Archive for November, 2014

ND – Das treibt zum Wahnsinn

Hinweis:
Dieser folgende Blog dient der Information über eine Krankheit, die nicht ansteckend ist. Die Inhalte sind nicht für die Erstellung einer Selbstdiagnose oder gar einer Selbsttherapierung durch Medikamente vorgesehen. Sollten Sie erkrankt sein, ziehen Sie bitte den Arzt Ihres Vertrauens hinzu.

In meinem bislang doch noch recht kurzen Leben, hatte ich insgesamt dreimal das zweifelhafte Vergnügen der Bekanntschaft mit einer unerlässlichen Hilfe der medizinischen Akut-Versorgung: Des Gipses! Zweimal nach einem Bänderriss (bedingt durch mein Studium) und einmal nach einem Biking-Unfall wurde mein rechtes Knies in Mitleidenschaft gezogen. Wer jemals einen derartigen Ruhigsteller mit sich mitschleppen durfte, der weiss, dass es unerträglich sein kann – gerade im Sommer – wenn der Juckreiz den Betroffenen befällt. Aus diesem Grunde haben Rekonvaleszente zumeist auch stets ein langes Lineal als Problemlöser dabei.
Viele unter Ihnen werden nun wahrscheinlich sagen: Mein Gott – was will er uns nun mit seiner Krankengeschichte sagen!?
Ganz einfach: Stellen Sie sich nun mal bitte vor, dass Sie aus irgendeinem, unerfindlichen Grund nicht kratzen dürfen, wenn es juckt! Alter Schwede – welch’ Höllenqual! Jetzt sind wir genau dort, wo wir gemeinsam mit diesem heutigen Blog hin wollen: Bei einer Hauterkrankung, die zwar nicht ansteckend ist, die Betroffenen aber in den Wahnsinn treiben kann – die Neurodermitis!
Zumeist liegt es ganz simpel an einer zu trockenen Haut, die zu jucken beginnt. Tja – wenn es denn auch wirklich so einfach wäre! So kann eine Heilung meist erst dann vollzogen werden, wenn die Ursache dafür, nicht die Symptome bekämpft wurden. Auch jetzt, wenn die Temperaturen wieder um den Gefrierpunkt zu stehen kommen, wird die Haut an exponierten Stellen sehr trocken und beginnt zu jucken. Die Lösung ist einfach: Nach jedem Duschen am besten mit einer Feuchtigkeitscrème oder einer Lotion einreiben. Dermassen einfach aber haben es jene Personen nicht, die unter dem sog. “Atopischen Ekzem”, der Neurodermitis leiden. Schliesslich können solche Crèmes das Ganze noch verschlimmern. “Atopisch” bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das Immunsystem des Menschen auf an sich harmlose Auslöser “überschiessend” reagiert. Und Kratzen? Das führt zu Entzündungen! Ergo: Diese Menschen sind wandelnde Pulverfässer, die jederzeit zu explodieren drohen. In diesem Blog möchte ich etwas über die leider nach wie vor sehr unterschätzte Krankheit aufklären.
Das Wort “Neurodermitis” selbst stammt von einem Irrtum: Bis zum 19. Jahrhundert glaubten viele Mediziner, dass diese Hauterkrankung durch eine Fehlfunktion der “Neuronen”, also der Nerven hervorgerufen würde. Dies ist allerdings inzwischen widerlegt. Korrekt wäre deshalb die Bezeichnung “endogenes oder atopisches Ekzem”. Bilder bzw. Darstellungen aus längst vergangenen Zeiten zeigen auf, dass die Menschen bereits in der Antike mit der Erkrankung zu schaffen hatten. Etwa Kaiser Augustus. Jedoch wurden derartige Hautentzündungen bis in’s 19. Jahrhundert hinein als Erscheinung einer anderen, weitaus schwereren Erkrankung diagnostiziert. Medizinisch wird zwischen einem intrinsischen und einem extrinsischen Typus unterschieden. Während die zweite Sorte erhöhte IgE-Antikörper-Werte im Blut aufweist, sind diese beim intrinsischen normal. Hier bilden sich nur leichte Symptome aus, da sie sich auch mit anderen Allergien nicht verbinden (Kreuzreaktion).
Das Krankheitsbild ist geprägt durch rote, schuppende Ekzeme auf der Haut, die zudem stark jucken. Jedoch nicht am ganzen Körper. Diese sog. “Prädilektionsstellen” finden sich zumeist in den Kniekehlen, den Armbeugen sowie in Hals- und Gesichtspartien. Ähnlich wie bei manchen Stoffwechselerkrankungen erfolgt der Verlauf schubweise. Die Krankheit ist zwar nicht heilbar – jedoch zeigen verschiedene Behandlungsmethoden recht gute Erfolge. So etwa werden die betroffenen Stellen mit entzündungshemmenden und feuchtigkeitsspendenden Salben äusserlich behandelt. Es werden also die Symptome bekämpft – nicht die Ursachen, da nach wie vor weitestgehend unklar ist, welche Faktoren Neurodermitis tatsächlich auslösen. Und – wer jetzt denken sollte, dass die Krankheit ja ohnedies sehr selten ist, dem sei hiermit erwähnt, dass in Deutschland bis zu 15 % der Kinder bis zur Einschulung erkranken. Die Symptome klingen bei den meisten bis zur Pubertät ab – rund 1,5 – 3 % der Erwachsenen allerdings müssen ihr Leben lang damit auskommen. Die Tendenz zeigt nach oben: Im Vergleich zum vorhergehenden Jahrhundert beobachten Dermatologen einen vier- bis sechsfachen Anstieg. Wieso ist nach wie vor ungeklärt, wobei sicherlich die Umweltfaktoren nicht ganz auszuschliessen sind. So besagt etwa die “Hygienehypothese”, dass die zunehmend steriler werdende Umgebung dafür verantwortlich sein könnte. Das Immunsystem bekommt bei seinem Kampf gegen Bazillen, Viren, Pilze und sonstigen Erregern (“Trigger” bzw. “Provokationsfaktoren”) immer weniger zu tun, wird dadurch auch anfälliger für Allergien. Dass diese in den letzten Jahren stark zugenommen haben, ist allseits bekannt.
Der individuelle Krankheitsverlauf macht es den Experten nicht wirklich einfach, die tatsächlichen Ursachen zu bestimmen. Vor allem bei den vorhin bereits angesprochenen Prädilektionsflächen kommt die Wissenschaft derzeit nicht weiter. Wieso wird nicht der ganze Körper, sondern nur gewissen Stellen befallen? Werden etwa die Informationen der Proteine zeitversetzt gelesen? Es dürften somit die unterschiedlichesten Faktoren zusammenspielen und dadurch das Krankheitsbild sehr komplex werden lassen. Auch psychische Hintergründe können nicht ganz ausgeschlossen werden.
Genetiker sind der Überzeugung, dass ein Gendefekt den Schutzmechanismus der Haut insofern stört, als bestimmte Strukturproteine (“Filaggrin-Protein”) fehlen. Dadurch wird das Bollwerk “Haut” durchlässig für Umweltgifte, Gase, Erreger oder auch dem eigentlich zur Hautflora zählenden lipophilen Hefepilz Malassezia und dem Herpes-Virus.
Bei Neurodermitiker könnte zudem das Enzym Delta-6-Desaturase seine Arbeit nicht richtig erledigen. Es wandelt eigentlich die durch die Nahrung aufgenommene Linolsäure zu Gamma-Linolen-Säure um. Diese wiederum ist eines der Hauptbestandteile unseres Hautfetts, welches das grösste Organ im menschlichen Körper, die Haut, geschmeidig hält. Fehlt es, kommt es zu einer vermehrten Verhornung.
Gehen wir nun von einer äusserlichen Ursache aus, so kann ein Schub durch etwa eine lokale Entzündung ausgelöst werden. Aufgrund eines solchen Defektes werden Zytokine ausgeschüttet, die Entzündungszellen (etwa T-Zellen) rekrutieren. Parallel dazu wird der Antikörper IgE produziert, der durch die Haut eindringende Allergene binden soll. Nun beginnt der komplette biochemische, körpereigene Kreislauf zur Bekämpfung dieser Entzündung. In dessen Verlauf werden immer mehr T-Zellen produziert, die sich negativ auf die Keratinozyten (Zellen der Epidermis, die die Verhornung der äussersten Hautschicht vorantreiben) auswirken. Das führt zu einem immer schlechter werdenden Schutzmechanismus der Haut. Zudem treten Antiautogene aus den Zellen aus, die zu einer Kreuzreaktion mit den Allergenen von aussen führen können. Neurodermitis ist also eine Erkrankung des menschlichen Immunsystems. Deshalb plagen Erkrankte auch neben der Hauterkrankung die typischen Allergie-Symptome: Niessen, tränende Augen, rinnende Nase bis hin zu Husten. Solche Reaktionen werden etwa durch die Bakterien Staphylococcus aureus und auch Pilze wie Pityrosporum ovale bzw Candida albicans hervorgerufen, die bei gesunden Menschen durch die Haut bzw. das Immunsystem ohne Probleme unbrauchbar gemacht werden, bei Menschen mit Neurodermitis jedoch zu einer Entzündung führen können. Auch der eigene Schweiss kann dabei durchaus eine Rolle spielen.
Kratzen führt zu weiteren Hautirritationen und begünstigt somit die Entzündung. Der Juckreiz ist zumeist in der Nacht am stärksten, wodurch der Betroffene zudem nicht schlafen kann. Das führt zu einem grossen Schlafdefizit und verbunden damit einem enormen physischen und pschychischen Leistungsabfall, was sich wiederum ungünstig für das Immunsystem auswirkt. Es ist also ein circulus vitiosus – ein Teufelskreis!
Bei den inneren Auslösern besteht ebenfalls ein noch sehr grosses Informationsmanko. Die Medizin geht inzwischen jedoch auch von Nahrungsmittelallergien, Alkohol und psychischem Stress aus, die Neurodermitis hervorrufen können. Hier kann einem neuerlichen Schub auch am ehesten entgegengearbeitet werden. Doch eines nach dem anderen:

- Nahrungsmittel
Nahrungsmittelallergien etwa gegen Milch und Milchprodukte, Eier, Nüsse, Soja, Weizen sind vornehmlich bei Kleinkindern und Säuglingen für den Ausbruch der Krankheit verantwortlich. Als Erwachsener wissen doch die meisten von ihrer Allergie und meiden Lebensmittel, die diese Allergene beinhalten. Allerdings wurde inzwischen herausgefunden, dass histaminhaltige Speisen und Getränke den Juckreiz verstärken und scharfe oder saure Speisen zu Hautirritationen führen und damit die Ekzembildung verschlimmern können.
- Aeroallergene
Die typischen Allergene Haussstaub, Pollen und auch Tierhaare können ebenfalls das Immunsystem auf Vordermann halten, die dann wesentlich härter aufprallen als bei normalen Allergikern
- Zigarettenrauch, Dieselabgase, Ozon
- Bekleidung
So blöd dies nun klingen mag, gibt es das dennoch: Das Reiben der Bekleidung kann zu einer Irritation der Haut führen. Je gröber nun die Fasern des Stoffes sind, desto grösser ist diese mechanische Einwirkung. Auch kann das Ganze durch eine Unverträglichkeit mit den Stoffen selbst herrühren. Nicht jeder beispielsweise verträgt Schafswolle oder so manchen synthetischen Stoff.
- Schweiss
Bei einem Hitzestau unter der Bekleidung oder starker körperlicher Arbeit bzw. auch bei starker psychischer Belastung stösst der Körper Schweiss aus, um dadurch die Körpertemperatur zu regulieren. Somit kann also durchaus auch der eigene Schweiss als Verursacher einer Entzündung nicht wirklich ausgeschlossen werden.
- Psychosomatische Ursachen
Auch das ist wieder ein Teufelskreis. Psychische Belastungen können das Krankheitsbild immens beeinflussen; zugleich aber wirken die meist sichtbaren Hautentzündungen nicht gerade positiv auf das Selbstbewusstsein, da die Betroffenen von anderen Menschen gemieden werden. Kommt dann noch das Kratzen als negatives Verhaltensmuster hinzu, verschlimmert dies die Lage der Patienten zusehends.

Wie bereits beschrieben, flachen die Symptome bei den meisten Erwachsenen ab – nurmehr kleine Sonderformen lassen erkennen, dass ein Mensch an Neurodermitis leidet, wie etwa:

- Hautrisse an den Ohrläppchen, den Mundwinkeln oder den Fingerspitzen
- Kleine juckende Hautknoten (Prurigoknötchen)
- Ekzeme der unteren Augenlider (etwa bei Pollen- oder Nahrungsmittelallerigie oder mechanischem Reiben)
- Ekzeme an den äusseren Geschlechtsteilen
- trockene schuppige Haut der Handflächen und Fusssohlen
- zu stark oder zu wenig stark pigmentierte Haut uvam.

Krankheitssymptome können beispielsweise sein:
- trockene Haut (Sebostase)
- eine doppelte Lidfalte (Dennie-Morgan-Falte)
- weisser Dermographismus (beim Kratzen bilden sich nicht rote, sondern weisse Streifen auf der Haut)

Der Mediziner führt zu Beginn der Behandlung einen Allergietest durch um auf die Auslösefaktoren zu gelangen. Danach müssen durch eine sog. “Differentialdiagnose” andere Krankheiten ausgeschlossen werden. So können beispielsweise auch Stoffwechselerkrankungen zu ähnlichen Erscheinungsbildern führen. Weiters wären zu nennen:

Schuppen- oder Ringelflechte an den Händen oder Füssen
Andere Ekzeme (Kontaktekzeme oder mikrobielles Ekzem)
Krebserkrankung des lymphatischen Systems
Krätze (Scabies)
Das seborrhoisches Ekzem beim Säugling

Anschliessend wird die Intensität der Neurodermitis überprüft. Schliesslich wird eine individuelle Therapie eingeleitet, da eine allgemeine bei dem einen vielleicht helfen kann, während sie das Krankheitsbild bei dem anderen verschlechtert oder ein erneuter Schub nicht mehr darauf anspricht. Durch die sog. “Basispflege” mittels “Öl-in-Wasser-Emulsionen” soll die Haut wieder stabilisiert werden. Auch Ölbäder oder nasse und kalte Umschläge werden verwendet. Dann geschieht häufig die Zugabe von Harnstoffpräparaten, da dieser Wasser und damit Feuchtigkeit in der Haut bindet. Eine ähnliche Funktion haben die Salbenzusätze Johanniskraut, Zink oder Dexpanthenol. Auch infektionshemmende Salben werden meist verschrieben, damit Erreger bekämpft werden können. Hier ist jedoch grösste Vorsicht bei einer eventuellen Selbstmedikamentierung geboten. Schliesslich kann das falsche Präparat die Entzündung gar noch verschlimmern. Derartige Therapien sollten niemals abrupt beendet werden, da es ansonsten zu einem Rückfall kommen könnte. Vermehrt werden auch Intervall-Therapien empfohlen. Dabei wird die medikamentenfreie Basispflege mit der Behandlung mit Wirkstoffen abgewechselt. Sind die Schübe hingegen besonders schwer, erfolgt eine Kortisonbehandlung (kann nach dem Beenden der Kur ebenfalls zu einem noch stärkeren Schub kommen) oder es wird Cyclosporin verwendet, ein sog. Immunsuppressiva, das aus den norwegischen Schlauchpilzen gewonnen wird. Da hierbei jedoch schwere Nebenwirkungen wie etwa Nierenschädigung einher gehen können, wird die Therapie eher selten angewendet.
Parallel dazu wird immer eine Änderung der Lebensumstände umgesetzt. Besteht eine Nahrungsmittelallergie, sollte das Allergen in der Nahrung nicht mehr aufgenommen werden. Haare waschen am Abend und Fenster schliessen in der Nacht hilft Pollenallergikern. Bei einer Hausstauballergie sollte eine möglichst staubfreie Athmosphäre geschaffen werden (häufiges Lüften, keine Teppiche, Gardinen oder Pflanzen). Milben etwa könnten durch spezielle Bett- oder Matratzenbezüge ausgeschaltet werden. Allergieauslösende Stoffe oder zu grobe Materialien sollten durch weiche ersetzt werden (etwa Leinen durch Baumwolle), nachts beispielsweise besonders bei Kindern Baumwollhandschuhe übergezogen bzw. Fingernägel extrem kurz geschnitten werden. Milde Waschmittel bzw. das Weglassen von Weichspüler könnte auch schon helfen. Zu häufiges und heisses Duschen trocknet zudem die Haut aus – auch bei der Wahl der Duschbäder sollte Rücksicht auf die Erkrankung genommen werden (neutraler ph-Wert). Bei manchen Betroffenen hilft auch die Bestrahlung durch ultraviolettes Licht (Höhensonne). So wirkt das langwellige UVA1-Licht entzündungshemmend – führt jedoch in einer solch hohen Dosierung zu einer schnelleren Alterung der Haut (Lederhaut). Teilweise wird auch gepulstes blaues Licht eingesetzt, das eine Zunahme der Lymphocyten bewirken kann. Auch ein Aufenthalt am Meer oder im Hochgebirge (“Reizklima”) führt in sehr vielen Fällen zu einer Linderung der Beschwerden. Die Luft ist hier weniger stark mit Allergenen wie beispielsweise Pollen belastet. Bei manchen Betroffen half zudem die Beigabe von Vitamin D und E.
Grundsätzlich jedoch sollte der Abbau von Stress erfolgen. Wie bei sehr vielen anderen Krankheiten dürfte diesem psychischen Druck höchstwahrscheinlich die grösste Ursachen-Bedeutung zukommen. Stress – egal ob beim Laufen oder bei der Arbeit – sollte stets vermieden und eine Alternative für das ständige Kratzen gefunden werden, so beispielsweise durch autogenes Training, Entspannungstechniken oder vielleicht auch Yoga. Ausgeglichenheit und inneres Wohlbefinden sollten künftig das Leben beeinflussen.
Ich würde zusätzlich empfehlen – sofern die Krankheit nicht soweit fortgeschritten ist, dass sie medizinisch behandelt werden muss: Führen Sie ein Protokoll. Notieren Sie, auf was Sie mal für eine ganze Woche verzichten. Sollte keine Besserung auftreten, können Sie das wieder mit in’s Boot holen (Weizenmehl, Schwitzen, Kleidungsstücke, …) und zum nächsten übergehen. Sollte hingegen eine Besserung eintreten, so haben Sie dadurch ohne aufwendige ärztliche Hilfe eine der möglichen Ursachen für Ihre Erkrankung gefunden und können gegenwirken. Auch ein “Kratztagebuch” zeigt ihnen in anderer Richtung auf, was Sie künftig meiden sollten. All diese Tipps werden beispielsweise bei Neurodermitisschulungen durch Mediziner, Psychologen und Ernährungs- oder Diätberatern durchgeführt.
Auch die Homöopathie hat hier natürlich einige Ratschläge parat, deren tatsächliche Wirkung aber nicht immer wissenschaftlich bestätigt ist. So ist etwa Gamma-Linolensäure im Nachtkerzen- oder den Borretsch-Samenöl enthalten. Dadurch soll die Produktion des Hautfettes unterstützt werden (siehe weiter oben). Schwarzkümmelöl soll entzündungshemmend sein und Salben mit Vitamin B12 gut in der Neurodermitis-Therapie wirken. Lidocain kann gegen das Gift der Staphylokokken helfen, die eine derartige Entzündung auslösen können. Sie sehen also – das Wort “soll” ist verdammt häufig in diesen Sätzen zu finden: Diese Mittelchen sind nicht wissenschaftlich bestätigt, auch wenn sie nach Angaben der Hersteller garantiert wirken. Andere wiederum schwören auf Akkupunktur!
Das Risiko, anfällig für diese Krankheit zu sein, wird von den Eltern auf die Kinder übertragen, wobei es recht hoch ist: 35 % bei einem Elternteil, 66 % bei beiden (bei keinem immerhin noch 15 %). Deshalb sollten bereits im zarten Babyalter erste Massnahmen gesetzt werden – der Kinderarzt oder Allergologe hilft Ihnen hier gerne weiter. Es kann jedoch auch mit dem Beruf zusammenhängen. Gefährdet sind jene Jobs, die viel mit Wasser, Reinigungs- oder Desinfektionsmitteln bzw. chemischen Produkten zu tun haben (Bäcker, Friseur, Landwirt, Maurer, Schlosser,…). Die betroffenen Menschen haben zudem ein erhöhtes Risiko, auch an anderen atopischen Krankheiten, wie Asthma oder Heuschnupfen zu erkranken. Interessant jedoch ist, dass die meisten Schübe im Herbst und Winter auftreten. Schlummern kann Neuordermitis in jedem von uns, bei dem einen tritt es auf, bei dem anderen nicht.

