Archive for März, 2017

Schicht im Schacht

Das wertvollste Kapital eines Unternehmens sind seine Mitarbeiter!!!

Da stellt sich dann nur die Frage: Weshalb werden sie dann immer mehr als blosse Nummern oder Striche auf der Strichliste behandelt – ohne Rücksicht darauf, dass ein menschliches Schicksal dahintersteckt!?
Der Satz übrigens ist immer wieder bei Betriebsfeiern von den Chefs zu hören oder in Berichten und Werbematerialien zu lesen, doch ist es leider meist nur eine wertlose Floskel, da so mancher Unternehmer keine Ahnung von Mitarbeiterbindung hat und wie wertvoll sie doch für das Unternehmen sein kann! Soziale Kompetenz? Was von den Mitarbeitern immer mehr gefordert wird, gehört nicht zum Wortschatz in die Dachgeschosse der Betriebe, wo so manch Einer mit dem Ellbogen kämpft. Ständig in der Furcht, dass einem ein Konkurrent den Auftrag vor der Nase wegschnappt oder ein Besserer kommen könnte, der am Stuhl sägt. In unserer schnelllebigen Welt ist zumeist für eine offene Unternehmenskultur bzw. dem Menschen, der hinter dem Angestellten oder Arbeiter steckt, kein Platz mehr. Es beginnt bei den meisten Ausbildungsbetrieben. Anstatt die Azubis mit dem Hintergedanken auszubilden, sie auch nach der Lehre perfekt als Fachkräfte im Betrieb integrieren zu können, da sie ja eigenes Know-How und möglicherweise neue Innovationen mitbringen könnten, werden sie auf den Arbeitsmarkt entlassen. Dorthin, wo sich viele davon selbständig machen, um dann nicht mal die ersten drei Jahre überstehen zu können. Die härteste Zeit eines sog. “Start-ups”! Nach einem solchen Scheitern machen dann die meisten mit einem ausbildungsfremden Job weiter.
Strukturierungsmassnahmen, Kostensenkungen – Personaleinsparungen! Von Mitarbeitermotivation zumeist keine Spur! Der Kollege hat zu funktionieren, ansonsten war er ein Kollege! Auch wenn “Führungskräfte” dies zumeist nicht zugeben. Wie etwa in der Studie “Organisation 2015″ der Bostoner Consulting Group, in welcher die meisten der 1.000 befragten Manager wieder zurückfinden zur Mitarbeiterzufriedenheit als eine schwergewichtige Maxime für den Erfolg des Unternehmens. Die Anpack- und “Yes we can”-Mentalität sollte alsdann wieder die Zukunft in den Betrieben darstellen, doch haben das sehr viele offenbar noch gar nicht zu Ohren bekommen: Erfolge können nun mal nur mit Mitarbeitern gefeiert werden! Deshalb braucht es nicht nur in der Mannschaft Teamplayer, sondern auch an der Spitze. Oftmals ist es einzig der Unternehmer selbst, der die Bedürfnisse der von Harold Maslow aufgestellten Bedürfnispyramide zur Gänze befriedigen kann. Die Mitarbeiter bleiben irgendwo zwischen den fünf Säulen stecken. Ein erfolgreiches Unternehmen umfasst viele zufriedene und motivierte Mitarbeiter! Doch was macht die Spitze des Organigramms mit dieser wertvollen Ressource? So wird ein älterer Dreher als Überbleibsel der Zeit der Industrialisierung lieber aus dem Betrieb hinausgeekelt. Doch – fällt mal ein Computer aus, fehlt dem Unternehmen dessen jahrelanges handwerkliches Know How. Fachkräfte zu binden ist weitaus weniger kostenaufwendig als neue zu finden und einzuschulen! Die benötigte Zeit für den Aufbau einer Fachkompetenz (rund sechs Monate) fehlt in der Gegenwart. Verlässt eine gute Fachkraft das Unternehmen, folgen meist zehn oder mehr nach – häufig jedoch nur für kurze Zeit. Erst dann wird bewusst, welche Leistung der Kollege zuvor eigentlich erbracht hat! Eine recht angeregte Diskussion über die soziale Kompetenz der Unternehmer brachte mich auf das heutige Thema: Die abstrusesten Massenentlassungen – zumeist aus Fehleinschätzungen des Managements!

Im Sommer 2014 ging ein Aufschrei durch Baden Württemberg und die Haushaltswarenbranche: Das über 162 Jahre alte Traditionsunternehmen Württembergische Metall Warenfabrik (WMF) aus dem Schwabenland wurde zwei Jahre zuvor an den Investor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) verkauft. Soweit so gut, doch wollten die US-Amerikaner von den insgesamt rund 6.100 Jobs nicht weniger als 700 vornehmlich an den beiden Standorten Geislingen und Riedlingen streichen. Und das alles, obwohl WMF Bilanz-Gewinne schrieb! Mit deutschen Qualitätswaren und Schnellkochtöpfen, die weltweit ein Begriff sind! Nicht weniger als 30 Mio € sollten dadurch pro Jahr eingespart werden. 33 Logistikzentren wurden auf 2 konzentriert, über 50 Filialstandorte geschlossen.

“Die Strukturen, die wir heute haben, lähmen uns.”
(Peter Feld, Ex-Vorstandsvorsitzender der WMF):

Somit lähmten also offenbar auch 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Schliesslich sollte der asiatische Markt mit anderem Personal in Angriff genommen werden! Der tatsächliche Hintergrund: Die Gier! Das Private Equity-Unternehmen KKR kauft Betriebe mit Wachstumspotential auf, trimmt sie auf Rendite und verkauft sie wieder. In der Branche werden derartige Geschäftemacher als “Heuschrecken” bezeichnet. Gewinn machen, koste es, was es wolle. Die Mitarbeiter, die davon betroffen sind, sollen sich gefälligst etwas anderes suchen. Sie werden schlichtweg nicht mehr gebraucht! Dass hierunter aber Kollegen und Kolleginnen sind, die dem Betrieb das halbe Leben gegeben haben und nun mit über 50 Jahren zu Langzeitarbeitslosen und viele aufgrund der Kredite auch zu Sozialfällen werden – das ist den Finanzjongleuren vollkommen gleichgültig! Hauptsache, der Wert des Unternehmens wird so rasch als möglich verdoppelt, damit es gewinnbringend abgestossen werden kann und jene, die ohnedies schon genügend davon haben, noch mehr Geld bekommen! Um die natürlichen Abgänge (Rente oder Jobwechsel) zu nutzen, dazu fehlt die Zeit, da ja so rasch als möglich Gewinne eingefahren werden müssen. Das bedeutet eine glatte 5 für die Sozialkompetenz des Unternehmens und seiner Gesellschafter! Inzwischen ist WMF an die französische SEB-Gruppe (Moulinex, Rowenta, Tefal, Krups) für satte 1,7 Mrd. € verkauft worden – der neue CEO, Volker Lixfeld, setzt auf Nachhaltigkeit und langfristige Wirkung und vielleicht auch auf seine Mitarbeiter:

“Ich denke: Unternehmersinn, Liebe zur Innovation, Professionalismus und dabei die Achtung für jeden Einzelnen, der dazu beiträgt – bringt es gut auf den Punkt.”
(Volker Lixfeld)

Ebenso nicht gerade zimperlich geht der Möbelriese XXXLutz mit seinem Personal um. Im Oktober 2013 wurde von einem Tag auf den anderen der Standort München-Theresienhöhe geschlossen. Die 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden ausgesperrt – sie durften nur noch zum Einpacken ihrer privaten Sachen auf das Betriebsgelände. Ebenso übrigens wie auch der Betriebsrat. Der Räumungs-Schlussverkauf wurde von Mitarbeitern anderer Standorte durchgeführt. Nur wenige Tage zuvor noch erklärte die Geschäftsführung im Rahmen einer Betriebsversammlung, dass es keinerlei Veränderungen an diesem Standort gebe. Die nach der Schliessung abgehaltenen Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern fanden in angemieteten Büroräumen – nicht am Standort statt. Jetzt im Nachhinein wurde allerdings bekannt, dass entsprechende Pläne für eine andere Nutzung des Betriebsgeländes offenbar schon zwei Jahre zuvor bei der Stadt eingereicht wurden. Zu diesem Zeitpunkt gab es Gespräche mit einer ausländischen Investorengruppe, die jedoch gescheitert sind. Es war übrigens nicht das erste und letzte Mal, dass die Möbelgruppe dermassen vorgegangen ist. Anfang Februar 2016 standen die 99 Mitarbeiter der Mann Mobilia XXXL Mannheim, einer Tochtergesellschaft der Möbel Lutz, am Montagmorgen, als sie zur Arbeit wollten, vor verschlossenen Toren. Eine private Security-Firma sorgte ausserdem für Ruhe auf dem Betriebsgelände. Das Zentrallager wurde geschlossen – die vor den Toren wartenden Kolleginnen und Kollegen mittels eines Schreibens kurzfristig vom Dienst freigestellt. Die Auftragsverwaltung wanderte an den Firmensitz nach Würzburg, wo anstatt dessen 60 neue Mitarbeiter eingestellt wurden. Auch in Eschborn und Wiesbaden sollen deshalb Mitarbeiter auf die Strasse gesetzt worden sein. Aus der Geschäftsleitung hiess es nur, sie könnten sich ja für die Jobs in Würzburg bewerben! Die österreichische Möbelhauskette ist mit 18.500 Mitarbeitern in acht europäischen Ländern vertreten, Mann Mobilia wurde erst 2005 übernommen. Dort soll ineffizient gearbeitet worden sein, sodass im Weihnachtsgeschäft tausende Aufträge nicht oder verspätet ausgeliefert wurden. Unhaltbare Zustände, so das Management. Aus Würzburg hiess es ausserdem, dass Kundenservice, Logistik und Auftragsbearbeitung neu strukturiert werden sollen. Inzwischen werden immer mehr Stimmen laut, die von “unmenschlich”, “verabscheuungswürdig”, “menschenverachtendes System” und “frühkapitalistischer Herrschaftsmanier” sprechen. Auch hierfür gibt es eine klare 5 in der Sozialkompetenz. So verfährt man nicht mit seinen Mitarbeitern!!!

Ein Reifenkapitel wurde am 18.12.2009 im österreichischen Traiskirchen geschlossen: Nach 113 Jahren machte das Reifenwerk dicht – 195 blaue Briefe flatterten in die umliegenden Häuser. Die Reifenproduktion wurde bereits 2003 durch den Mutterkonzern Continental eingestellt – zuletzt war das Werk nurmehr für die Mischung dafür verantwortlich. Es muss wohl schlaflose Nächte bereiten, wenn man sich eingestehen muss, schlechter als die drei Generationen zuvor einen Betrieb geleitet zu haben, den man aufgrund dessen zusperren muss!!! Vonseiten der Unternehmensleitung heisst es, dass durchaus Gewinne eingefahren wurden. Auch die Mischungsherstellung soll äusserst profitabel gewesen sein. Wie jedoch ein ganzes Werk und damit möglicherweise hunderte Menschen zum Spielball der Finanzjongleure wird, zeigt wohl kein Beispiel besser als dieses Reifenwerk. Schon 1994 wurde die Forschungs- und Entwicklungsabteilung in Traiskirchen geschlossen. Die erste geplante Werksschliessung zwei Jahre später konnte der damalige Bundeskanzler Franz Vranitzky durch Intervention verhindern. Der nächste Versuch kam 2001 – und dies obgleich das Werk mit Gewinn bilanzierte. Obwohl der damalige Bundeskanzler Wolfgang Schüssel aus dem VP-Wirtschaftsbund entstammt, interessierte sich dieser überhaupt nicht für das Politikum Semperit. Continental sorgt stets wieder aufgrund seiner Personalpolitik für medialen Aufruhr: Eine Werksschliessung in Gifhorn konnte nur nach intensivsten Beratungen mit den Arbeitnehmervertretern abgewendet werden. In den kommenden Jahren sollen hier 700 der derzeitigen 1.400 Arbeitsplätze abgebaut werden – allerdings nicht durch betriebsbedingte Kündigungen!!! Wer’s glaubt, wird wohl seelig! Denn: Die Belegschaft hat zugesagt, pro Woche eine Stunde weniger zu arbeiten, später dann drei und ab 2019 schliesslich vier. Dass dazwischen wohl der eine oder andere in Rente gehen oder den Job wechseln wird, steht gar nicht zur Debatte! Schon zuvor erhielten 100 Mitarbeiter eine Abfindung, 100 weitere gingen in die Altersteilzeit. Dafür wurde eine bis 2025 andauernde Standortsicherung zugesagt – ausserdem sollen durch den Konzern in den kommenden Jahren bis zu 100 Mio Euro in Gifhorn investiert werden. Ist das nicht pervers??? Hier wurden in den letzten Jahren Bremssysteme und Elektromotoren gefertigt – dies wurde eingestellt – nun sollen Bremsschläuche montiert werden.

