Archive for Januar, 2015

Plagt Dich das Zipperlein, musst Du sparsam mit dem Essen sein!!!

Als ich kürzlichst einen alten Bekannten traf, staunte ich nicht schlecht! Kam er doch hinkend zum Termin. Da ich davon ausging, dass es sich um eine Sportverletzung handelte, meinte ich etwas schnippisch: “Na – beim Tennis einem Sandkorn ausgewichen!” Er verneinte und meinte nur ganz leise: “Nein – Gicht!” Ich war wie von den Socken. Schliesslich ist mein Bekannter erst knapp über 40, war immer schon sehr sportlich und kann es sich aufgrund seines Jobs nicht leisten, über den Durst zu trinken, da er tagtäglich als Referent vor einigen zig Leuten steht. Und damit bin ich schon mitten drin, im Klischee-Denken unserer Gesellschaft:

Alle Menschen, die unter Gicht leiden, sind Alkoholiker!

Inzwischen – nach all diesen Recherchen jedoch – bin ich wesentlich weiser geworden und denke mir, dass endlich aufgeklärt und umgedacht werden sollte.
Die Gicht oder auch Urikopathie ist eine Stoffwechselerkrankung. Ausgelöst wird sie durch die Zersetzung von Eiweissen. Als Endprodukt entsteht Ammoniak. Dessen Vorform, die Harnsäure lagert sich in Form von Kristallen in den Gelenken ab und verändert die Knochen- und Knorpelsubstanz. Solche zerstörten Gelenke wurden u.a. auch beim Tyrannosaurus Rex entdeckt! Die Gicht erfolgt zumeist in Schüben, die jedoch unbehandelt chronisch werden und ineinander übergehen können. Ansonsten klingen sie zuhauf nach einer Woche aus. Hinterlassen jedoch Spuren: Neben der Schädigung des Bewegungsapparates kann es auch zu einer Niereninsuffizienz kommen. Die Niere ist neben der Leber das grosse Entgiftungsorgan des Menschen. Hier wird das Blut von Schadstoffen gereinigt, sodass diese nicht mehr über das kilometerlange Transportsystem der Adern und Venen im Körper zirkulieren oder sich dort gar – wie in diesem Falle – absetzen können. Harnsäure (chemisch C5H4N4O3: 2,6,8-Trihydroxypurin oder auch Purin-2,6,8(1H,3H,9H)-trion) entsteht beim Abbau von Purinbasen (Nukleinsäureabbau) und ist ein Abfallprodukt des Stoffwechsels, nicht nur beim Menschen – auch etwa bei Vögeln. Chemisch ist die HS eigentlich eine schwache Säure, die weisse geruchlose Kristalle ausbildet. In Wasser nur sehr schwer löslich, ist dies in basischen Flüssigkeiten sehr leicht machbar. An dieser Stelle möchte ich nicht detailliert darauf eingehen, wie der Körper diese Säure bildet. Allerdings sei darauf hingewiesen, dass der Harnstoff durch Urease zuletzt zu Ammoniak und Kohlendioxid umgewandelt wird. Rund 75 % der Säure werden über die Nieren herausgefiltert, der Rest durch den Darm, aber auch durch die Schweiss- und Speicheldrüsen. Der Mensch und mit ihm auch die menschenähnlichen Schimpansen, Gorillas und Orang-Utas (Hominiden) besitzen einen wesentlich höheren Harnsäurespiegel als die anderen Säugetiere. Dies bewirkt die Niere durch einen Anionentausch. Harnsäure wirkt übrigens antioxidativ – eigentlich ja positiv für den Körper. Wird nun die Harnsäure aus irgendeinem Grund nicht mehr aus dem Blut gefiltert (rund 800 mg pro Tag bei einem Harnsäurespiegel von 6 mg/dl), so führt es zu einer Übersäuerung des Blutes (Hyperurikämie) und einer abschliessender Ablagerung der Kristalle (Urolithe). Meist an solchen Stellen, die am weitesten vom Herzen entfernt sind, wo also das Blut nicht mehr jene Körperwärme erzeugen kann, die es an anderen Stellen produziert. Das ist meist das Gelenk des grossen Fusszehs. Hier lagert sich vornehmlich das Mononatriumurat an und schädigt das Gelenk nachhaltig. Auch als Nierensteine können sich die Kristalle absetzen und die Funktion dieses wichtigen Organes schmerzhaft beeinträchtigen.
Auslöser für eine solche anormale Harnsäure-Erhöhung können die unterschiedlichsten Krankheiten sein: Etwa ein chronisches Nierenversagen (Niereninsuffizienz) oder Hämoblastosen, aber auch spezielle Medikamente (wie etwa zur Entwässerung), die Zerstörung von Tumorzellen (durch Strahlentherapie) oder eine falsche Ernährung durch stark fructose- bzw. purinhaltige Lebensmittel. Und nun erst kommt unter Umständen der Alkohol in’s Spiel: Ethanol nämlich hemmt die Harnsäureausscheidung, da die Niere zuerst die Carbonsäuren, dann erst die Harnsäure herausfiltert. Der Harnsäuregehalt im Blut wird durch einen Enzymtest (mit Photometrie) bzw. dem Eindampfen mit Salpetersäure (mit dem Versetzen der Ammoniak-Lösung) bestimmt.
Soweit die Biochemie und die Medizin. Wissenschaftler, allen voran Giovanni Battista Morgagni, ein Professor in Padua, und der Schwede E. Kylin (Entdecker des “Metabolischen Syndroms” MetS – vielleicht mal Inhalt eines anderen Blogs!) entdeckten nun einen Zusammenhang zwischen Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck und der Gicht. Deshalb wird die Erkrankung auch gerne als “Wohlstandskrankheit” bezeichnet. Früher hatten sie meist die Adeligen und Reichen, die sich das Leben im Überfluss leisten konnten. Heutzutage jedoch ist es meist umgekehrt, denn gesundes Leben kann sich nicht mehr jeder leisten. Etwa heimisches Obst oder Gemüse, das möglichst viele Vitalstoffe beinhaltet, da es nicht während des Transportes nachreift. Oder fettarmes heimisches Fleisch! Allerdings sollte nicht unerwähnt bleiben, dass ein normaler Mensch dieses Zuviel an Harnsäure normalerweise ausscheidet. Also ist die auslösende Ursache nicht selten ein angeborener Stoffwechseldefekt (“primäre Gicht”).
Die Symptome der Gicht sind schnell beschrieben: Geschwollene, gerötete Gelenke, die sehr schmerzen. Meist im Bereich der grossen Zehe. Wird die Erkrankung vorzeitig erkannt, kann sie durch eine entsprechende langfristige Therapie meist gut in den Griff bekommen werden. Dabei ist es zwar schon richtig, dass fetthaltiges Fleisch und Alkohol gestrichen werden sollten. Vergleicht man allerdings die Werte in der Purintabelle der Deutschen Gichtliga, so kann erkannt werden, dass etwa 1/4 l Rot- oder auch Weisswein zu so gut wie keiner Harnsäure führt. Oder das ansonsten so gesunde und schmackhafte Brokkoli die Bildung einer recht grossen Menge an Harnsäure bewirkt. Schauen Sie sich diesen Purin-Kalkulator etwas genauer an – sie werden überrascht sein, welche eigentlich immer wieder empfohlenen, gesunden Lebensmittel sie im wahrsten Sinne des Wortes sauer machen!

http://www.gichtliga.de/Templates/purinrechner.php

Auch der ansonsten in der Ernährungsberatung immer wieder angepriesene Fisch ist mit Vorsicht zu geniessen, schliesslich beinhalten die meisten Arten einen hohen Eiweiss-Anteil. Wir wissen ja inzwischen: Purin entsteht aus dem Abbau von Eiweiss!
Steigt nun bei solchen Menschen kurzfristig der Harnsäurespiegel an, so haben sie meist keinerlei Probleme damit. Bewegt er sich hingegen gleichbleibend auf hohem Niveau, so kommt es urplötzlich zu einem Gichtanfall. Zirka 20 % der Männer über 50 und 3 % der Frauen in diesem Alter besitzen einen erhöhten Harnsäurespiegel – bei jedem 10. davon bricht auch die Erkrankung aus! Das “Zipperlein” (wie die Gicht im Volksmund bezeichnet wird) ist also gar nicht mal so selten! Dabei ist die sog. “sekundäre Gicht” (die Ursache ist eine Erkrankung oder Störung) in unseren Breitengraden der Hauptauslöser, da sich viele Menschen falsch ernähren, an Übergewicht und Bluthochdruck leiden und zu wenig Bewegung haben. Purinreiche Lebensmittel sollten – wenn überhaupt – nur in geringen Mengen verzehrt werden. Innereien, Tomatenketchup, Rosenkohl aber auch geröstete Erdnüsse oder Bier (aufgrund der Hefe) beinhalten sehr viel Purin, das nahezu 1:1 in Harnsäure abgebaut wird. Pro Tag sollten max. 400 mg Purin in den Körper gelangen – das ist gar nicht mal so einfach. Allerdings wirkt nicht nur die Purin-Zugabe als verursachend – auch der Abbau von Körperzellen (wie beispielsweise bei der Leukämie) führt zu einem Anstieg der Harnsäurekonzentration.
Der Vollständigkeit erwähnt sei das Lesch-Nyhan-Syndrom, das vornehmlich bei Jungen vorkommt. Dabei produziert der Körper aufgrund eines Gendefektes mehr Harnsäure, als abgebaut werden kann. Dieses Syndrom allerdings ist sehr selten. Fakt ist jedoch, dass in den meisten Fällen die Gicht weitervererbt wird.
Wird nun die Harnsäure-Konzentration im Blut nicht korrigiert bzw. deren Produktion eingeschränkt, so leidet am meisten die Niere darunter. Es kommt zu Knotenbildungen, Nierensteinen oder auch zu einer Niereninsuffizienz. Im schlimmsten Falle wird eine Dialyse oder Nierentransplantation notwendig.
Die Akut-Behandlung setzt vornehmlich bei einer Vorbeugung der Schmerzen eines Gichtanfalles an. So hilft neben der chemischen Keule durch Medikamente (wie Naproxen, Prednisolon oder Diclofenac) auch eine Eispackung und die Ruhigstellung der betroffenen Körperpartie. Dann geht es daran, den Säuregehalt dauerhaft zu senken. Auch hier helfen Medikamente wie etwa Allopurinol oder Febuxostat, die jedoch schwere Nebenwirkungen wie beispielsweise Störungen des Verdauungstraktes oder allergische Hautreaktionen aufweisen. Wird der Harnsäurespiegel gesenkt, so treten innerhalb der ersten vier bis sechs Monate immer wieder akute Gichtfälle auf (Rezidivattacken), da die Kristalle, die sich inzwischen gebildet haben, abgebaut werden und somit erneut Harnsäure bzw. Ammonaik freisetzen. Studien haben ergeben, dass rund 90 % der Gichtpatienten in den nächsten 5 Jahren nach dem ersten Schub, zumindest einen zweiten erleiden. Damit die Nieren nicht geschädigt werden, muss viel Flüssigkeit getrunken werden (2 Liter – mehr spült nicht automatisch mehr Harnsäure weg). Das A und O der Behandlung ist allerdings die bereits angesprochene Ernährungsumstellung: Weniger Fleisch und Fisch, weniger Alkohol, keine Innereien! Sollten nun die Veganer aufschreien: “Siehst Du – ich hab’s Dir ja gleich gesagt!”, dann möchte ich hierbei nicht unerwähnt lassen, dass Tofu einen mittleren Puringehalt aufweist (68 Milligramm gebildete Harnsäure pro 100 Gramm). Milchprodukte hingegen sind praktisch purinfrei! Auch wenn Obst generell einen niedrigen Puringehalt aufweist, so wird beim Abbau des enthaltenen Fruchtzuckers der Energieträger ATP benötigt, der u.a. aus Purinen aufgebaut wird! Auch dies führt zu einem kurzfristigen Anstieg des HS-Gehaltes im Blut. Fette, völlig gleichgültig ob pflanzlichen oder tierischen Ursprungs, gesättigt oder ungesättigt) beinhalten ebenfalls nur wenig Purin – bei deren Abbau jedoch entstehen Ketonkörper, die wiederum die Ausscheidung von Harnsäure behindern. Übrigens werden derartige Ketonkörper auch bei strengem Fasten durch den Körper freigegeben.

