Archive for Mai, 2017

Das fürchterlichste Raubtier

2017 ist ihr Jahr! Zugegeben – neben dem des Waldkauz, der Haselmaus, der Blindschleiche, des Flunders etc. etc. Sie alle sind in ihrer Gattung die Tiere des Jahres 2017. Und die Gottesanbeterin ist das Insekt des Jahres. Ein sehr brutales und blutrünstiges dazu!
In unseren heimischen Gefilden noch weniger zu beobachten, hat sie jedoch schon längst ihren Siegeszug in Richtung Norden angetreten. Allerdings ist sie keine sog. “Neobiota” – eine eingebürgerte Spezies, die von der Klimaänderung oder der Globalisierung profitiert. Sie ist vielmehr eine Rückkehrerin, da sie bereits vor der letzten Eiszeit hierzulande ansässig war.
Die meisten unter Ihnen werden sie aufgrund ihres ungewöhnlichen Paarungsverhaltens kennen: Während des bzw. kurz nach dem rund zwei Stunden dauernden Geschlechtsakt kann es schon mal vorkommen, dass das Weibchen den Kopf des oder das ganze Männchen auffrisst (Sexualkannibalismus)! Da bekommt der Satz “den Intellekt an nachfolgende Generationen weitergeben” plötzlich eine komplett andere Bedeutung! Dieses Prozedere ist aber nicht bei allen Arten unbedingt zwingend, biologisch jedoch recht einfach zu erklären: Das Weibchen braucht innerhalb kürzester Zeit eine maximale Anzahl von Proteinen um die Vielzahl der Eier ausbilden zu können. Auf diese brutale Art muss sie nicht auf ein Beutetier warten! Dadurch allerdings wird beispielsweise die Zucht mehr als schwierig. Sehr aggressiv insofern ist die Ghana-Gottesanbeterin (Sphodromantis lineola). Das Männchen ergreift sofort nach der Begattung die Flucht! Die Männchen anderer Arten führen vor der Paarung einen Balztanz durch, damit sie vom Weibchen nicht als Beutetier gesehen werden.
Erstmals beschrieben wurde die Gottesanbeterin durch den schwedischen Naturforscher Carl von Linné. Er schreibt in seiner “Systema Naturae” von der “Gryllus (Mantis) religiosus” – anno 1758! Das auch als “Fangheuschrecke” bezeichnete Insekt geniesst v.a. in Japan grosse Ehrerbietung. Dort ist die Gottesanbeterin ein Symbol für Beständigkeit, Geduld und Wachsamkeit. Sie kann stundenlang in der Botanik stehen, den Kopf nach unten gerichtet, die Schenkel eng an den Körper angelegt und auf Nahrung warten (“Lauerjägerin”)! Zumeist ahmt sie dabei auch Teile von Pflanzen nach (Mimese) und passt sich somit perfekt der Umgebung an. Kung Fu-Sportler haben sie nicht selten auf der Kleidung oder in die Haut tätowiert. Zudem ist das Praying Mantis Kung Fu bzw. Tang Lang Chuan ein Kampfstil, der angeblich von Mönchen aus dem Shaolin-Kloster entwickelt wurde.

https://www.youtube.com/watch?v=UowdRYC9qdE

Aber auch bei den alten Völkern des Mittelmeerraumes hatte sie aufgrund der “betenden” Fangarme starke Symbolkraft.
Die “Mantis religiosa” stammt eigentlich aus den Tropen und Subtropen des afrikanischen Kontinents, sie gehört zur Ordnung der Mantodea, die aus rund 2150 Arten besteht. Das europäische Weibchen ist mit zirka 75 Millimeter deutlich grösser als das Männchen (60 mm). Die kleinste ihrer Art ist die aus Südamerika stammende Mantoida tenuis mit rund 12, die beiden grössten Arten hingegen Toxodera sowie Ischnomantis mit nahezu 160 mm. In Mitteleuropa ist die Europäische Gottesanbeterin vornehmlich in sog. Wärmeinseln zu finden, wie etwa am Kaiserstuhl bei Freiburg, der Oberrheinebene oder am Neusiedlersee in Österreich, da das Insekt sonnige und trockenwarme Südhänge mit Halbtrockenrasen und Gras bis auf 1.700 m Seehöhe bevorzugt. Weinberge etwa! Dabei aber verachtet sie auch Büsche oder Sträucher nicht. Trotzdem wurden schon in allen Teilen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz Exemplare gesichtet. Vielfach aber wird sie schlichtweg aufgrund ihrer ausgezeichneten Tarnung übersehen. In Mitteleuropa gilt die Fangschrecke derzeit noch als “besonders geschützte Art”. Kommt es allerdings zur weiteren Ausbreitung wird sie sicherlich von der roten Liste genommen werden können. In Berlin-Schöneberg hat sich – doch eher aussergewöhnlich – eine städtische Exklave entwickelt.
Den Namen hat die Gottesanbeterin aufgrund ihrer “andächtigen” Haltung bei der Nahrungssuche: Die angewinkelten Beine ähneln einer betenden Stellung. Ihre Beute sind Insekten – aber auch Frösche, Eidechsen, Mäuse und Kolibris. Die Beute wird fixiert, danach schnellen die mit Dornen und Haken besetzten Vorderbeine (Fangbeine) darauf zu – deshalb auch die Bezeichnung “Fangschrecken”. Der Zugriff selbst dauert nicht länger als 60 Millisekunden – manche fangen gar fliegende Insekten ein.
Die vier Beine am Hinterleib dienen der Fortbewegung der grünen, gelblichen oder braunen Tiere. Sowohl Männchen als auch Weibchen besitzen zwar Flügel, doch verwenden sie die Weibchen gar nicht mehr – die Männchen nur für kurze Strecken.
Auffallend bei diesen Insekten ist der dreieckige Kopf mit den seitlich sitzenden, riesigen Facettenaugen. Damit besitzen sie ein stereoskopisches Blickfeld. Die Ocellen zwischen diesen Alien-Augen sind bei den Männchen stärker ausgeprägt – sie übrigens häuten sich nur sechsmal, die Weibchen hingegen siebenmal. Dabei gilt die letzte Häutung stets als “Adulthäutung” – ab diesem Zeitpunkt sind die Insekten erwachsen und kurze Zeit später auch geschlechtsreif. Während dieser Häutungsvorgängen hängen die Tiere kopfüber an Ästen oder Blättern und sind auch gegen kleinere Feinde völlig wehrlos.

https://www.youtube.com/watch?v=I0kBFfqAL8o

Gottesanbeterinnen sind nicht winterfest – die erwachsenen Tiere (“Imagines”) sterben mit sinkenden Temperaturen. Nicht jedoch deren Eier. Nach der Begattung zwischen Juli bis September legt das Weibchen rund 150-200 Eier in sog. “Ootheken” ab. Dies sind Schaummassen, die sehr rasch verhärten. Dadurch kann die Brut auch sehr niedrige Temperaturen (bis zu -43 Grad Ceslius) überstehen. Im Frühjahr schlüpfen dann die Larven, die sog. “Nymphen”. Sie verteilen sich nach der ersten Häutung grossräumig, damit sie sich nicht selbst anfallen.
Nicht uninteressant ist auch der Widerspruch, dass das Vorkommen der Fangschrecken jenseits des grossen Teiches in Nordamerika nahezu vernachlässigbar ist. Nur im Osten der USA und Süden Kanadas ist sie beheimatet. Der älteste Fund jedoch entstammt in Form der Bernsteininkluse einer Chaeteessidae aus New Jersey Bernstein (USA) aus der Oberen Kreidezeit.
Zu den natürlichen Feinden der Fangschrecken gehören Ameisen, Wespen und Vögel.

https://www.youtube.com/watch?v=7wKu13wmHog

Zudem sind Fledermäuse gefürchtet. Möglicherweise ist gegen sie auch der Hörbereich der Insekten ausgebildet – er liegt zwischen 25 bis 130 kHz – jene Frequenz also, die von Fledermäusen während des Fluges verwendet wird.

