Archive for April, 2017

Na denn: Mahlzeit!!!

Wir alle kennen – spätestens seit dem Amtsantritt des US-amerikanischen Präsidenten den Ausdruck “Fake News” für erfundene Nachrichten. Inzwischen ist “Fake” salonfähig geworden und dient in sehr vielen Bereichen für etwas, das nicht so ganz der Wahrheit entspricht. In der Werbung werden immer wieder Fake-Geschichten vorgespiegelt, damit der Absatz für die Produkte steigt, wenn etwa der Toilettenreiniger glücklich macht oder eine hübsche Bikini-Frau die Kürbis-Prostata-Zusatzernährung anpreist. Jeder weiss inzwischen, dass durch gute Ausleuchtung und Lebensmittelfarbe beispielsweise Tellergerichte, Fleisch oder Obst wesentlich besser aussehen, als sie es tatsächlich sind. Dass nun jedoch nicht mehr das in der Verpackung ist, was auch drauf steht, das wird offenbar leider immer mehr zur Sitte. Man nennt dies übrigens “Fake-Foods”! Hier wäre es mehr als wichtig, durchzugreifen, da der Konsument auf das Übelste gefoppt wird.
Eines der begehrtesten Schauplätze hierfür ist der Begriff “Bio”. Derzeit kursieren wieder Meldungen über angebliche Bio-Eier – ebenso wie schon 2014 und 2013. Greift der Konsument zu einer Ware mit dem Etikett “Bio”, so ist er gerne dazu bereit, rund 15 Cent pro Ei mehr zu bezahlen, da er weiss, dass nicht nur die Qualität des Produktes stimmt, sondern auch die Herstellung bzw. die Tierhaltung! Das nennt sich “bewusste Ernährung”! Leider eine Wunschvorstellung! In vielen Bioställen sieht es gleich wie in der konventionellen Landwirtschaft aus. 2013 ermittelte die Staatsanwaltschaft Oldenburg gegen 200 landwirtschaftliche Betriebe, die beschuldigt wurden, dass auf der Eier-Verpackung etwas anderes stehe, als tatsächlich drinnen war. Nur ein Jahr später musste der Agrarminister Mecklenburg-Vorpommerns, Till Backhaus, eingestehen, dass 12.000 Eier aus vier Betrieben des Bundeslandes mit dem Öko-Siegel gekennzeichnet waren, obwohl sie das gar nicht verdient hätten. Auch hier ermittelte die Staatsanwaldschaft Rostock. Dieser Fall wurde allerdings nach besten Mitteln und Methoden durch die Politik verschleiert, obgleich im §40 des Lebens- und Futtermittelgesetzes klar definiert ist, dass die Öffentlichkeit ein Anrecht auf die Namen jener Betriebe hat, die den Verbraucher getäuscht haben. Klasse Lobby-Arbeit!
Wann darf aber nun tatsächlich das Ei als Bio-Ei verkauft werden? Hier gibt es klare Richtlinien des deutschen Bio-Siegels in Verbindung mit der EG-Öko-Verordnung als Mindestanforderungen. So muss etwa die Henne zumindest vier Quadratmeter Auslauf (ausserhalb des Stalles) pro Tag haben, im Stall selbst dürfen nicht mehr als sechs Hühner auf einem Quadratmeter gehalten werden (in der Regel sind es nach wie vor 12!) – nicht mehr als 3.000 pro Stallung (wer zählt das nach?). Eine präventive Medikamentierung mit Antibiotika ist verboten – dem Huhn darf nur Biofutter verfüttert werden. Werden diese Kriterien nicht erfüllt, so ist das Ei aus “Bodenhaltung”! Ein natürliches Huhn legt pro Jahr 30 Eier – die meisten Hüher auch aus der Bio-Haltung allerdings 300. Es sind Hybrid-Hühner, gezüchtete Legemaschinen, die nach einem Jahr ihren anstrengenden Job erledigt haben und entsorgt werden. Zudem: Was geschieht mit den männlichen Küken am Bio-Gut? Ein österreichischer Diskonter wirbt inzwischen damit, dass auch sie eine Lebensberechtigung haben, bis sie zu Hähnchen-Hackfleisch verarbeitet werden. Trotzdem (wenn kein Fake) lobenswert! Inzwischen hat sich auch im Bio-Bereich die industrielle Produktion etabliert, die übrigens vom Deutschen Tierschutzbund toleriert wird. Somit kann sich wohl jeder selbst ausrechnen, was diese 15 Cent mehr pro Ei bei 10.000 Hühnern mit jeweils 300 Eiern pro Jahr pro Farm ausmachen. Bio-Betriebe werden dreimal im Jahr durch Kontrolleure der jeweiligen Verbände oder in deren Auftrag überprüft – zweimal unangekündigt, einmal angekündigt. Hinzu kommen die Lebensmittelkontrolleure. Deshalb und aufgrund des bürokratischen Aufwandes drehen viele Bauern dem Ökolandbau inzwischen wieder den Rücken zu und zur konventionellen Landwirtschaft zurück.
Ähnliches ist auch in Österreich zu sehen: Halbnackt scharren bis zu 10 Hühner pro Quadratmeter nach Futter. Mit den glücklichen, freilaufenden Hühnern aus der Werbung hat auch dies hier wenig zu tun. Obgleich Österreich mit 19 % der landwirtschaftlichen Fläche als Bio-Fläche europoaweit eine Vorreiterrolle eingenommen hatte, landen gerade mal 6 % Bioprodukte im Supermarkt (in Deutschland sind es 4 %). Auch im Alpenland werden grossteils Hybridhühner verwendet, die sich aufgrund der Züchtung meist gar nicht mehr selbst vermehren können. Auch zwischen Neusiedler- und Bodensee werden in den meisten Bio-Betrieben die männlichen Küken gleich nach dem Schlüpfen vergast oder geschreddert. Das bestätigte anno 2013 auch der Obmann der österreichischen Biobauernvereinigung “Bio Austria”, Rudi Vierbauch.

