Archive for Juni, 2014

Der Fussball und die Probleme Brasiliens

In vollstem Glanze geht derzeit die Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien über die Bühne. Zum zweiten Mal übrigens nach 1950 in diesem südamerikanischen Land. Sportliche Höchstleistungen auf dem goldenen Tableau der Welt präsentiert! Obwohl vermutlich kein anderes Land dermassen fussballbegeistert ist, kann nicht wirklich von einem grossen Turnier gesprochen werden. Brasilien ist nämlich ein Land voller Probleme.
Beginnen wir vielleicht mit der Urbevölkerung. Als die Region im Jahr 1500 durch die Portugiesen entdeckt wurde, stiessen sie auf unzählige Indio-Stämme (rund 1.000 Volker mit ca. 5 Mio Menschen), wie etwa die nach wie vor bestehenden Assurini, Bororo, Guarani, Kapirapé, Rikbaktsa und Tapirajé. Heute sind zirka 215 Völker mit 350.000 Menschen davon übrig. Kein Staat der Erde hat dermassen viele indigene Völker, die noch nie oder nur ganz selten Kontakt zur sog. “zivilisierten Welt” hatten. Diese Ureinwohner können aufgrund von archäologischen Funden bis auf rund 40-60.000 Jahre zurückverfolgt werden. Verantwortlich dafür, dass viele der Stämme noch keinen Kontakt zur Aussenwelt haben, ist der dichte und undurchdringliche Amazonas-Urwald. Diese Völker sind zwar durch das sog. “Estatuto do Indio” (dem Indianerstatut) gesetzlich geschützt, das durch die seit 1967 bestehende Behörde “Fundação Nacional do Índio” beaufsichtigt wird – faktisch jedoch haben sie keine Rechte. So suchen beispielsweise die Guarani (der ehemals grösste Volksstamm) einen Landstrich, wo sie sich niederlassen können und ihre Ruhe haben. Derzeit sind sie über sieben Bundesstaaten verstreut. Das bislang letzte abgeschottete Indio-Volk wurde im Juni 2011 im Javari-Tal an der Grenze zu Peru entdeckt. Immer mehr jedoch wird deren Lebensraum zerstört – was uns zum zweiten Problem Brasiliens führt: Der Urwald-Abholzung!
600.000 Quadratkilometer – das sind rund 40 % des Amazonasbeckens! Diese Fläche will die brasilianische Regierung für die nächsten 25 Jahre schützen. Regenwald, die grüne Lunge unseres Planeten und gleichzeitig wichtigster Klimafaktor in dieser Region. Doch wen kümmert’s – egal ob Schutzgebiet oder nicht – die Abholzung geht munter voran. Wird dieses Tempo beibehalten, so drohen schon sehr bald zigtausende Quadratkilometer zur Savanne auszutrocknen. Ohne Wald keine Wasserdepots, keine Wasserverdunstung, kein Regen! Dem Land droht die Dürre. Verantwortlich dafür zeichnen Geschäftemacher, Viehzüchter und Kleinbauern. Und dabei sind es schon längst nicht mehr die Gartenmöbel aus Teak-Holz! Kräftig langen einerseits die Papierindustrie, andererseits die Hackschnitzel-Produzenten aus Europa in das hölzerne Sparschwein. Auch die Soja-Industrie ist nicht zu unterschätzen! Das, was übrig bleibt, wird durch die Bauern brandgerodet um für 2-3 Jahre bewirtschaftet zu werden – dann ist der Boden ausgelaugt, übersäuert und liegt brach! Der sog. “Tipping-Point”, jener Punkt also, an dem das Öko-System kippt, ist nicht mehr weit entfernt. Die Rodung des Regenwaldes sorgt gleich in mehrerer Hinsicht für Sorgen: Weniger Sauerstoff wird produziert, Milliarden Tonnen an Kohlendioxid freigesetzt, Pflanzen- und Tierarten sterben aus, das Klima wird nicht nur regional beeinflusst, da der Urwald ja auch eine kühlende Funktion hat. Ein Viertel des brasilianischen Regenwaldes ist bereits verschwunden – unwiederbringlich! Auch die Aufpflanzungsbemühungen der Regierung können da nicht wirklich etwas bewirken. Wie pervers: Geschäftemacher roden, Steuergelder, die dringendst un anderen Bereichen gebraucht, werden zur Aufforstung verwendet! Und hier sind wir bereits beim 3. Problem – der Armut!
Im Rahmen der WM ging ein Foto um die Welt und sorgte für grossen Unmut: Fussballfans in brasilianischen Trikots werfen ihren Müll in eine Tonne, in welcher eine Frau zusammengekauert sitzt und die verwertbaren Stoffe wieder herausholt! Brasilien ist ein sog. “Schwellenland”. Dies bedeutet, dass es nicht mehr zur 3. Welt gehört, sondern auf dem Weg zur industrialisierten Welt ist bzw. dort vielleicht gar schon angelangt ist, schliesslich zählt das Land zu den zehn grössten Industrienationen des Globusses. Trotzdem werden hier dieselben Fehler gemacht, wie in beispielsweise unserer Vergangenheit und Gegenwart: Das grosse Geld, der Reichtum, bleibt einigen Wenigen vorbehalten! Solche Industriellen, Lobbyisten und Agrarbarone besitzen ihren fixen Sessel im Parlament und stimmen gegen jede Umwelt- oder Sozialmassnahme. Hier zählt nur der Reibach! Die grosse Masse allerdings fristet ein Leben in Armut. Zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben. Nur in etwa 2/3 der brasilianischen Bevölkerung nimmt an diesem Wirtschaftskreislauf, der genug Geld für alle bringen könnte, teil. Der Süden – mit seinem Potential und Reichtum – der Norden mit seinem Existenzminimum und der Schattenwirtschaft. Nirgendwo wird es besser sichtbar als in Rio de Janeiro. Aufgrund des Fremdenverkehrs herrscht hier einerseits unermesslicher Reichtum, doch nur wenige hundert Meter Luftlinie entfernt vegetieren die Menschen in Favelas, in Barackensiedlungen. Und da beisst sich die Katze selbst in den Schwanz: Viele Familien müssen ihre Kinder zum Arbeiten schicken, damit sie überleben können. Dabei sind 7 % der Kinder zu Beginn ihres Arbeitslebens nicht mal 10 Jahre alt. Darunter leidet die Schulbildung der Kleinen – solche Menschen bleiben ein Leben lang in der untersten sozialen Kaste! Gleichzeitig wird die Situation in den Städten immer trister, da immer mehr Menschen vom Land in die wenigen Städte abwandern. Metropolen wie eben Rio de Janeiro oder auch Sao Paolo drohen zu kollabieren! Hinzu kommt, dass derartige Favelas rechtlich gesehen einer “permanenten Landbesetzung” gleich kommen, wodurch die Regierung jederzeit eine Räumung vornehmen kann. In Rio beispielsweise lebten im Jahr 1990 1,5 Mio Menschen – nicht weniger als 1/4 davon in rund 520 Favelas (Zahlen: Städtisches Planungsinstitut Rio de Janeiro). Inoffiziell wird gar inzwischen von 1/3 der Bevölkerung gesprochen. Über 75 % der hier lebenden Menschen vegetiert unter der Armutsgrenze. Die Kriminalitätsrate ist in diesen Regionen immens hoch – doch wen interessiert’s???
