Archive for Januar, 2017

Sterben wir Europäer langsam aus???


“Durch die längere Lebenserwartung haben wir zum ersten Mal die Chance, unser Leben fertig zu leben.”

(Peter Gross, 74-jähriger Soziologe an der Universität St. Gallen)

Kürzlich lief im Österreichischen Rundfunk/ORF2 ein recht interessantes Österreichbild des Landesstudios Wien. Es wurde das Szenario aufgezeigt, was geschehe, wenn alle Einwohner Wiens mit Migrationshintergrund von einem auf den anderen Tag die Stadt verlassen würden. Nahezu die Hälfte der Einwohner wären plötzlich weg – eine Millionen-Stadt würde kollabieren. So nebenbei wurde auch die Überalterung besprochen. Ein Problem, das immer mehr die Frage aufwirft: Stirbt Europa langsam aus???
Im Jahr 2009 war in deutschen Landen jeder fünfte Mensch älter als 65 Jahre – 1950 war es noch jeder zehnte! Die Überalterung ist ein Phänomen, mit dem seit den 1960er-Jahren immer mehr Industriestaaten konfrontiert werden. Erfreulich, dass aufgrund der medizinischen Forschung die Lebenserwartung immer weiter nach oben verlagert wird (pro Jahrzehnt um gut drei Jahre), nicht erfreulich, dass der Geburtenrückgang immer grösser wird. In grossem Maße für zweiteres verantwortlich zeichnet das Aufkommen der Anti-Bbay-Pille und die Emanzipation der Frau. Die Bereitschaft, Familien mit Kindern zu gründen, nimmt zusehends ab. Sicherlich Mitschuld dafür trägt die Zukunftsangst. Die Angst um den Job, zu verschulden, auf der Strasse zu landen – die Ehre zu verlieren. Zudem verursacht ein Kind vorerst Kosten – erst mit dem Übergang in die Erwerbstätigkeit kann von einer wirtschaftlichen Wertschöpfung gesprochen werden. Hinzu kommt die ständige Steigerung der Zeugungsunfähigkeit aufgrund von Umwelteinflüssen. Es geht sogar soweit, dass im dänischen Fernsehen Spots für Zeugungsurlaube laufen!!!
Unter der “Alterung der Bevölkerung” versteht die Demographie die Erhöhung des Durchschnittsalters einer Bevölkerung, oftmals auch mit der Alterspyramide dargestellt. Die Generationenverträge sollten nun dafür sorgen, dass die erwerbstätige Generation das Leben der Ruhestandsgeneration finanziert. Die Sozialausgaben für die Renten beanspruchen rund ein Fünftel der kompletten Wirtschaftsleistung eines industrialisierten Landes. Um dies weiterhin zu sichern, gibt es mehrere Ansätze. Auch wenn es die ganzen Rechtspopulisten nicht wahrhaben wollen: Entweder sie müssen rammeln was das Zeug’s hält, damit die von ihnen so hoch gehaltene Herrenklasse nicht ausstirbt (Erhöhung der Geburtenrate) oder sie müssen sich mit der Zuwanderung von Emigranten zufrieden geben. Hinzu kommen noch einerseits die Erhöhung der Produktivität der Volkswirtschaft, die Erhöhung des Rentenantrittalters oder auch eine Änderung der Generationenverträge, damit für die Pension der Erwerbstätigen mehr übrig bleibt. Arbeiten nämlich weniger und geniessen immer mehr Menschen ihre wohlverdiente Rente immer länger – haben wir ein Problem: Das Problem der materiellen Versorgung! Oder wirtschaftlich ausgedrückt: Das Problem der Transferleistungen anderer Leistungserbringer in den Bereichen Bekleidung, Gesundheit, Nahrung, Wohnung. Ist nun die Gesellschaft nicht mehr dazu in der Lage, diese Bedürfnisse erfüllen zu können, so entsteht eine Versorgungslücke, die bis zur demografischen Katastrophe anwachsen kann. Alsdann prognostizieren beispielsweise die Ökonomen der Studie “Zur Zukunftsfestigkeit der europäischen Sozialstaaten” des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge einen eklatanten Anstieg der Sozialausgaben in allen Ländern der Europäischen Union durch die Pensionen. Besonders davon betroffen sind neben Deutschland auch Griechenland, Portugal und Spanien. Am meisten jedoch Italien, wo bis vor kurzem das wohl spendabelste Rentensystem umgesetzt wurde. Noch etwas weniger Probleme haben damit Frankreich, Schweden, Finnland und auch Österreich. Allerdings weisen hier die Staaten die höchsten Pro-Kopf-Aufwendungen für die Über-65-jährigen auf (Renten, Pflege, medizinische Versorgung), wodurch auch fort die Krise vorhersehbar ist. Nach den Ergebnissen dieser Studie wird die Überalterung auch in den osteuropäischen Ländern künftig zur staatsbewegenden Frage, schliesslich steigt der sog. “Altenquotient”, also die Zahl der Über-65-jährigen zur Bevölkerung bis 2060 um das Vierfache an (in Deutschland um das Doppelte auf rund ein Drittel der Bevölkerung). Nur Irland hat aufgrund der hohen Geburtenrate kein derartiges Problem. Zudem wechseln hier die Wenigsten mit 63 in den Ruhestand – ebenso übrigens wie in den Niederlanden, Grossbritannien oder Ungarn. Die deutschen Autobauer haben bereits darauf reagiert: Die Zielgruppe verschob sich auf die Über-50-jahrigen, da die Jüngeren nicht mal mehr die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, heisst es beim Verband der Autohersteller. So beläuft sich das Durchschnittsalter eines Mercedes-Fahrers etwa auf 53 Jahre. Auch unsere Politiker bekommen dies zu spüren: Ein Drittel der Wahlberechtigten sind über 50 Jahre, die Jüngeren gehen weitaus seltener zur Wahl!

https://www.youtube.com/watch?v=E1sz747bqPY

Und damit wären wir bereits bei den Lösungsansätzen angelangt. Doch können wir viele dieser inzwischen aufgrund der Kurzsichtigkeit so mancher Entscheider begraben:
- Die Erhöhung der Geburtenrate ist nur etwas für wirklich Mutige, schliesslich müssen zumeist Mann und Frau arbeiten, um sich das Leben leisten zu können. Fällt einer der beiden Gehaltsempfänger aus, geht es für viele Familien um’s blanke Überleben. Die Fertilität (Geburtenrate pro Frau) liegt derzeit bei 1,36 – allerdings auch nur, da die Einwanderer eine Quote von 1,9 vorlegen und damit den Schnitt etwas anheben. Ansonsten wären auch hierzulande italienische Massstäbe gegeben. in Deutschland übrigens sind zur Erhaltung des derzeitigen Systems 2,0 erforderlich!
- Frauen müssen nach dem Mutterschutz und der Karrenz wieder in die Erwerbstätigkeit eingebunden werden. Einige Zahlen aus Österreich gefällig? So sind wieder erwerbstätig –
32 % der Frauen mit einem Kleinkind im Alter von 0 bis 2 Jahren
73 % mit dem jüngsten Kind im Vorschulalter (3 bis 5 Jahre)
81 % mit dem jüngsten Kind im Schulalter (6 bis 14 Jahre)
(Angaben: Statistik Austria für das Jahr 2009)
In Deutschland arbeiten 73 % der Mütter mit Partner auf Teilzeitbasis und 42 % der Alleinerzieherinnen Vollzeit – insgesamt 60 % der Mütter sind erwerbstätig. Experten betonen, dass nicht-arbeitende Mütter auch keine Rentenbeiträge einbezahlen. Umso wichtiger ist deren erneute Einbindung in die Erwerbstätigkeit, da sie meist gut ausgebildet sind! Somit kommt der sozialen Kompetenz der Unternehmen und hier insbesondere der Vereinbarkeit Job und Familie immer mehr Bedeutung zu!
- Die Koppelung des Rentenantrittsalters an die Lebenserwartung mag zwar vernünftig klingen, doch müssen Schwerarbeiter davon ausgeklammert werden. In Mitteleuropa beläuft sich die durchschnittliche Rentendauer auf rund 20 Jahre – doppelt so lange wie im Vergleich dazu in der 60er des letzten Jahrhunderts. Und viele der Normalrentner sind heute so fit wie ein 50-jähriger in den 50er oder 60er Jahren.

