Archive for Juni, 2015

Der Präsidentenwahnsinn

Zu diesem Thema wollte ich mich eigentlich nicht äussern, doch hat mich die Realität mit den beiden F-Affären eingeholt: FIFA und Fenninger. Deshalb gehe ich heute mal der Frage nach, wie wichtig die Funktionäre im Spitzensport tatsächlich sind!
Bei Wikipedia steht zum Begriff “Funktionär” zu lesen:

“Ein Funktionär („Beauftragter“, ehrenamtlicher oder haupt-beruflicher Amts- oder Mandatsträger; von lat. fungi, „verrichten“, „besorgen“, „(ein Amt) verwalten“) ist eine Person, die innerhalb einer Organisation eine Führungsposition innehat.”

Ah ja! Nach meiner Definition ist ein Funktionär im Sport eine Person, die die Aufgaben der Verwaltung und der Organisation bewältigt und beaufsichtigt, damit die Sportler sich mit dem nicht herumschlagen müssen und sich vollends auf das Training und v.a. den Wettkampf konzentrieren können. Ja – beim Sport stehen tatsächlich der/die Aktive im Mittelpunkt! Sie haben sich blutig trainiert, deren Eltern viel Geld investiert, bis die Bewegungsboliden bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen antreten und sich vielleicht gar einen Platz auf dem Podest sichern können. Zuletzt allerdings wurden die Funktionäre immer wichtiger – so manch einer unter Ihnen stellt sich in seiner Bedeutung über jene der von ihm betreuten Schützlinge. Traurig aber wahr! Und alles hat meines Erachtens mit der Teilnahme der Funktionäre beim Einmarsch der Nationen in der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele seinen Anfang genommen. Der Grund, weshalb ich mir solcherartige Eröffnungen nicht mehr anschaue, da ich meist dabei einschlafe, so lange, wie dieser Teil der Zeremonie nun mal dauert! Werden etwa für die kommenden drei bis vier Wochen der Spiele diese Personen 150 % ihrer Leistung geben? Klar – auch sie ist nicht zu unterschätzen, doch gehört der Sport den Sportlern und Sportlerinnen und nicht deren Managern, Sekretärinnen, Buchhaltern, …
Im Folgenden möchte ich nun auf die beiden angesprochenen “Skandale” und einige andere kurz eingehen.
Die FIFA ist eigentlich der internationale Dachverband aller nationalen Fussballverbände dieser Welt. Ihr obliegt die Organisation der Fussballweltmeisterschaften mit allem, was damit zusammenhängt bzw. auch die Koordinierung bei der Ausrichtung des internationalen Fussballs (Regelwerk, sonstige Bestimmungen,…). Sozusagen also die fussballerische Weltregierung. Ein gewisser Joseph Blatter leitete die Organisation seit 1998 und machte den Verband zu einem milliarden-schweren, multinationalen Konzern. Auf der Website der FIFA steht: “…das Portfolio der FIFA-Wettbewerbe erweitert!” Wirklich nett formuliert! Wie die noch aktuellen Enthüllungen aus Lausanne immer mehr zeigen, ging es den FIFA-Vertretern jedoch weniger um Fussball, als vielmehr um’s Geld verdienen, einem angenehmen Leben und der Macht! Die Vergabe der Weltmeisterschaften an Südafrika, Qatar und Russland stehen im Verdacht, manipuliert worden zu sein. Südafrika vielleicht nicht unbedingt mit einer Unzahl an Geldkoffern, als vielmehr dem Wohlwollen der afrikanischen Verbände gegenüber dem Präsidenten! Die Missstände im Emirat Qatar beim Bau der Stadien, sowie der Umstand, dass die meisten Spieler wohl mit Hitzekollaps vom Spielfeld getragen werden müssen, sind bekannt. Das Turnier nach Russland zu vergeben, wo derzeit gerade ein machthungriger Möchtegern-Diktator die Sowjetunion wieder auferstehen lassen will, zeugt von politischem Unvermögen der schlimmsten Art. Doch wer besser bezahlt, erhält offenbar den Zuspruch. Die Spieler werden zu Marionetten auf dem Rasen. Bei der Fussball-WM 2014 in Brasilien beispielsweise musste das Team der Oranjes (Niederlande) aus dem Hotel am Strand von Ipanema ausziehen, da die FIFA hier ihre Sponsoren für das Endspiel einquartierte. Die Truppe um Trainer van Gaal hatte bei Buchung mit dem Einzug in’s Finale gerechnet und sich deshalb in diesem Beherbergungsbetrieb in der Nähe des Maracana-Stadions eingemietet.

http://www.derwesten.de/sport/fussball/wm/kofferpacken-fuer-oranje-fifa-braucht-hotel-fuer-sponsoren-id9565909.html

Auf der Homepage der FIFA steht zu lesen:

“Die Mission der FIFA ist es, den Fussball überall und für alle zu entwickeln, die Welt mit ihren mitreissenden Turnieren zu begeistern und mit der Kraft des Fussballs eine bessere Zukunft zu gestalten.”

Mit diesem Korruptionsdschungel, dieser autokratischen Führung, dieser Unflexibilität und dieser Ignoranz gegenüber der Belange der Fussballer selbst wird diese an sich sehr hehre Mission niemals umgesetzt werden können. Der nächste Präsident, vollkommen gleichgültig ob er nun Platini, Zico oder Musa Bility heisst, wird es sehr schwer haben, mit dem Aufräumen und der Richtungsänderung der Organisation, schliesslich kleben die FIFA-Funktionäre auf ihren Sesseln und geben diese offenbar nur dann frei, wenn Justitia gegen sie ermittelt.

Blende

Österreich ist zwar ein kleines Land, im Wintersport jedoch ganz gross. Kunststück, wird doch so manch einer bereits in Schischuhen geboren und nutzt den Weg vom Kreissaal in die Neugeborenen-Station für seine erste Abfahrt auf den Brettl’n. Von Zeit zu Zeit ergibt es sich nun zwischen der Silvretta und dem Simmering, dass ein Stern auf der Schipiste aufgeht und alle anderen überstrahlt. Heisst er nun Annemarie Moser-Pröll oder Franz Klammer, Toni Sailer oder Marlies Schild. Derzeit sind es Anna Fenninger und Marcel Hirscher, die ihre Disziplinen beherrschen, wie kaum ein(e) Andere(r). Trotzdem unterliegen sie dem Loyalitätsgelübde ihres Präsidenten Peter Schröcksnadel. Immer wieder zeigt er demonstrativ und öffentlichkeitswirksam, wo der Bartl den Most herholt. Ähnlich wie sein Kollege Sepp Blatter hat auch Peter Schröcksnadel den ÖSV zu einem Imperium aufgebaut – nur eben österreichisch, etwas kleiner. Sein Zauberwort heisst “Skipool”! Eine elitäre Gruppe von Wirtschaftsunternehmen (nicht unbedingt aus Österreich), die einen fulminanten Batzen an Geld in den Österreichischen Schiverband stopfen. Dafür erhalten Sie, wo auch immer es geht, die vordersten und besten Plätze sobald einer der Schistars auftritt. Alsdann sind die Erwartungen des Herrn Präsidenten an seine Schäfchen sehr hochgeschraubt. Den Athleten wird vor Grossereignissen vorgeschrieben, wieviele Medaillen den Weg in das ÖSV-Headquarter in Innsbruck finden müssen, für wen sie Werbung und wann sie Pippi machen dürfen. Auch Schröcksnadel ist allmächtig, sein Wort heilig. Passt ihm ein Trainer nicht mehr zu Gesicht, kann dieser seine Koffer packen. Andere Nationen wie Kanada oder Deutschland zehren vom Knowhow der österreichischen Trainerschule. Die meisten dieser ausgewanderten Lehrmeister standen mit Schröcksnadel im Clinch oder hatten nicht die Möglichkeit als Nicht-Günstling des Präsidenten auf- bzw. einzusteigen. Schon vor Jahren bestand der Vorarlberger Marc Girardelli auf seinen eigenen Trainer (seinem Vater) und wurde dafür sogar Luxemburger. Der Fall Kathrin Gutensohn war etwas anders gelagert – sie wurde durch den ÖSV nach einer Verletzungspause nicht mehr nominiert! Nachdem ihr Gatte Deutscher war, konnte sie für den DSV starten und holte noch einige Medaillen für Deutschland. Im Falle Anna Fenningers passte es dem Herrn Präsidenten partout nicht in den Kram, dass die Athletin Personaltrainer und v.a. einen deutschen Manager hat. Als dann auch noch das Antlitz Fenningers von einer Mercedes-Printwerbung blinzelte, war bei Herrn Schröcksnadel Schicht im Schacht. Schliesslich zahlt Audi eine Stange Geld und Autos, um im Skipool dabei sein zu dürfen. Fenninger wollte hingegen an ihrem Personal festhalten und liess sich mal so richtig über die Geschlechtergleichstellung im ÖSV aus. Dass der Damenbereich weitaus weniger an Geldern erhält als der Männerbereich, steht ganz ausser Frage. Dass jedoch dann auch noch ganz offiziell diskriminiert wird, das hätte so manchen Chef den Kopf gekostet.
Im Vorwort zur Website des ÖSV schreibt Schröcksnadel:

“Garanten für die erfolgreiche Arbeit sind die weltbesten Trainer, die mit den Sportlern nach modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen trainieren und dafür auch die entsprechende finanzielle Grundlage zur Verfügung gestellt bekommen. Hauptaufgabe des Verbandes ist die jährliche Beschaffung der nötigen finanziellen Mittel, damit die von den Trainern und Betreuern erarbeiteten Trainingsprogramme durchgeführt werden können.”

Steht nichts von dem “An die Leine legen” der Sportler. Müssen sich nun die Athleten und v.a. Athletinnen auch gegenüber der Funktionäre behaupten, so geht wertvolle Energie für das Erreichen ihrer Hauptaufgabe verloren: Bestzeiten auf den Pisten zu erzielen! Das fordern nicht nur die Funktionäre, sondern die ganze Schination.

Blende

Ein Fall, der schon etwas zurück liegt, die körperliche Ausbeutung der Sportler durch die Funktionäre jedoch auf den Punkt bringt! Zwischen 1950 bis 1960 bestimmte der Läufer Brian Hewson auf den britischen Inseln die Mittelstrecke für ein komplettes Jahrzehnt. Er war der erste, der die Meile unter vier Minuten lief. 1958 wurde er in Stockholm über die 1.500 m Europameister. Anfang August 1960 verletzte er sich schwer bei den Vorbereitungen für die Olympischen Spiele in Rom, die am 25. August begannen. Sein behandelnder Arzt, Dr. Bass (auch Sportarzt bei Arsenal), verbot ihm für drei Wochen jegliches Training und verabreichte ihm hohe Cortison-Dosierungen. Der britische Leichtathletik-Verband schrieb Hewson jedoch während dieser Zeit ein Ausscheidungsrennen vor, da er ansonsten seine Olympia-Pläne vergessen könne. Der Läufer hatte sich eigentlich schon für die 800 m qualifiziert, über die er auch auf Goldkurs lag. Hewson trat gegen die ausdrückliche Warnung seines Arztes zum Lauf an. In Rom schliesslich schied er mit genau derselben Verletzung bereits im Vorlauf aus. Die Liste solcher unglaublicher, menschenverachtender Entscheidungen hat seither zugenommen, da das Geld eine immer wichtigere Rolle spielt: Lukrative Werbeverträge bringen nicht nur dem Sportler, sondern auch dem Verband Millioneneinnahmen. Die Zeit, in welcher ein Sportler Spitzensport betreiben kann, ist auf zehn bis 15 Jahre beschränkt. Somit wird das grösstmögliche herausgeholt. Als Bayerns-Stürmerstar Robert Lewandowski im Pokal-Halbfinale mit dem Dortmunder Torhüter Mitch Langerak zusammenstiess, schrien Tausende laut auf. Schliesslich ging es nur wenige Tage später im Champions League-Kracher gegen den FC Barcelona um den Einzug in’s Finale. Lewandowski hatte sich den Oberkiefer und das Nasenbein gebrochen – zudem trug er eine Gehirnerschütterung davon. Spieler und Verein hatten sich dann für einen Einsatz entschieden, die Teamärzte grünes Licht gegeben. Lewandowski spielte mit einer Gesichtsmaske. Andere Mediziner, wie etwa der Kiefer-Spezialist Milan Michalides, der die Profis von Werder Bremen betreut, sprach von verantwortungslos, sofern der Oberkiefer tatsächlich gebrochen war. Im schlimmsten Falle käme es dann zu einer nicht-knöchernen Verheilung (wenn sich der Bruch etwa neuerlich verschiebt), an dem Lewandowski sein Leben lang zu leiden hätte. Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer meinte zwar:

“Das entscheiden die Ärzte, der Spieler selbst und auch die Maske. Eines ist aber klar. Kein Spieler der Welt kann so wichtig sein, dass man dafür dessen Gesundheit aufs Spiel setzt!”,

doch weiss niemand, der nicht dabei war, welcher Druck auf dem Spieler lastete und welchen er sich zudem selbst machte. Dass nicht nur die Sportler und Sportlerinnen aus dem ehemaligen Ostblock mehr Chemie, Hormone und Schmerzmittel im Blut hatten als ihre Kollegen aus dem Westen, zeigt der Freiburger Doping-Skandal in aller Härte auf. Dein Job, werter Sportler, ist es, Höchstleistungen zu erbringen. Was nach diesen zehn oder 15 Jahren kommt, ist dem Verband egal.

Blende

Ganz klar um’s Geld ging es auch bei den Streitigkeiten zwischen dem Österreichischen Schwimmverband und seinem einzigen Weltklasse-Schwimmer Dinko Jukic. Damit dieser auch weiterhin für die Olympischen Spiele in Brasilien 2016 Fördergelder erhält, musste er bis Ende Oktober 2014 über 200 m Delfin die 1:56,68 min knacken. Das war Platz 5 der EM in Berlin. Allerdings werden über den Sommer meist nur Kurzbahn-Strecken geschwommen – dies sind doppelt so viele Kehren. Jukic reagierte erbost auf dieses Limit: “Der OSV verlangt eine Weltklasseleistung in amateurhaftem Rahmen.“ Bereits im Jahr zuvor gab es erbitterten Streit zwischen Jukic und dem Schwimmverband. Er forderte medienwirksam am Rande der Schwimm-EM im benachbarten Ungarn die Absetzung dreier Funktionäre. Der Verband reagierte prombt und sperrte den Sportler für zehn Monate – eine Berufung wurde durch den ÖSV-Verbandstag abgelehnt. Das Landesgericht Wien hingegen hob mittels einstweiliger Verfügung die Sperre auf und gab Jukic in erster Instanz recht – gleiches auch in den Prozessen gegen dessen Verein SC Austria. Nach den Rücktritten des Verbandspräsidenten Paul Schauer und dessen Nachfolger Christian Meidlinger setzte man sich an den runden Tisch und erzielte – zumindest vorläufig – eine Einigung. Mediator war damals ausgerechnet Schiverbands-Präsident Peter Schröcksnadel, der auch Sport-Koordinator des Förderkaders ist. Das erklärte Ziel des zweifachen Kurzbahn-Europameisters ist die Teilnahme in Rio – sei es nicht für Österreich, dann für eine andere Nation. Jukic wurde schliesslich im Oktober 2014 aus dem Förderkader für Rio entfernt.
Ebenso wie der derzeit beste österreichische Tennis-Crack Dominic Thiem. Laut Reglement müsste Thiem mindestens zwei Daviscup-Einsätze vorweisen können, damit er auch an den Millionen-Fördertopf gelangt. Im Oktober 2014 jedoch konnte der Jungstar dies noch nicht. Also wurde er ebenfalls aus dem Förderkader entfernt. Deshalb wollte die aktuelle Nr. 1 im Alpenstaat nicht im Daviscup-Team gegen die Niederlande im Juli in Kitzbühel den Schläger schwingen, bevor die nicht erhaltenen Fördergelder erstattet werden. “Meine Familie hat einfach extreme Bürden aufbringen müssen, um mir das zu finanzieren, was anders sicher leichter gewesen wäre!”, betont Thiem. ÖTV-Präsident Robert Groß spricht von Erpressung. Stellt sich für einen Aussenstehenden eigentlich nur die Frage: Kann es sich der ÖTV leisten, gegen die Niederlande ohne die derzeitige Nummer Eins anzutreten, von dem auch Thomas Muster meint, dass er ohne weiteres an die Spitze des Internationalen Tennissports vorpreschen kann. Und Muster muss es ja wissen – er war der einzige Österreicher, der die Tennis-Weltrangliste anführte!

