Archive for September, 2017

Gaudeamus igitur – aber nur mit Couleur!!!

“Es ist natürlich etwas anderes, wenn man weiß, der andere war auch aktiv!”
(Peter Schmitt in der Frankfurter Allgemeine Zeitung am 26.03.2000)

Eigentlich recherchierte ich für einen Politik-Artikel in Sachen Nationalratswahlen in Österreich. Ganz zufällig stiess ich dabei auf das heutige Blogthema, das ich Ihnen vor Ihrem Urnengang im Alpenland in keinster Weise vorenthalten möchte (für die Bundestagswahlen in Deutschland war es leider etwas zu spät): Die Einflussnahme studentischer Verbindungen auf die aktuelle Politik!
Um das Ganze auf eine Basis zu stellen, muss ich historisch etwas ausholen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden aus den unterschiedlichsten Corps und Landsmannschaften, also den ursprünglichsten Studentenverbindungen, auf den Alma Maters des deutschsprachigen europäischen Kontinents die “Burschenschaften” als offizielle Vertretung der männlichen Studenten gegenüber der Universität und der Behörden. Der Ausdruck “Bursch” diente der damals gebräuchliche Bezeichnung für einen Studenten. Ziel dieser neuen Verbindungen war die Fortführung des Wiener Kongresses nach der Niederlage der Napoleon-Franzosen. Es ging um den Schutz des Vaterlandes, der Einheit der Fürstentümer und Grafschaften zu einem deutschen Reich als Monarchie und der Verteidigung des christlichen Glaubens. Entsprechend auch der Leitspruch: “Ehre, Freiheit, Vaterland”. Die Ur-Burschenschaft wurde 1815 in Jena begründet. Dabei standen grossangelegte politische Diskussionen im Mittelpunkt, die in einer Bücherverbrennung sog. “undeutscher” Bücher gipfelte. Im Jahre 1817 traten sie erstmals offiziell in Erscheinung – beim “Wartburgfest” anlässlich des Jubiläums des Anschlags der Thesen durch Martin Luther und der Niederlage der Franzosen in der Leipziger Völkerschlacht. Sehr rasch entwickelte sich ein politischer Zweig (Germania) und ein wissenschaftlicher Zweig. V.a. die politischen Burschenschaften wurden aufgrund ihres Freidenkertums nicht wirklich vom herrschenden Adel gutgeheissen. So erwirkte etwa der österreichische Fürst Metternich mit den Karlsbader Beschlüssen im August 1819 ein Verbot dieser Studentenverbindungen – auch in den deuteschen Fürsten- und Herzogtümern. Mitglieder wurden verfolgt und inhaftiert und gar zum Tode verurteilt. Dies v.a. im Anschluss an einen misslungenen Staatsstreich. Beim “Frankfurter Wachensturm” am 3. April 1833 sollte die Kasse des Deutschen Bundes gestohlen werden, wodurch sich in weiterer Folge ein Volksaufstand hätte entwickeln sollen. Das Ganze wurde allerdings vereitelt. Bei der Revolution im Jahre 1848 waren Burschenschafter die treibende Kraft – nicht nur im Hintergrund. Es kam zu der lange ersehneten Reichseinigung und der Einrichtung der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche. Plötzlich waren die Burschenschafter wieder rehabilitiert und hoch angesehen. Sie kämpften auch im Ersten Weltkrieg als Freiwillige in der Kaiserlichen Armee.

https://www.youtube.com/watch?v=lUh5exBJXBU

Das Mensurfechten, mit dem die Burschenschaften immer wieder in der Öffentlichkeit dargestellt werden, gab es zwar bereits seit dem 17. Jahrhundert, hielt bei den Burschenschaften jedoch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Einzug. Es ist ein nach strengen Vorschriften durchgeführter Fechtkampf mit vornehmlich Säbeln. Früher gab es aufgrund der nicht vorhandenen Schutzkleidung immer wieder Tote. Das hat sich inzwischen geändert, bei jeder Mensur ist auch ein Arzt (“Paukarzt” bzw. in Österreich “Bader”) anwesend. Viele Burschenschaften sind “pflichtschlagend”, einige “fakultativ-” also “freischlagend”, nur wenige “nichtschlagend”. Im Alpenstaat übrigens haben sich ebenfalls Burschenschaften gebildet. Vor dem Hintergrund des Vielvölkerstaates bekamen diese jedoch sehr rasch Identitätsprobleme, weshalb sie sich am Deutsch-Nationalismus orientierten und immer wieder für eine Wiedervereinigung der “Ostmark” mit dem deutschen Kaiserreich eintraten. 1961 wurde beim Burschentag in Nürnberg der Antrag auf Fusionierung der Deutschen Burschenschaft mit der Deutschen Burschenschaft Österreich gestellt. Dieser erhielt jedoch nicht die erforderliche Mehrheit, worauf die Burschenschaftliche Gemeinschaft mit beiden Verbänden gegründet wurde. Erst ab diesem Zeitpunkt zog ein deutlich wahrnehmbarer deutsch-nationalistischer Rechtsruck in die Reihen der Deutschen Burschenschaft ein, von dem sich aber viele distanzierten. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten hätten alle Studentenverbindungen zum Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund zwangsfusioniert werden sollen. Das veranlasste viele Burschenschaften, die Verbindung aufzulösen oder ruhend zu stellen. Einem Mitglied der NSDAP war die gleichzeitige Mitgliedschaft in einer Burschenschaft verboten.
Berühmte Burschenschafter waren/sind:
Viktor Adler; Friedrich II. Großherzog von Baden; Carl Bosch; Dr.-Ing. eh. Hans Bredow; Alfred Brehm; George W. Bush; Georg Büchner; Kai Diekmann; Eberhard Diepgen; Jörg Haider, Wilhelm Hauff; Heinrich Heine; General Günter Kießling; Friedrich Nietzsche; Ferdinand Porsche; Henning Schulte-Noelle; Gustav Stresemann; Emil von Behring; N. N. Frhr. Götz von Berlichingen;

Zur Mitte des 19. Jahrhunderts gründeten sich einerseits als Gegenbewegung zu den oftmals gemischten oder evangelischen Burschenschaften und andererseits gegen den Versuch Preussens, die Bedeutung der katholischen Kirche zu verringern, die katholischen Studentenverbindungen. Nicht alle waren Abspalter von Burschenschaften. Diese Verbindungen sind nichtschlagend und verfolgen das Ziel der akademischen Gemeinschaft in katholischer Hinsicht, aber auch gesellschaftlicher, wissenschaftlicher und sportlicher. Während in den Burschenschaften für einige Zeit auch jüdische Studenten zugelassen waren, bekennt sich der Aufnahmewillige bei diesen sog. “Cartellverbindungen” zum katholischen Glauben – Frauen übrigens sind auch hier zum Grossteil ausgeschlossen. Brauchtum und Traditionen werden im CV ebenso grossgeschrieben.

https://www.youtube.com/watch?v=xz4pplkNCoM

Weltweit gibt es mehr als 1.600 Studentenverbindungen mit weit mehr als 190.000 Mitgliedern. Auch in Chile sind beispielsweise deutsche Burschenschaften bekannt, die als einzige den Zweiten Weltkrieg überdauerten. Nach einer Aufnahmeprüfung wird in beiden Verbindungsarten der junge Student “Fuchs”, nach einiger Zeit dann aktives Mitglied. Zu erkennen sind die Mitglieder während ihrer aktiven Mitgliedschaft an den Uniformen sowie an der Verbindungsmütze und einem schmalen Band mit den Verbindungsfarben (“Couleur”). Die meisten der Verbindungsbrüder bleiben ein Leben lang Mitglied – später dann im “Philisterium” als “Senior” oder “Alter Herr” bzw. wo erlaubt “Hohe Dame” (“Lebensbund-Prinzip”). Die ersten Frauen-Verbindungen gab es übrigens 1899 – nach dem Zweiten Weltkrieg konnten sie aber nicht wieder Fuss fassen. Erst seit den 1980er Jahren sind auch diese wieder im Vormarsch (neben einigen wenigen gemischten). Ziel der studentischer Verbindungen ist es, Kontakte zwischen den Generationen herzustellen, die dem Einzelnen in seinem weiteren Leben durch beispielsweise Aufstiegschancen weiterhelfen können. Dadurch entstanden grosse und sehr einflussreiche Netzwerke, v.a. in Politik und Wirtschaft
Obgleich deutschland- und österreichweit nur ein einstelliger Prozentsatz der Studiosi in Verbindungen sind, gab es und gibt es immer wieder grosse Namen und Köpfe, in deren Sog selbstverständlich auch immer wieder Verbindungsbrüder auf einflussreiche Positionen kommen. Zu finden sind viele dieser Seilschaften in den unterschiedlichsten Vereinigungen.
Berühmte CV-Bundesbrüder waren/sind:
Dr. h. c. mult. Konrad Adenauer; Clemens August Andreae; Wolfgang Johannes Bandion; Martin Bartenstein; Rainer Barzel; Günther Beckstein; Benedikt XVI.; Friedrich Berentzen; Alfred Biolek; Reinhold Bocklet; Anton Bruckner; Engelbert Dollfuß; Bernd von Droste zu Hülshoff; Franz Fiedler; Leopold Figl; Thomas Gottschalk; Bernhard Grzimek; Otto von Habsburg; Hermann Herder; Friedrich Wilhelm von Hohenzollern; Andreas Khol; Thomas Klestil; Franz König; Alois Kothgasser; Erwin Kräutler; Winfried Kretschmann; Robert Lichal; Alois von und zu Liechtenstein; Hans-Adam II.; Silvius Magnago; Franz Xaver Mayr; Tomohito von Mikasa; Reinhold Mitterlehner; Alois Mock; Josef Neckermann; Alois Partl; Erwin Pröll; Josef Pühringer; Julius Raab; Josef Ratzenböck; Friedrich Christian von Sachsen; Herbert Sausgruber; Franz Schausberger; Leo Scheffczyk; Christoph Schönborn; Kurt Schuschnigg; Reinhold Stecher; Karl Stoss; Franz Josef Strauß; Josef Taus; Carl-Ludwig Thiele; Albert von Thurn und Taxis; Karlheinz Töchterle; Kurt Waldheim; Eduard Wallnöfer; Karl Walser; Theodor Wessels; Anton Zeilinger; Peter Zurbriggen uvam.

Das Wort “Corps” leitet sich vom französischen Wort für Körper ab. Diese zumeist sehr konservativen Studentenverbindungen sind die ältesten der hier erwähnten studentischen Verbindungen und Verbände. Die ersten entstanden vornehmlich an protestantischen und/oder preussischen Universitäten im auslaufenden 18. Jahrhundert, sie ersetzten grossteils die vorhergehenden Landsmannschaften (die ursprünglichen Studentenvertretungen) und Studentenorden. Alle dieser Verbindungen haben sich dem Deutschen Idealismus verschrieben. Jeder immatrikulierte männliche Student kann ein Corpsbruder werden – völlig gleichgültig seiner Herkunft und Religionsangehörigkeit. Auch halten sich die Corps aus der Politik heraus. Sie streben danach, die Auslese der Studentenschaft zu sein und als solche direkt die Politik und Gesellschaft beeinflussen zu können. Vielleicht hat gerade diese Überzeugung dazu geführt, dass sie am meisten unter den rechten und linken totalitären Regimen zu leiden hatten. Erstmals blieben in den Corps nach der aktiven Zeit auf der Uni auch die Senioren erhalten. Adelige bevorzugten diese Verbindungen, während die Bürgerlichen eher in den Burschenschaften Zuflucht fanden. Die sog. “Bestimmungsmensur” gehört zum Aufnahmeritual und dient lt. eigenen Aussagen der Erziehung der eigenen Persönlichkeit und der Stärkung des Gemeinschaftsgefühles. Die sog. “Corpserziehung” war für manche Adelsfamilien bzw. später auch jenen des gehobenen Bürgertums von entscheidender Bedeutung – der “gesellschaftliche Schliff” sozusagen. Der Corpsstudent gilt auch heute noch als das Ideal in der Gesellschaft – ähnlich der Stellung des Öffiziers in der Kaiserzeit. Bei der Besetzung so mancher staatlicher Positionen wurde die Mitgliedschaft in einem Corps vorausgesetzt.

https://www.youtube.com/watch?v=yhqQ0d92Lgc

Otto von Bismarck meinte einst:

“Ich würde, wenn ich heute wieder auf die Universität käme, auch heute noch in ein Corps gehen. Kein Band hält so fest wie dieses.”

Allerdings waren sie nicht überall gern gesehen – schon ganz und gar nicht bei den immer mehr werdenden Sozialisten jener Zeit. So schrieb etwa die sozialistische Zeitung VORWÄRTS:

“…und ihren feinen Rohrstöckchen oder dicken Knüppeln, mit denen sie nachts, wenn sie aus ihren Kneipen kommen, wo sie ihrer geistigen Zurechnungsfähigkeit vollständig verlustig gegangen sind, die Laternen einschlagen, die friedlichen Bürger belästigen und die Nachtwächter durchprügeln?”