https://youtu.be/YPWv0sxRogQ

Doch leider können oder wollen die Kontrolleure die toten Tiere nicht sehen. Jene, die langsam und schmerzvoll krepiert sind an Eileiter- oder Bauchfellentzündung, Parasitenbefall, Brustbeinverkrümmungen und Brustbeinbrüchen, Kannibalismus, Viren, Bakterien. Wenn Sie sich wirklich bio-bewusst ernähren wollen, dann schauen Sie sich den Hof Ihres Vertrauens genau an! Das empfiehlt auch der österreichische Bio-Vorzeigebauer Werner Lampert, der für die Rewe-Gruppe die “Ja-natürlich!” und für Hofer die “Zurück zum Usprung”-Marke gründete: “Bio ist kein Paradies!” Allerdings stellt er auch den Konsumenten die Rute in’s Fenster: Nach wie vor – auch bei Bio – erweisen sich zu kleine Kartoffeln oder krumme Gurken als Ladenhüter. Da kann sich auch der ehrliche Klein-Bio-Bauer den Rücken krumm arbeiten – werden seine Produkte nicht verkauft, wird er nicht mehr von Bio zu begeistern sein.
2016 wurde durch eine Untersuchung aufgedeckt, dass immenses Schindluder mit dem Begriff “fair” am Markt getrieben wird. Der Begriff ist bei der Vergabe von Siegeln nicht geschützt – er wird somit stets anders interpretiert. Nicht weniger als 27 Siegel gibt es alleine am bundesdeutschen Markt, von Fairtrade, über Gepa, UTZ usw. So wurde nach Untersuchungen veröffentlicht, dass etwa im Karamell-Eis von Ben & Jerry’s nur 19 % Fair Trade-Produkte enthalten sind – trotzdem ist das Eis mit dem Fairtrade-Siegel versehen. In der Schokolade von Cavalier macht dieser Anteil gerade mal 32 %, in der Nuss-Nougat-Crème von Rewe 53 % aus. Zur Erklärung: Bei der Herstellung von Kakao, Orangensaft, Tee und Zucker muss kein einziges Fairtrade-Produkt enthalten sein – wichtig ist der Mengenausgleich, da hier konventionelle und Fairtrade-Produkte vermischt werden. Entdecken Sie also bei Ihrer Suche nach fairen Produkten die Aufschrift “Mengenausgleich” auf der Packung, würde ich mir durchaus überlegen, ob ich für dieses Produkt wirklich mehr bezahlen möchte als für ein herkömmliches! Nur Kaffee mit dem Fairtrade-Siegel muss auch tatsächlich zu 100 % fair sein, ansonsten reichen seit 2011 nurmehr 20 % – auf die Gefahr hin, dass sich nun viele die Haare raufen werden, weil sie seit Jahren viel mehr für inhaltlich fast dieselben Waren bezahlen! Im Kakao der Aldi-Waffeln waren gar nur 8 %, im Kakao von Netto 20 % aus fairem Anbau aus kleinbäuerlichen Strukturen enthalten. Trotzdem prangert auf beiden Produkten das UTZ-Siegel. Beim UTZ-Siegel ist keine Mindestmenge an fair gehandelten Bestandteilen festgeschrieben. Das Gepa-Siegel hingegen geht von einem Mindestanteil von 50 % fair gehandelter Bestandteile aus. Meines Erachtens eine bewusste Aufweichung der ansonsten recht guten und sinnvollen Kriterien und damit ein Betrug am verantwortungsbewussten Konsumenten. Fairtrade Deutschland hingegen argumentiert, dass das Siegel nur dann vergeben wird, wenn die Zutaten, die fair angebaut und gehandelt wurden, auch auf der Verpackung angeführt sind.
Nicht jedermann’s Geschmack (meiner etwa gar nicht) sind Garnelen. Trotzdem ist ausgerechnet die Surimi-Garnele heiss begehrt! Doch – was die meisten Anhänger gar nicht wissen: Von Meeresfrucht keine Spur! Surimi ist nämlich ein Meeresfrüchte-Fake, hergestellt aus Fisch, Salz und Hühnereiweiss oder Stärke! Nachdem das meist nach gar nichts schmeckt, sorgen Aromen und Geschmacksverstärker (Krebsaroma) sowie Lebensmittelfarben für das Prickeln auf der Zunge und das Leuchten in den Augen. Entdeckt wurde das, was der Japaner unter “zermahlenem Fleisch” versteht, vor rund 900 Jahren, als ausfindig gemacht wurde, dass sich derart zubereiteter Fisch länger hält. Europa entdeckte Surimi in den 1950ern – verwendet werden Fischsorten, die zumeist nicht direkt verkauft werden können, wie beispielsweise Magerfisch oder auch Krill. Es ist zumeist alsdann ein Produkt aus dem Beifang. Überzeugte Surimi-Gustianer sprechen allerdings von Fischfilets von Weissfischen (Seelachs, Kabeljau, Brassen oder auch Seehecht). Sie können es sich somit aussuchen! Wer also so oder so wirklich Garnelen essen möchte, sollte auf Surimi verzichten!!! Apropos: Mit Tintenfischresten vermischt dient Surimi als Tintenfischersatz, kommt aber auch in so manchem Würstchen zum Einsatz! Wurde Surimi verwendet, so sollte dies gut sichtbar auf der Verpackung angeführt sein! Sollte! 1994 führte die Hamburger Bundesforschungsanstalt für Fischerei eine Überprüfung durch – in sieben von zehn Garnelenfleischproben wurde nicht angeführtes Surimi verarbeitet. 2010 entschied der Verwaltungsgerichtshof von Baden-Württemberg, dass ab einem Surimi-Anteil von zumindest 20 % Deklarationspflicht besteht (Az. 9 S 1130/08).
Ach ja – weil wir’s gerade so schön von Meer und Früchten hatten: Wissenschafter des Leibnitz-Institutes für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin entdeckten vor einigen Jahren einen riesigen Kaviar-Fake. Von 27 Kaviar-Produkten enthielten nicht weniger als 10 keinen oder nur einen Teil des Original-Kaviars, sondern vielmehr Eier anderer Fischarten oder künstlich hergestellte Imitate. Dies konnte jedoch nur aufgrund von DNA-Abgleichen (“DNA-Barcoding”) festgestellt werden. Bei Preisen von 100,- € pro 100 Gramm – durchaus rentabel dieser Betrug! Die Kollegen des Forschungsinstitutes Wilhelmshaven entlarvten mittels des Bar-Codings auch Ölfische, die als Makrelen verpackt waren oder statt des echten Heilbutts den Schwarzen Heilbutt usw.!
Bleiben wir doch noch etwas in Japan und beim Sushi. Die Umweltgruppe Oceana entdeckte bei einer Untersuchung von Sushi-Restaurants in Japan anderen Fisch als jener, der tatsächlich verkauft wurde. Erschreckend ist die Quote: 100 %! Oceana schreibt in der Aussendung, dass die Wahrscheinlichkeit weissen Thunfisch in einem Sushi-Restaurant zu bekommen, gleich ist mit jener, beim Roulette in Vegas eine Null oder Doppel-Null zu erspielen!
Wer übrigens Sushi mag, wird wohl auch Wasabi mögen. Wasabi ist ein japanischer Meerrettich, somit also ein Kreuzblütengewächs, dessen Stamm vornehmlich in der japanischen Küche den Speisen eine extreme Schärfe verleihen kann. Da die Pflanze jedoch nur in Japan und auf der Insel Sachalin wächst, ist das Gewürz sehr selten und damit teuer (Kilopreis der Wurzel: 200 €). Hierzulande bekommt man den Scharfmacher in Dosen, Gläsern oder auch Tuben als Paste. Apropos Paste: In den meisten in Deutschland angebotenen Produkten ist nur eine Mixtur aus europäischem Meerettich- und Senfpulver in Verbindung mit Stärke und den Farbstoffen E133 und E102 – ein Produkt aus dem Lebensmittellabor! Echter Wasabi ist nicht froschgrün sondern mint und kitzelt die Geschmackpapillen der Zunge mit einem süsslichen Unterton und die Nase mit dem Geruch ätherischer Öle. Frisch gerieben allerdings hält sich Wasabi nur über rund eine halbe Stunde. Zu diesem Chemie-Mus kommt noch hinzu, dass in den meisten Fällen der Azo-Farbstoff Tartrazin enthalten ist. Dieser war lange Zeit in heimischen Landen verboten, da er heftige Allerigen auslösen kann. Der Kunst-Wasabi ist inzwischen in vielen anderen Lebensmitteln wie Nüssen, Chips oder Knuspererbsen enthalten. Untersuchungen derartiger Wasabi-Produkte aus dem Supermarktregal ergaben jedoch einen Anteil von 0,003 bis gerade mal 2 % des Gesamtproduktes. 2009 musste das Unternehmen Kattus nach einem Urteil des Münchener Landgerichtes II umbenennen, da in den “Wasabierbsen” kein einziges Gramm Wasabi enthalten war. Und trotzdem produziert dessen Tochtergesellschaft Bamboo Garden die Wasabi-Paste auch weiterhin – mit unglaublichen einem Prozent Wasabi-Gehalt.
Ich mag sie ja unheimlich gern – viele andere verabscheuen sie: Die weisse Schokolade! Streng genommen aber ist dies keine Schokolade mehr, da sie kein Kakaopulver oder Kakaomasse sondern nurmehr die Kakaobutter enthält. Ergänzt durch Zucker und Milch liegt der Angriff auf die menschlichen Hüften schön sortiert bei ihren schwarzen bzw. braunen Kollegen im Supermarkt.
Schwarze Oliven sind für so manch einen etwas ganz exklusives. Doch ist dem nicht wirklich so. Zumeist werden einfach die grünen Kumpels schwarz eingefärbt. Das muss auf der Verpackung nicht mal angeführt sein. Finden Sie allerdings dort die Bezeichnungen E579 (Eisen-II-Gluconat) und/oder E585 (ERisen-II-Lactat), so sollten Sie vielleicht doch besser die Ware im Regal belassen.
Über die Unsitte der Cornflakes und des angeblich so gesunden Fertig-Müslis habe ich an dieser Stelle ja schon mal geschrieben. Auch Vollkornbrot ist nicht immer unbedingt Vollkorn und damit gesund. Es könnte auch eingefärbtes Weizenbrot dahinterstecken – das nennt sich dann “Vollkorn-Look”. In originalem Vollkornbrot muss mindestens 90 % Vollkornschrot enthalten sein.
Zu all diesen ganz offiziellen, teilweise nicht ganz legalen Fällen der Verbrauchertäuschung kommen noch die Imitate hinzu: Champagner aus italienischem Spumante, Oregano aus Olivenblättern, Babymilch, die mit dem Kunststoff Melamin gestreckt wird. Anno 2008 starben in China nicht weniger als 6 Kinder daran. Auch der Grossteil des Apfelsaftes, der in den USA verkauft wird, stammt nach Aussagen des Aufdeckers Larry Olmsted aus chinesischen Konzentraten – inklusive Pestiziden oder anderer Chemikalien!
Die Ministerien für Ernährung und Landwirtschaft sowie für Verbraucherschutz, das Bundesamt für Verbraucherschutz, das Bundesinstitut für Risiko-Berwertung aber bereits auch schon die Staatsanwaltschaft, Zoll, Interpol und Europol sprechen von Gewinnraten wie im Drogenhandel. Auch die Mafia ist inzwischen mit von der Partie. Und es wird immer einfacher für die Betrüger: Gab es früher wesentlich mehr Einzelhändler mit einer somit auch grösseren Vielfalt am Markt, so konzentriert sich zusehends alles auf drei bis max. vier Supermarktketten, die bei einem Lieferanten für all ihre Märkte bzw. Tochtergesellschaften einkaufen.