Continental ist übrigens als Zulieferer ebenso wie etwa Bosch vom geplanten Kahlschlag bei VW betroffen. Weltweit möchte der Wolfsburger Autohersteller 30.000 Stellen abbauen – in Deutschland alleine 23.000. Auch hier wird betont, dass es keinerlei betriebsbedingte Kündigungen geben wird. Dann werden die Posten eben nach und nach abgebaut. Das Management hat mit dem Abgasskandal die grösste Pleite seit Firmengründung hingelegt, nun muss das kleine Fussvolk daran glauben, während sich die dafür Verantwortlichen nach wie vcr die fetten Boni in die Taschen streifen. Die Vorstandsebene findet selbstverständlich werbewirksamere Worte dafür: Der “Zukunftspakt” soll Kosten in der Höhe von rund vier Milliarden Euro einsparen helfen! Und dies obwohl nach wie vor Gewinne eingefahren werden. Zwar deutlich weniger als vor dem Abgas-Dilemma – dennoch! Nun soll auch hier die Belegschaft weniger arbeiten und die Babyboomer in Frührente geschickt werden! Verzeihen Sie mir bitte – doch kommt zweiteres auch einer Entlassung gleich, bekomme ich als Frührentner doch weitaus weniger, als mein Ex-Kollege, der vielleicht nur ein Jahr länger gearbeitet hat! Zudem darf ich nichts zusätzlich arbeiten, da ich ansonsten möglicherweise ab einer gewissen Zuverdienstgrenze den Anspruch auf die Frührente komplett verliere oder mir der Zusatzverdienst davon abgezogen wird. Auch bei VW denkt der Vorstand zuerst an Personalabbau, wenn es mal mit einem Fahrzeug-Modell nicht so gut aussieht. 1993 – im Jahr des Amtsantritts von Ferdinand Piëch als Vorstandsvorsitzender, wackelten nicht weniger als 30.000 Arbeitsplätze. Der Personalvorstand Peter Hartz konnte dies nach intensivsten Verhandlingen mit der IG Metall (Vier-Tage-Woche ohne Lohnausgleich) nochmals abwenden. 2006 wurde erneut von Stellenstreichungen gesprochen – auch dieses Mal konnten Verhandlungen dies drehen, obgleich nun wieder fünf Tage die Woche gearbeitet wurde – ohne Lohnausgleich. Dass ein Unternehmen kein Sozialverein ist, sollte wohl jedem klar sein. Dass aber einfach mal so mit einem Schwertstreich über hunderte, ja sogar tausende Plätze hinweggefegt wird, entspricht nicht meinen Vorstellungen von sozialer Kompetenz und Mitarbeitermotivation. Betrachtet man sich parallel dazu die Einkommensverhältnisse der VW-Manager, so gerät das Schiff in doch erhebliche Seitenlage!

Im August 2016 rumorte es gewaltig in Hamburg. Hunderte Mitarbeiter sollten von den Goodgame-Studios gekündigt werden. Die Game-Schmiede stellte bis zuletzt ständig neue Mitarbeiter ein – die Geschäfte liefen ja auch ausgezeichnet in den Jahren zuvor. Es war die Gallionsfigur “Empire”, die einen derartigen Erfolg einfuhr. Danach kam die grosse Wende und die Nachfolge-Games kackten ab (Verzeihung für meine Wortwahl). Mit ihnen offenbar auch die Menschlichkeit der Chefs. Die Gründung eines Betriebsrates wurde verboten, die daran beteiligten 28 Mitarbeiter fristlos entlassen. Die grosse Kündigungswelle unter den 1.300 Angestellten sollte bereits einen Monat nach Ankündigung durchgezogen werden. Zudem wurden jene Kollegen, die nicht gekündigt werden, davon mittels Mail informiert (Ganz nach dem Motto: Du bist zu wertvoll für das Unternehmen – Du darfst bleiben!!!)! Ist das nicht zutiefst produktivitäts-förderlich, wenn ich von meinen Kollegen erfahre, dass ich in einem Monat einpacken muss?! Vonseiten der Firmeninhaber und Gesellschafter, den beiden Brüdern Wawrzinek, heisst es hingegen, dass an einer sozialverträglichen Lösung mit freiwilliger Abfindung und Transfergesellschaft gearbeitet wurde. Durch Berichte der Hamburger Morgenpost kamen noch weitaus bedenklichere Umstände an’s Tageslicht: Die Qualitätssicherer lagen mit ihrem Gehalt unter dem Mindestlohn, Uni-Abgänger erhielten maximal gerade mal 2.300,- € brutto, Überstunden wurden nicht ausbezahlt, nicht wenige der 1.300 Mitarbeiter kamen aus Osteuropa oder Russland und waren somit wesentlich günstiger,… Die 28 Mitarbeiter seien übrigens aufgrund von Leistungsdefiziten gekündigt worden. Auch hier wieder eine glatte 5 in sozialer Kompetenz und Fairplay gegenüber des eigenen Firmenkapitals.

Bleiben wir doch noch etwas beim Betriebsrat: Als die Belegschaft des österreichischen Fernsehsenders Servus TV einen Betriebsrat gründen wollte, drohte Mehrheitsinhaber und Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz im Oktober 2016 mit der Schliessung des Unternehmens und entliess kurzerhand alle 260 Angestellte zum Jahresende. Die offizielle Begründung aus Salzburg lautete allerdings, dass der Sender wirtschaftlich unrentabel geworden sei. Er sollte nurmehr online fortgeführt werden. Als die Gekündigten und die Gewerkschaft hingegen einen Rückzieher machten und den Betriebsrat ad acta legten, wurden alle Kündigungen innerhalb nur eines Tages zurückgezogen und das digitale Programm gar noch ausgebaut. Das ist doch wahre Menschlichkeit auf dem gepolsterten Chefsessel!

Der US-Konzern General Electric (GE) sorgt hingegen in Mannheim für dicke Sorgenfalten. So soll das Turbinenwerk Mannheim geschlossen werden. 1.800 Menschen würden damit auf der Strasse stehen. Die Betroffenen selbst erfuhren es im Februar aus den Nachrichten. Erst ein Tag danach wurde eine Betriebsversammlung hierzu abgehalten. Für Mannheim bedeutet dies, dass 600 in diesen Tagen den blauen Brief erhielten, 100 weitere sind “freiwillig” ausgeschieden, 200 gingen mit Ende 2016 in den Vorruhestand und 150 werden in kleinere Standorte verlegt, die durch Management-Buy Out entstanden sind. Vorerst verbleiben noch 700 in der Dampfturbinen-Entwicklung – doch auch hier wird schon offen über ein Ende gesprochen. Das Werk bestand seit über mehr als 100 Jahre und war einer der wichtigsten Arbeitgeber in dieser Region. Unter den Gesellschaftern Brown Boveri & Cie. (BBC), Asea Brown Boveri (ABB) und Alstom arbeiteten hier bis zu 12.000 Menschen. Auch der Standort Bexbach/Saarland wird schliessen. Der Mutter-Konzern hatte im Rahmen der Weltwirtschaftskrise in den USA nicht weniger als 31 Standorte geschlossen und 31.000 Arbeitsplätze wegradiert! In Europa sollen 6.500 der insgesamt 35.000 Stellen gestrichen werden. GE soll angeblich bis zu eine halbe Milliarde Euro für einen “guten Kompromiss” und “fairen Ausgleich” (so der GE Power AG-Vorstandsvorsitzende Alf Henryk Wulf) aufbringen. Wieviel davon jenen Menschen zukommt, die teilweise ihr komplettes Arbeitsleben hier verbracht haben, wurde freilich noch nicht verlautbart – das meiste wird wohl in den geplanten Konzernumbau fliessen. Ein schwacher Trost für die Demnächst-Arbeitslosen und eine glatte 5 in Sachen sozialer Kompetenz!!!

Zuletzt noch zu einem Aushängeschild der deutschen Ingenieurskunst: Bosch! Im Februar 2014 verabschiedeten sich 180 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Bosch Thermotechnik in Neukirchen im Kreis Zwickau mit Trauerflor und Kerzen am Werkstor von ihrem bisherigen Arbeitsplatz. Hier wurden Heizkörper produziert – nach Angaben von Bosch – seit Jahren defizitär! Zwar gründete der Konzern nach zähen Verhandlungen mit der Gewerkschaft eine Transfergesellschaft – trotzdem war in diesem Falle eine derartige Entwicklung durch die Chefetage selbst vorhersehbar, sodass nach 121 Jahren Werksgeschichte sicherlich ein besseres Ende hätte gefunden werden können. Ach ja – und da war dann auch noch die Bosch Solar CISTech. 160 Mitarbeiter haben im Mai vergangenen Jahres ihren Job verloren, nachdem die Konzernleitung die Schliessung des Photovoltaik-Werkes in Prenzlau/Brandenburg einleitete. Seit Mitte 2014 wurden Gespräche mit Investoren geführt – jedoch erfolglos. Vielen wurde eine Weiterbeschäftigung an anderen Standorten angeboten – auch den Azubis. Meine Meinung? Erste Klasse! Da wurde von der Familie ein Ausbildungs-Betrieb möglichst nahe vom Zuhause ausgesucht, wo der 15-jährige Nachwuchs die Grundvoraussetzungen fdür sein späteres berufliches Leben erhält. Dann wird dort dicht gemacht und die noch Minderjährigen müssen von zuhause weg, damit die Ausbildung abgeschlossen werden kann. Wenn seit 2014 Gespräche geführt wurden und die Import-Kontingentierungen für Billigware aus Fernost durch die GATT-Vereinbarungen schon zuvor gefallen sind, so sollte doch auch hier eine menschenwürdigere Lösung gefunden werden können, obgleich ein Sozialplan ausgefochten wurde. Einige wenige hatten Glück – sie kamen bei Oxford PV unter. Die britischen Photovoltaik-Hersteller übernahmen Grundstücke samt Produktionshallen um hier die Perowskit-Pilotlinie zu produzieren. Was also hat Bosch zuvor falsch gemacht?
Und da ja bekanntlich aller guten Dinge drei sind – die dritte Werksschliessung bei Bosch steht in Fellbach an. Auch der Betriebsrat des Bosch-Rexrodt-Standortes wurde Anfang März durch die Nachricht zur bevorstehenden Schliessung des Werkes überrascht (zur Erklärung: Der Betriebsrat hat Sitze im Aufsichtsrat). Anfang Februar wurde durch die Spartenleitung angekündigt, bis Ende 2018 rund 500 Stellen in Deutschland abbauen zu wollen. Neben Fellbach sind somit auch die Standorte im bayerischen Lohr und dem hessischen Ober-Ramstadt betroffen. Zweiteres steht ebenfalls zur Disposition! Sowohl Fellbach als auch Ober-Ramstadt stellt Standardkomponenten her. Derzeit werden Verhandlungen geführt, doch hiess es aus Gewerkschaftskreisen, der Eindruck habe sich verstärkt, dass es sich zumindest bei der Schliessung in Fellbach (100 Mitarbeiter) um eine reine Gewinnmaximierungs-Massnahme handle! Schliesslich soll die komplette Fellbacher Produktion nach Kocken/Rumänien verlagert werden. Bosch Rexrodt beschäftigt weltweit 30.000 Mitarbeiter (in Deutschland 15.000). Deutsche Ingenieurskunst Made in Romania! Fairerweise darf nicht unerwähnt bleiben, dass der Mutterkonzern in nächster Zeit 30.000 Stellen weltweit vesetzen wird: Mit Spezialisten aus dem IT-Sektor und der künstlichen Intelligenz!

Nach einem McKinsey-Bericht sollen weltweit bis 2020 nicht weniger als 80 Mio hoch- und mittelqualifizierte sowie 95 niedrig qualifizierte Jobs gestrichen werden. Logischerweise liegt die Verantwortung nicht alleine bei den Unternehmern, schliesslich kostete die Grenzöffnung für die Billigwaren aus Fernost hierzulande tausende Jobs – dort werden die Menschen nahezu wie Arbeitssklaven gehandelt. Haben immer mehr Menschen keine Beschäftigung, können sich auch immer weniger Produkte Made in Germany oder Austria leisten. Schon Henry Ford meinte einst:

“Autos kaufen keine Autos!”

Es liegt also am Konsumenten, eine solcherartige Personalpolitik zu belohnen!
Zuletzt zudem noch eine Tatsache, die kein Chef – schon gar nicht die allwissenden Zahlenschieber an der Spitze so manchen Finanz-Unternehmens vergessen sollte.

Ihr erkauft mit Eurem Geld die Lebenszeit von Menschen – keine Arbeitsroboter!!!