Chefredakteur der Zeitung war übrigens das Corpsmitglied Wilhelm Liebknecht!
Berühmte Corpsstudenten waren/sind:
Georg Heinrich Bacmeister; Georg Geib, Ludwig Hassenpflug; Friedrich Hecker; Kaiser Wilhelm II.; Friedrich Wilhelm Knoebel; Wilhelm Liebknecht; Joseph Savoye; Heinrich Scheffer; Albrecht von Alvensleben; Otto von Bismarck; Otto Freiherr von Manteuffel; Johann Bernhard von Rechberg; Ludwig von der Pfordten; Eduard Freiherr von Schele; Carl Ignaz Freiherr von Schrenck-Notzing; Gustav von Struve; Johann Georg August Wirth,

.) Schwarzburgbund (SB) – “Ein Bund christlicher Verbindungen”
In diesem Bund sind vornehmlich Burschenschaften zu finden, wie etwa die Germanen, Teutonen, Vandalen und Wikinger. Die Werte der christlichen Ethik einigt alle Mitglieder, die daneben auch den studentisch-demokratischen Grundforderungen verpflichtet sind. Nach eigenen Angaben verfolgen sie dabei die Prinzipien der Urburschenschaft ohne Mensur bzw. Schlagen, ohne Extremismus und ohne Rücksicht auf Nationalitäten. Frauen sind seit den 1970er Jahren willkommen in gemischten oder der Damenverbindung “Athenia” (Würzburg). Der Schwarzburgbund geht auf die christliche Studentenverbindung Uttenruthia aus Erlangen zurück. Sie war zudem durch die eidgenössische Urburschenschaft “Zofingia” beeinflusst. Am 3. Juni 1852 wurde der erste Gründungsversuch unternommen, der jedoch nur wenig später aufgrund der Mensur wieder zerbrach. 1887 wurde im thüringischen Schwarzburg ein zweiter Gründungsversuch unternommen, der erst durch die Nationalsozialisten zu Pfingsten 1939 verboten wurde. 1951 erfolgte die Wiederbegründung. In der Gegenwart soll es den Mitgliedern durch regelmässige Weiterbildungen, wie den Schwarzburgseminaren, ermöglicht werden, interdisziplinär einen möglichst breiten Bildungsgrad zu erreichen, der an den Universitäten schon seit längerer Zeit nicht mehr vermittelt wird. In Schloss Schwarzburg fand der Schwarzburgbund sein Zuhause. Das Netzwerk reicht über ganz Deutschland – von Freiburg bis nach Potsdam, von München bis nach Kiel. Auch die beiden österreichischen Verbindungen Südmark Innsbruck und SBV Dürnstein Wien gehören zum Bund. Der wohl prominenteste SB-er ist der bekannte Afrikaforscher und Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer.

.) Wingolfsbund – “Di henòs pánta”
Am 26. Mai 1844 wurde in Schleiz der überkonventionelle Wingolfsbund gegründet – er ist damit der älteste Korporiertenbund Deutschlands. Diesem Bund gehören insgesamt 35 Verbindungen aus 34 Hochschulorten in Deutschland, Österreich und Estland mit rund 800 Bundesbrüdern und 3.500 Philister an. Auch sie betonen, aufgrund ihrer christlichen Ausrichtung nichtschlagend zu sein. “Vingolf” war in der germanischen Mythologie ein Raum neben Walhall, der auch gerne als “Freundeshalle” bezeichnet wird. Recht interessant sind die Aufnahmekriterien für Mitglieder: Christen mussten ein “ernstes sittliches Streben nach Wahrheit” vorweisen, Juden ein “über das Judentum hinausgehendes Streben”. Die Einigung des deutschen Kaiserreiches stiess nicht bei allen Verbindungen auf positive Resonanz. So verliessen etwa Marburg und Straßburg den Bund in Folge aufgrund der Annexion Kurhessens und Elsaß-Lothringen. Einige Wingolf-Verbindungen haben sich aktiv an den Freikorpskämpfen beteiligt (etwa in Münster, München, Greifswald und Marburg). 1919 wurde die Forderung abgelehnt, das “Deutschtum” als eine der tragenden Säulen des Wingolfs einzurichten. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten beugten sich die Wingolf-Burschen. Sie führten, in der Hoffnung, den Bund beibehalten zu können, die Führerstruktur ein und schlossen jüdische Mitglieder aus. Erst als der NSDStB die unbedingte Satisfaktion (Einführung des Duells) forderte, löste sich der Bund am 22./23. Februar 1936 selbst auf. Einige Verbindungen wurden im Untergrund weitergeführt. Viele Wingolf-Bund-Studenten schlossen sich der Bekennenden Kirche an. Die Neugründung des Bundes geschah im November 1948. Als Folge der 68er-Bewegung wurde auch in den Wingolf-Verbindungen Reformen in der Gesellschaft gefordert, eine grundlegende Systemveränderung jedoch abgelehnt. Nach dem Fall der Mauer wurden in Ostdeutschland erneut Verbindungen gegründet, die jedoch vermehrt deutsch-nationale Anschauungen einfliessen lassen wollten. Es folgte ein Prinzipienstreit in dessen Rahmen die Ottonia Magdeburg aus dem Bund ausgeschlossen wurde. Im Wingolfbund ist man stets bemüht, sich von der Deutschen Burschenschaft abzugrenzen, wodurch ein klares Verhältnis gegen den Rechtsextremismus besteht. Auch bei den Farben geht der Bund mit schwarz-weiss-gold eigene Wege (die Farben der Burschenschaften sind schwarz-rot-gold). Im Bund gibt es noch die engeren Zusammenschlüsse von Verbindungen, wie die Gemsbacher und die Diezer Konvention. Alle zwei Jahre findet das sog. “Wartburgfest” statt, Teile davon auf der Wartburg selbst, wo Martin Luther die Bibel übersetzte und die Heilige Elisabeth von Thüringen lebte. Auch die Bürger der Stadt Eisenach sind hierzu eingeladen. Das Fest ist nicht zu verwechseln mit dem Fest der Deutschen Burschenschaften.
Die bekanntesten Wingolfiten:
Konrad Duden; Friedrich Wilhelm Raiffeisen, Paul Schneider; Paul Tillich; Johannes Kahrs.

.) Wartburg-Kartell
1925 gegründet (damals noch als “Pflugensberger Kartell”), erhielt dieser Bund ein Jahr drauf den heutigen Namen. Das WK ist das erste Bündnis evangelischer Studentenverbindungen. Auch sie sind nicht schlagend. Mit drei Altherrenschaften und einer aktiven Verbindung ist das Kartell jedoch der bislang kleinste Bund. Seine Mitglieder bekennen sich zum evangelischen Glauben, der Freiheit der Wissenschaften und einem freiheitlichen-demokratischen Staatswesens – jedoch ohne Bindung an Parteiaktivitäten. Nach dem Zusammenschluss der akademisch-theologischen Vereine (EK) mit dem Deutschen Wissenschafter-Verband wurde die unbedingte Satisfaktion (Duell) gefordert, weshalb die theologischen Verbindungen ausgetreten sind und das Kartell begründeten. Im Herbst 1935 löste sich das Wartburger Kartell selbst auf, die Neugründung fand anno 1955 statt. Die Mitgliederzahlen nahmen jedoch ebenfalls infolge der 68er-Bewegung ständig ab. Die letzte aktive Verbindung ist die Wartburg-Coburgia.

.) CV – “In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas”
Theodor Heuss soll einst behauptet haben, dass in Bonn das Wort Zufall mit “CV” geschrieben werde. Der Cartellverband ist neben dem “Kartellverband katholischer deutscher Studentenvereine” (KV), RKDB, TCV und dem “Verband der Wissenschaftlichen Katholischen Studentenvereine Unitas” (UV) eine der Dachorganisationen der katholischen, nicht schlagenden Studentenverbindungen. Ihm gehören alleine in Deutschland nicht weniger als 4.000 und 30.000 Studierende in anderen Ländern wie Österreich, der Schweiz, Polen, Belgien uam. an.
Die vier Prinzipien des CV lauten:
.) Religio – die Förderung des katholischen Seins
.) Scientia – lebenslanges Lernen und interdisziplinäres Interesse
.) Amicitia – die persönliche Freundschaft über alle Generationen hinweg
.) Patria – die aktive Mitgestaltung des Gemeinwesens mit dem Ziel eines vereinten Europas als Vaterland
Auf der Webseite des deutschen CV steht ganz unverblümt:

“Nicht zuletzt aus diesem Grunde suchen wir den fachlichen Austausch im Kreise kompetenter Gesprächspartner bzw. die fruchtbare Zusammenarbeit mit Menschen gleicher Werthaltung.”

Somit ganz eindeutig, wofür auch dieser Verband steht: Für die Gemeinschaft in Wissenschaft, Gesellschaft, Religion und Sport während des aktiven Lebens und dem Nutzen beruflicher Netzwerke und Verbindungen nach dem Studium. Zu diesem Zweck gibt es innerhalb des CVs zusätzliche Wirtschaftszirkel, Juristen-Arbeitskreise und Zusammenschlüsse anderer Berufsgruppen, vornehmlich im Altherren-Bereich, damit ein reger Gedankenaustausch erfolgen kann.
Der deutsche CV wurde am 06. Dezember 1856 gegründet, er löste sich am 27. Oktober 1935 in Köln selbst auf. Die Verbindungsbrüder trafen sich ab sofort in sog. “Wohnkameradschaften”, ab dem 20. Juni 1938 (“Himmler-Erlass”) auch verbotenerweise. Die Neugründung fand 1950 bei einer Cartellversammlung in Mainz statt. Auch der CV büsste durch die 68er-Unruhen in den darauffolgenden 70ern viele Mitglieder ein, konnte sich jedoch bei rund 5.500 festigen. 1975 wurde der Europäische Kartellverband der christlichen Studentenverbände (EKV) gegründet.
Der Österreichische Cartellverband hat sich im Jahr 1933 vom deutschen abgespaltet. Erste Gräben gab es bereits 1920, als die beiden Vertreter des K.Ö.H.V. Engelbert Dollfuss und Nivard Schlögl auf der CV-Generalversammlung einen Arierparagraphen einführen wollten. Der Antrag wurde abgelehnt. Als jedoch 1933 ein Brückenschlag zum Nationalsozialismus innerhalb des CV gefordert wurde und Edmund Forschbach durch den Bundesführer der Deutschen Studenten Oskar Stäbel zum Führer des CV ernannt wurde, spaltete sich der österreichische Ableger ÖCV vom deutschen CV ab. Kurz zuvor hatten bereits die Sudetendeutschen ihre Beziehungen zum deutschen CV stark eingeschränkt. Die reichsdeutschen Cartellbrüder mit österreichischen Wurzeln mussten aus ihren heimischen Verbindungen aus- und in die grosse Auffang-Verbindung Austria Köln eintreten. Auffallend ist, dass gerade in Österreich alle hochrangigen VP-Politiker Mitglieder des CV waren und sind.
Jedes Jahr findet eine viertägige Cartellversammlung mit Festprogramm, sowie ein Studententag und ein Altherrentag statt. Innerhalb des Cartellverbandes gibt es eine eigene Verbandsgerichtsbarkeit auf allen Ebenen. Neben der CV-Akademie erfolgt in den unterschiedlichsten Stiftungen die Weiterbildung der Studierenden oder Vergabe von Stipendien (Studienstiftung Eugen Bolz, Felix-Porsch-Johannes-Denk-Stiftung,…).

.) Burschenschaftliche Gemeinschaft (BG) – “Ehre, Freiheit, Vaterland”
Insgesamt 36 schlagende Burschenschaften aus Deutschland und Österreich gehören der Burschenschaftlichen Gemeinschaft an. Die Gründung erfolgte am 15. Juli 1961 in der Münchner Burschenschaft Danubia, nachdem die Wiedervereinigung der Deutschen Burschenschaft und der Deutschen Burschenschaft Österreich beim Burschentag in Nürnberg fehlschlug. Damals noch mit 42 Verbindungen.
Der Grundgedanke in der BG ist der völkische Nationalismus unter der Einbindung Österreichs im Sinne der Urburschenschaft. Zudem wird gefordert, dass der Zuzug von “Menschen aus anderen Kulturräumen” unterbunden wird. Vier deutsche und eine österreichischen Burschenschaft werden als rechtsextrem eingestuft und stehen unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. Im Jahre 1996 traten geschlossen die liberalen-konservativen Bünde aufgrund der Dominanz der BG in der Deutschen Burschenschaft aus. Vom Burschenschafter und NPD-Funktionär Jürgen Schwab war diesbezüglich zu hören:, dass die Deutsche Burschenschaft nun „von liberalen Geschwülsten weitestgehend gesundgeschrumpft“ sei.

.) Neue Deutsche Burschenschaft (NDB) – „Freiheit – Ehre – Vaterland“
Dieser Verband entstand erst 1996 und umfasst derzeit 10 Burschenschaften. Ausschlaggebend waren die Dispute innerhalb der Deutschen Burschenschaft in den Bereichen Pflichtmensur, Aufnahme anderer Staatsangehöriger und die Begrenzung auf das bundesdeutsche Staatsgebiet. Bei den angeschlossenen Burschenschaften wird die Pflichtmensur abgelehnt. Zudem ist der Vaterlandsbegriff nicht derselbe wie in der DB.

.) Conservativer Delegierten Convent (CDC)
Dieser Convent wurde 1909 als Verband fachstudentischer Verbindungen in Österreich gegründet – die Öffnung nach aussen vollzog sich erst vor einigen Jahren. Derzeit gehören ihm fünf schlagende Burschenschaften an. 1952 erfolgte die Wiederbegründung. Mit der Deutschen Burschenschaft besteht ein Freundschafts- und Arbeitsabkommen.