https://www.youtube.com/watch?v=ZMZJucNjjes

Unternehmen, aber auch Überwachungsbehörden begegnen dem Treiben nun mit einem chemischen Fingerabdruck (Nuclear Magnetic Resonance). Mit der Hilfe der Kernmagnetresonanz-Spektroskopie können die magnetischen Eigenschaften der Wasserstoffmoleküle aufgezeigt und damit echte von nachgemachter Ware unterschieden werden. Nur mit diesem Echtheitsnachweis wird in vielen Fällen Betrug aufgedeckt. Nachdem derartige Laboruntersuchungen zumeist nicht günstig sind und so mancher Laborbetreiber sich entsprechende Daten vergolden lässt, wird derzeit in Deutschland die staatlichen Datenbank “FoodAuthent” aufgebaut. Darin enthalten sind Daten, auf welche die Behörden jederzeit zugreifen können, wenn Verbraucher geschützt werden müssen. So kann der Ölfisch beispielsweise Krämpfe hervorrufen, künstliche Salze im Käse ebenfalls an die Gesundheit gehen.
Bisherige Erfolge:
- Chinesischer Honig wurde als US-Qualitätsware verkauft
- Billiges Olivenöl umgefüllt und als hochwertige 1A-Ware verkauft
- Cabernet Sauvignon entpuppte sich als Tempranillo
- Orangensaft aus Südafrika wurde als spanischer ausgegeben
- Chinesisches Kürbiskernöl kam angeblich aus der Steiermark
- Chardonnay aus einem Verschnitt von Pinot Grigio und Sauvignon zusammengestellt
- Honig, gestreckt mit Zuckersirup
Während der “Operation Opson VI” wurden von Zoll, Europol und den Lebensmittelbehörden in 21 EU-Ländern Waren im Wert von rund 230 Mio € (10.000 Tonnen) beschlagnahmt. Vom gefälschten Mineralwasser, falschen Haselnüssen bis hin zu erneut verpackten, zuvor jedoch abgelaufenen Sardinen – es war alles dabei.
Wenn Sie also wirklich nachhaltig, umwelt- und sozialbewusst einkaufen möchten, sollten Sie sich davor kundig machen. Auch ich kam erst nach Strichcode-Recherchen drauf, dass meine Kaffeebohnen eigentlich in Estland geröstet werden. Wie auch ein grosses Produkt, von dem immer wieder behauptet wird, dass es aus Österreich käme! Den Angaben und Herstellern vertrauen – das war gestern!!!

Lesetipps:

.) Friss oder stirb; Clemens G. Arvay; Ecowin-Verlag 2013
.) Sushi-Bar: Japanischer Genuss häppchenweise: Sushi, Suppen, Salate und Spießchen; Tanja Dusy; GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH 2008
.) Chemie im Essen: Lebensmittel-Zusatzstoffe. Wie sie wirken, warum sie schaden; Hans-Ulrich Grimm/Bernhard Ubbenhorst; Knaur 2013
.) Extra Vergine: Die erhabene und skandalöse Welt des Olivenöls; Tom Mueller; Redline Verlag 2012
.) Real Food/Fake Food: Why You Don’t Know What You’re Eating and What You Can Do About It by; Larry Olmsted; Algonquin Books 2017
.) Food Forensics: The Hidden Toxins Lurking in Your Food and How You Can Avoid Them for Lifelong Health; Mike Adams; BenBella Books 2016

Links:

www.biowahrheit.de
www.tierschutzbund.de
www.was-steht-auf-dem-ei.de
www.alternativ-gesund-leben.de
www.lebensmittelklarheit.de
www.bio-austria.at
www.kinjirushi.co.jp/
osuseafoodlab.oregonstate.edu
www.fairtrade-deutschland.de/
foodrisklabs.bfr.bund.de
lsf.uni-konstanz.de
oceana.org

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Ohne Moos nichts los

Dort, wo viele Moose wachsen, geht es auch dem Menschen gut!
(Martin Nebel, Botaniker)

Viele Gartenbesitzer fluchen jedes Frühjahr wieder lautstark über einen sehr gewichtigen Teil der Natur, den trotz seiner Bedeutung für das Leben heute niemand mehr haben will: Moos. Dass aber ausgerechnet dieses das Dasein auf der Erde ermöglichte und auch heute einen ganz entscheidenden Beitrag zur Luftgüte leistet, wird dabei zumeist vergessen.
Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen dürften sich die Moose aus Grünalgen in der Gezeitenzone entwickelt haben. Das war vor zirka 400 bis 450 Millionen Jahren. Inzwischen gibt es mit dem Lebermoos Riella nurmehr eine salztolerante Art. In der sog. “Bryologie” (Wissenschaft der Moose) werden in Europa zirka 1.100, weltweit rund 16.000 Arten unterschieden und den drei Abteilungen Horn-, Leber- und Laubmoose mit jeweiligen Überklassen zugeordnet. Verbreitet sind sie auf der ganzen Erde – je nach Klimazone! Die Hornmoose bevorzugen alsdann tropisches Klima. Eine Ausnahme allerdings stellt die Hyophila involuta dar. Sie ist vornehmlich in den Tropen zu finden, bevölkert aber auch den Bodensee, diverseste eidgenössische Seen sowie die Aare bzw. den Oberrhein – jeweils in den Spritzwasserzonen. In Mitteleuropa kommen zumeist Laubmoose und hier vornehmlich das Silbermoos vor, in den Wäldern auch das Widertonmoos bzw. das Schöne Frauenhaarmoos. Die Wut des Gärtners hingegen gilt vornehmlich dem Kurzbüchsenmoos, dem Sparrigen Kranzmoos oder dem Sparrigen Runzelbruder. Keine Moose – obgleich sie so heissen – sind das isländische Moos (Flechte), das irländische Moos (Rotalge) sowie das Sternmoos (Samenpflanze).

