Archive for Dezember, 2014

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch

Liebe Leserinnen und Leser,

das nahende Jahresende möchte ich dafür nutzen, mich bei Ihnen für Ihre Treue zu bedanken. Ich hoffe, dass ich auch heuer einige wichtige Themen aufgegriffen und dadurch die Diskussion darüber etwas angeregt habe, denn erst dann kann sich wirklich etwas ändern.
Ich wünsche nun Ihnen und Ihren Familien ein besinnliches Weihnachtsfest und ein erfolgreiches, vor allem aber gesundes Jahr 2015!!!

Den nächsten Blog gibt’s wieder am 02. Januar 2015!

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Für Arsch und Friedrich – Mahlzeit!!!

Wenn der Brüsseler Amtsschimmel zweimal wiehert, dann reicht die Reaktion der Schildbürger vom dezenten Grinsen bis gar hin zum lauthalsen Lachen. Anders kann doch wohl die neue Allergen-Verordnung nicht beschrieben werden, die am 13. Dezember in Kraft getreten ist. Klar – Nahrungsmittel-Allergiker freuen sich, können sie nun direkt in der Speisekarte eines Restaurants erkennen, was sie unbesorgt essen können und was nicht. Dabei wird allerdings so manch einer verwundert sein, was besser nur in geschriebenem Worte konsumiert werden soll, da – wenn auch nur in geringen Mengen – Allergene enthalten sind. Schon seit Mitte des vorhergehenden Jahrzehnts bedarf es im Supermarkt einer guten Brille oder Lupe, damit das Kleingeschriebene gelesen werden kann. Kritiker dieser sog. “Lebensmittel-Informations-Verordnung (LMIV)” betonen, dass die Lobbyisten ganze Arbeit geleistet hätten: Positiv – die Menschen lesen nun wieder mehr! Negativ: Für den Einkauf im Supermarkt muss mehr Zeit aufgebracht werden. Da fällt mir doch sicherlich noch das Eine oder andere ein, das ich noch gebrauchen könnte. Anstelle mit Brot und Milch komme ich dann mit einem vollgepackten Einkaufswagen heraus. Und schliesslich und hauptsächlich: Der Absatz von Fertigprodukten wird rasant ansteigen, da allergen-freies Kochen nur in grossen Mengen wirtschaftlich interessant ist.
Aber mal ganz im Ernst: Wenn ich weiss, dass ich gegen einen Inhaltsstoff im Essen überreagiere, dann versuche ich diesen auch zu meiden. Ist etwa dasselbe wie bei Diabetes. Hier habe ich eine ganz spezielle Diabetes-Diät einzuhalten, da zu viel oder zu wenig Zucker eklatante Folgen für mich und meine Gesundheit haben kann. Sicherlich wäre hier die eine oder andere Angabe von Nährwert bzw. Zuckerinhalt auch auf losen Waren nicht schlecht, doch kann ich dies nicht wirklich einfordern, da sich etwa der Nährwert einer Mahlzeit im Restaurant schon komplett verschieben kann, wenn auch nur eine Gabel mehr der köstlichen Maccaroni auf dem Teller landen!
In Deutschlend finden sich rund 800.000 Nahrungsmittel-Allergiker unter den Kindern und 900.000 bei den Erwachsenen, in Österreich leiden zirka 2-4 % der erwachsenen Menschen unter irgendeiner Lebensmittelallergie, soweit zumindest die offiziellen Zahlen, die dem deutschen Allergie-Bund bzw. dem österreichischen Verband der Diätologen bekannt ist. In Wahrheit wird die Dunkelziffer wesentlich höher sein, da viele es schlichtweg nicht wissen, dass sie eine Gluten- oder Lactose-Unverträglichkeit haben oder dies zwar bekannt ist, Expertenhilfe jedoch noch nicht in Anspruch genommern und besser anstelle der Milch zur Soja-Alternative gegriffen wird. Eine solche Intoleranz kann relativ harmlos verlaufen (Magenprobleme), jedoch auch in Form des anaphylaktischen Allergieschocks lebensgefährlich verlaufen. Dabei schwellt der komplette Körper an, die Atemwege verschliessen sich., der Kreislauf versagt – der Tod ist die Folge, wenn nicht sofort Adrenalin gespritzt wird.
In Zukunft muss also vermerkt sein, dass des Österreichers Lieblingsschnitzel nicht nur Eier, sondern auch Gluten in Form von Weizen-Mehl enthält, des Deutschen Schweinsbraten Eier, Selleriesaft, Senf, Weizenmehl, evt. Erdnüsse und Lupinen beinhaltet. Egal ob nun beim Haubenkoch oder am Würstelstand. Und die protestieren berechtigterweise landauf und -ab. Viele Speisen und Getränke können nun gar nicht mehr zubereitet werden, ohne eine komplette Verschlüsselung, für die teilweise eine eigene akademische Ausbildung erforderlich ist. In tausenden Kurse in ganz Europa wurden Bäcker, Metzger, Köche, Beiköche und Servierkräfte geschult. Viele davon verstehen den zusätzlichen Service am Kunden, der natürlich gerne wüsste, was in seinem Essen ist – für sie jedoch ist die Verordnung ein Graus. Einerseits wirkt eine solche Auflistung vielleicht nicht immer verkaufsfördernd, andererseits sind die Auslöser immer wieder in anderen Lebensmitteln versteckt: Krebstiere etwa in Feinkostsalaten, Suppen oder Soßen; Fisch in Kräckern, Aufstrichen oder Würzpasten; Soja in Margarinen, Schokolade oder Kaugummi; Gluten in Desserts, Wurst oder Fertiggerichten etc. Sollte etwas vergessen worden sein und es entsteht eine Folgewirkung daraus, so haftet der Wirt oder Koch dafür. Bei Verstössen wird es im Alpenstaat so richtig teuer: 50.000,- € beim ersten, 100.000,- € im wiederholten Fall. In Deutschland hingegen sind derzeit bei der Umsetzung der nationalen Lebensmittelinformations-Ergänzungsverordnung vorerst bis Mitte 2015 keinerlei Bussgelder vorgesehen.
Viele verwendete Produkte müssen auf ihre Zutaten hin überprüft werden. In den Abteilungen für Gastronomie und Hotelierie der österreichischen Wirtschaftskammer – aber auch der Deutschen Hotel- und Gaststätten-Vereinigung wird nun befürchtet, dass vieles in den Küchen in absehbarer Zeit nicht mehr selbst und damit frisch zubereitet wird, da der Aufwand zu groß ist. Suppen und Saucen etwa werden künftig nurmehr fertig angekauft, da es sich fast nicht vermeiden lässt, dass irgendein Allergen enthalten ist und eine ansonsten vielleicht gefahrenlose Speise dadurch verunreinigt.
Oder: Eine allergenfreie Beilage ist ausgegangen – sie kann aber nicht einfach durch eine andere ersetzt werden, sind doch beispielsweise in Nudeln immer auch Eier oder Weizenmehl enthalten. Ausserdem nehmen kreative Köche immer mal wieder auch kleine Änderungen bei der Speisenzubereitung vor. Somit müsste in einem solchen Falle die Speisekarte umgeschrieben werden oder der Gast mündlich darauf hingewiesen werden. Hierfür jedoch bedarf es zumindest eines geschulten Kellners, dessen Verweildauer am Tisch alsdann zunehmen wird. Gerade zu Mittag oder anderen Stosszeiten im Restaurant undenkbar! Wird eine eigene Allergikerkarte der Speisekarte zugegeben, so muss durch einen Aushang im Restaurant ausdrücklich darauf hingewiesen werden.
Die Österreichische Wirtschaftkammer bietet nun im Internet eine Onlineplattform für Rezepte an. Hier enthalten sind die meisten Zutaten und deren Allergene, sodass jede(r) Koch/Köchin hier nachschauen kann.
Doch – was ist eigentlich alles in unserem Essen enthalten? Welche Allergene machen nicht nur den Betroffenen sondern jetzt auch zigtausenden Menschen das Leben so schwer!?