Demgegenüber gibt es die Oberschicht. Bleiben wir vielleicht noch etwas in Rio. Dort wurden in früheren Zeiten die Villen der Reichen in der Zona Norte errichtet – kühlere Hanglagen und Strandebenen. In den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts folgte dann die Erschliessung der Copacabana und Ipanemas: Hochhäuser mit Balkon oder Terasse und Klimaaanlagen sowie einem mondänen Eingangsbereich, Strandpromenaden und Vergnügungsviertel entstanden – in den Geschäften kann alles gekauft werden. Hohe Mauern und Wachdienste schirmen den Reichtum gegenüber der Armut ab. Nur wenig öffentliche Gelder fliessen in die Favelas – sehr viel mehr hingegen in solche Viertel der Reichen. Allerings wird der Platz immer weniger, sodass sich die Wohnviertel langsam vermischen. Favelados werden zudem vermehrt in Sozialwohnungen am Stadtrand umgesiedelt, doch kommen die meisten von ihnen wieder zurück und bauen erneut Wellblechhütten. Interessant ist übrigens die Tatsache, dass die Chefs dieser Favelas meist Kokain an Reiche verkaufen, die somit indirekt aber dennoch die Armutsviertel finanzieren. 1987 wurde ein solcher Favela-Dealer verhaftet. Dies führte zu grossen Protesten in der Bevölkerung, da er die Kanalisation der Favela finanziert hatte und Kindern ohne Eltern ermöglichte, dass sie zur Schule und zum Arzt gehen konnten.
Trotzdem besteht dieser Unterschied zwischen arm und reich mit seiner vollen Härte – nicht weniger als 700.000 Familien leben in extremer Armut. Sie fühlen sich im Stich gelassen – obwohl die brasilianische Regierung immer wieder tonnenschwere Sozialprogramme stemmt. So wurde beispielsweise das Projekt “Bolsa Familia” auf die Füsse gestellt. Eine Art Sozialhilfe, die von den schulischen Leistungen der Kinder und einem Impfprogramm abhängig ist. Alleine im vergangenen Jahr wurden rund 9,3 Milliarden Euro (24 Mrd. Reals) hierfür aufgewendet, mit dem Ziel, dass jeder Brasilianer zumindest 27 Euro im Monat für das Leben zur Verfügung hat! 27 €!!! Im Nordosten des Landes (früher aufgrund des Zuckerrohr-Anbaus eine an sich reiche Region (allerdings nicht für die Sklaven, welche die Arbeit zu verrichten hatten), heute das Armenhaus Brasiliens, beträgt der Tageslohn zwischen 7,70 und 11,50 € – wenn es überhaupt Arbeit gibt. Offiziell gilt im Land am Amazonas ein Mindestlohn von 678,- Reals/Monat.
Für die Fussball-Weltmeisterschaften wurden nun seit der Bewerbung im Jahre 2007 Abermillionen an brasilianischen Reals in den Bau von Stadien und Infrastruktur investiert. Immer wieder fordern die Bewohner der Favelas die Urbanisierung ihrer Siedelungen. Ziegelbauten, asphaltierte Strassen, Wasser- und Kanalanschluss,… Die Kluft zwischen arm und reich sorgt immer mehr für lautstarke Proteste, die bereits im Vorfeld der WM mit Polizeigewalt niedergeknüppelt werden mussten. Brasilien war jedoch der einzige Bewerber für dieses sportliche Highlight, weshalb die FIFA nach Besichtigung der Austragungsorte den Zuschlag erteilte. Dass die Stadien wie in Südafrika nach der WM verkommen werden, da ist in Brasilien nicht von auszugehen (mit Ausnahme vielleicht von Manaus – der heimische Verein ist nur drittklassig). Schliesslich ist der Fussball für viele Lebensinhalt, die Seleção (brasilianische Nationalmannschaft) den Göttern gleich. Insgesamt wurden mindestens 10,5 Milliarden € in den Bau und die Sanierung der Stadien, Infrastruktur, Hotels, Telekommunikation etc. investiert. Die Austragungsorte waren teils bis zum Anpfiff des Auftaktspieles noch gar nicht fertig. Auch bei der FIFA wurden angesichts der Vorbereitungen Bedenken laut. So sprach Jèrome Walcke, der Generalsekretär der FIFA, in einem Interview wortwörtlich von einem “Tritt in den Hintern” der Organisatoren. Immer wieder gab es Meldungen über Unfälle mit Verletzten oder gar Toten auf den Baustellen. Eine richterliche Anordnung stoppte wegen Verletzung der Sicherheitsbedingungen gar vorübergehend den Bau des Stadions in Curitiba. Bauarbeiter legten immer wieder die Arbeit nieder und streikten – v.a. in Manaus, als im Februar 2014 vier Kollegen um’s Leben kamen.
Zudem wurden nach Berichten der UNO in den WM-Städten zehntausende Familien umgesiedelt. Ein Journalist aus Dänemark behauptet gar, dass Strassenkinder verschleppt oder ermordet wurden. Schliesslich sollten die reichen Fussballfans nicht die Armut in der Bevölkerung sehen und schon gar nicht derartige Bilder von Brasilien mit nach Hause nehmen. Korruptionsvorwürfe hagelte es gegen viele Politiker, darunter auch den ehemaligen Sportminister, der im Oktober 2011 zurücktrat. Immer wieder wurde alsdann in den Medien die Vermutung ausgesprochen, dass die WM auf Kosten des Gesundheitswesens und der Bildung finanziert wurde. Von der “Verschwendung öffentlicher Gelder” ist die Rede. Und dabei ist dies noch lange nicht alles: In zwei Jahren finden die Olympischen Sommerspiele in Brasilien statt! Hunderttausende gingen auf die Strassen um zu protestieren. Auch zahlreiche brasilianische Prominente solidarisierten sich – darunter gar auch Fussball-Idole. Während der Eröffnungsfeier protestierte eines der drei Kinder, die weisse Tauben fliegen liessen, mit einem Protestbanner für die Ureinwohner – freilich hatte die FIFA rasch genug einen Kameraschwenk veranlasst.
Diese WM sollte eine friedliche und umweltschonende WM werden! Menschen starben, wurden verletzt oder gingen auf die Strassen. Interessiert sich die FIFA für den Erhalt des Regenwaldes oder des WM-Maskottchens, dem gefährdeten Dreibinden-Gürteltier? Ob solche Events überhaupt noch ausgerichtet werden können, interessiert niemanden. Nein – mit der WM in Katar wird wie bisher weitergemacht. Hauptsache der Rubel rollt – hoch über den Dächern von Zürich: Im FIFA-Hauptquartier!!!

