Archive for Juni, 2017

Der Hund – des Menschen bester Freund

WARNUNG:
Dieser Inhalt und v.a. die in den angeführten Videos enthaltenen Bilder sind nicht für jedermann geeignet!

In vielen Kulturkreisen ist der Hund gemeinsam mit der Katze das beliebteste Haustier. Und so mancher Hundehalter würde mehr auf seinen Vierbeiner geben, als auf so manchen Menschen. Hat sich Ihnen jemals schon die Frage gestellt: Wie schmeckt er wohl? Kann ich ihn denn auch essen? Ich für mich kann die Frage ganz eindeutig beantworten: Nein – niemals!!! Der Mensch züchtet Nutztiere, die seiner Fleischeslust zum Opfer fallen. Andere Tiere wie Hunde oder Katzen, die sog. “Heimtiere” hingegen haben nach meiner Meinung nichts in den Bratpfannen oder Töpfen zu suchen! Wer beispielsweise Insekten essen will – bitte soll er. In unseren Breitengraden werden sie eigens ernährungsgerecht gezüchtet. Angeblich sollen sie ja aufgrund des enthaltenen Proteins sehr gesund sein. Doch hört dieser Spass mit den höher entwickelten Wirbeltieren auf. Zumindest in unseren Breitengraden!

Der Mensch ist, was er isst!
(Ludwig Feuerbach)

Nicht, dass Sie mich nun falsch verstehen – andere Kultur, andere Sitten! Doch bin ich dafür, dass zumindest hierüber aufgeklärt und möglicherweise diskutiert werden sollte. Im zivilisierten Westen ist der Hundemissbrauch, das Schlachten und der Handel mit Hundefleischdies bei Strafandrohung lt. Tierschutz- bzw. Lebensmittelgesetz verboten.
Ich hörte erstmals vom Hundefleischfestival im Radio, als so ganz nebenbei über die Traditionen der Sonnwendfeiern berichtet wurde. In der Stadt Yulin in der südchinesischen Provinz Guangxi werden jedes Jahr zur Sommer-Sonnenwende tausende Hunde und Katzen geschlachtet und verzehrt. Bei vielen erspart man sich gar das Schlachten: Sie werden bei lebendigem Leib wie ein Hummer gekocht. Ein grauenvolles Prozedere selbstverständlich für die Tiere selbst aber auch alle Tierfreunde und im Speziellen alle Katzen- und Hundeliebhaber.

https://www.youtube.com/watch?v=NjbWQAASPcs

Die Befürworter des blutrünstigen Spektakels rechtfertigen dies mit dem Hinweis auf alte Traditionen. Ausserdem mache es keinen Unterschied ob Hund, Katze, Schwein oder Rind. Eine Tradition ist dieses Abschlachten beileibe nicht, kam doch die Unsitte vor nicht einmal zehn Jahren anno 2009 auf. Es war ein Marketing-Gag der Schlachtereien um das Geschäft anzukurbeln. Durchaus gelungen, resultierte das Ganze einerseits aus der Armut der Bevölkerung, die sich ansonsten kein Fleisch leisten konnte, als auch dem Aberglauben, dass der Verzehr von Hundefleisch Glück und besonders viel Kraft bringe. Das jedoch denkt sich alsdann ein Kannibale, der mit dem Verspeisen seines Kontrahenten auch dessen positiven Eigenschaften aufnehmen möchte. Für den Getöteten und anschliessend Verspeisten also perversester Weise durchaus als Ehre anzusehen.
Inzwischen jedoch hat sich in China sehr viel getan. Immer mehr Einwohner geniessen eine Schulbildung. Zudem sind deren Lebensumstände in den meisten Provinzen verbessert worden. Damit können sich mehr Menschen Essen leisten (wenn auch nicht unbedingt regelmässig Fleisch) und bekommen in der Schule vermittelt, dass das Fleisch, das für den menschlichen Appetit gedacht ist, gewissen hygienischen Grundvoraussetzungen entsprechen muss, damit Mensch bei dessen Verzehr nicht selbst krank wird. Hunde oder Katzen, die in den Strassen der Stadt gefangen werden und dann tage- ja wochenlang in den winzigen Käfigen eingepfercht dahinvegetieren, erfüllen diese gesundheitlichen Standards keineswegs. Viele sind krank – manche leiden an der für den Menschen ebenfalls gefährlichen Tollwut. Inzwischen sollte auch in China Schlachtvieh tierärztlich vor und nach der Schlachtung begutachtet werden.
In den anderen Regionen Chinas schaut man angewidert auf Guangxi. In grossen Teilen des riesigen Landes geht es vornehmlich darum, sich westlichen Sitten unterzuordnen. Manche sprechen von “zivilisiert”, doch stimmt das vielfach auch in der vermeintlich zivilisierten, westlichen Welt nicht. Die Regierung hat sogar ganz offiziell der Verzehr von Hundefleisch in Speiselokalen verboten. Alsdann ist es nicht auf den offiziellen Speisekarten zu finden – auf den inoffiziellen hingegen sehr wohl. Trotzdem – bevor nun ein falscher Eindruck entsteht: Weniger als 20 % der Chinesen haben schon mal Hundefleisch gegessen – vornehmlich angeboten wird es in indonesischen oder koreanischen Lokalen.

https://www.youtube.com/watch?v=589NAoC9Q6Y

Jedes Jahr riskieren Tierschutzaktivisten, wie etwa Dr. Peter Li, der von Humane Society International unterstützt wird, ihr Leben bei der Freilassung zuvor eingefangener Hunde und Katzen. Schliesslich sind die unter grauenvollsten Umständen zu Tode verurteilten Tiere das Kapital der Fänger und Händler. Sie kennen im Kampf um ihr Geschäft kein Pardon. Den wenigen befreiten Tieren stehen hunderte bzw. tausende gegenüber, die weniger Glück hatten. Sie werden vergiftet, zu Tode geschlagen oder bei lebendigem Leib gekocht oder gebraten. Dann folgt das Häuten. So können sie am Markt erstanden werden. Ein unvorstellbares Martyrium für die Vierbeiner, deren Haltung eigentlich ganz andere Zwecke erfüllen soll. Gemeinsam mit der Pekinger Organisation gegen Tierquälerei Duo Duo übergab Li alleine im vergangenen Jahr elf Millionen Unterschriften von Menschen aus der ganzen Welt an die Regierung. Damals sagte die Stadtführung von Yulin zu, dem Treiben schon sehr bald ein Ende setzen zu wollen. Erste Erfolgsmeldungen gab es alsdann im Mai von den beiden Organisationen Duo Duo und Humane Society International, wonach verkündet wurde, dass es dieses ekelerregende Festival 2017 nicht mehr geben wird. Dennoch wurde das Hundefleisch-Fest auch heuer wieder abgehalten. Die Behörden argumentieren damit, dass die Kontrolle der Einhaltung eines Verbotes nicht machbar wäre. Für heuer wurde ein Übereinkommen zwischen Behörden und Händler getroffen, dass nicht mehr als zwei Hundekadaver pro Markt-Stand angeboten werden durften. Freilich hielt sich niemand daran. Weit mehr als 10.000 Tiere wurden auf das Grauenvollste massakriert. Die Polizei war zwar vorort, hielt sich jedoch nach Angaben der Presseagentur AFP aus allem heraus.
Für mich ist es ein Greuel auch nur an den Verzehr von Hundefleisch zu denken. Unsere Hunde zählten für mich stets als Familienmitglieder – ebenso wie eine Katze. Somit kam ich auch nie in die Versuchung, es mal ausprobieren zu wollen, obgleich ich als Kind von der Existenz eines Hundeschlachters in meinem Bundesland erfuhr. Auch zu Zeiten des ersten Weltkrieges fand man diese Metzger in vielen Städten – etwa in München. Erst 2010 schob das Gesetz mit der Tierischen-Lebensmittel-Hygieneverordnung (Tier-LMHV § 22 Abs. 1a) in deutschen Landen einen Riegel vor. Obgleich noch 2013 in Wien ein Hundeschlachter sein Geschäft eröffnete, ist in Österreich dies ebenfalls inzwischen durch das Tierschutzgesetz (§ 6 Abs. 2) verboten. In der Schweiz soll so mancher Bauer grosse Stücke vom Hundefleisch halten! Hier untersagt der Art. 2 der Verordnung des EDI über Lebensmittel tierischer Herkunft nur den “kommerziellen Verkehr; Gewinnung und Verzehr für den Eigengebrauch sind zulässig”! Übrigens hätte Roald Amudsen 1912 niemals den Südpol erreicht, hätte er nicht nach und nach seine Hunde aufgegessen.
Doch gebe ich auch dem eingangs zitierten Feuerbach durchaus recht: Der Mensch wird mit und durch seine Essgewohnheiten immer primitiver. Feuerbach war ein deutscher Philosoph, der sich vornehmlich mit seiner Religionskritik hervor tat.
Nicht zuletzt deshalb habe ich eine Online-Petition unterschrieben.

https://action.hsi.org/ea-action/action?ea.client.id=104&ea.campaign.id=32130&ea.tracking.id=website_dogmeat&_ga=2.268662902.643325226.1498467323-391205414.1495714019

Sollten auch Sie dies machen wollen, dann suchen Sie sich bitte eine Organisation aus, die an das heimische Datenschutzrecht gebunden ist und somit bei Missbrauch der Daten belangt werden kann. Auch ich könnte beispielsweise eine Online-Petition zur doppelseitigen Verwendung von Papier starten und die Daten weiterverkaufen. Schliesslich laufen die meisten Online-Petitionen über US-amerikanische Rechner, die sich einen feuchten Dreck um heimisches Datenschutzrecht kümmern – und zudem gehen die Daten nach China! In ein Land, das für seine Hacker-Angriffe berüchtigt ist.