.) Hühner-Eier – Kennzeichnung C
Diese spezielle Allergie tritt zumeist im Säuglings- bzw. Kindesalter auf, bei Erwachsenen ist sie eher selten. Für diese Menschen ist das “Eiklar” (umgangssprachich: Eiweiss) unverträglich. Sie reagieren darauf mit Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Nesselsucht oder auch Neurodermitisschüben. Schliesslich kann es zu einem anaphylaktischen Schock führen, der dringend akutmedizinisch behandelt werden muss. Hühnereier sind aber in den meisten Nahrungsmitteln enthalten, da sie zum Binden, Lockern und Verdicken verwendet werden. Bei dieser Allergie hilft nur eine Umstellung der Ernährung, die von Experten begleitet wird. In Deutschland muss seit 2005 auf Verpackungen auf Hühnereier als Bestandteil hingewiesen werden. Betroffene sollten deshalb achten auf: Eiöl, Eiprotein, Flüssigei, Flüssigeigelb, Flüssigeiweiß, Gefrierei, Trockenei, Trockeneiweiß, Trockeneigelb, (Ovo-)Albumin, Ovo-Protein, Simplesse, Vollei, E 322 Lecithin (Ei), E 1105 Lysozym (Ei).

.) Erdnüsse – Kennzeichnung E
Kaum zu glauben – trotzdem jedoch wahr: Mit dieser Allergie ist wahrhaft nicht zu spassen. In den anglophilen Ländern leidet nicht weniger als ein Prozent der Bevölkerung an einer Erdnussallergie, auch in deutschsprachigen Ländern nimmt diese Unverträglichkeit rapide zu. Die Erdnuss ist nicht etwa, wie ihr Name sagt, eine Nuss sondern vielmehr eine Hülsenfrucht. Sie wird in der Lebensmittelindustrie gerne als Mineralstofflieferant verwendet, ist ausgezeichnet für das Nervenkostüm, aber auch die Muskulatur geeignet und liefert wertvolle einfach und mehrfach gesättigte Fettsäuren. Zum Einsatz kommen Erdnüsse vornehmlich in der Süssigkeiten-Industrie. Bereits einige Mikrogramm können eine solche allergische Reaktion auslösen, die sich ebenfalls durch Übelkeit mit Erbrechen, Durchfall und Neurodermitisschüben vornehmlich auf der Haut erkennbar machen. Hinzu kommen jedoch Beschwerden der Atemwege, Schwindel, Herzrasen, Bewusstlosigkeit und ebenfalls Schockzustände. Auch hier muss unter der Anleitung von Experten eine Diät eingehalten werden. Vorsicht ist zudem bei Produktionsstrassen zu nehmen, die Erdnüsse vielleicht in einem anderen Produktionsvorgang verwendet haben, die Maschinen also noch dadurch “verunreinigt” sein könnten (beispielsweise gemahlene Wal- oder Haselnüsse, Schokoladenindustrie,…). Auch die Verwendung von Erdnüssen muss seit 2005 in Deutschland auf der Verpackung gekennzeichnet sein.

.) Fisch – Kennzeichnung D
Die Betroffenen überreagieren hier vornehmlich auf ein Protein der Muskelzellen im weissen Fleisch der Fische, dem sog. “Parvalbumin”. Nachdem sich die Aminosäurensequenzen dieses Parvalbumins bei sehr vielen unterschiedlichen Fischsorten ähneln, ist man besser aufgehoben, hier grundsätzliche Vorsicht walten zu lassen. Zu Reaktionen kann es bereits beim Kontakt mit dem Staub getrockneter Fische oder bei Kochdämpfen kommen. Auch rotes Fischfleisch ist nicht unbedingt für jeden geniessbar, ist die Konzentration dieser Parvalbumine zwar
nicht sehr hoch, jedoch durchaus vorhanden. Zu den bereits beschriebenen Symptomen des Magen-Darm-Traktes kann es zu Urtikaria, dem Quincke-Ödem und Asthmaanfällen kommen. Achtung also bei den Parvalbuminen Sal s1 in Lachs, Cyp c1 in Karpfen, Gad m1 in Kabeljau sowie Sco j1, Sco a1 und Sco s1 in der Makrele. Die Therapie baut ebenfalls auf dem Meiden des Auslösers auf.

.) Glutenhaltiges Getreide (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Kamut oder Hybridstämme davon) – Kennzeichnung A
Allergien gegen Getreide treten relativ selten auf. Dies kommt daher, dass beim Schälen des Getreides die meisten Allergene, die unmittelbar unterhalb der Schale liegen, zum grössten Teil entfernt werden. Somit sollten Glutenallergiker vornehmlich auf die Typenzahl des Mehls achten. Je niedriger diese ist, desto mehr wurde geschält, umso günstiger ist dessen Verwendung für Betroffene. Allerdings sind in einem solchen Mehl auch weitaus weniger Nährstoffe als in einem höheren Typ. Als Alternativen zum weissen Weizenmehl bieten sich Buchweizen und Reismehl an. Getreide ist der wohl wichtigste Kohlenhydrat-Lieferant in der heimischen Küche und Backstube. Auch die Ballaststoffe sind immens für die Arbeit vornehmlich des Darms wichtig. Und schliesslich beinhaltet das Getreide wichtige Fettsäuren und Eiweissbestandteile, Vitamine und Mineralstoffe. Die Therapie beginnt mit der kompletten Umstellung des Ernährungsplanes. Dabei sollte berücksichtig werden, dass Weizenmehl auch häufig als Bindemittel bzw. Trägerstoff (Gluten = Klebereiweiss) eingesetzt wird. Seit 2007 muss auf der Verpackung vermerkt sein, wenn Produkte glutenhaltiges Getreide beinhalten. Allergiker sollten die Streichung von Weizenmehl durch die Zuführung von Ballaststoffen (etwa Hülsenfrüchte), Kartoffeln, Fleisch und Fisch oder Magnesium, Zink und Vitamin B6 ausgleichen.

.) Krebstiere, Krustentiere & Meeresfrüchte – Kennzeichnung B

Unter “Meeresfrüchten” versteht der Experte alle essbaren Meerestiere, die nicht zur Kategorie der Wirbeltiere zählen. So etwa Tintenfische, Garnelen, Muscheln, Schnecken, Krebse oder auch Langusten und Hummer. Früher nahezu ausschliesslich in Meeresregionen verzehrt, steigt der Konsum immer mehr auch hierzulande an. Diese Allergie zählt zu den weniger grossen Unverträglichkeiten. Menschen, die häufig mit Meeresfrüchten zu tun haben (wie Fischer, Fischhändler oder Köche) können häufig an Asthma, Kontaktexzemen oder ähnlichem leiden. Sie kommen einerseits möglicherweise durch eine solche Immunerkrankung, andererseits jedoch auch durch die toxische Belastung dieser Kleintiere zustande. Zweiteres führt meist zu Vergiftungen. Im Vergleich dazu kommen die Unverträglichkeiten von Krebstieren (Krustazeen) recht häufig vor. Auch hier reichen – wie bei der Erdnuss – bereits geringe Mengen aus um eine Reaktion herbeizuführen. So können schon 1-2 g Garnelen einen Allergie-Schock verursachen und damit lebensbedrohlich sein. Die Überreaktion zeigt sich vornehmlich auf der Haut (Urtikaria, Quincke-Ödem), durch Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, der Atemwege und schliesslich dem Kreislauf. Verantwortlich dafür zeichnet das Muskelprotein Tropomyosin. Es löst sehr häufig Kreuzreaktionen aus. Gefunden wurde dieses Allergen übrigens auch in Hausstaubmilben und Insekten, wie etwa der Schaben oder den Heuschrecken. Hier hilft nur eines: Weg mit Produkten dieser Art aus dem Speisezettel.