Filmtipp:

“The Price of the World Cup” von Mikkel Keldorf

Lesetipp:

.) Leben in Armut: Überlebensstrategien in brasilianischen Elendsvierteln; J. Augel (1985); Brasilienkunde-Verlag. Mettingen
.) Zum Verhältnis von Armut, sozialen Konflikten und Sozialpolitik; T. Karsch (1993); Johann Wolfgang Goethe Universität. Frankfurt am Main

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Ist das würdig und recht?

Mein tief empfundenes Mitgefühl gebührt den Angehörigen jenes Unteroffiziers, der bei einem Hubschrauberabsturz am vergangenen Dienstag in Tirol um’s Leben kam!

Der Hubschrauber befand sich bei einem Aufklärungsflug im Rahmen der Übung “Schutz 2014″ des Österreichischen Bundesheeres. Die Pilotin und ein weiteres Besatzungsmitglied wurden bei diesem Unfall schwer verletzt!

Nachdem ich knapp über zwei Jahre meines Lebens als Zeitsoldat beim Österreichischen Bundesheer verbringen durfte, muss ich nun alle zwei Jahre zu Milizübungen einrücken, bis ich meinen Anteil an “Kaderübungstagen” abgedient habe. Diese Bezeichnung gibt es zwar nicht mehr, heisst nun “beorderte Waffenübungen”, wurde aber trotzdem bewusst von mir so gewählt, da es um das “Kader” geht, also um Führungspersonal. Und hierbei im Speziellen um jenen Teil der Soldaten, die solche Übungen in Organisationsfunktionen ableisten; nicht jene, die bei den Hot Spots vorort ihren Dienst versehen (dies wurde in früheren Zeiten als “Truppenübungstage” bezeichnet).
Der Sinn solcher Übungen ist unbestritten zu befürworten und rasch erklärt: Sollte es zu Vorfällen kriegerischer Natur oder etwa Katastrophen jeglicher Art kommen, so ergänzen diese Milizsoldaten den aktiven Stand und die Rekruten und ermöglichen somit, innerhalb kürzester Zeit den Helferkreis immens zu vergrössern um damit ein wesentliches Mehr an Schlagkraft zu gewinnen. Ob im Feind- oder Katastropheneinsatz – nach aussen hin zählt immer der befehlsausführende Soldat (von mir als “Kampfsoldat” bezeichnet) direkt vorort. Doch gibt es hinter den Kulissen jene, die das Ganze zu organisieren haben (von mir als “Funktionssoldaten” bezeichnet): Transport, Unterkunft, Verpflegung, Besoldung,… Die Kampfsoldaten sind zumeist jene, die noch Truppenübungstage zu absolvieren haben, da sie nur über sechs Monate hinweg ihren Grundwehrdienst abgeleistet hatten. Sie sollen durch diese Zeilen unbetroffen bleiben. Vielmehr dreht es sich um die Funktionssoldaten! Vor einigen Jahren nun wurde eine Umfrage in’s Leben gerufen, wonach sich derartige Soldaten entscheiden konnten, ob sie auf diese Art und Weise weitermachen oder vielleicht doch lieber vorzeitig aus dem Dienst ausscheiden möchten. Freilich lag die endgültige Entscheidung bei jenen Stellen, die unter Abwägung mehrerer Faktoren (die in diesem Text keine Bedeutung haben sollten) eine Abrüstung befürworteten oder auch nicht. Solcherlei angekreuzte Fragen blieben deshalb in einem Grossteil der Fälle unberücksichtigt. Es handelte sich vielmehr um die Erweckung des Anscheins einer Freiwilligkeit, die jedoch zu keinem Zeitpunkt bestand. Ich habe mich aus den vorhin erwähnten Gründen dafür ausgesprochen, da ich meine zivilen Fähigkeiten gerne dann zur Verfügung stelle, wenn Not am Mann/an der Frau ist.
Nachdem diese Übung “Schutz 2014″ eine nationale Übung war (3 österreichische Bundesländer waren aktiv/andere passiv daran beteiligt), hatte ich erstmals die Möglichkeit, auch mit Kameraden/-innen aus anderen Bundesländern zu plaudern. Und – was ich da hörte, entspricht ganz und gar nicht meinen bisherigen hehren Vorstellungen von einem glorifizierten Heer. Vielmehr finde ich, dass hiervon die Öffentlichkeit informiert werden muss, was mich insofern etwas in eine Bredouille bringt. Meines Wissens (kann mich natürlich auch irren!) habe ich zu Beginn meines Dienstes eine Verschwiegenheitsklausel unterschrieben. Sie jedoch bezieht sich auf militärische Geheimnisse, die ich somit in den folgenden Zeilen auslassen werde. Alles andere liegt nach meiner Betrachtungsweise “im öffentlichen Interesse”! Sie werden nach dem Durchlesen dieses Blogs wohl auch erkennen, weshalb bei mir in der Umsetzung dieses bestehenden Systems Zweifel aufkommen. Ach ja – Namen werde ich selbstverständlich keine nennen, um damit nicht Personen zu gefährden.
Mit meinem ersten Informanten habe ich mich ausführlichst unterhalten. Er war damals ebenso wie ich Zeitsoldat. Bei seinem Job in einer speziellen Abteilung oblag ihm ein grosses Maß an Arbeit – über die Verantwortung, nun ja – da lässt sich streiten. Allerdings kam er auch zivil aus dieser speziellen Richtung, übte sie also vor, während und nach der Zeit als Zeitsoldat aus. Somit kann durchaus davon ausgegangen werden, dass er die notwendige Fachkompetenz vorzuweisen hat. Seit dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst leistete er dementsprechend seinen Milizdienst in dieser Stelle ab. Was er jedoch nicht wusste, war die Tatsache, dass er eigentlich nur dienstzugeteilt war. Der Posten kam also aus einer ganz anderen Abteilung. Aufgrund diversester Umstrukturierungsmassnahmen nun wurde er heuer erstmals auf einen Platz in jener Abteilung gesetzt, in welcher er eigentlich personell erfasst ist, die jedoch partout nichts mit seinem zivilen Schaffen zu tun hat. Und dieser Posten beinhaltet eine Arbeit, die auch ein Miliz-Soldat, der vielleicht in diesem Bereich zivil tätig ist, nicht bewältigen kann, da es um spezielle militärische Vorgänge geht, bei welchen spezielle militärische Software verwendet wird. Vielmehr kam heraus, dass der Milizionär nur in diesen Fachbereich kam, um eine 24 h-Besetzung der Abteilung zu gewährleisten. Tagsüber drehten solche Soldaten alsdann in einem hoffnungslos überfüllten Gefechtsstand mit Mittags- und Nachmittagssonne bei rund 35-40 Grad Raumtemperatir die Daumen, da es für sie nichts zu tun gab. Die Tagesarbeit musste durch Angehörige des Aktivstandes erledigt werden. Bei derartigen Temperaturen in einer