Archive for November, 2015

Shoppen am Sonntag

Während meiner Studienzeit in Innsbruck lernte ich ein Mädchen kennen. Sie war in der Filiale einer grossen Tiroler Einzelhandelskette angestellt. Als wir so in’s Gespräch kamen, meinte sie u.a., dass sie auch am Samstag im Geschäft sei. Die dadurch entstehenden Überstunden müsse sie durch eine Ausdehnung der Mittagspause als Zeitausgleich konsumieren. Da sie als Pendlerin mit den Öffis unterwegs war, lohnte es sich auch nicht, nach Hause zu fahren. Wir verbrachten dann moeglichst viele ihrer langen Mittagspausen zusammen (natürlich Essen in der Mensa und so – was dachten Sie denn???) – als Student konnte ich es mir ja einrichten!
Damals wurden mehr Arbeitsplätze durch die Öffnung der Geschäfte auch am Samstag-Nachmittag versprochen. Ein fataler Trugschluss, wie sich später herausstellte. Meist wurde eine Angestellte/ein Angestellter unter der Woche abgezogen, der/die dann am Samstag Nachmittag Dienst schieben durfte. Oder es sind geringfügige Arbeitsplätze vergeben worden: Schlecht bezahlt und keinerlei Beiträge für die Sozialversicherungen, den Fiskus und die Arbeitnehmervertretungen. Für die Familie mehr als unangenehm, schliesslich arbeiten ja Partner bzw. Bekannte unter der Woche, die Kinder sind in der Schule. Am Samstag werden in vielen Familien nach wie vor die eigenen vier Wände oder der Garten auf Vordermann gebracht. Helfen da Mann und Kinder in einem solchen Fall nicht mit, bleibt alles liegen. Somit ist der Sonntag der letzte Tag, den man mit der Familie noch hat um den Rest an Freizeit zu geniessen. Jetzt hingegen fordern die Besserwisser, die Geschäfte auch am Sonntag geöffnet zu halten. Ein Nonsens ohne gleichen, der den Angestellten nurmehr zum Arbeitstier degradiert und ihm viel an Lebensqualität kostet. Jene Männer und Frauen, deren Partner in der Gastronomie/Hotellerie beschäftigt sind, können durchaus ein Lied davon singen.
Die Berufswelt ist einem ständigen Wandel unterworfen. Wurde früher noch bis zum Umfallen geschuftet, so fordert die Generation Z jetzt auch mehr Freizeit, in welcher sie ihrem Chef nicht zur Verfügung steht. In Zeiten des Burn Outs und der zunehmenden Depressionen kommt dem Chillen immer mehr Bedeutung zu. Ist auch gut so, schliesslich ist das Leben wertvoll und v.a.: Man hat nur eines davon! Wurde bislang bei allen Tarif- bzw. Kollektiv-Gesprächen um jede Koma-Stelle bei Lohnerhöhungen gestritten, so steht auch hier vermehrt die Freizeit im Mittelpunkt. Anstatt der Lohnerhöhung bieten immer mehr Industriebetriebe eine Woche mehr Urlaub an – mit Erfolg. Tarif- oder Kollektiv-Verträge dürfen nicht umgangen werden. Deshalb können die Angestellten zuvor abstimmen. In jenen Betrieben, in welchen diese Möglichkeit geboten wird, wird sie in den überwiegenden Fällen auch dankend angenommen, schliesslich frisst ohnedies die Inflation bzw. die kalte Progression die 2-3 % Brutto-Erhöhung wieder auf. Bei der Konsumierung des Urlaubs hingegen kann flexibel reagiert werden – bringt somit den Arbeitnehmern UND ihren Chefs wesentlich mehr.
Auch im Einzelhandel, wo derzeit wieder einmal bis zum Abwinken über die Sonntagsöffnungen gestritten wird! Diese sind an sich in Deutschland und Österreich gesetzlich verboten. Niedergeschrieben in den Ladenschluss- und -öffnungsgesetzen der Dt. Bundesländer und schweizerischen Kantonen – im Alpenstaat Österreich in der Obhut des Bundes. In allen drei genannten Ländern ist dies ein Verbotsgesetz, kein Gebotsgesetz! Allerdings gibt es Ausnahmen von dieser Regelung:
In Wien etwa dürfen Handeslbetriebe Montag bis Freitag von 06.00 bis 21.00 Uhr und am Samstag bis 18.00 Uhr geöffnet haben – ausgenommen davon sind Geschäfte am Bahnhof und Flughafen sowie Souvenir- und Süsswarengeschäfte, die nicht grösser als 80 qm sind. Für Konditoreien gelten diese Grössenbestimmungen jedoch nicht. Ganz einfach ist die Regelung allerdings zu umgehen, wenn ein Gastgewerbe angemeldet wurde. Zumindest ein Stehtisch und der Verkauf von Getränken und Speisen öffnen die Pforten bis 24.00 Uhr – an sieben Tagen die Woche. In Deutschland sind dies die sog. “Wasserhäuschen” oder “Trinkhallen”. Ich jedoch vertrete durchaus die Meinung, dass niemand damit überfordert ist, vorauszudenken und dabei zu beachten, dass die Geschäfte am Sonntag geschlossen sind. Wird auch als “Planung” bezeichnet, die von jedem zudem im Arbeitsalltag gefordert wird. Oder anders formuliert: Würden sich all jene, die am Sonntag einkaufen möchten, auch selbst an diesem Tag an die Kasse setzen oder hinter’m Tresen stehen?
Ein Mindestmaß an Freizeit sollte erhalten bleiben, sodass – sollte es tatsächlich mal etwas später geworden sein – am nächsten Tag ausgeschlafen werden kann, ohne dass der Chef berechtigterweise seinen Kommentar dazu abgibt. Wie viele Menschen gehen unter der Woche in’s Theater, ein Konzert oder zum Fussball? Diese Meinung vertritt auch die Bundessparte Handel in der Österreichischen Wirtschaftskammer. Allerdings ist es gut, Ausnahmen zuzulassen, damit etwa in Tourismusorten noch rasch eingekauft werden kann, wenn die Anreise am Sonntag erfolgt ist. Derartige Ausnahmen verfügen in Österreich die Landesregierungen. All dies kann nachgelesen werden im Öffnungszeitengesetz 2003 in der jeweils aktuellen Novelle. Bestätigt wird die Ansicht auch in einem Spruch des Verfassungsgerichtshofes am 12. Juli 2012, der die Freiheit der Erwerbsausübung (Art. 6 StGG) dem Schutz des Verbrauchers, das Ziel der Wettbewerbsordnung und die sozial- und familienpolitische Funktion des Wochenendes gegenüber stellte. Es gehe ganz prinzipiell darum, das Ausmass der Erbringung von Dienstleistungen am Sonntag zu reduzieren. Auch in Deutschland liegen die Ladenschlusszeiten bei den Ländern. An vier Sonntagen im Jahr ist es zudem möglich, die Pforten zu öffnen (Brandenburg sechs und Berlin zehn). Ansonsten gelten zwischen Berchtesgaden und Flensburg dieselben Ausnahmen wie in Österreich.
Nicht, dass Sie mich jetzt falsch verstehen: Ich habe unter der Voraussetzung nichts gegen die Sonn- und Feiertagsöffnung, wenn genügend Personal da ist, um diese zusätzlichen Öffnungen zu bewältigen. Selten steht ein Geschäftsführer am Wochenende selbst an der Kasse – wenn ja um sich dadurch den 100 %-igen Gehaltszuschlag einsparen zu können. In Schweden etwa gibt’s einen Supermarkt, der nur am Heiligen Abend geschlossen hat – ansonsten jeden Tag seine Kunden willkommen heisst! Bei Familienmüttern und -vätern jedoch ist dem mit mehr als grosser Skeosis zu begegnen. Schliesslich kommen auch sie in den Genuss mehrerer Wochenenddienste, da wir alle wissen, dass eine Liberalisierung und somit Ausweitung von Öffnungszeiten nicht immer unbedingt auch mehr Arbeitsplätze bedeutet. Denn – wo spart der geizige Unternehmer am meisten und schnellsten: Beim Personal! Diese Meinung vertritt alsdann die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und betont, dass die Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten speziell in KMUs eindeutig mit einem Mehr an Arbeitszeit für jeden Einzelnen einhergeht. Eine Ungleichbehandlung gegenüber grossen Handelsketten!
Immer wieder beginnt das grosse Wehklagen, wenn die Schulen unter der Woche etwa aufrund der schulautonomen Tage geschlossen haben oder es um den Sinn der Herbstferien geht. Sind beide Eltern in der Arbeit, muss zumindest ein Elternteil Urlaub nehmen, da die Kinder ansonsten unbeaufsichtigt zuhause sind – das entspricht nicht den Erziehungsvorstellungen unserer Legislatur und Judikatur. Arbeiten nun beide Eltern im Gastgewerbe, in der Hotellerie oder dem Handel, muss somit auch am Wochenende gejobbt werden, wie kann dann am Wochenende diesem Erziehungsideal entsprochen werden, wenn ständig die Grosseltern oder Nachbarn auf die Kids aufpassen müssen, dafür die Eltern an einem Wochentag freihaben, wenn der Nachwuchs die Schulbank drückt!? Auch als nichtgebundener Single sind ständige Wochenendsdienste mehr als lästig, da sie das soziale Leben komplett zerstören. Für Eltern rütteln Wochenenddienste an den Grundfesten unseres Staates: Der Familie! Und dabei ist der sonntägliche Kirchgang absichtlich bislang noch gar nicht von mir angesprochen worden.
Die gesamte Problematik ist im perfekten Juristendeutsch (ganz leicht verständlich) im §17 des deutschen Ladenschlussgesetzes enthalten:
Arbeitnehmer in Verkaufsstellen dürfen an Sonn- und Feiertagen beschäftigt sein, höchstens jedoch an 22 davon im Jahr. Zudem muss zumindest ein Sonntag im Monat frei sein. Dabei darf jedoch die Arbeitszeit von vier Stunden nicht überschritten werden. Im Ausgleich dazu ist Zeitausgleich in folgendem Ausmaße zu gewähren: Dauert die Arbeitszeit länger als 3 Stunden – an einem Werktag ab 13.00 Uhr; dauert sie länger als 6 Stunden (beispielsweise in Tarifverträgen mit Wochenendsarbeit), erhält der Angestellte einen ganzen Werktag frei. In ersterem Falle muss jeder zweite Sonntag oder in jeder zweiten Woche ein Nachmittag ab 13.00 Uhr beschäftigungsfrei bleiben. Anstatt am Nachmittag kann auch am Samstag oder Montag-Vormittag bis 14.00 Uhr dieser Zeitausgleich konsumiert werden. Alles klar???!!!
Auf EU-Ebene ist diese Thematik in der europäischen Richtlinie 2003/88/EG, dem Sicherheits- und Gesundheitsschutz bei der Arbeitszeitgestaltung für die Arbeitnehmer (Amtsblatt Nr. L 299 vom 18/11/2003 S. 0009 – 0019) verankert. Im Art. 6 ist von einer Höchstarbeitszeit von 48 h (inkl. Überstunden) pro Woche die Rede – ausser der Arbeitnehmer willigt ein, mehr zu absolvieren. Der Arbeitnehmer hat lt. dieser Richtlinie auch 11 zusammenhängende Ruhestunden pro Tag zur Verfügung (gilt ab einer Arbeitszeit von 6 Stunden). Das beispielsweise sorgt derzeit vornehmlich bei der Ärzteschaft für grosse Not, da Personal fehlt. Nicht angesprochen jedoch wird die Arbeitszeit am Wochenende. Hier verweist die Richtlinie auf die jeweils national gültigen Kollektiv- und Tarifverträge.
In Deutschland trat am 1957 des “Gesetz über den Ladenschluss” in Kraft. Zu Beginn durften die Geschäfte von Montag bis Freitag 07.00 bis 18.30 Uhr geöffnet haben – am Samstag bis 14.00 Uhr. Ausgenommen davon waren Tankstellen, Kioske, Bahnhofsgeschäfte, Apotheken und Gaststätten. Noch im selben Jahr wurde der 1. Samstag im Monat gelockert (“langer Samstag bis 18.00 Uhr”). Die weiteren Novellierungen erfolgten 1960 (Samstage) und 1989 (“langer Donnerstag” bis 20.30 Uhr). Die weiteren Neuerungen fanden 1996 statt: Wochentags 05.00 bis 20.00 Uhr und am Samstag bis 16.00 Uhr, 2004 schliesslich wurde auch der Samstag bis 20.00 Uhr liberalisiert. Vier verkaufsoffene Sonntage konnte jeder Unternehmer im Jahr nutzen, ansonsten besagt § 3 Abs. 1 des Gesetzes über den Ladenschluss, dass die Geschäfte an Sonn- und Feiertagen geschlossen sein müssen. Am 30. Juni 2006 schliesslich ging die Kompetenz an die Länder über. Schenkt man einer GfK-Umfrage aus dem Jahr 2014 Glauben (veröffentlicht in “Die Welt” am 21. Dezember 2014), so haben 63 % der Befragten schon mal am Sonntag eingekauft – allerdings befürwortet nicht mal ein Drittel die Aufhebung des Verkaufsverbotes an Sonntagen.
In Österreich sorgt das Öffnungszeitengesetz 2003 in seiner aktuellen Novelle von 2008 für geregelte Abläufe. An Werktagen können die Geschäfte von 06.00 bis 21.00 Uhr geöffnet haben, an Samstagen bis 18.00 Uhr. Allerdings dürfen 72 Stunden pro Woche an Gesamtöffnungszeit nicht überschritten werden. Sonn- und Feiertags ist geschlossen. Ausnahmen werden durch die Landeshauptleute (Ministerpräsidenten) ausgesprochen. Etwa für Tourismusregionen oder für den Feiertagsverkauf.
In der Schweiz entscheiden die Kantone autonom. Nur das Bundesgesetz über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel muss eingehalten werden. In 16 Kantonen (inkl. Zürich – hier gibt es jedoch keine Beschränkungen) sind die Geschäfte bis zeitweise 22.00 Uhr, am Samstag bis 18.00 Uhr geöffnet. In acht Kantonen gibt es kein Ladenschlussgesetz, in zwei Kantonen wird auf Gemeindeebene entschieden. Die “Sonntagsruhe” ist den Eidgenossen noch heilig, zumindest wird dies vom “Verband Freier Sonntag Schweiz” derart propagiert. Diesem Verband gehören neben den Gewerkschaften, den Kirchen, der linken und christichen Parteien auch die Arbeitsmediziner an.
Im Vergleich dazu Schweden: In diesem skandinavischen Land gibt es seit 1972 keine Ladenschlusszeiten. Nur die Verkaufsräume, die dem Staatlichen Einzelhandesmonopol für alkoholische Getränke (mit mehr als 3,5 vol%) angehören, müssen an Sonn- und Feiertagen geschlossen halten.
Der Bundesverfassungsgerichtshof Karlsruhe kommt in der Beantwortung einer Verfassungsbeschwerde allerdings zur Erkenntnis, dass das Ladenschlussgesetz inzwischen gänzlichst ungeeignet zum Schutz der Arbeitnehmer vor überlangen Arbeitszeiten ist. Inzwischen können in deutschen Landen die meisten Geschäfte bis zu 80 Stunden geöffnet halten. Einerseits sei es unmöglich, dies zu kontrollieren, daneben gebe es dermassen viele Ausnahmeregelungen, die auch extensiv genutzt würden. Und – das “Einkaufen mit Muße” werde immer mehr zu einer Freizeitaktivität mit Erholungswert! Für die Einkaufenden! Für die Angestellten sehen die Branchentarifverträge für den Einzelhandel 37,5 Wochenstunden vor. Damit wirkt sich die Ausweitung mehr als kontraproduktiv auf die Wirtschaft aus, da immer mehr geringfügig eingestellt werden. Stellen sich die Inhaber jedoch selbst hiner den Tresen, so müssen all diese Arbeitszeitregulierungen nicht eingehalten werden! Und – lassen Sie es mich mal so aufzeigen, wie in dem durch die evangelische Kirche in Deutschland in Auftrag gegebene Rechtsgutachten von Prof. Freiherr von Campenhausen zu obigem Fall:

“Das Ruhen der Erwerbstätigkeit am Sonntag ist eine die Gesellschaft seit Jahrhunderten prägende Institution christlicher Kultur.”

Lesetipps:

.) Sonntagsschutz und Ladenschluß; Wolfgang Mosbacher; Duncker & Humblot 2007

Links:

http://eur-lex.europa.eu

http://www.bverfg.de

http://www.gesetze-im-internet.de

http://bundesrecht.juris.de

https://www.muenchen.ihk.de

http://www.wko.at

http://www.ch.ch

http://www.admin.ch

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Können so lange Mann will

Sex ist das intensivste und schönste, was Frau und Mann miteinander haben können – selbstverständlich vorausgesetzt, dass beide es wollen! “Ha – da haben wir’s wieder!”, werden nun einige unter Ihnen meinen, “Mister Intoleranz! Wie sieht’s mit den Gleichgeschlechtlichen aus?” Ja – meinetwegen auch die – jeder so, wie er’s will. Ich heisse ja nicht Putin. Doch so mancher möchte länger und öfter. Was in jungen Jahren zumeist kein wirkliches Problem darstellt (allerdings bereits als solches an Bedeutung immer mehr zunimmt), wird, sobald man etwas älter wird, nicht mehr für jeden so selbstverständlich sein. Deshalb greifen viele – ob Männlein oder Weiblein – zu Mittelchen. Verständlich, denn wer als Mann schon eine unter multiplen Orgasmen bebende Frau oder vielleicht Mit-mehreren-Frauen-gleichzeitig-Sex erlebt hat, weiss wie aussergewöhnlich schön doch das Leben sein kann!
Schon in grauen Vorzeiten verwendeten deshalb jene, die es sich leisten konnten, potenzsteigernde Rezepturen, wie etwa Spanische Fliege, Damiana, Potenzholz, Ginseng und ähnliches. Andere schwörten auf Spargel, Rettich oder Kaviar. Andere Kulturen auf “Horny Goat Weed” (“Geiles Ziegenkraut”) oder gar Bullenhoden oder Haifischflossen. Diese alten Hausmittelchen haben heutzutage nahezu ausgedient. Jetzt bestimmt die chemische Pharmazie, ob, wie lange und wie häufig.