All jene unter Ihnen, die sich die Namen der Bundesbrüder etwas genauer angesehen haben, werden feststellen, dass hier das gesellschaftliche Who is Who versammelt ist. Daran hat sich bis heute nichts geändert – vielleicht mit Ausnahme der SPD, die in einem Unvereinbarkeitsbeschluss manifestierte, dass sich die Mitgliedschaft in einer Burschenschaft der DB und ein Parteibuch der SPD ausschliessen. So finden sich bei den Christdemokraten und Christsozialen sowie der österreichischen Volkspartei jede Menge Cartellbrüder, bei der NPD und nun auch der AfD bzw. vornehmlich bei der österreichischen FPÖ unheimlich viele Burschenschafter. Die deutschen Verbindungen mussten lange Zeit neidvoll auf diese “Verquickung” der schlagenden österreichischen Kollegen mit der politischen FPÖ blicken. Mit dem Aufkommen der neuen Rechten wurde allerdings gleichgezogen. Doch – auch wenn sie mit ihrer völkischen, antidemokratischen Grundhaltung vergleichbar mit dem Nationalsozialismus in Deutschland sind, so sind nicht alle Burschenschafter Nazis! 1996 – mit der Gründung der NDB – traten viele Verbindungen aufgrund des zunehmend rechtsextremen Gedankengutes aus der DB aus – 2011 folgten weitere aufgrund des umstrittenen “Ariernachweises”. Übrig blieb der harte Kern, der oftmals ranghohe Führungspersonen aus der NPD oder anderen rechtspopulistischen Parteien und Bewegungen stellt. Daneben besteht ein sehr engmaschiges Netzwerk ranghoher Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, die aus den Reihen der Burschenschaften kommen.
In der AfD wird die immer grösser werdende Zahl an Burschenschafter damit begründet, dass viele anderen meinen, die Arbeit in der Partei werde sich negativ auf den Lebenslauf und verbunden damit das weitere berufliche Leben auswirken. Den Burschenschaftern sei dies gleichgültig. In Österreich meinte erst vor kurzem der Parteiobmann der Freiheitlichen Parte Österreichs FPÖ, Heinz-Christian Strache, als er über die hohe Anzahl der Burschenschafter in seiner Partei befragt wurde, dass hierauf kein Augenmerk bei der Postenbesetzung gelegt werde. Trotzdem stechen einem gerade im Wahlkampf immer wieder Schlagzeilen wie “Burschenschafter kontrollieren FPÖ” (Philipp Aichinger – Die Presse am 01.09.2017) oder “Stille Machtergreifung der Burschenschafter” (Hans Rauscher – Der Standard am 01.09.2017) in’s Auge. Hintergrund ist das Buch “Stille Machtergreifung. Hofer, Strache und die Burschenschaften” des Journalisten und Historikers Hans-Henning Scharsach. Er spricht davon, dass Burschenschaften aus denen “… zahlreiche rechtskräftig verurteilte Neonazis hervorgegangen sind” jetzt in der FPÖ, für die eine bundesweite Regierungsbeteiligung in greifbare Nähe rückt, nach der Macht greifen. Auf mancher Landesebene sind FPÖ-Politiker bereits in der Regierung vertreten. Der Autor befürchtet tiefgreifende und radikale Veränderungen in der gesellschaftlichen Ordnung des Alpenstaates und darüber hinaus der Europäischen Union. So listet Scharsach auf, dass neben des Parteiobmannes vier der fünf Stellvertreter und nicht weniger als 20 von 33 Parteivorstandsmitglieder den korporierten Kreisen entstammen. Dasselbe Bild zeige sich auf Landesebene. FPÖ-Generalsekretär Herbert Kicki weist die Vorwürfe zurück und spricht von einem “FPÖ-Bashing, als Sachbuch getarnt”! Zudem verweist er auf den CV und dessen Machtposition in der Österreichischen Volkspartei. Damit hat er durchaus recht, doch sind dort die meisten in der politischen Mitte und nicht an einem rechten oder linken politischen Rand zu finden. In Österreich gibt es inklusive der Alt-Herren rund 4.000 schlagende Burschenschafter. In rund 20 deutschnationalen Verbindungen haben sie sich entgegen ihrer deutschen Kollegen in eine andere politische Richtung entwickelt, wobei oftmals eine etwaige Abgrenzung zum Nationalsozialismus verschwimmt.
Schon am 29. Januar 2012 berichtete anlässlich des Balls der Burschenschafter der Kurier mit der Schlagzeile “Straches blaue Burschen” über die Zugehörigkeiten so mancher FPÖ-Politiker zu Burschenschaften. Hier eine kurze Auflistung des derzeitigen Teams der FPÖ (lt. Website) – ohne Anspruch auf Vollzähligkeit:

Heinz-Christian Strache – pennale Verbindung Vandalia Wien
Ing. Norbert Hofer – pennale Verbindung Marko-Germania Pinkafeld
Herbert Kickl – Kein Bundesbruder!!!
Harald Vilimsky – Kein Bundesbruder!!!
Dr. Reinhard Bösch – Burschenschaft Teutonia Wien (DB)
Hermann Brückl – pennale Verbindung Scardonia
Christian Hafenecker, MA – Burschenschaft Nibelungia Wien (DB)
Mag. Roman Haider – pennale Verbindung Donauhort Aschbach
Ing. Christian Höbart – pennale Verbindung Tauriska Baden
Dr. Andreas Karlsböck – Burschenschaft Aldania Wien (DB)
MMMag. Dr. Axel Kassegger – Burschenschaft Germania Graz (DB)
Maximilian Krauss – Burschenschaft Aldania Wien (DB)
Wendelin Mölzer – Corps Vandalia Graz
Mag. Norbert Nemeth – Burschenschaft Olympia Wien (DB)
Werner Neubauer – pennale Verbindung Teutonia Linz
Mag. Franz Obermayr – Corps Alemannia Linz & Corps Frankonia Salzburg
Elmar Podgorschek – pennale Verbindung Germania Ried
Mag. Michael Raml – Burschenschaft Arminia-Czernowitz Linz (DB)
Dr. Walter Rosenkranz – Burschenschaft Libertas Wien
Ing. Bernhard Rösch – Burschenschaft Gothia Wien (DB)
Mag. Philipp Schrangl – Burschenschaft Germania Wien (DB)
Mag. Harald Stefan – Burschenschaft Olympia Wien (DB)
Wolfgang Zanger – Corps Vandalia Graz

Daneben sind viele Mitglieder der FPÖ auch in der Vereinigung der Identitären vertreten.

Offenbar eine Sonderstellung nimmt die Burschenschaft Germania aus Oberösterreich ein. Sie trat 2012 aus dem Dachverband der Burschenschaften aus. Der Hintergrund:

“Es geht darum, alte Krusten aufzubrechen und zu zeigen, dass es bei den Burschenschaften nicht nur eine Stoßrichtung gibt!”

Andreas Peham vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) meinte, dass die Emporkömmlinge, die “Buberlpartie” des Jörg Haiders damals mit ihm in die BZÖ gewechselt sind – die Korporierten seien der Partei treu geblieben. Strache habe zudem das zuvor von Haider gestrichene Bekenntnis zur “Deutschen Volksgemeinschaft” 2011 wieder in die Partei geholt.
Etwas anders die Situation in Deutschland. Dort weigern sich noch die anderen Parteien mit der AfD zusammenzuarbeiten. Mit der NPD ohnedies. Allerdings treten auch hier immer mehr Burschenschafter in die erste Reihe:

Burschenschafter in der AfD (Tendenz steigend):

Tim Ballschuh – Burschenschaft Frankonia Erlangen und Burschenschaft Germania Halle-Leoben
Ben Niclas Berressem – Burschenschaft Germania Marburg (DB)
Torben Braga – Burschenschaft Germania Marburg (DB)
Matthias Ferdinand – Burschenschaften Dresdensia-Rugia Gießen und Dresdensia Leipzig (DB)
Dr. Andreas Graudin – Burschenschaft Germania Marburg (DB)
Marcel Grauf – Burschenschaft Germania Marburg (DB)
Enrico Komning – Burschenschaft Rugia Greifswald (DB)
Philipp Liehs – Burschenschaft Alemannia Leipzig (SB)
Dubravko Mandic – Burschenschaft Saxo-Silesia Freiburg (DB)
John Hoewer – Burschenschaft Germania Köln (DB)
Robert Offermann – Burschenschaft Germania Marburg (DB)
Hannes Rother – Burschenschaft Germania Leipzig (DB)
Philip Runge – Burschenschaft Gothia Berlin (DB)
Michael Volker Schuster – Burschenschaft Germania Leipzig (DB)
Jörg Sobolewski – Burschenschaft Gothia Berlin (DB)
uvam.
(Quellen: lsa-rechtsaussen.net / MZ / FAZ / Huffington Post / Die Zeit)

Auch hier sind viele Mitglieder der Identitären zu finden.

Burschenschafter in der NPD:

Um nicht in das Visier des deutschen Verfassungsschutzes bzw. verschiedener Neo-Nazi-Vereinigungen zu kommen, habe ich hier nicht weiter recherchiert. Zudem Ist die NPD bundespolitisch nicht relevant.

Schlagende Studenten in der schweizerischen Politik

Max Affolter – Helvetia
Kurt Fluri – Helvetia
Peter Gerber – Helvetia
Lorenz Hess – Helvetia
Heinz Moll – Rhenania
Philippe Pidoux – Helvetia
Hans Rüegg – Helvetia
Gustav Adolf Seiler – Alemannia
Rodolphe Rubattel – Helvetia
Rudolf von Planta – Rhenania
Johann Vonmoos – Rhenania

Daneben gehört etwa auch der ehemalige FIFA-Präsident Sepp Blatter der Helvetia an. Deren Mitglieder sind in sehr vielen politischen Parteien zu finden.

Auch wenn der Cartellverband vornehmlich in Österreich sehr mächtig in den politischen Reihen vertreten ist, so handelt es sich hierbei um die Christdemokratische und -soziale Mitte. Viele der Burschenschaften, Corps, akademischen Landsmannschaften, Turnerschaften und Sängerschaften jedoch agieren am rechten äusseren Rand der Gesellschaft. Viele stehen deshalb unter Beobachtung durch den Verfassungsschutz – sowohl in Deutschland als auch in Österreich. Dieses Gedankengut sei ihnen auch meinetwegen zugestanden. Problematisch hingegen wird es, wenn sie – vornehmlich durch ahnungslose Protestwähler – in die Parlamente gewählt werden und dort Politik machen können. Dann kann es schon sehr bald zu Zuständen wie in Polen, den USA, der Türkei oder Ungarn kommen.

Lesetipps:

.) Die neue Rechte: eine Gefahr für die Demokratie?; Wolfgang Gessenharter / Thomas Pfeiffer (Hrsg.); VS Verlag für Sozialwissenschaften 2004
.) Deutsche Stunde: Volksgemeinschaft und Antisemitismus in der politischen Theologie; Tanja Hetzer; alliteraverlag 2009
.) Rechte Netzwerke – Eine Gefahr; Stephan Braun / Daniel Hörsch (Hrsg.); VS Verlag für Sozialwissenschaften 2004
.) Die deutschsprachigen Korporationsverbände; Paulgerhard Gladen; WJK 2014
.) Die geheimen Drahtzieher. Macht und Einfluss der Studentenverbindungen; Hans Magenschab; Styria Premium 2011
.) Stille Machtergreifung: Hofer, Strache und die Burschenschaften; Hans-Henning Scharsach; Kremayr & Scheriau 2017
.) Strache: Im braunen Sumpf; Hans H Scharsach; Kremayr & Scheriau 2012
.) Haiders Schatten: An der Seite von Europas erfolgreichstem Rechtspopulisten; Stefan Petzner; edition a 2015
.) Der CV in Österreich – Seine Entstehung, Geschichte und Bedeutung; Gerhard Hartmann; Lahn-Verlag 2011

Links:

www.burschenschaft.de
schwarzburgbund.de
auf-mensur.de
www.centralhelvetia.ch
www.wingolf.org
www.wartburg-coburgia.de
www.cartellverband.de
www.burschenschaftliche-gemeinschaft.de
www.neuedb.de
www.die-corps.de
www.corpsstudenten.eu
www.frankfurter-verbindungen.de
burschenschafterpacktaus.wordpress.com
www.doew.at
lsa-rechtsaussen.net
www.cartellverband.de
www.oecv.at
www.oecv.de

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Fussball und der Anfang vom Ende