Uniform, die für alle Jahreszeiten geschaffen wurde, riecht man innerhalb von zwei Minuten, ob der Vordermann oder Kamerad an Deiner Seite dieselben Socken wie am Vortag trägt – auch durch die Feldschuhe hindurch! Ein solcher latenter, kräftezehrender Zustand über mehrere Tage hinweg lässt schon mal eine falsche Entscheidung aufkommen. Über Arbeitsaufkommen konnte sich mein Gesprächspartner zudem nicht beschweren, meinte er doch, seine einzige Beschäftigung bestand in Botengängen (so kam er zumindest aus diesem Sudraum) und dem Eintippen von einigen wenigen Zahlen, was innerhalb von 10 Minuten erledigt war – in acht Tagen!!! In der Nacht hatten sie keinen Zugriff auf den Computer, da es sich einerseits um sensible, andererseits um codewort- und chipkarten-gesicherte Daten handelte, was ja eigentlich zu befürworten ist. Alsdann mussten nur Anrufe entgegengenommen und weitergeleitet werden (ein bis max. zwei vor 22.00 Uhr – danach nichts mehr). Allerdings konnten sie sich die Zeit auch nicht mit privater Arbeit oder dem Internet vertreiben, da kein Zugriff auf das WWW bestand und die Mitnahme eines privaten EDV-Gerätes (in welcher Form auch immer) einer militärischen Genehmigung bedarf. Somit erweiterte dieser Soldat während der Nachtschicht seinen Wortschatz durch das Lesen von Zeitungen und Zeitschriften um den anschliessenden Tag in einem mentalen Dämmerzustand zu verbringen, da eine Ruhezeit unter tags nicht genehmigt und auch gar nicht möglich war. Er war nämlich in einem Zehn-Bett-Zimmer untergebracht, das nahezu voll besetzt war. Es herrschte ein ständiges Kommen und Gehen, sodass auch jener Soldat, der die Schicht von 24.00 bis 06.00 Uhr hatte, zuvor nicht vorschlafen konnte. Die Rekruten übrigens, die vorher in den Mannschaftszimmern ihrer Nachtruhe nachgegangen sind, wurden kurzfristig anlässlich dieser Übung in Mannschaftszelte ausquartiert. Bei über 30 Grad Celsius Tagestemperatur glichen viele dieser Zelte einer Bratfolie! Nachts musste die Lüftung bzw. Klima-Anlage ausgeschaltet werden, da an ein Schlafen bei dieser Geräuschentwicklung nicht zu denken war und sich unbestätigten Meldungen zufolge die zivilen Nachbarn der Kaserne bereits am ersten Tag über die Ruhestörung beschwert hatten. Vertreter des Ministeriums hingegen bezogen ihre Zimmer in 4- und 5-Sterne-Hotels (trotz des angesetzten Rotstifts ihres Ressortleiters). Mein Informant bestätigte mir, dass er aus einem Unternehmen kommt, das derzeit dermassen viel zu tun hat, sodass über die Sommermonate gar eine Urlaubssperre verhängt wurde. Dies alles muss nun nach dieser Übung aufgearbeitet werden, was sicherlich ein bis zwei Wochen in Anspruch nehmen wird. Können Sie sich vorstellen, wie lange ein Tag wird, wenn jemand körperlich da sein muss ohne einer Arbeit nachgehen zu können??? Dieser Soldat wurde somit klar fernab seines zivilen Könnens und Wissens eingesetzt, was schon mal an dem Sinn einer solchen Miliz zweifeln lässt. In einer vorhergehenden Übung gab es in seiner alten Abteilung dermassen viel zu tun, sodass er gar einmal schlichtweg vergessen wurde. Erst als der Abteilungsleiter von der Abschlussbesprechung des Aktivstandes, die normalerweise erst nach der Verabschiedung der Miliz stattfindet, zurückkam, fiel auf, dass dieser immer noch am Arbeiten war. Da wäre es besser gewesen, er hätte die Möglichkeit seines Kameraden aus dem Offiziersstand bei einer der Übungen zuvor gehabt, der stets gesucht wurde, sich jedoch in einem Alarmzimmer für den anstrengenden Berufsalltag nach der Übung ausgeschlafen hatte.
Doch das setzt sich fort. Ein Koch, der als Kraftfahrer eingesetzt ist, ein Sanitäter, der “zur besonderen Verwendung” stets in der Mannschaftsunterkunft die Zeit abzuliegen hat, Dauerspaziergänger, die in der Kaserne ihre Runden drehen,…! Hallo? Nachdem inzwischen dermassen viele Kantinen zugesperrt und auch die Cook’n'Chill- Variante ausgetestet werden musste, da schlichtweg zu wenig Personal greifbar ist, wird das wenige gar noch für berufsfremde Tätigkeiten eingesetzt. Tagsüber offenbar vollkommen gleichgültig, wurden viele im zivilen Leben erfolgreiche und arbeitsame Menschen anscheinend tatsächlich nur eingezogen um die Nachtstunden der 24 h-Bereitschaft überbrücken zu können. Die Arbeit erledigte das ebenfalls mitübende Aktivpersonal, das dadurch in den Genuss von Mehrleistungsentschädigungen kam. Nach unbestätigten Meldungen bei einem Soldaten im Dienstrang eines Oberst schon mal 1-2.000,- € – zusätzlich zum normalen Monatsgehalt! Sicherlich wurde so mancher Urlaub mit derartigen Aufwandsentschädigungen bezahlt! Ist das sinnvoll? Ich meine: “Na – ja!” Denn wie in der Praxis aufgezeigt, ist es für so manch im zivilen Leben tätigen Bürohengst plötzlich unmöglich, Organisationsarbeiten zu bewältigen, geschweige denn, mit im Privat-Bereich inzwischen zum Alltag gehörender Hard- und Software auszukommen. Oder liegt es vielleicht doch daran, dass vielleicht falsche Personen auf den Posten sitzen? Wer kämpfen will, der soll auch kämpfen, doch heisst das noch lange nicht, dass er auch für Positionen in der militärischen (Miliz-)Verwaltung geeignet ist.
Zum Thema “Frauen im Heer” möchte ich mich hier gar nicht äussern. Es sei nur soviel erwähnt, dass an so vielen g’standenen Kriegern bis hinauf zum General offensichtlich einige Errungenschaften der letzten Jahrzehnte spurlos vorbei gegangen sein dürften. Und dies nicht nur betreffs der Gehaltsschere. Ich denke mir, dass sich hier eine interne Untersuchungskommission sicherlich für die nächsten Jahre den Arbeitsplatz sichern könnte, wenn sie nicht vorzeitig “österreichisch”, also ohne Ergebnis abgebrochen wird.