Lesetipps:

“Atopisches Ekzem im Kindesalter – Neurodermitis. Das zeitgemäße Management”; Dietrich Abeck; Steinkopff Verlag, Darmstadt 2001, ISBN 3-7985-1307-4.
“Dermatologie und Venerologie”; Peter Fritsch; Springer Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-540-00332-0, S. 195.
“Handbook of atopic eczema. Chapter 2: The History of Atopic Eczema/Dermatitis”; Johannes Ring; Springer, Berlin / Heidelberg / New York 2006, ISBN 3-540-23133-1

Links:

www.neurodermitisschulung.de/
www.atopischedermatitis.com
www.neurodermitisportal.de/
neurodermitis.net/
www.neurodermitis.ch/
www.neurodermitis-hautwissen.de
www.derma.de
www.oegdv.at
www.derma.ch
www.dgaki.de/
www.bzga.de

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Abgezockt – so oder so

Schon Grossmuttern meinte jedes Jahr, wenn sie ihren Enkeln zum Geburtstag oder Weihnachten einen kleinen aber feinen Geldschein in die Hand drückte: “Spare in der Zeit, so hast Du in der Not!” Wie recht sie doch hatte – damals! Schliesslich wäre ohne den unbändigen Sparwillen der Bevölkerung so manches nicht machbar gewesen. Und jene, die immer wieder betonen, dass Geld rotieren muss, werden zum ersten Mal dann sehen, was es bedeutet auf Rücklagen zurückgreifen zu können, wenn sie sich verspekuliert haben. So mancher musste raschestmöglich veräussern, wenn die Kriegskasse nicht gefüllt war. Doch – die Zeiten haben sich geändert! Sparen wird inzwischen sogar bestraft – mit negativen Sparzinsen. Etwa bei der Privatbank Altenburger Skatband mit -0,25 %! Wie meint es der Ökonom und Fondsmanager Max Otte gegenüber der Deutschen Presse Agentur:

“Der klassische Sparer ist am Arsch!”

