Archive for Juli, 2016

Lernt der Mensch nicht aus seinen Fehlern???

In der Türkei findet derzeit ein politischer Umbruch sondersgleichen statt. Unter dem Deckmantel der Demokratie triftet das Land immer mehr in den Totalitarismus ab. Ob dies im Sinne des Gründers der Staates, Mustafa Kemal Atatürks ist, darf bezweifelt werden. Schliesslich setzte er sich mit aller Kraft für die Demokratie und die Trennung zwischen Religion und Staat ein. Inzwischen fordert gar die dortige Regierung von Deutschland die Auslieferung von 4.000 Auslandstürken. Alles angeblich Anhänger des ehemaligen Mitstreiters des Staatspräsidenten, des Predigers Fethulla Gülen, der schon vor längerer Zeit in Ungnade gefallen ist und nun beschuldigt wird, beim angeblichen Putsch die Strippen im Hintergrund gezogen zu haben. Dieser streitet die Anschuldigungen jedoch ab. Rechtsstaatlichkeit ist ein ganz entscheidendes Merkmal der Demokratie!
Es heisst doch immer wieder, dass der Mensch aus Fehlern lernt. Deshalb möchte ich hier anhand einiger Beispiele aufzeigen, wie rasch aus einer Staatsform eine andere entstehen kann.
Beginnen wir mit den beiden russischen Revolutionen im Jahre 1917. Der Erste Weltkrieg, der wirtschaftliche Ruin und v.a. der Hunger führten im Februar 1917 zur Revolution der Bürger und Arbeiter. Zar Nikolaus II. war zuvor geschwächt aufgrund der Gebietsverluste an das Deutsche Kaiserreich und dem Rücktritt der kompletten Regierung nach der Entlassung des Generalstabschefs Nikolajewitsch. Der vor dem Weltkrieg bereits bestehende, aber durch einen Burgfrieden ruhig gestellte Streik der Arbeiter in Petrograd entbrannte erneut und erfasste wie ein Flächenbrand das ganze Land. Aufgrund des Massenelends der Bevölkerung und der weiteren Kriegsauswirkungen stürzte am 23. Februar (Julianischer Kalender) die Bevölkerung die Zarenfamilie und den Adel. Die Regenten wurden durch die “Duma” (Parlament) und dem “Sovjet” (Arbeiter- und Soldatenräten) ersetzt. Für den Herbst planten die beiden Ministerpräsidenten Lwow und später Kerenski Wahlen für eine verfassungsgebenden Versammlung. Doch kam es nicht mehr dazu. In der Oktober-Revolution (oder war es doch nur ein nahezu friedlicher November-Staatsstreich – sechs Menschen starben) rissen am 25. Oktober des Jahres die Bolschewiki die Macht an sich. Deren Anführer Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt “Lenin”, gelangte bereits im April des Jahres gemeinsam mit 31 weiteren Exilisten mit Hilfe der Deutschen nach Russland (der deutsche Kriegsgegner erhoffte sich eine weitere Destabilisierung Russlands, weshalb auch bis zu 50 Millionen Deutscher Goldmark an die Wolga flossen). Die Duma wurde aufgelöst – die Dikatur des Proletariats ausgerufen, basierend auf den Aprilthesen Lenins. Die wichtigsten Positionen in den federführenden Sovjets wurden mit bolschewistischen Führern besetzt. Der später im Exil in Mexiko durch die Scherken Stalins ermordete Leo Trotzki etwa führte jenen in der Hauptstadt Petrograd. Er hatte den ganzen Umsturz vorort organisiert. Unter seiner Führung gründete sich auch das Militärisch-Revolutionäre-Komitee Petrograds (MRKP), eine militärische Organisation, bestehend aus einigen tausend Soldaten aus der Petrograder Garnison, der Kronstädter Marine, der Roten Garden und militanter Bolschewiki. Rasch wurde die Befehlsgewalt über die restlichen Truppen übernommen. Mit der Besetzung einiger strategisch wichtiger Punkte in der Nacht auf den 25. Oktober begann der Aufstand. Das Winterpalais der Regierung wurde in den frühen Morgenstunden des 26. Oktobers eingenommen, alle Regierungsmitglieder vorübergehend verhaftet, nach dem Unterschreiben einer Verzichtserklärung jedoch wieder freigelassen. Ministerpräsident Kerenski konnte fliehen. Die Wachen des Regierungsgebäudes hatten sich widerstandlos ergeben, für sie folgte die Entlassung aus dem Militärdienst. An diesem 25. Oktober hatte übrigens auch der allrussische Sovjetkongress begonnen – Sovjetvertreter aus allen Teilen des Landes erklärten die neue bolschewistische Regierung unter Lenin dann auch als formal legal – die Bolschewisten hatten in dem Gremium die Stimmenmehrheit. Die ausgerufene Sozialistische Sowjetrepublik sollte fortan von dem Rat der Volkskommissaren geführt werden – tatsächlich aber agierte nur die Partei im Hintergrund. Nachdem die Bolschewisten die Wahlen zur verfassungsgebenden Versammlung mit nur 25 % der Stimmen nicht für sich entscheiden konnten (die Stimmenmehrheit ging an die Sozialrevolutionäre), löste Lenin die Versammlung mit Waffengewalt auf. Nun folgte die Entmachtung der Gutsherren und Kapitalisten, Nachdem die Kontrolle der Wirtschaftsunternehmen durch die Arbeiter nicht wirklich funktionierte, wurden diese kurzerhand verstaatlicht. Zuvor geschah dies bereits mit den Banken. Die Einschränkung der Meinungsfreiheit, die Untersagung von Fraktionen, die Einstellung von Zeitungen – es erschien ab sofort nurmehr die Parteipresse, allen voran die Prawda. Kurz nach der Abschaffung des Religionsunterrichtes an den Schulen wurden alle Religionsgemeinschaften verfolgt, 14.000 orthodoxe Priester, Nonnen und Laien wurden erschossen. Rund 20.000 Juden verliessen während dieser Zeit das Land in Richtung Palästina. Priester und sonstige Kirchenangehörige wurden in Arbeitslager deportiert. Als Verteidigung gegen den “Weissen Terror” liess Lenin ab 1918 unter den Angehörigen der Militärs Geiseln nehmen, Offiziere wurden abgesetzt und in Lagern inhaftiert. Die neugegründete “Ausserordentliche Kommission für den Kampf gegen die Konterrevolutionäre und Sabotage” sollte in den kommenden drei Jahren nach der Revolution hunderttausende Regimegegner töten. Die Geheimpolizei Tscheka war gefürchtet. Sie wütete auch im Bereich der Wissenschaften. Tausende Wissenschafter wurden in’s Ausland abgeschoben, inhaftiert oder exekutiert. Lenin sprach vom “Unrat der Nation”. Aufkommende Streiks – wie jener in den Putilow-Werken in Petrograd – wurden mit Waffengewalt durch die Tscheka niedergeschmettert, die Rädelsführer erschossen. Ab 1918 tobte im ganzen Land der Bürgerkrieg. Im europäischen Teil bis 1920, im asiatischen hingegen bis 1922. Dabei wurden die Truppen der “Weissen Armee” aus dem Westen unterstützt. Während des Bürgerkrieges liess das Regime die Ernteerträge der Bauern mit Waffengewalt einholen. Dies führte wiederum zu Widerstand bei den Bauern. Trotzdem – nicht zuletzt durch Terror – siegte die Rote Armee. Zudem wurde Krieg gegen Polen, Finnland und Lettland geführt. Maxim Gorki formulierte einst einen wahren Satz:

“Wenn sie (die Revolution, Anm. d. Schreiberlings) jedoch nur jene Gefühle und Gedanken befreit, die sich im Volk während seiner Versklavung und Unterdrückung angestaut haben, wenn es sich nur um einen Ausbruch von Erbitterung und Hass handelt, dann haben wir keine Revolution, sondern einen Aufruhr, der unser Leben nicht verändern kann und nur die Grausamkeit und das Übel vergrößert.”

https://www.youtube.com/watch?v=BfMTaLDJxZQ

Nur wenige Jahre später – am 31. Juli 1932 wurde die NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter Partei) bei den Reichtagswahlen in Deutschland stimmenstärkste Partei. Die Partei war zuvor in den 20er-Jahren verboten, deren Führer Adolf Hitler inhaftiert. Bis Ende Januar 1930 schaffte es Reichspräsident von Hindenburg, den “böhmischen Gefreiten” mit allen politischen Raffinessen zu verhindern, am 30. Januar 1933 aber musste er sich dem Druck ergeben und genehmigte die Koalitionsregierung der NSDAP mit der DNVP. Adolf Hitler kam demokratisch ganz legal an die Macht. Die NSDAP jedoch war seit ihrer Gründung im Jahre 1920 und später unter Hitler sowieso eine straffe Führerpartei, die sowohl den Marxismus als auch die Demokratie ablehnte. Sofort mit der Machtübernahme begann der Parteiapparat zu arbeiten. Die Propaganda wurde unter Goebbels hochgefahren. Allerorts wurden Terrorakte begangen. Bei den letzten Reichtagswahlen nach Weimarer Recht am 05. März 1933 erhielt die NSDAP mit 44 % die absolute Mehrheit. Durch die Zweidrittel-Mehrheit im Reichstag wurde am 24. März desselben Jahres das Ermächtigungsgesetz beschlossen, das die ganze Macht auf Hitler übertrug und den Reichstag ausschaltete. In weiterer Folge erfolgte ein Verbot für andere Parteien. Die NSDAP avancierte zur Körperschaft öffentlichen Rechts mit eigener Gerichtsbarkeit! Auch im Dritten Reich wurden Schlüsselpositionen in Verwaltung, Politik und Wirtschaft durch loyale Parteimitglieder besetzt (“Führerauslese”), unliebsame Zeitgenossen durch SA, SS und GeStaPo inhaftiert, gefoltert oder umgebracht. Auch in eigenen Reihen – so etwa nach dem angeblichen Röhm-Putsch; Nahezu die komplette SA-Führungsspitze sollte auf direkten Befehl Adolf Hitlers exekutiert werden. Später stellte sich heraus, dass es keinerlei Putsch-Vorbereitungen gab – es war lediglich eine Machtdemonstartion Hitlers gegen partei-interne Gegner. Bei den Reichsparteitagen in Nürnberg kam es jedes Jahr zu gut inszenierten Massenkundgebungen, in die ab 1934 auch die Wehrmacht eingebunden wurde. Sie musste ihren Schwur nicht wie ansonsten üblich auf das Volk, sondern auf Hitler ablegen. Die Bevölkerung wurde infiltriert, durch die Bünde (Reichsbund der Deutschen Beamten, Nationalsozialistischer Lehrerbund und Ärztebund, die Deutsche Arbeitsfront, …) das komplette öffentliche Leben durch die Partei indoktriniert. Nicht weniger als 95 Organisationen wurden durch die Militärregierung 1946 in den Entnazifizierungsbögen abgefragt. Gegner wurden entlassen, inhaftiert, deportiert, exekutiert oder zum Kriegsdienst an die Front abgeschoben. Bereits in der Hitlerjugend erfolgte die Einschwörung des Nachwuchses auf den Führer – der Verrat eigener Familienmitglieder oder Bekannter stand somit auf der Tagesordnung. In einem allerdings war die Parteiführung sehr penibel: Nicht unterschriebene Aufnahme-Anträge wurden zurückgewiesen. Viele bestritten danach, einen solchen Parteiaufnahme-Antrag auch wirklich selbst unterschrieben zu haben (darunter auch der ehemalige deutsche Aussenminister Hans-Dietrich Genscher). Doch entwickelte sich hier gleichsam ein Wettkampf, wer der Partei die meisten neuen Mitglieder brachte.

