Archive for Juli, 2014

Wohin soll das alles noch führen???

Die tragischen Ereignisse in der Ost-Ukraine und im Gazastreifen dominieren nunmehr seit Tagen die Weltpresse, weshalb ich mich hiermit nicht beschäftigen möchte – noch nicht. Doch – haben Sie in letzter Zeit schon mal den Wirtschaftsteil Ihrer Zeitung aufgeschlagen? Wenn ja, dann sind Sie ja bestens informiert. Wenn nein, so sind die folgenden Zeilen ganz speziell für Sie gedacht. Sozusagen, zum updaten, damit Sie wieder auf dem Laufenden sind, für die weitere Routenplanung durch Ihr Leben! Ein Weg übrigens, der schlimmer nicht sein könnte, wenn das alles so weiter geht.
Es waren insgesamt drei Headlines, die mich in dieser Woche zweifeln liessen, ob denn bei so manchem Wirtschaftsboss noch alles in Ordnung ist, im Oberstübchen. Ich möchte Ihnen heute nicht nur diese drei unglaublichen Geschichten vor Augen führen, sondern auch mögliche Konsequenzen aufzeigen.
Mitte Juli haben in Geislingen (BW) 2.500 Menschen gegen einen geplanten Stellenabbau beim Besteck- und Haushaltswaren-Hersteller WMF protestiert. Und – es waren nicht nur Angestellte des Konzerns, die ihrem Unmut durch diese Demonstration Luft machten – auch Mitarbeiter von Daimler etwa und jede Menge Politiker waren vorort um lautstark auf die Missstände hinzuweisen. Das Unternehmen hat zuletzt einen zweistelligen Millionengewinn eingefahren. Aus der Gravur etwa heisst es, dass die letzten Monate über 9 Stunden täglich und zusätzlich an Samstagen gearbeitet wurde (ein Mitarbeiter, der seit 38 Jahren beim Unternehmen ist, demnächst aber auf die Strasse gesetzt wird gegenüber des SWR). Andere Bereiche melden, dass dringend weitere Mitarbeiter benötigt würden. Anstatt dessen will aber der Vorstand jeden fünften Arbeitsplatz streichen! Der Grund hierfür: Dem Investor KKR aus den USA sollen dadurch höhere Gewinne zuteil werden (er hält derzeit 70 % der Stammaktien). Eine höhere Dividende also auf Kosten der Mitarbeiter, die keinen unwesentlichen Teil des Erfolgs dieses Unternehmens darstellen. Insgesamt sind derzeit beim Konzern 6.100 Mitarbeiter beschäftigt, der Konzernumbau soll rund 700 von Ihnen in Baden-Württemberg (alleine in Geislingen 500) zu Arbeitslosen machen. Insgesamt sollen pro Jahr 30 Mio € eingespart werden. KKR ist erst vor 2 Jahren eingestiegen, in einigen Jahren soll WMF von der Börse genommen werden. Hat die Menschenkette um den Konzern-Stammsitz geholfen?
Beispiel 2: Daimler! Im April gingen zwischen 2.500 (Schätzungen der Polizei) und 4.000 Beschäftigte (Angaben des Betriebsrates) vor der Konzernzentrale in Stuttgart auf die Strasse als bekannt wurde, dass der komplette Vertrieb umstrukturiert werden soll. Einige Standorte sollen verkauft, bei den anderen die Arbeitsbedingungen deutlich verschlechtert werden. Vonseiten der Arbeitnehmervertretung war damals gar von “Kahlschlag” die Rede. In der Konzernführung erwarte man sich mehr Gewinne durch weniger Standorte. Zehn Prozent vom Umsatz werden angepeilt (2013 waren es noch 6,5 %). Daimler beschäftigt in Deutschland rund 15.000 Mitarbeiter. Grosse Teile davon verzichteten bereits im Jahr 2008 auf freie Tage, dafür versprach Daimler bis 2017 keine betriebsbedingten Kündigungen und bis Ende des kommenden Jahres keine Standortverkäufe. Nach eigenem Jahresabschlussbericht erzielte die Daimler AG 2013 einen Umsatz von 75,531 Mrd € (2012: 72,727) und einen Bilanzgewinn von 2,407 Mrd € (2012: 2,338). Im laufenden Jahr soll  – nicht zuletzt aufgrund des boomenden Autogeschäftes – ein EBIT in der Höhe von 7,5 Mrd. erreicht werden. In der Nutzfahrzeugsparte konnte zwischenzeitlich eine Einigung erzielt werden: Es wird kein Werk geschlossen, die Arbeiter werden aber grossteils umgeschult. Eine höhere Dividende für die Aktionäre auf dem Rücken der Angestellten.
Beispiel Nummer 3: Microsoft! Im April kaufte der EDV-Riese die Gerätesparte des finnischen Handy-Herstellers Nokia auf. Es dürfte sich hierbei um einen strategischen Einkauf gehandelt haben, da derzeit gross Tabula Rasa gemacht wird. So wird etwa die Produktion des Smartphones Nokia X eingestellt, da es mit dem Betriebssystem Android (allerdings ohne Google-Unterstützung) läuft. Dieser Tage nun kündigte der ehemalige Microsoft- und Nokia-Manager und jetzige Microsoft-Gerätechef Stephen Elop an, dass konzernweit nicht weniger als 18.000 Jobs bei Microsoft eingespart werden sollen. Die meisten davon mit 12.500 bei Nokia (viele andere in der Videoproduktion bei der Spielekonsole X-Box). Ziel des Ganzen sind grosse Einsparungsmassnahmen, damit Microsoft den derzeit etwas hinkenden Handy-Markt mit möglichst günstigen Produkten wieder ankurbeln kann. So wird bis spätestens Dezember 2014 ein Lumia für max. 100,- $ zu bekommen sein. Microsoft gibt den Handies die Zukunft. Sollte hier der Kampf um den Markt verloren gehen, würde der Software-Gigant eine empfindliche Schlappe einstecken müssen und der Kauf von Nokia wäre eigentlich sinnlos gewesen. Nokia übrigens machte im Jahr 2013 einen Umsatz von 12,709 Mrd € und einen EBIT von 519 Mio €. Die Zahlen allerdings sind aufgrund der Aufspaltung des Konzerns mit Vorsicht zu geniessen.
Noch unklar hingegen ist derzeit das Sparprogramm beim Dortmunder Versicherungsunternehmen Signal Iduna. Aus der Konzernleitung heisst es, dass im Rahmen eines Effizienzsteigerungprogrammes bis 2017 jährlich 100 Mio € eingespart werden sollen. Die Gewerkschaft Ver.di befürchtet, dass dies ohne Personalabbau nicht umzusetzen sei. Vorstandsvorsitzender Ulrich Leitermann betont hingegen, dass bislang Kürzungen stets über die natürliche Fluktuation, nicht durch Kündigungen erreicht wurden. Im vergangenen Jahr stiegen bei Signal Iduna die Beitragszahlungen um beinahe 2 % auf 5,56 Milliarden € – der Jahresüberschuss lag bei 132,1 Mio €. Das ist zwar ein Minus von 16,9 % gegenüber des Jahres 2012 – allerdings ist diese Tatsache mit den Versicherungsleistungen durch Naturkatastrophen recht einfach zu erklären (35 Mio €). Somit werden also auch hier nach wie vor dicke Gewinne eingefahren – trotzdem ist ein möglicher Personalabbau nicht vom Tisch. Wer soll denn dann noch bei Signal Iduna Versicherungen kaufen, wenn nicht der arbeitende Otto Normalbürger???
Aber das exerzierte damals bereits der Allianz-Konzern vor: Im Jahre 2006 forderte gar die damalige SPD-Vorsitzende in Hessen, Andrea Ypsilanti, dass rentablen Konzernen betriebsbedingte Kündigungen untersagt werden sollten. Trotz Milliardengewinns sollten 7.500 Stellen gestrichen werden – die meisten davon in Köln (1.300 Vollzeitstellen). Auch bei der Tochter Dresdner Bank wurde mit 2.500 Stellen der Rotstift sehr schmerzhaft angesetzt. Hier gingen allerdings innerhalb der fünf Jahre bis zu diesem Zeitpunkt bereits 16.000 Arbeitsplätze bundesweit verloren. Zurück zum Versicherer. Mit 31.000 Vollarbeitsplätzen wurde 2005 der Umsatz um 4 % auf über 100 Milliarden € gesteigert. Dabei wurde der Gewinn mit ca. 4 % auf einen Rekordwert hinaufgekurbelt (4,4 Mrd € – plus 30 % gegenüber 2004). Der Betriebsrat sprach von einer “Riesenschweinerei”, Andrea Ypsilanti meinte damals ganz treffend:

“Da werden einfach Leute auf die Straße gesetzt, die vorher durch ihren Fleiß die Gewinne des Konzerns miterwirtschaftet haben.”

