Archive for Juli, 2015

Das ist würdig und recht – und teuer!!!

Dieser Tage hatte ich ein Erlebnis, das ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Auf meiner täglichen Strecke zur Arbeit muss ich auch durch einen Ort, in welchem derzeit auf einer Länge von rund einem Kilometer Kanalarbeiten durchgeführt werden. Dazu muss immer wieder der Strassenverkehr einseitig angehalten werden. Schon am ersten Tag wunderte ich mich, dass diese Verkehrsregelung von richtiggehenden Hünen, männlichen Schränken durchgeführt wird, denen auch ich nicht unbedingt im Dunkeln begegnen möchte. Zwei Tage später stand dann auch deren Dienstfahrzeug am Strassenrand: “Securitas”"! Ein Unternehmen, das ansonsten vornehmlich aus den Bereichen Geldtransport, Personenschutz und Empfangsdienst bekannt ist. Mei lieber Schorle – da schmuggelt sich sicherlich niemand mehr vorbei, wenn die Stopp-Kelle nach oben geht! Nichtsdestotrotz: Im gleichen Ort sind Flüchtlinge, die sicherlich grosse Freude hätten, wenn sie dazuverdienen könnten, was sie dürfen und etwas arbeiten könnten. Rund um diese Baustelle hat sich das heutige Thema entwickelt.
Alljährlich veröffentlicht der Bund der Steuerzahler Deutschland e.V. sein sog. “Schwarzbuch”. Es beinhaltet die grössten Sünden im Umgang mit deutschem Steuergeld! Während jenes für 2015 derzeit gerade geschrieben wird, möchte ich mich heute auf die grössten Brocken des vorhergehenden Jahres stürzen, ohne jedoch unerwähnt zu lassen, dass der Besuch der britischen Queen Elisabeth II. Ende Juni den bundesdeutschen Steuerzahler nicht weniger als 500.000,- € kostete. Rund die Hälfte davon (253.500,- €) lag alleine im Bereich der Bundeswehr (Geleitschutz mit Eurofightern, …). Dabei kritisiert der Bund der Steuerzahler jedoch am meisten den Einsatz eines Schützen- sowie eines Spähpanzers, einer Panzerhaubitze 2000 und einer Feldküche für eine Heeresschau am Heeresflugplatz in Celle. Kosten: 32.000,- €! Die Zahlen übrigens stammen aus der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der Linkspartei durch den Staatssekretär im Finanzministerium, Jens Spahn. Sollten die Leser aus Österreich nun lächelnd “Oh – ei der Daus! Die Preussen!” sagen – leider etwas zu früh gefreut! Hierzu jedoch etwas später.
Der Bund der Steuerzahler kritisiert v.a. den Usus, privatrechtliche Firmen wie KGs, AGs oder GmbHs zu gründen, die im 100 %-igen Besitz der öffentlichen Hand sind. Zwar unterliegen auch diese den Kontrollgremien, die für die öffentliche Verwaltung verantwortlich zeichnen. Allerdings wird dabei nicht die Haushalts- und Wirtschaftsführung überprüft. Dies wird entweder durch die interne Revision oder durch unabhängige Wirtschaftsprüfer absolviert. Ein Beispiel aus dem Schwarzbuch gefällig?
Am Berliner Hauptbahnhof wurde eine neue Überdachung für die Strassenbahn errichtet. Die Kosten dafür beziffern die Berliner Verkehrsbetriebe BVG mit satten 944.000,- €. Offensichtlich sparten die ausführenden Unternehmen dann auch noch mit dem Beton. So mussten bislang nachträgliche Arbeiten in der Höhe von weiteren 86.500,- € durchgeführt werden. Hier jedoch beeilen sich die Berliner zu betonen, dass der zweite Posten von den beteiligten Firmen übernommen werden musste. Handelt es sich hier nun um ein funktionales Bauwerk oder einem Monument, das sich die Stadtregierung errichten liess??? Die BVG wird zwar zu einem Drittel durch Steuergelder (Schülerfahrten, Sozialtickets, Schwerbehinderten,…) finanziert – unterliegt jedoch nicht der Verpflichtung, vor solchen Schwachsinnigkeiten eine Prüfung auf Wirtschaftlichkeit durchzuführen. Und so ganz nebenbei erwähnt: Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler weist die BVG einen Schuldenstand von 706 Mio Euro Ende 2014 auf.
Bleiben wir doch noch etwas in Berlin – beim Flughafen Berlin-Brandenburg (FBB), dem Milliardengrab! Bereits Inhalt dieser meiner Ausführungen, möchte ich nicht im Detail darauf eingehen. 40 % – ein ganz wesentlicher Anteil des Aufsichtsrates des FBB besteht aus Volksvertretern, also aus Menschen, die versprochen haben, mit Steuergeldern, mit Finanzmitteln, die nicht ihnen gehören, sparsamst umzugehen. Lauter Menschen, die sich einerseits fachlich, andererseits auch wirtschaftlich auskennen sollten. Kostenexplosionen waren die Folge, Verschiebungen des Fertigstellungstermines, Baumängel (wie Vergessen der Brandschutzmassnahmen),… Viele kommunale Baubehörden weisen immer wieder die privaten Häuslebauer auf Brandmelder und Feuerlöscher hin. Weshalb können sie selbst über sie hinwegsehen? “Oh parpluis – vergessen! Sowas!” 2006 wurden Gesamtkosten von 2 Milliarden Euro veranschlagt – die tatsächlichen Kosten jedoch werden auf 5,4 Milliarden geschätzt. Eine Eröffnung steht nach wie vor aus!
Ortswechsel nach Hamburg. 60 % des Aufsichtsrates der Elbphilharmonie setzen sich aus Politikern zusammen. Der Wolkenkratzer reiht sich inzwischen unter die ersten zehn der teuersten Wolkenkratzer weltweit ein. 2005 wurden noch 186 Mio € für das Ungetüm veranschlagt – inzwischen sind es 865 Millionen. Eigentlich sollte das Gebäude bereits 2010 eröffnet werden – vorsichtige Experten sprechen jedoch von 2017. Sachkenntnis? Wirtschaftlicher Hausverstand? Auch den kühlen Hamburgern fehlt es offenbar daran – hätten wohl besser ihre Frauen in den Aufsichtsrat setzen sollen.
Bleiben wir gleich im deutschen Norden, wechseln jedoch in den Zuständigkeitsbereich des Bundes. Um genauer zu sein: Zur Bundeswehr. 1962 wurde der grösste selbstfahrende und seetüchtige Schwimmkran an der deutschen Ostseeküste in Betrieb genommen. Die Hubkraft von “Hiev” belief sich auf 100 Tonnen. Nachdem das gute Stück etwas in die Jahre gekommen ist, beschloss man im Jahr 2009 dessen Sanierung und Modernisierung. Damit wurde ausgerechnet jene Werft beauftragt, die das Schulsegelschiff der deutschen Marine, die “Gorch Fock” 2012 für ursprünglich 1 Mio um satte 10 Mio sanierte. Auch dieses Mal gleiche Handlungsweise: Veranschlagt waren 6 Mio – tatsächlich standen aber 13 Mio auf der Rechnung. Zudem verlängerte sich die Bauzeit um zwei Jahre. Das Sahnehäubchen aber kommt erst noch: Wegen Personalmangels wurde der Kran am 31. Dezember 2013 offiziell stillgelegt! Aber – die Bundeswehr kann es sich ja leisten, nachdem in diesen Tagen erst zwei Rechenfehler in der Höhe von 2 Milliarden Euro zu Tage traten, die lange Zeit gar nicht aufgefallen sind. So kommen die Lenkflugkörper “Meteor” und auch die Schützenpanzer “Puma” um jeweils 1 Milliarde Euro günstiger als ursprünglich geplant.
Nochmals zurück nach Berlin – allerdings ebenfalls in die Bundesagenda. Im Jahre 2005 wurden die Baukosten für die neue Zentrale des Bundes-Nachrichtendienstes mit 720 Mio € beziffert. Inzwischen wurde allerdings die Marke deutlich überschritten. Von offizieller Seite (Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung) trägt das Unternehmen, das mit der Lüftung beauftragt wurde, die Verantwortung dafür. 2014 wurde es gekündigt – die komplette Lüftungsanlage musste ausgetauscht werden. 132 Mio für heisse bzw. kalte Luft – haut mich ehrlich gesagt vom Hocker. Das hätte ich mit der Luftpumpe für die Hälfte des Geldes erledigt – für den Rest meines Lebens! Doch ist das noch lange nicht alles. 206 Mio für Erstausstattung, 70 Mio an Umzugskosten, dann muss noch der aktuelle Standort Pullach rückgebaut werden. Costa quanta: 1,46 Milliarden Euro für die Geheimen! Hallo???
Aber zumindest im Bauressort soll all das nun besser werden. Nachdem eine Reformkommission das Vergabeverfahren für Grossprojekte kritisiert hat, will sich nun der oberste Bauarbeiter Deutschlands, Verkehrs- und Bautenminister Alexander Dobrindt, höchstpersönlich der Sache annehmen. Er plant die Einführung eines Bonus-Malus-Systems bei Grossbauten. Digitale Planungsmethoden sollen die Vorgaben liefern, säumige Unternehmen mit Strafzahlungen belegt und gut arbeitende Betriebe mit Boni belohnt werden. Im Herbst soll der Gesetzesentwurf das Bundeskabinett passieren.
Und weiter im Gebet mit einem etwas kleineren Fisch aus der hinteren Hälfte des Buches, der jedoch umso unnötiger ist! In Offenbach/Main ermittelte gar die Staatsanwaltschaft gegen den Oberbürgermeister Horst Schneider und den Bürgermeister Peter Schneider wegen “Untreue im Amt” – Im November 2014 allerdings wurde dies ergebnislos eingestellt. Gegenstand war der Breitensportwettbewerb “Mission Olympic” des Deutschen Olympischen Sportbundes und des Softgetränkeherstellers Coca Cola. Ziel war es, die aktivste Stadt Deutschlands zu finden. Offenbach gelangte zwar in’s Finale, unterlag jedoch dort dem Konkurrenten Bocholt. Anstelle des Preisgeldes von 50.000,- € erhielt die Stadt nurmehr 15.000,-. Auch die örtlichen Sponsoren zeigten sich geiziger als erwartet. Ursprünglich waren im Sportamt 60.000,- € an Kosten veranschlagt, nach einer internen Revision sind hieraus jedoch Mehrkosten von 293.118,94 Euro geworden. Die Staatsanwaltschaft hielt fest: “…mögliche Verstöße gegen haushaltsrechtliche Bestimmungen (führten) nicht zu einer Strafbarkeit”. Eine Untreue könne nur vorsätzlich geschehen. Der Vorsatz wäre aber in diesem Falle nicht nachzuweisen. Die Stadt Offenbach belegt im Schulden-Ranking der kreisfreien Städte nach Darmstadt und Kaiserslautern Platz 3 – mit 1,4 Mrd. Euro Schulden des öffentlichen Bereichs und somit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 12.136 € (Stand: 08/2014).
Der Bund der Steuerzahler fordert nun, dass auch das Beteiligungsmanagement der Kommunen durch die Kommunalaufsicht kontrolliert und Beschlüsse unter eine Genehmigungspflicht gestellt werden, damit Haftungpotentiale vorher abgeschätzt werden können. Wie etwa beim Flugplatz Kassel-Calden. Das 271 Mio schwere Projekt wurde im April 2013 eröffnet. Die Investitionsraten sind abbezahlt. Jetzt folgt das grosse Wehklagen: Das Land Hessen, die Stadt Kassel, dessen Landkreis und auch die Gemeinde Calden müssen als Gesellschafter für die Betriebsverluste des Flugplatzes aufkommen. Zusätzlich kommen noch rund 5 Mio € jährlich für die Flugplatzsicherheit, die Luftsicherheit und die Feuerwehr hinzu.
Eine weitere Forderung deshalb: Die Politik sollte sich nahezu gänzlich zugunsten von Experten der öffentlichen Verwaltung aus den Aufsichtsräten zurückziehen, damit diese Gremien ihrer tatsächlichen Aufgabe nachkommen können: Der Kontrolle des Vorstandes! Und nicht stets auf Wahlstimmensuche sind! Die deutschen Kommunen waren im Jahr 2013 mit nicht weniger als 280 Milliarden Euro verschuldet.
Ein solches Schwarzbuch gibt es leider in Österreich ebenso wenig wie ein Bund der Steuerzahler. Derartige Fälle deckt Gerald Fleischhacker in der Puls4-TV-Show “Bist Du deppert” auf. Hier einige Projekte, bei welchen das Steuergeld förmlich zum Fenster rausgeworfen wurde. So wurde kürzlich das teuerste Strassenteilstück der Alpenrepublik in Kärnten eröffnet. Veranschlagt waren 5,4 Mio € – tatsächlich kosteten diese 5 Kilometer jedoch 50 Mio €. Das Bundesland Kärnten bräuchte dringend 340 Mio – alleine 225 zur Schuldentilgung. Ähnlich auch das Prozedere beim Achraintunnel in Vorarlberg, der die Gemeinde Schwarzach mit Alberschwende verbindet. Erster Kostenvoranschlag 1989: 46 Mio €! Tatsächliche Kosten bis zur Eröffnung 2009: 138 Mio €! Zudem ist der Tunnel mehrere Wochen im Jahr gesperrt und endet in einer Steigung, die im Winter von Schwerfahrzeugen nur mittels Ketten befahrbar ist. Ergo: Im Tunnel müssen Schneeketten angelegt werden! Seit Eröffnung des Tunnels hat der Verkehr in Alberschwende um mehr als 15 % zugenommen. Ok – alles nichts gegen die teuerste Autobahn der Welt, die A4 in den Niederlanden: So kostet ein 7-km- Teilstück von Amsterdam nach Antwerpen 1 Milliarde Euro! Grund: Der Tunnel ist zwar an Land, jedoch unter Meeresniveau!
Eine Posse ohne gleichen ist die Zusammenlegung der beiden Gerichts-Bezirke Hartberg und Fürstenfeld in der Steiermark. Das Bezirksgericht in Hartberg wurde erst renoviert – trotzdem nun aufgelassen, obgleich noch Räume leer gestanden sind und es über drei Verhandlungssäle verfügt. Das BG Fürstenfeld musste für 4 Mio € umgebaut werden, platzt aus allen Nähten und hat nur zwei Verhandlungssäle! Die Kostenersparnis übrigens liegt nach der Schliessung von Hartberg bei rund 80.000,- € (Angaben: Justizministerium 2013)!!!
Dann war da in diesem Jahr noch das Bilderbergtreffen in Telfs/Tirol. Auch dieses habe ich an dieser Stelle schon mal abgehandelt. Die Wirtschaftsmagnaten, Banker und Politker trafen sich nicht in ihrer offiziellen Funktion, sondern zum privaten Meinungsaustausch, wie immer wieder bei diesen Treffen auch von den Teilnehmern betont wird. Trotzdem verschlangen die Sicherungsmassnahmen drei Millionen Euro an Steuergelder.
Zuletzt noch zu einem Problem, das immer schlimmer anstatt besser wird. Die hohen Gehälter und Pensionen der Manager voll- oder teilstaatlicher Betriebe. Im Februar etwa kritisierte der Rechnungshof die hohen Pensionen der Ex-Finanzjongleure der Österreichischen Nationalbank. Bereits Ende 2013 habe eine Deckungslücke von 39 Mio € bestanden – bis 2016 könnten noch 133 weitere hinzukommen. Zwischen 2009 und 2014 mussten durch die OeNB nicht weniger als 215,9 Mio € nur für Pensionen zugeschossen werden. Aufgrund des Zinstiefs wird es immer schlimmer – die Erträge aus den Pensionsveranlagungen reichen nicht mehr aus! Fragt sich, weshalb die Banker mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 98.400 € nicht im ASVG-Schema oder dem Beamtentum beitragspflichtig sind! Vielleicht, weil dann nicht derart hohe Pensionen ausbezahlt werden könnten??? Immerhin liegen die Durchschnittspensionen der Nationalbänker bei knapp über 5.000,- €. Die Banker haben zudem Zeit ihres Lebens eine Vielzahl an Sonderprivilegien, von welchen ein Normalsterblicher nur träumen kann: Haushaltszulagen, Kinderbetreuungszuschüsse, private Krankenversicherungen, Urlaubsquartiere, Betriebsambulatorium,… – diese sog. “BV-Wohlfahrt” verschlingen alleine per anno 13 Mio €! Auch Nationalbank-Pensionisten werden noch günstige Betriebswohnungen zur Verfügung gestellt. Die Zeitschrift “Format” sprach 2013 von den “Nationalbank-Luxusrentnern”! So bekam nach Angaben des Magazins Ex-Nationalbank-Präsident Adolf Wala nicht weniger als 31.915,45 € Pension pro Monat, der Ex-Vizepräsident Heinz Kinzl 30.157,48 € und der Ex-Chef der Münze Austria, Dietmar Spranz, immerhin noch 23.802,12 € monatlich. Übrigens, so ganz nebenbei erwähnt, haben 2013 nicht weniger als 972 Pensionisten und 422 Aktive gegen den gesetzlichen Solidarbeitrag in der Höhe von 3,3 % geklagt und das Geld zurückgefordert! Nur 302 der Kläger lagen unter der ASVG-Höchstpension von 3.034,16 €/Monat (nur 42 davon waren Aktive)! Wer oder was ist die Nationalbank? Auf ihrer Website ist folgendes zu lesen:

“Die OeNB ist eine Aktiengesellschaft, die im Eigentum der Republik Österreich steht. Durch das Nationalbankgesetz ist aber die Unabhängigkeit der Zentralbank in ihren geldpolitischen Aufgaben gewährleistet.”

Damit werden dermassen hohe Gehälter und Pensionen durch die Steuerzahler – auch den Armen, Mindestrentnern und Arbeitslosen getragen! Ich glaube, mir wird plötzlich sehr übel!
Dem grob fahrlässigen Umgang von Steuergeldern sollte endlich auf allen Ebenen der Riegel vorgeschoben werden. So forderte beispielsweise der schweizerische SVP-Nationalrat Lukas Reimann im Jahre 2014 die Bestrafung von Politikern, die durch verschwendete Steuergelder dem Staat Schaden zugefügt haben. Denn – auch die Schweiz hat mit derartigen Problemen zu kämpfen: Pro Jahr entsteht der Eidgenossenschaft auf diese Weise nur im Bausektor ein Schaden von mehreren 100 Mio Schweizer Franken. Geworden ist freilich nichts daraus. Auch von der Petition der deutschen Partei der Vernunft (PDV) oder ähnlichen Initiativen aus Österreich ward sehr rasch nichts mehr gehört.
Die meisten Königs- und Fürstenhäuser gingen unter, weil immer mehr aus dem Volk herausgeholt wurde, damit der Adel in immer grösserem Prunk leben konnte. Auch jetzt wird dieser Fehler der Geschichte wiederholt – jedoch für nicht mehr lange Zeit. Denn – was nutzt eine goldene Gans, wenn sie nicht mehr golden ist und die Steuerlast nicht mehr tragen kann??? In Österreich leben rund 1 Mio Einwohner an der Grenze zur Armut oder haben diese schon überschritten. Trotzdem wird die Mehrwertsteuer auf gewissen Produktgruppen erhöht, die Verbrauchssteuern steigen ohnedies beinahe jährlich. Beide Steuerarten treffen zuhauf die armen Bevölkerungsschichten. Zuletzt meinte Finanzminister Schelling gar, dass das Arbeitslosengeld zu hoch sei! Nicht gerade eine Motivation für die Menschen, wieder arbeiten zu gehen! Er bevorzuge das Hartz IV-Modell Deutschlands. Sozialexperten sprechen von völligem Unsinn – schliesslich sei in deutschen Landen die Situation zugunsten der atypischen Beschäftigungen gegen die Arbeitssuchenden gekippt und der Staat muss dennoch draufzahlen, da viele zu viel zum Sterben, jedoch zu wenig zum Leben haben.

Ach ja – und das Beste zuletzt:
Haben Sie gewusst, dass deutsche Filmförderungsgelder in Hollywood verschlissen werden? So gingen etwa 8,5 Mio € in den George Clooney-Streifen “Monuments Men” (Quelle: Wall Street Journal). Gute heimische Projekte müssen hingegen um jeden Cent kämpfen!