Sie sind die Gladiatoren der Neuzeit, die Helden der Massen, die Millionäre auf dem grünen Rasen: Die Fussballstars! Lange Zeit galt Cristiano Ronaldo von Real Madrid als deren Hexenmeister, als Bester unter vielen, als teuerster Spielerkauf aller Zeiten. Nach dem Wechsel des portugiesischen Linksaussen zur Saison 2009/10 von Manchester United zu Real Madrid, war das Bernabéu-Stadion des weissen Balletts bereits bei der Präsentation und dem ersten öffentlichen Training bis auf den letzten Platz ausverkauft. Die meisten interessierten sich nicht mehr dafür, dass die Briten eine Ablöse von 94 Mio € bekamen, obgleich der Verein bereits hochverschuldet war. ManU übrigens bezahlte sechs Jahre zuvor gerade mal 19 Mio € an Sporting Lissabon für den Ballkünstler und inzwischen mehrfachen Weltfussballer des Jahres (im Vergleich dazu liegt der Marktwert des Österreichers David Alaba bei bereits 28 Mio!). Nach wie vor kommen noch viele Menschen, um Ronaldo bei der Arbeit zuzuschauen. Damit wurde wohl auch im Verein spekuliert: Das Geld dürfte aufgrund des grossen Interesses der Fans rasch wieder eingespielt werden.
Als dann zur Saison 2013/14 mit Gareth Bale erstmals die dreistellige Millionengrenze geknackt wurde, kam erste Kritik auf: Wohin soll das noch führen??? Der Rechtsaussen aus Wales wechselt für satte 101 Mio € von Tottenham ebenfalls zu Real. Tottenham zahlte gleichfalls sechs Jahre zuvor gerade mal 14,70 Mio an Southhampton. Doch wurde es noch besser. 2016/17 wechselte Paul Pogba für nicht weniger als 105 Mio € von Juventus Turin zu ManU in die Premier League nach England. Der Irrsinn: Manchester liess den zentralen Mittelfeldspieler aus Guinea nur vier Jahre zuvor ablösefrei nach Italien ziehen. Tja – und die derzeit laufende Saison 2017/18 stellte dann alles in den Schatten. Sind die 105 Mio €, die der CF Barcelona für Ousmane Dembélé an die Borussia aus Dortmund bezahlte vielleicht noch halbwegs vertretbar (nur ein Jahr zuvor kam der Linksaussen aus Mauretanien/Frankreich für 15 Mio € zum BVB), so hob der Wechsel Neymar da Silvas von Barcelona zu Paris St. Germain die Fussballwelt aus den Angeln. 222 Mio € – der bislang teuerste Wechsel eines einzelnen Spielers. Ob es der Linksaussen auch tatsächlich wert ist, darf bezweifelt werden. Klar ist der Brasilianer unumstritten einer der gegenwärtig wohl besten Ballkünstler. Barca hatte für ihn vier Jahre zuvor schon 88,2 Mio auf den Stammtisch im Vereinsheim des FC Santos in Brasilien geblättert, doch schlug das hier dem Fass wohl endgültig den Boden aus. Da machen sich die 47 Mio € des teuersten deutschen Spielers (Mesut Özil), die Arsenal an Real Madrid in der Saison 2013/14 bezahlte geradezu als Schnäppchen aus dem Wühltisch aus. Und die 27,9 Mio für Marko Arnautovic sowieso. Der Österreicher wechselte ebenfalls zu Beginn dieser Saison von Stoke zu West Ham. Wer wird wohl der nächste sein? Wer wird die Milliarde knacken? Geht Ronaldo wieder zurück in die Premiere League? Lionel Messi hat kürzlich erst verlängert, doch könnte bei einem möglichen Wechsel des Argentiniers noch mehr drinnen sein – derzeitige Ablösesumme: 120 Mio €! Der Argentinier kam übrigens ablösefrei zur Saison 2000/01 vom Club Atlético Newell’s Old Boys U19 zu Barcelona!
Es sind unvorstellbare Summen – und wohlgemerkt: Ablösesummen! Hinzu kommen die Jahresgehälter, die bei derartigen Kapazundern ebenfalls weit im zweistelligen Millionenbereich liegen, die Exklusiv-Werberechte etc. pp. Genau das wollte jedoch die UEFA verhindern: Im Bereich der Klubfussballfinanzen soll die Disziplin und Rationalität erhöht, der Druck auf Gehälter und Transfersummen gleichzeitig verringert werden. Zu finden ist dies in dem im September 2009 durch das UEFA-Exekutivkomitee einstimmig beschlossenen Financial Fairplay. Was würde es helfen, wenn Neymar nun für diese Summe gewechselt ist, der Verein aber ein Jahr später Zahlungsunfähigkeit anmelden muss. Somit darf ein europäischer Fussballverein nicht wiederholt mehr ausgeben, als er einnimmt. Durch dieses Übereinkommen konnten die Gesamtverluste der europäischen Klubs in der Höhe von 1,7 Milliarden Euro anno 2011 auf 286 Mio anno 2016 verringert werden. Das jedoch wurde im Falle Neymar insofern umgangen, als das Ablösegeld direkt durch die Besitzer des Vereins an Neymar selbst floss, der es weiterleitete an seinen damaligen Noch-Verein Barcelona. Damit war Paris St. Germain aus dem Schneider. Auch die FIFA mit ihrem Reglement war alsdann so milde gestimmt. Im Anhang 3 “Transferabgleichsystem” des Reglements wird bestimmt, dass alle Gelder für einen internationalen Transfer offengelegt und lückenlos zurückverfolgt werden müssen. Das wäre bei St. Germain sicherlich nicht möglich gewesen, hätte nicht der Eigentümer des Klubs, ein Scheich aus Katar, die komplette Summe durch seine Ölmillionen vorgestreckt. Dafür wird Neymar zum WM-Botschafter der Kataris. Schliesslich sind dies Gesamt-Belastungen in der Höhe von zumindest 600 Mio € für die nächsten fünf Jahre (inkl. Mehrwertsteuer, Spielergehalt und Handgeld für Neymar’s Vater/Manager – dies alleine in Höhe von 40 Mio). Das schafft kein Verein weltweit ohne Schwarzgeld – und genau das will die FIFA ausschliessen. Es reicht, wenn es deren Funktionäre einstreichen. Paris hatte trotz Neymars Vorgänger Zlatan Ibrahimovic (ablösefrei zur Saison 2016/17 zu ManU gewechselt) sportlich immer das Pech, spätestens im Viertelfinale der Champions League aus dem Bewerb auszuscheiden. Zuletzt gegen Neymars damaligen Verein Barca! Das soll jetzt mit dem Brasilianer besser werden – dann lachen auch die Euro-Millionen aus der CL wieder.
Damit wurden alsdann alle möglichen Vereinbarungen oder Regeln ausser Kraft gestellt. Russische Öligarchen reiben sich ebenso die Hände wie ihre Kollegen aus den arabischen Erdölländern: Sie dürfen nun shoppen. Andere Vereine jedoch bleiben da auf der Strecke – auch wenn sie Bayern München heissen! Der reichste Klub der Deutschen Bundesliga bringt es auf einen Kader-Marktwert von 581,40 Mio € inklusive der Stars James Rodriguez und Thomas Müller (derzeitiger Transferwert jeweils 50 Mio) sowie Robert Lewandowski (80 Mio). An Müller hat gerüchtehalber ManU Interesse, an Lewandowski Real Madrid. Hier muss das Geld tatsächlich durch Einnahmen und Gönner aufgebracht werden. Im Vergleich dazu besitzt der kleinste Klub der Bundesliga, Hannover 96 einen Kader-Marktwert von 48.75 Mio €. Österreichs wertvollster Klub, Salzburg bringt es gerade mal auf 35 Mio (Real Madrid als europäischer Leader auf 743,80 Mio)!
Derartige “normale” Vereine sind in einem nicht unwesentlichen Teil auf die Fans in den Stadien angewiesen. Machen die Eintrittsgelder zwar nur einen geringeren Teil des Gesamtbudgets aus, so kommt es nicht wirklich gut, wenn im Fernsehen leere Ränge zu sehen sind. Das schreckt die Werbewilligen und Sponsoren ab. Auch wenn der Vorstandsvorsitzende der FC Bayern AG, Karlheinz Rummenigge nicht müde wird, ständig zu betonen, dass Fussball nicht nur Geld ist: Je höher der Mannschaftswert ist, desto mehr muss auch der Mindestrentner für seine Eintrittskarte ausgeben.

“Sollte es Leute geben, die lieber günstiger und dafür in zugigen Stadien mit Aschenbahn sitzen und mittelmäßige Spiele gucken – bitte sehr. Aber diese Minderheit sollte den anderen Zuschauern ihre Meinung nicht überstülpen. Wir sind weit entfernt von den Verhältnissen der anderen Ligen.”

(DFL-Geschäftsführer Christian Seifert 2012)

Das deutsche Handelsblatt schrieb bereits im Jahre 2012, dass die Bundesliga viel zu günstig sei. Alleine durch dynamische Kartenpreise könnten bis zu 100 Mio € mehr in die Vereinskassen fliessen. Ergo hoben die Bundesligisten die Kartenpreise an. Der Unmut der Fans folgte stante pede. Mag im internationalen Vergleich vielleicht sein, doch haben gerade die englische Premier League und die spanische Primera Division Probleme aufgrund der hohen Kartenpreise – vor allem bei den Dauerkarten. Die eingeschworensten Fans unter den Fans können sich diese schlichtweg nicht mehr leisten. Es sind jene, die bei jedem Heimspiel im Stadion sind um ihren Klub zu unterstützen. Die Stadien waren bis vor noch gar nicht so langer Zeit zugig und teils unüberdacht – dafür konnten hingegen auch jene eine Karte kaufen, die sich eine überdachte Sitzplatzheizung auf dem Stuhl nicht leisten konnten. Die Preisgestaltung in den heimischen Stadien ist somit eine Grat-Wanderung. Betrachten wir uns dies doch mal anhand der Tageskartenpreise bei Ligaspielen im Fünf-Länder-Vergleich (Stehplatz/günstigster Sitzplatz/teuerster Sitzplatz):

.) Deutschland
(Angaben: spoxx.com)
Günstigster Verein:
TSG Hoffenheim 12 €/20 €/41 € – ergibt einen Schnitt von rund 25 €
Teuerster Verein:
FC Bayern München 15 €/35 €/70 € – ergibt einen Schnitt von rund 40 €

.) Österreich
(Angaben lt Websites der Klubs – wo ersichtlich)
Günstigster Verein:
SCR Altach 13 €/19 €/21 € – ergibt einen Schnitt von rund 18 €
Teuerster Verein:
SKN St. Pölten 18 €/24 €/45 € – ergibt einen Schnitt von rund 29 €

.) Schweiz (Angaben lt Websites der Klubs)
Günstigster Verein:
FC Basel 20 CHF/25 CHF/75 CHF – ergibt einen Schnitt von rund 40 CHF (rund 35 €)
Teuerster Verein:
FC Luzern 20 CHF/33 CHF/100 CHF – ergibt einen Schnitt von rund 51 CHF (rund 44 €)

.) England (Angaben lt. “Price of Football” – BBC)
Verein 1:
Manchester City – Pfund/ 35 Pfund/ 58 Pfund – ergibt einen Schnitt von 46,50 Pfund (rund 52 €)
Verein 2:
FC Chelsea – Pfund/ 54 Pfund/ 90 Pfund – ergibt einen Schnitt von rund 72 Pfund (81 €)

.) Spanien (Angaben lt. www.ticketbureau.com)
Verein 1:
CF Barcelona – Euro/ 59 Euro / 325 Euro – hier kann kein Schnitt angegeben werden, da über 190 unterschiedliche Platzkategorien und über 80 unterschiedliche Preiskategorien angeboten werden)
Verein 2:
UD Las Palmas – Euro/ 50 Euro / 94 Euro – auch hier gibt es 18 Platzkategorien und 17 Preiskategorien

(Die Preise verstehen sich ohne Top-Spiel-Zuschlag und betreffen nicht die VIP-Zonen oder Logen!)

Und hier werden nun die ersten lautstark aufmotzen: Betrachtet man sich das Aufgebot der Stars am Spielfeld, sind derartige Preise auch gar kein Wunder! Korrekt, doch sind die grossen Teams meist auch mit weitaus grösseren Stadien gesegnet als die kleinen. So bietet das Rhein-Neckar-Stadion in Hoffenheim gerade mal 30.150 Plätze, während die Allianz-Arena in München mit 75.021 Plätzen (bei Bundesligaspielen) mehr als das Doppelte an Plätzen zu verzeichnen hat! Oder im anderen Vergleich Mattersburg und Austria Wien. Somit könnte also mit mehr Zuschauern auch das Mehr an Personalkosten hereingeholt werden. Doch ist dem nicht so. Zu den Spielen der österreichischen Bundesliga kamen in der vergangenen Saison im Schnitt 7.046 Zuschauer (einzig Rapid kann hier noch die Massen bewegen). In Deutschland waren es 41.500, in der Schweiz 9.944, in England 35.805 und in Spanien 27.630 Zuschauer. Viele Geringverdiener können sich die Karten-Preise nicht mehr leisten, berücksichtigt man dabei, dass ein oder zwei Getränke und in der Pause die obligatorische Bratwurst dazukommen, bezahlt der Vater mit seinem Sonh für das Wochenend-Vergnügen für nicht herausragende Plätze zwischen 60 bis 100 Euro. Eine Menge Holz!!!
In Liverpool begannen die Proteste der englischen Fans. Dort verliessen in der Partie der Reds gegen den AFC Sunderland im Februar 2016 tausende Fans in der 77. Minute das Stadion. Trainer Jürgen Klopp reagierte im Rahmen der anschliessenden Pressekonferenz:

“Jeder in diesem Klub hat ein großes Interesse, eine Lösung zu finden … wir wollen nicht, dass die Leute das Stadion vorzeitig verlassen. Natürlich war ich enttäuscht, als ich erstmals davon gehört habe.”

In Liverpool kostete die Karte schon mal aufgrund der kurz davor beschlossenen Preiserhöhung bis zu 77 Pfund (100,- €). Übrigens hatte es Konsequenzen: Die Mannschaft reagierte verdattert auf die Massenabwanderung und verlor einen 2:0-Vorsprung, der Verein zog kurz darauf die Erhöhung wieder zurück. Dieser Protest setzte sich in den anderen Stadien der Premier League fort. Eine ligaweite Einigung konnte bei den Sitzungen danach zumindest für die Gästekarten erzielt werden. Sie sind durch eine Deckelung auf 30 Pfund teilweise günstiger als die Karten der Fans der Heimmannschaft – ebenso übrigens wie hierzulande. Logisch – kommen doch für die Auswärtsfans die Fahrtkosten hinzu. Hier sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass die meisten englischen Premier League-Klubs Millionären oder Milliardären gehören, die hierdurch auch ordentlich Umsatz machen möchten. Neben den ohnehin schon millionenschweren TV-Rechten. Deshalb werden dem hungrigen Mob auch immer mal wieder einige wenige Karten wesentlich günstiger abgegeben. Doch betreffen die meist jene Zonen, die ohnedies schon vollbelegt sind, da hier die günstigste Kategorie der Dauerkartenbesitzer stehen oder sitzen.
Apropos: Ganz dunkel wird’s bei diesen Dauerkarten. So kostet etwa die normale Dauerkarte für die Bundesliga-Heimspiele des FC Bayern in der laufenden Saison maximal 750,-, beim HSV hingegen maximal 806,70 €! Doch sind die Fans im hohen deutschen Norden offenbar die treuesten: 28.500 besitzen eine Dauerkarte – die Wartezeit auf eine Stehplatzkarte auf der Nordtribüne kann schon mal vier Jahre betragen. Im Vergleich dazu verlangt der VfL Wolfsburg für die teuerste Dauerkarte 400,- €. Bei Arsenal London sind es jedoch fast 1.400,- €!!!

“Der Fußball entkoppelt sich immer mehr von der Bevölkerung. Ich merke es bei ganz vielen Menschen in meinem Umfeld – und zwar quer durch alle Vereine – , dass sie nicht mehr so mit dem Herzen dabei sind. Da muss der Fußball aufpassen.”
(Marc Quambusch, Begründer der Initiative “Kein Zwanni – Fußball muss bezahlbar sein”)

Auch in Deutschland regt sich der Fan-Widerstand. So nahmen die Fans der Borussia aus Dortmund eine Aktion der englischen Leicester-Fans zum Vorbild: Diese kamen erst fünf Minuten nach dem Anpfiff zum Auswärtsspiel in’s Arsenal-Stadion. Die Dortmunder boykottierten gar die ersten 20 Minuten im Pokalspiel gegen den VfB Stuttgart. Hier ging es um die 19,50 € für die Gäste-Stehplatzkarten. In Dortmund übrigens gibt es immer wieder die meisten Proteste der Fans. Durchaus berechtigt! So hat der BVB etwa in der vergangenen Saison einen Rekord-Umsatz von 376 Mio € gemacht (obwohl das Team nur in der Europa League spielte). Für diese Saison werden über 400 Mio angestrebt. In Dortmund wurde auch die Initiative “Kein Zwanni – Fußball muss bezahlbar sein” gegründet. Anlass hierzu war das Revier-Derby gegen Schalke 04 mit einem Topspiel-Zuschlag von fast 50 %. In anderen Bundesligastädten wie Mainz wird es nachgemacht.
Den wohl treffendsten Satz formulierte einst West Ham-Trainer Slaven Bilic:

“Wenn du Kaviar und Champagner willst, ist das teuer. Aber Brot und Milch sind billig. Auch der Fußball sollte es sein.”