Na, na, na Herr Otte – welch rüde Ausdrucksweise! Was des einen Freud’, ist des anderen Leid. Während sich jene Menschen angesichts der niedrigsten Zinsen freuen, die jemals seit Gründung vieler Kreditinstitute verrechnet werden, ärgern sich jene Bürger, die brav jeden Euro zur Bank gebracht haben, denn der ist dort auf Tages- oder Festgeldkonten bzw. auch bei Euroanleihen wohl nicht gerade am gewinnbringendsten angelegt. Bei einem Zinssatz von 0,5 % kassiert Vater Staat über die Kapitalerstragssteuer munter mit. Was übrig bleibt, ist ein Klacks! V.a. dann, wenn wie in Österreich die Inflation in der Höhe von 1,6 bis 1,8 % miteinberechnet wird (in Deutschland 0,8 % im Oktober). Dann nämlich schauen die meisten Sparer so richtig dumm aus der Wäsche. Und nun überlegen sich so einige Privatbanken, aber offenbar auch die Deutsche Bank, ob sie nicht Strafgebühren auf bestimmte Spareinlagen erheben sollen. Alter Schwede – da überlässt man einem Geldinstitut das, was nach einem harten Arbeitstag übrigbleibt, damit dieses damit arbeiten kann, schliesslich ist es der Job seiner Experten und somit auch deren Ausbildung, fremdes Geld bestmöglich anzulegen, zu verwalten, und dann so etwas. Wurden bislang schon alle möglichen Gebühren verrechnet, so schlagen diese Strafzinsen doch wohl dem Fass den Boden aus. Sie resultieren aus der Tatsache, dass die Europäische Zentralbank 0,2 % Zinsen verlangt, sollte ein Bankinstitut bei ihr kurzfristig Geld “parken”. Dies wird von manchen Geldinstituten an die Kunden weiterverrechnet. Der Usus betrifft somit vornehmlich Grosskunden. Nicht alle Banken haben die Einführung solcher Negativ-Zinsen im Auge. So haben die Sparkassen und die Commerzbank dies etwa zurückgewiesen. Auch in Österreich wurde dies lautstark dementiert! Vorerst! Denn, wer weiss, wie im Alpenstaat Zither gespielt wird, der weiss auch, dass derlei Negatives zuerst zurückgewiesen wird, um dann klammheimlich eingeführt zu werden. Hier ist guter Rat teuer, denn auch Banker fallen schnell um, wenn es um ihren Arbeitsplatz geht.
Doch welche Alternativen gibt es zum Sparbuch? Die mit Scheinen gefüllte Matratze? Leere Flaschengebinde? Gold? Immobilien? Aktien? Staatsanleihen? Risikogeschäfte? Sie können diese Auflistung über einige Seiten hinweg fortsetzen und werden wohl nicht auf die richtige Anlageform für kleine und mittlere Vermögen kommen. Europa rutscht nach und nach in die Deflation. Nachdem die Zinsen nicht mehr in der Lage sind, die Inflationsrate auszugleichen, führt dies zu einem Sinkflug der Kaufkraft. Ökonomen sprechen von einer Grössenordnung von 2-3 % minus (nach Angaben der Commerzbank rund 170 Milliarden € bis 2018 – nur in Deutschland!). Das wirkt sich wiederum auf die Wirtschaft aus. Auch Lebensversicherungen und langfristige Spar-Modelle sind hiervon betroffen. Banken ziehen sich von vorher versprochenen Fixzinsen zurück, da ansonsten das grosse Negativ-Geschäft droht. Und – wer den Geldsektor kennt, dem ist bekannt, dass “minus” ein mehr als ungern gehörtes Reizwort in dieser Branche ist.
Also – es muss an Lösungen gefeilt werden. Immobilien in der Stadt? Nicht erschwinglich! Auf dem Land? Keine Wertsteigerung zu erwarten! Edelmetalle? Gold beispielsweise hat seinen Höhenflug schon vor einiger Zeit beendet. Es hiess sogar, dass man die Finger davon lassen solle, da es rapide sinkt. Aktien? Der letzte Börsencrash ist erste einige Jahre her, die Kurse fielen in den Keller. Hier sind gute Nerven und eine ausgezeichnete Kenntnis der Märkte das A und O damit Gewinne gemacht werden können. Und die Zusage von Fonds, dass langfristige Aktieneinlagen Gewinne abwerfen, auch wenn Berg- und Talfahrten dazwischen weggesteckt werden müssen? Ich sehe es an meinem Fonds: Ich muss wohl froh sein, das Geld, das ich all die Jahre reingesteckt habe, wieder rauszubekommen. Experten raten derzeit zu globalen Aktienfonds mit einer zusätzlichen Absicherung durch Edelmetalle. Ah ja – also eine Mischkulanz aus zwei eher unsicheren Faktoren.
Betrachten wir uns nun einige wenige Möglichkeiten, wie der ahnungslose Sparer/Anleger gelinkt werden kann.
Aktiensparen! Hierbei können Sie Einzelaktien oder Teile davon (“gestückelt”) erworben werden. Die fälligen Dividenden werden anteilsmässig eingebucht. Allerding schnabuliert der Anbieter recht gut mit. Pro Sparrate von etwa 100,- € fallen bis zu 3 € Gebühren an. Einzig die Direktbank Ing. Diba bietet die 30 deutschen DAX-Aktien noch bis Ende 2014 zum Nulltarif an. Hier empfiehlt sich somit ein längerer Sparintervall – anstatt des monatlichen Kaufes evt. den quartalsmässigen oder noch besser halbjährlichen Ankauf in der zusammengerechneten Summe durchzuführen. Auch wenn die prozentuelle Gebühr hierbei steigt, bleibt jene für die Sparrate bei 2,50 €, womit also im Halbjahr alleine aufgrund dessen rund 12 € eingespart werden konnten. Wichtig ist zu beachten, dass mehrere Titel erworben werden sollten. Etwa eine Versicherung, ein Autohersteller und ein Energieversorger. Denn – bei nur einem Titel ist das Risiko, damit Verlsute einzufahren, sehr hoch. Zudem gilt es zwischen rasant, mittel und langsam zu unterscheiden. Bei rasant ist mehr Gewinn möglich, dafür aber auch das Risiko wesentlich höher. Somit sind langsame Titel als Absicherung in dieser Mischkulanz vielleicht nicht das Schlechteste.
Energiewirtschaft? Mei lieber Schorle – bei so manchen durchaus positiven Modellen kann das Geld schneller weg sein, als es eingezahlt wurde. Bestes Beispiel sind die Windparks, die, einer nach dem anderen, vom Winde verweht werden. Das Volk will zwar vermehrt auf grünen Strom aus erneuerbaren Quellen zurückgreifen, doch solche Windräder vor der Tür, oder auf den Bergen? Nein – das geht schon mal gar nicht. Somit konzentriert sich doch wieder alles auf den deutschen Norden mit u.a. seinen Offshore-Windparks; wo alles jedoch mit grossen Risiken verknüpft ist. So sind die Stromtrassen in den Süden noch lange nicht gegessen und ausserdem kosten die Leitungen im Meer einen Riesenbatzen Geld. Wind – wäre zwar schön gewesen – aber: Nein danke! Sonnenenergie? Au ja – das ist gut. So ist die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Hauses schnell installiert. Sicherlich sind es hohe Erstbelastungen für die gutgehütete Geldtasche, doch dafür lohnt es sich dann durchaus. Auch hier sind die goldenen Zeiten allerdings vorbei, als hohe, da subventionierte Preise für die kWh Sonnenstrom bezahlt wurden. Damals ging es also vermehrt um das Einspeisen des produzierten Stroms. Das hat sich grossflächig geändert. Nun steht die Selbstversorgung im Mittelpunkt. Wird zudem mehr produziert, als monatlich verbraucht wird, hat es sich ausgezahlt. So hat sich eine solche Anlage nach 15-20 Jahren amortisiert! Wenn die Lebensdauer überhaupt so lange gewährleistet ist. Schliesslich sind inzwischen nurmehr ganz wenige heimische Anbieter auf dem Markt vertreten, die meisten wurden durch den Billigmarkt aus China in die Knie gezwungen. Anlagen aus dem Reich der Mitte jedoch werden meist für den Verkauf hergestellt, nicht für den Erhalt. Ergo tut sich Max Müller schwer, auch über den gut sortierten Fachhandel Ersatzteile aufzutreiben. Und dann kommt da noch etwas hinzu: Die Sonnensteuer! Manche werden nun lauthals auflachen: Sonnensteuer – was für ein Blödsinn! Jenen, die informiert sind, ist aber das Lachen schon längst vergangen. Die sog. EEG-Umlage beläuft sich derzeit in Deutschland auf 6,24 Cent/kWh. Ökostromanlagen müssen nun bis 2017 40 Prozent des Regelsatzes als Soli bezahlen – dies macht nicht weniger als 2,5 Cent aus. Die rentabelsten PV-Anlagen sind somit jene, die den eigenverbrauchten Strom erzeugen und zusätzlich noch etwas zur Weitergabe. Lässt sich einfach erklären: Für den selbst-erzeugten und verbrauchten Strom fallen die