Als der Abbau-Plan bekannt wurde, legte die Allianz-Aktie an der Börse zu. Ein Irrsinn!!!
2011 sorgte der Technologie-Riese Siemens für einen lauten Aufschrei am Markt: So sollten in der Gesundheitsbranche (Geräte für die Krebsbekämpfung bzw. Forschung) mehrere hundert Stellen abgebaut werden. Ebenso wie bei Signal Iduna versuchte die Konzernspitze zu beruhigen: Es solle zu keinerlei betriebsbedingter Kündigungen kommen. Wenn dem dann auch tatsächlich so war, war es ja gut. Doch zeigen immer wieder die Erfahrungen aus der Vergangenheit auf, dass solchen Aussagen keinerlei Gewicht verliehen werden kann. Trotz eines “unruhigen makroökonomischen Umfeldes” (Vorstandsvorsitzender Löscher) und einem sich abflachenden Wirtschaftswachstums wurde das Geschäftsjahr 2010/2011 zu einem “ausgezeichneten Jahr” für Siemens. Der Umsatz stieg um 7 % auf 73,5 Milliarden Euro, der Nettogewinn um 56 % auf 6,3 Milliarden.
Nur einige wenige von sehr vielen Beispielen einer nahezu endlosen Liste: Wüstenrot, Telekom, Osram, Ergo, Deutsche Bank, Yahoo!, … – auch österreichische Unternehmen sind längst nicht mehr davor gefeit! Wurden in früheren Zeiten Investitionen in andere Branchen gemacht, um dadurch steuerschonend zu arbeiten, werden heute Gewinne offshore verlagert. Fragt sich, was besser ist!? Wird ein gut gehender Betrieb aufgekauft, um ihn nach zwei Jahren entweder zu schliessen oder weiterzuverkaufen, so sind davon Arbeitsplätze betroffen. Werden Gewinne ins Ausland verlagert, so sind davon ebenso Arbeitsplätze betroffen, da der Eindruck aufkommt, dass die heimische Produktion unrentabel ist, wodurch Verlagerungen möglicherweise in’s billigere Ausland stattfinden. Auch Experten warnen schon seit einiger Zeit vehement vor der gefährlichen Ungleichverteilung des Kapitals. So beispielsweise der Chef-Ökonom der Saxo-Bank, Steen Jacobsen. Das komplette Kapital fliesse derzeit in Banken und börsennotierte Unternehmen. Alle anderen gehen leer aus. Kann überhaupt noch von Moral und Ethik in den Führungsetagen gesprochen werden? Dort, wo der Mensch zur Nummer wird! Dort, wo über Einzelschicksale niemals nachgedacht wird? Doch auch die Ausführenden selbst, die Manager, erfahren immer mehr diesen Druck, der ansonsten auf dem kleinen Manne lastet. Es zählt nurmehr die Rendite für die Investoren – alles andere ist ein Nebenschauplatz. Dementsprechend schinden sie sich gute Verträge heraus, damit sie notfalls trotzdem nach zwei Jahren ausgesorgt haben. So hat etwa die Commerzbank in Deutschland zuletzt mehr an Provisionen ausbezahlt, als sie an Gewinnen reinbekommen hat! Wie stimmt das denn noch überein?

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Finger weg von den Kalkkögeln

Wer schon einmal oben gestanden ist, auf einem Gipfel der Stubaier Alpen, der weiss diesen wunderschönen Anblick zu schätzen – ein Panorama, das niemand so schnell vergisst! Ein nicht unwesentlicher Teil dieser Stubaier Alpen sind die Kalkkögel. Eine Bergkette, die derzeit die Tiroler Gemüter erhitzt. Diesen Blog schreibe ich, da ich darum gebeten worden bin. Ein Verfahren läuft derzeit noch nicht, da sich die Politik hierzu uneins ist. Deshalb kann ich auch ohne Bedenken meine Meinung dazu äussern.
Entstanden ist die Bergkette zwischen Perm und oberem Trias, also zwischen 252 bis 208 Mio Jahren. Sie erstreckt sich von der Kemater Alm im Norden bis zum Kreuzjoch im Süden; der höchste Gipfel ist mit 2.804 m die Schlicker Seespitze. Die Kalkkögel gleichen in ihrem Aussehen sehr den Dolomiten, weshalb sie auch gerne als “Nordtiroler Dolomiten” bezeichnet werden. Im Jahre 1983 hat die Tiroler Landesregierung unter Landehauptmann (Ministerpräsident) Eduard Wallnöfer das nahezu komplette Gebiet (77,7 km²) zum Ruhegebiet erklärt, damit im Nahbereich der Landeshauptstadt noch zumindest ein Fleckchen an wilder und ursprünglicher Bergwelt erlebt werden kann. Zudem entspringen in den Kalkkögeln auch unzählige Quellen. In Tirol gibt es insgesamt acht solcher Regionen. Ruhegebiet bedeutet nicht Naturschutzgebiet – in einer solchen Region besteht einzig und alleine ein Baustopp! Seither haben sich die Kalkkögel zu einem Spazier- und Wanderer-Naherholungsgebiet sowie zu einem Eldorado für Bergsteiger entwickelt. Zudem werden beiden Flanken auch durch den Wintertourismus genutzt – im Süden durch das Skigebiet Schlick 2000 und im Norden durch die Axamer Lizum. Und hier liegt auch der Hund begraben: Beide Skigebiete sollen nun durch einen Brückenschlag zusammengelegt werden. Die Naturschützer und Ruhesuchenden laufen Sturm, die Touristiker und Hoteliers betonen, dass es ohne nahezu nicht mehr geht. Dem Skitouristen würde sich dabei ein irrsinnig grosses Gebiet eröffnen.

Nun muss ich etwas ausholen.
Das Stubaital liegt südlich von Innsbruck und ist ein Seitental des Wipptales. Rechts und links durch hohe Berge eingeschlossen, befindet sich ganz am Ende des Tales der Stubaier Gletscher, der selbstverständlich touristisch erschlossen ist (60 Pistenkilometer und 22 Liftanlagen). Zudem gibt es in der grössten Gemeinde des Stubaitales, Neustift noch ein Skigebiet auf den “Elfer” (7 km Pisten), einem der Hausberge der Gemeinde. An Neustift grenzt talauswärts Fulpmes. Hier befindet sich das zuvor angesprochene Skigebiet Schlick 2000 (20 km präparierter Pisten). Und schliesslich nahezu am Eingang des Tales die Serles in Mieders (5,7 km). Macht summasumarum rund 93 km präparierter Pisten – gar nicht mal so übel für ein solch kleines Tal.
Die Axamer Lizum (41 Pistenkilometer) grenzt südwestlich an Innsbruck. Sie gilt als eines der Skigebiete der Tiroler Landeshauptstadt. Die anderen sind: Patscherkofel (14 km), Seegrube (10 km) und Mutterer Alm (11 km) sowie der Glungezer (23 Pistenkilometer). Dies ergibt zusammengerechnet rund 99 Pistenkilometer.
Im Vergleich dazu hat die komplette Arlbergregion 340 Pistenkilometer vorzuweisen (Lech-Zürs sowie St. Anton).
Brisantes Detail am Rande: der Präsident des Österreichischen Skiverbandes, Peter Schröcksnadel, hat das Skigebiet am Patscherkofel der Stadt Innsbruck wieder zurückverkauft und dieser Tage übergeben! Wer Schröcksnadel kennt, der weiss, dass er etwas, das gut geht, nicht so ohne weiteres veräussert. Anstatt dessen hat er sich in ein Skigebiet in Südtirol eingekauft. Auch die Mutterer Alm bemängelt übrigens das Interesse an kaufkräftigen Tageskarten-Touristen.