“Ich habe einfach zu viel Freude an der Juristerei, als dass ich sie so einfach aufgeben könnte.”
(Renate Damm, 80-jährige Expertin für Presse- und Medienrecht)

Diese Erhöhung des Antrittsalters hätte zudem noch einen weiteren positiven Aspekt: Dem Fachkräftemangel könnte entgegengewirkt werden. Das aber setzt eine bessere Förderung älterer Arbeitskräfte voraus. Der Jugendwahn so mancher Unternehmer (da günstiger als Ältere) müsste abgelegt werden. Schliesslich ist jener, der mehr als 40 Jahre lang in der Praxis hat lernen können, volkswirtschaftlich wesentlich wertvoller als der Uni-Abgänger mit gar keiner oder nur wenig praxisorientiertem Wissen. Der Soziologe Peter Gross von der Universität St. Gallen bringt es auf den Punkt: Ältere Mitarbeiter sollen nicht mehr als Belastung sondern als Bereicherung angesehen werden! In ganz entscheidendem Maße liegen hier volkswirtschaftliche Potenziale brach. Und zudem kam eine US-amerikanische Studie zu dem Ergebnis, dass weitaus weniger der Über-65-jährigen an Depressionen leiden als aus der Generation davor, jene der 45 bis 65-jährigen. Doch bekommen konträr dazu heutzutage Ältere immer schwerer einen Job und müssen sich somit mit Hilfs- und Gelegenheitsjobs über Wasser halten. Einen derartigen Ruhestand wird hier wohl niemand mehr sehen.
- Die Erhöhung der Produktivität der Volkswirtschaft – das hört sich sehr gut an, ist jedoch wirtschaftlich nicht mehr machbar, da die meisten Unternehmen inzwischen im Ausland produzieren lassen und unsere Gesellschaft immer mehr zur Dienstleistungsgesellschaft avanciert.
- Eine Änderung der Generationenverträge – viele Pensionisten kommen jetzt schon nicht mehr mit Ihrer Rente aus. Wie soll das werden, wenn die 60er-Jahre in den Ruhestand wechseln???
- Also bleibt die wohl grösste Verantwortung bei der Einwanderung. Auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen, so kann offenbar unsere alternde Gesellschaft nur durch Hilfsarbeiter, Zuwanderer und Asylanten aus anderen Kulturkreisen gerettet werden. Bereits in zweiter, spätestens dritter Generation haben diese dieselben Voraussetzungen wie eingeborene Deutsche oder Österreicher.

https://www.youtube.com/watch?v=URDPyjgazgg

Um alle Missverständnisse abschliessend aus dem Weg zu räumen: Pensionisten sind ganz wesentlich am Funktionieren unserer Gesellschaft beteiligt. Schliesslich kommt ein erhebliches Steuer- und Abgabenaufkommen aus deren Geldtaschen. Zudem haben sie dafür gearbeitet, dass unsere Welt so ist, wie sie ist: Lebenswert! Ausserdem finde ich es toll, wenn die Menschen älter werden, schliesslich betrifft dies hoffentlich auch meine Lebensdauer auf diesem Planeten! Höherer allgemeine Hygienezustand, bessere medizinische Versorgung, grösseres Gesundheitsbewusstsein sorgen zwar nicht für den ewigen Jungbrunnen, doch wirken sie bei manch einem Wunder.
Diese demographische Entwicklung war vorherzusehen. Schliesslich änderte sich die Familienplanung bereits mit der industriellen Revolution – etwa Ende des 19. Jahrhunderts. Doch wurde nur spärlich darauf reagiert. Immer wieder wird beispielsweise von Sozialökonomen ein Demographie-Fonds gefordert, in welchen Haushaltsüberschüsse für diese Zwecke zurückgelegt werden – bislang keine Überlegung wert in den Hohen Häusern von Berlin und Wien. Auch wenn zumindest in Berlin Arbeitsministerin Andrea Nahles im vergangenen Jahr ein 160 Milliarden grosses Pentenpaket vorgelegt hat. Auch wird dem österreichischen ASVG-System nicht wirklich nachgesagt, des Rätsels Lösung zu sein. Kritiker sprechen bei diesem steuerbezogenen System sogar von “gefährlich”!

“Die Politik hat nur noch zwei Legislaturperioden Zeit, die Weichen so zu stellen, dass die simulierten Ergebnisse nicht Realität werden.”

(Hubertus Bardt, Institut der Deutschen Wirtschaft)

Mit Rentengeldern wird spekuliert, sie werden veruntreut und die Rentenkassen zahlen ihren Managern fürstliche Gehälter. Am Ende steht für jeden einzelnen unter dem Strich jedoch nurmehr eines: Arbeiten müssen auch im Ruhestand! Bereits heute sind 14 % der 65-69-jährigen nach wie vor am Arbeiten! Ob freiwillig oder gezwungenermassen. Keine Spur vom wohlverdienten Geniessen des Lebensabends, mit vielen Möglichkeiten, viel Zeit und viel Geld!
Ganze Landstriche in Ostdeutschland sind leergefegt, weil die Jungen abgewandert sind. Aus der Region, dem Bundesland, vielleicht sogar aus Deutschland. Bis zu 200.000 wandern Jahr für Jahr aus – viele davon top ausgebildet. Das aber macht diese Gebiete auch aus wirtschaftlicher Sicht nicht wirklich lukrativ. Immer mehr sind auf staatliche Hilfe angewiesen – diese Tatsache beeinflusst auch die Zuwendung öffentlicher Gelder in die Rentenkassen. Mitteleuropa braucht dringend Erwerbstätige, da das System ansonsten zusammenbrechen wird. Ist es da sinnvoll auf jene zu schimpfen, die hier arbeiten wollen? Auch wenn sie vielleicht einen Teil ihres Netto-Einkommens zu ihren Familien in’s Ausland schicken, so bleiben doch die Lohnnebenkosten im Land – auch die Rentenbeiträge! In Deutschland gab es zuletzt über 200.000 freie Stellen. Klar möchte nicht jeder alles machen, doch wer macht wirklich die Hilfsarbeiten, die Reinigungsarbeiten, die Akkord-Jobs,… Und genau diese Menschen finanzieren damit auch die Renten jener, die Zeit ihres Lebens auf sie geschumpfen haben. Haben Sie daran vielleicht schon mal gedacht???
Das Ziel sollte somit auf jeden Fall eine kontrollierte Zuwanderung sein, damit es nicht zum gegenteiligen Effekt kommt: Der Überbevölkerung! Von der Zuwanderung nämlich hängt die weitere Bevölkerungsentwicklung v.a. in Deutschland ab. Gab es 2013 noch 80,8 Millionen Deutsche, so werden es 2060 nurmehr 67,6 Millionen sein (Angaben Statistisches Bundesamt). Und zuletzt noch der entscheidende Vergleich: 2013 waren 49 Mio Menschen zwischen Flensburg und Berchtesgaden erwerbstätig – 2060 werden es nurmehr 34 bis 38 Millionen sein – das hängt von der Zuwanderung ab! Bis zum Jahr 2035 entgehen dadurch Deutschland im Vergleich zu heute Einkünfte aus Lohn- und Einkommenssteuer in der Höhe von rund 18 Milliarden Euro – Veränderung in der Bevölkerungsstruktur (8 Milliarden) und Steuerbefreiung für Altersvorsorgen (10 Milliarden) (Quelle: Institut der Deutschen Wirtschaft)!