Lesetipps:

.) Hunde essen, Hunde lieben – Die Tabugeschichte des Hundeverzehrs und das erstaunliche Kapitel deutscher Hundeliebe; Rüdiger von Chamier; Tectum Verlag 2017
.) Wohlgeschmack und Widerwillen: die Rätsel der Nahrungstabus; Marvin Harris; Klett-Cotta 1990
.) Hund und Mensch: die Geschichte einer Beziehung; Erhard Oeser; Primus Verlag 2004
.) Hunde – Menschen – Artefakte – Gedenkschrift für Gretel Galley; Hrsg.: B. Ramminger/H. Lasch; Studia honoraria Bd. 32 2012
.) Auf den Hund gekommen? Natur- und Kulturgeschichte des Hundes; Hrsg: Bianca Knoche/Alfred Hendricks; Westfälisches Museum f. Naturkunde 2001
.) Ethik des Essens. Einführung in die Gastrosophie; Harald Lemke; Akademie Verlag 2007

Links:

- www.hsi.org
- www.duoduoproject.org
- www.vier-pfoten.at
- www.animalsasia.org
- animalpeoplenews.org/
- www.epikur-journal.at
- www.dge.de

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Guck mal – der Affe! Schatz, das ist ein Spiegel…!!!

Heute muss ich Ihnen mal ein Geständnis machen: Immer wenn ich Bilder dieser Tiere sehe, kommen mir andere von Menschen in den Sinn, gleich nach dem Aufstehen! Der wohl endgültige Beweis, dass der Mensch vom Affen abstammt. Möglicherweise vom Orang Utan, da dieser eines der wenigen Tiere ist, die sich selbst im Spiegel erkennen können. Ein entscheidender Pluspunkt für die Affenabstammungstheorie! Nun, tatsächlich stimmt das Erbgut von Mensch und Orang Utan zu 96,5 % überein, etwas weniger als mit den Gorillas oder Schimpansen. Allerdings dreht sich der heutige Blog nicht um den Menschen, da diesem ohnedies nicht mehr zu helfen ist! Die Orang Utans aber sind auf jede noch so kleine Hilfe angewiesen! Auch im Torfwald von Sungai Putri!!! Doch dazu etwas später!
Der Name des Orang Utans kommt aus dem Malaiischen und bedeutet “Waldmensch” – sie gehören zur Familie der Menschenaffen, unterscheiden sich allerdings durch ihr rötlich-braunes Fell von den anderen.

“Der Orang von Angola (Simia troglodytes, Lin.) ist das vollkommenste aller Tiere: es ist vollkommener als der indische Orang (Simia satyrus, L.), den man Orang-Utang genannt hat.“
(Jean-Baptiste de Lamarck 1809)

Die Orang Utans sind die grössten auf Bäumen lebenden Säugetiere. Obgleich in der Vergangenheit so manch Einer aufgrund sich nichtbietender Möglichkeiten zwischen Affen und Affen nicht unterscheiden konnte, so gibt es tatsächlich nur zwei Arten von Orangs: Gemäss ihrer Herkunft unterscheidet der Zoologe zwischen dem Borneo-Orang-Utan (Pongo pygmaeus) und dem Sumatra-Orang-Utan (Pongo abelii). Die Männchen können mit 50 bis 90 kg schon mal doppelt so schwer wie die Weibchen werden, dabei ist der Vertreter der Insel Sumatra etwas kleiner und zierlicher. Ihr Körperbau ist ansonsten dem Leben auf und in den Bäumen perfekt angepasst! Die Arme etwa können eine Spannweite von 2,25 Meter erreichen. Die Beine hingegen sind kurz und nach innen eingebogen, wodurch das Klettern in Bäumen erheblich erleichtert wird. Die Schädelform ist vergleichbar mit jener der Gorillas. Beide Geschlechter übrigens tragen einen Bart. Das Schlafnest besteht aus Ästen und Laub – nur ganz selten wird es zweimal benutzt – in der Welt des Menschen unnutz – verschlingt zu viel der kostbaren Zeit der Produktivität!!! Die Orang Utans bevorzugen Regen- oder Mangrovenwälder, die sich bis vor wenigen tausend Jahren noch von China weg über ganz Südost-Asien bis nach Java erstreckten. Inzwischen gibt es diese Wälder nicht mehr – die Affen haben sich auf die beiden Inseln zurückgezogen.

https://www.youtube.com/watch?v=bMGWle26EN0

Orang Utans kommen nur ganz selten auf den Boden – meist um den Baum zu wechseln, wenn diese zu weit voneinander entfernt sind. Das ist ein direkter Schutz vor den Tigern. Nur auf Borneo unternehmen die ausgewachsenen Männchen manches Mal Streifzüge am Boden – hier gibt es keine Frassfeinde. Dabei können die Reviere der Männer mit 4-5.000 Hektar sehr gross werden – sie umfassen auch mehrere der Reviere von Weibchen, die zwischen 70 bis 900 Hektar betragen. Vergleichbar bei uns mit den Briefträgern! Selten bzw. erst später bleibt dementsprechend ein Männchen an einem nahrungsreichen Standort – es befindet sich ansonsten auf steter Wanderschaft! Geschieht es dennoch, so hat dieses einen sehr hohen sozialen Rang. In diesem Revier kennen viele nahezu jeden Baum. Die Weibchen leben zumeist allein, allerdings nicht in Form von Einsiedlertum – sie interagieren auch mit anderen Weibchen. Etwa bei gemeinsamer Nahrungssuche. Treffen hingegen zwei Männchen aufeinander, ist der Zoff schon vorprogrammiert! Umherziehende Männchen zwingen in den meisten Fällen die jungen Weibchen zur Paarung. Die Tragzeit beläuft sich auf durchschnittlich 245 Tage – das Jungtier bleibt dann zwischen fünf bis acht Jahre lang bei seiner Mutter. Gibt es ein standorttreues Männchen, so schützt er seine Damen vor solchen ungewollten Vergewaltigungen. Auch durch laute Schreie (“Long Calls”), die Konkurrenten verjagen sollen. Ansonsten sind Orang Utans ruhige Waldbewohner, die nicht gefunden werden, wenn sie das nicht wünschen. Nach der Trennung von der Mutter arbeiten die Weibchen an ihrem eigenen Revier, die Männchen werden zu Wanderern. In freier Wildbahn leben die Menschenaffen bis zu 50 Jahre lang, in Gefangenschaft auch bis zu 60 Jahre.
Orang Utans ernähren sich vornehmlich von Früchten, Sprossen, Blättern und Samen. Nur wenig auch von Insekten, Vogeleiern oder kleinen Wirbeltieren. In Gefangenschaft fressen sich die Tiere Fett an! Das dürfte den Hintergrund in den sog. “Mastjahren” der Dipterocarpaceen-Wälder haben, die alle 2 bis 10 Jahre stattfinden. Dabei dient das angefressene Fett als Vorrat für schlechtere Jahre.
Im Vergleich zu beispielsweise den Schimpansen ist bei Orang Utans in freier Wildbahn kein Gebrauch von Werkzeug zu beobachten. In Gefangenschaft allerdings lernen sie sich dies an. Auch ansonsten eher schwere Lösungen werden dabei durch sie gefunden. Ein Hinweis auf die Intelligenz der Tiere. Bekannt wurde in diesem Zusammenhang der Affe Chantek aus einem Zoo in Atlanta/Georgia.

https://www.youtube.com/watch?v=XrH_zkWGIHM

Die Orang Utans werden sozusagen ruhig getötet, da sie im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) als besonders schützenswert aufgelistet sind. Innerhalb der letzten 20 Jahren hat sich der Bestand um mehr als 50 % verringert (Sumatra 14.000/Borneo 54.000)! Immer mehr wird deren Lebensraum durch die Regenwaldrodung zugunsten von Palmöl-Plantagen verkleinert. Weltweit führend in der Produktion von Palmöl sind übrigens Indonesien und Malaysia. Auf Borneo beispielsweise zieht seit Monaten ein Unternehmen in den Torfsumpfwälder von Sungai Putri Entwässerungsgräben, damit hier Palmöl-Plantagen angelegt werden können. In diesen Wäldern jedoch leben zwischen 1.000 bis 1.500 der bedrohten Tiere. Nach Protesten der Umweltorganisation Link-AR Borneo bei der indonesischen Regierung wurden die Arbeiten vorerst gestoppt – sie können jedoch jederzeit wieder aufgenommen werden. Auf dieser Website können Sie gegen die Wiederaufnahme der Arbeiten unterschreiben, da die Bulldozzer nach wie vor im Wald stehen:

https://www.regenwald.org/petitionen/1093/werft-die-bulldozer-aus-dem-torfwald-von-sungai-putri