Fussball ist mehr als nur eine Sportart. Einerseits konzentriert sich die Werbung im Rahmen des sehr wichtigen Sportmarketings immer mehr auf die Stars des grünen Rasens, wodurch den anderen Sportarten nurmehr wenig übrig bleibt. Ausserdem ist Fussball – zumindest auf dem europäischen Kontinent – ein Volkssport wie kein anderer, dem alsdann eine extrem wichtige gesellschaftspolitische Bedeutung zukommt. Damit fliessen auch Steuergelder in die Vereine (sei es auch indirekt durch den Stadionbau oder -erhalt). Hier sollten es sich die Verantwortlichen doppelt und dreifach überlegen, ob die Karten immer teurer und teurer werden, damit auch die immer teurer werdenden Transfers bezahlt werden können. Es gibt in den meisten Ligen bereits eine Zweiklassen-Gesellschaft. Soll dieser Graben noch grösser werden?
Zuletzt gestatten Sie mir noch bitte eine Frage: Haben Sie sich schon mal vorgestellt, was man mit 222 Mio € alles machen könnte? Wie vielen Kleinbauern in Afrika könnte damit eine Zukunft gegeben werden, damit sie nicht mehr nach Europa flüchten? Wie viele durch den Krieg zerstörte Städte in den arabischen Staaten wieder aufgebaut werden, damit die Asylanten nach Hause zurückkehren können? Wie vielen unschuldigen Armutsopfern wie Mindestrentnern könnte hierzulande unter die Arme gegriffen werden? Wie vielen krebskranken Patienten könnte mit einem guten Mittel geholfen werden?

Lesetipps:

.) Das Milliardenspiel; Thomas Kistner / Jens Weinreich; Fischer 1998
.) Der Kick des Geldes oder wie unser Fußball verkauft wird: Knallharte Wirtschaftsinteresse machen unseren Lieblingssport kaputt; Jens Berger; Westend 2015
.) Football Leaks: Die schmutzigen Geschäfte im Profifußball – Ein SPIEGEL-Buch; Rafael Buschmann / Michael Wulzinger; Deutsche Verlags-Anstalt 2017
.) Geld schiesst Tore; Michael Daudert / Christian Daudert; Books on Demand; 2003
.) Fussball Cash-League – Wie das Geld den Lauf des Balles bestimmt: Das Milliardengeschäft Profi-Fussball in 15 Kapiteln; Karlheinz Mrazek; Copress Sport 2005
.) Der Ball muss ins Tor!: Was Fußball, Börse und Aktien vereint und spannend macht; Beate Sander; FinanzBuch Verlag 2012
.) Mroskos Talente: Das erstaunliche Leben eines Bundesliga-Scouts; Ronald Reng; Piper Taschenbuch 2016
.) Strukturreform des österreichischen Fußballs: Der Ball ist rund, das Geld ist schwarz; Karl Irndorfer; disserta Verlag 2013

Links:

- www.transfermarkt.de
- www.sportbuzzer.de
- www.goal.com
- www.ran.de
- de.uefa.com
- www.dfb.de
- www.bbc.com
- www.stadionwelt.de
- www.weltfussball.de

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Vom Aussterben bedroht

Viele reden vom Waldsterben, doch nur wenige tun etwas dagegen. Diese bittere Erfahrung musste auch ich in meinen Studentenzeiten machen. Im Rahmen eines von mir organisierten Aktionstages zum Thema “Wenn dem Wald die Luft ausgeht” führte dankenswerterweise ein Mitarbeiter des Botanischen Institutes eine fachkundige Führung durch den Wald oberhalb von Innsbruck um die Schäden direkt in natura aufzuzeigen. Am Abend war schliesslich eine recht hochkarätige Podiumsdiskussion anberaumt. Auch hier gebührt mein nachträglicher Dank den Teilnehmern am Podium, die trotz des mangelnden Interesses der Studiosi die Veranstaltung durchgezogen haben.
Damals war es noch der saure Regen – heute sind es andere Faktoren, die den Bäumen das Leben schwer machen. Stürme, Muren und Lawinen, zu starke Trockenheit und Schädlinge. Wie in der Vergangenheit bei den Ulmen oder gegenwärtig etwa bei den heimischen Eschen (Fraxinus excelsior L.). In bereits 23 europäischen Ländern verursacht der Schlauch-Pilz Hymenoscyphus pseudoalbidus ein bislang noch nicht dagewesenes Eschentriebsterben. Der auch gerne als “Falsches Weisses Stengelbecherchen” bekannte Schädling ist seit 1850 bekannt. Bis 2002 galt er als harmloser Falllaubzersetzer, der sich über die abgefallenen Eschenblätter am Boden hermachte. Seit 2007 ist allerdings nachgewiesen, dass er auch die noch anhängenden Blätter angreift. Der Schädling ist sehr widerstandsfähig gegenüber Austrocknung und Kälte. Inzwischen hat er sich weit verbreitet – nur ganz wenige Eschen sind resistent gegen ihn. Experten befürchten ein grossflächiges Baumsterben. Und dies ist umso schlimmer, als die Esche ein markantes Gehölz für Mitteleuropa darstellt.
Im ersten Stadium (Frühstadium) sind an der Mittelrippe der Blätter bräunliche Nekrosen zu finden. Dies betrifft vornehmlich die neuen Triebe. Zirka gegen Mitte Juli sind dann die ersten Verwelkungen zu sehen. Der infizierte Baum verliert die Blätter, deren Stile aber bleiben am Ast zurück. Die Rinde der befallenen Triebe zeigt sich gelblich bis ockerfarben und rostrot. Rindenrisse oder gar Schleimfluss treten nicht auf. Sehr rasch sterben die Leit- und Seitentriebe ab, später dann auch die Austriebe an der Pflanzenbasis und sog. “schlafende Knospen”, die von der Pflanze als Schutzmassnahme angelegt wurden. Deshalb ist auch ein “Gesundschneiden” nicht sinnvoll, da einerseits sehr weit zurückgeschnitten werden muss und zudem eine Neuinfektion zu nahezu 100 % sicher erscheint. Die Kronen befallener Bäume verzweigen sich, es kommt zu einem verstärkten Neuaustrieb und einer Verbuschung der Kronen sowie zur Zwieselbildung.
Inzwischen treten im Längs- und Querschnitt des Triebes Holzverfärbungen auf, die nicht an den Verlauf der Jahresringe gebunden ist. Der Baum hat schon sehr viel seiner Abwehrkraft verloren, sodass sich nun andere Rindenplize und Holzfäuleerreger breit machen können. Der Baum stirbt vollends ab. Bei älteren Pflanzen dauert das Prozedere etwas länger. Doch auch hier ist es spätestens mit einem verstärkten Neuaustrieb zu erkennen. Die Erkrankung sollte nicht mit dem Eschenkrebs, dem Rindenbrand oder Spätfrostschäden verwechselt werden.

http://www.ardmediathek.de/tv/nat%C3%BCrlich/Eschensterben-im-S%C3%BCdwesten/SWR-Fernsehen/Video?bcastId=1026394&documentId=44495336

Der Pilz stammt ursprünglich aus Japan. Die Sporen sind sehr leicht und können somit grossflächig und über weite Entfernungen durch den Wind verbreitet werden. Den Weg nach Westen fand der Schädling höchstwahrscheinlich über Polen. Experten schätzen, dass über 90 % des Eschenbestandes infiziert sind. Vor allem jene Bäume, die einen Laubabfall von zumindest 70 % aufweisen, sollten bevorzugt gefällt werden. Aber auch die anderen müssen genauestens beobachtet werden. Meist ist ein Kahlschlag die letzte Möglichkeit. Der Hintergrund besteht in der Nutzung des Holzes. Bei vorzeitigem Einschlag haben die störenden Verfärbungen noch nicht eingesetzt, die ansonsten aus ehemals ausgezeichnetem Holz nurmehr Brennholz machen. Da hilft nurmehr ein Sanitärhieb mit sofortiger Verwertung des Holzes und dem Verbrennen des Restmaterials.

https://www.youtube.com/watch?v=zW8-PkC_uPI

Eine Esche kann an sich bis zu 40 Meter hoch und 300 Jahre alt werden. Sie zählt zu den grossen europäischen Laubbäumen. Ihr Holz wird etwa für Möbel, Parkettböden aber auch Sportgeräte wie etwa den Barren oder den Hockeyschläger verwendet. Besonders gross ist ihr Bestand in Baden Württemberg, doch auch in Thüringen etwa gibt es 16.000 Hektar Eschenwald. Hier dürften nach Auskunft der Förster bereits 95 % erkrankt sein. In Österreich sind v.a. die Donau-Auwälder in Niederösterreich betroffen. Viele Bäume faulen am unteren Teil des Stammes, wodurch sie leicht brechen und zur Gefahr werden können. Deshalb war beispielsweise bis zum Frühjahr der Donau-Auwald in Korneuburg bzw. in Klosterneuburg für Spaziergänger gesperrt. In dieser sog. “harten Au” stehen vornehmlich Harthölzer mit einem Eschenanteil von 70 %. Die morschen Äste oder gar die ganzen Bäume bedeuten eine Lebensgefahr für Mensch und Tier. Hier wird grossflächig eingeschlagen.
Ganz aussterben wird die Baumart gottlob nicht. Rund ein Drittel schaffen den Kampf gegen den Pilz, einige wenige sogar zeigen sich komplett unbeeindruckt. Die Infektionsbiologie hinkt hier noch hinterher, ansonsten könnten viele Bäume gerettet werden. An jenen Stellen hingegen, an denen der Pilz ganze Arbeit geleistet hat, beginnt nun die Neuaufforstung. Kluge Förster beachten dabei die Artenvielfalt, damit nicht einer dieser Schädlinge erneut einen ganzen Wald zerstört. An vielen Orten in den Alpen sind beispielsweise auch die Buchen aufgrund der Witterungsverhältnisse massiv geschädigt.
Extrem vom Eschensterben betroffen war die österreichische Stadt Tulln in Niederösterreich. Dabei mussten alle Eschen gefällt werden. Wie sich zeigte, waren 95 % schon nicht mehr zu retten. Bei einem solchen sog. “Auflösen des Bestandgefüges” gewinnen regelmässige Walderneuerungsmassnahmen (etwa Mischwuchsregulierung) immens an Bedeutung, da der schützende Schirm noch genutzt werden kann. Ansonsten ist eine sehr rasche Neuanpflanzung erforderlich, Ansonsten vergrast der Boden oder es bilden sich Wasserreisser, also Triebe, die direkt aus dem Stamm oder aus Hauptästen austreten. Deshalb wurde in der niederösterreichischen Stadt ein Baumpflanzfest veranstaltet, das die Bevölkerung ganz ausgezeichnet aufnahm. In Tulln wurde seit dem Zweiten Weltkrieg eine Eschen-Monokultur gepflegt. Waldexperten empfehlen nun allen betroffenen Regionen, dies bei Aufpflanzungen mit einer möglichst grossen Vielfalt gleichzutun. Schliesslich können Eschen auch durch Chalara fraxinea (ebenfalls Eschentriebsterben), den asiatischen Eschenprachtkäfer oder dem Bunten Eschenbastkäfer zum Opfer fallen. Wird zudem die Bevölkerung miteingebunden, so entsteht ein ganz anderer Bezug zum Wald.
Seit dem Juli 2016 läuft am Institut für Forstgenetik des Johann Heinrich von Thünen-Instituts eine gemeinsame Forschungsreihe mit dem Landesforst Mecklenburg-Vorpommern. Ziel ist die Züchtung von dem Pilz gegenüber resistenten Pflanzen (“ResEsche”) und somit von Saatgut der sog. “Plusbäume”! Dabei werden die molekular-genetischen Marker charakterisiert und phytopathologisch untersucht.
Im Versuchsgarten von Tulln packt man das Übel am anderen Ende an. Hier werden die Pflanzen einem kontrollierten starken Infektionsdruck ausgesetzt. Dadurch kommen die Forscher zu einer Rangfolge der Überlebensfähigkeit der Pflanzen. Die resistenten Bäume werden schliesslich aussortiert. Für zirka 60.000 Bäume reichen rund 50-60 Plusbäume. Zur Bestäubung werden die Pollen männlicher Bäume eingesammelt und genetisch untersucht. Kommen diese dann in Frage, kann mittels kleiner Astzweige auf einer Erhaltungsplantage mit der Aufzucht dieser Res-Bäume begonnen werden.

https://www.youtube.com/watch?v=5CQlyigXBsY

Nachdem die Zahl der Eschen enorm ist, geht es zudem um den Erhalt von Biotopen, die ansonsten mit dem Eschensterben ebenfalls ausgelöscht würden. Andere Arten, wie der Eschen-Scheckenfalter, wären ausserdem davon betroffen. Oder Kalkböden würden wieder kahl werden, da die Esche dort wächst, wo sich andere Bäume schwer tun. Wer nun versuchen sollte, selbst Saatgut von einem scheinbar resistenten Baum zu entnehmen um in einer Baumschule möglicherweise auch durch den Einsatz von Fungiziden gesunde Bäume aufzuziehen, wird nicht sehr viel Glück damit haben. Nach dem Auspflanzen kommt es zu Bestäubungen mit den Pollen nicht resistenter Bäume bzw. den Sporen des Pilzes – die Arbeit war umsonst. Die Wissenschaft rechnet in frühestens fünf bis zehn Jahren mit ausreichenden Erkenntnissen über die Resistenz und der Weitergabe an nachfolgende Generationen.

Lesetipps:

.) Die Esche und ihr Holz; F. Kollmann; Springer-Verlag 1941
.) Der Mann der einen Baum fällte und alles über Holz lernte; Robert Penn; Ullstein 2016
.) Holz- und Baumpilze: Biologie, Schäden, Schutz, Nutzen; Olaf Schmidt; Springer 1994
.) Pilze bei der Baumkontrolle: Erkennen wichtiger Arten an Straßen- und Parkbäumen; Antje Lichtenauer / Thomas Kowol; Haymarket Media 2005
.) Lebensraum Totholz: Gestaltung und Naturschutz im Garten; Werner David (Autor); pala verlag gmbh 2012
.) Pilze an Bäumen: Saprophyten und Parasiten, die an Holz wachsen; Hermann Jahn / Hermann Reinartz; Patzer 2005
.) Holzzersetzende Pilze; Peter Klug / Martina Lewald-Brudi; Arbus 2012


Links:

- www.cost.eu
- www.lwf.bayern.de
- www.fva-bw.de
- www.nw-fva.de
- www.wald-mv.de
- bfw.ac.at
- www.boku.ac.at
- www.esche-in-not.at
- www.wald-in-oesterreich.at
- www.fnr.de
- www.waldwissen.net

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Ist bald Schicht im Schacht???