ganzen Zusatzzahlungen weg: EEG-Umlage, KWK- und NEV-Umlage, Konzessionsabgabe, Netzentgelt, Offshore-Haftungsumlage und Stromsteuer. Macht summasummarum in deutschen Landen nicht weniger als 19 Cent pro kWh aus. Somit lohnt sich für den Einzelnen nicht die Abgabe in das öffentliche Stromnetz (da die Einspeisevergütung gefallen ist), sondern die Erzeugung des Eigenverbrauchs und damit der geringere Zukauf von teurerem Fremdstrom. Je mehr aber ihren eigenverbrauchten Strom selbst erzeugen, desto mehr muss bei den verbleibenden Haushalten, die diese Möglichkeit nicht haben, abkassiert werden, damit dies ausgeglichen wird. Dadurch nun, dass derartige PV-Dächer meist nur auf den Eigenverbrauch ausgelegt werden, bleibt die restliche Dachfläche ungenutzt, die jedoch für die Energiewende benötigt würde. Gleiches gilt natürlich auch für die inzwischen so trendigen Kleinkraftwerke. Sie arbeiten meist nicht so effizient wie die weitaus grösseren der Kommunen, die aber aufgrund der vielen Insellösungen nurmehr auf halber Kapazität laufen. Eine Tatsache, die das Warmwasser oder den Strom deutlich verteuert. Deshalb soll nun der eigenverbrauchte Strom besteuert werden, damit weitaus mehr in das öffentliche Netz eingespeist werden kann. Soll heissen, dass die potentiellen Erzeuger solcher Lösungen gezwungen werden sollen, grösser zu bauen, damit mehr abgegeben werden kann als selbst verbraucht wird. Volkswirtschaftlich gesehen gut, für den Häuslebauer schlecht. Schliesslich will er ja weitestgehend autark sein und sich dadurch viel einsparen. Gibt er nun etwas ab, so sollte dies unter der Zuverdienstgrenze liegen, da er ansonsten Einkommensteuer und Sozialversicherung bezahlen muss. Somit ist also die Investition in solche PV- oder KWK-Anlagen für den Sparer sinnlos. Auch wenn die deutsche Bundesregierung vorerst die Bagatellgrenze auf zehn Kilowatt Leistung festgelegt hat. Da liegt ein Einfamilienhaus von der Fläche der PV-Panelen locker drunter. Allerdings hat auch die Einspeisevergütung aufgezeigt, wie schnell sich das ändern kann. Diskutiert wird jedenfalls bereits darüber. Und dann muss für das, was selbst erzeugt und verbraucht wurde, Steuer bezahlt werden. Damit amortisieren sich diese PV-Anlagen über weitaus längere Zeit nicht mehr. Auf bestehende Anlagen sollte das alles noch nicht angewandt werden, heisst es aus Berlin – allerdings wollte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) auch diesen Besitzern den Stempel aufdrücken. Also – auch das ist noch lange nicht garantiert.
Immobilien? Seit die Immobilienblase damals in den USA geplatzt ist und für ein weltweites Desaster am Finanzsektor sorgte, gilt eine Grundregel: Investiere niemals in unbekannte Immobilien! Nach wie vor werden Immobilien zu hoch eingeschätzt. Ereilt dem Ganzen dann das Schicksal einer Seifenblase, steht der Investor mit einer halb verfallenen Bauruine da, wobei das Grundstück ohne dem daraufstehenden Haus oder was auch immer, wesentlich mehr wert wäre. Zudem kommt hinzu, dass nach wie vor Menschen ohne Ahnung vom Fach – aber auch sehr viele Betrüger in diesem Sektor tätig sind. Eine der bislang grössten Pleiten in diesem Bereich ist gar nicht mal so lange her. Bereits 2006 berichtete das Management-Magazin über mögliche Verluste der Anleger im Fundus-Fonds 29, der 1994 aufgelegt wurde. Grund: Die Gutenberg-Galerie des Big Players Anno August Jagdfeld in Leipzig wurde massivst abgewertet. Die Kreditbanken forderten ihr Geld zurück, da die Sicherheiten fehlten. Den etwa 1.000 Investoren dieses geschlossenen Fonds drohte der Verlust all ihrer Einlagen in der Höhe von nahezu 56 Mio €, da der Verkauf der Galerie wesentlich weniger als die Einlagen bringen würde. Wer hätte das gedacht, gehören doch dem Unternehmen Fundus u.a. auch das Adlon Hotel in Berlin und das Fünf-Sterne-Ressort Heiligendamm an der Ostsee. Eine Gewinn-Ausschüttung war bis zu diesem Zeitpunkt nur Wunschdenken. 5 Jahre später platzte ein Immobilienfonds der Postbank anlässlich der Fussball-WM in Südafrika. Rund 150 Kunden der Bank hatten in den Bau eines angeblichen Hotels im Gastgeberland investiert. Das Geld aber versickerte dort irgend wohin – nur nicht in Hotelbetten. Schaden: 2,5 Mio €! Die Postbank selbst hatte den Fonds 2010 erworben – also nicht selbst gegründet. Fehler der Bank: Bereits 2009 gab es vorort einen Streit um die Eigentumsrechte. Trotzdem hatten die Geldmanager den Fonds erworben und auch weiterverkauft. Ende der 90er Jahre wurde der Holland XV-Fonds der Hanseatischen Kapitalberatungsgesellschaft für Immobilien (HCI) gegründet. Mit seiner Hilfe sollten Bürogebäude in Amsterdam finanziert werden. Ein Landwirt aus Österreich hatte sein ganzes Erspartes quasi als Pensionsvorsorge in diesen Fonds gesteckt. Zwischen 1999 und 2011 erhielt er auch rund 41.000 € an Zinsausschüttungen. Als die Vermietungen der Büros in’s Stocken gerieten, zog sich die finanzierende Bank 2011 zurück. Der Bauer wurde alsdann aufgefordert, diese 41.000 € wieder zurück zu bezahlen – es handle sich dabei um Liquiditätsausschüttungen an einen Kommanditisten, die zurückgefordert werden können. Für den Bauern und viele andere entstand ein Schaden in sechsstelliger Höhe. Das deutsche Handelsblatt bezeichnete die geschlossenen Immobilienfonds anlässlich dieser Pleite als “die schlechteste Geldanlage der Welt”! So können die Anleger bei einer Insolvenz über die sog. “Nachschusspflicht” zur Kasse gebeten werden. Daneben sind die Auszahlungen eines solchen Fonds “Gewinnausschüttungen”. Hat nun der Fonds gar keine Gewinne gemacht, können diese, wie im Falle des Landwirtes, rückgefordert werden. Im schlimmsten Falle haftet der Anleger mit all seinem Vermögen. Übrigens kommen zudem Steuerrückzahlungen an Vater Staat hinzu. Aber auch bei offenen Immobilien-Fonds sollte man stets auf der Hut sein. 2012 stürzte eine Pleitewelle sehr viele dieser Fonds in den finanziellen Keller. Ein Jahr später waren aber weitere 54 Milliarden Euro alleine in Deutschland in solchen Fonds gebunkert. Grund: Schlechte Beratung! Weshalb diese offenen Fonds absturzten ist einfach erklärt: Die Manager rechnen mit der vollen Höhe des Geldes des eingerichteten Fonds. Ziehen sich nun vermehrt Investoren zurück, geraten diese Manager in finanzielle Schwierigkeiten. Sie müssen Immobilien verkaufen. Seit dem Platzen der Immobilien-Blase und dem Konkurs der Lehman-Bank in den USA weiss jeder, dass Immobilien genau begutachtet werden. Ein rascher Verkauf erzielt also nicht unbedingt den Marktpreis der Immobilien. Na ja – alles andere ist bekannt.
Eines muss ganz klar bei all diesen Sparvarianten erwähnt werden: Die Banken trifft all das zwar schwer – die Sparer jedoch noch wesentlich mehr! Was man also wo anlegen soll, wenn man an die tristen staatlichen Pensionen denkt, sollte genauestens überdacht werden. Perfekt wäre etwas, das im Wert steigen wird: Briefmarken, Kunst, aufstrebende Musiker oder Autoren (Beteiligungen),… Ich finde etwa auch die Hoffinanzierung recht gut: Ein Landwirt wird finanziell unterstützt, die Auszahlung erfolgt dann in Naturalien. Da weiss man dann stets, dass die landwirtschaftlichen Produkte aus der Region kommen. Ausser der Bauer zieht gerne mal die Krawatte um und liebt den Smalltalk am Spieltisch. Er greift dann zu den Billigprodukten der Diskonter und geht irgendwann pleite! Wieder durch die Finger geschaut. Am besten ist es, sich noch eine zweite, zusätzliche Meinung einzuholen. Auch ich liess mich anlässlich eines Hausbaus vom Finanzdienstleister AWD beraten (eines von insgesamt drei Beratungsgesprächen), nachdem wir bereits im Vorfeld aussortiert hatten. Gottlob habe ich mich dann gegen ihn entschieden! So – damit muss ich nun schliessen – ich kaufe noch etwas Leergut als Kapitalanlage für meine Pension!