https://www.youtube.com/watch?v=N0dqZtluK8Q

Nach dem deutschen Botaniker Wilhelm Hofmeister (1824 – 1877) folgt auf eine geschlechtliche Generation (“Gametophyt”) zumeist eine ungeschlechtliche (“Sporophyt”). Während erstere über einen einfachen Chromosomensatz verfügt, besitzt die ungeschlechtliche Generation zwei Chromosomensätze. Die Befruchtung findet mit Hilfe von Wasser und Luft statt. Die männlichen Spermatozoiden können ansonsten nur maximal 1,5 Zentimeter selbst bewältigen. Die ungeschlechtliche Generation bleibt jeweils bei der geschlechtlichen, da sie von ihr Wasser und Nährstoffe erhält – sie ist alsdann von ihr abhängig. Bei den Hornmoosen ist der Gametophyt lappig, bei den Laub- und den meisten Lebermoosen beblättert. Diese beblätterten Moose verfügen über wurzelartige Strukturen, alle anderen nur über Zellfäden (Rhizoiden), die jedoch ausschliesslich der Haltung dienen. Bei den Hornmoosen teilt sich die befruchtete Eizelle der Länge nach, später dann auch quer. Aus den unteren beiden Zellen entwickelt sich jeweils ein “Fuss”, der den Sporophyten am Gametophyten festhakt. Bei den Laub- und Lebermoosen geschieht die Zellteilung hingegen sofort quer, wobei die untere Zelle zumeist abstirbt. Etwa die Hälfte aller bekannten Moose ist selbstbefruchtend. Die Spermatozoiden werden mittels der Sporen in hoher Anzahl produziert (mehrere hunderttausend bis gar 5 Millionen in nur einem Sporangium etwa bei der Dawsonia) und weit verbreitet. Deshalb erscheint Moos immer auch an neuen Standorten. Die Sporen selbst sind sieben bis 35 Mikrometer (Laubmoose) und 10 bis 90 bei Lebermoosen gross; sie können häufig über Jahre hinweg keimfähig bleiben. Für die Verbreitung sorgt der Wind. Die Riella americana vornehmlich im Darn von Enten und die Splachnacae durch die Dungfliegen. Moose können sich zudem vegetativ vermehren. Dies geschieht vornehmlich an Standorten, an welchen nur ein Geschlecht angesiedelt ist. Wissenschaftler gelangten zu der Erkenntnis, als sie geschlechtliche Generationen durch ein Sieb passierten – es entstanden jeweils neue vollständige Gametophyten.
Da Moose nur sehr langsam wachsen, müssen sie meist auf Standorte ausweichen, die von anderen Pflanzen nicht bewachsen werden: Schattige Stellen, Felsen, Baumrinden und auch Blätter. Für das Wachstum benötigen sie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Nährstoffen Kalium, Calzium und Magnesium. Deshalb wächst Moos am besten an sauren oder stickstoffreichen Stellen. Für den typischen Moosgeruch sind vornehmlich die Terpene (Mono- und Sesquiterpene) verantwortlich. Sie sorgen auch für das ölige Erscheinungsbild. Zweitere haben zudem eine frasshemmende Wirkung, sodass Pflanzenfresser schon nach dem ersten Versuch davon ablassen. Einige wenige Moosarten besitzen durch die enthaltenen Lactonen allergene, antimikrobielle bzw. antiseptische Wirkung für den Menschen – etwa das im Mittelmeergebiet beheimatete Frullania tamarisci (Moor- oder Torfpackungen). In der Traditionellen Chinesischen Medizin werden rund 40 Moosarten verwendet – auch Indianer stellen immer wieder Salben aus Moosen her. Einige Eskimo- und Indianerstämme fertigen sogar aus Moos Babywindeln an, im Mittelalter wurden Moose anstelle des noch nicht erfundenen Toilettenpapiers verwendet.
Bei der Wasseraufnahme unterscheidet der Experte zwischen den ektohydrischen Arten, die das Wasser über die gesamte Oberfläche aufnehmen und nur äusserlich weiterleiten können, und den endohydrischen Arten, die zu einem gewissen Anteil das feuchte Nass im Stämmchen weiterleiten – sie sind aber gleichfalls auf Oberflächenwasser angewiesen. Die meisten Moose finden sich deshalb in feuchten Gebieten mit viel Niederschlag. Sie können das Zig-Fache ihres Gewichtes an Wasser speichern – auch durch filtern des Nebels. Fällt das Wasser aus (Austrocknungsresistenz), so sterben die sog. Hygrophyten rasch ab, die Mesophyten können sich eine zeitlang halten, die Xerophyten problemlos mehrere Jahre überstehen. Moose bevorzugen einen Temperaturbereich von 15 bis 20 Grad für das beste Wachstum. Darüber (42 bis 51 Grad) sterben viele Arten rasch ab, darunter hängt es von der Austrocknungsdauer ab. So etwa begann ein über 1.500 Jahre unter arktischem Eis verborgenes Moos bei idealen Brutbedingungen nach nur einigen Wochen wieder zu spriessen. Verantwortlich dafür zeichnen bestimmte Gene, die bei niedrigen Temperaturen aktiviert werden. Viele können jedoch mit bereits wenig Licht und Temperaturen um den Gefrierpunkt noch Photosynthese betreiben – eine wichtige Errungenschaft für Hochmoore oder Tundren.
Moose sind deshalb sehr beliebt, da die meisten Arten die Nährstoffe aus der Luft bzw. hauptsächlich aus dem Wasser aufnehmen – sie verfügen ja nicht über Wurzeln. Diese Stoffe werden spätestens mit dem Absterben der Pflanze an den Boden weitergegeben. Ermöglicht wird dies durch eine sehr gute Kationenaustauschkapazität der Zellwand. Allerdings können sie nicht wie bei anderen Pflanzen kontrollieren, welche Ionen aufgenommen werden – damit absorbieren sie auch nicht für das Wachstum benötigte Stoffe wie etwa die beiden Metalle Niob und Scandium oder das Schwermetall Blei. Hier will künftig die Stadt Stuttgart ansetzen und grossflächige Moosteppiche auslegen um damit der Feinstaubproblematik Herr zu werden.

http://de.euronews.com/2013/06/03/moose-sollen-luftverschmutzung-kontrollieren

Das macht die Pflanzen auch für das jeweilige Ökosystem so wichtig. Als Wasserspeicher sorgen sie alsdann dafür, dass das Oberflächenwasser nicht so rasch abfliesst und dadurch den Boden auswäscht. Schliesslich bilden sie viele Symbiosen mit Bakterien und Pilzen, anderen Pflanzen und Kleintieren, wie Cyanobakterien, Mykorrhiza, Wimperntierchen etc.
Trotzdem gelten auch die Moose als gefährdet – 91 Arten sind inzwischen auf der von der International Association of Bryologists erstellten Roten Liste. In den nationalen Listen sind in Deutschland 54 Arten bereits ausgestorben (weitere 28 vom Aussterben bedroht), in Österreich 32 bzw. 24 und in der Schweiz 15 und 5,6 (??? – na ja – die Eidgenossen)! Einerseits durch die Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft, andererseits durch die Trockenlegung vieler Regionen und die Absenkung des Grundwasserspiegels. Auch die Verschmutzung von Luft und Wasser wirkt sich nicht gerade förderlich auf das Wachstum aus. Das grossflächige Verschwinden in Ballungsgebieten ist die Folge. Eingesetzt als Bioindikatoren zeigen Moose sehr rasch eine organische oder chemische Verschmutzung von Gewässern oder Belastung mit Schwermetallen an – auch die Schwefeldioxid-Belastung in der Luft sorgt für ein Absterben.
Bevölkert Moos einen Baum, so sollte dies auf jeden Fall derart belassen werden, da das Moos kein Parasit ist – es schadet dem Baum nicht. Nur wenn sich die Borke langsam löst, sollte sie entfernt werden, da sich ansonsten darunter Schädlinge ansammeln können. Und – Selbstbedienung bei Moosen ist zum Teil gar verboten! Etwa durch die Bundesartenschutzverordnung in Deutschland (die Gattungen Hylocomium, Leucobryum und Sphagnum). Auch darf Torf nicht mehr allerorts abgebaut werden, wo er vorkommt.
Problematisch wird Moos auf Beton. Das hohe Speichervermögen von Feuchtigkeit behindert das Austrocknen des Betons – das führt bei Frost zum Absanden und damit zur Oberflächenzerstörung. Im Garten kann dem Boden mehr Luft durch Vertikutieren zugeführt oder dieser mit Kalk oder Eisensulfat (Vorsicht: Giftig!) bestäubt werden. Wenig Licht, Stickstoff- oder Nährstoffmangel sowie Staunässe begünstigen das Wachstum im Garten. Vor dem Vertikutieren muss das Gras geschnitten werden und am Besten die betroffenen Stellen bereits eingesäht werden. Eine Bodenbelüftung kann mehrmals im Jahr durchgeführt werden, eine Vertikutierung hingegen nur im April bzw. Herbst. An schattigen Stellen sollte eigens dafür vorgesehener Rasensamen verwendet werden, da dieser einen höheren Anteil an Lägerrispengras beinhaltet. Andererseits wird Moos gar bewusst im Garten eingesetzt: Als Schutz vor Schnecken, Bakterien und Pilze und um die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens zu erhöhen. Daneben wird Torf auch häufig als nährstoffreiche Blumenerde oder als Wasserspeicher für den Pflanzentransport verwendet. In früheren Zeiten spielte es zudem eine wichtige Rolle zur Abdichtung von Fugen bzw. der Dämmung von Holzhäusern.
In Japan ist Moos ein nicht wegzudenkender Bestandteil des sog. “Zen-Gartens”, ist es doch im Land der aufgehenden Sonne ein Symbol für die Stille und Dauerhaftigkeit.
Bislang ist noch kein Vergiftungsfall nach dem Verzehr von Moos bekannt geworden. Allerdings sollte daran gedacht werden, dass die Pflanze auch Schwermetalle und andere Umweltgifte aufnimmt und speichert.