.) Lupinen – Kennzeichnung P
Die Lupine gehört mit all ihren über 450 Arten zur Ordnung der Leguminosen. Wurden sie in früheren Zeiten fast ausschliesslich als Viehfutter verwendet, so nimmt die Bedeutung als Weizenmehlersatz ständig zu. Lupinen sind auch vom Bauern gern gesehen, binden sie doch mittels spezieller Wurzelbakterien den Luftstickstoff im Boden. Die Pflanzen enthalten Bitterstoffe, die von vielen Menschen nicht vertragen werden. Dies erfordert ein gründliches Waschen der Samen vor dem Gebrauch. Lupinensamen sind aufgrund ihres Eiweiss- (Globuline und Albumine), Ballaststoffe- und Fettgehaltes (ein- und mehrfach ungesättigte Fettsäuren) begehrt. Doch gerade diese Eiweisse erzeugen bei einigen Menschen allergische Reaktionen. Die Symptome einer Lupinen-Unverträglichkeit sind: Entzündungen der Nasenschleim- und der Bindehaut, Nesselausschlag, Ödeme u.a. an den Lippen, Bauchschmerzen und Übelkeit sowie Atemnot bis hin zum anaphylaktischen Schock. Bereits 100 mg können diese Reaktionen auslösen. Lupinen werden vornehmlich in der Diät oder bei Vegetariern in glutenfreien Backwaren als Mehl, Eiweiss- und Ballaststoffkonzentrate sowie als Kleie angeboten. Verwendung finden sie jedoch etwa auch bei der Wurstherstellung, Flüssigwürzen, Quark, Tofu oder Kaffeeersatz uvam. Obwohl solche Unverträglichkeiten eher selten, sind schwere Fälle durchaus bekannt. Jedoch erfolgt meist eine Kreuzreaktion bei Erdnuss-Allergien. Seit 2006 müssen Lupinen auf der Verpackung vermerkt sein. Sollte eine solche Unverträglichkeit bekannt sein, hilft auch hier nur eines: Ist vom Speiseplan gestrichen.

.) Milch und Milchprodukte (einschließlich Laktose) – Kennzeichnung G
Die Kuhmilch ist der wohl bedeutendste Auslöser einer Immun-Überreaktion tierischer Herkunft. Gerade im Säuglingsalter tritt diese Unverträglichkeit sehr häufig auf. Die Symptome zeigen sich v.a. durch Beschwerden des Magen-Darm-Traktes, aber auch durch Hautausschläge und nicht selten Neurodermitisschüben und Asthma bronchiale bis hin zum anaphylaktischen Schock. Während die Unverträglichkeit bei Kleinkindern mit zunehmendem Alter verschwindet, bleibt sie beim Erwachsenen bestehen. Nur schwer abzugrenzen ist die Kuhmilch-Allerige gegenüber der Laktose-Intoleranz, die vornehmlich zu Blähungen und Durchfall führt. Seit 2005 muss beigemengte Kuhmilch auf der Verpackung ausgewiesen werden. Die Therapie setzt auch hier mit einer kompletten Umstellung der Ernährung auf kuhmilchfreie Produkte an.

Die Aufzählung wird vervollständigt durch:

.) Schalenfrüchte (Mandel, Haselnuss, Walnuss, Cashew, Pecannuss, Paranuss, Pistazie, Macadamianuss und Queenslandnuss) – Kennzeichnung H
.) Schwefeldioxid und Sulfite in einer Konzentration von mehr als 10 mg/kg oder 10mg/l – Kennzeichnung O
.) Sellerie – Kennzeichnung L
.) Senf – Kennzeichnung M
.) Sesamsamen – Kennzeichnung N
.) Soja – Kennzeichnung F
.) Weichtiere- Kennzeichnung R

Alles gar nicht so einfach. Des Österreichers Lieblingssuppe etwa, die Fritattensuppe, beinhaltet lt. Allergen-Verordnung A,C,G,L sowie M! Der ebenfalls so beliebte Schweizer Wurstsalat Erdnüsse, Kuhmilch, Sellerie und Senf.
Während manche Wirte noch kurz zuvor lästerten “Sind auch Erdnüsse im Essen, kannst die Oma gleich vergessen!”, so herrscht derzeit grosses Wehklagen. Der Sieg des Bürokratismus über die Praxis!
All dies gilt nicht etwa nur für die Hotellerie und Gastronomie, sondern auch für Bäcker und Konditoren, Metzger und allen anderen lebensmittelproduzierenden Betrieben. Was für Otto Normalverbraucher nur durch eine Codierung der Speisekarte zu erkennen ist, bedeutet jedoch hinter den Kulissen harte Mehrarbeit. Schliesslich müssen die Produkte säuberlichst voneinander getrennt aufbewahrt, penible Sauberkeit am Arbeitsplatz herrschen, Rezepturen (wie vorhin bereits beschrieben) peinlichst genau eingehalten und gar eigene Spül- und Trockentücher verwendet werden. Die Allergenverordnung ist haftungsrelevant. Sollte also ein Gast einem anaphylaktischen Schock erliegen, so trifft den Inhaber etwa des Lokales eine Mitschuld.
Jedoch sollte nicht unerwähnt bleiben: Es gilt eine Kennzeichnungspflicht! Nicht die Pflicht, allergen-frei zu kochen. Sollten laktose- oder glutenfreie Gerichte auf der Speisekarte stehen, so ist dies für den Wirt bzw. Koch als sehr lobenswert hervorzuheben – jedoch keine lästige Pflicht! Sollten also Köche nun aus Gemütlichkeit auf Fertigprodukte umsteigen, anstatt selbst zu kochen, da diese ja bereits gekennzeichnet sein müssen, so ist dies sicherlich der falsche Weg, der Untergang der ausgezeichneten heimischen Küche.

PS:
Diese Allergenkennzeichnungspflicht dient der Information der Verbraucher. Wieso ist es dann dermassen schwer, die Codierung der Allergene ausfindig zu machen um sich für dem Restaurantbesuch kundig zu machen und nicht in der Speisekarte von den Abkürzungen erschlagen zu werden???

Links:
www.mein-allergie-portal.com
www.daab.de
www.allum.de
dgem.de
www.lebensmittelklarheit.de
www.lmiv-services.de
www.ernaehrung.de
www.bfr.bund.de
www.bll.de
www.dehoga-berlin.de
www.lebensmittelaufsicht-oberoesterreich.org
www.wkk.or.at
www.diaetologen.at/

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Wieso wegschauen – das gehört öffentlich gemacht


Vorwort:
Sollte dieser Blog bald nicht mehr verfügbar sein, so ist dies nur ein Beweis dafür, dass die in den westlichen Staaten durch die Verfassung garantierte Meinungsfreiheit nichts anderes als ein Wunschdenken ist! Ich bin eigentlich ein grosser Fan der USA und in meinem politischen Denken alles andere als kommunistisch oder radikal orientiert. Doch gibt es Missstände, die es in der heutigen Zeit nicht mehr geben sollte!