Der grosse demographische Wendepunkt ist das Jahr 2024 – auf was warten wir???

Lesetipps:

.) Wir werden älter. Vielen Dank. Aber wozu?; Peter Gross; Verlag Herder GmbH 2013
.) Die Reformlüge. 40 Denkfehler, Mythen und Legenden, mit denen Politik und Wirtschaft Deutschland ruinieren; Albrecht Müller; Droemer HC 2004
.) Ewige Jugend; Robert Pogue Harrison; Carl Hanser Verlag 2015
.) Die deformierte Gesellschaft; Meinhard Miegel; Propyläen Verlag 2002
.) Das Methusalem-Komplott; Frank Schirrmacher; Karl Blessing Verlag 2004
.) Schrumpfende Gesellschaft. Vom Bevölkerungsrückgang und seinen Folgen; Franz-Xaver Kaufmann; Suhrkamp Verlag 2005
.) Keine Angst vor Methusalem! Warum wir mit dem Altern unserer Bevölkerung gut leben können; Nicholas Strange; zu Klampen Verlag 2006

Links:

www.demografie-portal.de
www.demographie-netzwerk.de
www.demografie-leitfaden-bayern.de
www.bib-demografie.de
www.seniorresearch.de
www.karenzundkarriere.at
www.bpb.de/
www.hwwi.org
www.bmi.bund.de

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Licht macht krank

Im Laufe meiner Radio-Karriere habe ich in vielen Live-Studios gearbeitet. Eines davon war besonders schön – jenes der Antenne Tirol! Komplett durchdesigned – ein wirklicher Hingucker. Doch beendete ich damals all meine Sendungen mit rasenden Kopfschmerzen. Nachdem es nicht nur mir so erging, versuchte sich unsere Technik mit der Fehlersuche. Das Resultat (man möchte es nicht glauben) waren die TFT-Monitore, Computer-Flachbildschirme, die sich sehr negativ auf die Augen auswirkten. Mit einer Ausnahme (Platzprobleme) wurden sie damals durch normale Monitore ersetzt. Die Technik war wohl noch nicht so weit, doch sollte auch heute acht gegeben werden, was man für wie lange verwendet, denn: Licht kann krank machen!
Verantwortlich dafür ist vornehmlich das blau-violette Licht. Es wirkt helfend bei Schlafstörungen oder Winterdepression, allerdings schädigt es auch die Augen nachhaltig – eine Tatsache, die schon rund 100 Jahre lang bekannt ist, trotzdem nur wenig Beachtung v.a. bei den Herstellern findet. Licht wird in unterschiedlichen Wellenlängen durch den Menschen wahrgenommen. Dabei reicht der sichtbare Bereich von 380 bis zu 780 nm. Darunter ist das für den Menschen unsichtbare ultraviolette Licht (UV) zu finden, darüber das ebenfalls unsichtbare Infrarot-Licht (IR). UV-Licht ist wesentlich energiereicher als blau-violettes Licht, richtet jedoch im vorderen Teil des Auges (Hornhaut, Linse) den meisten Schaden an, wo es absorbiert wird.

„Sichtbares kurzwelliges Licht hingegen dringt ungehindert bis zur Netzhaut vor und erzeugt dort oxidativen Streß.“
(Alexander Wunsch, Humanmediziner & Lichttherapeut)

Kurzwelliges Licht wird stärker gebrochen – dabei schädigt der Wellenbereich von 380 bis 440 nm (High Energy Visible HEV) alsdann vornehmlich die Netzhaut („Blue hazard“) sowie das retinale Pigmentepithel – es kommt zur sog. “Photoretinitis”.
Unser Körper braucht das Licht – das wird vielen v.a. im Winter bewusst, wenn die Sonne nur wenig zum Vorschein kommt. Diese wohltuenden Wellenlängen nehmen wir durch die Augen auf, das Protein Melanopsin ist für die Weiterleitung verantwortlich. Dabei wird das UV-Licht zur Bildung von Vitaminen verwenden, das darüber liegende Wellenspektrum ist für die Hormone verantwortlich. Der blaue Teil des Lichtspektrums beeinflusst in entscheidendem Maße die Bildung des Hormons “Melatonin” in der Zirbeldrüse des Zwischenhirns, das uns deutlich macht, wann es Zeit wäre, ein Schläfchen einzulegen (Tag-Nacht- oder circadianer Rhythmus). Deshalb lässt es sich recht leicht erklären, weshalb blaues Licht bei Schlafstörungen, wie etwa auch der “senilen Bettflucht” eingesetzt wird. Verantwortlich dafür zeichnet meist bei älteren Menschen eine Linsentrübung, die weniger blaues Licht zu den Rezeptoren der Netzhaut durchlässt. Das kann den Wach-Schlaf-Rhythmus ganz schön durcheinander bringen. Die Unterdrückung des Melatonins ist zudem für viele hormonbasierenden Erkrankungen verantwortlich, da weniger Schutz gegenüber den freien Radikalen besteht (Dickdarm-, Prostata- oder auch Brustkrebs), Studien haben hierzu ergeben, dass blau angereichertes Licht tagsüber leistungsfähiger, konzentrierter und emotional weniger reizbar macht (Viola et al 2008). So ist beispielsweise im Sonnenlicht zu Mittag mehr Blaulicht als gegen Abend hin enthalten. In der Natur selbst aber ist intensives Blau nur sehr selten – auch das Azur des Himmels oder das Meeresblau des Ozeans sind abgeschwächt.
Bevor Sie nun aber tagsüber mit blauem Licht bestrahlen um wieder besser schlafen zu können, muss ich Sie vorwarnen: Zu viel UV- und blau-violettes Licht führt nicht nur zu sehr schmerzhaften Entzündungen der Binde- und Hornhaut, sondern auch zu nachhaltigen Beschädigungen an der Augenlinse, auch als “Grauer Star” oder Katarakt bekannt, sowie der Netzhautmitte, der Makula lutea, des “gelben Flecks, also der Stelle des schärfsten Sehens (Makuladegeneration), da es dort keine entsprechenden Rezeptor-Zapfen für das blaue Licht gibt. Gegenwärtig leiden beispielsweise in deutschen Landen rund 6 Millionen Menschen an einer solcher Makuladegeneration – allerdings aufgrund unterschiedlichster Ursachen.
In der Gegenwart kommen wir ohne einen erhöhten Blauanteil nicht mehr aus. Handy-Displays, LED, Energiesparlampen, Xenon-Scheinwerfer,… Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2012 verwenden in Deutschland rund 84 % täglich einen Computer, ein Smartphone oder ein Tablet. Beleuchtet werden diese zumeist durch eine Hintergrundbeleuchtung auf Quecksilberbasis, entweder durch Leuchtstoffröhren (cold cathode fluorescent lamps) oder durch Weisslicht-LEDs – beide mit einem erhöhten Blauanteil. Wer sich zu lange diesen unnatürlichen Lichtquellen aussetzt, wird mit zunehmender Zeit auch zunehmend Probleme bekommen: Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme, Müdigkeit, Schlafstörungen und Verspannungen aber auch brennende, tränende, stechende, gerötete Augen, Lidflattern, zeitweilige Kurzsichtigkeit, Doppeltsehen, veränderte Farbwahrnehmung. Eine These, die jedoch noch nicht mittels Langzeittestung wissenschaftlich untermauert wurde. Schützen gegen das schädliche Licht geht ganz einfach: Sonnenbrillen mit einem UV-Filter für aussen und Brillen mit einem Blau-Filter oder gelbe Intraokularlinsen für innen! Beide filtern das Licht, sodass nurmehr wenige dieser schädlichen Spektrumsanteile zum Auge gelangen. Die besseren Displays oder Bildschirme passen die Beleuchtungsstärke automatisch an die Lichtverhältnisse der Umgebung an – ansonsten kann dies bei den meisten manuell eingestellt werden.