Lesetipps:

.) Manditen: Faszinierende Lauerjäger; Claudia Heßler/Rudolf Bischoff/Ingrid Bischoff; Edition Chimaira 2008
.) Insekten im Terrarium: Gottesanbeterinnen, Stabheuschrecken & Co; Mathias Schneider; Franckh Kosmos Verlag 2012
.) Faszinierende Kannibalen – Die Gottesanbeterin und ihr natürlicher Lebensraum; M. Fellinger/R. Fellinger; Natur und Tier Verlag 2006
.) Die Gottesanbeterin, Mantis religiosa. – Die Neue Brehm-Bücherei 656; M. K. Berg/C. J. Schwarz/J. E. Mehl; VerlagsKG Wolf 2011
.) Die Heuschrecken Baden-Württembergs; P. Detzel; E. Ulmer 1998
.) Systema Naturae; Carl von Linné; Springer Spektrum

Links:

www.nabu.de
www.senckenberg.de
www.natur-lexikon.com
www.insektenbox.de
insektoid.info
www.terrarium-wissen.de
www.forum-orthoptera.at
www.zoodirektoren.de
www.zoo-wuppertal.net
arteninfo.net
tierdoku.com
www.geo.de
www.wissenschaft.de
www.m-kung-fu.de

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Der Clan der Blutrünstigen

“Wenn der Befehl ergeht, sollt ihr die Hüften der Feinde brechen, ihre Luftröhren vollständig durchschneiden und ihnen zeigen, wie ein richtiger Krieg aussieht.”
(Kim Jong-un 2013 beim Besuch einer Artillerieeinheit)

Auf den Feldern sterben die Menschen, während er den starken Mann spielt und dringendst benötigte Gelder in seinen Raketen-Wahnsinn steckt. Alleine heuer wurden bereits 7 Tests mit Mittelstreckenraketen durchgeführt, obgleich eine Resolution des UN-Sicherheitsrates (mit den Stimmen aus Moskau und Peking) dies dem Land verbieten würde. Und – dort hingegen könnten die Unterschiede grösser wohl nicht mehr sein!
25 Millionen Menschen leben in Nordkorea. 32 % leiden lt. Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO an Unterernährung und sind trotz der Rauswerf-Mentalität seiner Führer auf humanitäre Hilfslieferungen angewiesen. So könnten etwa mit den 850 Mio US-Dollar (lt. südkoreanischen Angaben) für das Raketen- und Atomprogramm 19 Millionen Menschen für ein Jahr ernährt werden. Die Festivitäten für den 100. Geburtstag von Kim Il-sung sollen gar bis zu 2 Milliarden Dollar verschlungen haben!!! Überläufer betonen, dass viele der Diplomaten nicht krankenversichert sind und Nebenjobs machen bzw. Räume in den Botschaften vermieten müssen. Allerdings haben zumindest sie etwas zu essen – viele zuhause nicht! Infolge der Unterernährung ist jedes dritte Kind kleinwüchsig. Ob nun die Nahrungsmittel-Hilfslieferungen auch tatsächlich dort ankommen, wo sie hin sollen, darf bezweifelt werden. Viel zu sehr ist der ostasiatische Staat abgeschottet und isoliert. Eine der wenigen NGOs, die nach penetrant-lästigem Betteln das Land betreten darf, ist humedica. Dessen Mitarbeiter berichten zwar von der direkten Verteilung in der Bevölkerung – ob diese dann jedoch auch die Nahrungsmittel behalten dürfen oder sie wieder abgeben müssen, sobald die Fremden weg sind, weiss niemand. So wurden zuvor Hilfslieferungen nur durch die Regierung verteilt – an regierungstreue Bevölkerungsschichten und das Militär. Dem Militär übrigens werden, seit der Einführung der Songun-Politik durch Kim Jong-il, alle anderen Interessen untergeordnet, da die Führungsspitze in der ständigen Angst einer Invasion ausländischer Truppen lebt. Das hat auch seinen Preis: 15,9 % des Staatshaushaltes.
Ähnlich verhält es sich mit der medizinischen Versorgung. Amnesty International berichtet von Operationen und Ambutationen ohne Narkose, von fehlenden Verbandsmaterialien und natürlich Medikamenten. Doch sind auch alle anderen Bereiche schwer davon betroffen. So bleiben immer wieder Fernzüge auf offener Strecke liegen, da zu wenig Spannung in den Oberleitungen zur Verfügung steht.
Nordkroea nennt sich selbst eine Demokratische Volksrepublik, doch steckt tatsächlich ein totalitäres sozialistisches Einparteiensystem dahinter. Das Staatsoberhaupt ist der 1994 verstorbene “Ewige Präsident” Kim Il-sung, Regierungschef dessen Enkel Kim Jong-un (“Oberster Führer”). Dazwischen führte noch der 2011 verstorbene Kim Jong-il (der “Ewige Generalsekretär”) die Staatsgeschäfte. Nordkorea wurde am 09. September 1948 als unabhängiger Staat proklamiert! 1910 hatte Japan die koreanische Halbinsel besetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie in zwei Zonen unterteilt: Die nördliche unter der Sowjetunion und die südliche unter den USA als Besatzungsmacht. Dazwischen liegt heute eine schwerst bewachte Demarkationslinie entlang des 38. Breitengrades. Im Land selbst ist alles vornehmlich militärisch ausgelegt – jeder zwanzigste Nordkoreaner ist Angehöriger des Militärs.
Wie sehr die Bevölkerung unterdrückt wird, zeigt die Allgegenwart des Präsidenten und seines Enkels. Als DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker anno 1977 in Nordkorea verweilte, änderte Kim Il-sung von einem Tag auf den anderen die bisherige Länderbezeichnung Demokratische Volksrepublik Korea in Koreanische Demokratische Volksrepublik – wie beim Vorbild, der DDR. Und Kim Jong-un führte anlässlich des 70. Jahrestages der Unabhängigkeit von Japan im August 2015 die neue Zeitzone UTC+8,5 ein, bislang war es mit UTC+9 dieselbe wie Japan und auch Südkorea!

