Archive for Oktober, 2014

Sollen sie gerichtet werden? Todesstrafe – ja oder nein

Es ist schon einige Jahre her, als wir an der Schule im Englisch-Unterricht über die Todesstrafe diskutierten. Ich gehörte damals der Nein-Fraktion an. Inzwischen ist einiges Wasser dem Rhein runtergelaufen – heute bin ich nicht mehr unbedingt dagegen, habe jedoch nach wie vor ein ethisches Problem damit. Doch hierzu etwas später mehr.
Am Samstag vergangener Woche erlangte die Diskussion eine erneute, sehr traurige Aktualität. Die erst 26-jährige Reyhaneh Jabbari wurde in Teheran durch den Strick hingerichtet. Bereits im Vorfeld gab es weltweit heftigste Kritik und nach Angaben der deutschen Bundesregierung auch ernsthafte Zweifel an der Fairness des Prozesses. Zur Vorgeschichte: Im Jahr 2007 hatte die damals 19-jährige den Familienvater Morteza Abdolali Sarbandi erstochen. Wie sie behauptet: In Notwehr! Der ehemalige Geheimdienst-Mitarbeiter soll versucht haben, die junge Frau zu vergewaltigen. Zwei Jahre später erfolgte der Prozess. Dabei sollen Geständnisse unter “starkem Zwang” eingeholt worden sein, behaupten Vertreter der UNO, der USA, der EU und auch diversester Menschenrechtsorganisationen. Es folgte das Todesurteil für Reyhaneh Jabbari. Die iranische Regierung wurde jedoch einerseits auf diplomatischem Wege, andererseits durch zahlreiche, weltweite Protestkundgebungen gebeten, die Vollstreckung des Urteils auszusetzen, da “berechtigte Zweifel an der Durchführung eines fairen Prozesses” bestünden (deutsche Bundesregierung) bzw. es “ernsthafte Bedenken” zu den Umständen des Falles gebe (US-Aussenministerium).
Reyhaneh wird sehr rasch wieder vergessen sein. Zurück bleibt der mehr als fade Geschmack, dass sie ja wirklich in Notwehr gehandelt haben könnte. Klar, werden nun einige von Ihnen sagen, anderer Kulturkreis, andere Sitten. Ich hingegen bin sehr wohl der Meinung, dass nachdem auch unser Kulturkreis zusehends mehr kritsiert wird, wir ebenfalls das Recht haben, unsere Stimme in anderen Kulturkreisen zu erheben. Im Iran regieren die Schiiten. Im Vergleich zu deren “moslemischen Brüdern” von den Sunniten (beide Glaubensgruppen sind miteinander verfeindet), haben die Frauen bei den Schiiten etwas mehr Rechte, sind aber dem Mann in keinster Weise gleichgestellt. Geht es also hart auf hart, wird im Islam grundsätzlich dem Mann recht gegeben. Allerdings betonen immer mehr Islam-Experten, wie etwa auch der Professor für islamische Religionspädagogik an der Universität Münster, Dr. Mouhanad Khorchide, dass der Koran zu einer ganz anderen Zeit geschrieben wurde und deshalb nicht 1:1 in die Gegenwart umgelegt werden dürfe – er muss auf unsere Zeit adaptiert werden. Damals gängige Strafen, wie das Abhacken einer Hand nach einem Diebstahl oder das Steinigen, sind heute nicht mehr zeitgemäss! Erst dieser Tage steinigte der IS in Syrien eine Frau, da sie ausserehelichen Geschlechtsverkehr gehabt haben soll. Eine solche Steinigung soll in der Sure 33 des Koran (Steinigungsvers: “Wenn ein bejahrter Mann und eine bejahrte Frau Unzucht treiben, so steinigt sie auf jeden Fall als Strafe Gottes. Und Gott ist gütig und weise!”) enthalten gewesen sein – doch fehlt dies in aktuellen Ausgaben. Zudem galt dieser Vers den “Bejahrten” (Verheirateten), wenn sie beim Ehebruch ertappt worden sind. Ein IS-Kämpfer meinte vor der Hinrichtung, dass sich die junge Frau freuen soll, schliesslich sei sie die erste, die in der Region Hama nach der Scharia abgeurteilt wird. Umso schlimmer: Auch der Vater der Frau hat sich an der Steinigung beteiligt. Diese wurde auf Video aufgezeichnet und im Internet veröffentlicht. Oder jenes zehnjährige Mädchen, das in der afghanische Region Kunduz nach der Koranstunde von einem Mullah vergewaltigt wurde und nun durch die eigenen Verwandten ermordet werden soll – die Ehre der Familie sei dadurch besudelt! Das ist unmenschlich und barbarisch, da sich ansonsten in all den Jahrhunderten nichts geändert hat. Wer also eine derartige Rechtsprechung auch heute noch will, soll gleichermaßen auf all die Annehmlichkeiten verzichten, die die Zivilisation seither gebracht hat: Motoren, Maschinen, Strom, Erdöl, Waffen, Internet, Satelliten-TV etc.
Zurück zum Thema: Bis vergangenen Samstag wurden im Iran 250 Todesstrafen vollstreckt – zumindest jene, die bekannt geworden sind. Das ist statistisch gesehen nahezu jeden Tag (1,19ten Tag) eine Hinrichtung. Damit ist das Land im internationalen Vergleich direkt nach China an zweiter Stelle zu finden. Allerdings haben Hinrichtungen nicht unbedingt etwas mit dem Stand der Zivilisierung zu tun, werden doch beispielsweise in vielen Bundesstaaten der USA noch Menschen hingerichtet, gleiches auch in Russland und Südkorea; Vatikanstadt schaffte die Todesstrafe erst 1969, Lettland gar erst 2012 ab (letzte Hinrichtung dort 1996). Nach einer Auflistung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (Stand: März 2014) wurde die Todesstrafe in 98 Staaten völlig abgeschafft, in 35 Staaten gibt es einen Hinrichtungsstopp (kann jederzeit wieder eingeführt werden), in 7 wird in Sonderverfahren (etwa Kriegsrecht) hingerichtet und in 58 Staaten gehört die Todesstrafe nach wie vor zur Strafregelung dazu. In Pjöngjang (Nordkorea) beispielsweise wurde eine Frau am 16. Juni 2009 öffentlich hingerichtet, ihr Mann und die drei Kinder zuvor in Straflager gesteckt. Der Urteilsspruch lautete: Hochverrat! Sie hatte Bibeln verteilt! Über 23.000 Todeskandidaten (500 davon in den USA) warten weltweit auf ihren richterlich angeordneten Tod. Darunter sicherlich auch viele Unschuldige! Hier möchte ich auf das Buch des ehemaligen deutschen Bundesarbeitsministers Norbert Blüm “Einspruch” verweisen, der einen Richter wie folgt zitiert:

“Bei mir bekommen Sie nicht recht; bei mir bekommen Sie ein Urteil!”