https://www.youtube.com/watch?v=4zl3qPY-HAE

Als Beispiel möchte ich nun die LCD-Bildschirme etwas genauer beleuchten: LC steht für “Liquid Crystal” – nach Marktanteil sind dies derzeit die meist gebrauchten Flachbildfernseher. Je nach Blickwinkel ändern sich Kontrast und Farbe – aber auch die Leuchtdichte. LCDs leuchten nicht von selbst – hierfür sorgt eine Hintergrundbeleuchtung. Dies übernehmen – wie bereits erwähnt – vornehmlich Kaltkathodenröhren oder LEDs. Dabei wird das Licht über eine lichtleitende Folie einheitlich über den Bildschirm (Edge Blacklight) oder über einen Diffuser verteilt (Direct Blacklight). Gleiches gilt übrigens im Grossen und Ganzen auch für die LED-Beleuchtung. Derzeit verfügbar sind drei Typen, die sich v.a. durch die Ausrichtung der Flüssigkristalle zwischen den Glasplatten unterscheiden:
.) TN (Twisted Nematic)
Dieser TN-Typ ist relativ kostengünstig, schaltet schnell und wird deshalb vornehmlich in Büros oder dem heimischen Wohnzimmer verwendet. Der Nachteil liegt in der geringen Blickwinkel-Stabilität, soll heissen: Je schiefer (spitzwinkliger) auf den Bildschirm geblickt wird, umso mehr lassen Kontrast und Farbe nach.
.) IPS/SIPS (In-Plane-Switching/Super In-Plane-Switching)
Diese Geräte zeichnen sich aus durch eine hohe Blickwinkelstabilität und sehr guten Farben. Allerdings ist die Herstellung wesentlich kostenintensiver und das Display dunkler als beim vorhergehenden Typ. Dies kann durch eine stärkere Hintergrundbestrahlung ausgeglichen werden, was jedoch den Stromverbrauch ansteigen lässt.
.) MVA/PVA (Multi Domain Vertical Alignment/Pattern Vertical Alignment)
Auch dieser Typ weist die beiden guten Eigenschaften des vorhergehenden Typs auf – ebenso allerdings die hohen Produktionskosten.

“Das warme Licht der Glühlampe, das dem Sonnenlicht in vielen Punkten ähnlich ist, kann neuesten Forschungen zufolge die Netzhaut pflegen.”
(Prof. Karl Albert Fischer – Österreichisches Institut für Licht und Farbe)

Vielen Dank Europäische Kommission in Brüssel, die die Herstellung von Glühbirnen schon vor einigen Jahren untersagt hat! Studien haben nämlich ergeben, dass das langwellige Nah-Infrarot-Licht der Glühbirne einerseits die Widerstandskraft, andererseits die Selbstheilungsmöglichkeit der Sinneszellen stärkt. Das Licht der Glühbirne gleicht dem Sonnenlicht im Spektrum am Ehesten.
Mit steigender Beleuchtungintensität übrigens verringert sich die Unterscheidungsmöglichkeit der Farben. Bildschirme oder Displays, die nahe am Fenster positioniert werden, sollten zumindest eine Lichtstärke von 1500 bis 2000 Lux vorweisen.

https://www.youtube.com/watch?v=d-GCZ9F1syc

Übrigens sorgen die Handy- und Tablet-Displays noch für ein anderes Problem: Der Kurzsichtigkeit! Inzwischen diagnostizieren immer mehr Mediziner die sog. “Schulmyopie” – Kurzsichtigkeit bereits kurz nach dem Schuleintritt! In Südkorea und auf Taiwan sind bereits acht von zehn Kinder kurzsichtig – ähnliche Zahlen kommen aus Japan und China. Wenn es auch die Optiker freut, dass immer mehr Menschen immer früher eine Brille benötigen, so sehen viele Augenärzte dies mit grosser Sorge. Gleiches gilt übrigens für die lange konzentrierte Arbeit am Laptop oder Computerbildschirm. Durch die Fokkusierung auf unbewegte Bilder verlieren mit der Zeit jene Muskeln die Beweglichkeit, die für die Linsenbewegung zuständig sind. Sie verkürzen sich. Hier sollte für Ausgleich gesorgt werden, indem beispielsweise fernab der Displays und Bildschirme vermehrt auf bewegte Bilder und in die Ferne geschaut wird, damit die Linsen-Muskeln arbeiten müssen. Eine andere Möglichkeit besteht in Sehübungen oder den Augentrainingsbrillen. Beim abendlichen Fernsehen aufgesetzt, wird der Sehnerv aktiv gehalten! Und übrigens: Halten Sie bis zu 33 cm Abstand zum Display!!!

Lesetipps:

.) Was ist Licht? Von der klassischen Optik zur Quantenoptik; Herbert Walther/Thomas Walther; Beck Reihe 2010
.) Handbuch Licht und Beleuchtung; Torsten Braun/Markus Felsch/Roland Greule; Müller Rudolf 2016
.) Beleuchtungstechnik für Praktiker; R. Hans; VDE Verlag 1997
.) Praktische Beleuchtungstechnik; R. Baer; Verlag Technik 1999
.) Optik für Ingenieure; Pedrotti et al.; Springer 2005
.) Bedrohtes Augenlicht – was können wir tun?; Orell Füssli; Books on Demand 2015
.) Spectral quality of light modulates emotional brain responses in humans; Vandewalle et al.; The Rockefeller University New York 2011


Links:

ergoptometrie.de
www.seilnacht.com/Lexikon/Licht.htm
www.licht.de
www.zeiss.de
powerelectronics.com
www.onmeda.de
www.auge-online.de
www.operation-augen.de

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Bei meiner Ehr’!

Es war ein wahrhaft unschönes Thema, das die besinnliche, vorweihnachtliche Zeit im westlichsten Bundesland Österreichs trübte: Deutsche Schweine werden als Vorarlberger Herkunftstiere verkauft! Ein Fall von vielen – anhand dessen ich aber den Wahnsinn in der Fleischindustrie etwas genauer beleuchten möchte.
Der “Verein gegen Tierfabriken” (VGT) konnte mittels Videoaufnahmen nachweisen, dass Vorarlberger Metzger Tiere aus dem bayerischen Legau in einer Nacht-und-Nebelaktion zur Schlachtung brachten und dem Konsumenten als heimisches Qualitätsfleisch weiterverkauften. In diesem Zusammenhang wurden acht Metzgereien genannt, die auf der Website des VGTs ausfindig gemacht werden können. Die Mastanstalt in Legau bietet die gesetzlichen Mindestvoraussetzungen für die Masttierhaltung – ein Zustand, der im wahrsten Sinne zum Himmel stinkt. Eingepfercht in kleinen Boxen zu mehreren Stück stehen sie auf einem Durchlassboden über ihrem eigenen Kot (für all jene unter Ihnen, die sich das VGT-Video nicht ansehen möchten). Andere fressen an einem mehrere Tage alten Kadaver eines verendeten Schweins. Die erbarmungswürdigen Tiere werden am Sonntagabend von einem doppelstöckigen Tiertransporter abgeholt und auf einem abgelegenen Parkplatz in Lustenau abgestellt. Ohne Wasser und nur mit ganz wenig Einstreu müssen die Schweine bis zu 12 Stunden in dem Hänger verbringen, bis die Metzger mit Kleintransportern in der Nacht vorbeischauen und umladen.

https://youtu.be/Eoac4WmLBWQ

Ähnliche Bilder wie jene aus dem Mastbetrieb in Legau gab es vor fünf Jahren aus Vorarlberger Mastbetrieben – ebenfalls durch den VGT aufgedeckt! Man hätte annehmen können, dass die Verantwortlichen daraus gelernt hätten. Doch nach Angabe des Marketing-Unternehmens “Ländle Qualitätsprodukte” soll dieser zuletzt geschehene Etikettenschwindel gar noch bekannt sein. Zurück bleibt einmal mehr der verarschte Konsument, der in der Annahme heimisches Fleisch zu kaufen auch gerne etwas tiefer in die Geldtasche greift!