https://www.youtube.com/watch?v=_h9buowTawY

Gemeinsam mit der grossen Einwanderungswelle ethnischer Koreaner aus den zentralasiatischen Sowjetrepubliken kam auch Kim Il-sung nach Korea. In Seoul wurde er zum Vorsitzenden der gesamtkoreanischen Kommunistischen Partei gewählt. Nur drei Monate später stand er an der Spitze des provisorischen Volkskomitees. Im Frühjahr 1946 vollzog er die Spaltung mit der südkoreanischen Sektion und bildete schliesslich die Partei der Arbeit Nordkoreas. Die ersten Wahlen für die Volkskomitees (die lokalen Verwaltungsorgane) brachten einen klaren Erfolg für die Einheitspartei. 97 % stimmten für die Einheitsfront – auf den Wahlzetteln konnte nur für oder gegen diese angekreuzt werden. Inzwischen wurden auch alle Vorbereitungen für die Ausrufung eines eigenen Staates durchgeführt. So erfolgte die Überarbeitung des Verfassungsentwurfes in Moskau, die Genehmigung durch Stalin. Am 08. September 1948 schliesslich wurde die Verfassung durch die inzwischen gewählte Oberste Volksversammlung bestätigt. Kurz zuvor hatte Seoul die Republik Korea ausgerufen. Beide Staaten haben sich bis heute gegenseitig nicht anerkannt.
Am 25. Juni 1950 schickte Kim Il-sung Truppen über die entmilitarisierte Zone nach Südkorea: Der Beginn des Korea-Krieges! Nachdem beinahe die komplette koreanische Halbinsel durch die nordkoreanische Volksarmee besetzt war, griffen die UNO und die Vereinigten Staaten auf südkoreanischer Seite ein und drangen bis zur chinesischen Grenze vor. Peking schickte wiederum militärische “Freiwilligenverbände” zu den Nordkoreanern. Schliesslich wurde die Grenze entlang des 38. Breitengrades in Form einer entmilitarisierten Zone eingerichtet. 3 Millionen Zivilisten und 1 Million Soldaten starben in diesem Krieg.
Kim Il-sung begann am 15. Dezember 1955 mit einer beispielslosen Säuberungsaktion in der eigenen Partei. Mit dem Aussenminister Pak Hon-yong und dem ehemaligen Stabschef im Generalhauptquartier während des Korea-Krieges, Mu Chong, wurden schon mal zwei der unbequemsten Genossen hingerichtet. Im Jahre 1958 liess Kim das Schwert grossflächig kreisen – vornehmlich die politischen Sowjetfreunde, aber auch einige chinafreundliche Politiker verschwanden von einem Tag auf den anderen. Die nächste Säuberungswelle fand 1997 statt, in deren Rahmen auch der Vorsitzende des Ministerrates Kang Song-san dem Scharfrichter zum Opfer fiel!
Bereits in den 60er Jahren liess sich Kim als “Grosser Führer” feiern – dieses Privileg war ansonsten in der kommunistischen Welt nur Lenin und Stalin vorbehalten. Was nun folgte, lässt sogar den Personenkult rund um Stalin und auch Mao als winzig erscheinen. Doch habe ich an dieser Stelle schon über die nordkoreanische Märchenerzählungen meine Füllfeder kreisen lassen. 2014 berichtete etwa die BBC über eine angebliche Vorschrift, wonach ein Teil der männlichen Bevölkerung denselben Haarschnitt wie ihr Führer Kim Jong-un tragen müsse. Netter Nebenschauplatz: In London gelangte ein Friseut zu Berühmtheit, der ein Portrait des “Obersten Führers” in Plakatgrösse in seinem Schaufenster aufgehängt hatte – untertitelt mit “Bad Hair Day?”. Er musste dieses nach massiver Intervention der benachbarten nordkoreanischen Botschaftsangestellten entfernen. Oder – der nordkoreanische Botschafter, der geduldig auf den Stadt-Bus wartete, nachdem die Führung des österreichischen öffentlich-rechtlichen Fernsehens seinen Protesten nicht entsprach und den Film “The Interview” auf dem Sendeplan beliess.
Apropos TV: Immer wieder ist im koreanischen Fernsehen von Ehrenbürgerverleihungen zu sehen (Ecuador, Nigeria, …). Peru hat diese sogar an den Sekretär Kim Jong-ils vergeben – selbstverständlich erst, nachdem der grosse Führer sie selbst erhalten hatte. Sein Sohn, der gegenwärtige Diktator steht dem keineswegs hinterher. Mit gefakten Bildern wird berichtet, wie er ständig Hole-in-Ones auf dem Golfplatz erzielt, wie Marcel Hirscher dem Slalomhang runterwedelt oder Top-Fussballer ausspielt. Jedes Jahr beginnt am 15. April das grosse zweimonatige Arirang-Festival zu Ehren des Genossen Führers, Kim Il-sung. An diesem Tag im Jahr 1912 beginnt auch der offizielle nordkoreanische Chuch’e-Kalender. Fünf Feier- und Gedenktage wurden durch die Kims für die Kims eingerichtet: Die Geburts- und Sterbetage von Kim Il-sung (Tag der Sonne) und Kim Jong-il (Tag des strahlenden Sterns) sowie am 8. Januar (bzw. 71/1982 nach Chuch’e-Kalender) der Geburtstag des Obersten Führers Kim Jong-un.
Die nordkoreanische Führung hat Angst davor vom Thron gestossen zu werden. Also werden immer wieder mögliche Kontrahenten aus dem Weg geräumt – dabei wird auch auf das eigene Blut keine Rücksicht genommen. So heisst es, Marschall (Wonsu) Kim Jong-un liess seinen Onkel Jang Song-thaek hinrichten und den Hunden zum Frass vorwerfen. Dieser galt bis kurz zuvor als zweiter Mann im Staate – seinem Neffen hatte er wohl zu häufig mit Peking verhandelt. Sein Halbbruder Kim Jong-nam, der niemals Ambitionen auf den Regierungssessel in Pjöngjang gehabt haben soll, wurde im Februar 2017 auf dem Flugplatz von Kuala Lumpur mittels Nervengas ermordet. In kommunistischen Kreisen gelten immer jene Personen als hoch angesehen, die den Sarg des ehemaligen Machthabers bei dessen Begräbnis tragen dürfen. Alle sieben Sargträger von Kim Jong-il aus dem Jahre 2011 wurden hingerichtet oder waren plötzlich nicht mehr in der Öffentlichkeit zu sehen. Den Verteidigungsminister Hyon Yong-chol liess Kim im Mai 2015 hinrichten, weil er angeblich bei einem Treffen mit dem Führer eingeschlafen war. Aus südkoreanischen Geheimdienstkreisen wurde auch die Hinrichtungsmethode bekannt: Mit einem Luftabwehrgeschütz! Vize-Premier Choe Yong-gon wurde wegen Differenzen zur Wiederaufforstung im Mai 2015 hingerichtet; der Chef des Generalstabes, Ri Yong-gil im Februar 2016 – wegen Korruption, und der “Bildung verschwörerischer Gruppen”. Ein hochrangiger Militär hatte beim Karaoke-Singen aus der sozialistischen Hymne “Hasse Deine Feinde, liebe Dein Land” den Refrain “Hasse Deine Frau, liebe Deine Geliebte” gemacht und musste dies mit seinem Leben bezahlen. Der “Oberste Führer” soll vor Wut getobt haben!
Auch ansonsten zählt in Nordkorea offenbar ein Menschenleben gar nichts. Tausende krepieren an Hunger, Folter oder Menschenversuchen in Konzentrationslagern (nach Schätzungen zwischen 10-20.000 pro Jahr), von China abgeschobene nordkoreanische Flüchtlinge werden in aller Öffentlichkeit hingerichtet um andere von einer geplanten Flucht abzubringen.
Damit die Bevölkerung nichts von jenseits der Grenzen mitbekommen kann, sind ausländische Medien verboten – Nachrichten kommen nur aus der staatlichen Korean Central News Agency KCNA (natürlich zensuriert). Botschaften dürfen kein wLAN verwenden, damit in den angrenzenden Häusern nicht im Internet gesurft werden kann (angeblich sollen die Mietpreise rund um Botschaften enorm gestiegen sein) – in Nordkorea gibt es eine Art Intranet für staatliche Behörden und Betriebe – kein Internet. Auch das einzige UMTS-Mobilfunknetz erlaubt keine Auslandsgespräche oder Internet für Einheimische. Kim befürchtet durch ein Abgehen von dieser Abschottung die Aufweichung des Regimes, wie in der Vergangenheit bei den Bruder-Ländern Osteuropas. Umso erstaunlicher ist, dass jährlich bis zu 6.000 Westeuropäer den Weg als Touristen in das Land finden. Begleitet wird dabei jeder von zumindest zwei Reisebegleiter, die die Heimatsprache des Touristen kennen und darauf achten, dass nur zu gebrieften Stellen und Bürgern Kontakt aufgenommen wird.

https://www.youtube.com/watch?v=mitb58AXFlg

Mit den derzeitigen Raketen- und Atomtests zieht sich Nordkorea allerdings auch den Groll der letzten seiner Schutzmächte zu: China droht damit, den Ölhahn zuzudrehen. Mit einer möglichen Militärintervention der Amerikaner hätten auch Moskau und Peking eine Sorge weniger, wenngleich sie aus Gründen des poltischen Einflussen auf der Halbinsel die nordkoreanische Seite unterstützen würden. Pjöngjang gleicht immer mehr einem Pulverfass, dessen Lunte bereits brennt. Trotzdem lässt es dessen Regierung offenbar darauf ankommen, dass sich die Hungersnot von 1994 bis 1999 wiederholt. Die damaligen Opfer-Schätzungen (Zahlen wurden nie bekannt) gehen mit 200.000 bis gar 3,5 Millionen weit auseinander. Jene, die sich diesem Wahnsinn entgegenstellten, haben dies unter grauenvollsten Umständen mit dem Tod gebüsst. Alle anderen sind Kopfnicker und Verbeuger der blutrünstigen Familie der Kims! Damit wird sich im Land niemals etwas ändern können! Parallel dazu finden immer wieder grosse Sportveranstaltungen statt. Weshalb nehmen dermassen viele Staaten daran teil? Es besteht ein striktes UN-Handelsembargo mit diesem Land – weshalb nicht auch ein Teilnahmeembargo! Für ein solches Sportevent müssen wieder hunderte bzw. tausende Menschen nördlich des 38. Breitengrades hungern!

Filme:
- The interview; 2014
- Welcome to North Korea; Peter Tetteroo; 2001

Lesetipps:

.) Nordkorea: Innenansichten eines totalen Staates; Rüdiger Frank; Deutsche Verlags-Anstalt München 2014
.) Schauplatz Nordkorea. Das Pulverfass im Fernen Osten; Martin Fritz; Herder 2004
.) Flucht aus Lager 14; Blaine Harden; Deutsche Verlags-Anstalt 2012
.) Lasst mich eure Stimme sein! Sechs Jahre in Nordkoreas Arbeitslagern; Lee Soon-ok; Brunnen Verlag 2005
.) Nordkorea: Steinzeitkommunismus und Atomwaffen, Anatomie einer Krise; Pierre Rigoulot; Kiepenheuer & Witsch 2003
.) Les Aquariums de Pyongyang. Dix Ans au Goulag Nord-Coréen; Kang Chol-hwan/Pierre Rigoulot; Robert Laffont 2000
.) Nordkorea. Ein Land im Banne der Kims; Peter Schaller; Tykve 1994
.) The Guerilla Dynasty. Politics And Leadership in North Korea; Adrian Buzo; I.B. Tauris & Co 1999
.) Nordkorea-Handbuch: unterwegs in einem geheimnisvollen Land; Arno Maierbrugger; Trescher 2004
.) Im Dienst des Diktators: Leben und Flucht eines nordkoreanischen Agenten; Ingrid Steiner-Gashi/Dardan Gashi; Ueberreuter, 2010
.) Die totale Erinnerung. Kim Jong Ils Nordkorea; Christian Kracht/Eva Munz/Lukas Nikol; Rogner & Bernhard 2006
.) The Cleanest Race: How North Koreans See Themselves and Why It Matters; Brian R. Myers; Paperback edition 2011
.) North Korea: The Politics of Regime Survival; Young W. Kihl/Hong Nack Kim; Armonk 2006
.) North Korea – Anonymous Country; Julia Leeb; teNeues Verlag 2014
.) Kim-ismus in Nordkorea: eine Analyse des letzten DDR-Botschafters in Pjöngjang; Hans Maretzki; Anita Tykve Verlag 1991
.) Hinter dem 38. Breitengrad. Mit ‚Cap Anamur‘ in Nordkorea; Oliver Mohr; Lamuv Verlag GmbH 2000

Links:

www.korea-dpr.com
kcnawatch.co
www.naenara.com.kp/de/
www.nkdb.org/en/main.php
www.korea-dpr.com
nordkoreainfo.wordpress.com
www.hrw.org/asia/north-korea
www.humedica.org
www.democracynow.org/topics/north_korea
www.aljazeera.com/topics/country/north-korea.html

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9/11 – ein Fake???