Auch ohne Unterschrift können Sie gegen derartiges Räubertum vorgehen: So wurden in der Schweiz Stimmen laut, die den Freihandel von Palmöl verbieten wollten! Wäre das nicht auch für deutsche oder österreichische Politiker lobenswert? Längst auch kein Geheimnis ist die Kinderarbeit auf den Plantagen. Anstatt zur Schule gehen zu können, müssen sie für die Produkte solcher Grosskonzerne wie Colgate Palmolive, Kellogg´s, Nestlé, Procter&Gamble und Unilever (Angaben: Amnesty International) schuften um das Geld für die Familie zu verdienen. Der Konsument bestimmt!!!
Aber auch die verbotene Bejagung und der Verkauf von Jungtieren als Haustiere lässt die Zahl immer weiter zurückgehen. Bei zweiterem wird meist zuerst die Mutter getötet. Rund 1.200 Jungtiere gelangen auf diese Art pro Jahr alleine auf dem indonesischen Teil Borneos in Gefangenschaft. Rechnet man hier mit ein, dass ein Weibchen zwischen 3-5 Jungtiere gebärt (während seines ganzen Lebens) und die Trage- bzw. Aufzuchtzeit dermassen lang ist – ein Horror!!!
Krankheiten wie Cholera, Hepatitis, Malaria und Tuberkulose, die auch vom Menschen auf den Affen übertragen werden können und umgekehrt, erledigen dann den Rest.
Zudem tobten im Sommer 2015 auch Tanjung-Puting-Nationalpark auf Borneo riesige Waldbrände, wodurch viele Tiere starben. Hier findet ein Aufforstungsprojekt der Organisation Friends of the National Parks Foundation in gemeinschaftlicher Arbeit mit der Bevölkerung statt. Bislang konnten bereits über 6.000 neue Bäume gesetzt werden.
Das WWF Deutschland betreibt seit 2003 zahlreiche Projekte auf Borneo. Als DIE Orang Utan-Expertin schlechthin gilt jedoch die kanadische Zoologin Birute Mary F. Galdikas, geboren übrigens im deutschen Wiesbaden. Sie ergänzt das weibliche Triumphirat von Dian Fossey (Gorilla-Expertin) und Jane Goodall (Schimpansen). Nach ihrem Studium der Psychologie und Anthropologie begann sie schon in den 60er Jahren mit Langzeitstudien über die Menschenaffen. Auf Borneo errichtete die National Geograhic Society eine Forschungsstation, von der aus sie ihre Beobachtungen an frei lebenden Orang Utans führt. Daneben besitzt Galdikas eine Professur für Anthropologie an der Simon Fraser University im kanadischen Burnaby.
Einige Organisationen, wie die Borneo Orangutan Survival Foundation (BOS), wildern beschlagnahmte oder Tiere aus Gefangenschaft wieder aus. So etwa den an Hepatitis B erkrankten, 30-jährigen Romeo. Nicht weniger als 24 Lebensjahre verbrachte er (u.a. wegen seiner Krankheit) in Gefangenschaft. Doch wurde inzwischen bekannt, dass der Virus im Vergleich zum Menschen das Immunsystem der Affen sogar noch stärkt. Also wurden Auswilderungspläne geschmiedet. Er musste zuerst die sog. “Waldschule” (in seinem Falle wohl eher eine Erwachsenenbildung – der “Waldkindergarten” entfiel aufgrund seines Alters)) erfolgreich absolvieren, wo ihm die Grundlagen des Waldlebens beigebracht wurden (Nestbau etwa). Dann folgte endlich der grosse Tag: Am 07. Juni des Jahres sah er erstmals seit Gedenken keine Gitterstäbe um sich herum – er war plötzlich ein Teil der Wildnis, als er auf eine der sieben Vorauswilderungsinseln in Samboja Lestari gebracht wurde. Hier leben die Affen zwar frei, werden aber nach wie vor von Affenologen (!!!ggg) betreut. Diese Inseln bieten für rund 30 Orang Utans Platz. Hat er sich auch dort bewährt, wird er vollends in die langersehnte Freiheit entlassen. So nebenbei erwähnt: Kein einfaches Unterfangen, verbieten doch die Richtlinien des Washingtoner Artenabkommens (IUCN) eine Wiederansiedelung in Gebieten, in welchen noch freilebende Populationen vorkommen. Auch das im April befreite Albino-Weibchen Alba bzw. die bereits im April ausgewilderte Ung gelangten zur internationalen Berühmtheit und liessen die Herzen der Menschen höher schlagen. Inzwischen wurden schon mehr als 13 Orang Utans alleine in diesem Jahr ausgewildert. Eine tolle Nachricht!!!
Übrigens: Aufgrund der orange-braunroten Haare wurde die Krabbe Achaeus japonicus in vielen Sprachen auch als Orang Utan-Krabbe bezeichnet. Mit dem Menschenaffen allerdings hat sie ansonsten rein gar nichts am Krabben-Hut!

Lesetipps:

.) Meine Orang-Utans. 20 Jahre unter den scheuen Waldmenschen; Birutė M. F. Galdikas; Scherz-Verlag 1995
.) Vergleichende Primatologie; Thomas Geissmann; Springer 2003
.) Zoologische Philosophie; Jean-Baptiste de Lamarck; Verlag Harry Deutsch 1977
.) Walker’s mammals of the world; Ronald M. Nowak; 6. Auflage, Johns Hopkins University Press 1999
.) Mammal Species of the World; D. E. Wilson/D. M. Reeder; Johns Hopkins University Press 2005

Links:

- www.orangutan.de/
- www.orangutan.or.id
- drbirute.wordpress.com/
- www.birutegaldikas.lt
- www.yel.or.id/de
- www.wwf.de
- www.thegreatprojects.com
- paneco.ch
- www.orang-utans-in-not.org
- www.iucn.org
- www.abenteuer-regenwald.de
- linkarborneo.org/
- www.ran.org
- www.regenwald.org
- www.tierchenwelt.de
- fzs.org
- www.zoo-leipzig.de
- www.science.ca

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“Putsch der Grossunternehmen” (Naomi Klein)

In den beiden letzten Wahlkämpfen rund um das US-amerikanische Präsidentenamt spielte eine Gruppierung eine vermeintlich immer wichtiger werdende Rolle: Die Tea Party! Ihre Auslegung ist fast jener der deutschen Reichsbürger bzw. österreichischen Freemen und europäischen Rechtspopulisten gleichzusetzen. Während diese Menschen hierzulande allerdings als “Spinner” und “Ewig-Gestrige” abgetan werden, gehören der Gruppierung jenseits des grossen Teiches sehr einflussreiche Leute an, die ein schwergewichtiges Wort in der Republikanischen Partei und damit in der nordamerikanischen Politik mitzureden haben!

“Ich fand sie ganz okay, bis ich erfuhr, dass sie Marihuana rauchen.”
(Jeff Sessions, Juistizminister und Mitglied der Tea Party über den Ku-Klux-Klan)

Der Begriff “Tea Party” taucht erstmals mit dem 16. Dezember 1773 in Boston auf. Grossbritannien versuchte damals, in den neuen Kolonien durch Zölle und Steuern Geld aufzutreiben. U.a. beim Tee. Das wollten sich jedoch die Mitglieder der Gruppierung “Sons of Liberty” nicht gefallen lassen. Als Indianer verkleidet enterten rund 50 von Ihnen die “Dartmouth”, “Eleanor” und “Beaver”, Handelsschiffe der Ostindiengesellschaft, und kippten deren Ladung – rund 45 Tonnen Tee – in das Hafenbecken, da sie dafür nicht die britischen Zölle bezahlen wollten. Danach entschuldigten sie sich bei der Hafenmeisterei für das Aufbrechen eines Schlosses und reinigten gar die Schiffe. Diese “Bostoner Tea Party” wird als Beginn der Unabhängigkeitsbewegung der Vereinigten Staaten vom Kolonialherren Grossbritannien bezeichnet, 1,5 Jahre später beginnt der Unabhängigkeitskrieg. Die Verkleidung als Mohawk-Indianer war übrigens nicht gewählt um den Indianern die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben, sondern vielmehr als Symbol der Abgrenzung der neuen Kolonien vom europäischen Königreich! Alsdann dient der heutigen Tea Party diese Aktion dazu, den Protest gegen das Establishment darzustellen.
Die heutige Tea Party allerdings ist keineswegs dermassen mit US-amerikanischen Traditionen verbunden. “Tea” steht in diesem Falle für “taxes enough already”, also “genug Steuern bezahlt”. Mit Tee hat es überhaupt nichts mehr zu tun. Die Organisation wurde 2009 als Reaktion auf die Politik der Obama-Regierung während der Finanzkrise gegründet. Damals ging es um die Rettung der Banken und die Stützung der Wirtschaft. Als Geburtststunde wird die Hasstirade des CNBC-TV-Moderators Rick Santanelli über Barack Obama gesehen – am 19. Februar 2009 gründete er die “Chicago Tea Party”.

