Archive for September, 2016

Na denn: Mahlzeit!

Mit der Molkerei Hochwald aus Thalfang hat dieser Tage einer der wohl grössten deutschen milchproduzierenden Betriebe einige Chargen seiner Produkte zurückrufen müssen. Bei der Produktion seiner H-Milch habe sich ein Keim gebildet, der beim Verzehr eine Gesundheitsgefährdung darstellen könnte. Der Milchriese beliefert mit seinen namentlich unterschiedlichen Produkte nahezu alle deutschen Diskonter und Supermarktketten.
Die Milch ist ohnedies ein sehr sensibles Lebensmittel. Die Hygiene bis zuletzt ist entscheidend, ob das weisse Gold auch tatsächlich geniessbar ist. Ein Wort, das man im Beisein eines Molkereibediensteten niemals erwähnen sollte, ist “Listerien”. Diese ganz speziellen, nach dem britischen Chirurgen Joseph Lister bezeichneten Bakterien sind gerade mal max. 1,5 µm gross, können aber schwere gesundheitliche Schäden hervorrufen und sind deshalb der Alptraum eines jeden Senners. Aber auch in Fleisch und Wurst und dem Wasser können die Killerbakterien auftreten.
Listerien fühlen sich bei 30 bis 37 Grad und einem ph-Wert von 5-9 am wohlsten. In diesem ph-Bereich allerdings sind die meisten Getränkesorten für den Menschen angesiedelt. Auch eine Abkühlung auf bis zu 4 Grad (Kühlschrank) oder eine leichte Erwärmung auf bis zu 45 Grad machen sie mit links. Erst darüber oder unter -0,4 Grad sterben die Keime ab. Allerdings können die Bakterien auch vom aeroben zum anaeroben Stoffwechsel switchen. Dadurch überleben sie alsdann in vakuumverpackten Lebensmitteln, die nicht vorher abgekocht oder pasteurisiert wurden: Fleisch, Fisch, Käse und Rohmilch beispielsweise.
Eigentlich sind die Bakterien ja nützlich, ernähren sie sich doch von abgestorbenem organischem Material – man spricht von einem “Fäulniskeim”. Somit sind sie überall zu finden: Wisenschaftler der Technischen Universität München entdeckten die Keime beispielsweise im Matratzenstaub von Bauernhof-Kinder. Möglicherweise ein Grund dafür, dass sie weniger unter Allergien leiden als Kinder aus den Städten, da das Immunsystem noch so arbeitet, wie es sollte. Alsdann ebenfalls im Verdauungstrakt des Menschen nachweisbar. Bis zu zehn Prozent der Menschen haben derartige Bakterien im Darm und scheidet sie über den Stuhl aus, ohne jemals gesundheitliche Beschwerden zu bekommen.
Bei den meisten gesunden (“immunkompetenten”) Menschen verläuft eine solche Infektion symptomlos, zeitweise treten kurz andauernde infektionsähnliche Magen-Darm-Problemen auf, die nicht therapie-erforderlich ist. Trotzdem sollte eine Erkrankung nicht auf die leichte Schulter genommen werden! So kann nach dem Verzehr eines stark kontaminierten Lebensmittels eine Magen-Darm-Entzündung (Gastroenteritis) entstehen. Zudem lösen Listerien bei Mensch und Tier die sog. “Listeriose” aus, eine Infektionskrankheit, die durch Schmier- oder Oralinfektion übertragen wird. Dabei steigt die Gefahr mit dem Rohegrad der Produkte: Rohmilch, Rohmilchkäse, rohes Fleisch und Fisch. Allerdings können die Bakterien auch durch das Düngen mit tierischer Jauche in Gemüse und Salate gelangen – v.a. die küchenfertig abgepackten Salate sind immer mal wieder davon betroffen. Je mehr Produktions-Zwischenstufen ein Lebensmittel durchwandern muss, desto möglicher wird eine solche Kontaminierung.

https://www.youtube.com/watch?v=915–saub8E

Die Listeriose wird beim Menschen durch das Bakterium Listeria monocytogenes ausgelöst – die Krankheit ist meldepflichtig, da hochansteckend. Die Inkubationszeit liegt zwischen 1-12 Tagen (bei Sepsis) bzw. 1-14 Tagen bei neuroinvasivem Verlauf. Die Ausbreitung im Körper erfolgt über die Lypmhgefässe. Zumeist verläuft die Krankheit bei gesunden Menschen ohne Komplikationen. Immungeschwächte Patienten (“immunsupprimiert”) jedoch können vom Durchfall und Bauchschmerzen, über Fieber bis hin zur Hirnhautentzündung und Blutvergiftung schwer erkranken – erfolgt nicht sofort eine Behandlung mit entsprechenden Antibiotika, so führt dies in 30 % der Fälle gar zum Tod! Risiko-Gruppen sind: Ältere Menschen, Diabetiker, Aids- oder Krebspatienten und nicht zuletzt auch frisch Operierte und Alkoholiker. Bei Schwangeren kann es zu einer Früh- oder Fehlgeburt kommen – die Patientin bemerkt ebenfalls zumeist die Erkrankung gar nicht.
Das Bakteriumn bindet sich mittels spezieller Oberflächenproteine (wie InlA, InlB und P60) an E-Cadherin, wodurch es in die Epithelzellen des Magen-Darm-Traktes und in die Zellen anderer Organe eindringen kann (so überwindet es beispielsweise auch die Blut-Hirn-Schranke). Soll heissen, dass der Keim durch die Zellwand hindurch direkt von Zelle zu Zelle wandern kann! Dort vermehrt er sich im Zytoplasma. Über das Blut gelangen alsdann die Erreger auch in die anderen Organe. Das Problem der Listeriose ist die Feststellbarkeit, da das klinische Bild sehr unterschiedlich ist. Somit wird sie zumeist sehr spät diagnostiziert und die an sich sehr gut wirksamen Medikamente sehr spät eingesetzt. In den USA sind Listerien für rund 28 % der durch Lebensmittel verursachten Todesfälle verantwortlich. 2014 wurden in Deutschland nicht weniger als 608 humane Listeriosefälle gemeldet, in Österreich waren es 47.
Die Listeriose wurde erstmals 1923 in einer Versuchstierzucht in Cambridge an Kaninchen und Meerschweinchen durch Everett George Dunne Murray et al. beobachtet – drei Jahre später gelang es demselben Team, das Bakterium zu isolieren. Durch die zumeist späte Diagnose wird die Behandlung immens erschwert. Zudem nistet sich der Erreger in den Zellen ein (“fakultativ intrazellulär”), wodurch er für viele Antibiotika nicht greifbar ist. Auch die Immunschwäche der meisten Listeriose-Patienten macht die weitere Therapie nicht wirklich einfacher! Ferner wirken die routinemässig eingesetzten Antibiotika (“Cephalosporine”) nicht mehr gegen die Erkrankung.
In der Tierwelt sind vornehmlich Wiederkäuer wie Rinder, Schafe und Ziegen betroffen – interessanterweise rohes Fleisch fressende Raubtiere äusserst selten. Bei Schafen und Ziegen tritt meist eine Gehirn-Hirnhaut-Entzündung auf. Dies führt zu neurologischen Ausfällen – Abgeschlagenheit, Drehbewegung, Zittern der Lippen, herabhängende Ohren. In weiteren Stadien Seitenlage mit Ruderbewegungen, Tränen- und Nasenausfluss und nach spätestens 10 Tagen der Tod. Auch die zweite Form – die Sepsis – zeigt sich durch Fieber, Schwäche, Saugunlust bei Lämmern und Durchfall. Auch sie ist tödlich. Bei Rindern ist die Erkrankung über das Hirn häufiger. Dabei verursacht eine Enzephalitis meist eine einseitige Lähmung der entsprechenden Muskeln (etwa unvollständiger Lippenschluss oder andere Lähmungen im Kopfbereich). Das Kopfschiefhalten lässt ebenfalls auf die Schädigung des Gleichgewichtsinns schliessen. Der Tod erfolgt nach 1-2 Wochen. Tiere infizieren sich meist durch kontaminiertes Futter (Staub oder Erdreich) oder verdorbenes Heu. Bei anderen Tierarten spielte die Listeriose weniger eine Rolle – auch wenn sie immer mal wieder in den unterschiedlichsten Krankheitsformen auftritt. Interessant ist der Fall einer Bartagame (australisches Schuppenknechttier), die nach Fütterung mit listerienbelastetem Schweinefleisch verstarb. Reptilien leben sehr häufig von verdorbenem Fleisch, doch ist dieser Fall der einzig wirklich dokumentierte!
Nach der Berufskrankheiten-Verordnung zählt die Listeriose in deutschen Landen zu den Berufskrankheiten in der Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie – in Österreich ist sie im Allgemeinten Sozialversicherungsgesetz nicht eigens enthalten! Eine grobe Vernachlässigung, schliesslich können durchaus Keime durch einen erkrankten Mitarbeiter in eine Produktionsstrasse von Lebensmittel gelangen. Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu Endemien (regional begrenzte Massenerkrankungen): 1981 im kanadischen Halifax (41 Menschen erkrankten aufgrund kontaminierten Weisskrauts); 1983/84 im schweizerischen Le Vaud (57 Personen erkrankten durch Weichkäse); 1985 im US-amerikanischen Kalifornien (142 Personen durch mexikanischen Käse) etc. 2009 starben in Deutschland und Österreich acht Menschen an belastetem Harzer Käse.
Wer sich also vor Listerien schützen möchte, müsste auf Rohmilch und Butter, kurzgereifte Rohwürste wie Mett- oder Teewurst, Geflügelfleisch und Mayonnaise, Räucherlachs und Salami verzichten. Hier hat jeweils keine Pasteurisierung stattgefunden, wodurch die Lebensmittel zu Risiko-Produkten werden. Vermeiden Sie zudem vorgeschnittene fertig-verpackte Blattsalate. Ansonsten müssten Roh-Produkte stets sorgfältig gewaschen und abgekocht werden. Bei Tieren sollten verschmutzte Futtermittel, verdorbenes Heu oder fehlgegorene Silage ebenso vermieden werden, wie andere Faktoren, die das Immunsystem beeinflussen – Stress etwa!!!