Links:

http://www.steuerzahler.de

http://www.schwarzbuch.de

http://de.statista.com

http://www.haushaltssteuerung.de

http://www.berlin-airport.de

http://www.puls4.com/bist-du-deppert

http://oenb.at

http://www.austria.gv.at

http://www.ffa.de/

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Ab in’s kühle Nass

Ein Sommer, wie er im Bilderbuche steht! Juni und Juli 2015 lassen das Herz so mancher Wasserratte und Sonnenanbeters höher schlagen. Hochdruckgebiete aus Nordafrika und Spanien sorgen für viel Sonne und tropische Temperaturen von weit jenseits der 30 Grad. Was wünscht man sich also mehr als einen Sprung in’s Nass um sich so richtig abkühlen zu können! Doch leider allzu viele machen dies allzu sorglos. Denn – auch im gechlorten Wasser des Schwimmbades lauern die Gefahren!
Schon als Kinder lernten wir, dass nach dem Schwimmbadbesuch gut geduscht und die Füsse desinfiziert werden sollen. Diese Hygiene-Massnahme sollte wohl für jeden Erwachsenen selbstverständlich sein – den Kleinen muss es beigebracht werden. Einerseits um das Chlor des Wassers wieder vom Körper zu entfernen, andererseits tötet dieses leider nicht alles ab, sodass durch die Brause zumindest noch etwas weggespült wird. Die nächsten Zeilen werden etwas unappetittlich!
Regelmässige Untersuchungen zeigen auf, dass Schwimmbäder – so sauber sie auch geführt werden – trotzdem nicht hygienisch einwandfrei sind und auch gar nicht sein können. Bakterien, Parasiten, Pilze und Viren – all jene Badegäste, die eigentlich nicht willkommen sind – finden hier hervorragende Lebensbedingungen. Vermehren sie sich in zu grosser Zahl, so können sie durchaus zu einer nicht zu unterschätzenden gesundheitlichen Bedrohung führen. Nach einer Vorschrift des Gesundheitsministeriums müssen deshalb beispielsweise in Österreich alle öffentlichen Bäder im 14-tägigen Rhythmus durch einen unabhängigen Prüfer gecheckt werden (in deutschen Landen ist das Gesundheitsamt dafür zuständig). Auch die über 50 gekennzeichneten Badeseen Österreichs unterliegen ständiger Kontrolle. Nicht selten kommt es während einer heissen und trockenen Saison vor, dass ein See gesperrt werden muss, da Coli-Bakterien, Legionellen, Salmonellen und ähnliches Überhand nehmen. Diese Vorgehensweise sollte eigentlich in ganz Europa gelten, ist es doch eine EU-Richtlinie, die umgesetzt wird. Doch wissen Sie ja: Andere Länder, andere Sitten!.
Eine entsprechende Sauberkeit hat durchaus ihren Sinn. Schliesslich verbirgt sich hinter so manch reinen Fassade ein Ferkel: Ungeduscht wird der erste Sprung vom Brett in die Fluten absolviert, Wunden, notdürftig versorgt mit einem Pflaster, sollen nicht vom Freizeitvergnügen abhalten, Wasserlassen oder Flatulenzen im Becken – merkt ja eh keiner; ja sogar so manche Frau soll während ihrer Tage im kühlenden Nass gesichtet worden sein. Hinzu kommt eine ganz ordentliche Portion an Sonnenmilch, Schweiss uvam. Schon ist es geschehen, dass Kinder als erstes über schmerzende, rote Augen klagen, der Fusspilz für juckende Füsse sorgt oder auch Durchfall oder eine Sommergrippe die folgenden Tage sehr unangenehm werden lassen.
Hier nun eine kurze Aufzählung aus dem Horrorkabinett:
.) Pseudomonas
Diese Erreger führen bei ohnedies bereits immun-geschwächten Menschen zu Entzündungen des äusseren Gehörganges, die vom Arzt mittels Antibiotika fachmännisch behandelt werden müssen.
.) Shigellen (Enterobacteriaceae)
Sie stecken v.a. bei Kindern hinter so manchem Durchfall (Gruppe D-Bakterien). Gefährlich sind v.a. die in den Tropen und Subtropen vorkommenden Gruppe A-Stämme (Shigella dysenteriae), die zusätzlich ein gefährliches Nervengift produzieren.
.) Kryptosporidien
Diese äussern sich ebenfalls durch Durchfall. Während sich gesunde Menschen sehr rasch wieder erholen, kann eine derartige Infektion v.a. für HIV-Patienten oder Organtransplantierte gefährlich werden. Im Jahr 1993 führte kontaminiertes Trinkwasser in Milwaukee/USA zu einer Erkrankung von nicht weniger als 400.000 Menschen. In Deutschland treten jährlich 800 bis 1.500 Fälle von Kryptospondien-Erkrankungen auf.
.) Adenoviren
Sie werden nicht selten über die Augen übertragen. Etwa wenn ein Infizierter in’s Auge greift und dann die Hand eines anderen schüttelt. Auch über Gegenstände wie Türklinken oder Handtücher erfolgt der Übertragungsweg. Erste Anzeichen sind eine Bindehaut- und Hornhautentzündung. Dies kann zu einem Anschwellen der Lymphknoten und in einem grippeähnlicher Zustand münden. Die Entzündung klingt meist nach zwei bis drei Wochen von selbst ab. Bleibende Schäden an den Augen sind eher selten.
.) Chlamydien
Sie sind die Auslöser der sog. “Schwimmbad-Konjunktivitis”, einer Bindehautentzündung. Chlamydien des Serotyps D-K sind nämlich chlorresistent. Bessern sich rote Augen nicht bis spätestens 24 Stunden nach dem Schwimmbadbesuch, sollte auf jeden Fall ein Augenarzt aufgesucht werden.
.) Akanthamöben
Und auch Pilze nisten sich sehr gerne in das Material von Kontaktlinsen ein, das einen ausgezeichneten Nährboden bietet. Diese Amöben penetrieren und zerstören dadurch Gewebe!
.) Fuss- und Nagelpilz
Unschön und juckt wie Sau! Eingefangen sind die Pilze sehr rasch – vornehmlich ausserhalb des Wassers, in den Umkleiden bzw. Duschen. An sich gut behandelbar ist eine solche Erkrankung dennoch sehr unangenehm. Deshalb sollten auf jeden Fall Badeschlappen verwendet werden.
.) Trichloramine
Verbindet sich das Chlor des Wassers mit Harnstoff, Aminosäuren und Kreatinin (Schweiss, Seife und auch Urin), so spricht der Experte von derartigen Endprodukten. In Freibädern weniger problematisch, da eine entsprechende Durchlüftung geschieht. In Hallenbädern hingegen können sie zu Problemen führen, schliesslich reizen sie Augen, Ohren und Schleimhäute, was v.a. bei kleinen Kindern und Schwangeren Probleme verursachen kann. Sie sorgen auch für den typischen Hallenbadgeruch (Stickstoffchlorid entsteht durch die Reaktion von Chlor mit Harnstoff). In moderneren Anlagen wird Ozon beigemengt, das den Geruch etwas unterbindet. Übrigens ergaben Stichproben in mittelgrossen Freibadbecken (rund 1,8 Mio Liter) satte 200 Liter Urin – das sind nicht weniger als 20 Eimer voll. Für Leistungsschwimmer ist das Wasserlassen im Wasser offenbar etwas normales, wie auch Ex-Superstar Michael Phelps schon gestand.
.) Humane Papillomaviren (HPV)
Diese Viren übertragen sich von Mensch zu Mensch durch direkten oder indirekten Hautkontakt. Die Erreger dringen in kleinste Hautrisse oder Wunden ein und siedeln sich in den oberen Hautschichten an. Dort infizieren sie einzelne Zellen und lassen die Haut wuchern – Warzen sind das Resultat. Feuchte Hände, rasches Schwitzen, Neurodermitis aber auch Rauchen und Diabetes begünstigen eine solche Infektion. Besonders gefährlich: Gebärmutterhalskrebs wird in vielen Fällen durch HPVs ausgelöst!
.) Saugwürmer
Sie treten in allen möglichen Varianten vornehmlich in Naturteichen oder etwa Baggerseen auf. Die Larven nisten sich eigentlich in Schnecken ein – der Befall des Menschen ist also schlichtweg ein Irrtum. Deshalb sterben sie auch recht schnell wieder ab, führen jedoch zu einer stark juckenden Rötung der Haut – der sog. “Badedermatitis”.
.) Scheideninfektion
Milchsäurebakterien bekämpfen in einer intakten Scheidenflora Pilze und Bakterien. V.a. Diabetikerinnen, Schwangere und ältere Frauen jedoch besitzen nicht die notwendige Anzahl dieser Milchsäurebakterien und sind deshalb für Scheideninfektionen anfälliger. Nasse Bikinis oder Badeanzüge sollten alsdann rasch gegen trockene ausgetauscht werden. Auch sollte Frau, nachdem sie aus dem Wasser gestiegen ist, husten. Dadurch entsteht ein Druck auf den Beckenboden, sodass Wasser, das sich in der Scheide angesammelt hat, herausgedrückt wird. Zudem kann eine Chlorwasserallergie vorliegen. Fangen die Augen an zu brennen, macht sich diese meist zugleich im Intimbereich der Frau bemerkbar. Nun sollte rasch die Dusche aufgesucht werden.
.) Blasenentzündung
Dies hat zwar nicht unmittelbar mit dem Wasser zu tun, ist jedoch recht häufig die Folge davon, wenn nasse Badesachen ausserhalb des Wassers getragen werden. Die Erreger steigen zumeist durch die Harnröhre auf.
Grundsätzlich gilt, dass Menschen mit offenen Wunden nichts im Becken zu suchen haben. Sie riskieren nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch jene der anderen Badenden. Auch Menschen mit einer Immunschwäche sollten sich genau überlegen, wo sie den Badenachmittag verbringen. Ein Fluss ist keineswegs des Rätsels Lösung. Schliesslich leiten inzwischen die meisten Kläranlagen das vermeintlich gesäuberte Wasser in die Flüsse. Ist das Wasser vielleicht biologisch rein, so jedoch niemals medizinisch (Krankheitskeime). V.a. bei aufgestauten Flüssen, wie etwa der Alten Donau in Wien, besteht eine hohe Infektionsgefahr. Hinzu kommen Gülle, Abfälle, tote Tiere,…
Bevor aber nun die grosse Panik ausbricht, möchte ich Hygieniker, Mikrobiologen und auch Umweltmediziner zitieren, die auf die hervorragende Wasserqualität in Österreich und grossen Teilen Deutschlands hinweisen. Dafür sorgen:
.) Filteranlagen
Jedes Poolwasser muss täglich zwei- bis dreimal zur Gänze durch derartige Filter laufen.
.) Umwälzpumpen
Eine solche Pumpe befindet sich meist vor, eine zweite hinter der Filteranlage.
.) Chlor
Chlor tötet die meisten Keime ab. Chemisch nicht behandeltes Wasser (etwa im Kinderplanschbecken) muss täglich zur Gänze erneuert werden, da es ansonsten kippt und Faulungsprozesse beginnen. In öffentlichen Freibädern liegt der gesetzlich vorgeschriebene Zusatz bei 0,3 bis zwei Milligramm Chlor pro Liter Wasser (Österreich). Das reicht aus, damit nahezu jeder Mikroorganismus binnen 30 Sekunden abgetötet wird. Mehr darf nicht zugesetzt werden, da ja auch Wasser geschluckt wird und damit die Trinkwasserverordnung eingehalten werden muss. Um es besser zu veranschaulichen: Pro Badegast fliessen pro Tag rund 30 Liter Chlor in’s Wasser!
.) Salzwasser
Viele Keime können in salzigem Wasser weniger gut überleben. Deshalb sind meist Meeresküsten auch hygienisch sauberer als Süsswasserseen. Allerdings werden etwa durch Schiffe Abwässer abgeleitet. Somit sollten Hafenbereiche, aber auch Flussmündungen besser gemieden werden. Das jährlich an der Adria auftretende Algenproblem beispielsweise wird durch die Einmündung des Pos verursacht.
.) Abschöpfung des Wassers
Hierdurch werden Insektenkadaver oder Laub entfernt, das ansonsten zu faulen beginnt. Auch sollte das Wasser stets nach Tierkadavern untersucht werden. Haustiere sollten gerade von privaten Pools ferngehalten werden. Wenn auch nicht unbedingt in’s Wasser, so können sie sich schon mal am Beckenrand erleichtern, was dann durch die Badenden auch mit in’s Wasser gebracht wird.