https://www.youtube.com/watch?v=LSJFEPzwhSs

Dort, wo im Zweiten Weltkrieg zwischen Rommel und Montgomery der Wüstenkrieg tobte, ergriff am 01. September 1969 Muammar Muhammend Abdassalam Abu Minhar al-Gaddafi nach dem Sturz des zu diesem Zeitpunkt gerade in der Türkei verweilenden Königs Idris die Macht in Libyen. Der Staatsstreich erfolgte unblutig – Königin Fatima flüchtete mit ihrem Hofstaat in’s Exil nach Griechenland und später nach Ägypten. Gaddafi regierte bis 1979 als Führer der Militärjunta dann bis zu seiner Entmachtung und Ermordung 2011 als Revolutionsführer. In den Reihen der Diktatoren sticht Gaddafi etwas hervor. Das Geld, das er durch den Export von Erdöl und Erdgas lukrierte, wurde in ein rentenökonomischen System gesteckt, in die Bildung investiert, die teils erbittert untereinander zerstrittenen Stämme politisiert und geeint, die Einwohner anderer afrikanischer Staaten nach Libyen eingeladen. Im Vergleich zu den beiden bisherigen Beispielen stand dieses Mal das Militär von Anbeginn an auf der Seite des Machtübernehmers. Hauptmann Gaddafi selbst hatte den “Bund freier Offiziere” gegründet, der beim Staatsstreich die schwergewichtigste Rolle spielte. Nach ersten zaghaften Versuchen, einen sozialistischen Staat zu gründen, übernahm der Revolutionäre Kommandorat (RCC) schon sehr bald die komplette Macht, Gaddafi orientierte sich am salafistischen Gedankengut, forderte die Einführung der Scharia und baute eine islamistische Diktatur auf. Ausländer und die meisten Angehörigen der Jüdischen Gemeinde mussten das Land verlassen. Er forderte gar die komplette Auslöschung des Judenstaates, weshalb er immer wieder auch die PLO unterstützte. Britische und US-amerikanische Stützpunkte wurden geschlossen. Es ging sogar soweit, dass die im Lande lebenden Italiener ihre bereits begrabenen Angehörigen exhumieren und ausser Landes bringen mussten. Die katholische Kathedrale in Tripolis bestand fortan als Moschee. Der zweite islamische Kulturkreis im Lande, der Sufismus wurde bekämpft, deren Moscheen und Universität dem Erdboden gleich gemacht. Menschenrechte und Meinungs- bzw. Pressefreiheit existierten de facto nicht. Gegner wurden festgenommen, gefoltert und hingerichtet oder verschwanden spurlos. Nach einer Revolte in einem der grössten Gefängnisse des Landes (aufgrund der Haftbedingungen) liess der Revolutionsführer nicht weniger als 1.200 Häftling hinrichten (Abu Salim 1996). Der inländische Geheimdienst ISA sorgte für Angst und Schrecken. Noch im September 2006 rief Gaddafi öffentlich zur Ermordung seiner politischen Gegner auf. Ähnlich wie die meisten Diktatoren veröffentlichte auch der Revolutionsführer seine politischen Ideen in einem Buch: Im “Grünen Buch” sind neben den marxistischen und anarchistischen Hintergründen eindeutig auch nationalistische zu erkennen. So etwa versuchte er zwischen 2000 bis 2007 innenpolitisch Stimmung gegen den Westen zu machen indem er behauptete, dass hunderte libyscher Kinder vorsätzlich durch einen Arzt und fünf Krankenschwestern, die vom Westen gesteuert gewesen sein sollen, mit dem HI-Virus infiziert worden seien. Anstelle eines Parlamentes wurde ein Volkskongress einberufen, Parteien verboten. Mit dem Tschad führte Gaddafi einen Grenzstreit, der 1994 mit dem Abzug libyscher Truppen endete – obwohl der Waffenstillstand bereits 1987 in Kraft trat. Entscheidungen wie diese traf der Libyer stets alleine – am Volkskongress vorbei. Schlüsselpositionen wurden an Familienangehörige oder Mitglieder seines Stammes vergeben. Gaddafi wollte zudem die arabischen mit den nordafrikanischen Staaten vereinen und dem Ganzen als panarabischer Führer vorstehen. Dies jedoch misslang. Zu gross war die Sucht nach Macht auch bei den anderen islamischen Diktatoren. 2007 kam dann der selbstinszenierte Höhepunkt: Gaddafi liess sich zum “König der Könige Afrikas” wählen. Ein schwergewichtiger Teil des Personenkults des “Bruder Führer”, der auch bei seinen bereits erwähnten Vorgängern stattfand. Lenin wollte es eigentlich nicht, Bei Hitler jedoch durchaus beabsichtigt. Der Revolutionsführer war mit dem RCC überall im Land präsent. Durch das Gesetz zur Kollektivbestrafung konnten für die Vergehen eines Menschen dessen Familienangehörige aber auch die Einwohner deren Heimatstädte zur Verantwortung gezogen werden. Terror zudem im Ausland. So sollen einige Morde an Oppositionellen im Ausland angeordnet worden sein. Möglicherweise auch der Flugzeugabsturz von Lockerbie. Terrororganisationen wie etwa die deutsche RAF wurden in libyschen Lagern ausgebildet oder andersweitig unterstützt. 1988 liess der Revolutionsführer ab von der Planwirtschaft und leitete eine langsame Öffnung des Landes ein. Er benötigte die politische und wirtschaftliche Hilfe des Westens (etwa zur Aufhebung des UNO-Embargos). In den 90ern distanzierte er sich immer mehr von terroristischen Vereinigungen wie etwa der Abu Nidal-Gruppe. Gaddafi schaffte es immer, die Stämme zu einigen, indem er Komitees einberief, deren Mitglieder sich stets aus Stammesführern und den Eliten des Landes zusammensetzten. Zu sagen hatten sie freilich nichts, allerdings liess er sie in dem Glauben, dass!!!

https://www.youtube.com/watch?v=rY-StaPKED8

1927 begann in China ein mehr als blutiger Bürgerkrieg als Folge der sich ständig wechselnden Regierungen nach dem Ende des Kaiserreichs. Mao Tsetung gelang es, die zersprengten kommunistischen Truppen beim Langen Marsch in den Jahren 1934 und 35 nach Nordwest-China zu führen. Dort gründete er mit deren Hilfe und jener der Sowjetunion eine Sowjet-Republik. Nach dem Zweiten Weltkrieg widmete er sich vermehrt der Guerilla-Taktik in Zentralchina. Auch Mao griff direkt nach seiner Machtergreifung auf all die Instrumente zurück, die wir bereits schon ausführlich abgehandelt haben. Allerdings kam bei ihm noch eine mehr als tragische Tatsache hinzu: Nachdem er in der 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts bemerkte, dass seine Macht langsam schwand, begann er im Mai 1966 mit der Kulturrevolution. Dafür rief er den jungen Parteikader auf, gegen das Althergebrachte, aber auch den Feudalismus, den Kapitalismus und die Intelligenzhochburgen zu demonstrieren. Das Land wurde durch die Rotgardisten terrorisiert. Nicht mehr gutzumachende Schäden in der Kultur, der Wirtschaft und der Gesellschaft waren die Folge. Mindestens 400.000 Menschen kamen in den darauffolgenden Jahren um, die Klassenfeinde auf das Land zwangsumgesiedelt. 1969 – nach der Säuberung – machte Mao dem Treiben mithilfe des Militärs ein Ende. Der Führer hatte nun erneut alle Macht auf sich konzentriert. Diese düsteren Jahre sind aus den Geschichtsbüchern zumeist eliminiert worden. Auch wenn sich die heutige Regierung von der Kulturrevolution distanziert, so nutzt sie doch viele der damaligen Massnahmen zum Machterhalt – etwa die blutige Niederschlagung der Demonstration auf dem Tian’anmen Platz in Peking. Die Schätzungen sind unterschiedlich, doch reichen sie von 44 bis zu 72 Millionen Menschen, die während der Schreckensdiktatur von Mao Tsetung starben.

https://www.youtube.com/watch?v=iS2yRqbhjqQ

Zur selben Zeit – auf der anderen Seite der Erdkugel wurde die Insel Kuba als Republik von Fulgencio Batista y Zaldívar als gewählter Staatspräsident geführt. Der gelernte Stenograph trat 1921 in die kubanische Armee ein und arbeitete sich dort zum Sergeant-Stenograph empor. Nachdem nach dem Generalstreik gegen den Diktator Gerardo Machado mit Hilfe der USA eine neue Regierung eingesetzt wurde, kam es zum Aufstand der Sergeanten, welchen auch Batista angehörte. Ihm gelang es, das gesamte Offizierskorps zu entmachten und selbst die Führung der Armee einzunehmen. Das führte – erneut mit Unterstützung der Vereinigten Staaten – dazu, dass er über Sein und Nicht-Sein der Politiker auf Kuba entschied. Der Sergeant aber schoss quer und verbündete sich mit den Kommunisten und Radikalisten. 1940 verabschiedeten diese mit Stimmenmehrheit die neue Verfassung, Batista wurde zum Präsidenten gewählt. Nachdem er 1944 nicht mehr zur Wahl antreten konnte und der Kandidat seiner Partei unterlag, gönnte sich Batista eine Auszeit. Zuerst in Lateinamerika, dann in Florida. Vier Jahre später kehrte er zurück, wurde zum Senator gewählt und arbeitete sich unter den Fittichen der US-Mafia, die sich inzwischen Havannas angenommen hatte, nach oben. Nachdem seine eigene Partei für die Wahlen 1952 zu wenig Unterstützer fand, beteiligte er sich an einem Militärputsch, der während der Karnevalsfeiern ohne Probleme reibungslos vonstatten ging. Der bisherige Präsident flüchtete, ein Generalstreik wurde sofort aufgelöst und die Verfassung ausser Kraft gesetzt. Als Grund für diesen Putsch nannte Batista den Kampf gegen die Korruption. Kundgebungen, wie Demonstrationen oder Streiks wurden verboten, die Klage des Radikalisten Fidel Castro gegen den Putsch wegen Verfassungswidrigkeit vom Obersten Gericht abgewiesen. Castro wurde nach einem fehlgeschlagenen Sturm auf eine Kaserne inhaftiert. Auch Batista stellte einen gefürchteten Geheimdienst auf die Füsse. Zwischen 2.000 bis 20.000 Regierungs- oder Mafia-Gegner (zweitere Zahl ist eine Angabe der Castro-Regierung) wurden verhaftet, gefoltert und umgebracht. Zur Abschreckung der Bevölkerung wurden ihre Leichen meist aus fahrenden Autos auf die Strasse geworfen. Der Widerstand jedoch wuchs von Tag zu Tag, wodurch Batista mit Gefolgsleuten in die Dominikanische Republik flüchtete und später in’s Exil nach Spanien ging.

Vier komplett unterschiedliche Charaktere, aus komplett unterschiedlichen ideologischen Lagern kommend, mit unterschiedlichen Zielen, zu unterschiedlichen Zeiten. Die Liste könnte endlos weitergeführt werden: Stalin, Mussolini, Amin, Hussein, Pinochet, Taylor, Franco, Duvalier, Kim, Ceausescu, … In den meisten Fällen steht zu Beginn eine demokratische Wahl oder ein Putsch. Die Zeichen sind quer durch alle Couleurs dieselben: Zuerst werden die politischen Gegner mundtod gemacht. Die Meinungs- und Pressefreiheit folgt dann meist gemeinsam mit Massenkundgebungen, damit die Anders-Denkenden eingeschüchtert werden. Nun wird die Macht mittels Waffengewalt konzentriert, Verfassung und Menschenrechte durch die Verhängung des Ausnahmezustandes ausser Kraft gesetzt. Es folgen Verhaftungen, Folterungen, Hinrichtungen. Die letzten Gegner des Regimes werden durch landesweite Säuberungsaktionen ausser Gefecht gesetzt. Mittels demagogisch-nationalistische Propaganda wird die Stimmuing im Volk noch zusehends aufgeheizt. Inzwischen sorgen Milizen oder Geheimpolizisten für ideologisch saubere Strassen. Wer nachlesen möchte, findet all das Angesprochene als Instrumentarien autokratisch-diktatorischer Regierungen. Durch sie gelingt es immer wieder eine Demokratie mit dem Volk als Souverän in eine Regierungsform mit nur einem Souverän umzuwandeln, egal ob dies nun eine Person, eine Familie, eine Gruppierung oder eine Partei ist!
Etwaige Parallelen zwischen den heutigen Ausführungen und der aktuellen Situation in der Türkei sind selbstverständlich reiner Zufall!!!