“Das Aufwärmen ist abgeschlossen, jetzt beginnt der richtige Kampf.”
(Tea Party Patriots)

Ebenso wie die Reichsbürger, aber auch so manche Rechtspopulisten erklärt die Tea Party den Staat zum Feind, die Politiker in Washington zu Handlangern der Finanzmogule und die Regierung der Obamas zu Sozialisten. Schuldenmachen ist tabu, die Gesundheits- und Steuerpolitik der Demokraten zum Wegwerfen. Jeder müsse selbst mit sich und seiner Verantwortung auskommen. Na? Haben Sie einige Punkte im Programm Donald Trumps gefunden? Durchaus beabsichtigt. Wird gar noch intensiver! Musste er doch versprechen, dass er diese Ziele einbaut, nachdem im Vorwahlkampf mit Ted Cruz der letzte Tea Party-Anhänger rausgeflogen ist. Ansonsten hätte er nicht deren Unterstützung und Geld erhalten. Hier fliessen übrigens die unterschiedlichsten Einflüsse zusammen: Neokonservative, Libertäre aber auch Christian Right. Die Tea Party ist zwar politisch, jedoch keine Partei. Sie hat zwar bei den Republikanern viele Anhänger, ist aber kein Bestandteil der Partei. Die Tea Party versteht sich als Basisbewegung, die aus 647 Gruppierungen (Washington Post) wie die grössten “Freedom Works”, “American for Prosperity”, “First Coast Tea-Party”, “Tea Party Express”, “Tea Party Nation” und “Tea Party Patriots” mit den unterschiedlichsten Vorstellungen besteht.

“In meiner Zeit als Mehrheitsvorsitzender habe ich gelernt, dass ‘Graswurzelbewegungen’ der Schlüssel zum Sieg in der Politik sind. Das ist es, worum sich FreedomWorks dreht. …!”
(Richard K. Armey, Vorsitzender von Freedom Works)

Eine Bewegung all jener, die genug haben von Steuern und Staatsdefizit! Zuhauf sind es die Erzkonservativen und der politisch äusserst rechte Rand. Sie warten schon lange auf ihre Chance, die sie in der Tea Party scheinbar gewittert haben. Doch sind es auch andere, die nicht unbedingt ganz rechts oder im tiefsten schwarz anzusiedeln sind. Bis zu 30 % der US-Amerikaner bezeichnen sich laut einer Umfrage als Anhänger oder Sympathisanten des Limited-Government-Konservatismus. Der typische Tea Partianer ist zu 90 % weiß, männlich, verheiratet, wohlhabender als der Durchschnitt und älter als 45 Jahre. Finanziell unterstützt wird die Bewegung etwa von der Telefongesellschaft AT&T, dem Zigarettenkonzern Philip Morris und den beiden Chemie-Riesen Bristol Myers-Squibb sowie vornehmlich Koch Industries. Zweiteres übrigens ist das zweitgrösste Privatunternehmen der USA – es betreibt Raffinerien, Kohleminen, Chemieanlagen und Holzunternehmen (die Einstellung Trumps gegenüber des Klimawandels in diesem Zusammenhang zu sehen ist reiner Fake!!!;-))); Anm. des Schreiberlings). Die Koch-Brüder stehen für bedingungslosen Kapitalismus – deren geschätztes Vermögen lt. “Forbes”: 35 Milliarden $.

“Sie (die Kochs) sind das Epizentrum der Anti-Bewegung. Doch geht es hierbei nicht nur um Obama. Sie hätten das Gleiche bei Hillary Clinton gemacht und haben das Gleiche bei Bill Clinton gemacht. Sie versuchen den ‘Progressismus’ zu zerstören.“
(Rob Stein, Politikverater der Demokraten)

Für die Medienarbeit ist der konservative TV-Sender Fox-News zuständig. Politisches Aushängeschild nach wie vor die ehemalige Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin.
Ron Paul und seine “Campaign for Liberty” waren es anno 2008, die den Grundstein für diese Bewegung legten. Ronald Ernest „Ron“ Paul engagierte sich ab 1971 für die Republikaner, trat 1988 für die Libertarian Party an, nachdem er die Finanzpolitik der beiden Republikaner Reagan und Bush sen. kritisiert hatte, später dann wieder für die Republikanische Partei, für die er auch als Präsidentschaftskandidat nach John McCain 2008 und nach Mitt Romney 2012 in der Vorwahlring stieg. Der Texaner war mit einigen Unterbrechungen von 1976 bis 2013 Abgeordneter des US-Repräsentantenhauses. Ideologisch vertritt er den Gedanken des Minimal-Staates. Innerhalb dessen ist den Verfassungsorganen nur das gestattet, was die Verfassung ausdrücklich erlaubt. Seine Organisation “Campaign for Liberty” setzt sich für die individuelle Freiheit, der aussenpolitischen Nicht-Intervention und freie Märkte sowie solides Geld ein. Experten sprechen dabei von paläolibertär, isalotionistisch und nicht zuletzt konstitutionalistisch. Abby Scher und Chip Berlet auch von rechtspopulistisch im Sinne des “producerism”, also pro der produzierenden Klasse im Gegensatz zur faulen Unterschicht! In vielen Punkten widerspricht Paul damit der Mehrheit der republikanischen Partei. Anno 2008 verweigerte er – angeblich aus inhaltlichen Gründen – gar die Unterstützung von McCain. Oder war es tatsächlich die psychische Kränkung, nachdem er unterlegen war? Der studierte Biologe und Mediziner setzt sich zudem dafür ein, dass jeder Bürger seine Vorsorge selbst treffen muss und damit der Staat in Sachen Renten- und Krankenversicherung aus dem Rennen ist. Medizinische Versorgung sei kein Menschenrecht, so Paul. Es sei auch nicht der Job der USA, sich an den Kriegsschauplätzen dieser Welt zu etablieren – folglich fordert er den Rückzug der US-Truppen und den Austritt aus der NATO, der UNO und der World Trade Organization. 2014 meinte er gar zur Ukraine-Krise, dass die westlichen Mächte dafür verantwortlich sind und die USA alsdann Russland den Krieg erklärt haben. Innenpolitisch befürwortet er eine liberalere Drogenpolitik und die Abschaffung des USA Patriot Acts, die sein Parteikollege George W. Bush nach 9/11 eingerichtet hat. Damit einhergehend auch die Auflassung der Homeland Security. Die nationale Steuerbehörde würde er ebenso abschaffen wie auch das Federal Reserve System. WikiLeaks sieht er gleich wichtig wie die normalen Medien. Wo Paul nahezu 1:1 mit Trump übereinstimmt ist das Recht, Waffen tragen zu dürfen (logisch für einen Texaner!), der Bau einer Mauer bzw. eines Zauns gegenüber Mexiko und einer strikteren Migrationspolitik.

“Wir dürfen uns nicht gegeneinander ausspielen lassen. Vom kleinlichen ‘Mein Anliegen ist wichtiger als deins’-Streit profitiert nur einer: Donald Trump.”
(Naomi Klein, Journalistin)

Die Tea Party nun hat die meisten dieser Ansätze übernommen – v.a. in den Bereichen Innen- und Steuerpolitik. Viele der Mitglieder sind tief religiös – doch kommt der Religion keine entscheidende Rolle zu, da alles nach wirtschaftspolitischen Kriterien zerlegt wird. Die drei Säulen der Organisation sind:
- individuelle Freiheit
- wirtschaftliche Freiheit und
- eine Bundesregierung mit klaren Grenzen
Jeder ist für sich selbst verantwortlich, da die soziale Absicherung gegen die Verfassung verstosse. Zu Lasten der Bundesregierung sollen die Bundesstaaten mehr Macht zugesprochen bekommen. Zudem ist für den Klimawandel der Mensch nicht verantwortlich.
Niedergeschrieben ist dies alles im “Contract from America”. Erfüllt ein Politiker zumindest acht dieser unten angeführten zehn Punkte, so kann er durch die Tea Party unterstützt werden:

- Bedingungsloser Schutz der Verfassung
- Ausgeglichener Staatshaushalt
- Beschränkung der Regierungsausgaben mit gesetzlich festgelegter Obergrenze
- Stopp der Subventionierung bis zum Ausgleich des Staatshaushaltes
- Beschluss einer grundlegenden Steuerreform
- Keine Steuererhöhungen
- Wiederherstellung der steuerlichen Verantwortung und verfassungs-konforme Beschränkung der Regierung
- Entkopplung der Krankenversicherungen vom Staat
- Eine Energiepolitik, die den restlichen Punkten gerecht wird
- Ablehnung jeglichen Emissionshandelssystems

In der Regierung Trumps sitzen einige Tea Partianer, wie etwa Vizepräsident Mike Pence (er leistete in der ersten Kabinettssitzung einen Eid auf den Präsidenten ab). Trotzdem hat Trump im März der Tea Party abgeschworen – via Twitter natürlich, wie sonst?! So meinte er etwa, dass die Parlamentarier-Gruppierung “Freedom Caucus” die komplette republikanische Agenda gefährde, weshalb man sie bekämpfen müsse. Diese ultrakonservativen Volksvertreter unter Führung von Mark Meadows sind sozusagen der politische Arm der Tea Party im Repräsentantenhaus. Die 30 Abgeordneten erklärten daraufhin den US-Präsidenten als zu liberal, Mark Meckler sprach sogar davon, dass ihn Trump “anwidere”. Sie waren es übrigens, die sich weigerten, dem ersten Anlauf für den “American Health Care Act 2017″ zuzustimmen – die erste wirklich grosse Niederlage Trumps. Die Gesundheitsreform war ihnen nicht radikal genug! Ohne deren Stimmen allerdings kommt es zu keiner republikanischen Mehrheit. Jene also, die Donald Trump zum Präsidenten machten, sind auch verantwortlich für dessen weitere Legislaturperiode. Dem versucht nun Trump entgegenzuwirken – v.a. im Hinblick auf die Wahlen zum Repräsentantenhaus 2018. Doch da wird er Pech haben, sind doch die meisten Tea Partianer in ihren Wahlbezirken besser angesehen und mit mehr Stimmen bedacht worden als Mr. President himselve!!!

https://www.youtube.com/watch?v=YsGZKEaMyM4

Abschliessendes Resumee:
Die Tea Party hat das Land in zwei Lager geteilt. Ähnlich wie bei den Kollegen der AfD, FPÖ oder des Front National in Europa: Man mag sie und ihre Ansichten – oder man mag sie nicht. Eine Studie der National Association for the Advance of Colored People (NAACP) bestätigt hingegen ganz eindeutig anti-semitische und rassistische Linien innerhalb der Bewegung. Haben früher Konzerne wie Coca oder Pepsi Cola bzw. McDonalds Präsidenten gemacht, so sind es inzwischen die Grossinvestoren aus den unterschiedlichsten wirtschaftlichen Bereichen, die mit ihrem Geld jenen Kandidaten unterstützen, der ihrem kapitalistischen Weltbild am nächsten kommt. Unterdessen brodelt es heftig, auch bei den Demokraten. Die einen fordern einen moderaten Kurs für Amerika, die anderen erbitterten Widerstand gegen die Tea Party und damit auch den Präsidenten!