Es war ein Gespräch während dieser Tage, das mich mehr als stutzig machte: Waren die Terroranschläge vom 11. September 2001 inszeniert? Ich hielt es bislang für pietätlos gegenüber all der Todesopfer und deren Angehörigen, eine solche Behauptung auch nur zu denken. Zudem war ich damals Zeuge am Fernsehgerät, wie die 2. Maschine in einen der Türme des World Trade Centers einschlug. War das alles etwa nur Show? Eine grauenhafte Vorstellung!!! Trotzdem liess mich die Überlegung nicht ruhen und ich begann zumindest mit der Recherche. Dabei stiess ich auf unzählige Geschichten, einige davon werde ich nun im Anschluss in meine Tastatur hämmern. Bewerten möchte ich sie hingegen nicht – das überlasse ich Ihnen.
Zuerst zu den bekannten Fakten aus der Berichterstattung. Vier Inlandsflüge wurden in den Morgenstunden des 11. Septembers 2001 von offenbar jeweils fünf Handlangern des Al Kaida-Führers Osama Bin Laden gekapert. Flug AA 11 kracht um 08.46 Uhr Eastern Daylight Time in den Nordturm des World Trade Centers in New York City, 17 Minuten später Flug UA 175 in den Südturm. Um 09.37 Uhr trifft Flug AA 77 das US-amerikanische Verteidigungsministerium Pentagon in Arlington/ Virginia. Die vierte Maschine, Flug UA 93, sollte nach Aussage des Al Kaida-Mitgliedes Ramzi Binalshib das Kapitol in Washington treffen. Doch kam es hier offenbar zu einem Kampf zwischen den Entführern und den Passagieren bzw. Mannschaft. Dieses Flugzeug stürzte um 10.03 Uhr bei Shanksville/Pennsylvania in ein Feld ab. Diese letzteren beiden Flüge werde ich folgend nur streifen. Um 09.59 Uhr stürzte der Südturm des WTCs ein, 29 Minuten später auch der Nordturm. Um 17.20 Uhr zudem WTC 7, das “Salomon Brothers Building” – ebenfalls ein Wolkenkratzer, der 1987 errichtet wurde.

https://www.youtube.com/watch?v=Gct_ELCgcys

Nicht weniger als 2.989 (andere Aussagen sprechen von 2.992) Menschen starben bei diesen vier Terrorakten. Von den 17.400 Menschen im World Trade Center konnten rund 15.100 gerettet werden. Die anderen Todesopfer waren Passagiere und Mannschaften sowie Rettungskräfte. Die Vereinigten Staaten waren hart getroffen. US-Präsident George W. Bush Jr. begründete die beiden folgenden Kriege im Irak und Afghanistan mit dem Kampf gegen den Terrorismus. Bin Laden selbst bekannte sich erst 2004 zu den Anschlägen – er wurde während der Operation Neptune’s Spear am 02. Mai 2011 von US-Elitesoldaten getötet. Soweit die Fakten, wie sie berichtet wurden.
Nachdem um 08.19 Uhr der Transponder der ersten entführten Maschine abgeschaltet wurde und die Flugbegleiterin Madeline Amy über Bordtelefon die Federal Aviation Administration (FAA) und ihre Fluglinie über die Entführung informiert hatte, erstattete die FAA erst um 08.37 Uhr Bericht an das North American Aerospace Defense Command (NORAD). Um 08.45 Uhr starteten zwei F-15 und warteten über dem offenen Meer auf weitere Befehle – leider zu spät.
Da die Flugzeuge direkt nach dem Start gekapert wurden, hatten sie etwas mehr als 68 Tonnen Kerosin an Bord. Das verteilte sich in beiden WTC-Türmen vornehmlich über die Aufzugsschächte und löste in unzähligen Stockwerken Brände aus. Das Fire Department New York versuchte anfangs noch eine Evakuierung im Nordturm, musste dies aber sehr bald nach dem zweiten Einschlag aufgeben, da die Gefahr von Gebäude-Teileinstürzen zu gross war. Dass dennoch so viele Menschen gerettet werden konnten ist auf den lebensgefährlichen Einsatz vieler Einsatzkräfte von Feuerwehr, Hafenbehörde und Polizei zurückzuführen, die sich nicht an den Rückzugsbefehl hielten und dies mit ihrem Leben bezahlen mussten. 411 Helfer (343 Feuerwehrleute, 60 Polizisten und acht Sanitäter kamen in Ausübung ihres Dienstes um! Beim Einsturz der beiden Türme trafen viele Trümmerteile auch das WTC 7 und lösten hier unkontrollierte Brandherde aus – die Sprinkleranlagen und damit das komplette Löschsystem ist ausgefallen. Das Gebäude wurde evakuiert bevor es einstürzte.
Nun zu den Verschworungstheorien, die v.a. durch eine Tatsache angeschürt wurden: Bereits am 13. September hatte das FBI die Namen, Fotos und Daten aller 19 Flugzeugentführer bekanntgegeben. Dies ist unter normalen Umständen ein stichhaltiger Hinweis dafür, dass etwas nicht stimmen kann. Im Nachhinein betrachtet allerdings kein Beweis, wurden doch in den Passagierlisten die Namen rasch ausfindig gemacht und ein Zusammenhang mit der Al Kaida nachgewiesen. Die hartnäckigsten Skeptiker betonen, diese Listen seien gefälscht und einige der namentlich genannten, angeblichen Attentäter hätten sich nur wenig später gemeldet um aufzuzeigen, dass sie unschuldig sind. Das wurde inzwischen widerlegt – es handelte sich um Personen mit denselben Namen, wie etwa einen afghanischen Warlord, der ebenfalls Mohammed Atta wie der Anführer der Terroristen heisst! Zudem wurden Pässe und Führerscheine (zumindest Fragmente davon) an den Absturzstellen gefunden.
Vier dieser Terroristen lebten übrigens seit 1998 in Hamburg, als Auslandsstudenten der Technischen Universität. Und hier der nächste Knackpunkt: Drei der Hamburger und ein weiterer in Amerika studierender Islamist (nachdem einem Vierten die Einreise verweigert wurde) erhielten im Jahr 2000 in Florida und Arizona eine verkürzte Pilotenausbildung für Passagierlinienflugzeuge – eine dieser Schulen gehörte einem Freund Jeb Bushs, dem Bruder George W. Bushs (lt. Recherchen von Mathias Bröckers und Andreas Hauß). Zufall??? Eigentlich hätten die Geheimdienste spätestens seit dem Aufenthalt der Männer im November 1999 bei Bin Laden in Afghanistan bescheid von der “Hamburger Terrorzelle” wissen müssen. Angeblich standen einige bereits vorher auf den Fahndungslisten. Zwei hatten gar Übungsflüge über New York und Washington D.C. absolviert. Hier spricht die lange Vorbereitungszeit gegen eine Verschwörung. Nach Aussage von Ramzi bin asch-Schaiba und Khalid Scheich Mohammed gegenüber Al Jazeera wurden die Anschläge über rund zehn Jahre geplant. Bin Laden habe selbst nicht damit gerechnet, dass die beiden Türme einstürzen würden.
Was jedoch mehr in Richtung Verschwörung zeigt, ist die Tatsache, dass die Beteiligung saudi-arabischer Regierungskreise über 13 Jahre hinweg unter Verschluss gehalten wurde. Erst der ehemalige Senator Bob Graham erwies sich als Whistleblower! Zudem ist es schon mehr als seltsam, dass die damals nur sehr wenigen Internet-Leitungen in Afghanistan, über die die Kommunikation erfolgt sein soll, nicht durch irgendeinen Geheimdienst überwacht wurden!? So habe es bereits im August erste Warnungen des deutschen BND und des israelischen Mossad zu möglichen Flugzeugentführungen in den USA gegeben.
Die meisten Verschwörungstheorien basieren hingegen auf den Arbeiten der Wissenschaftler Jochen Hippler und George Leaman, die betonen, dass 9/11 mehr als förderlich für die neokonservative Haltung der US-Regierung war, als einzige aus dem Kalten Krieg noch verbliebene Supermacht Schurkenstaaten und nicht wohlgesonnene Regierungen zu entmachten und die weltweite Führungsrolle dadurch zu bekräftigen. Die Bevölkerung willigte danach rascher höheren Rüstungsausgaben und dem militärischen Eingreifen zu. So wurde etwa der von langer Hand vorbereitete Irakkrieg ohne UN-Mandat begonnen und damit das Völkerrecht gebrochen. Saddam Hussein hatte auch nur um mehrere Ecken etwas mit der Al Kaida zu tun. Dahinter steckten vielmehr einzig wirtschaftliche Interessen der Regierung Bush!
2002 wurde – trotz klarem Nein der Regierung Bush – eine überparteiliche 9/11-Kommission auf Drängen von Opfervereinen durch das Repräsentantenhaus eingesetzt. Sie sollte alle Umstände (ausser den physikalischen) zum Einsturz der Twin-Towers an’s Tageslicht bringen. Nach der Befragung von über 1.200 Personen, darunter auch US-Präsident Bush und dessen Sicherheitsbeauftragte Condoleeza Rice erschien am 22. Juli 2004 der Abschlussbericht. Zahlreiche Fehler wurden nachgewiesen, wie etwa fehlende Sicherheitschecks der Inlandspassagiere, Verfahrenswege und Befehlsketten,… Auch die nichtvorhandene Überprüfung von Flugschulen und einreisenden Al Kaida-Terroristen wurden kritisiert. 40 zuvor erhaltene Tageskurzberichte über mögliche Al Kaida-Anschläge wurden weder durch FBI noch CIA entsprechend wahrgenommen. Verschwörungstheoretiker weisen diesen Bericht jedoch als fehlerhaft zurück – er sei vielmehr ein Manipulationsversuch. Hatten die US-Regierung und ihre Geheimdienste die Anschläge wissentlich zugelassen (LIHOP: “Let it happen on purpose”)???
Derartige Hochhäuser sollten eigentlich einer solchen Belastung standhalten – dafür sorgt die Stahlträger-Waben-Struktur. Am 21. August 2008 erschien der Abschlussbericht des National Institut of Standards and Technology (NIST), nachdem jener der Katastrophenschutzbehöre FEMA als unzureichend kritisiert wurde. 300 Experten aus allen Fachbereichen durchleuchteten die Gebäudesicherheit und bautechnischen Probleme. Unabhängige Wissenschaftler der Purdue University/Indiana wiesen in unzähligen Computer-Simulationen nach, dass im Nordturm nicht wie zuvor angenommen sechs Stützen der tragenden 47 sondern 17 auch durch die anhaltenden Brände zerstört wurden. Damit wurden die über der Einschlagstelle befindlichen Stockwerke instabil. Das wird von vielen Verschwörungstheoretikern abgestritten. Sie vermuten kontrollierte Sprengungen der beiden Türme (MIHOP: “Make it happen on purpose” – die Theorie von David Rostcheck und Alex Jones). Der Physiker Steven Jones spricht in seinem Artikel “Why indeed did the WTC Buildings completely collapse” von Thermitfunden. Auch der dänische Chemiker Niels Harrit betont in einem Artikel des “The Open Chemical Physics Journals” vom April 2009, es seien in 4 unterschiedlichen Proben aus dem Staub der beiden Türme Nanothermit im reagiertem und unreagiertem Zustand gefunden worden. Das lässt die Vermutung aufkommen, dass es zuvor tonnenweise im WTC gelagert worden ist, so Harrit. Auch die Gruppierung “Architects & Engineers for 9/11 Truth” schliesst sich dieser These einer kontrollierten Sprengung an. Der Hausmeister des Nordturmes, William Rodriguez, berichtete in seiner Aussage vor der 9/11-Kommission und der NIST von mehreren Explosionen im Keller des Nordturmes, bevor das erste Flugzeug einschlug. Die beiden Gruppierungen “9/11 victims’ family members” und “Scholars for 9/11 Truth & Justice” bezeichnen den NIST-Bericht als fehlerhaft.
Einen Schritt weiter geht gar der Gründer der soeben erwähnten Gruppierung “Scholars for 9/11 Truth”, James H. Fetzer. Er spricht vom möglichen Einsatz einer kleinen Atombombe oder einem Energiewaffenbeschuss. Die Bilder, die damals um die Welt gingen seien eine holographische Projektion gewesen. Es ist in diesem Zusammenhang zugegebenermaßen doch sehr erstaunlich, weshalb diese untenstehenden Aufnahmen für lange Zeit unter Verschluss gehalten wurden:

https://www.youtube.com/watch?v=O9w4aDXCJ7c

Auch der 3. Turm, das “Salomon Brothers Building” soll nach mehreren Explosionen zusammengestürzt sein – 47 Stockwerke innerhalb von nur 7 Sekunden. Dieser Einsturz entbehrt nicht einer gewissen Brisanz, waren doch in WTC 7 Büros des CIAs, des Pentagons und des Secret Services untergebracht. Dieses Stahlskelett-Gebäude fiel nahezu senkrecht in sich zusammen. Aussergewöhnlich für eine Brandruine! Deshalb gehen die Skeptiker ebenfalls von kontrollierten Sprengungen aus.
Jene unter Ihnen, die auf eine Feuerwehrkarriere zurückblicken können oder feuertechnisch bewandert sind, können mit dem Begriff “Deflagration” (oder engl. “Backdraft”) bzw. “Flashover” etwas anfangen. Bei ersterem entzünden sich Rauchgase explosionsartig durch Zuführung von Sauerstoff, bei zweiterem kann zugeführter Sauerstoff beispielsweise ein Schadensfeuer schlagartig zu einem Vollbrand werden lassen (öffnen einer Tür oder brechen eines Fensters). Dabei steigt die Raumtemperatur auf 500-600 Grad Celsius an.
Ein weiteres Fragezeichen ergibt sich für die Verschwörungstheoretiker aus der Zahl der Passagiere. In vier Maschinen waren gerade mal 266 Personen – darunter die 19 Attentäter (81/56/59/37). Und dies obgleich es Intercontinental-Maschinen waren – drei gingen nach Los Angeles, die in Shanksville abgestürzte Maschine nach San Francisco. Sehr schlecht gebucht. Zudem waren in den beiden Twin-Towers noch keine Touristenströme unterwegs und in jenem Teil des Pentagons, in den die Maschine einschlug, fanden gerade Renovierungsarbeiten statt. Verteidigungsminister Rumsfeld hatte sein Büro gegenüber!
Ach ja – da gibt es dann auch noch die Meinung Andreas von Bülows, dass die Flugzeuge gar ferngesteuert waren! Einer der Terror-Piloten soll gesagt haben, dass er die Kontrolle über das Flugzeug verloren habe! Diese Theorie aber wurde rasch von den Ermittlern fallengelassen, da etwa das Schwenkmanöver der zweiten WTC-Maschine kurz vor ihrem Einschlag nur durch einen Piloten ausgeführt werden kann. In die Vollen greift A.K. Dewdney. Er behauptet, dass die vier Flugezeuge durch Agenten der Regierung entführt, auf einem Militärflugplatz gegen Maschinen mit vollen Tanks ausgetauscht und ferngelenkt in die WTC-Türme gesteuert wurden. Das Pentagon sei entweder von einer Rakete oder einem Kampfjet getroffen worden. Alle Passagiere seien in jene Maschine verbracht worden, die dann über Pensylvania abgeschossen wurde. Die anderen Linienjets sollen heimlich in der darauffolgenden Nacht im Ozean versenkt worden sein.
Steckten gar wirtschaftliche Interessen hinter den Anschlägen? Schliesslich wurde das WTC erst kurz vor den Anschlägen durch die World Trade Center Properties LLC gepachtet und sofort hoch versichert. 2008 kam es zudem zu einer Klage gegen die beiden Fluggesellschaften American Airlines und United Continental. Die Sicherheitschecks seien nicht gründlich genug gewesen. Klagewert: 8,4 Milliarden US-Dollar. Die Klage wurde zwar zugelassen, die Klagesumme jedoch durch den Richter auf ein Drittel reduziert (Höhe der Pacht auf 99 Jahre) und vier Jahre später negativ abgeurteilt. Die Versicherungen hatten zuvor schon 4,1 Milliarden US-Dollar entrichtet.
Auch könnten sog. Put-Optionen wie etwa beim Bomber von Dortmund dahinterstecken. Hierdurch setzt man Geld auf das Fallen von Aktien (dadurch gewinnt die Versicherung an Wert). Aber auch hier konnten keinerlei Verbindungen zu den Börsen hergestellt werden – schliesslich blieb der Aktien-Crash im Grossen und Ganzen aus.