Literatur:

.) Biologie der Moose; Jan-Peter Frahm; Spektrum Akademischer Verlag 2001
.) Exkursionstaschenbuch der wichtigsten Moose Deutschlands. Eine Einführung in die Mooskunde, mit besonderer Berücksichtigung der Biologie und Ökologie der Moose (für die Lupenbestimmung der leicht erkennbaren Arten im Gelände); Ruprecht Düll; Rheydt 1985
.) Moosflora; Jan-Peter Frahm/Wolfgang Frey/J. Döring; Ulmer 2004
.) Urania-Pflanzenreich: Moose, Farne, Nacktsamer; Franz Fukarek et al.; Urania 2000
.) Bryologica atlantica (Die Laubmoose der atlantischen Inseln); Adalbert Geheeb 1910
.) Farbatlas Flechten und Moose; Volkmar Wirth/Ruprecht Düll; Ulmer Stuttgart (Hohenheim) 2000
.) Bryology for the twenty-first century; Ashton Duckett (Hg.); W.S. Mancy and Sons 1998
.) Rote Liste gefährdeter Pflanzen Deutschlands; G. Ludwig/M. Schnittler; Schriftenreihe Vegetationskunde Band 28
.) Rote Listen gefährdeter Pflanzen Österreichs; H. Niklfeld; Grüne Reihe des Bundesministeriums für Umwelt, Jugend und Familie Band 10 1999

Links:

www.blam-hp.eu
www.bryolich.ch
www.britishbryologicalsociety.org.uk
www.ijon.de/moose
bd.eionet.europa.eu
www.bafu.admin.ch
www1.biologie.uni-hamburg.de
www.bioimages.org.uk
rbg-web2.rbge.org.uk/bbs/Activities/field%20bryology/FB114/FB114_BookReview.pdf
www.northwaleswildlifetrust.org.uk/wildlife/species-explorer/mosses-and-liverworts

http://www.missouribotanicalgarden.org/

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Das ist eines Menschen nicht würdig

“Die ersten Symptome sind ein beklemmendes Gefühl auf der Brust und Atemschwierigkeiten. Dann fängt die Nase zu laufen an, und es wird dunkel vor den Augen, da sich die Pupillen wie der Verschluß einer Fotokamera
zusammenziehen. Schwindelgefühle und stechende Kopfschmerzen folgen. Gleichgewichtsstörungen treten auf, das Atmen wird immer schwieriger und hört bald ganz auf, obwohl das Herz mitunter noch drei bis vier Minuten weiterschlägt. Wenn der Tod eintritt, ist der Körper völlig paralysiert.”

(Dr. Seymour D. Silver, Chef der Kampfstoff-Abteilung des “US-Army Chemical Center” in Edgewood/Maryland)

Dass so mancher Machthaber zu allen Mitteln greift um an der Macht zu bleiben, ist nichts neues. Dass er jedoch Giftgas gegen das eigene zivile Volk einsetzt – das ist weitaus mehr als verachtenswert. Dennoch ist es offenbar geschehen: Erstmals am 21.August 2013 bei Angriffen auf Ghuta sowie am 04. April des Jahres bei zwei russisch-syrischen Luftbombardements auf Chan Schaichun in der Provinz Idlib. Viele Menschen – darunter auch Kinder – krepierten elendigst am eingesetzten Nervengas. Auch wenn der Diktator Baschar al-Assad den schon lange völkerrechtlich verbotenen Einsatz von Gas in beiden Fällen abstreitet, so ist unbestritten, dass er über ein solches Arsenal verfügt. Schliesslich hatte er einen Teil davon nach dem ersten Giftgas-Ereignis auf Druck der Russen zur Vernichtung an die Amerikaner übergeben – doch dürfte er möglicherweise einiges zurückbehalten haben.
Erklärbar – zumindest menschlich – auch die Reaktion des US-Präsidenten, der jenen Luftwaffenstützpunkt bombardieren liess, von dem aus die Bomber einen Tag zuvor aufgestiegen sind. Damit setzte Trump auch den Rote-Linien-Grundsatz seines Vorgängers um. Allerdings schüttete er mit dieser Cowboy-Aktion noch mehr Benzin in die Flammen. Schliesslich ist die Regierung Assad – unter welchen Umständen auch immer – gewählt, womit dies einer Kriegserklärung gleichkommt, da es mit dem Kampf gegen die Terroristen nichts mehr zu tun hat. Somit ist auch seine Rechtfertigung im Sinne der “nationalen Sicherheit” der USA nicht stichhaltig und nachvollziehbar. Und schliesslich sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass in den USA nach wie vor Todesurteile in der Gaskammer vollstreckt werden!
Nervengifte kommen im Tierreich gar nicht mal so selten vor, werden sie doch von Insekten wie den Spinnen, Skorpionen und manchen Schlangen für den Beutefang gebraucht. Andere setzen sie zur Verteidigung oder als Frassschutz ein. Auch die Elemente Arsen, Blei, Cadmium, Quecksilber und Thalium werden als Nervengifte bezeichnet. Der Mensch verwendet Nervengifte einerseits zur Insektenbekämpfung, andererseits als chemischen Kampfstoff, dem Nervengas: Hochviskose bzw. inzwischen gar binäre Flüssigkeiten, die den ersten verwendeten Kampfmitteln wie etwa Chlor in keinster Weise mehr gleichen. Zumeist reichen bereits winzige Mengen, wie auch ich erfahren durfte. Bei einer Milizübung des Österreichischen Bundesheeres wurden ABC-Schutzmasken ausgegeben. Es reichte das Einschieben der Maske in die Tasche und ich musste für eine Woche mit einem Ausschlag an der rechten Hand kämpfen, obgleich beides lt. Aussage des Waffen-Unteroffiziers vor Ausgabe desinfiziert worden war.
Der letzte aufsehenerregende Einsatz (vor der syrischen Bombardierung) war die Ermordung von Kim Jong Nam, dem Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un, in dessen Gesicht Spuren von VX gefunden wurden. Nervengase funktionieren alle auf dieselbe Art: In der Zeit von nur rund zwei Tausendstel Sekunden wird von einer Nervenzelle zur anderen eine Reizübertragung mittels Acetylcholin als Botenstoff wahrgenommen. Das Enzym Cholinsterase sorgt für die Verarbeitung dieses chemischen Botenstoffes (Spaltung) und somit der Erregungs-Senkung in der Nervenzelle. Gifte wie VX hemmen dieses Enzym. Dadurch kommt es zu einer Dauerreizung des gesamten Nervensystems (“akutes cholinergenes Toxidrom”) und dem Tod – unter schrecklichen Schmerzen und Krämpfen. VX wurde erstmals 1952 durch Militärchemiker erzeugt. Osama Bin Laden soll es in einer Pharma-Fabrik im Sudan produziert haben. Sie wurde durch die USA zerstört. Bereits eine Menge von dreihundert millionstel Gramm können für den Menschen tödlich sein.
Beim syrischen Bombardement wurde Sarin (Methylfluorphosphonsäureisopropylester) freigesetzt. Die organischen Phosphorsäurederivate reagieren im Körper ebenso wie das VX, die Immer höher werdende Acetylcholinkonzentration führt zu Atembeschwerden, Lähmungen und schliesslich tödlichen Krämpfen. Bereits 0,09 mg /m³ Atemluft oder 28 mg pro kg der geruch- und nahezu farblosen bis gelbbraunen Flüssigkeit auf der Haut aufgebracht, sind für den Menschen tödlich. 1938 durch Wissenschaftler rund um den Chemiker Gerhard Schrader von der I.G. Farben in Leverkusen als Insektenvernichtungsmittel entdeckt, blieb die Wirkung auch den Nazis nicht unbekannt. 1944 wurden nicht weniger als 30 Tonnen an Sarin in Testfabriken des Dritten Reiches hergestellt – jedoch gottlob nicht verwendet. Allerdings bauten die Hitler-Schergen an zwei grossen Fabriken – es war somit sehr wohl der Einsatz angedacht. Auch die Sowjets synthetisierten ab 1943 Sarin – der Roten Armee fielen zudem die kompletten Bestände der Deutschen bei der Eroberung von Schlesien in die Hände. Zudem produzierten die USA, Grossbritannien und Chile unter Pinochet Sarin; letzterer verwendete es gar gegen Oppositionelle. Der irakische Diktator Saddam Hussein hatte es im Ersten Golfkrieg sowie im Kampf gegen die Kurden im Einsatz – alleine in Halabdscha starben nahezu 5.000 Kurden dadurch. Terroristen griffen auf Sarin bei zwei Anschlägen in Matsumoto (1994) sowie in Tokio (1995) zurück. Zu den Symptomen: Atemnot, Sehstörungen, Muskelzucken, Krämpfe, Erbrechen, unkontrollierter Stuhlabgang, Bewusstlosigkeit, Atemlähmung, Tod. Es findet also ein grauenvoller Überlebenskampf statt, der zumeist auch mit medizinischer Hilfe verloren wird, da sich das Sarin gar nicht oder nur sehr schwer vom Enzym trennen lässt.
Auch das farblose bis bräunliche Tabun, das beim Erhitzen leicht nach Bittermandeln riecht, funktioniert wie die beiden vorher angesprochenen. Entwickelt wurde es gleichfalls durch den I.G. Farben-Chemiker Gerhard Schrader anno 1936. Sechs Jahre später folgte nördlich von Breslau in Dyhernfurth die industrielle Produktion (12.000 Tonnen) – das Gift wurde auch in Bomben und Granaten eingefüllt. Allerdings gelangten sie nicht zum Einsatz durch die Wehrmacht. Ebenfalls wie beim Sarin war Schrader eigentlich auf der Suche nach einem Insektizid. Die Weiterentwicklung fand im Heeresgasschutzlaboratorium in Spandau statt. Nach Kriegsende forschten die deutschen Chemiker vornehmlich in britischen und amerikanischen Laboratorien (wie dem Edgewood-Arsenal” in Maryland) weiter an Tabun.
Die Sowjets hingegen zeigten nach dem 2. Weltkrieg mehr Interesse an Soman. Soman – der vierte dieser todbringenden C-Waffen – ist eine farblose bis gelblich, braune Flüssigkeit. Der 1,2,2-Trimethylpropylester der Methylfluorophosphonsäure gleicht Sarin und riecht camperartig. Auch Soman wurde erstmals im Dritten Reich durch den österreichisch-deutschen Nobelpreisträger Richard Kuhn gemeinsam mit Konrad Henkel entwickelt. Gottseidank erst 1944, sodass nurmehr geringe Mengen davon hergestellt werden konnten, die nach Kriegsende in die Sowjetunion verbracht wurden. Dort wurden während des Kalten Krieges grosse Mengen davon produziert. Übrigens: Im deutschen Werk Dyhernfurth, das komplett demontiert und in Stalingrad wieder aufgebaut wurde. Das dort als “R-55″ bekannte Nervengas wurde mit einem organischen Polymer gemischt – heraus kam ein verdickter Kampfstoff (VR-55), der über eine sehr lange Zeit wirksam ist. Das Besondere am Soman ist, dass es den Enzym-Komplex schneller altern lässt. Ansonsten sind Wirkung und Symptome dieselben wie bei den anderen drei Kampfmitteln. Auch hierbei ist der Tod durch Atemlähmung ein sehr grauenhafter.
Senfgas (Bis(2-chlorethyl)sulfid) ist ebenfalls ein chemischer Kampfstoff, streng genommen allerdings kein Giftgas, sondern vielmehr ein hautschädigender Kampfstoff. Bei Kontakt mit der Haut entstehen dort grosse schmerzhafte Blasen wie bei Verbrennungen oder Verätzungen. Das Gewebe stirbt ab – Gliedmassen müssen amputiert werden. Eingeatmet verätzt Senfgas die Bronchien. 100 mg/kg sind auf der Haut tödlich, 0,7 mg/kg durch den Mund aufgenommen. Der Name für diese in gereinigtem Zustand farb- und geruchslose Flüssigkeit kommt vom typischen Senf- bzw. Knoblauchgeruch des noch ungereinigten Produktes. Entdeckt wurde die “übelriechende Flüssigkeit” anno 1822 durch den belgischen Chemiker César-Mansuète Despretz, erstmals als Kampfstoff wurde das auch als “Gelbgas” oder “Gelbkreuz” bekannte Mittel von den Deutschen am 12. Juli 1917 in der Flandernschlacht bei Ypern eingesetzt. Und seine Wirkung war wirklich fatal!