Als Barack Obama vor einigen Jahren zur US-Präsidentschaft angetreten ist um mit seinem Leitspruch “Yes we can!” die Hemdsärmel hochzukrempeln und aufzuräumen, stellte er damit den amerikanischen Nationalstolz auf eine neue Ebene. Inzwischen hat sich jedoch gezeigt, dass vieles, das er damals versprochen hatte, gar nicht umsetzbar ist. Dabei möchte ich nicht nur ihm die Schuld zuweisen, sondern auch seiner Partei (den Demokraten), v.a. aber der Opposition, den Republikanern. Sie boykottierten mit möglicherweise gar aus dem Sezessionskrieg stammenden Ansichten u.a. der nationalen Gruppierung “Tea Party” die Umsetzung aller möglichen Entscheidungen, die Obama zuvor versprochen hatte. Aus dem “mächtigsten Mann der Welt” wurde innenpolitisch nurmehr ein zahnloser Koyote, der zwar weiterhin heulen darf, sich aber mit dem abfinden muss, was andere übrig lassen – v.a. nachdem die Republikaner nach den letzten Wahlen in beiden Häusern des US-Kongresses die Stimmenmehrheit errungen haben. Schlussendlich sind sie es, welche die USA in einer Legislaturperiode, die gedacht gewesen wäre, neue Wege zu beschreiten, wieder zwei Schritte zurück machen lassen.
Als mich im Sommer des Jahres ein Bekannter angesprochen hat, ob ich nicht mal über die Foltermethoden der CIA (“Enhanced Interrogation Techniques (EIT)”) schreiben möchte, schien mir der Stahl noch etwas zu heiss zum Schmieden. In diesen Tagen aber – kurz vor dem Fest der Liebe und des Miteinanders – erschien nun etwas, das es in der modernen Zivilisation, in einer modernen Demokratie gar nicht geben dürfte: Der CIA-Folterbericht! Fünf Jahre akribisches Aktenwälzen und Recherche-Arbeit zeigen ein trostloses Bild von Humanität und Nächstenliebe! Es stimmt mich mehr als traurig, dass all dies zudem noch politisch ausgeschlachtet wird, zeigt es doch auf, dass sich der glorifizierte Westen in keinster Weise von dem unterscheidet, was er bekämpft! So haben sich ausgerechnet China und Nordkorea bereits zu Wort gemeldet und die USA “zum Umdenken” aufgefordert, aus dem Iran heisst es, dass die US-Regierung “Tyrannei gegen die Menschlichkeit” symbolisiere. Selbstverständlich haben sich auch die Dschihadisten schon geäussert – ganz nach dem Motto “Kehrt erstmal vor der eigenen Türe!” Diese Staaten und Organisationen haben die Zivilisation leider verpasst, denn hier gelten oftmals noch mittelalterliche Regeln – so darf etwa im Iran ein Vater ganz offiziell seine Tochter ehelichen! Doch das, das ist wieder ein ganz anderes Thema!
Eine ganz entscheidende Rolle in der sog. “Wahrheitsfindung” spielt das “Guantanamo Bay detention camp” (G-Bay). Das Lager wurde nach den schrecklichen Ereignissen vom 11. September 2001 unter dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush in der Guantanamo Bay Naval Base auf Kuba errichtet. Kuba selbst betrachtet den Pachtvertrag aus dem Jahr 1934 als ungültig und kappte der Base schon in den 60er-Jahren Wasser und Strom. Seither ist der Stützpunkt autarkt und wird aus der Luft bzw. dem Seeweg versorgt. Ein 28 Kilometer langer Grenzzaun sowie ein Minenfeld umgeben das komplette Areal. Zur Errichtung dieses besonderen Straflagers hat der 43. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika nur sechs Tage nach dem verheerenden Anschlag das “Memorandum of Notification” (MON) unterzeichnet, das der CIA insofern einen Freibrief ausstellte, als sie Personen gefangen nehmen darf, “die eine dauerhafte, ernsthafte Bedrohung für Amerikaner darstellen oder Terror-Attacken planen”. Einige Monate später verfügte Bush, dass Terroristen nicht unter die Genfer Konvention fallen, da sie ja keine Soldaten sind. Nur die damalige Nationale Sicherheitsberaterin und spätere Aussenministerin Condoleezza Rice hatte Bedenken. Als schliesslich der damalige Justizminister John Ashcroft zehn Verhörmethoden (darunter Schlafentzug, Water-Boarding und Einsargen) genehmigte, zog auch Rice ihre Bedenken zurück (Juli 2002). Bereits im Januar 2002 hingegen meinte der damalige Verteidigungsminister Donald H. Rumsfeld (Republikaner), dass dieses spezielle Gefangenenlager auf Kuba für die besonders gefährlichen Personen und Terroristen errichtet worden sei, um sie von weiteren Kriegsverbrechen abzuhalten. Dazu zählten vornehmlich die Terroristen der Taliban und Al Kaida aus Afghanistan und Pakistan, die Gegner aus dem Irak-Krieg und die Gefangenen vom Kap Horn. G-Bay ist ein Internierungslager, in welchem den Insassen keinerlei Rechte eingeräumt werden. Sie sind sog. “Unlawful Combatants” – im Gegensatz zu den “Enemy Combatants”, die nach dem “Uniform Code of Military Justice” (UCMJ) abgeurteilt werden müssen! Nachdem sich der Stützpunkt ausserhalb der USA befindet, gilt hier auch die zivile US-amerikanische Gerichtsbarkeit nicht – alles liegt in Händen des Militärrechts. Das Gefangenenlager setzt sich zusammen aus den Camps Delta und Iguana, das Camp X-Ray wurde drei Monate nach dessen Errichtung im Jahre 2002 geschlossen, jedoch durch den Spezialtrakt Camp Echo ersetzt. Im Camp Iguana sind jene untergebracht, die als unschuldig erkannt wurden, jedoch aus welchen Gründen auch immer nicht in ihre Heimatländer abgeschoben werden können. Camp Delta ist der grösste Komplex. Er besteht aus mehreren Lagern. Der Hochsicherheitstrakt ist das Lager 6. Werden Beobachtern oder Journalisten Besichtigungen erteilt, so gilt das Lager 5 (mit Isolationszellen) und dieses Lager 6 als davon ausgenommen. Im geschlossenen Lager X-Ray wurden die Gefangenen wie Tiere in Käfigen gehalten – ohne sanitäre Einrichtungen, der Sonne direkt ausgesetzt. Dieser Teil wurde schliesslich zugehängt, um die Insassen – wie es offiziell hiess – vor den Kameras der Fotografen zu schützen. Bis Juni 2014 wurden in G-Bay nicht weniger als 779 Menschen aus 40 Ländern festgehalten. So etwa auch vom Verbündeten Saudi Arabien. Besonders tragisch ist die Geschichte rund um 22 uigurische Chinesen, die als sog. “Terroristen” von Kopfgeldjägern an die CIA übergeben wurden. Ihre Unschuld wurde nachgewiesen, allerdings sassen sie noch jahrelang auf Guantanamo, da niemand sie aufnehmen wollte. In China wird die Volksminderheit verfolgt – dort wären sie höchstwahrscheinlich sofort nach ihrer Ankunft exekutiert worden. Schlussendlich fanden sie dann doch in Albanien und Palau (erkennt die VR China nicht an), den Bermudas, der Schweiz und El Salvador Asyl. Die letzten drei kamen erst in diesem Januar in die Slowakei. Sie sassen seit der ersten Hälfte des vorhergehenden Jahrzehnts in G-Bay! Dass die Gefangenen ihre Strafe absitzen, kann nicht behauptet werden, sind sie doch in den meisten Fällen gar nie verurteilt worden. Im Juni des laufenden Jahres waren es noch derer 149. Erste Meldungen von folterähnlichen Handlungen gab es im Frühjahr 2004 – im Herbst desselben Jahres auch durch das Rote Kreuz bestätigt. Ex-Präsident George W. Bush soll im April des Jahres 2006 informiert worden sein. Im Bericht heisst es, dass sich der Präsident beim Anblick eines an die Decke gebundenen Gefangenen mit Windeln “unwohl” gefühlt habe. Präsident Barrack Obama unterschrieb im Januar 2009 das Dekret zur Schliessung der Gefangenenlager innerhalb von spätestens eines Jahres. Er wollte die Freilassung oder Inhaftierung der Gefangenen in den USA, wo sie der zivilen Gerichtsbarkeit unterstehen würden. Auch der Supreme Court hatte schon Jahre zuvor Urteile bestätigt, wonach die Inhaftierung der “gesetzeslosen Kämpfer” nicht nur gegen die Genfer Konventionen, sondern auch gegen die Verfassung der USA verstosse. Der Europarat hatte bereits 2007 die Auflassung der Lager gefordert. Einige Inhaftierte berichteten, dass mit diesem Versprechen Obamas die Misshandlungen gar noch zugenommen hätten, da einige der Wärter vor der Schliessung “nochmals so richtig Spass haben wollten” (so der Anwalt Ahmed Ghappour von der Stiftung Reprieve). Sollten irgendwelche Probleme im Lager aufgekommen sein, so wurden diese mit brutalster Gewalt durch die “Immediate Reaction Forces” niedergeschlagen. Lt. Bericht fünf Beamte der Militärpolizei, die in ständiger Einsatzbereitschaft gestanden sind. Sie setzten dort an, wo die Verhörmethoden offenbar zu brutal wurden: Knochenbrüche, Blendungen, Urinieren auf die Köpfe der Gefangenen,… Sie sollten “den Gefangenen jeden Gedanken aus dem Kopf” schlagen, betont ein US-Militär- und Verfassungsjurist. Im selben Dekret befahl der Präsident übrigens auch die Auflassung aller CIA-Geheimgefängnisse. Erstmals wurde der Welt bekannt, dass der US-amerikanische Auslandsgeheimdienst auch in anderen Staaten Gefängnisse errichtet hatte. Man höre und staune – sogar beim Erzfeind in Libyen!