Lesetipps:

.) Wirkungsvolle Führung und nachhaltige Veränderungsprozesse; Manuela Grund; Verlag C.H.BECK
.) Aldi – Einfach billig: Ein ehemaliger Manager packt aus; Andreas Straub; Rowohlt Taschenbuch Verlag 2012
.) Planung, Finanzierung und Kontrolle im Familienunternehmen: Festschrift für Prof. Dr. Brun-Hagen Hennerkes; Dieter Jeschke (Hrsg.)/Rainer Kirchdörfer (Hrsg.)/Rainer Lorz (Hrsg.); C.H. Beck Verlag 2000
.) Gesellschaftsrecht: GesR; Henssler / Strohn; C.H. Beck Verlag 2016
.) The Single-Member Limited Liability Company (SUP); Prof. Dr. Peter Kindler; Nomos 2016
.) Das Beispiel Entlassungen – Sind schlechte Nachrichten gute Nachrichten für die Aktie?; Alexander Gabl; VDM 2013
.) Die Kündigung; Hubertus Meyer-Burckhardt; Ullstein Hardcover 2011

Links:

www.igmetall.de/
www.arbeit-und-arbeitsrecht.de
www.kündigungsschutz.com
www.anwalt.de
www.personalmanagement.info
www.haufe.de
www.online-abfindungsrechner.de

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Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf

…oder eben auch nicht. Dieser Tage hat eine Studie für helle Aufruhr gesorgt: Der DAK-Gesundheitsreport 2017. Er gibt an, dass 80 % der erwerbstätigen Deutschen unter Agrypnie leiden – sie schlafen schlecht! Das sind satte 34 Millionen Bundesbürger! Ein Anstieg von 66 % in der Altersgruppe der 35- bis 65-jährigen gegenüber 2010. DAK-Vorstandsvorsitzender Andreas Storm bringt es auf den Punkt:

“Viele Menschen kümmern sich nachts um volle Akkus bei ihren Smartphones, aber sie können ihre eigenen Batterien nicht mehr aufladen.”

Na ja – wir alle kennen sie, die Schlafstörungen. Doch – treten sie häufig oder gar chronisch auf, so kann dies zu schweren psychischen und physischen Erkrankungen führen. Am unangenehmsten ist jedoch für jeden Einzelnen die Reizbarkeit, Müdigkeit und Erschöpfung, vielleicht sogar ein übersteigertes Schlafbedürfnis (Hypersomnie) tagsüber, also dann, wenn wirklich Leistung gefordert wird. Schlaflose sind weniger kreativ, reagieren langsamer und können sich schlechter konzentrieren. Darunter leidet immens das soziale, vornehmlich aber das berufliche Umfeld des Patienten. Der DAK-Report spricht hier von rund 50 % der Arbeitnehmer, die während der Arbeit müde und gar 33 %, die erschöpft sind! Dabei steckt zumeist gar die Arbeit selbst hinter den Problemen. So manch Einer bewegt sich nahe seiner Belastungsgrenze, nur etwas weiter und schon klappt der Körper psychisch und physisch zusammen.
Die Mediziner kritisieren unterdessen, dass die Patienten meist zu spät einen Arzt ihres Vertrauens hinzuziehen: Nur 4,8 % suchten die Hilfe der Experten, um endlich wieder durchschlafen zu können. Vielen davon (rund einem Drittel) konnte mit einer Psychotherapie geholfen werden, da die Ursache psychologisch erklär- und behandelbar ist. Bei zirka 43 % kommen Medikamente zum Einsatz. Ärzte jedoch warnen vor einer Selbstmedikation bei Schlafmitteln – nahezu jeder zweite schlaflose Arbeitnehmer besorgt sich rezeptfreie Mittelchen. Allerdings besteht noch ein anderes Problem: Um organische Ursachen ausschliessen zu können, ist eine sorgsame und umfassende Aufarbeitung der Krankengeschichte des Patienten erforderlich. Hierzu fehlt jedoch den meisten Ärzten die Zeit, die sie zudem auch gar nicht bezahlt bekommen. Herr oder Frau Doktor greifen deshalb schon mal gerne zum Arzneiblock!
Gehen wir dem Ganzen auf den Grund, so hat so mancher Arbeitgeber hierbei nicht das Recht zu schimpfen. Die ständige Erreichbarkeit (nach Feierabend oder am Wochenende bzw. im Urlaub auch durch die Abfrage und Beantwortung von Mails), Schichtarbeit, Überstunden und der Termin- und Leistungsdruck sind jene Faktoren, die vonseiten der Erwerbstätigkeit verantwortlich für die sog. “Insomnie”, also die schwere Schlafstörung sein können. Der Stress als Ursache betrifft rund 20 % der Schlaflosen! Den Rest besorgen dann die Fernsehgewohnheiten, die Computerarbeit zuhause, das Smartphone… Konnten organische Ursachen ausgeschlossen werden, lässt sich die Schlaflosigkeit nach ICD-10 als Psychische Störung einordnen unter “F51 – nichtorganische Schlafstörungen”) – damit gehört die Agrypnie zu den psychischen Krankheiten.
Der Schlaf ist lebensnotwendig für den Menschen. So verarbeitet unser Gehirn die Ereignisse des Tages; das sorgt für die sog. “seelische Ausgeglichenheit”. Genügend Schlaf stärkt zudem das Immunsystem und die eine oder andere Organ- und Stoffwechselfunktion. Zu wenig Schlaf hingegen beeinflusst das Vigilanz-Niveau (Wachheitsniveau) am Tage, vermindert die Leistungsfähigkeit und begünstigt schliesslich Herz- und Kreislaufstörungen, Lungen- und Atemwegserkrankungen, Migräne und Kopfschmerzen, Erkrankungen des Verdauungstraktes, rheumatoide Arthritis, Nierenerkrankungen ja auch Parkinson, Multiple Sklerose, Krebs und vieles andere mehr. Bei chronisch Schlaflosen wurde sogar eine Verkleinerung des Hippocampus mittels eines Kernspintomographen festgestellt werden. Der Hippocampus befindet sich jeweils am Temporallappen und ist ein entscheidender Teil des limbischen Systems. Hier fliessen alle möglichen sensorischen Informationen zusammen, werden vorverarbeitet und schliesslich an den Cortex (Hirnrinde) weitergegeben.
Schlafstörungen haben die unterschiedlichsten Erscheinungsformen: Probleme beim Einschlafen, zu frühes Aufwachen, Wachphasen während der Nacht, Schnarchen bzw. nach Luft ringen, das Schenk-Syndrom, … Bei Kindern kommt bei einer zu grosszügig ausgelegten “Erziehung” noch das Trotz- oder Weigerungsverhalten hinzu: Sie wollen nicht zu Bett gehen! Eine chronische Schlafstörung liegt vor, wenn an zumindest drei Tagen die Woche kein erholsamer Schlaf stattfindet. So mancher Spezialist rät als erstes eine Schlafanalyse durchzuführen. Durch den Fragebogen der Epworth Schläfrigkeitsskala kann schon mal ein erster Anhaltspunkt zur Tagesschläfrigkeit in acht typischen, aber unterschiedlichen Alltagssituationen geschaffen werden.

http://www.vdbw.de/fileadmin/01-Redaktion/02-Verband/02-PDF/Vortr%C3%A4ge/LV_Berlin_-_Epworth_1_.pdf

Dieser Frageboden wird auch zur Verlaufs- bzw. Erfolgsmessung etwa bei CPAP-Patienten (Continuous Positive Airway Pressure) verwendet, einer speziellen Beatmungsform kombiniert mit Überdruck in der Lunge!
Dann geht es an die Nachtschläfrigkeit: Hier kann so manches App oder auch der eine oder andere Fitness-Tracker sehr behilflich sein. Leider verwenden dies tatsächlich nur 15 %. Mit einer solchen etwa 14-tägigen oder einmonatigen Analyse kann dann eine Schlafberatung wie jene der DAK (+49 40 325 325 805) konsultiert werden, falls eine Schwellenangst vor dem Arzt besteht. Auch ein Schlaflabor kann dabei sehr hilfreich sein – v.a. wenn es sich um Störungen des Tiefschlafes (erholsamen Schlafes) handelt. Hier werden mittels Elektroenzephalogramms die Hirnwellen (zumeist ein Mangel an Delta-Wellen) gemessen. Dies führt gerade bei älteren Männern zu Bluthochdruck.
Nun geht es an die Ursachensuche: Beruflicher oder privater Stress, eine ausgelegene Matratze, zu viel Licht im Schlafzimmer, zu viel Koffein, Alkohol oder Zigaretten, zu spätes Essen, Medikamente (z.B. Betablocker, Cortison, Verhütungsmittel,…), zu aufregendes Fernsehprogramm, ständig wechselnde Schlafgewohnheiten (etwa bei Schichtarbeit), … Auch Krankheiten wie ein Infekt, Magnesiummangel, Bluthochdruck, Schlafapnoe oder Depression und Parasomnien (etwa das Schlafwandeln) können für durchwachte Nächte sorgen – wenn auch nicht unmittelbar bewusst. Apropos: Rund 1/3 der Kinder zwischen vier und sechs Jahren bzw. rund 17 % bis zur Pubertät leiden unter Parasomnien, wie dem Schlafwandeln! Und da waren da noch die Herzinsuffizienz und die gutartige Vergrösserung der Prostata. Beides veranlasst zu häufigerem Toilettengang (auch in der Nacht), sodass der Schlaf auseinandergerissen wird.
Bei den sog. “sekundären Insomnien” können Ärzte helfen – die anderen Ursachen muss der Betroffene selbst aus dem Weg schaffen. So kann beispielsweise ein tägliches Schlafritual wahre Wunder bewirken:
.) Gehen sie stets zur selben Zeit zu Bett
.) Ein entspannendes Bad wirkt sich durchaus positiv aus
.) Leise und beruhigende Musik bezweckt Wunder
.) Ihre Füsse sollten warm sein (verwenden Sie notfalls Bettsocken)
.) Keine schweren Speisen am Abend
Zudem sollte das Schlafzimmer stets gut durchlüftet sein, Elektrogeräte wie Fernsehen, Laptops oder Handies haben im Schlafzimmer keine Existenzberechtigung, Am Nachmittag sollte kein Mittagsschläfchen mehr gehalten werden, kein TV-Schlaf (machen Sie besser etwas anderes, wenn sie auf der Couch müde werden), Streitereien vor dem Zu-Bett-Gehen wühlen zu sehr auf, auch Probleme gehören nicht in das Schlafzimmer. Sie können sich beispielsweise durch Yoga, Meditation oder Visualisierung entspannen. Schaffen Sie sich ihre eigene Traumwelt – kreieren Sie sich das Leben, das Sie schon immer haben wollten. So mancher Erfolgs-Buchautor hat so angefangen! Teilweise hat auch ein Umstellen des Betts oder ein Wechsel des Zimmers geholfen (Wasseradern, Magnetfelder,…).
Chemische Schlafmittel haben zumeist Nebenwirkungen, wie Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit und anderes mehr – bis hin zur körperlichen Abhängigkeit. Monatelanger oder gar jahrelanger Gebrauch kann sogar zum Restless Legs-Syndrom, zu Muskekrämpfen und Gedächtnisausfällen führen.
Die Natur bietet an sich viele Tipps aus Oma’s Besser-leben-Schatulle:
.) Weintrauben
Ernährungswissenschaftler schwören darauf – schon 300 g am Abend sorgen für ein leichteres Einschlafen. Die Trauben regen nämlich die Produktion des Hormons Melatonin an, das der Mensch für’s Müdewerden benötigt! Gleiches gilt übrigens auch für Bananen oder Nüsse! Verantwortlich dafür zeichnet das darin enthaltene Vitamin B!
.) Vanille
Das Gewürz wirkt sehr beruhigend auf die menschlichen Nerven. Deshalb griffen schon die Höflinge, also jene Menschen, die sich’s leisten konnten, im 17. Jahrhundert auf diese Frucht der tropischen Orchidee zurück. Übrigens schmeckt es nicht nur in Mandel-Milch ausgezeichnet. In der Aromatherapie etwa wird die Vanille gegen beispielsweise Angstzustände eingesetzt. Dieselbe Bedeutung kommt übrigens alsdann dem Zimt zu.
.) Heilpflanzen
Die wohl bekannteste beruhigend wirkende Heilpflanze ist der Baldrian. Ein halber bis ein Teelöffel der selbstgemachten Baldrian-Tinktur etwa eine Stunde vor dem Schlafengehen lässt Sie wegschlummern wie nichts. Aber auch verschiedene Pflanzen wie Kamille, Katzenminze oder die Passionsblume entspannen und beruhigen. Hopfenblüten, Beifuss und Lavendel bzw. Rosmarin können zudem hierfür verwendet werden. Das alles am besten in Form eines Kräuter-Kisschens im Schlafzimmer positioniert, macht aus Ihnen einen neuen, ausgeschlafenen Menschen. Auch der sog. “Rauschpfeffer” (Kava-Kava) wirkt angstlösend! Bei ihm wird sogar befürchtet, dass die Pharmaindustrie eine zu grosse Konkurrenz vermutete und ihn verbieten liess. Deshalb gibt es den Rauschpfeffer nur in Form von homopathischen Mitteln.