Was geschieht nun wirklich, sollte ein erwiesenermassen Unschuldiger hingerichtet worden sein? Kolateralschaden?
Viele Mörder oder Schwerstverbrecher, die Ihre Taten eingestanden haben, keine Reue zeigen, vielleicht sogar noch stolz auf ihr Tun sind, die – sollten sie wieder in die Gesellschaft entlassen werden – erneut zu deren Gefahr werden, haben meines Erachtens ihre Existenzberechtigung in dieser Gesellschaft verloren – wenn sie zudem keine Achtung gegenüber des Lebens anderer haben, wieso denn gegenüber des eigenen (“Spezialprävention”)?! Möge der Teufel weiter Hand anlegen! Sie können jederzeit auch für Mithäftlinge oder Justizbeamte zur Gefahr werden. Eine andere Möglichkeit wäre die Strafinsel oder das Szenario aus dem Film “Klapperschlange”, wobei solche Menschen aufeinander losgelassen werden – in einer Region, aus der es keinerlei Fluchtmöglichkeiten gibt.
Die Todesstrafe ist nämlich nicht mit den meisten Religionen vereinbar, schliesslich masst sich der Urteilssprecher, aber auch der Henker göttliches Recht an: Das Urteil über Leben und Tod! Die Richter und Henker werden somit auf dieselbe Stufe wie der Täter gestellt. Dasselbe gilt übrigens inzwischen auch für die vielen Kriegsherren, die vielleicht selbst noch nie eine Waffe in der Hand hatten, allerdings den Befehl für den ferngesteuerten Angriff abgeben. Hier ist der Selbsterhaltungstrieb des Tiers “Mensch” in keinster Weise gerechtfertigt, der beispielsweise im Augenkampf zutrifft. Allerdings legitimiert das Völkerrecht im Krieg das Töten.
Nach heftiger Kritik der Humanisten wurde deshalb erstmals im 18. Jahrhundert die Abschaffung der Todesstrafe gefordert. Doch sollte es bis nach dem 2. Weltkrieg dauern, bis die meisten Rechtsstaaten der zumindest westlichen Welt die Hinrichtungen untersagten. Geregelt ist dies in Deutschland durch den Artikel 102 des Grundgesetzes (seit 1949), in Österreich durch den Artikel 85 des Bundesverfassungs-Gesetzes (seit 1950) und der Schweiz durch den Artikel 10 Abs. 1 der eidgenössischen Bundesverfassung (seit 1942). Im Fürstentum Liechtenstein war es übrigens seit den Zeiten Maria Theresias als österreichische Kaiserin üblich, dass Todesstrafen in Zwangsarbeit oder Haftstrafen umgewandelt wurden (“Constitutio Criminalis Theresiana” von 1768, später dann im “Allgemeinen Gesetzbuch über Verbrechen und deren Bestrafung” zu finden). Die letzte Todesstrafe wurde 1977 verhängt, die 1979 durch den Fürsten in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt wurde. Neun Jahre nach dem Beitritt des Zwergstaates zum Europarat wurden Hinrichtungen abgeschafft (1987).
Viele der sog. “NGOs”, der nichtregierenden Organisationen, fordern die weltweite Einstellung der Todesstrafe – dem kommen durchschnittlich 3 Staaten pro Jahr nach. In Gambia, Papua-Neuguinea und den Phillipinen (inzwischen erneut eingestellt) wurden Hinrichtungen nach ihrer Abschaffung wieder eingeführt. So können beispielsweise Menschen wegen Bankraubes (Saudi Arabien), Menschenhandels (China), Drogenbesitzes (beispielsweise Indonesien, Thailand, Singapur) oder auch der Herstellung und dem Verkauf von illegalem Alkohol (Indien) mit dem Tode bestraft werden. Hinzu kommen in vielen islamischen Staaten die Straftatbestände des Ehebruchs, der Homosexualität, der Zuhälterei und man höre und staune auch der Hexerei (Saudi Arabien – Inquisition?). Im 6. Zusatzprotokoll (Strafrecht) und dem 13. Zusatzprotokoll (Kriegsrecht) zur Europäischen Menschenrechtskonvention ist die Abschaffung ebenfalls enthalten – 43 der 47 Staaten des Europarates haben dies unterschrieben. Zudem verbietet Artikel 2 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union die Durchführung von Hinrichtungen.
Neben den Bedenken, über das Leben eines anderen Menschen zu entscheiden – also das, wofür auch der Verurteilte abgeurteilt wird – kommt zusätzlich der Gedanke der Rache auf. Blutrache, Lynchjustiz – so manche politische Regierungsform toleriert dies. Etwa der Afghane, der mitten In Innsbruck seine Frau niedergestochen hat, weil sie sich von ihm scheiden lassen wollte. Er argumentierte vor Gericht, dass er in seinem Land das Recht hierzu gehabt hätte. Hier aber gehe ich voll und ganz mit der Auffassung Justitias in Rechtsstaaten konform: Wer in einem anderen Staate lebt, muss sich auch den dortigen Gesetzen unterordnen. Ansonsten gilt er als Gesetzloser, den man in grauen Vorzeiten als vogelfrei erklärt hatte – jeder konnte ihn töten. Rache hat in einem Rechtsstaat nichts verloren!
Ein weiterer Aspekt, der immer wieder durch die Befürworter der Todesstrafe angesprochen wird, ist die “Generalprävention”. Durch die Vergeltung, dass wer anderen das Leben nimmt, mit seinem eigenen büssen muss (“Ius talionis” – die Gleichwertigkeit von Tat und Strafe), sollen etwaige Täter abgeschreckt werden. Die Erfahrungen allerdings haben gezeigt, dass auch diese Überlegung einen Mörder nicht an seinem schrecklichen Tun hindert. Ganz im Gegenteil: Im Vergleich zwischen den Bundesstaaten der USA mit und ohne Todesstrafe ist zu erkennen, dass die Gewaltverbrechen in den Staaten mit Hinrichtungen weitaus häufiger sind (“verrohende Wirkung der Todesstrafe”). Der Philosoph Immanuel Kant spricht gar von der “Befriedigung der Gerechtigkeit”, da der Lebensverlust unersetzbar sei! Somit hat der Tod eine “endgültige Qualität” und demgemäss nichts mit Strafe zu tun, bei welcher es eigentlich um Schadensbegrenzung oder Wiedergutmachung gehen sollte. Opfer-Angehörige, die bei der Hinrichtung des Täters zusahen, bestreiten zum überwiegenden Teil ein dadurch besser gewordenes Gerechtigkeitsgefühl. Psychologen betonen zudem, dass ein Mörder sich nicht vom Strafmaß abhalten lässt. Er wird seine ganze Kraft darin bündeln, einer Bestrafung zu entgehen! Dieser Tage etwa wurde in Texas ein Bandenmitglied mittels Giftspritze hingerichtet. Der 32-jährige hatte im Streit um Drogengeld 3 Männer ermordet und ihre Leichen in der Wüste vergraben. In Texas wird es auch weiterhin Menschen geben, die mit Drogen handeln und dabei andere umbringen. Die Veröffentlichung des Videos der Steinigung der vorhin erwähnten Frau aus Syrien hat jedoch nichts mit einer solchen Generalprävention zu tun, schliesslich dürfen die Menschen in den durch den IS besetzten Gebieten nur heimlich in’s Internet! Sie wurde ein Opfer der IS-Propaganda!
Bleibt somit einzig der Sicherheitsaspekt der Bevölkerung. Sollte ein Mörder ausbrechen oder freigepresst werden, beginnt alles wieder von vorne. Auch hier gibt es Statistiken aus den USA, die aufzeigen, dass gerade abgeurteilte Mörder wesentlich seltener zu Rückfalltäter werden. Trotzdem muss ich eingestehen, dass auch ich ein sehr ungutes Gefühl hätte, wenn der neue Nachbar als nunmehr resozialisierter Mensch zuvor wegen Mordes gesessen hatte. Somit – wenn ich mir’s recht überlege – wäre wohl die Lösung aus dem Kurt Russell-Film “Die Klapperschlange” die beste Lösung für Kapitalverbrecher, die eindeutig für schuldig zu sehen sind (keine Affekthandlung bzw. irrationale Tat): Verbannung auf eine Insel ohne Fluchtmöglichkeiten. Hier haben sie ihr gesamtes restliches Leben mit der Befürchtung zu kämpfen, dass jemand anderer schneller sein könnte, in dem wofür sie abgeurteilt wurden: Mord, Raubmord, Mehrfach-Vergewaltigung, Kindesmissbrauch, …
Eine aktuelle Untersuchung des Erlanger Universitätsprofessors für Strafrecht, Franz Streng, führte dieser Tage zu einem grossen Raunen in Deutschland: Jeder dritte Jura-Student ist für die Weidereinführung der Todesstrafe, jeder zweite für die Anwendung von Folter, wenn dadurch terroristische Anschläge bzw. Menschenleben gerettet werden können. Diese Statistik verwundert umso mehr, als die künftigen Rechtsanwälte ihre Mandanten ja eigentlich davor bewahren sollten.
Das alles darf für Deutschland nicht mehr zutreffen, da die Bundesrepublik klar bekennender Gegner der Todesstrafe und Folter ist. So heisst es beispielsweise auch aus Berlin, dass, sollte ein in den USA gesuchter Verbrecher, dem die Todesstrafe droht, hierzulande festgenommen werden, dieser erst dann zur Auslieferung gelangt, wenn die Strafe in eine Haftstrafe umgewandelt wird. Somit dürften auch Edward Snowden, sollte er jemals von der deutschen Justiz festgenommen und ausgeliefert werden, niemals wegen Hochverrates hingerichtet werden. Das jedoch – so denke zumindest ich – wird dem Militärgericht vollkommen egal sein.
Am 10. Oktober fand der Internationale Tag gegen die Todesstrafe statt. Wenn ich es mir nun abschliessend recht überlege, bin ich nach wie vor dagegen!

Links:

http://www.amnesty-todesstrafe.de

http://www.amnesty.org

http://www.todesstrafe.de/

http://www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de/

http://www.human-rights-association.org

http://www.prodeathpenalty.com/

Lesetipps:

.) “Staat, Schafott und Schuldgefühl. Was Staatsaufbau und Todesstrafe miteinander zu tun haben”; Dieter Reicher; Leske+Budrich, Opladen 2003, ISBN 3-8100-3831-8
.) “Von der Guillotine zur Giftspritze: Die Geschichte der Todesstrafe. Fakten- Fälle- Fehlurteile”; Martin Haidinger; Ecowin-Verlag, Salzburg 2007, ISBN 978-3-902404-45-9
.) “Zur Aktualität der Todesstrafe, interdisziplinäre und globale Perspektiven”; Christan Boulanger (Hrsg.); 2. Auflage. Berlin-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-8305-0277-X

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Alles beim Alten!!!

Der Chef, der seine Mitarbeiter nicht zu schätzen weiss, sägt an der Zukunft seines Unternehmens!

Stellen Sie sich doch bitte mal folgendes vor:
Ein globales Unternehmen versammelt eine erlesene Schar seiner nationalen Bereichsleiter um über die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens zu diskutieren. Ein mutiges Unterfangen, denn schliesslich wurden dabei die CEOs der Standortländer aussen vor gelassen! Ein Schritt zur Basisdemokratie bei der Klärung der Frage: Was stellen sich diese Mitarbeiter vor, die nahezu ganz unten arbeiten und tagtäglich mit den Problemen und Wünsche der Kunden – aber auch der Mitarbeiter am Fliessband konfrontiert werden. Kommt nach zwei Wochen reger sokratischer Streitgespräche am Ende ein weisses Blatt als neues Positionspapier hervor, so ist vielleicht jener Vorstandsvorsitzender zufrieden, der über den Dingen steht, da er sie erschafft. Jener aber, der Veränderungen herbeiführen und das Unternehmen in eine sichere Zukunft führen möchte, ist todunglücklich darüber! Somit sollten die kritischen Mitarbeiter für jeden Unternehmer weitaus wertvoller sein, als ihre Kollegen aus der Bauchpinsler-Fraktion. Denn: Die Arschkriecher verrichten ihre Lieblingsarbeit auch bei meinem Nachfolger, der aufgrund einer falschen, aber gut geheissenen Idee an meiner statt eingestellt wurde! Keine Veränderung bedeutet Stillstand! Und Stillstand ist für kein Unternehmen gut.
Auch nicht für die Römisch-Katholische Kirche. Da wählten die Kardinäle erstmals einen aus ihrer Mitte, dem man zutrauen könnte, dass er die Weltkirche modernisiert, updatet, für das 21. Jahrhundert rüstet. Doch offenbar steht er – wenn auch nicht alleine, so doch mit einer Minderheit auf weiter Flur! Papst Franziskus hatte zur Ausserordentlichen Bischofssynode geladen – er schätzt offenbar seine Mitarbeiter! 191 ihrer Zunft aus aller Welt folgten seinem Ruf und diskutierten gemeinsam mit 16 Fachleuten vor 38 Gasthörern und acht Repräsentanten anderer Kirchen mit Gottes Segen über “Die pastoralen Herausforderungen der Familie im Rahmen der Evangelisierung”. Für die weltliche Staatsform ist die Familie der kleinste Baustein – für die sakrale hingegen die abgesegnete Beziehung zwischen Mann und Frau. Und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Seine Heiligkeit hin oder her – offenbar soll die r.k. Kirche die Kirche von und für gestern bleiben und nicht entsprechend auf die Anforderungen der Gegenwart reagieren. In einem solchen Moment denke ich, wünscht sich Jorge Mario Bergoglio jene Zeiten zurück, als er sich in Buenos Aires auf sein Motorrad schwang und in die Armenviertel der Stadt gefahren ist. Dort konnte der Herr Kardinal alleine durch seine Anwesenheit mehr Trost spenden, mehr Hilfe geben für den kleinsten Baustein der Kirche als derzeit, als unfehlbarer Nachfolger im Amte Petris nach göttlichem Wille. Doch – eins nach dem anderen.
Mit einem Fragekatalog sollten bereits lange vor der Synode die Ortskirchen allesamt eingebunden werden.

http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/Dossiers_2012/2013-Vorbereitungsdokument-Bischofssynode.pdf

Allerdings stellte sich heraus, dass der Fragebogen doch wohl eher als Standortdarstellung zu verstehen war: Acht Seiten – die erste Frage steht am Ende der Seite fünf! Alsdann wurden recht heikle Fragen erörtert, die in der r.k. Kirche lange als tabuisiert galten. Wie etwa:

Wie soll man die pastoralen Herausforderungen annehmen, die sich ergeben, wenn nicht praktizierende oder sich als ungläubig bezeichnende Getaufte die Feier der Eheschließung erbitten?

