Archive for August, 2014

Ei gugge mal da

Es hat nicht geläutet, niemand klopfte an und das Telefon ging auch nicht los! Trotzdem ist Besuch da! Ungebetener Besuch! Heimlicher Besuch! Besuch, den niemand haben will! Wir sind nicht mehr alleine – der Alptraum ist Wirklichkeit geworden!

Nachdem vor kurzem einer meiner Artikel veröffentlicht wurde, erhielt ich auch prombt Feedback hierzu! Inhalt derer meiner Zeilen waren die Reichen und Strippenzieher im Reich der Mitte – China. Nun ja – wollte nach getaner Arbeit einige Tage später meinen Online-Rechner runterfahren, da liess sich eines der Programme nicht schliessen. Die enthaltenen Schriftzeichen dürften wohl chinesische gewesen sein, doch muss ich zu diesem Zeitpunkt in der Schule gefehlt haben, damit ich dies heute beurteilen könnte. Sofort ratterte auch schon ein Anti-Trojaner-Programm über die Festplatte – der kleine Patient dürfte sich an der Firewall und der Anti-Viren-Software vorbeigeschlichen haben, der lausige Hund!!! Aus diesem triftigen Grunde habe ich den Online-Rechner auch nicht in meinem Netzwerk integriert – wichtige Infos werden zudem raschest mögich in das Offline-Netz kopiert! Ergo: Der Schaden dürfte sich in Grenzen halten, da ich ja auch keine Passwörter abgespeichert habe, sondern sie immer wieder auf’s neue eingebe. Und – liebe Mailer: Mein Online-Banking-Konto kann nicht kurz vor dem Ablauf stehen! Ich habe nämlich keines!!! Oumph – jetzt wird so manch einer unter Ihnen geschluckt haben! Nun ja – es gehört heute praktisch zum täglichen Leben, den Rechner einzuschalten und in der grossen weiten Welt zu surfen. Doch leider gehört es ebenso zur Tagesordnung, dass oftmals für zwei gekocht werden muss, denn Schurken und Bandi(o)ten treten sich geradezu im World Wide Web auf die Füsse. Allerdings sind sie nicht die Einzigen, die wissen wollen, was Herr und Frau Schmidt oder die Familie Hofer so täglich anstellt. Inzwischen gehen diesem Irrsinn auch viele Offizielle nach – muss ja nicht gleich die NSA oder der MI5 sein – es reichen schon der Bundesnachrichtendienst, das Heeresnachrichtenamt, das Innenministerium, die Gema,….
Sie werden es sicherlich nicht glauben, doch existiert von jedem von uns wird bereits ein Benutzerprofil: Wenn Sie nach Begriffen, Orte, Namen etc. googlen, bei Meinungsumfragen teilnehmen. Auch wenn Sie sich das eine oder andere in einem Online-Versandhaus nicht mal bestellt, sondern nur angesehen haben, werden Sie sich schon gewundert haben, weshalb sie immer wieder neue Werbebalken zu diesem gesuchten Produkt erhalten. Das Geheimnis heisst “Cookies”. Anhand dieser Protokolle und der IP-Adresse Ihres Computers lässt sich ganz simpel ein Bewegungsprofil im Internet herstellen. Jeder, den es interessiert, kann wie in einem offenen Buch nachlesen, auf welchen Seiten Sie wie lange gewesen sind, welche Links Sie angeklickt und was Sie geschrieben haben. Auch wenn Sie über eine nicht verschlüsstelte SSL-Seite Kreditkartennummern oder Bankdaten weitergeleitet haben, sollten Sie in nächster Zeit ganz genau Ihre Kontobewegungen im Auge behalten. Dies ist die einfachste Art, aus einem die internationalen Datenhighways nutzenden Menschen ein gläsernes Etwas zu machen.
Und dann soll es auch noch jene geben, die eine Webcam beim Skypen verwenden oder sich auf Facebook oder Twitter in den Urlaub verabschieden! Ja ja, die Dummheit stirbt zuletzt!
Doch sollte der Erfinderreichtum des Menschen nicht unterschätzt werden. Der Gesetzgeber etwa mischt dabei ganz gross mit. Hier spricht man von einer “Online-Durchsuchung” (engl.: “Govware”)! Allerdings ist ihm der “Bundestrojaner” vor einiger Zeit sehr sauer aufgestossen. So hat der “Computer Chaos Club”, eine recht bunte Gruppe von Hackern, die Binärdateien dieses Trojaners analysiert und sie entdeckten damals, dass dieser Trojaner auch Dritten Tür und Tor öffnet. Dies führte nach der Veröffentlichung am 08. Oktober 2011 zu einem riesigen Aufschrei in der Öffentlichkeit. Inzwischen jedoch kümmert es kein Schwein mehr. Der Bundestrojaner wurde eigentlich entwickelt, um in Verdachtsfällen Kriminelle auszuspionieren! Einerseits jene, die ahnungslose User abzocken, andererseits jene, die Ihre Coups via Internet vorbereiten! Nachdem die Behörden lange dazu verurteilt waren, hier zuzusehen, bewilligten die ersten Staaten schon seit (offiziell) Beginn des Jahrtausends diese sog. “Remote Forensic Software” (RFS). Durch sie können Behörden – selbstredend natürlich NUR mit richterlichem Beschluss (unterzeichnete Blanko-Beschlüsse liegen dort hinten – bitte sich zu bedienen!) – die Computer von Privatpersonen anzapfen. Das FBI hat eine derartige Software mit Namen “Magic Lantern” seit mindestens 2001 im Einsatz. In Deutschland und Österreich war dies noch lange Zeit Grauzone – zumindest in der kriminalpolizeilichen Ermittlung! Nachrichtendienstlich – ha!!!
Erst 2005 wurde eine solche Überwachungsmethode auf Wunsch des damaligen Chefs des Verfassungsschutzes in Deutschland, Heinz Fromm, durch den seinerzeitigen Bundesinnenminister Otto Schilly (SPD) auf Schiene gebracht und im Jahr 2008 als Bestandteil des sog. “BKA-Gesetzes” mit 375 zu 168 Stimmen verabschiedet. Seither steht dieser “verdeckter Eingriff in informationstechnische Systeme” im Paragraphen 20k. Schon 2007 nutzten jedoch Bedienstete des BND diese Möglichkeit auch für private Zwecke!!! Noch im Februar 2008 beurteilten die Verfassungshüter in Karlsruhe diese Ermittlungsmethode als “verfassungswidrig”, auch der Freistaat Bayern wurde mit einem entsprechenden Antrag im Bundesrat nur kurz zuvor zurückgewiesen. Die Generalbundesanwaltschaft München hatte ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine solche *Überwachungssoftware, die etwa auf Trojanern oder Key-Logging-Programmen beruht, ohne gesetzliche Grundlage eingesetzt wird” und auch der § 100h Abs. 1 Nr. 2 StPO dies nicht ausreichend abdeckt (Juni 2011).
Trojaner gehören zur Gruppe der “Schadsoftware”. Sie öffnen über das Betriebssystem ein Hintertürchen, sodass jederzeit Befehle eingegeben (Dateien löschen, kopieren, sperren,…) und Informationen downgeloaded werden können. Viele Trojaner beinhalten sog. “Keylogger”-Programme, die jeden Mausclick und Tastendruck speichern und gemeinsam mit regelmässigen Screenshots an den Interessierten weiterleiten.Auf diese Art können beispielsweise Passwörter oder PIN-Codes abgefragt werden. Trojaner können sich im Vergleich zu Viren oder Würmern nicht selbständig duplizieren und weitergeben. Auch VoIP-Gespräche sind inzwischen nicht mehr abhörsicher bzw. können Webcams eingeschaltet werden.
Trojaner werden in unterschiedliche Katagorien eingeteilt:

-( Backdoor-Trojaner
Dieser verschafft einem anderen die völlige Kontrolle über den Rechner. Hier hilft meist nur vom Internet nehmen und neu aufsetzen, da solche Trojaner u.a. auch von Kriminellen verwendet werden um diese zu einem Botnet oder Zombie-Netzwerk zusammenzuschliessen, das sie entsprechend für ihre Aktivitäten nutzen
-(( Exploits
Sie sind die Spürhunde unter den Trojanern. Diese Software sucht nach den Schwachstellen der verwendeten Programme.
-((( Rootkits
Hiermit sollen auf dem befallenen Rechner Vorgänge ausfindig gemacht werden, um dadurch die Lebensdauer eines Trojaners zu verlängern – etwa Trojaner-Suchprogramme ausser Gefecht setzen
-(((( Trojan-Banker
Konto-, E-Banking- oder Kreditkartendaten – auf dem Präsentierteller
-((((( Trojan-DDoS
Mittels DoS-Befehlen werden Websites dermassen manipuliert, dass durch eine Überflutung von Anfragen zu viel Datenverkehr verursacht und die Homepage lahmgelegt wird
-(((((( Trojan-Downloader
Sie ermöglichen den Download solcher Schadsoftware. Wird meist als Anhang einer Mail verschickt. Somit also niemals einen Anhang aus unbekannter Quelle oder wenn er Ihnen dubios vorkommt oeffnen
-((((((( Trojan-Dropper
Damit werden die Trojaner installiert und vor den Scannern versteckt. Sehr viele Anti-Viren-Programme sind gegen Trojaner machtlos.
-(((((((( Trojan-FakeAV
Mit ihrer Hilfe werden nutzlose Sicherheitsprogramme angeboten. Einmal installiert, wird der User erpresst, Geld zu überweisen als Schutz vor einem möglichen Angriff. Digitales Mafia-Schutzgeld sozusagen.
-((((((((( Trojan-Ransom
Daten auf dem befallenen Rechner werden manipuliert, sodass dieser nicht mehr richtig funktioniert. Erst wenn “Lösegeld” bezahlt wird, wird der Rechner angeblich wieder frei geschaltet. Einer dieser Trojaner ist etwa der “Polizei-Trojaner”
-(((((((((( Trojan-SMS
Solche Schadsoftware verschickt SMS in mehrwertpflichtige Netze – das geht gewaltig in die Geldbörse
-((((((((((( Trojan-Spy
Das sind die eigentlichen Spione unter den Trojanern. Hierunter fallen etwa Key-Logging-Programme, Screenshooter und andere Aufzeichnungsprogramme
-(((((((((((( Trojan-Mailfinder
Einmal von einem solchen Trojaner befallen, sind Sie nicht mehr Herr über Ihren E-Mail-Account

Nicht zu vergessen sind weitere Schad-Programme wie Trojan-ArcBomb, Trojan-Clicker, Trojan-Game-Thief, Trojan-IM, Trojan-Notifier, Trojan-Proxy, Trojan-PSW, etc.