Blende

Im Deutschen Tischtennisverband bekriegten sich im Jahre 2005 die Funktionäre gleich gegenseitig. Da machten doch die Landesverbände aus dem Saarland, dann auch aus Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Schleswig Holstein mobil gegen den ehemaligen und den amtierenden Präsidenten des DTTB, Hans Wilhelm Gäb und Walter Gründahl. Über einen offenen Brief bzw. einem an die Medien zugespielten Schreiben forderten die Landesverbände die Absetzung von Gäb als Ehrenpräsidenten. Er verfolge eigene Ziele und übe dabei Einfluss aus. Dies gezieme sich als Ehrenpräsident nicht. Gründahl wurde zum Rücktritt aufgefordert. Er soll in seinem ersten Jahr als ehrenamtlicher Präsident Gelder kassiert haben, ohne dafür eine Gegenleistung erbracht zu haben (immerhin umgerechnet rund 48.000 €), um dadurch das vorhergehenden Gehalt als Generalsekretär auszugleichen. Auch bei Gäb sollen rund 24.000 € nach Ex-Jugoslawien und nicht weniger als 250.000 € als Vertragszahlungen an die ehemalige Bundestrainerin Eva Jeier geflossen sein (Quelle: Die Welt). Sehr hohe Beträge für einen solch kleinen Verband.
Und das, werter Leser dieser Zeilen, sind die Probleme in der demokratischen Welt. Können Sie sich vorstellen, was ein Sportler in einer Diktatur wie Nordkorea, einer Militärdiktatur wie es derer viele auf dem afrikanischen Kontinent gibt, dem Nahen Osten oder in Russland alles einstecken muss?!
Schliessen möchte ich für heute mit etwas schliessen, das mir sehr am Herzen liegt. Für alle Hobby-Rekordjäger, vor allem aber überehrgeizige Eltern: Lassen Sie bitte diesen Satz des SWR-Sportreporters Martin Thiel auf sich wirken!!!

“Sport ist mehr als nur schneller, höher und weiter!”

Literatur:

.) Flying Feet; Brian Hewson/Peter Bird; Verlag Stanley Brown

Links:

de.fifa.com
www.oesv.at
www.osv.or.at
www.oetv.at
www.tischtennis.de

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Zur Kasse bitte vorne rechts!

Gar wundersames tut sich derzeit im Staate Kaiser Franz Josephs! Er sandte seine Lakaien aus um neue Steuern einzutreiben. Doch wehrt sich sein Volk nun angesichts der Steuerflut. Seine Eintreiber kamen mit leeren Händen zurück nach Schildburga äh Wien. Was war geschehen?
Am 02. Juni dieses Jahres wurde ein neuer Gesetzesentwurf in die Begutachtung gegeben. Der Titel spricht bereits Bände: “Bundesgesetz, mit dem das Urheberrechtsgesetz und das Verwertungsgesellschaftengesetz 2006 geändert werden (Urheberrechts-Novelle 2015 – Urh-Nov 2015)”. Offenbar hat es der Nationalrat recht eilig, belief sich doch die Begutachtungsfrist auf nur 14 Tage. Soll heissen, dass das Gesetz noch vor der ungefragt wohlverdienten Sommerpause der österreichischen Politiker beschlossen werden sollte, damit es gleich nach dieser auf Schiene liefe (geplantes Inkrafttreten ist am 01. Oktober 2015). Tatsächlich kamen in dieser Frist nur 13 Organisationen der Begutachtung nach. Dabei hagelte es teils herbe Kritik. So beispielsweise durch das Oberlandesgericht Wien. Dort ist von einer “unzumutbar kurzen Begutachtungsfrist” und “von keiner fundierten Analyse des Entwurfs” die Rede.
Zur Info:
Künftig soll in Österreich auf jedes digitale Speichermedium eine Abgabe in der Höhe von max. 6 % des Neuwertes erhoben werden. Hallo? Speicherchips sind heutzutage in beinahe allen elektronischen Geräten enthalten, angefangen natürlich bei Computern, über das Handy (nicht nur Smartphone) bis hin zur zeitgesteuerten Kaffeemaschine oder dem Auto. Sogar die sprechende kleine Puppe meiner Tochter verfügt über einen solchen Speicherchip. Tja – und dann sind da noch die Multimedia-Festplatten der Kabel- oder Programm-Anbieter, die das TV-Programm kopieren und speichern! Sky etwa wirbt ja damit, dass man sich seine Lieblingsserien dann anschauen könne, wenn man Zeit dafür habe. Durch diese verpflichtende Abgabe sollen die Urheberrechte besser gegenüber der Raubkopien ausgeglichen werden! Doch stösst dies dem IT-Branchenverband ISPA mehr als sauer auf. Einerseits würden die Konsumenten ihre Produkte eben im nicht-abgaben-belasteten Ausland kaufen. Andererseits müssten auch jene diese Abgabe bezahlen, die keinerlei Raubkopien anfertigen und somit hehren Gedankens sind. Somit sind wir schon wieder bei der Generalschuld: Verdächtigt wird grundsätzlich jeder! Von diesem Grundsatz ging die rot-schwarze Regierung in Österreich schon bei der Steuerreform und einige Jahre zuvor der Rasterfahndung aus! Erneut steht hier also nicht das Verursacher-Prinzip im Mittelpunkt, sondern die Kollektiv-Schuld! Hatten wir derartigen Generalverdacht nicht schon einmal in diesen Breitengraden? Im Dritten Reich war grundsätzlich jeder verdächtig, subversiv zu agieren! Deshalb wurden beispielsweise die Jungen in der Hitlerjugend in jeder Hinsicht insofern gedrillt, dass sie auch ihre Verwandten, ja sogar Mütter und Väter ausspionieren und melden sollen, wenn sich Vater des nächtens in den Keller verabschiedete um die BBC zu hören.
Das Gesetz führt zu einer breiten Kriminalisierung der Internetgemeinde. Auch all jene, die keinerlei Raubkopien selbst anfertigen (sei es als MP3 oder Filmkopien etc. ) haben trotzdem solche gespeichert. Das ist jene Grauzone, in welcher beispielsweise ein inzwischen nicht mehr zugelassener Rechtsanwalt der Kanzlei Urmann + Collegen für den Klienten The Archive AG Geld herausschinden wollte: Im sog. “Red-Tube-Prozess”! Red Tube ist das Sex- und Porno-Gegenstück zu You Tube. Doch ebenso wie auf You Tube haben nicht immer jene, die die Clips reingestellt haben auch die Rechte daran. So ereilte vielen Usern, die den einen oder anderen dieser Filme auf Red Tube anschauten, ein Mahnschreiben der Anwaltskanzlei mit einem dreistelligen Strafbetrag. Auch wenn das Video nicht offiziell kopiert wird (Download oder File Sharing), so legt jeder PC eine temporäre Kopie an, damit das Video nicht immer durch Nachladen unterbrochen wird (“Pufferung”) bzw. bei einem späteren Besuch schneller darauf zugegriffen werden kann. Dies übrigens auch bei jeder Website. Aus den sog. “Cookies” lässt sich dann auch die IP-Nummer des Rechners und damit der Provider bzw. in weiterer Folge der User selbst ausfindig machen. Die juridische Handhabe auf die Ausfindigmachung der User hinter den IP-Adressen erhielt die Kanzlei durch einen entsprechenden Antrag beim Amtsgericht Köln. Die richterlichen Kollegen des Amtsgerichtes Potsdam allerdings urteilten, dass die Abmahnungen nicht rechtens sind.
Und nun stellen Sie sich bitte mal folgendes vor: Sie marschieren mit der Festplatte Ihres neuen Rechners zu einer dieser Verwertungsgesellschaften um nach § 42b Abs. 6 des Urheberrechtgesetzes ihre Gebühr zurückzuverlangen, da die Festplatte „nicht für Vervielfältigungen zum eigenen oder privaten Gebrauch“ verwendet wird. Wird bei der Untersuchung nun beispielsweise ein Artikel einer Online-Plattform vorgefunden, den Sie abgespeichert haben, um ihn später lesen zu können, oder Sie haben die Buchungsbelege der kostenpflichtigen Malware-Programme nicht mehr – nun ja – Pech gehabt. Im zuvor erwähnten Paragraphen 42 der Novelle heisst es: “Die den Rückzahlungsanspruch begründenden Tatsachen sind glaubhaft zu machen!” Und – wie wird dies mit diesen temporären Files gehandhabt? Unternehmen und juristische Personen können die Abgabe übrigens insofern rückfordern, wenn sie jene Rechnung vorlegen, auf welcher die Abgabe eigens vermerkt ist. Nun bleibt es der Verwertungsgesellschaft selbst überlassen, ob sie die paar Euronen auch tatsächlich zurückbezahlt. Es handelt sich also um sog. “totes Recht” (die Möglichkeit gibt es zwar, man kann auch von ihr Gebrauch machen – doch bleibt es eine Möglichkeit), da nicht davon auszugehen ist, dass diese max. 6 % in Form einer Rückzahlung überwiesen werden! Schliesslich kann ja auch nach Ihrem Besuch urheberechtlich geschütztes Material auf dieser einen Festplatte abgespeichert werden. Ein riesiger Aufwand und zudem tiefer Eingriff in die Privatsphäre, denn wer lässt schon gerne von jemandem Fremden die Urlaubsfotos oder Liebesbriefe bzw. Buchhaltung durchstöbern, meint auch die Konsumentenberatung der Arbeiterkammer. Dort wird alsdann ein Prozedere erwartet, das es für Otto Normalbürger unmöglich macht, diese Gebühr zurückzuholen. Die Konsumentenberater fordern deshalb auf den Websites der Verwertungsgesellschaften einen “einfachen, verständlichen und für den durchschnittlichen Nutzer nachvollziehbaren Weg für die Geltendmachung des Rückerstattungsanspruchs” (Mathias Grandosek – wirtschaftspolitische Abteilung der Arbeiterkammer Wien). Als Beispiel hier ein Ausschnitt aus dem neuen Gesetzestext:

§ 42 Abs. 5 erster Satz lautet:
„Eine Vervielfältigung zum eigenen oder privaten Gebrauch liegt vorbehaltlich der Abs. 6 und 7 nicht vor, wenn sie zu dem Zweck vorgenommen wird, das Werk mit Hilfe des Vervielfältigungsstückes der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, oder wenn hiefür eine offensichtlich rechtswidrig hergestellte oder öffentlich zugänglich gemachte Vorlage verwendet wird.“

Ähm – ja…!!!??? Wenn ich das nun richtig gelesen habe, so kann ich eine Vervielfältigung durchführen, wenn ich mit diesen Kopien etwa die Musik für das nächste Strassenfest mache bzw. einen neuen Film im Hörsaal auf der Uni zeigen möchte, ein Internetradio betreibe! Beziehungsweise wenn ich von einer Kopie eine Kopie erstelle! Oder?
Insgesamt rechnet der Gesetzesgeber mit rund 29 Mio € jährlich bis 2019. Damit bezahlt jede(r) Österreicher/-in egal ob alt oder jung, taub oder blind 2,35 € pro Jahr. Zusätzlich zu jenem Anteil, der bereits schon in die Kultursubventionen fliesst. Diese 2,35 € werden durch die Austromechana einkassiert und alliquot auf die Verwertungsgesellschaften aufgeteilt. Cool – somit werde auch ich mich gleich bei der Verwertungsgesellschaft Wort anmelden. Habe ich dann jedoch zu viele Clicks auf diese meine Zeilen, dann verdiene ich wiederum zu viel und muss Einkommenssteuer entrichten sowie mich bei der Sozialversicherungsanstalt als Selbständiger anmelden. Bei zweiterem muss monatlich eine Mindestzahlung getätigt werden. Liegt der Urheber also knapp über jenem Betrag, ab welchem Anmeldepflicht besteht, kann es durchaus sein, dass unter’m Strich ein dickes fettes Minus herauskommt. Somit werden sich auch sehr viele nicht anmelden. Was mit diesen Geldern geschieht, kann sich wohl jeder Einzelne unter Ihnen selbst ausmalen!
Die ISPA warnt zudem vor einer sog. “Cloud-Tax”. Immer mehr gehen inzwischen dazu über, den alten Server durch die Datensicherung im Internet zu ersetzen. Auf diese “Cloud” kann dann von allen Orten der Erde zugegriffen werden. Doch eignet sich auch dieser irreale Ort zum Ablegen von Raubkopien. Somit ist es nurmehr eine Frage der Zeit, wann die Festplattenabgabe auch auf derartige Cloud-Lösungen eingehoben wird. Dann ist es nurmehr ein kleiner Schritt zu dem, was die Machthaber in Ungarn einführen wollten: Eine datenvolumensbezogene Internetsteuer! In diese Richtung bewegt sich auch die jüngste Partei Österreichs, die Neos. Sie fordern anstelle der Festplattenabgabe eine Gebühr auf die Downloads (Der Standard vom 28.08.2014)! Vorerst nur auf gekaufte Downloads von Musik-Titeln aus Musik-Plattformen. Spinnen wir die Idee weiter, so müssen auch die Autorenrechte abgegolten werden, dann kosten das Lesen der Online-Ausgabe einer Zeitung, der Leseprobe eines Buches und jedes Blogs Geld, da ja wie vorhin beschrieben, Downloads durchgeführt werden. Damit wird bereits das Surfen im WWW zur teuren Angelegenheit!
Österreich hat übrigens so rasch wie kein anderes EU-Land reagiert – ähnlich wie bei der Vorratsdatenspeicherung! Brüssel plant die europaweite Einführung einer solchen Abgabe (Richtlinie 2001/29/EG zur Harmonisierung bestimmter Aspekte des Urheberrechts und der verwandten Schutzrechte in der Informationsgesellschaft (Info-RL)), jedoch wurde man sich nicht einig über die Form. In Deutschland beispielsweise wird derzeit darüber diskutiert, ob eine solche Gebühr ähnlich der Haushaltsabgabe eingehoben werden soll (auch im Sinne der österreichischen Arbeiterkammer). In Frankreich und den BeNeLux-Staaten gibt es jedoch eine solche Gebühr nicht. Aus diesem Grunde fürchtet nun die Wirtschaftskammer eine klare Wettbewerbsverzerrung, da Kaufkraft in’s Ausland abwandern könnte. Logisch – beläuft sich doch etwa die Gebühr für das I-Phone 6 plus auf satte 60,- bis gar 115,- €. Österreich festigt damit einmal mehr seinen Spitzenplatz im Ranking der Pro-Kopf-Abgaben innerhalb der EU. Die Wirtschaftskammer war es übrigens auch, die einen entsprechenden Vorstoss der Regierung schon 2014 vereitelte. Die Damen und Herren des österreichischen Parlaments wurden darum gebeten, dies auf die Zeit nach den Kammerwahlen zu verschieben. Die “Initiative Gegenspeicherabgabe” sammelte nur im Laufe des Junis 2014 über 6.000 Proteststimmen. In der “Plattform für ein modernes Urheberrecht” haben sich mehrere Konzerne wie Acer, Apple, Conrad, Sony und Toshiba aber auch einige Mittel- und Kleinunternehmen zusammengetan. Sie fordern anstelle dieser “Steuer auf Elektronik-Artikel” einen Dialog auf europäischer Ebene und damit ein zeitgemässes Urheberrecht. Auf diese Art werde ab dem 1. Oktober nur die Kaufkraft abfliessen. Warten wir’s ab – das Gesetz wurde am 16. Juni im österreichischen Parlament beschlossen, da hier die Uhren offenbar etwas anders ticken. So meint Justizminister Wolfgang Brandstetter:

“Mit der Speichermedienvergütung haben wir eine zeitgemäße Lösung gefunden, mit der alle Beteiligten gut leben können!”

Fragt sich, was die Interpreten, also die Autoren, Komponisten, Filmer etc. davon haben werden! Nichts! Da sind sich viele der angesprochenen Berufssparten sicher. Klar – Massnahmen gegen Schwarzkopien sind hier immer willkommen. Doch ob diese geplante Massnahme das verhindern wird, ist zu bezweifeln. Und das Geld? Bei der Einführung einer solchen Abgabe auf Speichermedien rechnet der Handel mit einem Mehraufwand von 50 Mio € jährlich, die selbstverständlich dann auf den Konsumenten umgewälzt werden. Es gibt im Alpenstaat bereits seit Jahren eine Gebühr auf Leerkassetten und Rohlinge (Leerkassettenvergütung). Auch diese wird direkt in den Kaufpreis eingerechnet. Einkassiert wird sie durch eine andere Tochtergesellschaft der AKM, der LSG (Leistungsschutz-Gesellschaft). Gibt es hier Zahlen, welcher der Interpreten wieviel hiervon erhalten hat? V.a die Interessensgemeinschaft “Kunst hat Recht” hat sich für die Einführung einer solchen Speichermedien-Abgabe eingesetzt, doch ist man dort nun todunglücklich. Schliesslich wollte die Vertretung für rund 2.700 österreichische Künstler die Existenz ihrer Mitglieder sichern – nicht nur einen Krümel in Form eines Ausgleichs für Raubkopien! Erwartet wurden zwischen 50 bis 80 Mio €! Hier sei allerdings erwähnt, dass bei jedem öffentlichen Abspielen eine Tonwerks bzw. eines Filmes die AKM in Österreich bzw. die GEMA in Deutschland die Hand für die Künstler aufhält. Werden die Titel hingegen weder live verlangt noch im Radio oder TV gespielt, so ist das ein Problem des Interpreten. So beschweren sich beispielsweise die Austropop-Stars immer wieder, dass sie nicht auf dem österreichweiten Popsender Ö3 gespielt werden – das bringt ihnen nämlich Einbussen bei den Tantiemen! Doch ist dies ebenso wie bei den ehrlichen Menschen, die sich eine CD oder einen Download kaufen bzw. jenen, die sich das einfach kopieren: Sollen die Künstler, deren Musik nicht gehört oder Filme nicht gesehen werden wollen auch etwas vom Kuchen abbekommen oder besser über einen Berufswechsel nachdenken!? Mache ich beispielsweise eine Aufnahme mit meiner Mandoline und Harmonika, atonale Stock’sche 13-Ton-Musik spielend, so werde ich die Produktion der CD selbst bezahlen müssen und auf den Tonträgern sitzen bleiben, da ich nichts, aber auch absolut gar nichts von einer Mandoline geschweige denn einer Harmonika verstehe. Trotzdem erhalte ich 1,- € im Jahr aus der Festplatten-Abgabe! Toll – irgendjemand in Österreich kopiert also meine Werke – verbotenerweise! Ergo: Ich fordere nicht die Sicherung meiner Existenz als Künstler, sondern lass’ es einfach sein!
Doch bewegt sich die Technik schneller als die Judikatur. Fristeten bislang Streaming-Plattformen wie Spotify oder Google Drive ein Schattendasein, so wird sich dies mit dem Einstieg von Apple in das Streaming rasch ändern. Hier geht es nicht mehr um einen Download oder eine Kopie, sondern um das blosse Anhören oder (wie beispielsweise auf Netflix) das Ansehen. Werden die IGs, die nach Existenzsicherung ihrer Leute schreien, schon sehr bald durch die Figer schauen, da diese Anbieter vornehmlich in den USA sitzen? Wer wird dann zu Ader gelassen? Oder macht da TTIP vielleicht eine Türe auf!

Literatur:

- Urheberrecht im Internet in Österreich, Deutschland und der EU (Dissertation); Daniel Gutman; NWV, BWV Wien/Berlin, 2003
- Österreichisches Urheberrecht. Handbuch, Teil I: Materielles Urheberrecht, Leistungsschutzrecht, Urhebervertragsrecht, Medien und Recht; Michael M. Walter;

Links:

http://www.gegenfestplattenabgabe.at/

http://www.modernes-urheberrecht.at/

http://www.parlament.gv.at

http://www.justiz.gv.at

http://aume.at

http://www.akm.at

http://www.gema.de

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Erst wenn der letzte Baum…

Der Regenwald ist die grüne Lunge unseres Planeten – das habe ich ja schon in zwei meiner Blogs recht ausführlich klargestellt. Zudem ist er auch Kohlenstoffspeicher und sorgt als Wasserreservoir für das immens wichtige regionale Klima vorort. Das zeigen immer wieder jene Länder in aller Tragik auf, die den Urwald grossteils abgerodet haben: Überschwemmungen, Erdrutsche, Trockenperioden, Brach- und Steppenland, …
Nun will erneut ein Mann zur Axt greifen, der anlässlich der Wahlen am 9. Mai 2014 noch versprochen hatte, den Regenwald zu schützen: Indonesiens Ministerpräsident Joko Widodo. Einen Tag später setzte er allerdings seine Unterschrift unter einen Kontrakt, wonach 1,2 Millionen Hektar in der Provinz Papua (Westliche Hälfte der Insel Neu Guinea) innerhalb von nur drei Jahren der Spitzhacke zum Opfer fallen sollen um dort angeblich Reisplantagen zu errichten. Merauke soll zur Reiskammer des Globuses werden – für Widodo ist sogar eine Anbaufläche von 4,6 Mio Hektar denkbar. Eine Fläche, mehr als halb so gross wie Österreich! Ernährung ist ja gut, allerdings hat die Regierung in diesem Distrikt bereits 1 Mio Hektar solcherart umgestaltet: Das Ziel damals waren 2,5 Mio Tonnen Zucker, 2 Mio Tonnen Reis, 2 Mio Tonnen Weizen, 937.000 Tonnen Palmöl, 167.000 Tonnen Sojabohnen und 64.000 Stück geschlachtetes Vieh – jedes Jahr! Was wurde nun aus all diesen Versprechungen von Schulen, medizinischer Versorgung, Strassenbau, Jobs und Wohlstand? Doch – schauen Sie selbst:

https://www.youtube.com/watch?v=RqYoRh1aApg

Die kleinen Bauern gingen allesamt dabei leer aus – hier zeigen nämlich die globalen Konzerne, wo der Bartl den Most herholt. Mit modernsten Maschinen betreut, sind nicht mal viele Arbeitsplätze für die Bevölkerung angefallen – das machen die Arbeiter der Gross-Konzerne. Einzig der Strassenbau wurde umgesetzt. Kein Wunder – diese werden benötigt, damit all das Holz, die Lebensmittel und Güter abtransportiert werden können. Zurück bleibt nichts anderes als vergiftetes und sterbendes Land!
Zudem sind von diesen Plänen nun auch einige indigene Völker massivst betroffen. So beispielsweise 70.000 Malind der Stämme Mandobo, Muyu, Asmat und Mappi. Sie leben weit verstreut in den Wäldern und bauen vornehmlich Sagopalmen an, aus deren Mark sie einen Grossteil ihres Stärkebedarfes abdecken. Sie verehren zudem Plätze als heilige Orte, an denen ihre Vorfahren leben – durch die industrielle Agrarisierung wären auch diese Plätze mir nichts Dir nichts weggefegt. Das Roden der Wälder bedeutet somit den sicheren Untergang der Malind. Schon im Jahr 2001 garantierte die indonesische Regierung der Region einen autonomen Status – offenbar nicht die Tinte auf dem Papier wert. Anno 2009 sprach der damalige Präsident Susilo Bambang Yudhyono von seinem Ziel, Merauke zur Agrar- und Bioenergie-Region zu machen. Immer mehr öffnete Jakarta das Tor nach Papua für multinationale Konzerne wie International Paper und Freeport McMoran aus den USA, British Petrol aus Gross Britannien, die japanische Mitsubishi Group, die Wilmar Group aus Singapore oder LG International aus Korea. LG etwa wollte Hackschnitzel aus dem wertvollen Holz machen. Die Proteste der Bevölkerung wurden durch Militär oder Polizei niedergeknüppelt, Journalisten, die über die Missstände berichten, aber auch Demonstranten verhaftet. Etwa die Aktivisten Billy Metemko, Thomas Tonggap und F.X. Sirfefa. Der TV-Sender Jakarta-News zeigte den Vertreter des Justiz- und Friedenssekretariats aus Merauke, Cornelis Tuwong:

“Our rivers have been poisoned, our forests destroyed, our sago trees cut down and the animals we used to hunt killed. We’ve become poorer and our childrens’ health suffer because of pollution from the companies!”

(Unsere Flüsse wurden vergiftet, unsere Wälder zerstört, unserer Sago-Bäume gefällt und die Tiere, die wir jagden, getötet. Wir wurden noch ärmer und unsere Kinder durch die Umweltverschmutzung der Betriebe krank!)

Durch vergiftete Fische und Tiere gelangen die Gifte und Kunstdünger auch in die Nahrungskette. Deshalb sind viele der Menschen in diesen Gebieten zuhauf unter- oder fehlernährt. Zudem leiden sie durch den Staub der Hackschnitzelproduktion an Asthma und Bronchitis.
Die vielen Versprechungen aus Jakarta spielten die Stämme alsdann gegenseitig aus, sie feindeten sich in der Befürchtung an, dass die anderen weniger geben, dafür jedoch mehr erhalten. In einem Schreiben des Forums “The Indigenous People’s Alliance of Archipelago” (AMAM) an den UN-Sonderberichterstatter für die Rechte Indigener Völker stand anno 2010 ein “struktureller und systematischer Genozid der West-Papuas” zu lesen.
Im selben Jahr wurde die Merauke Integrated Food and Energy Estate (MIFEE) in’s Leben gerufen. Eine Million Hektar Regenwald fielen den Rodungsmaschinen zum Opfer; das Land Agrarkonzernen für den Anbau von Eukalyptus, Ölpalmen und Zuckerrohr überlassen. Ein Viertel des ganzen Distrikts! Kritiker sprechen von Landraub für die Profitgier der Grossen! 30 Companies haben sich für Konzessionen interessiert, darunter auch die Bin Laden Group aus Saudi Arabien, die nicht weniger als 500.000 Hektar Land kaufte. 43 Mio Dollar für Reis! Ganz und gar nicht. Inzwischen sind 46 Konzerne unter MIFEE zusammengefasst – bereits zehn davon sind Palmöl-Unternehmen, wie beispielsweise Agiprima Cipta, Korindo, Tunas Sawerma! Klar – Palmöl garantiert höhere Gewinne als der Reis!

http://appgis.dephut.go.id/appgis/petacitrapenafsiran2011.html

(Grün und Pink – bewaldet bzw. bewohnt, Grau Brachland)

Reis also wohin das Auge blickt! Auch wenn es so wäre – eine Katastrophe für das Ökosystem aus Regen- und Trockenwäldern, aus Sümpfen, Mangroven und Savannen. Katastrophal auch die Kohlendioxid-Ausbeute! Berechnungen einer Spezialistengruppe rund um Prof. Dr. Peter Weish vom Institut für Humanökologie der Universität für Bodenkultur in Wien und seinem Kollegen Prof. Dr. Roland Alb vom Institut für Ökologie und Naturschutz an der Universität Wien ergaben beispielsweise im Regenwald der Österreicher in La Gamba/Costa Rica folgende Zahlen für einen Hektar Regenwald:

.) 330 Tonnen trockene Biomasse
.) 165 Tonnen Kohlenstoffanteil
.) Ergibt eine CO2-Bindung von 605,55 Tonnen
.) Jährlicher Zuwachs: 10 Tonnen CO2
.) CO2-Bindung pro Baum: 750 kg

Sechzig Jahre benötigt ein Baum vom Samen bis zur Fällung (Umtriebszeit)

Im Vergleich dazu setzt der Anbau von Nassreis grosse Mengen an Methan (CH4) frei, das unser Klima rund 21-mal aggressiver belastet als CO2. Würde es aufgefangen, so könnte so manches Energie-Problem vorort gelöst werden. Biomethan hat eine Kraftstoffäquivalenz von 1,4 pro Liter und ist damit effektiver als beispielsweise Rapsöl, Rapsmethylesther und Bioethanol. Hierzulande werden solche Biogasaufbereitungsanlagen gar noch subventioniert. Doch müsste in Merauke eine Fläche, die 1,5-mal so gross ist wie Bayern mit UV-durchlässiger Folie überspannt werden. Undenkbar. Verantwortlich für diese Methan-Produktion sind die sog. “methanogenen Bakterien” oder auch “Archea”, die in diesen stehenden Nassreisplantagen perfekte Arbeitsvoraussetzungen vorfinden – allem voran eine niedrige Sauerstoffkonzentration, die ansonsten von anderen Mikroorganismen zur Oxidation des organischen Materials in CO2 genutzt würde (Verfaulen). Je länger nun ein solches Reisfeld überflutet ist, desto besser arbeiten diese Bakterien. Deshalb versuchen schon seit Jahren einerseits das Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie in Marburg, andererseits das International Rice Research Institute auf den Philippinen alternative Anbau-Methoden zu finden. Etwa der Anbau von Trockenreis oder die Düngung mit Kunstdünger, da Mist eine perfekte Nahrungsgrundlage für diese Bakterien bedeutet. Wie viel Methan pro Hektar Anbaufläche produziert wird, ist nicht messbar. Die Experten aber gehen davon aus, dass der Nassreisanbau für rund 100 Mio Tonnen an Methan-Ausstoss verantwortlich ist, ein Fünftel der Methan-Emissionen weltweit! Wenn nun Indonesien in die Vollen greift und zum führenden Reisproduzenten wird, kann sich wohl jeder selbst ausmalen, was dies bedeutet.
Ein solcher Wahnsinn, in ökologischer, soziologischer, anthropologischer, … Hinsicht sollte unterbunden werden. Auch wenn sich die Regierung in Jakarta nicht daran halten wird, so ist es dennoch ein gutes Zeichen, diese Aktion zu unterstützen!

https://www.regenwald.org/aktion/1000/agroindustrie-greift-nach-papua?mtu=92960563&t=695