Lesetipps:

.) Tea Party: Die weiße Wut. Was Amerikas Neue Rechte so gefährlich macht; Eva Schweitzer; dtv 2012
.) Amerikas Neue Rechte. Tea Party, Republikaner und die Politik der Angst; Philipp Schläger; Rotbuch Verlag 2012
.) The Tea Party and Reactionary Politics in America; Christopher S. Parker/Matt A. Barreto; Princeton University Press 2013
.) Partei der Extreme: Die Republikaner. Über die Implosion des amerikanischen Konservativismus; Torben Lütjen; transcript 2016
.) Political Power and Social Theory – Volume 22; Matt A. Barreto/Betsy L. Cooper/Benjamin Gonzalez/Christopher S. Parker/Christopher Towler; 2011
.) The Oxford Handbook of Climate Change and Society; Hrsg.: John S. Dryzek/Richard B. Norgaard/David Schlosberg; Oxford University Press 2011
.) Unsere Revolution; Bernie Sanders; Ullstein 2017
.) Die Zukunft, die wir wollen; Sarah Leonhard/Bhaskar Sunkara; Europa-Verlag 2016


Links:

- www.freedomworks.org
- ronpaul.com/
- ronpaulinstitute.org
- contractfromamerica.org
- www.teapartypatriots.org/
- www.teapartyexpress.org
- www.uswahl.lpb-bw.de
- www.teapartytraining.org
- www.npiamerica.org
- www.kochind.com/
- www.kas.de/
- www.bpb.de
- www.washingtonpost.com
- www.foxnews.com
- www.nytimes.com
- www.realclearpolitics.com
- www.politico.com

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Auto da – Auto weg

Es geschah eines schönen Tages, auf dem Weg von der Arbeit nach Hause. Für eine Strecke von rund 15 km musste ich hinter einem Kleintransporter meiner Wege gehen ähm fahren – offensichtlich aus Bulgarien, der einen Auto-Anhänger zog. Geladen hatte er nicht weniger als drei PKW. Ich glaubte erst, dass wohl ein Kfz-Betrieb in meinem Wohnort neue Gebrauchtwagen geliefert bekommt. Bergauf im Schneckentempo stank es nach überhitzten Bremsen und heissem Motor. Trotzdem dachte ich mir nichts weiter dabei. Einen Monat später hingegen traf es mich erneut. Dieses Mal hatte er wohl seinen Kumpel mit dabei – ersterer erneut mit drei, zweiterer mit zwei geladenen Fahrzeugen. Und dieses Mal wählten sie auch nicht den Weg durch meine Heimatgemeinde, sondern die Durchgangsstrasse nach Deutschland. Das machte mich dann doch etwas stutzig: Wenn die Fahrzeuge tatsächlich für Deutschland vorgesehen sind – wieso erfolgt der Transport dann nicht über die Autobahn, wo sie binnen fünf Minuten die Grenze passieren könnten? Anstatt dessen wählen die Fahrer ein Seitental, das sie um eine rund dreiviertel Stunde mehr Zeit kostet und durch das ständige Auf und Ab die Zugfahrzeuge ungebührlich mehr beansprucht. Zudem sind sicherlich die Bremsen und die Motorleistung eines Kleintransporters nicht für derartige Zusatzgewichte ausgelegt, sodass eine Vollbremsung aufgrund eines über die Strasse laufenden Kindes fatal enden würde. Also machte ich mit dem Hinweis auf die Uhrzeit und eine Tunnelüberwachungskamera Meldung einer Auffälligkeit beim zuständigen Bezirkspolizeikommando. Drei Tage später erreichte mich eine Mail eines Chefinspektors, der sich vielmals für meinen Hinweis bedankte. Nur durch aufmerksame Bürger könnten sehr viele Straftaten verhindert oder aufgeklärt werden. Er meinte zudem, dass ein solcher Konvoi im Nachbarort meiner Heimatgemeinde bereits angehalten wurde. Es handle sich dabei um Unfall-PKW aus der Schweiz (offenbar für den polnischen Markt)! Entsprechend der Papiere sei alles in Ordnung gewesen. Da auch gegen das hiesige Kraftfahrzeuggesetz nicht verstossen wurde, konnten die Lenker ihre Fahrt fortsetzen. Ob allerdings auch für den Zoll eine derartige Verbringung ok ist??? Für mich sahen die Autos alsdann nicht wirklich nach Unfallwagen aus, doch war die Sache damit gegessen. Inzwischen habe ich erneut dreimal derartige Konvois gesehen – zuletzt gar mit drei Kleintransportern! Obgleich dubios, muss nicht unbedingt eine Autoschieberei dahinter stecken. Es kann auch durchaus alles gesetzeskonform und somit legal ablaufen, doch würde ich als Frächter zumindet einem Fahrzeug in diesem Falle ein Navi mit aktuellem Update auf die Konsole schrauben.
Trotzdem begann ich mit der Recherche und stiess auf wirklich Unglaubliches. Im Jahre 2015 wurden in deutschen Landen nicht weniger als 18.659 teilkaskoversicherte Fahrzeuge entwendet – dabei entstand ein Schaden von 291 Millionen Euro (Angaben: GDV). In Österreich gelangten im selben Jahr 3.326 Autodiebstähle zur Anzeige (Angaben: Kriminalstatisitik), in der Schweiz waren es immerhin noch 1.562 Personenwagen (Angaben: Kriminalbericht der Polizei). Heiss begehrt sind deutsche SUV-Fabrikate! Alleine in NRW erfolgte anno 2016 alle zwei Stunden ein Autodiebstahl. Viele der Fahrzeuge verschwanden spurlos! Unter der “Autoschieberei” nun versteht man eine bandenmässig organisierte Kriminalität, die zumeist gestohlene Autos oder Ersatzteile en masse über die Grenzen schleusen. Zu diesem Zweck werden gestohlene oder gefälschte Kfz-Zeichen und Papiere verwendet. Bevorzugt sind Fahrzeuge ab der Mittelklasse – Ziel in den aller meisten Fällen ein ehemaliges Ostblockland. Diese Autoschieber erfüllen damit in Deutschland die Tatbestände des Diebstahls (§ 242 StGB), des Bandendiebstahls (§ 244 StGB), des schweren Bandendiebstahls (§ 244a), sowie der gewerbsmässigen Hehlerei (§ 260 StGB) bzw. der Bandenhehlerei (§ 260 a StGB) und in manchen Fällen auch des Versicherungsmissbrauchs (§265 StGB). Ähnliches gilt für Österreich und die Schweiz.

https://www.youtube.com/watch?v=KDoMHucEZbU

Immer mal wieder fliegen derartige Banden auf. Der wohl grösste Schieberring gelangte im Oktober 1994 an die Öffentlichkeit. Im Jahr zuvor verschwanden rund 58.000 nahezu neuwertige Autos. Der Gesamtschaden wurde durch die Polizei mit nicht weniger als 1,6 Milliarden D-Mark beziffert. Gleich hinter dem tschechischen Zollbalken in Cinovec/Böhmerwald wurden sie verhökert. Dort wo schon Johann Wolfgang von Goethe oder Ludwig van Beethoven zur Kur in den Thermen gingen, auf “Europas längstem Strassenstrich” der 1990er-Jahre, der fünf Kilometer langen Strecke nach Teplice gab es wirklich alles: Sex, Drogen und eben deutsche Autos. Letztere gingen gegen Bares weiter in Richtung Prag, Warschau, Südosteuropa oder auch Moskau. Etwa ein Drittel aller damals gestohlenen Fahrzeuge passierte hier die Grenze. Obgleich gegen tschechisches Recht verstossend, schaute damals die Polizei offenbar weg. Ein weiteres Drittel wurde via Frankfurt/Oder-Warschau und die restlichen über unzählige Umwege zudem über die Schweiz verschoben! Auch im Libanon sind immer wieder deutsche Nobel-Marken zu finden. Deutsche Polizeiberater wunderten sich aösdann über Mercedes, VW und Audi in der ansonsten nicht gerade mit Reichtum gesegneten Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina, Mostar!
Schon damals erkannte die Polizei, dass bei nahezu jedem gestohlenen Fahrzeug polnische Banden mit im Spiel waren. Das untermauerte auch eine Stichproben-Kontrolle des BKA mit den polnischen Grenzbehörden an der polnisch-litauischen Grenze in Ogrodniki. Von den überprüften 245 Autos mit deutschen Kennzeichen waren nicht weniger als 107 als gestohlen gemeldet, 70 davon allerdings Versicherungsbetrügereien! 30 Polen und 30 Deutsche, zum Teil mit polnischem Hintergrund, wurden festgenommen.
Im selben Jahr konnten weitere 120 Mitglieder der sog. “Dortmund Connection” inhaftiert werden. Sie gingen etwas anders vor: Den Autohaltern wurden Papiere und Schlüssel abgekauft. Die Autos verschwanden urplötzlich von den Parkplätzen. Einige Tage später erhielten die rechtmässigen Besitzer Schlüssel und Papiere im Briefkasten zurück und erstatteten Anzeige.