https://www.youtube.com/watch?v=KShkhIXdf1Y

Viagra© ist die wohl bekannteste Pille für den Mann. Nachdem die ersten Patente bereits ausgelaufen sind (Viagra© etwa 2013), wird fleissig an anderen Pillen gebastelt, ausgetestet und geforscht. Alleine in Deutschland sind seither rund 20 neue Generika in diesem Bereich zugelassen worden. Vor allem auch, um bisherige, etwaige Nebenwirkungen aus der Welt zu schaffen, was jedoch auch den Nachmachern nicht wirklich gelungen ist. Der Markt für Potenzmittel ist milliardenschwer. In den USA wird beispielsweise das Viagra© über 100.000 mal verschrieben – jede Woche (der Schwarzmarkt dafür blüht zudem!). In Österreich waren 2014 nur rund 35 % der ärztlich verordneten Potenzmittel mit dem Viagra-Wirkstoff Sildenafil Generika – in vielen anderen Staaten sind es bereits bis zu 80 %. Könnte die Quote um zehn Prozent erhöht werden, würde dadurch das alpenländische Gesundheitssystem um nicht weniger als 256 Millionen Euro entlastet werden (Quelle: IMS Health Austria). Diese Zahlen verdeutlichen durchaus, dass auch ein gesunder Lebensstil in den Bergen dem Soldaten nicht beim Aufstellen hilft! In deutschen Landen haben sich die Verkaufszahlen der Sildenafil-Produkte seit dem Fall der Patentrechte verdreifacht (Quelle: Bundesverband Deutscher Urologen)!
Männer ab 40 haben’s schwer: Je älter jeMannd wird, umso diffiziler wird’s mit der Libido. Nur wenige haben dabei die Möglichkeit, immer wieder auf neue, knackige Zwanzigjährige zurückzugreifen, die einem darüber hinweghelfen können. Studien beziffern diese erektilen Probleme mit rund 50 % der 40- bis 70-jährigen, die öfter mal hängen gelassen werden. Es muss nicht mal eine erektile Dysfunktion sein. Bei dieser speziellen Störung reicht die Erektion nicht zum Geschlechtsverkehr oder der Kleine wird währenddessen müde. So ganz nebenbei – haben Sie gewusst, dass im Penis ein Druck von 120 bis 140 Zentimeter Wassersäule vonnöten ist, damit er in eine Vagina eindringen kann? Im Vergleich dazu sind die 2,2 bar Reifendruck bei meinem Auto umgerechnet 2243 cm H2O-Säule (bei 4 °C)!
So sieht’s normalerweise aus: Wird das Gehirn des Mannes sexuell stimuliert, wird im Penis der Botenstoff Cyclisches Guanosinmonophosphat (cGMP) produziert, der für eine Entspannung der Muskulatur und für die vermehrte Durchblutung im Schwellkörper sorgt. Parallel dazu verengen sich die Venen, sodass weniger Blut wieder zurückfliessen kann. Der Penis wird steif. Nach der Ejakulation bewirkt das Enzym Phosphodiesterase-5 wieder den Blutrückfluss – das gute Stück erschlafft! Bei manchen funktioniert dies nicht mehr richtig. vor allem mit zunehmendem Lebensalter. Eine Ursache dafür könnte jedoch auch eine zunehmende Verstopfung der Blutgefässe sein. Ist dies der Fall, so wird der Betroffene in den nächsten vier bis acht Jahren einen Schlaganfall erleiden, warnen Urologen. Trotzdem will so manch Einer mit den Jungen jederzeit mithalten können. Schliesslich ist es Labsal auf der Seele eines jeden geschundenen Rammlers, wenn er unter den Frauen gelobt wird, wie gut er doch im Bett ist.

https://www.youtube.com/watch?v=qR2sEVS5ubc

Deshalb war die Zulassung von Viagra© durch die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA am 27. März 1998 für viele wie ein zweites Mal geboren zu werden – in eine andere, eine bessere Welt. Dieser Phosphodiesterase-5-Hemmer muss rund eine Stunde vor dem Sex eingenommen werden. Die kleine Pille enthält den Wirkstoff Sildenafil, der eigentlich gegen Herzmuskelschwäche eingesetzt werden sollte. Doch wurde bei den männlichen Testpersonen eine langanhaltende und ausserordentliche Erektion festgestellt. Des Rätsels Lösung: Die Blutgefässe im Penis werden erweitert, das Enzym, das für den Blutrückfluss verantwortlich ist, wird abgeschwächt bzw. zeitlich komplett ausser Funktion gesetzt. Die Wirkung beginnt rund 25 Minuten nach der Einnahme und kann bis zu 4 Stunden andauern. Viagra© ist jedoch bei Herzproblemen oder im Zusammenwirken mit anderen Arzneimitteln (Ohnmacht oder Schockzustand bei Herzmitteln, die Nitrate oder NO-Donatoren beinhalten) brandgefährlich. Zudem können Kopfschmerzen und Sehstörungen auftreten. In den USA verstarben bereits über 20 Personen nach der Einnahme von Viagra©. Deshalb ist die eingehende Beratung beim Arzt unbedingt vonnöten. Übrigens kann auch die kleine blaue Pille mal nicht helfen: Fettreiche Nahrung zuvor (Fast Food, Pizza,…), zu viel Alkohol, Stress, Müdigkeit oder Erschöpfung und auch erhöhte Blutfettwerte erschweren die Aufnahme des Wirkstoffes.
Cialis© beginnt bereits nach 16 Minuten und kann bis zu 24 Stunden seinen Mann stehen. Es enthält den Wirkstoff Tadalafil. Ebenso wie das vorhergehende Produkt ist Cialis© ein PDE-5-Hemmer, der ausserdem die Blutgefässe im Penis erweitert. Einige Testpersonen beklagten sich über Sodbrennen oder Kopfschmerzen. Auch hier besteht eine gefährliche Intoleranz mit Herzmitteln, die auf Nitratbasis aufbauen.
Levitra© ist der dritte dieser PDE-5-Hemmer mit dem Wirkstoff Vardenafil. Es funktioniert wie die beiden vorhergehenden Präparate. Allerdings wurden auch Übelkeit, Schwindel, Schnupfen und etwa Verdauungsstörungen als Nebenwirkungen festgestellt.
Uprima© arbeitet bereits nach 10 bis 20 Minuten im Gehirn. Also – eine komplett andere Vorgehensweise als die Konkurrenten. Zwar kommt es nicht wie bei den anderen zu Kontraindikationen mit Herz- oder Blutdruck-Mitteln, jedoch sollte trotzdem die Anwendung mit einem Mediziner besprochen werden. Der Wirkstoff heisst Apomorphinhydrochlorid.
Der Vor- oder Nachteil dieser Mittel (je nachdem wie Sie’s haben wollen) bestand in der Rezeptpflicht und dem Preis (10 bis 18,- € pro Tablette) – die Preise haben sich nach dem Fall des Patentrechtes inzwischen geviertelt! Experten betonen, dass derartige Pillen Medikamente sind – keine Potenzmittel, die Mann mal kurz an den Kumpel weitergeben kann. Die Zeitschrift ÖKO-Test überprüfte auch die rezeptfreien Präparate (bei einem solchen Test wäre ich auch mal gerne Testperson!): Vollkommen gleichgültig ob diese nun “Lebenskraft-Kapseln”, “Voodoo-Ekstase”, “Liebes-Cocktail” oder “Sex-fix prompt” heissen – die Wirkung ist zumeist wenn überhaupt nur von kurzer Dauer. Deshalb ein aufrecht stehender Tipp von mir: Lassen Sie sich vom Urologen beraten! Schliesslich kann hinter einer tatsächlichen Erektilen Dysfunktion eine organische Erkrankung wie Arteriosklerose, Diabetes, Bluthochdruck oder eine andere Herz-Kreislauferkrankung stecken. Auch Medikamente wie Betablocker oder Antidepressiva können den Kopf schon mal hängen lassen. Stress, Depressionen oder die Angst zu versagen tragen noch das Ihre dazu bei. Ist die Ursache bekannt, wird vielleicht gar kein Potenzmittelchen mehr benötigt, da sich das Problem von selbst gelöst hat.
Seit diesem Herbst ziert auch die Lust-Pille für die Frau das Apothekerregal. Flibanserin, eine rosarote (na klar!) Pille, ist vor allem für jene Frauen gedacht, die unter dem sog. “Hypoactive Sexual Desire Disorder” (HDSS) leiden. Das soll bei rund 8 bis 14 % der US-amerikanischen Frauen zwischen 20 und 49-Jahren der Fall sein. Gilt jedoch als umstritten, da Experten wie etwa Ray Moynihan in der Sexualstörung der Frau eine Geschäftemacherei und somit Erfindung der Pharma-Konzerne sehen. Ähnlich wie bei Viagra© wurde der Wirkstoff eigentlich mit einem anderen Ziel ausgetestet: Als Antidepressivum! Flibanserin wirkt nämlich auf die Neurotransmitter Serotonin und Dopamin – bekannt als “Glückshormone”. “Addyi” – wie die Pille in den USA heisst – soll täglich eingeworfen werden. Als Nebenwirkungen können allerdings auch hier Übelkeit und Schwindel auftreten, zudem wurden Fälle der Erschöpfung und Schläfrigkeit beobachtet. Nicht von schlechten Eltern sind alsdann die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Alkohol: Abfall des Blutdrucks bis hin zu Ohnmachtsanfällen. Deshalb rät die FDA in der Zulassung sogar dazu, das Mittel wenn dann als “Betthupferl” zu nehmen, also kurz vor dem Schlafengehen.
Die Deutsche Gesellschaft für Sexualmedizin empfiehlt, die Flaute im Bett auf andere Art zu bekämpfen (Vorsitzender Uwe Hartmann im Nachrichtenmagazin “Spiegel”). Psychologisch etwa, indem der Gedanke an eine Erektion weit weg geschoben wird. Paare können entdecken, was ihnen im Bett ansonsten noch Spass macht. Das hat schon so manch Einem über anfängliche Probleme beim Turmbau zu Babel hinweggeholfen. Und ausserdem: Die meisten nicht rezeptpflichtigen Mittel bauen auf dem Placebo-Effekt auf: Keine oder nur geringe Wirkung, dennoch wirkt es, da ich es mir ja erwarte!
Glaubt man einschlägigen Studien so leiden in Deutschland zwischen 6-8 Mio Männer unter Impotenz oder erektilen Störungen, jeder dritte Mann und jede zweite Frau unter sexuellen Problemen. Tendenz steigend! Ursachen gibt es viele. Die unmittelbar einhergehenden Partnerschaftsprobleme sollten ebenso wie die Folgewirkungen mehr als ernst genommen werden. Das Thema muss auf jeden Fall enttabuisiert werden, sodass zumindest beim Arztbesuch offen darüber gesprochen werden kann. Das machen derzeit nur 20-30 % der betroffenen Patienten und Ärzte. Mittelchen kosten viel Geld, können unter Umständen krank machen (gilt v.a. für Internetbestellungen) und zeigen meist keine oder nur geringe Wirkung. Sie bekämpfen die Symptome – nicht die Ursachen!
Derzeit schwabbt ein gefährlicher Trend über den Ärmelkanal, der bislang vornehmlich in der Londoner Gay-Szene gefeiert wurde, nun aber auch den Weg auf so manche Hetero-Lustwiese in Good Old Europe findet: “Chem-Sex”! Wird – zugegeben bei dem derzeitigen TV-Programm – auch auf dem Kontinent immer beliebter! Zügelloser, exzessiver Gruppen-Sex, teils bis zu 72 Stunden lang, nach der Einnahme eines Drogencocktails! Crystal Meth, Mephedron, Liquid Ecstasy (GHB) uvam. – harter Stoff der keineswegs verharmlost werden darf. Deshalb besteht hier die grosse Gefahr, dass mir nichts dir nichts eine Abhängigkeit aufkommt (bei Meth kann schon ein einziges Mal ausreichen – siehe den Blog zu diesem Thema). Ausserdem wird bei diesen Sex-Drogen-Orgien meist ungeschützt mit mehreren Partnern verkehrt. Die Folgen: Ungewollte Schwangerschaften, Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten, Hepatitis C bis hin zu HIV. Nicht zu unterschätzen ist auch, dass der Körper für rund 72 Stunden auf Hochleistung läuft – so manches Herz soll das nicht verkraftet haben. Zur Verdeutlichung: Normaler Sex belastet das Herz-Kreislauf-System wie Radfahren in einer 5 %-igen Steigung!