Links:

http://www.forestpeoples.org

http://www.redd-monitor.org/

http://www.regenwald.at

http://papuaforesteye.blogspot.co.at/

http://www.irri.org

https://awasmifee.potager.org

http://www.wri-irg.org

http://appgis.dephut.go.id/appgis/petacetak.aspx

http://www.lgicorp.com

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Wie im Bilderberg

“Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.”
(Albert Einstein)

Stellen Sie sich mal bitte zu Beginn dieser Zeilen folgendes vor:
Ganz Manhattan ist hermetisch abgeschottet. Aus dem einstigen Zentrum der Finanz- und Pressemacht wurde eine Strafinsel! Mörder, Räuber, Vergewaltiger – das Who is Who der Kriminellen befindet sich auf dem Eiland. Wer einmal dorthin gelangt, kommt nie mehr zurück! Beim Überflug wird Airforce One, die Maschine des US-Präsidenten abgeschossen – seine Rettungskapsel landet ausgerechnet mitten im Outland! Ein Mann wird entsandt, um den Präsidenten zu retten!
Die meisten unter Ihnen dürften diese Handlung bereits erkannt haben. Es ist einer meiner absoluten Lieblingsstreifen: “Die Klapperschlange” mit Kurt Russell. Bei den Menschen in diesem Film handelt es sich um den Abschaum, den Müll, den die Gesellschaft übrig liess. Und nun halten Sie sich mal bitte das genaue Gegenteil vor Augen: Die Grossen, die Reichen, die Mächtigen dieser Welt – hermetisch abgeschottet auf einem Fleck dieses Globuses vereint. Nein – es ist nicht das Weltwirtschaftsforum in Davos, das ich Ihnen heute etwas näher bringen möchte. Es ist vielmehr das Bilderberg-Treffen! Während in Davos alles offiziell bzw. halboffiziell in den Hinterzimmern vonstatten geht, trifft sich beim Bilderberg die Crème de la Crème der Welt komplett privat zum Meinungsaustausch, zum Kennenlernen, zum Networking! Und vernetzt – tja – das ist man dort ausgezeichnet. So vermuten Kritiker etwa, dass die Organisationen “Council on Foreign Relations (CFR)”, “Trilaterale Kommission (TK)”, “Chatham House”, die Vereinten Nationen (UN), die Gruppe der 7 (G7), “Skull & Bones”, “Illuminati”, die “Federal Reserve”, der “Bohemian Club”, der Vatikan, der “Club of Rome” und nicht zuletzt auch die Freimaurer im Hintergrund agieren. Strengstens geheim natürlich – auch wenn immer wieder Medienvertreter dabei sind. Nichts, aber auch gar nichts soll den Kreis der Teilnehmer verlassen. Na ja – nahezu. Es gilt nämlich die sog. “Chatham House Rule” – demnach dürfen die Informationen zwar verwendet, aber keinem der Konferenzteilnehmer zugeordnet werden. Und die Medien – die dürfen nur bis zur Eingangspforte des Fünf-Sterne-Hotels Superior! Die Welt bleibt ausgesperrt! Auch übrigens nicht eingeladene Parlamentarier. So wurde ein italienischer Abgeordneter in Davos festgenommen und des Kantons verwiesen, nachdem er Einlass begehrte, jedoch keine Einladung vorweisen konnte.
Heuer findet dieses Treffen direkt nach dem G7-GIpfel von Schloss Ellmau/Oberbayern in Telfs/Tirol statt. Das österreichische Bundesland, bekannt für seine Gastfreundschaft und unendliche hochalpine Weite, gleicht bereits Wochen zuvor einer Festung. Tausende Polizeikräfte, Soldaten, Personenschützer und Nachrichtendienstler (ehedem auch als “Agenten” bekannt) sollen einen reibungslosen Ablauf dieser Privatveranstaltung garantieren. Millionen Euro werden dafür aufgebracht, dass diesen Rudelführern nichts geschieht. Steuergelder! In gemütlicher Runde, am Kaminfeuer wird die wirkliche Politik dieser Erde gemacht. So meinte etwa der belgische Ehrenvorsitzende Etienne Davignon, dass die Einführung des Euros auf einer dieser Konferenzen zurückzuführen sei. Zudem sollen die Voraussetzungen für den Irakkrieg 2001 und die deutsche Wiedervereinigung 1990, aber auch für die Ölkrise 1973 geschaffen worden sein. Im Gespräch der Banker mit den Konzernchefs und den Politikern. “Der Spiegel” titelte dies 2011 beim Treffen in St. Moritz mit der Schlagzeile “Hier kuschelt die Weltelite”!
Doch eines nach dem Anderen! Prinz Bernhard der Niederlande lud erstmals im Mai 1954 wirtschaftliche und politische Führungs-Persönlichkeiten zu einem informellen Treffen in das dem Prinzen gehörende Hotel de Bilderberg in Oosterbeek. Hintergrund war eine engere Zusammenarbeit der USA mit den westeuropäischen Staaten. Seither findet einmal jährlich ein solches Treffen mit hochrangigen Vertretern der Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien, dem Militär und dem Adel statt. Kommen darf nur, wer eine persönliche Einladung der Generalsekretäre bekommen hat, die nur auf Empfehlungen des Lenkungsausschusses verschickt werden. Bis zur Mitte der 60er Jahre waren die Treffen weitestgehend unbekannt. Die Öffentlichkeit erfährt immer erst nach den Treffen, wer daran teilgenommen hat. Ist vielleicht auch besser so. Dennoch möchte ich Ihnen einige Herrschaften namentlich nennen, um Ihnen dadurch das Gewicht dieser Veranstaltung etwas näher zu bringen.

2012 in Chantilly/Virginia (USA)
Josef Ackermann – Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank AG
Marcus Aigus – Vorstandsvorsitzender von Barclays
Fouad Ajami – Experte für arabische Geschichte an der Stanford University
Keith B. Alexander – Direktor der Cyber-Abteilung der NSA
Francisco Pinto Balsemão – ehemaliger Premierminister Portugals
H.R.H. Prince Philippe von Belgien
Enis Berberoğlu – Chefredakteur der türkischen Hürriyet
Mark J. Carney – Direktor der Bank of Canada
Anatoly B. Chubais – CEO der russischen OJSC RUSNANO (Nanotechnologie)
Kenneth Clarke – Britischer Lord Chancellor & Justizminister
John Elkann – Präsident des Fiat-Konzerns
Thomas Enders – Vorstandsvorsitzender Airbus
Werner Faymann – Österreichischer Bundeskanzler
Ying Fu – Chinesischer Aussenminister
Neelie Kroes – Vize-Präsidentin der Europäischen Kommission
Pascal Lamy – Generaldirektor der World Trade Organization
H.M. Beatrix – Königin der Niederlande
Eric E. Schmidt – Vorstandsvorsitzender Google Inc.
Robert B. Zoellick – Präsident der Weltbank
uvam.

Auch 2014 gab in Kopenhagen so mancher Mächtige dieser Welt die Türklinke in die parfümierte Hand seiner Gesprächspartner:

Henri de Castries – Vorstandsvorsitzender der AXA Group
Jörg Asmussen – deutscher Staatssekretär für Arbeit und Soziales
Gordon Bajnai – ehemaliger ungarischer Premierminister
Ben van Beurden – Vorstandsvorsitzender Royal Dutch Shell
Carl Bildt – schwedischer Aussenminister
Philip M. Breedlove – US-Oberbefehlshaber der NATO
Benoît Coeuré – Direktionsmitglied der Europäischen Zentralbank
Mathias Döpfner – Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE
Martin S. Feldstein – Professor für Wirtschaft an der Harvard University
Henry A. Kissinger – Vorstandsvorsitzender Kissinger Associates, Inc.
Anders Fogh Rasmussen – Generalsekretär der NATO
Viviane Reding – EU-Justiz-Kommissärin
John Sawers – Direktor des britischen Secret Intelligence Service
H.M. Sophia von Spanien
George Zanias – Präsident der griechischen Nationalbank
uvam.