Nun gut – insgesamt neun Fragen mit jeweils einigen Unterfragen. Über 1.000 Seiten gelangten zumindest an die Deutsche Bischofskonferenz zurück. 1.000 Seiten von nicht weniger als 24,2 Mio Katholiken in Deutschland (gegenüber 23,4 Mio Protestanten) im Jahr 2013 (Angaben Deutsche Bischofskonferenz) bzw. 14.490 r.k. Priestern. Hätten sich nur die Pfarrer an dieser Befragung beteiligt, wäre die Quote schon mehr schlecht als recht gewesen – aber das hier?! Auf der Auswertung dieser Befragung sollte die Bischofssynode aufgebaut werden. Allerdings – so die Ansicht des Schreiberlings dieser Zeilen – verstanden wohl viele der Auswertungs-Sachbearbeiter in Rom die Antworten nicht – ebenso wie ich mir übrigens schwer tat, die Fragen zu verstehen. Doch offenbar war ich nicht der Einzige – so hiess es etwa bei der Deutschen Bischofskonferenz: “Trotz des vielfach als schwer verständlich kritisierten Sprachstils…!” Sind nun Geschiedene ungläubige oder nicht praktizierende Katholiken??? Als Ungläubige wären sie ja theoretisch Menschen 2. Klasse! Und als Nicht-Praktizierende??? Aber was soll’s – bin ja schliesslich nicht vom Fach.
Bringen wir’s doch auf den Punkt: Auch wenn sich bei der Synode jeweils eine Mehrheit dafür aussprach, weltoffener und moderner zu werden, so war die Minderheit, die sich dagegen aussprach dennoch dermassen gross, sodass es keine 2/3-Mehrheit gab und somit alles beim Alten bleibt.
Einige Punkte gefällig?

.) Zulassung von Geschiedenen zur Heiligen Kommunion
Die Heilige Kommunion ist in der r.k. Kirche ebenso wie das Abendmahl in der evangelischen Kirche als ein elitärer Gemeinschaftsakt zu verstehen, für den Mann/Frau sich erst qualifizieren müssen. Schliesslich geht es um den Leib Christi. Sehr rasch nun gehört man nicht mehr diesem elitären Kreise an – so etwa, wenn eine von Gott abgesegnete Beziehung zwischen Mann und Frau auseinanderbricht und geschieden wird. Undenkbar, schliesslich ist die Ehe ein Heiliges Sakrament. Eine Trennung darf deshalb kein weltlicher Scheidungsrichter durchführen. Deshalb heisst es ja auch bei der Trauung: “…bis dass der Tod Euch scheide!” Könnte es allerdings nicht auch der Wille Gottes sein, der die beiden Menschen zuerst zusammengeführt hat um sie dann wieder zu trennen – das wird bei all diesen Überlegungen völlig ausser Acht gelassen. Damit vielleicht die Scheidungskinder bessere Eltern, möglicherweise sogar bessere Menschen als ihre Erzeuger werden? Anstatt dessen haben rund 40 % etwa der geschiedenen Ehen in Österreich (sofern kirchlich geschlossen – keine kirchlichen Ehen sind ja eigentlich wilde Ehen – die Paare leben in Sünde!) und 36 % in Deutschland eigentlich keinen Zugang mehr zur Kirche. Schon gar nicht, wenn sie erneut vor den kirchlichen Traualtar treten möchten. Papst Franziskus hat sich bemüht, diese “Ausgestossenen Schafe” wieder in den Schoss der Kirche zurückzuführen, doch hatten die Bischöfe etwas dagegen. Aufgrund des Erreichens “nur” einer absoluten Mehrheit (zumindest ein Teilerfolg), konnte kein Beschluss gefasst werden – im Abschlussdokument steht lediglich, dass eine Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion geprüft werden müsse. Wiederverheiratete leben somit auch weiterhin in Sünde, völlig egal, ob sie ansonsten die Gebote einhalten! Weshalb müssen sie aber dann die Kirchensteuer entrichten?
.) Homosexuelle
In diesem Bereich sind wir schon einen ganzen Schritt näher zur Realität gerückt, heisst es doch, dass Personen mit homosexueller Veranlagung mit “Achtung, Mitleid und Takt” begegnet und sie entsprechend auch dergleichen behandelt werden sollen, damit auch eine “ungerechte Diskriminierung” vermieden werden kann. Mitleid? Homosexualität wurde noch vor gar nicht allzu langer Zeit von einem inzwischen im Ruhestand befindlichen österreichischen Bischof mit einer Krankheit verglichen, die “geheilt” werden könne, Papst Benedikt bezeichnete sie noch als “Anomalie”. Was geschieht eigentlich mit den vielen homosexuellen katholischen Priestern? Gebührt etwa auch ihnen Mitleid, obwohl sie eigentlich Trost spenden können sollten?!
.) Neue pastorale Wege

V.a. die beiden Kardinäle Müller und Burke übten heftige Kritik. Papst Franziskus hatte eigentlich andere Pläne. Nur drei von ansonsten nicht weniger als 62 Punkten, die auf dieser Synode mittels Beschluss hätten abgehakt werden sollen. Zigtausende Katholiken haben verdammt grosse Hoffnungen in die Synode gelegt. Eine moderne und weltoffene Kirche hätte folgen sollen. Franziskus hatte sich ebenfalls wesentlich mehr erwartet, weshalb er atypischerweise auch die Abstimmungsverhältnisse veröffentlichen liess. Vielleicht um damit zu demonstrieren: “Ich habe mein Bestmöglichstes versucht – es hat nicht sollen sein. Aber: Wir sind auf dem richtigen Weg!” Zudem hat der Papst vor einer “feindlichen Erstarrung” in der r.k. Kirche gewarnt. Traditionalisten und Intellektualisten liessen Gott keine Möglichkeit, sie überraschen zu können. Jedoch glich Franziskus diese doch sehr heftige Aussage wieder durch die “falsche Barmherzigkeit” der Progressiven und Liberalen aus, die Wunden nur verbinden ohne sie vorher zu behandeln. Vielleicht kommen die Teilnehmer der grösseren Fortsetzungssynode im Oktober 2015 zu einer anderen Erkenntnis. Diesem Abschlussdokument kommt dann eine weitaus grössere Bedeutung zu.
Das Ehesakrament allerdings stehe nicht zur Disposition, meinte der Papst unmissverständlich. Und – das mit der Basisdemokratie, das ist doch auch eher etwas katholisch zu verstehen, sind doch die meisten der teilnehmenden Bischöfe auch Kardinäle, sodass man durchaus von einer Kurienveranstaltung sprechen kann. So erhielten etwa folgende Personen, Ämter oder auch Positionen eine päpstliche Einladung:

die Oberhäupter der orientalisch-katholischen Kirchen
(13 Teilnehmer),
die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen
(114 Teilnehmer),
drei gewählte Vertreter von der Vereinigung der Ordensoberen,
alle Leiter von Dikasterien (Ministerien) der römischen Kurie
(25 Teilnehmer),
die Mitglieder des permanenten Rates der Bischofssynode
(10 Teilnehmer),
durch den Papst persönlich ernannte Mitglieder
(26 Teilnehmer).

Darunter waren beispielsweise die wichtigen Kardinäle Lorenzo Baldisseri (Generalsekretär der Bischofssynode), André Armand Vingt-Trois, Luis Antonio Tagle, Raymundo Damasceno Assis (Erzbischof von Aparecida), Peter Erdö, Walter Kasper, Gerhard Ludwig Müller, Reinhard Marx ua. Sie sehen also, das die Bezeichnung “Bischofssynode” zwar eigentlich richtig ist, man allerdings sinngemäss besser von einer “Kardinalssynode” sprechen sollte. Also wieder nix mit “der Stimme der Basis”! Doch war sie jemals als solche gedacht? Papst Paul VI. hatte dieses Diskussionsgremium anno 1965 eingerichtet. Im Laufe der Jahre und im Zuge des II. Vatikanischen Konzils wurde aus der Bischofssynode ein kollegiales Beratungsgremium des Oberhirten. Paul VI. schrieb 1974 über die Bischofssynode:

“Sie ist eine kirchliche Einrichtung, die wir im Blick auf die Zeichen der Zeit, mehr aber noch mit dem Versuch, den göttlichen Plan und die Verfassung der katholischen Kirche in ihrer ganzen Tiefe zu deuten, nach dem II. Vatikanischen Konzil beschlossen haben mit dem Ziel, die Einheit und Zusammenarbeit der Bischöfe der ganzen Welt mit dem Apostolischen Stuhl durch gemeinsames Studium der Lage der Kirche und die einträchtige Lösung all jener Fragen bezüglich ihrer Sendung zu fördern. Sie ist kein Konzil, kein Parlament, sondern eine Synode besonderer Art.”