Nun zu meinem zweiten Sidestep. Vor den letzten Landtagswahlen regierte die konservative ÖVP noch alleine im Lande Andreas Hofers. Nach massiven Stimmenverlusten vornehmlich in den Stadtgebieten wurde eine Koalition mit den Grünen eingegangen. Im Koalitionspapier war so manches enthalten – bei den Kalkkögeln allerdings streiten sich die Geister. Die Grünen sind massivst gegen eine Erschliessung, die ÖVP hat in ihrer letzten Landespartei-Vorstandssitzung dafür gestimmt. Allerdings werde man versuchen, im Hohen Haus in Innsbruck eine Mehrheit auch mit den anderen Parteien zu finden. Fragt sich nur wofür, betont doch die stellvertretende Landeshauptfrau Ingrid Felipe von den Grünen, dass für die Aufhebung einer solchen Ruhezone ein Regierungsbeschluss, nicht hingegen eine Abstimmung im Landtag vonnöten ist. Ist das somit alles nur eine unnötige Krawallmacherei um das Sommerloch zu stopfen? Sollten demnach die Grünen bei ihrer Meinung bleiben, so wird es in dieser Legislaturperiode keinen Brückenschlag Kalkkögel geben, da ein Regierungsbeschluss einstimmig angenommen werden muss. Ansonsten bedarf es einer Änderung des Tiroler Naturschutzgesetzes im Landtag! Hier will anscheinend nun die Volkspartei hinaus. Politikwissenschafter wittern bereits eine Koalitionskrise, die durchaus zu Neuwahlen führen könnte. Erwähnenswert noch, dass der VP-Parteivorstand des Bezirks Schwaz auch gleichzeitig Seilbahnensprecher ist. Franz Hörl meinte nach der Sitzung gegenüber der Tiroler Tageszeitung: “Das war Balsam auf den Wunden meiner tiefschwarzen Seele!” Sein Kollege aus dem Landtag und der Partei, Rudolf Nagl, hingegen setzt sich gegen das Projekt ein. Interessant: Nagl ist Bürgermeister des Ortes Axams, in dessen Ortsgebiet auch die Axamer Lizum liegt! Doch in der Opposition ist noch lange nicht alles eitel Sonnenschein. So möchten die Freiheitlichen nicht zum politischen Spielball werden, die Sozialdemokraten entscheiden sich im Landesparteirat im September. Bei ihnen forderte gar die Parteijugend den Schutz der Region! Jene also, die eigentlich das Geld auf der riesigen Piste ScHlick/Lizum liegen lassen sollten.
Landesumweltanwaltschaft und auch der Alpenverein sind klar gegen eine Erschliessung. Einerseits gehe dadurch ein Naturjuwel verloren, andererseits wäre dies erst der Beginn einer ganzen Reihe von Bauanträgen, die derzeit noch zurückgehalten werden. So spricht Alpenvereinspräsident Dr. Andreas Ermacora bereits von der “Verliererstrasse” des Naturschutzes.
Österreichweit sind derzeit 27 Liftprojekte in Planung bzw. teilweise gar schon genehmigt. In Tirol derer 7. Solcherlei Skischaukeln entstanden etwa 2013 im benachbarten Vorarlberg durch die Verbindung von Lech-Zürs mit Warth-Schröcken bzw. zuvor Mellau und Damüls.
Die Befürworter des Projektes betonen, dass diese Zusammenlegung Schlick/Axamer Lizum die einzige verbliebene Chance ist, das Stubaital und das westliche Mittelgebirge touristisch wieder für Skifahrer interessant zu machen.
Ich hingegen meine, dass der Zug bereits abgefahren ist. Im Stubaital verliess man sich nahezu zur Gänze auf die Zugkraft des Gletschers. Betrachtet an den Aktivitäten anderer Gletscher-Skigebiete, wie dem Pitztal, Ötztal oder auch Zillertal (ob gut oder schlecht), muss man den Stubaiern gähnend die Rute in’s Fenster stellen. Es schossen zwar die Hotels wie die Pilze aus dem Boden, doch blieb es meist der Fantasie einiger weniger Hoteliers überlassen, auch ein entsprechendes Rahmenprogramm zum Skifahren anzubieten bzw. mit grösseren Events auch werbetechnisch auf das wunderschöne Tal aufmerksam zu machen. Erst in den letzten Jahren wurden zaghafte Versuche unternommen. Zudem ist das Stubaital preislich nicht gerade in der günstigen Klasse zu finden. Ergo: Es wurde fleissig abkassiert, jedoch nicht wirklich viel dafür geboten. Dass auch der Sommertourist Geld bringt, darauf kamen viele Talbewohner lang lange Zeit überhaupt nicht. Gleiches gilt auch für die Axamer Lizum, die allerdings noch einen Vorteil hätte: Die olympischen Ringe! 1964 und 1976 wurden hier im Rahmen der Olympischen Winterspiele sowohl Damen- als auch Herren-Alpinrennen abgehalten. Dieser Vorsprung hält für einige Jahre, wird jedoch nicht weiterhin daran gearbeitet, schwindet auch er dahin! Jeder Tourismus-Experte wird ganz klar zwei Wege gleichzeitig einschlagen: Die bestehende Klientel halten und ausweiten, daneben allerdings auch neue Zielgruppen erschliessen. Perfekt vorexerziert wurde dies in Ischgl. Nahezu die komplette Wintersaison über ist hier Party angesagt – klar: Auch das muss man mögen! Nur dazwischen gibt es einige ruhigere Tage, wenn rund um Drei-König die Russen dort orthodoxe Weihnachten feiern – doch geht auch das immer mehr in Richtung Partymeile über. Das Philosophieren am Stammtisch ist in diesem Bereich fehl am Platz – hier müssen gewiefte Marketing-Strategen an den Tiroler Speck. Erfolgt nun ein solcher Brückenschlag in der Hoffnung, wieder mehr Touristen damit ködern zu können, ohne dass ansonsten zusätzlich am Image gearbeitet wird, so läuft dies für einige Jahre gut – allerdings vorerst auf Kosten der anderen kleineren Skigebiete, die inzwischen dicht machen müssen. Nach dieser Zeit aber ist aus dem Touristenstrom wieder ein kleines Berg-Bacherl geworden – dann auf Kosten der Natur. Die Nächtigungszahlen zeigen es immer mehr auf: Der klassische Tourist mit seinen 10 Übernachtungen ohne Luxus ist am Aussterben. Immer mehr entscheiden sich für kurzfristige Urlaube oder gar Tagesaufenthalte. Da das Skivergnügen für eine vierköpfige Familie keine wirklich günstige Urlaubsvariante darstellt, werden auch Essen und Getränke von ausserhalb mitgebracht! Zurück bleibt ein riesiger Haufen Müll, braune Pisten, beschädigte Wälder und verscheuchtes Wild! Da geht es nicht nur um zwei Liftstützen mit entsprechenden Fundamenten, wie es der für Raumordnung zuständige Landesrat Johannes Tratter (ÖVP) betont. Nein – es geht um die Aufweichung eines Ruhegebietes! Ist der Lift erst mal gebaut, bedarf es gar keiner neuer Pisten – hier wird von Freeridern der tolle Tiefschnee genutzt. Und die Strassen und Wege kommen dann beinahe wie von selbst.
Im Jahre 2013 wurden nach Angaben von Mag. Johannes Kostenzer von der Tiroler Umweltanwaltschaft 28 neue Pisten und 27 neue Aufstiegshilfen alleine Im Bundesland Tirol genehmigt. Nach Angaben von Karl-Heinz Zanon von der mit der Unternehmenskommunikation der Seilbahnen beauftragten Firma zbc³ wurden in diesem Zeitraum österreichweit 22 neue Seilbahnanlagen errichtet. Damit teilten sich im vergangenen Jahr 205 Mitglieder der Fachgruppe der Seilbahnen in der Tiroler Wirtschaftskammer 993 Berechtigungen. Im Bereich Innsbruck-Stadt um eine, im Bezirk Innsbruck-Land um sechs weniger als im Jahr zuvor. In der Wintersaison 2012/13 wurden in Tirol 289,1 Mio Beförderungen durchgeführt, österreichweit waren es 609,1 Mio. Für die vergangene Wintersaison wurden 317,1 Mio € investiert. Bei einem Kassenumsatz von 610,8 Mio € fanden 2012/13 rund 7.000 Menschen bei den Seilbahnunternehmen Beschäftigung (Alle Zahlen: Wirtschaftskammer Tirol). Ich wollte Ihnen fairerweise diese Zahlen nicht vorenthalten. Alles zum Wohl der Dividende!
Vonseiten der Wirtschaftskammer wird betont, dass Proteste nahezu ausschliesslich aus politischen Gründen erfolgen und mit der Sache direkt eigentlich gar nichts zu tun haben: “… dass die Gegnerschaft, die zumeist urban verankert ist und selten aus den Region kommt, in der Wahl ihrer Mittel wenig zimperlich und überaus demagogisch agiert!” (Karl-Heinz Zanon). Projekte werden nur dann durch die Seilbahner nicht weiterverfolgt, “wenn eine Realisierung auf Grund technischer, legistischer oder wirtschaftlicher Rahmenbedingungen nicht sinnvoll erscheint!” (Karl-Heinz Zanon). So ist es auch zu erklären, dass in Ischgl plötzlich das Projekt Piz Val Gronda E5 wieder aus dem Hut gezaubert wurde. Die naturschutzrechtliche Genehmigung durch das Land Tirol erfolgte am 19. September 2012, bereits am 21. März 2013 folgte die seilbahnrechtliche Baugenehmigung durch die Republik Österreich – schon in der letzten Wintersaison wurde das Projekt in Betrieb genommen. Nach 20 Jahren Schublade und 20 Jahren Kampf der Umweltschützer! Wie schrieb doch die Zeitung “Die Zeit” am 20. Januar 2014: “Es ist ein Tal frei von Sicherheitsnetzen, Sesselliften und Pistenbegrenzungsstangen. Es gibt nur den Berg und den Schnee, und genau das macht das Fimbatal zu einem Sehnsuchtsort für Skifahrer, die es fort von den Pisten und ins freie Gelände zieht.” Gemeint ist damit das Fimbatal, das inzwischen zum Eldorado der Freerider geworden ist. Querfeldeinfahrer, die im Vergleich zu Tourenschiläufer zu faul für den Aufstieg sind, bei der Abfahrt allerdings weder Rücksicht auf den Wald noch das Wild nehmen. Und das ist auch für die Kalkkögel zu erwarten. Beide Projekte strafen zudem die von Österreich unterzeichnete Alpenkonvention praktisch Lügen. So ist im Protokoll 5 die Rede von umweltfreundlichem Tourismus und nachhaltiger Entwicklung (Art. 1). Zudem fordert Art. 6: “In stark touristisch genutzten Gebieten soll ein Ausgleich zwischen intensivem und extensivem Tourismus gefunden werden.” Die Ruhezonen werden in Art. 10 berücksichtigt: Der bayrische Alpenplan etwa unterscheidet drei unterschiedliche Zonen: “In Zone C (43% des Alpenraumes) sind neue Verkehrserschließungen mit Ausnahme notwendiger Maßnahmen (z.B. Alm- und Forstwege) unzulässig. In der Zone B (23%) sind Verkehrserschließungen nur unter Berücksichtigung strenger Maßstäbe möglich. In der Zone A (35%) sind Erschließungen grundsätzlich möglich.” Die Kalkkögel fallen vergleichsweise in die Zone C!
Auch an der Universität Innsbruck ist man mehr als geteilter Meinung, allerdings aus einem anderen Grund: Wurde doch für eine Studie viel Geld ausgegeben – jedoch nicht an die heimische Alma Mater sondern an das Institute of Science and Technology (IST) in Maria Gugging/Niederösterreich.
Dass somit das Unvermögen der Touristiker, die die Gegenwart schlichtweg verschlafen haben, durch einen solchen Zusammenschluss zweier Skigebiete ausgeglichen werden kann, ist meines Erachtens nicht zu erwarten. Doch steht ein Verlierer bereits fest: Die Natur! Werden die Kalkkögel zugelassen, werden andere Gebiete innerhalb kürzester Zeit folgen. So auch die Stellungnahme des Tiroler Landesumweltanwaltes, demzufolge einige Ansuchen für Skigebietserweiterungen – auch in Schutzgebiete – vorliegen. Und sollte sich mal ein Politiker dagegen stellen, wird mit Arbeitsplätzen argumentiert.