PS: Bei dem Keim, der im zuvor genannten Unternehmen in die Milch kam, handelte es sich nicht um Listerien, sondern um das bazillus cereus!

Lesetipps:

.) Listeriose; Heinz Seeliger; Johann Ambrosius Barth-Verlag Leipzig 1958
.) Zum Vorkommen und Nachweis von Listerien in Käsereien. Dissertation; Ursula Hartmann; München 1989
.) Die Infektiologie; D. Adam u. a. (Hrsg.); Springer Verlag Berlin 2004
.) Medizinische Mikrobiologie; W. Köhler u. a.; Urban & Fischer-Verlag, München/ Jena 2001
.) Environmental research. Band 107, Nummer 3; M. Korthals, M. Ege u. a.; envres 2008

Links:

www.listeriose.eu
www.rki.de
www.bfr.bund.de
www.vis.bayern.de
www.ugb.de
www.bmas.de
www.bmgf.gv.at
www.ages.at
www.auva.at
www.bag.admin.ch

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Das ist nicht nur schmerzhaft – das ist brandgefährlich!!!

Wenn Biologen von “Invasoren” reden, so hat dies nichts mit Soldaten einer fremden Armee zu tun. Vielmehr sind damit in der Botanik Pflanzen (und Tiere) gemeint, die absichtlich oder unabsichtlich durch die Globalisierung den Weg in unsere Breitengrade gefunden haben (“hemerochore Arten”) und den heimischen Arten das Leben schwer machen (“invasive Neophyten”): Das Essbare Zyperngras etwa, das Indische Springkraut oder auch die Amerikanische Goldrute. So manche dieser Invasoren haben es zudem faustdick hinter den Blättern und sollten von Fachleuten entsorgt werden – wie etwa der Riesen-Bärenklau! Da ist im Vergleich dazu die Brennnessel ein Kinkerlitzchen!
Der Riesen-Bärenklau (lat.: Heracleum mantegazzianum) wurde bereits im 19. Jahrhundert als Zierpflanze eingeführt, sie stammt eigentlich aus dem Kaukasus. Bis zu 3,65 m hoch (Guiness Buch der Rekorde) wuchert der Riesen-Bärenklau inzwischen neben Strassen, Bahntrassen, Flüssen und auch Seen, wie etwa dem Ammer- oder dem Starnberger See. Experten empfehlen im Umgang mit der Pflanze erhöhte Vorsicht. Die ätherischen Öle des Riesen-Bärenklaus enthalten Furanocumarine, eine hochgiftige Substanz. Ausreichend, um im Jahr 2008 die fragwürdige Auszeichnung “Giftpflanze des Jahres” zu erhalten. Während die Brennnessel unter dem Elektronen-Mikroskop betrachtet lauter kleine Röhrchen besitzt, die mit Pflanzengift vollgefüllt sind und bei Berührung schräg abbrechen, sodass ein Injektionsnadel-Effekt entsteht, befindet sich das Gift im Bärenklau an allen Stellen der Pflanze als ätherisches Öl. Kommt es nun auf der Haut mit UV-Licht in Verbindung, so reagieren die Gifte mit körpereigenen Eiweissen. Die Stellen beginnen zu jucken und später zu brennen. Der Experte spricht hierbei von einer “Photodermatose”. Es folgen Rötungen, Entzündungen, Blasen und schliesslich Verbrennungen zweiten Grades. Auch bei einer professionellen medizinischen Versorgung kann die Heilung unter Umständen Wochen dauern. Dabei wird die Wunde gekühlt und Schmerzmittel sowie Kortison verwendet. Nach zwei Tagen sind die Schwellungen und Verbrennungen auf ihrem Höhepunkt angelangt. In dieser Zeit und auch danach sollte auf jeden Fall Sonneneinstrahlung vermieden werden. Kam es zu eine massiven Schädigung der Haut, ist auch Fieber und ein anaphylaktischer Schock (Kreislaufschock) nicht auszuschliessen.
Allerdings kann nicht nur der Berührungskontakt gefährlich werden – auch die unmittelbare Nähe führt durch Ausgasung der Furanocumarine bei vielen Menschen zu allergischen Reaktionen und Atemnot bzw. einer allergischen Bronchitis, die bis zu drei Wochen andauern kann.
Die Giftstoffe gehen auch durch normale Bekleidung – bei der Entfernung sollte deshalb zu spezieller Schutzbekleidung gegriffen werden, die nach Gebrauch vernichtet werden muss: Handschuhe, Schutzbrille, Atemschutz, Gesichts- und Körperschutz, ,.. Um zu veranschaulichen, wie aggressiv diese Pflanzengifte sind: Einweghandschuhe aus Latex sind nach spätestens einer Stunde durchdrungen! Fand nun ein Berührungskontakt statt, sollte die Haut an dieser Stelle mit fliessendem kalten Wasser und etwas Spiritus gereinigt werden. Danach können Sie eine Sonnencreme mit möglichst hohem Lichschutzfaktor auftragen und die Stelle möglicherweise abdecken, damit sie kein UV-Licht abbekommt. Bitte scheuen sie bei ersten Anzeichen eines Juckreizes nicht vor einem Arztbesuch zurück, da die weiteren Massnahmen nur ein Spezialist erledigen kann. Dies gilt v.a. für kontaminierte Stellen im Gesicht. Wie nach einer Verbrennung können unansehnliche Narben und Pigmentstürungen der Haut zurückbleiben.

https://www.youtube.com/watch?v=t46TiZ5q97A

Jeder dieser auch als “Herkulesstauden” bekannten Pflanze bildet zwischen 10-50.000 Samen, die durch Flusswasser beispielsweise über mehrere Kilometer weiterverbreitet werden. Dadurch erklärt sich auch die rasche Ausbreitung. Dort, wo sie Fuss gefasst hat, bleibt kein Platz für andere Pflanzen (“aggressive Verdränger”). Deshalb empfehlen die Spezialisten bereits im März das Ausstechen und Entsorgen der rübenartigen Wurzel.
Die Pflanze wurde bis in die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts v.a. von Jägern und Förstern, aber auch von Imkern angesamt. Während sich die ersten beiden einen verbesserten Deckungsschutz für das Wild versprachen, setzten sie die Bienenzüchter als Bergweide für ihre Bienen ein, ebenso wie übrigens auch das Indische Springkraut. Beide produzieren wesentlich mehr Blütenstaub als heimische Pflanzen, wodurch jedoch die heimischen Arten nicht mehr bestäubt werden. Auch bei der Bepflanzung von Abrissstellen war die Herkulesstaude gern gesehen. Dies erwies sich jedoch als Mumpitz, da die Herkulesstaude keine böschungsbefestigende Wirkung besitzt – im Gegenteil erhöht sie gar die Erosion des Bodens.
Der Riesenbärenklau ist recht einfach zu erkennen: Die weissen bis rosa gefärbten Blüten können bis zu 80 cm gross werden. Die Blätter ähneln etwas den Rhabarber-Blättern, sie sind stark gefiedert, drei bis neunteilig, besitzen einen gezackten Rand und können bis zu einen Meter lang werden. Der stark behaarte und mit roten Flecken versehene Stängel wird bis zu zehn cm im Durchmesser. In den ersten beiden Jahren erreicht er eine Grösse von bis zu einem Meter. Erst im dritten Jahr erfährt er einen Wachstumsschub. Entdecken Sie im heimischen Garten eines dieser Gewächse, so sollte der sog. “Vegetationskegel”, also der obere Wurzelbereich bis zu einer Tiefe von rund 15 Zentimetern ausgegraben werden. Das Ganze nun auf gar keinen Fall in den Bio-Komposter geben. Die Pflanze, auch als “Bärenkralle” bekannt, gehört mit der Wurzel-Schnittstelle nach oben in reissfeste Plastik-Säcke und in den Restmüll. So verhindern Sie die erneute Wurzelbildung. Eine andere Möglichkeit ist, die Pflanze durch ständiges Abmähen klein zu halten. Sie wächst zwar rasch wieder nach, allerdings verlangsamt sich dadurch deren Ausbreitung. Bei einer bereits blühenden Pflanze (Blütezeit: Juni bis September) müssen die Dolden direkt vor der Verzweigung abgeschnitten und vernichtet (verbrennen oder Restmüll) werden. So verhindern Sie die Verbreitung der Samen, die bis zu zehn Jahre keimfähig bleiben. Die abgeschnittenen Stängel sollten allerdings regelmässig kontrolliert werden, da sich Notblüten heranbilden, die ebenfalls entfernt werden müssen. Derartige Massnahmen setzen Sie am besten an bewölkten Tagen oder bereits in der Dämmerung, wenn nurmehr wenig UV-Strahlung einfällt. Besser jedoch ist es, wenn Experten mit der Vernichtung beauftragt werden. Diese packen normalerweise bei starkem Befall die Chemiekeule aus. Dann werden die Wurzeln gekappt und ausgegraben. Durch regelmässiges Mähen und Fräsen werden kleine Pflanzen oder neu treibende Wurzeln dezimiert, durch Mulchen erhalten verbliebene Samen zu wenig Licht zum Keimen. Hobby-Gärtner sollten sich vor der Bekämpfung etwa mit dem Naturschutzverein oder der Stadtgärtnerei in Verbindung setzen. Schliesslich muss auch das verwendete Werkzeug mit Spiritus gereinigt werden.

https://www.youtube.com/watch?v=p1QDuDbKLw8

Auch die heimischen Arten des Wiesen-Bärenklaus oder des Berg-Bärenklaus sind giftig, weshalb sie vom Weidevieh stehen gelassen werden. Allerdings ist das Gift nicht dermassen konzentriert wie beim asiatischen Bruder. Interessant abschliessend zu wissen: Die damals noch Progressive-Rockband Genesis stufte bereits 1971 die Pflanze in ihrem Song “The Return of the Giant Hogweed” als sehr gefährlich ein.

https://www.youtube.com/watch?v=5P3YyIv7dJ0

(Tja – auch das waren einst Genesis!!!)