Ach ja – zum Schluss noch eine nette Annekdote, die mit dieser Übung nicht wirklich etwas zu tun hat, mir jedoch trotzdem durchaus erwähnenswert erscheint! Im Rahmen der Ausbildung zum Miliz- bzw. Berufsoffizier wurden auch zwei Grossstädter auf die auch für eingefleischte Tiefschneeliebhaber schwer zu nutzenden militärischen Skier gestellt. Kein Wunder, dass jeder, der ansonsten bei einer solchen Alpin-Ausbildung teilnimmt, seine privaten Brettl’n verwendet, hat doch so mancher dieser Skier offenbar noch den Telemark-Schwung miterlebt! Sei’s drum. Die beiden Grossstädter schnallten sich die Skier an und marschierten ohne zu mucken mit bergauf. Schliesslich sollte dieser Berg nur ein Etappensieg für sie sein – das wirkliche Ziel war ein weitaus grösseres. Oben angelangt hiess es dann: “Felle ab und Abfahrt!”. Nun allerdings wurde auch diesen beiden Herren schwummrig. Schliesslich hatten sie volles Gepäck und ihre Waffe am Mann (zusätzlich rund 25-30 kg). Einer der beiden meldete leise seine Bedenken. Nachdem dies der Ausbilder nicht gehört hatte, forderte dieser eine lautstarke Aussage. Die kam auch prompt: Beide Grossstädter konnten nicht Skifahren!!! Nun ja – den Berg hinunter kamen sie trotzdem! Mit ihrem grossen Ziel vor Augen: Nicht zu Fuss wandernd!
Sehr viele unter Ihnen werden mich nun für komplett daneben halten. Wie kann jemand, der eigentlich dem Heer gegenüber aufgeschlossen ist, hierüber, gerade zum derzeitigen Zeitpunkt schreiben, wohlwissend, dass sich die Truppenkörper im Umbruch befinden, die notwendigen Geldmittel nicht mehr ausreichen und immer mehr die Abschaffung des Heeres fordern. Die Deutsche Bundeswehr, das Österreichische Bundesheer und auch die eidgenössische Armee sind zum Sparen verurteilt. Klar kann man für derartige “Miliz-Urlauber” (von manchen Aktiven auch als “Miliz-Vollkoffer” oder “Milizschweine” bezeichnet) keine Ein- oder Zwei-Bett-Zimmer für die Übungszeit zur Verfügung stellen, auch wenn immer wieder betont wird, dass ohne die Kollegen aus der Miliz keine zusätzliche Aufgabe zu den bereits bestehenden des Militärs gestemmt werden können. Anstatt dessen sind sie oftmals in Bauruinen untergebracht, die gar für Flüchtlinge als menschenunwürdig eingestuft sind. Anregung: Die Schnarcher sollten in ein Zimmer gelegt und die Diensträder angeglichen werden. Schliesslich geht es um die Einsatzbereitschaft des Soldaten. Diese nützt niemandem, wenn er im Schützengraben während des Anschlags oder bei der Katastrophenhilfe auf die Schaufel gestützt einschläft!
Zu meinen aktiven Zeiten war alsdann ein Befehl da, um umgesetzt zu werden! Ein “Ja, aber…!” oder ein “Geht nicht!” erschien damals unmöglich. Schliesslich existiert nach wie vor eine militärische Befehlskette, wonach die Verantwortung beim Erteiler des Befehls liegt. Er ist (sollte) entsprechend ausgebildet sein und muss somit genau wissen, was er durch einen falschen oder unlösbaren Befehl anrichten kann. Alles andere sind nur die Glieder der Kette, die Verlangtes weitergeben. Dass sich hierbei ein und derselbe Befehl widerspricht oder gar nicht ausführbar ist, das gab es früher ebenso nicht, da – vergleichbar mit privaten Unternehmen – solche Anordnungen bereits im Vorfeld von allen möglichen Perspektiven (Fachabteilungen) aus begutachtet werden müssen, wobei in diesen Management-Positionen Kopfnicken im vollen Bewusstsein, dass Anordnungen unausführbar sind, absolut fehl am Platz sind. Manager leben vom Input zur Entscheidungsfindung. Ist dieser falsch, wird schon mal ein Werk, das eigentlich positiv läuft, geschlossen! Vollkommen egal, wie viele Arbeitsplätze davon betroffen sind. Auch Offiziere und Unteroffiziere sollten jene Menschen als Menschen sehen, um deren Tun, deren Existenz es geht. Ansonsten unterscheiden sie sich in keinster Weise von Ihren privaten Kollegen, welche nur die Dividende für die Aktionäre im Auge haben, dabei aber niemals den Menschen! Versucht nun die deutsche Bundesverteidigungsministerin von der Leyen, die Bundeswehr auf einen familienfreundlichen Betrieb umzurüsten, da sie ansonsten aufgrund der Drop-out-Rate bei den Freiwilligen bald schon dicht machen kann, so ist dies beim Österreichischen Bundesheer noch in weiter Ferne. Liegt es vielleicht an der k.u.k.-Mentalität? Oder sollte bei der Besetzung von Arbeitsposten doch vielleicht mehr Wert auf das Können und den Enthusiasmus des Soldaten gelegt werden als auf seinen Anspruch aufgrund der Dienstjahre?! Schliesslich wird auch einem Mitarbeiter irgendwann mal der Strick reissen, wenn er tagtäglich etwas zu erledigen hat, das er eigentlich nicht wirklich tun will, er in anderen Bereichen aber ausgezeichnet aufgehoben wäre und hier nicht Jahre zuvor bereits die Tage bis zur Pensionierung zählen müsste. Es bedarf keines Führungsseminars um zu wissen, dass nur ein sich wohl fühlender Angestellter auch tatsächlich gute Arbeit leistet, von dem schliesslich das ganze Unternehmen zehrt.
Ich habe mir sehr schwer getan, diese Zeilen zu schreiben. Schliesslich lernte ich höchstwahrscheinlich erst während meiner Zeit als Rekrut den Begriff “Kameradschaft” zu definieren. Zudem habe ich sehr viele Bekannte in diesem Brotberuf. Dennoch denke ich, dass das Mauscheln und Schimpfen im Hintergrund falsch ist, denn dann gelangen Missstände bzw. auch wirklich gute Anregungen nicht bis hinauf in die nationale Entscheiderebene. Hier nämlich zählt nicht der Mensch – hier zählt die Nummer. Erst wenn diese Nummer funktioniert, läuft das Uhrwerk. Vielen ist jedoch nicht klar, dass jene, die solche Befehle und Anordnungen ausführen, Menschen sind, die jeder für sich, manche nach bestem Wissen und Gewissen, andere alsdann nicht, diese Aufgaben erledigen! Erst dann wird bekannt, dass auch zivile Kenntnisse von entscheidender militärischer Bedeutung sein können – vollkommen egal, ob sie vom kleinen Chargen, einem Unteroffizier oder von sog. “Experten” unter den Offizieren kommen. Und meine Herren, wenn Sie bereits von systemerhaltenden Rekruten die üble Nachrede haben, dass sie nach ihrer Grundausbildung nichts mehr zu tun hatten, weshalb machen sie dann denselben Fehler bei den Chargen und Unteroffizieren der Miliz? Bin ich etwa der Einzige, von dem Sie nun diese Kritik lesen?