Lesetipps:

- The Bolsheviks Come to Power – The Revolution of 1917 in Petrograd; Alexander Rabinowitch; Pluto Press 2004
- Die Russische Revolution 1917. Der Aufstand der Arbeiter, Bauern und Soldaten; Richard Lorenz (Hrsg.); Nymphenburger Verlagshandlung 1981
- Der Sturm auf die Republik. Frühgeschichte der NSDAP; Werner Maser; Ullstein 1981
- Der verpasste Nazi-Stopp. Die NSDAP als staats- und republikfeindliche, hochverräterische Verbindung. Preußische Denkschrift von 1930; Robert M. W. Kempner (Hrsg.): Ullstein 1983
- Gebt mir vier Jahre Zeit – Hitler und die Anfänge des Dritten Reichs; Heinz Höhne; Ullstein, 1996
- Libyens Aussen- und Sicherheitspolitik. Moamar el Gaddafis Motive und Visionen; Heinz Brill; Nomos-Verlag 1988
- Maos Großer Hunger. Massenmord und Menschenexperiment in China (1958–1962); Frank Dikötter; Klett-Cotta Verlag 2014
- Mao. Das Leben eines Mannes, das Schicksal eines Volkes; Jung Chang, Jon Halliday; Blessing 2005
- Fulgencio Batista: From Revolutionary to Strongman: The Making of a Dictator; Frank Argote-Freyre; Rutgers University Press, 2006

Links:

- http://www.ns-dokuzentrum-muenchen.de/home/
- http://www.mgfa-potsdam.de/
- http://www.bpb.de/

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No Future!…

Heute möchte ich mit Ihnen eine kurze Reise in die Arbeits-Soziologie unternehmen. Ein Thema, das mich schon seit dem vergangenen Herbst beschäftigt, als ich einem Soziologen hierzu im Interview lauschte: Die Generationen und ihre Merkmale! Die Biologie versteht unter einer “Generation” etwas anderes als die Soziologie! In der Naturwissenschaft ist es die Gesamtheit aller zu einem bestimmten Zeitpunkt Geborener – die Nachkommenschaft. In der Soziologie hingegen ist der Begriff weiter und dennoch enger gefasst: Der demografische Wandel. Ein wirklich spannendes Thema. Die FAZ schrieb am 09.04.2015:

“Sag mir wann du geboren bist und ich sage dir, wie du arbeiten willst!”

Ein paar Schlagworte beschreiben einen kompletten Lebensstil, sodass sich sicherlich viele unter Ihnen damit identifizieren können.

.) Generation X

Anno 1953 bezeichnete der US-Fotograf Robert Capa eine Foto-Reportage über die nach dem Zweiten Weltkrieg herangewachsenen Jugendlichen als “Generation X”. Die Reportage erschien in der britischen Zeitschrift “Picture Post” und sollte ein Spiegelbild jener Zeit darstellen – gebannt auf Zelluloid. Dass er damit ein in der Soziologie sehr wichtiges Bestimmungswort erfunden hatte, wurde ihm erst wesentlich später bewusst, als diese Bezeichnung ganz gezielt für eine spezielle Bevölkerungsgruppe mit denselben Merkmalen (“Kohorte”) verwendet wurde. Es sind die Menschen, die in den Jahren zwischen 1963 und 1981 geboren wurden. Sie folgten damit den sog. “Baby-Boomern”. Kennzeichnend für die Generation X waren die Mods und Rocker, zumindest nach dem Inhalt einer Studie der beiden britischen Soziologen Jane Deverson und Charles Hamblett. In den 70ern folgte dann die Punkband “Generation X”, wodurch sich das Erscheinungsbild der Generation nicht wirklich zum Positiven hin wandelte. Irokesenschnitt, Bier, Tatoos und Leder – na ja, jedem das Seine!!! Heutzutage wird die Kohorte alsdann mit “GenX” abgekürzt. Seit spätestens 1991 ist die Bezeichnung auch ausserhalb des anglo-amerikanischen Sprachraumes bekannt, als der Kanadier Douglas Coupland seinen Roman “Generation X” veröffentlichte. Hierzulande hiess diese Gruppe übrigens “die Generation Golf”.

Die Charakteristika der Xen:
- Erste Generation ohne Krieg
- Wenig Wohlstand
- Jobben um des Geldes Willen – ohne Prestige und Zukunft (“McJob”)
- Konsumverweigerung (Widerstand gegen Werbung und Journalismus)

Die Eigenschaften der Xen:
- Interessenlosigkeit (v.a. in der Politik)
- oberflächlich
- ziellos (“Twentysomethings”)
- egoistisch
- relativ hohes Bildungsniveau
- eingeschränktes Freizeitverhalten (TV, Games, …)

Neben der Punkmusik und dem Slogan “No Future” steht beispielsweise auch der Grunge für diese Persektivlosigkeit der Generation – und hier v.a. die Texte der Band “Nirvana”. Grundsätzlich ist Musik sehr häufig Ausdruck der Seele, der Einstellung und der Meinung. Arbeitgeber beissen hier zumeist auf Granit, wenn sie Weiterbildungsmöglichkeiten bzw. Karriereleitern anbieten. Für den X ist Geld nicht die einzige Motivation – er will v.a. sein Privatleben pflegen (“Work-Life-Balance”). Somit wird die Arbeit Mittel zum Zweck. Apropos Arbeitgeber: Die Generation X glaubt an das Senioritätsprinzip! Die Worte des Senior-Chefs sind Gesetz!

https://www.youtube.com/watch?v=4_JHGT7TSS4

.) Generation Y (“Nexters”)

Nein – nicht weil im Alphabet das Y nach dem X kommt! Die ursprüngliche Bezeichnung lautete “Generation Why”, stellvertretend für eine Generation, die alles hinterfrägt. Geboren zwischen dem Ende der 1970er bis zum Ende der 1990er-Jahre. Aufgewachsen im Zeichen der Globalisierung und Digitalisierung. Ein Tag ohne Internet? Unvorstellbar! Diese Generation löst die Generation X ab und macht bereits schon rund zwei Drittel der arbeitenden Bevölkerung aus. Es ist die Gründergeneration – Menschen, die etwas vorantreiben und die eigenen Ideen verwirklichen, die ganz nach oben möchten: Die Potenzialträger! Ein Segen für so manchen Arbeitgeber, der allerdings acht geben muss, dass sich ein Y nicht zum Boomerang entwickelt und den Chef selbst ersetzt. Ein junger Y schuftet bis zum Umfallen!

Die Charakteristika:
- Bürgerlicher Wohlstand
- Selbstverwirklichung im Job
- Konsumfreudig (alles muss mal ausgetestet werden)
- Multitasking

Eigenschaften:
- Gebildet und intelligent (lernt sehr rasch)
- zielstrebig (die Motivation äussert sich in den beruflichen Werten)
- verantwortungsbewusst
- ledig (für rund 75 % geht der Job vor)
- mobil

Sehr häufig enthalten Aufnahmetests von Unternehmensberatungen, Headhuntern oder auch grösseren Unternehmen Potenzialanalysen, um dadurch derartige Potenzialträger herauszufiltern. Im Vergleich: Verbringt ein X das Wochenende beim Grillen oder Baden mit seiner Familie als seinem höchsten Gut, so trifft sich ein Y mit Gleichgesinnten zum Networking oder bildet sich fort. Diese Generation hat die besten Seiten der Baby-Boomer und Xen in einem zusammengefasst und unterscheidet sich somit mehr als signifikant von seinen Vorgängern.
Allerdings erkennen viele erst sehr spät, dass es auch noch ein anderes Leben neben dem Beruf gibt. Für so manchen zu spät! Das wird nun vermehrt berücksichtigt. Familie, Freunde und auch die Freizeit gewinnen mehr an Bedeutung. Die Tendenz zeigt in Richtung Balance zwischen Beruf und Privatleben. Hierzu zählt zudem die Familiengründung. Dabei sind nun auch die Arbeitgeber gefragt: Die Unternehmen müssen familienfreundlicher werden, da die heiss begehrte Marketing-Expertin rasch einen anderen Job hat, wenn sie ihren Nachwuchs nicht im firmeneigenen Kindergarten unterbringen kann (“War for talents”). Bewarben sich zuvor die Xen, so müssen nun die Ys umworben werden (“strategisches Personalmarketing” – Recruiting-Days an Eliteschulen und Universitäten). An Bedeutung gewinnen immer mehr auch Mütter oder Väter in Führungspositionen, die Verständnis für das Familienleben aufbringen (“Work-Life-Integration”) und mehr Fokus dem Resultat anstelle der Arbeitsstunden schenken. Ganz schwergewichtig sind deshalb die flexiblen und selbstbestimmbaren Arbeitszeiten: Teilzeit, Gleitzeit, Sabbaticals und auch Homeoffice bestimmen immer mehr den Arbeitsalltag. Private Angelegenheiten sollten während der Arbeitszeit erledigt werden dürfen – dafür sind die Y-Angestellten auch bereit, in ihrer Freizeit zu arbeiten (“Work-Life-Blend” – Dt. Gesellschaft für Personalführung e.V.). Die Generation Y wünscht sich mehr Freiheit in ihren Entscheidungen und mehr Unabhängigkeit.
Zielgruppenorientiertes Personalmanagement ist bei den Ys gefordert. Somit gilt also für die Generation Y: Motivatoren sind Geld, Konsum und Prestige (“extrinsische Motivatoren”( sowie Arbeitsplatzsicherheit, Selbstbestimmung und positives Betriebsklima (Teamplayer). Mit zunehmendem Alter des Ys findet eine Umverteilung von den extrinsischen zu den anderen Motivatoren statt. Wird Leistung zudem angemessen entlohnt, so macht die Arbeit Spass und man stösst auf das Zentralanliegen der Generation Y. Der Y-Mensch sucht sich eine Arbeit, die Verantwortung ebenso wie Vielfalt in der Anforderung beinhaltet (“intrinsische Motivatoren”). Soll heissen: Die Generation Y wünscht sich Respekt und Vertrauen in ihre Arbeitsleistung bei möglichst grosser Gestaltungsfreiheit. Auch der Weiterbildung und damit -entwicklung des Angestellten kommt eine grosse Bedeutung zu. Das Senioritätsprinzip spielt bei den Yen im Vergleich zu den Xen kaum noch eine Rolle. Der Führungsstil soll dafür individuell abgestimmt und flexibel sein. Beide Seiten schätzen sich gegenseitig. Durch die vermehrte Einbindung in Entscheidungsprozessen lebt das Unternehmen von und mit seinen Angestellten (“aktive Partizipation”). Die Arbeitgeber sind insofern in der Pflicht, als sie die Arbeitnehmer durch das Schaffen guter Arbeitsbedingungen und Perspektiven an das Unternehmen binden. In der Generation X war jeder Arbeitnehmer austauschbar, wodurch dem Betrieb ein Riesenbatzen an Kreativität, Innovation und Identifikation der Angestellten entging. Deshalb kann eigentlich erst ab der Generation Y von einer wirklichen “Unternehmenskultur” gesprochen werden. Übrigens: Sehr interessant ist das Ergebnis einer Online-Umfrage in Frankreich (“Generation quoi?”), an welcher sich nicht weniger als 210.000 User beteiligten.. Dabei ging es um die Träume, Ängste und Hoffnungen der 18-34-jährigen. Das Ergebnis war erstaunlich: Es ist die “Lost Generation” – ganz im Widerspruch zum bisher Gesagten: Besser erzogen als die Vorgänger, orientierungslos und politikverdrossen. Die Generation hat offenbar ihren Platz in der Gesellschaft noch nicht wirklich gefunden! Sie studieren durchschnittlich drei Jahre länger als die Kommilitonen in den 80ern – dafür sind sie überqualifiziert – aber arbeitslos! Nicht weniger als 61 % erwägen eine Rebellion. Die Y-68er? Oder vielleicht die Y-Punks???