Hoher Puringehalt (ergibt viel Harnsäure):
Erbsen, Fleisch- und Hefeextrakt, Forelle, Hering, Kabeljau, Kalbfleisch, Leber, Linsen, Makrelen, Muscheln, Nieren, Pute, roher Schinken, Rindfleisch, Sardellen, Sardinen, Schellfisch, Schweinefleisch, Suppenwürfel, weisse Bohnen.

Mittlerer Puringehalt (nur gelegentlicher konsumieren):
Aal, Austern, Bouillon, Ente, Erdnüsse, Garnelen, gekochter Schinken, Huhn, Hummer, Kidney-Bohnen, Krabben, Pilze, Spinat.

Geringer Puringehalt (hier können Sie zulangen):
Brot, Eier, Früchte, Getreide, Kaffee, Kartoffeln, Käse, kohlensäurehaltige Getränke, Margarine, Milchprodukte, Nudeln, Reis, Salat, Schokolade, Spargel, Tomaten, Zucker

Übrigens produziert der Körper selbst pro Tag zwischen 3-400 mg Purin!
Positiv auf die Konzentration der Harnsäure im Blut wirken offenbar Kaffee und bei gesunden Menschen auch Vitamin C (bei Gichtpatienten ist es nicht wissenschaftlich nachgewiesen). Die Homöopathie schwört auf Colchicin. Das Gift der Herbstzeitlosen wirkt auf den Menschen in hoher Dosis tödlich, da es die Atmung lähmt. Auch in geringerer Konzentration treten bei manchen Menschen Nebenwirkungen wie etwa Durchfall auf. Colchicin ist ein Gift – das sollte immer beachtet werden. Deshalb gelangt es heute auch weniger zur Anwendung. Es hindert die Leukocyten bei der Aufnahme der Harnsäurekristalle und mindert so die ansonsten auftretende Entzündungsreaktion. Somit also nur eine Behandlung der Symptome – nicht der Ursachen.
Übrigens – viele Menschen haben einen erhöhten Harnsäurespiegel, jedoch niemals Beschwerden. Eine Konzentration von über 7,5 mg/dl sollte auf jeden Fall gesenkt werden, bereits ab 6,5 mg/dl werden Depots an Kristallen gebildet.

PS:
Mein Bekannter hat inzwischen Wurst und Fleisch unter der Woche komplett aus seinem Speiseplan gestrichen und verfolgt am Wochenende (wie er es formulierte) die “Einser Philosphie”: Am Freitag ein Viertel Rotwein, am Samstag ein Bier und am Sonntag einen kleinen Radler – mehr nicht! Trotzdem ist er nicht beschwerdefrei. Auch während unseres Treffens hat er zwei grosse Spezi verdrückt. Doch gibt es mehrere positive Begleiterscheinungen:
- er unterstützt damit nicht die grauenvolle Fleischindustrie
- mehr Gemüse macht auch die Kartoffeln bzw. den Reis interessanter
- die kleinen Sünden am Wochenende schmecken besser und können so richtig genossen werden
- auch das Geldbörserl wird geschont!
Doch Vorsicht: Es wird weniger Fett aufgenommen, das ja eigentlich das Hungergefühl bekämpft. Somit braucht der Körper mehr – auch Kohlenhydrate! Es droht somit erneut Übergewicht!

Links:

http://www.gichtliga.de

http://www.ernaehrung.de

http://www.bls.nvs2.de/

http://www.aqed.de/

http://www.eatrack.de

http://www.dgem.de

http://www.clinicaltherapeutics.com

Lesetipps:
- Diät bei Gicht und Harnsäuresteinen; Nepomuk Zöllner, Brigitte Zöllner; Falken Verlag (1990)
- Ernährung in Prävention und Therapie; C. Leitzmann, et al; 3. Auflage; Hippokrates, Stuttgart (2009).
- Ernährungsmedizin; Hans-Konrad Biesalski et al; Thieme Verlag (2004)
- Adipositas: Ätiologie, Folgekrankheiten, Diagnostik, Therapie; Alfred Wirth; Springer-Verlag Berlin (2007)
- Diseases of the kidney & urinary tract; Robert W. Schrier; 8. Auflage; Lippincott Williams & Wilkins (2007)

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Wenn ich nur aufhör’n könnt’!

Ich denke mir wohl, bei der Entdeckung der Kakaobohne und der Erfindung der leckeren Produkte daraus, dürfte der Liebe Gott seine Finger im Spiel gehabt haben! Oder war es gar der Teufel?! Als ich vor kurzem mit einer ganz lieben Freundin gesprochen habe, meinte sie plötzlich mitten im Gespräch, dass sie eine dermassen Wut bekommen habe – sie habe glatt eine ganze Tafel Schokolade gegessen hatte! Die Frau ist Sportlerin und weiss somit, wieviele Kalorien diese kleine Sünde hat! Eine komplette Tafel! Ich darf hier erwähnen, dass im Hause Stock eine Tafel das Aufmachen nicht überlebt! Schliesslich könnte sie ja nach dem Öffnen schlecht werden, oder?! Aber – Spass beiseite – rund 1000 Kalorien bei 200 g Schokolade gehören dann auch wieder runtertrainiert, ansonsten wird wohl jeder bald schon sehen, wie gut man es sich mit den kleinen Belohnungen gehen lässt! Völlig egal, ob mit gesunder Vollmilch bei so manchen Kinderprodukten gegen das schlechte Gewissen geredet wird. All jenen, die so oder so ihre Finger nicht davon lassen können, kann ich mitteilen, dass sie künftig bei einem anderen Hobby empfindlich kürzer treten müssen, da sich Kakao empfindlich verteuern wird. Aber eins nach dem anderen.
Eine Studie der Columbia University zeigte im vergangenen Jahr auf, dass Kakao eine mehr als positive Wirkung auf die kleinen grauen Zellen des Menschen hat. Verantwortlich dafür – so berichtet zumindest die Zeitschrift “Natura Neuroscience” – sind die in der Kakaobohne enthaltenen Flavonoide. In der Studie erhielten 37 erwachsene Personen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren jeweils ein ganz spezielles Kakaogetränk am Tag. Die Versuchsgruppe mit einem höheren Anteil an Kakao, die Kontrollgruppe mit einem wesentlich geringeren Anteil. Vor und nach drei Monaten wurden Gedächtnistests durchgeführt, bei welchen die Versuchsgruppe wesentlich besser als vor der Versuchsreihe und im Vergleich zur Kontrollgruppe abgeschnitten hatte. Um dem Alzheimer-Forscher und Leiter der Studie Scott A. Small Glauebn zu schenken: Die durchschnittlichen Gedächtnisleistungen eines 60-jährigen vor dem Test sind jenen eines 30-40-jährigen nach dem Test gewichen. Ergo: Mit Kakao kann altersbedingtem Gedächtnisverlust entgegengewirkt werden. Durchgeführte Scans am Gehirn zeigten eine wesentlich bessere Durchblutung des Gyrus dentatus, dem für die Erinnerung zuständigen Teils des Hippocampus. Nicht zu verwechseln mit Gyros dentatus – das ist eine orientalische Speise, nach deren Genuss ein Besuch beim Zahnarzt erforderlich ist. Sollten Sie nun ganz entzückt zur Schokolade greifen, muss ich Sie leider enttäuschen: Diese Pflanzeninhaltsstoffe, die auch im Tee, Obst und Gemüse vorkommen, gehen bei der Produktion der heiss begehrten Riegel nahezu komplett verloren. Das angesprochene Getränk ist eigens für diese Testreihe gemixt worden und beinhaltete nicht weniger als 900 Milligramm dieser Flavonoide (ein Schoko-Riegel hat gerade mal 40 mg). Auch wenn dies nicht auf Alzheimer-Patienten umgelegt werden kann, so zeigt die Studie zumindest, dass eine Ernährungsumstellung durchaus auch auf das Ober-Stübchen wirken kann – das Zentrale Nervensystem nascht sozusagen mit!
Aber auch das Blutkreislaufsystem: So verbessern die Flavonoide die Elastizität der Adern. Das wiederum wirkt sich positiv auf den Blutdruck aus (wird gesenkt), wodurch das Risiko eines Schlaganfalles verringert wird. Zudem wird der Kreislauf stimuliert. Auch die anderen Bestandteile wie Histamin, Magnesium, Neurotransmitter etc. wirken sehr positiv, die ebenfalls enthaltenen Antioxidantien fangen die freien Radikale ein. Norman Hollenberger von der Harvard-University bescheingte durch die Resultate seiner Studien, dass sich Kakao positiv gegen Hirnschlag, Herzinfarkt, Krebs und Diabetes bewährt. Vorsicht allerdings bei Hunden und Katzen: Für sie kann der für den Menschen unbedenkliche Inhaltsstoff Theobromin giftig sein!
Der Kakao ist bereits seit Jahrhunderten in Verwendung. Schon die alten Mayas und Azteken (“Theobroma cacao” – ein Geschenk des Gottes Quetzalcoatl und somit heilig) verwendeten ihn, wo auch der Name “Cacao” herrührt. Sie brauten aus den Kakaobohnen ein verdammt scharfes Getränk, das sie als Stimmungsaufheller verwendeten. Wahrscheinlich zeigte man sich gleich mal heiterer, wenn man diesen Pansch nicht trinken musste! Durch die Spanier nach Good Old Europe gebracht, mischte man das gemahlene Pulver mit Zucker und hatte ein feines Getränk für jene soziale Schichten, die sich dies leisten konnten. Hier sollten auch die Kakao-Fans beachten, dass der natürliche Kakao gerade mal 3 % Zuckergehalt aufweist, während der industriell gewonnene aufgrund des hohen Zuckergehaltes so eklatant auf die Hüften geht. Im Kakao sind rund 300 Basisstoffe enthalten – die wichtigsten sind:
54,0 % Kakaobutter (Fett)
11,5 % Eiweiß
9,0 % Cellulose
7,5 % Stärke und Pentosane
6,0 % Gerbstoffe (z. B.: Tannin) und farbgebende Bestandteile
5,0 % Wasser
2,6 % Mineralstoffe und Salze
2,0 % organische Säuren und Geschmackstoffe
1,2 % Theobromin
1,0 % verschiedene Zucker
0,2 % Koffein
Ist somit eigentlich ein wirklich gesundes Nahrungsmittel – allerdings mit vielen Kalorien. 100 g Kakaopulver bringen es auf rund 350 Kalorien. Je nach Entölungsgrad kann dieser Wert jedoch schwanken – stark entölt sind es gerade noch 250 Kalorien. Im Vergleich dazu haben 100 g Schokolade rund 500 Kalorien. V.a. Frauen greifen gerne zur Schokolade, da die vorhin beschriebene stimmungsaufhellende Wirkung durch das ebenfalls enthaltene Serotonin und das Dopamin erzielt wird.
Viele Frauen (und immer mehr Männer) verwenden aber auch unbewusst die fettige Kakaobutter. Sie schmilzt bereits bei Körpertemperatur und hinterlässt eine wunderbar weiche Haut. Deshalb wurde schon vor einiger Zeit auch die Kosmetik-Wirtschaft auf sie aufmerksam und verwendet sie beispielsweise bei der Herstellung von Lippenbalsam, Lotionen, Gesichtsmasken, Crèmes und Seifen. Dies beruht auf den Erkenntnissen der Universität Münster, die nachweisen konnte, dass sich das sog. “CocoHeal” (N-Phenylpropenoyl-L-aminosäureamide) mehr als günstig auf das Wachstum der Hautzellen und gegen die Faltenbildung auswirkt.
Aber zurück zum Kakao, dem wichtigsten Grundstoff für die Schokolade-Herstellung. So verleiht er dieser nicht nur das entsprechende Aroma. Allerdings ist die Produktion nicht wirklich ganz einfach, da die Kakaofrucht nach ihrer Ernte geöffnet wird und gären muss (Fermentation). Hierbei stoppt der Alkohol die Keimung der rund 50 Kerne pro Frucht, die dadurch an Bitterstoffen verlieren. Der Kakaobaum ist übrigens ein dünner Unterholzbaum mit schwertartigen Blättern, der am besten um den 20 nördlichen und südlichen Breitengrad (Amazonasgebiet) herum gedeiht. Vier Sorten werden unterschieden, wobei der Criollo (Kreolenkakao) der Edelste ist. Daneben gibt es noch den Forastero (Fremdlingskakao) sowie die Kreuzungen Trinitario und Nacional. Der normale Konsum-Kakao gehört zuhauf der Forastero-Sorte an, da diese Pflanze am robustesten und ertragreichsten ist. Nach der Trocknung bzw. Röstung der Bohnen werden sie zu einer Kakaomasse verarbeitet, die dann in Kakaobutter und Kakaopulver getrennt wird. Während weisse Schokolade vornehmlich aus der Kakaobutter und Zucker hergestellt wird, ist in der schwarzen Schokolafe auch Kakaopulver, sowie Milch- bzw. Sahnepulver enthalten.
Mit Schokolade sollte also durchaus vorsichtig umgegangen werden. Ein oder zwei Stück pro Tag sind ausreichend, da ansonsten der positive Effekt des Kakaos zunichte gemacht wird und der Körper zu viele Kohlehydrate abbauen muss.