“Die Wirkung des Gelbkreuzes in der Flandernschlacht von 1917 steigerte sich mehr und mehr, und es kam wiederholt vor, daß der Gegner froh war, wenn er ein Viertel seiner Mannschaft unbeschädigt halten konnte.”
(Professor Victor Meyer)

Die Briten verwendeten Senfgas (“Schwefellost”) während ihrer Intervention im russischen Bürgerkrieg 1919, auch die Spanier und später Franzosen setzten im Rifkrieg in Marokko in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts Senfgas gegen die Berberstämme ein. Noch heute führt die Region Al-Hoceima die Lungenkrebsstatistik in Marokko an. Obwohl in der Genfer Konvention von 1925 inzwischen verboten, wurde Senfgas auch durch die Italiener (Italienisch-äthiopischen Krieg), die Sowjets (in der chinesischen Provinz Xinjiang), die Japaner (im 2. Weltkrieg gegen China) und einmalig durch die Polen im 2. Weltkrieg sowie von unzähligen anderen Staaten verwendet. Die deutsche Luftwaffe versenkte am 2. Dezember im Hafen von Bari einen US-Frachter, der Senfgas-Granaten an Bord hatte. 100 Soldaten und etwa 1.000 Zivilisten starben, 500 weitere Soldaten zogen sich Verätzungen zu. Die Alliierten glaubten zunächst, die Deutschen hätten mit Gas gebombt. Eine im Hafenbecken gefundene Granate konnte allerdings eindeutig als Made in USA identifiziert werden. Allerdings produzierte auch Hitlerdeutschland in Münster das Gas. Der letzte bekannte Einsatz von Senfgas geschah nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums am 20. September 2016 durch die Terrormiliz Islamischer Staat während eines Angriffs auf den Luftwaffenstützpunkt al-Qayyara West.
Grosse Mengen der Wehrmachtsbestände an Nerven- und Senfgas wurden nach Kriegsende südlich von Helgoland in der Nord-, vor allem aber in der Ostsee versenkt. Dort treten die Kampfmittel aus den verrosteten Behältern aus – hier entsteht wohl eine der gefährlichsten Kloaken dieses Planeten. Senfgas etwa tritt in Form kleiner Klümbchen an die Wasseroberfläche und verursacht bei Hautkontakt Verätzungen. Aber auch nördlich von Irland haben die Royal Navy und Airforce grosse Tabun-Bestände auf ausgemusterten Handelsschiffen versenkt. Deutschland verpflichtete sich in den Pariser Verträgen im Jahre 1954 dazu, nie mehr wieder ABC-Waffen zu entwickeln.
Nervengase können zumeist durch Gaschromatographie bzw. Hochleistungsflüssigkeitschromatographie in Verbindung mit Massenspektrometrie nachgewiesen werden. Eingesetzt wird es von Unmenschen, die damit eine möglichst hohe Opferzahl erzielen möchten. Auch unter Zivilisten, weshalb der Einsatz von Nervengas nichts mehr mit Kriegsführung zu tun hat – und schon gar nichts mit der Offiziersehre (falls es denn noch eine solche geben sollte!). Zu diesem Zweck unterzeichneten 192 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen (Stand: 16. Oktober 2015) die Chemiewaffenkonvention (CWK), die mit 29. April 1997 in Kraft trat. Assad ratifizierte diese am 14. September 2013 – nach wie vor nicht dabei: Nordkorea, Ägypten und der Süd-Sudan. Das Ziel war die Registrierung und Vernichtung aller chemischen Waffen unter internationaler Aufsicht bis 2012. Auch der Munition und Gerätschaften, die einzig für diesen Einsatz vorgesehen sind. Die Kontrolle obliegt den sog. “ÖVCW-Inspektoren”.
Der Nahost-Experte Martin Lüders nun behauptet, dass der türkische Geheimdienst die Terrorgruppe Al-Nusra mit Sarin belieferte. Demgemäss soll der erste Giftgas-Angriff 2013 nicht vom Assad-Regime sondern durch die Nusra-Front durchgeführt worden sein, um damit den damaligen Präsidenten Barack Obama zum Eingreifen zu bewegen. Der hatte zuvor die bekannte rote Linie gezogen – beim Einsatz derartiger C-Waffen wollte er militärisch antworten. Lüders Behauptung stützt auf Erkenntnissen der US-Geheimdienste. Die sollen Obama auch informiert und gewarnt haben, sodass dieser zwar Truppen in Alarmbereitschaft versetzen liess, schlussendlich aber doch nicht eingriff.