Vor folgenden Pflanzenarten sollte man sich in Acht nehmen, da sie ebenfalls giftig oder schädlich sind:

Bischofskraut, Blaualgen, Dieffenbachie, Fingerhut, Juckbohne, Kirschlorbeer, Opuntie, Upas, Manzanillo-Baum; Blinding-Tree, Sandbüchsen-Baum; Stinging Spurge, Noseburn; Ciega-vista, Bull Nettle; Gympie, Giant Stinging Tree; Nilgiri Nettle, Urtica dioica; Irtiga, Tree Nettle, Wood Nettle, Cashew Nut Tree, Ostindischer Tintenbaum, Ligas, Burma Lac Tree; Rengas, Holigarna, Black Poison Wood, Rainbow Leaf; Giftefeu, Giftsumach, Lacksumach, Grosse Brennnessel, Eastern Poison Oak, Western Poison Oak,

Auch die Kerne oder Steine solch beliebter Obstarten wie Aprikose, Kirsche, Mandeln/Bittermandeln, Marille, Pflaume sollten niemals geschluckt werden. Das darin enthaltene Pflanzengift Amygdalin wird im Körper gemeinsam mit Wasser zu Blausäure umgebaut und kann zu einer Cyanid-Vergiftung führen. Aber das – das ist wieder ein ganz anderes Thema!!!

Lesetipps:

- Biologische Invasionen. Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa; Ingo Kowarik; Ulmer Stuttgart 2003
- Giftpflanzen. Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte, Toxikologen und Biologen; D. Frohne, H. J. Pfänder; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart 1997
- Wandernde Pflanzen: Neophyten, die stillen Eroberer – Ethnobotanik, Heilkunde und Anwendungen; Wolf-Dieter Storl; AT Verlag 2012

Links:

baerenklauwhv.wixsite.com
neobiota.bfn.de/
www.issg.org
mic-ro.com/plants/index_de.html
dgk.de
floraweb.de/
www.smul.sachsen.de/lfulg
www.giz-nord.de
www.goeg.at
toxinfo.ch/startseite_de
www.giant-alien.dk
www.wildfooduk.com

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Arm – ein Leben lang

Als ich dieser Tage ein Interview mit einem Call Center Manager im Radio hörte, erschrak ich: Obwohl dieser 69 Jahre alt ist, muss er noch zu 100 % einem Job nachgehen, da er mit unter 800,- € Rente im Monat niemals über die Runden käme. Ist dies etwa das Schicksal, das den meisten von uns im Alter droht: Arbeiten bis zum Umfallen? Da verursacht doch der Ausdruck “wohlverdienter Ruhestand” einen mehr als spontanen Lachanfall.
Nach einer aktuellen Studie der europäischen Statistikbehörde Eurostat aus dem Jahr 2014 sind in Deutschland nicht weniger als 5,6 Mio Menschen über 55 Jahren von der Altersarmut betroffen. Das bedeutet eine Steigerung um 1,1 Mio innerhalb von nur 10 Jahren. Die Studie wurde kürzlichst veröffentlich und sorgt für mehr als grossen Unmut, schliesslich nimmt die Zahl der älteren Menschen in der mitteleuropäischen Bevölkerung stark zu – in deutschen Landen etwa von 18,2 auf 20,7 % zwischen 2006 und 2014!
Von Armut ist ein Mensch dann betroffen, wenn er über weniger als 60 % (“Medianeinkommen” der OECD) des durchschnittlichen Einkommens der Bevölkerung verfügt (773,- €). Im Vergleich dazu liegt der europäische Armuts-Schnitt bei 20,9 % (übermässig hoch mit 44,2 % in Rumänien, sehr niedrig mit 9,3 % in Norwegen). Dies können nun alleinerziehende Mütter ebenso sein wie Arbeiter oder Angestellte und auch Pensionisten und Arbeitslose. In der arbeitenden Bevölkerung nutzt auch ein Mindestlohn von acht Euro die Stunde nichts – viele haben noch einen zweiten oder gar dritten Job. Ähnliches ist alsdann bei den Rentnern zu sehen. Über zehn Prozent müssen inzwischen etwas dazu verdienen, damit sie ihre Rechnungen zahlen können. Mögliche Lösung: Stärkung der Rente auf armutsfestes Niveau durch beispielsweise der Anhebung des Rentenniveaus auf mindestens 53 %! Soweit die Ausführungen der Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann (Linkspartei). Sie hat die Studie ausgearbeitet.
Kritik gibt es in Deutschland von der Opposition, die vornehmlich Merkels zu wenig oder nicht vorhandene Sozialpolitik auf’s Tapet bringt – aber auch vom bayerischen Koalitionspartner Horst Seehofer von der CSU. Er betrachtet die Riester-Rente als defacto gescheitert. Die Riester-Rente ist eine freiwillige private Altersvorsorge, die durch Zuschüsse und Steuervergünstigungen durch den Staat gefördert wird. Dies gilt allerdings nur für Dienstnehmer, Dienstgeber und Branchen, die bereits über eine andere Vorsorge-Möglichkeit abgedeckt sind (Ärzte etwa), können die Begünstigungen nicht in Anspruch nehmen. Das soll nun im Rahmen einer Versicherungspflicht für Selbständige geändert werden. 2001 führte die rot-grüne Regierung unter Schröder die Riester-Rente als Kernelement der Rentenreform ein. 16,5 Millionen Menschen haben sich seither für diese Vorsorge in Deutschland entschieden, allerdings zahlen nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums rund 2/5 nicht mehr ein. Nun wird der Ruf nach einer Mindestrente immer lauter!
In einer aktuellen Umfrage (Juni 2016) des Instituts für Demoskopie Allensbach fürchten 64,9 % der befragten 1.100 Männer und Frauen im Alter zwischen 30 und 59 Jahren, dass die gesetzliche Rente später nicht mehr ausreichen wird. Stellt sich natürlich die Frage, wieso denn nicht nachgebessert wird. 36,3 % der Befragten einer Emnid-Umfrage unter 1.002 Deutschen im Auftrag der Postbank gaben als Grund dafür an, zu wenig Geld zur Verfügung zu haben. Allerdings denken auch 33,8 %, dass die gesetzliche Rente ausreichen wird. Die privaten Altersvorsorgen steigen übrigens mit dem Bildungsgrad, was auch mit einem besseren Monatsgehalt zusammenhängen dürfte! Die Gewerkschaft Verdi hingegen warnt lautstark: Mit den Babyboomern der 60er Jahre steuern 11 bis 12 Mio Menschen auf Hartz-IV zu.
Einen möglichen Ausweg erwarten sich nun die Sozialpolitiker in Berlin durch die Flexi-Rente, die kürzlich im Bundestag beschlossen wurde. Möchte jemand anstelle von 67 mit 63 Jahren vielleicht nicht zur Gänze der Arbeit den Rücken kehren, so kann er zumindest um einen Gang zurückschalten. Die Altersteilzeit macht’s möglich. Zugleich erhält er dabei eine Teilrente. Auch beim Zuverdienst hat sich etwas geändert: Konnte es schon mal geschehen, dass ein grosser Pauschalteil der Rente gestrichen wurde, weil im Monat XY auch nur ein Euro zu viel verdient wurde, so stieg dieser Freibetrag nun auf 6.300,- € im Jahr. Ausserdem sank das Alterslimit für die Zusatzzahlungen von 55 auf 50 Lebensjahre. Dank dieser Zusatzzahlungen kann der Zeitpunkt des Pensionsantritts gesenkt werden. Die neuen Regelungen treten mit 2017 in Kraft.
Auch ich staunte nicht schlecht, als anlässlich der Einrichtung der Pensionskonten in Österreich die voraussichtliche Rente bei Errreichung des gesetzlichen Rentenalters berechnet wurde. Da schuftet man sich das ganze Leben lang richtiggehend kaputt, um dann im Alter zusätzlich neben der Pension arbeiten zu müssen – auch bei nicht überdurchschnittlichem Lebensstandard. Wer diesen nämlich auch nur halbwegs halten möchte, braucht nahezu 80 % des letzten Netto-Verdienstes. In Österreich gibt es keine Riesterrente. Dort können Beiträge für Lebensversicherungen, Fonds-Versicherungen etc. in die Lohnsteuererklärung aufgenommen werden. Lässt man sich diese dann allerdings bei Fälligkeitsdatum komplett auszahlen, fällt erneut die Steuerpflicht an. Nur wenn sie als Rente ausbezahlt werden, bleibt dies steuerbegünstigt. Im Alpenstaat sind Frauen übrigens von der Altersarmut häufiger als Männer betroffen. Sie gehen im Schnitt mit 57,5 Jahren in den Ruhestand, leben jedoch nach demographischer Entwicklung noch 28 Jahre lang mit weniger als 772 € monatlichem Einkommen in Armut. Dies ist bei rund 15 % der Frauen über 65 Jahren bzw. bei 11 % der Männer der Fall (Zahlen aus der Studie “Altersarmut bei Frauen” der Allianz-Versicherungsgruppe). Trotzdem weist eine OECD-Studie aus dem Jahre 2014 auf, dass Ende 2009 das verfügbare Einkommen der älteren Menschen bei 91 % des verfügbaren Einkommens der Gesamtbevölkerung und die Pensionshöhe im Vergleich zum Letztgehalt lag weit über dem OECD-Durchschnitt. Die österreichischen Pensionisten sind zu 82 % vom Staat abhängig. Die meisten erhalten eine staatliche ASVG-Rente von 1.100 bis 1.200 € brutto im Monat! Davon allerdings sind nur rund 3,5 % kapitalgedeckt (in Deutschland sind es 17 %)! Das ist der niedrigste Wert in Westeuropa. Im Alpenstaat leben rund 4 % unter dem Medianeinkommen – cirka 10 % sind armutsgefährdet.Und es werden mehr, daran kann auch die bedarfsorientierte Mindestsicherung nichts ändern.
Verantwortlich an dieser Misere ist die Hacklerregelung bzw. die Invaliditätspension. Somit können Frauen nach der Hacklerregelung gar schon mit 55, Männer mit 60 Jahren ohne Abschläge in Pension gehen. Hinzu kommen die vielen Frühpensionisten – mit weniger hohen Pensionen – bei allerdings gestiegener Lebenserwartung. Das Umlagesystem wird alsdann nicht mehr die versprochenen Leistungen halten können. Ebenso wie in Deutschland sollte deshalb eine zusätzliche Eigenvorsorge im Kapitaldeckungssystem getroffen werden. Bereits ab dem 20. Lebensjahr ist eine solche Sparfunktion sinnvoll. Auch ausserhalb Österreichs beobachtet man diesen Countdown mit Argwohn. So titelte etwa die FAZ am 20.04.2016: “Gefährliches Rentenvorbild Österreich”. Die persönliche Vorsorge wird nicht unterstützt, das System bedarf hoher staatlicher Zuschüsse (11 Milliarden €/Jahr) und wird wohl nicht mehr lange bestehen bleiben. Obgleich es der Wirtschaftsweise Bofinger als mögliche Alternative des deutschen Systems vorschlägt: Würden dort alle privaten Altersvorsorgen wieder auf staatlicher Ebene gebündelt, wäre auch dort das Rentenniveau höher! In Österreich übrigens sind die Selbständigen beitragspflichtig – nur unterhalb der Geringfügigkeitsgrenze von 416,- € im Monat muss keine Pensionsversicherung bezahlt werden. Jene Experten, die das System etwas hinterfragen, versuchen davon zu überzeugen, dass eine private Vorsorge nach Vorbild der deutschen Riester-Rente eingeführt werden soll. Derzeit werden gerade mal 109,- € pro Jahr gefördert.
Also – bleibt nur das Weiterarbeiten in Vollzeit nach dem Erreichen des Regelalters. In Deutschland bringt jeder Monat mehr ab diesem Zeitpunkt ein Plus von 0,5 Prozent. Wird also ein Jahr länger gearbeitet, wirkt sich das mit einem Plus von 6 % auch auf’s Portemonnaie aus! Oder das Dazuverdienen. Hier gibt’s nach oben hin keinerlei Grenzen: Minijob oder gutbezahlte Beraterfunktion – einzig die Einkommenssteuer und Sozialversicherung muss ab dem Ereichen des Renten-Regelalters in’s Auge gefasst werden, was jedoch viele Jobs bereits schon wieder unrentabel machen, da Vater Staat auch hier ordentlich abkassiert. Frühpensionisten jedoch laufen Gefahr, durch einen Job, der die Geringfügigkeitsgrenze überschritten hat (450,- € brutto), die Rente pauschal gekürzt zu bekommen. Sollte mit der Rente kein Auslangen gefunden werden, so besteht das Recht auf Grundsicherung, die ab 65 Lebensjahren und 5 Monaten am Sozialamt beantragt werden kann. Allerdings dürfen keinerlei Ersparnisse mehr vorhanden sein, ein bestehender Geringfügigkeitsjob wird ebenso angeschnitten. Auch wenn die Nachkommen mehr als 100.000 € im Jahr verdienen, werden diese vom Sozialamt in Zahlpflicht genommen. Im vergangenen Jahr haben in Deutschland knapp 536.000 Menschen über 65 Jahren um Grundsicherung angesucht. Tendenz stark steigend! Nach Schätzungen des Max-Planck-Institutes für Sozialrecht und Sozialpolitik wird bis 2030 mit einer Verdoppelung der derzeitigen Bezieher dieser altersbedingten Grundsicherung von 3 auf 6 % der Rentenempfänger gerechnet.