https://www.youtube.com/watch?v=jHpbdQCMnwQ

- Generation Z (“iGeneration”)

Im Jahr 2003 veröffentlichte der deutsche Journalist Reinhard Mohr das Buch “Generation Z oder Von der Zumutung, älter zu werden”, mit dem er ganz offiziell die Grenzen der Generation Y setzte. Unter der Generation Z versteht der Experte jene Geburtenjahrgänge, die nach dem Milleniumswechsel das Licht der Welt erblickten. Diese Generation in der Arbeitswelt zu durchleuchten, ist noch etwas schwer, da erst wenige davon tatsächlich auch dort stehen. Kennzeichnend für diese Generation ist das Aufgehen in der Arbeit. Allerdings kommt der Freizeit der gleiche Stellenwert zu. Punkt 17.00 Uhr wird der PC oder die Maschine abgeschaltet – es beginnt die Privatsphäre, die auch durch einen Chef nicht gestört werden darf. Am Arbeitgeber liegt es nun, den zugegebenermassen nicht gerade einfachen Spagat in der “Work-Life-Balance zu schaffen. Kommt ein Grossauftrag herein, gilt es schon mal, die eine oder andere Überstunde zu machen, die dann als Zeitausgleich wieder abgebaut werden kann. Für einen Z ab und an ein Problem. Das Leben findet in mehreren unterschiedlichen Welten statt: In der Realität, auf Vine, Instagramm, Tumbir, Snapchat, Tinder, Pokemon Go… Für so manch Einen sind die Likes oder Followers wichtiger als die Meinung der Menschen aus dem realen Umfeld. Eine grosse Gefahr! Klar hingegen ist, dass die Generation X mit statistisch gesehen 2-8 Arbeitgebern im Leben eines Angestellten auskommt, die Generation Y mit 12 – die Generation Z hingegen verlässt sich auf die eigene Kompetenz. Experten wie beispielsweise Recruiting-Spezialist Kai Deininger sprechen bei den Zs von “Job-Nomadentum” und “Kapitalisierungswahrscheinlichkeit eigener Fähigkeiten”! Dadurch gleicht auch keiner der Angestellten einem der anderen. Hier liegt es an den Unternehmern, mit “Diversity Management” zu antworten: Dem konstruktiven Nutzen der gebotenen sozialen Vielfalt! Ansonsten bleiben “Produktivitätszunahme” und “Effizienzgewinn” nur leere Worthülsen. Hier liegt auch die Chance der Zuwanderung. Ein Global Player kann nur jener werden, der auch die unterschidlichen Märkte bedient – hierfür aber bedarf es der Natives! Der Chef wird in der Generation Z zum Trainer, der aus eíner Vielzahl hervorragender Spieler eine Mannschaft zu formen hat!

https://www.youtube.com/watch?v=CrX5O2XWHws

Der Soziologe Karl Mannheim schrieb bereits in seinem Werk “Das Problem der Generationen” (1928), dass sich die Generationen umso schneller abwechseln, als sich der politische und soziale Wandel vollzieht (“Generationserlebnis”). Betrachtet man dies anhand des aktuellen Beispiels der Türkei, so wird es die Generation vor dem versuchten Putsch und jene nach demselben geben. Zwei komplett unterscheidliche Kohorten, nicht nur in den Charakteristika und Eigenschaften, sondern auch in der Zielsetzung! Obgleich es zumindest physisch dieselben Menschen sind (“Hyperinflation”)! Viele Zwischen-Generationen zu den vorher genannten “Grossen Drei” drücken dies auch aus: Verlorene Generation (zwischen dem 1. und 2. WK), Flakhelfer-Generation (kurz vor dem 2. Weltkrieg Geborene), Baby-Boomers (1943 – 1960 – die Zeit der Heimkehrer und des Wiederaufbaus), Beat-Generation (die Jugendlichen der späten 50er bzw. 60er-Jahre), 68er (die Studenten zur Zeit der Studentenunruhen), MTV-Generation (die Jugendlichen der 1990er-Jahre),
Z ist der letzte Buchstabe unseres Alphabets. Was folgt nach der Generation Z? Die Generation A? Und überhaupt: Ist nun X oder Y oder vielleicht Z wichtiger in der Werschöpfungskette der Personalbeschaffung??? “Employer Branding” – plötzlich zentraler Inhalt der Unternehmenskultur??? Immer wichtiger wird für die Unternehmen die soziale Kompetenz. Schaut der CEO künftig zuerst auf Bewertungsplattformen wie Kununu, bevor er sich die Aktienkurse reinzieht??? Ich habe vor kurzem gar in einer Stellenanzeige gelesen, dass die nächsten Shopping-Möglichkeiten zu Fuss nur fünf Minuten entfernt sind, sodass in der Mittagspause noch schnell eingekauft werden kann!!!

Leistungsanspruch muss nicht automatisch das Vergnügen an der Arbeit ausschliessen! Zumeist aber scheitert es an der Entlohnung, dem Stellenabbau, der Automatisierung, der Auslagerung,…

Lesetipps:

- Generation Golf – Eine Inspektion; Florian Illies; Fischer TB Verlag 2001
- Generation X; Charles Hamblett/Jane Deverson; London 1964
- Motivation der Generation X; Jürg Pfister; Verlag für Theologie und Religionswissenschaft (VTR), Nürnberg 2003
- Generation X. Selbst- und Fremdbeschreibung einer Generation. Eine literaturwissenschaftliche Studie; Guido Jablonski; Düsseldorf 2002
- Generation- X Management. 1963-1981 – eine Generation auf dem Weg von McJobs zu BigJobs; Bruce Tulgan; Signum Verlag 2002
- Die Generation Y. Mitarbeiter der Zukunft motivieren, integrieren, führen; Parment, A.; Gabler Verlag Wiesbaden 2013
- Glück schlägt Geld – Generation Y: Was wir wirklich wollen; Kerstin Bund; Murmann Verlag 2014
- Generation Z oder Von der Zumutung, älter zu werden; Reinhard Mohr; Argon, Berlin 2003
- Generation Z: Zombies, Popular Culture and Educating Youth; Hrsg. Victoria Carrington/Jennifer Rowsell/Esther Priyadharshini/Rebecca Westrup; Springer 2016
- Generation Z: Wie sie tickt, was sie verändert und warum sie uns alle ansteckt; Christian Scholz; Wiley-VCH Verlag 2014
- Wer wir sind und was wir wollen; Philipp Riederle; Knaur TB 2013

Links:
www.onpulson.de
www.absolventa.de
www.cio.de
www.dgfp.de/
die-generation-z.de

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Die Gefahr lauert im Gras

Kleine Biester, die jedoch sehr grossen Schaden anrichten können. Wer schon mal von einer Zecke gestochen wurde, kann ein Lied davon singen. Auch mich hat ein solches Ungetier mal erwischt. Den Stich selbst habe ich nicht gemerkt – allerdings tagelang danach Schmerzen – doch gottlob war sie nicht infiziert, ich immunisiert oder hatte einfach nur Glück!
Zecken sind meist im Unterholz, Gebüsch, Gras oder Laub zu finden – dass sie von den Bäumen fallen, entspricht nicht der Realität. Die Blutsauger gibt’s in unseren Breiten nahezu das ganze Jahr über – sie sind ab 7 Grad aktiv. Der “Frühsommer” lässt sich auf die russische Taiga-Zecke zurückführen, die dort vornehmlich zu dieser Jahreszeit ständig neue Menschen kennenlernt.

https://www.youtube.com/watch?v=9ltGttdyVeo

Zumeist ist es der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus), der die Borreliose und die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME – englisch: “tick-borne encephalitis” TBE) überträgt, eine spezielle Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns. Obwohl derartige Erkrankungen eher selten sind, sollte dennoch mittels einer Impfung mit ständigen Auffrischungen einer möglichen Erkrankung vorgebeugt werden. Risikogebiete in Deutschland sind Baden-Württemberg, Bayern und Südhessen. Oberhalb von 1.500 Metern Seehöhe (Klimaerwärmung – bis vor wenigen Jahren waren es noch 1.000 m!) wurden noch keine infizierten Insekten gesichtet. Insgesamt sind 146 Landkreise in Deutschland als Risiko-Gebiete vermerkt – inzwischen auch in Thüringen, dem Saarland und Rheinland-Pfalz (Robert Koch-Institut – Epidemiologisches Bulletin Nr. 18 vom 9. Mai 2016). Als Risiko-Gebiet gilt ein Kreis dann, wenn über den Zeitraum von fünf Jahren eine Person von 100.000 Einwohnern (Risiko > 1:500.000) an FSME erkrankt ist (Nachweis einer intrathekalen Antikörpersynthese). Diesen Status behält der Kreis über 20 Jahre hinweg – auch wenn es zu keinerlei Neuerkrankungen mehr im Anschluss kam. Österreich gilt als das Quellgebiet der Zecken – hier leben die meisten entlang der Flüsse und Ströme: Donau (Oberösterreich, Niederösterreich und Wien) oder dem Inn (Tirol), aber auch dem Burgenland, der Steiermark und Kärnten. Nachdem im Alpenland jedoch die Durchimpfungsrate bei rund 90 % liegt, gibt es hier nurmehr wenige Erkrankungen. Und so ganz nebenbei: Sollte Ihnen ein Österreicher gegenüber den Spruch “Du bist lästiger als an Zeck’!” äussern, so ist das nicht unbedingt liebevoll gemeint! In der Schweiz sind vornehmlich jene Kantone betroffen, die über üppige Laubwälder verfügen – von den 26 Kantonen somit nicht weniger als 17!!! Stiche wurden allerdings auch schon in China, Japan und Russland gemeldet. In Risikogebieten übrigens liegt der Anteil an infizierten Zecken bei 0,1 bis 5 Prozent, in Hochendemiegebieten jedoch auch schon mal bei bis zu 20 %.
Eine Übertragung ist zudem über nicht pasteurisierte Kuh-, Ziegen- oder Schafsmilch bzw. -käse möglich (biphasisches Milchfieder). Erst kürzlich erkrankten Vater und Sohn eines Bauernhofes in Baden-Württemberg aufgrund des Genusses infizierten Ziegenkäses. Beiden geht es inzwischen wieder besser. In den baltischen Ländern Lettland, Litauen und Estland wird häufiger rohe Ziegen- oder Schafsmilch getrunken – hier sind auch wesentlich mehr Antikörper im Blut der Menschen zu finden.
Zwischen 70 bis 95 % der Infizierten bleiben beschwerdefrei. Die anderen machen zumeist zwei Krankheitsphasen durch: Die erste beginnt ein bis zwei Wochen nach dem Stich und zeigt sich durch Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. Danach folgen 1-3 fierberlose Wochen. Schliesslich beginnt die zweite Phase: Fieber, Übelkeit, Erbrechen und Ausfälle des Nervensystems. Das wird durch die Entzündung der Hirnhaut verursacht. Lähmungen, Koma sowie die Entzündung des Rückenmarks können folgen. Einer von 100 Infizierten stirbt an den Folgen der Entzündung, drei bis 11 Pozent leiden an bleibenden Schäden, wie Konzentrationsstörungen, chronische Kopfschmerzen, Müdigkeit, selten auch Lähmungen. In den nicht so heftig verlaufenden Fällen können Kopfschmerzen und Lähmungen noch Monate nach dem Abklingen der Krankheit bleiben, dann jedoch verschwinden. Bei KIndern heilt die Erkrankung meist schneller und besser aus – bei älteren Menschen kann sie zu dererlei bleibenden Schäden führen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. Erkrankungen müssen im deutschsprachigen Raum vom behandelnden Arzt gemeldet werden.