http://www.focus.de/gesundheit/videos/frust-oder-genuss-die-wahrheit-ueber-schokolade_id_2679190.html

Aber auch aufgrund der Cadmium-Belastung, warnt das Bundesamt für Risikobewertung. Dies hängt vom Herkunftsland des Kakaos ab – nicht selten jedoch ist der Wert dieses Elements, das Schäden der Niere und der Knochen hervorrufen kann, extrem hoch. Doch ein Grenzwert wurde bislang in der EU nicht eingeführt, gefordert hingegen schon lange. Hier gilt somit: Je höher der Kakao-Anteil desto mehr Cadmium kann auch in der Schokolade sein. Zudem werden immer wieder Pestizide nachgewiesen.
Und zuguterletzt – zum Preis! Für seinen Anstieg verantwortlich ist neben einer ungewissen Ernte auch die Ebola-Epidemie und der steigende Absatz in den riesigen Märkten China und Indien. China benötigt bereits jährlich 70.000 Tonnen – steigt der Verbrauch weiterhin dermassen stark an, so könnte das Land der Mitte schon in zwei Jahren der zweitgrösste Abnehmer für Kakao sein (nach den USA). In Indien wurden zuletzt 40.000 Tonnen Kakao verbraucht. Im Vergleich dazu Brasilien: 198.000 Tonnen (bei einer Produktion von rund 250.000 t! So hat etwa die Zeitschrift “Stern” bereits vor Weihnachten zu Hamsterkäufen aufgerufen, ganz nach dem Motto “Besser drauf schauen, dass man’s hat wenn man’s braucht!”. Dafür sollte es noch etwas zu früh sein – der Preisanstieg von 8,9 % im Jahre 2014 betraf die komplette Kategorie Kaffee, Tee & Kakao. Hier ist der Preisanstieg beim Kaffee bedenklicher. Am Weltmarkt ist von einem Preissprung noch nichts zu bemerken – auch wenn die Lagerbestände jahreszeitenbedingt aufgebraucht wurden. Eine Tonne Kakao kostet am Weltmarkt derzeit zwischen 700 und 3.700 US-Dollar – Schwankungen sind hier also nicht unbedingt neu. So beispielsweise kostete im Jahre 2001 die Tonne Rohkakao 850 US-Dollar, im Januar 2002 nurmehr 735,-, ein Jahr später hingegen 2.360,- $. Der Faire Handel zahlt für die Tonne mindestens 1.600,-, sowie einen Aufschlag von 150,-$ als Investitionen – steigt der Weltmarktpreis über diesen Betrag, so erhalten die Bauern diesen Ertrag. Für biologischen Anbau gibt’s nochmals einen Zuschlag von 200,- $/t.
Allerdings handelt es sich bei Kakao-Plantagen in Südamerika um Monokulturen, in Afrika hingegen um nahezu Monokulturen. Da der Kakaobaum unmittelbare Sonneneinstrahlung nicht verkraftet, müssen hier immer wieder Bananenstauden, Kokospalmen, Kautschuk oder Avodao- und Mango-Bäume dazwischen gepflanzt werden. Trotzdem kann auch nur ein Schädling verheerende Auswirkungen auf die Ernte haben – zuletzt etwa die Pilzkrankheit “Frosty Pod” (Moniliophthora Roreri). Aufgrund der Klimaänderungen tun sich derartige Schädlinge immer leichter, sodass Bauern auf andere, weniger arbeitsaufwendige Pflanzen umsatteln. Entscheidend ist auch die Ernte: So werden die Früchte mit der Machete vom Baum geschnitten. Wird der Baum jedoch dabei eingeritzt oder geschnitten, so tun sich alle möglichen Schädlinge leicht.
Ebola ist der nächste Unsicherheitsfaktor. Kakao wird vornehmlich in Westafrika angebaut und geerntet. Nun sind Staaten wie Liberia, Guinea und Sierra Leone nahezu ausgefallen – und dies über längere Zeit, da ja faktisch nichts neues mehr angebaut wurde. Sollte sich die Epidemie weiter auch auf die Elfenbeinküste und Ghana ausbreiten, dann ist tatsächlich Schicht im Schacht. Schliesslich geht es in diesem Moment um weitaus mehr als die Hälfte der Kakao-Weltproduktion. In einem Bericht der Deutschen Bank wird davor gewarnt – zudem wenn Nigeria und Kamerun betroffen sein sollten.
Ausserdem weisen immer wieder die unterschiedlichsten Organisationen darauf hin, dass beispielsweise an der Elfenbeinküste sowohl die Regierung als auch die Rebellen mit Kakaogeldern ihren Krieg gegeneinander finanzieren (Quelle: Global Witness). Zirka 14 Mio Menschen leben weltweit von den Erträgen der Kakao-Ernte und -Produktion. Die bezahlten Gehälter für die Bauern und Landarbeiter gleichen der Arbeitssklaverei. Trotz des Drucks aus den Abnehmerländern, wie etwa den USA, werden Kinder in den meisten dieser 30 Entwicklungsländer nach wie vor ausgebeutet und als Arbeitssklaven verkauft.

https://www.youtube.com/watch?x-yt-cl=84503534&v=b-Y5NXgQ1FI&x-yt-ts=1421914688&feature=player_detailpage

Über diesen Link können Sie die Broschüre “Die dunkle Seite der Schokolade” von Südwind e.V. downloaden:

http://www.fairtrade.de/index.php/mID/2.5.2/lan/de

Eine Studie über die Menschenrechte im Kakaoanbau (erstellt durch das INEF) gibt es unter

http://humanrights-business.org/files/menschenrechte_im_anbau_von_kakao_huetz-adams.pdf

Im Jahre 2009 verpflichteten sich die beiden britischen Konzerne Cadbury und Nestlé UK (für den Schoko-Riegel “Kit Kat”) selbst dazu, nurmehr “fairen” Kakao, also Kakao zu fairen Preisen und ohne Kinderarbeit zu verwenden. Mengenmässig ist dies allerdings nicht mal ein Drittel der weltweiten Ernte. Wirklich erschütternd, schliesslich sind die beiden führenden Kakao-Produzenten Barry Callebaut aus der Schweiz und Cargrill aus den USA! Somit wird also der schwarz-braune Genuss der Eidgenossen und der Amerikaner auf dem Schicksal von Kindern und Armen aufgebaut. Mit nur 2 Cent mehr pro Tafel Schokolade, könnte diese Kinderarbeit unterbunden werden – doch streifen das lieber die grossen Konzerne als Gewinn ein. Apropos: Ein Kakao-Bauer erhält pro Tafel Schokolade im Endeffekt gerade mal 3 Cent.

Ein tolles Projekt gibt’s unter

http://www.eza.cc/WLP/pro_info/301046_Kuapa_Kokoo_Union.pdf

Das “süsse Aspirin”, wie jene Schokolade von Schweizer Kardiologen bezeichnet wird, die einen Kakao-Anteil von mindestens 70 % aufweist, kann also in den verschiedensten Situationen sehr positiv auf den Menschen und seinen Körper wirken. Es ist – wie bei allen Mitteln aus der Natur – somit nur eine Frage der Dosierung. Denn: Zu gering bringt er mir rein gar nichts! Es muss ja nicht immer die Schokolade sein, sondern kann durchaus auch aufgelöst in der Milch getrunken werden. Doch – inspizieren und vergleichen Sie vor dem Kauf die Angaben auf der Verpackung!
Zuletzt noch eine Bitte: Kaufen Sie vermehrt Fair Trade Kakao – er unterliegt regelmässigen Kontrollen der FLO-Cent GmbH! Dadurch unterstützen Sie jene Kleinbauern, die das Geld dringend nötig haben – nicht internationale Konzerne, die nicht mal Steuern dafür bezahlen! Der Erzbischof von York brachte es auf einen Nenner, als vor ihm der erste Kit Kat-Riegel mit Fair Trade-Zeichen vom Band lief:

“Keine Schokolade sollte den bitteren Nachgeschmack der Sklaverei besitzen.”

Achten Sie also bitte auf das Label der “Fairtrade Labelling Organization” (FLO)!

PS: Ganz so uneigennützig ist die Offensive von Nestlé übrigens nicht. Schliesslich gehen die Ernteerträge zurück – die Bauern haben kein Geld, neue Pflanzen, Maschinen etc. zu kaufen. Deshalb muss so rasch als möglich investiert werden, da die erste Ernte eines Baumes erst nach 5 Jahren erfolgen kann! So sind Mars und Kraft Foods ebenfalls auf den abfahrenden Zug aufgesprungen, sie lassen sich von “Rainforest Alliance” fairtraden und Mars noch zusätzlich das Siegel “UTZ Certified” verpassen, die beiden bereits erwähnten Nestlé und Cadbury von FLO. Bei Rainforest Allianz aber ist Vorsicht geboten. Hier werden keine Mindestlöhne und Mindestabnahmen den Bauern garantiert, zudem reichen bereits schon 30 % der Fair Trade Grundstoffe, um der Ware dieses Siegel zu verschaffen.