Der Österreichische Alpenverein führt derzeit eine Online-Petition gegen die Erschliessung der Kalkkögel durch. Sie finden diese unter:

http://www.alpenverein.at/portal/news/aktuelle_news/2014/2014_07_04_kalkkoegel-petition.php?navid=677905677905

Der Tiroler Alpenvereinspräsident Dr. Ermacora darf heute die mehr als treffenden Schlussworte in diesem Blog sprechen:

“Umweltschutz bedeutet nicht Verhindern sondern Investition in die Zukunft unserer Kinder und des Tourismus.”

(Presseausendung des Tiroler ÖAV)

Link-Tipps & Quellen-Nachweise:

http://www.kompass.de

http://www.alpenverein.at

http://www.alpenverein-ibk.at

http://www.tiroler-schutzgebiete.at

http://hoehenrausch.de

http://www.schlick2000.at

http://www.seilbahn.net

http://www.alpconv.org/de/convention/default.html

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Das Märchen von der gesunden Milch

Nachdem ich viel mit dem Auto unterwegs bin, habe ich es mir angewöhnt, ab und an ein Hörbuch in den Player einzuschieben. Fortbildung während der Standzeiten sozusagen. Als ich kürzlich über ein solches von Dr. Frank Jester stolperte, staunte ich nicht schlecht, behauptet er doch, dass Kuhmilch nicht gesund sei. So ein Mumpitz, dachte ich mir. Allerdings liess mir das dann doch keine Ruhe, da ich an sich das weisse Gold gerne trinke und in allen Erscheinungsformen nicht minder gerne verzehre. Also begann meine Recherche-Arbeit – und was da herauskam, versetzte mich durchaus in Erstaunen.

Milch setzt sich zusammen aus:
- Eiweiss
- Milchzucker
- Milchfett
- Mineralstoffe
- Spurenelemente
- Vitamine