http://www.zecken.de/de/fsme/fsme-europa

Das FSME-Virus ist ein behülltes Einzelstrang-RNA-Virus aus der Familie der Flaviviridae und der Gattung Flavivirus. Derzeit sind drei Subtypen bekannt! In Mitteleuropa ist es vornehmlich der Western-Subtyp. Die Übertragung erfolgt beim Einstich durch die Speicheldrüse der Zecke.
Eine FSME-Infektion kann übrigens nicht mit Hilfe der Medizin geheilt werden. Sie behandelt lediglich die Beschwerden. Wer sich schon mal infiziert hat, ist in der Regel immun gegen das Virus – im Blut finden sich IgM und IgG-Antikörper, die bei einer neuerlichen Infektion die Arbeit aufnehmen. Allerdings sollte sicherheitshalber alle drei bis fünf Jahre eine Auffrischungsimpfung gemacht werden. Die Ärzte empfehlen eine solche Impfung, sofern Sie in Risikogebieten leben und häufig in der Natur zu tun haben. Oder dort den Urlaub verbringen. Der Impfschutz selbst besteht erst nach drei Impfungen. Danach reicht alle 5 Jahre eine Auffrischungsimpfung – ab dem 50. Lebensjahr sollte diese alle drei Jahre erfolgen. Sollte zu lange ausgesetzt worden sein, so muss die Prozedur nicht wieder von vorne begonnen werden. Auch hier reicht normalerweise eine Auffrischungsimpfung.
Einige Schutzmassnahmen können schon im Vorfeld durch jeden selbst vorgenommen werden:
- helle Bekleidung, damit eine Zecke schneller entdeckt wird
- geschlossenen Schuhe
- lange Hosen
- die Socken am besten über die Hose ziehen
- langärmelige Hemden
- keine Tiere wie etwa Igel berühren (die Zecken lieben sie als Wirt)
- nach jeder Wanderung absuchen des Körper (v.a. der Kniekehlen, Leisten, Achseln, am Ohr- sowie am Haaransatz)
- Zeckenschutzmittel (Vorsicht: Hält nur für 2 bis 3 Stunden!)
Ich dusche mich nach jeder Wanderung oder Gartenarbeit inkl. dem festen Abreiben mit dem Handtuch!
Sollte eines der Biester tatsächlich gestochen haben, entfernen Sie die Zecke am besten mit einer Zeckenzange oder einer Pinzette möglichst nah an der Haut. Ziehen Sie sie gerade und vorsichtig heraus. Zuletzt noch die Stichstelle desinfizieren und möglicherweise markieren. Wenn das Insekt mit Öl oder Klebstoff übergossen wird, bekommt es Todesangst und entleert den kompletten Mageninhalt – auch den Virus, sollte dieser noch nicht bis zu diesem Zeitpunkt übertragen worden sein.
Wesentlich häufiger als eine FSME-Erkrankung ist allerdings die Borreliose. In Deutschland erkranken in den Meldegebieten unter 100.000 Einwohner zwischen 20 bis 90 pro Jahr an dieser bakteriologischen Krankheit, die von den Borrelien übertragen wird. Hiervor gibt es keine schützende Impfung – im Infektionsfall müssen Antibiotika verwendet werden. Wer also gegen FSME geimpft ist, kann trotzdem an Borreliose erkranken.

https://www.youtube.com/watch?v=UDN4tjx6iyw

Der Impfstoff wurde 1976 erstmals durch den österreichischen Pharma-Konzern Immuno auf den Markt gebracht. Als Zielgruppe galten v.a. die Fortsarbeiter. Als das Unternehmen Ende der 1990er-Jahre durch den US-amerikanischen Konzern Baxter geschluckt wurde, verschwand das österreichische Präparat nahezu aus dem Apothekenregal, da diese ihr eigenes Serum verkaufen wollten. Erst als viele Menschen sich aufgrund der Nebenwirkungen weigerten, eine Impfung über sich ergehen zu lassen, wurde der Impfstoff verbessert. Aus diesem Grund ist FSME-Impfung nicht ganz unumstritten, da einige Nebenwirkungen auch weiterhin bestehen. Gespritzt werden abgetötete Viren und Aluminiumhydroxid in den Oberarm. Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Impfungen (ein bis drei Monate voneinander getrennt) und einer dritten fünf bis neun Monate nach der zweiten. Danach sollte – je nach Risiko bzw. Alter des Patienten – alle drei bis fünf Jahre aufgefrischt werden. In der Schweiz empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit eine solche Auffrischungsimpfung erst nach zehn Jahren. Eine Passiv-Impfung (Impfung mit Antikörpern nach einem Stich) wird nicht mehr durchgeführt. An der Impfstelle kann es vermehrt zu Reaktionen wie etwa Schmerzen, Rötungen und Anschwellungen kommen, leichtes Fieber ist ebenfalls möglich wie Sehstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit und Schüttelfrost. Vergleichbar etwa mit den Reaktionen bei einer Tetanus-Impfung. Kleinkinder können mit Fieberschüben reagieren. Menschen mit allergischer Reaktion auf Hühnereier sollten sich nicht impfen lassen, da die Herstellung des Serums auf embryonierten Hühnereiern (CEC – chick embryo cells) erfolgt. In Deutschland wurden im Jahr 2015 220 Neuinfektionen gemeldet (2014 waren es noch 265), in der Schweiz rund 100 und in Österreich weniger als 100. Nachdem sich die Erkrankung bei nur 5 % der Infizierten zu einer Meningoenzephalitis entwickelt, lehnen Gegner die Impfung ab. Auch bei Kindern heilt die Erkrankung zumeist rasch aus, ohne Schäden zu hinterlassen. In der deutschen Fachliteratur ist nur von einem Kind die Rede, das Folgeschäden wie Lähmungen, epileptische Anfälle oder andere Auffälligkeiten aufzeigte. In den Risiko-Gebieten in der Schweiz und Deutschland übernimmt die Krankenversicherung die Impfkosten, in Österreich muss der Patient für den Impfstoff aufkommen. Wurde allerdings eine FSME-Erkrankung durchgemacht, so bietet die Immunisierung ein Leben lang Schutz. Ergo: Ein Antikörper-Bluttest vor einer Impfung kann – nicht nur bei FSME – durchaus Aufschluss bringen, was demnächst vom Arzt Ihres Vertrauens verabreicht werden sollte. Und übrigens: Impfungen bei chronisch kranken Menschen zeigten in vielen Fällen auch Besserungen bei diesen Erkrankungen, da das Immunsystem etwas zu tun bekommt.

Lesetipps:

- Zecken – Was man über FSME und Borreliose wissen muss; Jochen Süss; Irisiana-Hugendubel 2006
- Epidemiologie und Prophylaxe der Frühsommermeningitis; Roggendorf, M., Girgsdies, O. E.Rosenkranz, G; DIe gelben Hefte 1994
- Zecken und Zeckenerkrankungen; Ralph Peters; Borreliose und FSME Bund Deutschland e. V. 2006
- Lyme-Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis; Patrick Oschmann/Peter Kraiczy; UNI-MED 1998

Links:

www.zecken.de
www.zecken.at
www.zecken.ch
www.rki.de
www.apotheker.or.at
www.gbe-bund.de
www.bag.admin.ch
www.blv.admin.ch
survstat.rki.de/
infektionsnetz.at
www.infektionsschutz.de
dgk.de
www.pei.de
www.sanitaetsdienst-bundeswehr.de
www.impfen.de
www.impfschaden.info
www.eurosurveillance.org
www.ch.ch
www.haudsinfo.ch
www.stoppdiezecke.ch
www.infektionsschutz.de
www.virologie.meduniwien.ac.at/
www.borreliose-bund.de
www.reiseziele.at
reisemed.at
www.zeckenwetter.de

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Lasst die Waffen sprechen

„Da eine wohlgeordnete Miliz für die Sicherheit eines freien Staates notwendig ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden.“
(2. Zusatzartikel zur US-amerikanischen Verfassung)

Kinder – da ist was los! Jedes Jahr, wenn das Militär (ob Bundeswehr, Bundesheer oder eidgenössische Armee sei jetzt mal nicht Gegenstand) zur Leistungsshow, Tag der offenen Tür, Roadshow oder was auch immer in die Kasernen bittet, kann man glitzernde Kinderaugen sehen. Der Traum eines wohl jeden Kindes, einmal in einem Panzer mitzufahren, einmal im Leben mit einem Black Hawk-Hubschrauber mitzufliegen oder gar mal mit einer echten Waffe zu schiessen. Es ist das Spielzeug der Erwachsenen, das eine derartige Faszination auf die Kleinen ausübt. Schliesslich verleiht es All-Macht in der Kinderwelt und sorgt dafür, dass der Kleine cool ist, von vielen Mädchen angehimmelt wird. Wir alle spielten damals als Kinder Räuber und Gendarm, Winnetou und Old Shatterhand oder auch eine Spezialeinheit, die die als Geiseln gefangen gehaltenen Mädchen von nebenan befreien musste. Immer mit dabei: Das Spielzeug-Gewehr oder die Spielzeugpistole. Erlaubten es die Eltern nicht, versteckte man das Zeugs irgendwo beim Nachbarn, der nichts dagegen hatte. Jene, die sich an das Verbot der Eltern hielten, wurden ausgegrenzt und galten als Schwächlinge oder Feiglinge. Als Mama-Söhnchen! Fragt Mami heute die Kleinen, als was sie sich im Fasching verkleiden möchten, sagen sicherlich über 80 % der Jungen: Als Cowboy! Die Eltern stehen dem zumeist ohnmächtig gegenüber! Und die Grösseren? Die verbringen jede freie Sekunde mit irgendwelchen Baller- oder Massakrierspielen an den PCs, den Spielboxen oder am Handy.
Mitte Juni lud die Deutsche Bundeswehr im baden-württembergischen Stetten am kalten Markt zur Leistungsschau im Rahmen eines “Tags der Bundeswehr”. Stetten ist Truppenstandort. In der Albkaserne und im Lager Heuberg sind neben einem Feldjägerregiment und einem Jägerbataillon auch die Kampfmittelabwehr und die schweren Jungs (… und Frauen) vom Artilleriebataillon 295 und der Panzerpionierkompanie 550 stationiert. Keine Frage also, dass besonders Familien mit Kindern die offenen Kasernentore nutzten um sich alles genauestens anschauen zu können. Heuer wurden 262.000 Besucher gezählt. Als an der Waffe ausgebildeter Soldat denkt man sich auch nichts dabei, die Waffe vor den Augen der Kinder zu zerlegen und wieder zusammenzubauen. Schliesslich weiss ja jeder, dass das gute Stück nicht geladen ist und jegliche Munition gut versperrt in der Stahlkammer des Waffen-UOs liegt. Auch wenn ein Kind mal darum bittet, das Gewehr oder die Pistole in die Hand nehmen zu dürfen, ist das für viele Uniformierten kein Problem. In Stetten aber wurde es zu einem. Bilder, welche die stolzen Eltern sogar noch selbst in die sozialen Medien stellten, zeigten kleine Kinder mit dem G36-Gewehr im Anschlag oder beim Hantieren mit der Maschinen-Pistole MP7 oder der Faustfeuerwaffe P8. Ein Vergehen, das einen eindeutigen Verstoss gegen die bestehenden Vorschriften der Bundeswehr darstellt. Mei lieber Schorle – wenn ich daran denke, wie lange wir als Rekruten die ungeladene Büchse herumschleppen und zerlegen mussten, bevor wir den ersten Schuss abgeben durften! Und Handwaffen bei Minderjährigen – das geht schon mal gar nicht! Völlig zurecht, geht doch die vorhin bereits beschriebene Faszination von diesen Gerätschaften aus. Es kann gar zur Sucht ausarten, wobei der Nachwuchs nichts über die Sicherheitsbestimmungen im Umgang mit Handwaffen weiss. Er weiss auch nicht zu unterscheiden, ob eine Waffe geladen oder ungeladen ist! In den USA kommt es statistisch gesehen jede Woche zu einem Unfall durch eine Waffe in Händen von Kleinkindern!

https://www.youtube.com/watch?v=Rsa0ygwMOWQ

Doch auch bei den grösseren ist Feuer am Dach angesagt, sollten sie Zugriff zu Handwaffen haben. Nicht wenige davon leiden – bedingt durch die Baller- und Massakrierspiele – an Realitätsverlust. Die Unterscheidung dessen, was sie in der Wirklichkeit anstellen können im Vergleich zum konsequenzenlosen Shooter-Game kann von vielen nicht mehr getroffen werden und sie werden zu Amokläufern meist in ihrer eigenen Schule.