https://www.youtube.com/watch?v=E7eI3wqfsNI

In der Schweiz hingegen ist alles immer besser. Wirklich? 185.800 Schweizerinnen und Schweizer konnten 2013 mit der AHV-Rente und den Bezügen aus der Pensionskasse nicht leben – sie haben Ergänzungsleistungen beantragt (rund 12 % der Pensionisten). Nach Berechnungen der Organisation Pro Senectute kommen jedes Jahr rund 5.000 dazu. Paradoxerweise steigt allerdings auch die Zahl der Altersmillionäre jedes Jahr – über die Hälfte der insgesamt 264.000 Millionäre sind im AHV-Alter (Zahlen: Pro Senectute). Auch hier Tendenz steigend. Ausgerechnet im “reichsten Land der Welt” (Global Wealth Report der Allianz-Gruppe) ist die Schere zwischen arm und reich im Alter dermassen gross wie ansonsten nirgendwo. Bei den Eidgenossen gilt: Wer nicht während seines Berufslebens vorgesorgt hat, knabbert im Alter am Hungertuch. Obwohl die Gehälter in der Schweiz weitaus höher sind als in Deutschland und Österreich, ist auch der Lebensstandard enorm hoch, was besonders im Alter spürbar ist. Wie ist ansonsten der Einkaufstourismus im Euroland zu erklären??? Viele der eidgenössischen Pensionisten leben nur mit ihrer AHV-Rente unter dem Existenzminimum (bei einem Ehepaar rund 4.000,- CHF). Damit können viele auch die Beiträge zur Krankenkasse nicht bezahlen. Sollte nun irgend etwas geschehen, erhalten sie nur die unbedingt erforderlichen Notfallbehandlungen – mehr nicht! Auch für die Schweiz einige erdrückende Zahlen: Innerhalb der letzten 15 Jahre haben die Ergänzungsleistungen von 2,3 auf 4,7 Milliarden Schweizer Franken zugelegt. Oftmals liegt es daran, dass während des Berufslebens Schulden aufgebaut wurden. Deshalb lässt sich der Betroffene das Pensionskassen-Kapital ausbezahlen und schon rutscht er in die Armutsfalle. Dies soll nun von rechts wegen eingeschränkt werden. Als gescheitert scheint inzwischen das Drei-Säulen-Modell: Staatliche, berufliche und private Vorsorge. Gerade mal ein Drittel der Männer und gar nur ein Fünftel der Frauen kann darauf zurückgreifen. Im Vergleich dazu: Staatliche und berufliche Vorsorge 44,4 %/37,2; nur staatliche Vorsorge 12,7 %/37,7 %!!! Anhänger dieses Systems hingegen finden sich bei der SPD, der Linkspartei und den Grünen – aber auch im hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier von der CDU. Vornehmlich deshalb, weil in der Schweiz alle in die staatliche Altersvorsorge einzahlen müssen – egal ob unselbständig, selbständig oder Beamter. Auch Grenzen nach oben hin gibt es keine. Die AHV-Rente macht schliesslich umgerechnet 1.070 bis max 2.140 Euro pro Monat aus. Die berufliche Vorsorge besteht aus kapitalgedeckten Arbeitnehmer-Versicherungen. Dies ist vornehmlich dafür gedacht, dass der bisherige Lebensstandard auch nach der Pensionierung gehalten werden kann. Die private Säule besteht aus Wertpapieren oder Rentenversicherungen, die der Arbeitnehmer bzw. Arbeitgeber bis zu einer jährlichen Höhe von 6.200 € steuerlich absetzen kann.
Tatsächlich muss davon ausgegangen werden, dass die Zahl der Altersarmen noch weitaus höher ist. Viele trauen sich aus Scham nicht um Unterstützung anzusuchen. Dafür ist zumeist ein Stempel der Gemeinde vonnöten, wodurch es jedermann dann weiss! Obgleich viele bezugsberechtigt wären, suchen sie vornehmlich in ländlicheren >Gefilden erst gar nicht um derartige Zusatzleistungen an. Deshalb bleibt Altersarmut meist unsichtbar.


Lesetipps:

- Rente oder Wohlstand: Wer sich auf die Rente verlässt, wird niemals finanziell frei!; Bodo Schäfer; FinanzBuch Verlag 2016
- Armut im Alter: Probleme und Perspektiven der sozialen Sicherung; Christoph Butterwegge/Gerd Bosbach/Matthias W. Birkwald (Herausgeber); Campus Verlag 2012
- Altersarmut in Deutschland: Herausforderung für die Sozialpolitik; Nick Loetz; Bachelor + Master Publishing 2014
- Ein Mann ist keine Altersvorsorge: Warum finanzielle Unabhängigkeit für Frauen so wichtig ist; Helma Sick/Renate Schmidt; Kösel-Verlag 2015
- Ratgeber Pensionierung; Thomas Schönbucher/Raphael Ebneter; VZ VermögensZentrum
2016 (Schweiz)
- Ratgeber Pensionskasse; Stefan Thurnherr/Nicola Waldmeier; VZ VermögensZentrum 2014 (Schweiz)

Links:

www.gesetze-im-internet.de
www.deutsche-rentenversicherung.de
www.ihre-vorsorge.de
www.rentenpaket.de
www.rentenreform-alternative.de
www.iww.de
www.ris.bka.gv.at
www.pensionsversicherung.at
www.sozialversicherung.at
pensionsrechner.arbeiterkammer.at
www.wko.at
www.admin.ch
bsv.admin.ch
www.ahv-iv.ch
www.123-pensionierung.ch
aso.ch
www.svazurich.ch
www.vermoegenszentrum.ch
www.ch.ch/de/ahv-rente-berechnen/
www.faire-renten.ch
www.sozialpolitik-aktuell.de
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www.armut-und-alter.de/
www.verbraucherzentrale.de/altersarmut
www.rente.com/altersarmut
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“Ick bin ein Berliner!”