Am sichersten ist der eigene Pool im Garten, sofern die vorhin erwähnten Hygiene-Massnahmen eingehalten werden. Da weiss man, wer drinnen ist oder war und kann die Badezeiten verteilen, sodass es nicht zu Stosszeiten kommt. Viele Badende bedeuten viele Verunreinigungen. Doch auch ansonsten steht dem Badespass nichts im Wege, sofern einige Grundsätze eingehalten werden:
- Duschen vor jedem Gang in’s Wasser
Eine Badewannen-Untersuchung des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zeigte auf, dass ein Ungeduschter rund 60 mal mehr Verunreinigungen in’s Wasser mitbrachte als der Geduschte aus der Kontrollgruppe. Darunter auch Coli-Bakterien. Umfragen jedoch bestätigen, dass nur jeder Zehnte vor dem Köpfler in’s Becken noch rasch unter die Dusche geht.
- Krankheit, Verletzung, Ausschläge – Stop!
Auch durch einen simplen Schnupfen gelangen Bakterien oder Viren in’s Wasser, mit welchen sich andere ganz leicht anstecken können. Bei Wunden oder Ausschlägen besteht die Gefahr einer Entzündung. Auch Menschen mit Geschlechtskrankheiten haben nichts im Wasser verloren. Interessant wird die Sache v.a. mit dem HI-Virus! Doch – keine Angst: Die Viren werden ebenso übrigens wie Spermien durch das Chlor abgetötet. Gefährlicher ist da aber schon der unmittelbare Hautkontakt bei Wunden!
- Schwimmbrillen, Badehauben und auch Badesandalen
Augenentzündungen kann mit einer Schwimmbrille entgegengewirkt werden. Empfehlenswert vor allem für Kontaktlinsenträger, da sich die Kontaktlinse am Auge festsaugen und dadurch die Hornhaut schädigen kann. Besser ist es deshalb, die Linsen im Schwimmbad zu entfernen oder Tageslinsen zu verwenden, die danach entsorgt werden können. Und mal ehrlich: Haare von anderen im Wasser – das geht schon mal gar nicht! Das Desinfizieren der Füsse bringt leider nicht sehr viel, ausser dass sie nochmals abgebraust werden. Um Keime abzutöten, müsste das Mittel länger auf dem Fuss bleiben, was jedoch nie der Fall ist. Zieht man die Socken drüber, so ensteht ein feuchtwarmes Milieu, das die Vermehrung von Keimen und Pilzen gar noch fördert! Besser ist es, Badepantoffel auch in der Dusche zu verwenden und den Bereich zwischen den Zehen gut abzutrocknen.
- Frauen kurz vor der Regel bzw. v.a. während der Regel vergnügen sich auch an einem schattigen Plätzchen an Land sehr gut. Einerseits ist es wohl für die Betroffene selbst, aber auch für alle anderen mehr als eklig. Zudem werden durch die Regelblutung ja auch Stoffe entsorgt, die der weibliche Körper nicht braucht – Harnstoff etwa.
- Gut abtrocknen statt Lufttrocknung
Die meisten der Krankheitserreger lieben ein feuchtwarmes Klima. Deshalb sollte sich jeder raschestmöglich mit einem Handtuch, nicht mit dem Liegetuch gut abtrocknen.
- Kein Wasser schlucken
Die meisten Magen-Darm-Erkrankungen werden dadurch ausgelöst, dass verunreinigtes Wasser geschluckt wird. Das zeigte zuletzt auch eine Untersuchung der Wake Forest University School of Medicine in North Carolina auf. V.a. Kinderplanschbecken, aber auch alle anderen weisen einen zu geringen Wassertausch im Verhältnis zu den Badenden auf. Durch den Kot der Badenden, aber auch über die Beckenumgebung werden zu viele Parasiten und Keime mit in’s Wasser gebracht.
Aufgrund all des bisher gesagten, wandeln wir den alten Spruch “Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg’ auch keinem ander’n zu!” etwas um:

“Was Du nicht willst, das Du finden tu, das mut’ auch keinem ander’n zu!”

Lesetipps:

.) Wasserpflege im privaten Schwimmbad; Erhard Hergesell; Wellness-Verlag Hergesell
.) Hygiene, Infektiologie, Mikrobiologie; Hygiene, Christian Jassoy/Andreas Schwarzkopf; Thieme; 2., Auflage
.) Hyfiene – Theorie & Praxis; Rainer Werlberger et al; Eigenverlag

Links:

http://www.rki.de

https://www.infektionsschutz.de

http://www.schwimmbad.de

https://www.austrian-standards.at

http://www.ab-ins-schwimmbad.de/

https://www.gesundheit.gv.at

http://www.gesundheit.de

http://www.infektionsnetz.at

http://www.rund-ums-baby.de

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Hörst Du was???

Am 30. April war internationaler Tag gegen den Lärm (“Noise Awareness Day”)! Doch so gut wie niemand hat davon Notiz genommen. Noch viel ärger: Das Lärmbewusstsein ist beim Menschen extrem schwach ausgeprägt. Wir verzichten nicht auf etwas, nur weil es Lärm macht. Anstatt dessen lassen wir uns munter auch weiterhin zudröhnen. Und die Zahlen – die sind wahrhaft alles andere als rosig!!!
Als ich kürzlich mit Bekannten in einem Restaurant zu Mittag weilte, beschloss ich, diesen Hort der Kulinarik nicht mehr aufzusuchen. Nein – es war nicht das Essen oder die Bedienung – beides war ganz ausgezeichnet. In dem sehr grossen Lokal herrschte ein Geräuschpegel, der ein Gespräch nur schreiend möglich machte. Alles andere als angenehm, denn schliesslich sollte der Gast am anderen Tisch nicht unbedingt alles mitbekommen, gleichzeitig aber trägt man auf diese Art zu einer noch weiteren Steigerung des Lärms bei. Und wer mich kennt, der weiss, dass ich während meiner Zeit als Soldat sehr häufig Vergattern und Meldung machen musste. Das wurde auf eine Entfernung von 2-300 Meter auf dem Kasernenhof trainiert! Entsprechend laut und “ausgebildet” ist meine Stimme. Auch der sonntägliche Kaffee im Garten in Offenbach/Main, in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens, stellt eine immense Belastung der Stimmbänder und Ohren dar.
Als begeisterter Konzertbesucher suchte ich zumeist einen Stehplatz unmittelbar vor der Bühne. Es gelang mir jedoch nicht immer, sodass ich ab und an auch mal seitlich der Bühne zum Stehen kam – vor den Lautsprechertürmen. Werden hier gewisse Grundregeln eingehallten, so kann auch damit recht gut gelebt werden. Das gilt eingeschränkt zudem für die grossen Open Airs, die mit einer Wattleistung rausfahren, die es einem richtiggehend schwummrig werden lässt. Auch bei Rock-Konzerten wie etwa Motörhead. Nur einmal musste ich weichen: Status Quo in der Olympiaeishalle in Innsbruck. Die hämmerten Ihre Riffs mit einer Power aus der PA, dass mir die Ohren bereits nach dem dritten Song schmerzten, sodass ich mich zum Mischpult (Front of House “FOH”) zurückzog. Ich dürfte also kurz vor einem Hörsturz gestanden haben. Deshalb konnte ich alsdann mit einem Hörer mitfühlen, der in einer meiner Radiosendungen Meet & Greet-Karten für Judas Priest gewonnen hatte. Einige Zeit später schrieb er in einer Mail, dass er vom Konzert begeistert gewesen sei, dort allerdings einen Hörsturz erlitt und in’s Krankenhaus musste. Heisser Tipp deshalb aus meiner jahrelangen Konzertkarriere am Rande: Den besten Klang gibt’s immer am Mischpult, da hier ja die Einstellungen vorgenommen werden. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regeln, denn nicht jeder Knöpfebediener hat die Berufsbezeichnung “Tontechniker” auch verdient!
Das Hören (oder auch die “auditive Wahrnehmung”) ist eine der wichtigsten Wahrnehmungen des Menschen, warnt er diesen doch beispielsweise vor drohenden Gefahren, etwa im Strassenverkehr. Zu genau möchte ich auf den Vorgang des Hörens nicht eingehen, allerdings ist die eine oder andere Erklärung hierzu verständnishalber erforderlich. Töne oder Geräusche sind rhythmische Druckwellen. Beim ersten Auftreffen dieser Druckwelle auf das Aussenohr, erfolgt in der Ohrmuschel die Lokalisierung der Schallquelle (kommt der Ton von vorne, hinten, oben, unten, rechts oder links). Über das Trommelfell und die Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel wird diese Druckwelle durch eine Impedanzwandlung für die weitere Verarbeitung des Schalls optimiert und über die Paukentreppe an das Innenohr weitergegeben. Dort befindet sich das Gleichgewichtsorgan (das uns heute gar nicht interessieren soll) und die Gehörschnecke (“Cochlea”). Sie ist gefüllt mit Flüssigkeit (“Perilymphe” und “Endolymphe”) und mit ca. 15.000 zylinderförmigen Haarzellen bestückt. Diese werden durch die Flüssigkeit bewegt und lösen einen Reiz aus, der über die Synapse mit sensorischem Neuron am unteren Ende der Haarzellen an das Nervensystem weitergegeben wird. Von dort geht es weiter in den Hirnstamm, das Zwischenhirn bis in die auditive Hirnrinde. Also ein sehr komplexer Vorgang!
In jungen Jahren reicht der Hörbereich von rund 16 bis zu 20.000 Hertz – mit zunehmendem Alter nimmt diese Fähigkeit ab. Darunter liegt der Infraschall (hörbar von Elefanten), darüber der Ultraschall (hörbar von Hunden, Delfinen und Fledermäusen). Letztere gehen sogar auf bis auf 200 kHz und nutzen den Sonareffekt zur Ortung – sie sehen also sozusagen durch ihr Gehör! Der leiseste, wahrnehmbare Schalldruck (“Hörschwelle”) beläuft sich auf zirka 20 Mikro-Pascal – daraus werden im Innenohr bereits 10-17 Watt. Richtig weh tut’s dann beim Drei-Millionen-Fachen davon (130 dBSPL). Experten empfehlen deshalb bei lauten Geräuschen (etwa von Schüssen oder Explosionen) den Mund zu öffnen. Dies führt zu einem Druckausgleich, da ein Teil dieses Drucks durch die sog. “Eustachische Röhre” im Mittelohr in den Nasen-Rachenraum abgeleitet werden kann.
Durch ein “Knalltraumata” ausgelöst durch die vorhin angesprochenen Explosionen (“Impulslärm”), aber auch durch eine dauerhafte Lärmbelastung werden nun diese Haarzellen insofern geschädigt, als sie die Druckwellen nicht mehr in Nervenimpulse umwandeln können. Der Betroffene wird schwerhörig oder bekommt einen Tinnitus, also ein ständiges Pfeifen im Ohr. Eine Schädigung durch Krankheiten oder Medikamente möchte ich in diesem Zusammenhang nicht erörtern. Über die Ursachen, wie nun ein solcher Hörsturz mit plötzlichem Hörverlust, Tinnitus und Schwindel ausgelöst wird, rätseln auch heute noch die Experten.
Kann sich der Betroffene nun durch etwa Pfropfen, Hörschutz oder auch dem blossen Zuhalten des Ohres vor kurzen lauten Geräuschen schützen, so ist etwa ein Stadtbewohner dem ständigen Lärm aus den Strassen bzw. der Flugzeuge hilflos ausgesetzt. Das Ohr arbeitet 24 Stunden am Tag – auch während des Schlafs.

