Archive for Februar, 2016

Bar oder mit Karte???

„Bargeld ist geprägte Freiheit“
(Fjodor Michailowitsch Dostojewski)

Diese Woche debattierte der Deutsche Bundestag über die Einführung einer Bargeld-Höchstgrenze. Soll heissen, dass ab einem Betrag von 5.000,- € nurmehr mit Kreditkarte oder mittels Überweisung bezahlt werden darf. Gleichzeitig wird euroweit über die Abschaffung der 500,- € Banknote und der beiden kleinsten Münzen (1 und 2 Cent) diskutiert. Ist das alles etwa ein untrübliches Zeichen für die schleichende Abschaffung des Bargeldes? Einer Errungenschaft, die den Menschen vom Tauscher zum Käufer und Verkäufer machte und auch in den Verfassungen der Mitgliedsstaaten enthalten ist! Doch – eines nach dem anderen!
Aus dem Finanzministerium in Berlin heisst es, man wolle mit dieser Massnahme der Kriminalität und dem Terrorismus die finanzielle Grundlage nehmen. Klar, wird doch bei dunklen Geschäften Bargeld bevorzugt. Doch wird wirklich die Einführung einer Bargeld-Höchstgrenze den Geldkoffer oder das gut gepolsterte Geld-Kuvert ersetzen? Wohl kaum, schliesslich tue ich mir damit sehr schwer, die Kalaschnikoff meiner Kreditkartenfirma erklären zu können. Oder – welchen Zahlungsgrund gebe ich bei der Überweisung an, wenn ich ein halbes Kilogramm Kokain erworben habe? Möglich wäre, dass ich das Gewehr zum Knacken von Walnüssen brauche – dann wäre es ja wohl eine Dual Use-Ware und unterläge nicht dem Kriegswaffengesetz. Und das Kokain? Na ja – zum Streuen der ansonsten stets vereisten Einfahrt! Da bekommt der Spruch “…eine Strasse legen!” gleich eine komplett andere Bedeutung.

https://www.youtube.com/watch?v=AvA8xmWUvaY

Die Geldkoffer wird man so rasch nicht abschaffen können! Das wird dem Bela Rabelbauer sicherlich gefallen! Der damalige Geschäftsmann aus dem österreichischen Bundesland Vorarlberg hatte im Namen eines Bürgerforums der Österreichischen Volkspartei in deren Klubräumlichkeiten im Parlament in Wien einen Geldkoffer mit 4 Mio Schillingen übergeben. Es sollte die erste Anzahlung für den Ankauf eines Nationalratmandates sein. Das alles geschah am 17. September 1979; erst ein Jahr später deckte der Journalist Peter Pelinka in der damaligen sozialdemokratischen Arbeiterzeitung den Skandal auf. Heute lebt Rabelbauer in Ungarn – gibt es dort keine Geldkoffer??? Auch ich wanderte einst mit einer runden Million österreichischer Alpendollar quer durch Innsbruck, als ich die Vorverkaufsstellen für ein Grosskonzert abrechnete. Es war schon ein etwas mulmiges Gefühl. Mehr weh tat aber danach der Blick in den wieder leeren Koffer: Da war nur kurz zuvor noch ein Vermögen drinnen!!! Ergo: Kein Krimineller oder Terrorist wird sich von seinem bisherigen Geschäftsgebahren abbringen lassen, weil die Regierung einen Blick auf alle grösseren Kaufgeschäfte werfen will. Nach einer Studie der deutschen Bundesregierung wird alleine in Deutschland Schwarzgeld im Wert von rund 100 Milliarden € sauber gewaschen. Daran wird sich aber wohl auch mit einer Bargeldobergrenze nichts ändern. Sollte also künftig Bernie Ecclestone in Berlin eine Wohnung für seine Tochter suchen, wird er die wohl nicht direkt mit den Eintrittsgeldern des Grossen Preises von Deutschland in bar bezahlen können. In Frankreich liegt die Obergrenze bei 1.000,- €, in Italien wurde sie erst vor kurzem von 1.000,- auf 3.000,- € erhöht. Werden sich wohl einige korrupte und schlechtverdienende Politiker zusammengetan und eine Gesetzesänderung beantragt haben. Übrigens – nach Angaben des deutschen Zolls muss eine Bargeldsumme ab 10.000,- € beim innereuropäischen Grenzübertritt auf Anfrage mündlich angezeigt werden (“Anzeigepflichtiges Bargeld bzw. gleichgestellte Zahlungsmittel”).
Mit derselben Begründung soll auch der 500,- €-Schein eingestampft werden. Er ermögliche es, dass grössere Summen auch in einem Kuvert den Besitzer wechseln können, wodurch der Geldwäsche Tür und Tor geöffnet ist. Erst kürzlich betonte EZB-Präsident Mario Draghi:

“Die 500-Euro-Note wird immer mehr als ein Instrument für kriminelle Aktivitäten gesehen!”

Mal ganz ehrlich: Ich vermeide den Besitz derart grosser Scheine. Muss jemand ganz schön lange arbeiten für, doch verloren ist auch er sehr rasch. Umso grösser ist dann die Schadenssumme. Ausserdem kann damit sowieso nicht überall bezahlt werden. Etwa in Luxemburg. Dort aber sind die meisten dieser Scheine im Umlauf! Die Deutsche Bundesbank versucht unterdessen zu beruhigen: Der Umtausch von D-Mark (Banknoten und Münzen) steht nicht zur Diskussion! Schliesslich befinden sich noch rund 1,2 Mio 1.000-Mark-Geldscheine im Umlauf. Offenbar gelten die rotbraunen Banknoten noch in sehr vielen Haushalten als Notfallreserve, schliesslich kamen im vergangenen Jahr gerade mal 22.175 zum Produzenten zurück. Da könnte es mit der 500,- €-Banknote anders verlaufen. Entweder werden ganz einfach keine mehr ausgegeben oder der Schein verliert ab einem gewissen Stichtag seinen Wert, was wahrscheinlicher erscheint. Bedenkt man doch, dass der Euro seit 14 Jahren offizielles Zahlungmittel in der Eurozone ist, trotzdem allerdings noch rund 13 Milliarden D-Mark nicht umgetauscht wurden. Da kann man sich vorstellen, wie lange eine schleichende Aus-dem-Verkehr-Ziehung dauern wird – v.a. nachdem laut Angaben der österreichischen Nationalbank rund 25 % der Euro-Scheine im Ausland lagern.

https://www.youtube.com/watch?v=z3lR3FRmQJs

Die 500er-Scheine machen nur etwa 3 Prozent aller Euro-Banknoten aus – der Gesamt-Wert aber liegt bei 306,8 Mrd. € – nur der Wert des 50ers ist mit 419,9 Mrd. € grösser. Wird nun Geld in diesem Ausmass vom Markt genommen, könnte das durchaus einem Schritt in Richtung Deflation gleichkommen. Und ausserdem: Auch die 200,- €-Scheine sind gutes Geld – wird eben das Kuvert etwas dicker oder der Geldkoffer etwas grösser! Wer glaubt, dadurch die Kriminalität eingrenzen zu können, dürfte auf dem falschen Dampfer sitzen. Wie der Schein aus dem Verkehr gezogen wird – das wird in rund zwei bis drei Monaten durch den EZB-Rat präsentiert. Dass dann das Millieu grosse Mengen an 500ern umtauschen wird, kann aber ausgeschlossen werden: Einerseits muss die Bank zuvor informiert werden, wenn grössere Geldmengen abgehoben oder umgetauscht werden, da nicht mehr viel Bargeld in den Geldinstituten aufbewahrt wird. Andererseits – wer Bargeld in Höhe von 1.000,- € umtauscht, muss sich ausweisen können. Zudem wird ab einem Betrag von 15.000,- € ohnedies genauestens auf Geldwäsche hin überprüft und Meldung erstattet. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will hingegen diese Grenze auf 5.000,- € senken. Wenn Sie also beispielsweise als Österreicher in Deutschland einen Gebrauchtwagen im Wert von 5.001,- € erworben haben, wird Ihre Überweisung künftig dokumentiert, da sie auf Geldwäsche hin überprüft wird. So argumentiert auch der deutsche parlamentarische Staatssekretär MdB Dr. Michael Meister. Er betont, dass sehr viele Luxuslimousinen in Deutschland von Menschen gekauft werden, die extra zu diesem Zweck aus dem Ausland anreisen! Und siehe da – der meiste dunkle Geldfluss findet durch Anwälte und Notare auf Treuhand- und Anderkonten statt – da werden Sie geholfen!

“Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert!”