In wie weit es der damalige US-Präsident John F. Kennedy in seiner Rede am 26. Juni 1963 vor dem Rathaus Schöneberg in Berlin ehrlich gemeint hat, oder ob er gar nur zum Ausdruck bringen wollte, dass er einen dieser leckeren Berliner Krapfen oder Pfannkuchen haben wollte und sich somit nur mit dem “bin” anstelle des “will” vertan hat, das will der Schreiberling zumindest heute nicht im Detail untersuchen. Auf das aktuelle Thema brachte mich vielmehr ein Kollege. Ich hatte zwar auch davon gelesen, zollte dem aber nicht wirklich viel Interesse bei. Allerdings muss ich bei genauerer Betrachtung dem Ganzen schon einiges an Brisanz beipflichten.
Die deutschsprachige Presse verkündete im August, dass Malta Staatsbürgerschaften an Reiche verkauft. Tatsächlich macht dies der Inselstaat schon seit Anfang 2014!!! Nach unbestätigten Angaben sollen sich 200 Bewerber aus nahezu 30 Ländern (darunter sehr viele aus Russland, China und den arabischen Staaten) für eine maltesische Staatsbürgerschaft interessieren. Völlig gleichgültig ob nur Geldadel oder sogenannte “High Networth Individuals” – reiche Wirtschaftsunternehmer, die mit ihrem Geld auch jede Menge Wissen und Verbindungen in’s Land bringen! Eine Staatsbürgerschaft kostet rund 650.000,- € als A-fonds-perdu-Zahlung – eine runde Summe also für den Staatshaushalt der kleinen Insel. Um genauer zu sein: Für den National Development and Social Fund, der damit Projekte in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Forschung, Wohlfahrt und Arbeitsplatzschaffung umsetzt. Insgesamt sollen alsdann bis zu eine Milliarde € eingespielt werden – ein Achtel des maltesischen Bruttosozialproduktes. Dort wollte man nach Beschluss des Parlamentes ab 2013 vorerst 1.800 neue Pässe auflegen – geht der Run aber dermassen weiter, werden diese spätestens in zwei Jahren weg sein! Deshalb wurde nun finanziell nachgebessert:
- 650.000 € für den Staatsfonds
- 350.000 € Investitionen in Immobilien
- 150.000 € in Staatsanleihen
Macht summasumarum 1,15 Mio €!
Zudem erhält – auf Forderung der EU – der Aspirant eine auf ein Jahr beschränkte Aufenthaltsbewilligung, sozusagen als Testphase. Auch sein Namen wird veröffentlicht und er muss unbescholten sein. Nur so nebenbei erwähnt: EU- bzw. EWR-Bürger, die länger als drei Monate auf Malte verweilen, benötigen hierzu eine behördliche Genehmigung – trotz der Niederlassungsfreiheit! Für die “eingekauften Europäer” gelten, sobald sie die Verleihungsurkunde in Händen halten, dieselben Rechte wie für jeden EU-Bürger. Aufgrund des Freizügigkeitsrechtes muss dieser dann auch gar nicht mal auf Malta bleiben, sondern kann sich in jedem Land der EU ansiedeln.
Nach genauerer Recherche muss ich wohl eingestehen: Nicht nur Malta! Und die EU-Kommission steht dem Ganzen nahezu machtlos gegenüber. In Brüssel und Strassburg heisst es, dass der Pass gegen Geld nichts mehr mit europäischen Werten zu tun habe (Inge Grässle CDU, Vorsitzende des EU-Haushaltskontrollausschusses.); der Pass für den Schengen-Raum dürfe nicht verscherbelt werden (Manfred Weber CSU). Befürchtet wird dabei v.a., dass sich Kriminelle in die EU einkaufen könnten. Ausserdem sei es moralisch nicht vertretbar, dass diejenigen, die sich das nicht leisten können, im Mittelmeer ertrinken. Deshalb wird eine einheitliche Vergabe der Staatsbürgerschaften gefordert, derzeit wird dies in allen 28 Staaten der Europäischen Union unterschiedlich gehandhabt.
Inzwischen haben sich gar Unternehmen auf die Vermittlung von Staatsbürgerschaften spezialisiert: Derartige “Investor Immigration Services” bietet beispielsweise Henley & Partners mit Sitz auf der britischen Kanalinsel Jersey an. Die Nachfrage sei sehr gut, heisst es dort. So gut, dass sich nun auch Zypern und Bulgarien angeschlossen haben. Zypern verlangt allerdings drei Mio (gilt auch für die vielen Russen, die ihr Geld auf Zypern gelagert hatten und dies durch die EU-Rettungskredite verloren haben), Bulgarien Investitionen von nur 500.000,- €. In Grossbritannien, das sich ja wie im Brexit nicht zu überhören gewesen ist, Ausländern gegenüber verweigert, erhält ein Nicht-EU-Bürger bei einer Investition von 1 Mio Pfund ein Visum, nach fünf Jahren ein unbegrenztes Aufenthaltsrecht und nach sechs Jahren die Staatsbürgerschaft. Nichts neues auch für Österreich. V.a. die Kärntner Landesregierung soll sehr fleissig zumindest im Versprechen von Pässen gewesen sein. Portugal beispielsweise bietet ein vorerst einjähriges Aufenthaltsrecht (“Golden Residency Permit”) an, das jederzeit ohne Probleme verlängert werden kann. Als Gegenleistung muss entweder eine Mio € investiert oder zehn neue Arbeitsplätze geschaffen bzw, 500.000,- € in eine Immobilie investiert werden. Inzwischen wurden rund 1.400 dieser “Goldenen Visa” verkauft (die meisten an Chinesen), bis zum Ende des Jahres solltem dadurch rund 1,27 Milliarden € nach Portugal geflossen sein. Und da schimpfe mir noch jemand über den Ausverkauf der Heimat!!! Ähnliches gilt auch in Griechenland, Irland, Spanien und Ungarn In Lettland nutzen dieses “Residence Permit-Programm” vornehmlich Russen, Kasachen und Chinesen. Über 7.000 sollen es alleine in den Jahren 2010 bis 2013 gewesen sein. Aber – genaue Zahlen bleibt man auch hier schuldig!
Beleuchten wir uns dieses Thema doch etwas genauer in den drei der vier deutschsprachigen Staaten Europas.

.) Österreich
Für den nicht unbedingt gut betuchten Otto Normalbürger gelten nach dem Staatsbürgerschaftsgesetz 1985 folgende Einbürgerungs-voraussetzungen:
- Mindestens 30-jähriger ununterbrochener Hauptwohnsitz in Österreich
- Mindestens 15-jähriger rechtmässiger und ununterbrochener Aufenthalt in Österreich
- Mindestens sechs Jahre rechtmässiger und ununterbrochener Aufenthalt in Österreich mit einer mindestens fünfjährigen Ehe mit einem/einer österreichischen Staatsbürger(-in) im selben Haushalt
- Nachweis der beruflichen und persönlichen Integration
- Antragstellung
Dann ist es eine Ermessensfrage des zuständigen Amtes, ob die Staatsbürgerschaftsurkunde überreicht wird oder nicht. Hiervon gibt es nun folgende Ausnahmen:
- EWR-Staatsangehörigkeit
- Status einer/eines Asylberechtigten
- Geburt in Österreich
- Ausserordentliche Leistungen in den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst, Sport
Und bei den “Oder-Voraussetzungen” scheiden sich nun im wahrsten Sinne des Wortes die Geister. Sie fallen v.a. in den Bereich der “nachhaltigen persönlichen Integration”: Deutschkenntnisse auf B2-Niveau; Tätigkeiten, die dem Allgemeinwohl in besonderer Weise zu dienen haben; mindestens dreijährige freiwillige ehrenamtliche Tätigkeit bei einer gemeinnützigen Organisation; mindestens dreijährige Berufsausübung im Bildungs-, Sozial- oder Gesundheitsbereich; mindestens dreijährige Ausübung einer Funktion in einem Interessensverband.
Die Bundesgebühren belaufen sich auf bis zu 759,70 €, die Landesabgaben sind unterschiedlich.
Allzu bekannt sind die Einbürgerungen von Sportlern und Musikern/Sängern, wie etwa jene der Synchronschwimmerinnen Vasiliki-Pagona, Eirini-Marina und Anna-Maria Alexandri oder im Kunstbereich jene der Opernsängerin Anna Netrebko, die dafür angeblich an der Staatsoper Wien besonders günstig ihre Stimmbänder erklingen lassen soll. 2014 wurden im Alpenstaat insgesamt 59 solche Promi-Einbürgerungen durchgeführt, 21 davon im Sport.
Im Jahr zuvor listete das deutsche Boulevard-Blatt “Bild” Österreich in einer Reihung auf (zwischen St. Kitts & Nevis bzw. Zypern), in welchen der Kauf einer Staatsbürgerschaft getätigt werden kann. Als Grundlage dafür diente eine 2012 erschienene Werbebroschüre der bereits angesprochenen Agentur Henley & Partners (“Citizenship-by-Investment”).