Stellen Sie sich doch mal folgendes vor: Sie kommen aus der Dusche, schalten den Rechner ein, da Sie noch rasch Ihre Mails abrufen möchten, bevor Sie zur Arbeit gehen, und schon schauen Ihnen Millionen von Menschen auf der ganzen Welt zu! Bizarr!!! Ein massiver Eingriff in die Intimsphäre eines jeden Einzelnen! Vor solchen Eingriffen schützte uns bislang die Verfassung bzw. das Grundgesetz. Nach dem Spruch der Verfassungsrichter im 3. Strafsenat des Bundesgerichtes (BGH) sprach etwa das Landgericht Landshut am 25. Januar 2011 ein durchgeführtes Ermittlungsverfahren aus dem Jahr 2009, das auf einer solchen Vorgehensweise beruhte, als “rechtswidrig” aus. Damals waren derartige Ermittlungen jedoch in NRW, Bayern und auch Hessen schon gang und gäbe. So werden neuartige Ermittlungsverfahren bevor sie zum Usus werden, mittels geheimer Dienstanweisung schon viel früher durchgeführt. Auch der damalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Günther Oettinger (CDU) machte im Januar 2008 nicht weniger als 1,2 Mio € aus dem Landesbudget für die Anschaffung einer solchen Software locker! Rheinland-Pfalz wollte gar eine präventive Online-Überwachung durchführen. Soll heissen, dass jeder zur Verhinderung von Straftaten auf eine solche Art überwacht werden kann. Entsprechend der Berichterstattung des Nachrichtenmagazins “Der Spiegel” hatten solche Bundestrojaner die Länder Baden Württemberg, Bayern, Brandenburg, Niedersachsen und Rheinland Pfalz bis offiziell zumindest Oktober 2011 im Einsatz. Der BND verfügt nach wie vor über eine Generalvollmacht, im Rahmen derer wurden nicht weniger als 2.500 Personen angezapft. Auch der Zollfahndungsdienst sollte in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben! Der § 20k des BKA-Gesetzes ermöglicht inzwischen ganz offiziell die “Präventive Onlineüberwachung”! Schliesslich haben sich ja die Volksvertreter dafür ausgesprochen um ihre Wähler ausspionieren zu können!
Wie kann sich nun ein User vor dem Angriff solcher Horden von Trojanern schützen? Schwer, da – wie bereits erwähnt – nicht jedes Viren-Programm auch Trojaner abfängt. Dann gibt es da noch etwas, das Sie wissen sollten: Hersteller wie Avira oder Kaspersky arbeiten zumindest nicht offiziell mit dem BKA zusammen. Die anderen??? Auch können Betriebssysteme durchaus Türen offen lassen, offiziell durch einen gewissen Herrn Snowden publik gemacht. Zudem ist bei dubiosen Quellen Vorsicht geboten, da so manch einer nach der Installation einer entsprechenden Anti-Malware-Software auch tatsächlich einen Trojaner als untrennbaren Kumpel hatte. Besonders Vorsichtige sollten deshalb auch nur Programme mit signierten Daten runterladen damit ein Man-in-the-middle-Angriff (siehe weiter unten) ausgeschlossen werden kann.
Um weiteren öffentlichen Diskussionen aus dem Wege zu gehen, hat der damalige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) das BKA beauftragt, einen eigenen Staatstrojaner zu erstellen. Seine Regierungskollegin, die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), hingegen hat den Einsatz solcher Hilfsmittel grundsätzlich abgelehnt. Nach dem Richterspruch des Verfassungsgerichtshofes heisst es, dass eine “konkrete Gefahr für ein hohes Rechtsgut bestehen” muss (Terroranschläge, Geiselnahme oder Mord). Ausserdem muss der Schutz persönlicher Dtaen gewährleistet sein. Doch wohl ein Scherz – oder???!!! Nach letzten Meldungen des NDR allerdings, beruhend auf den Aussagen des Bundestagsabgeordneten der Linkspartei, Andrej Hunko, sei die neue Spähsoftware, die gemeinsam mit der Firma CSC entwickelt wurde, einsatzbereit. Sie baut auf der Quellen-Telekommunikationsüberwachung und der Quellcodeprüfung auf und wird entweder via Mail verschickt oder durch die Verwendung eines USB-Sticks auf den Rechnern von Verdächtigen installiert. Zudem geht die mehr oder weniger öffentliche Hand auch zu sog. “Man-in-the-middle-Angriffen” vor. Dabei werden solche Programme auf allen deutschen Internet-Providern gespeichert und bei Bedarf bei einem an sich harmlosen Download angehängt. Ab diesem Zeitpunkt ist Big Brother beim Skypen ebenso dabei wie beim Chatten, Messengen und Mailen. Eine solche Quellen-TKÜ ermöglicht das gezielte Abfangen von Mails oder Telefonaten. Die US-amerikanische Muttergesellschaft von CSC soll übrigens entscheidend bei der NSA tätig sein und auch Aufträge für die CIA abgearbeitet haben.
Gerade nachdem jetzt wieder bekannt wurde, dass der Bundesnachrichtendienst ebenfalls auf Teufel komm raus geschnüffelt und abgehört hat, kommt beim kleinsten Otto-Normalverbraucher nach und nach der Verdacht auf, dass das Wohnungsgrundrecht zwar gut und schön ist, aber schon seit langer Zeit nicht mehr besteht. Trotzdem befürworten nach wie vor viele diese Online-Überwachung (2011: 43 % der Bundesdeutschen – Tendenz allerdings fallend). Gestatten Sie mir deshalb zum Abschluss eine Frage:
Wie war das doch damals mit der STASI?

PS: Als seeeehr nett empfindet der Schreiberling dieser Zeilen übrigens die Gesetzestext-Auslegung der Online-Durchsuchung: “…entfernte PCs auf verfahrensrelevante Inhalte hin zu durchsuchen, ohne tatsächlich am Standort des Gerätes anwesend zu sein”! Ich bezeichne es gerne als das, was es ist: Spionage! Wird dies am normalen Bürger durchgeführt, so ist grundsätzlich von einer “Kollektivschuld” auszugehen, die uns einen Schritt näher zum Überwachungsstaat bringt. Denn dann muss der Einzelne nachweisen, dass er keine Schuld trägt! Sind das etwa noch demokratische Grundrechte???

No Comments »