Das Milcheiweiss (Aminosäuren – zu 80 % Casein, die restlichen 20 % sind beta-Lactoglobulin, alpha-Lactalbumin, Serumalbumin, Immunglobulin und die Proteosepepton) ist der wichtigste Grundbaustein des Lebens. Aus ihm entstehen Muskeln, Hormone uvam. Allerdings verändern sich diese Aminosäuren durch Erhitzen, Lichteinfluss, Schütteln oder auch die Milchsäure-Bakterien (Käseherstellung). Die Lebensmittelindustrie macht sich dies zunutze, damit Milchprodukte besser verdaut werden können. Milchsäure-Bakterien führen zur Milchsäure-Gärung. Dabei verwenden sie spezielle Enzyme, die das Eiweiss in Amine zersetzen. Derartige Amine finden sich auch in Nüssen, Tomaten, dem Sauerkraut oder beispielsweise im Rotwein. Der ph-Wert frischer Milch beläuft sich auf 6,5, jener saurer Milch auf bis zu 4,5 (im Vergleich dazu: stilles Wasser 7,0).
Der Milchzucker (Lactose 4,6 %) wird im Darm verarbeitet. Hierzu bedarf es des Enzyms Lactase. Bildet der Körper zu wenig davon kommt es zur sog. “Lactoseintoleranz”, zu Durchfall und Blähungen. Daneben beinhaltet die Kuhmilch aber auch Galactose, Glucose und Spuren anderer Kohlehydrate.
Das Milchfett ist die Trägersubstanz der Vitamine. Es ist leicht verdaulich und an sich gut in der Milch verteilt.
Mineralstoffe werden im Körper für spezielle Aufgaben gebraucht. In der Milch finden sich vornehmlich Calcium (in 100 ml Milch nicht weniger als 120 Milligramm), Magnesium, Kalium und Phosphor.
Bei den Spurenelementen ist v.a. das Zink hervorzuheben. Es aktiviert nicht weniger als 100 Enzyme und wird für das Immunsystem, die Wundheilung, den Muskelaufbau und die Bildung der Zähne und Haare benötigt.
Die Vitamine A (Immunsystem, Haut und v.a. Sehkraft), B (Energiegewinnung,. Stoffwechsel, Wachstum), C (Gesundheit) und D (Knochenbau) sind ebenfalls von entscheidender Bedeutung. Auch Carotin als Vorstufe des Vitamins A ist enthalten.
Somit wäre das weisse Gold also eines der wohl wichtigsten Nahrungsmittel für uns Menschen. Kein Wunder, dass alle Säugetiere, zu welchen ja auch der Mensch zählt, ihren Nachwuchs mit Milch “säugen”. Das sollte jedoch spätestens nach 18 Monaten eingestellt werden, da sich zu diesem Zeitpunkt im kleinen Menschen die Nieren funktionsfähig ausgebildet haben. Nicht benötigtes Milcheiweiss wird nämlich über dieses Organ ausgeschieden.
Was nun aber meinte Jester? Er betont, dass Phosphor gemeinsam mit dem Protein Casein das körpereigene Calcium entziehe. Das über die Nahrung aufgenommene Phosphat spielt gemeinsam mit dem Calcium eine wichtige Rolle für die Mineralisation der Knochensubstanz, sorgt also für die Festigkeit der Knochen und Zähne. Daneben ist es zudem wichtig für den Aufbau der Zellwände und der Nukleinsäuren in der DNA. Es wird allerdings auch für die Energiegewinnung (enthalten im Energieträger Adenosintriphosphat) verwendet und puffert den pH-Wert des Blutes. Im Körper selbst sind rund 6-700 g Phosphor – 90 % davon ist in den Knochen gebunden. Herrscht nun im Blut Calcium-Mangel, so schüttet die Nebenschilddrüse das Hormon “Parathormon” aus, das Calcium aus den Knochen löst. Dabei wird auch Phosphor freigesetzt, der über den Harn ausgeschieden wird. Er stellt somit nicht das Problem dar. Etwas anderes allerdings ist es mit dem Calcium: Fehlt dieses, werden die ehemals festen Knochen des Stützapparates zu sog. “Glasknochen”, die sehr leicht brechen (Osteoporose). Jester nun argumentiert, dass in Ländern mit wenig bis nahezu keinem Milchkonsum die Osteoposerate sehr gering sei. Er empfiehlt deshalb weg von der Kuhmilch, hin zur Soja-, Reis- oder Hafermilch. Hier muss ich widersprechen. Der Mensch sollte eine Tagesdosis von 700 mg Phosphor zu sich nehmen – diese etwa ist in 55 g Weizenkleie oder 120 g Sojabohnen, jedoch in 760 g Joghurt (3 % Fett). Bei Käse hält sich der 30 %-Gouda die Waage mit dem Soja. Erstaunlich – die Kohlrabi hat diese Tagesdosis erst in 1,4 kg – wer isst schon so viel Kohlrabi? Phosphor kommt also in allen eiweisshaltigen Nahrungsmitteln vor – so etwa in Nüssen, Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse. Hallo? Dr. Jester hat sich auf eine Studie der Harvard Public School for Health bezogen, die im Jahr 2013 veröffentlicht wurde. 75.000 Frauen wurden im Rahmen dieser Studie über einen Zeitraum von 12 Jahren beobachtet. Ist diese Intellektuellen-Schmiede vielleicht neuerdings durch die Soja-Industrie unterwandert worden??? Offenbar jedoch nur Harvard, da ansonsten – zumindest nach meinen Recherchen – ein Zusammenhang bei Störungen des Knochenaufbaus mit einer hohen Phosphor-Zufuhr eher ausgeschlossen wird. Ganz im Gegenteil, zeigt die Nurses Health Studie sogar einen tendenziellen Zusammenhang zwischen dem Milchkonsum und Knochenbrüchen auf. Je mehr Milch konsumiert wird, desto weniger anfällig ist der Mensch für einen Knochenbruch – allerdings, wie bereits betont, nur tendenziell. Sofern keine Nierenfunktionsstörung oder eine Unterfunktion der Nebenschilddrüse vorliegt. 2006 betonte auch Michael de Vrese vom Max-Rubner-Institut, dass ausreichender Milchkonsum dem Bluthochdruck, Übergewicht. Herzinfarkt und der Osteoporose vorbeuge.
In der industriellen Lebensmittelherstellung übrigens werden Phosphate als Antioxidationsmittel, zur Konservierung und als Säureregulator eingesetzt. Somit wäre der Mensch nicht unbedingt auf die Milch angewiesen, damit er seine tägliche Dosis an Phosphor erhält. Entsprechend viel davon ist etwa in Cola-Getränken und Gummibärchen enthalten (bunte Lebensmittel).
Allerdings hat der Herr Doktor nicht komplett Unrecht. Die Geschichte mit dem gesunden Joghurt, das die Verdauung anregt, war ja schon mal Inhalt dieses Blogs. In folgenden Punkten teile ich mit ihm meine Meinung:

- Mehr Calcium als in der Milch (30 %) ist in den Gemüsesorten Broccoli, Rosenkohl und in Blattsalaten enthalten (40-60 %)
-  In etwa 15 % der Deutschen sollten tatsächlich die Finger von der Milch lassen – sie leiden unter einen Lactose-Intoleranz. Die meisten Menschen Mittel- und Südasiens leiden unter dieser Lactose-Intoleranz
- Zudem können Frauen einem erhöhten Risiko an Eierstockkrebs ausgesetzt sein. Männer neigen (zumindest nach den Ergebnissen einer 1997 durch Harvard veröffentlichten Studie an 20.000 Männern) bei erhöhter Calcium-Aufnahme an einem höheren Prostata-Krebs-Risiko. Jedoch bezog sich das auf mehr als 2 g Calcium pro Tag – dafür müssten 1,7 Liter Milch täglich getrunken werden. Kennen Sie jemanden, der diese Menge täglich konsumiert??? Konträr dazu meinen der World Cancer Research Fund und das American Institute for Cancer in einer gemeinsamen Bewertung aus dem Jahre 2007, dass Kuhmilch höchstwahrscheinlich das Risiko an Darmkrebs zu erkranken, verringere.
- Die Milch beinhaltet eine hohe Anzahl an gesättigten Fetten – ein Risikofaktor für Herzerkrankungen
- Der Immunbiologe Hubert Kolb vom Deutschen Diavetes.Zentrum untersuchte 2004 eine mögliche Wechselwirkung zwischen Kuhmilchproteinen und dem Typ-1- Diabetes – allerdings waren die Daten nicht ausreichend, um hier etwaige Schlüsse ziehen zu können
Eine gänzlichst andere Geschichte ist die Erhitzung der Milch (Pasteurisierung). Dadurch wird das Albumin denaturiert – es sondert sich in Form einer Haut an der Oberfläche der Milch ab. Frischmilch wird rund 15-30 sec einer Temperatur von 72-75 Grad Celsius ausgesetzt. Dadurch sollen Keime in der Milch abgetötet werden. Die Haltbarkeit wird hierdurch kaum beeinflusst (ungeöffnet 6-10 Tage). Gleiches gilt auch für die “pasteurisierte Milch“. Sog “ESL-Milch” (extended shelf life) wird zuerst zentrifgiert, die Magermilch auf 123-127 Grad, der Rahm auf 72-75 Grad erhitzt und dann wieder vermischt (Vollmilch etwa 3,5 bis 3,8 %). Hier beläuft sich die Haltbarkeit auf rund 3 Wochen.
Rohmilch weist bis zu 5 % Fett auf – sie darf aber nur ab Hof verkauft werden – In der Schweiz auch in Käsereien. Die entrahmte Milch weist nurmehr max. 0,5 % Fett auf. Und schliesslich die H-Milch – sie wird auf 135 Grad erhitzt und ist ungeöffnet zwischen 6-8 Wochen haltbar. Durch diese Erhitzung verliert die Milch allerdings an Vitaminen: 10 % an Vitamin B bei der Frischmilch, gleiches auch bei der ESL-Milch. Hier jedoch nimmt der Vitamingehalt zusätzlich durch die Lagerung ab. Bei der H-Milch gehen durch die Ultrahocherhitzung rund 20 % verloren – je länger diese gelagert wird, desto mehr Verlust gibt es auch hier. Bei der Sterilisierung übrigens gehen je nach Vitamin und Lagerdauer der Milch zwischen 20 bis 100 % verloren.
Noch kurz zu den speziellen Bezeichnungen:
.) Ab-Hof-Milch
Unbehandelte Rohmilch, die nur beim Bauern gekauft werden kann
.) Lactosefreie Milch
Durch Enzyme wurde der Milchzucker entfernt
.) Fettkorrigierte Milch (FCM)
Sie beinhaltet 4 % Fett
.) Sterilmilch
Sie wurde für 20 bis 30 Minuten einer Temperatur von 110 bis 120 Grad Celsius ausgesetzt. Bei Zimmertemperatur ist sie mindestens sechs Monate haltbar.
.) Trockenmilch
Dem Milchpulver wurde durch eine Intensiv-Trocknung gänzlich das Wasser entzogen (Säuglingsnahrung, Schokolade-Industrie,…)
.) Kondensmilch
Durch Trocknung wurde nur ein Teil des Wassers entzogen
.) Homogenisierte Milch
Hier bildet sich beim Erwärmen der Milch erst nach langer Zeit eine Rahmschicht, da die Fetttröpfchen auf unter einen Mikrometer Durchmesser verkleinert wurden (normale Grösse: 10 bis 30 Mikrometer). Hierfür wird ein Druck von 150 bis 300 bar verwendet. Homogenisierte Milch ist für den Menschen leichter zu verdauen.
Ach ja – bevor ich es vergesse: Ist in der EU von “Milch” die Rede, so wird explizit “Kuhmilch” gemeint. Alle anderen Milchsorten (Muttermilch, Stutenmilch, Ziegenmilch,…) müssen auch entsprechend benannt werden. Und – die Bezeichnung “Sojamilch” ist unzulässig, da dieses Getränk ja aus einer Pflanze gewonnen wird.
Zusammenfassend komme ich somit zum Ergebnis, dass die positiven Effekte beim Trinken von Kuhmilch gegenüber der negativen überwiegen. Selbstverständlich bestimmt das Maß die Dinge. Vorsicht geboten ist jedoch mit den Vitaminen. So wirkt das Trinken von H-Milch sicherlich keiner Erkältung vor. Die gesündeste Milch wäre somit die Rohmilch. Stimmt jedoch hier die Hygiene beim Melken nicht, so können Krankheitserreger übertragen werden, die Salmonellose, Campylobacter-Enteritis, Staphylokokken-Infektionen, Listeriose, Brucellose, Darmtuberkulose (Mycobacterium bovis-Infektion), Brainerd Diarrhoe oder Enterohämorrhagische Colitis auslösen können. Also ist die Frischmilch die wahrscheinlich beste Variante! Auf Ihre Gesundheit!!!

