenig Vegetation. Für die Bewässerung dieser Eukalyptus-Monokulturen ist somit viel Wasser erforderlich, wodurch das Grundwasser knapp werden dürfte und ganze Gewässer auszutrocknen drohen. Durch die “Kultivierung” wird zudem vielen Tieren der Lebensraum schlichtweg weggenommen. Im Cerrado Campos etwa dem Grossen Nandu (Rhea americana), dem Mähnenwolf und dem Tapir sowie dem Weissbüschelaffen. Damit noch nicht genug, werden doch auch die Bewohner ausgesiedelt. Die meisten von Ihnen besitzen keinen Landtitel, die Distrikt-Verwaltung vergibt riesige Flächen bzw. deren Konzessionen an Suzano. Derzeit läuft hierzu eine Online-Petition.

https://www.rainforest-rescue.org/mailalert/940/brazil-trading-nature-for-eucalyptus

Auch wenn eine solche grossflächige Regenwald-Vernichtung nicht geduldet werden sollte, sind es doch auch die Kleinbauern, die zumeist mittels Brandrodung versuchen an Land zu kommen. Entweder als Anbaufläche oder als Weidefläche für die Kühe. Auch durch deren Überlebenskampf werden grosse Teile des so wichtigen Urwaldes zerstört. Allerdings lohnt sich der landwirtschaftliche Anbau für Kleinbauern nicht wirklich, da sich unter der dünnen Humusschicht unfruchtbarer Boden befindet. Nach 2-3 Jahren liefert dieser keinen Ertrag mehr. Und – auch wenn die Kleinbauern (“Caboclos”) für den Urwald zahlen würden – so wäre dies günstiger als entsprechend geeigneter Dünger! Die ausgelaugte Fläche wird zur Steppe oder – noch gefährlicher – versandet.
Durch eine Änderung des Waldschutzgesetzes “Código Florestal”sollte es 2012 ermöglicht werden, dass noch wesentlich mehr des wichtigen Regenwaldes vernichtet werden kann. Das Gesetz wurde in der 30er Jahren des vorhergehenden Jahrhunderts geschaffen. Es besagte, dass 1/4 der Fläche eines Landgutes im Amazonas-Gebiet in seiner ursprünglichen Vegetation gehalten werden muss (“Reserva legal”). In den 60ern wurde dies auf die Hälfte ausgeweitet, zuletzt waren es 80 %. Geschäftemachern war das jedoch ein Dorn im Auge. Weltweit haben sich bereits 2011 über 2,1 Mio Menschen an einer Online-Petition gegen eine solche Gesetzes-Änderung ausgesprochen. Ein Jahr später hat Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff ein Veto gegen die Änderung (Artikel 12) eingelegt. Zudem wurden 32 weitere Gesetzesvorschläge durch die Regierung geändert. Dabei ging es vornehmlich um die Naturschutzzonen. Zu diesen sog. “APPs” (“Áreas de Prevervação Permanente”) zählen Hügel, Seen und auch Flüsse. Bereits gerodete solcher Flächen müssen wieder aufgeforstet werden – eine Kompensation in anderen Regionen allerdings ist möglich. Auch war eine Art Straferlass für die Bauern enthalten, die vor 2008 gegen das Gesetz verstossen hatten. Erschütternd ist in diesem Zusammenhang eine Untersuchung der Universität São Paulo, wonach bereits über 43 Millionen Hektar Regenwald gerodet wurde, der eigentlich in solchen geschützten APPs stand, sowie 42 Mio aus den Reservas legais, die nicht wieder aufgeforstet wurden! Ziel des Ganzen ist es, dass die Rodung bis zum Jahr 2020 um 80 % abnehmen sollte! Klar: Dann ist alles verschwunden, was gerodet hat werden dürfen! Somit ist Dilmas Rettungsversuch vergleichbar