“Der Mastbetrieb ist einer der Besten in Süddeutschland. Er ist auch kontrolliert.”

(Ein betroffener Metzger)

Die Bauern des Landes fühlen sich berechtigterweise auf den Schlips getreten. Im Ländle hat die Landwirtschaft noch Tradition. Der Kampf mit den grossen Handelsketten, Diskontern und den billigproduzierenden Fleischfabriken ist hart und lässt immer mehr Bauern jedes Jahr die Stalltüre endgültig schliessen. Umso wichtiger ist deshalb jener Kunde, der Wert auf die Regionalität legt. Tiere mit genügend Auslauf, kurze Anfahrtswege zum Metzger und somit qualitativ hochwertiges Fleisch. Durch derartige Aktionen wird der Konsument verunsichert, überlegt sich, weshalb er nicht auch das Fleisch aus der Fleischtheke des Supermarktes nehmen soll, das wesentlich günstiger ist als jenes beim Metzger. Wegen wirtschaftlicher Unrentabilität müssen deshalb Metzgereien schliessen. Damit haben sich jene acht Metzger sich selbst das eigene Grab geschaufelt. Mitnehmen werden sie hierdurch einige ihrer fairen Kollegen und einige Bauern. Ein mehr als sensibler Bereich, in dem jeder derartige Skandal exorbitale Auswirkungen haben kann. Mit ein Grund, weshalb mit Qualitätszertifizierungen nicht zu spassen ist. So dürfen solcherart ausgezeichnete “Ländle-Metzger” nur zu Hauptfrequenzzeiten wie an Weihnachten Fleisch dazukaufen – nicht jedoch aus dem Ausland! Durchschnittlich wird jede dieser zertifizierten Metzgereien viermal im Jahr kontrolliert. In den vergangenen drei Jahren habe es nach Angaben der “Ländle Qualitätsprodukte” drei Metzgereien gegeben, die aus dem benachbarten Allgäu Schweine bezogen hatten – ihnen wurde das Zertifikat entzogen. Viele erwarten sich nun drakonische Strafen, um etwaige Wiederholungsfälle bereits im Vorfeld abzuwenden!

https://www.youtube.com/watch?v=Tg_OCD4Zmq8

Dieser Etikettenschwindel ist nicht nur in Vorarlberg sondern weltweit seit Jahren bekannt und leider auch geduldet: Steirisches Kern- oder italienisches Olivenöl aus China, Südtiroler Speck aus deutschem Fleisch, Lübecker Marzipan, der südlich von Hannover produziert wurde, … In vielen Fällen werden – wenn überhaupt – nur die wichtigsten Arbeiten durchgeführt um eine Ursprungszertifizierung zu erhalten. Manches Mal ist es auch nur das Umpacken in kleinere Portionen. Diese Arbeitsschritte sind gesetzlich vorgeschrieben und führen in weiterer Folge zu einem Ursprungszeugnis (präferenzieller/nicht-präferenzieller Ursprung), das viele Annehmlichkeiten, wie eingesparte Zoll-Abgaben oder gar Ausfuhrzuschüsse nach der Marktordnung einbringen. Nähere Details hierzu können Interessierte den Art. 23 & 24 Zollkodex entnehmen (vollständige Gewinnung oder Herstellung bzw. Grad der Bearbeitung). Über die Odyssee zig tausender Tiere quer durch ganz Europa, nur um in den Besitz solcher Zertifikate zu kommen, habe ich an dieser Stelle schon berichtet. Es betrifft aber auch das Obst und Gemüse. Vor einiger Zeit etwa fuhr ich hinter einem osteuropäischen Lebensmittel-Tanklaster, der auf das Betriebsgelände eines grossen Fruchtsafthersteller abbog. Ich denke mir, dass er Konzentrat geladen hatte. Derselbe Fruchsafthersteller erhält übrigens Millionen-Beträge für die Verarbeitung heimischen Zuckers, da er auch über die Grenzen der EU hinaus seine Produkte exportiert. Soweit also ein kurzer Ausflug in den Obstgarten zur Verwendung heimischer Früchte – auch im Tetra-Pak. Alsdann ist es durchaus möglich, dass aus deutschem Schweinefleisch Original Südtiroler Speck wird – wenn auch unmoralisch. Ausser die Marke ist geschützt und mittels weiterer Auflagen gebunden. Dies bezeichnet man als “geschützte Ursprungsbezeichnung”: Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung des Produktes müssen nach einem anerkannten und festgelegten Verfahren und in einem bestimmten geographischen Gebiet erfolgen. Derartige geschützte Marken sind etwa Parmaschinken, Weideochse vom Limpurger Rind, Tiroler Graukäse; Holsteiner Tilsiter, Bündner Fleisch, Nürnberger Lebkuchen, Champagner, … (siehe hierzu auch die EU-Gütezeichen “g.U.”, “g.g.A.” und “g.t.S.” – Verordnung (EU) Nr. 1151/2012). Zwischen Flensburg und Berchtesgaden gibt es nicht weniger als 79 regional-traditionelle, geschützte Lebensmittel – neun davon besitzen das Zertifikat “geschützte Ursprungsbezeichnung”. Zwischen Neusiedler und Bodensee sind es 17 – eines davon mit der Bezeichnung “garantiert traditionelle Spezialität”. In der Schweiz sind 33 Lebensmittel geschützt (inkl. Wein und Spirituosen, die an sich nicht unter die EU-Verordnung fallen). Dass jedoch plötzlich aus deutschem Fleisch Qualitätsfleisch aus Vorarlberg wird, hat mit diesem Ursprungsszenario nichts zu tun. Es ist vielmehr Betrug am Kunden und somit strafbar.
Die Politik fordert nun eine Kennzeichnungspflicht, die allerdings in vielen Fällen lt. EU-Vorgabe bereits schon besteht. Ob dann allerdings der eine oder andere Anbieter bei der Verpackung mogelt oder das Fleisch tatsächlich von “glücklichen Tieren” stammt, unterliegt dem Berufsethos des Einzelnen. Erfolgt in solchen Fällen vielleicht auch keine Bestrafung, so können die Konsumenten darauf reagieren. Beispielsweise bei jenen Metzgern kein Fleisch mehr kaufen, die auf dieser Liste des Vereins gegen Tierfabriken stehen. Schliesslich ist der Konsument ja mündig! Doch hat er in den meisten Fällen nicht die Zeit, sich das viele Kleingedruckte auf der Verpackung durchzulesen. Ergo: Er vertraut dem Anbieter! In jenen Metzgereien, die in diesen Schweineskandal involviert sind, wurde bei verschiedenen Kontroll-Einkäufen tatsächlich auch die Herkunft aus Vorarlberg bestätigt (als Beweise war die versteckte Kamera im Einsatz). Damit handelt es sich um einen eklatanten Vertrauensbruch, der mich als Käufer zum Mitbewerber wechseln lässt! Die Landwirtschaftssprecherin der Partei NEOs, Martina Pointner meinte, dass es durchaus Mastbetriebe in Vorarlberg gebe, die das Tierwohl im Focus haben – einige Metzger aber nur ein bzw. zwei dieser Schweine pro Jahr kaufen, um sich dadurch die Bezeichnung “Regional” um den Hals hängen zu können. Deshalb würde auch ich darauf plädieren, neben der saftigen Geldstrafe zudem den Entzug des Herkunftssiegels für zumindest 5 Jahre durchzuführen.

https://www.youtube.com/watch?v=bo1sWkamQ8w

(Dieses Video hat nichts mit dem involvierten Vorarlberger Frächter zu tun!)

