Archive for September, 2014

Diese Sauerei stinkt zum Himmel

Die eingefleischten Leser dieser Zeilen wissen inzwischen, dass ich – sollte es um unschuldige Kinder und Tiere gehen – kein Halten kenne! Heute möchte ich über etwas berichten, das nicht nur ganz gewaltig zum Himmel stinkt sondern in 99 % der Fälle auch menschenunwürdig ist: Lebend-Tiertransporte!
Als ich diese Bilder sah, kamen mir die Tränen! Ende August musste die A9, die österreichische Pyhrnautobahn für einige Stunden gesperrt werden. Die Ursache war ein Reifenplatzer am Hänger eines rumänischen LKWs, der dadurch Feuer gefangen hatte. Dem Lenker gelang es, die Zugmaschine abzukoppeln, das Feuer jedoch konnte nur durch die Feuerwehr gelöscht werden. Die Tragik an dem Ganzen: Im Hänger waren Hühner, die von Wolfsberg nach Linz verbracht werden sollten. In Obststeigen aus Kunststoff, sodass die armen Vögel nicht mal genügend Platz zum Liegen hatten. Hunderte von ihnen krepierten jämmerlich – entweder sie verbrannten, erstickten oder starben an Herz-Kreislauf-Problemen. Den Feuerwehrleuten bot sich ein Bild des Grauens, das sie sicherlich nicht so schnell vergessen werden können. Leider kein Einzelfall – im Oktober 2011 verbrannten auf der A4 bei Friedewald in Hessen nicht weniger als 5.000 Hühner, weitere 6.000 mussten aufgrund ihres Zustandes notgeschlachtet werden. Auch hier war ein Reifenplatzer verantwortlich, auch hier waren die Vögel in Kisten aus Kunststoff untergebracht, die – sobald diese schmelzen oder Feuer fangen – giftige Gase freisetzen.
Jeden Tag werden Millionen von Tieren auf unseren Autobahnen von A nach B gebracht – die meisten davon um im Ort B geschlachtet zu werden. Lebewesen, die sowieso getötet werden sollen, machen zuvor noch einen Ritt durch die Hölle, den viele auch gar nicht überleben: Erschöpfung, Dehydratation und Stress! Sie sterben noch während des Transports. Unsereins stellt sich ohnedies die Frage: Wieso müssen überhaupt Lebendtransporte von Schlachtvieh gemacht werden? Wäre es denn nicht besser für die Tiere, wenn sie hier geschlachtet werden und entsprechend zerlegt an den jeweiligen Bestimmungsort gebracht werden? Ja – sicherlich, doch wird hier die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Die Gewinnsucht des Menschen! Je mehr Geld ein solcher Transport bringt, desto besser. Schliesslich kosten Kühltransporte mit dem fertig verpackten Fleisch viele Euros. Doch – was wäre, wenn anstelle des Gulaschfleisches aus Norddeutschland In Baden Württemberg heimisches Fleisch zurückgegriffen wird? Das Tier wird stattdessen zur Ware, sein Wohlbefinden scheint allen Beteiligten völlig egal zu sein!
Für all jene unter Ihnen, die vielleicht meinen, dass es sich nur um ein paar Kühe und Schweine handelt:

Verbringung 2011 nach Deutschland
150.000 Rinder
13,9 Mio Schweine (vornehmlich Ferkel)
4,6 Mio Schlachtschweine
202 Mio Geflügel (Hühner, Enten,…)

Verbringung aus Deutschland:
667.000 Rinder
2 Mio Schweine
973.000 Schlachtschweine
264 Mio Geflügel (Hühner, Enten,…)

Mir stellt sich nun die Frage: Weshalb werden Tiere nach Deutschland gebracht, wenn Tiere aus Deutschland wieder verbracht werden – zu deren grösstem Leid?! Damit Gewinne gemacht werden können! Kälber und v.a. Ferkel werden in Billiglohnländer zur Mast gebracht. Hier ist auch das Futter weitaus günstiger. Die Schlachtung aber erfolgt wieder im Inland, damit die Ursprungszertifizierung nicht flöten geht und die sorgsame Mutter im Supermarkt trotzdem ihr Fleisch aus Deutschland kaufen kann. Bei einer Ware spricht man im Fachjargon von “Lohn-Veredelung” – trifft dies auch auf die Tierhaltung zu? Wohl kaum! Das meist kurze Leben der Tiere gleicht einer durchgehenden Folter, denn in solchen Ländern sind meist auch die Tierschutzgesetze zu lasch (Spanien etwa) oder es werden schlichtweg keine Kontrollen durchgeführt. Freie Marktwirtschaft auf dem Rücken des Lebens!

Ein Beispiel aus der Praxis? Rinder werden als Zuchtvieh deklariert. Im Export bringt das wesentlich mehr Geld – Export-Subventionen der EU bzw. Deutschlands oder Österreichs. Diese Subventionen werden nach Gewicht gewährt. Also darf das Vieh am Abend vor dem Abtransport noch viel Salz lecken. Der Durst ist dann dermassen gewaltig, sodass jedes Rind das Wasser, das es vor der Abwaage erhält, literweise in sich hineinsaugt. Das Rind wird umso schwerer – Steuergelder werden für Wasser bezahlt. Nach hunderten Kilometern, einer stundenlangen Tortur, in viel zu heissen Transportern, vielfach ohne Wasser und Pause, wird die Ausfuhr an der EU-Grenze mittels Stempel und Unterschrift quittiert und direkt der nächste Schlachthof angefahren. Ich befragte einst einen Ministerialrat des österreichischen Landwirtschaftsministeriums, der für die sog. “Marktordnung”, also die landwirtschaftlichen Subventionen zuständig war, was er ganz allgemein zu dieser Praxis meint. Im Speziellen ging es um die Fotoserie einer grossen österreichischen Tageszeitung, auf welcher Kühe in einem italienischen Hafen an den Hörnern mittels Kran auf das Schiff nach Libyen gehieft wurden. Nicht wenigen der Tiere riss dabei die Kopfhaut – während der Überfahrt nach Libyen krepierten sie elendigst. Der Herr Ministerialrat meinte damals, dass auch er es als grausam empfinde und gar nich hinschauen könne, “man” jedoch dagegen nichts tun kann. Soweit die Meinung eines der höchsten Beamten des Alpenstaates.
Doch muss es nicht unbedingt immer die grenzüberschreitende Tierbeförderung sein! Jedes Jahr werden nicht weniger als 188 Mio Tiere nur durch Deutschland gefahren. Aus dem südlichsten Zipfel Bayerns bis nach Niedersachsen um dort gemästet zu werden. Geschlachtet wird das Vieh dann in einem Grossschlachthof in Nordrhein-Westfalen! Ein Trauerspiel. Andere haben’s noch schlechter. Kälber aus Dänemark werden in Niedersachsen gemästet und nach Italien zum Schlachten transportiert! Tagelang in Viehtransportern unterwegs, eingezwängt im LKW – ohne Auslauf, kaum Futter, kaum Wasser! Ruhe- oder Melkzeiten? Trächtig oder nicht! Sommerlich heiss oder eisig kalt! Nach geltendem Gesetz können Rinder etwa bis zu 29 Stunden am Stück auf einem Transporter eingepfercht sein. Immer wieder werden Fahrer aus dem Verkehr gezogen, die dies nicht einhalten und nurmehr dahinsiechende oder gar schon vor Erschöpfung gestorbene Tiere transportieren. Jährlich werden rund 380 Mio Tiere (ohne Geflügel!) zum Schlachten quer durch Europa gefahren! Ist das ok?