Literatur-Tipps:

.) Vitamine in gelagerter hocherhitzter Milch; Publikation der Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux ALP (Schweizerische Bundesbehörden); Eberhard, P.; Bütikofer, U.; Sieber, R.
.) A meta-analysis of milk intake and fracture risk: low utility for case finding; Kanis JA, Johansson H, Oden A, De Laet C, Johnell O, Eisman JA, Mc Closkey E, Mellstrom D, Pols H, Reeve J, Silman A, Tenenhouse A.; In: Osteoporos Int. 2005 Jul;16(7):799-804. Epub 2004 Oct 21. PMID 15502959

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Holy shit – das Eis ist weg

Über die Bedeutung des arktischen Meereises habe ich zumindest ansatzweise schon mal berichtet. Im Blog zum Golfstrom kann dies nachgelesen werden. So strömt das warme tropische Wasser in Richtung Norden, kühlt sich dort ab und fliesst wieder zurück. Gäbe es nun kein nordpolares Eis, hätte dies fatale Folgen für die nördliche Halbkugel. Vorerst würde eine drastische Erwärmung des Klimas in Europa und Nordamerika stattfinden. Vermehrtes Pflanzenwachstum wäre die Folge, wodurch wesentlich mehr Sonnenenergie absorbiert würde. Dann jedoch geschieht das wohl grösste Unglück: Eine neue wenn auch nicht Eiszeit, so doch Kältezeit könnte anstehen, da der Golfstrom (bzw. der “Kuroshios/Japanstrom” im westlichen Pazifik) versiegen und sich der eurasische Kontinent extremst abkühlen würde. Seit 1990 wurden wir in Europa mit immer kälter werdenden Winter konfrontiert – der bislang kälteste war jener 2012/2013. Der Golfstrom hatte schlichtweg Schluckauf!
Am 21. September wird die UNO zum erneuten Klimagipfel bitten. Sollten auch dieses Mal die Ergebnisse gleich Null sein, so dürfte der Planet Erde wohl nicht mehr zu retten sein. Absichtserklärungen sind zwar eine nette Geste, doch inzwischen viel zu wenig. Und zudem – was bringt die Tatsache, dass zwar Good Old Europe den Klimaschutz in Angriff genommen hat, die grössten Umweltsünder wie China und die USA jedoch auch weiterhin ihre Abgase ungefiltert in die Atmosphäre blasen bzw. die Abholzung der wichtigen Regenwälder weiterhin mit Vollgas betrieben wird? Fakt ist, dass sich die Erde immer mehr auf den sog. “Tipping Point” zubewegt, jener Punkt, an dem der Ist-Zustand kippt und dadurch alle Naturregeln, die das Gleichgewicht bislang hielten, ausser Kraft gesetzt werden. Danach dürfte die Erwärmung stark nichtlinear erfolgen und irreversibel sein (Hysterese), soll heissen, dass die Temperaturen auf hohem Stand verbleiben. Ein solches “Umkippen” geht schneller, als so manch Einer vermutet. Die letzte Eiszeit benötigte beispielsweise nur ganze sechs Monate, um Europa und Nordamerika unter haushohem Eis zu begraben. Ein Klima-Forscher der NASA meinte auf die Frage nach unserem derzeitigen Klimazustand:

“Holy shit!”

Gestatten Sie mir also den Blick in die Zukunft, was geschehen wird, wenn die Pole vielleicht nicht mehr mit Eis bedeckt sein sollten.
Die sog. “polaren Eiskappen” entstehen aufgrund klimatischer Faktoren, wie lokale Temperaturen, Meeres- sowie Luftströmungen, und hier vornehmlich der Luftfeuchtigkeit. Dabei werden die Eismassen in Gletscher- und Meereseis unterschieden. Die Experten sprechen von den “arktischen und antarktischen Eisschilden”.

Der arktische Eisschild wird durch Packeis gebildet, das von Treibeis umgeben ist. Nur der nördlichste Teil des Nordpolarmeeres ist das ganze Jahr über vereist. Das erste mehrjährige Eis entstand vor rund 13 bis 14 Mio Jahren. Die restlichen Flächen nehmen jahreszeitlich bedingt zu oder ab. Die durchschnittliche Eisstärke beläuft sich auf rund 3 m.
Unter dem arktischen Eis befinden sich grosse Depots an Methangas. Methan ist eines jener Treibhausgase, die den Klimawandel immens vorantreiben (25x schneller als das Kohlendioxid). Je mehr nun dieses Gases freigesetzt wird, desto schneller schreitet die Klimaerwärmung voran, desto rascher schmilzt auch das arktische Eis. Dieses besitzt gegenwärtig noch einen kühlenden Effekt für die nördliche Hemisphäre, da auch die Sonneneinstrahlung durch das Eis bzw. den Schnee wieder in’s Weltall reflektiert wird (“Albedo-Rückkoppelung”). Die Eisschmelze nun betrifft vornehmlich das mehrjährige Eis, da das saisonale Eis sowieso regelmässig taut und wieder gefriert. Während erste Berechnungen davon ausgingen, dass das arktische Meereseis bis 2080 zur Gänze geschmolzen sein könnte, gehen andere Wissenschaftler bereits von 2030 bzw. 2040 aus. Die bislang grösste Erwärmung gab es mit +2 Grad Celsius über dem langjährigen Jahresmittel im Jahr 2005 – in einigen Regionen wie Alaska oder Westkanada kam es zu Temperatursteigerungen von bis zu +4 Grad Celsius. Klimaforscher gehen von einem Anstieg der Lufttemperatur von 2-9 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 aus. Dadurch entstehen immer mehr Regen-auf-Schnee-Ereignisse (Arctic Climate Impact Assessment), soll heissen, dass der immer grösser werdende Niederschlag nicht in Form von Schnee sondern vielmehr als Regen auf die Erde fällt. Dadurch wird die Schneeschmelze vorangetrieben – die Folge sind Überflutungen. Selbstverständlich ist davon auch die Wassertemperatur betroffen. Immer mehr bekommen dies zudem die Gletscher auf Grönland zu spüren. Seit Mitte des vorherigen Jahrhunderts ist hier die Temperatur um 2,5 Grad Celsius angestiegen. Die Gletscher beginnen zu schwitzen, sie ziehen sich – wie in den Alpen – zurück. Im Vergleich: 1996 verlor Grönland noch zirka 100 Milliarden Tonnen an Masse – 2007 waren es bereits 270 Milliarden – im Bodensee sind zum Vergleich 48 Milliarden Tonnen Wasser!!! Dadurch steigt die Insel auch um durchschnittlich 4 cm pro Jahr aus dem Wasser. Schmilzt das komplette grönländische Eis, so könnte dies zu einem Ansteig des Meeresspiegels um über 7 m führen (“Ozeandynamik”). Auch die Gletscher auf Island und Spitzbergen bzw. die Eisflächen in Kanada sind hiervon betroffen. Immer mehr wird der darunter liegende Boden freigelegt, der wiederum durch die Energiezufuhr selbst auftaut. Die sog. “Permafrostböden” in Kanada und der russischen Tundra erwärmen sich nach und nach – hier kann es zu grossen Schäden kommen, wenn aus dauergefrorenem Boden plötzlich Matsch wird. Zudem dürften in diesen Regionen rund 30 % des weltweiten Boden-Kohlenstoffs gelagert sein. Dies alles führt zu einem Wettlauf der an Bodenschätzen interessierten Staaten. Zwar gibt es seit 1996 einen arktischen Rat, doch sind die politischen Ansprüche in dieser Region nach wie vor nicht wirklich geklärt. Norwegen, Kanada, Dänemark oder etwa Russland, das am 20. Dezember 2001 seinen Anspruch auf 1,2 Mio Quadratkilometer stellte – das ist inklusive des Nordpols ein überwiegender Teil der Arktis.
Das arktische und antarktische Meereis bedeckt im Jahresmittel zirka 22.5 Mio Quadratkilometer – das sind rund 6,5 Prozent unseres Planeten. In der Arktis schwankt dies zwischen 15 Mio Quadratkilometer im April und 3,5 Mio im September. Für die Populationen hätte der Wegfall des Meereises schwerwiegende Folgen: Eisbären, Mützenrobben und Narwale, aber auch die sog. “Eisalgen” (Kieselalgen) könnten vom Aussterben bedroht sein oder dem Menschen in die Quere kommen, was auf ein und dasselbe hinausläuft.