Gegen den Frächter und den Fahrer dieser Schweinetransporte erstattete übrigens der VGT Anzeige wegen diversester Verstösse gegen das Tiertransportgesetz. Das kann unter Umständen recht teuer werden, hindert aber nicht daran, dass derselbe Frächter auf dieselbe Art weitermacht. Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes werden jährlich über 360 Mio Rinder, Schafe, Schweine und Ziegen sowie Milliarden Stück Geflügel durch die EU zur Schlachtung gekarrt. Sehr häufig tagelang, gegen alle Gesetze (wie Tierschutz-Transport-Verordnung, Tiertransportgesetz, Tierschutzgesetz,…). Ruhezeiten werden nicht eingehalten, Melkzeiten nicht berücksichtigt, ohne Wasser, ohne Futter, ohne Einstreu; verletzt, bereits jämmerlich verreckt – ja sogar tragend!!! Viele brechen beim Entladen vor Erschöpfung zusammen! Alles nur, damit einige wenige ein Geschäft damit machen können. Sollten wir als Christen da nicht Respekt zeigen? Respekt vor einer Kreatur Gottes? Der Mensch ist ja auch nichts anderes!!!
Apropos Ausfuhrerstattung. Eine ganze Zeit lang war es Usus, deklarierte Zuchtrinder mit erhöhten Mengen Salz zu füttern. Kurz vor der Abwaage wurden sie dann zur Tränke geführt, wo sie einige zig Liter Wasser tranken. Diese Ausfuhrerstattung wurde nach Gewicht bezahlt – für Schlachtvieh weitaus weniger. Verliessen die Rinder dann das Gebiet der EU fuhr der Transport direkt zum nächsten Schlachthof (egal ob Zucht- oder Schlachtvieh). Auch die Verschiffung nach Libyen war lange Zeit über ein mehr als lukratives Geschäft. Dabei wurden Rinder und Stiere durch Kräne an den Hörnern auf die Schiffe verbracht. Riss dabei die Kopfhaut, verendete das als Zuchttier deklarierte, subventionierte Tier noch auf der Schiffahrt. Als ich einst einen hochrangigen österreichischen Ministerialbeamten auf diese Umstände aufmerksam machte, meinte er nur lapidar, dass es durchaus schrecklich sei, man jedoch nichts dagegen machen könne, da ansonsten das komplette Marktordnungssystem der EU umgebaut werden müsse. Stellt sich mir abschliessend die Frage, ob ich als Bürger der EU auf ein derartiges System stolz sein kann!!!

Die Vorteile einer regionalen Schlachtung:
1. Der Metzger kennt den Bauern und somit auch die Aufzucht und Lebensbedingungen der Tiere im Betrieb selbst.
2. Lange Fahrtstrecken verursachen für die Tiere immensen Stress; Stresshormone werden ausgeschüttet, die die Qualität des Fleisches stark sinken lassen. Viele vorher gesunde Tiere sterben an diesem Stress während des Transportes
3. Auch der Konsument kann sich entscheiden, ob er die hohe Qualität der bekannten Betriebe bevorzugt oder lieber das Billigfleisch aus riesigen Tierfabriken, die meist wenig von Tierschutz oder Tierwohl halten, verzehrt
4. Die Wertschöpfung bleibt regional erhalten – das sichert heimische Arbeitsplätze und auch die Natur, da jeder Landwirt ja zudem zum Erscheinungsbild der Region beiträgt – davon zehrt wiederum der Tourismus etc.etc.

Lesetipps:

:-( Die Fleischmafia: Kriminelle Geschäfte mit Fleisch und Menschen; Adrian Peter; Econ 2005
:-( Lebensmittel-Lügen: Wie die Food-Branche trickst und tarnt; Birgit Klein/Janina Löbel ua.; Verbraucher-Zentrale NRW 2013
:-( Tiertransporte: Rechtliche Grundlagen, Transportpraxis, mit Prüfungswissen Befähigungsnachweis Tiertransport; Robert Gayer/Alexander Rabitsch/Ulrich Eberhardt; Verlag Eugen Ulmer 2016
:-( Tiertransporte: Anspruch und Wirklichkeit; Alexander Rabitsch; Veterinärspiegel Verlag 2014

Links:

ec.europa.eu/idabc/en/document/5360/5637.html
www.epo.org
www.stopthetrucks.eu/en/
www.bmel.de
www.tierschutzbund.de
www.gemeinschaftsmarketing-bw.de
www.agrarmarketing-thueringen.de
www.lfl.bayern.de
www.lebensmittelklarheit.de
www.vzbv.de
www.bmlfuw.gv.at
www.ris.bka.gv.a
www.fleischherkunft.at/
www.laendle.at
www.aop-igp.ch/

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Vielen Dank für Ihre Spende!!!

Die Festtage sind vorbei – viele Familien haben es sich besonders schön gemacht, schliesslich ist Weihnachten ja das Fest der Liebe! Aber auch der Nächstenliebe, weshalb alsdann eine Spendenaktion die andere jagt! Herzenssache, Weihnachtsfreude weitergeben, Licht in’s Dunkel, Weihnachten im Schuhkarton, Kinder in Not, Brot für die Welt, … – den Abschluss machen schliesslich die Sternsinger! Doch: Wissen Sie, was mit den fünf Euro, die sich das fünfjährige Mädchen vom spärlichen Taschengeld abgespart hat oder den von der Mindestrentnerin gegebenen zehn Euro, die mit ihrer Rente schon lange nicht mehr das Auslangen findet, auch tatsächlich geschieht? Kommen die Spenden wirklich immer dort an, wo sie benötigt werden? Oder fällt ein Teil davon der Verwaltung zum Opfer, wird als Schmiergeld an bewaffnete Rebellen ausbezahlt, damit der Transport weiterfahren kann, wird geklaut, veruntreut oder in Produkte investiert, die am Zielort niemand braucht? So wirbt etwa das Rote Kreuz mit hohen Verdienstmöglichkeiten für Spendensammler. Greenpeace spekulierte mit Spendengeldern, die Caritas muss eine riesige Verwaltungsorganisation finanzieren. Nicht jeder arbeitet ehrenamtlich – manche verdienen sich das Leben über Spenden. Experten warnen beispielsweise davor, Kleider-Container von so manchen privaten Organisationen zu verwenden – hier wird ein dickes Geschäft mit gemacht. Klar – auch die Caritas verkauft die Klamotten, die dann vielleicht irgendwo am Markt in Simbabwe weiterverkauft werden. Doch kommen viele der dadurch erzielten Gelder sozialen Zwecken zu, Langzeitarbeitslose finden in den Werkstätten eine Beschäftigung, …