Schalom

Ehrlich – ich tat mir sehr schwer, diese Zeilen zu schreiben, da ein Schreiberling sehr flott in’s Lager der Antisemististen angeschoben wird, wenn er Kritik an der Regierung in Tel Aviv äussert – obwohl dies mit dem Glauben oder Religion gar nichts zu tun haben muss. Deshalb eines gleich vorweg: Ich bin es nicht! Ein Antisemitist! Sorry, werte Kritiker meiner Zeilen. Ausserdem dachte ich mir bislang, dass die Hamas selbst für die Reaktion Israels verantwortlich zeichnet, da sie ja schliesslich mit dem Raketenbeschuss angefangen und die meisten Feuerpausen von sich aus gebrochen hat. Allerdings gab mir ein Gespräch den letzten Anschub, mich mit dieser Thematik dann doch etwas genauer zu befassen. So sprach der gläubige Jude Rolf Verleger auf SWR 1 von der israelischen Gaza-Politik als “Landraub” und “Apartheidssystem”. Allerdings meinte er auch ganz treffend, dass es nicht um Antisemitismus gehe, sondern vielmehr darum, dass eine gerechte und unseren Wertvorstellungen entsprechende Lösung angestrebt werden solle. Israel solle ein normaler Staat seiner Bürger werden!
Ich habe selten solch offene Worte in der Öffentlichkeit gehört. Allerdings hat diese Ansicht dem medizinischen Psychologen auch spürbare Wunden zugefügt. So verlor der in Ravensburg geborene und in Lübeck tätige Uni-Professor sein Amt als Direktoriumsmitglied im Zentralrat der Juden in Deutschland und als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein. Offizieller, ausschlaggebender Grund war ein Vortrag anlässlich des Jahrestreffens der muslimischen Jugend. Seine Meinung wird inzwischen von dortiger Seite als “abstrus” und “absolute Einzelmeinung” abgetan. Im Jahre 2006 rief er gar mittels der Online-Petition “Schalom5767″, bekannt als “Berliner Erklärung”, zu einer kritischeren Haltung der deutschen Bundesregierung gegenüber der israelischen Politik auf. Das Vorgehen Israels seit Juli im Gaza-Streifen sieht Verleger als eigenverantwortlich für die neue Welle des Antisemitismus in Europa.
Da schrillen bei mir als investigativem Schreiberling selbstredend die Alarmglocken: Wenn ein ehedem sehr angesehener Angehöriger der jüdischen Glaubensgemeinschaft in Amt und Würden eine solche Meinung öffentlich vertritt – da muss doch etwas dahinterstecken! Und schon begannen meine Recherche-Arbeiten. Das Ergebnis möchte ich Ihnen nicht vorenthalten, möchte aber nochmals betonen, dass ich den möglicherweise auf einem Glauben basierenden Hass auf Völker oder Volksgruppen grundsätzlich ablehne.
Die Jewish Colonization Association schreibt, dass anno 1898 gerade mal 5.200 Juden in landwirtschaftlichen Mustersiedlungen in Palästina lebten. Diese Region war damals osmanisch regiert. Nach dem Sieg der Briten im Ersten Weltkrieg kam es am 02. November 1917 zur Gründung einer “Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina” – die Grundlage dafür bildete die Balfour-Deklaration. Damals wurde allerdings das Versprechen abgegeben, dass bestehende nicht-jüdische Gemeinschaften in Palästina nicht hierdurch beeinträchtigt werden sollten. Durch die antisemitischen Verfolgungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mussten viele Juden ihre Heimat verlassen und Zuflucht in einem anderen Land suchen. Im Jahre 1922 kam es durch den Völkerbund zum Palästina-Mandat, das nach dem 2. Weltkrieg durch den Palästina-Teilungsplan der Vereinten Nationen umgesetzt wurde. Die Araber allerdings lehnten dieses UNO-Mandat ab, da sie sich übergangen fühlten und bei dieser Entscheidung ihre Interessen nicht einbringen konnten. Am 14. Mai 1948 wurde durch David Ben Gurion der unabhängige Staat Israel als repräsentative Demokratie mit parlamentarischem Regierungssystem ausgerufen. Inmitten der arabischen Welt entstand ein Hochindustriestaat westlicher Prägung mit rund 6,1 Mio jüdischem und 1,7 Mio arabischem Bevölkerungsanteil. Bemessen nach dem BIP lag die israelische Volkswirtschaft 2013 auf Rang 37 im internationalen Ranking.
Soweit eigentlich so gut, auch wenn aufgrund der westlichen Ausrichtung des Landes und dem hohen Lebensstandard Spannungen zu den armen Nachbarstaaten bereits in früheren Zeiten vorausgesagt wurden. So erklärten die Staaten Ägypten, Irak, Jordanien, der Libanon und Saudi-Arabien sowie Syrien noch in der Gründungsnacht dem neuen Staat den Krieg. Übrigens: Haben Sie gewusst, dass Israel geographisch zwar zu Asien, geologisch hingegen zu Afrika gehört, da die afrikanische Kontinentalplatte erst im Jordantal endet?!
Nun kommt aber noch eine Tatsache erschwerend hinzu, die Herr Verleger als “Landraub” beteichnete: Das offizielle Kerngebiet Israels beläuft sich nach der Waffenstillstandsliste von 1949 auf 20.991 Quadratkilometer (davon 440 km² Wasser). Hinzu kommen aber noch rund 6.800 Quadratkilometer an besetzten Gebieten. Um dies zu erklären, sei mir ein kurzer historischer Diskurs erlaubt.
Das Staatsgebiet wurde bereits im “Ersten Arabisch-Israelischen Krieg” 1948/49 wesentlich vergrössert (Galilea & Negev). 1967 fand dann der Sechstage-Krieg gegen Ägypten statt. Er basierte auf den Suez-Kanal-Vorkommnissen aus dem Jahre 1956, als Isarel in die Kanalkrise eingegriffen hatte. Den ersten Schritt machte in den 60ern allerdings der ägyptische Staatspräsident Gamal Abdel Nasser, der in die entmilitarisierte Zone des Sinai einrücken liess. Gleichzeitig machten die Syrer, der Libanon und Jordanien mobil. In einem Präventivschlag überrollten die israelischen Truppen förmlich jene Ägyptens. Die Folge: 67.000 Quadratkilometer wurden besetzt. Erst 1982 wurden 60.000 km² (die Sinai-Halbinsel) wieder an Kairo zurückgegeben. Macht einen Gebietsgewinn von 7.000 km². 1973 folgte der Jom-Kippur-Krieg. der ebenfalls von Syrien und Ägypten initiiert wurde. In der Gegenoffensive Israels unterlag Syrien. Israelische Truppen rückten bis auf 36 km an die syrische Hauptstadt Damaskus vor. Im Süden wurde die 3. ägyptische Armee 120 km vor Kairo eingekesselt. Beide Kriegs-Seiten hatte recht hohe Verluste zu beklagen. Israel jedoch hatte dazugelernt: Seine Armee galt nach dem Sechs-Tage-Krieg als unbezwingbar – nun wurde erkannt, dass dies nicht der Fall ist! Aus dieser Zeit stammt wohl auch die nennen wir’s einfach mal “vorausschauende Vorsicht”, bei welcher der Geheimdienst Mossad einen ganz gewichtigen Teil beizutragen hat. Im Jahre 1980 wurden die Golanhöhen besetzt. Dies brachte rund 1.150 km² an zusätzlicher Fläche. Das ebenfalls annektierte Westjordanland umfasst 5.879, Ostjerusalem 70 und der Gazastreifen 360 Quadratkilometer. 1982 erfolgte der erste Libanon-Krieg. Nach Anschlägen der PLO sind israelische Truppen bis Beirut vorgestossen. Das erbeutete Gebiet wurde wieder rasch zurückgegeben – 3.058 km² hingegen blieben über drei Jahre unter israelischer Regieung. Erst 2000 wurde die Region gänzlich geräumt.
Alleine im Westjordanland gibt es über 200 israelische Siedlungen – davon sind vier Städte mit über 15.000 Einwohnern und zusätzlich 145 nicht bewilligte “Outposts”. Insgesamt rund 350.000 Menschen! Auch in Ostjerusalem und auf den Golanhöhen wurden Siedlungen errichtet. Und diese stellen auch den wahren Knackpunkt der israelischen Politik dar. Einerseits wurden diese Gebiete in mehreren bewaffneten Auseinandersetzungen anderen Staaten abgenommen, andererseits auch besiedelt, was klar gegen die Genfer Bestimmungen verstösst (IV. Genfer Abkommen, Art. 49). So berichtete etwa die Menschenrechtsorganisation Amnesty International im Jahre 2011, dass aus den annektierten Gebieten mehr als 1.000 Palästinenser vertrieben und deren Habseligkeiten zerstört wurden. Auch wenn Israel meist angegriffen wurde oder kurz vor einem solchen Angriff selbst präventiv handelte, wurde mit der Rückgabe der besetzten Gebiete nach eigenem Interesse gehandelt – ganz zum Unbill der arabischen Nachbarstaaten. So forderten diese etwa den Abzug aus den im Sechs-Tage-Krieg besetzten Gebieten bei gleichzeitiger Anerkennung der israelischen Grenzen. Damit hätten sie auch den Staat Israel anerkannt, den sie über 20 Jahre hinweg bekämpft hatten. Doch willigte die Regierung aus Tel Aviv hier nicht ein.

(Quelle: arte)