Als damals der Euro eingeführt wurde, waren noch Ein-Pfennig- und Fünf-Groschen-Münzen in Deutschland und Österreich offizielles Zahlungsmittel. Als es hiess, dass sich mit der Euro-Einführung alles verteuerte, was von den Befürwortern massivst abgestritten wurde, wurde auch kein Bedacht mehr auf die ganz kleinen Summen gelegt. Wer kümmert sich heute denn schon um eine am Boden liegende 1-Cent-Münze??? Dabei sind dies – für all jene, die nach der Währungs-Umstellung geboren wurden – 2 Pfennige oder rund 27 Groschen! Nun sollen die Ein- und Zwei-Cent-Münzen aus dem Verkehr gezogen werden. Die Beträge seien zu gering und die Münzen somit nur ein Hindernis im Zahlungsverkehr. Ausserdem sei die Herstellung und In-Umlauf-Bringung teurer als der tatsächliche Wert. Ist etwa doch alles teurer geworden??? Na ja – immerhin sind EU-weit 29,157 Mrd. Ein-Cent-Münzen im Wert von 292 Mio € und 22,691 Mrd. Zwei-Cent-Münzen im Wert von 454 Mio € im Umlauf. Deutschland hatte zu Beginn des Euros immense Probleme mit den beiden Kupfermünzen – jedes Geschäft frohlockte, wenn mit Kupfer bezahlt wurde. Nun ja – ich würde mal so sagen: Selber schuld! Die Preispolitik mit 9,99 oder 18,98 € führt zu ständigem Bedarf dieser Münzen, da nicht jeder Kunde Trinkgeld gibt. In einer Umfrage der Deutschen Bundesbank allerdings sprachen sich nicht einmal 20 % der Befragten für die Abschaffung aus – ein ähnliches Ergebnis auch bei einer bereits zuvor durchgeführten Untersuchung der EU-Kommission aus dem Jahr 2013. Auch wenn der Münchner Merkur im August 2015 titelte: “Mehrheit der Deutschen gegen 1- und 2-Cent-Münzen” – eine Ente! Der Chef der Bundesbank, Jens Weidmann, hält sich somit an den Auftrag, wo nach der Grossteil der Deutschen die Münzen beibehalten möchte.
Die Stadt Kleve am Niederrhein testet seit dem 01. Februar des Jahres den Zahlungsverkehr ohne Ein- und Zwei-Cent-Münzen. Dort wird auf- oder abgerundet – allerdings nicht, wie wir es in der Schule gelernt haben (bis 5 ab-, ab 5 aufrunden), sondern kaufmännisch: 1, 2, 6 und 7 abrunden, 3, 4, 8 und 9 aufrunden. Auf dem Kassenbeleg steht allerdings der tatsächliche Warenwert. Bekannt ist das aus dem niederländischen “Afronden” (ähnliches auch in Belgien, Irland und Finnland). Die Idee entstand, da Banken immer mehr Gebühren verlangen, wenn Händler mit den Münzen zum Einzahlen oder Eintauschen kommen (5 € für den Zwei-Kilo-Spezial-Sack, 10 € für den Acht-Kilo-Spezial-Sack). Ob dann allerdings wirklich immer auch abgerundet oder anstelle dessen in der Preiskalkulation besser aufgerundet wird, wodurch es erneut zu einer Verteuerung des Warenkorbs kommt, möchte ich nun mal einfach so im Raume stehen lassen. Schliesslich wurde dies obwohl eindeutig bei der Euro-Einführung nachgewiesen, immer wieder massivst bestritten. Ein entsprechender Radiobeitrag von mir über die Preisentwicklung bei Obst und Gemüse nach der Einführung des Euros sorgte für einen Sturm der Entrüstung im Einzelhandel. Daneben kommt es ja durchaus offiziell zu Mehreinnahmen, die am Fiskus vorbeigeschmuggelt werden. Denn – nur mal theoretisch – ich preise eine Ware anstelle mit 8,92 (abrunden) mit 8,93 (aufrunden) aus, so gerät das angestrebte Gleichgewicht zwischen ab- und aufrunden zugunsten der Mehreinnahmen aus dem Gleichgewicht!
Aber was soll’s: Bargeld wird es ohnehin nicht mehr sehr lange geben! Zumindest, wenn es nach der Meinung von Deutsche Bank-Chef John Cryan geht, der das Thema beim Weltwirtschaftsforum in Davos wieder auf den Tisch brachte und dabei auch viele hochrangige Unterstützer fand. Unter Ihnen – na no net – Mastercard-CEO Pawel Rychlinski. In vielen Ländern wird bereits schon auch nur der Kaffee im Café mit Karte bezahlt. Skandinavien etwa. In Dänemark (gehört nicht zur Eurozone) druckt die Notenbank beispielsweise mangels Nachfrage seit Jahresbeginn auch keine Banknoten mehr! Muss man sich durchaus fragen: Wofür gibt’s dann noch eine Notenbank??? Ein Paradies für die Plastikkarten-Hersteller – ein Horror für Datenschützer. Einerseits gab es zuletzt immer wieder Kreditkarten-Datenpannen, andererseits kann jederzeit nachvollzogen werden, wo sich wer aufgehalten hat (“Bewegungsprofil”) und was gekauft wurde. Der gläserne Konsument wird also noch durchsichtiger. Zudem verdienen die Banken und Kreditkartenunternehmen bei jeder Bezahlung mit Karte mit. Schliesslich verlangen sehr viele unter ihnen Geld für die Buchungszeilen – auch wurde zuletzt die Wiedereinführung einer Bankomat-Gebühr diskutiert.

“Es wird ernst mit der Enteignung!”
(Daniel Stelter im manager magazin am 26.01.2015)

Stelter betont, dass ein derartiges Bargeld-Verbot ausschliesslich treffen würde, die nur ganze wenige Möglichkeiten haben, in andere Vermögenswerte umzusteigen – die Unter- und Mittelschicht! Der Sparstrumpf unter dem Kopfkissen wird hingegen immer mehr bei schlechteren Zeiten der Bank vorgezogen. So stieg etwa während der Weltfinanzkrise 2008 der Bedarf an Bargeld stark an.
Klar gegen die Abschaffung des Bargeldes hat sich bereits im vergangenen Herbst die Deutsche Bundesbank ausgesprochen. So meinte etwa das Vorstandsmitglied Thiele bei einem Vortrag in Stuttgart am 13. Oktober 2015:

„Ich möchte es hier ganz deutlich sagen: Die Deutsche Bundesbank lehnt die Forderung nach einer Abschaffung des Bargelds ebenso ab wie Restriktionen für die Bezahlung von Waren und Dienstleistungen mit Bargeld.“

Auch der österreichische Nationalbank-Präsident Ewald Nowotny hat sich bereits im Herbst 2015 klar gegen die Abschaffung von Bargeld ausgesprochen:

“Wir sind absolut gegen irgendeinen Zwang in der Frage, was ich als Zahlungsmittel verwende.”

Fakt ist: Der Bürger müsste dann sein komplettes Vermögen auf einem Konto bei der Bank lagern. Damit erhielten EZB und die Bundesbank, aber auch das Finanzministerium einen Freifahrtschein betreffs regulatorischer Zugriffe. Senkt etwa die EZB den Leitzins unter Null, so muss der Kontoinhaber sogar Zinsen dafür bezahlen, dass sein komplettes Vermögen beim Geldinstitut seines Vertrauens am Arbeiten ist! Ökonomen finden diese Tatsache durchaus interessant, ist doch der Konsument gezwungen, Vermögen wieder rasch auszugeben oder zu investieren. Das würde “die Volkswirtschaft kräftig stimulieren” (Peter Bofinger)! Jedoch – habe ich nun kräftig investiert, verfüge auch über festangelegtes Eigentum, habe jedoch kein Geld auf dem Konto, muss ich überziehen, was den Banken wieder kräftig Überziehungszinsen bringt! Der Verlierer ist und bleibt also die kleine Frau/der kleine Mann – der Gewinner immer seine Bank! Parplus – schon mal überlegt, was geschieht, wenn hierzulande ein Fall “Zypern” passiert? Also eine Quasi-Enteignung der Sparer geschieht! Und schwub – ist fast alles weg, weil wieder einer der doch so gut ausgebildeten Geldmanager in eine Blase investiert hat, die leider geplatzt ist. Dafür aber erhält er noch gute Provision! Die Konkursrichter würden sich über Arbeit nicht beklagen können.

https://www.youtube.com/watch?v=NlJ9gN54zRc

Und – wenn wieder damit argumentiert wird, dass ohne Bargeld keine bezahlte Kriminalität oder Schwarzarbeit mehr Sorgen bereiten dürfte: Der US-Dollar oder die britische Pfund wird sicherlich nie als Bargeld abgeschafft, da beide Wirtschaftssysteme einfach die Druckmaschinen starten, wenn sie Geld brauchen. Ergo steigen die Schwarzzahler auf andere Währungen um! Nicht zu vergessen sind natürlich die Steueroasen oder Offshore-Konten. Gabriel Zucman (französischer Ökonom) schätzt das nicht deklarierte, weltweite Buchgeld auf die unglaubliche Summe von 5,8 Billionen €! Diese Gelder liegen in der Schweiz, auf den Bahamas oder in Singapur etc.
Tja und zuguterletzt die Cent-Sucher an der Kasse des Supermarktes! Mir ist aufgefallen, dass ich an ebensolchen meist länger warten muss, wenn mit Karte bezahlt wird, als mit Bargeld! Zudem kann ein Supermarkt zusperren, wenn keine Verbindung zum Karten-Unternehmen besteht!
Der FID-Verlag aus Bonn – Bad Godesberg hat gegen die Abschaffung des Bargeldes eine Online-Petition gestartet:

https://www.volkspetition.org

Auch ich bin der Meinung, dass der Mensch durch eine etwaige Abschaffung des Bargeldes nicht nur finanziell geschädigt, sondern massivst in seinen Grundrechten eingeschränkt wird. Schliesslich kann sich wohl jeder selbst entscheiden, ob Frau die Behandlung im Nagel-Studio bzw. Mann den Einkauf bei Beate Uhse anonym mittels Bargeld oder für jeden sichtbar mit Karte bezahlt!