https://www.youtube.com/watch?v=-BBFY-xtmew

Andere Verschwörungstheoretiker sprechen davon, dass gar keine DNA da sein dürfte, da sie verbrannt ist. Das mag im WTC-Kollaps stimmen – schliesslich blieben sehr viele vermisste Personen auch tatsächlich vermisst und unzählige gefundene Leichenteile konnten nicht zugeordnet werden. Bei den beiden Abstürzen im Pentagon und Shanksville hingegen war noch genügend Material vorhanden. Apropos Pentagon – hier sind die Verschwörungstheorien ja geradezu angefacht worden, da das offizielle Amerika niemals ein Bild mit einem Flugzeug veröffentlichte und auch andere Aufnahmen unter Verschluss standen: Wenn es ein Flieger war, hätte er im Tiefflug über der Stadt hinwegfliegen müssen. Diese No plane-theory aber wurde sehr rasch verworfen. Wenn es eine Terrororganisation schafft, zwei Flieger in das WTC zu steuern – wieso nicht auch eines in das Pentagon!
Das beste allerdings zuletzt: Der TV-Sender CNN zeigte im Oktober 2006 einen Ausschnitt aus der Polit-Diskussion mit Hilary Clinton, die behauptete, dass die saudische Familie Ben Laden bereits Anfang 2000 an den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton mit Anschlagsplänen herangetreten sei, die er aber nicht beachtete. Offenbar habe Bush sehr wohl durch geheimdienstliche Kontakte, aber auch durch die Familie Ben Laden selbst, zu der er auch wirtschaftliche Verbindungen pflegte, von den Anschlägen gewusst, meint Frau Clinton.
Interessant auch die weiteren Zusammenhänge: Bin Laden soll sich Anfang 2001 in einem amerikanischen Krankenhaus in Dubai einer Operation unterzogen haben. Und genau am 11. September soll der damalige ISI-Anführer Mahmoud Ahmad mit dem republikanischen Kongressabgeordneten Porter J. Goss sowie dem Senator Bob Graham von den Demokraten in Washington D.C. gefrühstückt haben. Goss war später CIA-Chef! Zufall??? Übrigens hielt am 11. September 1990 der damalige US-Präsident George H.W. Bush als Gastgeber in New York die erste Dschihad-Konferenz ab. Danach folgte Desert Storm!
War vielleicht sogar das Bekenner-Video von Bin Laden falsch übersetzt oder gar ein Fake??? Dessen FBI-Steckbrief wurde übrigens nie durch diese Anschläge vom 11. September erweitert, meinen Skeptiker. Die beiden Al Kaida-Schergen Ramzi Binalshibh und Khalid Scheich Mohammed hingegen hatten die Beteiligung an den Anschlägen gestanden – Verschwörungstheoretiker betonen: Unter Folter!
Was es hingegen mit den Bildern der Live-Berichterstattung von CNN und BBC zum Einsturz von WTC 7 auf sich hat, ist sehr dubios. Schliesslich berichtet CNN um 16.54 Uhr und die BBC nur drei Minuten später vom Einsturz, tatsächlich aber geschah dies erst um 17.20 Uhr! Während des Berichtes der BBC-Reporterin Jane Standley war der Turm sogar noch im Hintergrund zu sehen! Die Skeptiker vermuten hier Insiderwissen, da noch nie zuvor ein Hochhaus mit Stahlskelett aufgrund eines Brandes eingestürzt sei! Aber auch das ist recht einfach zu erklären: So betonte ein Feuerwehrmann schon Stunden vorher, dass der Turm wohl einzustürzen drohe. Das wurde offenbar fehlinterpretiert!

https://youtu.be/ltP2t9nq9fI

Die Anhänger dieser Verschwörungstheorien, v.a. jene des 9/11 Truth Movements (die sog. “Truther”), fordern eine unabhängige Untersuchung.
Eine der plumpesten Theorien besagt, dass die Flugnummer “Q33 NY” in der Schrift Windings eine symbolhafte Bedeutung zukäme. Tatsächlich: “Q33 NY”! Allerdings hatte keiner der Flüge diese Flugnummer! Eine Fluglinie mit “Q” in der Flugnummer gibt es nicht (Qantas QF, Qatar QR, QuebecAir QB). Somit also eine bloße Erfindung! Und noch etwas zum Lachen: Mathias Bröckers teilte der Welt am 13. September 2001 in einem seiner Artikel mit, dass die Quersumme von 11.09.2001 23 ergebe – eine Zahl, die in sehr vielen Mythen immer wieder auftaucht. Allerdings bin ich der Ansicht, dass eine Quersumme der Zahlen 14 ergibt! Oder in seiner Rechenweise: 2021! N’est-ce pas??? Durch die unterschiedlichsten Kombinationen hingegen kommt man durchaus auf die Zahl 23 – wie auf andere auch! Ich persönlich finde die folgende Kombination interessanter: 9/11 ist in den USA das Synonym dieser Katastrophe. 911 ist allerdings auch die Notrufnummer in den USA! Auch die Stelle mit den beiden Metallvögeln bei Nostradamus ist in seinen Werken leider nirgendwo zu finden. Ein Fake!
Andere Theorien sehen rechtsextreme US-Gruppierungen, die Freimaurer, Ausserirdische oder den Mossad hinter den Anschlägen! Schliesslich berichtete der Hisbollah-TV-Sender Al-Manar, dass keiner der 4.000 im WTC arbeitenden jüdischen Angestellten an diesem Tag getötet oder verwundet wurde. Auch wieder eine Falschmeldung! Schliesslich arbeiteten gerade mal 100 Israeli im WTC – 5 davon wurden Opfer. Insgesamt waren nicht weniger als 400 jüdische Angestellte unter den Toten!
Mein Resumée: Es gibt gewisse Fakten, die nicht geklärt sind, was aber vornehmlich auf die Geheimhaltung bzw. den Verschluss der US-amerikanischen Behörden zurückzuführen ist! Der Oppositionsführer Tom Daschle wurde beispielsweise im Januar 2002 “gebeten” (vielleicht der falsche Ausdruck!), weitere Ermittlungen durch einen Kongressausschuss zum Zwecke der nationalen Sicherheit einzustellen. Somit werden die Anschläge vom 11. September 2001 ebenso wie das Kennedy-Attentat, Operation Northwoods oder andere vergleichbare Ereignisse stets Anlass für neue Mythen geben! Und lassen Sie mich noch eines zum Abschluss erwähnen: Verschwörungstheorien gehören mit zu terroristischen Anschlägen. Sie sorgen für Unmut in der Bevölkerung und erhöhen den Druck auf die Regierung! Somit zählen all die Verschwörungstheoretiker durchaus zur psychologischen Kriegsführung des Terrors! Zudem nutzen Verschwörungstheoretiker den sich auftuenden Raum für Spekulationen – lassen aber keinerlei Zweifel am Wahrheitsgehalt ihrer Versionen aufkommen!!!

PS:
Neben dem zentralen Ministerium für Heimatsicherheit (170.000 Angestellte) wurden seit 9/11 263 Sicherheitsbehörden gegründet, nach wie vor beschäftigen sich in den USA nicht weniger als 1.200 staatliche Organisationen und 1.931 private mit der Abwehr von Terrorgefahren. Nicht immer nach den Richtlinien des Gesetzes! Auch in Europa wurden mir nichts Dir nichts Anti-Terror-Gesetze aus dem Boden gestampft, die eigentlich nur zur Überwachung der Bevölkerung dienen und wie die letzten islamistisch begründeten Anschläge aufzeigen, nicht unbedingt wirksam sind!

Filme:

- 11. September – Die letzten Stunden im World Trade Center; Dokumentarfilm von Jules und Gédéon Naudet (2002)
- 9/11 – Die letzten Minuten im World Trade Center; Doku-Drama von Richard Dale 2006
- Fahrenheit 9/11; Doku-Film des Regisseurs Michael Moore 2004
- Flug 93; Spielfilm von Paul Greengrass 2006
- The Path to 9/11 – Wege des Terrors; Spielfilm von David L. Cunningham 2006
- DC 9/11: Time of Crisis; Spielfilm von Brian Trenchard-Smith; 2003
- Loose Change von Dylan Avery (2005)
- 9/11 Press for Truth

Lesetipps:

.) 9/11. Der Tag, die Angst, die Folgen; Bernd Greiner; C.H. Beck 2011
.) Der 11. September. Psychoanalytische, psychosoziale und psycho-historische Analysen von Terror und Trauma; Hrsg.: T. Auchter; Psychosozial-Verlag 2003
.) Masterminds of Terror. Die Drahtzieher des 11. September berichten; Nick Fielding/Yosri Fouda; Europa Verlag Hamburg 2003
.) The Eleventh Day. The Full Story of 9/11 and Osama bin Laden; Robbyn Swan/Anthony Summers; Random House Publishing 2011
.) Europa und der 11. September 2001; Helga Embacher/Margit Reiter; Böhlau Verlag 2011
.) Antisemitische Verschwörungstheorien nach dem 11. September. Neue Varianten eines alten Deutungsmusters; Tobias Jaecker; LIT Verlag 2004
.) Fakten, Fälschungen und die unterdrückten Beweise des 11. September; Mathias Bröckers/Andreas Hauß; Verlag Zweitausendeins, 2003
.) Die CIA und der 11. September; Andreas von Bülow; Piper 2004
.) Operation 9/11. Angriff auf den Globus; Gerhard Wisnewski; Droemer/Knaur 2003
.) Das Schweigekartell. Fragen & Widersprüche zum 11. September; Hrsg.: Arnold Schölzel; Kai Homilius Verlag 2002
.) The New Pearl Harbour: Disturbing Questions About the Bush Administration and 9/11; David Ray Griffin; Arris Books 2004
.) Schmerzhafte Fragen; Eric Hufschmid (er leugnet allerdings auch den Holocaust!); 2003
.) 11. September 2001. Der inszenierte Terrorismus; Thierry Meyssan 2003
.) The 9/11 Commission Report: Omissions and Distortions; David Ray Griffin;