Und dabei wäre alles gesetzlich klar definiert, in der Deutschen Tierschutztransportverordnung (TierSchTrV), den österreichischen Tiertransportvorschriften bzw. der EU-Richtlinie 1/2007 (“EU-Transportverordnung über den Schutz von Tieren beim Transport und damit zusammenhängenden Vorgängen”). Sie muss nicht erst durch nationales Recht ersetzt werden sondern gilt in jedem EU-Mitgliedsstaat gleichermassen! Demgemäss ist ein Tiertransport der “gewerbliche Transport von lebenden Wirbeltieren mithilfe von Kraftfahrzeugen oder anderen Triebvorrichtungen.” Dies können nun Schlacht- oder Mastvieh, Zucht- oder Zirkustiere sein. So darf beispielsweise ein Transport maximal acht Stunden andauern (Inklusive der Verladezeit von der ersten Kuh weg gerechnet). Und dann kommt die Gummi-Paragraphierung: Ausser es handelt sich beim Fahrzeug um ein Spezialfahrzeug (Verordnung Nr. 411/98/EG) oder es wurden Pausen- und Versorgungsintervalle eingehalten. Zählt etwa die Rauch- oder Pinkelpause des Fahrers ebenso als Pause? Im Sinne der Deutschen Tierschutz-Transportverordnung dürfen Pferde nur einstöckig untergebracht sein, Rinder zwei-, Schafe und Kälber drei- und Jungtiere bis zu fünfstöckig Getrennt durch einen festen Boden, sodass nicht der Urin und Kot der oberen Tiere auf die unteren fällt. Gewisse Tiergruppen dürfen zudem nur bis zu einer maximalen Stückzahl gemeinsam transportiert werden – etwa 25 Kälber. Werden mehr mit demselben Fahrzeug befördert, so muss eine Abtrennung eingeführt sein. Ein LKW allerdings darf die vorgeschriebene Fahrzeughöhe von vier Metern nicht überschreiten! Also stehen die Tiere die ganze Zeit über gekrümmt unter der Decke – nicht selten schleift ihr Rücken bereits an den Brettern über ihnen. Tagelang! Hinzu kommen die anderen Tiere rechts und links, vorne und hinten, wenig Luft zum Atmen, die Fahrtbewegungen des LKW, kein Wasser, kein Futter,… Viele Tiere brechen am Zielort vor Erschöpfung zusammen oder müssen mit dem Hubstapler aus dem LKW geholt werden. Ein Niederlegen während der Fahrt ist unmöglich, da sie ansonsten niedergetrampelt werden. Das ist Tierquälerei, würdeloses Umgehen mit einem lebenden Wesen!

Die EU-Richtlinie kam erst 2007 heraus. Schon das ist mehr als tragisch: Seit wann gibt es den EWR und somit Lebendtransporte? Sie stellte einen Konsens der Länder dar, da offenbar nicht alle Staaten der EU Tiere gern haben. Der wohl wichtigste Satz der ganzen Verordnung: “…wenn die Tiere transportfähig sind, das Personal qualifiziert ist (z.B. landwirtschaftliche Ausbildung), die Fahrzeuge ausreichend Platz bieten und in gutem Zustand sind.”! Natürlich trifft dies bei allen Viehtransporten in Europa zu! Immer wieder sollte diese Richtlinie nachgebessert, novelliert werden, bis es schliesslich in diesem Jahr hiess, dass nur die Einhaltung der Bestimmungen restriktiver überprüft wird. Erste Massnahme aus Brüssel: Tiertransporter müssen mit GPS ausgestattet sein und Landwirte einen Befähigungsnachweis erbringen, wenn die Fahrtstrecke länger als 65 km ist!? Auch über das Gefälle der Rampen machte man sich in Brüssel durchaus berechtigt Gedanken – doch wird dies in nahezu 90 % der Verladungen ohnehin nicht eingehalten (auf horizontaler Ebene höchstens 20° oder 36,4 % bei Schweinen, Kälbern und Pferden und höchstens 26°, 34′ oder 50 % bei Schafen und Rindern – beträgt die Steigung bzw. das Gefälle mehr als 10° oder 17,6 %, so sind sie mit einer Vorrichtung, wie z. B. Querlatten, zu versehen). Ein Kniefall der Kommission vor den Rinderbaronen! Sehr interessant übrigens auch der Absatz zum Einsatz von Elektroschock-Geräten:

“Die Verwendung von Elektroschockgeräten ist möglichst zu vermeiden. Sie dürfen allenfalls bei ausgewachsenen Rindern und bei ausgewachsenen Schweinen eingesetzt werden, die jede Fortbewegung verweigern, und nur unter der Voraussetzung, dass die Tiere genügend Freiraum zur Vorwärtsbewegung haben. Es dürfen nur Stromstöße von maximal einer Sekunde in angemessenen Abständen und nur an den Muskelpartien der Hinterviertel verabreicht werden. Sie dürfen nicht wiederholt werden, wenn das Tier nicht reagiert.”

Ah ja – Stromstösse von max. 1 Sekunde in angemessenen Abständen und gleich danach steht geschrieben, dass sie nicht wiederholt werden dürfen, wenn das Tier nicht reagiert!? Ähm – soll also heissen, dass Tiere die sich nach einem solchen Stromschlag in Bewegung setzen, erneut damit geschockt werden dürfen. Die anderen jedoch nicht!? Ist das eine Verhohnepipelung?
Die Mitgliedsstaaten – so auch Deutschland und Österreich – aber auch die Politiker/-innen in Strassburg und Brüssel könnten all dies ändern, doch traut sich niemand an dieses heikle Thema. Allerdings verzichtet auch niemand der hohen Damen und Herren aufgrund dessen für einen Tag in der Woche auf Fleisch oder Wurst! Dieser derzeitige Zustand ist schlichtweg eine riesengrosse Sauerei, die durch die stets wachsende Zahl der Tiertransporte immer schlimmer wird.
Speziell ausgebildete Exekutivbeamte haben nun solche Tiertransporte zu überwachen. Ob nun genügend Platz für die Tiere ist, damit sie auch tatsächlich zur Tränke kommen, oder überhaupt Wasser mitgeführt wird, ist den meisten LKW-Fahrern sowas von egal. Kontrollen werden nur wenige durchgeführt, da es sich um ein sehr sensibles Thema handelt, bei dem kein Fehler gemacht werden darf und zudem das Nervenkostüm sehr hart gestrickt sein muss, da sich den Beamten teilweise Bilder bieten, die schlimmer nicht sein könnten. Lob hierzu an die Schweiz – hier darf die Fahrzeit am Stück nicht länger als sechs Stunden andauern. Einige deutsche Anbauverbände (wie etwa Bioland, Demeter oder Naturland) haben sich selbst zu maximalen Transportzeiten von vier Stunden bzw. 50 km festgelegt. Da dies jedoch auf freiwilliger Basis geschieht, kann nur der Druck der Öffentlichkeit die entsprechende Einhaltung fordern.