“Zum einen schützen Barzahlungen die Privatsphäre der Bevölkerung. Dass davon auch weniger rechtschaffene Personen profitieren, ist kein Grund, die ehrlichen Bürgerinnen und Bürger immer gläserner werden zu lassen.”
(Carl-Ludwig Thiele, Dt. Bundesbank)

Links:
www.ecb.europa.eu
www.bundesbank.de/
www.zoll.de
www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de
www.eu-verbraucher.de
www.oenb.at
www.oeropa.at

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Erst wenn die letzte Biene gestorben ist…

Es war im letzten Sommer, als ich beinahe zu Tode erschrocken bin: Nach einem starken, unwetterartigen Gewitter zeigten sich Schatten an der durch den Fernseher leicht bestrahlten Decke. Zwei Fledermäuse hatten sich mir nichts Dir nichts in’s Trockene geflüchtet. Ich riss vor dem Unwetter alle Fenster auf um das Haus vor dem Unwetter noch rasch von der sommerlichen Hitze zu kühlen. Dabei hatte ich das Licht jeweils ausgeschaltet, damit keine Stechfliegen oder Motten reinkamen. Vor zwei der Wohnzimmerfenster steht ein Fliederbusch. Eine heiss begehrte Nahrungsquelle v.a. für Schmetterlinge und Falter. Wie ich in den Tagen danach beobachten konnte, spielte sich dort mit Beginn der Dämmerung der Krieg der Welten ab. Eine Fledermaus frisst pro Nacht etwa ein Drittel bis zur Hälfte ihres Körpergewichtes an Insekten und ist somit ein wichtiger Mitstreiter im Kampf gegen Insekten-Überpopulationen. Doch – etwas eigenartig war das schon – schliesslich fliegen diese Tiere nahezu lautlos. Nach dem Abzug des Gewitters liess ich mehrere Fenster gekippt – am nächsten Tag war von den beiden weit und breit keine Spur mehr!
Der Mensch hingegen ist in seinen landwirtschaftlichen Monokulturen schon längst von den natürlichen Fressfeinden der Schädlinge abgekommen und setzt vermehrt auf die Chemie und Biochemie für seinen Ernteerfolg. V.a. Neonicotinoide werden gleich hektoliterweise auf den Kulturen ausgebracht. In Deutschland beispielsweise waren im vergangenen Jahr fünf Pflanzenschutzmittel mit Imidacloprid, vier mit Thiametoxam, fünf mit Clothianidin, 12 mit Acetamiprid und 22 mit Thiacloprid zugelassen. Sie werden vornehmlich im Obst- und Gemüseanbau, bei Tabak-, Hopfen- und Weinpflanzungen sowie beim Rüben-, Getreide und Maisanbau eingesetzt. Zudem stehen sehr viele Haushaltsmittel mit diesen Inhaltsstoffen im Keller oder der Garage so manchen Hauses. Diese sollen im Acker- und Obstbau v.a. gegen die Krabbeltiere, ua. die Grüne Pfirsichblattlaus, die Hopfenblattlaus, die Traubenkirschenlaus, den Kartoffelkäfer, die Mottenschildlaus oder auch Fransenflügler (wie den Tabakblasenfuß) helfen, die nicht nur fressen, sondern auch Pflanzenviren übertragen können (Getreide, Tomaten, Zitruspflanzen,…). Alles andere wird als Kollateralschaden in Kauf genommen. Und das ist wahrhaftig weitaus mehr als harmlos zu bezeichnen. Schliesslich vernichten sie auch Nützlinge, wie die Bienen oder gar Vögel, wie den Star!
Fakt ist, dass etwa durch Sprühen ausgebrachte Wirkstoffe nur zu einem Teil durch die Pflanze aufgenommen werden. Der Rest wird durch die Luft verfrachtet oder reichert sich im Boden an, da die Chemiekeule nur schwer abgebaut werden kann: In bewachsenem Boden nur rund 50 % in 48 Tagen, in unbewachsenem gar dasselbe in 190 Tagen. Ein Grund etwa, dass die Verwendung von DDT in unseren Breitengraden seit Jahrzehnten verboten ist, da es sich in der Nahrungskette eingenistet hatte und viele sich nach und nach damit vergifteten, obwohl sie der Meinung waren, sich gesund zu ernähren. Bereits das Saatgut wird mit dieser Chemiebombe gebeizt, damit möglichst viel des Wirkstoffes schon im Setzling einen guten Schutz bieten soll. Seit dem 21. Juli vergangenen Jahres allerdings ist die Aussaat von mit Clothianidin, Imidacloprid bzw. Tiamethoxam gebeiztem Wintergetreide-Saatgut verboten! In Frankreich ist seit dem Jahresbeginn der Einsatz von Neonicotinoiden grundsätzlich nicht mehr erlaubt. Die EU-Kommission hat mit dem 01. Dezember 2013 den Gebrauch der Neonicotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam in der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 485/2013 eingeschränkt. Diese Substanzen dürfen nurmehr bei bestimmten Kulturen verwendet und erst nach der Blüte ausgebracht werden. Mit dem 1. Dezember 2015 endete diese Einschränkung – derzeit laufen Überprüfungen.
In einer Studie der European Academies Science Advisory Council (EASAC) im April 2015 wurde bestätigt, dass ein solcher “weitreichender, präventiver Einsatz” negative Effekte auf Nichtzielobjekte zur Folge hat, die jedoch für die Bestäubung und natürliche Schädlingsbekämpfung immens wichtig sind. Bestätigt wurde dieses Ergebnis auch von einer anderen Studie (Risiko-Bewertung der EFSA betreffs Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam) vom August 2015, wonach die Risiken für Bienen nicht ausgeschlossen werden konnten. Damit ist zumindest die Blattbehandlung ohne weitere Einschänkungen eher unwahrscheinlich.