Hier noch einige Fair Trade Lieferanten:

Cooproagro aus der Dominikanischen Republik
Konafcoop aus Kamerun
CECAQ-11 auf São Tomé
El Naranjillo aus Peru
El Ceibo aus Bolivien
Cepicafé aus Peru
Friedensgemeinde San Juan de Apartadó aus Kolumbien
Cocla aus Peru
Uncrisproca aus Nicaragua

Links:

http://www.kakao-stiftung.de/

http://www.theobroma-cacao.de

http://www.fairtrade.net/

http://www.fairtrade-deutschland.de

http://www.plant-for-the-planet.org

http://www.gesichter-afrikas.de

http://www.gepa.de

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Eierkocher Laptop!?

Den heutigen Blog möchte ich mit einem kleinen Erlebnis der dritten Art beginnen, das ich so schnell wohl nicht vergessen werde. Die Geschichte trug sich an einem Samstagnachmittag zu – es regnete und offenbar hatten auch gerade die Götter einen gemütlichen Herren-Tag angesagt: Zeus schickte immer mal wieder seine gefürchteten Blitze zu den Sterblichen auf die Erde, Thor schwenkte dazu auch gleich mehrfach seinen grossen Donnerhammer! Es war also ein Nachmittag, an dem man es sich im heimischen Wohnzimmer so richtig gemütlich macht, ein gutes Buch zur Hand nimmt und das Radiogerät einschaltet! Hätte ich ja auch ganz gerne gemacht, nur sass ich selbst im Live-Studio einer Radiostation in Sterzing/Südtirol und machte Sendung! Plötzlich geschah etwas, das mich für einen kurzen Moment aus dem Konzept brachte: Aus der Elektronik des Sendeturms zischte ein blauer Blitz quer durch das gesamte Studio und verschwand in der Neonröhre oberhalb des Studio-Mischpults. Alter Schwede! Offenbar hatte ein Blitz in der Richtfunk-Antenne am Dach eingeschlagen. Es gibt nicht viele Momente, in welchen mir die Worte fehlen – aber das war einer dieser. Das Mischpult in einem Sendestudio ist jener Ort, wo auf kleinstem Platz die meiste Elektronik untergebracht ist und dementsprechend auch der meiste Strom fliesst! Was wäre geschehen, wäre der Blitz nicht in die Lichtfassung sondern zwischen die Regler und Knöpfe gefahren? Wir werden es wohl gottlob nie erfahren!
Das heutige Thema ist ein mehr als umstrittenes, zu dem es wohl jede Menge Wortmeldungen geben wird: Elektrische und Magnetwellen, Elektromagnetismus – landläufig auch als Elektrosmog bezeichnet! Als in meiner Nachbarschaft ein Mobilfunkanbieter einen Sende- und Empfangsmasten aufstellte, musste er zuvor unglaubliche Barrieren überwinden, schliesslich stellten sich die Anrainer allesamt quer! Jedoch haben nahezu alle von ihnen ein Handy, viele einen Laptop, der via Stick online verbunden ist und einige einen DVB-T-Empfänger sowie mehrere Radio- und Audiogeräte, die sich allesamt mit Fernbedienung ganz gemütlich steuern lassen. Ich selbst bin ein Gegner des Antennen-Wildwuchses und Befürworter der Mehrfachnutzung solcher Masten, wo sie nötig sind. Denn – Sie werden staunen, was heutzutage unser Körper aushalten muss, welch hohen Strahlendosen er ausgesetzt ist. Wo liegt bei Ihnen die persönliche Grenze dieser sog. “elektromagnetischen Umweltverträglichkeit” (EMVU)?
Rund um einen stromdurchflossenen elektrischen Leiter baut sich stets ein magnetischen Feld auf – ein Gleichfeld bei Gleich- bzw. ein Wechselfeld bei Wechselstrom. Zumeist ist es ein Wechselfeld, das sich statisch, nieder- oder hochfrequent zeigen kann. Wie nun dieses das biologische Leben auf der Erde beeinflusst, darüber scheiden sich nach wie vor die Geister. Eindeutig nachgewiesen ist die thermische Beeinflussung von wasserhaltigem Gewebe – es kann solcherart etwa in der Mikrowelle zum Kochen gebracht werden. Alles andere sind nicht eindeutig wissenschaftlich fundierte Befürchtungen, zu welchen es über 14.000 Veröffentlichungen gibt. So berichtete beispielsweise die US-Zeitung “The Atlanta Constitution” von Zahn- und Haarausfall bei Menschen, die im unmittelbaren Umfeld eines Funktelegrafen lebten. Das war 1911. Jene meiner Kollegen, die mit Hochfrequenztechnik zu tun haben (Sendeantennen für Radio und TV etwa) besteigen Sendemasten auch nur in Schutzbekleidung oder dann, wenn sie nach Möglichkeit ausgeschaltet sind, da bei einem männlichen Techniker vor allem zwei Regionen gefährdet sind: Das Gehirn und die Hoden! Schon Ende des 19. Jahrhunderts war es den königlich-bayrischen Beamten untersagt, sich im Umfeld des ersten öffentlichen Wechselspannungskraftwerkes in Reichenhall aufzuhalten.
Wie könnten nun derartige elektromagnetische Felder auf den Menschen wirken? Nachfolgend möchte ich einige Untersuchungen anführen, die so oder so zu einem Resultat führten – oder vielleicht doch nicht?
Bereits in den 90er Jahren, als nach und nach der Mobilfunk aufkam, waren die Handies noch alle mit einer fixen oder ausfahrbaren Antenne bestückt. Zurecht, lag doch ansonsten die Strahlenquelle direkt am Ohr und damit an den leicht zerstörbaren Nervenzellen des Gehirns jedes Einzelnen. In diesem Bereich führten die beiden Wissenschafter Leif G. Salford und Bertil Persson Untersuchungen durch, wonach unzählige abnorme Nervenzellen bei Ratten festgestellt werden konnten, die einem Elektromagnetfeld in einem ganz bestimmten Spektrum ausgeliefert waren (SAR 0,002 W/kg bis 0,2 W/kg). Mehr als interessant in diesem Zusammenhang: Wurde die Intensität noch höher, so gab es keinerlei Beeinflussung mehr! Die Forscher führten diese Erkenntnis auf die Blut-Hirn-Schranke zurück! SAR bedeutet übrigens “Spezifische Absorptionsrate” und bezeichnet jene Stärke, mit welcher elektromagnetische Felder durch ein spezielles Material aufgenommen werden. Im Falle des Mobilfunks kann es durch jeden nachvollzogen werden – durch die Erwärmung der betroffenen Stellen während des Telefonierens. Übrigens liegt der heutige Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation bei 2 W/kg. Je niedriger dieser Wert ist, desto besser für die Hirnzellen des Menschen. Das SAR im C- und D-Netz war sehr hoch – mit zunehmender Technologie sank dieser Wert. Für die Auszeichnung “Blauer Engel” des deutschen Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit darf der Wert von 0,6 W/kg bei voller Sendeleistung des Handies nicht überschritten werden. Die Untersuchungsergebnisse konnten allerdings nicht mehr nachvollzogen werden (Kontrollgruppe), weshalb diese Salford-Persson-Studie nicht als wissenschaftlich fundiert gilt. Eine zweite Untersuchung aus dem Jahr 1997 jedoch kam zu einem ähnlichen Ergebnis – allerdings erst ab einem SAR von 7,5 W/kg. Zehn Jahre später wiesen die Studien des schwedischen Karolinsk Institutet sowie der beiden Universitäten von Wayne und Uppsala (USA) den Zusammenhang der GSM-Strahlung und Schlafstörungen nach. Die Stärke der Spezifischen Absorptionsrate: 1,2 W/kg – also unter dem Grenzwert der WHO!
Heftige Kritik erntet hingegen die sog. “Naila-Studie”, da sie nicht einen Zusammenhang aufzeigt, sondern direkt derartige Magnetfelder als Ursache für Krebserkrankungen sieht. In der Studie wurden die Krebserkrankungen in direkter Korrelation mit der Nähe zu einem Mobilfunksender (400 m Umkreis) gestellt. Tatsächlich war in dieser Gruppe der Anrainer eine Zunahme der Erkrankung im Vergleich zu anderen Bewohnern festzustellen. Jedoch werden immer wieder Beschwerden von Anrainern eines solchen Sendemastens registriert – auch wenn dieser noch gar nicht in Funktion ist.
Soweit also zum problemlosen Umgang mit dem Handy! Kritiker warnen davor, diese Geräte intensiv zu nutzen, da die Wahrscheinlichkeit der Entstehung eines Glioms um 40 % höher ist als bei anderen. Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz weist jedoch alle Ergebnisse zurück, da bei jeder Studie irgendein methodischer Fehler den Verlauf beeinflusste (etwa beim Versuchsaufbau oder den Parametern). Eine unabhängige, reproduzierbare und signifikante Studie, die zudem unter realen Bedingungen durchgeführt wurde, gebe es derzeit nicht.
Aktuelle Forschungen werden vornehmlich durch die funktionelle Magnet-Resonanz-Tomographie (fMRT) unterstützt. Dabei werden die Amplituden der niedrigfrequenten Fluktuation (ALFF) und die fraktionale Amplitude niedrigfrequenter Fluktuationen (fALFF) erfasst. Dadurch kann die spontane Aktivität des Gehirns nachvollzogen werden. Da ich keine neurobiologische Abhandlung verfassen möchte, beleuchte ich dieses Thema nicht genauer.
Auch am “Institut für experimentelle Pathologie, Onkologie und Radiobiologie” in Kiew/Ukraine betont Igor Yakymenko, es stehe für ihn längst ausser Zweifel, dass Mobilfunkstrahlung Oxidationsprozesse in den Körperzellen auslöse, was zu einer Überproduktion von freien Radikalen führe. Durchleuchtet wurden insgesamt 80 Studien – in nicht weniger als 76 davon sei dieser Effekt zu beobachten gewesen.
Doch Elektrosmog entsteht nicht nur beim schnurlosen Telefonieren. Überlandleitungen, Richtfunkstrecken, Satellitenstrecken, Radio- und TV-Signale, wLANs,… Grundsätzlich gilt immer, dass – sollte eine elektrische Ladung auf einen Körtper treffen – sich dieser Stromfluss den Weg zum Boden (Erdung) sucht. Niederfrequente Ströme hingegen beschreiben einen Kreislauf im menschlichen Körper und können dabei vor allem Nerven- aber auch Muskelzellen stimulieren. Dabei sind Beeinträchtigungen des Nervensystems, des Hormonhaushaltes, der DNS und der Zellen durchaus möglich. Derartige niederfrequente Magnetfelder gibt es vor allem im Umkreis von Hochspannungsleitungen, warnt die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC).
Auch andere wissenschaftliche Ansätze gehen in eine ähnliche Richtung. So betont etwa der Grazer Schlafforscher Manfred Watzl, dass rund 25 % aller Österreicher(-innen) unter Schlafstörungen leiden (ähnliche Zahlen werden auch für Deutschland vermutet). Wichtig für den Erholungszweck des Schlafes sind die Tiefschlaf- und REM-Phasen. Hierbei spiele das “Bosshormon” (so Ulrich Warnke) Melatonin eine entscheidende Rolle. Es wird in der Dunkelheit produziert und während des Schlafes ausgeschüttet. Melatonin regelt die verschiedenen Stadien des Schlafen und hemmt das Krebswachstum. Diese Hormonproduktion wird offenbar durch Magnetfelder beeinflusst. So empfiehlt der Experte bei Problemen, das Bett in der Nord-Süd-Achse auszurichten, Metallbetten, Lattenroste aus Metall, Federkernmatratzen und natürlich Magnetfeldmatten gegen Alternativen auszutauschen. All dies kann die Ordnungsprinzipien der Magnetfelder kräftig durcheinanderschütteln, entdeckte Watzl bei verschiedenen Untersuchungsreihen am Landesnervenkrankenhaus Graz. Übrigens – wenn Sie messen möchten, ob sich in Ihrem Schlafzimmer ein solches negatives magnetisches Gleichfeld befindet, dann benötigen Sie nicht wirklich einen Wünschelroutengänger – es reicht ein Kompass. Einer meiner Bekannten klagt ebenfalls über Schlaflosigkeit. Hier dürfte die Ursache höchstwahrscheinlich am Sicherungskasten liegen, der sich im Nebenraum an der Wand zum Schlafzimmer befindet. Er siedelt probehalber in ein anderes Zimmer um – möglicherweise kann er wieder körperlich und geistig fitter in den Tag starten.