Der antarktische Eisschild besteht zu 98 % aus Gletschereis, das eine Stärke von bis zu 4,8 Kilometer aufweist. Um dieses Gletschereis herum befinden sich noch riesige Flächen an Schelfeistafeln. Dieses Eis bildete sich vor rund 43 Mio Jahren. In etwa 70 % des Susswassers der Erde sind in der Antarktis gebunden. Würde das Eis komplett wegschmelzen, könnte der Meeresspiegel um rund 61,1 m ansteigen. Derzeit sind es zirka 3,3 mm pro Jahr (plus/minus 0,4). Zudem käme es zu einer isostatischen Bodenhebung der kontinentalen Kruste um einige hundert Meter. Das antarktische Eis wächst durch Schneefall von oben, aber auch von unten, durch Frieren grosser Wassermassen an Hindernissen wie etwa unterirdischen Gebirgen. Das ist alsdann jener Faktor, der den Süden vom Norden unterscheidet: Hier steigt kaltes Tiefenwasser auf! Dies führt zu einem Zirkumpolarstrom mit rund 140 Mio Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Somit ist auf der Sudhalbkugel der Erde eine wesentlich geringere Erwärmung festzustellen: Im 19. und 20. Jahrhundert um rund 0,2 Grad – bei Temperaturen von -55 Grad Celsius ein nahezu vernachlässigender Wert. Trotzdem ist auch hier die Klimaerwärmung durchaus ein Thema. Davon mehr betroffen ist der westliche Teil der Antarktis. Hier entzweit sich die wissenschaftliche Meinung. Im Jahre 2007 erinigte man sich, dass die Westantarktis jährlich rund 50 Kubikkilometer an Eis verliere, die Ostantarktis hingegen 25 Kubikkilometer dazugewinne. Verantwortlich für den Zuwachs sind einerseits ungewöhnlich starke Niederschläge (etwa im Dronning Maud Land) bzw. das riesige Ozon-Loch, das zu einer deutlichen Abkühlung der Stratosphäre führt, wodurch die eisig kalten Antarktis-Winde entstehen. Allerdings ist die Gletscherschmelze auch in diesem Teil der Welt nicht zu verachten. Von 244 untersuchten Gletschern gehen nicht weniger als 212 zurück! Eine NASA-Studie belegte im Jahre 2011, dass zwischen 1992 bis 2009 per anno um 14,5 Milliarden Tonnen Eis mehr schmolz als im Jahr zuvor. Etwa das Larsen-Schelf. Dieses befindet sich im Norden der westantarktischen Halbinsel. Es besteht aus drei Teilen, wobei sich “Larsen-A” (Alter: 4.000 Jahre) bereits 1995 aufgelöst hatte. 2002 brach eine Platte im Ausmaß von 3.250 Quadratkilometer Fläche beim “Larsen-B”-Schelf (Alter: 10.000 Jahre) ab. “Larsen-C”, der südlichste Teil erscheint gegenwärtig als stabil. Fragt sich nur, wie lange, fliesst doch das Wasser des Gletschereises nun schneller in’s Meer ab. Dadurch enstehen Gletscherflüsse, die das Eis perforieren. Ähnliches ist zudem beim Wilkens-Schild zu bemerken. Auch der Pine Island Gletscher beschleunigt sich selbst, wodurch grosse Teile in der Amundsensee landen.

Die Arktis war zuletzt vor rund 3 Mio Jahren eisfrei, die Antarktis vor 35 Mio. So blöd es klingen mag: Verkleinert sich das Ozonloch über der Antarktis, kann es auch hier zu einem verheerenden Temperatur-Anstieg kommen und das Eis vermehrt schmelzen. Sollte nun das arktische Meereseis wegtauen, gibt es keine Grenze mehr zwischen dem relativ warmen Meerwasser und der eisig kalten Luft, die schon mal auf bis zu -40 Grad abkühlen kann. Dadurch entstehen im Winter riesige Wind- und Sturmsysteme, die Europa beeinflussen werden. Hochdruckgebiete aus Skandinavien und Russland verfrachten vermehrt eiskalte, arktische Luftschichten nach Mitteleuropa.

Übrigens – Neben der Erderwärmung sind zudem Russpartikel für die Eisschmelze veranwortlich, die von grossen Waldbränden oder Vulkanausbrüchen stammen. Der Russ setzt sich auf der Eisfläche fest, wodurch der Albedo-Effekt nicht mehr funktioniert. Anstatt die Sonnenstrahlen zu reflektieren, wird die Energie absorbiert – es setzt die Schmelze ein.
Ähnliche Eisschilder wie auf der Erde wurden auch durch Sonden wie Viking-1 auf dem Mars entdeckt.

Die Organisation Avaaz führt nun am 21. September einen weltweiten Aktionstag durch, an dem sich jeder beteiligen kann – über 365.000 haben dies schon bekundet:

https://secure.avaaz.org/de/join_to_change_everything_rb/?bzyfVeb&v=41562

Literatur:

.) Changes in Arctic sea ice result in increasing light transmittance and absorption; Nicolaus, M., C. Katlein, J. Maslanik, and S. Hendricks (2012); Geophysical Research Letters, 39(24), L24501, doi:10.1029/2012GL053738.
.) Die Massenbilanzen des Antarktischen und Grönländischen Inlandeises und der Charakter ihrer Veränderungen; Christoph Meyer, Hans Oerter; In: José Lozan et al (Hrsg.): Warnsignale aus den Polarregionen. Wissenschaftliche Auswertungen, Hamburg 2006 (Auszug)
.) Das Meer – Wasser, Eis und Klima; Petra Demmler; Ulmer, 2011., Kapitel “Eis auf dem Meer”

Links:

http://www.awi.de/de/

http://www.meereisportal.de/de/

http://arctic.atmos.uiuc.edu/cryosphere/

http://earthobservatory.nasa.gov/

http://www.icemon.org/

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Feedback zu “Ist das würdig und recht”

Werte Leserinnen und Leser dieser Zeilen,

in den vergangenen beiden Wochen konnte ich mich über Feedback zum Blog “Ist das würdig und recht?” nicht wirklich beklagen. Die Telefone standen nicht mehr still, die Mails sprengten meinen Account! Viele (auch aktive Soldaten) bedankten sich, dass endlich einmal jemand über diese Zustände geschrieben hat – andere beschimpften mich auf das Wüsteste! Vielen Dank an alle, denn auch negative Kritik ist mir stets willkommen – wenn sie konstruktiv und nicht destruktiv ist! Ein bekannter Schauspieler meinte einst: “Negative Kritik ist ihm wichtiger als gar keine, zeigt sie doch, dass der Auftritt gesehen wurde!”
Was viele jedoch nicht wussten ist die Tatsache, dass ich einen Tag vor Veröffentlichung des Blogs einen Leserbrief an alles Tageszeitungen in Österreich verschikte. Dieser lautete:

“Diese Vollkoffer von der Miliz…”

Am vergangenen Dienstag wurden nach einem tödlichen Hubschrauberunfall am Nachmittag die Planspiele zur Bundesheer-Übung “Schutz 2014″ gegen 20.00 Uhr beendet (nicht abgebrochen – wie in den Medien zu lesen und zu hören, da der Rückbau grossteils bereits begonnen hatte). Es war die grösste Bundesheer-Übung in diesem Jahr im Alpenstaat – da zudem die einzige. Dabei wurde der Aktivstand durch rund 1.100 Rekruten und 1.700 Angehörige der Miliz erweitert.
Doch zeigten die Planspiele einmal mehr die Schwachpunkte des Systems auf – in aller Härte: Über hunderte Kilometer mussten Fahrzeuge herangekarrt werden, da es im Übungsgebiet nahezu keine mehr davon gibt. Eine bereits aufgelassene Kaserne musste wieder angemietet werden, da zu wenig Unterkünfte zur Verfügung standen. Der seit Jahren geplante Einsatz der Luftstreitkräfte wurde extremst gestutzt, da der Minister gegenwärtig mit dem Rotstift spielt. Kontraproduktiv hingegen die Tatsache, dass die Angehörigen seines Fachressorts in 4 bzw. 5 Sterne-Hotels residierten, während die Truppen vorort in Zelten einquartiert waren.
Der Frust der Aktiven und Rekruten wird immer grösser und grösser, jener der Milizsoldaten hingegen brachte das Fass zum Überlaufen. Wenn auch bei den Hotspots im Gelände alles anstandslos zu funktionieren schien, wurde hinter den Kulissen improvisiert, dass sich die Balken bogen. Ein Befehl jagte den anderen – teils gar widersprechend; vieles war schlichtweg nicht machbar, da viele Bereiche bereits ausgehungert sind; nicht wenige der Kader-Milizsoldaten in der Organisation sassen in den Büros und drehte über diese anderthalb Wochen Däumchen. Sie wurden vornehmlich in’s Boot geholt, um die 24 h-Bereitschaft aufrecht zu erhalten und die Nachtstunden zu überbrücken. Tagsüber wusste niemand so richtig, etwas mit ihnen anzufangen. So kam es schon mal vor, dass Soldaten zum Dauerspaziergang eingeteilt wurden, andere schliefen in den Mannschaftsunterkünften (zbV – zur besonderen Verwendung) oder bildete sich durch das Lesen von Trivialliteratur weiter. Auf diese Art wurden viele Unteroffiziere und Chargen zu Rekruten ohne Arbeit verurteilt, da sie auf Funktionen zugeteilt waren, die mit ihrem zivilen Leben rein gar nichts zu tun hatten. Einige Offiziere schienen andererseits Dauersitzplätze im Offizierscasino zu haben.
Dafür hingegen riss Uncle Sam all diese 1.700 Menschen aus dem realen Leben, die zivile Arbeit blieb liegen und somit unerledigt. So mancher Selbständige fiel um den einen oder anderen Auftrag um, Angestellte mussten im Vorfeld oder müssen im Nachhinein durch Überstunden diese Zeit einarbeiten. Damit kostete die Übung nicht nur dem Steuerzahler sondern auch der Privatwirtschaft sehr viel Geld. Hinzu kommt das liebgewonnene Naheverhältnis zwischen Aktiv und Miliz. Werte (vornehmlich) Herren des Aktivstandes: Wir Milizsoldaten sind nicht freiwillig eingeteilt. Tage müssen abgedient werden, die durch solche Missstände zu einer mehr als belastenden Zeit werden. Deshalb fordern auch wir, dass sich dringend an diesem System etwas ändern sollte. Ausführliches finden Sie unter www.stock-macht-den-blog.de

Viele druckten ihn komplett ab, für andere musste ich den Text kürzen. Einige Tage später erschien in den Oberösterreichischen Nachrichten diese Entgegnung von Herrn Major Pierre Kugelweiss, dem Pressesprecher der Streitkräfte:

http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/leserbriefe/Vier-Millionen-fuer-die-Sicherheit;art11086,1423498

(Aufgrund des Copyrights nur verlinkt!)

Das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen, da ich im Vergleich zu sehr vielen meiner Kollegen tatsächlich recherchiere und nicht abschreibe oder fantasiere. Am gestrigen 02. Juli nun ging folgender Text an die Oberösterreichischen Nachrichten – ob er veröffentlicht wird oder nicht bleibt dahingestellt:

Betr.: Leserbriefe vom 20.06. (“Diese Vollkoffer von der Miliz”) und vom 24.06. (“Vier Millionen für die Sicherheit”)

Sparefroh beim Bundesheer!!!

Werter Herr Mjr Kugelweis,

vielen Dank für Ihre klärenden Worte!
Die Landeskatastrophenübung Tirol 2014 fand am Freitag, den 13. Juni statt. Die Alarmierung des Österreichischen Bundesheeres begann allerdings bereits am Dienstag (10.06), dauerte bis Freitag 16.00 Uhr und wurde am darauffolgenden Montag bis zum Ende am Dienstag, den 17.06. (20.00 Uhr) abgehalten. Soll heissen: 24 h durchgehenden Dienst für Miliz, Grundwehrdiener UND Aktivstand. Dies kann ich durchaus beurteilen, da ich selbst in einem Gefechtsstand eingebunden war.
Als ausgebildeter Journalist (der alten Schule) und investigativer Blogger (www.stock-macht-den-blog.de) stelle ich keinerlei Behauptungen in den Raum, die als Produkt meiner Fantasie den Weg an’s Tageslicht finden.Deshalb beziehe ich mich hier auf Quellen:
- Drei Hotels der 5*, 4*S und 3*-Kategorie sind mir namentlich bekannt gemacht worden (die entsprechende Intendanz-Abteilung weiss sicherlich genaueres zu berichten). Lag wohl an der Bedeutung der Mitarbeiter innerhalb Ihres Ressorts. Dabei gibt es doch in den Kasernen auch Gästezimmer!
- Mir ist nicht bekannt, dass das Bundesland Kärnten an der Übung beteiligt war (Osttirol übte ja auch nicht mit). Dennoch wurden nicht weniger als 75 Heeres-Kfz von dort nach Tirol überführt. Ähnliche motorisierte Probleme gab es bereits im Vorfeld zur Terres 2012, als für Geländeerkundungen HKfz aus Salzburg angefordert werden mussten. Mannschaftstransporte müssen in Tirol teilweise gar mit zivilen Bussen durchgeführt werden.
- Sicherheit geht vor – keine Frage! Ich habe ja auch erwähnt, dass an den Hotspots alles gut zu funktionieren schien – verzeihen Sie bitte, doch ist der Platz für einen Leserbrief meist stark eingeschränkt, weshalb ich eine ausführliche Version meiner Eindrücke im Blog “Ist das würdig und recht” veröffentlichte. Allerdings lässt sich meines Erachtens eine solch teure Übung (mit Alarmierung) angesichts des Sparkurses Ihres Herrn BMs, verbunden mit Meldungen wie “Ab September kein Geld mehr für Treibstoff”, dem Verkauf von Kasernen und Kürzungen beim Truppenkörper nur sehr schwer rechtfertigen.
Ein grosser Batzen des Heeres-Budgets wird für das Personal aufgewendet. Doch setzen Sie dem Ganzen noch eins drauf mit Überstunden, Nachtstunden und Übungsgebühren? Das Üben für den Notfall ist – und da gehe ich mit Ihnen konform – extrem wichtig. Allerdings stellte sich mir bei dieser Übung die Frage: Ist hierfür das derzeitige Miliz-System des Österreichischen Bundesheeres überhaupt geeignet? Doch sollten wir wohl noch im Laufe dieses Monats mehr erfahren – wir aus den Bundesländern!!!

Sollte ich es nun tatsächlich geschafft haben, nach der Österreichischen Post nun auch beim Österreichischen Bundesheer etwas in’s Laufen gebracht zu haben? Es wäre zu wünschen, bleibt jedoch abzuwarten!

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