mit einem Kampf gegen Windmühlen – zu mächtig ist die dagegenhaltende Lobby (“Ruralistas”), zu arm die Kleinbauern, die sich ohnedies nie an dieses Gesetz gehalten hatten. Zudem braucht die Präsidentin für ihre weitere politische Karriere auch die Unterstützung der Ruralistas. Wie eindeutig der Lobbyismus betrieben wird, zeigte die vorhergehende Abstimmung: 410 Abgeordnete stimmten für das neue Gesetz, nur 63 dagegen! Auch die ehemalige Umweltministerin und jetzige Senatorin Marina Silva spricht nicht von einem Waldschutzgesetz, sondern vielmehr von einem neuen Landwirtschaftsgesetz, das für die Papier- und Zelluloseindustrie, für den Sojaanbau und die Kleinbauern geschaffen wurde. Es sei ganz eindeutig ein Rückschritt. Trotzdem entschied sich auch der Senat für das Gesetz, weshalb das Veto durch die Präsidentin notwendig wurde, wonach die gesetzlichen Naturschutzgebiete wiederhergestellt werden und keine Amnestie für die Gesetzesbrecher gelten solle. Dies betrifft immerhin bis zum Stichtag am 22. Juli 2008 13.000 Straftäter.
Die beiden Umweltorganisationen WWF und Greenpeace befürchten nun, dass bis zu 80 % des Regenwaldes im Amazonas-Gebiet kahlgeschlagen werden können. Schon jetzt gibt es rund 1/5 des Regenwaldes nicht mehr. Das Perverse an all dem: Der Staat hat bereits 2008 einen Fonds zur Wiederaufforstung des Amazonas-Regenwaldes gegründet. Bis zum Jahr 2021 sollen insgesamt rund 21 Milliarden Dollar investiert werden. Das Land Norwegen (!) war mit 100 Millionen Dollar der erste Geber! Zuvor von Geldmachern abgeholzt, dann mit Steuergelder wieder aufgeforstet, damit Geldmacher erneut einen Kahlschlag vornehmen können!!! In diesem Zusammenhang würde mich brennend interessieren, wie auch die Spendengelder solcher Organisationen wie dem durch den Popmusiker Sting gegründeten Rainforest-Projekt investiert wurden: Stehen diese Wälder überhaupt noch? Superreiche, wie der schwedische Unternehmer Johan Elliasch haben riesige Flächen aufgekauft um sie vor dem Untergang zu retten. So meinte beispielsweise der Schwede, dass man mit 50 Milliarden Dollar das Amazonas-Gebiet aufkaufen könnte. Er selbst investierte zehn Millionen Euro, erwarb nahezu 162.000 Hektar Regenwald und pflanzte angeblich 200.000 neue Bäume. Das aber missfällt wiederum den Brasilianern, die nun die Befürchtung hegen, dass ihnen solche “Gutmenschen” die Heimat wegnehmen – sie sprechen gar schon von Öko-Invasoren. Andere wie Ted Turner, der Benetton-Konzern oder auch Douglas Tompkins haben riesige Ländereien in Argentinien und Chile aufgekauft und daraus Nationalparks gemacht! Ein dickes “Gefällt mir!” von hier aus, doch in diesen Ländern will man die selbsternannten Weltklima-Retter nicht, da die dortigen Einwohner nicht die globalen Auswirkungen sehen, sondern sich nur um ihr eigenes Überleben kümmern. Doch denke ich, dass diese Vorgehensweise die einzig machbare ist, denn: Wer garantiert, dass die Gelder aus den Industriestaaten auch wirklich zweckgebunden eingesetzt werden? Und – wäre es nicht sinnvoller dafür zu sorgen, dass der Wald stehen bleibt, als ihn nach der Ausbeutung durch skrupellose Geschäftemacher wieder mühsam aufpflanzen zu müssen?