Mit der Begründung, dass man kein “öffentlicher Prügelknabe spielen” wolle, hat sich etwa die Deutsche Bahn Cargo aus dem Transport lebender Tiere bereits 2001 zurückgezogen.
Immer mehr grosse Schlachthöfe entstehen, sodass kleinere Unternehmen, die vielleicht vorort wären, preislich nicht mehr konkurrieren können. Billigakkord-Arbeiter aus Ungarn oder Rumänien führen die Massentötungen durch. Dafür dürfen sie bei einem Schwein ganze 7 Sekunden aufbringen (bei Rindern 45 Sekunden). So kommt es auch immer wieder vor, dass Tierärzte bei der Fleischbeschau Wasser in der Lunge der geschlachteten Tiere finden, die in zwar verletztem aber lebenden Zustand in das kochende Dampf-Bad geworfen wurden (bei einem von hundert Tieren!!!). Durch diesen Missstand werden auch die Anfahrtwege im Inland immer länger.
Dass die Zustände in der Viehtransportbranche wirklich zum Himmel stinken, zeigt auch die Anfang September veröffentlichte Statisitk des wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages für 2013. Demnach entsprachen 23 % der kontrollierten Schweinetransporter nicht den gesetzlichen Vorgaben: Überladung, defekte Lüftung, fehlende Wasserversorgung – vom Zustand der Fahrzeuge selbst ganz zu schweigen. Mit 34 % bei Schaf- und 38 % der Rindertransporte lag die Quote hier sogar noch höher. Bündnis 90/Die Grünen, die diese Anfrage stellten, fordern nun die Verschärfung der Transport-Verordnung sowie höhere Strafen bei Zuwiderhandlung. “Das sind wir den Tieren, die tausende Kilometer über den Kontinent befördert werden, schuldig!”, so der grüne Agrarexperte Friedrich Ostendorff gegenüber der Saarbrücker Zeitung. Die Agrarminister der deutschen Länder hatten dieses Thema daraufhin auf die Agenda des Treffens in Potsdam gestellt. Dort aber kam – wie zu erwarten – wieder nicht viel heraus. In Zeiten, in welchen jeder Mensch perfekt überwacht wird, beschweren sich die Agrarminister darüber, dass bislang zu wenig Informationen an die Länder selbst abgegeben wurden. Kontrollen sollen länderübergreifend besser koordiniert und dadurch effizienter werden, Tiertransporte möglichst bei der Beladung bereits kontrolliert werden. Ersteres sollte ja eigentlich im Computerzeitalter selbstverständlich sein. Zweiteres hingegen? Wenn ein Tiertransporter die von den Grünen geforderten vier Stunden Inlandsfahrzeiten bereits mit dem Anfahren der landwirtschaftlichen Betriebe aufgebraucht hat, muss ich kein Wunderwuzzi sein um sagen zu können, dass sich die Kontrollorgane lautstark dagegen wehren werden. Bei Exporten geht’s um das Geld (Subventionen), was zumeist durch Zollorgane kontrolliert wird. Hier obliegt es ihnen, eine Verladung zu stoppen um den Amtstierarzt zu Rate zu ziehen. Doch beschränkt sich in vielen Fällen die Hausbeschau auf die Durchsicht der Dokumente.
Der deutsche Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) veröffentlichte erst kürzlich sein Programm “Eine Frage der Haltung – neue Wege für mehr Tierwohl”. Im Zusammenhang mit solchen Bildern von Tierwohl zu sprechen, ist für mich blanker Hohn! Deshalb schliesse ich mich den Forderungen der Tierschutzorganisationen und der Grünen an. Nur mit restirktiven Bestimmungen und noch schärferen Kontrollen sowie Strafen kann dieser Schlachttourismus unterbunden werden, an dem sich sehr viele krumm und dämlich verdienen, der Konsument nichts davon spürt und unschuldige Tiere noch vor ihrem Tod qualvollrn Leiden ausgesetzt werden. Landwirten, Tierhändlern und auch Transportunternehmern gehört die Gewerbeberechtigung entzogen, wenn sie sich nicht an diese Gesetze halten!
Können Sie sich nun vorstellen, was das Schwein oder das Rind durchgemacht hat, bis es in Form eines Koteletts oder eines Rinderbratens auf Ihrem Teller gelandet ist? Wer tiefer in diese Materie hineinschnuppert versteht die Überzeugung der Veganer. Doch das ist wieder ein ganz anderes Thema!

PS:
Ich habe diese Story immer wieder vor mir hergeschoben, da ich die Bilder bereits davor kannte und sie nicht mehr so schnell aus dem Kopf bekomme. Trotzdem bin ich Fleischesser. Seit Wochen hingegen habe ich meinen Fleisch- und Wurstkonsum auf ein- bis zweimal die Woche reduziert und ich lebe dennoch! Ganz im Gegenteil: Ich weiss nun wieder die Currywurst oder das Schweinsschnitzel zu schätzen und liefere der Fleischindustrie dadurch keine Motivation, auf derartige grauenvolle Weise weiter zu machen! Zudem kann ich mir gezielt heimisches Fleisch aussuchen. Wenn sich dies nur die Leser dieser Zeilen auch mal durch den Kopf gehen lassen, ist bereits der erste, aber ganz grosse Schritt gemacht!

Links:

http://www.tierschutzbund.de

http://www.peta.de

http://www.lwk-niedersachsen.de

http://www.lfl.bayern.de

http://www.lfi.at

http://noe.lko.at

http://www.juris.de

https://www.ris.bka.gv.at

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Alles Gute kommt ja bekanntlich von oben

Na? Das war ein Sommer – oder? Laue Sommernächte, die zum Verweilen auf der Terasse und dem romantischen Beobachten des Sonnenuntergangs bei einem Glas fruchtigen Lambruscos einladen. Allerorts der Duft von gegrilltem Fleisch, das fröhliche Lachen der Nachbarn in ihren Gärten und Balkonen! Ein Sommer, wie er schon lange nicht mehr war! Wie er schon lange nicht mehr in’s Wasser gefallen ist! Wurden noch im vergangenen Jahr die Hitzerekorde gebrochen, so fielen anno 2014 die Wasserrekorde. Liessen Mai und auch Juni die Sonnenhungrigen vielleicht noch frohlocken, so verfluchte wohl jeder die Monate Juli und August!
Ein paar Zahlen für diesen Sommer gefällig?

Augsburg
Temperaturmittel: 17,1 Grad Celsius
Abweichung: -0,1 Grad Celsius
Niederschlagsmenge: 302,2 l/qm
Abweichung: 108 %
Sonnenschein: 649,7 Stunden
Abweichung: 95 %
Die grösste Abweichung gab es im Monat Juli beim Niederschlag (164,4) bei gleichzeitiger Abnahme des Sonnenscheins (81 %)

Frankfurt
Temperaturmittel: 19,1 Grad Celsius
Abweichung: 0,0 Grad Celsius
Niederschlagsmenge: 266,8 l/qm
Abweichung: 148 %
Sonnenschein: 670,4 Stunden
Abweichung: 100 %
Hier besonders eklatant die Zunahme der Niederschlagsmenge im Juli (198 %) bzw. im August (178 %)

Rostock
Temperaturmittel: 17,7 Grad Celsius
Abweichung: +0,6 Grad Celsius
Niederschlagsmenge: 190,1 l/qm
Abweichung: 86 %
Sonnenschein: 796,9 Stunden
Abweichung: 114 %
Im Norden gab es im Juni mehr Regen (115 %), die meiste Sonne hingegen im Juli.

(Quelle: Wetterkontor.de; Stand: 14.09.2014)

Die Mittelwerte wurden aus den Jahren 1981 bis 2010 berechnet (“30-jähriger Mittelwert”). .
Diese Zahlen zeigen somit ganz klar eines auf: Der kühle Norden ist gar nicht mehr so kühl und der sonnige Süden immer nasser!

Zum Vergleich:

Tirol
Temperaturmittel: 18,3 Grad Celsius
Abweichung: -0,1 Grad Celsius
Niederschlagsmenge: l/qm (kein Wert gefunden!)
Abweichung: 110%
Sonnenschein: 620 Stunden
Abweichung: 90 %

(Quelle: www.zamg.ac.at)

Diese Werte sind noch harmlos im Vergleich zum August: Niederschlag: +23 %, Temperatur: -1,3 Grad, Sonnenschein: -26 %!!!

Basel
(Werte für August – leider keine Vergleichswerte verfügbar)

Temperaturmittel: 19,2 Grad Celsius
Abweichung: -0,4 Grad Celsius
Niederschlagsmenge: 59 l/qm
Abweichung: 160 %
Sonnenschein: 300 Stunden
Abweichung: %

(Quelle: https://mcr.unibas.ch)

Und Meteorologen bzw. v.a. Klimaforscher prognostizieren nichts Gutes: Es wird noch wesentlich schlimmer!