Wer eine Waffe in die Hand nimmt, wird auch davon Gebrauch machen!

Dies ist der durchaus berechtigte Grundsatz der Sicherheitskräfte – auch wenn diese Waffe wie zuletzt bei der Kino-Geiselnahme in einem Shoppingcenter in Deutschland eine Schreckschuss-Pistole ist. Sehr dünnes Eis…!!! Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte alle Hände voll damit zu tun, aufgebrachte Eltern aber auch Parteien und Organisationen wie die Deutsche Friedensgesellschaft zu besänftigen. Ermittlungsverfahren wurden eingeleitet – betroffene Soldaten müssen mit Disziplinarmassnahmen rechnen. Jenseits des grossen Teiches prahlt hingegen ihr US-amerikanische Berufskollege Donald Trump damit, dass – sollte er gewählt werden – Waffen auch an den Schulen Einzug halten. Unter Applaus der mächtigen Waffenlobby National Rifle Association (NRA) hatte er in deren Jahreshauptversammlung auch die Aufhebung der letzten waffenfreien Zone in den USA, somit alsdann der Schulen, versprochen. Die Gründe Trumps:
- Je mehr Waffen in Verwendung sind, desto geringer ist die Waffengewalt
- Die verwundbaren Amerikaner dürfen nicht entwaffnet werden
HALLO??? Ist der Mann denn noch ganz trocken unter seinem Toupet? Bekommt nun jedes Mitglied des Lehrerkollegiums ein absperrbares Fach im Lehrerzimmer, in dem die geladene Clock oder der Colt liegt? Sollte wieder einer dieser jugendlichen Amokläufer in der Schule auftauchen, gibt’s ein wildes Feuergefecht zwischen Täter und Lehrer. Alle dabei Erschossenen oder Verletzten sind Kollateralschäden! Und was geschieht, wenn ein Lehrkörper zum Leerkörper wird und ausrastet – oder in das Konferenzzimmer eingebrochen wird? Die Volksbewaffnung der Zwerge? Übrigens tragen in der NRA-Version des Gebrüder-Grimm-Märchens “Hänsel und Gretel” oder auch im “Rotkäppchen” alle Figuren Gewehre! Kinder ab sechs Lebensjahren werden immer mehr zur Zielgruppe der Waffenindustrie. Und für die kleinen Mädchen, die bisher mit der Barbiepuppe gespielt haben, gibt’s echte rosafarbene Gewehre aus Kunststoff, damit diese nicht zu schwer sind!

“Bringen Sie Ihren Kindern die Coolness und den Spaßfaktor des taktischen Schießens nahe!”
(Werbe-Slogan der US-Waffenindustrie)

Im Mai 1999 erschossen zwei Jugendliche mit Sturmgewehren 13 Menschen bei einem Amoklauf in der Columbine High School in Littleton bei Denver, 2005 tötete ein Jugendlicher in Red Lake/Minnesota zuerst seinen Grossvater und dessen Lebensgefährtin, drang dann in eine Schule ein ünd tötete dort fünf Schüler und eine Lehrerin sowie einen Sicherheitsbeauftragten. Aber auch Deutschland blieb nicht verschont: So erschoss ein 19-jähriger im Gutenberg-Gymnasium in Erfurt 16 Menschen.
Doch sind es nicht nur Jugendliche, die mit ihrem Leben auf diese Weise Schluss machen und dabei möglichst viele Menschen mit in den Tod nehmen möchten. 2007 sterben bei einem Amoklauf an der Virginia Tech-Hochschule in Blackburg 27 Studenten und fünf Hochschullehrer, sowie der 23-jährige Täter selbst. 2012 wurden beim Kino-Massaker von Aurora 12 Menschen von einem 24-jährigen erschossen, 58 weitere zum Teil schwer verletzt. Und zuletzt der heftigste Amoklauf von allen: In einem Schwulen- und Lesbenclub in Orlando erschiesst ein pschisch Kranker nicht weniger als 50 Menschen, 53 wurden verletzt. Augenzeugen und Psychologen berichten von einem Blutrausch der Täter, eine Art Trance. Gekennzeichnet von Ausweglosigkeit, ohne Skrupel, Mitgefühl oder Mitleid. Die Extremsituation macht den Täter unzurechnungsfähig und zu jeder Art von Gewalt bereit. In Europa hat es 2011 der wahnsinnige Anders Behring Breivik aufgezeigt: Er tötete in Oslo und auf der Ferieninsel Utaya nicht weniger als 77 Menschen. Wie anders als mit dem Wort “Blutrausch” kann das erklärt werden??? Der gehört nicht hinter Gitter, sondern ein Leben lang in eine jener modischen Jacken, die sich am Rücken binden lassen, um zu sehen, wie hilflos die von ihm so vergötterte Menschenrasse sein kann! Besonders gefährdet übrigens von der Situation der Ausweglosigkeit: Jugendliche! Empfinden sie doch sehr rasch etwas als Schlusspunkt, obwohl es noch viele Lösungswege gäbe!
Nach Angaben des FBI sterben in den USA jedes Jahr rund 30.000 Menschen durch Schusswaffen – Tendenz steigend! Darunter jeden Tag sieben Kinder oder Teenager! Die Washington Post weiss von 43 Vorfällen im Jahr 2015 – mit Kleinkindern!!! Trotzdem haben die Republikaner während des Wahlkampfes Sturmgewehre verlost! Die NRA gehört zu den grössten Geldgebern im republikanischen Präsidentschafts-Wahlkampf. Der demokratische Noch-Präsident Barack Obama hatte mehrere Anläufe unternommen, das Waffengesetz zu verschärfen. Doch besitzen die Republikaner sowohl im Senat als auch dem Kongress die Stimmenmehrheit, wodurch jeder Anlauf für ein neues Gesetz gekippt wurde. Unter Tränen hat Obama am Ende seiner Legislaturperiode erneut an die Amerikaner appelliert, ein strengeres Waffengesetz einzuführen.

https://www.youtube.com/watch?v=Niu4L3LaJWA

Frechheit – nicht dran zu denken, dass ein afro-amerikanischer Präsident den gesetzestreuen und nationalbewussten weissen US-Amerikanern die Waffen abnimmt, wenn in so manchem US-Bundesstaat sogar der Ku-Klux-Klan ganz offiziell mit Hilfe der Polizei schwarzen Mitbürgern die Waffen entzog (war dies eindeutig zweideutig genug?)!!! Ende Juni demonstrierten nicht weniger als 200 demokratische Abgeordnete mit einem Sitzstreik im US-Repräsentantenhaus für schärfere Waffengesetze – leider vergeblich! Gesetzesinitiativen, wie etwa jene für das Verbot halbautomatischer Waffen, schafften nicht mal den Weg zur Abstimmung in den Kongress! 90 % der US-Amerikaner besitzen eine Waffe. Afro-Amerikanern und Indianern war dies jedoch bis in’s 20. Jahrhundert verboten! Soweit also zur Verfassung, vor der jeder Mensch gleich ist, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten! Auch die demokratische Präsidentschafts.Kandidatin Hillary Clinton setzt sich für ein schärferes Waffengesetz ein – zwar nicht mit einer solchen Vehemenz wie Obama, dennoch muss sich etwas ändern. Im US-Bundesstaat Iowa beispielsweise dürfen auch Blinde eine Waffe besitzen und damit schiessen. Das geltende Recht der Verteidigung darf auch Menschen mit Einschränkungen nicht verweigert werden. Auch ich bin der Meinung, dass sich Blinde verteidigen können sollten. Schliesslich verabscheue ich jene, die sich an Wehrlosen vergreifen. Allerdings könnten hierbei umso mehr Unschuldige verletzt oder gar getötet werden. In Kansas und Missouri darf die örtliche Polizei FBI-Agenten verhaften, wenn diese eine Waffenkontrolle dürchführen!!! Eine Teilorganisation der NRA, die Stiftung “Second Amendment Foundation” tritt für ein freies Tragen der Waffe ein. Sie veranstaltete in einem StarBucks in Sandy Hooks ein Meeting – mit offen getragenen Waffen. In dieser Kleinstadt verübte ein 20-jähriger im Dezember 2012 in der dortigen Elementary School einen Amoklauf. 20 Kinder, sechs Schulangestellte und die Mutter des Täters starben dabei. Gestatten Sie mir eine Frage: In welch einer Zeit leben wir eigentlich, dass Tote dermassen verhohnt werden können? Sollen die Lehrer – zumindest wenn es nach Willen der NRA geht – die Unterrichtsstunden mit einem Sturmgewehr, Waffengurten und vielleicht dem einen oder anderen Eierhandgranätchen abhalten??? Die StarBucks-Filialleitung übrigens machte das einzig Richtige: Sie schloss den Laden und setzte die Waffenträger vor die Türe. Vonseiten der Zentrale wurde später veröffentlicht, dass eine frei getragene Waffe für eine “ungemütliche” Stimmung im Lokal sorge, man jedoch nicht grundsätzlich gegen Waffen sei!
Am 29. Januar 1979 lieferte sich in San Diego eine 16-jährige mit der Polizei ein Feuergefecht. Zuvor hatte sie mit dem Gewehr, das sie von ihrem Vater geschenkt bekam, auf Schulkinder der Cleveland Grundschule geschossen. Zwei Erwachsene starben im Kugelhagel, acht Kinder und ein Polizist wurden verletzt. In einem Telefoninterview während der Tat gab sie als Grund an:

“I don’t like Mondays. This lives up the day.”

Der Satz diente später Bob Geldof und seinen Boomtown Rats als Hintergrund ihres Songs. Im Verhör meinte sie alsdann, es habe Spass gemacht! Oder jener Marine-Veteran, der in aller Gemütsruhe in einem Bürogebäude in Washington sein Gewehr zusammensetzt – wenig später sind 12 Menschen tot.

https://www.youtube.com/watch?v=xLF2WHlob6Q

Das hai meines Erachtens mit Spass oder Zeitvertreib nichts mehr zu tun!
Auch in der Schweiz schiessen die Kleinen bereits in den Schützenvereinen – das ist dort Tradition. Dass jedoch auch immer wieder Zwischenfälle mit Militärwaffen, die die eidgenössischen Miliz-Angehörigen bislang mit nach Hause nehmen durften, geschehen, führt niemand auf das Aufwachsen mit der Waffe zurück!

https://www.youtube.com/watch?v=TuKNA-r__bI

Donald Trump hat der NRA zugesichert, dass er in seiner Präsidentschaft das Recht auf Waffenbesitz der Amerikaner achten und wertzuschätzen wisse. Und was die verwundbaren US-Bürger angeht: Jene Bevölkerungsschicht, die am meisten Opfer von Gewaltverbrechen sind – zeigen immer wieder Studien auf – sind die jungen, schwarzen Amerikaner. Die NRA aber ist vornehmlich weiss!!! Gegründet wurde diese übrigens 1871 als Schützenverein. Vorrangiges Ziel war die Verbesserung der Treffsicherheit der Reservisten und Milizionäre – der heutigen Nationalgarde. Gegenwärtig gehören der Vereinigung rund 5 Millionen Mitglieder an. 1963 – der Kennedy-Mord: Angeblich wurde das Gewehr von der NRA oer Post bestellt. Wie es dann in die Hände des Schützen Lee Harvey Oswald kam, wird nach wie vor geheimgehalten.
Das Land kehrt also wieder in jene Zeiten zurück, in welchen jener, der am schnellsten zieht auch am meisten zu sagen hat, allerdings stets in der Angst leben muss, aus dem Hinterhalt oder von einem Schnelleren erschossen zu werden! Spinnen wir die Überlegungen weiter: Wie viele Personen werden unschuldig durch die Polizei erschossen, da diese befürchten muss, dass anstelle der Ausweis-Papiere eine Waffe gezogen wird? In Dallas wurden fünf Polizisten während einer Demonstration gegen Polizeigewalt von einem Heckenschützen erschossen – 11 weitere verletzt. Wenige Stunden zuvor sollen Polizisten zwei unschuldige junge Schwarze grundlos erschossen haben – eine der Tat wurde von der Freundin des Opfers live via Facebook übertragen (hier war ein defektes Blinklicht am Fahrzeug die Ursache). Ist man sich bei einem Streit mit dem Nachbarn oder im Bierzelt sicher, dass der nicht nach Hause geht und mit der Waffe wieder zurückkommt – wie jener Amokschütze im Vorarlberger Ort Nenzing bei einem Konzert?! Trump übrigens hat sich in den Jahren zuvor immer wieder gegen Waffen ausgesprochen! Was wohl hat diese wundersame Wandlung bewirkt?! Inzwischen glaubt die Bevölkerung immer mehr daran, dass die Amokläufe nur durch Geisteskranke gemacht werden. Die NRA hat gute Arbeit geleistet! Bleibt zu klären, wie diese Irren an die Waffen bzw. an Waffenbesitzkarten (hierzulande) kommen.
Amerika rüstet auf – leider immer mehr auch Deutschland, Österreich und die Schweiz! Dort jubeln die Registrierkassen – noch nie wurden dermassen viele Waffen wie zuletzt gekauft!