PS:
Falls der Eindruck aufkommen sollte, dass ich diese Zeilen aus Frust verfasst habe, um denen da oben etwas auszuwischen: Ich habe die Matura (Abitur) und ich war auch auf der Universität!!! Hätte also ebenfalls einer von da oben werden können, habe mich aber dagegen entschieden.

PPS:
Sollten nun ich oder einige meiner Informanten für diese meine Schreiberei Repressalien ausgesetzt sein, so ist dies nur eine Bestätigung des Geschriebenen und damit ein Zeichen dafür, dass auch konstruktive Kritik in diesem Bereich zu keiner Zeit erwünscht ist!

PPPS:
Um aufzuzeigen, wie einseitig in manchen Bereichen die Funktion des Moderators genommen wird, ist die Kommentar-Funktion zu diesem Text ausser Funktion gesetzt! Ich wäre trotzdem entzückt über Kommentare per Mail (Adresse steht im Impressum), die ich vergleichend damit entsprechend berücksichtigen werde!

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Jaaaaa – Urlaub!!!

Cook it, boil it, peel it or forget it

Sommerzeit ist immer auch Reisezeit – die schönste Jahreszeit hat begonnen. Auch wenn es immer mehr werden, die es sich schlichtweg nicht mehr leisten können, zieht es sehr viele in’s Ausland. Doch: Andere Länder, andere Sitten und andere Gefahren! Denn, was bringt Ihnen der schönste Urlaub, wenn Sie ein bleibendes Andenken mit nach Hause nehmen oder mit Magen-Darm-Infektion nie aus dem Hotel gekommen sind. Gerade mit viralen oder bakteriellen Erkrankungen ist meist nicht zu spassen. Hier gilt es, einige grundsätzliche Regeln einzuhalten, damit die schönste Zeit des Jahres nicht zum Reinfall des Jahres wird.
Heute möchte ich Sie über das Hepatitis B-Virus (HBV) informieren, das es tatsächlich in sich hat. Gegen Ende des Blogs gibt’s noch eine Kurzbeschreibung der anderen, die aber ebenfalls nicht unterschätzt werden sollten, da ein solcher Krankheitsverlauf im Extremfall auch letal enden kann. 1985 wurde das B-Virus entdeckt: Ein 42 nm grosses, partiell doppelsträngiges DNA-Virus, das zur Familie der Hepadnaviridae gehört. Seither werden alle Blutkonserven auf den Virus hin getestet. Im Jahr 2013 fanden Forscher durch Vogelüberreste heraus, dass der B-Typ sehr alt sein muss. Virale Genbruchstücke verändern sich nur ganz langsam – deshalb konnten diese auch in solch prähistorischen Fundstücken nachgewiesen werden – 82 Millionen Jahre alt! In der Zeit der Dinosaurier! In den folgenden Millionen Jahren gab es dann den Wirtswechsel – von den Vögel auf die Säugetiere. Schon mal ein Hinweis, wie hartnäckig dieser Virus tatsächlich ist. Hepatitis B zählt zu den weltweit häufigsten Viruserkrankungen – bei rund 40 % der Weltbevölkerung sind Antikörper gegen das Virus zu finden (Deutschland: 5-8 %) oder sie zeigen bereits Krankheitssynptome. Übertragen durch Körperflüssigkeiten (Blut, Speichel, Ejakulat, Tränen, Vaginalsekret) greift HBV vornehmlich die Leber an. Eine solche akute Leberentzündung heilt normalerweise folgenlos aus. Sind diese HBVs jedoch länger als 6 Monate im Blut des Betroffenen zu finden, so spricht man von einer chronischen Entzündung (in Deutschland rund 500.000 Menschen), die v.a. bei Neugeborenen und immungeschwächten Personen (Chemo-Therapie oder HIV) kritisch verlaufen kann. Neben der Übertragungsmöglichkeit bei der Geburt oder über die Muttermilch geschieht die häufigste Infektion beim Geschlechtsverkehr (40-70 %), aber auch etwa beim mehrfachen Gebrauch von Nadeln (Drogenmissbrauch, unsauberen Tätowierungen) oder Piercings bzw. Rasuren und Zahnbürsten. Geographisch finden sich die häufigsten Erkrankungen in den Ländern der Dritten Welt bzw. den Schwellenländern (Afrika, Asien, Südamerika). Bei medizinischem Personal zählt Hepatitis B zu den häufigsten Berufserkrankungen.
Die Inkubationszeit erstreckt sich auf 60 bis 120 Tage. Die Symptome sind unterschiedlich. Meist beginnt die Krankheit mit typischen Grippe-Symptomen, wie Unwohlsein und Übelkeit, Appetitlosigkeit und Erbrechen, Gelenkschmerzen – zeitweise auch mit Fieber. Danach färbt sich der Urin dunkel und die Haut gelb (Gelbsucht bzw. Ikterus). Letzteres verblasst 2-4 Wochen nach dem Krankheitshöhepunkt wieder. Der Krankheitsverlauf ist jedoch von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Normalerweise wehrt sich der Körper gegen die Viren und bildet Antikörper, welche die Krankheit ausmerzen (in 90 % der Fälle). In einem schweren Verlauf jedoch kann es zu Leberversagen und somit der Vergiftung des Körpers kommen. Bei infizierten Kindern geht die akute Erkrankung meist in eine chronische über, was in weiterer Folge zu einer Leberfibrose (bindegewebige Veränderung) oder auch einer Leberzirrhose (Schrumpfleber) bzw. einem Leberzellkarzinom (Krebs) führen kann. Während all dieser Monate ist der Betroffene ein Ansteckungsherd! Bei einem solchen chronischen Verlauf empfehlen die Mediziner eine antivirale Therapie (meist eine Interferon-Therapie, die nach 48 Wochen beendet ist), wobei allerdings eine Komplett-Heilung niemals machbar sein wird, da immer virales Erbgut in der Leber bleiben wird.
Normalerweise werden Kinder zwischen dem 2. Lebensmonat und dem 18. Lebensjahr gegen Hepatitis B kostenlos geimpft. Im Erwachsenenalter gilt dies nur für medizininisches Personal, Drogenabhängige, Homosexuelle und etwa Patienten mit Vorerkrankungen bzw. Angehörigen von Erkrankten. Alle anderen müssen die Kosten selbst tragen. Ansonsten ist die Übertragung bei Verwendung eines Kondoms während des Geschlechtsverkehr, normaler Hygiene-Massnahmen und der Verwendung von eigenen Hygiene- bzw. Körperpflege-Geräten eher unwahrscheinlich. Insgesamt sind drei Impfungen zur Immunisierung notwendig. Vier bis sechs Wochen nach der ersten erfolgt die Zweite, sechs bis zwölf Monate nach dieser dann die dritte. Der Impfschutz dauert nun 10 bis 25 Jahre. Die Immunisierung gilt übrigens auch für Hepatitis D – zudem wird häufig ein Kombinationsimpfstoff gegen Hepatitis A verwendet! Die rund 50 € pro Teilimpfung
sind jedoch gut investiert. Wurde die Krankheit einmal überstanden bieten die Antikörper lebenslangen Schutz. Allerdings kann sich der Virus auch als “Schläfer” in die Leber zurückziehen und bei einer Immunschwäche erneut ausbrechen.
Neben dem Hepatitis B-Virus gibt es jedoch noch zahlreiche andere Virenstämme, die sehr gefährlich werden können:
.) Der A-Stamm
Bereits 1965 entdeckte die Wissenschaft dieses Virus. Das gefährliche an diesem A-Stamm ist, dass er sehr widerstandsfähig ist. Temperaturen und auch so manches Desinfektionsmittel ist ihm nahezu egal. Dadurch kann er zu grossen Epidemien führen.
.) Der C-Stamm
1988 wurde dieser Virus (HCV) nachgewiesen. Von ihm gibt es 6 Genotypen und 80 weitere Subtypen. In Europa am meisten verbreitet ist der Genotyp 1. Mit sog. “Proteasehemmern” bestehen gute Heilungschancen, spricht der Virus doch auf die normale Interferon-Therapie so gut wie nicht an. Jährlich infizieren sich weltweit rund 2-3 Mio Menschen mit HCV – insgesamt dürften es inzwischen 130 bis 170 Mio sein, bei welchen der Krankheitsverlauf chronisch wurde – das sind zirka 2-3 % der Weltbevölkerung (in Deutschland konnten bei 0,4 % der Einwohner Antikörper festgestellt werden). Hepatitis C gilt als “lautlose Krankheit”. Rund drei Viertel der Infizierten entwickeln einen chronischen Verlauf, der nach etwa 30 bis 50 Jahren zur Leberzirrhose oder Leberkrebs führt. Viele Infizierte bemerken die Symptome gar nicht (“hinterhältige Erkrankung – Sniper Disease”). HCV ist meldepflichtig, doch verzeichnet das dafür verantwortliche Robert-Koch-Institut Berlin einen Rückgang der Erkrankungsfälle (5.302 im Jahr 2010/4.998 im Jahr 2011)
.) Der D-Stamm
Hierbei handelt es sich um ein defektes Virus, das nur gemeinsam mit B-Viren auftritt (Simultaninfektion). Kommt es nun zu einer zusätzlichen D-Infektion, so spricht der Experte von einer “Superinfektion”, die allerdings im deutschsprachigen Raum eher selten ist. Sie tritt vornehmlich in Süd-, Südosteuropa, Südamerika und Afrika auf. HDV erhöht das Risiko für Leberzirrhose oder -krebs! Deshalb sollte es auf jeden Fall antiviral bekämpft werden.
.) Der E-Stamm
Dieser E-Virus überträgt sich nahezu ausschliesslich über Trinkwasser, das mit menschlichen Fäkalien kontaminiert ist. Betroffen davon sind vornehmlich Erwachsene in den Ländern der Dritten Welt. Diese Erkrankung dauert rund 2-3 Wochen – ein chronischer Krankheitsverlauf ist nicht bekannt. Gefährlich kann es allerdings in der Schwangerschaft werden, sind doch einige Fälle von Fehl- bzw. Totgeburten bekannt. Auch ein folgendes Leberversagen kann in 10-20 % der Fälle tödlich enden. Durch ein Abkochen des Wassers kann präventiv eine Infektion verhindert werden.