http://www.bbc.co.uk/programmes/b060blkz

Abgesehen von diesem harten Zeugs kamen anno 2013 81 neue Substanzen auf den Markt – innerhalb der letzten 5 Jahre waren es mehr als 250.
Das Robert Koch-Institut verzeichnete im Jahr 2014 einen Anstieg von HIV-Neudiagnosen. Eigentlich würde man denken, dass die Aids-Risiken bekannt sein sollten. Von den 3.525 HIV-Neudiagnosen waren 1.904 männlich (+9 %), die mit anderen Männern verkehrten (MSM). Interessant ist der Anstieg v.a. in ländlichen Regionen und die Korrelation zum steigenden Crystal Meth-Konsum ebendort. Alleine aufgrund derartiger Zahlen sollte wohl jeder selbst Vernunft walten lassen, und Orgien im Drogenrausch meiden! Im Vergleich zur Freien Liebe und dem Haschisch-Konsum der auslaufenden 60er/anfänglichen 70er-Jahre riskiert der Junkie hierbei somit sein Leben (auch ohne ansteckende Krankheiten). Jene, die das Risiko eingehen, haben alsdann auch nicht wirklich (mein) Mitleid verdient! Ausserdem macht es geschützt und ohne Drogen wesentlich mehr Spass, da alle Männer und Frauen wohl wesentlich mehr davon mitbekommen! Oder? Und überhaupt:

“Wenn alle zwei Tage 15 Minuten Sex langweilig werden und wir lebensgefährliche Drogen brauchen um die Alltagssorgen vergessen zu können, dann haben wir ein Problem!”

(David Stewart, London)

Lesetipps:

.) Potenzmittel aus der Natur; Dr. Angela Fetzner; CreateSpace Independent Publishing Platform; 1. Auflage 2015
.) Potenzschwäche! Ich habe fertig! Potenzrezepte und Sexgeheimnisse aus Afrika für Mann und Frau; K.T.N. Len’ssi; Kindle Edition
.) Potenz aus Natur und Apotheke; Werner Esser; Books on Demand 2002
.) Viagra: Neue Potenz für Männer – mehr Lust für Frauen? Das neue Potenzmittel: Anwendung, Risiken, Alternativen, Bezugsquellen; Kurt Skalnik/Christian Langbein; Kiepenheuer & Witsch; Köln 1997

Links:

http://www.isg-info.de

https://www.uniklinikum-dresden.de

https://www.medunigraz.at

http://www.oekotest.de

http://www.floraresearch.com

http://www.chemsexsupport.com

http://www.potenzberatung.com

http://www.urologe-glass.de

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Deutschlands mahnende Stimme ist nicht mehr

Ein trauriger Anlass nötigt mich kurzfirstig umzudisponieren. Im Alter von 96 Jahren ist diese Woche der deutsche Altbundeskanzler Helmut Schmidt verstorben. Er erholte sich nicht mehr von einer Beinoperation (Gefässverschluss) im vergangenen September und soll am Dienstag nach Angabe des behandelnden Arztes, Heiner Greten, in seinem Haus in Hamburg-Langenhorn friedlich eingeschlafen sein.
Auch ich hatte mit ihm einmal zu tun – als ich in den 90ern meine Dienste als selbständiger Chronik-Zulieferer u.a. auch der Zeitung “Die Zeit” angeboten habe. Helmut Schmidt war sich nicht zu schade dafür, mir persönlich darauf zu antworten. Ich halte nicht viele Briefe in Ehren – dieser ist einer davon. Obwohl ich weder Sozialist noch Sozialdemokrat bin!
Die meisten, die diese Zeilen nun lesen und nicht wirklich politisch interessiert sind, werden Helmut Schmidt als im Rollstuhl sitzenden, alternden Kettenraucher kennen, der zu allem lautstark seinen Senf dazu gab.

“In dieser Republik gibt es an so vielen Plätzen Rauchverbote. Ihr glaubt doch wohl nicht, dass ich mich darum schere!”
(Helmut Schmidt)

Seine Kolumne in “Die Zeit” nannte er “Auf eine Zigarette” – niemand erlaubte sich, ihm das Rauchen im öffentlichen Raum zu verbieten. So auch nicht bei der Bambi-Verleihung 2011.
Genau das war das Geheimnis seines Erfolges – er stand zu dem, was er sagte. Und v.a. dachte er nach, bevor er sich äusserte. In der heutigen Polit-Generation nahezu undenkbar! Die grosse Anzahl der Kondulenzwünsche aus allen politischen Couleurs und Ecken dieses Globuses zeigt auf, dass der Altkanzler auch als Denker und Mensch sehr geschätzt wurde. So meinte etwa die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer ersten Reaktion:

“Er war auch für mich eine Instanz, dessen Rat und Urteil mir etwas bedeuteten!”

Ähnliches ist von Bundespräsidenten Joachim Gauck zu hören:

“Wir trauern um einen der bedeutendsten deutschen Politiker der Nachkriegszeit. In seinen öffentlichen Ämtern, ganz besonders als Bundeskanzler, hat Helmut Schmidt Großes geleistet.”