Wenn ich ab und an mit älteren Menschen spreche, endet alles irgendwie in dem Satz: “Früher, ja, da war noch alles anders!” Muss nicht zwangsläufig “besser” heissen! Jeder erinnert sich gerne an seine Schulzeit zurück – dass man auf Teufel komm raus gehänselt wurde, weil sich ein Milchzahn verabschiedet hat, weiss niemand mehr! Die Männer tauschen noch heute am Stammtisch Geschichten von ihrer Wehrdienstzeit aus – dass bei Wind und Wetter marschiert oder exerziert wurde und so mancher Vorgesetzte seiner sadistischen Ader freien Lauf liess, ist heute jedem egal. Doch – was das Wetter anbelangt – da könnte so manch Eine(r) tatsächlich recht haben. Ich erinnere mich an Zeiten, als es noch klar unterscheidbare Jahreszeiten gab. Als das sommerliche Azorenhoch noch wirklich real war und für traumhaftes Wetter sorgte, als Sahara-Sand in der Luft einmal alle zehn Jahre vorkam. Als es eben noch etwas anders war! Heute wird der Sommer durch Überschwemmungen definiert, der Winter mit rauhen Schneemassen, die innerhalb nur eines Tages wieder vom Regen weggeschmolzen werden. Doch – ich bin ebenfalls schuld an dieser Misere! Mea culpa! Auch wenn ich darauf schaue, dass ich im Winter nicht unbedingt T-Shirt-Temperaturen im Raum haben muss, ich rund 2/3 des Jahres mein komplettes Warmwasser über Sonnenkollektoren produziere, ich in meinem Garten dem Grün den Vorrang gebe, so fahre ich dennoch kilometerweise mit dem Auto wenn der Chef ruft oder ich mal wieder in den Baumarkt muss. Sicherlich – so abstrus wie jene Bekannte, die wegen 200 m und einer Packung Milch ihr Kind im Kindersitz anschnallte und mit dem Auto die Strecke zurücklegte – das gibt es bei mir nicht. Der Mensch ruiniert diesen seinen Planeten selbst – in nur wenigen Jahren! Werte Leser: Bleibt diese Welt noch lebenswert für Ihren Sohn bzw. Ihre Tochter, geschweige denn für Ihre Enkel (“enkelfit!)?
Als die UNO vor kurzem den neuen Klimabericht veröffentlichte, sorgte dies für einen unüberhörbar lauten Aufschrei! Doch eine Woche später ist das Thema schon wieder vom Tisch – weg und vergessen – tragisch! Es ist nicht nur schade, sondern grob fahrlässig. Für all jene, die diesen Bericht noch nicht kennen sollten:
Die Vereinten Nationen geben in regelmässigen Abständen den Klimareport des UN-Klimarates (IPCC) heraus. Dabei wird über den aktuellen Stand des Klimawandels berichtet – im Vergleich mit früheren Zeiten. So liegen etwa Wetter- und Klimawerte seit 1950 in ausreichender Datenmenge vor, davor sind sie etwas dürftig – aber durchaus vorhanden. Hinzu kommen paläoklimatische Untersuchungen, die durchaus einen Schluss auf das Klima vor tausenden und Millionen von Jahren zulassen. Mehr als interessant ist in diesem Zusammenhang etwa immer wieder der Vergleich mit der Entstehung der Eiszeiten! Dieser aktuelle 5. Klimareport hat es wahrhaft in sich:

“Seit Jahrzehnten bis gar Jahrtausenden sind derartige klimatischen Veränderungen wie sie in den letzten 74 Jahren aufgetaucht sind, nicht zu erkennen!”

Die Atmosphäre und Ozeane erwärmen sich besorgniserregend. Die vergangenen drei Jahrzehnte waren wesentlich wärmer als die vorhergehenden – so hat im Schnitt die Lufttemperatur weltweit zwischen 1880 und 2012 um rund 0,85 Grad Celsius zugenommen. Vergleichbar sind derartige Temperaturen nur mit der “Warmzeit” des beginnenden Mittelalters (zwischen 950 und 1200) – allerdings betraf dies damals nur spezielle Regionen dieses Planeten. Die Erderwärmung der Gegenwart lässt hingegen den kompletten Globus erschauern. Arktisches, antarktischen und Gletschereis schmelzen mir nichts Dir nichts weg. Die Weltmeere erwärmen sich zwar langsamer – dennoch wird diese Energie in den oberen Schichten bis ca. 700 m Tiefe gespeichert. Nach dem Report stieg die Wassertemperatur seit 1971 bis zu einer Tiefe von 75 m um 0,1 Grad pro Jahrzehnt. Somit wird in wärmeren Meeresregionen mehr Wasser verdunsten, der Salzgehalt nimmt zu. Über dem Festland kommt dieses Wasser als Süsswasser wieder herunter und wird über die Flüsse zurück in die Meere gespült. An deren Mündungen sinkt der Salzgehalt eklatant. Dies hat enorme Auswirkungen auf den Golfstrom, der für das nordamerikanische und europäische Klima verantwortlich ist. Hierauf möchte ich nicht genauer eingehen, da dies schon einmal Inhalt des Blogs war. Auch der Rückgang des regulierenden arktischen Eises wurde von mir erst vor kurzem geschildert.
Die Überschwemmungen in den letzten Jahren sind etwa vornehmlich auf Tiefdruckgebiete aus dem Mittelmeer-Raum zurückzuführen. Diese sind richtiggehend wie ein Schwamm mit Wasser vollgesogen. Sie werden meist durch Hochs in Skandinavien oder Russland angesogen. Für die Alpenüberquerung sind sie zu schwer – es kommt zu Dauerregen. Die Gebirgsbäche werden zu reissenden Flüssen, die in anderen Flüssen und Strömen einmünden, wodurch die horrenden Wassermassen auch in die Ebenen weitergeleitet werden. Rhein, Donau und Elbe gehen vermehrt über die Ufer. Auch der Boden kann kein Wasser aufnehmen – es gehen reihum Erdrutsche ab. Im Winter sorgen Plusgrade für grosse Sorgenfalten. Schliesslich wird das Wasser nicht mehr als Schnee in den Bergen gespeichert – es fliesst zu Tal. Zudem versickern Teile davon im Erdreich. Fallen dann die Temperaturen wieder unter Null oder gar weit unter Null (durch den vermehrten Zuzug von Polarluft etwa), so gefriert das Wasser im Boden und sorgt gerade im felsigen Gelände für Felssprünge, die vermehrt zu Felssturzen führen können. Diese Phänomene werden im Laufe der Zeit und mit dem fortschreitenden Klimawandel immer häufiger werden. In ehemaligen Urwaldgebieten, in welchen das Regenwasser bislang durch den Wald gespeichert wurde, fliesst es mitsamt des Schlamms in die Ebenen. Monsunregen werden heftiger und dauern länger an. Fatale Folgen also für das Festland. Feuchte Gebiete werden noch feuchter, trockene hingegen noch trockener! Doch auch für die Küstenbereiche ergeben sich Veränderungen. Der Meeresspiegel ist um rund 19 Zentimeter seit 1901 angestiegen – je nach Szenario wird er bis 2100 um bis zu 98 cm ansteigen. Sollte der Eisschild auf Grönland komplett schmelzen, könnte dies bis zu 7 Meter ausmachen!!! Unwetter im Küstenbereich werden damit umso heftiger!
Seit rund 800.000 Jahren war die Konzentration der Treibhausgase in unserer Atmosphäre nicht derart hoch wie aktuell. Kohlendioxid, Methan und Distickstoffoxid stiegen vornehmlich durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Erdöl, Erdgas und Kohle enorm an. Hinzu kommt die radikale Abholzung des Urwaldes, der eine ganz entscheidende Rolle im Kohlenstoffkreislauf spielt aber auch das Auftauen der Permafrost-Böden. Das Waldsterben bedingt durch den sauren Regen in den 70er- und 80er-Jahren zeigte dies in aller Härte auf. Grösster Speicher allerdings sind die Ozeane, die dadurch zusehends saurer werden. Rund 155 Milliarden Tonnen an Kohlenstoff werden jährlich durch die Wasermassen aufgenommen (auf dem Festland sind es zum Vergleich 160 Milliarden Tonnen). Durch die restlichen, in der Luft verbleibenden Gase funktioniert u.a. die Rückstrahlung der Sonnenwärme nicht mehr – sie wird gespeichert – die Luft wird wärmer (“Positiver Strahlungsantrieb”). Dieser Strahlungsantrieb hat zwischen 1980 bis 2011 um 1 Watt pro Quadratmeter zugenommen! Im Vergleich dazu: Seit 1750 waren es gesamt 2,29 Watt/m²!!! Hierbei sollte jedoch nicht vergessen werden, dass jeder Regenschauer einen negativen Strahlungsantrieb bewirkt!!! Nach Berechnungen der Klimaforscher dürfte – sollte die Erderwärmung nur 2 Grad Celsius ausmachen – der Kohlendioxid-Ausstoss nur 790 Mrd. Tonnen CO2 betragen – seit 1870 jedoch wurden bereits 515 Mrd. Tonnen emittiert! Deshalb wird realistischer von einem Temperaturanstieg von 4,5 bis 5 Grad bis Ende des 21. Jahrhunderts ausgegangen. Das Szenario RCP 8,5 weist jedoch eine Emmission in der Grösse von 1.682 Milliarden Tonnen CO2 bis zum Jahrhundertwechsel aus! Führen wir das bisjerige Luxusleben weiter fort, werden wir also mit diesen Wetterextremen leben müssen – ganz nach dem Motto: “Wer nicht hören will, muss fühlen!”
Was all dies konkret etwa am Beispiel Österreich bedeuten kann, zeigen seit dieser Woche 240 österreichische Klimaforscher mit ihrem neuesten, über 1.000 Seiten starken “Österreichischen Sachstandbericht 2014″ auf. So ist im Alpenstaat die durchschnittliche Temperatur um nahezu zwei Grad seit den Jahr 1880 angestiegen. Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts könnten es bereits 3,5 Grad sein. Für all jene, die sich schon mal in Vorfreude vorsorglich den Sonnenstuhl im Garten zurechtrücken: Einersseits werden die Hitzeperioden immer länger, andererseits kommt es jedoch auch vermehrt zu Regensintfluten. Einerseits vertrocknen die Pflanzen auf dem Acker, andererseits ertrinken sie. Die vergangenen beiden Sommer waren symptomatisch für die künftigen: Staubtrocken wie in Niederösterreich im vergangenen Jahr und übernass wie in der Steiermark heuer! Auch andere Formulierungen müssen verwendet werden, da es in den vergangenen 11 Jahren ganze zweimal zu Jahrhundert-Hochwassern kam. Der Alpenraum ist gegenüber Klimaveränderungen ganz besonders empfindlich – Es besteht dringendster Handlungsbedarf!!!