Das letzte solche Treffen fand im Jahr 2008 statt. Das Thema damals lautete: “Das Wort Gottes im Leben und der Sendung der Kirche”. Inzwischen habe ich viele Mitglieder der r.k. Kirche befragt – nur ganz wenige wussten von dieser Bischofssynode bescheid – obwohl sich viele eklatante Änderungen in der Kirche davon erwartet haben. Interessant übrigens ist, dass die Deutsche Bischofskonferenz die Antworten nach Rom geliefert hat, diese aber offensichtlich dort niemanden so wirklich interessierten. So hiess es u.a. in den vorhin aufgezeigten Themenbereichen, dass die Sexualmoral der Kirche kaum akzeptiert werde und man sich auch schwer tue, diese verständlich zu machen – inner- und ausserkirchlich. Ist auch kein Wunder: “Grundsätzlich gilt für gesamtkirchliche Verlautbarungen, dass ihr sprachlicher Duktus und ihr autoritativer Ansatz nicht dazu angetan sind, das Verständnis und die Akzeptanz der Gläubigen zu wecken und zu finden.” (Dt. Bischofskonferenz). DAS IST STARKER TOBAK! Wie solle man etwa das kategorische “Nein” der Kirche zur Empfängnis-Verhütung sehen, wenn es nach wie vor den Zölibat gibt? Was das Thema der getrennt Lebenden und wiederverheirateten Geschiedenen in Deutschland anbelangt, so sind diese “selbstverständlicher Teil der pastoralen Realität” – zumindest in deutschen Landen. (“Das katholische Familienbild wirkt auf viele zu idealistisch und lebensfern.” – Dt. Bischofskonferenz). Sollten sie – geht es nach den obersten Moralaposteln des Vatikans – etwa Menschen 2. Klasse sein – nur weil sie verstanden haben, dass diese eine Beziehung nicht für ein ganzes Leben geschmiedet wurde? Ist es besser, die Zähne zusammenzubeissen und jahrelang nebeneinander her zu leben, dafür aber als gläubiger Katholik durchzugehen???

Conclusio:
Jene Menschen, welche die Welt ganz da unten kennen, wissen auch, wie Kirche gestaltet werden und sein kann. Durch die Wahl eines bodenständigen Papstes könnte auch vieles reformiert werden, wenn man ihn nur liesse. Der Vatikan-Insider Marco Politi etwa meint, dass nun zumindest heftig diskutiert wird, im Vatikan. Dies freue den Papst! Ein katholischer Pfarrer aus der Schweiz, wo ja die Katholiken in der Minderheit sind, meinte einst mir gegenüber: “Kirche ist lebendig! Kirche sind wir alle!” Wie recht er doch hätte!

Links:

www.dbk.de
www.katholisches.info
de.radiovaticana.va

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Der Wolf und die 7 Geislein

Bittere Realität wird derzeit das alte Märchen der Gebrüder Grimm vom “Rotkäppchen”. Was so mancher Pädagoge inzwischen als blutrünstig vom abendlichen Vorleseplan gestrichen – hat zuvor Generationen aufgezeigt, wie es in der Natur läuft, zwischen dem Jäger, dem Gejagten und schlussendlich dem Menschen!

Eine ganze Region befindet sich derzeit in Aufruhr: Ein bzw. vermutlich sogar zwei Wölfe sorgen in Vorarlberg, dem westlichsten Bundesland Österreichs, für Angst und Schrecken. Schon mehrere Schafe sind den höchstwahrscheinlich zwei Raubtieren zum Opfer gefallen, die Schafzüchter (meist ehemalige Rinder-Bauern, die aber nicht mehr so viel Arbeit haben wollten), proben den Aufstand: Durch eine wolfssichere Einzäunung der Schafs-Weideflächen droht nun doch wieder Arbeit auf sie zuzukommen! Selbstverständlich verstehe auch ich, dass Lämmer nicht grossgezogen werden um als Wolfsfutter gerissen auf dem Feld ein bitteres Ende zu finden. Der materielle Schaden wird durch eine Versicherung des Landes, in Deutschland nach einer Schadensbegutachtung durch die zuständige Landesdirektion abgedeckt. Auch für den Menschen sicherlich ein komisches Gefühl des Nächtens durch jene Gebiete zu gehen. Hat er doch die blutrünstige Bestie vor Augen, die durch die Filmindustrie aus Hollywood auf alles gehetzt wird, was bei drei nicht auf den Bäumen ist. Nach einer Statistik des Kontaktbüros “Wolfsregion Lausitz” rissen Wölfe im Jahr 2013 bei 21 Übergriffen in ganz Deutschland 56 Schafe und Ziegen. Als kürzlich in Baden Württemberg die Wolfsdiskussion auftauchte, meinte eine Biologin, dass mittels Elektrozäune und Herdenschutzhunde die Wölfe ganz einfach von diesen typischen Beutetieren abzuhalten wären – der Bau solcher Schutzmassnahmen wird sogar durch das Land Sachsen gefördert (bis zu 60 % der Kosten). Hunde hatten die Schäfer ja schon vor Jahrhunderten – auch wenn sie inzwischen von vielen Bauern abgelehnt werden. Die Statistik aus Sachsen allerdings zeigt jedoch ein etwas anderes Bild auf: Seit dem Jahr 2002 gab es in diesem Bundesland nicht weniger als 150 Vorfälle, bei welchen ein Wolf als Verursacher nicht ausgeschlossen werden kann. 410 Tiere wurde getötet, 33 verletzt – meist waren es Schafe und Ziegen – allerdings auch junge Rinder und Hunde. 63 % der getöteten Tiere lebten in Herden mit Schutzvorrichtung. Vor allem in den Jahren 2011 und zuvor 2007 waren die eindeutig dem Wolf zugeschriebenen Fälle recht hoch, 2003 und 2005 hingegen gab es keine einzigen.
Vor lang, langer Zeit war der graubraune europäische Wolf (Canis lupus) sowohl in Deutschland als auch Österreich allerorts heimisch. Durch eine intensive Bejagung änderte sich dies jedoch bis rund 1850 – danach wurden nurmehr einzelne Exemplare erlegt, die meist aus Polen in heimische Regionen kamen. Der letzte Wolf etwa im Odenwald starb 1866 – er steht als Tierpräparat im Museum der Stadt Eberbach. Stand der Beutegreifer deshalb in Westdeutschland unter Artenschutz, so folgten nach dem Mauerfall 1990 auch die ostdeutschen, neuen Bundesländer. Im Jahr 2000 schliesslich siedelte sich in Oberlausitz (Sachsen) ein aus der polnischen Nachbarschaft stammendes Wolfspaar an, das auch für Nachwuchs sorgte – erstmals wieder seit 150 Jahren! Inzwischen gehören Wölfe von Brandenburg bis Sachsen-Anhalt zum heimsichen Erscheinungsbild. Von dort aus, wandern sie in die anderen Bundesländer Deutschlands. Derzeit (Stand: September 2014) sind in Deutschland 34 Rudel oder Wolfspaare und vier Einzelwölfe sesshaft, die meisten davon in den östlichen Bundesländer. Über Niedersachsen nehmen jedoch mit den dortigen 5 Rudeln die Vorfahren unserer Hunde auch im Westen den Kampf mit dem Menschen, ihrem einzigen verbliebenen Feind auf. Und – es können noch wesentlich mehr werden, führte doch die Association for Nature WOLF (AfN Wolf) in Westpolen nicht weniger als 31 Rudel im Beobachtungszeitraum Mai bis April (Monitoring-Jahr) 2013/14 an. In Österreich sind es zwischen 2009 und 2013 nach Angaben des WWF zwischen 3 und 7 Tiere gewesen – im Alpenland gilt er ansonsten seit einhundert Jahren als ausgestorben. Diese paar Tiere ziehen meist aus den Karpaten, der Schweiz oder auch Italien oder Slowenien kommend in neue Reviere in Deutschland. “Isegrimm” stammt ursprünglich aus dem Alpenraum. Dies beweist eindeutig die DNS-Datenbank des Referenzzentrums für Wolfsgenetik in Gelnhausen.
Wölfe sind Rudeltiere mit einem Anführer. Sie zeichnen sich durch ihre hohe Anpassungsfähigkeit aus, weshalb die Tiere auch in allen Klimazonen nördlich des 15. Breitengrades zu finden sind. Am meisten jedoch dort, wo genug Beutetiere leben (sie bevorzugen Wild – nur wenn hiervon zu wenig vorhanden ist, greifen sie auch auf Nutztiere zurück) und sie sich mit ihrem Nachwuchs zurückziehen können. Deshalb sind viele der Beutegreifer auch in militärischen Sperrgebieten wie Truppenübungsplätzen zu finden. Wölfe pflanzen sich einmal im Jahr fort, der Nachwuchs kommt meist Ende April/Anfang Mai zur Welt. Die Welpen werden bis zu 8 Wochen lang gesäugt und sind mit ca. 22 Monaten geschlechtsreif. Der Wolf besitzt schräg stehende, hellbraun bis gelbe Augen, die sich durch dicht stehende Stäbchen auf der Netzhaut perfekt zum Nachtsehen eignen. Deshalb sind sie zumeist nacht- oder dämmerungsaktiv. Während der Mensch einen Blickwinkel von 180 Grad aufweist, kann der Wolf nahezu auch nach hinten sehen (250 Grad). Durch das Heulen stecken die Tiere ihr Territorium ab (“Klakustische Markierung”), aber auch Urin- oder Kot-Markierungen dienen hierzu. Pro Nacht werden zwischen 20 bis 80 Kilometer zurückgelegt, dabei können kurzfristig auch Geschwindigkeiten von bis zu 50 Stundenkilometern erreicht werden. Flüsse oder Seen sind keine Hindernisse: Wölfe sind gute Schwimmer. Ihre Lebenserwartung beläuft sich auf 10 bis 13, im Zoo bis zu 18 Jahre.
Der Wolf hatte nur einen natürlichen Feind: Den Bären! Trotzdem ist die Sterblichkeit in den ersten zwei Jahren sehr hoch, da auch kleinere Raubtiere wie etwa Luchs oder Fuchs die kleinen Welpen töten. Der Mensch ist der letzte wirklich grosse Feind. Wölfe stehen unter Artenschutz, dürfen somit auch nicht geschossen werden. Doch halten sich gerade Hobby-Jäger häufig nicht an die Jagdgesetze und fügen dadurch den wahren Jägern einen sehr grossen Imageschaden zu. Denn viele Weidmänner sind Jäger geworden, weil sie den Wald UND das Wild hoch schätzen. Für die Hobbyjäger ist es umständlicher, das Wild suchen zu müssen, da es aufgrund eines Wolfes unsteter geworden ist und nicht immer zum selben Zeitpunkt am selben Ort äst. So musste Mitte September im brandenburgischen Cammer eine ca. fünf Monate alte Wölfin eingeschläfert werden, nachdem sie von einer Erntemaschine schwer verletzt wurde. Die Obduktion des jungen Tieres am Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung brachte eine rund zwei Wochen alte Schussverletzung an den Hinterläufen des Tieres an’s Tageslicht. Nachdem bereits im August im Naturschutzgebiet Lieberose ein Wolf mit gezielten Schüssen niedergestreckt und sein Kopf abgetrennt wurde, hat dieses Mal die Tierorganisation PETA eine Belohnung von 1.000,- € ausgeschrieben, wenn aufgrund der Hinweise der Täter verhaftet werden kann. Vermutet wird, dass ein Jäger dahinter steckt, der einen natürlichen Raubfeind ausschalten wollte.
Blende – in’s steirische Gesäuse. Dort meinte ein Berufsjäger aus dem Nationalpark vor laufender TV-Kamera, dass das Wild (Rehe, Hirsche, Gemsen, Wildschweine) geschossen werden müsse, um dadurch eine Überpopulation zu vermeiden, die massive Schäden am Wald anrichtien könnte – nachdem es keine natürlichen Feinde mehr gäbe! Hört sich gut an – traurig aber die Aussage, die dahinter steckt: Gibt es wieder natürliche Feinde, stoppen dann die Jäger den Abschuss von Schalen- und Rotwild und überlassen dies der Natur wie früher? Mitnichten! Biologen, wie etwa auch Prof. Dr. Josef Reichholf von der Technischen Universität München, sind der Meinung, dass sehr viel Wild durch Witterungseinflüsse oder Krankheiten stirbt. Beziehungsweise wenn zu wenig Nahrung da ist. Somit stellt sich mir dummem Schreiberling schon eine Frage: Weshalb hält sich der Mensch Nutztiere, wenn er sich dennoch am Wild vergreift? Gesundes fettarmes Fleisch? Dann gebt Euren Nutztieren endlich wieder Auslauf! Nun gut – das war schon einmal Thema an dieser Stelle!
Der Wolf unterliegt seit 1992 weder in Deutschland noch Österreich dem Jagdrecht, sondern vielmehr als streng geschützte Art dem Natur- und Artenschutz (Washingtoner Artenschutzabkommen (Anhang II)/Berner Konvention (Anhang II)/EG Verordnung 338/97 (Anhang A) und FFH Richtlinie 92/43/EWG (Anhang II, Prioritäre Art, An­hang IV, Art. 12 und 16) sowie dem deutschen Bundesnaturschutzgesetz (Streng geschützte Art nach § 7 Abs. 2 Nr. 13 i. V. mit § 44) bzw. den österreichischen Naturschutzgesetzen der Länder. Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union schützt nicht nur die Tiere vor dem Abschuss (möchte man meinen!), sondern bestimmt auch, dass die Ausbreitung der Wölfe nicht gestoppt werden darf. Untersagt sind “alle absichtlichen Formen des Fangs oder der Tötung …”, sowie “… jede absichtliche Störung …” und “… jede Beschädigung oder Vernichtung der Fortpflanzungs- oder Ruhestätten …”. Zucht mit anschliessendem Aussetzen allerdings ist nicht erforderlich. Immer wieder versuchen jedoch Lobbyisten und Politiker, auch dieses Tier wieder in das Jagdrecht zu übernehmen – mit ganzjähriger Schonzeit! Somit könnten Wölfe allerdings geschossen werden, wenn sie sog. “Problemwölfe” sind! Doch: Wann ist ein Tier ein “Problemtier”? Par plus – leider den falschen erwischt – was soll’s, gibt ja eh noch zwei andere! Zoologen wissen, dass sich die Wolfspopulation selbst reguliert, da sie kein Pardon mit Artgenossen kennen, die in ein Revier eindringen. Aus diesem Grund wird es nicht zu einer Überpopulation als vielmehr zu einer flächenmässigen Ausbreitung dieser autochthonen Tierart kommen. In Brandenburg und Sachsen wurden inzwischen “Wolfsmanagement-Pläne” erstellt, die sehr gut funktionieren und ein Zusammenleben der Tiere mit dem Menschen regeln sollen. Diese Pläne bauen auf folgenden Punkten auf:
-) Monitoring und Forschung
-) Öffentlichkeitsarbeit
-) Schadensbegutachtung und -ausgleich
Der Mensch übrigens zählt nicht zum Beuteschema der Tiere – ausser es mangelt an Nahrung! Ansonsten ist “Isegrimm” Menschen gegenüber sehr zurückhaltend und meidet auch bewohnte Gebiete. Jener Fall, bei dem 2013 ein Landwirt aus dem österreichischen Greifenburg einen Wolf in seinem Stall erlegte, erscheint als wirklich aussergewöhnlich. Sollte es mal tatsächlich zu einem Treffen kommen, so empfehlen Experten lautes Reden und Bewegen. Das verschreckt den Wolf – er nimmt reissaus. Jeder Todfund eines Wolfes wird am vorhin erwähnten IZW in Leibnitz obduziert, um einerseits natürlich über die Todesursache des Tieres bescheid zu bekommen und andererseits durch Untersuchungen die Gewohnheiten der Tiere und deren Entwicklung mitzuverfolgen. Übrigens sind dreiviertel der Todesursachen Unfälle mit einem Auto, doch gleich danach kommen die Abschüsse. Jener Wolf etwa, der 2012 in Hessen für Unruhe sorgte: Pier-Luigi! Sein Hinterlauf war nach einem Unfall mit einem Auto zertrümmert. Er wurde im Januar 2011 bei einer Tankstelle bei Giessen fotografiert. Immer wieder wurde das auffällige Tier bei seiner Wanderung durch den Westerwald gesehen, bis ihn schliesslich im April 2012 ein Jäger erschoss. Die EU hat sich allerdings die “Erhaltung bzw. Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes prioritärer Arten” auf die Fahnen geschrieben. Zu solchen Arten gehören auch die Wölfe. Sie wurden – ebenso wie der Braunbär oder der Luchs – nahezu ausgerottet, damit der Mensch als einziger “Tierreisser” übrig bleibt. So schrieb etwa der Sprecher der niedersächsischen Berufsschäfer, Wendelin Schmücker aus Winsen in einem offenen Brief an die dortige Landesregierung, dass der Wolf ein Schädling ist, somit also kein Lebensrecht in Deutschland habe. Seine Nahezu-Ausrottung sei eine historische Leistung gewesen.
Hat dies wirklich etwas mit der “Krone der Schöpfung” zu tun? Andere Arten auszurotten und die Natur daran zu hindern, wieder Natur zu werden? Bei den Wölfen reicht doch bereits ein bundesweiter Bestand von 250 erwachsenen Tieren, damit der Artbestand als “nicht mehr gefährdet” gilt. Wir sollten also lernen, mit den Wölfen zu leben! Denn:
Alle Wiederansiedelungen von Tieren funktionieren nur dann, wenn sie auch in unseren Köpfen funktionieren!!!