Doch – wer war eigentlich dieser Helmut Schmidt, über den so viele geradezu heroisch sprechen und den sich viele Politiker zum Vorbild machen sollten?!
Am 23. Dezember 1918 als Sohn des Lehrerpaares Gustav Ludwig und Ludovica Schmidt in Hamburg geboren, eckte er bereits als Schüler an. Als der Schülerruderverein, dessen Mitglied er war, 1936 in die Marine-Hitlerjugend eingegliedert wurde, flog er sehr bald aus dieser wieder raus, da er damals schon seine Meinung sagte. Nach dem Abi leistete er zuerst Arbeitsdienst, dann Wehrdienst. Von der Flak-Artillerie in Bremen über das Oberkommando der Luftwaffe, dem Reichsluftfahrtministerium bis zur Ost- und Westfront – Schmidt lernte den Krieg in all seinen Facetten kennen. Nach der Leningrader Blockade erhielt er gar das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Als der junge Hamburger jedoch abkommandiert als Zuschauer den Schauprozess gegen die Hitler-Attentäter mitverfolgen musste, vollzog sich eine Wende in seinem Denken. Zu Beginn des letzten Kriegsjahres kritisierte er während einer Übung Reichsfeldmarschall Hermann Göring und sollte deshalb vor Gericht gestellt werden. Zwei Wehrmachtsgeneräle verhinderten dies, indem sie ihn durch ständige Versetzungen dem Zugriff entzogen. Nach vier Monaten britischer Kriegsgefangenschaft in einem belgischen Lager begann Helmut Schmidt in Hamburg mit dem Studium der Volkswirtschaftslehre und der Staatswissenschaft. In diesen Jahren engagierte er sich auch im Sozialistischen Deutschen Studentenbund, in welchem er 1947/48 den Vorsitz übernahm. Nach seinem Diplom arbeitete er in der Hamburger Behörde für Wirtschaft und Verkehr. In der Funktion des Innen-Senators erlangte Schmidt im Jahr der Hamburger Sturmflut 1962 als Krisenmanager grosse Anerkennung in ganz Deutschland. Er organisierte die Massnahmen vorort und koordinierte die Rettungskräfte, das THW, den Katastrophenschutz und unbürokratisch auch die NATO und die Deutsche Bundeswehr.
Das Amt, das ihm nach eigenen Aussagen am meisten Spass bereitete, der Vorsitz der SPD-Bundestagsfraktion, belegte er mit kurzer Unterbrechung von 1966 bis 1969, danach wechselte er als Minister in das Verteidigungsressort. 1972 übernahm die “Schmidt-Schnauze” (diesen Spitznamen hatte er seinen Rededuellen mit Franz-Josef Strauss zu verdanken) auch interimistisch das Bundesministerium für Wirtschaft und Finanzen, das er schliesslich bis 1974 leitete. In diesem Jahr trat Willy Brandt aufgrund der Guillaume-Affäre zurück. Schmidt soll Willy Brandt damals angeschrien haben, dass ein Kanzler wegen derartiger Lapalien nicht zurücktrete. Er wollte als dessen logischer Nachfolger das Amt nicht unter diesen Voraussetzungen. Am 16. Mai wählte der Bundestag trozdem mit 267 Ja-Stimmen (von 493 – 2 weniger als Willy Brandt zwei Jahre zuvor) den Hamburger zum neuen Bundeskanzler. In Amt und Würden bis 1982 war die Zeit durch die hohe Staatsverschuldung, den vielen Arbeitslosen durch die Wirtschaftsrezession, den Ölkrisen und dem “Deutschen Herbst”, der Mordgier der RAF-Terroristen geprägt. Ob die Entführung der Lufthansa-Maschine “Landshut” 1977 nach Mogadischu, die anschliessenden Selbstmorde von Stammheim oder auch die Entführung und Ermordung des Arbeitgeber-Präsidenten Hanns Martin Schleyer (nachzulesen im Blog zur RAF-Geschichte an dieser Stelle). Auch der Kanzler selbst stand ganz oben auf der Entführungsliste der Roten Armee Fraktion. Für den Fall der Fälle hatten er und seine geliebte Frau Loki einen Vertrag unterzeichnet, dass keinerlei Deals eingegangen werden, sollte einer der beiden entführt werden. Dieser Kontrakt lag weggesperrt im Bundeskanzleramt im Tresor. Zeigte sich Schmidt bei der Entführung von Peter Lorenz 1975 noch verhandlungsbereit, so machte er danach eine 180-Grad-Wende. In einem späteren Gespräch bezeichnete Schmidt den Links-Terrosimus als “existentiell bedrückend”. Ohne wenn und aber, mit allen Mitteln, die möglich waren, ging der Kanzler gegen die mordenden, selbsternannten Weltverbesserer vor. Dies verzieh ihm allen voran die Witwe Schleyers bis zuletzt nicht. Trotzdem wurde dem Hanseaten 2013 der Hanns Martin Schleyer-Preis für “hervorragende Verdienste um die Festigung und Förderung der Grundlagen eines freiheitlichen Gemeinwesens” zuerkannt.
Während seiner Amtszeit als Bundeskanzler wurden zudem gemeinsam mit seinem französischen Amtskollegen Valéry Giscard d’Estaing viele europäische Projekte initiiert – etwa der Europäische Rat, das Europäische Währungssystem. Der Weltwirtwschaftsgipfel der G7 geht ebenfalls auf den Verstorbenen zurück.

https://www.youtube.com/watch?v=xWqBK6mdMEE

Die Person Helmut Schmidt polarisierte, wie kaum eine andere zuvor. Nach aussen hin wirkte er unnahbar, ja arrogant. So soll er einst gesagt haben:

“Was ich gesagt habe, ist gesagt worden!”
(Helmut Schmidt nach Überlieferung seines Biographen Hans-Joachim Noack)

Wenn sich das bloss heutzutage nur die meisten Volksvertreter auch als Bildschirmschoner auf ihren Laptops und Tablets eintragen würden!
Hinter den Kulissen pflegte er sehr intensiv teils unglaubliche Freundschaften, wie etwa jene zum französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d’Estaing, dem ehemaligen US-amerikanischen Aussenminister Henry Kissinger, dem später ermordeten ägyptischen Staatspräsidenten Anwar al Sadat, dem Wirtschaftsphilosophen Sir Karl Popper oder die zu seinem politischen Gegner Rainer Barzel, dessen Trauerrede Schmidt im Jahr 2006 im Bundestag hielt.

“Er war der beste Kanzler, den Deutschland gekannt hat seit Konrad Adenauer. Er hat die äußere Würde seines großen Landes wiederhergestellt. (…) Dank seines Realismus’ und seines Respekts für andere konnten wir gemeinsam das goldene Zeitalter zwischen Frankreich und Deutschland schaffen.”

(Valéry Giscard d’Estaing gegenüber “Die Zeit”)

Der Altkanzler selbst war ein Perfektionist mit tiefsinnigem Weitblick. In einem Interview mit dem SWR soll er einst sinngemäss gesagt haben:

Einigkeit, Brüderlichkeit und Freiheit – ist ja gut und schön. Aber wenn die Verantwortung fehlt, fehlt das Wichtigste!

So stiess etwa der “NATO-Doppelbeschluss” auf erbitterte Krtik auch aus der eigenen Partei. Dieser erlaubte es der NATO, Mittelstreckenraketen in Deutschland zu stationieren, gleichzeitig aber musste mit der Sowjetunion vereinbart werden, dass beide Seiten derartige Raketen nicht einsetzen werden. Der Beschluss sollte zum Fallbeil für Schmidts politische Karriere werden, auch wenn offiziell seine Wirtschafts- und Sozialpolitik dafür verantwortlich gemacht wird. Nachdem im September 1982 alle Minister des Koalitionspartners FDP (darunter auch Hans-Dietrich Genscher und Otto Graf Lambsdorff) ihre Ämter zurücklegten, unterlag Schmidt am 01. Oktober 1982 einem Misstrauensvotum der Union sowie grossen Teilen der FDP und wurde vom CDU-Mann Helmut Kohl abgelöst. Die Regierung Kohl (so nebenbei erwähnt) führte Schmidts Sicherheitspolitik fort. Am 10. September 1986 hielt der Altkanzler seine Abschiedsrede als Abgeordneter im Bundestag.
Drei Jahre zuvor übernahm er als Mitherausgeber die Wochenzeitung “Die Zeit”, die er interimsmässig immer wieder auch als Verleger und Geschäftsführer leitete. Ehrenbürger zahlreicher Städte, u.a. natürlich Hamburg, dann jedoch auch Bonn und Berlin, erhielt der Verstorbene nicht weniger als 24 Ehrendoktortitel, darunter jene von Oxford und Cambridge, der Pariser Sorbonne und der amerikanischen Harvard-University. In seinen Publikationen dreht sich vieles um Moral, Ethos und Philosophie. Diese drei Attribute hielt er alsdann auch bei “seiner” Zeitung hoch!
Mit der Kirche hatte es sich Helmut Schmidt spätestens im Jahr 2007 verscherzt. Einerseits meinte er bei Maischberger im deutschen Fernsehen, dass er Gott nicht mehr vertrauen könne, da dieser Auschwitz zugelassen habe.

http://mediathek.daserste.de/Menschen-bei-Maischberger/Zum-Tode-von-Helmut-Schmidt-Helmut-Schm/Das-Erste/Video?documentId=31583608&topRessort&bcastId=311210

Andererseits hielt der Altkanzler auf Einladung des Präsidenten der Stiftung Weltethos, Hans Küng, die 7. Weltethosrede an der Eberhard Karls Universität in Tübingen. Er meinte damals, dass die Kirchen nach dem Zweiten Weltkrieg die Chance auf eine Neugründung der Moral verpasst haben und nichts zur Demokratisierung und dem Aufbau eines Rechtsstaates beigetragen hätten. Dennoch verblieb er bis zuletzt als Mitglied in der evangelisch-lutherischen Kirche (obgleich eigentlich jüdischer Abstammung).
Auch das Ding mit der Arbeitnehmervertretung war nicht wirklich das seine. Er forderte weitaus weniger Einfluss der Gewerkschaften, die Absenkung der Zumutbarkeit für Arbeitslose und einen neuen Flächentarifplan, da jener, der nach dem Jahrtausendwechsel aufgestellt wurde, kurz danach bereits überholt gewesen sei. Ausserdem vertrat Schmidt die Ansicht, dass das Rentensystem nur mit einer Verlängerung der Arbeitszeit zu retten sei.
Mit dem Tod Helmut Schmidts verliert nicht nur die deutsche Sozialdemokratie, sondern ganz Deutschland die mahnende Stimme. Jene Stimme, die immer wieder mit einer Leichtigkeit als wäre es gar nichts aufzeigte, dass man den Boden niemals verlassen sollte. Und das hatte er wohl Zeit seines Lebens gelernt:

“Ehrgeiz ist ein Begriff, den ich auf mich nicht anwenden würde; natürlich lag mir an öffentlicher Anerkennung, aber die Antriebskraft lag woanders. Die Antriebskraft war typisch für die Generation, der ich angehört habe: Wir kamen aus dem Kriege, wir haben viel Elend und Scheiße erlebt im Kriege, und wir waren alle entschlossen, einen Beitrag dazu zu leisten, dass all diese grauenhaften Dinge sich niemals wiederholen sollten in Deutschland. Das war die eigentliche Antriebskraft.“

(Helmut Schmidt)

Der frühere US-amerikanische Aussenminister Henry Kissinger meinte einst, er hoffe, vor dem Altkanzler zu sterben, da er nicht in einer Welt ohne Helmut Schmidt leben möchte. Der kleine Mann/die kleine Frau mochten den Altkanzler, weil er ganz offen das aussprach, was bei ihnen ungehört blieb:
- Die multikulturelle Gesellschaft ist eine Illusion von Intellektuellen
- Nein zum Beitritt der Türkei in die EU
- Der G8-Gipfel ist nurmehr ein Medienspektakel
- Neuorientierung in der Energiepolitik (die fossilen Brennstoffe sind begrenzt)
- Nein zur Parteienfinanzierung
- Wahlkämpfe in diesem zeitlichen Abstand sind lähmend (alle zwei Jahre zusammengelegte Bundes- und Landeswahlen)
- Subsidiaritätsprinzip ja – Förderalismus aber ist “Kleinstaaterei”
- Weg mit der Regulierungswut und der Paragraphengläubigkeit (Abschaffung vieler Gesetze, dafür mehr Gewicht für das Grundgesetz)
- Deutsche Rechtschreibung – zurück zu den Wurzeln – derzeit regiert das Chaos
Zudem habe die Einführung des Dosenpfandes, v.a. aber des Rauchverbotes eine “Psychische Epidemie” der politischen Klasse aufgezeigt, so der Hanseate.

“Wir Deutschen haben eine Vaterfigur verloren!”

(Aussenminister Frank-Walter Steinmeier)

Der verstorbene Politiker, Analytiker, Denker, Philosoph, Schriftsteller, Journalist und Weltökonom wird im Rahmen eines Staatsaktes in der Hamburger Kirche St. Michaelis zu Grabe getragen. Diesen letzten Wunsch verfügte Schmidt selbst, da hier 2010 die Beerdigungsfeierlichkeiten seiner Frau Hannelore (“Loki”) und vier Jahre später auch jene seines Freundes Siegfried Lenz stattfanden. Schmidt selbst war es auch, der Gästelisten erstellte und sich nur wenige Festredner wünschte.

Helmut Schmidt, als er starb, blieb die Zeit für eine Sekunde stehen.
Ruhe in Frieden!

Lesetipps:

.) Was ich noch sagen wollte; Helmut Schmidt; 1. Auflage, C.H. Beck, München 2015
.) Helmut Schmidt. Die Biographie; Hans-Joachim Noack; Rowohlt, Berlin 2008
.) Helmut Schmidt. Ein Leben für den Frieden; Michael Schwelien; Hoffmann und Campe, Hamburg 2003
.) Helmut Schmidt. Staatsmann – Publizist – Legende; Reinhard Appel; 1. Auflage. Lingen Verlag, 2008
.) Politik der Verantwortung. Das Beispiel Helmut Schmidt: Das Primat des Politischen über das Militärische 1965–1975; Detlef Bald; Aufbauverlag, Berlin 2008
.) Helmut Schmidt – Der letzte Raucher; Martin Rupps; Herder, Freiburg i. Br. 2011

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Sind wir alle irgendwie plemplem???

Im Rahmen meines Studiums musste ich auch einige Scheine in Sachen klinischer Psychologie bzw. Psychiatrie machen. Als ich erstmals in der Kinder- und Jugendpsychiatrie mit dem sog. “ICD-10″ der Weltgesundheitsorganisation WHO konfrontiert wurde, staunte ich nicht schlecht, was bereits alles als “psychische Erkrankung” angesehen wird. Da muss ja beinahe davon ausgegangen werden, dass jeder von uns nicht nur einen Tik, sondern einen richtiggehenden Knacks hat, um es mal einfach auszudrücken!
Das zeigt beispielsweise auch der aktuelle DAK-Bericht über die Arbeitsunfähigkeitstage in Deutschland auf. Ursache Nummer eins für einen Krankenstand ist nach wie vor der Bereich “Muskel- und Gelenkserkrankungen”. Doch bereits auf Rang 2 folgen mit 16,6 % der Krankenstandstage die “Psychischen Erkrankungen”. Im vergangenen Jahr gab es pro 100 Versicherungsjahre 6,8 Erkrankungsfälle und 237,3 Arbeitsunfähigkeitstage. 2013 waren es noch 212,8 AU-Tage. Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen, Demenz – nur die bekanntesten Schlagworte. Dieser Bereich nimmt also rasant an Bedeutung zu und sollte auch von den Arbeitgebern nicht mehr unterschätzt werden. Übrigens sind Erkältungen (Atemwegserkrankungen) bzw. Magen-Darm-Infektionen (Erkrankungen des Verdauungstraktes) auf den Plätzen dahinter zu finden. Epidemiologische Untersuchungen führen zu dem Ergebnis, dass die Reihe der psychischen Erkrankungen zu den häufigsten und auch kostenintensivsten Erkrankungen gehören. Sie können durchaus die Ursache für körperliche Gebrechen sein, etwa Kreislaufproblemen, Schmerzen aller Art oder auch Verdauungs-Schwierigkeiten etc. Hier gilt es, zuerst die psychische Erkrankung zu heilen und sich dann der körperlichen zu widmen, wenn diese sich nicht von selbst vom Acker macht.
Damit aber nun in medias res:
Von einer “psychischen Störung” spricht der Experte dann, wenn der emotionale, aber auch der kognitive Bereich eines Menschen krankhaft beeinträchtigt ist. Hierzu zählt man nicht nur das Denken, sondern die komplette Wahrnehmung, die Verhaltens- und Erlebnisverarbeitung bzw. auch die sozialen Beziehungen. Weitestgehend undurchsichtig ist dabei die Ursache der seelischen Empfindungen, da auch das beste EEG hierüber keine Auskunft geben kann. Etwas besser geklärt sind die Erkrankungen der systemischen, der neuropsychiatrischen oder auch der hirnorganischen Art. Nicht immer bedeutet eine Störung auch gleichzeitig krank zu sein. Stimmungsschwankungen oder kurze depressive Phasen, die wieder verschwinden, zählen nicht zu den Erkrankungen. Psychosen oder Depressionen hingegen sehr wohl. Doch – ab wann beginnt eine Person, das “normale” Leben zu verlassen? Ab wann wird aus einer Erscheinung ein psychosomatisches oder gar psychopathologisches Krankheitsbild? Ein Mensch muss nicht unbedingt für andere erkennbar von einer Persönlichkeit in die andere wechseln, damit als Diagnose eine schizophrene Psychose auf dem Befund steht. Ist dieser Wunsch, in die Person eines anderen schlüpfen zu können, nicht bei so manchem Narr, Jecken oder Halloween-Fan so gut wie angeboren? Ist ein Mann, der im Fasching erstmals in Frauen-Klamotten rumläuft und daran Gefallen findet, gleich als transsexuell zu bezeichnen? Er fällt aus der Norm und ist somit krank – oder??? Oder – was unterscheidet jenen Jugendlichen, der wie die meisten anderen auch zuhause am Computer Ballerspiele spielt, eines Tages jedoch das Gewehr seines Vaters aus dem Schrank nimmt und als Amokläufer in der Schule real “weiterspielt”? Gab es bei ihm einen Hebel, der umgelegt wurde? Wenn ja – wieso nur bei ihm und den anderen nicht? Oder jene Bekannte, die stets ein Desinfektionsspray mit sich herumträgt und Türklinken nur mit dem Taschentuch angreift – ist sie psychisch gestört??? Wieviel mal Händewaschen pro Tag gilt als normal?
Störungen der Psyche sind nichts aussergewöhnliches. In einer Studie der WHO heisst es, dass jeder vierte Arztbesucher psychogen beeinflusst ist – rund 8 Mio Deutsche sollten deshalb vor einer körperlichen Behandlung eine psychologische in Anspruch nehmen. Hier wird der Allgemeinmediziner plötzlich zum Psychotherapeuten, der entscheiden muss, wann eine solche therapeutische Behandlung vonnöten ist. Doch welcher praktische Arzt hat nebenbei noch Psychologie belegt? In der DEGS1-MH (Studie zur Gesundheit der Erwachsenen in Deutschland – vom Robert-Koch-Institut und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) liegt die 12-Monate Prävalenz in der Altersgruppe 18 bis 79 Jahre bei 27,7 % im Durchschnitt (abhängig vom Geschlecht, Alter und Sozialstatus). D.h. mehr als jeder Vierte erkrankt pro Jahr an einem psychischen Leiden oder weist zumindest eine Störung auf. Führend sind dabei Angststörungen und unipolare Depressionen. In einer wissenschaftlichen Untersuchung der Universität Dresden wird die Wahrscheinlichkeit in einem Leben an einer psychischen Störung laborieren zu müssen mit 50 % angeführt. Vor der Pubertät sind Jungen, nach der Pubertät Frauen mehr davon betroffen (Androtropie/Gynäkotropie).
Auch sind sich die Experten selbst uneinig über die richtige Klassifikation, da einerseits die Übergänge recht fliessend sind, andererseits die Krankheitsformen auch der Zeit unterliegen (Demenz beispielsweise nimmt aufgrund der steigenden Lebenserwartung zu). Grundsätzlich bilden zwei Klassifikationen die Basis einer Diagnose:

.) Das ICD-10 der WHO
.) Das DSM-5 der American Psychiatric Association.