Hier gingen die Folterknechte der CIA ihrem menschenunwürdigen Geschäft nach:
Isolationszellen aus Metall, Tageslichtentzug, Käfighaltung, Schlafentzug, gleissendes Licht auch in der Nacht, überlaute Musik oder sonstige Geräusche, Verkleben des Mundes mit Paket-Klebeband, Einleiten von Pfefferspray in die Zelle bzw. Besprühen des Toilettenpapiers mit Pfefferspray, Anketten in fetaler Haltung, “rektale Rehydration” (Wasser-Einläufe), “sensorische Deprivation”, Koran-Schändungen und nicht zuletzt auch das Bedrohen der Familie des Gefangenen. Sehr beliebt scheint das sog. “Water Boarding” zu sein. Dabei wird der Gefangene während des Verhörs immer wieder unter Wasser getaucht (auch in Kloschüsseln), damit der Eindruck des Ertrinkens entsteht. Nicht nur der Eindruck – einige davon mussten wiederbelebt werden. Aber auch das Abtrennen von Gliedmaßen, Schläge auf die Hoden und das Verschmieren von Fekalien oder Flüssigkeiten im Gesicht des Häftlings (der annimmt, dass es sich dabei um Menstruationsblut von Frauen handelt – der Horror für einen gläubigen Moslem!) werden immer wieder angewandt, um diese Menschen zum Reden zu bringen. Auch Injektionen werden verwendet – etwa von Zysten des Hundebandwurms… Medikamente in hoher Dosierung, wie beispielsweise das Malaria-Medikament Mefloquin, das teils extreme neuropsychiatrische Nebenwirkungen aufweist, werden eingesetzt, um durch die Nebenwirkungen neue Erkenntnisse zu bekommen.
All dies baut auf den Theorien des US-amerikanischen Psychologen Martin Seligman auf. Der Universitätsprofessor aus Pennsylvania gilt als DER Experte im Bereich der “erlernten Hilflosigkeit”. Dabei versetzte er mehreren Hunden ständig Elektroschocks. Untersuchen wollte er mit diesen zweifelhaften und unnützen Tierversuchen die Auswirkungen aversiver Reize auf die Psyche und das Verhalten der Versuchstiere. Durch die ständigen Schmerzen werden die Probanden auch ohne Schocks später hilflos und passiv. All das und noch wesentlich mehr verfolgten die beiden Militärpsychologen mit den Codenamen “Dr. Swigert” und “Dr. Dunbar”, die offenbar als angeheuerte Experten mit Ihrer “Firma” viele der Folterungen nach 2005 selbst durchführten. Das Salär dafür: Rund 82 Mio Dollar. Ich verzichte hier auf die Nennung der bürgerlichen Namen der beiden Männer. Jedoch seien lt. Folterbericht seit dem Jahr 2008 85 % solcher mehr als zweifelhaften Verhörpraktiken durch Menschen durchgeführt worden, die zwar im Auftrag der CIA ihrem schrecklichen Tun nachgingen, derer jedoch nicht angehörten.
US-Aussenminister Kelly versuchte, die Veröffentlichung des Folterberichtes zu stoppen, nach hinten zu verschieben oder nur Teile davon veröffentlichen zu lassen. Er befürchtete ebenso wie Präsident Obama Ausschreitungen zur Weihnachtszeit v.a. in den islamisch regierten Ländern. Von 6.700 Seiten wurden knapp 500 veröffentlicht, die allerdings die komplette Grausamkeit der CIA aufzeigen. Die Demokraten, allen voran deren 81-jährige Grande Dame, die Senatorin Dianne Feinstein, wollten diesen Bericht unbedingt durchsetzen um damit der Öffentlichkeit präsentieren zu können, wie gesetzeswidrig die Regierung Bush seit den Ereignissen des 11. Septembers 2001 vorgegangen ist. Dafür wurde sie mehrfach behindert, angefeindet und auch eingeschüchtert. Jetzt ist sie selbst Bestandteil des Ganzen, da es Barack Obama nicht gelungen ist, gegen den Willen der Republikaner, die Straflager und Methoden des CIAs zu schliessen bzw. zu unterbinden, von welchen der derzeitige CIA-Chef John Brennan meint, dass solcherart herausgeholte Informationen dabei geholfen haben, Anschläge zu vereiteln und Menschenleben zu retten. CIA-Mitarbeiter und deren ehemalige Kollegen betonen, dass es im Bericht Fehler und Fehlinterpretationen gebe. Präsident Obama hingegen bezeichnet die Methoden als “…brutal, falsch und kontraproduktiv!” Die CIA habe die Regierung über das komplette Ausmass dieser Folterungen im Dunkeln gelassen, die Verantwortlichen dem Ansehen der USA geschadet. Etwas anders sehen es naturgemäss die Republikaner. In einer schriftlichen Stellungnahme durch den Oppositionsführer im Senat, Mitch McConnell, ist die Rede von “falschen Analysen, ernsthaften Ungenauigkeiten und falschen Darstellungen der Fakten”. George W. Bush betonte bereits vor der Veröffentlichung gegenüber des Fernsehsenders CNN: “Wir können uns glücklich schätzen, Männer und Frauen zu haben, die bei der CIA hart für uns arbeiten.” Zu seiner federführenden Beteiligung meint der Ex-Präsident in seiner Autobiograhie bereits im Jahr 2010, dass er die Wahl gehabt habe “zwischen Sicherheit oder Werten!” Ähnliches ist auch aus Frankreich zu hören, wo die rechtspopulistische Marine Le Pen von “nützlich” im Zusammenhang mit der Folter spricht. Bush selbst hatte 2008 ein Gesetz des Kongresses gestoppt, das derartige Verhörmethoden beendet hätte. Später dann, im Jahr 2009 lehnte es der Senat mit 90:6 Stimmen ab, Gelder für die Schliessung zu genehmigen. Auch Demokraten wollten verhindern, dass nachgewiesene Terroristen ihre Strafe in US-Gefängnissen absitzen sollen, wo sie durch Anschläge freierpresst werden könnten.
Unzählige Organisationen (Amnesty International, Human Rights Watch, American Civil Liberties Union,…), aber auch die EU und die Vereinten Nationen fordern Konsequenzen, Sonderermittler und Anklagen. Ob diese jedoch etwas bringen werden oder nicht, steht in den Sternen zu lesen. Das US-Justizministerium äusserte sich bereits insofern, dass es keine Erhebungen einleiten wird. Auch die Zivil-Gerichte der USA haben dies ja schon abgehandelt. Bleiben internationale Gerichte – wie etwa das Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag oder die UN-Menschenrechtskommission! In beiden Institutionen allerdings sind die Vereinigten Staaten nicht unwesentlich beteiligt – ergo: Auch hier wird es keinerlei Verurteilungen geben. Das will eigentlich auch der Vorsitzende der NGO “American Civil Liberties Union”, Anthony Romero, nicht. Er betonte, Präsident Obama möge die damaligen Politiker Bush, Cheney und Rumsfeld sowie den Ex-CIA-Boss Tenet und den federführenden Juristen aus dem Weissen Haus, John Yoo, begnadigen. Damit sei nämlich deren Mitwissen und Zutun klar dargestellt. Doch denke ich, dass dies die republikanische Mehrheit im US-Kongress niemals zulassen wird. War dies somit alles nur eine Schlagzeile, die 2014 für etwas Aufruhr sorgte? Wird der Bericht etwas verändern?