Lesetipp:

“Lernen mit dem Wolf zu leben” – Broschüre von Peter Sürth 2010

Links:

https://www.nabu.de

http://www.wolfsregion-lausitz.de

http://www.lausitz-wolf.de

http://www.smul.sachsen.de

http://www.senckenberg.de

http://www.naturschutz.at

http://www.wwf.at

http://www.wolfscience.at

http://www.bundesforste.at

http://www.vjagd.at

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31. Oktober – Militärspartag! (Jedes Kind spart für seinen Wehrdienst)

Sollte es demnächst an Ihrer Haustüre klingeln und draussen steht ein Mann in einer zerloderten Uniform mit goldenem Kragenrevers, so sammelt der nicht etwa für die Heilsarmee, den Blindenverein oder die Caritas!

Es war einst der Slogan der Friedensbewegung: “Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin!” Inzwischen hat sich die Geschichte, haben sich die politischen Umstände geändert und die Bedrohungslage ist eine völlig andere. Waren es damals die Anhänger der Friedensbewegung, die mancherorts steinewerfend (!) gegen die NATO und den Warschauer Pakt auf die Strassen gingen, so sind es heutzutage beinahe schon die Waffenbefürworter. Welch ein Oxymoron übrigens, dass eine Friedensdemo gewalttätig wird und durch die verhassten uniformierten Polizisten wieder zu Ordnung und Frieden gerufen werden muss. Ein Schelm, der behauptet, dass auch der derzeitige NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg damals als norwegischer Jungsozialist schon mal das eine oder andere Transparent gegen seinen jetzigen Arbeitgeber ausrollte. Tja – die Zeiten haben sich geändert, die Menschen an den Hebeln der Macht sind andere geworden. Positiv? Nicht unbedingt! Steht man doch nahezu machtlos der Situation in der Ukraine gegenüber. So traten die meisten ehemaligen Mitglieder des Warschauer Paktes in Europa dem Nordatlantik-Pakt bei, sogar Russland war als Partner bei den Sitzungen vertreten, und dann plötzlich – geschieht das: Ein machthungriger ehemaliger KGB-Offizier will die Wiedergeburt der Sowjetunion mitsamt ihrer damaligen Macht. Zur Umsetzung ist er sich auch nicht zu schade, Töne und Massnahmen des Kalten Krieges wieder aus der Schublade zu holen und die Unabhängigkeitsradikalisten waffentechnisch, personell (angeblicher Ferialjob seiner Soldaten) und mit Knowhow zu unterstützen. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass genau dieser Vertreter der bolschewistischen Arbeiterdiktatur selbst mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln die Unabhängigkeitsbestrebungen der Volksgruppen bekämpfte. Dieses ehemalige Feindbild nun ersteht derzeit wie der Phönix aus der Asche auf – zwar mit einem zehnjährigen Militärbudget, das beispielsweise die USA in nur einem Jahr im wahrsten Sinn des Wortes verpulvern, aber dennoch. Der in Deutschland einst mehr als gefürchtete Satz: “Der Russe kommt!” ist gerade in der Ukraine, aber auch in den baltischen Staaten Estland, Litauen und Lettland und in Polen wieder in aller Munde.
Der NATO-Staat Türkei steht kurz vor einem Krieg mit dem IS. Um dies zu vermeiden, fliegen derzeit die Kampfbomber der Nato-Mitgliedsstaaten Seite an Seite mit Ihren moslemischen Brüdern – und einer hübschen Frau – nahezu im Akkord Angriffe auf die Stellungen des IS. Sollte es nämlich tatsächlich zu einer bewaffneten Auseinandersetzung kommen, müssen alle NATO-Partner Truppen in das Kampfgebiet entsenden – auch Bodeneinheiten. Terror-Anschläge auf der ganzen Welt wären die Folge. Schon dieser Tage stellte die grossformatige deutsche Boulevardzeitung die Frage, ob denn unter den vielen tausend Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak auch IS-Schläfer dabei sind!?
Deshalb hat sich die deutsche Bundeskanzlerin Merkel für das kleinere Übel entschieden: Überwachung der entmilitarisierten Zone zwischen Russland und der Ukraine durch die Bundeswehr und Hilfslieferungen sowie Ausbildungs-Know-How für die nicht zu beneidenden kurdischen Kämpfer. Sollte dann der Hilferuf aus Ankara kommen, sind die zur Verfügung stehenden Soldaten und militärischen Gerätschaften bereits im Einsatz. Und pervers? Pervers ist gerade jene Tatsache, dass der erbitterte Kampf um die kleine syrische Stadt Kobane an der Grenze zur Türkei bis fast zuletzt nicht von der Anti-IS-Allianz unterstützt wurde. Der Grund: Die Kurden, die diese Stadt so lange als möglich hielten, gehen aus der kurdischen Terrororganisation PKK hervor. Die Stadt aber galt als Versinnbildlichung für den Kampf gegen den IS. Was nun folgt ist nurmehr Sache der Militärs, nicht der Guerillas und Widerstandskämpfer.
Aber – apropos Militär. Sowohl die Deutsche Bundeswehr als auch das Österreichische Bundesheer verkümmern derzeit zu einer Lachnummer. Einsparmassnahmen, die schon längst hätten nach und nach in Angriff genommen werden sollen, werden nun in aller Härte und Kürze umgesetzt. Was bleibt da übrig, fragt sich auch so manch altgedienter Oberst! Eine nicht mehr einsatzbereite Truppe, die zu Fuss in die Krisengebiete marschieren muss, da die Transall-Maschinen der Deutschen Luftwaffe aufgrund der nicht eingeplanten Zwischenlandungen weitaus länger brauchen bzw. die Fahrzeuge des Österreichischen Bundesheeres nicht mehr den Anforderungen der Strassenverkehrsordnung und des Kraftfahrgesetzes entsprechen und eigentlich als Sonderfahrzeug zugelassen werden müssten! Na ja – Sprit gibt’s sowieso keinen mehr, da kein Geld zur Verfügung steht. Ich sehe hier schon bildlich den kleinen Rekruten Schubert vor mir, der in den Hotels und Gasthäusern das alte Frittierfett sammelt, damit die auf Speiseöl umgebauten Heeres-Kfz auch zum Übungsort fahren können. Man kann es dann förmlich riechen,, wenn ein Militärfahrzeug vorbeigefahren ist: Es duftet lecker nach Pommes Frittes! Was die oberste Militärführung Österreichs noch im Juni anlässlich meiner damaligen Ausführungen an dieser Stelle heftigst dementierte, findet nun in aller saniererischen Brutalität statt: Personal muss weg, alte Fahrzeuge zum bestmöglichen Preis verkauft, Flugzeuge am besten am Boden und Hubschrauber nicht mehr gewartet, denn: Alles kostet Geld! Geld, das derzeit nicht zur Verfügung steht. Weder zwischen Flensburg und Garmisch, noch zwischen dem Neusiedler- und Bodensee. Zu meinen aktiven Zeiten im Heer mussten die Budgets zu Jahresende noch schnell aufgebraucht, die Posten noch schnell besetzt werden, da sie ansonsten gestrichen wurden. Heute hat sich die Lage insofern geändert, dass Geld so rasch als möglich aufgebraucht werden muss, da davor und danach keines mehr zur Verfügung steht. Verwaltungsapparate, die sich in den letzten Jahrzehnten selbst künstlich aufgebläht haben (ein Hoch der Kanzleiordnung!), fallen nun dem Rotstift zum Opfer. Selbst schuld! Dass dabei auch Misswirtschaft betrieben wird, sollte selbstverständlich sein. Beispiele?
Zwei Liegenschaften stehen in Oberösterreich künftig etwa zum Verkauf: Das Amtsgebäude der Stellungsstrasse in Linz (die Musterungen sollen künftig in Hörsching durchgeführt werden) und die Hiller-Kaserne Linz-Ebelsberg. Zweitere ist übrigens geschichtlich belastet, waren doch während des 2. Weltkrieges in Ebelsberg immer wieder unterschiedliche Teile der SS-Totenkopf-Standarte hier stationiert. Beide Standorte wurden erst im vergangenen Jahr generalsaniert – Millionen hierfür aufgebracht, in Ebelsberg etwa 14 Mio € (Angabe: ORF) – “…die derzeit beste Bausubstanz in Oberösterreich!”, urteilt ein Militär-Experte. Der geschätzte Verkaufserlös: 20 Mio! Ich würde dies als fahrlässigen Umgang mit Steuergeldern bezeichnen, da die Sanierungen und Adaptierungen an anderen Standorten für die Aufnahme der Panzergrenadiere aus Ebelsberg nicht weniger als 10 Mio betragen!!! Macht also summasummarum ein Minus von 4 Mio!!! Auch Landeck in Tirol stand vor der Schliessung. Auch hier wurde erst vor einigen Jahren saniert – einerseits um das Personal für die UNO-Einsätze unterbringen zu können, andererseits um genügend Platz für Personal und Gerätschaften bei Katastropheneinsätzen zu schaffen. Zum Transport dieser Gerätschaften allerdings müssten private Unternehmen angemietet werden, da keine Fahrzeuge mehr zur Verfügung stehen. Landeck und die eine oder andere Schaufel gelten inzwischen als gerettet – für wie lange, steht in den Sternen. Ähnliche Situation auch in Deutschland.