https://www.youtube.com/watch?v=Hnu_9NIUWLQ

Diese Pflanzenschutzmittel wirken sich negativ auf das Nervensystem der Bienen aus – sie werden orientierungslos, finden nicht mehr in ihren Stock zurück und verenden qualvoll. Zudem erhält der Stock weniger Nahrung und wird für Krankheiten oder Schädlinge anfälliger. Das wohl am meisten versprühte Neonicotinoid ist Imidacloprid. Nachdem das Bienensterben plötzlich in aller Munde war, hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit den Gebrauch des Wirkstoffes vorerst für zwei Jahre eingeschränkt. Schon davor aber befand sich dermassen viel davon v.a. im Umkreis von Anbauflächen in der Luft und im Boden, sodass auch die Atemluft damit angereichert und das Mittel zudem im Grundwasser nachgewiesen werden kann. Ferner zeigten jene Wissenschaftler, die im Rahmen des Dutch Common Breeding Bird Monitoring Scheme in den Niederlanden beschäftigt sind, auf, dass eine Korrelation zwischen der Imidacloprid-Konzentration im Oberflächenwasser und den Vogelpopulationen besteht. Je höher diese Konzentration im Wasser, desto geringer und weniger bunt war die Zahl der beobachteten Vögel. 15 Arten wurden im Rahmen der Studie berücksichtigt – die grössen Auswirkungen zeigten sich bei den Staren, den Feldsperlingen und der Goldammer. Als erste und wichtigste Ursache gilt, so ziehen die Ornithologen den Schluss, dass die Vögel zu wenig Nahrung finden. Ob sie sich durch den Genuss von betroffenen Insekten auch sukzessive vergiften, konnte noch nicht nachgewiesen werden, da derartige Untersuchungen sehr zeit- und geldaufwendig sind. Allerdings wird davor gewarnt, dass gebeiztes Saatgut giftig für so manchen Piepmatz ist (25 bis 50 mg pro kg Körpergewicht liessen im Labortest Kanarienvögel und auch Tauben zugrunde gehen). Andere Berechnungen zeigen dies in einer noch grösseren Dramatik auf: Rebhühner können sich bereits mit 5 gebeizten Maiskörnern, 6 Rübensamen oder 32 Rapssamen tödlich vergiften. Am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell wird kritisiert, dass Freilandversuche vor der Zulassung des Spritzmittels zwar offenbar durchgeführt wurden, die Ergebnisse jedoch nicht frei zugänglich sind.
Imidacloprid (1-(6-Chlor-3-pyridinylmethyl)- N-nitroimidazolidin-2-ylidenamin) wurde 1985 bei der deutschen Bayer AG entwickelt und seit Anfang der 1990er-Jahre industriell erzeugt. Der Bayer-Konzern stellt jährlich über 1.000 Tonnen davon her, die zum grössten Teil exportiert werden – nur ca. 25 bis 100 Tonnen werden in Deutschland verbraucht. Im Vergleich dazu Grossbritannien: Hier wurden auf 1,3 Mio ha im Jahr 2012 82 Tonnen ausgebracht (71 % Clothianidin, 16 % Thiamethoxam – Imidacloprid spielt bei den Briten nur eine untergeordnete Rolle). Unter Namen wie Admire®, Evidence®, oder Goucho® etc. wird das Insektizid in über 120 Ländern der Erde verwendet. Der Patentschutz lief 2005 aus – inzwischen gibt es von vielen Unternehmen vergleichbare Produkte – etwa Syngenta oder Mitsui Chemicals. Ein österreichischer Hersteller hingegen bietet das gefährliche Chlorpyrifos an. Ein Nervengift, das zu richtiggehenden neurologischen Störungen führt – nicht nur bei Insekten, sondern auch bei Wassertieren, Regenwürmern, Vögel und auch den Bienen. Als Haushaltsinsektizid ist es in der EU seit 2008 nicht mehr zugelassen – in der Landwirtschaft endet die Zulassung in diesem Jahr.
Bei sog. “systemischen” Insektiziden reichert sich das Gift in der Pflanze an, da es nur sehr langsam abgebaut wird. Dadurch wirkt der Schutz in der Pflanze länger. Jenes Insekt, das das Gift aufnimmt, erleidet eine Dauerreizung des Rezeptors, wodurch die Signalübertragung in den Nervenzellen, die chemisch erfolgt, stark gestört wird. Die Folge sind Krämpfe und schliesslich der Tod. Übrigens haben sicherlich auch Sie schon ein solches Insektizid verwendet: Es ist u.a. in den Stäbchen für Topfpflanzen enthalten. Oder wird als Läuse- und Floh-Bekämpfungsmittel bei Hunden und Katzen eingesetzt. Für Säugetiere bescheinigen die Hersteller eine Nahezu-Unbedenklichkeit. Das Präparat gilt als nur sehr gering toxisch, als nicht-krebserregend und wird vom Körper innerhalb von 48 Stunden zu 80 % abgebaut bzw. zu 20 % unverändert ausgeschieden. Vermutet werden bei höheren Konzentrationen ähnliche Wirkungen auf die Nerven wie beim Nikotingebrauch. In Taiwan führten zwei Fälle zum Tode – acht zu schweren Auswirkungen vornehmlich bei der Atmung (von insgesamt 70 Vergiftungen – zumeist Selbstmordversuche). Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA warnt jedoch davor, dass die beiden Neonicotinoide Acetamiprid und Imidacloprid bei Säuglingen und Kleinkindern möglicherweise zu Lern- und Gedächtnisproblemen führen können.
Die Öffentlichkeit wurde erst im Rahmen einer Studie der Harvard Universität im Jahr 2012 auf das Insektizid aufmerksam. Die Insektenforscher wiesen nach, dass 94 % der Bienenvölker innerhalb von 23 Wochen verendeten, obgleich die Dosis wesentlich geringer war, als etwa bei der Anwendung auf einem damit behandelten Feld. Der Verlust der Orientierung ist die Folge einer stark sinkenden Lern- und Gedächtnisleistung. Die Bienen sammelten nurmehr Nektar mit einer hohen Zuckerkonzentration und machten die anderen Bienen stark eingeschränkt auf den Nahrungsort aufmerksam. Der Bienenstock wurde zu wenig mit Nahrung versorgt und somit anfälliger für Krankheiten. All das wird bei der Zulassungsüberprüfung nicht berücksichtigt, dreht sich hierbei doch alles um eine evt. toxische Wirkung. Französische Imker kritisierten dies schon wesentlich früher. So ging etwa die Zahl der Bienenvölker zwischen 1996 und 2003 um rund 450.000 auf 1 Mio zurück, die Honig-Ausbeute pro Bienenstock sank zwischen 1995 und 2001 von 75 auf nurmehr 30 kg. Bei einer durchschnittlichen Honigbiene reichen bereits 4-5 ng aus um sie zu töten. 2008 beispielsweise sorgte ein mysteriöses Bienensterben im Oberrheingraben für grosse Besorgnis. Nicht weniger als 11.000 Bienenvölker wurden vernichtet oder stark geschädigt. Untersuchungen ergaben, dass mit Clothianidin gebeiztes Maissaatgut mittels pneumatischen Einzelkorn-Sägeräten ausgebracht wurden. Dadurch kam es zu einem Abrieb des Saatgutes, der durch die Luft auf benachbarte Rapsfelder verfrachtet wurde, die gerade in Blüte standen.
Auch bei Hummeln, die ebenfalls immens wichtig für die Bestäubung der Pflanzen sind, wurde ähnliches beobachtet: Die Staaten bleiben kleiner – weniger Königinnen schlüpfen.
Insektizide werden allerdings nicht nur in der Landwirtschaft oder dem eigenen Garten eingesetzt. Auch in der Forstwirtschaft, im Holzschutz, in der Vorratskammer, der Hygiene uvam. kommt die Chemiekeule zum Einsatz. Unterschieden werden dabei die Fraß – von den Kontaktinsektiziden, sowie die Mittel, die äusserlich und jene, die in der Pflanze (systemisch) eingesetzt werden. Eines jedoch haben all diese Stoffe gemein: Sie werden sehr langsam abgebaut – die Wirkung soll ja lange genug halten. Leider auch in der Nahrungskette! Im Unterschied dazu: Jene Insektengifte, die derzeit zur Bekämpfung des Zika-Viruses in Lateinamerika eingesetzt werden, sind hoch toxisch – damit auch für den Menschen gefährlich – aber sie bauen sich rasch ab. Die anderen Möglichkeiten sind vielfältig (etwa die Chitinbiosynthese-Hemmer, die gentechnische oder bakteriologische Schädlingsbekämpfung,…). Doch ist der Neonicotinoid-Markt mit rund 1,5 Mrd € Umsatz ein mehr als lukrativer. Immer interessanter wird dabei auch der Beizmarkt: 1990 noch bei 155 Mio – 2008 bereits bei 957 Mio € Umsatz! Damit ist die chemische Bekämpfung die einfachste und gewinnträchtigste. Zu Beginn 2013 wurde durch das Humboldt Forum for Food and Agriculture e.V. (HFFA) eine von Bayer und Syngenta in Auftrag gegebene Studie zu kurz- und mittelfristigen Auswirkungen eines EU-weiten Verbotes aller Neonicotinoide veröffentlicht. Die Studienverfasser sprechen von einem Rückgang der land- und gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung um 2,8 bis 3,8 Milliarden €, den Verlust von 22.000 Arbeitsplätzen und einem geringeren Einkommen in der Landwirtschaft um den Faktor von 4,7 % (bei fünf Jahren Wertschöpfungseinbussen von 17 Mrd. und 27.000 Arbeitsplätze weniger). Das Minus müsste durch mehr Importe ausgeglichen werden – dies führe zu einem CO2-Ausstoss von 600 Mio t. Und für Bayer? Da wurde damals mit einem Umsatzverlust von 80 Mio € pro Jahr spekuliert! Deshalb legte der Konzern einen Aktionsplan vor: Ackerrandstreifen, Abluft-Detektoren, Feld-Monitoring etc. Als ob sich der immer stärker werdende Wind an Grenzstreifen hält! Zudem reichten sowohl Bayer als auch Syngenta Klagen gegen diese Einschränkungen am Europäischen Gerichtshof ein. Ein Vorgeschmack auf TTIP??? Übrigens veröffentlichte Health Care Canada im vergangenen Januar eine Studie, wonach der Einsatz von Imidacloprid bei Blattapplikationen nur minimale Risiken birgt, Bodenapplikationen etwa bei den Tomaten und Erdbeeren bei manchen Böden potentielle Risiken und Beizmittel keine Risiken bergen! Das zeigt uns einmal mehr auf, dass jenseits des grossen Teiches die Uhren etwas anders laufen als in Good Old Europe!
Zuletzt allerdings sorgte ein anderes Mittel für grossen Tumult: Glyphosat! In einer durch das Bündnis 90/Die Grünen veranlassten Untersuchung wurden durch den Elisa-Test (siehe Blog zum Thema “Zika-Virus”) erhöhte Werte des Pflanzenschutzmittels in der Muttermilch nachgewiesen (0,2 – 0,4 Nano-Gramm pro Milliliter). Allerdings ist der verwendete Test des US-amerikanischen Unternehmens Abraxis nicht wirklich für eine derartige Untersuchung geeignet. Schliesslich ist dieser für die Untersuchung von Kuhmilch entwickelt worden – dort wurden auch Werte von bis zu 75 Nanogramm pro Milliliter gemessen. Die Empfindlichkeit sei nicht für die Testung von Muttermilch geeignet, so das Unternehmen. In einem zweiten Test (veranlasst durch das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR) fanden die Wissenschaftler nichts mehr. Ganz auszuschliessen jedoch ist die Gefahr nicht. Auch das deutsche Bundesumweltamt entdeckte in Urin-Proben erhöhte Mengen des Giftes (2,8 Nano-Gramm pro Milliliter). Der Schluss daraus ist fatal: Der Wirkstoff befindet sich in der Nahrung – weniger im Trinkwasser, da es relativ rasch durch Boden-Mikroorganismen abgebaut wird (Ackerland – 14 Tage; Wald-Ökosystem – 30-60 Tage) – allerdings werden dadurch erhebliche Mengen an Kohlendioxid freigesetzt!