“Wer es leugnet, geht an der Realität vorbei!”
(Österreichs Umweltminister Andrä Rupprechter)

Doch – gottlob ist die Dienstlimousine des Ministers für Stadt- oder Nahtermine ein E-Car, das über die Photovoltaikzellen am Dach des Umweltministeriums aufgetankt wird! Oder? Und: Weshalb hängen in Österreich nach wie vor dermassen viele Kohle-Kraftwerke am Netz? So präsentieren beispielsweise die NGOs Greenpeace, Global 2000 und der WWF Beispielszahlen aus Mellach. Das dortige Kohlekraftwerk verbrennt jährlich rund 440.000 Tonnen Kohle und bläst dabei 1,1 Mio Tonnen Kohlendioxid in die Luft! Und dies alles obgleich der Tatsache, dass Österreich eines der wasserreichsten Länder dieser Erde ist! Die Kraftwerke müssen ja nicht in Wohn- oder Naturschutzgebieten errichtet werden. Österreichs Wirtschaft stöhnt über die hohen Umweltauflagen – nach ersten Vergleichen sollten diese aber wesentlich höher sein!
Die Forderung der Umweltverbände nach Einführung einer Ökosteuer allerdings lehne ich aus vollster Überzeugung ab. Wie zuletzt auch durch die Präsentation der Inflationsraten erneut tragisch aufgezeigt, wird das Leben nahezu täglich teurer. Immer mehr Menschen benötigen Heizkostenzuschüsse. Durch eine derartige Steuer würde jener Faktor teurer werden, der das Plus von 4 % bei Milch und Milchprodukten bzw. das Plus von 2,2 % beim Grundnahrungsmittel Brot wieder halbwegs ausgleicht! Und – wer unsere Politiker kennt, weiss, dass solche Einnahmen nicht zweckgebunden verwendet werden!

Links:

http://www.klimawandel-verstehen.de

http://www.oekosystem-erde.de

http://www.dwd.de

http://www.apcc.ac.at/

http://zamg.ac.at/histalp/

http://ehyd.gv.at

http://peoplesclimate.org/

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Eis schmilzt…

Je hohler die Birne, desto mehr sollte mit Eiswasser acht gegeben werden!

Mal ganz ohne Scheiss – es war sicherlich die coolste Fundraising-Aktion, die jemals weltweit abgehalten wurde. Und ausgelöst hat alles – angeblich – dieser Herr mit diesem Video!

www.youtube.com%2Fwatch%3Ffeature%3Dplayer_embedded%26v%3Dh07OT8p8Oik

Bekannt aber wurde die ALS Ice Bucket Challenge durch die Live-Ausstrahlung der Golf Channel Morning Show am 30. Juni 2014 in den USA. Dort wurde der Golf-Profi Chris Kennedy nominiert. Zwei Wochen später war das Video auf Twitter. Einer nach dem anderen gönnte sich in einem Sommer, der diesen Namen gar nicht verdient hat, die Eisdusche. Über unzählige aktive Sportler aus allen Bereichen, wie der NFL, der NHL und der MLB wurde das alles in die grosse weite Welt hinausgetragen. Kaum ein Prominenter konnte sich entziehen. Doch als die Berühmtheiten langsam ausgingen und das Alles beim kleinen Otto Normalbürger angelangt ist, wurde es höchste Zeit, damit aufzuhören. Schliesslich schaut es ja dermassen blöde aus, wenn sich erwachsene Menschen einen Eimer voller Wasser über die Rübe kippen – ob nun mit Eis oder bei 35 Grad wohl temperiert! Bei der Einlösung der Nominierungen waren auch der Phantasie keinerlei Grenzen gesetzt. Der Südtiroler Ski-Star Christof Innerhofer etwa liess die volle Schaufel eines Traktors über sich ausschütten. Er hatte Glück! Etwas weniger davon hatte ein anderer Mann, der dasselbe mit einem Schaufelbagger versuchte, dabei allerdings durch einen Bedienungsfehler von der Schaufel erschlagen wurde. Ähnliches auch bei einem Kegelklub aus dem Münsterland. Sie wollten sich im Vorgänger-Modell, der “Cold Water Challenge”, mit 2.000 Liter aus einem Radlader übergiessen lassen. Das an sich schwere Baugerät allerdings kippte vorn über und erschlug einen Familienvater. Tragisch in diesem Zusammenhang auch der Tod des Miterfinders der Kampagne Corey Griffin. Er verstarb nur 27-jährig bei einem Tauchunfall im Hafen von Nantucket/Massachusetts.Griffin war ein enger Freund des an ALS erkrankten ehemaligen Baseball-Stars Pete Frates. Das oben zu sehende Original-Video kommt von seinem Bruder, der damit Geld für den in’s Leben gerufenen Pete Frates Fund sammeln wollte. Daraus wurden inzwischen über 100 Mio € – weltweit!
Ich finde diese Aktion deshalb so klasse, da sich ein richtiggehender Hype entwickelte. Jeder mediengeile Promi musste dabei sein – und der kann den Hunni sicherlich leicht verkraften. Wenn sie auch alle gespendet haben?! 10 € wenn innerhalb der nächsten 24 h die Wasservariante gewählt wurde, 100 € wenn man sich das nicht antun wollte! Spendenzwang oder Vorbild für andere? Das tut jenen gut, die das Geld dringend brauchen. Oder vielleicht doch nicht? Nach einem Bericht der Hamburger Morgenpost vom 28. August sind nur aufgrund dieser Ice Bucket Challenge rund 68 Mio € an Spendengeldern geflossen – und sie ist noch nicht vorbei! Doch leider – überall dort, wo viel Geld fliesst, versickert auch viel davon im Ungewissen!. Nachdem die Steuererklärung der US-amerikanischen ALS-Association für das vergangene Jahr an’s Licht der Öffentlichkeit gelangte, wurde klar: 21 % der Einnahmen wurden in die Werbung und Verwaltung gesteckt. Werbung ist gut, denn ohne Werbung erlangt man keine Aufmerksamkeit. Verwaltung hingegen? So sollen die Präsidentin der Association, Jane H. Gilbert und der Finanzchef mit zirka 258.000 bzw. 152.000 € wahrhaft fürstliche Gehälter bezogen haben. Kritisiert wird dies beispielsweise auch durch das Deutsche Zentralinstitut DZI, das zumindest in deutschen Landen die Verwendung von Spendengeldern überprüft. Ausserdem ist nicht wenig in die Lobbyarbeit geflossen. Nur vergleichbar wenig kam tatsächlich dort an, wo es benötigt wird: In der Forschung bzw. Betreuung kranker Patienten!
In Deutschland gingen die Spenden von prominenten Fussballern wie Manuel Neuer oder auch Mats Hummels vornehmlich an die Krzysztof Nowak-Stiftung des VfL Wolfsburg. Aber auch die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e. V. und die ALS-Ambulanz in der Berliner Charitè freuten sich über die unerwartete Spendenflut. Über 10.000 Eiskübelschütter haben zumeist Beträge zwischen 5 bis 50, nur wenige darüber gespendet. Über 680.000 € sind auf diese Weise zusammengekommen. Nach Angaben des Leiters der ALS-Ambulanz, Prof. Dr. Thomas Meyer, wird hier für das zehnköpfige Team mit Neurologen, anderen Ärzten, Schwestern und Pflegern sowie Therapeuten jährlich rund 550.000 € benötigt. Nur 30 % davon finanzieren die Krankenkassen. In Deutschland sind die Spendengelder somit auch tatsächlich dort aufgebraucht worden, wo sie benötigt werden.
Auch von anderer Seite gab es inzwischen heftige Kritik: Von den “Ärzten gegen Tierversuche”! Durch die Spenden werden Tiere im Rahmen von Versuchen grausamst und sinnlos zu Tode gequält, da diese sog. “Tiermodelle” zu keinerlei Erkenntnissen führen. So werden etwa in der ALS-Forschung für Versuche eigens genmanipulierte “defekte” Tiere herangezüchtet. Diese aber sind nicht in der Lage, das “komplexe Krankheitsbild des Menschen” abbilden zu können, soweit die Kritiker. Der Organisation “Ärzte gegen Tierversuche” gehören alleine in Deutschland nicht weniger als 1.400 Human-, Veterinär-Mediziner und andere Wissenschaftler an.
Trotz all dieser offenen Fragen gibt es nach wie vor Menschen, wie etwa den amerikanischen Ex-Präsidenten George W. Bush, Lady Gaga, Heidi Klum oder Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, die sich ohne zu Murren den Eimer über den Kopf gestülpt haben. Übrigens war auch Bill Gates dabei, der dies nicht notwendig hätte, allerdings Solidarität bewies. Schliesslich spendete der Milliardär über seine Stiftung bereits hunderte Millionen Dollar vornehmlich für die Gesundheitsvorsorge von Kindern, weltweit!