Dieser Tage hat zudem Spiegel Online erstmals in Deutschland über einen Bauwerksfehler am Eurofighter Typhoon berichtet, nachdem eines dieser Geräte des österreichischen Bundesheeres in Innsbruck hat notlanden müssen (hier war es ein defektes Ventil in einem der beiden Triebwerke). Nach Angaben des Herstellers sollen am Rumpf-Hinterteil des Kampfbombers “Herstellungsfehler an einer grossen Zahl von Bohrungen” entdeckt worden sein (die Bohrungen wurden nicht richtig entgrätet). Sei aber nicht weiters tragisch – man solle einfach die jährliche Flugzeit auf 1.500 Stunden festlegen – bislang waren es 3.000! Österreich wurde gar gesagt, dass die Gesamtflugstunden von 6.000 auf nurmehr 2.000 heruntergeschraubt werden sollen. Werkstatt-Rückholung? Bei einem Kampfjet nicht wirklich so ohne weiteres machbar. Deshalb hat die Bundeswehr den weiteren Ankauf dieser Flugzeuge sofort gestoppt. Auch in Österreich gab es heftigste Kritik: Da wurden einige wenige Euro (110 Mio für jeden der 18 Jets – inkl. Lenkwaffen) ausgegeben, um endlich nach den bereits zum Zeitpunkt des Ankaufs museumstauglichen Saab Draken einen geeigneten Nachfolger zu bekommen und nun wird deren Laufzeit um 2/3 verkürzt! Der gegenwärtige Verteidigungsminister schäumt vor Wut – besitzt aber dadurch einen perfekten Aufhänger für seine Sparmassnahmen. Seine bundesdeutsche Kollegin hat es schon weitaus schwerer: Von 109 Kampfjets sind derzeit gerade mal 42 einsatzfähig! Das ist ja weitaus tragischer als zu Zeiten des Kalten Krieges, als die russischen Piloten noch einen Satz Schraubenschlüssel in ihren Suchois und MIGs mitführten! Würde ich gefragt, würde ich darauf antworten: Zurück zum Absender, wenn dieser schon die Herstellungsfehler selbst eingesteht! Haben ohnedies weniger zu tun, da die Aufträge an Rüstungsunternehmen derzeit eklatant zurückgehen und auch Hersteller BAE Einsparungen vornimmt. Bei der Luftwaffe muss zusätzlich mit den vorhin angedeuteten Problemen bei den Transall-Transportern gekämpft werden. In Bulgarien steckte eine Maschine mit Waffen und Decken für die kurdischen Kämpfer im Nordirak fest. Die Maschine mit den Ersatzteilen kam in Deutschland erst gar nicht vom Boden hoch. Afghanistan-Heimkehrer mussten ebenfalls ungewollt zwischenlanden, eine weitere Maschine dieses Bautyps auf Gran Canaria – sie hatte medizinische Ausrüstung für die Ebola-Gebiete Westafrikas an Bord. Bundesverteidigungsministerin von der Leyen macht es inzwischen ebenso wie ihr österreichischer Kollege Klug: Die Probleme haben sich über Jahre hinweg aufgebaut – Namen eines verantwortlichen Vorgängers wollte sie hingegen keinen nennen, kamen sie doch allesamt aus ihrer oder der bayerischen Schwesterpartei! Ganz im Gegenteil bekommt die Dame mit der stahlhelm-resistenten Frisur gar noch Lob aus dem Bundeskanzleramt: “Sie legt die Dinge auf den Tisch, sie schafft einen Überblick über die Lage, wie sie ist!”, so Regierungssprecher Steffen Seibert. Ach ja – auch die Hubschrauber der Marine kommen zu grossen Teilen ebenfalls nicht vom Fleck weg. Neueste Berichte der Tagesschau und des NDR weisen darauf hin, dass für den zivilen Seenotfall in der Nord- UND Ostsee gerade mal ein Seaking-Hubschrauber (stationiert in Niedersachsen) zur Verfügung steht, obwohl immer wieder betont wurde, dass die Aussenstellen stets besetzt sind! Mit Ruderbooten und Trillerpfeifen, oder wie? Na ja – wenigstens können die ebenfalls nicht einsatzbereiten Panzer im Stand schiessen, ähm oder?
Die Lage ist nun sowohl in Deutschland als auch in Österreich dermassen prekär, dass sich bereits pensionierte Generäle zu Wort melden, die allerdings nach den vorher erwähnten Aussagen der beiden Verteidigungspolitiker eigentlich Mitschuld an der derzeitigen Situation tragen. So forderte Harald Kujat die sofortige Aussetzung der Ausgabenkürzungen. Kujat ist nicht irgendjemand, er war der Generalinspektor der Bundeswehr und zudem ehemaliger Vorsitzende des NATO-Militärausschusses. Sein Kollege, der von 1990 bis 99 als Generaltruppeninspektor des österreichischen Bundesheeres tätige Karl Majcen enthält sich ebenso wie seine wesentlich kürzer dienenden Vorgänger und Nachfolger derzeit noch seiner Meinung. Dafür schiesst die Offiziersgesellschaft aus vollen Rohren: Das Militär sei nicht mehr einsatzfähig! Weder für militärische noch für Einsätze bei Katastrophen.
Liest man sich den Prüfbericht zu den neun grössten Rüstungsprojekten der Deutschen Bundeswehr durch, kommt einem das grosse Heulen. In diesen 50 Seiten hochbrisanten Materials steht etwa geschrieben, dass “eine Optimierung des Rüstungsmanagements… dringend und ohne Verzug geboten ist!” Der Bericht, erstellt durch die Unternehmensberatung KPMG, der Ingenieursgesellschaft P3 und der Kanzlei Taylor Wessing kommt zu dem Schluss, dass der Bund in Sachen Kosten-, Termin- und Leistungsziele durch die Industrie auf’s Kreuz gelegt wurde und nach wie vor wird. Notfalls müsse das Recht auch eingeklagt werden. Der Auftrag für diese Expertise stammt von Frau von der Leyen persönlich. Sie kämpft nun den Kampf ihres Lebens – um ihr persönliches Image und evt. der Nachfolge von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Hielten viele die “Hand Merkels” als passende Besetzung für diesen Job, so revidierte inzwischen so manch einer seine Meinung. Von der gross angelegten Bundeswehrreform ist deshalb schon lange keine Rede mehr. Jetzt geht es um die Korrekturen, die diese Reform der Herren zu Guttenberg und de Maizière hinterliess. So wurde das Milliardenloch Drohnen geschlossen, um nun in leicht veränderter Form wieder aufgemacht zu werden. Munitionsbestellungen werden durchgeführt, obwohl die alte Munition noch gar nicht aufgebraucht wurde. Nach Berichten der FAZ stiess der Bundesrechnungshof anno 2011 auf einen Bevorratungsbedarf von 28 Mio Patronen Gewehrmunition des Kalibers 7,62 x 51 – gleichzeitig aber lagerten offenbar noch Restbestände im Wert von 116 Mio € – davon dürften nach eigenen Angaben inzwischen 40 % nicht mehr verwendbar sein – Wert: 46 Mio €! Das österreichische Militär hingegen verballert seit Jahren diese alte Munition bei grossen Schiessparties! Auch wurden von den bundesdeutschen Militärs Gehälter falsch abgerechnet, obwohl der Bundesrechnungshof schon vor Jahren auf diesen Missstand etwa bei der Auslands-Verwendungszulage hingewiesen hat.
Übrigens: Hat man etwa in Österreich zuviel Personal, so fehlt es in Deutschland an allen Ecken und Enden. Vornehmlich bei den Rekrut(en)-innen. Deshalb machte Frau Minister einen Schritt nach vorne und wollte vermehrt die Frauen in’s Boot holen, da nach wie vor nur rund 10 % der Bundeswehr weiblich ist. Und das 14 Jahre nach deren Öffnung für beiderseitigen Geschlechts. Doch – verzeihen Sie mir bitte – mit einer solchen himmelschreienden Kampagne? Da muss man doch den Eindruck bekommen, dass die verantwortlichen Posten aufgrund der Dienstjahre, weniger wegen des Könnens und Wissens besetzt wurden. Noch ärger: Eine Werbeagentur hat das alles im Auftrag verbrochen! Da wurde ein Küchentuch gezeigt, das so vielfältig einsetzbar sein sollte wie eine Frau bei der Bundeswehr! Klischée? Mitnichten! Die Gender-Beauftragten dachten bereits an Suizid, schliesslich ging es bei der Kampagne um gutes Aussehen und Shopping! Da wäre der Kollege aus dem Panzer nebenan sicherlich genauso überrascht, wie jener Pilot eines Tankflugzeuges, als ihm ausgerechnet aus einem Jet der Vereinigten Arabischen Emirate eine weibliche Stimme entgegenfunkte. Die jahrelange Arbeit wurde mit einem einzigen Online-Bild binnen Sekunden zerstört. Die Kampagne wurde übrigens einen Tag später bereits wieder eingestellt – im Ministerium spricht man inzwischen von Rufschädigung und rechtlichen Schritten! Auch die entsprechende Seite www.frauen-in-der-bundeswehr.de wurde vom Netz genommen – es erscheint an deren Stelle die offizielle Seite der Bundeswehr. Eine sündhaft teure Werbeaktion, für deren Geld sicherlich die eine oder andere Wartungsstunde einer Transall-Maschine sinnvoller eingesetzt werden könnte, damit man sich bei der gemeinsamen Ebola-Luftbrücke mit dem französischen Nachbarn nicht bis auf die Unterhosen blamieren muss.
Gleiches gilt übrigens auch für Österreich. So hat der sozialdemokratische Verteidigungngsminister eine Imagekampagne gestartet. Positiv: Das Image und damit auch die Moral der Truppe sind am Boden zerstört! Negativ: Die Kosten! Negativ auch, dass dies in den Boulevard- und SP-nahen Gratiszeitungen investiert wurde. Beim Heer heisst es, dass das Geld mit Sprit wesentlich besser investiert hätte werden können. Offiziere und Unteroffiziere mucken lauthals auf, sollen doch etwa bis 2018 rund 80 Mio € in den Journaldiensten, Überstunden und Belohnungen eingespart werden. Und noch etwas: Angeblich gibt es eine Weisung aus dem Ministerbüro, wonach Anzeigen nur in den Boulevardblättern Krone und Österreich, sowie in der Gratiszeitung Heute geschaltet werden dürfen. Für was besteht dann noch eine ministerielle Kommunikationsabteilung, die den Steuerzahler nicht weniger als 3,5 Mio € per anno kostet, wenn das Ganze wie offenbar üblich österreichisch-politisch gelöst wird? Machen sich in diesen Zeitungen solche Inserate besonders bezahlt???