Lesetipps:
.) Guantánamo Bay: Amerikas Krieg gegen die Menschenrechte; David Rose; Verlag S. Fischer, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-10-066300-4
.) Rechtsstaat und Terrorismus. Untersuchung der sicherheitspolitischen Reaktion der USA, Deutschlands und Großbritanniens auf den internationalen Terrorismus; Stephan Büsching; Peter Lang 2010, ISBN 978-3-631-59657-9
.) Fünf Jahre meines Lebens. Ein Bericht aus Guantanamo; Murat Kurnaz; Rowohlt, 2007, ISBN 3-87134-589-X.

Links:
www.wikileaks.org/gitmo/
www.cnn.com
www.hrw.org/
amnesty.org
www.foia.gov/
law.shu.edu/
www.cyclopaedia.de
www.jtfgtmo.southcom.mil/xWEBSITE/index.html
CIASavedLives.com

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Kooperieren oder geschluckt werden

Bei meinen Recherchen für die unterschiedlichsten Texte bin ich immer mal wieder über die sog. “Big-Player” gestolpert. Jene teils multinationale Konzerne, die sich schon längst von ihrem eigentlichen Kerngeschäft verabschiedet und in teils unglaublich viele Richtungen teilstrukturiert haben. Da Otto-Normalbürger davon meist gar keine Ahnung hat, zum Teil solche Konzerne zudem boykottiert und nicht wissend trotzdem bei ihnen einkauft, möchte ich mich diesem Wirtschaftsphänomen etwas genauer widmen. Die Auflistung erhebt in keinster Weise den Anspruch auf Vollständigkeit (wollte eigentlich über deren mehr schreiben, währenddessen allerdings trafen zu viel Text und Inhalt aufeinander). Deshalb habe ich aus drei unterschiedlichen Branchen jeweils ein Unternehmen herausgegriffen, das meistens nach dem Motto lebt: Arbeite mit uns zusammen, oder Du wirst geschluckt!
Beginnen wir am besten gleich mit einem Global Player, mit welchem wohl jeder von uns tagtäglich zu tun hat, vollkommen egal in welcher Schattierung: Die Nestlé S.A.! Das grösste Industrieunternehmen der Schweiz ist zugleich auch der grösste Nahrungsmittelhersteller der Welt. Ohne eine Entscheidung aus der Firmenzentrale in Vevey läuft in diesem Sektor gar nichts. Es ist schon erstaunlich, was seit 1866 geschehen ist, als der eidgenössische Apotheker Henri Nestlé die Farine Lactée Henri Nestlé lk.A. gründete. Er hatte ein Jahr drauf das erste lösliche Milchpulver für Säuglinge als Ersatz der Muttermilch auf den Markt gebracht. Nur neun Jahre nach der Eintragung im Gewerberegister hat sich Henri Nestlé komplett aus dem Unternehmen zurückgezogen – doch sein Namen sollte sich bis in die Gegenwart hinein halten. Findige Manager fusionierten und schluckten Werke sowie komplette Firmen. Auch deutlich grössere – etwa 1905 die Anglo-Swiss Condensed Milk Company oder 1947 die Maggi AG. Nestlé holte noch vor dem Zweiten Weltkrieg namhafte Schokolade-Hersteller aus der Schweiz in’s Boot und begann ab 1938 mit der Produktion von löslichem Kaffee! In den 60ern des voerhergehenden Jahrhunderts wurde die Findus AG mit Schwerpunkt Konserven, Eis und Tiefkühlprodukte aufgekauft, Anfang der 70er dann die Ursina-Franck AG mit den Marken “Thomy” und “Bärenmarke” übernommen. 1974 stiess die Anteilsmehrheit an Gesparal hinzu und damit auch die Mehrheit am Kosmetik-Hersteller L’Oreal. Die 80er Jahre wurden für den US-amerikanischen und britischen Markt genutzt. Sozusagen im Vorbeigehen schnappte man sich den italienischen Buitoni-Nudel- und Süssigkeiten-Konzern, ein Jahr später die Mineralwasser-Marken Perrier und Sanpellegrino. Der Expansionsdrang ging auch nach der Jahrtausendwende weiter: Ralston Purina (Tierfutter), Schöller (Eis), Dreyer’s (Eis), Wagner (Tiefkühlpizza), Gerber (Kindernahrung) und den Tiefkühl-Pizza-Bereich von Kraft-Foods. 2012 wurde – strategisch ausgezeichnet geplant – der Babynahrungsbereich des US-amerikanischen Konzerns Pfizer übernommen, der sich v.a. im rasch grösser werdenden Markt der Schwellen- und Entwicklungsländer engagiert. Daneben gab es zahlreiche Joint Ventures – etwa mit Lactails (Frischeprodukte), General Mills (Frühstücksgetreideprodukte) und Coca Cola (Teegetränke). Schöller Eis und Alcon (Augenpflegemittel) wurden inzwischen wieder veräussert. Nestlé erzielte alleine im vergangenen Jahr 2013 einen Umsatz von knapp über 92 Milliarden CHF (rund 76,5 Mrd. €) und einen Reingewinn von 10 Mrd CHF (8,32 Mrd. €). Insgesamt beschäftigt der Big Player weltweit zirka 335.000 Arbeiter und Angestellte. An Nestlé-Produkten werden Sie nicht so rasch vorbeikommen. Angesichts derartiger Wirtschaftspower sind auch die Wettbewerbshüter machtlos. Sollte eine Übernahme nicht funktionieren, wird einfach die Produktion einer ganzen Tranche in’s Ausland verlagert. Die Konsequenz: Es gehen Arbeitsplätze verloren. Immer wieder wird das Unternehmen mit Klagen konfrontiert: Aggressives Marketing, Säugilngstod, Gentechnik, Kinderarbeit, Regenwaldzerstörung, Tierversuche, Infiltration… All die Prozesse endeten bislang mit einem Freispruch für das Unternehmen oder einem Einlenken, wie etwa dem Harkin-Engel-Protokoll gegen die Kindersklaverei bei der Kakao-Ernte. Dieses Protokoll jedoch wurde im Rahmen einer Untersuchung der Zulane-University im Jahre 2011 als sehr löchrig beurteilt.