In und rund um die deutsche Stadt Aachen wurde vergangene Woche mit der Verteilung von Jodtabletten begonnen. Verantwortlich dafür zeichnet der belgische Schrottmeiler in Tihange in unmittelbarer Nachbarschaft. Tausende Mikrorisse wurden im Meiler 2 festgestellt. Das beste Beispiel, dass der Mensch die Risiken der Atomkraft nach wie vor nicht beherrschen kann und auch in Zukunft niemals können wird. Über derartige Atomkraftwerke habe ich an dieser Stelle ja schon ausführlich berichtet.
8.432 Kilometer von Aachen entfernt liegt Pyöngyang, die Hauptstadt Nordkoreas, wo derzeit ein offenbar geistig stark verwirrter Diktator mit allen Mitteln versucht, ein atomares Inferno in Ostasien herauf zu beschwören. Nordkorea besitzt inzwischen Atomwaffen – das haben die Tests bewiesen. Bei der letzten dieser Zündungen am 03. September um 12.00 Uhr Ortszeit im Atomtestgelände Punggye-ri wurden gar aufgrund der Heftigkeit der Detonation Überlegungen angestellt, ob nun vielleicht Wasserstoffbomben ausgetestet werden. Seismische Messstationen auf dem ganzen Globus verzeichneten Ausschläge – am Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam 11 Minuten später eine Magnitude von 6,3. Erste Schätzungen sprechen von einer Sprengkraft von über 120 Kilotonnen – die US-Bombe von Hiroshima “Little Boy” hatte im Vergleich dazu 15 Kilotonnen. Und Nordkorea bekommt offenbar auch langsam die Raketentechnik in den Griff. Diese zuletzt gezündete Bombe soll auf einer der getesteten Hwasong 14-Raketen passen. Damit hat ein sog. “Schurkenstaat” eine gewaltige und mehr als unheilbringende Waffentechnik, die nicht nur den südlichen Nachbarn, die USA oder Japan erschauern lässt, sondern auch den einzigen bislang noch verbündeten Bruder China. Schliesslich gab es rund acht Minuten nach der Detonation eine weitere Magnitude, die von einem Erdbeben stammen könnte. Und zudem werden bei einem etwaigen Einsturz des Testgeländes radioaktive Isotope wie Xenon-133 freigesetzt, die bei entsprechendem Wetter sogar bis kurz vor Wladiwostock getrieben werden, dem wohl wichtigsten Pazifikhafen Russlands. Das ruft dann wohl auch Putin auf den Plan, der allerdings zumindest vorerst noch auf Konfrontationskurs mit dem Westen geht.
Nordkorea wäre damit das neunte Land, das über atomare Waffen verfügt, neben China, Frankreich, Grossbritannien, Russland und die Vereinigten Staaten bzw. Indien, Pakistan und Israel. Möglicherweise demnächst auch dem Iran, sollte die US-amerikanische aussenpolitische Entwicklung dermassen anhalten. Während die ersten fünf Staaten im Atomsperrvertrag sind, agieren, entwickeln und bauen all die anderen ausserhalb dieses Vertrages. Soll heissen, dass möglicherweise bei diesen schon ein kleiner Funke ausreicht, um die erste Atombombe zu zünden. Indien und Pakistan befinden sich ohnedies schon seit Jahrzehnten im Kaschmir-Konflikt, Israel muss sich ständig im Nahen Osten gegen die arabische Übermacht zur Wehr setzen und Nordkorea ist spätestens seit der Machtübernahme des jetzigen Herrschers aus allen geordneten Bahnen geraten.
Pakistan ist sicherlich neben Nordkorea der wohl grösste Unsicherheitsfaktor. Das Land ist politisch nicht wirklich sicher, von Terroristen unterwandert und zudem haben Saudi Arabien, die Arabischen Emirate, der Iran und auch Libyen das Kernwaffenprogramm finanziert – nicht umsonst! Die Saudis sollen eine Option auf die Bombe haben, sobald sie sie benötigen. Sie verfügen auch über die notwendigen Trägersysteme. Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi griff zu, als die Pakistani die Bauanleitungen und Ausrüstungen für den Bau der A-Waffen verkauften, der Iran krallte sich die Uran-Zentrifugen. Mit Nordkorea wurden Pläne ausgetauscht – Pakistan erhielt dafür Bauanleitungen für Langstreckenraketen. Durchaus möglich also, dass die Bomben Kims auf pakistanischen Plänen beruhen. Zudem hat Pakistan auch nie einen Hehl daraus gemacht, die Waffen auch für einen Erstschlag einsetzen zu wollen.
Bei all dem kommt noch die Angst davor hinzu, dass Terroristen wie der IS, die Al-Qaida oder die afrikanische Boko-Haram in den Besitz der Waffen oder des spaltbaren Materials kommen könnten. Sie hätten auch keine Scheu davor, diese zu zünden. Und welche Auswirkungen das haben kann, sehen wir bestens am Beispiel Tihange. Von einem Austritt atomarer Strahlung aus dem Schrottmeiler wären nur auf deutscher Seite nicht weniger als rund 600.000 Menschen betroffen.
Die Grossmächte haben diese Gefahr erkannt und unzählige Verträge und Abkommen unterzeichnet, wie etwa den bereits erwähnten

.) Atomwaffensperrvertrag
Dies ist das völkerrechtliche Hauptwerk, das eine Verbreitung von Kernwaffen verbieten und die bereits bestehenden Atomwaffenbestände abrüsten sollte. Gleichzeitig wird den Unterzeichnern aber das Recht auf friedliche Nutzung eingestanden. Unterschrieben haben den Vertrag 190 Staaten – nur Indien, Israel, Pakistan und der Südsudan verweigerten bislang die Unterschrift. Nordkorea ist anno 2003 aus dem Vertrag ausgetreten. Auch wenn die grossen Atommächte sich durch andere Verträge verpflichteten, das Kernwaffen-Arsenal zu verringern, lässt sich dabei niemand wirklich über die Schultern schauen. Zwei bockige, narzisstisch veranlagte ältere Herren in Moskau und Washington könnten nun innerhalb nur einer Legislaturperiode all das zerstören, was auf der einen Seite mit Jimmy Carter und Michael Gorbatschow auf der anderen Seite begonnen hat. Jahrzehntelange Verhandlungen wären beim Teufel, der erneute Aufbau solcher oder ähnlicher Waffen wahrscheinlich – wenn auch im Geheimen so aber dennoch (etwa bei den “Mini-Nukes” oder den Bunkerbrechern bzw. den Mittelstreckenwaffen). In diesem Atomsperrvertrag ist auch die “wirksame internationale Kontrolle” (Artikel VI) der Abrüstung niedergeschrieben. Doch steht da auch etwas von einer “redlichen Absicht Verhandlungen zu führen”! Betrachten wir diese “redliche Verhandlungsabsicht” namentlich bei den beiden Krisenherden Ukraine und Syrien, so haben wir durchaus erkennen können, dass es funktionieren würde, wenn sie denn auch nur wollen. Ich denke allerdings ausschliessen zu können, dass die USA eine IAEO-Kontrollkommission der UNO mit möglicherweise chinesischen oder russischen Mitgliedern bis zu ihrem heiligen Kral vorstossen lassen. Im Falle Russlands (oder auch Chinas) erweckt ein derartiges Vorhaben dann doch wohl lautes Gelächter. Beide Supermächte wollen über Sprengköpfe mit der 10-fachen Kraft des nordkoreanischen Tests verfügen. Eine solche Kontrolle muss zudem vorher angekündigt werden und darf nur bei jene Anlagen erfolgen, die durch die Vertragsstaaten freiwillig zur Kontrolle freigegeben wurden. Ein Zusatzprotokoll, das durch die Internationale Atomenergie-Behörde zum Atomwaffensperrvertrag beigefügt wurde, ist durch nur 139 Staaten unterzeichnet worden. Es gibt den Inspektoren auch die Möglichkeit unangemeldet ihrer Tätigkeit nachzugehen.
Und wie nun Israel und die USA rotierten, nachdem der Iran die friedliche Nutzung der Atomenergie angegangen ist, obwohl diese durch den Atomwaffensperrvertrag ausdrücklich erlaubt ist, ist zwar nach gesundem Menschenverstand durchaus zu verstehen, da das Know-How aus der friedlichen Kernenergie-Nutzung auch für den Bau von atomaren Waffen verwendet werden kann bzw. ein solches Kernkraftwerk in einem unsicheren Gebiet ein enormes Risiko darstellt. Völkerrechtlich jedoch durchaus legitim. Zudem steht es jedem Unterzeichnerstaat auch frei, den Vertrag zu kündigen – eine Bekanntgabe drei Monate zuvor ist das einzige Erfordernis (Art. X). So hat beispielsweise auch das Apartheids-Regime von Südafrika Kernwaffen getestet. Nach dem Fall des Regimes wurden die Pläne offengelegt und gestoppt. Auch die Schweiz begann 1945 mit der Planung und Entwicklung von Atomwaffen als Gegengewicht zu einem möglicherweise atomar aufrüstenden Deutschland. Einen Tag bevor die Bundesrepublik am 28. November 1969 den Sperrvertrag unterzeichnete, kam noch rasch die Unterschrift aus Bern. 1988 wurde das Programm endgültig aufgegeben. Die Liste könnte bei A wie Algerien begonnen werden und würde mit W für Weissrussland enden.
Der Vertrag wurde am 01. Juli 1968 durch die USA, die Sowjetunion und Grossbritannien unterzeichnet – der Iran unter Schah Reza Pahlevi war einer der ersten Staaten, die sich ebenfalls anschlossen. Frankreich und China sind erst 1992 beigetreten. China hatte übrigens bereits 1964 einseitig den Verzicht auf einen nuklearen Erstschlag erklärt, Indien im Jahre 1999. Ich hoffe zwar, dass es niemals so weit kommt – doch ob sie’s noch wissen, wenn’s denn so weit sein sollte?! Im Jahr 2000 schlossen sich einige kernwaffenfreien Staaten zur sog. “New Agenda Coalition” zusammen, die einen schrittweisen aber raschen Komplettabbau der Kernwaffen fordert. Fünf Jahre später weigerten sich die USA – alles war umsonst. Das ist auch der Hauptkritikpunkt an diesem Sperr-Vertrag: Während es anderen Staaten nicht gestattet ist, Atomwaffen zu produzieren, halten sich die Supermächte nicht an die beschlossene Abrüstung. Und zudem sind jegliche Bemühungen zur völkerrechtlichen Verpflichtung durch ein Veto derer im Weltsicherheitsrat ohne Belang! Der bislang letzte Versuch war ein Verbotsvertrag, der am 27. März durch die Generalversammlung auf den Weg hätte gebracht werden sollen. 123 Staaten sprachen sich dafür aus, 38 dagegen – nicht mal mehr Deutschland nimmt an den Sitzungen teil und dies obwohl jahrzehntelang Kernwaffen höchstwahrscheinlich auf beiden Seiten der Mauer auf deutschem Gebiet gelagert wurden.

https://www.youtube.com/watch?v=e0372xAXYVk

.) ABM-Vertrag – Anti-Ballistic Missile Treaty
Es war am 26. Mai 1972 als Leonid Breshnew und Richard Nixon dieses Papier unterzeichneten – inmitten des Kalten Krieges. Hier verpflichteten sich die UdSSR und die USA dazu, keine landesweiten Verteidigungssysteme gegen ballistische Raketen aufzubauen! Für jeden Staat wären alsdann nur zwei lokal begrenzte Raketenabwehranlagen im Abstand von mindestens 1.300 km erlaubt gewesen. Herzhaft werden nun einige unter Ihnen lachen – ich anfänglich auch! Doch war der Hintergrund durchaus ein ernst zu nehmender: Kein Land würde einen nuklearen Erstschlag führen, wenn es sich nicht gegen den Gegenschlag erfolgreich verteidigen könnte (“Mutual assured destruction-Doktrin”)! Parallel dazu sollte die Entwicklung von strategischen Raketenverteidigungen (see-, luft-, weltraumgestützt sowie landbeweglich) eingebremst bzw. gänzlich untersagt werden. Die Anzahl dieser Abwehrraketen muss lt. Vertrag alsdann auf 200 pro Standort begrenzt werden. Zwei Jahre später gar nurmehr auf 100. Ronald Reagan zog sich später den Unmut der Russen mit seinem Star Wars-Programm zu, bei dem anfliegende Raketen aus dem Weltraum abgeschossen werden sollten. Das stiess den Sowjets selbstverständlich sauer auf, widersprach es doch dem Vertrag über die friedliche Nutzung des Weltraumes, der eigentlich 1985 auf Schiene gebracht werden sollte. George W. Bush kündigte im Dezember 2001 den Rückzug der USA aus dem Vertrag an, was sechs Monate später auch tatsächlich geschah. Bushs Vorgänger Bill Clinton hatte zwar die Errichtung eines Raketenabwehrschildes, dennoch aber das Festhalten an diesem Vertrag angekündigt. Die Amerikaner arbeiteten gemeinsam mit Kanada seit den 50er Jahren an einem solchen Abwehrschild (NORAD). Die parallel zu diesem Vertrag geführten Verhandlungen wurden als SALT I und II-Gespräche bezeichnet. Die Einführung der Mehrfachsprengköpfe machte den ABM-Vertrag nahezu überflüssig, konnten doch plötzlich mit einer Interkontinentalrakete mehrere Sprengköpfe gleichzeitig befördert werden, sodass nicht mehr nur eine Abwehrrakete für die Interkontinentalrakete vonnöten, sondern für jeden dieser Sprengköpfe eine eigene Abwehrrakete erforderlich ist.