Lärm macht krank!

Unter Lärm versteht man im Fachjargon die “Summe aller Schalldruckeinwirkungen” – also aller Geräuschimmissionen. Wer was und ab wann als Lärm empfindet, ist subjektiv (Schall/Störschall). Kurt Tucholsky sprach ganz treffend vom Lärm als dem “Geräusch der anderen”! Kirchenglocken, Handy-Telefonate in den Öffis, Motorengeheul, Fussballspiele, … Je mehr Menschen sich auf einem Fleck tummeln, desto grösser ist der Geräuschpegel und damit auch der Lärm. Das deutsche Umweltbundesamt beispielsweise führt jährlich Umfragen durch. Lärmbelästiger Nummer eins ist dabei stets der Strassenverkehr, gefolgt von Fluglärm und der Bahn. Auch über den Nachbarn regen sich viele Menschen auf: Sei es das Klavierüben der Tochter oder das Rasenmähen. Ein Rasenmäher beispielsweise während der Mittagszeit wird wesentlich störender empfunden als am Vor- oder Nachmittag. Ab einem Schallpegel von 50 dB wird automatisch die Stimme angehoben, ab 65 dB die Fenster geschlossen und Balkone oder Terassen weniger häufig genutzt.

http://www.immobilienreport.de/gewerbe/Laerm.php

(Lärmkarte der Stadt München 2007)

In der Rechtssprechung werden folgende (unvollständige) Lärmbereiche bezeichnet:

.) Verkehrslärm: Straßenverkehrslärm, Schienenverkehrslärm, Fluglärm
.) Gewerbelärm und Industrielärm
.) Baustellenlärm
.) Nachbarschaftslärm, Freizeitlärm bzw. Sportlärm

Andere Lärmquellen, wie Veranstaltungen, Schiessplätze,… sind in speziellen Verordnungen enthalten.
Jedes achte Kind leidet inzwischen bereits an einer Auffälligkeit der Lautwahrnehmung, die Zahl des Tinnitus nimmt auch bei Kindern extrem zu. Experten raten deshalb in diesem Alter unbedingt auf die Verwendung von Kopfhörern beim Abspielen von Musik zu verzichten. Auch Clubs oder Diskotheken sollten mit Vorsicht genossen werden. Lärm im Kindesalter beeinflusst nicht nur die Konzentrationsfähigkeit und den Schlaf der Kiddies, sondern führt auch zu Defiziten in der Sprachentwicklung und Lesefähigkeit. Und noch etwas: Die meisten Hörschäden sind irreparabel. Der Betroffenen leidet also das gesamte Leben lang darunter.
Was aber nun stört wirklich – ab welcher Lautstärke?! Hier einige Vergleiche:

Lärmstufe I (30-65 dB):
Blätter im Wald 10 Dezibel
Landregen 30 Dezibel
Entspanntes Gespräch bis 45 dB

Lärmstufe II (65-90 dB):
Menschliche Stimme (laut) 60 bis 70 Dezibel
Stark befahrene Strasse 70 bis 80 Dezibel

Lärmstufe III (90-120 dB) – A-Schallpegel
LKW 90 Dezibel
MP3 Player mindestens 95 Dezibel
Rasenmäher 100 Dezibel
Donner eines unmittelbar nahen Gewitters bis zu 120 Dezibel
Konzertlautsprecher 120 Dezibel
Startendes Flugzeug 120 bis 130 Dezibel

Schmerzschwelle: 130 Dezibel

Übrigens: Eine Zunahme von 10 dB entspricht einer Verdoppelung der Lautstärke für das Ohr. Der Fachmann spricht hierbei von “Verdoppelung der Lautheit in Sone”! Das hat nichts mit einer Verdoppelung des Schallpegels, der Phonstärke zu tun.
Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass eine ständige Lautstärkebelastung ab 80 Dezibel zu einer irreversiblen Schädigung des Gehörs führen kann. Auch ein Knalltraumata von 120 Dezibel kann fatal enden. Allerdings erholt sich in vielen Fällen bei Zweiterem das Ohr wieder – es kann jedoch auch ein Tinnitus zurück bleiben. In einer Studie aus dem Jahr 2011 spricht die Weltgesundheitsorganisation WHO von der Umweltursache Nummer 2 für Krankheiten – gleich nach der Luftverschmutzung. Bei ständiger Lärmbelastung reagiert allerdings nicht nur das Ohr: Der Körper schüttet Stresshormone wie das Cortisol aus, die zu Herz-Kreislauf-Krankheiten bzw. Magengeschwüren führen können. Eine Studie des deutschen Umweltbundesamtes etwa ergab, dass Fluglärm in der Nacht die Gefahr für Bluthochdruck um 14 % erhöht! Deshalb ist auch der Flugstop zwischen 22 und 05.00 Uhr am Rhein-Main-Airport in Frankfurt und Umgebung so wichtig. In der Nacht wird jedes Geräusch wesentlich stärker wahrgenommen. So kann im Schlaf bereits eine Dauerbelastung von 40 dB zu gesundheitlichen Problemen führen.
Für den Lärmschutz am Arbeitsplatz ist der Arbeitgeber verantwortlich (rund 5 Mio deutsche Arbeitnehmer sind gehörschädigendem Lärm ausgestzt); in der restlichen Zeit hingegen jeder für sich selbst. Hätte ich also damals gewusst, dass Status Quo dermassen laut in die Saiten greifen, hätte ich mich gleich etwas weiter hinten in der Halle platziert oder Musikohrstöpsel besorgt. Deren Vorteil besteht nämlich darin, dass alle Geräusche abgemildert, die Frequenzen jedoch durchgelassen werden, sodass dem Musikerlebnis nichts im Wege steht. Unter der Frequenz versteht man die Tonhöhe (“Anzahl der Schwingungen pro Sekunde”).

http://www.laerminfo.at/karten/strassenverkehr/strasse/24h.html

(Lärmkarte für Wien & Niederösterreich)