https://www.youtube.com/watch?v=djXkFedpTrE

Nicht, dass Sie mich nun falsch verstehen: Ich empfinde es als eine grosse Tat der Mitmenschlichkeit, wenn jemand, der das ganze Jahr über von allen Seiten geschröpft wird, doch noch etwas übrig hat für jene, denen es schlechter geht. Doch sollte vor der Spende genau überprüft werden, ob es die Organisation wirklich ehrlich damit meint und zu wieviel Prozent die Spende schlussendlich dem guten Zweck zukommt und nicht irgendwo hängen bleibt. So berichtete etwa die Tageszeitung “Die Presse” am 03.12.2015 von einem Buchhalter, der bei der Aktion “Ma hilft” von Russ Media in Vorarlberg bis zu 176.000,- € entwendet haben könnte. Dort wurde zuvor betont, dass jeder Spenden-Euro 1:1 weitergegeben würde – ohne Verwaltungskostenabzug. Das Medienhaus aus Schwarzach/Vorarlberg ersetzte den fehlenden Betrag, entliess den Mitarbeiter fristlos und erstattete Anzeige.
Spende ich der armen Frau etwas, die in der Kälte vor dem Supermarkt am Boden sitzt, muss ich mir darüber im Klaren sein, dass sie mit grosser Wahrscheinlichkeit einer Bettlermafia angehört und von dem Geld überhaupt nichts sieht, da sie alles abgeben muss, damit sich einige wenige ein gutes Leben von machen können. Spende ich für ein Hilfsprojekt in Indien Geld, sollte ich zuvor wissen, dass dort nach wie vor das Getreide auf den Feldern verfault oder verdorrt. Spende ich für Äthiopien oder Somalia sollte mir ebenso klar sein, dass viele vollbeladene LKW auf geheimnisvolle Art verschwinden (die Hilfsgüter werden dann zumeist sündhaft teuer am Schwarzmarkt verkauft) oder die Konvoys werden wie in Syrien in Brand geschossen. Die Sternsinger Österreichs sammeln heuer u.a. für ein Schulprojekt in Nairobi. Hier muss eine Schulmauer verstärkt werden, damit der nebenan vorbeiführende Fluss, der bis obenhin mit dem Müll aus den Städten vollgestopft ist, nicht wieder die Schule überschwemmt und andererseits soll es Kindern aus den Slums ermöglicht werden, Lesen und Schreiben zu lernen. Beides wichtig – keine Frage. Doch: Je höher die Mauer, desto mehr Müll wird mit Müll-LKW herangekarrt. Zudem verschulden sich gerade alleinerziehende Mütter hierzulande ständig zu Schulbeginn. weil sie Hefte, Bücher und Schreibutensilien für ihre Kleinen kaufen müssen. Und auf Sportwoche oder Exkursion können die Kinder ohnedies nicht mit, da kein Geld dafür vorhanden ist. So lebten nach Angaben der Statistik Austria 2014 110.000 Ein-Eltern-Familien mit Kindern unter 15 Jahren unter der Armutsgrenze – 93 % waren Frauen! Kein Urlaub, Second-Hand-Klamotten, Hunger und im Winter zu wenig geheizt! Das Unterhaltsvorschussgesetz ist so löchrig, wie kaum ein anderes im Alpenstaat! Unter diesen beiden Aspekten betrachtet, sind auch die 10 bis 50 € für die Auslandsaktion zu hinterfragen, sind doch die dortigen Müllentsorger skrupellose Geschäftemacher, die auch den Ausbruch von Seuchen riskieren und die Politiker, die genügend Geld für die Schulbildung hätten, lieber in die eigene Tasche arbeiten. Ergo: Auch mit meiner Spende wird sich dort nichts ändern! Zudem – nicht weit von den Slums entfernt, stehen die Hotelpaläste der Safari-Besucher!
Ich finde die Aktion des Stuttgarter Weihnachtsbaumes als wesentlich sinnvoller. Kinder aus bedürftigen Familien konnten ihren Weihnachtswunsch an den offiziellen Christbaum der Stadt hängen. Bedingungen: Bedürftig, nicht älter als 15 Jahre und nicht teurer als 25,- €. Nicht weniger als 1.500 solcher Wünsche kamen zusammen. Jeder, der helfen wollte, konnte sich einen oder mehrere solcher Karten herunternehmen und den Wunsch erfüllen. Andererseits kenne ich einige Ärzte, die immer wieder für “Ärzte ohne Grenzen” in den Entwicklungsländern tätig sind. Wenn ich im Ausland helfen will, gebe ich ihnen etwas mit.