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Gesundes Aufwachsen – darunter verstehe ich etwas anderes!

Das nenn’ ich doch mal Fürsorgepflicht, was die Damen und Herren aus Brüssel nun wieder beschlossen haben. Klar – es ist für den Konsumenten ein Schritt in die richtige Richtung, doch werden sich so manche bei ihrem wöchentlichen Einkauf künftighin einen Tag lang Zeit nehmen und eine gute Leselupe mitbringen müssen. Mit dem 13. Dezember tritt die Allergen-Kennzeichnung in Kraft. Somit müssen ab diesem Datum in Lebensmittel enthaltene Stoffe, die Allergien auslösen können, auf den Verpackungen deutlich hervorgehoben sein. Hierfür gibt es zudem einen speziellen Code, der verwendet wird. Das ganze gibt’s dann sozusagen als Post Scriptum zur bereits bestehenden Lebensmittelkennzeichnungspflicht. Kein Wunder, dass die Verpackungen inzwischen wesentlich grösser als die eigentlichen Produkte sind. Gleiches gilt übrigens auch für lose Ware, wenn der eine oder andere das auf diese Weise umgehen möchte. Alles andere obliegt dem “mündigen Verbraucher”!
Doch – was machen inzwischen die unmündigen? Jene, die entweder nicht lesen können oder noch auf das angewiesen sind, was ihnen Mama und Papa einzutrichtern versuchen und das so ganz und gar nicht schmeckt? Hier hängt es von dem Bewusstsein der Eltern ab: Schenken sie den Sprüchen der Werbung ihren Glauben oder vielleicht doch besser dem, was die nette Ernährungsberaterin von nebenan empfiehlt!? Nein – keine Bange – ich werde nun nicht in’s schlechte Gewissen reden und den grossen Kleinkind-Erziehungslehrmeister hervorkehren, da ich aus eigener Erfahrung weiss, dass viele Eltern sich hier nicht reinreden lassen wollen. Ich will nur aufzeigen, was in so manchen Breis, Tees und Folgemilchprodukten enthalten ist, das nicht einmal ein Erwachsener in Betracht ziehen würde zu kaufen, geschweige denn zu essen oder trinken!
Einer hat es mir hier ganz besonders angetan. Er steht für jede Produktneuheit aus seinem Hause mit seinem Namen. Oder auch nicht – aus seinem Hause! Denn im Jahre 2012 wurde ein garantiert nicht nachgesüsster Tee beworben. Laboruntersuchungen jedoch haben aufgezeigt, dass der Löffel vor lauter Zucker beim Umrühren nahezu stecken blieb. Daraufhin wurde der Satz: “Dafür stehe ich mit meinem Namen!” aus der Werbung herausgenommen und die Werbung kurze Zeit später gänzlich eingestellt. Das Produkt, das in einem Tochterunternehmen gefertigt wurde, ist dann schliesslich vom Markt genommen worden. Ein grosser Erfolg der Organisation foodwatch, die dies aufdeckte. Das Kind benötigt nämlich den zusätzlichen Zucker gar nicht. Er macht jedoch den Tee schmackhafter – das Kleine wird davon abhängig und will keinen anderen mehr trinken. Ernährungsexperten raten schon seit Jahren, dass Kleinkinder Tee nur ungesüsst trinken sollten. Zucker (Mono- oder Saccharide) ist nämlich sowohl im Brei, als auch im Obst oder dem Brot enthalten. Auch die Stärke (Polysaccharide) wird im Körper in Zucker umgewandelt. Das ist für das Baby mehr als genug. Zudem erhalten Kinder oftmals Süssigkeiten als Belohnung (hoffenlich nur als Belohnung – nicht wie im Falle einer meiner Bekannten: Anstelle der Mahlzeiten!). Übrigens: In diesem Granulat-Tee waren umgerechnet 2 Stück Würfelzucker zu jeweils rund 2,6 g Zucker pro 0,2 Liter-Tasse enthalten. Das jetzt vermarktete Ersatzprodukt desselben Unternehmens wird mit getrockneten Früchten gesüsst und kommt somit auf einen Zuckergehalt von rund 0,5 g pro Tasse. Im Vergleich dazu:

- 6 Würfel im Kinderjoghurt
- 12 Würfel in 0,33 l Cola
- 35 Würfel in 0,5 l Ketchup
- 40 Würfel in 200 g Gummibärchen
- 87 Würfel in 400 g Nuss-Nougat-Crème