https://www.youtube.com/watch?v=HL_kjRlU95E

Obwohl die EU Glyphosat als unbedenklich einstuft und sogar die Grenzwerte erhöhen will, sprechen andere Wissenschaftler von “möglicherweise krebserregend” (Internationale Krebsforschungsagentur IARC). Das Pflanzengift (N-(Phosphonomethyl)glycin C3H8NO5P)) ist ein farb- und geruchloser, fester Stoff und gilt lt. EU-Gefahrenstoffkennnzeichnung als “reizend” bzw. “ätzend”. Das Herbizid wurde von dem eidgenössischen Chemiker Henri Martin anno 1950 entwickelt, seit 1974 von Monsanto vertrieben und weltweit zur Unkrautbekämpfung eingesetzt. Inzwischen werden von zumindest 91 Unternehmen in 20 Ländern rund 720.000 Tonnen (2012) jährlich hergestellt. Dabei selektiert das Gift aber nicht zwischen Nutz- und Schadpflanzen, sondern vernichtet alle Pflanzen. Nutzpflanzen müssen somit gentechnisch resistent gegen das Mittel gemacht werden. Die Abdrift hängt von der Ausbringung ab und liegt bei rund 1 m (moderne Feldspritzen) bzw. 75 m (Agrarflugzeuge).
Glyphosat wirkt auf alle grünen Teile einer Pflanze, indem das Enzym EPSPS gehemmt wird. Das kommt nur in Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen vor. Die Befürworter des Mittels betonen, dass es deshalb für Säugetiere, Vögel, Fische und Wirbellose nicht gefährlich sei, da es durch den Urin wieder ausgeschieden wird. Inwieweit Glyphosat auch tödlich auf Bienen wirkt, ist nicht erwiesen. Allerdings konnte durch Wissenschaftler der Freien Universiutät Berlin und der Universität Buenos Aires festgestellt werden, dass sie ähnlich wie bei den Neonicotinoiden den Orientierungssinn verlieren. Dadurch fliegen sie beim Rückweg zum Bienenstock teils erheblich Umwege. Ausserdem gebe es aufgrund der Universalwirkung des Mittels immer weniger Blüten, Nektar, Pollen und somit Nahrung für die Bienen.
Lobenswert hervorheben möchte ich die Südtiroler Gemeinde Mals im Vinschgau mit ihrer komplett pestizidfreie Zone. In einem Bürgerentscheid sprachen sich über 76 Prozent dafür aus. Die Initiative ergriff damals der ortsansässige Apotheker. Der Vinschgau ist zumindest europaweit für seinen Apfelanbau bekannt. Allerdings muss – je nach Witterung – bis zu 15mal pro Saison gespritzt werden. Klar – nicht nur Insektizide, sondern auch Herbizide uvam.

http://www.br.de/radio/bayern2/gesellschaft/notizbuch/mals-pestizide-buergerentscheid-100.html

Mals entwickelt sich inzwischen immer mehr zur grossen Bio-Zone, während andere Obstbauern in Südtirol nach wie vor den Boden vergiften. Vergleichbar mit dem Atomstrom: Was danach kommt, ist den Herstellern egal!

PS: Immer wieder betonen Wissenschaftler, dass die ursächliche Wirkung von Neonicotinoide beim Bienensterben noch nicht zu 100 Prozent nachgewiesen ist. Es mangle an grossangelegten Feldstudien! Dem möchte ich mich hiermit anschliessen! Dass deren Einsatz hingegen mehrfach hinterfragt und Alternativen dazu überprüft werden sollten, steht ausser Diskussion – bevor es zu spät ist!

TV.Tipp:

WDR – “Gift im Acker – Glyphosat, die unterschätzte Gefahr?” Dokumentarfilm von Volker Barth und Susanne Richter, Deutschland 2015, 42:50 Min

Lesetipps:

.) Ullmann’s Encyklopädie der technischen Chemie, 4. Auflage
.) Wirksubstanzen der Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel; Werner Perkow; 2. Auflage. Verlag Paul Parey 1988.
.) Pesticide Synthesis Handbook; William Andrew, 1996
.) Metabolic pathways of agrochemicals. Part 2; Terence Robert Roberts, David Herd Hutson; Royal Society of Chemistry 1998

Links:

http://ec.europa.eu/food/plant/pesticides/eu-pesticides-database-redirect/index_en.htm

http://www.efsa.europa.eu/de

http://www.bfr.bund.de

http://www.bvl.bund.de/DE/04_Pflanzenschutzmittel/01_Aufgaben/02_ZulassungPSM/01_ZugelPSM/01_OnlineDatenbank/psm_onlineDB_node.html

https://agrar.bayer.de

http://www.syngenta.com

http://www.monsanto.com

http://www.mitsui-chemicals.de

http://www.orn.mpg.de/

http://www.hortipendium.de

http://www.proplanta.de/

http://www.gb-profi.de

http://www.agrarheute.com/

http://www.dguv.de/ifa/GESTIS/GESTIS-Stoffdatenbank/index.jsp

http://www.pnas.org

http://www.hc-sc.gc.ca

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Ein kleines Virus, das die ganze Welt in Atem hält

Wie ein Lauffeuer verbreitet sich jede neue Meldung – ist ja auch kein Wunder, schliesslich ist das Zika-Virus brandgefährlich und vermehrt sich zudem explosionsartig. Nachdem es zunächst hiess, dass das Flavivirus für Menschen eigentlich harmlos sei (nur schwangere Frauen sollten sich unbedingt davor schützen!), wird die Meinung nach und nach revidiert! Zu allem Übel verstarben dieser Tage in Kolumbien drei erwachsene Menschen an einer Autoimmunkrankheit mit dem Namen “Guillan-Barré-Syndrom” (GBS) – offenbar als Folge einer Zika-Virus-Infektion. Ein Zusammenhang wurde bislang nur vermutet, da die Fälle der Erkrankung vermehrt in jenen Regionen auftraten, in welchen auch das Virus wütete. Nach Angaben der Zeitung “O Globo” werden seit Januar bereits 16 derartiger Patienten im Hospital Universitário Antônio Pedro in Rio de Janeiro behandelt (statistisch normal seien jährlich fünf). Das Immunsystem greift dabei die Nervenzellen des Betroffenen an und zerstört diese. Weshalb, ist bislang noch nicht geklärt. Im Verlauf des Nervenleidens kommt es zu lebensbedrohlichen Lähmungen, die zumeist an Händen und Füssen beginnen, aber auch die Atmung betreffen können. Die meisten dieser Patienten erholen sich wieder davon – in seltenen Fällen jedoch verläuft die Krankheit letal. Deshalb hat nun auch die Weltgesundheitsorganisation WHO darauf reagiert und mit dem 01. Februar den weltweiten Gesundheitsnotstand ausgerufen (“Public Health Emergency of International Concern, PHEIC”). Erwartet werden weltweit insgesamt drei bis vier Millionen Zika-Erkrankungen. Der letzte Notstand wurde 2014 aufgrund des Ebola-Viruses ausgelöst. Somit müssen auch bislang nicht betroffene Staaten Massnahmen zur Bekämpfung der Erkrankung anlaufen lassen.