Andere prominente Teilnehmer sind etwa Angela Merkel, Helmut Kohl, Helmut Schmidt, Bill Clinton, Margaret Thatcher, Bill Gates, Christine Lagarde, Heinz Fischer, Giovanni Agnelli, David Rockefeller etc. etc. Auch in diesem Jahr ist wieder ein Sammelsurium von Mächtigen zu erwarten. Eingeladen werden nur Menschen, die “einflussreich und allgemein respektiert sein (…müssen) sowie über Spezialwissen oder reichlich Erfahrung“ verfügen!”, so der 1960 verstorbene Wegbereiter des Bilderberg-Treffens, der polnische Politikberater Józef Hieronim Retinger. Prinz Bernhard der Niederlande musste nach dem Lockheed-Bestechungsskandal den Vorsitz dieser Zusammenkunft abgeben. Das für dieses Jahr in Hot Springs/Virghinia angesetzte Treffen musste daraufhin gecancelt werden – eines der wenigen, die ausgefallen sind. Seither wechselt der Vorsitz, derzeit bekleidet ihn der AXA-Vorstandsvorsitzende Henri de Castries diese Funktion, übrigens ein persönlicher Freund des ehemaligen französischen Ministerpräsidenten Nicolas Sarkozy. Unterstützt wird der Vorsitzende durch zwei Generalsekretäre und der “Member Advisory Group” (Beratungsausschuss). Die Teilnehmer, Themen und Redner werden durch den sog. “Lenkungsausschuss” ausgewählt. Während dieser drei Tage wird über Gott und die Welt diskutiert – vornehmlich jedoch über aktuelle wirtschaftliche und politische Ereignisse. Inwieweit diese Gespräche nur informell und nicht bindend sind, bleibt offen. Eine Abschlusserklärung hingegen oder ein Pressestatement gibt es nicht. Die Notizen und Protokolle für die Teilnehmer sind streng vertraulich. Auch das Prozedere bleibt geheim.
Und nun zum diesjährigen Knackpunkt: Die rund 130 Teilnehmer kommen als Privatpersonen – nicht etwa in ihrer offiziellen Funktion! Der US-amerikanische Ökonom Kenneth Galbraith spricht von “Freizeitgestaltung in ihrer distinguiertesten Form”! Das treibt viele Steuerzahler auf die Palme. Schliesslich müssen sie für den erhöhten Sicherheitsbedarf aufkommen. 2,5 bis 3 Mio € – wahrhaft kein Klacks: Rund um das Interalpenhotel ist eine Sicherheitszone mit Hundertschaften von Polizisten (bis zu 2.100) eingerichtet, die Wander- und Zufahrtswege sind abgesperrt – darunter auch eine öffentliche Strasse! Der dafür zuständige Polizeikommandant Christoph Hundertpfund rechtfertigt dies damit, dass auch einige Staatsvertreter dabei sind – somit geböte dies das Völkerrecht. Unter Umständen fliessen die Steuergelder auch für die Bewirtung und Anreisen, da sicherlich kein Politiker dies aus seiner eigenen Geldtasche bezahlt. Für Wasser und Brot müssen eigentlich jene Mitglieder des Lenkungsausschusses aufkommen, in deren Land die Konferenz stattfindet. Die Reisekosten werden ebenfalls gerne dem Steuerzahler berechnet – so etwa vom CDU-Abgeordneten Eckart von Klaeden. Ob der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann diese 2013 selbst übernahm, ist ebenfalls unwahrscheinlich, jedoch trotz parlamentarischer Anfrage nicht bekannt. Wird eben noch schnell ein eher inhaltsloses Gespräch mit einem US-Senator fixiert, damit das alles eine offizielle Note bekommt. 2011 in Davos teilten sich der Bund und die Veranstalter zumindest die Kosten für die Polizei- und Militäreinsätze – wie es in anderen Ausrichterländer gehandhabt wird, ist nicht ganz klar.
Ob Bilderberg Anlass zur Sorge gibt – so manch einer spricht beispielsweise von Geheimbünden wie den Freimaurern – sei dahingestellt. Klar jedoch ist, dass es viele Verschwörungstheorien rund um diesen Small Talk gibt. Eine davon ist, dass der/die neue deutsche Bundeskanzler/-in auf diesen Treffen ausgewürfelt wird. Schliesslich waren Helmut Schmidt, Helmut Kohl und Angela Merkel eingeladen, Kohl wurde zwei Jahre, Merkel und Schmidt nur ein Jahr später Regierungschef im Staate Goethes; Herman van Rompuy anno 2009 zum Präsidenten des EU-Ministerrates gewählt, obwohl er als Unbekannter so gut wie chancenlos war – und Barack Obama nach Bilderberg in Virginia/USA 2008 als Präsident der Vereinigten Staaten wiedergewählt. Weitere Namen? Westerwelle, Zoellick, Wolfowitz, Baroso, … – alle kamen kurz nach ihrer Teilnahme an Bilderberg in wichtige Positionen! Zufall???
Der ehemalige US-Präsident Frank D. Roosevelt beispielsweise meinte einst:

“In der Politik geschieht nichts zufällig! Wenn etwas geschieht kann man sicher sein, dass es auf diese Weise geplant war.”

Roosevelt war übrigens Freimaurer. Wird die Welt durch Bilderberg beherrscht? Viele Teilnehmer äussern sich nicht zu solchen Ideengängen, wodurch sie das Feuer noch zusätzlich anschüren. Andere, wie etwa das grüne Urgestein Jürgen Trittin, weisen das zurück und sprechen von simplem Erfahrungsaustausch. Humbug angesichts dieser Machtkonzentration?

https://www.youtube.com/watch?v=ZMenXf32MD4

Gegner des Treffens verstehen hierin den Beginn der Errichtung einer Weltregierung, des Abbaus der Demokratie, der Rechte und der Wiedereinführung der Sklaverei! Ob es so ist, überlasse ich jedem selbst zu überlegen. Abschliessen möchte ich diese heutigen Zeilen mit einem Gedanken des eidgenössischen Soziologen, Schriftsteller und Globalisierungsgegner Jean Ziegler zum G7-Gipfel:

“Die Staats- und Regierungschefs auch der mächtigsten Staaten Deutschland, Nordamerika usw., die stehen unter dem Diktat des globalisierten Finanzkapitals, der Oligarchien der Konzerne … und die verhindern jegliche Strukturreform!”

PS: Während des Treffens haben die Behörden das Läuten der Friedensglocke in Telfs – nur einige hundert Meter entfernt – untersagt!

Lese-Tipps:

.) Bilderberger: Der Fahrplan zur Neuen Weltordnung; Andreas von Rétyi ; Kopp-Verlag Rottenburg am Neckar
.) Die Bilderberg-Gruppe. Wissen über die Macht gesellschaftlicher Eliten; Björn Wendt; Optimus Wissenschaftsverlag Göttingen
.) Ändere die Welt!; Jean Ziegler; Bertelsmann München
.) Machteliten und Elitenzirkel. Eine soziologische Auseinandersetzung; Markus B. Klöckner; VDM Saarbrücken
.) Memoirs; David Rockefeller; Random House New York.
.) Die Herrscher – Luzifers fünfte Kolonne; Des Griffin; VAP – Verlag für Außergewöhnliche Perspektiven; Wiesbaden
.) Hirten & Wölfe. Wie Geld- und Machteliten sich die Welt aneignen oder: Einladung zum Power Structure Research; Hans-Jürgen Krysmanski; Westfälisches Dampfboot, Münster

Links:

http://www.bilderbergmeetings.org

http://www.bilderberg.de/

http://bilderberger-konferenzen.de.tl/

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