https://www.youtube.com/watch?v=DuUOtTu_t4s

Spätestens 30 Minuten nach dem Zu-Bett-Gehen sollte Mann und Frau vom Schlaf überwältigt werden. Bei älteren Menschen dauert es etwas länger. Vor 05.00 Uhr morgens müssen die Sandmännleins am Werke sein. Bei älteren Menschen ist die Weckschwelle zumeist geringer – sie wachen des öfteren während der Nacht auf. Schnarchen ist zwar störend – v.a. für die zumeist Partnerin, jedoch noch nicht unbedingt gesundheitsgefährdend. Wird das Ganze jedoch zur Schlafapnoe muss unbedingt dagegen agiert werden. Der Körper erhält dabei zu wenig Sauerstoff – der Betroffene wacht mehrfach auf. Das zerstückelt den Schlaf – Tiefschlaf- und REM-Phasen werden meist gar nicht oder zu wenig erreicht. Hier kann wirklich nur der Arzt Ihres Vertrauens helfen. Auch beim ersten Auftreten von Zeichen des Schenk-Syndroms sollte Hilfe in Anspruch genommen werden! Hier werden Trauminhalte sehr intensiv ausgelebt. Dabei wird im Schlaf etwa der Bettpartner als Angreifer betrachtet – ein nicht zu unterschätzendes Gefahrenpotential, da der Betroffene gewalttätig wird! In rund 7 % der Fälle kann es gar zu Knochenbrüchen kommen. Dieses Syndrom tritt bei rund 0,5 % der Bevölkerung – vornehmlich bei Männern auf. Ach ja und da war dann auch noch das sog. Pavor nocturnus – wie der Name schon ankündigt: Etwas wahrhaft teuflisches! Der Betroffene wacht mit einem lauten Schrei aus dem Tiefschlaf auf – allerdings nicht zur Gänze. Kinder beispielsweise können sogar aus dem Bett springen. Dahinter steckt ein massiver Angstschub, der vom autonomen Nervensystem ausgelöst wird und sich durch stark beschleunigten Herzschlag und Atmung erkennbar macht, häufig begleitet von geröteter Haut. Zumeist sind Kinder hiervon betroffen, es legt sich mit dem Älterwerden. Forscher meinen herausgefunden zu haben, dass sowohl dieses Pavor nocturnus als auch das Schlafwandeln durch psychische Faktoren ausgelöst wird: Stress oder Schlafmangel – aber auch durch beispielsweise Fieber!

“Gut schläft, wer gar nicht merkt, daß er schlecht schläft.”
(Publilius Syrus, wahrscheinlich 90 – 40 v. Chr.)

Übrigens: Auch bei nicht-erholsamen Schlafes spricht die Forschung und Medizin von einer Schlafstörung! Die nächtliche Ruhe besteht aus mehreren Stadien:
- Einschlafphase
- Leichtschlaf
- Tiefschlaf
- REM-Schlaf
In der Einschlafphase sackt der Mensch immer tiefer in die Beruhigung und Entspannung. Der Körper wird schwer, der Puls langsamer, die Atmung tiefer, die Zahl der Atemzüge geringer. Es ist vorerst noch oberflächlicher Schlaf, der durch Kleinigkeiten gestört werden kann.
Rund 50 % der hoffentlich sieben bis acht Stunden Nachtruhe spielt sich in der Leichtschlafphase ab. Das Gehirn arbeitet nur mit niedrigen Frequenzen, das Bewusstsein ist ausgeschaltet, die Muskeln entspannt.
Die geistige und körperliche Erholung findet im Tiefschlaf statt. Der Körper ist komplett entspannt. Wird eine Person im Tiefschlaf geweckt, so dauert es eine ganze Weile, bis eine bewusste Wahrnehmung stattfinden kann.
Die REM-Phase wird häufig als “Traumphase” bezeichnet. Dieses Stadium ist gekennzeichnet durch die schnellen Augenbewegungen (“Rapid Eye Movement”). Es ist die Arbeitszeit des Gehirns, deutlich auch im EEG zu erkennen: Tageserlebnisse, emotionale Eindrücke, ja auch die Formatierung des Gedächtnisses! Fehlt diese Phase, bleiben all die Informationen unbearbeitet!
Diese Phasen werden mehrfach pro Nacht wiederholt, ein kompletter Zyklus dauert rund 1,5 Stunden – aufgeteilt in 50 Minuten Einschlaf- und Leichtschlafphase sowie 40 Minuten Tief- und REM-Schlaf.
Ob nun ein Schlaf mit all seinen REM und Non-REM-Phasen erholsam war oder nicht, sieht man wohl am besten am nächsten Tag. Für das Testen stehen die unterschiedlichsten Verfahren zur Verfügung, wie beispielsweise der Oxford Sleep Resistance Test, der d2-Test oder auch das Frankfurter Aufmerksamkeits-Inventar (FAIR). Besteht der Schlaf aus zu wenig erholsamen Phasen, führt dies zur Ausschüttung von Cortisol und Interleukin-6, die im Gehirn anatomische Veränderungen veranlassen.
Zuletzt noch ein wichtiger Hinweis: Bleiben Sie gedanklich am Boden! Gesunder Schlaf sollte niemals idealisiert werden, da dies genau das Gegenteil bewirken kann: Schlafstörungen, Probleme beim Einschlafen, ….

PS: Mir ist zu Ohren gekommen, dass auch guter Sex vor dem Schlaf Wunder bewirken solle! Probieren geht über studieren…!!!

Lesetipps:

.) Praxis der Schlafmedizin; B. Stuck u. a.; Springer 2009
.) Gut schlafen – fit am Tag: Ein Traum?; U. Schäfer u. a.; ABW Wissenschaftsverlag 2004
.) Praxis Der Schlafmedizin: Schlafstörungen bei Erwachsenen und Kindern. Diagnostik, Differentialdiagnostik Und Therapie; B. Stuck u. a.; Springer 2009
.) Kurzintervention bei Insomnie (KI): Eine Anleitung zur Behandlung von Ein- und Durchschlafstörungen; Markus B. Specht, Elena Spaude, Alexandra Kaluza; Kohlhammer Verlag 2014
.) Diagnostik und Therapie von Schlafstörungen; Jürgen Staedt/Dieter Riemann; Kohlhammer 2007
.) Schlafmedizin in der Praxis. Die internationale Klassifikation von Schlafstörungen in Fallberichten; Svenja Happe, B. W. Walther, H. Schulz (Hrsg.); ecomed 2009
.) So geben Sie Ihr Bestes: Ein ganzheitliches Mentaltraining in 7 Stufen; K. Tepperwein u. a.; MI Wirtschaftsbuch 2006

Links:

www.dak.de/dak/gesundheit/Schlaf-1096882.html
www.schlaf.de
www.dgsm.de
www.schlafzentrum.med.tum.de
www.atmungundschlaf.de
www.vdbw.de/
www.schlafmedizin-essen.de
www.akademie-der-naturheilkunde.ch
www.assessment-info.de
www.researchgate.net

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“Das geht zu weit!”

Soweit die erste Reaktion des niederländischen Premierministers Mark Rutte auf die Aussagen seines türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan, der von “Vergeltung”, “Faschisten” und “Relikt des Nationalsozialismus” sprach, nachdem sein Aussenminister nicht in Rotterdam landen durfte und seine Sozialministerin wieder nach Deutschland zurückgeschickt wurde. Man wird ja langsam nicht den Eindruck los, dass nurmehr der Meister selbst in seinem Prunkpalast sitzt, ab und zu wieder einen Selbstmörder auf der Brücke über den Bosporus rettet und alle anderen Regierungsmitglieder ausgeflogen sind, um bei den Auslandstürken, also jenen Türken, denen es ausserhalb der Türkei gut geht, die sich frei bewegen, ihre Meinung äussern dürfen und auch gar nicht mehr zurück in die Türkei möchten – die damit also auch rein gar nichts zu tun haben – Stimmen zu sammeln, da die Inlandstürken, also jene Türken, denen es schlecht geht und die unmittelbar davon betroffen sind, gegen die Präsidialdiktatur stimmen könnten. Ein Gesetz für das Inland wird im Ausland entschieden – meines Erachtens ein Armutszeugnis, wie es schlimmer nicht sein könnte. Denn: Innenpolitik heisst ja schliesslich deshalb “Innenpolitik”, weil sie in einem Staat passieren sollte – alles andere ist Aussenpolitik. Finden hier alsdann Beleidigungen statt, so sind dies “Diplomatische Konflikte”, deren Auswirkungen im Eifer des Gefechtes nicht unterschätzt werden sollten! Die niederländische Botschaft wurde inzwischen hermetisch abgeriegelt, der Botschafter erhielt Einreiseverbot – ja es wurde sogar ein Holsteinrind symbolisch geschlachtet bzw. zig andere des Landes verwiesen (!). Demonstranten verbrannten lautstarkt die Nationalhymne singend eine vermeintliche niederländische Flagge (es war jedoch eine französische – egal hauptsache rot-weiss-blau), ein Anrufer, der ebenfalls die türkische Nationalhymne abspielte, landete bei der Polizei in Rotterdam (allerdings im US-Bundesstaat New York),… – man möchte meinen, ein ganzes Volk dreht derzeit durch. Der türkische Aussenminister Mevlüt Cavusoglu sprach nun gar erstmals von einem Glaubenskrieg in Europa! Geht es hier um die diktatorischen Absichten eines Politikers oder um religiöse Fragen??? Alsdann haben auch Dänemark, einzelne Bundesländer Deutschlands und das kleine Tirol Wahlkampfveranstaltungen verboten, Ursula von der Leyen überlegt den Abzug der Bundeswehr vom NATO-Stützpunkt in der Türkei (weshalb erst jetzt?). Erdogan führt einen Trumpschen Wahlkampf für seine allumfassende Macht. Er ist es auch, der sich damit immer mehr selbst in’s Aus manövriert. Immer mehr Gelder aus der EU werden gestrichen, das Flüchtlingsabkommen ist vielleicht eine offiziell saubere Lösung – doch werden viele der Menschen einfach, durch Militärs begleitet, hinter dem Grenzzaun im Kriegsgebiet abgesetzt. Die Türkei benötigt die europäischen Zahlungen, da die Wirtschaft derzeit am Boden liegt und Erdogans neuer Busenfreund Putin mit sich selbst zu schaffen hat. Bevor ich jedoch noch mehr dem Politisieren verfalle, möchte ich der Androhung Cavusoglus etwas mehr Aufmerksamkeit schenken und an dieser Stelle mal wieder einen History-Blog anbieten. Einige Zeilen zu den “Türkenkriegen” um diese dunkle Zeit zum Wohle beider Seiten etwas in’s rechte Licht zu rücken.
Nachdem das oströmische, byzantinische Reich am 29. Mai 1453 durch den Tod des letzten Kaisers Konstantin XI. während der Belagerung Konstantinopels durch den Osmanen Mehmet II. unterging, eigneten sich diese auch die Gebiete des Kaiserreiches an. Es begann die Zeit der Türkenkriege, da die osmanischen Türken immer mehr in Richtung Norden vorstachen. Doch bildeten interessanterweise stets die grössten Teile des Sultan-Heeres nicht etwa die anatolischen Türken, sondern die Bevölkerungen aus den eroberten Gebieten Griechenlands, Bulgariens, Serbiens, Albaniens, Bosniens und nicht zuletzt auch die Walachen. Simpel formuliert: Mann musste nicht unbedingt der Bibel abschwören, um bei den Türken gross Karriere zu machen. Zudem verbündete sich Frankreich immer wieder mit den Osmanen, wenn es gegen gemeinsame Feinde ging. Die Gegner der Osmanen waren über Jahrhunderte hinweg das Heilige Römische Reich deutscher Nation unter den Habsburgern, die Republik Venedig, sowie die beiden Königreiche Ungarn und Polen-Litauen. Ab dem 17. Jahrhundert zudem das russische Zarenreich.
Der Erste Österreichische Türkenkrieg wurde durch die Machtstreitigkeiten zwischen dem Habsburger Ferdinand I., seinem Adoptivbruder bzw. Schwager Leopold II. von Ungarn und dem Ungarn Johann Zapolya ausgelöst. Letzterer verbündete sich mit den Osmanen, die damit nahezu ohne Gegenwehr (Ausnahme die Schlacht von Mohács) bis nach Pressburg vorstiessen. Von Glaubenskrieg also keine Spur! Die Belagerung Wiens fand zwischen dem 21. September und dem 15. Oktober 1529 statt.