Nestlé-Marken:
Alete, After Eight, Beba, Buitoni, Caro, Felix, Frische Brise, Gourmet, Herta, Kitkat, Lion, Maggi, Nescafe, Nesquick, Nuts, Sanpellegrino, Smarties, Thomy, Vittel, Wagner,…

Ebenfalls aus der Schweiz stammt das weltweit grösste Pharma-Unternehmen – die Novartis AG. Es juckt mir ganz extrem in den Fingern, über dieses Unternehmen zu berichten, jedoch laufen deren Anwälte gegenwärtig aufgrund eines Impfskandales in Italien Sturm. Deshalb verschieben wir dies auf etwas später, um damit etwaigen Unterlassungs- oder Ehrenbeleidigungsklagen zu entgehen. Anstatt dessen möchte ich mich dem etwas kleineren Bayer Konzern zuwenden. 1863 gründeten im heutigen Wuppertal Friedrich Bayer und Johann Friedrich Weskott die Firma “Friedr. Bayer et comp.” mit dem Ziel der Farbenherstellung. Binnen kürzester Zeit wuchs das Unternehmen auf 300 Angestellte und wagte 1881 den Schritt an die Börse. Parallel zur Herstellung der unterschiedlichsten Farben wurde auch in pharmazeutischer Richtung geforscht. Dabei stiessen die Wissenschaftler auf die positive Wirkung von Acetylsalicylsäure. Es wurde nur wenig später als “Aspirin” auf den Markt gebracht und gehört auch heute noch in jede Hausapotheke. Den Studien von Gerhard Domagk hat der Konzern zwei weitere Flaggschiffe zu verdanken: “Zephirol” (Desinfektion) und “Prontosil” (Breitbandantibiotikum gegen Kokken-Infektionen). Für letzteres erhielt Domagk 1939 den Nobelpreis für Medizin. Nettes Detail am Rande: Bayer kaufte 1896 auch das Patent für die Herstellung von Heroin. Noch vor dem Jahrhundertwechsel wurde das Unternehmen zu einem der führenden chemischen Produzenten der Welt ausgebaut. Der damalige Unternehmenschef Duisberg errichtete rund um die Produktionsstätte in Wiesdorf eine richtiggehende Stadt. Unter Einbeziehung zweier weiterer Gemeinden entstand hieraus Leverkusen. Noch vor dem 1. Weltkrieg kam es zu einem Joint Venture mit BASF, dem auch Agfa beitrat. Bayer hatte vor Ausbruch des Weltkiregs bereits über 10.000 Mitarbeiter und Filialen – auch in den Staaten der Entente. Während des Krieges musste der Konzern zuerst Sprengstoff und später auch Gas produzieren, obwohl sich Duisberg zuvor geweigert hatte. 1924/25 schliesslich wurden Bayer und BASF fusioniert. Hinzu kamen die Farbwerke Höchst und Agfa. Neben Farben und Arzneimittel erstreckte sich die Produktion fortan auch auf Kupferseide und Pflanzenschutzmittel. 1931 entwickelte ein Chemiker aus Backpulver, Aspirin und Zitronensaft “Alka-Seltzer”, wodurch ein weiterer Verkaufshit v.a. in den USA das Licht der Welt erblickte. Im 2. Weltkrieg wurden Öl- und Schmiermittel sowie Kautschuk für die Kriegswaffen-Industrie entwickelt und produziert, wobei auch Zwangsarbeiter zum Einsatz kamen. Nach der Freigabe durch die Besatzungsmächte erfolgte der rasante Wiederaufbau. In der Pharmaindustrie konzentrierte man sich in den 50ern auf Mittel gegen Tuberkulose und die Produktion von Penicilin; am neu eröffneten Standort im US-Bundesstaat Ohio auf die Entwicklung von Polyurethan, in Florida auf Pflanzenschutzmittel, in Chile auf synthetische Gerbstoffe. Gemeinsam mit der BP Hamburg wurden zudem die Finger in der Ölchemie ausgestreckt. Mit Monsanto begründete Bayer in den USA die “Mobay”, die u.a. für die Entwicklung des im Vietnamkrieg verwendeten “Agent Orange” verantwortlich zeichnete. In den 60ern fusionierten Agfa und die Gevaert AG – es entstand ein Foto- und Filmmoloch. Immer mehr wurde eingegliedert, immer grösser der Konzern. Aus den 3 Mitarbeitern des Jahres 1863 wurden 115.500 anno 2013. Bayer zählt inzwischen zu den weltweit führenden Pharma- und Pflanzenschutzkonzernen. Die in der Bayer Holding zusammengefassten eigenständigen Teil-Konzerne Bayer HealthCare AG, Bayer CropScience AG sowie Bayer MaterialScience AG und deren Servicegesellschaften Bayer Technology Services GmbH und Bayer Business Services GmbH erwirtschafteten 2013 einen Umsatz von nicht weniger als 40,2 Mrd. € und einen Gewinn von rund 3,2 Mrd. €. Durch ein Joint Venture mit dem eidgenössischen Roche-Konzern, der Übernahme der Scheiring AG und des Krebsmedikamentenherstellers Algeta aus Norwegen sowie dem Kauf des Consumer-Care-Geschäfts des US-Konzerns Merck & Co für kolportierte 14,2 Mrd. US-Dollar wurde Bayer im Mai dieses Jahres zur Nummer zwei in der Rangliste der weltweiten Anbieter von rezeptfreien Medikamenten und Gesundheitsprodukten (Nummer 1 ist der US-Konzern Johnson & Johnson). Auch gegen Bayer wurde immer wieder prozessiert – so etwa nach der Vergiftung von Milchpulver durch ein unsachgemäss gekennzeichnetes Insektizid , woran sich 42 Kinder eines Dorfes in Peru vergifteten und 24 davon gar verstarben. Anfang 2000 brachte eine US-Tochter-Firma ein mit dem HI-Virus verseuchtes Medikament auf den Markt. Hunderte Menschen – vornehmlich in Fernost-Asien – infizierten sich mit dem Virus. Die grösste Katastrophe aber bedeutete gleich nach Beginn des neuen Jahrtausends das Medikament “Lipobay”. Ein Wirkstoff löste im Zusammenspiel mit anderen Cholesterinsenkern Muskelzerfall aus, was für die meisten Betroffenen tödlich endete. Der Konzern nahm das Produkt vom Markt. Nicht zuletzt auch die Nachwirkungen des Ganzen brachten einen Verlust in der Höhe von 1,12 Mrd US-Dollar durch Vergleichszahlungen. Ein Urteil erfolgte aufgrund dessen nicht. Allerdings gingen tausende Arbeitsplätze verloren. Der Bayer-Konzern war erstmals breitseits getroffen. Dies übrigens löste die vorhin angesprochene Aufsplittung in Teilkonzerne aus. Zudem gibt es auch ein Spruch des deutschen Bundesverfassungsgerichtshofes aus dem Jahr 1992, wonach Kritiker behaupten dürfen:

„In seiner grenzenlosen Sucht nach Gewinnen und Profiten verletzt Bayer demokratische Prinzipien, Menschenrechte und politische Fairness.“

Kritisiert werden dabei immer wieder Verstösse gegen die Menschenrechte, Kriegsverbrechen, irreführender Werbung und Tierversuche. Zudem sollen Preisabsprachen getätigt worden sein (Aspirin-Kartell, Kautschuk-Kartell). Ansonsten ist der Bayer-Konzern jedoch bekannt für seine Personalpolitik – neben einer Sozialabteilung gibt es noch eine eigene Personalabteilung für alle Mitarbeiter – egal ob aus der obersten Etage oder vom Fliessband ganz unten. Ziel ist die Identifikation der Arbeitnehmer mit der “Bayer-Gemeinschaft”. Dies gilt für deutsche Landen – in den USA wurden die Produktionsstätten mit in der Gewerkschaft organisierten Mitarbeitern nach und nach geschlossen.