Links:

9-11commission.gov/report/911Report.pdf
www.nist.gov
www.vaed.uscourts.gov
fbi.gov
www.tms.org
www.norad.mil
www.historyonthenet.com/authentichistory/
www.911truth.org
www.ae911truth.org/
911blogger.com

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Das “postantibiotische Zeitalter” (© WHO)

Es war nur eine kleine Erwähnung in der Frankfurter Allgemeinen, die mich jedoch aufhorchen liess: “Gefährliche Keime in Uni-Klinik Frankfurt entdeckt”! Denn: Was wirklich dahinter steckt, ist lebensbedrohend und kann – ähnlich einer Grippe-Epidemie – ganze Regionen ausrotten!!!
In der Uni-Klinik Frankfurt verstarben eine Frau und ein Mann u.a. an dem multi-resistenten Bakterium “Klebsiella pneumomiae”, einem Darm-Bakterium, das viele Menschen in sich tragen. Es wird jedoch erst dann gefährlich, wenn bereits zuvor eine Immunschwäche vorliegt. Wie in diesen beiden Fällen in Frankfurt, beeilt sich die Krankenhaus-Leitung aufzuklären. Der Keim wurde zwar nachgewiesen, ausschlaggebend aber für den Tod der beiden sei die schwere Grunderkrankung gewesen! Im Uni-Klinikum wurden inzwischen die Massnahmen des Hygieneplanes hochgefahren. Krankenhaus-Keime sind nicht wirklich leicht zu finden. Das zeigen etwa auch die Erfahrungen eines Krankenhauses in Kassel auf. Hier werden alle Patienten auf derartige multi-resistente Keime mittels Screening überprüft. Erschreckend das Ergebnis: 10 % der mit dem methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) infizierten Patienten rutschten durch den Filter durch. Sie reichen durchaus aus, um ein komplettes Krankenhaus zur Quarantäne-Zone werden zu lassen. Genauere Zahlen aus Kassel? 2016 wurden 9.000 Patienten überprüft, bei 149 wurde dieser MRSA festgestellt – von diesen jedoch 14 nicht mit dem Standardverfahren. Jährlich lösen Krankenhauskeime wie MRSA ider ESBL in Europa nicht weniger als 2,6 Mio Infektionen aus – laut Angaben des ECDC enden 25.000 davon tödlich. Derartigen multiresistenten Bakterien ist mit erhöhter Vorsicht zu begegnen, da die meisten Antibiotika nicht mehr bei deren Bekämpfung helfen. So bauen sich beispielsweise Coli-Bakterien Resistenzgene von anderen Keimen auf.
Das Übel hat den Ursprung im Gebrauch der Antibiotika. Zu schnell werden bakterielle Erkrankungen, aber auch virale Erkrankungen mit Antibiotika behandelt, obwohl sie bei 99 % der zweiteren überhaupt nicht helfen. V.a. Indien verbraucht die meisten Antibiotika. Manche dieser Arzneimittel sind gar ohne Rezept in den Apotheken zu bekommen und gelangen durch die Selbstmedikamentierung in den Körper. Bakterien haben leider die Eigenschaft, dass sie sich in den weiteren Generationen auf entsprechende Verhältnisse einstellen können: Sie verändern sich! Damit wirken die ansonsten verordneten Pillen nicht mehr. Es muss auf härteren Stoff zugegriffen werden – eines dieser wäre Carbapenem, zuletzt dann auch das Colistin. Es wird immer dann eingesetzt, wenn andere versagen, da es Schäden an den Nieren herbeiführen kann, weshalb nach der Schadensentdeckung seine Verwendung grossflächig eingestellt wurde. Doch auch hier haben inzwischen Forscher aus Pennsylvania das colistinresistente Gen mcr-1 bei einem Kolibakterium einer Patientin festgestellt (neben 14 anderen resistent machenden Genen). Die Übertragung erfolgt durch ein Plasmid von Bakterium zu Bakterium (“horizontaler Gentransfer”). Damit musste eingestanden werden, dass im schlimmsten Falle die Frau sterben muss, ohne eine wirkliche Hilfe erhalten zu haben. Ein Superkeim! Die Wissenschaft warnt deshalb eindringlichst davor:

“Mcr-1 läutet die Entstehung wirklich panresistenter Bakterien ein.”
(Walter Reed, National Military Medical Center)

Alleine in Deutschland können nicht weniger als 1.500 Patienten nurmehr mit Colistin behandelt werden. Wirkt auch das nicht mehr – ? Die Dame aus Pennsylvania musste übrigens nicht an einer ansonsten relativ harmlosen Harnwegsinfektion sterben. Die Ärzte behandelten diese mit noch wirksamen anderen Antibiotika, sodass die Frau nicht mehr dermassen angreifbar für den Superkeim wurde. Leider anders der Krankheitsverlauf bei einer anderen Frau. Sie ist an einer Blutvergiftung verstorben. Die Amerikanerin hielt sich vermehrt in Indien auf. Bei ihrem letzten Besuch zog sie sich einen Oberschenkelbruch zu, der in einem indischen Krankenhaus behandelt wurde. Zurück in den USA wurde sie im Septemer 2016 in ein Krankenhaus in Nevada eingeliefert und dort direkt in die Intensivstation, wo sie schliesslich auch verstarb. Alle 26 in den USA zugelassenen Antibiotika-Präparate konnten ihr nicht helfen.
mcr-1 wurde übrigens bereits im Jahr zuvor in China in Lebensmitteln, dem Menschen und bei Hühnern und Schweinen nachgewiesen. Eine weitere Ursache übrigens für die Entstehung multi-resistenter Keime: Tiere erhalten in der Landwirtschaft, v.a. aber beim Mastbetrieb in der industriellen Landwirtschaft (Massentierhaltung) prophylaktisch Antibiotika, damit sie zeit ihres Lebens nicht erkranken oder es werden gar Antibiotika als Wachstumsförderer eingesetzt. Eine Studie des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Landwirtschaft ging komplett in’s Leere. Mit ihr sollten die sog. “Schwarzen Schafe” unter den antibiotika-verwendenden Bauern ausfindig gemacht werden. Immerhin wurden im Jahr 2016 nur in deutschen Landen nicht weniger als 16 Tonnen Reserve-Antibiotika eingesetzt. Von tausenden Betrieben jedoch erhielt man keinerlei Informationen (in Baden-Württemberg beispielsweise von mehr als der Hälfte). Sie wurden fälschlicherweise zu den antibiotika-freien Bauernhöfen gezählt – ein Fehler, der nicht hätte geschehen dürfen. Und wie pervers: Colistin ist in der Mast sehr beliebt, da es bei Tieren offenbar keinerlei Nebenwirkung aufzeigt und gegen Durchfall hilft. Deren Fleisch wird vom Menschen gegessen. Damit erfolgt eine sog. “Zooanthroponose”, eine Übertragung von Tier auf Mensch. Sind die Keime nicht bereits im lebenden Tier mutiert, so haben sie im menschlichen Körper erneut die Möglichkeit. Derart geschieht die Züchtung colistin-resistenter Keime! Man könnte alsdann sagen: Der Mensch tötet sich selbst! Auch in Deutschland wurden seit 2009 in den Datenbanken (darunter auch die ARS-Datenbank am Robert-Koch-Institut) bereits viermal derartige mcr-1-Gene eingetragen: Dreimal bei Schweinen, einmal bei einem Menschen. Die älteste Entdeckung stammt aus dem Jahr 2005 aus Frankreich. 20 Staaten sind bislang auf den Genmutanten gestossen. In den USA neben der Frau aus Pennsylvania zudem bei einem Schwein aus Texas! Damit galt es als erwiesen: Der mutierte Keim wurde nicht eingeschleppt, sondern ist hausgemacht!