Die amerikanische Klassifizierung möchte ich im Rahmen dieses Textes ausser Acht lassen. Das ICD-10 unterscheidet 99 Klassen von psychischen und Verhaltensstörungen:

F00-F09 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen
F10-F19 Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
F20-F29 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
F30-F39 Affektive Störungen
F40-F48 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen
F50-F59 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren
F60-F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
F70-F79 Intelligenzminderung
F80-F89 Entwicklungsstörungen
F90-F98 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
F99 Nicht näher bezeichnete psychische Störungen

In jeder dieser Klassen sind Unterklassen enthalten (bis zu fünfstellig). Ich möchte mich nun nicht zu sehr in die einzelnen Störungsformen vertiefen – wer will, kann dies selbst online nachlesen.

http://www.icd-code.de/icd/code/F00-F99.html

Was ich hingegen machen möchte, ist an sich Unscheinbares sichtbar machen. Etwa das vorhin angesprochene Händewaschen. Auch ich wasche mir öfter pro Tag die Hände – v.a. wie schon an dieser Stelle beschrieben – nach dem Toilettenbesuch (wie es sich gehört!). Doch gibt es Menschen, die unter einer Zwangshandlung leiden: Am liebsten nurmehr mit Handschuhen – nach jedem Körperkontakt oder Berührung einer Türklinke, eines Haltegriffes, etc. muss das Säubern der Hände erfolgen. Perfekt übrigens dargestellt von Tony Shalhoub, dem US-Schauspieler, der Adrian Monk verkörpert und dafür drei Emmys und einen Golden Globe erhielt. Ein gewisser Sauberkeitsfimmel ist ja nichts schlechtes – schliesslich lebt jeder gerne in einer sauberen Wohnung, schläft in duftender Bettwäsche besser etc. Wenn aber die meiste Zeit des Tages mit Kontrollen, unter der Dusche oder am Waschbecken verbracht wird, niemandem mehr die Hand gereicht und die Familie zur Einhaltung dieser Säuberungsrituale gezwungen wird, dann spricht der Experte von krankhaft. So auch die Diplom-Psychologin Dr. Doris Wolf, die meint, dass dieses Zwangsverhalten Ängste reduziert. Ängste, die etwa durch besonders reinliche Eltern aufgebaut wurden, durch den Tod eines nahestehenden Menschen, eine Trennung, berufliche Überforderung etc. ausgelöst werden (Stimulanzien, die eigentlich für jede psychische Erkrankung Geltung haben). Der Betroffene weiss selbst, dass derartige Zwangshandlungen sinnlos sind, kann sie jedoch willentlich nicht alleine bekämpfen oder eindämmen. Solchartige Zwangsverhalten können am ehesten bei perfekten Menschen beobachtet werden; jenen, die einer hohen Leistungserwartung unterliegen, trotzdem aber sehr empfindsam sind. Prominentester Sauberkeits-Neurotiker: Der US-amerikanische Milliardär Howard Hughes. ICD-10 – Zuordnung: F42.1!

https://www.youtube.com/watch?v=m–akC0KHEQ

Ich habe noch keine Frau kennengelernt, die keine Angst vor Spinnen hat. Nein – nicht die grossen haarigen, sondern bereits die kleinen. Eine für mich mehr als erschreckende Erfahrung auch damals in einer WG in Innsbruck. Ein Haus, nach dem 2. Weltkrieg in Schnellbauweise errichtet – von Abdichtung keine Spur. Es verging kein Tag, an welchem nicht eine Frau lautstark ihrer Angst Ausdruck verlieh: Entweder die Freundin meines WG-Kollegen oder meine! Dabei sind die meisten Spinnen harmlos und selbst sehr ängstlich. Auch der Sohn einer Bekannten, der ansonsten sehr stark (!) sich im Teenager-Alter weigerte, in sein Zimmer zu gehen, da eine kleine Spinne an der Wand zu sehen war! In einem Haus, in welchem mit Holz geheizt wird, sollte man wohl besser nicht an Arachnophobie leiden – so der offizielle Ausdruck der Furcht vor Spinnen (ICD-10 – Zuordnung: F40.2). Betroffene fürchten sich vor allem vor einem Spinnenbiss und die dadurch verursachten Verletzungen. Es ist also eine Phobie, deren Stimulus eine Spinne darstellt. Begründet liegt dies wohl darin, dass etwas, das im äusserlichen Erscheinungsbild immer weiter vom menschlichen abweicht, als angsteinflössend bezeichnet wird. Spinnen sind zudem sehr schnell und uneinschätzbar. Dass sie plötzlich irgendwo am Körper auftauchen können, jagt so manchem einen eiskalten Schauer über den Rücken. Klar geht von vielen Spinnen auch eine Gefahr aus, doch sind diese zumeist in fernen Ländern zu finden. Die gefährlichsten hierzulande sind einerseits die Europäische Schwarze Witwe (Latrodectus tredecimguttatus) und andererseits die Steatoda nobilis. Allerdings sind die Bisse recht gut behandelbar, die letale Rate bei etwa ersterer liegt bei unter einem Prozent. Tatsächlich gibt es nur eine Spinnenart, die nicht mit Giftdrüsen ausgestattet ist. Jedoch erzeugt ein Biss meistens nicht mehr als einen Juckreiz – im extremen Fall die Symptome eines Bienenstichs. Spinnen meiden den Menschen, er ist kein Futterkonkurrent und damit auch kein unmittelbarer Feind. Die Therapierung betroffener Patienten erfolgt meist mit der Konfrontation, wobei das Durchleben des Angstzustandes von entscheidender Bedeutung ist (etwa Berühren von Vogelspinnen). Ein Rückzug kann die Phobie sogar noch verstärken. Dschungel-Camperin, Model und Talente-Jurorin Larissa Marolt hatte im australischen Dschungel jede Möglichkeit, sich von ihrer Spinnenangst zu befreien.

https://www.youtube.com/watch?v=VHgYyhnH0wc

Der Mensch verbringt etwa ein Drittel seines Lebens schlafend. Im Schlaf regeneriert sich nicht nur der Körper sondern auch der Geist. Erlebnisse werden verarbeitet, gespeichert oder in’s Unterbewusstsein verschoben. Doch nicht bei jedem funktioniert das anstandslos – nahezu die Hälfte der Deutschen und Österreicher leiden unter Schlafstörungen – einige nur ab und zu, andere chronisch. Wenn dann die Nacht zum Tag wird, kann andererseits der Tag nicht mehr für die Erfüllung von Leistungen verwendet werden. Nach Studien können dies bis zu 70 % Leistungsabfall bedeuten. Burn out ist meist die logische Folge. Von einer “chronischen Schlafstörung” spricht man, wenn die Beschwerden länger als drei Monate andauern. Rund 10 bis 13 Prozent der Bevölkerung leiden hierunter, Frauen mehr als Männer. Auch hier können die Faktoren vielfältig sein: Starker Druck im Berufsleben oder auch der Familie, Vererbung, Schichtarbeit, Krankheiten, … Die Amerikanische Gesellschaft für Schlafmedizin unterscheidet insgesamt sechs Gruppen – aufgrund organischer und nicht-organischer Ursachen:
.) Störungen beim Ein- und Durchschlafen (Insomnien)
.) Schlafbezogene Atmungsstörungen (Schlafapnoe)
.) Hypersomnien mit Ursachen im zentralen Nervensystem (z.b Schlafattacken, narkose-ähnliche Zustände,…)
.) Zirkadiane Rythmusstörungen (Wach- und Schlafrhythmus geraten durcheinander
.) Parasomnien (etwa Schlafwandeln oder Alpträume)
.) Schlafbezogene Bewegungsstörungen (Bewegungsdrang der Beine, Zähneknirschen,…)
Neben den organischen Ursachen und dem Jetlag der Schichtarbeiter, sollen uns heute vornehmlich die psychischen Hintergründe für das nächtliche Kuchenbacken oder Staubsaugen interessieren. Dabei wird wiederum unterschieden zwischen
- psychischen Ursachen (Belastungen wie etwa Schulden oder Beziehungsproblemen)
- psychiatrischen Ursachen (Störungen, Ängste, Depressionen,…)
Die nicht-organischen Schlafstörungen sind im ICD-10 unter F51 zu finden. Grundsätzlich gilt: Dreimalige Probleme pro Woche sind behandlungswürdig. Im Gespräch mit dem Arzt und unter Zuhilfenahme eines Schlaftagebuches wird Ursachenforschung betrieben. Auch können in Schlaflabors die Atmung und Herztätigkeit gemessen werden. EEGs vermitteln zusätzlich Aufschluss über die Hirntätigkeit in speziellen Schlafphasen, Videoaufzeichnungen über Liegegewohnheiten. Erst nach dem Finden der Ursache können Massnahmen wie etwa Schlafhygiene, Psychotherapie oder auch eine Medikamentierung gesetzt werden. Schlaftabletten sollten der letzte Ausweg sein! Berühmte Schlaflose sind etwa Lady Gaga, Johnny Depp, der deutsche Ex-Bundespräsident Karl Carstens, …