Während meiner Zeit in Innsbruck hatte ich grossteils Glück. Mit zwei Ausnahmen: Ein Zimmer unter’m Dach, sodass stets das Fenster geöffnet sein musste. Pech: Direkt daran vorbei führte eine Durchzugsstrasse. Von Schlaferholung also keine Spur. In einer WG am westlichen Rand von Innsbruck führte nicht nur die Westbahnstrecke (in einiger Entfernung) sondern auch eine Durchzugsstrasse unmittelbar am Grundstück vorbei. Auch wenn man sich daran gewöhnt (meine Grosseltern wohnten in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens – sie nahmen die Flugzeuge in 2-300 Meter Höhe gar nicht mehr bewusst wahr), so werden die Informationen wenn auch unbewusst, aber dennoch aufgenommen und verarbeitet. Rund sechs Millionen Deutsche sind tagtäglich in den Städten einem Lärm ausgesetzt, der gesundheitsschädigend ist. Was vielleicht mit Konzentrations-, Lern- oder auch Schlafstörungen beginnt, kann rasch mit einem Herzinfarkt enden. Deshalb empfiehlt es sich in Stadtwohnungen, die Schlafzimmer in Richtung ruhigerer Hausseite einzurichten. Teppiche und lange Vorhänge schlucken zudem Lärm.
Geräte oder Maschinen, die aufgrund ihrer Lautstärke im Freien verwendet werden müssen, sind durch den Hersteller mit “LWA”, dem sog. “Schallleistungspegel” sowie dem Emmissions-Schalldruckpegel (LpA), jeweils mit der dB-Zahl (ab 80 bzw. 70 db) ausgewiesen (EG-Richtlinie 2000/14/EG). Hier empfiehlt sich – ob Säge oder Presslufthammer – auf jeden Fall noch ein Hörschutz vor der Inbetriebnahme aufzusetzen. Die “Lärmschwerhörigkeit” infolge eines sehr lauten Arbeitsplatzes ist als Berufskrankheit (Nr. 2301 VDI 2058 Blatt 2) in bundesdeutschen Landen anerkannt, in Österreich ist sie gar die Berufskrankheit Nr. 1 – noch vor dem kaputten Rücken! Pro Jahr werden im Alpenstaat an die 900 Fälle durch die AUVA (Allgemeine Unfall-Versicherungsanstalt) anerkannt. Die Lärmbelastung am Arbeitsplatz wird durch den Beurteilungspegel LAR und durch den Tagesexpositionspegel LAEX 8 h dargestellt und ist ebenfalls in Dezibel beschrieben. Hier greift die Lärm-Arbeitsschutz-Richtlinie 2003/10/EG der Union, aber auch die EG-Maschinen-Richtlinie (2006/42/EG Anhang I), die darauf erpicht ist, dass Hersteller lärmarmere Maschinen produzieren. In Deutschland gilt es zudem die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV) und die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) einzuhalten, in Österreich das Bundesumgebungslärmschutzgesetz sowie das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz. All diese Gesetze haben einen Kern: Lärmbelastungen an den Arbeitsplätzen sind unter Beachtung des Technikstandes soweit als möglich zu reduzieren (Minimierungsgebot). Ist dies nicht möglich, muss Gehörschutz bereitgestellt werden.
Nur jene Menschen, die den Lärm der Stadt schon mal mitgemacht haben, wissen die Ruhe am Land zu schätzen. Es ist etwas tolles, die im Wind rauschenden Blätter zu hören, das Gezwitscher der Vögel oder einfach auch mal gar nichts an die Ohren kommen zu lassen!

Lesetipps:

.) Es ist zu laut! Ein Sachbuch über Lärm und Stille; Stephan Marks; Fischer, Frankfurt am Main 2003
.) Lärm – der tägliche Terror. Verstehen – Bewerten – Bekämpfen; Gerald Fleischer; Trias, Stuttgart 1990.
.) 0 Dezibel plus 0 Dezibel gleich 3 Dezibel; Jürgen H. Maue, Heinz Hoffmann, Arndt von Lüpke; Schmidt, Berlin 2003

Filmtipp:

.) Scobel – Wie der Lärm die Welt verpestet; 3sat

Hörtipp:

.) Evolution des Hörens; Bayern 2

Links:

http://www.umweltbundesamt.de

http://www.umweltbundesamt.at

http://www.bmub.bund.de

http://www.help.gv.at

http://www.baua.de

http://www.bafu.admin.ch

http://www.staedtebund.gv.at

http://www.gefaehrdungsbeurteilung.de

http://www.tag-gegen-laerm.de/

http://www.laermmachtkrank.at/

http://www.laermorama.ch

http://www.laerminfo.at/

http://www.hoerkomm.de

map.geo.admin.ch

http://www.ald-laerm.de

http://www.dega-akustik.de/

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Bis zur Erschöpfung

Mit grossem Erstaunen habe ich vor einigen Wochen die Zugriffszahlen beobachtet, als ich einen Text über Feldenkrais an dieser Stelle veröffentlicht habe. Das überwältigende Feedback hat mich dazu bewogen, auch zu einer Trainingsmethode die Finger über die Tastatur gleiten zu lassen, die eigentlich gar nicht mal so neu ist, derzeit jedoch in unseren Breitengraden ihren Frühling erlebt: Das CrossFit.
Schon 1980 entwickelte der US-Turner Greg Glassman gemeinsam mit seiner damaligen Frau Lauren das Training, aufbauend auf den Erkenntnissen von Georges Hébert (1875–1957), der während seiner Zeit in der französischen Marine die ganze Welt bereiste und vornehmlich die indigenen Menschen bei deren Training beobachtete. Sie sollte Freude an der Bewegung und Spass vermitteln. 15 Jahre später wurde Glassman von der Polizei von Santa Cruz engagiert, um ein derartiges Training für die Einheit zu erstellen. Im selben Jahr öffnete auch die erste CrossFit-Einrichtung (“CrossFit-Box”) in der Stadt ihre Pforten. Sehr rasch griffen immer mehr Spezialeinheiten auf die Methode zurück, da in direkten Vergleichen die CrossFit-Sportler stets bessere und breitgestreutere Fitnesswerte als jene Kollegen aufwiesen, die auf konventionelle Art trainiert wurden. Ab 2005 nutzten auch immer mehr Profi-Sportler die Grundsätze des CrossFits – so wurden eigene Programme für Football, Fussball und etwa Gymnastik entwickelt. Ausdauersportler wie Triathleten entdecken vermehrt die Trainingsaspekte.
Anfänglich dachte ich, das sei nichts anderes als das Boot-Training, also das bedingungslose Trainieren nach militärischen Drill bis zum Umkippen. Mit einem Trainer, der durchaus einem Ausbildungslager der US-Marines entstammen könnte! Na ja – nur teilweise wahr. CrossFit wurde als eine Trainingsmethode entwickelt, die dem Trainierenden mehr Leistung in den Bereichen Kraft und Ausdauer, Beweglich- und Geschicklichkeit, Balance und Koordination sowie Genauigkeit und Schnelligkeit bringen soll. D.h. der Sportler trainiert ausgewogen! Hierfür werden die unterschiedlichsten Disziplinen wie Turnen, Rudern, Sprinten, Klettern, Springen und auch Gewichtheben zu einem Ganzen verbunden. Alles, was gerade verfügbar ist, wird zum Trainingsgerät umgebaut: Langhanteln, Reckstangen, Bälle, Gymnastikringe, Kettlebells, Gewichtscheiben uvam.
Wurden die CrossFit-Sportler vielleicht anfänglich noch belächelt, so trainierten schon 2009 die Sportler und Sportlerinnen in bereits 2.000 Einrichtungen – inzwischen sind es über 11.000 weltweit. Auch Spezialeinheiten des Militärs, der Polizei aber auch der Feuerwehr verwenden dieses Training, um sich fit zu halten. So etwa das dänische Leibgarderegiment, aber auch die Kollegen der kanadischen Streitkräfte.
Als mich ein Bekannter erstmals auf das CrossFit angesprochen hat, meinte ich scherzhalber, dass ich zu meinen aktiven Zeiten als Volleyballer ebenfalls zweimal die Woche Knochentraining absolvierte, nach dem ich nicht selten auf allen Vieren aus der Sporthalle robbte und mich einen Tag lang nicht bewegen konnte. Während des Trainings musste ich mental jeweils abschalten. Die Frage, weshalb ich das eigentlich mache, stellte ich mir meistens am Tag danach, wenn es darum ging, die Blessuren des Vortags zu verarzten. Während der Trainingseinheit zählt einzig der Durchhaltewille und die rasche Regeneration in den kurzen Pausen, die sich durch Umbaumassnahmen oder Ablauf-Erklärungen ergeben. CrossFit jedoch ist abwechslungsreicher. So beginnt die Trainingsstunde mit Aufwärmübungen (Warm-up), gefolgt von Fertigkeits- und manches Mal auch Kraftübungen (Skill development).
Der Kern des Trainings besteht dann aus einem meist zehn- bis zwanzig minütigen Hochintensitätstraining (Conditioning oder auch Workout of the day WOD), je nach körperlicher Fitness. Hier müssen so viele Runden in einem Parcour bewältigt werden, wie irgend möglich.

https://www.youtube.com/watch?v=xT-hNS97vHU

Diese Parcours sind standardisiert und mit Frauennamen oder Abkürzungen versehen, etwa:
- Fran: Kniebeugen, Über-Kopf-Stemmen einer 95-Pfund-Hantel, Klimmzüge 21/15/9 Wiederholungen in möglichst kurzer Zeit
- WOD 721: 7 Kreuzbeugen (Deadlift mit 122.5 kg Langhantel), 30 Kniebeugen, 7 Handstand Push-Up (Vom Hand- in den Kopfstand und umgekehrt) – 5 Runden auf Zeit
Der Fantasie der Trainer sind keine Grenzen gesetzt, weshalb immer wieder neue Parcours erfunden werden. Gleichzeitig gelangen immer mehr Wettkämpfe zur Austragung, wie etwa die „Crossfit Games“ mit Preisgeldern zwischen 25.000 bis gar 250.000 US-Dollar.

https://www.youtube.com/watch?v=5WuHEUpTRok

Den Abschluss der Trainingseinheit bilden dann Stretchübungen, um die Muskulatur zu dehnen und zu lockern, damit der Muskelkater am Tag drauf nicht zu heftig wird.
CrossFit-Trainer sind zertifizierte Spezialisten, die insgesamt 3 Levels erreichen können. Die Trainerkurse sind mehrtägig, auch ein schriftlicher Teil gehört zur Ausbildung. Wichtig ist es, den Sportlern die richtige Ausführung der Parcour-Übungen klar zu machen, da aufgrund der hohen Intensität eine grössere Verletzungsgefahr besteht. Das Networking untereinander ist sehr intensiv, wodurch sich immer wieder neue Ideen und Ansetzungspunkte ergeben. Doch eines haben all diese Sportler gemeinsam: Die Überzeugung, dass Fitness mehr ist als das, was derzeit in Fitnessstudios gelehrt und ausgeübt wird. Auch die meisten ausgebildeten Fitnesstrainer sind dadurch aufgrund ihres Wissens unterfordert.
CrossFit kann grundsätzlich von Kindern und Senioren, schwangeren Frauen und Hochleistungssportlern betrieben werden. Entsprechend der Zielgruppe werden die Parcours gestaltet. Sportwissenschaftler und Sportmediziner befürworten das Training, da der komplette Körper und nicht nur einzelne Muskelpartien beansprucht wird. Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit sind ja schliesslich auch Bestandteile des Intervall-Trainings.

“Besser, gesünder und fitter” – das Ziel des CrossFits!