https://www.youtube.com/watch?v=ebE2DRr1sVs

.) START – Strategic Arms Reduction Treaty
George Bush sen. und Michail Gorbatschow unterzeichneten im Jahre 1991 in Moskau den START I-Vertrag. Darin einigten sich die beiden Mächte, die Bestände von strategischen Atomsprengköpfen und Trägersystemen insgesamt zu verringern. Da jedoch niemand offiziell davon weiss, wie viele dieser Sprengköpfe und Trägersysteme die jeweils andere Seite hat, ist auch dieser Vertrag einzig und allein ein Stück Papier gegen das schlechte Gewissen. Die Idee dazu hatte übrigens Ronald Reagan schon 1982, doch dürfte er damit bei seinem sowjetischen Gegenpart Leonid Breschnew bzw. dessen Nachfolger Jurij Wladimiorwitsch Andropow auf Granit gebissen haben. Ziel war die Reduktion der Trägersysteme auf 1.600 und die Nukleargefechtsköpfe auf 6.000. Im Vergleich dazu hatten die USA anno 2012 nach eigenen, offiziellen (!!!) Angaben 1.950 und Russland 1.740 aktive Sprengköpfe. Auch in diesem START I-Abkommen waren Vorort-Inspektionen vorgesehen sowie ein Verschlüsselungsverbot der Telemetriedaten enthalten. START I lief 2009 aus. Nur zwei Jahre nach der Unterzeichnung, nach dem Fall der UdSSR, unterschrieben George Bush sen. und Boris Jelzin 1993 ebenfalls in Moskau den START II-Vertrag. Bis 2003 sollten die strategischen Nuklearsprengköpfe pro Seite auf 3-3.500 limitiert werden. Die landgestützten Interkontinentalraketen mit Mehrfachsprengköpfen (SS-18 “Satan” bzw. Peacekeeper-Raketen) sollten komplett abgerüstet werden. Tatsächlich aber blieben alle Sprengköpfe erhalten. Nachdem sich die Russen aufgrund der amerikanischen Einsätze im Irak und Kosovo sowie der NATO-Osterweiterung geziert hatten, wurde das zeitliche Ziel von 2002 auf 2007 verschoben. Dann sollte auch START III folgen mit einer weiteren Reduktion auf 2-2.500 Sprengköpfe. Die russische Duma hatte zwar den START II-Vertrag ratifiziert, allerdings hätten dafür die USA im ABM-Vertrag verbleiben müssen. Dieser wurde jedoch von ihnen aufgekündigt – somit trat START II nie in Kraft.

https://www.youtube.com/watch?v=9z-RerkdA00

.) SORT – Strategic Offensive Reductions Treaty
Im Mai 2002 unterzeichneten Wladimir Putin und George W. Bush bei einem Gipfeltreffen in Moskau den SORT-Vertrag. Diese Vereinbarung bezieht sich nur auf die einsatzbereiten Sprengköpfe – nicht Gegenstand sind die Trägersysteme und die eingelagerten Sprengköpfe! Auch hier also wieder ein Larifari-Papier.

.) New START – Strategic Arms Reduction Treaty
Am 08. April 2010 griffen Barack Obama und Dmitri Medwedew in Prag zur Füllfeder und unterschrieben den New START-Vertrag. Erneut ging es um die strategischen Angriffswaffen – so sollen die Sprengköpfe auf beiden Seiten bis 2020 auf jeweils 1.550 sowie die Trägersysteme auf 800 reduziert werden. Der US-Senat ratifizierte das Abkommen im Dezember 2010, die russische Duma im Januar 2011.

https://www.youtube.com/watch?v=tLyDIkXpZDM

.) INF-Vertrag – Intermediate Range Nuclear Forces
Im Weissen Haus in Washington unterzeichneten die beiden Staatsoberhäupter Ronald Reagan und Michail Gorbatschow 1987 den INF-Vertrag. Mit seiner Hilfe sollten alle Flugkörper mit mittlerer und kurzer Reichweite (500 bis 5.000 Kilometer) verschrottet und neue derartige Waffen verboten werden. Hier handelt es sich somit um zwei Raketentypen, weshalb dieser Vertrag auch als eine “doppelte Nulllösung” bezeichnet wird. Im Kern ging es um Europa. Die Sowjetunion hatte Ende der 70er Jahre mit der Stationierung von Mittelstreckenraketen (RSD10/SS-20) in Ziel-Richtung Westeuropa begonnen. 1979 wurde mit dem NATO-Doppelbeschluss reagiert, der die Stationierung von Pershing II-Raketen sowie Cruise Missiles im europäischen NATO-Gebiet, somit auch in Deutschland erlaubte. Damit wurden jedoch West- als auch Ostdeutschland zum möglichen Erstschlagsziel. Mit diesem INF-Vertrag sollte dieses Gefahrenpotential beseitigt werden. Nur aufgrund der Vorbereitungen des deutschen Bundeskanzlers Helmut Schmidt und des Aussenministers Hans-Dietrich Genscher kamen die Vertragsverhandlungen dann auch tatsächlich zum Laufen. Obgleich Michail Gorbatschow diesbezügliche Abrüstungspläne schon zuvor hatte, die jedoch der Parteiapparat noch ablehnte. Erst durch die Katastrophe von Tschernobyl konnte er sich durchsetzen. Die Verhandlungen dauerten sechs Jahre, nachdem sie 1983 für rund 1 1/2 Jahre unterbrochen wurden, da die Sowjets auch die britischen und französischen Raketen im Vertrag sehen wollten. Das Abkommen kam zudem nur aufgrund einer eigenwilligen Zusage des US-Präsidenten Reagan zustande, der im Gegenzug für eine komplette Vernichtung der Waffen die zehnjährige Aussetzung des SDI-Programmes (Raketen-Abwehrschirm Nordamerikas) zusagte. Probleme bereiteten noch die deutschen Pershing II-Raketen, die jedoch auf Anweisung des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl 1987 ausser Dienst gestellt wurden. Die letzte der betroffenen Raketen wurde im Mai 1991 zerlegt. Am 31. Mai 2001 erklärten die NATO und Russland den INF-Vertrag als vollständig umgesetzt. Er gilt als bislang erfolgreichste Abrüstungsmassnahme der beiden Supermächte und als einer der ganz wenigen Abkommen, die tatsächlich umgesetzt wurden. Wäre da nicht Wladimir Putin! Als 2007 die USA in Tschechien und Polen jeweils bodengestützte Raketenabwehrsysteme in Stellung brachten, widersprach Putin offenbar dem Abkommen. 2014 wurde offiziell, dass Russland inzwischen mehrfach Mittelstreckenraketen ausgetestet hat. Die NATO reagiert mit dem MK 41 Vertical Launching System; einer Senkrecht-Startanlage – in Rumänien bereits eingerichtet und in Polen für kommendes Jahr vorgesehen. Von hier aus können unter Umständen auch BGM-109 Tomahawk-Raketen gestartet werden. Wenn es denn sein muss: Mit nuklearen Sprengköpfen! Jetzt beginnt das Spiel wieder von vorne: Die USA beschuldigen Russland bereits zwei aktive Mittelstrecken-Bataillone aufgestellt zu haben. Die Russen wollen sich gegen die grenznahe Stationierung von Raketensystemen schützen. Der Scherbenhaufen ist wieder komplett!!!

https://www.youtube.com/watch?v=1T9H9ZDmz8U

Bei der Anzahl solch vieler Abkommen verliert man schon recht leicht den Überblick. Doch kommen sie ohnedies alle auf eines hinaus: Sie wurden gebrochen bzw. nicht eingehalten – der Grund für den Konjunktiv, den ich über Gebühr in diesem Text verwendete. Und damit wieder zurück zum Anfang der Zeilen: Die Supermächte könnten ganz ausgezeichnet – wenn sie denn auch wollten. Dann wäre ein Aggressions- und Gefahrenpotential aus der Welt geschafft, man könnte sich gemeinsam um solche Gefahren wie Nordkorea oder den IS kümmern. Schliesslich waren es die Russen, die die Mutter aller Bomben gebaut hatten: Die AN602, bekannt auch als “Zar-Bombe”. Sie wurde am 30. Oktober 1961 in 10.000 m Höhe von einem umgebauten Tupolew-Bomber abgeworfen, fallschirmgebremst und in 4.000 m Höhe über dem Testgelände “Sukhoy Nos Zone C” auf der Insel Nowaja Semlja gezündet. Dabei entwickelte sie eine Sprengkraft von 57 Megatonnen. Die AN602 wog 27 Tonnen, war acht Meter lang sowie zwei Meter im Durchmesser. Andrej Sacharow hatte sie konstruiert. Und sie wäre nahezu doppelt so stark gewesen, wäre bei diesem Test nicht auf den dritten und möglicherweise auch zweiten Uran-Mantel verzichtet worden. Sie hätte in einem Radius von 35 Kilometer (davon 3,5 Kilometer Feuerwalze) alles platt gemacht. Eine Fläche, grösser als Paris. Der Feuerball reichte bis auf den Boden, der Atompilz war bis zu 64 km hoch. Die ausgelöste Druckwelle umrundete dreimal die Erde. Die seismischen Wellen waren auf der anderen Seite des Globuses zu spüren.

https://www.youtube.com/watch?v=9JnK2IlIVAQ

Ein Irrsinn! Da stellt sich die Frage, was all das denn mit den Grundwerten der Kriegsführung, mit der Offiziersehre und ganz allgemein den ethischen Grenzen des Menschen zu tun hat. Hierbei handelt es sich um ein Massenvernichtungsmittel, das nicht auf die Vernichtung eines gegnerischen Heeres abzielt, sondern auf das Auslöschen eines ganzen Volkes, inklusive seiner Frauen, Kinder, Kleinkinder, Greise, Verwundete, …

Lesetipps:

.) Abrüstung durch Rüstungskontrolle? Amerikanische Reduzierungskonzepte in SALT und START 1969–1989; Michael Paul; Nomos-Verlags-Gesellschaft1990
.) Von SALT zu START. Ein System antagonistischer Rüstungssteuerung (= Militär, Rüstung, Sicherheit. Band 14); Heinz-Jürgen Beuter; Nomos-Verlags-Gesellschaft 1982
.) Die Atomwaffen nieder! Völkerrechtliche und zivilgesellschaftliche Wege der atomaren Abrüstung; Matthias van der Minde; VSA Verlag 2010
.) Combating Weapons of Mass Destruction. The Future of International Nonproliferation Policy; Nathan E. Busch / Daniel H. Joyner; Georgia University Press 2009
.) Handwörterbuch Internationale Politik; Wichard Woyke (Hrsg.); UTB 2010
.) Ritual – Macht – Natur. Europäisch-ozeanische Beziehungswelten in der Neuzeit; Johannes Paulmann / Daniel Leese / Philippa Söldenwagner (Hrsg.); Überseemuseum 2005

Links:

- www.atomwaffena-z.info
- nuclearweaponarchive.org/
- www.nti.org
- www.armscontrol.org
- www.state.gov
- www.whitehouse.gov
- www.iaea.org
- russianforces.org/
- index.heritage.org/military/2017/assessments/us-military-power/u-s-nuclear-weapons-capability/
- fas.org/
- www.sipri.org
- www.peterhall.de/
- frieden-sichern.dgvn.de
- www.ag-friedensforschung.de/
- www.hsfk.de
- pogo.org/
- www.bpb.de

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Das kann ja heiter werden


“Es ist so wie bei einem Güterzug. Hat der sich erst einmal in Bewegung gesetzt, dürfte es fast unmöglich sein, ihn wieder zu stoppen.”

(Antoni Lewkowicz, Geologe und Exvorsitzender der Internationalen Permafrost-Gesellschaft)