https://www.henleyglobal.com/citizenship-by-investment/

Basierend auf dem Paragraphen 10 Abs. 2 des Staatsbürgerschafts-gesetzes 1985 (“ausserordentlichen Leistungen im besonderen Interesse der Republik”) geht allerdings nicht hervor, wie teuer eine alpenländische Staatsbürgerschaft ist, Schätzungen sprechen von zehn Mio Dollar! 2010 sollen sich nach Angaben der Statistik Austria 26 Ausländer auf diese Art zu Österreichern gemacht haben. Manche davon werden zuvor noch nie einen Fuss auf den Boden zwischen dem Neusiedler und dem Bodensee gesetzt haben. So manch Einer wird eine “substantielle Investition” getätigt haben und schon war er im Besitz des roten Passes mit dem goldenen Adler. Namen wie Oleg Deripaska, Frank Stronach und Mohammed Bin Issa al-Jaber tauchen auf. Sehr interessant ist es immer auch wieder zu sehen, wie interessiert sich doch wohlhabende Russen an dem Ankauf bislang österreichisch geführter Hotels zeigen oder exklusiver Immobilien in den Quadratmeter-Palästen der Wiener Innenstadt btw. an Promi-Tummelplätzen. Die vermittelnde Agentur erhält übrigens eine Pauschale von 400.000,- € – zusätzlich zu den beabsichtigten Investitionen! Joachim Stern, Jurist an der Universität Wien meinte einst in einem Interview mit der Zeitung “Die Zeit”:

“Österreich zeigt hier im internationalen Vergleich eine bemerkenswerte Doppelmoral. Denn wer kein Geld hat, kein herausragender Künstler oder Sportler ist, ist mit einem der striktesten Einbürgerungsgesetze in Europa konfrontiert. Weil das Gesetz so vage formuliert ist, fördert es die Willkür im Rechtsstaat und öffnet Tür und Tor für Korruption. Das Ganze ist bis heute eine durch und durch undemokratische Bestimmung!”

Experten raten ohnedies vom Alpenstaat ab – aufgrund der restriktiven Steuergesetze! Ausserdem streiten die österreichischen Behörden ja strikt die Existenz einer solchen Ankaufsmöglichkeit ab!!! Doch bleiben sie die Selektionskriterien und die Veröffentlichung der Namen der Neo-Österreicher bei der Umsetzung dieses §10 Staatsbürgerschafts-gesetz 1985 schuldig!

.) Deutschland
In Deutschland gilt Im Staatsangehörigkeitsgesetz (StAG) neben des Abstammungsprinzips auch das Geburtsortsprinzip. Soll heissen, dass ein Kind automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft erhält, wenn es auf deutschem Boden geboren und zumindest ein Elternteil seit mindestens acht Jahren im Rahmen einer unbefristeten oder einer Aufenthaltsgenehmigung auf Grundlage des Freizügigkeitsabkommens zwischen der EU und der Schweiz rechtmässig und gewöhnlich in Deutschland gemeldet ist und dort lebt. Mit dem 18. Lebensjahr muss sich das Kind bei Bestehen mehrerer Staatsbürgerschaften entscheiden, welche es tatsächlich annehmen wird. Ansonsten gelten für den Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft folgende Voraussetzungen:
- Unbefristetes Aufenthaltsrecht in Deutschland
- Mindestens 8 Jahre rechtmässiger und ununterbrochener Aufenthalt in Deutschland
- Nachweis des Lebensunterhaltes für sich und die Familienangehörigen (ohne Sozialhilfe und Arbeitslosengeld)
- Ausreichende Deutschkenntnosse und Absolvierung des Ein- bürgerungstests
- Bekenntnis zum Grundgesetz und keine Vorstrafen
- Aufgabe der anderen Staatsbürgerschaft
Ein erfolgreich abgeschlossener Integrationskurs verkürzt die Wartezeit von acht auf sieben Jahre. Zusätzliche ehrenamtliche oder gemeinnützige Tätigkeiten können nochmals um ein auf sechs Jahre verkürzen.
Auch zwischen Flensburg und Berchtesgaden gibt es die Ermessenseinbürgerung in einem besonderen öffentlichen Interesse (§8 StAG). Hierfür gilt jedoch zumeist eine Wartezeit von mindestens acht Jahren. Zudem muss über ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache sowie der Lebensbedingungen, der Rechts- und Gesellschaftsordnung verfügt werden. Schneller kann es bei beispielsweise Spitzensportlern gehen. Aber auch bei Flüchtlingen nach der Genfer Flüchtlingskonvention oder Staatenlosen und Familienangehörigen.
Die Gebühren für die Einbürgerung belaufen sich auf 255,- €.

.) Schweiz
Auch bei den Eidgenossen wird im Bürgerrechtsgesetz (BüG) zwischen der ordentlichen und der erleichterten Einbürgerung unterschieden. Dabei unterteilt sich die ordentliche in drei Stufen: Dem Antrag auf das Bürgerrecht der Eidgenossenschaft, des Kantons und der Gemeinde. Die Voraussetzungen sollen angeblich für alle gleich sein, doch kann grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass sich vermögende Anwärter auch im Land der Uhren etwas leichter tun, obwohl dies von den Ämtern immer wieder bestritten wird. Anders als in Deutschland oder Österreich erhalten Ausländer bei ihrer Geburt in der Schweiz nicht automatisch die eidgenössische Staatsbürgerschaft, sondern lediglich ein Anwesenheitsrecht. Derzeit besitzen ein solches rund 800.000 Personen, jedoch stellen jährlich nur rund 45.000 einen Antrag auf Einbürgerung. Auch im Staate Wilhelm Tells kann dieses Anwesenheitsrecht mit rund 1 Mio Schweizer Fränkli erkauft werden!!!

http://best-citizenships.com/

Das Anwesenheitsrecht übrigens erhält man nach der Aufgabe des Wohnsitzes in der Schweiz nur mit erheblichem Aufwand wieder zurück – meist ist es gänzlich verloren. Hier nun die Voraussetzungen für die Einreichung eines solchen Bürgerrecht-Antrages:
- Zumindest 12 Jahre ordentlicher Wohnsitz in der Schweiz (Jugendliche 6, Ehegatten eines/einer Schweizer(s)-in 5 Jahre) – die Zeit zwischen der Vollendung des 10. und des 20. Lebensjahres wird übrigens doppelt gerechnet (ein gelungener Schachzug gegen die Auswanderung der in der Schweiz ausgebildeten Jugendlichen)
- Achtung der eidgenössischen Rechtsordnung
- Keine Gefährdung der inneren und äusseren Sicherheit
- Sozial und kulturell integriert in der Schweiz
- Staatsbürgerliche Kenntnisse
Anders als in Deutschland und Österreich liegt die Hauptverantwortung für eine Einbürgerung vornehmlich bei der Gemeinde. Der Bund überprüft meist nur die 12-jährige Wartezeit und das Vorstrafenregister. Die Gemeinden entscheiden über den Grad der verlangten staatsbürgerlichen Kenntnisse. Während so manche Kommune die “einwandfreie Gesinnung und charakterliche Eignung” verlangen, gehen andere weiter: Sprache, zumindest fünfjähriger Wohnsitz in der Gemeinde, ….
In den beiden Kantonen Jura und Neuenburg haben auch niedergelassene Ausländer ein Stimmrecht bei Kantonalwahlen – das ist einzigartig!
Die Gebühren sind unterschiedlich. Der Bund verlangt für ein Ehepaar 150,- CHF; hinzu kommen die kantonalen Gebühren (im Kanton Zürich beispielsweise pro Person 500,- CHF) und die Gemeindeabgaben (Zürich beispielsweise pro Ehepaar über 25 Jahre bis zu 2.500, unter 25 bis zu 1.250 CHF).
Bern übrigens geht davon aus, dass jemand, der seit 12 Jahren in der Schweiz und seit zwei Jahren in der Stadt lebt, dort auch integriert ist und hat deshalb die liberalste Einbürgerungsbehörde.
Für die Schweizer Staatsbürgerschaft muss die vorhergehende nicht abgelegt werden. Doppelte oder mehrfache Staatsbürgerschaften sind möglich.
Die erleichterte Einbürgerung ist vornehmlich für Familienangehörigen von Schweizern gedacht: Ehegatten, Kinder,… Hier ist die Wartezeit nicht so lange (5 Jahre Wohnsitz in der Schweiz, davon das letzte Jahr am Stück, seit drei Jahren mit einem Schweizer Staatsbürger verheiratet oder bei einem Wohnsitz im Ausland seit mindeszens 6 Jahren verheiratet), die Kosten auch nicht so hoch.
Eine Einbürgerung aufgrund eines besonderen öffentlichen Interessens habe ich in der Schweiz nicht gefunden! Doch denke ich mir, dass ein ansuchender Dreifach-Olympiasieger wie Usain Bolt sicherlich rascher im Besitz der Schweizer Staatsbürgerschaft wäre als Charles Botango aus Südafrika. Schliesslich wäre Bolt das Gold auf dem eidgenössischen Pass durchaus wert, obgleich sich Herr Botango möglicherweise rascher und besser integrieren würde!!!