Der fruchtbarste Teil des Landes ist die Küstenebene. Die meisten Menschen leben zwischen Haifa und Tel Aviv, in der sog. “Scharonebene”. Nur zwei der dortigen Flüsse führen das ganze Jahr über Wasser. Bis zum Westjordanland und seiner Hügellandschaft (Militärbezirke Judäa und Samaria) folgt nurmehr trockenes Land. Umso wichtiger ist der See Genezareth als Wasserlieferant, der übrigens 213 m unter dem Meeserspiegel liegt. Davon hat der Gaza-Streifen allerdings so gut wie gar nichts. Hier muss das Grundwasser aufwendig durch Pumpen an die Oberfläche geholt werden. Fällt der Strom aus, funktionieren auch die Pumpen nicht mehr.
Die meisten arabischen Israelis leben in Galilea sowie im östlichen Teil des Landes und dem nördlichen Teil der Negev-Wüste. Somit sind die fruchtbaren Landesteile grossteils der jüdischen Bevölkerung vorenthalten. Professor Verleger brachte in seinen Ausführungen ein Beispiel, das ihm ein arabischer Israeli einst erzählte. Ein arabischer Israeli besitzt in Haifa ein Haus. Er verstirbt – das Haus erben die beiden Söhne. Einer der beiden wohnt darin, der zweite blieb nach dem Studium in den USA. Das israelische Gesetz nun schreibt vor, dass Du als nicht jüdischer Israeli die Staatsbürgerschaft verlierst, wenn Du länger als 5 Jahre im Ausland lebst. Die Besitztümer fallen dann an den Staat. So auch geschehen mit der einen Hälfte des Hauses. Will nun der dort wohnende Sohn das Dach reparieren lassen, lehnt dies die Stadtverwaltung ab bis das Haus verfallen ist. Seltsam hingegen, dass die Unabhängigkeitserklärung aus dem Jahr 1948 Religionsfreiheit garantiert. Das sollte auch die Rechtssprechung garantieren, die einen säkularen – aber auch einen kirchlichen Anteil aufweist. So gibt es neben den normalen Gerichten auch Rabbinats- und Scharia-Gerichte, sowie drusische und christliche Richter. Die Mehrheit der Muslime sind Sunniten – auch rund 135.000 Christen leben in Israel. Auch die Katholische Kirche fordert die Rückgabe ehemaliger Besitztümer, die der Staat sich damals einverleibt hat – so etwa das Pilgerhaus in Caesarea. Und, dass auch Israel nicht unbedingt das gelobte Land für die Juden dieser Welt ist, zeigt die Emigrationsstatistik: In den Jahren zwischen 1990 und 2005 wanderten 230.000 Israeli aus – die meisten sind zuvor erst eingewandert. Die letzte wirklich grosse Auswanderungswelle folgte 2007, als 21.500 Menschen das Land verlassen haben! Weltweit sollen nach Angaben des Central Bureau of Statistics 650.000 Juden ausserhalb Israels leben.
Allerdings rechtfertigt dies alles nicht das derzeitige Szenario im Gaza-Streifen. 1987 kam es dort zur ersten, 2000 zur zweiten Intifada, was praktisch zur Selbstverwaltung der hier lebenden Palästinensern führte. Während immer wieder neue Anläufe zu politischen Friedensbemühungen gemacht werden, schüren radikalismalische Terrororganisationen ständig das Feuer von neuem an. Bis im Sommer zum zweiten Mal seit 2008/2009 eine israelische Offensive mit dem Einsatz von Bodentruppen stattfand. Hintergund war der Mord an drei jüdischen Religionsschülern und dem anschliessenden Rachemord an einem palästinensischen Jugendlichen. Der offene Konflikt zwingt die Welt zum Zuschauen. Schreitet der Westen ein, verscherzt er es sich mit den meisten erdöl-exportierenden arabischen Staaten – allen voran dem Scheichtum Qatar, das die Hamas finanziell und waffentechnisch unterstützt. Und hier nun das Perverse: Die arabischen Ölstaaten kaufen fleissig Waffen im Westen ein. So kann durchaus der Fall eintreten, dass sowohl Israel als auch die Hamas amerikanische Waffen verwenden. Hier sei mir noch ein Denkanstoss erlaubt: Wieso vergibt die FIFA eine Fussball-WM an einen Staat, der ganz offiziell eine Terrorvereinigung unterstützt? Die Chinesen halten sich ebenfalls zurück. Einerseits sind sie mit Israels Erzfeind, dem Iran, verbündet, andererseits jedoch auch mit Israel selbst. Und Russland hat mit seinem Busen-Freund Assad in Syrien alle Hände voll zu tun. Immer wieder werden Feuerpausen gebrochen, die sunnitische Hamas zwingt die Menschen, in den Häusern zu bleiben und auch sie bombadiert unschuldige Menschen in Israel – nicht zuletzt sunnitische Glaubensbrüder. Die Israelis wollen die moslemischen Extremisten ein für alle Mal auslöschen und pulverisieren das Gebiet, das ohnehin nichts hat und gänzlich von Israel abhängig ist. Die Leidtragenden sind die Zivilisten auf beiden Seiten, die eigentlich schon seit Jahrzehnten in Frieden miteinander leben möchten!

Quellen:
.) Interview mit Univ.-Prof. Rolf Verleger am 14.08.2014 auf SWR 1 BW
.) Israel. Geschichte, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft; Michael Wolffsohn; Vs-Verlag, 2007, ISBN 978-3-531-15654-5
.) Geschichte des Staates Israel. 2. Von der Gründung 1948 bis heute, Religion und Moderne; Reiner Bernstein; Wochenschau Verlag, Schwalbach/Ts. 1998.
.) http://www.tagesschau.de/israelchronik2~default.html
.) http://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19490188/201111020000/0.518.51.pdf

No Comments »

Die wahren Helden der Landwirtschaft

Als ich kürzlich eine österreichische Passstrasse nutzte, um mal wieder zu sehen, wie klein ich doch als Mensch im Vergleich zur Natur bin (ab und zu für viele sehr empfehlenswert!!!), musste ich nicht schlecht staunen. Grasten doch auf einer der Wiesen schottische Hochlandrinder. Kurz dachte ich nun nach, ob ich denn auf der richtigen Strassenseite fahre und ich mein Navi noch verstehe – mit seinem alsdann schottischen Akzent! Nein – war tatsächlich in Österreich. Es handelt sich hierbei um einen Bauern, der die Vorzüge dieser Rinder kennt, so auch die ganzjährige Freilandhaltung, die mittelrahmige Milch und das cholesterinarme Fleisch. Doch soll es heute nicht um die Einführung fremder Rassen in die heimische Landwirtschaft gehen, sondern vielmehr um ein Thema, das hiermit intensiv zu tun hat und leider immer aktueller wird: Das Aussterben heimischer Nutz- und Haustierrassen!

http://www.g-e-h.de/geh/index.php/die-rote-liste/rote-liste

In der Schule haben wir noch alle die Tiere mit den interessant gebogenen Hörnern kennengelernt – die Widder! So manch einer sagt auch Schafbock zu ihm. Doch – genau diesen meine ich gar nicht! Es gibt kleine Kaninchen, die “Meissner Widder” genannt werden. Eine spezielle Züchtung mit einem noch spezielleren Fell. Diese putzigen kleinen ca. 5,5 kg schweren Tierchen wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts gezüchtet, um gegen Ende desselben Jahrhunderts nahezu ausgerottet zu sein. Verantwortlich dafür ist dieses interessante Haarkleid der Tiere, das sich manche Frau gerne über die Schultern legt: Ein spezieller Silberglanz, der durch einzelne farblose Haare geschaffen wird. Heute leben noch etwa 700 dieser Kaninchen in Deutschland, nur 12 davon mit gelbem Fell – der Meissner Widder gilt als extrem gefährdet!

http://www.nutztier-arche-kastanienhof.de/bilder/mwidder2.jpg

Als ich meine Recherchen zu diesem Blog begann, hatte ich eigentlich ein ganz anderes Thema im Sinn. Doch je tiefer ich eindrang, desto mehr Eigendynamik entwickelte diese Thematik und desto mehr stockte mir der Atem. Nach einer Untersuchung anlässlich des “Internationalen Jahres der Biologischen Vielfalt” (2010) gelten in Deutschland zirka 36 Prozent aller Tierarten, über 30 Prozent der Pflanzenarten, 36 % der Süsswasserfische und über 70 % der Lebensräume als “Gefährdet”. In Osttirol wird derzeit eine heftige Diskussion zur Einrichtung eines Natura 2000-Gebietes geführt! Kraftwerksbefürworter wollen dies mit aller Macht in dieser Grösse verhindern. Wird auch hier die Natur wieder gegenüber wirtschaftlicher Überlegungen den Kürzeren ziehen?
Gerade auch in Bezug auf den Einfluss solcher Agrarriesen wie Monsanto, Syngenta oder Fenaco kommt dem Ausdruck “Agro-Biodiversität” eine immer grössere Bedeutung zu. Hierbei geht man von der grösstmöglichen Vielfalt an regionalen Nutztier- und Pflanzenarten aus. Monokulturen bringen zwar mehr Ernte und Gewinn, doch reicht meist ein Schädling aus, um eine ganze Ernte zu zerstören. Ähnlich bei den Nutztieren. Durch diese Artenvielfalt kann es zwar (etwa durch eine Seuche) durchaus zu einem Ausfall einer Art kommen, jedoch sollten die anderen davon nicht betroffen sein. Damit wird nicht nur die Arterhaltung, sondern auch die regionale Ernährung garantiert. Die Broschüre “Rote Liste der gefährdeten einheimischen Nutztierrassen in Deutschland 2010″ zeigt aber eine im wahrsten Sinne des Wortes bedrohliche Zukunft auf. In Deutschland unterliegen nach Angaben des Fachbeirates Tiergenetische Ressourcen 65 einheimische Rassen dem Tierzuchtrecht. Nicht weniger als 54 Rassen der fünf Grosstierarten gelten inzwischen als gefährdet. Als Impulsgeber für weitere Überlegungen möchte ich hier nun einige Arten aufzeigen, die es schon sehr bald nicht mehr geben wird – sofern sich nichts ändern sollte.

Tier- und Artenschutz beginnt also vor der eigenen Haustüre.

Beginnen wir vielleicht mit des Menschen bestem Freund, dem Hund. Der Gross-Spitz ist ein Nachkomme des Canis familiaris palustris, des steinzeitlichen Torfhundes. Es gibt ihn also schon seit ewig langer Zeit. Jetzt steht er auf der Liste der extrem gefährdeten Rassen.

http://www.deutsche-spitze.de/images/grossspitz-weiss.jpg

Der Grossspitz wurde von Winzern in früheren Zeiten gerne als “Weinberg-Spitz” – zum Schutz der reifen Trauben vor etwaigen Dieben eingesetzt. Er zeichnet sich durch seine extreme Wachsamkeit aus. Wieviele derzeit noch ihr Dasein auf den Teppichen vor dem Ofen in deutschen Haushalten fristen, ist unbekannt.
Gleich weiter im Takt: Das fettmarmorierte dunkle Fleisch des Mangalitza-Wollschweines gilt in manchen Regionen inzwischen wieder als Delikatesse. Davor wurde es aufgrund des Gesundheitswahnes wegen seines hohen Fettgehaltes gemieden. Die Rasse selbst wurde ca. 1830 in die Donauregionen eingeführt. Damals war die Ernährung der Arbeit angepasst, somit kohlehydratreicher und fettiger, zudem gab es nicht jeden Tag Fleisch. Heissbegehrt war deshalb der Speck des Schweines, das bis zu 180 kg schwer werden kann. Wieviele Exemplare gegenwärtig noch im deutschen Dreck wühlen, ist unbekannt – in Österreich sind es rund 270. Somit gilt es als gefährdet.

http://images.fotocommunity.de/bilder/haustiere/nutztiere/wollschwein-mangalitza-schwein-168d604e-4d4b-4e47-8011-b4f69fe0fdb6.jpg