Links:

everytown.org/
www.nti.org
www.dfg-vk.de
www.paxchristi.net/
www.aufschrei-waffenhandel.de/
www.friedenskooperative.de
www.vdb-waffen.de/
iwoe.at/
www.ipsc.ch
home.nra.org
saami.org/
www.ieacs.eu/
aecac.eu/
www.wfsa.net/
iapcar.org/
www.face.eu/


Lesetipps:

.) Das Waffenrecht in den USA: Eine Darstellung und Bewertung der Argumente der Waffenlobby sowie der aktuellen Situation; Felix Grünewald; GRIN Verlag 2014
.) The National Rifle Association and the media: the motivating force of negative coverage; Brian Anse Patrick; Peter Lang, New York 2002
.) Gun Control: Threat to Liberty or Defense against Anarchy?; Wilbur Edel; Praeger Publishers, Westport 1995
.) Interest Group Politics in America; Ronald J. Hrebenar; M E Sharpe Inc, 1997
.) Arming America: The Origins of a National Gun Culture; Richard Bernstein, Michael A. Bellesiles; Soft Skull Press, 2003

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Sag zum Abschied leise “Servus!”

Mick Jagger tat es, Monty-Pythons John Cleese hat es getan, Michael Cane ebenso und mit Ihnen auch knapp 52 % der Briten, die zum EU-Referendum gingen (Wahhlbeteiligung: 72 %): Nein zu Europa, Ja zum Austritt aus der EU!!! Und jetzt beginnt das grosse Katzengejammer! Viele sehen ein, dass sie sich durch oftmals falsche Informationen und Versprechen haben blenden lassen und sich meschugge in der Wahlkabine verhalten haben. Denn die Folgen, die Folgen sind enorm!!!
Als ich zuletzt über den Brexit geschrieben habe, gehörte vieles noch zum Kreis der Spekulationen. Nach dem britischen Referendum jedoch beginnen sich genau die Vorhersagen mit aller Härte zu bewahrheiten: Das Pfund wird abgewertet, Arbeitsplätze gehen verloren, Unternehmen verlassen das Land, …! All das in nur wenigen Tagen. Und ganz oben auf droht nun auch noch eine Regierungskrise, da Premierminister Cameron das Ganze zwar angezettelt hat, um mit Hilfe der auch parteiinternen EU-Gegner wiedergewählt zu werden, seit damals allerdings für die EU gekämpft hat. Wer soll nun die Bestattung der europäischen Idee in London übernehmen? Fünf haben sich gemeldet – doch ist (mit Ausnahme Glove) keiner davon einer dieser grossen Brexit-Stimmen. Die grössten Chancen gar gar mit der derzeitigen Innenministerin eine EU-Befürworterin! Der Witz an der Sache ist zudem, dass London in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres den EU-Vorsitz turnusmässig inne hätte! Nun aber grenzt es sich Europa erneut aus!

“Für unsere Kinder und Kindeskinder sollten wir die Probleme der Welt gemeinsam anpacken und nicht allein.”

(Fussball-Legende David Beckham auf Facebook)

Viele der konservativen Tories plagen in diesen Tagen enorme Kopfschmerzen, in der Labour-Party werden die ersten Stimmen laut, das Referendum gar parlamentarisch abzulehnen. Ein gefundenes Fressen für all jene, die sich für die Abspaltung eingesetzt haben. Auf den Strassen des Empires wird demonstriert, die EU-Auslandsbriten haben bereits alle Union-Jack-Taschentücher aufgebraucht. Für sie heisst es nun Kofferpacken, um eine andere Staatsbürgerschaft ansuchen oder sich den Gepflogenheiten des jeweiligen Fremdengesetzes unterzuordnen und um Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung anzusuchen. Eine Online-Petition brachte in nur drei Tagen über drei Millionen Stimmen. Mit Ausnahme der Einreiseverbots-Petition gegen Donald Trump (600.000 Unterschriften) scheitern ansonsten die meisten an der 200.000er Marke – ab 100.000 Unterschriften muss sich das Unterhaus damit beschäftigen. Inhalt der Petition: Wiederholung des Referendums! In Brüssel will man die Abspaltung so rasch als möglich vollziehen, um nicht noch weiter unnötig ein Politikum daraus zu machen – auch übrigens die Meinung der sechs EU-Gründungsstaaten-Aussenminister. Ausserdem soll so rasch als möglich der Geldhahn zugedreht werden, schliesslich erhielten die Briten gleichwohl mehr aus dem Rabatt- und Fördertopf wieder zurück, als so manch anderer Mitgliedsstaat. Dieses Geld wäre in Griechenland besser aufgehoben, schliesslich kostet das Dichtmachen der Grenzen zum asiatischen Raum eine Menge Geld.
Apropos Geld – bereits vor dem Referendum haben tausende Briten ihr Pfund-Vermögen in US-Dollar oder Euro umgewechselt! Wirtschaftsexperten erwarten sich eine Abwertung des Pfunds um 20-25 %. Es droht eine eingefleischte Inflation, bei der die Waren für den täglichen Ge- und Verbrauch empfindlich teurer werden. Hinzu kommen die längeren Wartezeiten aufgrund der Zollformalitäten und der einhergehenden Bürokratie, die das derzeitige Verbringen der Güter (später dann wieder “Ausfuhr”) auf die britischen Inseln teurer machen werrden. Zudem stürzen auch die Bankpapiere ohne Fallschirm in Richtung Erde! Nach ersten Berichten der BBC soll die US-Grossbank Morgan Stanley bereits die ersten ihrer 2.000 Mitarbeiter im United Kingdom nach Dublin oder Frankfurt abbeordert haben. Gleiches überlegt sich auch JPMorgan – hier geht es um 16.000 Mitarbeiter an der Themse. Der Börsenplatz London wird zusehends an Bedeutung zugusten Frankfurts in der internationalen Finanzwelt verlieren.
Ach ja – und da war dann auch noch das kleine aber feine Telekommunikationsunternehmen “Vodafone”. Hier wurde bereits angekündigt, dass die Unternehmenszentrale auf den europäischen Kontinent verlagert wird, da ein Wachstum nur mit der EU möglich wäre – 13.000 Stellen in GB fallen weg!
Sehr rasch reagierten übrigens auch die US-Rating-Agenturen – sind ja keine Kinder schlechter Eltern! Standard & Poors stufte das Vereinigte Königreich von Triple-A auf Double-A, Fitch von “AA+” auf ebenfalls “AA” – beide mit negativem Ausblick. Bei S&P wird als Grund die Schwächung der Vorhersehbarkeit, der Stabilität und der Effektivität der politischen Prozesse in Großbritannien angegeben. Na ja, sch…drauf!, wird sich so manch einer denken. Schliesslich hat ja auch der Alpenstaat zwischen Neusiedler und Bodensee seine Triple-A-Bewertung vor einigen Monaten verloren. Bislang ohne schwerwiegende Konsequenzen – zumindest für den kleinen Bürger! Derzeit haben diesen Status ohnehin nurmehr Australien, Dänemark, Deutschland, Kanada, die Niederlande, Norwegen, Schweden, Schweiz, Singapur und die USA (Quelle: Fitch/Börsenzeitung, Stand: 27.06.16). Derartige Bewertungen führen dazu, dass ein Staat bei der Geldaufnahme höhere Zinsen bezahlen muss bzw. schwerer an Geld kommt, da sich Investoren zurückhaltender geben.
Schottland und Nordirland drohen zudem mit einem eigenen Referendum zur Erlangung der Unabhängigkeit, da beide in der EU bleiben wollen. In Schottland wäre dies Folge 2, nachdem der erste Versuch vor zwei Jahren gerade noch so abgewendet werden konnte. Doch dieses Mal bestünde kein Zweifel, wie diese Volksabstimmung ausgehen würde. Im Landes des Scotchs entschieden sich nicht weniger als 62 % für den Verbleib in der europäischen Staatengemeinschaft; in Nordirland waren es fast 56 %. Ob beide Teilregionen auch als Nationalstaaten lebensfähig wären, sei dahingestellt. Hier warnt auch die Rating-Agentur S&P davor, dass aus dem einstigen Wirtschaftsgiganten nurmehr kleine unbedeutende Staaten werden. Doch wissen gerade die Schotten aufgrund Ihrer Exponiertheit im Norden der Insel, wie wichtig hier ein Zusammenhalt ist. Auf emotionaler, v.a. aber auf wirtschaftlicher Ebene. Übrigens haben sich auf Gibraltar 96 und in London-City 75 % für die EU ausgesprochen. Auch London’s neuer Bürgermeister wurde aufgefordert, alle nötigen Schritte für einen Austritt aus dem UK zu unternehmen. Zuvor hatte der Rechtspopulist Nigel Farage gemeint, dass die EU versage und sterbe. Alter Brite – deshalb führte auch die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon offenbar schwergewichtige Verhandlungen während des EU-Gipfels mit Juncker und Schulz. Allen Anscheins nach scheint noch vor der EU das ehemals prächtige British Empire wegen zweier Prozentpunkte zu zerbröseln!
Als eine Katastrophe bezeichnet alsdann auch die Wissenschaft und Forschung diesen Volksentscheid. Schliesslich zählen die beiden Universitäten Oxford und Cambrigde zu den weltweit führenden Alma Matern – nicht zuletzt aufgrund der Arbeit vieler EU-Ausländer. Für die gilt selbstverständlich: Einmal dort geforscht zu haben und man reiht sich in die Schar vieler genialer Köpfe und Nobelpreisträger ein. Auch dies wird künftighin erschwert werden, ist doch das Studenten-Austauschprogramm “Erasmus” ein millionenschwerer EU-Fördertopf für Mitgliedsstaaten. Derzeit studieren rund 3.140 deutsche Studiosi und 350 österreichische im United Kingdom. Bei einer Studiengebühr von über 6.000,- Pfund pro Jahr können sich dies nurmehr die finanziellen Eliten leisten!
All das hat aber die über 50 % der EU-Gegnerschaft offenbar nicht interessiert. Jetzt gehen die Jungen auf die Alten los. So ergab eine Wählerstrom-Analyse des Meinungsforschungsinstitutes YouGov für die Tageszeitung “The Times”, dass in der Altersgruppe 18 bis 24 Jahre 64 % für den Verbleib in der EU votierten. Kampagnen wie “Stronger In” klärten diese Altersgruppe über das Risiko eines Austritts auf. In den Sozialen Netzwerken läuft unter den jüngeren Usern ein Shit-Storm – es scheint, als habe man sie ihrer Zukunft betrogen! Auch in den Bildungsschichten wurde unterschiedlich abgestimmt. Die Mittelschicht (“ABC1″) hatte sich mit 53:29 für den Verbleib des United Kingdoms entschieden, in der Arbeiterklasse (“C2DE”) war das Verhältnis mit 38:52 nahezu umgekehrt. Der Grund: Die Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes, den ja ein Ausländer bekommen könnte. Dr. Peter Vitouch (Ord. Univ-Prof für Pubizistik und Kommunikationswissenschaften an der Universität Wien) brachte es in einem Interview gegenüber des ORFs auf den Punkt: Treffen wird es ohnedies wieder jene, die sich für den Austritt entschieden haben.
Inzwischen allerdings geht in England und Wales der Brexit-Mob um. Hasseskapaden gegenüber Ausländern sind an der Tagesordnung – völlig egal woher diese stammen.