https://www.youtube.com/watch?v=MXEZnDIQIuE

Dann liessen die Türken wieder ab, da sie von Seuchen gezeichnet Probleme mit dem Nachschub bekamen. Der spanische König Karl V. hatte es anno 1530 auf die ungarische Krone abgesehen und einige Kämpfe gegen die Türken auf ungarischem Gebiet ausgefochten. Zwei Jahre später zog sich allerdings Süleyman I. “Der Prächtige” weitestgehend mit seinem Heer zurück – der Hintergrund dafür lag im Nürnberger Religionsfrieden, den der österreichisch-deutsche Kaiser mit den protestantischen Fürsten Deutschlands geschlossen hatte und somit auch deren Hilfe erwarten konnte. 1537 verlor das Heer Ferdinands an der heutigen slowenischen Grenze eine entscheidende Schlacht – es folgte ein Friedensvertrag mit den Türken und ein Waffenstillstandsabkommen mit dem Ungarn Zapolya.
Nachdem die Osmanen nahezu einmal jährlich in das Kaiserreich einfielen, folgte zwischen 1593 und 1606 der “Lange Türkenkrieg”. In den anschliessenden Verhandlungen wurde Frieden geschlossen – Österreich kostete dieser rund 200.000 Gulden.
Nun kämpften die Osmanen gegen die in Siebenbürgen und Moldau eindringenden Polen, mischten sich in den russisch-polnischen Krieg ein und bekämpften auf Kreta die Venezianer.
Im Jahre 1663 scheiterten die Versuche der Verlängerung des Friedensvertrages zwischen den Habsburgern und dem Großwesir Ahmed Köprülü, der daraufhin rund 100.000 Mann in Bewegung setzte. Nachdem er bei Gran die österreichischen Truppen bezwungen hatte und deren Festung Neuhäusl fiel, startete er im Mai 1664 zum zweiten Feldzug der Türken gegen die Habsburger. 40.000 Türken standen am Fluss Raab rund 25.000 Mann auf Seiten der Österreicher gegenüber, die durch einige deutsche Fürsten und Kurfürsten (wie Bayern, Schwaben, Westfalen,…) aber auch einem französischen Hilfskorps unterstützt wurden. In den Morgenstunden des 01. August begann die zehnstündige offene Feldschlacht. Das Heer des kaiserlichen Oberbefehlshaber Raimondo di Montecuccoli blieb erfolgreich. 10.000 toten Türken standen 2.000 Tote bei den Österreichern gegenüber. Der Grosswesir musste zehn Tage später den 20-jährigen Frieden von Eisenburg unterzeichnen.
Leopold I. bekam es danach mit dem französischen König Ludwig XIV. zu tun, der sein Land in Richtung Osten ausdehnen wollte und deshalb die benachbarten deutschen Fürstentümer angriff. Der Franzose war es schliesslich auch, der Sultan Mehmed IV. zu einem weiteren Feldzug gegen die Habsburger anstachelte. Mit rund 150.000 Mann belagerte der neue Oberbefehlshaber und Grosswesir Kara Mustafa ab Juli 1683 erneut Wien. Der kaiserliche Feldherr Herzog Karl von Lothringen hatte zuvor die strategisch wichtigen Punkte Neuhäusl und Gran einnehmen wollen. Als er jedoch bemerkte, dass dies die Türken auf ihrem Vormarsch nicht störte, zog er sich mit 30.000 Mann nach Wien und Umgebung zurück. Der Kaiser hatte die Stadt zuvor verlassen. Immer wieder versuchte der Sultan die Wiener zur Aufgabe zu bewegen. Diese aber hielten mutig durch, nachdem gesehen wurde, wie das Umland gebrandschatzt und die Bewohner in die Sklaverei getrieben wurden. Besonders traurig: Das Massaker von Perchtoldsdorf. Nach der feierlichen Übergabe des Stadtschlüssels wurden alle Bewohner massakriert! Das Entsatzheer mit 80.000 Mann führte am 12. September der polnische König Jan III. Sobieski an. Nachdem das österreichische Heer gemeinsam mit den Sachsen am linken Flügel Erfolge einfuhr, überrannten die polnischen Reiter die Janitscharen-Leibwache des Grosswesirs, der daraufhin flüchten musste. Die Schlacht am Kahlenberg war die letzte grosse Schlacht gegen die Türken. Kara Mustafa übrigens wurde im Dezember desselben Jahres in Belgrad auf Befehl des Sultans erdrosselt.

“Es war, als wälze sich eine Flut von schwarzem Pech bergab, die alles, was sich ihr entgegenstellt, erdrückt und verbrennt.”
(Der türkische Chronist Mehmed, der Silâhdar, beim Anblick des Entsatzheeres)

Prinz Eugen von Savoyen war alsdann zwar schon ein, nicht jedoch DER Befreier Wiens. Er war zu diesem Zeitpunkt Oberstleutnant und kämpfte an der Seite seines Cousins Ludwig Wilhelms von Baden. Die Ehre gebührt eigentlich dem Polen Jan III. Sobieski, dem Herzog Karl von Lothringen und dem Grafen Starhemberg.
1684 wurde zwischen dem Kaiserreich und Venedig, dem Vatikan und Polen der Vertrag zur “Heiligen Liga” unterzeichnet. Ziel war das gemeinsame Vorgehen gegen die osmanischen Angreifer, denn bislang führte jeder seinen eigenen Krieg mit ihnen. Karl von Lothringen setzte inzwischen den sich zurückziehenden osmanischen Truppen mit 18.000 Soldaten nach. Mit der Hilfe Ludwig Wilhelms von Baden (“Türkenlouis”) und Prinz Eugen von Savoyen wurde nach den beiden Schlachten von Zenta und Peterwardein 1686, sowie der Schlacht von Mohács 1687 Ungarn befreit. Dabei schlug endlich die grosse Stunde des Prinz Eugen, der anstelle von Friedrich August von Sachsen den Oberbefehl über die Truppen erhielt, als der “Türkenlouis” vom Kaiser an die Westfront beordert wurde. Nachdem die kaiserlichen Truppen einem türkischen Grossangriff standhielten, führte Eugen von Savoyen den Gegenangriff an, durchstiess die Stellungen der Türken und erreichte als erster das Zelt des bereits geflohenen Grosswesirs. 800 gefallenen Österreichern standen 10.000 gefallene Türken gegenüber. Durch diesen glorreichen Sieg sicherten sich die Habsburger das Erbrecht auf die ungarische Stephanskrone. Anschliessend wurde Eugen von Savoyen an die Westfront gegen die Franzosen abberufen (Pfälzischer Erbfolgekrieg). Als dieser bendet war, sammelte er erneut die Truppen in Ungarn und fügte den Osmanen, die inzwischen wieder entscheidende Gebietseroberungen verzeichnen konnten, bei deren versuchten Überquerung der Theiss bei Zenta die entscheidende, vernichtende Niederlage zu. Durch den Frieden von Karlowitz verloren die Türken alle Eroberungen des vorherigen 16. Jahrhunderts – Österreich stieg zur Grossmacht auf.
Die restlichen Kriege zwischen den Österreichern und den Türken wurden vornehmlich auf dem Balkan bzw. in Rumänien geführt – den Hintergrund bildeten Gebietsaneignungen. So erzielte etwa Prinz Eugen von Savoyen in der Schlacht von Petrovaradin einen entscheidenden Sieg im 5. Türkenkrieg der Österreicher. Er nahm zudem Temeschburg und Belgrad ein, was ihn endgültig zum Volkshelden aufsteigen liess. Und dies, obgleich Lieselotte von der Pfalz über ihr Pflegemündel meinte, dass er einen „schmutzigen sehr debauchierten“ Jungen darstelle, der es wohl zu nichts bringen würde. Die Geschichte zeigt: Gottlob lag sie falsch!

https://www.youtube.com/watch?v=MXEZnDIQIuE

Im Anschluss an den letzten österreichischen Türkenkrieg mussten sich die Habsbruger nach dem Tod Josefs II., der damals im Rahmen des Bündnisvertrages mit Katharina II. von Russland in den Krieg eingezogen war, unter Leopold II. einem osmanisch-preussischen Bündnis geschlagen geben. Die Grenzen wurden im Frieden von Sistowa festgelegt.
Nachdem die Osmanen in Nordafrika, auf dem italienischen Stiefel, auf offener See im Mittelmeer und auf dem Balkan, sowie im Osten durch die Portugiesen und Perser bekämpft wurden, mischte sich 1739 auch der russische Zar ein. Sein Ziel war die Rückeroberung Konstantinopels für die orthodoxen Christen sowie die freie Durchfahrt am Bosporus. Das führte zu der perversen Situation, dass die anderen europäischen Länder ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen gefährdet sahen. Sie unterstützten die Osmanen 1878 im Krimkrieg gegen die Russen.
Venedig führte acht Türkenkriege, Österreich sieben, Polen derer drei, Russland 10. Was als Glaubenskrieg begonnen wurde, avanzierte schon recht bald zum üblichen machtpolitischen Krieg. Wie wäre ansonsten das Bündnis mit dem “katholischsten König aller”, dem französischen Königshaus oder dem schwedischen Königshaus zu erklären? Die Türken haben sich so häufig bereits an Europa die Zähne ausgebissen! Alles deutet darauf hin, dass sie das auch dieses Mal tun werden. Mal ehrlich: Würden Sie mit jemandem Geschäfte machen, der immer nur fordert, sie bedroht und als Nazi beschimpft??? Ich würde seinem Vorbild folgen und ihn anzeigen!

PS:
Obgleich nach wie vor noch nicht eindeutig geklärt ist, ob Prinz Eugen von Savoyen homosexuell war oder nicht, benannte Hitler ein Kampfschiff und auch die 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division nach dem Feldherrn!!!

Lesetipps:

.) Geschichte Südosteuropas, vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart; Konrad Clewing/Oliver Jens Schmitt (Hrsg.); Pustet Regensburg 2012
.) The Ottoman Empire 1326–1699; Stephen Turnbull; Osprey Publishing 2003
.) History of the Ottoman Empire and modern Turkey; Stanford J. Shaw/Ezel Kural Shaw; Cambridge University Press 1976
.) Die Türkenkriege in der historischen Forschung (= Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte; 13); Zygmunt Abrahamowicz; Deuticke 1983
.) Jan Sobieski. Der Retter Wiens; Gerda Hagenau; Amalthea, 1983
.) Unser Heer. 300 Jahre Österreichisches Soldatentum in Krieg und Frieden; Herbert St. Fürlinger (Hrsg.); Verlag H.Fürlinger 1963
.) Das Kreuz und der Halbmond. Die Geschichte der Türkenkriege; Klaus-Peter Matschke; Artemis und Winkler 2004
.) Kara Mustafa vor Wien. Das türkische Tagebuch der Belagerung Wiens 1683, verfaßt vom Zeremonienmeister der Hohen Pforte (= Osmanische Geschichtsschreiber. Band 1); Richard F. Kreutel (Hrsg.); Styria 1975
.) Doppeladler und Halbmond. Entscheidungsjahr 1683; Thomas M. Barker; Styria 1982
.) Reich und Türkengefahr im späten 16. Jahrhundert. Studien zu den politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen einer äusseren Bedrohung; Winfried Schulze; Beck 1978
.) Rot-weiß-rote Schicksalstage. Entscheidungsschlachten um Österreich; Richard Schmitt/Peter Strasser; Residenz 2004
.) Die Türken vor Wien in Augenzeugenberichten; Walter Sturminger (Hrsg.); dtv 1985
.) Prinz Eugen. Feldzüge und Heerwesen; Peter Broucek/Erich Hillbrand/Fritz Vesely; Deuticke 1986
.) Prinz Eugen. Europas heimlicher Herrscher; Franz Herre; Deutsche Verlagsanstalt 1997

Links:

www.hgm.at
www.habsburger.net
www.eslam.de
www.tuerkenbeute.de
www.kriegsreisende.de
www.genealogy.net
www.wien-konkret.at
www.landesarchiv-bw.de
digi.ub.uni-heidelberg.de
www.hsozkult.de
www.belvedere.at