Turbohühner sollen heutzutage maximal viele Eier in minimalster Zeit legen. Sind sie dann nach meist ein bis zwei Jahren ausgepowert, landen sie im Suppentopf oder auf dem Müll! Das Augsburger Huhn wurde 1870 von Julius Meyer aus Haunstetten aus französischen La Fleche- und italienischen Lamotte-Hühnern gezüchtet – es ist übrigens das einzige in Bayern selbst gezüchtete Zweitnutzungshuhn. Bereits nach fünf Monaten beginnt das Huhn mit dem Eierlegen – daraus werden bis zu 180 im ersten Jahr. Die Vögel sind frohwüchsig, wetterfest und widerstandsfähig. Während die Hähne rund 3 kg schwer werden, bringen die Hennen ein halbes Kilo weniger auf die Waage. Deutschlandweit gab es 2009 noch 30 Hähne und 144 Hennen – das Augsburger Huhn gilt somit als extrem gefährdet (Kategorie I).

http://augsburger-huhn.de/bilder/#

Das war Rettung in letzter Sekunde. Mit “Balduin” gab es 1989 noch einen Besamungsbullen – deutschlandweit. Nur aufgrund ausgezeichneter Zuchtarbeit konnte das Schwarzbunte Niederungsrind gerettet werden. Inzwischen gibt es wieder 14 Zuchtbullen und rund 2.600 Kühe. Das Rind stammt aus einer Züchtung um das Jahr 1830 herum. Vor dem 2. Weltkrieg ästen noch über 9 Mio dieser Rasse auf den deutschen Feldern. In den 1960er Jahren allerdings wurde es mit dem Holstein Frisian aus Nordamerika gekreuzt. Die Rasse gilt heute noch als gefährdet!

http://www.niederungsrind.de/img/mareike1g.jpg

Wer nun glauben sollte, dass dies alles ohnedies nur die angesprochenen Rinder-Rasse betreffen sollte, dem sei gesagt:
Limpurger Rind (Baden-Württemberg), Vorder- und Hinterwälder Rind (Schwarzwald/BW), Original Braunvieh (Schweiz und Vorarlberg), Pinzgauer Rind (Salzburg) sowie Pustertaler Rind (Südtirol) – das sind nur einige, die immer mal wieder auf den Weiden (wenn glückliche Kühe), ansonsten in den Ställen (unglückliche Kühe) gesehen werden. Wer denkt da an’s Aussterben?
Obwohl in letzter Zeit immer mehr Rinderbauern wieder die Schafzucht entdecken, bleiben leider auch diese wolligen Gefährten nicht verschont. Ein Schaf muss wenig Arbeit verursachen, geländegängig sein, viel und hochwertige Wolle sowie gutes Fleisch liefern. Einige der gängigen Rassen schaffen es nicht, den Inhaber in all diesen Punkten zufrieden zu stellen – sie sind uninteressant und somit dem Untergang geweiht. Etwa das Alpine Steinschaf. Im gesamten Alpenraum sind nurmehr 670 Mutterschafe und 50 Böcke zu finden. Dabei hätte das Schaf eigentlich all die angesprochenen Eigenschaften – mit Ausnahme, dass die Wolle nicht unbedingt so gut verarbeitet werden kann. Das Schaf ist schlichtwollig und liefert graue Wolle mit langem grobem Oberhaar und feinerem Unterhaar. Das Mutterschaft kann zweimal im Jahr lammen und ist verhältnismässig langlebig. Das Alpine Steinschaf als solches ist den schroffen Gegebenheiten ausgezeichnet angepasst. Trotzdem wird es immer mehr durch andere Rassen ersetzt.

http://www.alpines-steinschaf.net/bilder/beschreibung1a.jpg

Apropos Schaf – leider bereits ausgestorben ist das Zaupelschaf, das gekreuzt wurde, bis von “reinrassig” keine Spur mehr war (Bergschaf, Waldschaf, Pommersches Landschaf). Ebenso gefährdet ist die Skudde. Dieses Schaf kommt ursprünglich aus dem Balitkum, weshalb es hier als “Schaf der Wikinger” bezeichnet wurde. Auch die kleinwüchsige Skudde ist grauweiss und schlichtwollig, was nicht gerade für dessen kommerzieller Haltung spricht. Trotzdem waren die Besitzer über 2000 Jahre hinweg mit ihm zufrieden. Die Skudde ist anspruchslos, intelligent und standorttreu! Heute gibt es in Deutschland noch 300 Böcke und 3.000 Mutterschafe. Somit fällt die Skudde in die Klasse III – gefährdet, während das Alpine Steinschaf als extrem gefährdet gilt. Auch hier zum Abschluss ein kurzer Blick in die Artenschutzliste: Extrem gefährdet sind das Leine- und das Brillenschaf, das Schwarze, das Weisse und das Braune Bergschaf sowie etwa das Waldschaf. Kaum zu glauben – in früheren Zeiten bevölkerten diese Rassen zu zigtausenden die heimischen Felder.
Auch bei den Ziegen ergibt sich ein nahezu vergleichbares Bild! Die “Kuh des kleinen Mannes”, die Thüringer Waldziege, wurde in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts gezüchtet. Sie entstand aus einer Einkreuzung der Toggenburger Ziegen in die deutschen Rassen. V.a. im 19. Jahrhundert waren Ziegen in Thüringen sehr beliebt. So kamen etwa auf 100 Menschen 23 Tiere. Die Thüringer Waldziege war akut gefärdet. Inzwischen hat sich der Bestand etwas erholt – in Deutschland sind noch rund 140 Böcke und 1.300 Muttertiere gemeldet. Damit gehört die Ziege in die Kategorie II der Roten Liste. Sie wird vornehmlich deshalb wieder beliebter, da immer mehr Menschen die mittelrahmige Milch sowie das ausgezeichnete Fleisch schätzen. Daneben wird sie vornehmlich auch in der Landschaftspflege an unzugänglichen Stellen eingesetzt.

http://www.nutztier-arche-kastanienhof.de/bilder/thueringer.jpg

Der Kategorie II (“sehr gefährdet”) gehören zudem die Rassen Schwarzwald- und Harzziege an, die Erzgebirgs- und die Frankenziege, die Tauernschnecken- als auch die Girgentanaziege.
Gefährdet sind Rinder, Esel, Schweine, Enten, Hühner, Hunde, Ponys, …
Im Jahr 1995 taten sich Artenschützer und landwirtschaftliche Betriebe aus Deutschland und Österreich zusammen und gründeten das Projekt “Arche”, dessen Ziel die On-Farm-Erhaltung gefährdeter Nutztierrassen ist. Alle zwei Wochen stirbt statistisch gesehen eine Nutztierrasse aus, da die industrialisierte Landwirtschaft nurmehr auf ganz wenige Hochleistungsrassen setzt. Dieses Projekt nun versucht, die über 100 Rassen, die alleine in der deutschen Ausgabe der Liste der bedrohten Nutztiere stehen, dort wieder rauszubekommen und einen deutlich besseren Bestand ihrer Art zu schaffen.

http://www.g-e-h.de/geh/index.php/verzeichnis-der-arche-hoefe

Unter dem Dach der “Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH)” gibt es derzeit deutschlandweit über 90, europaweit 180 solcher Archen (wie etwa den Kastanienhof in Hennef), die nach telefonischer Absprache jederzeit besucht werden können. Doch – mit einem Zoo oder Tierpark haben diese Betriebe nichts gemein. Es sind landwirtschaftliche Höfe, die bedrohte Arten insofern schützen, dass sie diese vermehren, aufziehen und vermarkten. Und dabei haben sie es nicht immer leicht, da in den meisten umliegenden Betrieben das wirtschaftlich interessantere Turbo-Vieh steht.
Offiziell geregelt wird der Artenschutz bei Nutz- und Haustieren in Deutschland durch das “Nationale Fachprogramm zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung tiergenetischer Ressourcen”, das 2003 durch die Konferenz der Agrarminister des Bundes und der Länder verabschiedet wurde. Umgesetzt u.a. durch das “Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt” (IBV), einem Teil der “Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung” (BLE), sowie der “Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde” (DGfZ). Hier wird u.a. ein Monitoring der Herdbücher durchgeführt, das als eine Art Frühwarnsystem verstanden wird. Ein Teil des Ganzen ist zudem der Aufbau einer nationalen Kryoreserve in Form einer Genbank. Eingelagert werden Samen von mindestens 25 nicht miteinander verwandten männlichen Tieren, zudem auch Embryonen, Eizellen und somatische Zellen. Trotzdem kann und soll dies eine On-Farm-Haltung nicht ersetzen, sondern gilt tatsächlich nur als letzter Notnagel. Gebraucht wurde die Kryoreserve etwa beim Schwarzbunten Niederungsrind. In Österreich kümmert sich hierum die “Österreichische Nationalvereinigung für Genreserven” (ÖNGENE), iIn der Schweiz übernimmt diese Aufgabe die “Schweizerische Stiftung für die kulturhistorische und genetische Vielfalt von Pflanzen und Tieren” – die “ProSpecieRara”.
Sie sehen also. dass wir nicht immer nach Asien, Afrika oder Südamerika schauen müssen, wo skrupellose Geschäftemacher die Jagd auf Elefanten, Tiger, etc. nach wie vor noch teuer verkaufen, obwohl solcherartige Trophäen schon längst ganz oben auf der Artenschutzliste stehen. Bei uns haben die Geschäftemacher ein anderes Gesicht: Das Vieh wird zum Hochleistungsproduzenten, der nach getaner Arbeit erledigt und zerlegt wird. Jene Rassen, die noch unsere Grosseltern und Ur-Grosseltern gezüchtet oder auf den Weiden gesehen haben, sterben vor unseren Augen den stillen Tod!