https://www.youtube.com/watch?v=fIxygKb3Z2A

Dabei ist das Zika-Virus eigentlich schon seit langem bekannt. Seinen Namen hat es von einem Wald in Uganda, in welchem Wissenschaftler erstmals im Jahre 1947 das Virus bei der Stechmücken-Gattung Aedes (etwa die Gelbfiebermücke) und einem infizierten Rhesus-Affen nachweisen konnten. Eigentlich waren sie auf der Suche nach dem Gelbfiebervirus. 1952 wurde eine Zika-Infektion am Menschen in Uganda und Tanzania nachgewiesen. Bislang begrenzte sich das Ausbreitungsgebiet dieser Mücken auf die Tropen und Subtropen, da sie das feuchte und heisse Klima dort zum Überleben und Vermehren benötigen. Ein etwas härterer Brocken ist da schon die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus). Sie überlebt auch in gemässigteren Breiten und somit auf dem europäischen Kontinent. Im sog. “Huckepack-Verkehr” eingeführt (etwa auf Schiffen oder in Flugzeugen), legt sie die Eier in kleine Wasserbiotope (Pfützen, Regenwassertonnen, Gullys, …) und vermehrt sich dadurch rasend schnell. So klagt Südtirol etwa schon seit einigen Jahren über die ständige Zunahme der Tigermücken: 2015 habe sich die Zahl der nachgewiesenen Eier im Vergleich zu 2013 nicht weniger als vervierfacht. Hierzulande sind die Stechmücken zwar unangenehm, jedoch zumeist harmlos. Zu Problemen kann es allerdings kommen, wenn die Blutsauger einen infizierten Wirt anzapfen. Einen Menschen etwa, der beispielsweise Malaria oder das Dengue-Fieber aus seinem Urlaub mitgebracht hat. Unter solchen Umständen kann sich die Krankheit auch hierzulande verbreiten. Doch – so die Aussagen beim Robert-Koch-Institut – eine infizierte Mücke ergibt noch lange keine Epidemie. Treten dennoch vermehrt Fälle auf, so kann das Infektionsgebiet rasch eingegrenzt und Gegenmassnahmen gesetzt werden. In Honduras beispielsweise beteiligten sich nicht weniger als 200.000 Menschen an einer Desinfektionskampagne der Regierung: Ausgerüstet mit Insektiziden wurden Häuser desinfiziert und stehende Schmutz-Gewässer aufgelassen. In diesem Land traten bislang mehr als 4.400 Zika-Infektionen auf, weshalb die Regierung den Notstand ausgerufen hat.
Kein Grund zur Panik – in unseren Breiten ist es sogar den meisten Tigermücken zu kalt. Durch Frost mit Werten von unter -10 Grad im Winter sterben die meisten Eier ab. Wird dies jedoch nicht erreicht, so ist durchaus beginnend mit dem Frühjahr eine Mückenplage im Bereich des Möglichen. Ein Problem könnte zudem künftig die Erderwärmung darstellen. Bei Sommer-Temperaturen jenseits der 35 Grad fühlen sich die Mücken so richtig wohl. Südlich des Brenners etwa werden die Abwassergullys bereits larvizid-behandelt und die Menschen aufgerufen, Wasseransammlungen im Freien zu vermeiden oder aufzulassen. Werden einige grundlegende Massnahmen zu Herzen genommen, so sollte Mann oder Frau nahezu stichlos durch den Sommer kommen: Helle und bedeckende Bekleidung, Mückennetze an den offenen Fenstern und viel Insektenschutzmittel zum Eincremen. Die Stechmücken sind tagaktiv. Wer also tagsüber schlafen sollte, benötigt in den betroffenen Gebieten unbedingt ein Moskito-Netz über dem Bett! Sehr häufig sind zudem Stechmücken im Bereich von Friedhöfen zu finden, da hier bei sehr vielen Gräbern auch Weihwasser-Schalen aufgestellt sind. Zudem sollten v.a. schwangere Frauen derzeit eine Reise nach Süd- oder Mittelamerika vermeiden.
Dort ist höchstwahrscheinlich durch die Fussball-WM die asiatische Linie des Viruses eingeschleppt worden (daneben existiert auch die afrikanische). Kolumbien hat zuletzt tausende infizierte Schwangere gemeldet. Der Erreger wird im Mutterleib auf das ungeborene Kind übertragen. Aus bislang noch nicht bekannter Ursache führt es (noch nicht nachgewiesen!) zu einer Schädel- und Hirnfehlbildung – “Mikrozephalie”. Der durchschnittliche Kopfumfang eines Neugeborenen beläuft sich auf 34 cm. Sinkt dieser unter 32 cm so besteht die Gefahr einer Behinderung bei den Entwicklungsprozessen des Gehirns. Es drohen geistige Defizite, Krampfanfälle und auch Todesfälle. In Brasilien wurden bis Ende Januar bereits 68 Todgeburten verzeichnet, die im Zusammenhang mit dem Virus stehen. Einen endgültigen Beweis wird es jedoch erst dann geben, wenn das Wechselspiel zwischen der Virus-Infektion und der Mikrozephalie bekannt ist.
Bei rund 20 % der anderen Infizierten treten drei bis zwölf Tage nach dem Stich leichte Grippe- oder Erkältungssymptome auf, wie Fieber, Muskel-, Kopf- oder Gelenkschmerzen sowie evt. Hautreizungen oder Knotenbildungen, manches Mal auch eine Bindehautentzündung. Nachdem die Infektion überstanden ist (spätestens eine Woche nach dem ersten Auftreten), ist die allgemeine Immunisierung gegen das Virus zwar wahrscheinlich, jedoch noch nicht erwiesen!.
Im Sommer 2016 versieht auf der Südhalbkugel die Gelbfiebermücke ganze Arbeit. Nachdem bislang mit Ausnahme von Mikronesien (2007 auf der Insel Yap) und Französisch-Guyana im Jahre 2013 grössere Zika-Epidemien ausblieben, sind derzeit Millionen Menschen vornehmlich in Brasilien infiziert. Und die Epidemie breitet sich immer weiter auf dem süd- und mittelamerikanischen Kontinent aus. Das US-amerikanische CDC (“Centers for Disease Control and Prevention”) rät deshalb derzeit von Reisen in folgende Länder ab:

Karibik:
Barbados, Dominikanische Republik, Guadeloupe, Haiti, Jungferninseln, Martinique, Puerto Rico, Saint Martin
Zentralamerika:
El Salvador, Guatemala, Honduras, Panama
Südamerika:
Brasilien, Kolumbien, Französisch-Guayana, Guyana, Suriname
Pazifik:
Samoa

Auch weist etwa das österreichische Aussenministerium eigens in seinem weltweiten Monitoring auf ein erhöhtes Sicherheitsrisiko bei den Salomonen-Inseln aufgrund des Zika-Viruses hin.
Alleine in Kolumbien sind bislang rund 26.000 Neu-Infektionen registriert worden (Ende Januar waren es noch knapp über 2100 Fälle). Kaum vorstellbar, was die rund 3.100 werdenden Mütter derzeit durchmachen, die auf den Nachwuchs und zuvor auf die Untersuchungsergebnisse warten. In Brasilien wird mit gegenwärtig 1,5 Mio Infizierungen gerechnet. Seit Oktober wurden zirka 4000 Babys mit Verdacht auf Mikrozephalie erfasst – bei 404 Fällen hatte sich der Verdacht bestätigt. Ansonsten sind es um die 160 Fälle pro Jahr. Nach Berichten der Zeitung “Folha de São Paulo” lassen Frauen vermehrt abtreiben, damit sie mit dem Risiko einer Erkrankung des Ungeborenen nicht konfrontiert werden – obgleich sie noch gar keine Gewissheit haben.
Im Zuge der intensiveren Untersuchungen wurde nun auch bekannt (ein Fall in Texas, einer in Colorado), dass das Virus zudem sexuell übertragbar ist. Deshalb empfiehlt die US-amerikanische Gesundheitsbehörde Rückkehrern aus den Krankheitsgebieten vorerst, Geschlechtsverkehr nach der Rückkehr aus Problemländern nur mittels Kondom geschützt zu betreiben. Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml teilt diesen Ratschlag und spricht von 28 Latex-Tagen. Auch werden derzeit die Übertragungswege via Blut und Speichel untersucht. Das brasilianische Institut Fundação Oswaldo Cruz soll Erreger im Speichel und Urin festgestellt haben. Es empfahl, niemanden mit Verdacht auf Zika zu küssen.
Die Testung basiert auf einem PCR-Verfahren, bei dem die RNA des Viruses ausfindig gemacht wird oder auf dem sog. “Elisa-Test”, in dessen Mittelpunkt die im Menschen produzierten Antikörper stehen. Zweiteres ist allerdings noch mit einem anderen Risiko verbunden: Der Elisa-Test reagiert auch auf Anti-Körper gegen andere Flaviviren wie dem Dengue-Fieber positiv!

https://www.youtube.com/watch?v=ef2gradO7uo

In Deutschland brachte der erste Tourist das Virus anno 2013 von einem Thailand-Urlaub mit nach Hause. Zuletzt waren 15 Infizierungen registriert – die Betroffenen importierten die Erkrankung allerdings von einem Aufenthalt aus einem der Hot Spots in Lateinamerika. Zuständig in Deutschland ist das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. In Österreich hat die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) ein Stechmücken-Monitoring eingerichtet, das die Insekten ständig auf humanpathogene Viren untersucht. Dies wären beispielsweise das vorhin bereits angesprochene Dengue oder eben Zika, aber auch das West Nil Virus. Zika wurde bislang noch nie nachgewiesen. Auch sorgte die Tigermücke erst zweimal in Österreich für Unmut – einmal in Tirol und einmal im Burgenland – beide im Jahr 2012!
In der Schweiz wurden bislang zwei Fälle bekannt. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) versucht ebenfalls zu beruhigen: Dabei handelt es sich um zwei bereits erkrankte Tropenrückkehrer. Das Expertenkomitee für Reisemedizin der Schweiz rät ebenfalls Schwangeren zum Besuch eines der betroffenen Gebiete ab.
Auch in den USA (12 Fälle) und Grossbritannien (3 Fälle) haben Touristen das Virus als unliebsames Reisegeschenk mitgebracht. US-Präsident Barack Obama hat bereits zugesagt, 1,8 Milliarden Dollar in die Erforschung eines Impfstoffes und Programme zur Kontrolle von Stechmückenplagen zu investieren. In den kommenden Tagen soll dies dem Kongress vorgelegt werden. Die US-amerikanische Seuchenbehörde CDC hat inzwischen die höchste Prioritätsstufe 1 gewählt, was bislang nur bei Ebola, der Schweinegrippe und nach dem Hurrikan Katrina der Fall war.
Der erste in China eingeschleppte Fall sorgt für weltweites Aufsehen. Ein 34-jähriger aus der Region Ganxian hatte das Virus mitgebracht. Infektionskrankheiten werden im Reich der Mitte mit grosser Besorgnis gesehen. Schliesslich ist es nicht auszudenken, was eine Epidemie im bevölkerungsreichsten Land der Erde anrichten könnte!
Vonseiten der WHO heisst es, dass mit Hochdruck an einem Impfstoff gearbeitet wird. Allerdings dürfte dieser frühestens im kommenden Jahr in die Human-Testphase gehen. Vonseiten des Pharmarzie-Riesen Sanofi, der als erster einen Dengue-Impfstoff herausgebracht hatte, heisst es, dass eine solche Entwicklung normalerweise bis zu zehn Jahre dauern kann. In Genf wird befürchtet, dass sich die Tigermücke durch das Wetterphänomen El Nino auch rasch auf Nordamerika ausbreiten könnte.
Mit Spannung sieht man den Olympischen Sommerspielen im August in Brasilien entgegen. Zwar finden diese dort zum meterologischen Winter statt, jedoch ist hierbei nicht die Rede von einem mitteleuropäischen Winter – Temperaturen zumeist um die +10 Grad und Regen! In Kenia beispielsweise erwägt das KOC (Olympisches Komitee Kenia) eine Absage – man wolle die Athleten nicht unnötigen Gefahren aussetzen.