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Fasten – ja, aber…

Mit dem Aschermittwoch hat die katholische Fastenzeit begonnen, die Orthodoxen waren schon etwas früher damit beschäftigt, in den protestantischen Kirchen heissen die paar Wochen übrigens “Passionszeit”. In diesen 40 Tagen vor dem christlichen Hochfest Ostern. sollen sich die Gläubigen mittels Verzichtes und dem Beten auf den Tod Christi und dessen Auferstehung vorbereiten, die Schuldigen sollen ihre Taten büssen, die Seelen ganz allgemein gereinigt werden. Geschichtlich übrigens gehen die 40 Tage auf das 4. Jahrhundert zurück – zuvor war es das nach wie vor bestehende, nicht der Fastenzeit zugehörige, zweitägige Trauerfasten am Karfreitag und Karsamstag. Nach Mt. 4,2 eu soll Christus ebenfalls 40 Tage lang in der Wüste betend gefastet haben. Der Zahl “40″ kommen in der Bibel noch mehrere andere Bedeutungen zu. Aufgrund unterschiedlicher Zählweisen (mit und ohne Sonntage) endet diese Fastenzeit entweder am Palmsonntag oder am Gründonnerstag. Nach den gestrengen Regeln des Mittelalters durften währenddessen keine tierischen Produkte wie Fleisch, Milch oder Eier gegessen aber auch kein Alkohol getrunken werden. Somit erklärt sich die Sitte des Kiachl- oder Krapfenbackens in der Faschingszeit – diese Vorräte wurden während der Fastenzeit verzehrt. Im Französischen heisst übrigens der Faschingsdienstag aufgrund dessen “Mardi Gras” (“fetter Dienstag”). Gegessen wurde während dieser 40 Tage nur am Abend – ähnlich wie im Islam während des Ramadam oder im jüdischen Jom Kippur. Im 15. Jahrhundert konnte man sich mittels des sog. “Butterpfennigs” zumindest vom Verbot der Milchprodukte freikaufen. Noch genauer möchte ich heute nicht auf die Bestimmungen des Fastens und deren historischen Hintergründe eingehen. Wer es genau wissen möchte, dem sei als Literatur die apostolische Konstitution Paenitemini von Papst Paul VI. empfohlen.
Interessant übrigens ist die Sitte des Starkbiers, das meist zu Beginn der Fastenzeit angestochen wird. Es entwickelte sich aus dem Fastenbier, das weniger in der Zeit vor Ostern als vielmehr an anderen Fastentagen getrunken wurde. Das bayerische Grundnahrungsmittel half den Mönchen über die entbehrungsreiche Zeit hinweg, besitzt doch Bier die meisten lebensnotwendigen Inhaltsstoffe. Wie hingegen sich der Alkohol mit den aktuellen katholischen Fastengesetzen vor Ostern verträgt, sei erstmal dahingestellt.
Neben all den Entbehrungen sollen während der Fastenzeit auch Opfer gebracht, an Andachten teilgenommen und die Nächstenliebe vermehrt praktiziert werden.
Andere Kirchen – andere Sitten! So empfiehlt etwa die Orthodoxe Kirche nicht ein Fasten auf “eigene Faust” – es müsse vielmehr mit Gott und dem Priester abgeklärt werden. Doch betrifft dies wohl eher den Verzicht auf Nahrung. In der lutherischen Kirche geht es mehr um die Gesinnung. Schrieb doch Martin Luther in seinem Sermon:

“Ich will jetzt davon schweigen, dass manche so fasten, dass sie sich dennoch vollsaufen; dass manche so reichlich mit Fischen und anderen Speisen fasten, dass sie mit Fleisch, Eiern und Butter dem Fasten viel näher kämen … Wenn nun jemand fände, dass auf Fische hin sich mehr Mutwillen regte in seinem Fleisch als auf Eier und Fleisch hin, so soll er Fleisch und nicht Eier essen. Andererseits, wenn er fände, dass ihm vom Fasten der Kopf wüst und toll oder der Leib und der Magen verderbt würde […], so soll er das Fasten ganz gehen lassen und essen, schlafen, müßig gehen, so viel ihm zur Gesundheit nötig ist.”

Ähnliche Meinung vertrat auch der helvetische Reformator Ulrich Zwingli, der demonstrativ am ersten Fastensonntag ein grosses Wurstessen veranstaltete.
Viele Menschen nutzen diese Fastenzeit um auf etwas zu verzichten. Einige trinken keinen Alkohol oder rauchen nicht, andere lassen die Schokolade links liegen (oder versuchen es zumindest). Manche lassen das Auto in der Garage stehen und andere sind digital oder am Handy nicht erreichbar. Diese Idee stammte vom Hamburger Pastor Hinrich Westphal aus dem Jahre 1983 (“7 Wochen ohne”).
Doch – bleiben wir beim Essen. Das Fasten ist nicht als Diät zu verstehen. Wer abnehmen möchte, hat bessere Möglichkeiten. Der Verzicht auf feste Nahrung für eine gewissen Zeit wird seit Jahrhunderten etwa in der russische Medizin eingesetzt. Es soll den Körper entschlacken und von giftigen Stoffen sowie Stoffwechselendprodukten befreien. Fünf Tage ohne feste Nahrung – die Harten versuchen es gar über sieben Tage. Nur Suppe, Gemüsesäfte, Tee und v.a. Wasser. Sind die Zuckerreserven aufgebraucht, geht es an die tatsächliche Entschlackung: Es beginnt der Fettabbau. Der Todpunkt ist stets der dritte Tag (“Fastenkrise”). Der Kreislauf ist am Boden, Kopfschmerzen treiben einen zur Raserei, Müdigkeit und Frierattacken plagen den Körper. Letzteres ist sehr lästig, allerdings ein Zeichen dafür, dass man sich auf dem richtigen Weg befindet. Der Körper benötigt zur Schaffung der Körpertemperatur Zucker, der in den Zellen “verbrannt” wird. Durch diese Frierattacken signalisiert er, dass kein Zucker mehr vorhanden ist – nun muss auf anderes zurückgegriffen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt überwiegen Stress und schlechte Laune durch den ständigen Hunger. Danach beginnt die Ausschüttung von Glückshormonen (“Fastenhigh”) aufgrund der Selbstheilung des Körpers (Sanogenese). Einher geht der wichtige Zellerneuerungsprozess. Durch Bewegung wird diese Entschlackung noch gefördert, da der Körper ja irgendwoher die Energie nehmen muss. In den Fettdepots haben sich Umweltgifte wie Dioxin, PCB und Weichmacher angesammelt, die ansonsten nur sehr langwierig abgestossen und ausgeschieden werden. Dies geschieht nun deutlich rascher. Bei Fastenden wurden derartige Toxine vermehrt im Blut festgestellt. Über Leber und Nieren werden sie ausgefiltert.
Das Heilfasten soll bei Problemen mit den Gelenken (wie Rheuma oder Arthrose), bei Bluthochdruck, Depressionen, Diabetes und nicht zuletzt Übergewicht helfen. Trotzdem muss vor einem Heilfasten auf jeden Fall ein Arzt zu Rate gezogen werden. Schliesslich kann es unter Umständen zum Muskelabbau und Auswirkungen am Knochenskelett kommen. Nach der Kur sollte nach und nach wieder der Essrhythmus gefunden werden. Durchaus bewusster, da die Speisen, die nun wieder gegessen werden, höher geschätzt werden. Ist das nicht der Fall, so nimmt man innerhalb kürzester Zeit die zuvor abgespeckten zwei bis drei Kilo Körpergewicht binnen weniger Tage wieder zu (Jojo-Effekt). Deshalb eignet sich das Kur- oder Heilfasten auch nicht ausschliesslich zum Abnehmen. Und ausserdem: Manche Fastenprogramme sind sogar schädlich!
Jeder Mensch kann sich auf eine Fastenwoche vorbereiten. Ein oder zwei Tage pro Woche sind empfehlenswert. Wer die Fastenkur dann in Angriff nimmt, sollte es nicht alleine machen. Gemeinsam mit einem Familienmitglied oder einer Bekannten/einem Bekannten kann zwar auch nicht gerade von Spass gesprochen werden, doch fällt vieles leichter. Verfassen Sie auch jeweils ein Fastenprotokoll mit dem abgenommenen Gewicht und den Emotionen, wie Sie sich dabei fühlen. Hilfe verspricht auch beispielsweise eine Fastengruppe. Erfahrene Menschen, die wichtige Tipps und Hinweise geben können. Sie können unter Umständen auch zur passenden Fastenkur raten:

.) Buchinger-Fastenprogramm
Die ursprüngliche Buchinger.-Methode dauert über 10 bis 40 Tage und ist eine Trinkkur, in deren Rahmen dem Körper nur 250 bis max. 500 Kalorien pro Tag zugeführt werden sollen. Dadurch können schädliche Ablagerungen (beispielsweise Bauchfett) wie bei einer Müllverbrennungsanlage abgebaut werden. Dr. Otto Buchinger (1878 bis 1966) selbst musste eine krankheitsbedingte Fastenkur durchhalten und merkte danach, wie es seinem Körper besser ging. Deshalb spricht er auch von “Körper- und Psychohygiene” in den “Drei Dimensionen”: Der medizinischen, der psychosozialen und der spirituellen. Das Fasten soll die Selbstheilung des Körpers ankurbeln. Beispiel für eine kompakte Woche: Den Beginn macht ein Entlastungstag, es folgen fünf Fasten- und schliesslich zwei Aufbautage. Bereits am Entlastungstag sollte auf Fleisch und Zucker sowie Kaffee verzichtet werden. Die Fastentage beginnen jeweils mit Wasser oder Tee in der Früh, zu Mittag folgt eine Gemüsesuppe, gegen Abend frisch gepresster Gemüsesaft bzw. 150 ml Fruchtsaft mit Wasser aufgespritzt. Stets sollte die Wasserflasche oder die Teetasse durch den Tag begleiten. Der Erfinder der Kur empfiehlt zudem an den Tagen 1, 3 und 5 einen Einlauf, damit die Giftstoffe, die sich im Darm angesammelt haben, auf natürliche und rasche Art ausgeschieden werden. Das allerdings gilt als umstrittene, da überflüssige Massnahme. Besser erscheint die Verwendung von Glaubersalz. Es entzieht den Zellen durch die Osmose Flüssigkeit, wodurch auch die Giftstoffe schneller an den Darm weitergegeben werden. Durch den grösseren Flüssigkeitsanteil erhöht sich zudem der Entleerungsdrang. Die Aufbauphase beginnt in der Früh mit einem Apfel, da die darin enthaltenen Enzyme die Verdauung anregen. Zu mIttag folgt leichte und gut verträgliche Kost, zudem empfiehlt es sich, Leinsamen, eingeweichte Pflaumen und Sauerkraut zu essen. Diese regen den Darm an. Sollten die Fastentage allzu hart werden, kann das erste Glas Wasser in der Früh mit einem Teelöffel Kakao (ohne Zucker!) entschärft werden. Das regt die Produktion von Glückshormonen (v.a. Serotonin) an.

.) Die F.X. Mayr-Kur
Dem österreichischen Militärarzt Franz Xaver Mayer (1875 bis 1956) waren ähnlich wie bei Buchinger drei Säulen besonders wichtig: Schonung, Säuberung und Schulung! Alsdann verordnete er den Soldaten im Ersten Weltkrieg an bestimmten Tagen nur getrocknete Brötchen und Milch oder Haferschleim. Durch diese alltagstaugliche und gesunde Ernährung soll die Zellkultur im Darm positiv beeinflusst werden. Während der Schonung soll sich der Körper durch Diät erholen; parallel dazu einher geht auch eine “Psycho-vegetative Entspannung” mit viel Schlaf, Erholungsphasen und Wärmeanwendungen. Yoga und Gymnastik an der frischen Luft unterstützen dies! Die Säuberung entspricht der Reinigung, Entschlackung und Entsäuerung des Körpers. Eine entscheidende Bedeutung kommt dabei der Bauchmassage zu: Sie regt die Bauchspeicheldrüse an und vertieft die Atmung. Der Fastende soll sich in dieser Phase auch vom psychischen Müll trennen. Abschliessend dient die Schulung einem Kau- und Esstraining, das die Verdauungs- und Speicheldrüsen stärken soll. Heutzutage werden anstelle des Haferschleims Brötchen und frische Milch verwendet. Die Soldaten litten weniger häufig an Verdauungsproblemen. Zudem freute sich die Kriegskasse des k.u.k.-Österreich. Fragt sich nur, wie an der Front die Schonungsphase durchgeführt wurde!!!

.) Die Schrothkur
Dieses Kurprogramm wurde von Johann Schroth (1798-1856) entwickelt. Während der Schrothkur erhalten die Patienten nur fett- und salzfreie sowie eiweissarme Nahrung. Dadurch wird der Körper einer Entgiftung und Entschlackung zugeführt. Zweimal die Woche gibt’s jeweils einen halben Liter Wein, damit der Kreislauf angeregt und die Atmung vertieft wird. Auch in der Schrothkur gibt es drei unterschiedliche Ebenen. Der Tag beginnt mit einer Kurpackung, bestehend aus kalten, feuchten Laken, die mit trockenen warmen Packbetten zugedeckt werden. Die dadurch erzielte Temperaturerhöhung regt den Stoffwechsel an und somit auch die Entgiftung, Entschlackung und die Gewichtsreduktion. Begleitend dazu gibt es Trink- und Trockentage. Durch die vermehrte Flüssigkeitszufuhr soll Salz ausgeschwemmt und das Risiko von Bluthochdruck, Ödemen und Übergewicht vermindert werden.

.) Hildegard von Bingen
Der Kirchenfrau mit dem berühmten Namen ging es nicht nur darum, den Körper zu entgiften, sondern vor allem um den “Kontakt zur Seele”. Durch das Fasten würde sich automatisch die Konzentration des Menschen nach innen richten. Durch eine solche Kur böte sich immer wieder die Möglichkeit der Neuorientierung oder Wandlung. Als Nahrung während des Fastens beschränkte sie sich auf gekochten Dinkelschrot mit gedünsteten Äpfel (maximal 800 kcal/Tag).

.) Die Molke-Trinkkur
Der Name ist Konzept. Diese Trinkkur besticht v.a. durch die Zufuhr von Proteinen. Sie sind in einem Liter Kurmolke enthalten, die über den Tag hinweg getrunken werden muss. Hinzu kommen 3 Liter Krätuertees, Leitungswasser und zu Mittag eine Gemüsesuppe.