Links:

http://www.arche-austria.at/

http://www.ble.de

http://www.lfl.bayern.de/

http://www.dgfz-bonn.de/

http://www.oengene.at/

http://www.prospecierara.ch

http://www.aid.de/

http://www.deutsche-spitze.de/gross-spitz.html

http://www.mangalitza.at/IGWOE/

http://augsburger-huhn.de/

http://www.originalbraunvieh.de/

http://limpurger-rind.de

http://www.pinzgauerrind.at/

http://www.vieh-ev.de

http://pustertaler-zuchtbetrieb.de/

http://www.alpines-steinschaf.net/

http://skud.de/

http://www.brandenburg1260.de/wolle-im-ma.html

http://www.bhg-schafzucht.de

http://www.thueringerwaldziege.de/

http://www.nutztier-arche-kastanienhof.de

No Comments »

Putin allmächtig!!!

Unter normalen Umständen schreibe ich an dieser Stelle nicht zweimal über dasselbe Thema. Aufgrund der Vorkommnisse in den letzten Wochen allerdings, bitte ich diesbezüglich darüber hinwegzusehen. Denn – das Fass ist am Überlaufen, doch interessieren sich leider viele nach wie vor noch nicht dafür!
In den folgenden Zeilen werden Sie etwas detaillierter über Wladimir Putin’s neue “Sowjetunion” informiert werden. Die skandalösen Zustände im Rahmen der Olympischen Winterspiele waren schon einmal Inhalt der Überlegungen, weshalb ich dieses Thema heute nur ganz kurz anschneiden werde.
Vorweg einige Infos zur Person!
Wladimir Wladimirowitsch Putin wurde am 03. Oktober 1952 in Leningrad als Sohn zweier Fabriksarbeiter geboren. Sein Vater war ein überzeugter Kommunist. Weil sich der kleine Wladimir häufig mit Gleichaltrigen prügelte, nahm ihn die kommunistische Pionierorganisation erst etwas später auf. Im Judo brachte es der damals schon etwas Hagere zum Schwarzen Gürtel und der Leningrader Stadtmeisterschaft. Auch heute noch soll er täglich trainieren. Bereits als Schüler der 9. Klasse bewarb sich der Teenie beim KGB. Allerdings kam der Geheimdienst erst nach seinem Jura-Studium auf ihn zu. Das Privatleben wird nach wie vor streng geheim gehalten – im April des Jahres liess sich der russische Ministerpräsident von seiner Frau, einer Deutschlehrerin, scheiden. Wladimir Putrin bekennt sich zur russisch-orthodoxen Kirche – ausschlaggebend war ein gefährlicher Brand seiner Datscha zu Beginn der 90er Jahre. Beruflich war er von 1975 bis 1982 als Offizier in der Auslandsspionage des KGB tätig. Ab 1985 stand der Agent in der DDR im Einsatz. Dort versuchte er auch angeblich 1990 einen Spionagering mit ehemaligen STASI-Mitarbeitern aufzubauen. Als dies scheiterte, wurde er wieder nach Leningrad zurückbeordert. 1992 Vizebürgermeister von St. Petersburg, 1997 stellvertretender Kanzleileiter des Präsidenten Boris Jelzin, zwei Jahre später als Wunschkandidat Jelzins Ministerpräsident – die weiteren Stationen seiner Karriere! Bei den Wahlen im März 2000 wurde er mit 52,9 % im Amt bestätigt. Ab nun erfolgte das grosse Reinemachen in der Duma und dem Kreml. Schlüsselpositionen wurden durch treue Weggefährten aus St. Petersburg besetzt, mögliche Gegner aus dem Weg geräumt.
2004 erfolgte die Bestätigung im Amt. Nachdem er allerdings 2008 nicht mehr zur Wahl antreten durfte, machte der gewiefte Stratege seinen Stabschef, den ehemaligen Gazprom-Manager Dmitri Medwedew zum Staatspräsidenten. Dieser musste allerdings vor jeder grossen Entscheidung beim nunmehrigen Regierungschef Putin nachfragen. 2012 schliesslich liess sich Putin wieder zum Staatspräsidenten wählen. Die Wahlen sorgten jedoch bei sehr vielen Wahlbeobachtern für Bauchschmerzen. Die Gründe hierfür erfahren Sie weiter unten. Die nächsten Wahlen finden 2018 statt. Der Staatspräsident richtet sich schon mal alles, wie er’s dann brauchen wird.
Immer wieder zeigte sich Putin als korrekter Staatsmann – zumindest nach aussen hin. Was intern befehligt oder geduldet wurde, wird höchstwahrscheinlich nicht so schnell an’s Licht der Öffentlichkeit gelangen. So verübten seine Truppen v.a. in der Tschetschenien-Krise unzählige Greueltaten. Immer wieder ging er auch intern mit eiserner Faust gegen mögliche Gegner vor.  Aussenpolitisch intensivierte er die Kontakte zu den Nachbarstaaten und den USA sowie nach Deutschland. Putin möchte Russland den Status der Supermacht Sowjetunion zurückverleiben. In einer Rede vor der Duma bezeichnete er etwa den Fall der Sowjetunion als “grösste geopolitische Katastrophe des Jahrhunderts”! Und sich selbst wünscht er die Macht der damaligen Staats- und Parteichefs – daran arbeitet er sehr erfolgreich. So hatte Putin etwa das Amt des Regierungschefs während seiner Amtszeit als Staatspräsident aufgewertet, danach hingegen wieder abgewertet.
Hier nun einige Beispiele für die Putin’sche Machtpolitik:
.) Aussenpolitisch unterstützt er immer wieder seine Wunschkandidaten bei den Wahlen der ehemaligen Sowjetrepubliken, wie in der Ukraine und Weissrussland. Als sie gestürzt wurden oder flüchten mussten, gewährte er ihnen Asyl, schliesslich werden sie als Getreue als Joker in der Hinterhand gehalten.
.) Gemeinsam mit seinem persönlichen Freund Gerhard Schröder und den Unternehmen BASF und e.ON wurde die Ostsee-Gas-Pipeline und mit der Türkei bzw. Italien die Blue Stream-Pipeline in’s Leben gerufen. Der Weg durch die Ukraine wurde ihm zu unsicher. Der energiefressende Riesen-Moloch Europa macht sich immer mehr abhängig von der russischen Energiezuwendung. Gleichzeitig aber weigert sich Putin, die europäische Energiecharta zu unterzeichnen, da er hierbei die Kontrolle über die Pipelines an Europa abtreten müsste.
.) Mit dem Ende der Sendung “Die Woche” verschwindet auch die einzige noch unabhängige Politiksendung im russischen Fernsehen. Die 20 Fernsehjournalisten wurden auf die Strasse gesetzt – sie überliessen immer wieder auch kritischen Worten Sendeplatz. Alle anderen Medien sind inzwischen wieder verstaatlicht oder auf Linie gebracht. Durch dieses Informationsmonopol tut sich jeder Kandidat, der gegen den amtierenden Staatspräsidenten antritt, sehr schwer. Vergleichbares versuchte ja auch Italiens Silvio Berlusconi mit dem staatlichen Sender RAI, der als einziger nicht zum Berlusconi-Imperium zählte. In Russland wird somit nurmehr das gezeigt, was die Regierung frei gibt: Journalism made in the USSR! Will Putin eine Rede halten, bekommt er auf allen Kanälen Sendezeit. Bezahlte Blogger bringen seine Meinung gut getarnt auch zur Jugend. Alle anderen Blogger mit mehr als 3.000 Clicks pro Tag, gelten als Journalisten und müssen sich amtlich registrieren lassen. Webseiten werden gesperrt, wenn sie sich nicht an solche neuen Gesetze halten. So etwa jene der beiden Regimekritiker Alexej Nawalni und Garri Kasparow. Die Organisation “Reporter ohne Grenzen” spricht von Zensur, hohen Geldstrafen gegenüber kritischen Printmedien (sodass diese dicht machen müssen), unklaren Eigentumsverhältnissen, undurchsichtige informelle Netzwerke und mangelnde Medientransparenz. Redakteure und Chefredakteuer finden sich verflucht schnell in einer Haftanstalt oder bei der Zwangsarbeit wieder.

“Kritische Journalisten sind für die Staatsgewalt Freiwild!”
(Boris Reitschuster, Focus)