https://www.youtube.com/watch?v=Ng1jODQRNXg

Allerdings sollte bei all der Spendenbereitschaft für das Ausland nicht vergessen werden, dass dafür auch Steuergelder als Entwicklungshilfe eingesetzt werden. Ferner muss die Hilfe nachhaltig sein. Kostenlose Lebensmittel sorgen für Absatzprobleme bei regionalen, selbst hergestellten Nahrungsmitteln. Wird ein Brunnen in einem ansonsten staubtrockenen Landesabschnitt gebaut, damit die Mütter nicht jeden Tag mehrere Kilometer zurücklegen müssen, um Wasser zu holen, so ist das weitaus sinnvoller als ein Fernseher oder ein Kühlschrank, wenn im Dorf vielleicht nicht mal Strom vorhanden ist. In diesem Zusammenhang fallen mir immer wieder die Schneepflüge ein, die in die Sahelzone geliefert wurden.
Auch hierzulande existiert viel unverschuldete Armut. Und es wird mehr. Berechnungen haben aufgezeigt, dass künftig immer mehr Rentner auf Sozialhilfe angewiesen sind, da sie mit der gesetzlichen Rente nicht mehr auskommen, obwohl sie ihr Leben lang gearbeitet und somit Rentenbeiträge abgeführt haben. Ende Dezember 2015 etwa waren mehr als 536.000 Pensionisten in Deutschland auf die Grundsicherung angewiesen – 24.000 mehr als noch im Dezember 2014 (Zahlen: Statistisches Bundesamt). Jene, die sie auch bräuchten, aber aus Scham nicht ansuchen, sind hier logischerweise nicht miteingerechnet! Sozialverbände warnen davor, dass sich diese Zahl noch wesentlich erhöhen wird, sollte es nicht zu einer Rentenreform kommen. Alleine in Berlin gibt es mehr als 41.000 registrierte Fälle von Altersarmut!
Wie viele Krebskranke etwa können sich eine lebensrettende Therapie nicht leisten und sind zum Sterben verurteilt, obwohl Milliarden Steuergelder in die Krankenhäuser fliessen. Chefärzte verfügen über günstige Privatbetten, die jedoch ebenfalls mit Steuergeldern subventioniert werden. Hier wäre es durchaus wünschenswert, wenn jedes Krankenhaus in die Pflicht genommen würde, zumindest einmal die Woche eine humanitäre Operation bzw. Therapie durchzuführen. Doch müssen private Hilfsorganisationen wie etwa die Krebshilfe einspringen – ein Armutszeugnis für Vater Staat!
Ja – ich sehe es durchaus aus dieser Ecke: Sind gemeinnützige Hilfsorganisationen notwendig, hat der Staat, haben die Politiker mit ihrem sozialen Auffangnetz versagt. Wie irrsinnig ist es etwa, dass Termine für CT- oder MRT-Untersuchungen auf Monate ausgebucht sind: Bezahle ich jedoch selbst, bekomme ich sofort einen solchen. Im Rahmen der Kostenrückerstattung durch die Krankenkassen erhält der Patient jedoch nur einen Teil der tatsächlichen Kosten retour – obwohl derartige Gerätschaften zumeist mit Steuergeldern gekauft werden müssen, da sie das normale Budget eines Krankenhauses sprengen.
Zig Millionen Menschen sind zwangs-krankenversichert und zahlen schön brav monatlich ihren Beitrag. um dann trotzdem bei jedem Arztbesuch das Portemonnaie zücken zu müssen. Werte Damen und Herren aus den Hohen Häusern – lassen Sie es mich ganz offen aussprechen: Sie haben versagt! Das staatliche soziale Netz hat riesige Löcher, die zusehends grösser werden. Dafür allerdings werden Glaspaläste für die Versicherungsanstalten errichtet – die Vorstandsvorsitzenden beziehen astronomische Gehälter. So führt etwa der Vorstand der Techniker-Krankenkasse das Gehaltsranking 2013 in Deutschland mit 288.848,- € per anno an. Der Vorstand der AOK Bayern etwa bekam damals 241.132,- € (Zahlen: www.krankenkassen.de). Die Mitarbeiter haben neben dem 13. und 14. vielleicht auch noch ein 15. Monatsgehalt oder andere Vergünstigungen. Das Volk bezahlt Mehrwertsteuern, Verbrauchssteuern, Kfz-Steuern, Lohn- bzw. Einkommenssteuer, Grundsteuern, Stromsteuern, Versicherungssteuern, Kreditsteuern, Vertragssteuern, … – früher war es der Feudal-Adel, heute die Politiker! Die meisten dieser fiskalischen Abgaben sind nicht zweckgebunden und fliessen alsdann irgendwohin.
Ein Abgeordneter zum österreichischen Bundesrat beispielsweise verdient 4.292,- € monatlich – 14x im Jahr, sein Kollege aus dem Nationalrat mehr als das Doppelte (somit auch mehr als die Kollegen aus Deutschland!) (Angaben: www.wien-konkret.at). Ehemals hatte der Bundesrat zumindest noch eine Funktion: Hier konnte ein Veto eingelegt werden, wenn ein Gesetzesbeschluss aus dem Nationalrat gegen Länderinteressen verstiess. Heute wird im Bundesrat ebenso wie im Nationalrat fraktionsmässig abgestimmt – nicht nach Länderinteressen! Sollte es mal zu Überschneidungen kommen, sind die Damen und Herren Bundesräte während der Abstimmung gerade auf der Toilette oder in der Parlamentskantine! Wofür gibt es diesen geldverschlingenden Moloch eigentlich (61 Bundesräte – ergibt pro Jahr nicht weniger als 3,67 Mio nur an BR-Gehältern). Hinzu kommen die Reise- und Wohnkosten sowie die Aufwendungen für Büro und Büropersonal. Kann das nicht etwa durch die Landeshauptleute in deren Konferenz erledigt werden???
Jeder Abgeordnete zum Deutschen Bundestag kann pro Jahr zwei Besuchergruppen mit jeweils 50 Personen aus seinem Wahlkreis nach Berlin einladen. Die Kosten dafür (Fahrt, Übernachtung, Verpflegung) übernimmt das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. Da hierbei das Alter der Teilnehmer über 18 Jahre liegen muss, hat nochmals jeder Abgeordnete die Möglichkeit, pro Jahr 100 weitere Personen (zumeist Schulklassen oder Jugendgruppen) zu einem Informationsbesuch einzuladen. Die Fahrtkosten werden bis auf 10,- €/Person bezuschusst, das Mittagessen bezahlt. Und schliesslich können pro Jahr und Abgeordneten 100 Pleniumsbesucher eingeladen werden. Auch sie erhalten einen Fahrtkostenzuschuss und ein Mittagessen. Bei 631 Abgeordneten reden wir über eine mehr als erquickliche Summe. (Angaben: www.thilo-hoppe.de – MdB a.D.). Sehr lobenswert diese Öffentlichkeitsarbeit – allerdings steht der Aufwand mit dem Ergebnis in keinerlei Relation!
Würden die, durch die Abschaffung dieser beiden unnützen Institutionen bzw Aktionen freiwerdenden Gelder für die teuren Krebsmedikamente bei Mindestrentnern verwendet, könnte damit sehr vielen Menschen das Leben gerettet werden und die Krebshilfe wäre gar nicht mehr notwendig.
Eine andere Unsitte ist die Spendenfreudigkeit vieler Unternehmensbosse. So manch einer davon will sich das Gewissen reinwaschen, nachdem er im ablaufenden Jahr ein Werk geschlossen und damit hunderte Arbeiter auf die Strasse gesetzt hat. Andere sehen es als guten PR-Gag oder möchten sich noch rasch vor Jahresende Steuern einsparen. Und wieder andere haben Unmengen von Gelder durch Firmengeflechte und Offshore-Konten am Fiskus vorbeigeschleust. Wenn sie nun tief in die Tasche greifen (wie im Falle eines Social Network-Gründers), geben sie durch Spenden trotzdem weniger aus, als sie ansonsten an Steuern bezahlt hätten – da ja auch diese Spenden von den Steuern abgesetzt werden können. Auf den hehren Gedanken, einfach etwas Gutes tun zu wollen, wie etwa Microsoft-Gründer Bill Gates, kommen die wenigsten. Er ist mit seiner Frau nahezu ausschliesslich im Rahmen seiner Foundation unterwegs um etwa Kinder in Entwicklungsländer impfen zu lassen.
Barack Obamas “Lieblingsmilliardär” Warren Buffett rühmte sich, dass er weniger Steuern als seine Assistentin bezahle. Er schlug jedoch auch eine Reichensteuer vor. Am 20. Januar wird in Washington eine Regierung vereidigt, die reicher ist als 1/3 der US-amerikanischen Bevölkerung zusammen – immerhin 15 Milliarden US-Dollar – mehr wie 43 Mio US-Haushalte (Angaben: Der Spiegel). Sie werden für die Millionen kleiner Leute, die den künftigen Präsidenten gewählt haben (der übrigens auch für lange Zeit keine Steuern bezahlte – diese gesetzliche Lücke aber dicht machen möchte), Gesetze durchboxen: Mindestlohn, gewerkschaftliche Interessensvertretung und Rechtschutz, Krankenversicherung, humane Arbeitsverhältnisse, … Doch ist es gerade diesen “Otto Normalbürgern”, die täglich um’s Überleben kämpfen müssen, wesentlich höher anzurechnen, wenn sie für eine Spende die Geldtasche aufmachen als jemandem, dem 100.000 Dollar nicht wehtun. Die Regierungen aber könnten dafür sorgen, dass Spenden für heimische Hilfsorganisationen gar nicht notwendig wären. Doch – wollen sie das auch? Wollen das deren Wähler?

Lesetipps:

.) Die Ökonomie der Spende; Carolin Guessow; Südwestdeutscher Verlag für Hochschulschriften AG 2015
.) Fundraising, Sponsoring und Spenden für Dummies; John Mutz; Wiley VCH Verlag GmbH 2008
.) Fördern und Spenden; Frauke Fischer; NWB Verlag 2015
.) Warum Menschen Spenden; Kai Fischer; Mission-Based Verlag
.) Betteln und Spenden; Andreas Voss; De Gruyter 2010

Links:

www.swr.de/herzenssache
lichtinsdunkel.orf.at
www.geschenke-der-hoffnung.org
www.adra.at
nuernberger-tafel.de/weihnachtsfreude-weitergeben-2
www.kinder-in-not.de
www.brot-fuer-die-welt.de
www.vol.at/features/mahilft-vol
www.sternsinger.de
www.sternsingen.at
www.dka.at
www.alleinerziehende.org
www.kindernothilfe.de
www.sos-kinderdorf.de
www.drk.de/Weihnachten/Spenden
www.menschenfuermenschen.at
www.helpdirect.org
www.bahnhofsmission.de
www.prosenectute.ch
www.redcross.ch
www.caritas.ch
www.worldvision.ch
www.sozialpolitik-aktuell.de
www.oeffentlicher-dienst.de

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