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Die wahren Helden

Diese heutigen Zeilen möchte ich all jenen Menschen widmen, die als Ersthelfer nahezu täglich versuchen, Leben zu retten und dabei nicht selten ihr eigenes riskieren! Feuerwehrleute, Rettungssanitäter, Polizisten – sie sind für mich die wirklichen, die wahren Helden!

Ich packte an diesem 11. September 2001 gerade meine sieben Sachen,, da ich einen Tag später dienstlich unterwegs war, als plötzlich meine damalige Freundin anrief und meinte, dass ich den Fernseher einschalten solle. Die Bilder, die sich mir dort boten, waren schrecklich. Ein Linienflugzeug ist bereits in einen der beiden Tower des World Trade Centers in New York gekracht. Dicker Rauch stieg auf. Den Crash des zweiten Flugzeuges bekam ich live auf CNN mit. Unfassbare Augenblicke – auch als die beiden Tower der Last nicht mehr stand hielten und zusammenbrachen. All das ging als 9/11 bzw. Ground Zero in die Geschichte ein. Tausende Rettungskräfte standen zu diesem Zeitpunkt bereits im Einsatz – an vorderster Front die Feuerwehrleute des NYFD, der New Yorker Feuerwehr. Ohne ihre mutige Hilfe unter Lebensgefahr wäre die Zahl der bei diesem schrecklichen Terroranschlag umgekommenen Menschen mit ziemlicher Sicherheit noch höher ausgefallen. 343 Firefighters überlebten diesen Tag nicht – viele sterben auch heute noch an den gesundheitlichen Folgen.

Erst vor kurzem wieder – am gleichen Tag – drei nicht einmal 60 Jahre alte Männer, die damals am Ground Zero eingeteilt waren und ihren Dienst versahen. Inzwischen sind nicht weniger als 850 Feuerwehrleute und andere Helfer von damals an Krebs verstorben. Zehntausende erkrankten in den Jahren danach an Atemwegs- oder Hauterkrankungen bzw. an anderen Krankheiten, wie dem Krebs. So beispielsweise auch der erst 34-jährige James Zadroga, Der Streifenpolizist im Stadtteil Greenwich war nach der Nachtschicht gerade auf dem Heimweg, als das erste Flugzeug in den Tower raste. Insgesamt verbrachte er rund 500 Stunden danach am Ground Zero, teilweise bis zu 16 Stunden am Tag. Er verstarb an Staublunge. Mit 38 Auszeichnungen zwar hochdekoriert, doch konnte das Police Department die Krankenhauskosten nicht mehr tragen. Sein Tod wurde kurz erwähnt, danach ging alles wieder den gewohnten Gang. Asbest, Dioxin und andere giftige Stoffe wurden eingeatmet – die meisten waren sich dessen gar nicht bewusst. Auch die Bevölkerung Manhattans klagt seit dem Einsturz der Twin Tower über Probleme mit der Atmung. Im Jahr 2003 wurde das WTC-Register in’s Leben gerufen, das sich mit den Spätfolgen von 9/11 beschäftigt. So sollen nicht weniger als 410.000 Menschen unmittelbar von diesem Terroranschlag betroffen sein. Darunter nicht weniger als 91.000 Feuerwehrleute, Rettungskräfte und freiwilligen Helfer. Drei Studien haben hierzu bereits stattgefunden. Die meisten Befragten gaben Atemwegserkrankungen (wie Asthma) oder posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) an. Ein Sozialfonds zahlte bereits über 25 Mio Dollar aus, damit Krankheits- und Klinikkosten getilgt werden konnten. Denn – freiwillig heisst freiwillig. Viele Berufsunfähigkeits- oder Pensions-, aber auch Krankenversicherungen wollen deshalb hiermit nichts zu tun haben. Auch wenn jährlcih am Ground Zero eine Gedenkfeier für die Opfer stattfindet, auch wenn am 11. September jedes Jahr all ihre Namen verlesen werden, auch wenn viele danach posthum geehrt wurden – sie riskierten dabei ihr Leben! Das Risiko der Ersthelfer.
Als die ersten Meldungen von Tschernobyl in den Nachrichten zu hören waren, nahmen in Mittel- und Westeuropa nicht viele Menschen davon Notiz. Auch ich nicht. Ich hatte gerade erst mit dem Studium in Innsbruck begonnen. Somit galt mein Interesse mehr der Fachliteratur als solchen Ereignissen. Erst als es hiess, dass Kinder nicht in Sandkisten spielen, Wild und Pilze möglichst nicht verzehrt werden sollten und mein Studienkollege nach einem Gletscher-Skitag vom Dermatologen behandelt werden musste, erst ab diesem Zeitpunkt registrierte ich, dass dort im Osten etwas Schlimmes passiert sein musste. Am 26. April 1986 explodierte in dem Ort im Norden der Ukraine der Reaktorblock 4 des Kernkraftwerkes nach der Simulation eines völligen Stromausfalles.