Zucker macht müde und antriebslos, sorgt für verstärkten Pilzbefall im Darm und schädigt die Milchzähne schon während deren Entstehung. Ein Erwachsener benötigt pro Tag nicht mehr als 55-65 g Zucker (bei durchschnittlicher Bewegung).
Aber – bleiben wir doch noch etwas beim Tee! Eine WISO-Untersuchung kam im Oktober zum Ergebnis, dass in einigen Bio-Pflanzentees für Babies krebserregende Pflanzengifte (Pyrrolizidinalkaloide PAs) enthalten sind. Sie wurden in zeitweise sehr grosser Dosis nachgewiesen. Das deutsche Bundesamt für Risiko-Bewertung (BfR) betont in diesem Zusammenhang, dass diese PAs nicht unterschätzt werden sollten – sie sind sehr gefährlich. Beim Erwachsenen ebenso wie – und hier natürlich noch viel mehr – beim Kleinkind oder dem Ungeborenen. Somit ist also mehr Bio drin, als tatsächlich erwünscht. Doch kommt dieses Pflanzengift nicht etwa von der Kamille oder den Hagebutten selbst, sondern über das ebenfalls abgeerntete Unkraut, wie etwa dem Kreuzkraut, das auch bei vorsichtiger Handernte versehentlich mitgezupft wird. Und nun wird’s noch krasser: Das BfR meint, dass ALLE Teesorten belastet seien, weshalb die Lebensmittel-Spezialisten eine Nulltoleranz in Lebens- und Futtermitteln fordern. Etwas besser das Ergebnis der zuvor angesprochenen Studie: 15 Tees (darunter alle Instant-Tees) waren unbelastet, zwei jedoch sehr hoch. Die beiden Sünder (nach Angabe WISO):
.) Sonnentor/Sonnenkind Babytee Bio-Bengelchen
1935 µg/kg – 2,9 µg/Tasse
.) Alnatura, Baby Kräuter-Tee
700 µg/kg – 1,4 µg/Tasse
(Durch die Nennung der beiden Produkte und Hersteller bin ich meiner Informationspflicht nachgekommen!, Anm. des Schreiberlings)
Im ersten Produkt war die Konzentration so hoch wie in allen anderen Teest zusammen – siebenfach über dem Grenzwert für Erwachsene! Durchaus interessant übrigens, dass der Fencheltee des zweiten Herstellers nicht belastet ist. Im zweiten Produkt wird der Grenzwert für Erwachsene (bei regelmässigem “Genuss”) bereits bei einer Tasse um das Dreifache überschritten. Wie nun wirkt und was v.a. bewirkt dieses PA? Der physiologische Apparat des kleinen Erdenbürgers besitzt noch keine Entgiftungsfunktion. Somit wird das Pflanzengift im Körper angereichert. Bei längerer und gleichbleibend hoher Dosierung können die Gifte dieser sog. “Beikräuter” die Entstehung eines Lebertumors begünstigen. Im konventionellen Anbau werden solche Beikräuter durch Pestizide beseitigt – zurück aber bleiben wiederum Rückstände dieser Pflanzengifte, weshalb viele Eltern in dem Glauben, ihrem Baby Gutes zu tun, zu den Bio-Produkten greifen. Alle vier betroffenen Hersteller haben übrigens die Produkte nach der Veröffentlichung der Studie vom Markt genommen. Die geforderten Grenzwerte wurden bislang immer wieder vom deutschen Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zurückgewiesen, da “das Problem nicht an nationale Grenzen festzumachen isr”! Hier beruft man sich auf die EU.
Wechseln wir zu den Joghurts. Für die meisten Kleinkinder sind diese ein mehr als leckeres Schmackofatz. Mütter greifen gerne in das Kühlregal, da sie der Meinung sind, dass diese Molkereiprodukte auch der Darmflora ihrer Kleinen durchaus gutes tun. Über Sinn und Unsinn der Joghurts habe ich an dieser Stelle schon mal geschrieben. Einer der wohl grössten Hersteller, ein Lebensmittelkonzern aus Frankreich, der auch die angeblichen Abwehrkräfte-Verbesserer verkauft, weitet nun seine Aktivitäten nach einem Bericht des deutschen Handelsblattes (31.10.2014) auch nach China aus. So wurde ein 25 %-Anteil an der Molkerei Yashili erworben. Kosten dieses Deals: 437 Mio €! Dadurch soll v.a. der Markt für Babynahrung in China verstärkt beschritten werden. Doch – was geschieht, wenn der Konzern die Eingebung hat, dass die dort produzierten Produkte günstiger hergestellt werden können als etwa im Werk in Mecklenburg-Vorpommern? Der chinesische Haupt-Gesellschafter Mengniu geriet zuletzt vermehrt wegen verunreinigter Milchprodukte in die dortigen Schlagzeilen. Dies sorgte wiederum auch in Deutschland für Lieferengpässe bei Milchpulver, da jene Chinesinnen, die es sich leisten konnten, lieber auf ausländische Produkte zurückgegriffen haben. Ach ja – und da waren doch auch – vor noch gar nicht allzu langer Zeit – Gefrier-Erdbeeren aus China, die hierzulande zu einer Magen-Darm-Epidemie führten. In diesem Zusammenhang möchte ich auf die guten Tipps der Verbraucherschützer hinweisen, die immer wieder davor warnen, Lebensmittel aus China zu verwenden, da hier ganz andere Hygiene- und Verpackungsvorschriften gelten, wenn solche überhaupt bei der Produktion in Betracht gezogen werden.
Apropos Milch: Natürlich ist die Muttermilch die wohl gesündeste Variante für den Säugling. Manchmal aber geht dies aus physiologischen Gründen nicht mehr oder die Mütter stillen bereits nach zwei Monaten ab. Eine Studie in Bayern zum Stillverhalten zeigt in dieser Zeit den stärksten Rückgang auf (von 95 auf 70 %). Also – es muss auf Ersatzprodukte zurückgegriffen werden. Die Zeitschrift ÖKO-TEST hat anno 2011 21 in Drogerien erhältliche Anfangsnahrungen untersuchen lassen. Auch dieses Ergebnis war mehr als nur enttäuschend. Das beste Produkt erhielt ein “befriedigend”. Verantwortlich dafür ist das raffinierte Öl, das in allen Produkten enthalten ist – zumindest Reste der 3-MCPD-Fettsäure-Ester. Diese werden im Körper zu 3-MCPD umgebaut, die bei Tierversuchen zu einer Veränderung der Nierenkanälchen und in weiterer Folge bei hohen Dosen zu gutartigen Tumoren geführt haben. Öle liefern wichtige Fettsäuren, die das Kleinkind benötigt. Raffinierte Öle aber sind gefährlich. Inzwischen haben die Produzenten Anstrengungen unternommen, um den Gehalt dieser 3-MCPD, aber auch jenen der Glycidyl-Fettsäure-Ester zu senken. Letzterem wird nachgesagt, dass es ebenfalls krebserregend ist. In den meisten Kindermilch-Produkten fehlt Calcium (wichtig für den Knochenbau) – dafür enthalten viele unter ihnen auch die so trendigen prä- und probiotischen Mehrfachzucker (Galactoo­ligosacchariden) oder Milchsäurebakterien, die ja angeblich die Darmfunktion unterstützen sollen. Eine Behauptung, die niemals wirklich nachgewiesen werden konnte. Soweit übrigens auch das Resultat einer Labor-Studie im Auftrag von Stiftung Warentest. Eine Untersuchung hatte nämlich ergeben, dass Kinder mit Neurodermitis weniger Milchsäurebakterien im Stuhl haben als im Vergleich dazu ihre nicht allergenen Zeitgenossen. Somit ging man davon aus, dass Allergien durch solche Prä- und Probiotika ausgeschlossen oder gar bekämpft werden könnten. Der Markt bleibt innovativ, schliesslich ist er millionenschwer, wenn auch unnötig: Experten empfehlen ab dem 1. Lebensjahr anstelle dieser Milchpulverchen fettarme Kuhmilch (1,5 %). Übrigens – ein im wahrsten Sinne des Wortes – heisser Tipp zum Abschluss: Erwärmen Sie diese Folgemilch- oder Ersatz-Produkte niemals in der Mikrowelle, da hier heisse Stellen in der Milch entstehen können, die Sie erst durch starkes Schütteln wieder herausbekommen und sich somit das Kleine beim Trinken verbrühen könnte.
Stiftung Warentest hat anno 2008 Baby-Gläschen untersucht, insgesamt 15 sog. “Fertigmenüs mit Fleisch”. Alle haben enttäuscht, da vornehmlich Vitamin C und auch Fett fehlten. Derartige Babybreis werden den meisten Säuglingen bereits ab dem 5. Monat gereicht und helfen beim Abstillen. Dementsprechend sollten die Produkte all das beinhalten, was dem Baby bisher die Muttermilch geboten hatte: Fett, Vitamine, Mineralstoffe, Kohlehydrate und Ballaststoffe. Doch war dies bei den untersuchten Produkten leider nur Wunschdenken. Ernährungsexperten und Kinderärzte empfehlen pro Menü rund acht Gramm Fett – in den meisten Gläschen sind allerdings nur vier bis sechs Gramm enthalten: Das Kleine bleibt somit hungrig! Auch fehlen Vitamin C und Eisen. Eisen ist wichtig für das Wachstum, Vitamin C wichtig für die Verarbeitung des Eisens. Positiv sollte erwähnt werden, dass in dieser Testreihe alle Fertigprodukte keimfrei waren. Auch Pilze, Pestizide oder andere Gifte oder Verunreinigungen wurden nicht gefunden. Durch das lange, steril machende Kochen gingen allerdings auch die Vitamine flöten.
Finger weg von den Kinder-Früchteriegeln! Die Hauptbestandteile dieser Kalorien-Bomben sind Obladen und v.a. Saftkonzentrat sowie getrocknete Früchte. Damit ist in diesen Riegeln mehr Fruchtzucker (Monosaccharide) enthalten, als in den natürlichen Früchten. Monosaccharide werden als Energie-Bringer durch das Blut direkt zu den Zellen transportiert um dort in den Kraftwerken, den “Mitochondrien” verbrannt zu werden. Damit wird weniger normaler Zucker aufgebraucht – er wird als Depot angelegt. Zwei Beispiele:
- Der 25 Gramm-Riegel von Hipp (Apfel-Birne) besteht nach Verpackungsangaben zu einem Drittel aus Zucker
- Der 25 Gramm-Bebivita-Riegel (Apfel-Banane) nach Verpackungsangaben sogar zu 50 %!
In der vergleichbaren Menge Apfel- oder Birnenspalten hingegen sind nur 2,5 Gramm Zucker zu finden! Diese Riegel sollten also als Süssigkeiten behandelt werden – gut übrigens für Leistungssportler oder Schwerarbeiter!
Wenn nun die Babynahrungserzeuger damit werben, dass die “neue Generation Milchnahrung” dem “Vorbild Muttermilch” nachempfunden sein soll, so kann sie diese niemals wirklich ersetzen, da beispielsweise solche künstlichen Zusätze in der Muttermilch gar nicht enthalten sind. Zudem beinhaltet die Muttermilch nicht weniger als 150 Oligosaccharide, in hergestellter Babymilch hingegen sind nur 1-2. Somit sollte ein derartiger Vergleich zwischen Muttermilch und hergestellter Ersatzmilch niemals getätigt werden, betonen die Wissenschafter. Sie empfehlen, während der ersten vier Monate auf jeden Fall zu stillen. Sollte dies nicht möglich sein, so sollte etwa den Kindern von Allergikern hypoallergene Nahrung gefüttert werden, da eine genetische Veranlagung von Allergien wahrscheinlich ist. Zudem kann ich Sie trösten: Das wirklich Rund-um-sorglos-Paket in Sachen Babynahrung gibt es nach wie vor nicht, meinen die Ernährungsfachleute – auch nicht, wenn sie sich die Arbeit antun und die Mahlzeiten selbst zubereiten. Gottlob sind in den letzten Jahren zumindest immer mehr die Weichmacher aus der Babynahrung verschwunden – auch diese stehen im Verdacht, krebserregend zu sein.
Eines noch zum Schluss: Die immer häufiger angebotenen Kinderlebensmittel brauchen die Kleinen keineswegs (Stiftung Warentest 2012). Meist ist es nur die Belieferung einer speziellen Zielgruppe – immerhin gaben Herr und Frau Müller im Jahr 2010 nur in Deutschland nicht weniger als 70 Mio € für etwa Kinderwurst oder 165 Mio für Kinder-Milchprodukte aus. Ein sehr lukrativer Wirtschaftszweig, obgleich viele der Produkte für Kinder gänzlich ungeeignet! Hat etwa das BfR die teils recht teuren Kindermilch-Produkte bewertet und nicht weniger als 15 davon beanstandet. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) spricht von “nicht an die Bedürfnisse von Kleinkindern angepasst” und hat die Produzenten aufgefordert, die Rezeptur zu ändern. Dem hat sich auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung und das Forschungsinstitut für Kinderernährung angeschlossen. Die Produkte stehen freilich grossteils nach wie vor im Verkaufsregal!