Bei solcherartigen magnetischen Wechselfeldern empfiehlt es sich ansonsten, einen Baubiologen zu Rate zu ziehen, der entsprechende Messungen durchführen und Empfehlungen aussprechen kann. So gibt es etwa Materialien, die eine selbstabschirmende Wirkung aufweisen (z.B. Lehm). Radiowecker, Nachttischlampe, Stromleitungen, Fernsehen etc. könnten die Schlafstörungen hervorrufen. Entfernen Sie diese nach dem Ausschliessungsprinzip – so kommen sie auf des Pudels Kern. Energetiker empfehlen zusätzlich unter dem Bett einen Bettvorleger aus original Schafswolle zu positionieren – er soll gegen mögliche Erdstrahlen helfen.
Die moderne Technik macht’s zudem möglich, ohne die lästigen Kabel mit dem Laptop im ganzen Haus drahtlosen Empfang zu haben – wLAN heisst das Gebot der Stunde. Diese hochfrequente Strahlung im Giga-Hertz-Bereich ist gemeinsam mit den Handies inzwischen für rund 99 % der Strahlungen im mitteleuropäischen Haushalt verantwortlich. Mancherorts wird diese gar noch durch sog. “Repeater” verstärkt. Sehr häufig aber sind die Netze dermassen stark, dass sie über die eigene Parzelle hinausreichen und auch vom Nachbarn genutzt werden könnten. Hier empfiehlt sich der Einsatz sog. “wLAN-Dimmer”. Übrigens: Die Mikrowelle arbeitet im Frequenzbereich von 1 bis 300 GHz – somit auch schon in jenen Bereichen, die Schnurlostelefone, Handies, wLANs etc. nutzen! Somit könnte das Babyphone beispielsweise auch zum Aufwärmen von Speisen verwendet werden! Sind Sie ständig einer solchen Strahlung ausgesetzt, so kann dies schon mal zu Kreislaufproblemen und Beeinträchtigungen der Gehirnfunktionen kommen: Konzentrationsschwierigkeiten, Depressionen, Kopfschmerzen, Migräne bis hin zu unruhigen Beinen, Rheuma, Auswirkungen auf die Nebenniere und die Fruchtbarkeit und schliesslich Tumore (etwa Leukämie). In der Praxis hat dies beispielsweise der Baubiologe Wolfgang Kessel am Seminarzentrum Schüberg in Ammersbek nachgewiesen. Seine Messungen ergaben eine Leistungsflussdichte von 2-3.000 µW/m². Die Ursache waren 8 wLAN-Repeater für gerade mal 25 Räume. Die Lehrenden, die ständig dieser Strahlung ausgesetzt waren, hatten sich zuvor über “Unwohlsein” beklagt. Um diese Strahlung zu vermeiden, sollten Sie Kabel verwenden und den wLAN-Router, die DECT-Basisstation oder das Handy bei Nicht-Verwendung ausschalten. Einerseits spart dies Strom, andererseits tut es ab und an gut, einmal nicht erreichbar zu sein!

https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=vSio-D2vW2c

Bei Magnetfeldern durch Stromleitungen empfiehlt sich der Einbau eines Netzfreischalters. Er kappt eine Leitung, solange ihr kein Strom entnommen wird. Wird ein Verbraucher in diesem Zimmer eingeschaltet, gibt der Schalter den Stromfluss wieder frei. Solcherlei Umbaumassnahmen muss aber stets der Fachmann vornehmen.
Wer nun denken könnte, dass nur wir Menschen unter dem Elektrosmog leiden, der irrt! So rief die Universität Vetsuisse in Zürich die eidgenössischen Bauern auf, sich an einer Studie zu beteiligen, die nachweisen sollte, dass auch Kühe ihre Last damit haben. Der Schweizer Bauernverband schloss sich dem an und empfahl seinen Mitgliedern, an dieser Umfrage teilzunehmen.

http://www.nunis.uzh.ch/index.php/534636?lang=de

Die Wissenschaftler möchten nachweisen, dass Strahlung die Qualität der Milch beeinflussen kann. So wurde im Vorfeld eine Untersuchung durchgeführt, bei welcher 10 Kuhe Handy-Strahlung ausgesetzt wurden. Verglichen wurden die Blutwerte vor und nach der Strahlung sowie einen Monat später! Nachgewiesen wurde die Beeinflussung jener Enzyme, die den ph-Wert der Milch beeinflussen. Die Umfrage ist inzwischen abgeschlossen, derzeit werden Messungen durchgeführt und ausgewertet.
Besondere Vorsicht ist übrigens bei Kindern geboten. So untersuchten im vergangenen Jahr die US-Wissenschaftler Morgan, Kesari und Davis die Auswirkungen der Mikrowellenstrahlung solcher Handies, Tablets etc. auf Kinder und Kleinkinder. Das Ergebnis war erschütternd: Die Absorption der Strahlung ist bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen im Gehirn doppelt, im Knochenmark gar um bis zu 10x so hoch. Deshalb können Grenzwerte, die für Erwachsene gelten, nicht auch auf Kinder umgelegt werden. Ergo: Keine Laptops, Tablets, Handies etc. für unseren Nachwuchs. Mikrowellen-Strahlung kann Störungen bei der Entwicklung des Gehirns hervorrufen, aber beispielsweise auch für ADHS verantwortlich sein.
Je mehr Sie also mit abgeschirmten Kabeln arbeiten, umso weniger Probleme haben sie! Zudem gilt, dass Geräte mit Akkus weitaus strahlungsärmer sind als ihre Kollegen mit Netzteil. Beachten Sie beim Kauf auch das IGEF-Prüfsiegel. Es wird durch die Internationale Gesellschaft für Elektrosmog-Forschung (IGEF) vergeben, ist ein in Deutschland eingetragenes Patent und zeichnet Produkte aus, die strahlungsarm sind oder vor Strahlung schützen. Vorsicht ist zudem geboten, da als erstes Rückversicherungs-Institut die Swiss-RE Schadensersatzansprüche bei nachgewiesenen gesundheitlichen Beschwerden im Zusammenhang mit der Mobiltelefonie im Rahmen der Produkthaftung ablehnt. Hier gilt die elektromagentische Strahlung neben der Nanotechnologie und den EDCs (“endocrine disrupting chemicals”) als potentiell höchstes Risiko. Warnhinweise finden Sie übrigens in der Bedienungsanleitung eines jeden solchen Strahlungsgerätes! Wieso dies allerdings enthalten ist, wenn doch die Industrie derartige Wechselwirkungen strikt zurückweist, das überlasse ich gerne Ihren Überlegungen!

Literatur:

.) “Stress durch Strom und Strahlung”; Wolfgang Maes; Auflage 2005
.) “Grundlage des Elektrosmogs in Bildern. Messung, Berechnung, biologische Auswertung. Umwelt und Medizin”; Andras Varga; Heidelberg 2002, ISBN 3-00-009180-7
.) “Machen elektromagnetische Felder krank? – Strahlen, Wellen, Felder und ihre Auswirkungen auf unsere Gesundheit”; Norbert Leitgeb; 3. Auflage. Springer, Wien 2000, ISBN 3-211-83420-6

Links:

http://www.elektrosmog.com/

http://www.elektrosmog-und-gesundheit.de

http://www.umweltbundesamt.de

http://www.emf-portal.de/

http://www.rls-hilfe.de

http://www.emf-portal.de

http://diagnose-funk.org/

http://www.scopemed.org

http://ohne-elektrosmog-wohnen.de/

http://www.senderkataster.at

http://www.funksender.ch

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Na – heuer schon GEZahlt?

Stellen Sie sich doch bitte mal folgendes vor: Sie bekommen in diesen Tagen – wie einige andere Tausend in Deutschland auch – eine Vorschreibung des “ARD/ZDF/Deutschlandradio-Beitragsservice” (ehemals “Gebühren-Einzugs-Zentrale” GEZ) und befördern diese direkt in die grosse Ablage! Dann stellen Sie sich bitte vor, sie bekommen von Ihrem Finanzamt eine Vorschreibung für die Einzahlung der Strassenmaut und verfahren gleich wie zuvor. Beides kann Sie unter Umständen teuer zu stehen kommen und in Österreich gar in einer kleinen Zelle mit staatlicher Vollpension enden. Macht vielleicht beides für Sie keinen Unterschied, da sowohl als auch eine Zwangsabgabe, so besteht dieser aber dennoch: Die Vorschreibung für die Strassenmaut ist eine öffentliche Abgabe, ein hoheitlicher Akt und damit eine Steuer. Die Haushaltsabgabe hingegen die Massnahme einer nicht rechtsfähigen, öffentlich-rechtlichen Verwaltungsgemeinschaft, die zwar bundesweit geregelt, jedoch den Ländern überlassen ist. Auch sie muss bezahlt werden, ist also eine Zwangsabgabe, jedoch keine Steuer! Damit stürzen wir uns heute mitten hinein in die grosse und bunte TV- und Radio-Welt, in die Welt der grossen Manager-Gehälter, des Bürokratismus und des öffentlichen Auftrags – ob nun Programm gut oder schlecht – das überlasse ich Ihren Überlegungen.
Die Haushaltsabgabe beruht in Deutschland auf dem Rundfunkstaatsvertrag der Bundesländer (RStV) bzw. dem Rundfunkbeitragsstaatsvertrag (RBStV). Dort heisst es etwa im § 2 Abs. 1:

“Im privaten Bereich ist für jede Wohnung von deren Inhaber (Beitragsschuldner) ein Rundfunkbeitrag zu entrichten.”

Vergleichen wir es mit dem § 10 Abs. 1 des Grundsteuergesetzes (GrStG):

“Schuldner der Grundsteuer ist derjenige, dem der Steuergegenstand bei der Feststellung des Einheitswerts zugerechnet ist.”

oder etwa mit dem § 1 Abs. 1 des Einkommensteuergesetzes:

“Natürliche Personen, die im Inland einen Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, sind unbeschränkt einkommensteuerpflichtig.”

so kommt dies zumindest für mich auf ein und dasselbe hinaus: Der Steuerpflicht!