“Seit meiner Kindheit, seit über 30 Jahren, habe ich diese Beschimpfung nicht mehr gehört.”

(Nisha Parti, Pakistanerin in GB)

Beispielsweise die in Tränen aufgelöste Hörerin einer Radiostation. Vor über 40 Jahren hatte sie ihr inzwischen verstorbener Mann aus Deutschland auf die Insel geholt. Jetzt wird sie angefeindet – sie solle Grossbritannien gefälligst verlassen. Allerdings habe sie doch niemanden mehr ausserhalb Englands.

https://www.youtube.com/watch?v=NO4j475Hbdw

“Abwarten und Teetrinken” heisst es unterdessen in London. Viele der EU.Befürworter, wie auch Premier David Cameron, möchten so lange als möglich in der Staatengemeinschaft verbleiben. So ist der nächste Parteitag der Conservative Party erst im Oktober geplant. Camerons Nachfolger wird den Austrittsantrag stellen, vermeldete der Premier dieser Tage im Unterhaus – das wird also frühestens im November stattfinden. Dann werden die Weichen für die Zukunft gestellt. Angst vor den Geschichtsbüchern? Es ist ein wahrhaft schweres Gewicht, das es da zu schultern gilt. Ein skandalöser Zustand, wie es EU-Parlamentspräsident Martin Schulz bezeichnet (ARD-Tagesthemen vom 24. Juni 2016), der damit vornehmlich die Tories kritisiert. Ein Parteitag könne alsdann innerhalb nur eines Tages abgehalten werden, so Schulz. Auch seine Kollegen aus Berlin, das jetzt immer mehr zur heimlichen europäischen Hauptstadt avanciert, wollen Druck ausüben. Nur Kanzlerin Merkel muss offenbar noch den künftigen Verhandlungsweg in ihr Navi eingeben! Den Österreichern ist es eigentlich wurst. Gilt doch deren grösste Befürchtung, dass es in der Alpenrepublik ähnlich ablaufen könnte. Doch wird dies noch durch die Verfassung ausgeschlossen. Was allerdings mit einer FP-geführten Regierung vonstatten gehen wird, traut sich derzeit niemand abzuschätzen. Ein eidgenössischer Experte warnte vor den Folgen des Brexits: Wollt Ihr etwa die neue Schweiz werden??? Den EU-Gegnern ist im Vergleich dazu noch gar nicht bewusst, was nun auf sie alles zukommen wird – oder doch? Für Lachen sorgte dieser Tage Kommissions-Präsident Jean-Claude Juncker, als er meinte, dass er überrascht sei, Nigel Farage und seine Mitstreiter der britischen Brexit-Partei UKIP im Europaparlament zu sehen – fragte sie gleichzeitig, warum sie denn noch da seien!
Das Vereinigte Königreich trat 1973 der EG und dem EWG (jetzt EWR) bei. Davor gab es allerdings bereits starke innenpolitische Kämpfe. In voller Härte prallten bereits damals schon die Gegner auf die Befürworter. Seit nunmehr 43 Jahren ist Grossbritannien Teil Europas, wenn auch nicht der Euro-Zone. Jetzt wurde wieder ein Solo-Ausritt eingeleitet. Welche Möglichkeiten gibt es nun für die Insel?

- Austritt aus allen multilateralen europäischen Verträgen
Das käme wohl einem Genickschuss gleich. Auch wenn die USA die engsten Verbündeten des United Kingdoms sind, so wäre dies neben der politischen Ausgrenzung in diesem Teil der Erde auch das wirtschaftliche Out.

- Europäischer Wirtschaftsraum
1992 wurde der EWR (davor EWG) als Freihandelsabkommen zwischen der EG und der EFTA beschlossen. Er gilt als Voraussetzung für einen EU-Beitritt interessierter Staaten (so wäre etwa auch die Schweiz gerne Teil der EU – nicht jedoch des EWR!). Mit der Europäischen Union versank er etwas in Vergessenheit. Erst als Island, Norwegen und v.a. Liechtenstein beigetreten sind, kam der EWR wieder in die Schlagzeilen. Das Abkommen ist eigentlich als wirtschaftliche Basis der EU zu verstehen: Es garantiert die Freiheit im Personen-, Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr. Der EWR ist die grösste Wirtschaftszone der Welt, rund die Hälfte des Welthandels finden hier statt. Sollte Grossbritannien den Austritt also nur halbherzig vollziehen (schliesslich sind die meisten der Begründungen für einen Austritt wirtschaftlicher Natur!) und hier Mitglied bleiben, so wird Brüssel wohl nach wie vor zumindest wirtschaftlich zuständig sein und berechtigterweise auch weiterhin einen Obolus verlangen.

- Europäische Freihandelsassoziation
Die EFTA wurde bereits am 04. Januar 1960 gegründet – die derzeitigen Mitgliedsstaaten sind: Die Schweiz, Liechtenstein, Island, und Norwegen, also all jene Staaten Europas, die nicht zur EU gehören. Auch Dänemark, Grossbritannien und Österreich waren vor dem jeweiligen EU-Beitritt EFTA-Mitglieder. Ähnlich wie die EU schliesst auch die EFTA Verträge mit anderen Freihandelszonen um dadurch unter gewissen Voraussetzungen ebenfalls zu einem freien Warenverkehr zu gelangen. In der EFTA allerdings bleibt die politische Handlungsfreiheit den Mitgliedern überlassen. Waren mit Ursprungszertifizierung gelangen zollfrei in die EU! Übrigens war Grossbritannien federführend an der Gründung der EFTA als alternative Zollunion zur EG beteiligt. Damit sollten auch EG-Mitglieder angelockt werden, um diese schwächen zu können.

Vermutlich wird GB also wieder ein Beitrittsansuchen an die EFTA stellen. Allerdings ist hier nicht davon auszugehen, dass sich Melone und Regenschirm auch dort die Rosinen rauspicken können, wie sie es mit all ihren Ausnahmen und Eingeständnissen in der EU machten. Sir Bob Geldof meinte kürzlich, die Volksentscheidung sei “historically stupid”!
Interessant wird nun jedoch die Stellung der USA bezüglich TTIP! Grossbritannien ist der engste europäische Verbündete der USA (“special relationship”). Was geschieht, wenn die britischen Lobbyisten plötzlich nicht mehr an den Verhandlungen teilnehmen dürfen? Schliesslich geht es Obama um den ganzen alt-ehrwürdigen Kontinent!!! Er beeilte sich deshalb auch zu versichern, dass ein möglicher Brexit die TTIP-Verhandlungen nicht stören werde. Wen wundert’s? Schliesslich wird ein solcher Austritt auf eine Dauer von rund 2 Jahren geschätzt. Geht es nach den Amerikanern, sollten schon gestern Gen-Mais-Produkte und Hormonfleisch in den europäischen Verkaufs- und Kühlregalen liegen.
Bleibt abschliessend eine Frage: Wird GB überhaupt aus der EU aussteigen oder ist es wieder einmal mehr ein strategischer Schachzug, damit den Briten erneut eine Sonderstellung eingestanden wird? EU-Parlaments-Präsident Schulz spricht hierbei von der “Geiselhaft Europas” durch Cameron. Einerseits ist das Referendum nicht bindend. Andererseits – sollte Cameron zu seinem Wort stehen – kann das Referendum durch einen Entscheid im Unterhaus aufgrund der Wiederholungs-Petition gekippt werden. Aus Downing-Street 10 kam das Versprechen, ein etwaiges EU-Nein sofort umzusetzen – nicht erst Monate später. Erste Gerüchte werden nun laut, dass die Austrittsverhandlungen dazu genutzt werden sollen, ein neues Abkommen mit der EU auf die Beine zu stellen, über das erneut ein Referendum abgehalten werde. Damit wäre dann die erste Volksabstimmung aus der Welt geschafft. Auch die Labour-Party spricht durch den Abgeordneten David Lammy bereits von einem Stop für die Umsetzung: ” “Wir müssen das nicht tun. Wir können diesen Wahnsinn stoppen und diesen Albtraum mit einer Abstimmung im Parlament beenden.” (Quelle: The Guardian). Andere wiederum meinen, das Volk habe gesprochen. Eine solche direktdemokratische Massnahme zu wiederholen, weil nicht das gewünschte Ergebnis dabei herauskam, sei politischer Selbstmord.

“Die Konzentration der Macht ist in den leitenden Strukturen der EU sehr hoch!”
(Russlands Staatspräsident Wladimir Putin)

Aaaah – jetzt verstehe ich auch die Unterstützung vieler europäischer Rechtspopulisten mit russischen Rubel.
Dass sich in der Politik und Administration Brüssels einiges ändern muss, stellt der Schreiberling dieser Zeilen keineswegs in Abrede. So kritisierte bereits 2014 der Steuerzahlerbund, dass alleine die Verwaltung der EU im Jahr zuvor mit 8,4 Milliarden Euro rund sechs Prozent des damaligen Gesamtbudgets von 135,5 Milliarden Euro verschlungen habe. Nur beispielsweise Deutschland hatte 2013 14 Milliarden Euro nach Brüssel überwiesen. 55.000 Personen, darunter 28 Kommissare arbeiten für die EU. Ausserdem pendeln immer wieder die Europaparlamentarier von Brüssel nach Strassbourg. Alle teils gar nicht verständlichen Verordnungen und Erlässe müssen mittels acht LKW hin und her gekarrt werden. Alleine diese lustige Butterfahrt über 430 km für sage und schreibe eine Sitzungswoche kostet nicht weniger als 180 Mio €. Unsinnige Richtlinien, Einmischung in hoheitliche Belange eines Staates (etwa einheitliche Mineralölsteuer),… Viele haben sich Europa so nicht vorgestellt. Eine Bundeshauptstadt aufzugeben um eine neue zentralistische Hauptstadt zu erhalten. Wichtig ist, die begonnene Diskussion über eine Reform fortzuführen und die daraus resultierenden Schlüsse umzusetzen. Ansonsten wird wohl ein Staat nach dem anderen ein Referendum über den Verbleib in der EU abhalten. Frankreichs ehemaliger Ministerpräsident Nicolas Sarkozy von den konservativen Republikanern hat inzwischen einen neuen EU-Vertrag gefordert. Er entspricht damit den Vorstellungen des Polen Jaroslaw Kaczynski, Vorsitzender der Regierungspartei PiS und Strippenzieher in Polen, der eine EU der Nationalstaaten fordert.

Zum Abschluss noch etwas zum Schmunzeln aus dem Deutschen Bundesrag:

CDU-Abgeordneter Kai Whittaker betonte in seiner Rede vor dem hohen Haus in Berlin, dass sein Vater Brite und seine Mutter Deutsche sei. Ein Produkt des freien Personenverkehrs in der EU! Na ja – eigentlich meinte er es irgendwie anders als Sie es nun vielleicht verstanden haben!!!

Lesetipps:

.) Economic Integration Worldwide; Ali M. El-Agraa (Hrsg.); Macmillan; London 1997
.) Der EWR – verpasste oder noch bestehende Chance?; Freiburghaus / Kreis; NZZ Libro; Zürich 2012
.) Grenzüberschreitende Verschmelzung unter Beteiligung von EU/EWR- und Drittstaaten-Kapitalgesellschaften; Menderes Günes; Nomos 2012
.) Ausländerbeschäftigungsgesetz. Mit EWR- und EU- Recht; Gerhard Schnorr; Manz’sche, Wien 1997

Links:

www.parliament.uk
www.europarl.europa.eu
ec.europa.eu
www.bbc.co.uk
www.ewr.de
www.efta.int
www.studieren-in-england.de/

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