In Kanada übrigens wird das Aufenthaltsrecht relativ günstig vergeben. Seit 1985 gilt: Wer zumindest 800.000,- kanadische Dollar investiert (sind rund 616.000,- €), der erwirbt das Recht zu bleiben. Das nennt sich “Investoreneinwanderungsprogramm” und bringt dem Land jährlich rund 1,54 Milliarden €! Auch die USA vergeben eine Green-Card (Arbeitserlaubnis) für 1 Mio US-Dollar an Investitionen. Günstiger geht’s da schon auf der Karibik-Inselgruppe St. Kitts und Nevis. Seit 1984 kann die Staatsbürgerschaft für den Beitrag von 250.000 Dollar in den Wirtschaftsfonds oder einer Immobilieninvestition von 400.000 Dollar gekauft werden. Herrlicher Strand, keine Einkommenssteuer und Visafreiheit für knapp 130 Länder – Herz, was begehrst Du mehr??? Übrigens – noch günstiger ist mit 100.000 US-Dollar der Inselstaat Dominica, südlich von St. Kitts und Nevis. Innerhalb von nur acht Wochen, für jene, die es eilig haben! Oder die Komoren, eine Inselgruppe vor Madagaskar. Für 40.000,- US-Dollar ist hier die Staatsbürgerschaft zu bekommen – leben will dort aber trotz traumhafter Strände und herrlichen Wassers kein Reicher: Niedrige Lebensqualität, islamische Regierung und nur in rund 40 unattraktive Staaten visafreies Reisen! Ähnlich übrigens wie Russland – hier kostete der Pass 70.000,- Dollar (prominentester Einkaufs-Russe ist wohl Gérard Depardieu, der werbewirksam beim Handshake mit Präsident Putin abgelichtet wurde). Alleerdings muss derzeit bei Reisen v.a. in den Westen mit ziemlichen Repressalien gerechnet werden!
Ungarn beschreitet da andere Wege: Der Bewerber muss Staatsanleihen, sog. “Residency Fonds” in der Höhe von 300.000,- € erwerben. Hinzu kommen noch einige Zehntausend Euro an behördlichen Gebühren und Vermittlungsgebühren, die an ein privates Unternehmen auf den Cayman Islands fliessen. Im Gegenzug gibt’s die uneingeschränkte Aufenthaltsgenehmigung. Alleine 2014 sollen nach unbestätigten Angaben bis zu 1.800 solcher Visa verkauft worden sein – wer die Hand dabei aufhält (vielleicht sogar Premier Viktor Orban selbst???), ist offiziell nicht bekannt.
Die Befürworter dieser erkauften Staatsbürgerschaften bzw. Aufenthaltsrechte argumentieren etwa damit, dass jährlich tausende Staatsbürgerschaften verleiht würden – die meisten sind oder werden zu Sozialfällen. Also soll man durchaus den einen oder anderen Leistungsträger in’s Land holen, der dort Geld liegen lässt oder gar Arbeitsplätze schafft! Ökonomisch richtig – moralisch jedoch??? Tausende Normalos oder Arme opfern ihr letztes Geld und riskieren ihr Leben – die Reichen müssen noch gar nie selbst in den Staaten gewesen sein. Zudem: Wer verdient hier mit? Nur bestechliche Beamte oder auch korrupte Politiker!? Und das mit den Vorstrafen! Ehrlich? Ist es genug Geld, das fliesst, wird dies gar nicht kontrolliert. 2013 wurde durch Interpol ein russischer Auftragsmörder geschnappt – er hatte sich zuvor in Griechenland eingekauft! Kein Einzelfall!!!
Fragt man sich abschliessend, ob man nach alledem heutzutage überhaupt noch stolz auf seine Nationalität sein kann, wenn sich jeder X-Beliebige diese kaufen kann. Gleichgültig, ob er schon mal heimischen Boden betreten, heimische Luft geschnuppert oder heimisches Wasser getrunken hat!

Lesetipps:

.) OPEMI. Trends in International Migration. Continuous Reporting System on Migration, Annual Report 1999; OECD, 1999
.) Asylum and Migration Policies in the European Union; Steffen Angenendt (Hg.); Europa Union Verlag 1999

Links:

http://sfsmalta.de/services/ruhesitz-in-oder-umzug-nach-malta/

www.staatsbuergerschaft.gv.at
www.help.gv.at
www.bundesauslaenderbeauftragte.de/
www.bundesregierung.de
www.bva.bund.de
www.ch.ch
www.sem.admin.ch
auswandern-schweiz.net
www.kresse-law.com
www.migration-info.de

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Eine Mär!

Dieser Tage absolvierte ich (unfreiwillig!) einen Selbsttest: In mein Büro hatte sich eine Hornisse verirrt. An sich hört man diese Insekten ja am tiefen Brummen des Flügelschlags – ich jedoch war gerade auf einen Sprung raus. Als ich zurückkam, mich auf meinen Stuhl niederliess und meinen linken Arm auf das schwarze Polster des Bürosessels legte, traf mich plötzlich ein stechender Schmerz. Die Hornisse hatte sich auf der Lehne ausgeruht und mich in ihrem Todeskampf gestochen. Sie überlebte es nicht, ich hingegen hatte offenbar Glück, da ich haarscharf an einer Entzündung mit möglicher Blutvergiftung vorbeimarschierte. Höchstwahrscheinlich war es nur die Wundsalbe, die dies verhinderte.
Ich kann nicht leugnen, dass ich etwas in Panik verfiel, da es ja heisst, dass Hornissen aggressiv werden, sobald eine gestochen hat und zu Massen auf den vermeintlichen Aggressor einstechen. Auch wenn ich nicht allergisch gegenüber Insektenstichen bin (musste auch schon mal vier Wespenstiche auf einmal über mich ergehen lassen, da ich in ein Erdnest getreten bin) heisst es doch im Volksmund, dass sieben Hornissenstiche ein Pferd, drei einen Menschen töten!!! Erst nachdem ich mich etwas eingelesen hatte, wusste ich, dass dies alles nur Lügengeschichten sind und möchte deshalb ein für allemal damit aufräumen.
Die Hornisse (lat. Vespa crabro) gehört zur Familie der Faltenwespen, insgesamt sind 23 Hornissen-Arten bekannt. Die Königin kann zwischen 23 bis 35 Milimeter gross werden, die Arbeiterinnen und Drohnen sind ein wenig kleiner. Von den Wespen sind die Hornissen recht einfach zu unterscheiden:
- Der Abstand der Ocellen (Nebenaugen) zum Kopfhinterrand ist mehr als doppelt so gross wie zu den Komplexaugen (Hauptaugen)
- Der Kopfschild (“Clypeus”) ist durchgehend gelb
- Die spezielle Aderung der Vorderflügel (benachbarte Mündung)
- Die rote V-Zeichnung auf der Mittelbrust der bei uns am häufigsten auftretenden Vespa crabro germania
Das Verbreitungsgebiet der Hornisse reicht vom Atlantik im Westen bis nach Korea und Japan im Osten, von Norwegen im Norden bis zur Peloponnes im Süden. Damit bevölkert sie ein weitaus grösseres Gebiet als andere Arten derselben Gattung. In Nordamerika wurde sie durch den Menschen eingeschleppt – hier ist sie vornehmlich im Osten des Kontinents heimisch geworden. Trotzdem galt die Hornisse bis zum Ende der 1970er Jahre als bedroht – sie steht nach wie vor in vielen Regionen unter Artenschutz. In den letzten 30 Jahren jedoch wurden gottlob immer mehr Völker gesichtet.