https://www.youtube.com/watch?v=Ho_2f3Xh9og

Ebenfalls ein richtig grosser Fisch aus Polen ging den Fahndern im Februar dieses Jahres in’s Netz. Bei der Übergabe eines Wohnmobils wurden vier, später auch ein fünfter Mann in Hoppegarten (Märkisch-Oderland) festgenommen. Kurze Zeit später klickten die polnischen Handschellen bei einem Grosshehler in Danzig. Der höchstwahrscheinlich aus 16 Personen bestehende Ring hatte sich auf Oldtimer und Sportwagen spezialisiert. Schaden: Bis zu 10 Mio €! Von den mindestens 45 gestohlenen Fahrzeugen konnten 18 in Polen sichergestellt werden.
Oder jener Zugriff im Mai 2013. An Standorten in Essen, Bochum, Gelsenkirchen und Aachen wurden 20 Verdächtige aus dem südeuropäischen Raum festgenommen – der Jüngste war damals gerade mal 16, der älteste 66 Jahre alt. Sie sollen nicht weniger als 60 Autos der Marken Audi, Mercedes und VW geklaut und über Internet-Plattformen verhökert haben. Den Schaden gab die Polizei mit 2 Millionen Euro an. Dabei gingen sie immer wieder nach demselben Schema vor: Bei einem Autoverleiher wurde das Fahrzeug angemietet, das dann spurlos verschwand.
Im August desselben Jahres führten nicht weniger als 200 Beamte in fünf deutschen Bundesländern Hausdurchsuchungen durch – sie stiessen dabei auf Autos im Wert von rund einer halben Million Euro – teilweise bereits zerlegt. Dahinter steckte eine Bande aus Brandenburg mit zwei Deutschen aus Oberhavel an der Spitze. Insgesamt sollen rund 21 Autos und Motorräder die Papiere von Schrottautos des gleichen Typs erhalten haben.
Nachdem viele Autoverleiher Osteuropäern berechtigterweise keine Autos mehr anvertrauen, werden Mittelsmänner wie Kleinkriminelle oder Drogenabhängige vorausgeschickt um Autos anzumieten. Ganz dreist gingen zwei Banden aus Krakau und Kattowitz vor. Über die amerikansiche Italo-Mafia luden sie Rentnerehepaare aus den USA zum kostenlosen Europa-Urlaub ein. Als Gegenleistung mussten diese sich Mercedes bzw. BMW ausleihen und mit ihnen nach Polen fahren. Im Anschluss daran wurden die Amerikaner nach Österreich gebracht. Dort meldeten sie der Polizei den Diebstahl. Der Ring flog nur auf, weil ein Paar das Ganze ein zweites Mal versuchte.
Eine andere Route führt nach Nigeria bzw. Ghana. Auch hierbei werden teure Karossen über Autoverleiher – zumeist direkt am Flughafen angemietet. Ein oder zwei Tage später werden die Kreditkarten als gestohlen gemeldet. Kurz danach sind Mensch und Auto spurlos verschwunden. Bei der Polizei werden diese Diebstähle zumeist rasch und ohne Erfolg abgeschlossen – schliesslich seien Fahndungsersuchen in Schwarzafrika vergeudete Liebesmüh’!

https://www.youtube.com/watch?v=YguLplwiaqA

Ich höre schon die ersten Stimmen laut werden: “Ich hab’s ja immer schon gesagt – die Ausländer!” Es ist durchaus korrekt, dass ausländische Banden dahinterstecken. Doch ohne einheimische Mittelsmänner hätten auch sie kein Glück: Die Besitzer selbst, die die Versicherung linken möchten; ein Zöllner, der den Stempel setzt; ein Beamter aus der Zulassungsstelle etc. Apropos: Ende Mai hat ein bislang nach wie vor Unbekannter die Zulassungsstelle des Landratsamtes Reutlingen überfallen. Als ich dies erstmals hörte, konnte ich mir ein lautes Lachen nicht verkneifen: Raubüberfall bei Beamten! So manch einer derer könnte das alles doch glatt verschlafen haben! In diesem Zusammenhang jedoch – bitterer Ernst. Mittels vorgehaltener Waffe zwang er eine Angestellte zur Herausgabe mehrerer Blanko-Dokumente.
Anno 1993 wurden zwischen Flensburg und Berchtesgaden nicht weniger als 58 956 Fahrzeuge gestohlen – damals waren zwei Drittel Versicherungsbetrügereien. Anno 2015 waren dies nach Angaben der Deutschen Versicherungswirtschaft 18.659 kaskoversicherte Fahrzeuge – um vier Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Am meisten begehrt: SUVs wie Range Rover, Toyota Land Cruiser, Lexus RX350, Audi Q7 und BMW X6. Der Schaden belief sich 2015 auf 291 Mio €.
Wenn Sie nun denken sollten, was Sie das alles angeht, schliesslich sind es ja nicht ihre Autos! Korrekt – doch steigen mit der Anzahl der gestohlenen Fahrzeuge auch die Kasko-Prämien der Versicherungen. Teilkasko bzw. Elementar-Versicherungen übernehmen den Wiederbeschaffungspreis bzw. den Zeitwert etwaig gestohlener Teile. Vollkasko zahlten früher den Neuwert, inzwischen jedoch nurmehr den Zeitwert des Fahrzeuges. Damit werden dann trotzdem wieder Sie zur Kasse gebeten!
Experten betonen, dass eine gemeinsame Registrierung des Fahrers mit dem Auto bei der Einreise dem Ganzen einen Riegel vorschieben würde. Nun ja – derzeit gibt es im Schengenraum nur aufgrund der Flüchtlingsproblematik Grenzkontrollen – ansonsten interessieren sich wohl nur ganz wenige Grenzpolizisten für die Ausreisenden! Und die Fahrzeuge kommen in den meisten Fällen nicht wieder zurück nach Europa!
Ausser sie landen in Biala Podlaska, einer polnischen Kleinstadt an der Grenze zu Weißrußland. Hier werden rund 800 Fahrzeuge pro Jahr aus dem Verkehr gezogen und nach erfolgter Identifizierung an den VdS, den Verband der Schadenversicherer zurückgegeben. Möglicherweise aber war ein Detektiv schneller. Diese nämlich holen die teuren Autos ab (noch bevor die polnische Polizei die Identifizierung des Wagens aus Deutschland hat) und bieten sie gegen einen Finderlohn den Versicherungen an. Ein Millionengeschäft, verlangen sie doch bis zu 10 % des Fahrzeugwertes – Ferraris, Maseratis, Porsches, Mercedes und Konsorten!
Zwei nette Annekdoten noch zum Schluss: Im Sommer des Jahres 1993 wurde dem Autohändler Rainer Kandler aus Bamberg ein Alfa Romeo 164 im Wert von 50.000 D-Mark gestohlen. Die Polizei konnte ihm nicht helfen, also ging der Mann selbst der Sache nach. Ein Jahr nach dem Diebstahl erhielt er einen Tipp aus Brünn. Er machte sich auf den Weg in die Tschechische Republik, fand den Wagen geparkt in einer Vorstadtstrasse stehen und klaute ihn zurück. Eine durchaus blöde Geschichte, hatte das alles doch ein gerichtliches Nachspiel: Der Besitzer aus Brünn erfuhr aus der Presse vom Dieb, nahm sich einen Anwalt und klagte. Die Richter glaubten ihm, dass er gutgläubig den Alfa für etwas mehr als 6.000 D-Mark erworben habe. Den Bamberger Autohändler kostete dieses Abenteuer nicht weniger als 90.000 D-Mark (Gerichts- und Anwaltskosten,…).
In Terespol meldete in den 90ern ein Detektiv einen verdächtigen Mercedes der Polizei. Bei der anschliessenden Kontrolle wies sich der Fahrer als weissrussischer Diplomat aus – ein sehr hohes Tier des dortigen Parlaments. Das deutsche Überführungskennzeichen hingegen gehörte einem slowakischen Autohändler, die Identifizierungscodes an den Scheiben waren ausgekratzt. Das Fahrzeug war ganz eindeutig geklaut! Der Diplomat wurde mit seinen beiden Mitfahrern durchgewunken (Wiener Übereinkommen) – dies sorgte jedoch für ziemlichen Aufruhr in der Beziehung der beiden Nachbarstaaten! Das Auto übrigens tauchte nie mehr wieder auf! Dem Diplomaten schadete der Zwischenfall nicht auf seiner Karriereleiter. Einige Zeit später erkannten ihn die damaligen Zöllner auf einem Foto – an der Seite des russischen Präsidenten Boris Jelzin!