1973 gegründet soll diese GEZ die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Fernsehens gewährleisten. Das jährliche Volumen beläuft sich auf rund 182 Mio €. Nicht weniger als 1.290 Bedienstete haben derzeit dafür Sorge zu tragen, dass das Tun und Treiben von Florian Silbereisen in der ARD, seiner Lebensgefährtin Helene Fischer im ZDF und des Deutschlandradios in der grossen weiten Welt auch finanziell nicht auf wackeligen Füssen steht. Zuvor wurden die Gebühren zuerst durch die Reichs-, dann durch die Bundespost eingehoben. Mit dem 01. Januar 2013 wurde aus der sog. “Holschuld” eine “Bringschuld”. Soll heissen, dass nun nicht mehr die GEZ verantwortlich für die Einbringung ist, sondern grundsätzlich jeder Volljährige zwangsverpflichtet wird, sich also melden muss. Somit gerät beispielsweise der zwar volljährige Sohn, der beschäftigungslos ist, jedoch die Dachgeschosswohnung seiner Eltern kostenlos bewohnt, in die Schuld, einen Antrag auf Befreiung zu stellen – ansonsten muss er bezahlen. Sollte er bislang zu seinem Glück durch den Rost gefallen sein, so erhält er in diesen Tagen die Zwangsvorschreibung, da der Beitragsservice seit vergangenem Jahr uneingeschränkten Zugriff auf die Daten der Meldeämter hat. Bereits in GEZ-Zeiten wurden An- und Ummeldungen von den Meldeämtern weitergegeben, auch wenn eine Auskunft- oder Übermittlungssperre beantragt wurde. Zuvor war ich allerdings nur dann Beitragsschuldner, wenn ich durch entsprechende Empfangsgeräte öffentlich-rechtliche Programme empfangen konnte. Fehlten diese Receiver, bestand auch keine Beitragssschuld. Und genau hier liegt der Hund im Pfeffer begraben: Hatte etwa meine 90-jährige Nachbarin, die ohnedies schlecht hört und sieht (jedoch noch nicht taubblind ist), über zwar einen Plattenspieler, nicht aber ein Radio- oder TV-Gerät in ihrer Wohnung verfügt, so konnte sie vor dem 01.01.2013 nachweisen, dass sie vom Angebot der ARD, des ZDFs oder des Deutschlandradios keinerlei Gebrauch machte und musste somit auch nicht dafür bezahlen. Nun ist sie zur Zahlung verpflichtet, ausser sie wird davon nach § 4 RBStV befreit (Sozialhilfe, Grundsicherung., Arbeitslosengeld II,…) – hier ist plötzlich nicht mehr die Rede davon, ob ich Gebrauch mache oder nicht! Ist meines Erachtens dasselbe wie im Strafgesetz die “Generalschuld”: Grundsätzlich ist jeder als schuldig zu sehen – wenn nicht, muss er das nachweisen. Gemäss desselben Paragraphen Abs. 3 muss sogar beim Ehepartner oder eingetragenen Lebenspartner eine Befreiung beantragt werden. Gleiches gilt zudem für WGs. Ändert sich etwas an den Lebensumständen, so muss ich dies der Landesmedienanstalt melden! Andererseits stehe ich in der Pflicht, als Hör- oder Sehgeschädigter Nachweise über den Grad meiner Schädigung zu erbringen, damit ich nurmehr einen Teil der Abgabe bezahlen muss! Aber hallo! Ist dies nicht ein massiver Eingriff in ein Grundrecht? Dem Recht auf Privatsphäre! Auf die Betriebsstätten-Regelung möchte ich an dieser Stelle erst gar nicht näher eingehen. Vielleicht nur so viel: Die Berechnungsgrundlage bilden nun nicht mehr die Empfangseinheiten oder unter gewissen Umständen auch Lautsprecher, sondern die Mitarbeiter, wodurch kleineren Betrieben Vorteile erwachsen, grössere Unternehmen jedoch tief in die Tasche greifen müssen (wie etwa die Deutsche Bahn oder die Drogeriekette Rossmann, die bereits Klage eingereicht hat). Gewerblich genutzte Fahrzeuge gelten übrigens ebenso als Betriebsstätte! So muss auch der Kiesunternehmer für seinen LKW bezahlen, obwohl dieser über gar kein Radio verfügt.
Im Alpenstaat Österreich hat man ebenso bereits kund getan, diese Regelung im Jahr 2016 übernehmen zu wollen. Schliesslich brachte es in Deutschland den öffentlich-rechtlichen Landesrundfunkanstalten einen Geldsegen unerwarteten Ausmaßes. Im Alpenstaat befindet man sich noch im GEZ-Status (also vor der Umstellung). Die Einbringung beruht auf dem ORF- bzw. dem Rundfunk-Gebühren-Gesetz (RGG) und wird durch die Gebühren Info Service GmbH durchgeführt. Auch hier kann eine Befreiung nur durch eine körperliche oder soziale Hilfsbedürftigkeit beantragt werden. In einem mir bekannten Fall eines Antragsstellers lag dieser monatlich um gerade mal 2 Euro über der Befreiungsgrenze und muss nun die volle Gebühr entrichten – in seinem Falle rund 21,- € – zwölfmal jährlich. Doch wäre es nicht Österreich, wenn es nicht auch eine österreichische Lösung gäbe. Unter der Bezeichnung “Gebührenrefundierung” erhielt der alpenländische Staatsfunk für die Jahre 2010 bis 2013 zusätzlich 160 Mio € aus Steuergeldern für die vom Programmentgelt befreiten Österreicherinnen und Österreicher. Und – während in Deutschland die ARD und das ZDF nur bis 20.00 Uhr Werbung ausstrahlen dürfen, gibt es für die Damen und Herren rund um Herrn Generaldirektor Wrabetz diese Regelung nicht. Trotzdem fordert dieser noch mehr Steuergelder, nachdem erst vor kurzem die ebenfalls länderspezifische Rundfunkgebühr angehoben wurde. Auch naschte man gewaltig bei den privaten Radiostationen mit, wurden sie doch regelrecht dazu gezwungen, über Sendeanlagen des ORF auszustrahlen, was sich dieser vergolden liess!
Wird man erwischt, kann es unter Umständen richtig teuer werden. Die Gebühr muss in Deutschland zumindest vom Jahresbeginn 2013 weg nachbezahlt werden. Vor dem 01.01.2013 liegt es am Beitragsservice nachzuweisen, dass bereits Empfangsgeräte vorhanden waren, die auch genutzt wurden. All das ist jedoch nach § 4 Abs. 4 Rundfunksgebühren-Staatsvertrag auf max. drei Jahre begrenzt. Wohnt ein Student etwa in einer WG, so muss nun bei der Vorschreibung jeder der Mieter nachzahlen, da eine nachträgliche Abmeldung nicht möglich ist. Im Gefängnis wird man aufgrund einer Zahlungsverweigerung nicht landen, da dies keine strafbare Handlung ist – allerdings ein Verwaltungsvergehen, das mit einem Bussgeld bestraft werden kann (§ 9 Rundfunkgebührenstaatsvertrag). Erst wenn dieses nicht bezahlt wird, kann es zu einer Ersatzhaft oder Haft kommen. Strafbar hingegen sind falsche Angaben bei der Anmeldung ( § 263 Strafgesetzbuch).
Ähnlich in Österreich, wo nach wie vor Kontrollore auf der Pirsch sind, um die Einhaltung des § 2 Rundfunkgebührengesetzes (RGG) zu überprüfen – sie haben allerdings kein Zutrittsrecht. Zudem besagt dasselbe Gesetz, dass – auch wenn kein TV-Programm empfangen werden kann – zumindest der Radio-Beitrag und die Kunstförderabgabe entrichtet werden muss. Früher beschlagnahmte die Post noch die TV-Geräte, die in den 50er und 60er Jahren des vorhergehenden Jahrhunderts einen riesengrossen Wert hatten – nicht selten ging es hier gar um Monatsgehälter! § 7 RGG sieht als Verwaltungsstrafe einen Betrag von bis zu 2.180,- € vor. Nicht bestraft werden kann allerdings jener, der die Anmeldung zwar unterlassen hat, dann jedoch die richtigen Angaben macht. Erwähnenswert übrigens: Strafbar ist die unrichtige Beantwortung einer Anfrage, nicht strafbar hingegen die Verweigerung der Beantwortung einer Anfrage der GIS! In den meisten Fällen geht es jedoch nicht um eine Bestrafung sondern vielmehr um eine Nachzahlung oder nicht! Bei einer hübschen Frau oder beim Reichen eines kühlenden Getränks mitten im Hochsommer lässt so mancher dieser GIS-Freiberufler mit sich reden! Apropos: Sind diese Damen und zumeist Herren auch ordnungsgemäss beim Finanzamt und der SVA der gewerblichen Wirtschaft gemeldet??? Sie arbeiten zuhauf auf Werksvertragsbasis! Im Alpenstaat übrigens ist es mit der Aufschlüsselung des Beitrages etwas diffiziler als beim bundesdeutschen Nachbarn. Er setzt sich wie folgt zusammen:
- Radiogebühr 0,36 €
- Fernsehgebühr 1,16 €
- Kunstförderungsbeitrag 0,48 €
- ORF-Programmgebühren 16,03 – 20,13 € (abhängig vom Bundesland)
Somit trägt jede(r) Österreicher(in) sein/ihr Scherflein auch für die Erhaltung der defizitären Landestheater und der elitären Bregenzer- und Salzburger Festspiele bei, obwohl die Karte für so manch einen unerschwinglich ist! Zudem sollte man sich schon einmal durch den Kopf gehen lassen, weshalb ich als Gebührenzahler dermassen viel an Programmgebühr bezahle, wenn ich als Nicht-Sportfan nurmehr eine eklatant eingeschränkte Nutzungsmöglichkeit habe! Aber – das ist wieder ein ganz anderes Thema!!!
Auch wenn in der GIS-Werbung immer wieder betont wird “…egal wie viele Geräte Du hast, Du musst nur eines anmelden!”, so wird dies im § 3 Abs. 2 RGG auf bis zu jeweils zehn Radio- bzw. TV-Geräte pro Standort beschränkt. Übrigens wird “Standort” im § 2 definiert als: “… die Wohnung oder eine sonstige Räumlichkeit bzw. ein geschlossener Verband von Räumlichkeiten mit einheitlichem Nutzungszweck, wo eine Rundfunkempfangseinrichtung betrieben wird.” Heisst somit, wenn ich meinen Ghetto-Blaster im Garten oder der Terasse aufstelle, so ist dieses Empfangsgerät nicht meldepflichtig! Gleiches gilt übrigens auch in private Kraftfahrzeuge – ausser sie wohnen in demselben! Schlechte Nachrichten für die ganz besonderen Wiffzacks, die nun das Radiogerät im Garten einrichten und Chinch-Kabel in’s Wohnzimmer verlegen: Unter Umständen sind auch Lautsprecher als Empfangsgeräte anzusehen, die nicht im hauptbeschallten Raum positioniert sind und deren Verkabelung nicht der Verbesserung des Empfangsignales dient – so definierte es bereits die deutsche GEZ! Übrigens ist lt. Gesetz nur jener auskunftspflichtig, der tatsächlich auch an diesem Wohnsitz gemeldet ist! Allerdings kann bei begründeten Verdacht die Bezirksverwaltungsbehörde hinzugezogen werden, die eine Betretungsberechtigung hat (ansonsten kann dies als Widerstand gegen die Staatsgewalt ausgelegt werden).
Im Vergleich zu Kleinaktionären, Genossenschafter oder Gesellschafter hingegen haben die Beitragszahler weder in Deutschland noch in Österreich ein entsprechendes Mitspracherecht. Einzig durch die Wahl eines Kandidaten für den Programmbeirat kann theoretisch indirekt auf die Geschicke des Unternehmens Einfluss genommen werden. Dass es sich hierbei um ein farbloses, vorgeschobenes Gremium handeln muss, lässt sich spätestens dann erkennen, wenn die Keywords “Programmbeirat”, “ORF” und “2013″ gegoogelt werden. Stolpert man doch über den Programmbeirat der ARD und ARTE, bis als letzter Beitrag auf der Google-Ergebnis-Liste Seite 1 der ORF-Programmbeirat Dr. Erhard Busek genannt wird, der jedoch in einer komplett anderen Funktion beim Europäischen Wirtschaftsforum Alpbach teilnahm (Stand: 05.01.2015). Tatsächlich kam auch in Deutschland der Programmbeirat erst aufgrund einer offensichtlich einseitigen Berichterstattung in die Schlagzeilen.
Und der Begriff “Öffentlicher Auftrag” wird inzwischen weit gedehnt – in Österreich wurde sogar nurmehr ein “öffentlicher Kernauftrag” daraus. Immer mal wieder ist von “Bildungsauftrag” die Rede. So manche private TV-Station vermittelt inzwischen mehr an Bildung als die öffentlich-rechtlichen Kollegen, wird doch der sexuellen Aufklärung mehr Sendeplatz eingeräumt (da hier ja auch immer die Quote stimmt!). Wo etwa wird der öffentliche Auftrag beim ORF durch die Einführung eines eigenen Sportkanals erfüllt? Trotz sinkender Quote bei Fussball- und Ski-Übertragungen: Im ersten Programm sind diese seither nicht weniger geworden. Und – anstelle den Sparten-Sportarten mehr Platz zu gewähren, werden Fussballspiele und Tennis-Partien aus den unteren Ligen oder aus dem Archiv im Sportkanal ausgestrahlt!
Und – wie sehr dem öffentlichen Auftrag in Deutschland nachgekommen wird, beispielsweise nach dem Prinzip der Sparsamkeit zu wirtschaften, wird wohl am ehesten klar, wenn man sich die tief-roten Zahlen etwa bei Radio Bremen oder dem Hessischen Rundfunk bzw. die Gehälter der Manager und der fix beschäftigten Angestellten anschaut. Da kann ein Fauxpas wie jener des ehemaligen ORF-Nachrichtensprechers Eugen Freund im EU-Wahlkampf betreffs der Höhe des durschnittlichen Einkommens eines Fabriksarbeiters durchaus passieren – welch ein Affront, jemanden in einer Arbeiterpartei vertreten zu wollen, dessen Lebensumstände nicht mal bekannt sind! Denn – als Gutverdiener weiss man nicht mehr, mit welchen Mitteln die breite Basis auskommen muss, die jedoch solch gute Gehälter auch finanzieren muss.
Im Rahmen des durch das Bundesfinanzministeriums beauftragten Gutachtens “Öffentlich rechtliche Medien – Aufgabe und Finanzierung” beschäftigten sich 32 Wirtschaftsexperten in deutschen Landen mit dieser Zwangsabgabe, die angeblich keine Steuer sein soll. Das Ergebnis ihrer Überlegungen wurde rund um die Weihnachtsfeiertage veröffentlicht und lässt kein gutes Blatt an der derzeitigen Lösung. So sollte der öffentlich-rechtliche Anbieter nurmehr in jenen Bereichen auftreten, die durch die privaten Anbieter nicht abgedeckt werden. Ansonsten findet eine Konkurrenzsituation und damit Wettbewerbsverzerrung statt. Dies wird auch durch die ständige Rechtssprechung des Europäischen Gerichtshofes bestätigt, der den Rundfunk als eine Dienstleistung ansieht. Damit unterliegt dieser jedoch ebenfalls den Wettbewerbsregeln für Unternehmen. Im Speziellen beispielsweise dem Art. 101 Abs. 1 C AEUV (Verfälschung des Wettbewerbes innerhalb des Binnenmarktes, durch “…die Aufteilung der Märkte oder Versorgungsquellen”) bzw. dem Art. 106 AEUV (“Für Unternehmen, die mit Dienstleistungen von allgemeinem wirtschaftlichem Interesse betraut sind oder den Charakter eines Finanzmonopols haben, gelten die Vorschriften der Verträge, insbesondere die Wettbewerbsregeln, soweit die Anwendung dieser Vorschriften nicht die Erfüllung der ihnen übertragenen besonderen Aufgabe rechtlich oder tatsächlich verhindert. Die Entwicklung des Handelsverkehrs darf nicht in einem Ausmaß beeinträchtigt werden, das dem Interesse der Union zuwiderläuft.”). Würde nun das Programmangebot eingeschränkt, so entstünden Lücken, die durch die Privaten abgedeckt werden könnten.
Pro Wohnung muss in Deutschland inzwischen monatlich der Betrag von 17,98 € abgeführt werden (in Österreich im Vergleich dazu sind es im günstigsten Bundesland Vorarlberg bereits 19,78 € – siehe vorhergehender Blog – weniger Vielfalt, mehr Kosten!). Die Experten raten dazu, endlich das Wort “Steuer” in den Mund zu nehmen. Betrachtet man nämlich die Öffentlich-Rechtlichen als ein Gut, das allen Bürgern gleichermaßen zur Verfügung gestellt werden soll (Versorgungsauftrag), so muss dieses Gut auch aus dem öffentlichen Haushalt bezahlt werden. Die Alternative hierzu wäre es, das komplette System auf Abonnement-Basis umzustellen – Clubgüter, die “durch nutzungsabhängige Gebühren” finanziert werden sollen. 2012 nahm die GEZ nach eigenen Angaben 7,492 Mrd. € ein. Zehn Jahre zuvor waren es noch 6,75 Mrd. Die Wirtschaftswissenschaftler betonen zudem, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk derzeit viel zu teuer sei: “Der hohe Finanzierungsbeitrag pro Kopf in dem bevölkerungsreichen Deutschland ist insofern ein Indikator für eine weit überdurchschnittliche Versorgung.“ Eine Zwangsabgabe ermögliche die Schaffung eines qualitätsvolleren Programmes – anstatt dessen jedoch werde Quoten-TV und Quoten-Radio betrieben. Somit unterscheiden sich die Öffentlich-Rechtlichen in den verschiedenen Formaten nicht wesentlich von dem, was ihre privaten Kollegen fabrizieren. Die Wirtschafts-Wissenschaftler führen beim Fernsehen etwa dezitiert die Sportübertragungsrechte sowie die hohen Lizenzgebühren für Hollywood-Blockbuster, aber auch Talk-Shows oder Sitcoms im Vorabend-Programm an. Beim Rundfunk wird damit argumentiert, dass nahezu jeder Musikgeschmack inzwischen durch die Möglichkeiten des Internets abgedeckt werden kann. Dadurch würde ein “staatlich finanzierter Rundfunk ‘überflüssig’ gemacht”. Hört hört – das würde das Aus für zumindest vier der fünf Radiosender einer jeden Landesrundfunkanstalt bedeuten. Die Fünften, die Nachrichtensender könnten durch ein Mantelprogramm mit regionalen Fenstern gestrafft werden.
Auch der Bund Deutscher Zeitungsverleger hatte schon zuvor gegen die kostenlose Verbreitung der Nachrichtenangebote durch ZDF.de bzw. tagesschau.de protestiert. Einerseits würde dies das zumeist kostenpflichtige digitale und regionale Angebot der Printverlage beeinflussen, andererseits auch negativ auf die Verkaufszahlen der Zeitungen Auswirkung zeigen.
Betrachten wir uns zudem noch die Gehälter, die im öffentlich-rechtlichen Sektor bezahlt werden, so muss man sich ohnedies die Frage stellen: Was rechtfertigt eigentlich eine solch fette Personalkasse auf dem Rücken der Gebührenzahler?