http://www.youtube.com/watch?v=jNjSADBWMsM

Tja – und zuletzt geht es noch um die grösste Süsswasser-Quelle des Planeten selbst – dem Amazonas! Er fliesst derzeit geschützt durch den Regenwald. Besteht dieses Dach jedoch nicht mehr, würde das ganze Öko-System umgekrempelt, Zu- und Abflüsse verändert, Sedimente in den Strom gespült, die hier nicht hingehören,… Auswirkungen auch auf das Trink- und Grundwasser sind ebenso vorherzusehen.
Viele werden sich abschliessend denken: Ja – tragisch! Doch ich kann sowieso nichts tun! Doch – können Sie! Papierrecycling, kein Teak-Holz, heimisches Öl, Pellets und Hackschnitzel aus heimischem Holz, weniger Fleisch essen (in der industrialisierten Viehzucht wird häufig Soja als Futtermittel verwendet), Spenden in nachhaltige landwirtschaftliche Entwicklungshilfe (Permakultur beispielsweise), … Jeder kann sein Scherflein zur Rettung des Regenwaldes und damit unseres Planeten beitragen.

Literatur:

Gerhard Gottsberger, Ilse Silberbauer-Gottsberger: Life in the Cerrado. A South American tropical seasonal ecosystem. Reta Verlag, Ulm 2006 (2 Bde.).