Sicherheitstipps:
- Keine Komfortschlüssel
- Zusätzliche Wegfahrsperren (Lenkradkralle, Parkkralle, Ventilwächter, …)
- Alarmanlagen (besser als GPS-Diebstahlschutz)
- Überwachte Parkflächen (v.a. im Urlaub)
- Kopie der Zulassung und des Typenscheins (möglicherweise auch ein oder mehree Bilder des Fahrzeugs)
- Bei Diebstahl: Anzeige, Abmeldung, Info an die Versicherung

Lesetipps:

.) Internationale Kraftfahrzeugverschiebung – Das Millionending mit gestohlenen Autos; Peter Sehr; Schmidt-Römhild 1995
.) Stop dem Autoklau! Die wirksamsten Methoden gegen Autodiebstahl; Maximilian Maurer; Falken 1994
.) Autoknacker; Uschi Winkler/Dieter Winkler; Bertelsmann Verlag 2003
.) Der Autodiebstahl; Wilhelm Jansen; Ludwig Röhrscheid Verlag 1960
.) Fahrzeugdiebstahl; Kurt Frieden; Verlag Kriminalistik 1962
.) Der Autodieb; Theodore Weesner; Rowohlt Taschenbuch Verlag 1974

Links:

- www.bka.de
- www.bmi.gv.at
- www.bfs.admin.ch
- www.adac.de
- www.oeamtc.at
- www.acs.ch
- www.gdv.de
- www.bussgeldkatalog.org
- www.sei-sicherer.de
- www.autozeitung.de
- www.autobild.de
- www.auto-motor-und-sport.de
- www.kennzeichenbox.de

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Der Zusammenbruch unseres Systems

Es war vor allem ein Satz, der mich dieser Tage geschockt hat:

“…Auf der anderen Seite haben wir auch eine Verselbständigung leider auch dahingehend, dass in Jobcentern gesagt wird: ‘Ja, gehen Sie doch zur Tafel, wenn Sie mit dem Geld nicht auskommen!’… Mit den Tafeln stabilisiert man dieses Armutsregime, das wir da unten haben.”
(Prof. Stefan Sell, Sozialwissenschaftler und Armutsforscher)

Die Tafeln werden also insofern instrumentalisiert, als man damit die niedrigen Regelsätze von Arbeitslosen rechtfertigt! Ein Frontalangriff auf die Würde eines jeden Menschen, der wirklich arbeiten will, aufgrund des Alters beispielsweise oder anderer Umstände jedoch über längere Zeit keine Arbeit findet. Viele der Menschen sind tatsächlich unschuldig in die Lage gerutscht und müssen nun eine ehrenamtliche Einrichtung für Obdachlose und Arme in Anspruch nehmen, da sie vom sog. “sozialen Netz” zu wenig zum Überleben bekommen obgleich sie für eine solche Situation zwangsweise eingezahlt haben. Ich rede ganz bewusst von den Unschuldigen – nicht von den sog. “Sozialschmarotzern”, die keinen Versuch unternehmen, sich an den eigenen Haaren aus dem Dreck zu ziehen. Damit wäre also der goldene Westen, das “Paradies” Europa ohne das Ehrenamt aufgeschmissen, da die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinanderklafft.

“Jede Arbeit soll zuerst mit dem Herzen, dann mit den Händen oder mit der Zunge geschehen.”
(Johann Hinrich Wichern, Gründer der Diakonie)

Ein anderes Beispiel gefällig? In der Landesverfassung von Nordrhein-Westfalen steht, dass Kunst und Kultur in diesem Bundesland gefördert werden müssen. Doch stehen hierfür nur ganz wenige Arbeitsplätze zur Verfügung – das meiste davon wird durch Ehrenamtliche bewältigt! Auch hier verlässt sich die öffentliche Hand auf viele kostenlose Helfer/-innen. Und, dass dies durchaus besser klappt als die Reden so mancher Politiker versprechen, zeigte wohl am ehesten die Kulturhauptstadt Essen anno 2010 auf! Ohne tausende von ehrenamtlichen Arbeitsstunden nicht zu bewältigen! Die Wertschöpfung durch soziale Arbeit übrigens beläuft sich in deutschen Landen auf nicht weniger als 75 Milliarden Euro – pro Jahr!!!
Auch das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und der vornehmlich im Ausland tätige Bundesfreiwilligendienst (BFD) sind Ehrenämter, die dem Staat sehr viel Geld einsparen helfen. Ersteres deckt den führeren Wehrersatz- oder Zivildienst ab. So manche Rettungsorganisation oder mancher soziale Dienst wäre ohne diese Damen und Herren aufgeschmissen. Bei zweiterem wird im Namen der Bundesregierung auch Entwicklungshilfe vorort betrieben. Ebenfalls ein entscheidendes Wirken, obgleich auch im Ausland! Und schliesslich hat jeder die Möglichkeit, während des Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) eine lebenswertere Umwelt zu gestalten.
Schon in den Stadtstaaten der griechischen Antike gehörte es zum guten Ton für die Männer, sich an den Diskussionen über die Stadt unentgeltlich zu beteiligen und für das Wohlergehen ihrer Stadt kostenlos geradezustehen – die Arbeit leisteten ja damals die Sklaven und Frauen. Beide allerdings waren von solchen Sitzungen ausgenommen.

“Wer an den Dingen der Stadt keinen Anteil nimmt, ist kein stiller, sondern ein schlechter Bürger!”
(Perikles)

Die Männer des griechischen Bürgertums gelten alsdann als die ersten Ehrenamtlichen. Später waren es v.a. die Johanniter, die sich dem Freiwilligenamt zugunsten armer Menschen widmeten! In der preussischen Städteverordnung stand im § 191 zu lesen, dass Bürger auch gegen ihren Willen zur unentgeltlichen Arbeit (öffentliche Ämter) verpflichtet werden konnten. Das konterkariert allerdings den Ausdruck der “Freiwilligenarbeit”! Die Nationalsozialisten setzten dem noch eines drauf: Freiwilligenarbeit jeglicher Art wurde zur Zwangsarbeit zum “Wohle des Volksganzen”! Obgleich seit der industriellen Revolution und der Einführung des Kapitalismus immer mehr jeder Einzelne nicht mehr nach seinem Gemeinwohl als vielmehr nach seiner ökonomischen Produktivität gemessen wird (schwindendes Sozialkapital), engagieren sich mehr als 30 Mio Menschen heute freiwillig in Deutschland ehrenamtlich (36 % lt. IfD Allensbach 2016), 14,36 Mio üben ein Ehrenamt aus. Ähnliche Zahlen mit 46 % der Bevölkerung ab 15 Jahren auch für Österreich. In der Schweiz hingegen gaben für das Jahr 2014 38 % der Bevölkerung ab 15 Jahren an, ausserhalb von Vereinen oder Organisationen gemeinnützig tätig zu sein, innerhalb waren es 25 %.
Sei es nun im Sportverein, der freiwilligen Feuerwehr, der Wasserrettung, dem Roten Kreuz, der Altenpflege, der Flüchtlingshilfe oder auch nur dem Elternverein. Vereine und gemeinnützige Organisationen sind auf die kostenlose Hilfe dieser “stillen Helden” angewiesen. Ohne so manchen freiwilligen Sanitäter oder Notarzt würde das Rettungssystem, ohne die unentgeltlichen Löschmeister der Zivil-, Katastrophen- und Gefahrenschutz zusammenbrechen, ohne die Flüchtlingshelfer wären gar Deutschland und Österreich im Jahr 2015 überrannt worden. Auch die Kirche könnte viele ihrer Aufgaben plötzlich nicht mehr bewältigen. Ohne Diakonie und Caritas wären etwa viele ältere Menschen auf sich selbst angewiesen. Ja auch die Parteien bauen nicht nur zu Wahlzeiten auf die vielen kostenlosen Wahlhelfer auf – jene Politiker also, die nicht müde werden zu betonen, wie gut es doch der Bevölkerung geht und wie dichtmasching doch das soziale Netz ist. Politiker, die aber zuhauf nicht mal wissen, wie hoch die Mindestrente ist und ob ein Mensch damit überleben kann. Erst kürzlich fand in Deutschland ein Strafprozess wegen Diebstahls gegen ein Rentnerpaar statt, das Pfandflaschen aus Glascontainern fischte. Wert: Nicht mal 3,- Euro!!!
Dabei war die Lage bislang noch eher als ruhig zu bezeichnen. Sie wird allerdings mit Jahr für Jahr prekärer, wenn bedacht wird, wie viele der Babyboomer nun in die Rente kommen. Davon sind immer mehr auch jene Menschen betroffen, die während ihres beruflichen Lebens Teilzeitjobs hatten und nun nicht mehr das Auslangen finden werden. Sie sind froh über die Tafeln, die Sozialläden und die vielen Freiwilligen, die sie ab und zu besuchen um zuzuhören, mit ihnen spazieren zu gehen oder für sie Behördengänge bzw. Einkäufe zu erledigen. Die Altersarmut wird sehr rasch aufzeigen, wie löchrig doch das dermassen hochgelobte soziale Netz des Staates ist.
Eines kommt noch mehr als erschwerend hinzu: Jene Menschen, die gerade in der Flüchtlingshilfe tätig waren und sich jetzt als Gutmenschen oder Weltumarmer Beschimpfungen anhören müssen, Feuerwehrleute, die an der Ausübung ihrer Rettungsarbeit behindert oder Rettungssanitäter, die gar geprügelt werden, stellen sich immer mehr die Sinnfrage:

“Wofür mache ich das denn überhaupt noch?”