Bestverdiener Deutschland:
Tom Buhrow – Intendant des WDR – 367.232 € Jahresgehalt & 3.072,- € Nebenverdienst

Kleinstverdiener Deutschland:
Thomas Kleist – Intendant des SR – 216.762 € Jahresgehalt & 16.620,- € Nebenverdienst
(Angaben: http://de.statista.com für 2013)

ORF Österreich:
Alexander Wrabetz – Generaldirektor – 349.000 € Jahresgehalt 2007
(wurde 2011 mittels neuem Bonus-System nachverhandelt – geschätzt: 390.000 € Jahresgehalt 2013)
Landesdirektoren zwischen 160-200.000 € Jahresgehalt
(Angaben: Der Standard Dez 2013)

(Anmerkung des Schreiberlings: Es ist bedenklich, weshalb die aktuellen Gehälter der Spitzenmanager, also des Generaldirektors und der Landesdirektoren in Österreich nirgendwo ersichtlich sind. Mit den Zahlen im Einkommensbericht des Rechnungshofes für 2011 und 2012 kann jemand, der mit den Bezügeschlüsseln aus der Personalverechnung nichts zu tun hat, auch nichts anfangen! Zudem erscheine der ORF-Geschäftsbericht nurmehr alle 2 Jahre!)

Nimmt nun Wolfgang Schäuble und sein Ressort dieses Gutachten ernst, so würde dies ein bislang noch nie dagewesenes Erdbeben in der deutschen Medienlandschaft auslösen. In Österreich hingegen lehnt man sich entspannt zurück, schliesslich ist der ORF selbst dermassen politisch unterwandert, dass es im wahrsten Sinne des Wortes ein “Politikum” darstellen würde, hier etwas ändern zu wollen. Zudem sind die bestehenden elektronischen Medien im Alpenstaat meines Erachtens noch nicht so weit, diese eventuell freiwerdenden Lücken bei einer Einschränkung des Staatsfunks auf seine ursprüngliche Aufgaben zu füllen – schliesslich wurden sie ja absichtlich hierfür zu klein gehalten und die Möglichkeiten bereits im Vorfeld eklatant eingeschränkt.
Summasummarum bleibt also, dass ein kurzer Aufschrei durch die Medienwelt ging – ändern wird sich dabei aber nicht wirklich viel. Erst wenn sich der EuGH zu Wort meldet, wird das Wehgeklage der Öffentlich-Rechtlichen mit ihrem Auftrag nicht zu überhören sein.

Links:

http://www.rundfunkbeitrag.de/

http://www.die-medienanstalten.de

http://www.ard.de

http://www.zdf.de

http://www.dw.de

http://www.gesetze-im-internet.de/

http://www.juris.de

https://www.gis.at

http://orf.at/

https://www.ris.bka.gv.at

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(T)Euroland Österreich

Als ich kurz nach der Euro-Umstellung einen Beitrah für eine westösterreichische Radiostation verfasste, der aufzeigen sollte, dass mit der Einführung der Gemeinschafts-Währung Euro auch eine nicht unwesentliche Teuerung in’s Land gezogen ist, hagelte es nur so vor erbosten Anrufen aus dem Lebensmittelhandel. Obwohl ich zur Beweisführung Preisvergleiche heranzog, wurde dies vehement bestritten. Meine Argumentation sei aus der Luft gegriffen, war das Echo der verkaufenden Zuhörer. Dass ich jedoch recht behalten sollte, da wurden auch die Kritiker schon sehr rasch eines besseren belehrt. Doch soll es heute nicht um die Euro-Verteuerung gehen.
Vielmehr möchte ich meinen Fokus auf eine Diskussion legen, die ich vor kurzem mit einer Bekannten führte: Dem Preis-Vergleich zwischen Deutschland und Österreich! Als ich vor einigen Wochen mit meiner besseren Hälfte in Deutschland im Mode-Discounter Kik verweilte, da sie sich für die Modeserie der Dame mit dem Plubb interessierte (oder vielmehr dem, was davon übrig geblieben ist), bemerkte ich auf den Preisschildern landesspezifische Auspreisungen. Leider nicht wirklich zugunsten Österreichs. Nachdem ich mehrere Bekleidungsstücke genauer angesehen hatte, musste ich feststellen, dass jedes Stück im Alpenstaat durchschnittlich um mindestens einen Euro teurer als in deutschen Landen gehandelt wird. An der Mehrwertsteuer kann dies ja nicht unbedingt liegen, beläuft sich der Unterschied doch gerade mal auf ein Prozent! Stellt sich mir somit die Frage: Was ist der Hintergrund?
Nachdem ich mit der Recherche für diese Zeilen begonnen hatte, staunte ich nicht schlecht: Der Diskonter ist wahrhaft keine Ausnahme! Ganz im Gegenteil! Alle Jahre wieder führt die österreichische Arbeiterkammer Warenkorb-Vergleiche zwischen Salzburg bzw. Tirol und Bayern durch (etwa bei Spar und Lidl). Genau dieselben Waren wurden in den Filialen derselben Lebensmittelketten verglichen. Das Ergebnis ist jedes Mal auf’s neue erschütternd: In Österreich werden identische Produkte um 25 bis gar 30 % teurer verkauft! Zum selben Ergebnis kam anno 2011 auch der Verein für Konsumenteninformation. In seinem Heft “Konsument 12/2011″ können Sie dies nachlesen. Verglichen wurden beispielsweise Versandhäuser. In Deutschland war dasselbe Stück teils um ein Drittel günstiger zu bekommen. Auch bei der Drogerie-Kette Müller in Wien und München wurde reingeschnuppert: So war die Tagescreme eines namhaften Herstellers in Wien nahezu doppelt so teuer wie in München, eine Nachtcreme gar mehr als doppelt so teuer! Wohlgemerkt: Es waren keine Aktionen! Selbes Spiel 2013: Gillette Rasierklingen Mach 3 Turbo – in Wien um 6,- € teurer als im bayrischen Freilassing!
Etwas ähnliches passierte mir dieser Tage: Ich bestellte in Österreich bei dem grossen Elektronik-Versandhaus Conrad-Electronics einen Adapter zum externen Lesen von internen Festplatten. Nach der Bestellung interessierte ich mich für denselben Anbieter jenseits der Grenze – 5 Euro günstiger! Hätte ich eine Zustelladresse in Deutschland, käme mich das Leben ganz augenscheinlich wesentlich günstiger als in Österreich. Bei DHL jedoch wird eine Zustelladresse vorausgesetzt – postlagernd bzw. Postfach ist leider nicht möglich. Versand nach Österreich? Da werden dann schon mal Portokosten von 15,- € und mehr pro Paket aufgeschlagen. In vielen Fälle liegt hier der Warenpreis unter den Kosten für den Versand. In Österreich spricht der Wutbürger inzwischen von der “Deppensteuer”! Anderes aktuelles Beispiel: Noch laufende Aktion bei Sky – in Deutschland für 16,90 €/in Österreich für 24,90 €. Hier kann ja wohl kaum mit den längeren Lieferwegen argumentiert werden, da es dem durch die Astra-Satelliten weitergeleiteten digitalen Signal vollkommen gleichgültig sein sollte, ob es nun von einer deutschen oder einer österreichischen Schüssel eingefangen wird.
Apropos – die Mär von den Lieferwegen versuchte mir auch in einem Beitrag über das West-Ost-Gefälle beim Benzinpreis einer der gutbezahlten Öl-Manager aufzudrücken. In Vorarlberg kostet derselbe Liter Treibstoff wesentlich mehr als in Niederösterreich! Nun ja, meinte der Konzernsprecher, das Ländle sei ja auch wesentlich weiter von der Raffinierie Schwechat entfernt! So ganz wollte ich das aber nicht auf sich beruhen lassen und entdeckte, dass so mancher Ölkonzern Vorarlberg und zeitweise auch Tirol von Ingolstadt aus beliefert! Da ist sie geplatzt – die Seifenblase “Lieferweg”!
Immer wieder wird auch mit unterschiedlichen Rabattaktionen und der Grösse des Marktes argumentiert. Alter Schwede – in diesem Falle heisst dies etwa: Je kleiner der Markt, desto grösser der Preis! Betrachtet man sich hierzu eine Studie der Weltbank, so liegt der Preis in Österreich um durchschnittlich 4 % höher als in Deutschland! Der Wocheneinkauf ist in Deutschland nach 126 Arbeitsminuten finanziert – in Österreich hingegen nach 216!!! Selbst schuld – weshalb leben in Österreich auch nur rund 8 Mio Menschen! Die Verkaufsflächen seien kleiner, die Abgaben und Steuern weitaus höher! Rechtfertigen diese grossteils an den Haaren herbeigezogenen Gründe eine Teuerung von in Einzelfällen gar 100 % und mehr? Also – doch die Deppensteuer! In solchen Fällen würde ich dafür plädieren, dass solche internationale Ketten gemieden werden und bei jenen Mitbewerbern eingekauft wird, die zwischen Deutschland und Österreich keinen Unterschied machen. Einige wenige soll’s ja noch geben!
Umso trauriger macht mich dann auch die Prognose des alpenländischen Wirtschaftsforschungsinstitutes WIFO für 2014 und 2015. Die erwartete Inflationsrate beläuft sich im Alpenstaat auf durchschnittlich 1,8 %. Als Zweitplatzierter dieses Rankings weist Finnland nur 1,2 % Inflation auf. Das führt zur höchsten bzw. schnellsten Teuerungsrate im Euro-Raum (nur in Grossbritannien ist sie noch höher – doch haben die Briten keinen Euro!). Im Vergleich dazu Deutschland: Etwa 1 %!!! Somit gibt es nach Aussage von WIFO-Geschäftsführer Karl Aiginger zwischen dem Boden- und dem Neusiedlersee folgendes Problem: Obwohl die Löhne bei so manch einem gestiegen sind, sinkt der Reallohn und damit auch die Kaufkraft! 2014 war dies zum dritten Mal in Folge der Fall! Apropos WIFO – die Experten erwarten sich erst im Jahr 2016 eine nennenswerte Entwicklung der alpenländischen Volkswirtschaft um +1,1 % nach 0,5 anno 2015 und gar 0,4 im abgelaufenen Jahr. Für mich insofern bedenklich, da ansonsten alle Entwicklungen in Deutschland nahezu kopiert werden. Ergo: Es ist etwas faul im Staate Österreich!
Die österreichische Tageszeitung “Die Presse” titelte bereits im Juli 2014: “Nirgends im Euroraum steigen die Preise schneller als in Österreich” – wie wahr, wie wahr. Die Teuerungen betreffen vornehmlich die Bereiche Wohnen (Mieten) und Leben (Nahrungsmittel). So beläuft sich beispielsweise in Deutschland der durchschnittliche Mietpreis auf 7,71 €/qm (Angaben: immowelt.de für 2015!), in Österreich hingegen auf 7,80 €/qm (Angaben: Statistik Austria 2013). Aber auch die Steuern und Gebühren schlagen ein wie ein mit voller Wucht durchgezogener Upper-Cut. Etwa die Versicherungssteuer, die motorbezogen ist und im vergangenen Frühjahr empfindlich erhöht wurde. Die angekündigte Erhöhung der Mehrwertsteuer beispielsweise bei den Beherbergungsbetrieben wird hier nochmals die Prozente purzeln lassen. Auch die Erhöhung der Tabaksteuer zu Beginn des Jahres 2014 trägt das Ihre dazu bei, zuvor bereits die erhöhte Mineralölsteuer. Zudem: Einer Abgabenquote von 45,2 % in Österreich steht nach Auskunft der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) eine Abgabenquote von 40,1 % in Deutschland gegenüber! Weitere Eckdaten? 38,8 Wochenstunden in Österreich/37,7 Wochenstunden in Deutschland! Durchschnittsgehalt: 2.706 Euro netto D, 2.476 Euro netto A!!! Während Herr und Frau Österreicher bereits ab einem Jahreseinkommen von 70.000 € den Spitzensteuersatz zu entrichten haben, liegt die Grenze beim deutschen Nachbarn bei 250.000,- €!
Eu-weit lagern in Österreich die teuersten Lebensmittel im Regal. Soweit das Ergebnis der zuvor schon angesprochenen Studie der Weltbank (“International Comparison Program” – Datenbasis 2011). So liegt das Preisniveau in Österreich um 40,6 % über dem errechneten Durchschnitt von 179 Ländern, die in der Studie berücksichtigt wurden. Die Untersuchung wurde im vergangenen Juli veröffentlicht – somit durchaus aktuell! Bei den Lebenshaltungskosten sind nur die Schweiz, Norwegen und Dänemark teurer – einzig letzteres gehört zur EU- und Eurozone! Dies ist umso interessanter, als der Hochpreis vornehmlich die heimischen Lebensmittel, wie Milch, Eier und Käse betrifft! Geben in Deutschland die Diskonter wie Aldi und Lidl die Milch-Preise vor, so ist dies in Österreich etwas anders gelagert, obwohl es die grossen Konzerne wie Rewe und Spar ebenfalls versuchen. Der Einzelhandelsriese M-Preis aus Tirol wurde gar wegen Preisabsprachen beim weissen Gold bestraft. Übrigens des Übels Kern, meint die Arbeiterkammer – mangelnder Wettbewerb und mögliche Absprachen. Im Agrarstaat zwischen dem Südburgenland und dem Bregenzerwald bestimmen noch die Molkereien die Preise. Der Erzeuger erhielt in Österreich im Bundesschnitt 41,79 Cent/kg brutto (37,31 Cent netto). So kommt es, dass auch die versendete Tankmilchmenge gestiegen ist. Allerdings unverständlicherweise auch die Zukaufsmenge an Tankmilch aus anderen EU-Staaten. Um nahezu 5.000 Tonnen mehr Tankmilch wurde zwischen dem Januar und September 2014 zugekauft als im Vergleichszeitraum des Vorjahres! Und dies alles, obwohl lt. Bericht November 2014 der Agrarmarkt Österreich erneut mit einem Überschuss an Milch und einer entsprechenden Strafzahlung zu rechnen ist (+5,1 % im Vergleich zu Januar bis November 2013 – ergibt eine Strafzahlung von rund 60 Mio € nach Brüssel)! Ist das nicht pervers? Österreich glänzt durch die vergleichsweise höchsten Milchpreise in der EU, obwohl ein Überangebot vorliegt!? Deutschland verkauft beispielsweise Milch und Trockenmilch containerweise nach China und Butter tonnenweise nach Japan!

Drei kurze Preisvergleiche gefällig?
.) Milfina H-Milch 3,5 % Fett 1 l (Hersteller: Landena Wels KG)
Hofer Österreich 0,89 €
Aldi Süd Deutschland 0,59 €
.) Franziskaner Weissbier naturtrüb (Hersteller: Spaten-Franziskaner-Bräu GmbH. München)
Billa Österreich (-21 % Aktion – da keine Kisten) 0,85 € für 0,5 l (ansonsten 1,08 €)
Rewe Deutschland 20 x 0,5 l – 12,79 €/somit 0,64 € pro 0,5 l
.) Zweigelt Neusiedlersee DAC 0,75 (Hersteller: Willi Opitz)
Lidl Österreich: 6,99 €
Lidl Deutschland: 6,99 €

Die Zeitschrift “News” brachte es somit im Mai 2014 auf den Punkt: “Österreicher verdienen weniger, zahlen mehr Steuern – und höhere Preise”! Und – wie die Preisbeispiele aufzeigen – an der besseren Qualität kann es ja nicht liegen! Denn auch die ist meist nur ein Märchen! Oder denken Sie, dass ein österreichischer Hersteller die schlechtere Ware in einen weitaus grösseren Markt wie Deutschland entsendet, wo er sich mehr Umsatz und dadurch grösseren Gewinn erwartet?

Links:

http://www.meine-milch.de

http://www.agrarheute.com

http://www.ama.at

http://www.supermarktcheck.de

http://www.discounter-preisvergleich.de

http://www.aktionsfinder.at

http://www.marktguru.at

http://www.wogibtswas.at

http://www.immowelt.de

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