Der prominenteste Verweigerer war US-Präsident Barack Obama, der von der Witwe Robert Kennedy’s, Ethel, nominiert wurde. Aus dem Weissen Haus hiess es, dass er spenden werde. Dieselbe Meldung kam auch aus der Wiener Hofburg durch den Pressesprecher des österreichischen Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer. Der Ex-Handball-Star Stefan Kretzschmar nominierte als Erster die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich aber hierzu mehr als bedeckt hielt. Andere nutzten hingegen die Aktion für eine Wahlkampfrede, wie der österreichische Politiker HC Strache von den Freiheitlichen:

Die Redezeit sei ihm für die 1.000,- € gerne eingestanden! Viele jedoch eigneten sich diesen Internet-Hype nur zur aufsehenerregenden Selbstdarstellung an, ohne überhaupt über die Krankheit informiert gewesen zu sein (geschweige denn, etwas zu spenden). Und bei vielen kam die Frage ob der Sinnhaftigkeit der Aktion auf – etwa beim ehemaligen Eishockey-Superstar Paul Bissonnette, der sich vom Hubschrauber aus mit Gletscher-Eiswasser begiessen liess.

Vielen war auch gänzlichst unbekannt, dass es sich hier um ein wirklich ernstes Thema handelt. Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems. Dabei werden die Neuronen, also die Nervenzellen irreversibel geschädigt. Die Muskeln können nicht mehr gesteuert werden – Muskelschwund und Lähmungen sind die Folge – der Tod des Patienten das Ende. Dieser tritt meist infolge der Schluckbeschwerden und der Lähmung der Atemmuskulatur im Rahmen einer Lungenentzündung auf. Die englisch als “Motor Neuron Disease” bezeichnete Krankheit ist unheilbar. Die Therapie beschränkt sich derzeit auf die Linderung der Symptome sowie psychologischen Betreuung der Patienten. ALS ist bislang recht unbekannt – pro Jahr erkranken rund 1-3 von 100.000 Menschen an der Krankheit, wobei Männer häufiger als Frauen betroffen sind. Die meisten Krankheitsfälle beginnen zwischen dem 50. und dem 70. Lebensjahr. Bei der eigentlichen Ursache tappen die Forscher noch im Dunkeln. Allerdings entdeckte die Wissenschaft, dass bei den Chamorro in Guam, den Auyu und Jakai in West-Neuguinea sowie auf der Kii-Halbinsel in Japan wesentlich mehr Erkrankungen als üblich auftreten. Diese Volksstämme sind genetisch voneinander unabhängig, sodass gefolgert werden muss, dass auch Umwelteinflüsse zu ALS führen können. Eine Studie der Universität Pavia zeigte zudem auf, dass interessanterweise das Risiko bei Fussballern höher ist.

Erst selbst erkrankte Prominente, wie auch der ehemalige Footballstar Steve Gleason, der übrigens Microsoft-CEO Satya Nadella nominierte (er liess sich den Eimer nach einem gewonnenen Hackathon-Wettbewerb seiner Programmierer über den Kopf schütten), machten zuletzt die Krankheit bekannter. Durch die Challenge kennt sie heute aber nahezu jeder, da die Social Medias hervorragende Arbeit geleistet haben.
Medizinisch jedoch ist diese Ice Bucket Challenge mehr als bedenklich. Durch das eiskalte Wasser wird der Körper für einige Sekunden gelähmt. V.a. ältere Personen oder Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird dringendst davon abgeraten Die plötzliche Abkühlung des Körpers kann zu einem tödlichen Herzstillstand führen. Im sächsischen Zwönitz verstarb der 48-jährige Geschäftsführer einer Werbeagentur vier Tage nach dem Eis-Eimer. Er könnte evt. an einem Aneurysma, also einer Vorerkrankung im Gehirn gelitten, das Eiswasser in weiterer Folge eine Hirnblutung ausgelöst haben.
Abschliessend möchte ich noch auf die meines Erachtens bemerkenswerteste Aktion verweisen – sofern sie der Wahrheit entspricht. Der wegen seiner Alkoholexzesse und Sexskandale in die Schlagzeilen geratene US-Schauspieler Charlie Sheen überschüttete sich nicht mit Eiswasser sondern mit Banknoten – angeblich im Wert von 10.000,- $. Er meinte dabei, dass die Eiswürfel schmelzen – das Geld hingegen, das er allessamt spenden wollte, könne tatsächlich Menschen helfen.

Fazit:
Solche Aktionen sind toll, damit Menschen auf Probleme und andere Menschen aufmerksam gemacht werden, die nicht auf die Sonnenseite des Lebens gefallen sind, für die jeder Tag ein weiterer Tag ihres Leidensweges bedeutet. Solche Aktionen sind auch toll, bei Menschen die Geldtaschen aufzumachen, die ansonsten niemals spenden, um dadurch den Betroffenen zu helfen. Solche Aktionen sind jedoch abzulehnen, wenn mit den dringend benötigten Spendengeldern sorglos umgegangen wird und sich Menschen daran bereichern. Solche Aktionen sind auch abzulehnen, wenn sie am Kern der Sache vorbeigehen und nurmehr zu Präsentationszwecken missbraucht werden.

Lesetipps:
.) Praxis der amyotrophen Lateralsklerose; Bernhard Neundörfer; UNI-MED-Verlag, Bremen [u. a.] 2002, ISBN 3-89599-598-3.

Surftipps:

http://www.als-charite.de

https://www.vfl-wolfsburg.de/info/soziales/soziales-engagement-des-vfl-wolfsburg-gesundheit-muuvit-fussballschule-sport-fuer-kinder/krzysztof-nowak-stiftung.html

http://www.als-hilfe.org

http://www.als.net

http://www.lateralsklerose.info

http://www.dgm.org/muskelerkrankungen/amyotrophe-lateralsklerose-als

http://www.alsa.org/

http://www.mndassociation.org

http://www.clinicaltrials.gov/

http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/startseite/59-kampagnen-und-aktionen/1618-ice-bucket-challenge

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Das ist vorsätzliche Körperverletzung

Als Pendler erlebt man einiges und jeden Tag etwas neues – das hält das Leben frisch! Doch leider ist nicht immer alles zum Lachen, sondern sehr vieles einfach nur zum Heulen.