Sie werden dann, wenn es um das Ehrenamt zugunsten Einheimischer geht, sicherlich nicht mehr zur Verfügung stehen.

Einige Zahlen gefällig?

Europaweit rund 100 Mio Freiwillige

Freiwillige Feuerwehr: 998.682 Mitglieder 2014 in Deutschland (Angaben Dt. Feuerwehrverband)

Diakonie: Über 2.000 Ehrenamtliche in Österreich (Angaben Diakonie Österreich)

Sport: 1,5 Mio Vereinsmitglieder in der Schweiz (Angaben Bundesamt für Sport 2008)

Deutsches Rotes Kreuz: Rund 400.000 Freiwillige (Angaben DRK)

Österreichischer Kameradschaftsbund: Rund 250.000 Mitglieder (Angaben ÖKB)

Alpine Rettung Schweiz: 2 887 Retter/-innen (Angaben ARS)

Bibliothekarwesen Deutschland: ca. 5.900 ehren- und nebenamtlich geführte Bibliotheken (Angaben BID)

Flüchtlingshilfe Österreich: 1.200 Personen täglich (Angaben ASB 2015)

Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck/Schweiz: 41.649 ehrenamtlich tätige Menschen (Angaben: EKKW)

Arbeitsstunden pro Jahr durch Freiwillige:

720 Millionen (Österreich 2011)
714 Millionen (Schweiz 2004)
4,6 Milliarden (Deutschland 2010)

Die Feuerwehr beispielsweise ist die wichtigste Stütze der aktiven Gefahrenabwehr – die meisten Feuerwehrleute sind Freiwillige! Sie opfern grosse Teile ihrer Freizeit, aber auch bezahlter Arbeitszeit für den Dienst am Nächsten. Nur in manchen Ländern haben Feuerwehrleute oder auch THW-Freiwillige gesetzlichen Anspruch auf Freistellung und Entgeltausgleich! So manche Feuerwehr würde sich deshalb wünschen, dass Posten im öffentlichen Dienst vermehrt mit Bewerbern besetzt werden, die sich auch im Brandschutz engagieren.
In der Schweiz hat sich inzwischen das sog. “Corporate Volunteering” herausentwickelt, das immer mehr an Bedeutung gewinnt. Darunter zu verstehen ist die Bereitstellung von Humanressourcen durch die Unternehmen für gemeinnützige Zwecke. Das eidgenössische Engagement hierbei ist durchaus bewundernswert. Damit einher geht die Verankerung des vornehmlich KMUs im lokalen und kulturellen Kontext!
Jeder Einzelne im Ehrenamt ist ein Investor – wenn auch nicht im althergebrachten Sinn des Wortes. So investiert er Zeit, Kapital, Zuneigung und schliesslich die Menschlichkeit schlechthin! Freiwilligenarbeit zieht sich quer durch alle Altersgruppen, durch alle Bildungsgrade, wobei sich bei Akademikern offenbar mehr dafür engagieren (54 %). Im Alpenstaat gab es anno 2007 nicht weniger als 111.282 Vereine – von der Bildung (Bibliotheken etwa), über den Sport (beispielsweise Trainer oder Platzwart) bis hin zum Tierschutz oder den Menschenrechten. Am aktivsten sind die Altersgruppen 20 bis 24 und 40 bis 59-Jahre. Bei den Männern dominieren Sport, Politik oder Katastrophenhilfe, bei den Frauen Bildung und Kirche. Dabei geben nicht mal mehr die uneigennützigen Beweggründe zur Freiwilligenarbeit den Ausschlag, sondern viele Menschen versuchen sich entweder auf diesem Wege zu verwirklichen, was im normalen Leben nicht möglich ist oder sie versuchen, ihre Profession auch abseits ihrer Arbeit einzusetzen. Die Übergänge sind fliessend. Zu beobachten allerdings ist, dass die Mitarbeit immer mehr projektbezogen und punktuell wird, anstelle der früheren langfristigen Bindung an einen Verein oder eine Organisation. Das erklärte Ziel dahinter ist schon auch der Gedanke, etwas Gutes zu tun – allerdings zudem etwas bewegen zu können. Für andere – aber selbstverständlich auch sich selbst, beispielsweise im Rahmen der Persönlichkeitsfindung oder beruflichen Erfahrung. So können etwa im Ehrenamt erworbene Kompetenzen als Instrument zur Erfassung von Schlüsselkompetenzen (IESKO) in die berufliche Eignungsdiagnostik einfliessen. Als Nachweise stellen viele Organisationen inzwischen “Zeugnisse” oder Zertifikate aus, wie etwa der “Kompetenznachweis Ehrenamt” des Landes Hessen bzw. die in manchen deutschen Bundesländern gebräuchliche “Ehrenamtskarten” (E-Card). Ähnliche Bedeutung kommt dem “Sozialzeit-Ausweis” in der Schweiz oder dem “Österreichischen Freiwilligen-Pass” zu. Auch für viele Arbeitslosen kann das Ehrenamt unter Umständen wieder der Eintritt in die Arbeitswelt sein. Allerdings sehen nicht alle Arbeitgeber soziale Kompetenz gerne. Schliesslich könnte sie die Arbeitskraft und -zeit des Angestellten beeinflussen.
Wissen Sie, was ich interessant finde? Ein grosser Teil derer, die sich lautstark über die freiwilligen Helfer während der Flüchtlingsvölkerwanderung 2015 zu Wort gemeldet haben, engagiert sich selbst nicht im Ehrenamt (ausser vielleicht politisch bei den Rechtspopulisten!). Für mich sind die Ehrenamtlichen die wahren Helden unserer Gesellschaft. All jene, die über sie schimpfen, sollten selbst über ihre eigene Stellung in dieser Gesellschaft sowie ihren Wert für das Volk reflektieren, das sie lautstark vermeinen zu sein!

Lesetipps:

.) Freiwillig zu Diensten? Über die Ausbeutung von Ehrenamt und Gratisarbeit; Claudia Pinl; Nomen Verlag 2013
.) Handbuch der Nonprofit Organisationen. Strukturen und Management; Christoph Badelt u.a.; Schäffer-Poeschl 2007
.) Strukturwandel des Ehrenamts. Gemeinwohlorientier
ung im Modernisierungsprozess; Karin Beher/Reinhard Liebig/Thomas Rauschenbach; Juventa 2000
.) Sozialpädagogisches Wirken; Maria Anastasiadis (Hrsg.); LitVerlag 2011
.) Gesellschaft und Gemeinsinn. Sozialkapital im internationalen Vergleich; Robert D. Putnam (Hrsg.); Bertelsmann-Stiftung 2001
.) Solidarity and volunteering under a reflexive-modern sign: towards
a new conceptual framework; Lesley Hustinx/Frans Lammertyn; Catholic University Leuven 2000
.) Unterschätzt: Männer in der Angehörigenpflege; Eckart Hammer; Verlag Herder
.) Fallstudien zum NPO-Management. Praktische BWL für Vereine und Sozialeinrichtungen; Renate Buber/Michael Meyer (Hrsg.); Schäffer-Poeschel-Verlag 2009
.) Motivation und Haltekraft im Ehrenamt: Die Bedeutung von Organisationsmerkmalen für Engagement, Wohlbefinden und Verbleib in Freiwilliger Feuerwehr und THW; David Wenzel/Irmtraud Beerlage/Silke Springer; Centaurus 2012
.) Ehrenamt verstehen. Eine handlungstheoretische Analyse; Bettina Hollstein; Campus 2015
.) Freiwilligenarbeit. Ein Handbuch; ein Ratgeber aus der Beobachter-Praxis; Dieter Hanhard; Der Schweizerische Beobachter 2000

Links:

www.ehrenamt-deutschland.org/
www.cev.be
www.hilfsgemeinschaft.at/freiwilliges-engagement
www.freiwilligenarbeit.de
www.ehrenamt.de/
www.bmi.bund.de
www.bmfsfj.de
www.unric.org/de
bundesakademie.net
www.gute-tat.de
www.anpacken-mit-herz.de
diakonie.at
www.caritas.de
www.youngcaritas.de
www.benevol.ch
www.pflegehilfe.ch
www.fsj-at.org
www.freiwilligen-zentrum-hamburg.de (Gobt’s in heder grösseren Stadt)
www.drk.de
www.alpinerettung.ch
www.afs.at
www.gemeinsam-aktiv.de
www.dza.de
www.sozialzeitausweis.ch
www.fluechtlingshelfer.info
www.ngojobs.at
www.sozialministerium.at
www.freiwilligenweb.at/
forum freiwilligenarbeit.ch
www.euroinstitut.org
ecvv-2017.plazz.net
www.sgg-ssup.ch
training.dw.de
www.w3.org
www.wzb.eu

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