.) Das Früchtefasten
Dieses Fasten ist über längere Zeit vorgesehen. An gewissen Tagen werden ausschliesslich zwischen ein bis eineinhalb Kilogramm Früchte gegessen. Ergänzt wird dies durch Wasser und Kräutertees. Auch hierbei steht die Entgiftung und Entschlackung des Körpers im Vordergrund.

.) Das Basenfasten
Bei diesem ganz speziellen Fasten werden alle Säurebildner in der Nahrung weggelassen. Etwa tierisches Eiweiss oder Getreide. Während der Fastenwoche liegt somit auch hier der Nahrungsschwerpunkt auf Gemüse und Salaten, auf frisch gepressten Obst- und Gemüsesäften sowie bei zwei bis drei Liter kohlensäurefreiem Quell-Wasser oder verdünnten Kräutertees aus der Region ohne Zusatzstoffen. Positive Effekte werden u.a. in der Verdauung (Blähungen, Völlegefühl, Sodbrennen), der Straffung des Bindegewebes der Haut (durch den Abbau von Eiweiss-Depots), bei den Augen und dem Gewicht verzeichnet. Ein Basenfastender nimmt zwischen einem bis vier Kilogramm in der Fastenwoche ab!

Viele Ernährungsexperten allerdings halten all diese Konzepte für überholt und sogar schädigend. Die Ursache dafür liegt im Eiweiss. Der menschliche Körper benötigt unbedingt Proteine um richtig arbeiten zu können. Bekommt er diese nicht oder zu wenig, kann es zu gefährlichen Komplikationen bei etwa den Nieren, dem Herzen und dem Gehirn führen. Ein zu schneller Eiweissverbrauch verursacht zumeist Herzrhythmussstörungen und kann im extremsten Fall auch mit dem Tod enden. Deshalb sei die Verordnung einer Radikal-Kur medizinisch unverantwortlich. Manche Wissenschaftler lehnen auch die Schlacken im Körper ab. Gifte, die der Mensch beispielsweise durch die Nahrung zu sich nimmt, werden regelmässig durch den Körper abgebaut und ausgeschieden. Das zusätzliche Abführen durch etwa Glauber- oder Bittersalz führt zu einem durchfallähnlichen, ständigen Abführdrang und damit zu extremer psychischer Belastung. Unsinnig ist auch das Kaffeeverbot. So kommen in den ersten drei Tagen der Fastenkur alsdann die Koffein-Entzugserscheinungen hinzu – Kopfschmerzen und Kreislaufproblemen. Wer nun richtig fasten will, sollte nach Konsultation mit dem Hausarzt das proteinsubstituierte Fasten wählen. Durch die ausreichende Zuführung von Proteinen werden die Risikofaktoren ausgeschlossen. Fastenkritiker, wie etwa Ingolf Schiefke, empfehlen, sich anstelle des Fastens öfter mal fleischlos zu ernähren (mit viel Obst und Gemüse). Minimieren Sie Zucker und Alkohol oder lassen sie ihn ganz weg und bewegen Sie sich viel in der frischen Luft.
Kliniken haben sich in Deutschland inzwischen auf das Heil- oder Kurfasten spezialisiert. Der Aufenthalt allerdings ist zumeist nicht günstig – man zahlt sozusagen für’s Nicht-Essen. Der Vorteil hierbei besteht in der medizinischen Betreuung, den sozialen Kontakten mit anderen, gleichermassen zielgerichteten Patienten und nicht zuletzt dem Nicht-Auskommen aus der Kur!
Das Wichtigste aber beim Fasten ist es, neben der körperlichen Ebene immer auch die geistige einzubauen. Ein Fasten ohne Kopf, ist kein Fasten und kann auch schädlich sein!

Eine kleine, dafür aber erlesene Auswahl von Fastenkliniken:

Sanitas Dr.Köhler-Parkkliniken
Fachklinik für Naturheilverfahren
D – 08645 Bad Elster

Schloß Warnsdorf Privatklinik
D – 23626 Warnsdorf /Ratekau

Klinik Dr. Otto Buchinger
Forstweg 39
D – 31812 Bad Pyrmont

Menschels Vitalresort
Naheweinstraße 65
D – 55566 Meddersheim / Bad Sobernheim

Tannerhof
Tannerhofstraße 32
D – 83735 Bayrischzell

Klinik Buchinger am Bodensee
Wilhelm-Beck-Straße 27
D – 88662 Überlingen

Kurpark-Klinik
Gällerstraße 10
D – 88662 Überlingen

Malteser-Klinik Dr. v. Weckbecker
Rupprechtstraße 20
D – 97769 Bad Brückenau

In Österreich und der Schweiz gibt es offenbar derartige Fastenkliniken nicht – dafür jedoch andere Adressen:

EurothermenResort Bad Hall GmbH & Co KG
Kurpromenade 1
A – 4540 Bad Hall

Kurhaus Schärding
Kurhausstraße 6
A – 4780 Schärding

Kloster Pernegg
A – 3753 Pernegg 1

Gesundheitszentrum Rickatschwende
Rickatschwende 1
A – 6850 Dornbirn

Kurhaus St. Otmar
Rigiblickstrasse 98
CH – 6353 Weggis

Kloster St. Johann Müstair
CH – 7537 Müstair

Lesetipps:

.) Das Kirchenjahr mitfeiern; Adolf Adam; Herder Verlag 1979
.) Lexikon für Theologie und Kirche (LThK); Walter Kasper (Hrsg.); Herder Verlag 1994
.) Religiöses Fasten. Gesundheit für Leib und Seele; Bernardo Fritzsche; Patmos-Verlag 2008
.) Das grosse Buch vom Fasten; Dr. Rüdiger Dahlke; Goldmann 2009
.) Wie neugeboren durch Fasten; Hellmut Lützner; Gräfe und Unzer 2008
.) Ernährungsmedizin; Biesalski, Bischoff, Puchstein; Thieme Verlag 2010
.) Naturheilkunde bei funktionellen Erkrankungen; Oliver Ploss; Thieme Verlag 2012
.) Basenfasten – Das große Kochbuch; Sabine Wacker; Trias 2014

Links:

www.fastenzeit.com
heilfastenkur.de
www.richtig-heilfasten.de
www.gesundheit.de
www.zentrum-der-gesundheit.de
www.buchinger.de
www.mayr-kuren.de
www.schrothkur.de
www.hildegardvonbingen.at
www.basenfasten.de
www.glaube.at
www.oki-regensburg.de

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Auf Nimmerwiedersehen, pfui deibel!!!

Für heisse Diskussionen sorgt derzeit die Entsorgung des Schotters aus zwei grenznahen Baustellen in Tirol. Tagtäglich fahren einige zig LKW mit Aushub- und Ausbruchmaterial aus Scharnitz und Garmisch-Partenkirchen ausgerechnet über den Zirler Berg zu einer Schottergrube in Inzing bei Zirl, die das Material zur Wiederverwertung aufbereitet. Stein des Anstosses ist hauptsächlich der Schwerverkehr, da die LKW die steile Strecke des Zirler Bergs nur im Schneckentempo bewältigen können. Dass der Aushub von der Ortsumfahrung Oberau aus Garmisch-Partenkirchen aber mit Thalium belastet ist, wurde nur ganz kurz am Rande erwähnt. Das dem Blei ähnliche Schwermetall ist äusserst giftig. In feuchter Luft und im Wasser bildet sich die sehr aggressive Base Thallium(I)-hydroxid. Eine Vergiftung mit Thalium endet ab rund 800 mg mit einer Darmperforation und Herzrhythmusstörungen, schliesslich mit dem Tod. In Deutschland liegt der Grenzwert zur Deponierung bei 2,1 mg/kg Aushub – für die Aufbereitung gar bei 0,5 mg/kg. Im Trinkwasser setzte das Bundesinstitut für Risikobewertung den Toleranzwert auf bis zu 5 µg/L.
In Österreich wird Thalium in der “Festsetzungsverordnung gefährliche Abfälle” nicht mal erwähnt. Auch in der “Qualitätszielverordnung Chemie Grundwasser” ist im Alpenstaat nichts von einem Schwellenwert zu lesen – Thalium wird nur namentlich genannt. Offenbar stellt dieses Schwermetall für die kernige Alpenbevölkerung keine Gefahr dar!!!
Bei der für den Tunnelbau verantwortlichen Autobahndirektion Süd heisst es, dass das doch etwas höhere Thalium-Aufkommen als in den Probebohrungen zuvor festgestellt, weit unter den Grenzwerten liege.

“Man müsste etwa eine halbe Tonne des Gesteins mit Thallium essen, um einen tödlichen Wert zu erreichen.”
(Pressesprecher Josef Seebacher)

Trotzdem wurde an ein mittels Folien geschütztes Zwischenlager und an spezielle Massnahmen gegen die Staubentwicklung bei der Verladung gedacht (Münchner Merkur vom 25.04.2016). Am Seefelder Plateau wird somit hochgiftiges Material über 50 Kilometer weit, quer durch ein Naturschutzgebiet auf nicht abgedeckten (zumindest wäre mir im Tirol Heute-Beitrag kein solcher aufgefallen), evt. vielleicht sogar Flüssigkeit verlierenden LKW kutschiert um einer zweifelhaften Wiederverwertung in Österreich zugeführt zu werden. Wie hoch dieser Aushub kontaminiert ist, bleibt wohl ungenannt, damit in der Bevölkerung kein Unmut entsteht.
Das Verbringen von Müll aus einem Staat in einen anderen wird als “Mülltourismus” bezeichnet. Zumeist geschieht dies mit Ziel in ein Land, das keine ausreichende Vorkehrungen zum Umweltschutz trifft. Dies entspricht in keinster Weise dem europäischen Grundsatz der Entsorgung nahe des Entstehungsortes. So haben sich die Tiroler nach Jahrzehnten offenbar endlich erfolgreich gegen den Transport von Schotter und Aushub auf den beiden Autobahnen zur Wehr setzen können. Wenn dieser Schotter nicht kontaminiert ist, muss alsdann durchaus die Frage gestellt werden: Weshalb wird er von Deutschland nach Italien verbracht? Nun haben sie das Problem auf den Bundesstrassen!
Unsere Welt geht im Müll unter! Und dabei ist der, der aus dem fahrenden Auto geworfen wird, noch das weitaus kleinere Übel, wenn auch ebenso verabscheuungswürdig wie bei den grossen Müllkriminellen. Sie machen auf Kosten der Gesundheit von Menschen Rubel um Rubel. Das Green Cross, eine Menschen- und Umweltschutzorganisation und die Organisation “Pure Earth” (vormals Blacksmith) veröffentlichen im regelmässigen Abstand den “Umweltgift-Report”. Darin beschrieben werden die Auswirkungen toxischer Substanzen auf die Menschheit. Als Messeinheit dient die Grösse “Disability Adjusted Life Years” (1 DALY – 1 verlorenes Lebensjahr), damit die unterschiedlichsten Faktoren miteinander verglichen werden können. Rund 17,15 Millionen Dalys pro Jahr sind auf giftige Substanzen zurückzuführen (Im Vergleich:
Aids 28,93 Mio, Tuberkulose 25,04 Mio, Malaria 14,25 Mio). Doch entfällt auf die Sanierung der Umweltgift-Kontamination nur ein Bruchteil der Investitionen und Massnahmen. Verursacht durch Batterierecycling, Bergbau- und Erzaufbereitung, Bleiverhüttung, chemische Produkte,… Industrielle Umweltgifte gefährden rund 200 Millionen Menschen! Und das Tragischste daran ist die Tatsache, dass viele Menschen hierzulande richtig entsorgen. Doch gibt es irgendwo in der Verwertungs- und Entsorgungskette einen Sub- oder Sub-Sub-Unternehmer, der die giftigen Batterien lieber irgendwo in Rumänien in einem aufgelassenen Bergwerk deponiert. Schliesslich kommt dies wesentlich günstiger, als die kostenintensive Entsorgung in Europa.
Andere schütten dies einfach in’s Meer. Vor Vieques (Puerto Rico) und in der Ostsee vor den baltischen Staaten wurden Chemiewaffen auf diese Art “entsorgt”. Was geschieht, wenn etwa ein Behälter mit Senfgas, der vor 60 Jahren versenkt wurde, leck schlägt – nicht auszumalen!
Es gibt inzwischen Orte und Regionen auf diesem Planeten, wo aufgrund der Kontaminierung (auch durch Mülltourismus) kein Mensch leben dürfte. Zehn dieser Orte liegen in den acht Staaten Argentinien, Bangladesh, Ghana, Indonesien, Nigeria, Russland, Sambia und der Ukraine. Einer davon ist nach wie vor das ukrainische Tschernobyl. Nach dem Supergau im Jahre 1986 wurde ein Betonklotz um den Reaktor aufgeschüttet. Experten haben berechnet, dass die kompletten Entsorgungskosten rund 700 Milliarden Dollar ausmachen. Die Nuklearkatastrophe wird für rund 4.000 Fälle von Schilddrüsenkrebs verantwortlich gemacht. Zirka 10 Mio Menschen in den Ländern Ukraine, Russland, Moldawien und Weissrussland sind dieser radioaktiven Strahlung ausgesetzt. Jene Katastrophe von Fukushima im März 2011 wird von den Experten als gar noch die grössere dieser Art angesehen. Nach wie vor tritt verseuchtes Wasser aus. Soweit zur ungefährlichen Atomenergie! Doch das, ja das ist wieder eine ganz andere Geschichte, haben die beiden Katastrophen nichts mit Mülltourismus zu tun. Auch ohne Gau oder Super-Gau verschlingt die Entsorgung von radioaktiven Abfällen Unmengen von Geld. Zudem weiss niemand, was innerhalb der nächsten 68 bis 4,468 Milliarden Jahre (Halbwertszeit von 238U) geschieht.
Auch hinterliess der Bleiabbau in Kabwe in der zweitgrössten Stadt von Sambia seine Spuren! Allerdings hat auch dies nichts mit Mülltourismus zu tun – es sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.
Dieses hingegen sehr wohl: 300.000 Tonnen Chemieabfälle zwischen 1930 und 1998 machen das russische Dserschinsk zu einer riesigen stinkenden Kloake. In der Stadt leben 245.000 Menschen – für wie lange noch?