Als ich noch Radio in Südtirol machte, war ich im Schnitt an drei Tagen in der Woche auf der Brennerautobahn unterwegs. Eines Abends nach des Tages Mühen steckte ich in einem Stau fest – direkt nach der Abfahrt Brennersee auf österreichischer Seite. Die Ursache dafür war ein schwerer Verkehrsunfall. Ein Auto wollte auf die linke Spur wechseln, übersah dabei ein anderes Fahrzeug, das auf dieser Spur ebenfalls überholen wollte. Am nächsten Tag erfuhr ich genaueres: Eine deutsche Urlauberfamilie auf dem Rückweg aus den Ferien hatte es erwischt. Vater und Kind waren leicht verletzt – die Mutter auf dem Beifahrersitz jedoch schwer: Die Leitschiene durchbohrte ihren Oberschenkel! Sie war zudem schwanger und verlor das Kind!
Auch in der Gegenwart fahre ich täglich meine 50 km. Liebend gerne wäre ich mit den Öffis unterwegs – doch verliere ich dabei nahezu zwei zusätzliche Stunden pro Tag. Ergo – ich muss mich tagtäglich mit selbsternannten Asphalt-Rambos über meine Existenzberechtigung auf “deren Strasse” herumstreiten. Autofahrer, die diese Bezeichnung gar nicht verdient haben, denn sie sind gefährlich für ihre Umwelt. Einige Beispiele gefällig?

.) Das Ding? Keine Ahnung… (die Nichtwissenden)
Der Blinker ist das einzige Kommunikationsmittel, das der Lenker eines Fahrzeuges einsetzen kann, um anderen Verkehrsteilnehmern seine Absichten mitzuteilen. Deshalb verfügt jedes mehrspurige Fahrzeug über einen entsprechenden Inbetriebssetzungs-Hebel oder Schalter, der jedoch bei nahezu 50 % der Verkehrsteilnehmer direkt nach dem Erwerb ihrer Kiste offenbar entfernt wurde. Beobachten Sie doch das nächste Mal, wenn Sie an der roten Fussgängerampel stehen, die Abbieger. Zwischen einem Drittel bis zur Hälfte v.a. der Rechtsabbieger werden ihren Fahrtrichtungs-Anzeiger (beamtendeutsch) nicht einschalten. Ganz krass war jener Fall einer T-Kreuzung mit einer in eine höherrangige Strasse einbiegenden Landstrasse. Von fünf Rechtsabbiegern hatten gerade mal zwei das Blinklicht eingeschaltet (ich war einer davon). Dies untermauert auch eine Studie des Auto Clubs Europa. Anno 2008 blinkte ein Drittel der 394.000 untersuchten Fahrzeuge an 700 Kreuzungen in Deutschland nicht vorschriftsgemäss. bei abknickenden Vorrangstrassen waren es gar 45 %! So richtig gefährlich werden die nichtblinkenden Linksabbieger, die vielleicht in eine Einfahrt oder einen Parkplatz einbiegen möchten und mitten in der Strasse stehen bleiben!

Dabei hat es der Gesetzgeber ganz eindeutig formuliert:

StVO §54 Fahrtrichtungsanzeiger (Deutschland)

(1) Kraftfahrzeuge und ihre Anhänger müssen mit Fahrtrichtungsanzeigern ausgerüstet sein. Die Fahrtrichtungsanzeiger müssen nach dem Einschalten mit einer Frequenz von 1,5 Hz ± 0,5 Hz (90 Impulse ± 30 Impulse in der Minute) zwischen hell und dunkel sowie auf derselben Fahrzeugseite – ausgenommen an Krafträdern mit Wechselstromlichtanlage – in gleicher Phase blinken. Sie müssen so angebracht und beschaffen sein, dass die Anzeige der beabsichtigten Richtungsänderung unter allen Beleuchtungs- und Betriebsverhältnissen von anderen Verkehrsteilnehmern, für die ihre Erkennbarkeit von Bedeutung ist, deutlich wahrgenommen werden kann. Fahrtrichtungsanzeiger brauchen ihre Funktion nicht zu erfüllen, solange sie Warnblinklicht abstrahlen.

Eine solche Erkennbarkeit ist bei manchen Fahrzeugtypen mit runden Rücklichtern nicht wirklich gewährleistet. Wird hier die Bremse betätigt, können die Blinklichter meist nicht wahrgenommen werden.
Und wann muss nun der Fahrtrichtungsanzeiger betätigt werden? Klare Informationen liefert auch hier die StVZO in Deutschland:
- Beim Anfahren und Abbiegen (auch auf abknickenden Vorrangstrassen)
- Vor einem Fahrstreifenwechsel (mindestens dreimaliges Aufleuchten des Blinkers)
- Beim Ausfahren eines Kreisverkehrs
(In der EU-Gesetzgebung: Richtlinie 93/92/EWG/ in der österreichischen Gesetzgebung $ 19 KFG):
Der Bundesgerichtshof hat eine an sich logische Empfehlung ausgesprochen, die aber von vielen nicht befolgt wird (BGH VRS 25, 264; u.a. mit Verweis auf diese Entscheidung KG Urteil vom 6. Dezember 2004, Az. 12 U 21/04, Volltext, Rn.4):
Geblinkt wird
- bevor man den Fuss vom Gas nimmt (also auch vor einem Bremsvorgang, da es bei normalen Menschen ja derselbe Fuss ist)
- bevor das Lenkrad verdreht wird
Gelernt hätten wir es ja alle!
Also: Vorsätzlich!

.) Guck mal – die Landschaft (die Schleicher)
Es kommt schon mal vor, dass sich ein Flachlandindianer in die Berge verirrt! Und da gibt’s selbstverständlich eine Menge zu sehen. Doch anstatt es sich auf einem Panoramaparkplatz gemütlich zu machen, wird dies während der Fahrt erledigt – heisst ja schliesslich auch “Sightseeing-Tour” nicht “Sightseeing-Stand”! Die Geschwindigkeit wird hierzu dermassen gedrosselt, damit selbst ein Mensch mit Sehbehinderung alles klar und eindeutig wahrnehmen kann. Will allerdings ein etwas eiligerer Zeitgenosse überholen, da 40 Stundenkilometer auf der freien Landstrasse dann doch etwas wenig ist, so beharrt man auf dem Recht des Ersten, gibt Gas und zieht vielleicht gar in Crash-Car-Manier nach links. Sorry – bei so manchem wäre rechts mehr Platz zum Passieren! Toll sind auch jene Zeitgenossen, die bei jedem entgegenkommenden LKW eine Vollbremsung absolvieren – “POAH ist der dick Mann!!!”. Oder jene, die Traktoren nicht überholen wollen, da der von den Reifen zurückspickende Mist so schön auf der Windschutzscheibe klebt -. ist das spannend!!! So manches Zugfahrzeug darf nicht schneller als 20 Stundenkilometer fahren!!! Zudem sind 25 km/h in einer Kurve bei trockener Fahrbahn doch etwas wenig.
Auch hier hat die Strassenverkehrsordnung eine Regelung parat:
So heisst es im § 3, “…darf nur so schnell fahren, dass das Fahrzeug ständig beherrscht wird!” Oh mein Gott – wie kommt ein Hamburger in die Alpen wenn er stets nur mit 40 Stundenkilometern unterwegs ist, weil er ansonsten nicht mehr in der Lage ist, sein Fahrzeug zu beherrschen???
Klarer wird da aber schon Absatz 2 desselben Paragraphen:

“Ohne triftigen Grund dürfen Kraftfahrzeuge nicht so langsam fahren, dass sie den Verkehrsfluss behindern.”

(Gesetzgebung in der Schweiz: Art. 4 VRV)
Soll somit heissen, dass ein Fahrzeug bei guten Strassen-, Verkehrs- und Wetterverhältnissen sowie normalem Fahrvermögen (das jeder Verkehrsteilnehmer haben sollte!) keine Kolonne verursachen darf, sofern dies im erlaubten Geschwindigkeitsrahmen geschieht! Bildet sich im 50er-Geschwindigkeitsbereich eine Autokolonne und das erste Fahrzeug fährt 50, so müssten alle nachfolgenden Fahrzeuglenker wegen Geschwindigkeitsüberschreitung bestraft werden. Dieser Tage fuhr ich hinter einem solchen Schleicher- Fahrzeug mit deutschem Kennzeichen. 40 auf einer Strecke, auf welcher an sich 80 gestattet sind. In der Kurve bremste der Lenker noch zusätzlich dermassen runter, sodass es für mich ein Leichtes gewesen wäre, das Fahrzeug zu Fuss hinter mir zu lassen. Als ich dann überholen konnte, musste ich bis auf 100 hinaufgehen, da der Altvordere mich nicht ziehen lassen wollte. Danach ging der Hobby-Rennfahrer wieder vom Gas und ward alsdann baldigst nicht mehr gesehen. Sorry – das ist Behinderung im Strassenverkehr! Nicht jeder hat Zeit, manche müssen gar zur Arbeit.
Haben wir nicht gelernt, dass man – nach Möglichkeit – Schnellere passieren lassen sollte – egal ob man selbst nun einen Aixam oder einen SUV, Mercedes oder BMW fährt? Apropos – weshalb leistet sich so mancher älterer Herr einen vor Pferdestärken nurmehr so strotzenden Benzinschlucker, wenn die Temponadel stets bei 50 km/h ansteht???
Also Vorsätzlich!