PS: Um dem vorzubeugen, dass sich wieder eine Flut von Mails über mich ergiesst – im deutschen Sprachgebrauch ist sowohl “der Virus” als auch “das Virus” gebräuchlich! Wer es genau wissen möchte, dem sei der Duden an’s Herz gelegt!

Literatur:

Medizinische Virologie. A. Erhardt/W. H. Gerlich/Wolfram H. Gerlich (Hrsg.); 2. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2010, ISBN 3-13-113962-5

Links:

http://www.hepatitis.de

http://www.kompetenznetz-hepatitis.de/

http://www.rki.de

http://www.uni-giessen.de

http://www.gib-aids-keine-chance.de

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Der gelbe Riese wankt

Vor einigen Jahren, ich war damals Sendeleiter einer regionalen Radiostation, erhielt ich eine unerwartete E-Mail, die mich aber nichtsdestotrotz umso mehr freute: Zu Weihnachten bedankte sich der Leiter der Unternehmenskommunikation bei mir für die gute Zusammenarbeit, entschuldigte sich allerdings auch sofort für die Form, wie er es tat – per Mail! Seine komplette schriftliche Weihnachtspost sei versehentlich geschreddert worden und die Zeit reiche nicht mehr aus, all die Karten nochmals zu schreiben und zu versenden! Ironie des Schicksals: Absender war die Österreichische Post! Quelle malheur!
Seither allerdings ging es mit dem gelben Riesen im Direktflug nurmehr steil bergab. Postfilialen wurden allerorts geschlossen – Postpartnerschaften begründet, alteingesessene Bedienstete nahezu in die Frührente getrieben, Briefträger, die nicht in das neue Vertragsbediensteten-Schema wechselten, wurden versetzt, bis sie selbst die Segel einholten, Backoffice-Beamte verbrachten ihre Zeit zeitungslesend oder kartenspielend im Sozialraum, die neuen Dienstverträge wurden ganz unten angesiedelt – dafür allerdings auch neues Personal gesucht, das die älteren Mitarbeiter, die das alles nicht mehr mitmachen konnten oder wollten zu wesentlich günstigeren Preisen ersetzen sollte. In den Vorstandsetagen freilich reibt man sich die Hände: Aus dem ehemals riesigen österreichischen Unternehmen wurde nurmehr ein Schatten seiner selbst, das irgendwann von einem Mitbewerber geschluckt werden wird – ohne grosse Schlagzeilen. Dasselbe Bild übrigens auch in Deutschland. Aktuell ist derzeit in den deutschen Medien der Fall einer Aushilfsbotin nachzulesen, die nach sage und schreibe 88 befristeten Verträgen über 12 Jahre hinweg nun im April die Kündigung erhielt: Sie sei aufgrund eines Krankenstandes untragbar geworden (Quelle: Stern-TV)! Wie ist dies doch gleich mit dem Usus bei befristeten Verträgen??? Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi haben inzwischen 11 % der fleissigen Helferleins der Deutschen Post derartige Verträge (“Abrufkräfte”) – das Teilzeit- und Befristungsgesetz macht dies möglich! Inzwischen werden jedoch die Beschwerden der Kunden immer lauter: Die Aushilfen finden die Adressen nicht – die Post bleibt liegen! Allerdings gibt es einen Unterschied: Die Deutsche Post war zuvor in Form einer AG bereits privatisiert! In Österreich zahlt noch fleissig der Steuerzahler.
Über das Chaos mit den Änderungen der Beförderungrichtlinien bzw. des damit einhergehenden eklatanten Anstiegs der Portokosten im Alpenstaat habe ich mich an dieser Stelle schon mal ausgelassen. Heute möchte ich mich einem Thema widmen, von dem der Postkunde per se nichts mitbekommt, da es hinter verschlossenen Türen besprochen und abgehandelt wird. Im österreichischen Wiederholfunk läuft derzeit wieder ein Werbe-Clip mit dem Inhalt, dass sich bei über 1.800 Filialen und Postpartnern sicherlich auch der eine oder andere direkt bei Ihnen um’s Eck befindet (Gehört etwa auch dieser Werbeclip zur Flut von ORF-Wiederholungen?). Mag derzeit noch so sein – aber höchstwahrscheinlich nicht mehr sehr lange! Denn der Post laufen die Partner weg (Quelle: ORF)! Berechtigterweise übrigens. Ein solcher Postpartner bekommt in Österreich pro Brief 4 Cent an Provision! Davon muss er die Miete, Personalkosten, Steuern, Sozialversicherungen etc. begleichen. Das alles spart sich die Post ein – ein Mitarbeiter fährt ein- oder zweimal am Tag vorbei, holt die Briefe und Pakete ab und die Sache hat sich. Vom Dienstleister zum reinen Logistik-Unternehmen! Das wollen nun viele bisherigen Postpartner nicht mehr mitmachen. Die privaten Geschäftsleute kündigen die Verträge auf, die Gemeinden und Fremdenverkehrsbüros weisen darauf hin, dass die Unkosten der Steuerzahler oder die Beherbergungsbetriebe zu bezahlen haben! Ähnliches auch in Deutschland: Die Postfiliale in einem der grössten Kurorte des Landes wurde aufgelassen und durch einen kleinen Schalter im Supermarkt ersetzt. In dieser Postfiliale musste man zu Stosszeiten noch anstehen, obwohl zwei Schalter geöffnet hatten. Jetzt muss mit Wartezeiten von teilweise 20-30 min gerechnet werden, wenn sich ein Post- oder Postbankkunde detailliert beraten lässt, da der Supermarkt keine zweite Kraft abstellt. Ok – diese Postpartnerstelle zahlt sich auch für den Betreiber aus, allerdings überlegt man sich als Kunde auch hier, ob eine Mail nicht doch besser wäre – erspart viel Zeit.