Nicht weniger als 88 Journalisten starben zwischen 1997 bis März 2007 eines gewaltsamen Todes – ganz nach dem Motto “Killing the messenger”. Ein Urteil wegen Mordes hingegen gab es in keinem der Fälle. Erst als am 07. Oktober 2006 Anna Politkowskaja umgebracht wird, reagiert die Weltöffentlichkeit. Lenin übrigens führte mit einem der ersten Dekrete am 27. Oktober 1917 die bolschewistische Presse- und Medienzensur ein! Provisorisch, da sie nach der Herstellung der “normalen Verhältnisse” wieder abgeschafft werden sollte. Solche “Normalen Verhältnisse galten offenbar nur für einen kurzen Zeitraum während Michail Gorbatschow (von der staatlich kontrollierten Publizität, Glasnost, zum Fall der Zensur).
.) Pro-russische Bewegungen und Freiheitskämpfer in den ehemaligen Sowjetrepubliken werden in allen Belangen unterstützt. So hiess Putin die Krim herzlich willkommen – negierte aber, dass er Truppen auf die Halbinsel mit dem wichtigsten russischen Schwarzmeerhafen entsandte. Der höchste russische Staatsfeiertag wurde alsdann von ihm nicht nur in Moskau, sondern auch auf der Krim gefeiert. Die russischen Separatisten in der Ostukraine können zudem auf ihren grossen russischen Vater in Moskau zählen, der sogar einen Krieg mit der Ukraine nicht ausschliesst. Obwohl er immer wieder Anschuldigungen zurückweist, dass die Separatisten, die inzwischen auch Greueltaten in der Bevölkerung begehen, von ihm ausgestattet wurden. Instagram-Bilder tauchten zudem in den Social Medias auf – eingestellt von russischen Soldaten. Verfolgt man die Geodaten, so findet man sich flugs an einem Standort in der Ukraine wieder!? Kiew und auch der Westen vermuten zudem schon seit längerem, dass von russischem Boden auf ukrainische Einheiten jenseits der Grenze geschossen wird. Russische Abgeordnete fordern unterdessen, dass es den Soldaten verboten werden sollte soziale Netzwerke zu nutzen. Westliche Spionage wird dem wahren Grund vorgeschoben! Putin aber behauptet  – ebenso wie ehedem bei der Krimkrise in einem Telefonat gegenüber der deutschen Kanzlerin Angela Merkel – dass derzeit keine russischen Truppen in der Ukraine stationiert bzw. im Konflikt involviert seien.
.) Weltnaturerbe Tigerland – ha! Putin hat die 400.000 Hektar grosse Region 2010 bei der UNESCO angemeldet. In den Medien zeigte er sich als Retter der bedrohten Tiger. Das Waldgebiet wurde allerdings mit der Zustimmung Moskaus einem Parketthersteller zur Abholzung und Nutzung überlassen!
.) In der Sowjetunion, dem Land der Arbeiter, waren alle Menschen gleich. Manche allerdings gleicher als die anderen. Der Staatspräsident gab im Jahre 2007 folgende Angaben zu seinem Einkommen und Vermögen: 81.000,- $ Einkommen als oberster russischer Politiker, Barvermögen von 150.000,- $, eine kleine Wohnung, ein Stück Land und zwei Autos aus den 1960er Jahren. Von einer Datscha etwa keine Rede. In der Tageszeitung “Die Welt” wurde etwas anderes aufgelistet, wobei sie sich auf die Angaben des Politologen Stanislaw Belkowski bezieht: Privatvermögen 40 Mrd. $ – grosse Teile davon in Form von Aktien an Gas- und Ölfirmen. Beweisen konnte es der Freund des ehemaligen Oligarchen Boris Beresowski freilich nicht. Im Zuge der Wirtschaftskrise sei Putins Vermögen auf 12 Mrd. $ geschrumpft. Snief…!
.) In Russland regiert seit dem Jahre 1999 wieder der KGB. Kritiker sprechen von einer kaum zu übersehenden Stärkung der Geheimdienste, von einer Verstrickung der Mafia mit der Justiz und der Politik (Anna Politkowskaja). Meint übrigens auch der Kreml-Kritiker Tschitschwarkin in London. Das Volk werde wie zu alten KGB-Zeiten – wie Würmer behandelt – wenn notwendig zertreten! Die Moskauer Geschäftswelt sei die “diebischste, korrumpierteste” der Welt – in Russland verblieben nur jene, die auf breitester Basis Kompromisse eingehen. Doch auch sie schaffen sich bereits im Ausland ein zweites Leben und bringen nach und nach ihre Familien in Sicherheit. Zudem werden rassistische und neofaschistische Bewegungen geduldet.
.) Demokratie durch ein Mehrparteiensystem – ich denke mir, das dürfte Putin nicht so ganz verstanden haben. Die Demokratie besteht aus vielen unterschiedlichen Meinungen, die sich schliesslich in einem Konsens treffen. Werden nun nur jene Parteien geduldet, die dem Regime hold gesonnen sind, so könnte man direkt wieder das Ein-Parteien-System der Sowjetunion aufleben lassen. Nicht, offiziell als der grosse Erneuerer die Demokratie hinausposaunen, inoffiziell hingegen alle Kritiker wegsperren oder ausser Landes verfrachten.
.) Die Teilnahme an nicht genehmigten Demonstrationen oder Protestkundgebungen kann sehr rasch im Gulag enden. Die Strafen stiegen zuletzt um das 150fache Ausmass an. So wurden etwa neun Demonstranten am Eröffnungstag der Olympischen Winterspiele (06. Februar 2014) festgenommen, nachdem sie auf dem Roten Platz in Moskau die russische Nationalhymne gesungen und dabei die russische Fahne und einige kleine Regenbogenfähnchen in den Wind hielten. Nach der Festnahme wurden sie zudem auf der Polizeiwache geschlagen (Quelle: Gesine Dornbluth, DLF).
.) Weg mit den Oligarchen! Lassen Sie es uns wohl besser so ausdrücken: Die Politik bestimmt, wer reich wird! Die Liste jener, die unter Boris Jelzin wirtschaftlich in den Olymp aufgestiegen sind und durch Wladimir Putin von dort auch wieder heruntergeholt wurden, ist lange: Chodorkowskij, Abramowitsch, Beresowski, Gussinski, Lebedjew, Tschitschwarkin,… Viele davon machten in Erdöl oder Erdgas, Aluminium oder Medien, bauten multinationale Konzerne auf, gerieten in den angeblichen Verdacht der Steuerhinterziehung und Geldwäsche und mussten fliehen oder wurden inhaftiert. Ihre Konzerne filetiert. Sie wurden durch andere Wirtschaftsbonzen ersetzt, die putingetreu sind. Wie sehr Putin hier die Rufe von aussen interessiert, zeigt der Yukos-Prozess. Es wurde nachgewiesen, dass die Zerschlagung des Konzerns rein aus politischen Erwägungen, nicht aus wirtschaftlichen erfolgte. Russland nannte während des Prozesses keinen einzigen Zeugen! Ob nun der Schadensersatz bezahlt wird, bleibt freilich abzuwarten. Die derzeitigen Oligarchen müssen um den Goodwill Putins kämpfen, wollen sie nicht das gleiche Schicksal wie ihre Vorgänger erleiden. Sehr interessant aber wird die Tatsache, dass sie auf die Geschäftsbeziehungen mit dem Westen angewiesen sind. Die Sanktionen und nun auch die Importsperre (siehe gleich im Anschluss) liegt wie ein grosser Schatten über ihnen. Denn schliesslich mussten Juri Kowaltschuk, Gennadi Timtschenko, Boris Rotenberg & Co ihrem Herrn und Meister im Kreml versprechen, dass sie sich nicht politisch einmischen. Oh je – Zwickmühle!!! Tatsächlich ist die Zahl der Oligarchen unter Putin gar noch grösser geworden! Und siehe da: Nicht wenige davon entstammen den Geheimdiensten!
.) Importverbot für westliche Lebensmittel aufgrund mangelnder Hygiene! Welch ein Nonsens! Die Kremlführung muss irgendwie auf die Sanktionen des Westens reagieren. Somit setzt sie dort an, wo es das Volk am härtesten trifft, damit es gegen den Westen aufgewiegelt werden kann: Beim Essen! Für nicht wenige Agrarproduzenten ist Russland inzwischen zum besten Abnehmer ihrer Waren aufgestiegen: Äpfel aus Polen, Rind- und Schweinefleisch aus Deutschland, Wein aus Österreich, Burger und Cola aus den USA! Für ein Jahr Importverbot! Zuvor allerdings genügten die hygienischen Anforderungen den Russen! Derzeit läuft wieder die von Moskau initiierte Propaganda-Maschine auf Hochtouren: “Will uns der Westen vergiften?” Zwei Aktivistinnen der Punk-Band Pussy Riot, die nach einem zugegebenermassen sehr provokanten Auftritt in einer russisch-orthodoxen Kirche in ein Straflager weggesperrt wurden, meinten erst vor kurzem in einem Interview für die Zeitschrift “Stern” zu Putins Vorgaben: “…Und in Europa leben ja angeblich nur noch amoralische Missgeburten und Monster.” Möchte Angela Merkel etwa in Russland einmarschieren?
Während Putins Beliebtheit in der russischen Bevölkerung derzeit so gross wie schon lange nicht mehr (Georgien-Krise 2008) ist, beleuchtet die Zeitschrift “The Economist” die Zuneigung der Investoren. Und die ist derzeit noch weiter im Keller als vergleichbar beim Iran oder gar Zimbabwe. Kann jemandem, der dermassen viel gelogen hat, eigentlich noch in irgendeiner Sekunde Glauben geschenkt werden??? Auch jener Mann, der eigentlich alles in’s Rollen gebracht hat, Perestroika-Erfinder Michail Gorbatschow, der letzte sowjetische Staats- und Parteichef, übte anno 2011 in einem Radio-Interview mit dem Sender “Echo Moskwy” bitterste Kritik an Putin: “Ich würde Wladimir Wladimirowitsch raten, sofort zu gehen”! Einziger Kommentar aus dem Kreml: “Ein ehemaliges Staatsoberhaupt, das seinem Land im Grunde den Zerfall brachte, gibt einem Menschen Ratschläge, der Russland vor einem ähnlichen Schicksal bewahren konnte!”

Lesetipps:

Wladimir. Die ganze Wahrheit über Putin; Stanislaw Alexandrowitsch Belkowski; Redline Verlag, München 2014, ISBN 978-3-86881-484-2.

Putin’s Russia: Life in a Failing Democracy; Anna Politkovskaya; Metropolitan Books, Dezember 2005. – ISBN 0-8050-7930-0

Der Mann ohne Gesicht; Masha Gessen; Piper-Verlag, 2012, ISBN 3-492-05529-X.