Klar hat das auch Auswirkungen auf die Figur und Körperhaltung. Das Training selbst basiert auf drei Säulen: Varianten-Vielfalt, Intensität und funktionale Bewegung. Die Varianten sollen bewirken, dass keine Langeweile aufkommt, die hohe Intensität steigert die Ausdauer. Funktionale Bewegungen sind stets Bewegungsabläufe, die über mehrere Gelenke gehen und somit mehrere Muskelgruppen aktivieren. Durch diese intermuskulären Bewegungen werden wesentlich mehr Kalorien verbrannt, während im Kraftsport beispielsweise immer nur gezielte Muskelgruppen trainiert werden: Bizeps, Trizeps, Quadrizeps, Pectoralis major, Glutaeus, … Bewegungen aus dem Alltag werden nachempfunden; sie sind meist keine statischen oder einseitigen, sondern ebenfalls derartige funktionale Bewegungen, die richtig trainiert natürlich unmittelbare Auswirkungen auf den Alltag haben: Entlastung der Wirbelsäule durch vermehrtem Einsatz der Rückenmuskulatur, richtiges Strecken der Beine mit Schonung für das Kniegelenk,…
Bei der Anzahl der WODs gehen die Meinungen auseinander. Wettkampf-Profis trainieren 2-3x täglich, vier bis fünfmal die Woche. Für Hobby-Sportler sollte hingegen ein WOD pro Tag ausreichen, da ansonsten der erwünschte Effekt in’s Negative kippt (Overtraining). Auch ist es enorm wichtig, Ruhetage einzuhalten. Zusätzliche sportliche Betätigungen, wie Schwimmen, Laufen, etc. können selbstverständlich ebenfalls weiterhin betrieben werden, doch sollten sie zeitlich vom CrossFit getrennt werden.
CrossFit zeigt v.a. eines auf: Das Indoor-Cycling-Gerät mit Internet-Anschluss zum Überprüfen der Börsenkurse, das Laufband mit TV und über 200 Programmen,… – das alles ist zwar gut und schön. Doch wo führt es hin? Teure Anschaffungskosten müssen sich wieder amortisieren. Die Einen machen das mit so vielen Mitgliedern wie möglich wett, die anderen mit hohen Mitgliedspreisen. CrossFit geht wieder zurück, in die Anfänge der Bodybuilding- und Fitnesszeit. In eine Zeit, in der noch nicht Hightech das Training bestimmte und nur jener Studiobetreiber überlebt, der die neuesten Geräte hat! Gemessen am medialen Echo hat sich die Fitnessbranche neu entdeckt, ohne dass viele es überhaupt mitbekommen haben! Ich übrigens habe noch mit Trainingsheft trainiert. Nicht mit dem Induktionschip, der mir den Zirkel automatisch einstellt.
Wer nun allerdings denken sollte, dass die Parcours anhand der vielen WOD-Video-Clips aus YouTube ganz einfach auch zuhause nachgebaut werden können, sollte besser die Finger davon lassen. Nur ein Fachmann kann den richtigen ergonomischen Bewegungsablauf überprüfen und Ihnen sagen, wann das Maximum erreicht ist, damit man sich nicht selbst fertig macht! Unsere Gelenke, die Wirbelsäule und auch die Muskulatur haben an sich schon genug mit dem eigenen Körper zu tun. Kommen nun Zusatzgewichte hinzu, kann innerhalb kürzester Zeit viel kaputt gemacht werden. Erkundigen Sie sich im Fitnessstudio Ihres Vertrauens!
Und zuletzt noch ganz allgemein: Sport ist nicht ein Job, der gemacht werden muss. Er sollte Spass machen. Es ist ein tolles Gefühl, Muskeln zu spüren, von deren Existenz man gar nichts wusste. Glückshormone, die ausgeschüttet werden, weil bewusst wird, dass man sich verausgabt hat oder einfach nur weiss, dass man sein Trainingsziel erreicht hat! Das ist v.a. im Kindes- und Jugendalter enorm wichtig. Schliesslich finden jene, denen der Spass an der Bewegung schon in jungen Jahren vergrault wurde, auch als Erwachsener nurmehr sehr schwer zurück.

Links:

http://www.crossfit.com/

http://www.crosscoach.net

http://www.crossfit-innsbruck.at/

http://www.trillercrossfit.com/

http://www.unconventionaltraining.it/lmcompetition/en/

http://crymeariver.de

http://www.tmt-innsbruck.at

http://wodevents.eu/

http://crymeariver.de

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Der Apfel aus dem Paradies

Sie ist so fest und wohlgeformt,
so knackig und so glatt,
da weiß der Farmer der Tomaten,
was er schönes hat.

(S.Cornella)

Die alten Azteken sprachen von der “Nahuatl”, die Maya von der “xitomatl” (bedeutet soviel wie “anschwellen”), der Italiener Pietro Andrea Mattioli Mitte des 16. Jahrhundert vom “Pomi d’oro”, der Lateiner hingegen bezeichnete sie als “pomum amoris” – als Liebesapfel. Erst ab dem 19. Jahrhundert wurde das Nachtschattengewächs Solanum lycopersicum hierzulande als “Tomate” bekannt – schon sehr bald allerdings wird der Begriff nurmehr für eine ganz spezielle Pflanze ihrer Gattung stehen – doch dazu etwas später.
Schon die alten Maya sollen die Tomate in Mittel- und Südamerika angebaut haben. Als Christopher Columbus die ersten ihrer Art aus der neuen Welt mitbrachte, wollte sie niemand essen, da befürchtet wurde, dass man sich daran vergiften oder den Liebeswahn einfangen könnte. Na ja – ganz so falsch lagen unsere Vorfahren da nicht, beihnaltet doch die unreife Frucht das giftige Alkaloid Solanin, das nicht zum Verzehr geeignet ist. Die Pflanze selbst ist krautartig, eigentlich mehrjährig, kultiviert jedoch überlebt sie meist nur ein-, maximal zwei Jahre. Die Pflanze kann bei optimalen Bedingungen bis zu 2 m hoch werden, die Frucht ist eine 1-2,5 cm grosse Beere, die jedoch bei kultivierten Pflanzen bis zu 10 cm gross und einem Kilogramm schwer (Riesentomate oder San Marzano) werden kann. Wurde die Pflanze in Europa vorerst noch als Zierpflanze gehalten, so waren die Italiener die ersten, die sie zu Beginn des 18. Jahrhunderts kultiviert und auch gegessen haben. Hierzulande fand der Liebesapfel erst Ende desselben Jahrhunderts den Weg in die Kochtöpfe. Der Anbau jedoch sollte sich noch bis nach dem 2. Weltkrieg verzögern, als Saisonarbeiter aus dem Südosten Europas das notwendige Know-How mitbrachten. Seither ist das rote Gemüse nicht mehr aus der Küche wegzudenken.
Tomaten sind wärmere Klimagegenden gewohnt. Wer schon mal den Versuch gestartet hat, eine Pflanze aufzuziehen, kann ein Lied von der Empfindlichkeit singen. Pilze (etwa die Kraut- oder Braunfäule), Bakterien (z.B. Xanthomonas campestris pv. vesicatoria), Viren, Insekten aber auch Nährstoffmangel, Wind und Stress (Abscisinsäure ABA und Kalzium als Stressboten) verlangen dem Hobbygärtner alles ab. So kann beispielsweise auch unregelmässiges Giessen zu einer Verhärtung der Schale führen (wenn zu wenig Wasser zugeführt wird), diese ist nicht mehr elastisch genug um mitzuwachsen und platzt. Die Pflanze will gehegt und gepflegt, aber auch geliebt werden – ansonsten sollte man besser die Finger von ihr lassen!
Die Tomate ist sehr beliebt, da sie zu 93 % aus Wasser besteht und nur 0,3 % Fett bzw. 2,6 % Zucker beinhaltet, also einen sehr niedrigen Kalorienwert aufweist. Neben den Vitaminen A, B1, B2, B3, C und D beinhaltet sie auch eine Vielzahl an Spurenelementen und Mineralstoffen, die diese Frucht somit unheimlich gesund macht. Das Carotinoid Lycopin wirkt antioxidativ und soll gegen Krebserkrankungen helfen, ist jedoch noch nicht zu 100 % medizinisch geklärt! Kritiker bemängeln, dass auch Beta-Carotin enthalten ist, das zu einem höheren Prostata-Krebs-Risiko führen soll.
2001 wurde die Tomate vom Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) zur Pflanze des Jahres gewählt – mit der Sicherung des Patents auf den Namen der “Tomate” durch den Lebensmittel-Multikonzern Monsanto leider ein Preis, der ad absurdum geführt wird. Insgesamt, so schätzen Experten, wurden bislang rund 5.000 unterschiedliche Züchtungen aufgezogen – die Hälfte davon bekannt und typisiert. Jedes Jahr kommen neue hinzu. Im Vordergrund dieser Bemühungen steht die Resistenz gegen Schädlinge und das mitteleuropäische Wetter, aber auch der Ertrag, die Haltbarkeit und die Fruchtfolge. Und hier will Monsanto den Gärtnern und Bauern nur die eine, die Monsanto-Tomate aufdrücken. Alle anderen Sorten, wie beispielsweise die sehr geschmacksintensive Andentomate, aber auch hunderte andere, alte Sorten sind zum Aussterben verurteilt. Beisst der Verbraucher heute voller Vorfreude in diese Zauberfrucht, so muss er meist feststellen, dass sie nach gar nichts schmeckt. Den Konzernen geht es vielmehr darum, die Länge des Transportweges von den Anbauländern Italien, Spanien und Griechenland in die Märkte Deutschland, Österreich und die Schweiz zu überbrücken. Das jedoch leider auf Kosten des Geschmacks. In früheren Zeiten pendelte ich berufsbedingt recht häufig zwischen Nord- und Südtirol. Ein Pflichtstopp am Brenner war – neben der besten Pasti zwischen Meran und Hamburg kurz vor dem Brennerpass – auch beim Obst- und Gemüsehändler direkt am Pass eingeplant. Er verkaufte die typischen italienischen Tomaten, die in nördlicheren Gefilden aufgrund ihres Aussehens wohl nur ganz selten in die Einkaufstasche finden. Dabei ergoss sich beim Hineinbeissen ein geschmacklicher Hochgenuss, der zumindest den anderen Namen der Tomate als gerechtfertigt erscheinen lässt: Paradeiser – abgewandelt vom alten “Paradeis-” bzw. “Paradiesapfel”. Ein Resultat des Zucker- und Säuregehalts. Diesen Geschmack kann man bei den kugelförmigen Tomaten aus dem Supermarkt leider nur erahnen.