“Die zu sorglose und ungenaue Gabe führte über Jahrzehnte zur Zunahme bakterieller Krankheitserreger, die gegenüber Antibiotika weniger empfindlich oder sogar völlig resistent geworden sind.“
(OA Dr. Oskar Janata, Facharzt für Innere Medizin und Antibiotika-Spezialist, SMZ-Ost, Wien )

Die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, hat den Ernst der Situation erkannt. Sie warnt ausdrücklich, dass sofort gehandelt werden müsse, da diese Katastrophe ansonsten eine Eigendynamik entwickle, die nicht mehr aufzuhalten ist. Eine Untersuchung der Expertengruppe rund um den Ökonomen Jim O’Neill im Auftrag der britischen Regierung ergab ein mehr als dunkles Szenario: Bereits heute sterben jährlich rund 700.000 Menschen an resistenten Keimen weltweit. Bekommt man das Problem nicht in den Griff, werden es 2050 nicht weniger als 59 Millionen sein – jedes Jahr! Mark Holmes von der Universität Cambridge hat in den Abwässern von indischen Pharma-Betriebe resistente Keime entdeckt, in vier dieser gar multirestistente Keime (“Superbugs”). Eine Firma davon, Aurobindo, beliefert auch den deutschsprachigen Markt! Während zwischen Flensburg und Berchtesgaden schon seit längerem mit DART (Deutsche Antibiotika-Resistenz-Strategie) ein sektorübergreifendes Instrument eingerichtet wurde, legte die Deutsche Bundesregierung 2015 zudem einen 10-Punkte-Aktionsplan im Kampf gegen multiresistente Keime vor. Indessen lebt ein 59-jähriger Obersteirer seit über einem Jahr in Isolation, damit er keinen anderen Menschen ansteckt. Der Diabetiker hatte sich nach einer Beinfraktur mit anschliessender Amputation möglicherweise im Krankenhaus mit einem multiresistenten 4MRGN-Erreger infiziert. Im März diesen Jahres haben Wissenschafter auch in der Donau multiresistente Keime gefunden. Mit dem “Nationalen Aktionsplan zur Antibiotikaresistenz” versucht der Alpenstaat bereits seit 2014 der Katastrophe Herr zu werden. In der Schweiz ergab 2016 eine Studie der Universität Bern, dass drei von vier Indien-Urlauber bei ihrer Rückkehr multiresistente Keime mit nach Hause bringen. Zumeist mit der Genmanipulation mcr-1 auf E.coli- bzw. Klebsiella pneumoniae-Bakterien. Beide können Harnwegsinfektionen, erstere zudem Blutvergiftung und zweitere zudem Atemwegserkrankungen verursachen. Auch die Eidgenossenschaft hat mit StAR im November 2015 einen Strategie-Bericht gegen die Antibiotika-Resistenzen vorgelegt.

“In einem Drittel der Fälle besteht kein wichtiger und nachvollziehbarer Grund, warum diese Antibiotika verordnet werden.”

(Gerd Glaeske, Universität Bremen)

Die Entwicklung von Antibiotika allerdings ist eine sehr zeitaufwendige und im Vergleich mit Krebs- oder HIV-Mitteln nicht sehr lukrative Forschung. Dem Unternehmen Pfizer ist aber offenbar dennoch ein Erfolg geglückt. Der US-amerikanische Pharma-Riese brachte ein Antibiotikum gegen die beiden Bakterienfamilien Carbapenem-resistente Enterobacteriaceae (CRE) und Pseudomonas aeruginosa auf den Markt.
Allerdings gehen die weltweiten Forschungen auch in eine andere Richtung: Fressbakterien etwa! So wurde beispielsweise ein E.coli-Darmkeim genetisch derart verändert, dass er Pseudomonas-Bakterien angreift.
Bakteriophagen werden schon seit 1920 in der ehemaligen Sowjetunion ausgetestet. Es ist sozusagen die “virale Bombe” gegen Bakterien. Auch hierzulande kommen sie wieder immer mehr zum Einsatz – etwa bei der Behandlung von Verbrennungen.
Metallische Nanoteilchen werden gegenwärtig bei bakteriologischen Hautinfektionen eingesetzt – Metalle wirken stets antibakteriell!
Auch könnten Peptide eine Lösung darstellen. Peptide sind organische Verbindungen mit Peptidbindungen der Aminosären (kurze Eiweissketten). Sozusagen der natürliche Feind der Bakterien. Zu finden sind diese etwa bei Fröschen und Schlangen. In der Kosmetik bereits gegen Hautalterung erprobt, bei Zuckerkranken gegen Fussgeschwüre. Im menschlichen Körper kommen sie vornehmlich als Hormone vor, werden allerdings recht schnell abgebaut. Wissenschaftler der St. Gallener Materialforschungsanstalt EMPA haben gemeinsam mit ihren Kollegen der Universität Kopenhagen ein “Shuttle-System” entwickelt, das diese Peptide dorthin bringen soll, wo sie benötigt ohne zuvor abgebaut zu werden. Diese sog. “Nanocarriers” bauen auf Fetten (Lipiden) auf. .
Noch am Anfang des Versuchsstadiums befinden sich die “Gen-Scheren”. Bakterien verwenden selbst diese auch als “Crispr” bezeichnete Technik, wobei sich diese Scheren an die Bakterien anheften und deren Erbanlagen heraustrennen.
Doch bei all diesen Massnahmen muss jeweils berücksichtigt werden, dass im menschlichen Körper sehr viele gute Bakterien dafür sorgen, dass das Uhrwerk auch tatsächlich mehr oder weniger präzise läuft. Würden diese ebenfalls vernichtet werden, so wäre das sicherlich nicht im Sinne des Patienten.
Einziger Vorteil an diesen resistenten Keimen ist, dass sie zum Aufbau ihrer Resistenz sehr viel Energie aufbringen müssen. Das macht sie träge und weniger aggressiv. Auch hier versucht die Wissenschaft einen Ansatzpunkt zu finden: Anti-Virulenz-Mittel sollen aggressive Bakterien in deren Giftproduktion verlangsamen oder ganz zu stoppen.
Viele Menschen tragen derartige Keime im Körper oder auf der Haut – ohne davon krank zu werden. Zirka sechs Prozent beispielsweise die sog. Beta-Lactamase produzierende Enterobakterien (ESBL) im Darm, rund ein Prozent auch den Staphylococcus aureus (MRSA) auf der Haut bzw. den Schleimhäuten.
Was kann nun jeder Einzelne vorbeugend dagegen tun?`
- Urlaubsländer wie Indien oder China meiden
- Gesteigerte Hygiene v.a. beim Händewaschen
- Rohes Fleisch mindestens 2 Minuten lang bei mindestens 70 Grad garen – Messer und Schneidbretter in der Spülmaschine waschen
- Nicht bei jedem Infekt Antibiotika nehmen
(- Klare Richtlinie für die Vergabe von Antibiotika für Ärzte)
Die Politik hingegen setzt auf Aufklärung. So fordert der deutsche Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU/CSU) einerseits verbindliche Screenings für neue Patienten, andererseits eine regelmässige Information der Krankenhäuser über den derzeitigen Hygienestandard sowie verpflichtende Fortbildung für alle Mitarbeiter.

Die WHO-Liste der resistenten Bakterien:

.) Priority 1: CRITICAL
Acinetobacter baumannii, carbapenem-resistant
Pseudomonas aeruginosa, carbapenem-resistant
Enterobacteriaceae, carbapenem-resistant, ESBL-producing

.) Priority 2: HIGH
Enterococcus faecium, vancomycin-resistant
Staphylococcus aureus, methicillin-resistant, vancomycin-intermediate and resistant
Helicobacter pylori, clarithromycin-resistant
Campylobacter spp., fluoroquinolone-resistant
Salmonellae, fluoroquinolone-resistant
Neisseria gonorrhoeae, cephalosporin-resistant, fluoroquinolone-resistant

.) Priority 3: MEDIUM
Streptococcus pneumoniae, penicillin-non-susceptible
Haemophilus influenzae, ampicillin-resistant
Shigella spp., fluoroquinolone-resistant

Lesetipps:

.) Antibiotika bei Infektionen mit multiresistenten Erregern; Schulz-Stübner S./Mattner F./Meyer E./Mahlberg R. (Hrsg.); Springer-Verlag 2016
.) Die infektiöse, bakterielle Antibiotikaresistenz; Gerhard Lebek; Huber 1969
.) Multiresistente Erreger Diagnostik – Epidemiologie – Hygiene – Antibiotika-”Stewardship”; Schulz-Stübner S./Dettenkofer M./Mattner F./Meyer E./Mahlberg R. (Hrsg.); Springer-Verlag 2016
.) Berichte zur Resistenzmonitoringstudie 2011/2012: Resistenzsituation bei klinisch wichtigen tierpathogenen Bakterien (BVL-Reporte); Bundesamt für Verbraucherschutz (Hrsg.) Birkhäuser 2015
.) Beurteilung von Ausbaumaßnahmen in Kläranlagen zur Verringerung der Ausbreitung von fakultativ pathogenen Antibiotika-resistenten Keimen; Stefanie Heß; KIT Scientific Publishing 2015
.) Gastroenterologische Infektiologie; Christoph Lübbert/Roger Vogelmann (Hrsg.), De Gruyter 2017
.) Codex Alimentarius: Antibiotikaresistenzen und mikrobiologische Risikoabschätzung in der Lebensmittelkette: Internationale Standards und Richtlinien; Sabine Nieslony; Behr’s Verlag 2017
.) Schreckgespenst Infektionen – Mythen, Wahn und Wirklichkeit; Sucharit Bhakdi/Karina Reiss; Goldegg Verlag GmbH

Links:

www.wrnmmc.capmed.mil
www.dzif.de
www.bfr.bund.de
www.bvl.bund.de
www.helmholtz-hzi.de
www.rki.de
www.aezq.de
www.ema.europa.eu
ecdc.europa.eu
hygiene.charite.de
www.dghm.org
www.bmgf.gv.at/
www.labors.at
argeniere.at
www.blv.admin.ch
www.sginf.ch
www.swissnoso.ch
www.escmid.org
aac.asm.org
www.niaid.nih.gov
www.ifpma.org/

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