Lesetipp:

Infektionskrankheiten; N. Suttorp, M. Mielke, W. Kiehl, B. Stück; Stuttgart 2004

Links:

www.who.int
ecdc.europa.eu
expasy.org/
www.bmg.bund.de
www.rki.de
www.g-f-v.org
www.bnitm.de/
www.xrm.de
www.ages.at
www.bmeia.gv.at
www.bag.admin.ch
www.swisstph.ch
www.paho.org
portalsaude.saude.gov.br
www.cdc.gov

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Mit Geld lässt sich alles kaufen

Beim Auftritt in einer Wrestling-Show (Battle of the billionaires – Wrestlemania 23), bei der sich Donald Trump mit dem Chef der WWE, Vince McMahon, via eines selbst ausgesuchten Schützlings matchte, liess er es Hundert-Dollar-Scheine regnen!

Als einst Ronald Reagan für die US-Präsidentschaft kandidierte, echauffierte sich die ganze Welt: Ein Pistolenheld-Schauspieler aus der 2. Reihe Hollywoods als mächtigster Mann der Welt! Es sind wahrhaft dubiose Gestalten, die die Republikaner immer wieder aus dem Hut zaubern: George W. Bush, Arnold Schwarzenegger, Rudy Giuliani, Michelle Bachmann, den Senator Ted Cruz, der auf keinem Bild ohne Waffe zu sehen ist, und auch Donald Trump! Da bekommt der Spruch “Das schlägt dem Fass den Boden aus!” eine komplett andere Bedeutung. Und der Immobilien-Tycoon hat zudem recht gute Chancen – leider! Denn schliesslich ist er es, der vielen US-Bürgern aus der Seele spricht: Endlich wieder zurück auf die Strasse der Sieger und nicht sich von allem zurückziehen! Obgleich er als Sohn einer Millionärsfamilie und jetziger Milliardär (oder doch nur Multimillionär, wie es die Deutsche Bank beurteilt oder Forbes, die ihn nur auf Platz 405 der Milliardäre einreiht) vieles gar nicht am eigenen Leib erleben musste. Dennoch macht er sich die Wut zunutze, die in sehr vielen seiner Landsleuten zehrt! So fordert er beispielsweise weniger oder gar keine Steuern für Arme und mehr für Reiche. Damit widerspricht er eigentlich der Steuerpolitik der Republikaner – da es aber gut beim Wähler ankommt …! Nur ganz wenige mögen ihn, die anderen wählen ihn aber trotzdem. Nein, nicht weil die demokratische Kontrahentin Hillary Clinton eine schlechte Politikerin ist. Trump schert sich um nichts und um niemanden. Doch ist das auf dem von ihm angestrebten Posten denn auch wirklich passend? Wäre da nicht vielleicht sein Kollege aus dem New Yorker Milliardärsclub Bloomberg wesentlich besser geeignet? Schliesslich hat der ja schon mal den Big Apple als Bürgermeister regiert (für 1 US-Dollar monatlich als symbolisches Gehalt), sollte sich also mit Politik auskennen. Er mag die Äusserungen Trumps nicht und bezeichnet Clinton als zu passiv! Deshalb hatte auch er sich kurzfristig überlegt, eine runde Milliarde in den Wahlkampf anzulegen – in seinen eigenen! Doch Trump bewegt die Menschen – zwischen der Ost- und Westküste wütet der “Trumpism”. Millionen von Wutbürgern, die angesichts ihrer tristen wirtschaftlichen Situation endlich wieder amerikanisch leben können möchten! Viele erwarteten sich durch das Fracking Millionen. Nun sind sie ärmer als zuvor und ihr Boden und Trinkwasser vergiftet.
Donald Trump wurde am 14. Juni 1946 in New York City geboren. Schon sein Vater, Frederick Trump Jr. war in der Immobilienbranche tätig. Seine Grosseltern übrigens stammen auf der Pfalz/Deutschland. Über mehrere Ecken ist Trump auch mit dem Ketchup-Hersteller Henry John Heinz verwandt, dessen Vater ebenfalls aus Kallstadt stammt. In einem Interview meinte Trump zudem, dass er stolz auf dieses deutsche Blut sei. Nachdem er die New Yorker Militär-Akademie abgeschlossen hatte, studierte er in den 60ern Wirtschaftswissenschaften und erledigte so ganz nebenbei auch schon seine ersten Immobiliengeschäfte. 1974 übernahm er das millionenschwere Geschäft seines Vaters, der sich vornehmlich mit dem Bau von Mietskasernen in den Stadtteilen Brooklyn, Queens und Staten Island reich machte. Donald allerdings konzentrierte sich – unterstützt durch Steuervorteile, von welchen ein Normalo nur träumen kann – auf Manhattan.

https://www.youtube.com/watch?v=Wlo4WFGiDug

Inzwischen gibt es Trump Towers nicht nur in den amerikanischen Städten Chicago, Las Vegas und New York, sondern auch in Toronto, Honululu und in Vancouver, der in diesem Jahr eröffnet werden soll. Zahlreiche Hotels wurden bereits errichtet; viele, etwa in Dubai oder auch Frankfurt, sollen folgen. Zum Trumpschen Imperium zählten bzw. zählen noch immer Spielbanken, eine Model-Agentur und eine Fluggesellschaft. Nicht weniger als 16 Bücher kamen bislang unter seinem Namen auf den Markt – das wohl erfolgreichste war “The Art of the deal”, das sich 1987 nicht weniger als 51 Wochen in der Bestsellerliste der New York Times halten konnte. Seine politischen Pläne sind in seinem bislang letzten Buch “Verkrüppeltes Amerika” enthalten. Auch in Hollywood-Streifen war er eher minder erfolgreich – etwa in “Wer ist Mr. Cutty” oder “Kevin alleine zuhaus”. Wesentlich besser lief die NBC-Show “The Apprentice” (Der Auszubildende), bei dem Trump unter 16 Kandidaten den richtigen für seine Projekte suchte, der dann auch 250.000,- € Jahresgehalt erhielt – die Sendung entwickelte sich zum Quotenhit. Insgesamt liefen 14 Staffeln – so manche stand wegen der überhöhten Trump’schen Gagenforderung auf der Kippe. Seine Rolle übernimmt in diesem Jahr Arnold Schwarzenegger.