https://www.youtube.com/watch?v=va-RC5KOA3w

In den Entwicklungsländern sind rund ein Viertel aller Todesfälle und unglaubliche 80 % der Krankheiten auf Umweltgifte zurückzuführen. So ist etwa das Quecksilber von Elektrogeräten auf Mülldeponien ein massives Problem, wird das Schwermetall beispielsweise durch den Wind auch über weite Strecken verfrachtet. 1990 exportierte die Bundesrepublik Deutschland ganz legal 520.000 Tonnen Müll (grosse Teile davon gar Sondermüll!) – auch auf sog. “Toxic Ships”! Nicht in dieser Zahl enthalten ist die internationale Müllschieberei. 22 Jahre später waren es bereits 1,8 Mio Tonnen – unter behördlicher Überwachung. Fairerweise muss jedoch auch erwähnt werden, dass Deutschland im selben Jahr 5,9 Mio Tonnen Abfall aus anderen Staaten verwertet oder entsorgt hat.
In deutschen Landen regelt das Abfallverbringungsgesetz die Entsorgung. Es nutzt dabei auch das Basler Übereinkommen, das verhindern soll, dass gefährlichr Abfall ganz einfach im Ausland weggekippt wird, sondern vielmehr umweltgerecht wiederverwertet oder entsorgt wird. Zu diesem Zweck wurde ein Informations- und Datenaustausch zwischen den Staaten der OECD eingerichtet. Vor 28 Jahren unterzeichneten 53 Staaten das Übereinkommen, inzwischen gehören mehr als 181 Länder diesem an. Zielländer, die nicht Mitglied der OECD sind, wurden in einer Staatenliste erfasst. Die Verbringung gefährlichen Abfalls in Entwicklungsländer ist alsdann inzwischen verboten. Umso verwunderlicher ist jeodch jener Fund, der 2010 in Brasilien gemacht wurde. 22 Tonnen Hausmüll aus Hamburg! Ein perfektes Beispiel alsdann für die weltumspannende Organisation dieser Müllmafia: Den Transport erledigte ein Schiff der chinesischen Hanjin Shipping, der offizielle Exporteur war die Firma Dashan aus Hongkong. In den Frachtpapieren war zu lesen, dass es sich hierbei um recyclefähiges Polyethylen aus Tschechien für das brasilianische Unternehmen Recoplast handle. Übrigens: Kein Einzelfall! Das Umweltamt von Ibama hatte im Sommer vor diesem Ereignis nicht weniger als 1.500 Tonnen Hausmüll aus Grossbritannien zurück zum Ursprung geschickt. Mehr als interessant, beklagen sich doch viele Müllverbrennungsanlagen über mangelnde Auslastung, je höher das Trennverhalten der Bevölkerung ist. Nach Angaben von Greenpeace wurden alleine im Jahr 2001 weltweit 8,5 Mio Tonnen Müll ganz offiziell verschifft, verfrachtet, …
Andere Beispiele gefällig?
2010 wurde der in der Schweiz ansässige Erdölkonzern Trafigura durch ein Gericht in Amsterdam zu einer Zahlung von 1 Mio € verurteilt, da das multinationale Unternehmen vier Jahre zuvor durch eine niederländische Firma 500 Tonnen Erdölreste und Natronlauge, die bei einer Tankerreinigung angefallen waren, in offenen Mülldeponien Abidjans, der Hauptstadt der Elfenbeinküste, entsorgen liess. 17 Menschen starben an den toxischen Stoffen, 15.000 zogen sich Vergiftungen zu. Das alles übrigens, weil die Amsterdamer Hafenbehörde einen höheren Entsorgungspreis für den Abfall verlangte, da er sich als giftiger erwies, als in den Papieren angegeben.
Im Jahre 2004 wunderten sich die Einwohner Somalias über Fässer, die nach einem Tsunami am Strand liegen geblieben sind. Als viele plötzlich erkrankten, wurden der Inhalt überprüft: Es handelte sich dabei um radioaktive Abfälle, die in den 90er-Jahren mit Wissen der damaligen Regierung durch die italienisch-schweizerische Müllmafia vor der Küste in’s Meer gekippt wurden. Die somalische Regierung erhielt 2,50 US-Dollar pro Tonne.

https://www.youtube.com/watch?v=fiSkpFBug2Q

Ein Unternehmen aus Niedersachsen deklarierte in den Jahren 1991 und 1992 überalterte und inzwischen in der EU verbotene Pestizide als Pflanzenschutz-Hilfssendung für die albanische Landwirtschaft. Ein anderes Unternehmen lieferte kontaminiertes Altöl als “Treibstoff für Heizkraftwerke” in die baltischen Staaten.
!988 wurde bekannt, dass ein italiensicher Unternehmer Giftfässer in einer nigerianischen Hafenstadt verrosten liess. Inhalt: Giftige Lösungsmittel. Als die Bevölkerung nach und nach erkrankte, musste Italien auf Druck der nigerianischen Regierung das Zeug wieder zurücknehmen und mit Steuergeldern fachgerecht entsorgen.
In den 70ern verbrachten die deutschen Geschäftemacher den Müll in die DDR, die das dafür erhaltene Geld für die Tilgung von Krediten bei bundesdeutschen Banken verwendete. Nach der Maueröffnung sprach Greenpeace von der “Müllkolonnie Ostdeutschlend”, wo zwischen November 1989 und Herbst 1991 rund 10 Mio Tonnen westdeutscher Müll deponiert oder verbrannt wurde (Angaben: Greenpeace). Jetzt muss all das kostenaufwendig saniert werden – auch mit den Steuergeldern der Verursacher. Inzwischen gilt Rumänien als die Müllhalde der EU. So wurden nicht weniger als 16.000 Tonnen Abfall alleine in der Zeit zwischen 1986 bis 1992 dort entsorgt (zur Dunkelziffer besteht keine Information)!
Über den grossen Müllstrudel im Pazifik habe ich an dieser Stelle bereits berichtet. Nach einem Bericht der Zeitschrift Science landeten alleine im Jahr 2010 rund 8 Mio Tonnen vornehmlich Kunststoffmüll in den Weltmeeren.
Gebessert hingegen hat sich inzwischen die Lage in Indien. Durch massiven Einsatz der Regierung konnten alle Städte, die sich zuvor noch auf der Liste der gefährlichsten Orte befanden, saniert werden.
Der produzierenden Wirtschaft ist es völlig gleichgültig, was mit der verkauften Ware geschieht. Hauptsache sie ist weg und in drei Jahren defekt, sodass neue gekauft werden muss. Immer wieder wurde in der Vergangenheit gefordert, dass die Produzenten die Produkte auch wieder zurücknehmen müssen und für deren Wiederverwertung in die Pflicht genommen werden. Zumeist jedoch ohne Erfolg. Sie bezahlen lieber eine gewisse Summe an Strafgeldern an den Staat, der dieses Geld wieder zweckentsprechend zum Stopfen von Budgetlöchern verwendet! Das Duale System in Deutschland (DSD) oder auch die Recycling-Inseln von Österreich haben aufgezeigt, wie es machbar wäre. Seit der Einführung des grünen Punktes in Deutschland können etwa 80 % des Papier- und Glasvolumens recycelt werden. Bei Kunststoff hingegen sieht dies schon wieder anders aus. Ergo: Die Müllberge wachsen nach wie vor an. So zudem in der Elektrobranche. Die Geschäftemacher produzieren die Geräte inzwischen so, dass sie meist nach Ablauf der gesetzlichen Gewährleistung – mit Ausnahmen vielleicht noch nach einem Jahr Garantie – entsorgt werden müssen, da sie nicht mehr funktionieren. Das ergibt einen weltweiten Elektronik-Schrott-Berg von 41 Mio Tonnen – jährlich (in Deutscvhland rund 1,5 Mio Tonnen)! Er soll gar noch bis auf 50 Mio Tonnen ansteigen. Den Geräten werden wichtige Stoffe, wie Bunt- und Edelmetalle oder seltene Erden entnommen, der Rest wandert auf Deponien in Afrika und wird dort verkohlt.

https://www.youtube.com/watch?v=iXbH4sNuG_c

Viele dieser Geräte enthalten aber auch Schwermetalle, wie Blei, Quecksilber, Cadmium,… Während unsereins die defekten Kühlschränke und Fernseher brav zur Entsorgung bringt, sollen rund 90 % des Elektroschrotts illegal gehandelt werden. Irgendwo in Afrika, derzeit bevorzugt in Ghana und Nigeria, zerlegen Kinder die Geräte und vergiften sich dabei. Augenzeugen und Greenpeace berichteten etwa von Agbogbloshie, einem Vorort der Hauptstadt Ghanas Accra, von ausgeschlachtetem Elektroschrott soweit das Auge reiche – oder von rund 100.000 Computern, die täglich in der nigerianischen Hafenstadt Lagos angeschifft werden, Schrottautos, die auf westafrikanischen Deponien verrosten. Wenn durch die Wiederverwertung angeblich dermassen viele Rohstoffe gewonnen werden können, Computer fachgerecht entsorgt und Teile der Anlage aufgrund der Edelmetalle als Hochsicherheitstrakt gelten – wenn so viel Geld mit Recycling gemacht werden kann, weshalb landet dann nach wie vor soviel Müll in Afrika?

https://www.youtube.com/watch?v=Cg3OA1s8-SI

Klar – auch ich produziere jeden Tag Abfall. Doch versuche ich, durch Vermeidung (Aluminium bzw. Kunststoff) bzw. v.a. durch akribische Trennung so wenig Restmüll zu produzieren, wie es irgendwie möglich ist. Durch das Recycling leiste ich zumindest in meinem kleinen Bereich einen Beitrag dafür, dass unsere Kinder und Enkel noch eine lebenswerte Umwelt vorfinden. Was dann die Müll-Geschäftemacher daraus machen, halte ich für verabscheuungswürdig!!! Und für all jene, die das PET-Flaschen-Pfandsystem in Deutschland kritisieren: Ich finde dies wesentlich besser, als die verschmutzten Flaschen als Pressballen nach China zu verfrachten, wo sie in der Kunststoffindustrie weiterverwertet werden und als Puppe oder Trinkflasche wieder zurück nach Good old Europe kommen. Schliesslich ist das durch das Pfandsystem enstehende Granulat besser in Deutschland einsetzbar als der Kunststoffmüll! Sicherlich hat sich auch kein Hamburger damals darüber Gedanken gemacht, was mit dem soeben in die Mülltonne weggeworfenen Hausabfall geschieht. Die Verantwortung tragen andere – die aber auch dafür verantwortlich gemacht werden müssen. Schliesslich sterben jedes Jahr weltweit rund 9 Mio Menschen – hauptsächlich Kinder – an Umweltgiften!!!

Es gibt nur eine Erde! Achten wir besser auf sie!

Lesetipps:

.) Deutscher Müll für alle Welt. Die dunklen Geschäfte der Müllschieber; Winfried Schnurbus; Knaur Verlag 1993
.) Die tägliche legale Verseuchung unserer Flüsse und wie wir uns dagegen wehren können. Ein Handbuch mit Aktionsteil; Jutta Ditfurth/Rose Glaser (Hrsg.);Rasch und Röhring Verlag 1987
.) Kunde von Nirgendwo; William Morris; Trotzdem Verlagsgenossenschaft 2004

Links:

www.umweltbundesamt.de
www.abfallbewertung.org
www.gbh-recycling.de
www.natur-und-umwelt.org
www.naturefund.de
www.wasserqualität-trinkwasserqualität.de
www.laga-online.de
www.gcint.org
www.businesscrime.de
wildermuell.de
www.pureearth.org/
www.worstpolluted.org
www.ausgestrahlt.de
www.bund.net
www.plattner.co.at/

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