https://youtu.be/3Rwswcchgpk

Obgleich in der Haager Landkriegsordnung von 1907 verboten (ratifiziert durch die Mittelmächte und die Entente), verwendeten erstmals in der 2. Flandernschlacht am 22. April 1915 die kaiserlich-deutschen Truppen (Pionierregiment 35) Chlorgas. Der befehlshabende General, Berthold Deimling, der gegen den Rat seiner Regimentskommandanten handelte, erhielt damals die Bezeichnung “Der Schlächter von Ypern” – mehrere tausend Mann auf Seite der Alliierten starben unter grauenvollen Umständen, weitaus mehr wurden schwer verletzt! Auch die k.u.k-Truppen Österreichs setzten am 29. Juni 1916 in der 5. Isonzo-Schlacht am Berg San Michele und an der Front in San Martino del Carso Giftgas ein – 2.700 italienische Soldaten starben offiziell durch Giftgas. Insgesamt kamen an diesem und dem folgenden Tag nicht weniger als 6.700 Mann auf italienischer Seite und rund 1.570 Mann auf österreichischer Seite um’s Leben – somit inoffiziell sicherlich wesentlich mehr am Gas. Kaiser Franz Josef hatte sich zuerst geweigert – als er falsch davon informiert wurde, dass die Italiener angefangen hätten, Gas zu verwenden, willigte auch er dem Einsatz ein. Federführend an der Entwicklung dieser C-Waffen war damals der Chemiker Carl Duisberg – ihm zur Seite standen viele Nobelpreisträger, wie etwa auch Max Planck, Gustav Ludwig Hertz und Otto Hahn, der als “Vater der Radiochemie” ja auch an der Entwicklung der Atombombe massgeblich beteiligt war, obwohl er sich nach den Abwürfen von Hiroshima und Nagasaki gegen die Kernwaffennutzung einsetzte! Nach einem Giftgas-Einsatz an der Ostfront schrieb Hahn am 12. Juni 1915:

“Ich war damals tief beschämt und innerlich sehr erregt. Erst haben wir die russischen Soldaten mit Gas angegriffen, und als wir dann die armen Kerle liegen und langsam sterben sahen, haben wir ihnen mit unseren Rettungsgeräten das Atmen erleichtern wollen, ohne jedoch den Tod verhindern zu können.”

Bereits vor dem deutschen Chlorgas hatten französische Truppen Tränengas (Bromessigsäureethylester) versprüht, das jedoch die gegnerischen Truppen nur für eine kurze Dauer ausser Gefecht setzte. Die Briten versorgten ab Herbst 1915 alle alliierten Truppen (auch die russischen) mit Giftgas, die Amerikaner verwendeten später auch Blausäure-Granaten. Nachdem während des Ersten Weltkriegs zirka 113.000 Tonnen Kampfstoffe von 45 unterschiedlichen Typen eingesetzt wurden, rund 100.000 Soldaten daran krepierten und weitere 1,2 Mio verwundet wurden, verbot das 1925 unterschriebene Genfer Protokoll den Einsatz deratiger chemischer Waffen.
Bei all diesen Kampfmitteln ist ein Ganzkörperschutzanzug mit Schutzmaske und
Atemfilter unbedingt erforderlich, inzwischen jedoch auch nur für eine gewisse Zeit wirklich schützend dicht. Vor einem Einsatz können Oxim-Tabletten oder Carbamate verwendet werden – bei einer Vergiftung hilft nur das Spritzen von Atropin, das die Acetylcholin-Rezeptoren blockiert, wodurch die Wirkung des Botenstoffes aufgehoben wird. Bei der anschliessenden Dekontamination sollte niemals nur Wasser verwendet werden. Chlorkalk, Calciumhyperchlorit, Aminoalkoholate oder auch alkalische Lösungen sorgen für eine Oxidation oder Hydrolyse des Stoffes und verkürzen somit die Halbwertszeit.
Obgleich verboten, wird allerorts weitergeforscht – am Nervengas. Die USA etwa in der Kampfstoffabteilung des “US-Army Chemical Centers” in Edgewood/Maryland. Auch Russland, Grossbritannien, Frankreich und etliche andere Staaten betreiben entsprechende Forschungslabors. Besonders gefährlich sind diese Waffen in Händen von Irren, Terroristen oder Schurkenstaaten (wobei die Ersten die nachfolgenden beiden nicht ausschliessen). In diesem Zusammenhang befürworte ich deshalb die geheimdienstliche Kontrolle auch des Internets nach Keywords!
Es gibt noch weitaus mehr chemische Kampfmittel, die ich jedoch nicht alle aufzählen möchte. Doch angesichts dessen, wie sie wirken und was sie anrichten, verdient wohl der Mensch keineswegs mehr den Titel als “Krone der Schöpfung”!

Hinweis:

In diesem Blog verzichte ich absichtlich auf den Hinweis von Links und Literatur. Das Thema ist dermassen grauenvoll, sodass ich hier nicht etwa noch einigen Wahnsinnigen oder deren Handlangern Vorschub leisten möchte!!! Auch die Recherche gestaltete sich etwas schwer, ohne es gleich mit dem Verfassungsschutz oder einem Militär-Geheimdienst zu tun zu bekommen! Allerdings stiess ich auch auf Herstellungsbeschreibungen. Ich würde die Verantwortlichen aufgrund der letzten Vorgänge dringlichst bitten, diese aus dem Netz zu nehmen!!!

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Das Christkind bringt allen was

2016 wurde nahezu ganz Paraguay überflutet, ein Jahr später Ecuador, Peru und mit Einschränkungen auch Kolumbien! Obgleich es der US-Präsident Donald Trump nicht wahrhaben will – doch lebt er ja ohnedies in einer ganz anderen Welt: Jener der alternativen Fakten! Die Klima-Kapriolen, verursacht durch die Verschmutzung der Atmosphäre durch Treibhausgase wie Kohlendioxid, Methan, Schwefeloxide etc. werden noch viele Zerstörungen hervorrufen und sehr viel Leid bringen. Da kann man als reicher Mann in seinem eigenen Hochhaus oder als US-Präsident im sicheren Weissen Haus sitzen und noch so viele Witze reissen – es ist schlichtweg pietätlos über Menschen zu lachen, die in den Fluten ertrinken oder aufgrund der Dürre verhungern! Deshalb fordert auch Trumps Amtskollege aus Peru, Präsident Pedro Pablo Kuczynski, mehr Massnahmen gegen den Klimawandel zu setzen. Die Reaktivierung der Luftverschmutzer Nummer 1, den Kohlekraftwerken in den USA, ist da weitaus mehr als fehl am Platz.
Schwergewichtig für viele der Katastrophen weltweit verantwortlich zeichnet ein Wetterphänomen, das als “El Niño” (in diesem konkreten Fall “Das Christus-Kind”) bekannt ist. Der Experte spricht von “ENSO – der El Niño Southern Oscillation” und versteht hierunter die “ungewöhnlichen, azyklischen Strömungen im ozeanographisch-meteorologischen System”. Vereinfacht ausgedrückt: Anomalien in der Meeres-Oberflächentemperatur. Peruanische Fischer haben das Phänomen erstmals 1891/92 zur Weihnachtszeit beobachtet und deshalb diesen Namen gewählt. Ähnlich wie im Atlantik der Golfstrom, den ich an dieser Stelle ja bereits erklärt habe, steckt auch hier ein riesiger Strom dahinter: Der Humboldtstrom. Er liefert kühles und nährstoffreiches Wasser an die Küste von Peru, das durch die Passatwinde noch schneller aufgetrieben wird. So hat das Wasser zur Weihnachtszeit bei Indonesien rund 28, vor Peru nurmehr 24 Grad. El Niño nun sorgt dafür, dass die Passatwinde ausbleiben, die Durchmischung nicht mehr funktioniert. Der kalte Humboldtstrom wird schwächer oder kommt gar zum Erliegen. Das Wasser erwärmt sich vor der Küste des Andenstaates, während es vor Australien und Indonesien kälter wird. An sich kein Problem, wird dies doch durch Südostwinde normalerweise ausgeglichen: Während im Ostpazifik ein Hochdruckgebiet entsteht, fällt im Westpazifik, der Luftdruck. Dadurch wird unter normalen Umständen diese sehr feuchte Luft in Richtung Indonesien angezogen (“Walker-Zirkulation”). Dort treffen alsdann Südost- und Nordostpassat aufeinander (“innertropische Konvergenzzone”). Diese Passatwinde entstehen dadurch, dass sich die Luftmassen durch die senkrecht stehende Sonne erwärmen und in Richtung Pole ziehen. Über den Wendekreisen sinken sie wieder ab und ziehen zum Äquator zurück (“Hadley-Zirkulation”). Dabei blasen sie ungeheuerliche Wassermassen vor sich her, was dazu führt, dass der Meeresspiegel in Indonesien um ganze 60 cm höher als in Peru ist. Die Grenzfläche zwischen warmem Oberflächen- und kaltem Tiefenwasser (Thermokline) liegt normalerweise im Osten bei 30, im Westen hingegen bei 150 m. El Niño sorgt aber dafür, dass die Luftmassen und mit ihnen auch das warme Oberflächenwasser zungenförmig gegen die südamerikanische Küste klatschen.
Die Folgen bleiben selbstverständlich nicht aus: Das Plankton in den oberen Wasserschichten stirbt ab, die Fische haben nichts mehr zu futtern, wandern ab oder sterben. Die Robben verhungern oder werden krank. Ganze Nahrungsketten können zusammenbrechen – in einer Region, in der in normalen Jahren etwa zehnmal so viele Fische wie ansonsten gefangen werden können. Auch den Korallenbänken geht’s an den Kragen. 1997/98 gingen etwa 1/6 aller Riffs weltweit kaputt, da sich die symbiotischen Bakterien von ihnen trennen (Korallenbleiche).
Zudem verdunstet das wärmere Wasser schneller. Während der Überschwemmungskatastrophe in Peru war dort der Pazifik um nicht weniger als fünf Grad Celsius wärmer als üblich in dieser Jahreszeit. Steigt nun die extrem feuchte Luft an den Anden auf, beginnt es zu regnen. Fatal für Peru – in Kolumbien kamen grossflächige Abholzungen dazu, sodass das Wasser nicht im Regenwald gespeichert werden konnte und samt der Schlammmassen und Geröll zu Tale donnerte.