https://www.youtube.com/watch?v=AiYVsxeKcQI

Zuletzt noch zum grossen Kapitel der Sucht – einige Abhängigkeiten werden etwas später in einem eigenen Blog an dieser Stelle noch behandelt werden. Heute soll es erstmal um die sog. “leistungssteigernden Mittel” gehen. Wir alle sind sehr grossem Druck ausgesetzt – in der Arbeit, aber auch in der Freizeit. Viele sind diesem Ständig-Besser-und-Schneller nicht gewachsen und suchen ihr Heil in leistungssteigernden Mitteln: Kokain oder Ecstasy, Medikamenten – ja auch in Energy Drinks, die grösstenteils gar nichts mit Leistungssteigerung zu tun haben. In vielen dieser Drinks ist Süssstoff enthalten, der 1:1 wieder ausgeschieden wird! War wohl nix mit dem dringend benötigten Blutzucker für die Verbrennung in den Hirn- bzw. Muskelzellen! Kaffee und Alkohol sind ebenfalls inzwischen gesellschaftlich akzeptiert. Nach der GBE-Studie aus dem Jahr 2012 verwenden allerdings 1,8 % der deutschen Frauen und 1,3 % der Männer Medikamente oder nicht legale Mittelchen um sich hochzupushen (“Pharmakologisches Neuroenhancement”). In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts waren es vornehmlich Amphetamine, in den 50ern dann Antidepressiva und Modafinil bzw. Mittel gegen Demenz in den 90ern. Medikamentensucht ist kein Kavaliersdelikt – es ist ein Teufelskreis und brandgefährlich, da zumeist Organe wie Leber, Niere oder auch das Herz dadurch kaputt gemacht werden. Die Pillen sollen kognitive Eigenschaften wie das Lernen und Gedächtnis, die Aufmerksamkeit und die Wachheit verbessern bzw. auch den Stress, die Nervosität und die sozialen Ängste bekämpfen und die Stimmungslage steigern. Die erwünschte Wirkung jedoch tritt in den meisten Fällen gar nicht oder nur gering ein und ist von kurzer Dauer. Eine Befragung der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) im Jahre 2009 zeigte auf, dass rund 5 % der Angestellten Medikamente zum “Hirndoping” einsetzen, ohne eine körperliche Notwendigkeit dafür zu haben. Ein Jahr später führte auch das Robert-Koch-Institut hierzu eine bundesweite Befragung an 6.142 Personen durch (Kolibri-Studie). Geprüft wurde dabei die Altersgruppe ab 18 Jahren auf den Konsum von illegalen Mitteln bzw. verschreibungspflichtigen Medikamenten. Das Ergebnis war bei Männern und Frauen mit 1,5 % im Grossen und Ganzen gleich. Das Ranking: Antidepressiva vor den Amphetaminen und den Betablockern. Je höher die Wochenarbeitszeit, desto mehr solcher Mittel werden eingenommen. Auch in einer Studie des HIS (Institut für Hochschulforschung) an nicht weniger als 8.000 Studenten gaben 5 % den Missbrauch derartiger Substanzen zur besseren Bewältigung des Studiums zu. Hier war es vornehmlich Methylphenidat (18 %), Betablocker (12 %) und Amphetamine (9 %).
2009 veröffentlichte das Robert-Koch-Institut im Auftrag des deutschen Bundesministeriums für Gesundheit die Studie “20 Jahre nach dem Mauerfall: Wie hat sich die Gesundheit in Deutschland entwickelt?”. Interessant ist, dass sich die körperlichen Erkrankungen in beiden Teilen Deutschlands sehr rasch angeglichen haben. In unserer heutigen Thematik wurden im Bericht 2014 des Robert-Koch-Institutes und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (“Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland”) stationäre Fallzahlen verglichen. So sind die Werte in den alten Bundesländern in Sachen affektiver Störungen (ICD-10-Klassifikation F30-F39; etwa Depressionen) weitaus höher, während jene für neurotische, Belastungs- und somatoformen Störungen (ICD-10-Klassifikation F40-49) in den neuen Bundesländern im Vergleich höher liegen.

https://www.youtube.com/watch?v=S7fpZExGF_g

An dieser Stelle hätte ich Ihnen gerne ein paar offizielle Zahlen präsentiert – leider jedoch war dies nicht möglich. Während meiner Recherche bin ich zwar auf Untersuchungen und Statistiken gestossen, diese jedoch waren teilweise zehn Jahre und älter. Halbwegs aktuelle Vergleiche wurden nur von den Bundesländern oder Städten niedergeschrieben. Doch was interessiert den Innsbrucker der psychische Zustand der Einwohner von Halle an der Saale! Auch der Österreichische Psychiatriebericht 2004 spricht von einer Vernachlässigung psychischer Erkrankungen in ihrer Bedeutung. Trotzdem möchte ich mich bei Frau Maschke und Frau Magistra Gneisz von den Pressestellen der Bundesministerien für Gesundheit in Berlin und Wien bedanken. In Österreich etwa soll im kommenden Jahr ein Factsheet zur psychischen Gesundheit sowie ein Bericht zur Depression erscheinen. Und nur wenig meiner Zeit voraus war ich, sollte doch in den nächsten Tagen das Ergebnis der ATHIS-Befragung 2014 veröffentlicht werden.
Nach Meinung der Experten des Robert-Koch-Institutes prägen zwei Faktoren die Psyche eines Menschen:
- “Risikofaktoren”
Beispielsweise die berufliche Belastung, schwerwiegende Lebensereignisse, Persönlichkeitsfaktoren, sozialer Status, Lebensführung
- “Schutzfaktoren”
Etwa Resilienz, gesunde Lebensweise oder soziale Unterstützung.
Wo jedoch der Schwellenwert liegt, bei welchem dieser Einfluss krank macht, ist wohl von Mensch zu Mensch verschieden. Was den Hebel schliesslich umlegt, ist grossteils noch nicht erforscht. Allerdings kann im Vorfeld daran gearbeitet werden, dass der Srimulus einen kalt lässt, ja dass jemand subjektiv mit seiner Lebensqualität zufrieden ist. Denn:

Erwischen kann es jeden von uns!!!

Für all jene, die kurzfristig Hilfe benötigen, hier einige wenige Adressen bzw. Hotlines:

.) Deutschland

TelefonSeelsorge
Tel: +49 (0)800 111 0 111 (gebührenfrei)
Tel: +49 (0)800 111 0 222 (gebührenfrei)

www.telefonseelsorge.de

Deutsche Angststörungen – Hilfe und -Selbsthilfe
Tel: +48 (0)89 51 55 53 15

Hilfen für Frauen bei häuslicher Gewalt
Tel: +49 (0)30 611 03 00 (tägl. von 9 – 24 h)

http://www.big-hotline.de

WEISSER RING e.V Hilfe und Unterstützung von Opfern und ihren Angehörigen bei vorsätzlichen Straftaten (Bundesweit vertreten)
Tel: +49 (0)30 833 70 60

http://www.weisser-ring.de

Notdienst für Suchtmittelgefährdete und -abhängige Berlin e.V.
Drogennotruf: 192 37 – Tag & Nacht –
Bundesweite Sucht- und Drogenhotline: 01805 31 30 31

http://www.dndberlin.de

.) Österreich

Kriseninterventionszentrum
Mo-Fr 10.00 bis 17.00 Uhr
Te.: +43 (0)1 406 95 95

www.kriseninterventionszentrum.at

HEMAYAT – Betreuungszentrum für Folter- und Kriegüberlebende
Tel: +43 (0)1 216 43 06

www.hemayat.org

147 RAT AUF DRAHT
Notruf für Kinder und Jugendliche und deren Bezugspersonen
Rund um die Uhr
Tel: 147 (keine Vorwahl)

rataufdraht.orf.at

Telefonseelsorge
Rund um die Uhr
Tel: 142 (keine Vorwahl)

www.telefonseelsorge.at

Verbrechensopfer-Notruf
Eine Initiative des Bundesministeriums für Justiz, betrieben vom WEISSEN RING
Rund um die Uhr, kostenlos und anonym
Tel: 0800.112 112

www.opfer-notruf.at

Frauenhelpline gegen Männergewalt
Rund um die Uhr, kostenlos und anonym
Tel: 0800.222 555

http://www.frauenhelpline.at/

.) Schweiz

Dargebotene Hand
Tel: 143

https://www.143.ch/

Telefonseelsorge
Tel: 0800 1 11 01 11
Tel: 0800 1 11 02 22

Krisenintervention Zürich
Tel: +41 (0)44 296 73 10
Fax +41 (0)44 296 73 19

www.puk.zh.ch

Sorgentelefon für Kinder und Jugendliche
Tel: 0800 55 42 10

https://www.sorgentelefon.ch/

Lesetipps:

.) Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10 V (F). Klinisch-diagnostische Leitlinien. 6. Auflage; WHO/Dilling H. et al; Hans Huber, Bern 2008
.) Use of potential neurocognitive enhancing substances and attitudes towards them among pupils in Germany; Franke AG, Bonertz C, Christmann M et al.; Brain Matters 2009; Halifax, Nova Scotia/Canada

Links:

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