Der neueste Clou nun ist der Paketautomat. Die Idee hierzu kam wohl aus Deutschland (DHL-Packstationen), wird nun aber auch in Österreich eins zu eins umgesetzt! Apropos: Wo sind denn all die schönen Briefmarken-Automaten hin? Früher direkt neben den Briefkästen positioniert, musste Frau/Mann sich nicht an die Schalterzeiten halten, frankierte hier ganz simpel den Brief und warf ihn direkt ein. Wurde zu wenig frankiert, musste der Empfänger aufgrund mehr als lästiger T-Stempel Nachporto entrichten. Ein SB-Bereich, der anstandslos funktionierte und dem Unternehmen Geld einzusparen half. Heutzutage muss man an den Schalter, um an die Marken ranzukommen. “Werter Kunde, aufgrund verschiedener Umstrukturierungsmassnahmen muss mit kurzffristigen Wartezeiten gerechnet werden!” Nun gehen DHL und ÖPT also andere Wege: SB im Paketdienst! Verpacken, frankieren und aufgeben in einer SB-Servicestelle – die österreichische Post bewirbt dies gerade aktuell mit unheimlichem Werbeetat. Bei DHL kommt nun noch etwas geiles hinzu, das die ÖPT sicherlich erst in einigen Jahren aufgreifen wird: Die Paket-Abholboxen! Sie kennen ja das Problem: Irgendwann im Laufe des Tages kommt der Paketdienst und unternimmt den Zustellversuch für den bestellten Anzug, den Sie dringendst für die Hochzeit am kommenden Wochenende benötigen. Die Nachricht über einen erneuten Zustellversuch am nächsten Tag können Sie getrost verschmeissen, da Sie auch zu dieser Zeit am Arbeiten sind und sicherlich nicht 1-2 h warten können. DHL hatte bislang den Vorteil, solche Pakete am Post-Standort zur Abholung zu hinterlegen. Auch andere Paketdienste hatten solche Basen – ansonsten aber ging die Lieferung mit dem Vermerk “Nicht zustellbar!” zurück. Jetzt laufen die Uhren etwas anders. Ähnlich Ihres Briefkastens können Sie sich nun seit Anfang Mai einen Paketkasten in die Einfahrt stellen. Eigentlich eine gute Einrichtung, wird doch der Empfänger durch die Abteilung Post-eCommerce-Parcel (PeP), über die Zustellung mittels Mail informiert und kann einen solchen Paketkasten auch seinen Nachbarn anbieten. Die Kästen können entweder gekauft oder gemietet werden. Der Konkurrenz freilich sind sie ein Dorn im Auge, schliesslich bleibt diese “aus Sicherheitsgründen” (Deutsche Post AG) ausgeschlossen. 3,4 Millionen Pakete werden jeden Tag über DHL zugestellt – diese “grösste Erfindung seit dem Briefkasten” (Jürgen Gerdes, Abteilungsleiter der Sparte PeP) erspart dem Kunden, aber auch dem Zusteller viel Zeit und Geld. Jeden Tag kommen derzeit rund 100 Bestellungen für solche Kästen in Deutschland rein. Die Basisversion kostet im Ankauf 100,-, die Superversion rund 400 €, die Miete liegt bei 2 € pro Monat.
Auch in der Schweiz bleibt der ehemalige Platzhirsch innovativ um der Konkurrenz zu strotzen: Die eidgenössische Post bietet den Fulfilment-Dienst “YellowCube” an. Kleine und mittlere Online-Händler können den gesamten Warenbestand in einem Logistik-Zentrum der SPT in Oftringen einlagern, von dem direkt versendet wird. Zehn Mitarbeiter und 35 Roboter sollen auf diese Art rund 12.000 Artikel pro Tag kommissionieren.
Die Deutsche Post AG hat 2013 ganze 2,86 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern (EBIT) erwirtschaftet – davon nach wie vor 1,2 Mrd. im Briefbereich, der wider Erwarten konstant bleibt. Rund 85 % allerdings entfallen auf die Brief-Geschäftskunden. Und hier prüft nun das Bundeskartellamt, ob eine Marktverzerrung durch zu niedrige Preise bei Grosskunden vorliegt (“wettbewerbswidriges Verhalten”). Während die Erhöhung des Briefportos für Otto Normal-Verbraucher offenbar nur der Erhöhung des Gewinns diente! Das Konzernjahresergebnis lag um 27,5 % über jenem des Vorjahres. Gerade im Paketbereich über die Tochter DHL boomt das Wachstum – noch nie wurden dermassen viele Pakete wie heute verschickt. Umso bedauerlicher hingegen ist die Information, dass die kleinen Mitarbeiter, die der Grundbaustein dieses Erfolges sind, hiervon leider nichts abbekommen. Damit etwa ein Briefträger ein E-Bike erhält, muss er ein ärztliches Attest vorlegen. Gesunde, sportliche Mitarbeiter – das wünscht sich wohl hjeder Unternehmer. Jene jedoch, die gerade dadurch auch krank werden können (Wind und Wetter) werden ganz einfach aufgrund ihrer befristeten Arbeitsverträgen gekündigt. Geschäftspraktiken der Gegenwart – leider!

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