https://www.youtube.com/watch?v=2gSCCFCZqjs

Daneben steigt der Meeresspiegel um rund 30 cm, da warmes Wasser oben fliesst und durch die Ostwinde in Richtung Südamerika getrieben wird. Der Humboldtstrom hatte es ansonsten abgekühlt, wodurch das Wasser absinkt. Nicht weniger als 23 Häfen mussten in Peru während des Naturereignisses geschlossen werden.
Die globalen Auswirkungen sind noch extremer. Während es an der kompletten südamerikanischen Westküste wie aus Eimern schüttet, werden die Atlantikküsten trockener – sehr schlecht beispielsweise für die grossen Amazonas-Regenwälder! In Kalifornien herrscht seit rund vier Jahren Wasserknappheit. Der Regen im Februar wurde deshalb als wahrer Segen betrachtet – für die Trinkwasserspeicher trotzdem zu wenig. Städte und Gemeinden müssen bis zu 25 % Trinkwasser einsparen, 58 Mio Bäume (nach Angaben des Carnegie Institutions for Science) sind bereits seit 2011 vertrocknet, abgebrannt oder vom Borkenkäfer vernichtet worden – Gouverneur Brown spricht vom schlimmsten Waldsterben der jüngeren Geschichte Kaliforniens. Auch die riesigen Mammutbäume im Norden des Landes sind hiervon betroffen. Und das in einer Region, in welcher der Pool praktisch Bestandteil des Hauses ist! Auch in Südost-Asien und Australien fehlt der Regen – Dürre und Buschfeuer sind die Regel. So produzierten die Waldbrände 2015 in Indonesien mehr CO2 als die kompletten Vereinigten Staaten im selben Jahr und verursachten einen Schaden von nicht weniger als 16 Mio Dollar! Der Monsum auf dem indischen Subkontinent verschiebt sich, wird intensiver oder kommt gar nicht. Riesige Wirbelstürme entstehen vor Mexiko (etwa “Pauline” im Oktober 1997), die bei ihrer Reise in Richtung Norden unglaubliche Schäden anrichten. Aber auch der afrikanische Kontinent leidet darunter. Während etwa Kenia und Tansania übermässig Regen abbekommen, fehlt dieser im südlichen Afrika wie Sambia, Simbabwe, Mosambik und Botswana und zudem Äthiopien. Auch an den Polkappen ist das pazifische Wetterphänomen zu spüren: Im Sommer verliert die Arktis rund eine Million Quadratkilometer ihres Eises zu viel. Die NASA hat zudem nachgewiesen, dass 2016 auch das Meereis in der Antarktis durch das Christkind aus dem Pazifik verringert wurde. Die Experten sprechen von rund 19 Mio Quadratkilometern im Oktober – das wären rund 1 Mio weniger als noch im Rekordjahr 2014.
Mögliche Auswirkungen auf Europa sind noch nicht geklärt – nur der mehr als kalte Winter 1941/42 (Russlandfeldzug des Dritten Reichs) kann auf das Wetterphänomen zurückgeführt werden. Derzeit geht die Wissenschaft davon aus, dass ein stärkeres Frühjahrsregenband in El Niño-Jahren von Südengland bis nach Zentralasien zieht – das aber ist noch nicht erwiesen.

https://www.youtube.com/watch?v=Ug4V2BozT94

Alle zwei bis acht Jahre treten diese Wetterphänomene auf. In den anderen Jahren kann es nach einer Übergangsphase zum gegenteiligen Effekt kommen: Einer Verstärkung des normalen Zustandes – bekannt als “La Niña” (“kleines Mädchen”): Der östliche Pazifik kühlt ab – Indonesien bekommt einen sehr nassen Herbst, während in Peru zwei Monate später Dürre herrscht. Je heftiger der vorherige El Niño war, desto schneller tritt La Niña ein. Grössere El Niño-Ereignisse gab es in den Jahren 1997/98 und 2015/16. Auch dieser Jahreswechsel wird wohl leider in dieser Auflistung seinen Niederschlag finden. Das grösste Ereignis aber betrifft die Jahre 1982/83: Über drei Millionen Hektar Wald verbrannten nur auf Borneo; Bolivien, Ecuador und die Westküste der USA gingen im Wasser unter, Hawaii und Tahiti wurden von Wirbelstürmen heimgesucht – Experten sprechen von einem weltweiten Schaden von acht Milliarden Dollar. Die Wassertemperatur lag sieben Grad über dem Durchschnitt, das erwärmte die Umfeld-Lufttemperatur um rund 1,5 Grad (normal in El Niño-Jahren sind 0,25 Grad). 2015/16 gab es riesige Flächenbrände auf Australien und Indonesien, während in der Atacama-Wüste in Chile nach respektablen Regenfällen ein Blumenmeer zum Vorschein kam. Ostafrika wurde von Starkregen, Überflutungen und Erdrutschen heimgesucht, während im Norden Brasiliens eine Dürrekatastrophe herrschte. Gleichzeitig allerdings stieg der Pegel des Parañas im Süden des Landes um bis zu acht Meter.
Klimaforscher vermuten, dass die Klimaerwärmung entscheidend zur Häufigkeit und Stärke des El-Niño-Phänomens beiträgt. Was allerdings tatsächlich diese Umkehr der Walker-Zirkulation auslöst, bleibt weiterhin unerforscht! Auch die Vorhersage der Stärke ist nahezu unmöglich!

Lesetipps:

.) El Niño: Klima macht Geschichte; César N. Caviedes; Primus 2005
.) Stichwort El Niño; Christian Eckert; Heyne 1998
.) Die Erde hat ein Leck (und andere rätselhafte Phänomene unseres Planeten); Axel Bojanowski; DVA
.) La Jungle, la nation et le marché. Chronique indonésienne; Frédéric Durand; L’Atalante 2001
.) Das Meer – Wasser, Eis und Klima; Petra Demmler; Verlag Eugen Ulmer 2011

Links:

www.elnino.info/k1.php
www.elnino.noaa.gov
www.enso.info/
www.climate.gov/enso
www.wmo.int
www.bom.gov.au
www.egu.eu
bildungsserver.hamburg.de
www.jcu.edu.au
www.naturefund.de
nsidc.org
RealClimate.org
www.pik-potsdam.de
monash.edu

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