Links:

www.greenpeace.de
www.wwf.de
www.amazonas.de
secure.avaaz.org
www.regenwald.org
www.naturefund.de
www.abenteuer-regenwald.de
www.faszination-regenwald.de

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Ein böses Spiel mit dem Leben

„Nichts ist so entwürdigend wie Hunger, besonders wenn er von Menschenhand verursacht ist.”
(UN-Generalsekretär Ban Ki-moon 2008)

Wie häufig hat wohl jeder von uns als Kind den Satz gehört: “Mit Essen spielt man nicht!” Wie wahr, denn hat jemand etwas im Überfluss, hat jemand anderer nichts und verhungert! Derzeit leiden nach Schätzungen der UNO weltweit rund 1 Milliarde Menschen unter Hunger! Doch wieso tun wir es nun als Erwachsene wieder? Das Spiel mit dem Essen, das Spiel mit dem Leben anderer???
Dieser Tage wurde der Umweltbericht der UNO im japanischen Yokohama präsentiert! Das Ergebnis ist schockierend: Aufgrund von Wetterextremen (wie Sturm, Hagel und Überschwemmung) werden auch die Ernten v.a. beim Weizen und dem Mais immer problematischer ausfallen. Somit muss mehr davon aus krisensicheren Gebieten geholt werden – die sog. “Agrarrohstoffe” avancieren zum Geschäft und werden damit für immer mehr Menschen v.a. in den Ländern der 3. Welt unerschwinglich. So gibt beispielsweise ein deutscher Haushalt rund 13 % des Einkommens für Essen und Nahrung aus, in Bangladesh sind es 55, in Nigeria bereits 70 %. Schon im Jahr 2008 schlitterte die Weltbevölkerung in die erste Nahrungsmittelkrise. Die Preise schossen wild nach oben, sanken dann wieder und bewegen sich nun erneut auf eine Spitze zu. Doch dieses Mal sind Ernteausfälle nicht primär dafür verantwortlich zu machen, denn: Das Geschäft mit dem Hunger hat sich zu einem Milliardengeschäft entwickelt!
Zugegeben: Es sind weitaus mehr Faktoren als “nur” das Klima, die die landwirtschaftliche Produktion beeinflussen. Der Anbau von Pflanzen zur Gewinnung von Biotreibstoffen verbraucht immens viel Fläche. Steigende Preise beim Erdöl lassen nicht nur die Produktion, sondern auch den Transport der Agrarohstoffe, sowie der fertigen Produkte teurer werden. Ein Gros aber bei diesen Steigerungen kommt der Spekulation mit Agrarrohstoffen zu. Und dies nimmt inzwischen solch unvorhersehbare Ausmaße an, dass es zum politischen Dauer-Thema wird. Als erster reagierte der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy, der dies zum Thema des G20-Gipfels machte. Inzwischen jedoch gibt es nahezu kein Präsidenten-Treffen mehr, in dessen Rahmen hierüber nicht diskutiert wird. Normalerweise handeln Spekulanten mit Aktien und sonstigen Wertpapieren bzw. auch mit Devisen. Dies ist jedoch im Lebensmittelsektor etwas anders. Denn – hier wird gewettet! Gewettet auf Preise.
Vor noch gar nicht allzu langer Zeit war an der Börse der Terminmarkt noch Tagesgeschäft. So sicherte der Produzent dem Händler zu, eine gewisse Menge des Rohstoffs oder der Ware zu einem ausgemachten Termin liefern zu können. Hat etwa für den Bauern den Vorteil, dass seine Ernte bereits verkauft ist, obwohl sie noch auf dem Feld steht. Damit der Händler planen konnte, wurde ein Garantiepreis vereinbart. Zu dem Preis übernahm der Käufer die Ware. Auf diese Art waren sowohl Käufer als auch Verkäufer abgesichert. Doch begann Anfang dieses Jahrtausends die Spekulation, manche bezeichnen sie auch als “Risiko-Geschäfte”. War ehedem der Schweinebauch ein Vorzeigethema, wenn es um solche Tagesgeschäfte geht (Ankauf grosser Mengen in Erwartung, dass der Preis nach oben geht, Verkauf mit grösstmöglicher Rendite), so hat sich die Szene erneut ein kleines bisschen gewandelt. Spekulanten sind heutzutage zu Zockern verkommen. Eine maximale Gewinnspanne liegt nämlich nicht mehr bei solchen vorhin beschriebenen Spot-Geschäften, sondern vielmehr bei den Hedgers. Diese kaufen derartige Terminverträge (etwa auch Derivate & Leerkäufe) zu einem noch günstigen Preis und verkaufen sie in weiterer Folge zu einem wesentlich höheren – kurz vor Liefertermin. Ein Beispiel: Der Spekulant übernimmt ein Termingeschäft, etwa eine grosse Ladung Weizen zu einem günstigen Preis. Kurz vor dem vereinbarten Liefertermin wird der Weizen an eine Mühle verkauft. Zahlt nun der Müller mehr als den vereinbarten Garantiepreis, so ist dies der Gewinn für die Spekulanten. Mit der eigentlichen Ware hat diese Spezies von Händlern rein gar nichts zu tun – sie sind reine Finanzjongleure. Es wird auf Teufel komm raus gewettet – und dies somit leider auch in einem Bereich, der für viele Menschen lebensnotwendig ist: Der Nahrung! Solche Hedgefonds versprechen hohe Rendite – auch bei fallenden Preisen – doch bergen sie ein sehr grosses Risiko. Die Fonds finanzieren sich über Fremdkapital. Wird nun das Geld falsch angelegt, ist es futsch!
Eine weitere Methode sind die Indexfonds. Sie investieren im selben Verhältnis wie der Index (etwa der DAX) in Wertpapiere. Hierdurch wird also der DAX oder der Dow Jones exakt 1:1 kopiert. Es handelt sich hierbei alsdann um passives Investment-Management. Dadurch sinken auch die sog. “TER”-Gebühren (die Gebühren für den aktiven Fondsmanager, der immer wieder versucht, die Vergleichswerte zu übertrumpfen). Solche Indexfonds wüten vornehmlich im Rohstoffbereich (“Finanzialisierung der Rohstoffmärkte”).
Durch beide Methoden werden selbstverständlich die Termingeschäfte teurer und damit verbunden die gehandelten Waren. Weizen und Mais avancieren zum Spielball der damit agierenden Geschäftemacher. Wie erfolgreich dieses ganze bislang nahezu grenzenlose Finanzsystem ist, beweisen die Zahlen. So sind in beiden Fonds-Systemen weitaus mehr als jeweils 1 Billion US-Dollar am Rotieren. Beides addiert ist nahezu vergleichbar mit dem Haushaltsdefizit von Grossbritannien im Jahr 2011. Eine von der Welthungerhilfe in Auftrag gegebene Studie der Hochschule Bremen weist nach, dass solche Spekulationen alleine bei den Terminmärkten für Getreide im Jahre 2008 für eine Preissteigerung von nicht weniger als 15 % verantwortlich zeichnete.
Der Politikwissenschaftler Markus Henn beschreibt es mehr als treffend in seiner Stellungnahme im Rahmen einer Enquete im Dt. Bundestag:

„Wenn der Aktienmarkt eine Spekulationsblase erlebt, ist dies im Wesentlichen ein Problem der AnlegerInnen. Wenn die Blase im Weizenterminmarkt und dann im Weizenmarkt stattfindet, ist es eine Katastrophe für Millionen Menschen”.

Allerdings ist es offenbar schwer, einen kausalen Zusammenhang zwischen diesem Finanzhandel mit Agrarrohstoffen bzw. Agrarprodukten und den Preissteigerungen nachzuweisen. Ökonomen verglichen die Daten mit Rohstoffen, die nicht über solche Indexfonds gehandelt werden – Reis oder Hafer etwa. Dabei entdeckten sie, dass auch hier eine Steigerung erfolgte – parallel zu den anderen. Als Unbedarfter denke ich mir, dass in diesen Bereichen die Nachfrage als Alternative zum teuren Weizen und Mais gestiegen ist und somit die Produzenten selbst die Preise erhöht haben! Deshalb sind nun die Politiker gefordert, die dafür sorgen sollten, dass diese Märkte transparent gemacht werden, ähnlich wie bei den Futures-Märkten in den USA. Hier dürfen inzwischen Spekulanten jeweils nur über eine gewisse Anzahl von Termingeschäften verfügen. Noch besser hingegen wäre, dass Spekulationen mit Lebensmittel und deren Rohstoffe verboten oder stark reguliert werden. So führten vornehmlich Preisblasen in den Jahren 2007/08 bzw. 2010/11 zu künstlich hervorgerufenen Verteuerungen (beim Weizen etwa um das Dreifache). Obwohl die Rohstoffe da waren, konnten sich viele diese nicht mehr leisten! Der Hunger, gerade in den ärmsten Regionen dieser Welt, wurde grösser. Zu diesem Schluss kamen mehrere Ökonomen, u.a. auch ein Forscherteam der UN-Organisation für Welthandel und Entwicklung (Unctad). Sie zeigten auf, dass es in den letzten jahren zu erheblichen Preisschwankungen gekommen ist, die nicht auf Angebot und Nachfrage alleine zurückgeführt werden können.
Inzwischen mischen auch Geldinstute wie beispielsweise die Deutsche Bank bzw. Versicherungen wie die Allianz (Quelle: Foodwatch bzw. FAZ) kräftig mit – via Indexfonds auf Feldfrüchte wie Weizen, Mais, Soja etc. Dort hingegen heisst es, dass ein Rückzug der Bank den Rohstoffmarkt auch in anderen, wesentlich lukrativeren Sektoren wie Kupfer oder Erdöl beispielsweise für Anleger öffnen würde. Dies könnte zu einem sprunghaften Anstieg der Preise führen, was durch die Deregulierung der Finanzmärkte zu Beginn dieses Jahrtausends geradezu noch gefördert worden ist. Interessieren sich nämlich immer mehr für ein solches Termingeschäft, steigt automatisch auch der Termin-Preis, wodurch dies selbstredend Auswirkungen auf den Rohstoffpreis hat. Die Produzenten halten die Ware dermassen lange zurück, als sie denken, den besten Terminpreis dafür zu bekommen. Die Folge: Volle Lager, hohe Preise, kein Markt! Schlimmstes Ende: Ganze Ernten werden vernichtet, da sie entweder inzwischen kaputt gegangen sind oder der erwartete Preis nicht erreicht wurde. Deshalb lautet das Hauptargument der Deutschen Bank: Es bestehe die Gefahr, dass Versicherungsleistungen bei Terminbörsen durch eine von oben verordnete Hand nurmehr stark eingeschränkt möglich sind und dadurch die notwendige Liquidität genommen würde. Dem halten die Verbraucherorganisationen entgegen, dass riesige Mengen an Rohstoffen aus solchen Termingeschäften aufgekauft werden. Das treibt den Spot-Preis nach oben! Der Spekulations-Gewinn schliesslich beruht auf dem Hunger anderer! Nachdem die Organisationen dies offiziell machten, haben sich einige Banken aus Furcht, ihren guten Ruf zu riskieren, aus solchen Geschäften zurückgezogen. In Deutschland etwa die Commerz- und die Deka-Bank bzw. die LBBW. Die Allianz geht gar noch einen Schritt weiter. Hier wird das steigende Engagement damit gerechtfertigt, dass die Landwirtschaft trotz schwankender Ernten mit stabileren Preisen rechnen könne. Durch die hohe Nachfrage würde auch weniger Risikoprämie bezahlt. Auf diese Art und Weise wird eine Vielzahl an tatsächlich vorhandenen Agrarrohstoffen an der Börse gehandelt.

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=X32bhc9EB_I
(Quelle: Weed e.V.)

Es wird zudem zusehends schwerer, zwischen Investoren und Spekulanten zu unterscheiden, da der Markt zu wenig transparent ist. Doch gerade im Unterschied liegt die Würze! So steckt der Spekulant sein Geld in kurzfristige Geschäfte um dann mit grösstmöglichem Gewinn wieder aussteigen zu können. Ein Investor hingegen investiert, damit etwas auf längere Zeit arbeiten kann und dadurch zwar peu à peu, dennoch aber mehr Gewinn abwirft. Ein vielleicht etwas greifbarer Vergleich: Der Spekulant wettet auf ein Rennpferd, der Investor schafft die Voraussetzungen dafür, dass das Pferd auch gewinnt. Trotzdem sehen Umweltschützer und Ernährungsexperten das wohl grösste Problem im Biosprit. Denn mit ihm ist weitaus mehr Geld zu verdienen als mit der Nahrung – sowohl für Spekulanten als auch für Investoren. Und was verbrannt wird um damit Energie zu erzeugen, das fehlt auf den heimischen Tischen. Deshalb sollte das Problem im Kern bekämpft werden: Runter mit dem Energiebedarf!

Hier können Sie mit Ihrer Unterschrift weiterhelfen:

http://www.oxfam.de/gegenspekulation
http://www.foodwatch.org/de/informieren/agrarspekulation/2-minuten-info/

In der Schweiz haben die Jung-Sozialisten erst im März ihre Online-Petition mit über 117.000 Unterzeichnern eingereicht, eine entsprechende in Deutschland schaffte es auf zirka 165.000, jene von Foodwatch liegt derzeit bei rund 64.000. Dies alleine zeigt die Brisanz dieses Themas und die Ängste des Volkes auf. Denn: Die meisten Revolutionen begannen, weil das Volk nichts mehr zu essen hatte!

Links:

www.foodwatch.org
www.oxfam.de
www.weed-online.org
www.fao.org/worldfoodsituation/foodpricesindex/en/
www.foodsecurityportal.org
www.welthungerhilfe.de

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