Bayer-Marken:
Alka-Seltzer, Apex, Aspirin, Baypren, Baytril, Bepanthen, Berocca, Betanal, Contour, Desmolac, Elevit, Ipranil, Mirena, Poncho, Pitorin, Rennie, Supradyn, Yasmin…

Das drittte Unternehmen, das ich Ihnen heute in dieser Auflistung näher bringen möchte ist die zwar wesentlich kleinere, nichtsdestotrotz aber sehr mächtige Oschmann-Gruppe. In der Branche ist Oschmann bekannt als “Der kleine Kirch” – über Leo Kirch und sein Imperium habe ich an dieser Stelle ja schon ausführlich berichtet. Ganz so falsch liegen damit die Kritiker und auch die Schreiberlinge des Springer-Verlages (die so 2003 schlagzeilten) nicht, es sei Ihnen aber eines an’s Herz gelegt: Wer im Glashaus sitzt, der werfe nicht mit Steinen! Weitestgehend ohne grosses Aufsehen hat der ehemalige Verleger Gunther Oschmann ein Medien- Imperium aufgebaut, das seinesgleichen sucht. Der geborene Franke trat nach dem BWL-Studium in den Telefonbuch-Verlag seines Grossvaters Hans Müller ein. Nach dessen Tod leitete er im Alter von nur 25 Jahren alleine die Geschicke des Verlags. Und – er setzte das um, was er offenbar während seines Studiums gelernt hatte: Er expandierte. Nach und nach wurden Verlage oder Anteile aufgekauft, wie etwa der Düsseldorfer Adressbuch-Verlag Schwann, der Osang-Verlag in Bad Honnef, der Hamburger Jugendbuchverlag Tessloff und einige andere mehr. Zeitgleich wurden in zahlreichen anderen Ländern Standorte gegründet – auch in Österreich und der Schweiz. Zudem zeigte sich der Unternehmer nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sehr an den Ländern des Ostens interessiert. Beschäftigte Oschmann damals im Verlag seines Grossvaters noch 49 Mitarbeiter, so waren es anno 2003 bereits über 2.000. In diesem Jahr übergab er das Tagesgeschäft seinen beiden Kindern Michael und Constanze. Sie regierten ab sofort über jährlich 325 Ausgaben und 19 Millionen Telefonbüchern – ein ausgezeichnet florierendes Geschäft. Im Hintergrund aber zog Oschmann sen. nach wie vor die Strippen. Als Mitte der 80er Jahre die Rundfunkliberalisierung in Deutschland Einzug hielt, mischte der selbst sehr medienscheue Franke kräftig mit. Heute hält er teils erhebliche Anteile an mehr als der Hälfte aller bayerischen Rundfunksender, darunter die Zugpferde Antenne Bayern, Gong und Charivari. Beteiligungen gibt’s zudem in anderen Bundesländern. Auch als in Österreich (als letztem Staat Europas) endlich die Privaten zugelassen wurden (1996 bzw. 1998), hatte sich die Oschmann-Gruppe über den Salzburger Telefonbuch-Verlag längst seine Schäfchen in’s Trockene gebracht. Von den Antenne-Sendern bis zum Mantel-Anbieter Arabella – man möchte beinahe meinen, dass die Mediengruppe Mitarbeiter beschäftigt, die nur von einer Gesellschaftersitzung zur anderen fahren. Auch die regionalen bzw. lokalen TV-Stationen in Deutschland blieben selbstverständlich nicht verschont. All diese elektronischen Aktivitäten wurden schliesslich in einer eigenen Holding (“Neue Welle”) gebündelt, um sich deutschlandweit besser am Markt positionieren zu können. Mehr als 60 regionale TV- und Rundfunkanbieter, die nach aussen hin zwar als unabhängig auftreten, im innerbetrieblichen Bereich jedoch klar geführt werden, gehören inzwischen dem Oschmann-Imperium an. Soweit also die sowohl in Deutschland als auch im Alpenstaat so heiss ersehnte bunte Vielfalt an Musik und Meinung! Im Jahre 2003 streckte der gewiefte Medien-Manager die Finger nach den DeTe-Medien aus. Deren Marktwert wird auf mehrere hundert Millionen € geschätzt – mit den Produkten “Das Telefonbuch”, “Das Örtliche” sowie “Gelbe Seiten” war die Deutsche Telekom Platzhirsch in Deutschland. Oschmann selbst bezeichnet sich als “kleinen Mittelständler”, der nicht wirklich in den Medien präsent sein muss (klar – er bevorzugt das Dasein am Regiepult). Wenn auch die Kritiker Oschmann zugute halten mögen, dass er kein Tageszeitungsverleger ist, so arbeitet er doch mit sehr vielen dieser Spezies zusammen. Hervorragend vernetzt als Mitglied der unterschiedlichsten Gremien und Vereinen, als Pate und Stiftungsrat weiss er sich stets mit dem notwendigen politischen Rückhalt durchzusetzen. So wusste selbst die in Bayern zuständige Behörde zur Vergabe der Sendelizenzen BLM lange Zeit nicht, dass Oschmann an dermassen vielen Unternehmungen beteiligt war (ob dies etwas an der Vergabe geändert hätte, sei dahingestellt). An der jetzigen MüllerMedia GmbH & Co. KG hält Gunther Oschmann 55 % der Anteile, der Rest ist zu gleichen Teilen auf seine beiden Kinder aufgeteilt. Mit Umsatzzahlen kann ich hier leider nicht dienen, da trotz intensivster Recherche online nichts zu finden war!

Marken aus dem Hause Oschmann:
Antenne Bayern, Funkhaus Nürnberg, Radio Primavera, Radio Gong, Radio Charivari, Radio Arabella, Radio Eins, Radio Leipzig, Radio Dresden, hit radio FFH, BLR, München TV, Main TV, Franken Fernsehen, Antenne Vorarlberg, Arabella Österreich, Life Radio Tirol/Oberösterreich,…

To be continued!!!

Quellennachweise:
www.nestle.com
www.bayer.de
www.aspirin.de
www.leverkusen.com
www.mueller-medien.com
www.muellerverlag.de/
www.kek-online.de

Lesetipps:
.) Das neue Schwarzbuch Markenfirmen: Die Machenschaften der Weltkonzerne; Klaus Werner, Hans Weiss; Ullstein Taschenbuch, 2010, ISBN 978-3-548-37314-0
.) Nestlé. Macht durch Nahrung; Friedhelm Schwarz; DVA; Stuttgart 2000, ISBN 3-421-05331-6
.) Strukturwandel und Kulturwandel international tätiger deutscher Unternehmen: Das Beispiel des Bayer-Konzerns; Tina Guenther; DUV, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-8350-0397-2
.) Stimmt die Chemie? Mitbestimmung und Sozialpolitik im Bayer-Konzern; Klaus Tenfelde, Karl-Otto Czikowsky, Jürgen Mittag, Stefan Moitra, Rolf Nietzard (Hrsg.); Klartext Verlag, Essen 2007, ISBN 978-3-89861-888-5.
.) Von der Handschrift zum Internet. Felder und Wege eines Nürnberger Medienunternehmens. Müller-Medien. Text und Red.-Leitung: Gerhard Friedrichs, Telefonbuch-Verlag Hans Müller. Nürnberg: Verlag Hans Müller, 2000, 187 S., ISBN 3-87191-275-1 (Edition: Impressionen aus Wirtschaft und Kultur)

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