.) Radfahrer ab in’s Bankett (die Rücksichtslosen)
Als Radfahrer lebt man heutzutage sehr gefährlich. Die Zahl jener, die hinter einem Zweirad warten, bis sich die Gelegenheit zum Überholen gibt, kann nahezu an einer Hand abgezählt werden. Entweder wird mit Vollgas überholt und der Fahrradfahrer geschnitten oder der Gegenverkehr wird ausser acht gelassen. Dabei touchiert das Auto schon mal den breitesten Teil des Fahrrades – den Lenker, da ja kein Platz für den Überholvorgang ist. Oder es wird auf die andere Fahrspur ausgewichen. Macht ja nix – der Gegenverkehr kann jederzeit ausweichen. Hallo? Ich habe noch in der Fahrschule gelernt, dass erst dann überholt werden darf, wenn zumindest 1 m seitlicher Sicherheitsabstand zum Radfahrer eingehalten werden kann. Ist inzwischen auf mindestens 1,5 m vergrössert worden (Urteil des Oberlandesgerichts Hamm).
Auch das haben wir gelernt!
Also: Vorsätzlich!

.) Platz da – jetzt komme ich (Kurvenschneider)
Einst war es überhöhte Geschwindigkeit, die so machen Autolenker zum kurvenschneidenden Rennpiloten werden liess. Inzwischen sind es allerdings auch viele, die die Tempolimits einhalten. Kurven sind schlichtweg unnötig! Deshalb werden sie so gerade wie möglich genommen. Auch ich schneide ab und an Kurven – allerdings nur dann, wenn diese einsehbar sind und somit ersichtlich ist, ob Gegenverkehr, Fussgänger oder Zweiradfahrer entgegen kommen. Auf meiner täglichen Strecke zur und von der Arbeit kommen mir jeweils 2-3 Vertreter dieser besonderen Spezies pro Fahrt entgegen. Ist es bei vielen meist nur eine Reifenbreite, so beträgt es bei manch anderen bereits die halbe Fahrzeugbreite oder gar noch mehr. Ein Bruchpilot kam mir in einer nicht einsehbaren Kurve dermassen weit auf meiner Seite entgegen, sodass ich in’s Bankett ausweichen musste um einen Unfall zu vermeiden. Im Polizeibericht ist dann immer zu lesen: “…kam aus bislang unbekannter Ursache auf die Gegenfahrbahn…!”

Auf einem nur 2 km langen Teilstück, das ich jeden Tag zweimal passieren muss, ist diese Meldung mindestens einmal monatlich zu lesen. Jede Unfallmarkierung auf dem Asphalt erzählt eine eigene Geschichte – der Grund jedoch ist meist derselbe: Ein Grossteil dieser Unfälle geschah, da ein Verkehrsteilnehmer “aus bislang unbekannter Ursache auf die Gegenfahrbahn” kam, sprich eine Kurve geschnitten hat. Eine Lenkerin war gar so dreist und überholte in einer nicht einsehbaren Kurve einen LKW.

Auch hier gibr es eine klare Definition des Gesetzgebers: Sowohl in Deutschland, als auch der Schweiz und Österreich gilt das Rechtsfahrgebot. Napoleon Bonaparte führte es in grossen Teilen Europas ein – in Österreich war es 1938 mit dem Anschluss an das Dritte Reich so weit. Zu finden ist es in der deutschen Strassenverkehrs-Ordnung. § 2 Abs. 2. Zitieren möchte ich allerdings den österreichischen Kollegen StVO § 7 Abs. 1, der besagt:

“Der Lenker eines Fahrzeuges hat, sofern sich aus diesem Bundesgesetz nichts anderes ergibt, so weit rechts zu fahren, wie ihm dies unter Bedachtnahme auf die Leichtigkeit und Flüssigkeit des Verkehrs zumutbar und dies ohne Gefährdung, Behinderung oder Belästigung anderer Straßenbenützer, ohne eigene Gefährdung und ohne Beschädigung von Sachen möglich ist. Gleise von Schienenfahrzeugen, die an beiden Rändern der Fahrbahn liegen, dürfen jedoch nicht in der Längsrichtung befahren werden, wenn der übrige Teil der Fahrbahn genügend Platz bietet.”

Herrlich – “Leichtigkeit und Flüssigkeit des Verkehrs”! Unmissverständlicher geht’s doch wohl nicht mehr – oder??? Wer somit eine Kurve schneidet, macht sich gegen einen der wichtigsten Paragraphen der heimischen Strassenverkehrsordnung strafbar und sollte deshalb dafür büssen, da er entgegenkommende Verkehrsteilnehmer massivst gefährdet. Doch: Welcher Polizist straft tatsächlich mit den vorgesehenen 80,- € und einem Punkt in Flensburg ab??? In der Schweiz wird dies mit dem Art. 34 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes bzw. den Art. 7 und 8 der Verkehrsregelnverordnung klargestellt. Eine nette Anekdote zum Schluss: Als ich diese Woche eine Brücke passieren wollte, auf der ohne weiteres zwei PKW aneinander vorbeikommen, kam mir eine Lenkerin dermassen weit auf meiner Spur entgegen, sodass ich vor der Brücke stehen bleiben musste. Am Ende dieser rammte sie mich noch beinahe!
Also:Vorsätzlich!

Werte Gesetzgeber, liebe Exekutive. Sicherlich gehören Raser und alkoholisierte Fahrzeuglenker aus dem Verkehr geholt. Sie haben keinerlei Existenzberechtigung auf diesen Strassen. Doch kann es nicht sein, dass ein Fahrzeuglenker mitten in der Kreuzung anhält, dann ohne Betätigens des Fahrtrichtungs-Anzeiger links in eine Gemeindestrasse abbiegt um hier umzukehren und wieder auf die Vorrangstrasse zurückzukehren! Und dies alles vor den Augen einer Polizeistreife, die ihm auf der Gemeindestrasse entgegenkommt! Bei einem Unfall unter Beteiligung dieser vorher erwähnten verwirrten Verkehrsteilnehmer können Unschuldige plötzlich zum Mitschuldigen werden, obwohl sie sich korrekt an die Strassenverkehrsordnung und damit Verkehrsregeln gehalten haben. Ich fordere deshalb mehr Kontrollen gegenüber solcher “Kavaliersdelikte”, da auch diese Menschenleben verletzen oder gar kosten können. Zudem ist es für mich gänzlichst unverständlich, weshalb sog. “Crash-Cams” verboten sind und den Besitzer eine empfindliche Geldstrafe gemäss Datenschutz- und Strafgesetz kosten können, der sich nur vor derartigen Idioten, die sich an sehr viele Verkehrsregeln nicht halten, schützen will. Es sollte doch wohl im Sinne der Öffentlichkeit sein, die Strassen wieder sicherer zu machen. Denn – auch wenn vielleicht diese eine Situation gerade noch mal glimpflich ausgegangen ist, kann die nächste Verfehlung tödlich sein. Solche Menschen sollten nicht wegen fahrlässiger Körperverletzung (mit oder ohne Todesfolge) im Strassenverkehr, sondern wegen Vorsatz angeklagt werden. Denn – gelernt hätten wir es alle! Und ein System funktioniert nur so lange, so lange sich alle daran halten. Andere, die vielleicht mit der Breite ihrer Fahrspur nicht auskommen, sollten nochmals die Fahrprüfung absolvieren müssen!!!

PS: Ich bin kein Überwachungsfreak! Ich bin nur einer jener, der wieder Spass am Autofahren haben und sich nicht vor jeder Fahrt bekreuzigen möchte!

Quellen:

http://dejure.org/gesetze/StVO

https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10011336

http://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19620246/index.html

http://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19580266/index.html

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