Links:

www.test.de
www.oekotest.de
wiso.zdf.de
www.bfr.bund.de
www.bvl.bund.de
www.dge.de
www.fke-do.de
www.hipp.de
www.milupa.de
www.bebivita.de
www.alnatura.de
www.sonnentor.com

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Not very amused

Zu beneiden, nein zu beneiden ist David Cameron nicht. Schliesslich trägt er ein schweres Erbe und die Verantwortung für eine möglicherweise noch schwerere Zukunft. Das United Kingdom war ja schon immer etwas besonderes und will diesem hohen Anspruch auch weiterhin gerecht werden. Doch hat bislang dieser Hund nur lautstark gebellt, biss jedoch noch nicht. Nun aber könnte es nach Einschätzung aus dem Kanzleramt in Berlin Realität werden. Das hatte zumindest dieser Tage das Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” berichtet – mit dem Hinweis auf wie üblich “gut informierte Quellen”.
Nun ja – Grossbritannien und Europa – es war nicht immer wirklich eine traute Zweisamkeit. Alles begann mit den Römern, die für rund 350 Jahre den Fünf-Uhr-Teefix auf den britischen Inseln zu finden trachteten. Danach wanderten Angeln und Sachsen, aber auch Jüten und Normannen ein. Die kleinen Königreiche konnten sich erst einig werden, als es gegen die Spanier und später die Franzosen ging; zuvor bekämpften sie sich. Im 20. Jahrhundert schliesslich versuchte es Adolf Hitler mit seinem Nazideutschland. Legendär das Bild, auf welchem der in der Luftschlacht um England unterlegene Generalfeldmarschall Herman Göring von der Normandie aus nach England schaute. Diese bislang letzte versuchte Eroberung wurde vornehmlich durch zwei Radarstationen in Dover und Portland vereitelt, wodurch die Bevölkerung meist vorzeitig gewarnt werden konnte.
Umso schwerer fiel dann auch die Entscheidung, 1973 der Europäischen Gemeinschaft beizutreten. Innenpolitisch mehr als umstritten, gab auch Frankreich sein Veto gegen den Beitritt ab. Trotz dieser Hürden gelang es Premierminister James Callaghan der Bevölkerung deutlich zu machen, dass sich die britischen Inseln wirtschaftlich selbst exponieren würden, wenn sie nicht der Gemeinschaft beitreten. Seine Nachfolgerin, die konservative Margaret Thatcher legte sich erstmals lautstark mit Europa an. Mit dem Spruch “I want my money back!” holte sie sich den sog. “Briten-Rabatt” (“VK-Ausgleich”)! Ihr konservativer Amtskollege aus Deutschland, Helmut Kohl, meinte damals, dass er die “Eiserne Lady” ebenso fürchte, wie “der Teufel das Weihwasser”. Dieser Britenrabatt sieht vor, dass Grossbritannien 2/3 der Differenz zwischen tatsächlich bezahltem Beitrag (britischer Mehrwertsteuer und BNE-Anteil) und den zurückfliessenden EU-Ausgaben zurückerstattet bekommt. Die Ausgleichszahlungen werden von den anderen Mitgliedsstaaten geleistet. Thatcher argumentierte damals mit der kleineren Landwirtschaft Britanniens (weniger Agrarsubventionen) und des im Vergleich niedrigeren Wohlstandniveaus. Bereits zuvor hatte sie zahlreiche gemeinschaftliche Entscheidungen blockiert. Dieser Britenrabatt gilt übrigens auch heute noch. Später hatte dann Premier Tony Blair hieran noch hart zu beissen, sollte er doch ab dem Jahr 2007 kontinuierlich abgebaut werden. Angela Merkel spielte dabei übrigens erstmals Vermittlerin.
Bei der Einführung des Euros meinten die Briten: “No, sorry!” Anlass hierfür waren heftige Proteste der Bevölkerung und der starke Einfluss der Quantum Funds auf den Devisenmarkt.
Im Herbst 2012 schliesslich stemmte sich David Cameron gegen das Europäische Budget – meines Erachtens nicht ganz unberechtigt. Schliesslich waren alle Mitgliedsstaaten zum Sparen verurteilt – der Haushalt in Brüssel stieg jedoch weiter – unaufhaltsam. Er forderte – im Rücken das britische Unterhaus – das Einfrieren des EU-Budgets. Damals argumentierte er erstmals mit einem möglichen Austritt Grossbritanniens aus der EU.
Vor einigen Tagen aber erlebte die Welt einen aufgebrachten, ja sogar wütenden britischen Premierminister, von britischer Distinguiertheit keine Spur. Die EU verlangt bis zum Jahresende eine Nachzahlung des britischen Mitgliedsbeitrages in der Höhe von 2,1 Milliarden € – eine Menge Holz! Holz klopfte auch Cameron windelweich, sein Rednerpult musste wohl nach seiner Stellungnahme zur Nachzahlung erneuert werden.
Apropos Geld: Grossbritannien vertritt ebenso wie die USA die Auffassung, dass Sparen bei der Budgetsanierung nicht viel bringt – man werfe besser die Druckmaschinen der Notenbank an. Dadurch allerdings wird die Inflation rasch in die Höhe getrieben, was das Leben empfindlich teurer macht. Zudem entschied sich das United Kingdom gegen eine Besteuerung von Finanztransaktionen, da die Londoner Börse hier bis in die Grundfeste drinnensteckt.
Hinzu kommt, dass der derzeitige EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker vom britischen Premier mit allen Mitteln verhindert werden sollte – doch auch hier stand der Mann aus der Downing Street 10 in London auf verlorenem Posten.
Trotzdem muss es nicht unbedingt dies sein, was die Briten zum Austritt veranlasst. Verantwortlich dafür könnte die Einwanderungspolitik der EU zeichnen. Aufgrund der früheren Weltmachtstellung mit unzähligen Kolonien, weist die Bevölkerung Grossbritanniens ohnedies einen hohen Migrationsanteil auf: Inder (1,05 Mio), Black Caribbeans und Black Africans – alleine diese beiden Gruppen machen in etwa 1,8 Mio Menschen aus. 92,1 % der rund 63 Mio sind Weisse. Von den restlichen 7,9 % sind zirka 50 % im Vereinigten Königreich geboren. Auch die rund 747.000 Pakistani sollten nicht unerwähnt bleiben. Sie sehen also, das heutige Gross Britannien ist nahezu vergleichbar mit einem Vielvölkerstaat, wie es ehedem die k.u.k. Monarchie Österreich war. Alles in allem geht eine Schätzung aus dem Jahre 2011 von ca. 4,02 Mio Ausländern auf den britischen Inseln aus. Der Knackpunkt lautet: Freizügigkeit! Soll nicht etwa die sexuelle Revolution in England ansprechen, sondern den EU-Habitus, sich dort niederlassen zu können, wo man möchte. Das stösst derzeit David Cameron am sauersten auf. Er fordert eine Quotenregelung. Hiergegen haben sich aber bereits die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und auch der ehemalige EU-Kommissionspräsident Jose Miguel Barroso ausgesprochen. Während Merkel von einem möglichen “Point of no return” sprach, betonte Barroso in seiner letzten Rede seiner Amtszeit, dass die Reisefreiheit ein erklärtes EU-Recht sei, vollkommen egal ob nun der Brite nach Zypern oder der Spanier nach England will. In der BBC betonte Barroso: “Mein deutlicher Ratschlag an Cameron ist dieser: Stellen Sie dieses Prinzip nicht infrage!” Im Unterhaus wird derzeit nämlich über eine solche Beschränkung diskutiert, die allerdings nur für schlecht ausgebildete Migranten gelten solle – nicht für die qualifizierten Arbeitskräfte. Damit sind die meisten Bulgaren, Rumänen, etc. von einer möglichen Umsiedelung nach Grossbritannien (“Bewegungsfreiheit”) ausgeschlossen. Diese Zuwanderung jedoch war vor deren Beitritt vorherzusehen. Weshalb nun allerorts angesichts dessen grosses Katzengejammer herrscht – die Verantwortung hierfür tragen die Politiker, die noch nicht EU-reife Staaten unbedingt aufnehmen wollten. Klar – die Zahlen sprechen eindeutig für die Briten: Bis 2003 siedelten jährlich rund 61.000 aus der EU nach GB um, seit dem Beitritt von acht Staaten im Jahr 2004 sind es jährlich nicht weniger als 170.000! Doch auch Kommissionspräsident Jean Claude Juncker meint: “…wenn wir die Freiheit des Personenverkehrs abschaffen, dann werden andere Freiheiten demnächst auch fallen!”
Cameron, der eigentlich selbst in der EU bleiben möchte – sieht sich jedoch gewaltigem Druck ausgesetzt – innen- und aussenpolitisch. Raus aus der EU fordert beispielsweise die nationalistische Ukip-Partei (United Kingdom Independence Party). Sie erreichte bei den diesjährigen Europawahlen nicht weniger als 26,6 Prozent, die wahrhaft nicht klein zu reden sind. Auch ein Abgeordneter aus deren Reihen sitzt bereits im Unterhaus. Zudem formieren sich in Camerons eigenen Reihen die EU-Gegner. Rund 47 % der Bevölkerung sprechen sich für einen Austritt aus (andere Umfragen weisen gar 57 % auf). Schon im Januar 2013 hatte Cameron eine Reform des britischen Verhältnisses zur Staatengemeinschaft angekündigt. Sollte er die nächsten Unterhauswahlen gewinnen, wird es eine Volksabstimmung hierzu geben – das hat er versprochen.
Was aber geschehe tatsächlich, würden die Briten als bevölkerungsmässig drittgrösstes Land der Staatengemeinschaft bzw. AA+-Wirtschaftsmacht aussteigen? Die ersten Szenarien wurden bereits durchgespielt. Ein aktueller britischer Bericht und ein Grossteil der Bevölkerung meint: Gar nichts! Stimmt nicht unbedingt. Schliesslich ist das UK die grösste europäische Militärmacht. Die zwar, so meinen viele Kritiker, vornehmlich von den USA geleitet wird, aber dennoch bislang meist geholfen hat, wenn Bedarf bestand. Das UK hat die höchsten westeuropäischen Rüstungsausgaben und ist eine Atommacht. Daneben sind über 50.000 britische Soldaten auf Militärbasen ausserhalb GBs stationiert – nur bei den USA sind es mehr. Somit wäre die gesamteuropäische Kampfkraft (soferne nicht durch die NATO abgedeckt) stark in Mitleidenschaft gezogen.
Die meisten Auswirkungen aber hätte dieser sog. “Brexit” Grossbritanniens für dessen eigene Wirtschaft. Bereits derzeit schon verfügen die Briten über die mit Abstand schlechtesten Investitionsbedingungen aller führenden Wirtschaftsnationen der G20-Gruppe. Im Jahre 2011 etwa machten die Direktinvestitionen aus dem Ausland 1,2 Billionen € aus – dies sind mehr als 50 % des Bruttoinlandsproduktes Grossbritanniens. Sollten nun die Investoren Gelder zurückziehen, könnte dies verheerende Auswirkungen für die gerade wieder in’s Laufen gekommene britische Wirtschaft haben. Denn: Bislang galt die EU-Zugehörigkeit als Sicherheit – für Investitionen und dem daraus resultierenden Eintritt in die europäischen Märkte. Sollte dies wegfallen, werden die Geldgeber wohl einen anderen Mitgliedsstaat suchen. Hinzu kommt nun nämlich folgender Unsicherheitsfaktor: Wird das UK ähnlich wie die Staaten der EFTA (Schweiz etwa) ein besonderes Angebot erhalten, dann wären beide Wirtschaften (jene auf den britischen Inseln und jene auf Kontinentaleuropa) so gut wie nicht betroffen. Sollte es allerdings zu Behinderungen im Warenverkehr kommen (Einfurhzölle), so könnte dies die britische Wirtschaft schwerstmöglich treffen. Schliesslich machen die Ausfuhren in den EU-Raum nicht weniger als 15 % des britischen Bruttoinlandproduktes aus (in anderer Richtung sind es gerade mal 2,5 %). Entweder es müsste also ein Freihandelsabkommen geschlossen werden (wie derzeit mit Kanada bzw. in Bearbeitung mit den USA) oder es müssten wie vor den Zeiten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zwischenstaatliche Verträge vereinbart werden. Die Analysten fürchten wohl den Weg mit Behinderungen. Dies alles mit dem Export in Nicht-EU-Staaten ausgleichen zu können, erscheint als unrealistisch, schliesslich sind etwa Deutschland aber beispielsweise auch Frankreich hier bereits weiter fortgeschritten als die Regierung Cameron. All das würde ein signifikantes Absinken des Lebensstandards auf den britischen Inseln verursachen. Deshalb sprechen sich die meisten britischen Kobbyisten und Wirtschaftsverbände für das weitere Verbleiben in der EU aus. Ob dies allerdings der kleine Wähler auf der Strasse verstanden hat, wenn er mit einem “Ja” zum Austritt an die Wahlurne gehen wird? Europa blickt deshalb gespannt auf die nächsten Wahlen – und insgeheim wünscht sich wohl der eine oder die andere, dass die Labour Party gewinnen soll. In ihren Reihen herrscht noch eine Pro-EU-Stimmung.
Cameron ist somit nicht zu beneiden: Einerseits will er mehr Entscheidungsgewalt und zusätzliche Sonderhäppchen rausschinden (“I will get what Britain needs!”), andererseits befände sich Grossbritannien tatsächlich bei einem Austritt in der europa-politischen Bedeutungslosigkeit und hätte seit dem Abzug der Römer so wenig wie nie zuvor politischen, wirtschaftlichen und militärischen Einfluss auf dem europäischen Kontinent. Und dies als ehemalige Weltmacht! Trotzdem: Der vorhin erwähnte Prüfbericht wird durch dessen Auftraggeber, dem Londoner Bürgermeister Boris Johnson (möglicher Nachfolger Camerons als Premier?), insofern interpretiert, dass das Land die EU besser verlassen solle als unter den gegenwärtigen Bedingungen weiterhin Mitglied zu bleiben. Die beste Lösung aber wäre eine grundsätzlich reformierte Staatengemeinschaft – natürlich mit dem einen oder anderen Schnäppchen für Grossbritannien. Auch wenn der deutsche Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vor noch gar nicht allzu llanger Zeit meinte, dass Europa ohne die Briten “nicht akzeptabel, unvorstellbar” sei, stellt sich nun die abschliessende Frage: Soll die EU einen Reisenden aufhalten?

Links:

www.direct.gov.uk
www.statistics.gov.uk
ec.europa.eu
www.telegraph.co.uk
www.thesundaytimes.co.uk
www.spiegel.de

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