Insgesamt 600.000 Feuerwehrleute, Soldaten und Fachleute wurden dort in den Wochen danach durch die sowjetische Regierung im wahrsten Sinne des Wortes verheizt. Die Männer der Werksfeuerwehr, die den brennenden Reaktor löschten, 28 junge Menschen mit Zukunftsplänen, starben aufgrund der hohen Strahlendosis nach nur wenigen Tagen. Viele der restlichen, sog. “Liquidatoren” in den Jahren danach. Sie mussten die Dekontaminationsarbeiten durchführen. Die Anzahl jener, die sich jedes Jahr am Moskauer Friedhof treffen um der damaligen Kollegen zu gedenken, wird immer kleiner. Die meisten von ihnen starben an Krebs oder Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehen von rund 4.000 tödlichen Krebserkrankungen aus, die in unmittelbarem Zusammenhang mit den Erstmassnahmen und Aufräumungsarbeiten von Tschernobyl stehen (Bericht aus dem Jahr 2005). Andere hingegen sprechen von zehnmal so vielen Todesopfern. Jene, die es bis heute schafften, haben meist ein Martyrium an Operationen hinter sich. Allerdings werden sie – im Vergleich zu New York – wie Kriegsverteranen behandelt und haben dadurch wenn auch nur kleine, so doch einige Vorteile. Übrigens – damals gelangten mehrere Trillionen Becquerel in die Atmosphäre. In dem schwedischen Atomkraftwerk Forsmark, 1.200 Kilometer entfernt, wurde zwei Tage nach der Explosion automatischer Strahlungsalarm gegeben – Messungen auf der Bekleidung der Mitarbeiter hatten erhöhte Strahlungswerte ergeben! Es war die Strahlung aus Tschernobyl! Isotope wie etwa 137Cs und 131I gelangten auch bis in unsere Breiten. Während zweiteres eine Halbwertszeit von acht Tagen hat, geistert das Isotop 137Cs nach wie vor herum – es hat eine Halbwertszeit von 30 Jahren. Über die weltweiten Langzeitfolgen für Mensch und Tier streiten sich auch heute noch die Gelehrten! Vor einigen Wochen hörte ich hierzu einen deutschen Kernphysiker, der u.a. der Inspektorenriege der IAEO angehörte. Er berichtete etwa, dass in einem Atomkraftwerk in Russland die Schalter mittels Streichhölzer fixiert waren.
Als am 27. Februar 2010 vor der chilenischen Küste ein Seebeben stattfand, dachte noch niemand daran, dass es eine der schwersten Naturkatastrophen des südamerikanischen Kontinents werden könnte. Das Epizentrum befand sich rund 105 km von der Stadt Concepcion entfernt. Es hatte eine Magnitude von 8,8 MW. Das Beben und der anschliessende Tsunami kostete 521 Menschen das Leben, mehr als 12.000 wurden verletzt, 56 vermisst, der Sachschaden belief sich auf zirka 30 Milliarden US-Dollar. Das Beben, dessen Zentrum 35 km unter der Erdoberfläche lag (US-Geologiebehörde USGS), war das weltweit sechststärkste seit Beginn der Aufzeichnungen. Die zirka 70 Nachbeben hatten jeweils eine Stärke von zumindest 4,9, einige waren stärker als 6,0. Erdbeben kommen in Chile immer wieder vor, da sich hier die ozeanische Nazca-Platte unter die südamerikanische Festlandplatte schiebt. Dies führte etwa auch zu einem Beben im Mai 1950, das eine Magnitude von 9,5 aufwies – das stärkste Erdbeben, das jemals gemessen wurde. Damals starben 1.655 Menschen Durch den Tsunami wurden gar auf Hawaii, Japan und den Philippinen weitere 61 Personen getötet. Rund 2 Mio Menschen waren im Jahr 2010 betroffen: Gebäude sind eingestürzt, Strom-, Wasser- und Kommunikationsnetze ausgefallen bzw. unterbrochen. Hinzu kamen 300 entflohene Häftlinge aus dem Gefängnis von Chillan. Das Beben war im eintausend Kilometer entfernten Sao Paulo/Brasilien ebenfalls zu spüren. Auch in Chile standen Ersthelfer im Einsatz. Menschen, die in den zusammengefallenen Häusern nach Verletzten und Toten suchten, dabei nicht selten ihr eigenes Leben riskierten. Auch 14.000 Soldaten wurden eingesetzt – einerseits um zu helfen, andererseits um die Plünderungen zu stoppen und für Ruhe zu sorgen. Die Such- und Abbrucharbeiten der Ruinen oder überschwemmten Häüser verursachten ebenfalls viele gesundheitliche Spätfolgen der Helfer – die aber freilich nirgendwo mehr erwähnt werden. Übrigens: Nach Berechnungen der US-Weltraumbehörde NASA wurde die Erdachse durch das Beben um 8 Zentimeter verschoben und die Erdrotation beschleunigt.

Immer wieder kommt es aufgrund von Unachtsamkeit oder Vorsatz zu riesigen Waldbränden in Californien. Sei es nun durch ein Lagerfeuer von Campern im Nationalpark oder schlichtweg durch Idioten, die den Brand absichtlich legen, damit sie im Naturschutzgebiet bauen können. Durch die auch in diesem Sommer wieder vorherrschende Dürre kann nur eine einzige weggeworfene Zigarette eine Katastrophe auslösen. Erst Mitte September kämpften tausende sog. “Fire Fighters” und “Smoke Jumpers” gegen die Feuerhölle im nordkalifornischen Bezirk Siskiyou. 12 Waldbrände drohten auf bewohntes Gebiet überzugreifen. Auch wenn die rund 6.000 Feuerwehrleute aus der Luft unterstützt wurden, stehen sie meist nur mit Axt, Brandklatsche und Schaufel den lodernden Flammen gegenüber, da das Gelände entweder zu unwegsam ist oder schlichtweh das Löschwasser fehlt. Tausende Menschen mussten evakuiert werden; sind die Flammen durchgezogen, standen sie am Trümmerhaufen ihrer Existenz. Windböen entfachen immer wieder die Glutnester. Die Feuerwalze zerstörte nahezu 152 Hektar Fläche. Dabei war dieser Brand nicht mal der gefährlichste. Im Februar/März des Jahres 2009 wüteten im australischen Bundesstaat Victoria alles zerstörende Buschfeuer. Bei der bisher grössten Brandkatastrophe von Down Under wurden rund 430.000 Hektar zerstört, eine Fläsche, die zirka 1,7 mal grösser als das Saarland ist. Nicht weniger als 173 Menschen und zigtausende von Tieren kamen um’s Leben. Viele wurden von der Feuerwalze überrascht, starben bei Verkehrsunfällen oder den Versuchen, ihre Häuser zu retten. Auch viele Feuerwehrleute überlebten diesen Einsatz nicht. 60 Einzelfeuer brannten mehr als 1.800 Häuser nieder und machten tausende Menschen obdachlos. Bei all diesem Leid sorgte das Video von der Rettung des Koala-Weibchens Sam, das vom Fire Fighter Dave Tree in einem vollig nidergebrannten Eukalyptus-Wald gefunden wurde, für Tränen der Hoffnung in den Augen.

In Australien werden viele Buschfeuer durch die Ureinwohner, die Aborigines gelegt, damit sie besser jagen können. Auch an diesem 7. Februar – dem mit 48 Grad Celsius heissesten Tag seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen, ergaben die Ermittlungen der Polizei, dass noch nach dem Ausbruch des Grossfeuers weitere Brände gelegt wurden. Von wem, das ist nach wie vor unbekannt. Diese Brände sind deshalb dermassen gefährlich, da das staubtrockene Material meist wie Zunder brennt und durch Windböen immer wieder entfacht bzw. angetrieben wird. Waldbrände gehören eigentlich zum Erneuerungsprozess der Natur (“natürliche Sukzession des Waldes”). Allerdings sind nur rund 5 % der Brände in Europa natürlichen Ursprungs – durch etwa Blitzschlag! Erst der Mensch hat durch seine Eingriffe in die Natur solche Feuer dermassen gefährlich gemacht. Nadel-Monokulturen haben einen wesentlich trockeneren Boden als Misch- oder Laubwälder. Und solche Waldbrand-Bekämpfer haben einen der gefährlichsten Jobs: So kann beispielsweise die Brandschneise eines Bodenbrandes (im Vergleich zum Wipfelbrand) durch einen Funkenflug überwunden und die Löschtruppen dadurch eingeschlossen werden. Waldbrand-Löschaktioen in unseren Gegenden werden aus der Luft durch Flugzeuge der Deutschen Löschflugzeug-Rettungsstaffel und in Österreich dürch Hubschrauber des Bundesheeres unterstützt. Alle Daten von Waldbränden werden in der Zweigstelle des Max-Planck-Instituts, dem Global Fire Monitoring Center in Freiburg im Breisgau zusammengetragen.
Sie sehen also, dass die grössten Katastrophen in der Menschheitsgeschichte meist durch Menschenhand entstanden sind. Sei es durch Fahrlässigkeit oder Vorsatz, durch falsch verstandene Sparmassnahmen, durch zu wenig Vorausschau, durch Boshaftigkeit oder auch blossen Nichtwissens. Die Leidtragenden sind die vielen Ersthelfer und Einsatzkräfte, aber auch Freiwilligen, die ihre Freizeit, ihren Urlaub opfern um helfen zu können und dabei nicht selten dem Tod in’s Auge schauen oder mit einer schweren Krankheit belohnt werden. Es ist nicht wirklich jener, der aus der Stratosphäre in Richtung Erde springt, jener der mit der blossen Faust zehn Ziegel durchschlägt oder jener, der den Geschwinfigskeitsrekord auf dem Boden bricht – das sind in meinen Augen vielfach Wahnsinnige, die mit ihrem Adrenalinhaushalt nicht mehr zurecht kommen.

Nein – die wahren Helden sind jene, die ihr Leben für andere Menschen riskieren! Ihnen gebührt meine grösste Hochachtung und Dank!!!

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