https://www.youtube.com/watch?v=8MR0VBluF2Q

Die Vespa crabro ist ein einjähriges Insekt. Nur Königinnen (die weiblichen Geschlechtstiere) können in Spalten oder selbst ausgenagten Ritzen im toten Holz überwintern, alle anderen sterben spätestens Ende Oktober. Nachdem das körpereigene Glyzerol sie in der kalten Jahreszeit vor dem Erfrieren schützte, verlässt die Königin das Winterquartier (ein Ort mit möglichst geringen Schwankungen im Mikroklima) je nach Witterung meist Mitte April bis Anfang Mai. Sie begibt sich nun auf die Suche nach einem Neststandort (Baumhöhlen, Dachböden, Nistkästen,…). Da die natürlichen Möglichkeiten immer weniger werden, nutzen sie immer mehr die vom Menschen gebotenen. Oft jahrelang verwenden sie dabei denselben Nestplatz, legen allerdings jedes Mal ein neues Nest an. Hierfür zerkaut das Insekt Holzfasern und formt eine Wabe mit Zellen. In jede dieser Zellen legt sie unmittelbar nach Fertigstellung jeweils ein Ei. Aus diesem schlüpft nach ca. 12 bis 18 Tagen eine Larve. Durch Kratzen an den Zellwänden, das auch für den Menschen mehrere Meter weit hörbar ist), zeigt die Larve, dass sie Hunger hat. Nachdem fünf Larvenstadien absolviert wurden, verpuppt sich diese. Die ersten zwei bis drei Tage verbringt die frisch geschlüpfte Hornissen-Arbeiterin in einer leeren Zelle. Dort ist sie verantwortlich für die richtige Temperatur im Stock, die sie mittels Flügelschlag reguliert. 30 bis 50 Tage nach dem Legen des Eis fliegt sie erstmals aus. Bis das bei den ersten Arbeiterinnen der Fall ist, wird die Brut von der Königin versorgt. Für den Stock sehr gefährlich, da sie zur leichten Beute für Insektenfresser wird. Die Hauptaufgabe der Arbeiterinnen besteht alsdann in der Fütterung der Königin und der Larven. Dazu fangen sie Insekten, wie etwa Wespen oder Spinnen – zeitweise auch Bienen. Die Arbeiterinnen selbst bevorzugen zuckerhaltige Säfte, wie Frucht-, Pflanzen- oder Baumsäfte – später dann auch vom Fallobst. Zudem wird der Nestbau nun von Ihnen übernommen. Dieses kann schon mal bis zu 60 cm lang werden und auf über 1.300 Zellen anwachsen, in Japan sogar auf bis zu 1.900. Wird das Nest zu klein, kann das Hornissenvolk, das bis auf 700 Tiere anwächst, auch umziehen (Filialbildung). Die Arbeiterinnen überleben zwischen 20 bis 40 Tage. Sie sind Akkordarbeiterinnen im wahrsten Sinne des Wortes, die auch in der Nacht fleissig sind. Apropos Nacht – in diesen Stunden gibt es eine Besonderheit: Zwischen 20 bis 25 Mal verfallen alle im Stock wie auf ein geheimes Zeichen in eine Art Tiefschlaf. Nach einer halben Minute ist auch dieser dann wieder vorbei.
Im August/September erfolgt die Produktion der Geschlechtstiere. Dabei werden aus unbefruchteten Eiern Drohnen, aus den befruchteten Eiern Königinnen. Der Anfang vom Ende für die alte Königin, die nicht mehr richtig versorgt wird und schliesslich das Nest verlässt und nach einem sehr anstrengenden Leben stirbt. Ein Volk kann bis zu 200 Jungköniginnen heranbilden, die sich mit Kohlehydraten und Eiweissen anfressen und so für den Winter vorbereiten. Noch im Herbst erfolgt die Befruchtung durch die männlichen Drohnen befruchtet werden. Dies nimmt die Jungkönigin dann im sog. “Receptaculum seminis” in das Winterquartier mit. Das jedoch überleben viele Königinnen nicht, da sie entweder Pilzen oder Vögeln zum Opfer fallen. Inzwischen werden Arbeiterinnen-Larven nicht mehr gefüttert oder den anderen Geschlechtstier-Larven zum Frass vorgeworfen. Übrigens – sollte ein Stock die Königin verlieren (“orphaner Stock”), werden bei einigen Arbeiterinnen für kurze Zeit die Eierstöcke aktiviert, was zuvor durch ausgestossene Pheromone verhindert wurde. Sie legen nun unbefruchtete Eier, aus welchen Drohnen schlüpfen. Der Stock stirbt aufgrund fehlender Arbeiterinnen aus.
Übrigens gibt es im Hornissennest auch einen Parasiten: Der Hornissenkäfer (Velleius dilatatus) ernährt sich von den Abfällen der Nestbewohner, beseitigt aber auch verendete Hornissen und Larven. Sein Artenkollege, der Quedius brevicornis hingegen kann für das Volk gefährlich werden, da sich dieser über die Brut hermacht. Doch ist er nicht der einzige, der den Nachwuchs gefährdet. Finden die Arbeiterinnen wegen schlechten Wetters keine Insekten, halten sie sich an den Eiern und Larven schadlos.
Hornissen sind friedfertige Tiere und lassen normalerweise den Menschen in Ruhe, ja sie fliehen richtiggehend vor ihm. Sollte dies nicht der Fall sein, pusten Sie das Tier nicht an, da sich dieses angepustet fühlt (!) und zustechen könnte. Auch Butter, Konfitüre oder Wurst vom Frühstückstisch auf der Veranda interessiert sie nicht, solange keine Fruchtsäfte auf dem Tisch stehen. Ganz im Gegenteil dazu sind Hornissen sogar Nützlinge, vertilgen sie doch die weitaus aggressiveren Wespen, die sich sehr wohl durch das morgendliche Treiben auf der Terasse angezogen fühlen. Da sie Hunger haben, sind sie zu dieser Tageszeit auch besonders anhängig. Nachdem die Hornisse hier ihre Wespe, Fliege, Biene,… gefunden hat, fliegt sie in Richtung Nest. Dort wird die Beute zerlegt (interessant ist nur die proteinhaltige Flugmuskulatur aus dem Bruststück) und in das Nest gebracht wird. Ein Volk frisst pro Tag bis zu einem halben Kilo Insekten. Sollten nun die Imker unter Ihnen aufschreien und lautstark die Ausrottung der Hornissen fordern: Pro Volk und Tag werden ab Juni nur rund 10-15 Bienen erbeutet. Hierfür gibt es jeweils spezialisierte Jäger. Im Vergleich zu rund 1.500 bis 3.000 schlüpfenden Jungbienen pro Stock und Tag Pipifax! Manche Imker stellen sogar in unmittelbarer Nachbarschaft ihrer Bienen-Stöcke Hornissenkästen auf, da diese in der Nacht die für das Bienenvolk weitaus gefährlicheren Wachsmottenfalter einfangen. Zudem jagen die Hornissen nicht in unmittelbarer Umgebung ihres Nestes.

https://www.youtube.com/watch?v=itskmLq-Cc0

Vorsicht für den Menschen ist nur in der unmittelbaren Umgebung ihres Nestes geboten (zwei bis sechs Meter Radius, kann sich erweitern, wenn die Insekten häufig gestört werden). Manche Parfums enthalten Duftstoffe, die jenem Pheromon ähneln, das die Hornissen bei Gefahr verwenden um ihren Artgenossen die Richtung des Eindringlings zu zeigen. Nicht wirklich förderlich! Der Todesfall eines Menschen nach einem Angriff der Vespa crabro ist nicht bekannt, liegt aber nach Schätzungen bei 500 Stichen und mehr. Geht man davon aus, dass bei Gefahr für das Nest nur rund ein Zehntel der Nestbewohner stechen, so sollte auch der Angriff eines grossen Volkes nicht tödlich sein. Gefährlicher aber sind die asiatischen Vespa orientalis und Vespa affinis. Hier kam es nach 300 Stichen zu einem berichteten Todesfall. Das resultiert aus der Tatsache, dass die Giftdosis nicht dermassen hoch ist wie bei einer Honigbiene, da die Biene ja nur einmal im Leben, die Hornisse jedoch mehrfach zustechen kann. Nach wissenschaftlichen Berechnungen liegt die LD50-Giftmenge, die bei 50 % aller Fälle zum Tode führt bei Honigbienen bei rund 40 Stichen pro Körpergewicht (6 mg Gift/kg Körpergewicht), bei Hornissen hingegen bei 154-180 Stichen pro kg (10 mg Gift/kg Körpergewicht). Nachzulesen ist dies bei Habermann 1974 bzw. Kulike 1986. Die Giftblase einer einzelnen Hornisse enthält rund 0,5 mg Frischgewicht an Gift. Pro Stich werden nur zwischen 10-50 % abgegeben. Der Stachel allerdings ist weitaus grösser und kann somit in tiefere Hautschichten vordringen. Hornissen stechen meist nur dann zu, wenn sich ein Mensch ihrem Nest nähert oder sie gequetscht werden, während Wespen völlig unmotiviert auf den Menschen zufliegen. Ist es aber dennoch geschehen, gelten für Hornissenstiche dieselben Massnahmen wie für Wespen- oder Bienenstiche. Ziehen Sie mit einer Pinzette möglichst gerade den Stachel heraus, sollte sich dieser noch an der Einstichstelle befinden. Diese muss desinfiziert und dann gekühlt werden. Die Stichquaddel beläuft sich auf rund 10 cm im Durchmesser. Schlimmer wird’s für Allergiker, da eine lgE-Reaktion ausgelöst werden kann, die für die meisten lebensbedrohlich ist (anaphylaktischer Schock). In meinem Falle dürfte ich den Stachel des Tieres beschädigt haben, wodurch das komplette Gift der Giftblase in die Wunde floss. Eine recht schmerzhafte Geschichte.
Hornissen sind in Deutschland, in manchen Teilen Österreichs und der Schweiz (nicht im Kanton Bern) geschützt, da sie Im Kreislauf der Natur wichtige Funktionen erfüllen: Sie halten das Insektengleichgewicht aufrecht, fliegt auch bei kühlerem oder regnerischem Wetter und in der Nacht (bei bis zu 0,01 Lux – für den Menschen völlige Dunkelheit). Dadurch bestäuben sie auch an Tagen Pflanzen, an welchen Bienen nicht fliegen. Zudem verbaut sie morsches Holz zu Nestern aus “Papier”. Somit dürfen die Insekten auch nicht mit Insektengift bekämpft werden. Sollten Sie ein Nest entdeckt haben, das stört, sollten Sie sich mit der Gemeinde, dem Magistrat oder dem Kreisamt in Verbindung setzen. Ansonsten können Nester ab dem November entfernt werden. Experten empfehlen allerdings, dies erst im darauffolgenden Frühjahr zu erledigen, da Nützlinge, wie die Florfliege derartige Nester zum Überwintern nutzen. In Deutschland werden ausserhalb des Siedlungsraumes künstliche Nester aufgestellt, damit Hornissenvölker vom Wohnraum ferngehalten werden. Lästig kann jedoch der Kot des Volkes werden, da dieser aus der Öffnung auf der Unterseite des Nestes entsorgt wird. Hier kann man sich mit dem Unterstellen eines grösseren Gefässes aushelfen.
Da die Hornisse für den Menschen eigentlich ungefährlich ist, sollte sie dieser auch nicht bekämpfen sondern vielmehr fördern.

Quellen-Nachweis:

.) E. Habermann – Bienen und Wespenstiche aus medizinischer Sicht (Allgemeine Deutsche Imkerzeitung 1974)
.) H. Kulike – Zur Struktur und Funktionsweise des Hymenopterenstachels (Amts- und Mitteilungsblatt des Bundesamtes für Materialprüfung 1986)

Lesetipps:

.) Schützt die Hornissen. Das Standardwerk zum Schutz der Hornissen und anderer Wespen in Deutschland, Österreich und der Schweiz; Robert Ripberger, Claus-Peter Hutter, Berthold Faust; Weitbrecht 1992
.) Wespen beobachten, bestimmen; Rolf Witt; Naturbuch / Weltbild 1998
.) Bienen, Wespen, Ameisen. Hautflügler Mitteleuropas; Heiko Bellmann; Kosmos 2005

Links:

www.hornissenschutz.de
www.hornissenschutz.ch/
www.vespa-crabro.de
www.wildbienenschutz.de
www.nabu.de
www.artenschutz.ch
www.wespenschutz.ch
www.oenj.at
www.umweltbundesamt.at
dejure.org

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