https://www.youtube.com/watch?v=rmIZ23goJuI

Hinzu kommt nämlich, dass etwa die Glashaustomaten niemals auch nur eine Schaufel Erde gesehen haben. Sie wachsen in Nährstofflösungen, verdünntem Meerwasser oder auf Steinwolle auf. Das wiederum wäre den US-Amerikanern ausreichend, denn hier geht es um den Lycopin-Gehalt, also die Farbe der Tomate. Dieses rote Carotinoid entsteht durch den Abbau des Chlorophylls. Untersuchungen zum Lycopin-Gehalt wurden etwa durch die Universitäten Manchester und Newcastle in England durchgeführt. So erhielten 10 Studienteilnehmer der Versuchsgruppe zusätzlich zur täglichen Nahrung 10 Gramm Olivenöl und 55 g Tomatenmark. Die Kontrollgruppe hingegen nur das Olivenöl. Hautproben, die nach 3 Monaten von allen Untersuchungsteilnehmern gezogen wurden ergaben, dass jene Probanden, die auch das Tomatenmark erhielten, einen um 33 % besseren UV-Schutz in der Haut vorweisen konnten als ihre Kollegen. Ausserdem hatten sie wesentlich höhere Werte des Proteins Prokollagen, das sehr wichtig für die Erhaltung der Hautstruktur ist. Dieses Antioxidans Lycopin liegt im rohen Zustand der Tomate gebunden vor, kann somit nur schwer vom Körper verarbeitet werden. Gekocht hingegen ist die Aufnahme durch den Körper um ein Vielfaches grösser. Die Wissenschaftler erklären dieses Ergebnis damit, dass das Lycopin jene freien Radikale neutralisiert, die durch die Sonnen-Bestrahlung der Haut gebildet werden. Auch wenn es sich besonders gut gegen das Altern und Krebsrisiko auswirkt, so ersetzt Tomatenmark dennoch in keinster Weise den Sun-Blogger aus Sonnenschutzprodukten. Übrigens hat eine andere Studie aus den USA nachgewiesen, dass sich Tomaten gut auf den Hormon- und Stoffwechselhaushalt von Frauen nach den Wechseljahren auswirken. An dieser Studie beteiligten sich 70 Frauen. Nach den Wechseljahren steigt für viele Frauen das Risiko an Brustkrebs zu erkranken. Dies reduziert offenbar das Lycopin ebenfalls.
Apropos Glashaus: Nachdem die Tomate ein Vibrationsbestäuber ist, musste dies sehr zeit-, arbeit- und geldaufwendig elektrisch in den Glashäusern geschehen. Erst Mitte der 1980er Jahre entdeckte der belgische Tierarzt und Hobby-Entomologe Roland de Jonghe, dass diese Arbeit die dunklen Erdhummeln mit Vergnügen übernehmen! Das Problem hierbei: Die meist aus der Türkei stammenden Insekten vermischen sich mit den heimischen Hummelarten, die dadurch zugrunde gehen.

https://www.youtube.com/watch?v=R2ZJt-mBn9w

Ist das nicht pervers? Da werden durch den biologischen Anbau alte Tomatensorten wiederentdeckt, durch staatliche Programme gar noch gefördert (in der Schweiz etwa das ProSpecieRara-Programm), im Verkauf auch mehr als 10 Euro pro Kilo einbringen. Monsanto’s Absichten bestehen aber darin, dass nurmehr jene Tomaten angebaut werden dürfen, die aus eigener Herstellung, sprich Monsanto-Samen stammen. Mit der Zuerkennung des europäischen Patents für die sogenannte „Schrumpeltomate“ (geringeren Wassergehalt) und dem „Super-Brokkoli“ müssten somit alle anderen Sorten umbenannt werden, da ein Urheberrechtsstreit sehr teuer werden kann. Wird dabei bedacht, dass jeder Deutsche im Durchschnitt 22 kg Tomaten pro Jahr verzehrt, so ist dies als ein riesiges Geschäft anzusehen. Der weltgrösse Tomatenproduzent übrigens ist mit 31 Mio Tonnen China. Das Patent, das vom Europäischen Patentamt in München in diesem März bestätigt wurde, betrifft alle normal-gezüchteten Tomaten mit weniger Kernen (EP1026942).

EP1026942 21.09.2000
EP-Veröffentlichungsnummer 1026942
Titel SAMENLOSE TOMATEN UND VERFAHREN ZU IHRER HERSTELLUNG
Anmelder Seminis Vegetable Seeds, Inc., Saticoy, Calif., US
Erfinder HEATH, A., Douglas, Rocklin, US
Vertreter derzeit kein Vertreter bestellt
Vertragsstaaten DE, ES, FR, GB, IT, NL, PT
Sprache des Dokument EN
EP-Anmeldetag 23.10.1998
EP-Aktenzeichen 989550751
WO-Anmeldetag 23.10.1998
PCT-Aktenzeichen US9822474
WO-Veröffentlichungsnummer 9921411
EP-Offenlegungsdatum 16.08.2000
Veröffentlichungstag im Patentblatt 21.09.2000
IPC-Hauptklasse A01H 1/04
IPC-Nebenklasse A01H 1/02 A01H 5/00
(Quelle: http://www.patent-de.com)

Werden solche Pflanzen beispielsweise von einem Biobauern gezüchtet und auf dem Bauernmarkt als Tomaten verkauft, kann Monsanto wegen Patentrechtsverletzung klagen – der Bauer ist ruiniert! Interessensvertretungen, Umweltorganisationen, Globalisierungsgegner uvam. laufen Sturm gegen diese Entscheidung. So meint der Patent-Berater von Greenpeace, Christoph Then:

“Konzerne wie Monsanto, Syngenta und Dupont werden dann in Europa darüber bestimmen, was angebaut wird, welche Lebensmittel in den Handel kommen und was sie kosten.”

Schon jetzt besitzt der US-Riese Monsanto einen weltweiten Marktanteil von 25 % auf Saatgut! Die meisten bisher erteilten Bio-Patente wurden von Monsanto beantragt. Der Konzern zahlt ja auch gut dafür!!! Bereits im Jahre 2010 hatte allerdings das Patentgericht entschieden, dass Züchtungen von Pflanzen und Tieren nicht patentiert werden dürfen. Der damalige Anlassfall war Broccoli, das ebenfalls wie die Tomaten im März dieses Jahres zugunsten Monsantos die Grosse Beschwerdekammer des EPAs passierte (EPA G2 / 12 und G2 /13). Das juristisch Gefinkelte besteht im Züchtungsverfahren – nicht im Endprodukt! Deshalb dürfen auch künftig Tiere, Pflanzen und Lebensmittel patentrechtlich geschützt werden, das Züchtungsverfahren hingegen nicht! Diese Erkenntnis widerspricht der geltenden Rechtslage des Patentierungsverbotes! Welch ein Humbug! Die deutsche Bundesregierung, alle im Bundestag vertretenen Parteien, die katholische Kirche, die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (ABL), der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), der Verband Katholisches Landvolk, der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sowie der Naturschutzbund (NABU) und viele anderen Gruppierungen haben sich gegen derartige Patente auf Tiere und Pflanzen ausgesprochen. Das war vor 5 Jahren – getan hat sich freilich seither nicht viel. Inzwischen bestehen nicht weniger als 2.400 Pflanzen- und 1.400 Tierpatente. Auch ethisch mehr als bedenklich, wird doch ein Tier dadurch zu einer Erfindung, einer Sache, einem Ding! Im deutschen Bundesjustizministerium hiess es bis zuletzt, man wollte diese Entscheidung des EPA abwarten. Ein Schelm, wer glaubt, dass sich nun etwas ändern wird, obwohl dieses Patentierungsverbot auf konventionelle Züchtung eigentlich im Koalitionsvertrag der deutschen Regierung enthalten wäre! Der Aufschrei im Nachhinein, sicherlich mit den noch restriktiveren Bestimmungen des TTIPs, wird entsprechend gross sein.
Die Folge dieser immens wichtigen Bio-Patent-Fehlentscheidungen trifft vielleicht nicht unbedingt die industrialisierte Welt – die Staaten der Dritten Welt hingegen umso heftiger, da dort die Preise für Saatgut, für das Produkt und den Handel damit bereits angezogen haben. Hier kommt es zu dem vorhin zitierten Preisdiktat. Zu welchen Ausmaßen dies führt, recherchierte die Initiative „Kein Patent auf Leben!“ für das Jahr 2010:

Über 250 Patent-Anmeldungen auf gentechnisch veränderte Pflanzen
Weitere 100 Patentanträge auf Pflanzen, die ohne Gentechnik gezüchtet werden
Anmeldung von 25 Tierzucht-Patenten
Etwa 200 Patente auf Saatgut mit und ohne Gentechnik wurden 2010 vom Europäischen Patentamt erteilt

Die Folge des Ganzen: Eine Monopolisierung in der Landwirtschaft, über die ich an dieser Stelle schon ausführlich berichtet habe. Samen für andere Sorten sind nicht mehr erhältlich, diese sterben nach und nach aus. Übrig bleiben nur die Produkte der multinationalen Konzerne! Ist das die Richtung, in die wir tatsächlich möchten???
Hierzu nochmals der Koordinator des Bündnisses “Keine Patente auf Saatgut!”, Christoph Then:

„Konzerne dürfen kein Monopol auf Sonnenlicht, Luft oder Wasser haben und ebenso wenig auf die Grundlagen der Landwirtschaft und Lebensmittelherstellung.“

PS:
Noch ein Wort zur Lagerung – bitte nicht im Kühlschrank (die Tomate verliert an Geschmack) oder bei anderem Obst oder Gemüse, da die Tomate Ethen ausscheidet, das andere Früchte schneller reifen lässt! Übrigens sind auch matschige Tomaten noch geniessbar. Doch bitte – nur soviel kaufen, wie Sie auch aufbrauchen!

Lesetipps:

.) Das grosse Buch der Tomaten; Andres Sprecher und Markus Dlouhy (Fotograf):; Fona Verlag, Lenzburg 2010
.) Tomaten 2: 208 Historische Tomaten und Wildsorten; Adelheid Coirazza: Formosa-Verlag, Witten 2014
.) Das Pflanzenreich, Hausschatz des Wissens; Karl Schumann, Ernst Gilg; Verlag von J. Neumann, Neudamm, um 1900

Links:

http://www.tomaten.de/

http://www.zentrum-der-gesundheit.de

http://www.tomaten-atlas.de

http://www.tomatenadel.de

http://www.tomatenundanderes.at/

http://www.giftpflanzen.com

http://www.pflanzenforschung.de

http://www.gentechnikfreie-saat.org

https://no-patents-on-seeds.org

http://www.patent-de.com

http://www.umweltinstitut.org

http://www.manufactum.de

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