Die Tragödie von Bondo hat es einmal mehr aufgezeigt: Die Erde lebt und sie reagiert zunehmend extremer auf den Klimawandel. Rund vier Millionen Kubikmeter Gestein und Schlamm haben sich Mitte August in diesem kleinen beschaulichen Dorf im schweizerischen Kanton Graubünden zu Tal geschoben. Dabei dürften sie acht Menschen unter sich begraben haben, die trotz der Warnung über die instabile Lage der Geröllmassen das Gebiet bewanderten.
Viele zeigen sich verwundert, dass immer wieder derartige Naturereignisse auftreten, dabei ist das Phänomen jedoch sehr simpel. Lassen Sie es mich anhand dieses Beispieles erklären. Der Piz Cengalo in Bondo beherbergt den grossen Aletsch-Gletscher. Dieser aber geht aufgrund der höheren Temperaturen konstant Jahr für Jahr zurück. Dabei legt er in einer Höhe von etwa 2.500 Meter Fels frei, der bislang durch das Eis des Gletschers stabilisiert wurde. Steigt nun die Temperatur im Stein auf über minus 1,5 Grad, so wird das Ganze instabil. Zudem hat das Wasser Rinnen und Kanäle in das Gestein gebohrt. Durch das weitere Abtauen und das Mehr an Wasser werden immer grössere Felsmassen instabil. Dadurch rutscht die sog. “Moosfluh” (ein kompletter Hang an der Flanke der Berges) immer weiter ab. Auch im Winter, wenn das Wasser im Stein gefriert, kann es zu richtiggehenden Felssprengungen kommen. Die Folge sind geringstenfalls Steinschlag, schlimmstenfalls aber Abbrüche wie dieser Mitte August. Und da oben liegt noch mehr! Experten des Bundesamtes für Umwelt sprechen von bis zu 150 Millionen Kubikmetern. Dagegen kann leider nichts unternommen werden, die Menge ist einfach zu gigantisch. In diesem Falle steht der Berg seit längerer Zeit unter ständiger Beobachtung – das Dorf war bereits evakuiert. Ebenso beim zweiten Rutsch Ende August. Der Aletsch-Gletscher schmilzt seit dem Jahr 1850 kontinuierlich – in den letzten vierzig Jahren um rund 1,3 Kilometer. Dies setzt unheimliche Felsmassen frei, die sogar bis in eine Tiefe von 150 Metern reichen. Die Moosfluh rutschte im Jahr 2015 um zeitweise 80 cm pro Tag in Richtung Tal ab – zuletzt waren es 12 cm. Diese Rutschgeschwindigkeit bereitet den Experten grosses Kopfzerbrechen. Damit Sie in etwa eine Dimension des Ganzen bekommen: Die Rede ist von rund 2 Quadratkilometern – das sind ca. 280 Fussballplätze! Überall entstehen inzwischen Spalten – die grösste ist rund 300 m lang und bis zu 20 m breit. Dasselbe Bild zeigt sich auch beim Piz Kesch im Engadin (Felssturz anno 2014) oder dem Bliggferner in den Ötztaler Alpen. Auch hier sind rund 4 Mio Kubikmeter Fels betroffen. Stürzen diese in den darunterliegenden Gepatsch-Stausee ist mit einer Katastrophe zu rechnen! Der aussergewöhnlich heisse Sommer im Jahr 2003 brachte beispielsweise auch eine aussergewöhnlich hohe Felssturzaktivität mit sich. Messungen haben ergeben, dass der Auftauboden in der Schweiz um bis zu 0,5 m tiefer reichte als in den 20 Jahren zuvor. Übrigens steht auch die Zugspitze unter Beobachtung, haben doch Berechnungen ergeben, dass auf dem höchsten Berg Deutschlands der Permafrost spätestens bis zum Jahr 2080 aufgetaut sein könnte.
Dem Thema des sog. “Permafrosts” möchte ich mich heute an dieser Stelle widmen, denn es stellt ein riesiges Pulverfass dar, das jederzeit explodieren kann. Den Permafrost nämlich gibt es nicht nur in den Bergen, sondern vornehmlich in den arktischen Gebieten Russlands (50 % des Staatsgebietes), Kanadas (40-50 %), der USA (Alaska zu 80 %) und auf Grönland (99 %). Auch 20 % des Staatsgebietes Chinas besteht aus Permafrost! Insgesamt rund 23 Mio Quadratkilometer. Unter dem Permafrost versteht man normalerweise einen Boden, der das gesamte Jahr über gefroren ist. Das kann nun Sediment oder Gestein wie in den Alpen bzw. Boden und Torf wie in den arktischen und antarktischen Gebieten sein – den Tundren. Damit dies geschieht, muss er zumindest zwei Jahre lang Minusgraden ausgesetzt sein. Rund 90 % der arktischen Permafrostzone sind durchgehend gefroren (kontinuierlicher Permafrost – Jahresdurchschnittstemperatur von -6 bis -8 Grad Celsius). Dann folgen der diskontinuierliche (Jahresschnitt: -3 bis -4 Grad Celsius), der sporadische (Jahresschnitt: -1 bis -2 Grad Celsius) und der isolierte Permafrost. Ab einer Jahresdurchschnittstemperatur vom -1 Grad Celsius und einer Jahresdurchschnittsmenge von 1.000 mm/qm Niederschlag wird’s kritisch. Interessanterweise gibt es auch den submarinen Permafrost, also tiefgefrorenen Boden unter Wasser – etwa in der Laptewsee (Nordpolarmeer). Diese submarinen Dauerfrostböden haben mit den Kontinentalschelfs in der letzten Eiszeit zu tun. Sie möchte ich aber heute zum grössten Teil mal aussen vor lassen. Während die gefrorene Boden-Decke etwa in Skandinavien nur bis auf rund 20 Meter Tiefe geht, reicht sie in Sibirien schon mal auf bis zu 1.500 m. Verantwortlich dafür ist die nördliche Weichsel-Kaltzeit (120-10.000 Jahre v.Chr.), also die letzte Eiszeit, die ihre Gletscher unterschiedlich platzierte. So war Sibirien etwa komplett vergletschert. In den Alpen sorgte parallel dazu die Würm-Eiszeit (115-10.000 Jahre v.Chr.) für die Gebirgs-Gletscher und so manches Tal.

http://gtnpdatabase.org/activelayers

Taut nun Permafrostboden etwa im Sommer auf, so spricht man dabei vom “active layer”. Die Auftauschicht variiert zwischen 30 bis 200 cm. Darunter bleibt der Boden gefroren. Sollte aufgrund eines Temperaturanstiegs von 2 Grad auch der Boden wärmer werden, so haben Wissenschaftler ausgerechnet, dass bis zu 44 % des Permafrostbodens dauerhaft auftauen könnten. Eine Tatsache mit schwerwiegenden Folgen. In diesen Böden nämlich fand eine Gefrier-Konservierung jeglichen organischen Materials statt: Holz, Pflanzen, Tiere, etc. 1997 wurde beispielsweise das sog. “Jarkov-Mammut” ausgezeichnet erhalten in Nordsibirien gefunden. In den oberen Schichten der Permafrost-Böden werden bis zu 1.500 Milliarden Tonnen Kohlenstoff geschätzt. Das ist fast doppelt so viel wie in der gesamten Atmosphäre. Werden (wie berechnet) bis zum Jahr 2100 rund 100 Milliarden Tonnen freigegeben, so steigt alleine hierdurch die Durchschnittstemperatur um 0,2 Grad.
Aus dem Permafrostboden wird also zusehends eine Moorlandschaft. Mit allen Vorzügen, aber auch Nachteilen. Jeder, der schon mal durch ein Moor gegangen ist, der weiss, dass man sich vor den Gasen in Acht nehmen muss. V.a. das Distickstoffmonoxid (N2O) kann für den Menschen gefährlich werden, wurde es doch in früheren Zeiten als “Lachgas” in der Narkose eingesetzt. Daneben sind noch Methan (CH4) und Kohlendioxid (CO2) zu erwähnen. Obgleich Methan für den Menschen ungiftig ist, sollte doch sehr sorgsam damit umgegangen werden, da es zu einer höheren Atem- und Herzfrequenz führen kann. Eine zu hohe Konzentration von Kohlendioxid führt zum Erstickungstod. Soweit zur Toxikologie.
Alle drei Gase allerdings sind Treibhausgase – teils sehr klimawirksam bzw. aggressiv:

.) Kohlendioxid (CO2)
Kohlendioxid entsteht in entwässerten Mooren. Allerdings nehmen Moore auch Kohlendioxid auf: Bei normalen Moore sind es rund 1.200 kg pro Hektar und Jahr, bei Reichmooren gar 1.700 kg. In den Permafrostböder dieser Welt sind zirka 1.300 bis 1.600 Gigatonnen CO2 gebunden – in der Luft befinden sich zum Vergleich “nur” 800 Gigatonnen.

.) Methan (CH4)
Methan entsteht in ungestörten und wiedervernässten Mooren beim Abbau von Kohlenstoffverbindungen unter Ausschluss von Sauerstoff. Werden also Pflanzen oder Tiere im Moor durch Bakterien abgebaut, wird dadurch Methan freigesetzt. Könnte dies in den Permafrostgebieten aufgefangen werden, wären wohl die Heizprobleme von Generationen frierender Menschen gelöst. Das Treibhauspotential von Methan ist rund 25mal grösser als jenes von Kohlendioxid.

.) Lachgas (N2O)
Der Klimakiller schlechthin ist jedoch das Lachgas. Es entsteht vornehmlich in entwässerten Reichmooren oder gedüngten Mooren, die ohnedies bereits viel Stickstoff enthalten. Hinzu kommt noch eine hohe Konzentration an Stickstoff im zugeführten Dünger. Das Treibhauspotential von Lachgas ist rund 300mal grösser als das von CO2.

.) Wasserstoff (H2)

.) Schwefelwasserstoff (H2S)

.) Phosphorwasserstoff (P2H4)

Die Klimawirkung dieser Gase werden durch die “CO2-Äquivalenten” angegeben. Dabei handelt es sich um die mittlere Erwärmungswirkung über zumeist 100 Jahre. So werden beispielsweise alleine in deutschen Landen nicht weniger als 31 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente aus Mooren freigesetzt. Eine ungeheure Zahl! Dabei aber ist dies nur 2,8 % der deutschen Gesamtemission klimawirksamer Gase!
Die letzteren drei Gase entstehen unter Druck – sie entweichen entweder explosionsartig oder durch Blasen. Reagieren sie nun mit dem Sauerstoff der Luft, kommt es zu Verbrennungen (Moor-Irrlichter).
All diese Gase werden beim Auftauen der Permafrostböden freigesetzt. Was das für die Atmosphäre bedeutet, muss hier nicht eigens erwähnt werden. In Langzeitbeobachtungen der letzten Jahrzehnte konnte nachgewiesen werden, dass die Permafrostgrenze v.a. in Nordamerika, aber auch in Eurasien in Richtung Norden wandert. Soll heissen, dass immer mehr des gefrorenen Bodens auftaut.

https://www.youtube.com/watch?v=ND7TrKFm-eo

Selbstverständlich ist es auch in anderer Richtung tragisch: Wurden Häuser, Dörfe oder ganze Städte auf Permafrostböden hochgezogen, so versinken diese beim Auftauen im Morast (“Thermokarst”). Hier ging man zuletzt dazu über, Häuser auf Pfählen zu errichten, die bis auf die permant gefrorene Bodenschicht hinunterreichen. Im russischen Norden etwa stürzen ganze Landstriche in sich zusammen. Zu einer aussergewöhnlichen Kraterlandschaft, da das auftauende Wasser an Volumen verliert, Gase entweichen und der Boden seinem eigenen Gewicht nachgibt. Sollten die gesamten, geschätzten 35.000 Kubikkilometer auftauen, so würde der Meeresspiegel nach Berechnungen um bis zu 9 cm ansteigen. Durchaus realistisch, haben doch die Oberflächentemperaturen im Norden Kanadas und Sibiriens in den 90er Jahren um rund 2 Grad zugenommen (nach 3 Grad in den 80ern). So blöde es auch klingen mag: Eine höhere Schneedecke im Winter beschleunigt die Erwärmung der Böden, da der Schnee einer Kälteschutzdecke gleichkommt. Nach Berechnungen von Klimatologen wird sich die zusammenhängende Permafrostdecke bis zum Jahr 2100 von derzeit 10,5 auf nurmehr 1 Million Quadratkilometer verkleinert haben.
Nur mit Hilfe der Satelliten ist eine ständige Beobachtung und Vermessung dieser riesigen Dauerfrostflächen möglich. So wurde beispielsweise ein Teil des betroffenen Lena-Tales in Russland im Oktober 2014 via Satellit durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) vermessen und abgebildet. Beobachtet wird hingegen auch eine Wanderung der Baumgrenze in Richtung Norden. Ein untrübliches Anzeichen dafür, dass die Temperaturen ansteigen. So hilft sich die Natur selbst: Bäume binden während ihres Lebens unheimlich viel Kohlenstoff durch die Aufnahme von CO2 aus der Luft. Wissenschaftler der Forschungsstation Samoilov im Lena-Delta entdeckten unweit der Station eine etwa 70 cm hohe und 20 Jahre alte Lärche. Weitaus nördlicher der Baumgrenze! Sie wurde zum Symbolbild für die Erderwärmung.
Die weitere Gefahr: Methangas-Entweichungen. Hochrechnungen haben ergeben, dass pro Jahr zwischen 14 bis 35 Mio Tonnen Methan nur in Sibirien und Alaska freigesetzt werden. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnten es bis zu 200 Mio Tonnen pro Jahr sein. Alleine das könnte die weltweite Durchschnittstemperatur um 0,32 Grad Celsius erwärmen. Erste Schätzungen über die Folgekosten nur des freigesetzten Methans aus Ostsibirien belaufen sich auf weltweit 60 Billionen US-Dollar. Die Zeitung “Siberian Times” berichtet von inzwischen bis zu 7.000 Methanblasen in Sibirien. Und hier kommt nun auch wieder der submarine Dauerfrostboden in’s Spiel: Russische Wissenschaftler konnten anhand von 5.100 Messungen zwischen den Jahren 2003 und 2008 nachweisen, dass zirka 80 % des Tiefenwassers und etwa 50 % des Oberflächenwassers des ostsibirischen Schelfs mit Methan übersättigt sind. Damit gelangt mit rund 8 Millionen Tonnen kontinuierlich (ohne plötzliche Ausbrüche) nur hier jährlich mehr Methan in die Luft als in allen anderen Ozeanen zusammen. Die Experten warnen in diesem Zusammenhang vor einer abrupten globalen Erderwärmung! Einer Zeitbombe gleich!
Zurück in heimische Gefilde: Durch eine exzessive Wärmeentnahme beispielsweise aufgrund von Bodenwärmepumpen, verbunden mit einem nicht zugleich stattfindenden Ausgleich durch Umgebungswärme kann übrigens ein künstlicher Permafrostboden angelegt werden. Dies geschieht etwa, wenn zwischen den einzelnen Anlagen oder Bohrungen zu wenig Abstand besteht.
Die Alpenvereine Deutschlands und Österreichs, sowie der Schweizer Alpen Club warnen ganz allgemein bei Touren in’s Hochgebirge. Zwar werden die Wege immer wieder gepflegt (alleine im Zuständigkeitsbereich des DAV befinden sich 30.000 Kilometer Wegstrecke), doch gehört der Steinschlag und Felsabbruch inzwischen zum alpinen Bergerlebnis hinzu. Deshalb sollte keineswegs bei der Ausrüstung und Information vor der Tour gespart werden. Und noch ein Tipp für alle Investoren mit Vorliebe für Kanada, Skandinavien oder Russland: Vergewissern Sie sich immer vor dem Ankauf einer Immobilie, ob diese auf einem Permafrostboden erbaut wurde.

Zuletzt noch die Gretchenfrage:

Kennen Sie Ihren CO2-Fussabdruck??? Wenn ja – arbeiten Sie daran???

Lesetipps:

.) Warnsignal Klima: Das Eis der Erde; J.L. Lozán / H. Grassl / D. Kasang / D. Notz / H. Escher-Vetter (Hrsg.); 2015
.) Natural Gas Hydrate: Coastal Systems and Continental Margins; M.D. Max; Springer 2000
.) Climate Change, Permafrost, and Impacts on Civil Infrastructure; F.E. Nelson / L.W. Brigham 2003
.) A projection of severe near-surface permafrost degradation during the 21st century; D.M. Lawrence / A.G. Slater; Geophys. Res. Lett. 2005
.) Arctic Climate Impact Assessment; ACIA 2005
.) Disappearing Arctic Lakes; L.C. Smith / Y. Sheng / G.M. MacDonald / L.D. Hinzman; 2005


Links:

- ipa.arcticportal.org
- gtnp.arcticportal.org
- www.awi.de
- hgf-eda.de
- nordic–envri-fi-bin.directo.fi
- www.footprint-deutschland.de
- www.planeterde.de
- www.geo.fu-berlin.de
- www.uni-giessen.de
- www.klima-warnsignale.uni-hamburg.de
- www.expedition-moor.de

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