https://www.youtube.com/watch?v=7R1vT87nrUQ

Ob Trump nun politisch für ernst genommen werden kann, sei dahingestellt. Mehr sagt da sein bisheriges politisches Leben aus: 1987 Republikaner, 1999 Independence Party, 2001 Demokraten und schliesslich 2009 wieder Republikaner. Seine Parteispenden waren jeweils heiss begehrt – das Programm hingegen glich und gleicht auch heute noch einem eckig gesetzten Slalomkurs in Beaver Creek. Die drei Säulen des Trump’schen Wahljahres 2016 lauten: Begrenzung der Einwanderung, Kampf gegen globale Wirtschaftsimperien (!!!) und die Schaffung von Arbeitsplätzen (durch eine geringere Besteuerung von Unternehmen). Syrische Bürgerkriegsflüchtlinge beispielsweise lehnt er angesichts der Terrorangst ab, Moscheen sollen geschlossen und ein Zentralregister für alle Muslime eingerichtet werden. Soweit also zur Gleichheit in den USA. Noch 2012 sprach er sich gegen die Flüchtlingspolitik des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney aus, der von einer “Self deportation” der Einwanderer, also einer freiwilligen Rückführung der Einwanderer in ihre Herkunftsländer sprach. Im August 2015 allerdings votierte der Immobilien-Manager in einem Immigrationspapier für die Zwangsausweisung der 11 Mio illegalen Einwanderer in den USA und für den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko, die der südliche Nachbar auch bezahlen müsse.
Alles andere im Wahlkampf ist improvisiert und vermittelt grossteils den Eindruck: Wie der Meister gerade drauf ist, so äussert er sich auch zu einem Thema – Hauptsache jedoch populistisch! Mit seinem Slogan “Make America great again!” bläst er aber sowas von in die republikanischen Fanfaren. Auch wenn er sich anno 2015 immer wieder bemüssigt sah zu betonen, dass er sich auch als unabhängiger dritter Präsidentschaftskandidat vorstellen könnte. Die Republikaner sahen ihre Chancen gegen die Demokratin Clinton dahinschwinden. Also wurde Trump eine Loyalitätserklärung zur Unterschrift vorgelegt.
Pläne, ein höheres politisches Amt zu belegen, waren immer mal wieder da: Gouverneur von New York oder auch die US-Präsidentschaft. Doch erschien ihm Barack Obama 2012 als zu mächtiger Gegner. Also zog er sich wieder zurück, schürte jedoch im Hintergrund das Feuer über die Birther-Bewegung, die Obamas Legitimität als Präsident anzweifelte.
Ähnlich umtriebig ist Trump auch in seinem Privatleben: Von Ivanka über Carla Bruni und Maria Maples bis gegenwärtig hin zum slowenischen Model Melania – insgesamt fünf Kinder werden sich einmal das Erbe teilen.
Immer wieder sorgt Trump aufgrund seiner derben Aussprüche für Schlagzeilen. So beschimpfte er im Jahr 2007 die US-Talkmasterin Rosie O’Donnell als “Looserin”, “Degenerierte” und sogar als “Fette Sau”, nachdem sie Trumps Vorlieben für eine Kandidatin der Miss USA-Wahlen kritisiert hatte. Mit der grossen Gruppe der Latinos verscherzte er es sich mit seinem Spruch “…. sie sind Vergewaltiger, und einige, nehme ich an, sind auch nette Leute!” Dadurch verlor er alsdann viele seiner bisherigen Geschäftspartner und Unterstützer. Auch ausgewiesene Republikaner distanzierten sich von ihm. Allen voran US-Senator John McCain, der befürchtet, dass Trump den “Crazies” (dem verrückten Parteiflügel) wieder Auftrieb geben könnte. Wie die Unterstützung von Sarah Palin zeigt – durchaus berechtigt, vertritt sie doch die erz-konservative “Tea-Party”, die mit Ted Cruz eigentlich einen eigenen Kandidaten in’s Rennen schickt. Mir schaudert bei dem Gedanken Trump als US-Präsident und Palin als dessen Vize! Den grossen John McCain misskreditierte Trump übrigens als Anti-Vietnam-Kriegsheld, der sich gefangen nehmen und foltern liess.
Trumps Entschuldigung für seine Ausrutscher: “… Und ich habe keine Zeit, um politisch korrekt zu sein!” (TV-Diskussion der Republikaner im August 2015 zur Kritik an seinen frauenfeindlichen Aussagen). Stellen Sie sich ein Aufeinandertreffen Trumps mit dem russischen Egozentriker Wladimir Putin, dem chinesischen Regierungschef Xi Jinping vor oder noch schlimmer: Sein mögliches Verhalten gegenüber Nordkoreas Kim Jong-un! Die nächsten Krisenherde wären geboren – nur aufgrund undiplomatischer, verbaler Ausrutscher auf beiden Seiten! So versprach er beispielsweise in einem Radiospot, den Islamischen Staat “in Grund und Boden zu bombardieren”. Solche Worte wollen zwar seine Landsleute hören, schliesslich sind die USA die Sheriffs dieser Welt, doch anderswo werden diese Ideen auch anders aufgefasst. Nach dem Terrorakt von San Bernadino forderte Trump ein Einreiseverbot für alle Muslime, die nicht über eine US-amerikanische Staatsbürgerschaft verfügen. Proteste hagelte es nicht nur von Boxlegende Muhammed Ali und Facebook-Erfinder Marc Zuckerberg. Nur kurz zuvor hatte er sich für eine Aufnahme syrischer Kriegsflüchtlinge ausgesprochen. Merkels Flüchtlingspolitik bezeichnete er gar als “wahnsinnig”, sie ruiniere Deutschland! Und für Brüssel hatte er nur ein Wort übrig: “Höllenloch”! Auch beim Verbündeten Grossbritannien sorgte Der-mit-der-losen-Zunge für grossen Unmut. Dieser meinte, dass einige Stadtviertel Londons dermassen radikalisiert sind, dass sich nicht mal mehr die Polizei hinein traue. Über eine halbe Million Briten unterzeichneten daraufhin eine Petition zu einem möglichen Einreiseverbotes des Populisten für das gesamte Staatsgebiet des Vereinigten Königreichs! Nach den Terroranschlägen von Paris machte Trump das strenge französische Waffengesetz dafür verantwortlich indem er betonte, dass die Opferanzahl sicherlich nicht dermassen hoch gewesen wäre, wenn die Menschen Waffen tragen dürften!!!

https://www.youtube.com/watch?v=ETLGvhtuVqE

Der meines Erachtens jedoch grösste Fehltritt, den sich Trump in diesem Wahlkampf leistete: Er könne auf der 5th Avenue stehen und wahllos auf Menschen schiessen, ohne dadurch auch nur einen seiner Wähler zu verlieren! Hallo? Das sagt ein Präsidentschaftskandidat im Land der Amokläufer und Waffennarren? Fragt sich: Wenn er es dermassen ernst mit der Unterschicht meint, weshalb steht dann ausgerechnet der Trump-Tower in der 5th Avenue?! Weshalb macht der Meister in Manhattan mit sehr vielen Banken, die jährlich hunderttausende Häuser pfänden, sehr gute Geschäfte???
Auch wenn der Vorwahlstaat Iowa überraschend an den Texaner Ted Cruz ging und Umfrage-Werte für Marco Rubio sprechen, so gilt doch Trump als republikanischer Spitzenkandidat. V.a. die Arbeiter (“Blue Collars”) tendieren stark zu Trump, während viele der Angestellten (“White Collars”) sich noch nicht wirklich entschieden haben. Wenn der für Jeb Bush tätige Wahlkampfmanager Mike Murphy von einem “Zombie-Kandidaten” und Marco Rubio von einer Freak-Show spricht, so besteht kein Zweifel darüber, über wen sie sprechen – ich hingegen würde die Kandidaten-Auswahl der Republikaner im Allgemeinen als solche bezeichnen:
.) Donald Trump (Immobilien-Tycoon aus New York)
.) Ted Cruz (Senator aus Texas)
.) Marco Rubio (Senator aus Florida und ehemaliger Sprecher des Repräsentantenhauses)
.) Jeb Bush (ehemaliger Gouverneur von Florida)
.) Ben Carson (Neurochirurg in Pension)
.) Rand Paul (Senator aus Kentucky)
.) Chris Christie (Gouverneur von New Jersey)
.) Carly Fiorina (ehemalige CEO von Hewlard Packard)
.) Jim Gilmore (ehemaliger Gouverneur von Virginia)
.) John Kasich (Gouverneur von Ohio)
.) Rick Santorum (ehemaliger Senator und Kongressabgeordneter aus Pennsylvania)
Für jeden hat Trump einen Namen und nimmt dabei keinerlei Rücksicht auf eine mögliche anschliessende Zusammenarbeit. Auch hat er bereits parteiintern die Schlammschlacht begonnen und ist sich dabei für nichts zu schade. So etwa bringt er Jeb Bush in Beziehung zu den Ereignissen von 911 und dem Irakkrieg, den dessen Bruder George W. Bush (Trump: Der schlechteste US-Präsident aller Zeiten!) ausgefochten hat. Bei Cruz meinte er, da dieser in Kanada geboren sei (Natural born citizen), dürfe er rechtlich nicht gewählt werden (daran scheiterte auch Arnold Schwarzenegger). Und dies obgleich noch im August Trump dafür votierte, dass das Geburtsortprinzip aus dem US-Staatsbürgerschaftsrecht gestrichen wird.

https://www.youtube.com/watch?v=7GSzw2XdpJo

Der Historiker Fritz Stern wird in der FAZ zitiert:

„Trump ist das beste Beispiel von der Verdummung des Landes und von der entsetzlichen Rolle des Geldes. Ein absolut amoralischer Kerl, der mit Geld und Ignoranz protzt!”

Was ist aus der Poltik geworden, wenn solche Menschen wie “Ducking” Donald oder “Firing” Ted um den Posten des mächtigsten Mannes der Welt buhlen?! Auch wenn Cruz die erste Vorwahl der Republikaner gewonnen hat – Trump ist noch längst nicht abgeschrieben. Und dies, obwohl er von vielen nicht ganz ernst genommen wird:

“Dank Palins Wahlempfehlung kann Trump seinen Vorsprung unter Idioten ausbauen.”
(Andy Borowitz; The New Yorker)

PS:
Ist das Trump’sche “Neue Amerika” wirklich das langersehnte Amerika oder nur der Rückfall in längst vergangen gedachte Zeiten, in welchen die Wut und Selbstjustiz regiert und die Colts wieder rauchen???

Links:

https://www.donaldjtrump.com/

http://www.trump.com

http://www.trumptowerny.com/

http://www.birthereport.com

http://www.nbc.com/

http://kings-of-kallstadt.blogspot.de/

Lesetipps:

.) Master Apprentice; Gwenda Blair, Donald Trump; Simon & Schuster, New York 2005
.) Trump. The Art of the Deal; Donald J. Trump, Tony Schwartz; Ballantine, New York 1987

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