No Comments »

Killer auf dem Vormarsch

In Westafrika wütet derzeit eine Epidemie, der gegenüber all das medizinische Wissen der Menschen nahezu hilflos erscheint: Ebola ist auf dem Vormarsch!
Aktuell wurde diese Woche bekannt, dass ein 33-jähriger US-Mediziner, der in Liberia im humanitären Einsatz war, die typischen Symptome an sich selbst festgestellt hat und sich in die Quarantäne-Station eines Krankenhauses in Monrovia begeben habe. Ein entsprechender Ebola-Test sei positiv ausgefallen, teilt die Hilfsorganisation Samaritan’s Purse mit, für die der Arzt gearbeitet hatte. Der Mann hat zwar in einem der beiden Behandlungszentren der Organisation gearbeitet, habe sich aber streng an die Sicherheitsvorschriften gehalten. Dem Kampf gegen die Krankheit ist er vor kurzem unterlegen. Zwei weitere Amerikaner sind in die USA ausgeflogen worden, um dort medizinisch versorgt zu werden.

(Quelle: CNN)

Inzwischen wurden alle Schule Liberias gesperrt und auch die öffentlichen Stellen dicht gemacht. Zweitere sollen vorerst desinfiziert werden. Das tödliche Virus macht sich underdessen nicht nur in Liberia breit, sondern auch in Guinea und Sierra Leone, dort ist sogar bereits der Notstand ausgerufen worden. Auch in Nigeria wurde eine Erkrankung gemeldet. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sind seit Februar (Ausbruch in Guinea) schon mehr als 1.300 Menschen an Ebola erkrankt – die Zahl steigt nahezu täglich. 770 davon sind bereits gestorben.
In früheren Zeiten bekamen wir in Europa eine solche Epidemie nur sehr selten mit – eine Randnotiz in einer Zeitung berichtete Monate nach deren Ausbruch darüber. Die Welt ist zu einem globalen Dorf geworden – wir sind alle vernetzt, Fernreisen sind an der Tagesordnung. Von einer solchen nach Westafrika ist allerdings derzeit abzuraten, da nicht nur eine unmittelbare Ansteckungsgefahr besteht, sondern auch die Übertragungsmöglichkeiten durchaus im Bereich des Möglichen liegen. Ebola in Europa – das wäre eine Katastrophe!!! Obwohl Experten Entwarnung geben: Hierzulande bestehen komplett andere Hygienemöglichkeiten.
Doch – was ist es, das die Krankheit so gefährlich macht? Ebola trat erstmals 1976 in der Republik Kongo (damals noch “Zaire”) auf. Die Erkrankung zählt zu den sog. “hämorrhagischen Fiebern”, dem etwa auch das West-Nil- bzw. das Dengue-Fieber zuzuordnen ist oder zu dem der Marburg-Virus führen kann. Die Übertragung findet vornehmlich durch Körperkontakt, aber auch durch Blut, Speichel oder Sperma, in ganz seltenen Fällen auch über eine Tröpfchen-Infektion statt. Die Inkubationszeit liegt zwischen 2 und 21 Tagen. Erste Krankheitsbilder sind hohes Fieber, Erschöpfung, Muskel-, Kopf- und Halsschmerzen. Später folgen Durchfall, Übelkeit und Erbrechen sowie ein Hautausschlag. Schliesslich kommt es zu eklatanten Blut-Gerinnungsstörungen, da die Zahl der weissen Blutkörper und der Blutplättchen stark abnimmt. Es setzen innere und zuletzt sichtbare äussere Blutungen durch die Schleimhäute ein – vornehmlich im Genitalbereich sowie dem Mund aber auch den Augen. Ein Multiorganversagen führt schliesslich im septischen Schockzustand in 50 bis 90 % der Erkrankungen (je nach Virusstamm) zum Tod. Diese Blutungen (“Hämorrhagie”) machten Ebola auch in unseren Breiten durch Bilder oder Filmaufnahmen bekannt. Das Gefährliche an der Krankheit: Es gibt bislang noch keine Therapie oder Medikament dagegen! Durch Arzneimittel kann nur die Blutgerinnung beeinflusst werden, Wissenschafter, die sich im Labor infiziert hatten, sind wieder genesen, nachdem sie ein Serum injiziert bekamen, das aus dem Blut von Menschen gewonnen wurde, welche die Krankheit überlebt haben. Ansonsten hilft nur strengste Isolation, die Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten sowie ein Organersatzverfahren, wie die Dialyse. All das gibt es zumeist auf dem afrikanischen Kontinent nicht bzw. nur in den grossen Städten und hier nur für die Reichen – so schlimm es klingt: Die Krankheit wird dort eingedämmt, indem die Erkrankten sterben.
Seit dem ersten Auftreten Mitte der 1970er-Jahre werden immer wieder Infektionen vornehmlich in Gabun, Kongo-Brazzaville und dem Sudan gemeldet, Einzelfälle auch von der Elfenbeinküste bzw. Südafrika. Insgesamt infizierten sich nach WHO-Angaben seit der 70ern ca. 2.300 Menschen, für rund die Hälfte endete Ebola letal. Bereits im Oktober 2000 erkrankten in Uganda nicht weniger als 425 Personen, knapp weniger als die Hälfte davon überlebte. Nicht weniger als 60 % des Pflegepersonals der Krankenhäuser infizierte sich ebenfalls. Im November 2012 brach Ebola erneut in Uganda aus – dies aber war das letzte Erscheinen der Krankheit bis zum diesjährigen Februar. In Westafrika heisst es mittlerweile, dass die Lage ausser Kontrolle sei.

Quelle: Euronews)

Woher plötzlich der Erreger stammt, ist derzeit noch unklar. Die Experten des Robert-Koch-Institutes vermuten, dass evtentuell Flughunde oder Ratten die Überträger sein könnten, die in diesen Breitengraden als Delikatesse gelten. Dies hat Ebola mit dem Marburg-Fieber gemeinsam. Dieser Virus wurde im Jahr 1967 mit Meerkatzen (Affen) aus Uganda in Labors im hessischen Marburg eingeschleppt. Damals steckten sich 31 Wissenschafter an, sieben davon starben. Affen fungieren aber nur als Überträger – sie krepieren selbst an der Krankheit. Sehr gefährlich ist ein Beisetzungsritus mancher Volksstämme (rituelle Waschungen), bei welchen es zu sehr engem Kontakt mit dem Toten kommt. Ebola bleibt ansteckend – auch wenn der Wirt inzwischen verstorben ist oder die Krankheit überwunden hat. Bei Untersuchungen konnten 61 Tagen nach dem Abklingen der Krankheit noch Ebola-Viren in der Samenflüssigkeit festgestellt werden. Auch Angehörige müssen deshalb in die Isolation, weshalb sich viele Erkrankte erst gar nicht melden.
Das Virus ist benannt nach dem Fluss Ebola (Zaire), in dessen Umfeld die erste Erkrankung aufgetreten war. Gegenwärtig werden fünf Stämme nach ihrem Herkunftsland unterschieden: Zaire ZEBOV, Sudan SEBOV, Reston REBOV, Elfenbeinküste CIEBOV und Bundibugyo BEBOV. Bislang kommt die Krankheit nur auf dem afrikanischen Kontinent vor. Insgesamt werden von der Experten vier Virenstämme unterschieden, die derartige hämorrhagische Fiebererkrankungen auslösen können:

Filoviren
Arenaviren
Flaviviren
Bunyaviren

Sie vermehren sich in den sog. “natürlichen Reservoiren” – in Nagetieren und Insekten. Das Ebola-Virus entstammt den Filoviren, konnte allerdings noch nicht in einem solchen Primär-Wirt nachgewiesen werden, ansonsten könnten Gegenmittel zu seiner Übertragung getroffen werden. Das Virus ist ein sog. “RNA-Virus”, das im Elektronenmikroskop dünnen Fäden gleicht, deshalb auch der deutsche Name “Fadenvirus”. In diese Familie gehören zudem der bereits angesprochene Marburg- bzw. der Reston-Virus. Zeigt der Erkrankte noch keinerlei Krankheitssymptome, so ist er noch nicht ansteckend. Menschen, die die Krankheit überlebt haben, können sich jedoch ein erneutes Mal infizieren, wobei allerdings die Sterblichkeitsrate bei einer solchen Zweitinfektion deutlich sinkt.
Das Virus verbreitet sich am leichesten in Krankenhäusern, in welchen Ebola-Patienten betreut werden. In der Behandlung ist penible Hygiene ein Muss – eine Quarantäne-Station selbstverständlich. Beides haben die meisten Krankenhäuser auf dem afrikanischen Kontinent nicht zu bieten.
Für mich absolut unverständlich ist die Tatsache, dass das Ebola-Virus als biologischer Kampfstoff in’s Auge gefasst wurde. So experimentierte etwa die japanische Aum-Sekte damit, was gottlob scheiterte! Positiv allerdings ist in diesem Zusammenhang, dass auch das US-Militär deshalb in die Forschungsarbeiten eingebunden ist. So haben Wissenschafter 2010 ein Medikament erfolgreich an Rhesusaffen und Makaken ausgetestet, das die Virusreplikation hemmt. Für einen Huimaneinsatz allerdings ist es noch zu früh.
Die Ebola-Verbreitungsgebiete (Äquatorialafrika) sind meist touristisch nicht erschlossen. Trotzdem ist es wichtig, vor einem Aufenthalt in Afrika genaue Erkundigungen über die Gesundheitslage der Region einzuholen. In Deutschland ist selbst der Verdacht auf eine Ebola-Erkrankung meldepflichtig. Blutuntersuchungen dürfen hierzulande nur in Labors mit der höchsten Sicherheitsstufe gemacht werden – derartige Labors gibt es in München, Hamburg und Berlin.

Links:
www.rki.de
www.hpa.org.uk
www.who.int
www.isb-sib.ch/

No Comments »

WP Login